#se Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 47 -1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 13./14. Aug. 1933 Chefredakteur: M. Braun Die Zeit geht vorüber. Ein Kulturfortschritt wird den andern hervorrufen, die Menschheit wird sich immer neue Aufgaben stellen, wird sie zu einer Kulturentwicklung führen, die Nationalitätenhaẞ, Kriege, Religionsstreit und ähnliche Rückständigkeiten nicht mehr kennt. August Bebel, gestorben am 13. August 1913. Brüning und Hitler Die Arbeitsschlacht Der frühere Reichskanzler rechnet mit Hitlers Sturz Ein Protestbrief an den Staatssekretär Pacelli Nach dem Daily Herald bleibt Dr. Brüning in engen Beziehungen mit den wichtigsten Staatsmännern Englands, Frankreichs und Italiens, überzeugt, daß die Hitlerregie: rung bald an ihren Erzessen zugrunde gehen wird. Das Blatt fügt hinzu, daß der Reichskanzler Hitler und Herr von Papen die Tätigkeit des Zentrumsführers sehr genau beobachten, aber es wegen seines Ansehens, das er im Auslande genießt, nicht wagen, ihn verhaften zu lassen. Dr. Brüning hat übrigens bis jetzt nur einen einzigen Schritt getan, den man als hitlerfeindlich bezeichnen könnte. Er hat an den Kardinal Pacelli, d. h. an den Vatikan, ge: schrieben, um ihm mitzuteilen, daß es ihm sowohl als Kathos lik wie als Politiker unmöglich sei, das Konkordat zu billigen. Die gegenwärtige Regierung, sagt er( dem Sinne nach) in diesem Brief, wird nicht dauern. Man kann ihr feine Zukunft geben. Ich mache Sie auf die Gefahr aufmerksam, die aus dem Abschluß entstehen kann. Andererseits ist man überzeugt, daß der Präsident von Hindenburg(?), wenigstens noch im Augenblick, sich gegen jede Gewaltmaßnahme wendet, welche die Hitlerregierung gegen Dr. Brüning anwenden könnte. Juden hoch willkommen! Weltboykott gegen Leipziger Messe Das dritte Reich" lädt die Internationale Judenschaft ein- Geschäft wichtiger als Rassenfrage Wien und Leipzig Wien 12. Aug.( Inpreß). In Wien wird angenommen, daß die Wiener Messe, die eine Woche später als die Leip ziger Herbstmesse beginnt, den Vorteil vom Boykott der Leipziger Messe ernten wird. In Wien laufen viele Anfras gen, besonders aus Polen, Rumänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei, aber auch aus Frankreich, England und Italien ein, um festzustellen, ob Oesterreich die boykottiers ten deutschen Produkte ersetzen könne. Eine starke Reklames kampagne, die auch die katholischen Mißstimmungen gegen Hitler- Deutschland auszunuzen versucht, wirbt für die Wies ner Meffe. Künstlich gesteigerte Besucherzahl Leipzig, 12. Aug.( Inpreß). Zahlreiche Werbeschreiben und Prospekte legen voraussichtlichen Besuchern der Wiener Messe nahe, ihren Weg doch über Leipzig zu nehmen. Man scheint damit zu rechnen, daß solche Transitreisende in der Meffeftatistit als Messebesucher aufgeführt werden können. Liebe Juden, kommt! aber nicht in Münchmeyers Jagdrevier „ Kein Arier- Paragraph für die Leipziger Messe"! So verfündet das gleichgeschaltete B. T.", das den Grund dieses Phänomens wissen muß, da es den Arier- Paragraphen, wenigstens für seine Familien- Anzeigen auch noch nicht eingeführt hat. In der Tat: wo das von dauernden Finanznöten geplagte Hitlerreich noch hofft, den Juden Geld abnehmen zu können, da sind sie freundlichst zugelassen: in der Presse, deren redaktionellen Teil man ihnen gestohlen hat, dürfen sie inserieren, in den neuerrichteten Spielhöllen von Baden- Baden usw. ihr Geld verlieren, und auf der Leipziger Messe dürfen sie das Geschäft beleben. Ja, da wird den lieben Juden zuliebe der Hitlerstaat sogar- hört, hört international! Man lese mit möglichst ernstbleibendem Gesicht die Sirenenklänge, die das Leipziger Messe amt bläst: Die Leipziger Meffe ift seit Jahrhunderten sowohl im Hinblick auf die Einkäufer als auch auf die Aussteller eine internationale Veranstaltung. Es ist selbstverständ= lich, daß diese Internationalität der Leipziger Messe auch in Zukunft teine Störung erfährt. Die Leipziger Messe ist und bleibt ein Instrument des Warenverkehrs, dessen Bedeutung nicht auf den deutschen Binnenmarkt beschränkt bleibt, sondern internatio: nal ist. Alle Gerüchte, daß bestimmte Staaten und Völ Im Frühjahr hatte- wie alljährlich- in Leipzig die Pelz( Rauchwaren-) Messe stattfinden sollen. Aber nicht ein Zobelschwanz war da! Mit Rücksicht auf den Judenboykott hatte der jüdische Pelzhandel ganz heimlich, still und leise die Messe nach London verlegt, wo sie stattfand. Und Leipzig hatte das Nachsehen.... Ob die nicht ganz echt klingenden„ internationalen" Lock töne des Messeamtes jetzt etwas nüßen werden? An anderer Stelle des B. T." fann man folgendes lesen: In einer Versammlung der NSDAP. in Nürnberg sprach Reichstagsabgeordneter Pfarrer a. D. Münch meyer. Er äußerte sich dabei auch über die Judenfrage und erklärte, alle Parteien, von der KPD. bis zu den Deutschnationalen, hätten kein volles Gefühl für wahre deutsche Ehre; denn in allen diesen Parteien hätten die Juden eine große Rolle gespielt. Die Nationals sozialisten dagegen seien der Auffassung, daß die deutsche Ehre es erfordere, Deutschland frei zu machen von den Fesseln des Judentums. U. a. müßte jeder Jude, der ein deutsches Mädchen verführe, mit dem Tode bestraft werden. Vom Standpunkt des Pastors Münchmeyer, des berüchtig ten Narbenbetasters und Austeilers brüderlicher Apostel küsse an weibliche Pflegebefohlenen, erscheint es durchaus verständlich, wenn er das Monopol in der Verführung deutscher Mädchen für sich behalten und jüdische Konkurrenten mit dem Tode(!) bestrafen möchte. Jeder Psychiater erkennt hier ohne Mühe den Eifersuchtsausbruch eines von Minderwertigkeitskomplexen gequälten Psychopathen. Aber deutsche Ehre? Ist es nicht etwas unvorsichtig, das Maul so voll Phrasen über Ehre zu nehmen, wenn man denselben Juden, den man unter Berufung auf die„ Ehre" zur Hintertür hinauswirft, zur Vordertür mit einem devoten Bückling wieder hineinbittet: ,, Vielleicht ist dem geehrten Herrn Jpig ein kleines Messegeschäft angenehm?" Das ist deutsche Ehre? Die Juden hätten hier einmal GeIegenheit, den Hitlerleuten deutlich zu zeigen, wie sie über Ehre denken.... Geächtet! München, 11. Aug.( Inpreß.). In Nürnberg, Erlangen und in Staubingen an der Donan ist den jüdischen Eins wohnern die Benugung der Badeanstalten und Flußbäder verboten worden. London, 10. Aug.( Jnpreß.).„ Daily Herald" meldet, daß die Juden aus den bayrischen Ortschaften Ober- Roßbach, Unter- Roßbach und Rimgbach ausgewiesen worden seien. fergruppen, zum Beispiel nichtarische Kaufleute, Und Stretcher sprach... von der Beschickung und dem Besuch der Leipziger Messe ausgeschlossen werden sollten, entbehren jeder Grundlage. Auch den in Deutschland ansässigen jüdi: schen Kaufleuten wird bei der Ausübung ihrer Geschäfts: tätigkeit auf der Leipziger Messe kein Hindernis in den Weggelegt. Nachtigall, ich hör dir laufen! Diese wunderbare Juden freundlichkeit der Messestadt hat ihre sehr realen Gründe: Der Führer der Nürnberger Nationalsozialisten, Herr Streicher, berichtet in seinem Blatt von dem Selbstmord eines Juden, der sich wegen antisemitischer Verfolgungen in Canns statt das Leben genommen hat, mit folgendem Kommentar: „ Wir hätten nichts dagegen, wenn alle seine Raliegenollen fich auf die gleiche Weise verabschieden würden." Von D. F. Als Franz von Papen vor etwas mehr als einem Jahre mit Steuergutscheinen und anderen Subventionen die Wirtschaft ankurbeln wollte, meldete die deutsche Unternehmerpresse täglich Neueinstellung von Arbeitern und machte künstlich in Wirtschaftsoptimismus. Hätte dem Herrn von Papen der riesenhafte Propagandaapparat des ,, dritten Reiches" zur Verfügung gestanden, so würde auch er seine sehr unzulänglichen Regierungserfolge als große Siege haben aufmachen können. So ließ der Eifer allzu rasch nach. Die jetzige Regierung behauptet, eine gewaltige Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit zu schlagen. Unzweifelhaft wird viel Energie entwickelt, um die Erwerbslosigkeit zu senken. Wir haben keinen Grund, diesen starken Willen zu verkleinern. Wir haben nicht einmal Ursache, einen Mißerfolg zu wünschen. Eine wirkliche Eingliederung von Millionen Arbeitern in den Produktionsprozeß würde die politische und moralische Kraft der antifaschistischen Volksgenossen nur erhöhen. Der Prestigeerfolg des Regimes wäre vorübergehend. Das Drängen der Arbeiter nach höherer Lebenslage und größerer Freiheit wäre dauernd. Wir gehen also gerne sachlich an eine Untersuchung des Standes der Arbeitsschlacht heran. Nach der neuesten amtlichen Veröffentlichung ist die Zahl der Erwerbslosen vom Höchststand am 15. Februar 1933 mit 6,047 Millionen bei den Arbeitsämtern gemeldeten Erwerbslosen auf 4,469 Millionen gesunken. Das ist keines wegs so überwältigend, wie der Propagandaapparat des ,, dritten Reiches" glauben machen will. Es ist, wenn wir ein mal die amtliche Statistik als wahr hinnehmen, ein Rückgang von 16 Millionen. Im Jahre 1932 konnte in derselben Zeit ein Rückgang von 750 000 Erwerbslosen erzielt werden. In dem diesjährigen scheinbar größeren Rückgang ſtecken aber sehr beträcht liche unechte Entlastungen. So sind die 200 000 auf öffent liche Kosten in den Arbeitsdienstlagern unterhaltenen jungen Leute nicht mehr in die Erwerbslosigkeit eingerechnet. Es fehlen die vielen Zehntausende, die man in Gefängnisse und Konzentrationslager gebracht oder über die Grenzen gejagt hat. Es fehlen auch die einstweilen statistisch noch unerfaßten„ Toten der Arbeitsschlacht" viele tausende„ Staatsfeinde", denen man jede Unterstützung entzog und sie so statistisch verschwinden ließ. Das sind Gruppen, die hunderttausende Menschen umfassen. Hinzuzurechnen sind noch die Männer und Frauen, die in den ländlichen Gebieten zur Arbeitsleistung auf den Feldern kommandiert worden sind. Wie unsicher dieser Frontteil in der Arbeitsschlacht ist, geht daraus hervor, daß jetzt schon gesetzliche Bestimmungen gegen den Zuzug nach den Großstädten erwogen werden, weil man befürchtet, daß nach Beendigung der Ernte viele auf dem Lande Erwerbs lose in die Städte drängen wollen. In allen hochindustriellen Bezirken des Reiches liegt die Erwerbslosigkeit noch weit über dem Reichsdurchschnitt. Zur Zeit des Höchststandes Ende Februar entfielen im Reiche 96,2 Arbeitslose auf tausend Einwohner, am 31. Juli hingegen noch 71,6. Jn Sachsen aber sind die Zahlen 143,2 und 111, in Brandenburg 127,3 und 102,2. Auch nach dem Hundertsatz war der Rückgang in den Industrie bezirken geringer. Daß die etwas verringerte Zahl der Erwerbslosen nicht auf das besondere Genie der Regenten des„ dritten Reiches" zurückzuführen ist, beweist die Wirtschaftslage an der Saar, die zum französischen Zollgebiet gehört. Die Zahl der Erwerbslosen ist laut dem Bericht der Regierungs kommission vom Februar bis zum Juni von 45 101 auf 36 408 gesunken, und zwar ohne Gefängnisse, Konzentrationslager, Ausweisungen, Arbeitsdienst, Erntekommandos, und andere Manipulationen im„ dritten Reich". Es ist bemerkenswert, wie sehr die triumphalen Siegesberichte in den politischen Teilen der deutschen Presse sich abheben von den sehr gedämpften Verlautbarungen der Fronten im Handelsteil. Mit einer Einmütigkeit, die kaum eine Ausnahme kennt, berichten alle Wirtschaftsgebiete, daß die Ausfuhr trostlos ist. 3war wird be schönigend immer hinzugefügt, daß der Jn land absatz sich hebe, aber nirgendwo wird behauptet, daß er auch nur annähernd den Exportverlust ausgleicht. Ausgesprochene Exportindustrien, wie die Solinger, verderben alle Siegesbulletins, indem sie von Monat zu Monat eine Verschlechterung feststellen. Die Textilindustrie, die infolge der großen Uniformmode so etwas wie eine Hausse erlebte, wird nun auch schon wieder kleinlauter. Die Produktion sinkt, und man sieht sorgenvoll den nächsten Monaten entgegen. Ungünstig sind auch die Absatzverhältnisse der Maschinenindustrie und des Apparatebaues. Die angesagte Belebung der Bauberufe ist abgestoppt worden, da die Regierung Baustoffwucher befürchtet. Es werden deshalb einstweilen nur 50 Millionen Reichs mark für Hausreparaturen zur Verfügung gestellt. Nirgendwo wird berichtet, zu welchen Löhnen und zu welchen Arbeitsverhältnissen die Neueinstellungen erfolgt sind. Die nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellen hat beschlossen, die vorhandene Arbeit auf eine größer Zahl von Arbeitern zu verteilen, also die Arbeit zu strechen. Die Schwerindustrie empfiehlt die 40- Stundenwoche. Das ist bekanntlich eine von den Gewerkschaften seit Jahren erhobene Forderung. Sie ist arbeitsethisch von hoher Bebeutung, schafft aber keine zusätzliche Kaufkraft. Es wäre wichtig, zu erfahren, ob der behauptete starke Rückgang Der Arbeitslosigkeit in Deutschland das Gesamtein. kommen der Arbeiter und Angestellten er. höht und damit den Verbrauch allgemein belebt hat. Auf diese Frage schweigt aber die Reichs regierung und ihre Presse beharrlich. Man muß sich also schon an private Angaben halten. Die aber verstärken den 3weifel an den Siegesberichten aus der Arbeitsschlacht, denn nicht nur die durch Boykott und Judenhaß geschun denen Warenhäuser, sondern auch der fachliche Einzelhandel stellt einen Rückgangderumsäße fest. Man muß also bis auf weiteres annehmen, daß die Kaufkraft nicht gehoben wurde, sondern viel leicht noch gesunken ist, und das versalzt leider den dicken süßen Siegesbrei. Bleibt also die Frage der Kaufkraft sehr im Dunkel, so ist der kapitalistische Wille zu Preissteigerungen sehr licht und klar. Der Lebenshaltungsindex steigt zwar langsam, aber sicher. Die so stark genährte Hoffnung auf konjunkturelle Belebung wird durch Preiserhöhungen und durch die Wiedererrichtung in der Krise zusammengebrochener Kartelle finanziell zu realisieren versucht. Trotz der wirtschaftlich in einer kapitalistischen Ordnung stets verlogenen Phrase Gemeinnuz geht vor Eigennut"! Noch immer rauchen die Schornsteine durch Profit und nicht durch das Feuer von Hitlerreden. Eine Reihe von Textilkartellen ist wieder belebt worden und sofort erhöhten sie die Preise für Baumwoll- und Kunstseidenerzeugnisse. Das deutsche 3 ellstofffyndikat hat die Breise erhöht und zwingt die Außenseiter zum Beitritt. Auch in der Papierindustrie sind starke Preiserhöhungen vorgenommen worden. Buntfarben- und 3ementindustrie, Porzellanfabriken und Fahrradindustrie bemühen sich um Preiskonventionen. Die Baustoffpreise sind meist sprunghaft teurer geworden. Die Holzpreise ziehen an. Daß wesentliche Teile der Lebensmittel, so vor allem Fett und Del, sehr beträchtliche Preissteigerungen erfahren haben, ist allgemein bekannt. Das Schlachtfeld, auf dem die deutsche Wirtschaft gegen bie Krise ringt, sieht also doch wesentlich anders aus, als es in den Heeresberichten des deutschen Propagandaministeriums gezeichnet wird. Die Meister der Reklame für sich selbst, die das deutsche Bolk bearbeiten, scheinen sich die deutsche Berichterstattung im Weltkriege zum Muster zu nehmen. Sie kannte nur Siege, höchstens einmal ein unbedeutendes Zurücknehmen der Front. Niederlagen wurden nicht gemeldet, aber sie waren trotzdem da. Der Hunger wurde durch Reden und Schriften gegen die Miesmacher" und durch Kochrezepte von Damen be kämpft, die wir jetzt in der nationalsozialistischen Frauenfront führend wiederfinden. Arbeitsschlachten aber so gut wie Feldschlachten, haben bas unangenehme, daß schließlich Realitäten, wie Menfchen und Munition, Proviant und Finanzen entscheiden und nicht nur die mehr oder minder funkelnden Genieblige großer und kleinerer Feldherren. Der Blick auf die deutsche Arbeitsschlacht ist zwar nicht durch Pulverdampf, aber durch dichte Propagandanebel behindert, die nur mit Mühe zu durchdringen sind. Wo man diese Vergasung burchbricht, sieht man, daß der Kampf gegen die Krise so schwer ist wie je, und sein Ausgang unentschieden. 66 Noch ein„ Sieg" Aus Harburg a. d. Elbe erhalten wir den folgenden, für die deutschen Verhältnisse sehr bezeichnenden Brief: In einem Teil der deutschen Preffe ist die Meldung verbreitet worden, daß Harburg frei von Erwerbslosen sei und bie letzten Erwerbslosen, 2000 an der Zahl, von der Delindustrie eingestellt seien. An dieser Meldung ist leider nichts Wahres. Die Erwerbslosigkeit nimmt im Gegenteil Immer größeren Umfang an. Harburg besitzt bekanntlich die größte Delmühle des Kontinents, in der noch etwa 1000 Arbeiter beschäftigt waren. In letter Zeit find 150 Arbeiter entlassen worden; außer dem werden jetzt in jeder Woche weitere Arbeiter, vor allem frühere Funktionäre, wegen sogenannter Staatsfeindlichkeit entlaffen. Die Arbeitszeit ist seit der Fettverordnung von 40,1 Stunden im Durchschnitt auf 28,8 Stunden wöchentlich zurückgegangen! Also ein ungeheurer Lohnausfall für die Arbeiter. Nach der letzten Statistik haben wir am Ort( knapp 70 000 Einwohner) allein 7000 unterstützte Wohlfahrtserwerbslose gegen 6600 im Dezember 1982. So sieht es bei uns mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit" aus! Wir nehmen danach an, daß die Berichte aus anderen Bezirken ebenso wahr beitsgemäß" find. noa in C Görreshausprozeß Sehr hohe Strafen beantragt Köln, 11. August 1933. Im Görreshausprozeß stellte heute der Staatsanwalt fol: gende Strafanträge: gegen Generalkonsul Mans eine Ge fängnisstrafe von fünf Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre; gegen Verleger Konsul Stody von vier Jahren, außerdem fünf Jahre Ehrverlust; außerdem gegen Justizrat Moennig eine Gesamt- Gefängnisstrafe von zwei Jahren; gegen Bankdirektor a. D. Dr. Brüning eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren und Aberkennung der Ehrenrechte auf fünf Jahre; gegen Prokurist Conrad eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten. Trotzki dementiert Paris, 12. Ang. Leon Trotki hat der Preffe folgende Erklärung zugehen lassen: Seit meiner Ankunft in Frank reich hat die Presse mehr als einmal von angeblichen Vers handlungen mit Litwinow und anderen Vertretern der Sow fetregierung, die ohne Ergebnis verlaufen feien, gesprochen. Alle diese Informationen find falsch von Anfang bis Ende. Es liegt nicht der geringste Anhaltspunkt vor, der auch nur indirekt diese Erfindungen rechtfertigen könnte Atmosphäre der„ Emser Depesche" Die Stimmung in der französischen Hauptstadt Die Pariser Presse beschäftigt sich eingehend mit der europäischen Lage. Uebereinstimmend wird festgestellt, daß Deutschland nunmehr den letzten Beweis dafür erbracht habe, daß den Schwüren seines Kanzlers nicht der geringste Wert beigemessen werden darf. Jeder Glaube an Hitlersche Beteuerungen sei Selbstbetrug, sei Betrug am eigenen Volk. Ohne Ausnahme fordern die großen Pas riser Zeitungen rücksichtsloses Vorgehen gegen Deutschland. Jm einzelnen schreiben: Le Journal des Débats": Wenn man jetzt Herrn Hitler gewähren läßt, dann ist in wenigen Monaten schon die Atmosphäre der„ Emser De peiche" gekommen! Sollte es möglich sein, daß die heutige französische Regierung überhaupt nichts gelernt hat aus den Fehlern, die im zweiten Kaiserreich begangen worden find? An den akuten Tatsachen darf man nicht mehr vor: beisehen. Jegt ist es Zeit zum Handeln, Jegt und keine Stunde später! ,, L'Echo de Paris": Ein einziger Weg steht und offen. Daß wir diesen Weg bes schreiten, haben wir zu beschließen. Wir, sonst niemand. Wir haben Herrn Hitler sofort und kategorisch zu ers flären, daß wir notfalls mit Waffengewalt jede Gebietserweiterung des dritten Reiches zu verhindern wissen werben. Deutschland soll wissen, daß Europa bereit ist, seinen Frie den mit allen Mitteln zu verteidigen. ,, Le Rempart": Bergeblich hat man der französischen Oeffentlichkeit vors tänschen wollen, daß die Antwort des Herrn Hitler auf die Note des Quai d'Orsay nur in der Form frech ist. Vergeb= lich hat man sich selbst dahin zu täuschen versucht, daß die deutschen Ueberfälle auf Desterreich nunmehr unterbleiben werden. Als Antwort hat gestern abend einer der engsten Bertrauten Hitlers durch den Rundfunk versichert, daß man in Berlin die franzöfifche Intervention gebührend zus rückgewiesen habe und daß der Nationalsozialismus trob alledem über den„ Terroristen“ und„ Verräter" Dollfuß triumphieren werde. Die französische Regierung wird sich hoffentlich inzwischen darüberklar geworden sein, daß ihre bisherigen Mes thoden lächerlich geworden sind! L'Ere Nouvelle": Die Italiener haben ihren Sieg in die Welt hinauspofaunt, als sie von Herrn Hitler die Versicherung erhalten hatten, daß Deutschland sich fortab korrekt benehmen und die Vers träge achten wolle. Doch heute müssen sie selbst zugeben, daß sie betrogen worden sind! ,, L'Action française": Soll man den Schwindel glauben, als ob es einen Unters schied gebe zwischen der amtlichen Propaganda Deutschlands und der der Hitlerpartei? Jegt hat es gar keinen Zwed mehr zu warten, ob etwa Italien sauer reagieren wird auf den neuen Vorstoß des Reiches. Man muß handeln! Zu dreien oder zu zweien. Notfalls allein! ,, Paris- Midi": Angesichts des Verhaltens Deutschlands haben die am Frieden Europas interessierten Staaten sofort ihre Grenzen zu verstärken und den Stand ihrer Rüstungen zu erhöhen! Frankreich wird in London vorstellig Unzufriedenheit und abwartende Haltung in England London, den 12. Auguft 1938. Der Botschafter Frankreichs, Corbin, hat im Answär: tigen Amt mit dem Händigen Unterstaatssekretär eine lange Unterredung über die österreichische Frage. In englischen diplomatischen Kreisen ist man über den neuen Zwischenfall( Nede Habichts) sehr unzufrieden, wie auch über den Zwischenfall an der schweizerischen Grenze, Neuer englischer Schritt? In der„ Morning Post" schreibt heute beren diplos matischer Redakteur, der über engste Verbindungen zu Dows ning Street verfügt: „ Es ist nicht mehr anzunehmen, daß man in den Kreisen ber englischen Regierung heute noch damit rechnet, daß die Nationalsozialisten ihren Feldzug gegen Oesterreich abblasen werden, selbst dann nicht, wenn Hitler es befehlen sollte. Man besitzt sichere Anhaltspunkte dafür, daß England und Frankreich neue und geeignetere Demarchen in Berlin unternehmen werden; der plöglich erfolgte Besuch des Lord Tyrell beim Chef der franzöfifchen Regierung dürfte diese Annahme noch unterstreichen. London, 12. August 1933.( Eig. Ber.) ! Die Rede, die der deutsche Agitator Habicht vorgestern abend vom Münchener Sender aus gegen Desterreich gehalten hat, hat in London einen äußerst peinlichen Eindruck hinterlassen, insbesondere nach den Versicherungen, die die Reichsregie: rung den italienischen Vertretern gegeben hatte. Man macht wohl offiziell geltend, daß die Reichsregierung vielleicht noch nicht Zeit hatte, dem Münchener Sender alle erwünschten Instruktionen zu geben und daß dieser Zwischenfall der letzte einer Reihe von Manifestationen sein könnte, denen die deutschen Behörden jezt ein Ende bereiten werden. Man gibt gleichfalls an, daß für den Fall, daß diese Vermutung nicht begründet sei, der Verstoß gegen die ab= gegebenen Versprechungen hauptsächlich Jta: lien angehen würde, da die franko- britischen Demarchen nur noch den Charakter einer prinzipiellen Intervention hatten nach den Demarchen der Regierung von Rom. Aber diese Bemerkungen scheinen nur oberflächlichen Wert zn haben; denn in Wirklichkeit kann die offizielle Stellungnahme wie folgt zusammengefaßt werden: 1. Man ist der Ansicht, daß, nachdem eine Attion, gestützt auf den Viererpakt, wirkungslos geblieben ist, man sich dazu entschließen muß, in diesem Text nur ein hinfälliges Dotus ment zu sehen. 2. Wenn es sich erweist, daß die Versprechungen des Reiches Von Breslau nach Osnabrück Ein Konzentrationslager wird verlegt das Konzentrationslager in Breslau- Dürgoy aufgelöst worDas nazioffiziöse Wolff- Büro bringt eine Meldung, daß den sei. Man habe die 343 Lagerinsassen nach Osnabrück überführt. Unter diesen Lagerinsassen" befinden sich, wie man weiß, Paul Löbe, der frühere schlesische Oberpräsident Lüde= mann und seine Frau, eine große Anzahl höherer Beamter und zahlreiche Funktionäre der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei. Die Gefangenen kommen aus der Gewalt des berüchtigten Fememörders Heines, des Diftators von Schlesien aber in welche neue geraten ste? Wir haben Grund, dieser Ueberführung" mit größter Besorgnis entgegenzusehen. Wasserflugzeug abgestürzt! Der italienische Generalstabschef verletzt Valencia, 12. Aug. Das italienische Wasserflugzeug Rata stürzte gestern abend drei Meilen von Nazareth ents nicht gehalten worden sind und daß die deutschen Behörden feinerlei Anstalten getroffen haben, um der Propagandas attion gegen Desterreich Einhalt zu gebieten, wird den Regies rungen Frankreichs und Großbritanniens nur noch eine Intervention übrig bleiben, die den Versailler Vertrag zur Basis nimmt, oder eine Berufung an den Völkerbund auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundspaktes. Man gewinnt deutlich den Eindruck, daß, wenn das Reich nicht auf seine Agitation verzichtet, Großbritannien nicht zögern wird, zu handeln. ,, Konzert" auf der Zugspitze hüben und drüben München, 12. Aug.( Eig. Meld.) Als bekannt wurde, daß die Deutschmeisterkapelle auf der Zugspitze spielen werde, beschloß die SA. Sturmbannkapelle Garmisch, wie der Völkische Beobachter" meldet, das gleiche zu tun und durch kostenlose Beförderung der baye rischen Zugspitzbahn waren die SA.- Männer zahlreich oben auf dem Berge. Dort stiegen sie vom Ostgipfel der Zugspitze zum Zugspibgrat, der etwa 50 Meter über der Bergstation der österreichischen Zugspizbahn liegt, auf deren Terrasse das Standkonzert der Deutschmeisterkapelle stattfand, ab, und die Sturmbannkapelle Garmisch und die SA.- Abordnung mit ihren Fahnen nahmen dort Aufstellung. Bei dem auf der österreichischen Seite anwesenden Publikum machte sich große Nervosität bemerkbar. Die Deutschmeisterkapelle wurde mit deutschen Märschen empfangen. Der Bitte des Bezirkskommissars von Reutte, das Konzert der Deutschmeisterkapelle nicht zu stören, wurde gern entsprochen, aber erklärt, daß bei einer evtl. Rundfunkübertragung des Konzerts auch das Konzert der SA.- SturmKapelle übertragen werden müsse, was aber abgelehnt wurde, so daß eine Rundfunkübertragung ganz unterbleibt. Darauf spielte die SA- Kapelle nach jedem Stück der Deutschmeister deutsche Märsche und gegenseitig zollten sich die Musiker Betfall, ohne daß das Publikum daran Anteil nahm. Sodann intonierte die SA- Kapelle das Horst- Wessel- Lied. but Polen als Sieger doll Der deutsche Export nach Oesterreich Warschau, den 11. August 1983. Seit Beginn ber Spannung zwischen Deutschland und Desterreich kauft dieses die Kohle polnischer Bergwerke, wäh rend es früher seinen Bedarf hauptsächlich in Deutschland deckte. Infolgedessen hat der polnische Export von Kohle nach Desterreich im Monat Juli 29 000 Tonnen erreicht, d. h. das Doppelte des Durchschnitts von 1932. fernt ab. Die fiebenköpfige Befagung, darunter der italie nische Generalstabschef Valle, find verlegt worden. Das Flugzeug kam von Lissabon, wohin es dem Balbogeschwader entgegen geflogen war. Der Apparat arbeitete seit längerer Zeit mit nur einem Motor und hatte versucht, den Hafen von Valencia zu erreichen. Ein Motorboot ist unverzüglich zur Hilfeleistung abgegangen. Sämtliche Mitglieder der Bes fagung des Apparats, der schnell verfant, konnten an Land gebracht werden. Das Balbogeschwader ist von Lissabon nach Rom gestartet. Die Humanite berichtet, daß bei Marschübungen des Reservelagers Larzac, die mit kriegsmäßiger Belastung bei größter Hize durchgeführt wurden, 21 Reservisten vom Sigschlag getroffen wurden und zusammenbrachen. Drei find nach dem Blatte gestorben. Ein Sergeant der Versailler Garnison, der fich zu Besuch in Nizza aufhielt und einen Ausflug auf italienisches Gebiet machte, ist seit einem Monat nicht zurücks gekehrt. Die Angehörigen nehmen an, baß er unter Spios nageverba cht in diesem Grenzbefestigungsgebiet vom italienischen Militär verhaftet wurde der franzöfifche Außenminister wurde benachrichtigt Eberts Schwiegersohn dos # 15 Die Massendeportierung ins Konzentrationslager Berlin, den 12. August 1938.( Eig. Drahtb.) Der Schwiegersohn des früheren Reichspräsidenten Ebert, der ehemalige Landrat Jänne de, ist verhaftet und ins Konzentrationslager eingeliefert worden. Berlin, den 11. August 1938. Heute vormittag wurden von Beamten des Geheimen Staatspolizeiamtes in Oberschöneweide 30 Kommu nisten festgenommen, nachdem bekannt geworden war, daß in Oberschöneweide die Kommunisten ihr alte Tätig: teit wieder aufgenommen hatten. 400 Polizeibeamte, 500 SS.- Männer, das Fahndungs: tommando der Staatspolizei und das Kommando z. b. V. nahmen in der vergangenen Nacht in der Horner Marsch eine Durchsuchung vor. Es erfolgten 28 Festnahmen von polizeilich gesuchten Personen, ührern des Rotfrontfämpferbundes, der Roten Marine und anderer marristischer Organisationen. Stuttgart, den 11. August 1933. Den Versuchen der Kommunisten, ihre illegale Tätigkeit wieder aufzunehmen, wurde jetzt durch die politische Polizei fchlagartig ein Ende gemacht. Ein Funktionär, der in Cannstatt ein umfangreiches Büro eingerichtet hatte, und 40 andere Personen wurden festgenommen. Im weiteren Verlauf der Bekämpfung der kommunistischen Wühlarbeit wurde vor einigen Tagen die gesamte kommunistische Lei: tung für Würtemberg überrascht und festgenommen, als fie in den Wilhelmina- Gewächshäusern zu einer Beratung zusammenkommen wollte.(???) Danzig, den 11. August 1933. In den Ortschaften Käsemart und Lekkan( Kr. Danziger Niederung) wurde eine Razzia durch das Kommando der Landjägerei durchgeführt. Festgenommen worden sind insgesamt 20 Personen, die dem Polizeigefängniß zus geführt wurden. Christliche Geheimnisse" Auf einer Rundgebung der„ Deutschen Christen" in Schließwerder verkündete der nationalsozialistische Pfarrer Peter folgendes Evangelium: " Man muß innerhalb des Kirchenvolfes die vier Ge: heimnisse des deutschen Volkes achten: das Geheimnis des Blutes, das Geheimnis der Sprache, das Geheimnis der gemeinsamen Geschichte und das Geheimnis des Bodens." Da hat sich dieser Gottesmann in der Tat mit einem geheimnisvollen Dreh um alles herumgewunden, was mit Christentum auch nur entfernt verwandt ist. Eines aber ist sicher: wenn die zweifelhaften Geheimnisse vom arischen Blut und vom ostelbischen Boden längst gelöst sein werden, dann wird immer noch das große Geheimnis bestehen bleiben: wie die Apostel des Nationalsozialismus, dieser August Bebel gestorben am 13. August 1913 илл In memoriam лиж Ihr Halben und ihr Lanen, kommt heran! In diesem Grabe ruht ein ganzer Mann. Maulchriften, betet! Dieser Atheist Beftaunt das Wunder! war ein echter Christ. Ihr Patrioten, wenn's noch welche gibt, Wer hat wie er sein Vaterland geliebt? Staatsmänner, lernt, wie einer neuen Welt Umsonst die Dummheit sich entgegenstellt! Ihr Generale, zieht den Federhut! Der Marschall Vorwärts watet nicht im Blut Gekrönte Häupter, jagt mir, wessen Reich Auf dieser Erde wohl dem seinen gleich! Du aber, Menschheit, hebe stolz das Haupt! Denn der hier ruht, er hat an dich geglaubt. Oberleutnant Wendt ermordet Oberleutnant Wendt, der Mitglied der Otto- Straf. ser- Gruppe und ein Kamerad des bekannten kommunistischen Leutnants Scheringer war, wurde Ende März von der Polizeidirektion München in Schutzhaft genommen. Wendt schrieb aus dem Gefängnis einen Brief an Hitler mit der Anschrift:„ An meinen Führer" und bat um seine Freilassung. Darauf bekam die Polizeidirektion ein Telegramm des Stellvertreters von Hitler, He ß, mit dem Befehl, Wendt freizulassen. Von diesem Tage anwar Wendt ver= schollen. Kurze Zeit nach dem Eintreffen des Telegramms wurde seinen Eltern von einem Kriminalkommissar mitgeteilt, daß ihr Sohn in der Nähe der Festung Landsberg am Lech„ auf der Flucht" erschossen wurde. Unsere Ermittlungen haben ergeben, daß in der Nähe von Landsberg eine unbekannte Leiche auf freiem Felde gefunden wurde, die erst später, als die Leiche Wendt identifiziert wurde. Nach den Schußverlegungen zu urteilen, ist Wendt ermordet worden. Der Jungdeutsche Mahraun Wie wir erfahren, leidet Arthur Mahraun, der Führer des aufgelösten Jungdeutschen Ordens, noch immer schwer unter den Folgen der furchtbaren Mißhandlungen, die er nach seiner Verhaftung in der SA.- Hölle GeneralPape- Straße durchmachen mußte. Zur Zeit befindet sich Mahraun im Strafgefängnis Plößensee, doch ist mit seiner unmittelbar bevorstehenden Verschickung in ein Konzentrationslager zu rechnen. Lehre von Mord, Haß, Meineid und Gemeinheit, es jemals wagen konnten, sich Christen zu nennen. Uebrigens scheint auch vielen evangelisch- lutherischen Kirchenmitgliedern die Schändung ihres Glaubens rach gerade zu bunt zu werden. Die gleichgeschalteten„ Breslauer Neuesten Nachrichten" fühlen sich veranlaßt, folgenden Notschrei auszustoßen: „ Angesichts des klaren kirchlichen Aufbauwillens der " Deutschen Christen" werden die mancherlei dunklen Ber: dächtigungsversuche, die sich in den typisch- anonymen Maffenzuschriften an die Pfarrer in diesen Tagen äußern, Stück für Stück zurückweichen und wie Seifenblasen zers plazen." Wenn schon die deutsche Presse, der doch eigentlich die Aufgabe zufällt, die unerschütterliche Einigkeit glaubhaft zu machen, mit der angeblich ganz Deutschland hinter dem Hakenkreuz marschiert, wenn schon diese verlogene schönBesuch bei Bebel Von R. Heinisch Nun ist er zwanzig Jahre tot. Hellmuth von Gerlach hat vor Jahrzehnten seine fleine Bebelbiographie mit dem Sazze geschlossen„ Niemand wird von so vielen so sehr geliebt wie er". Das ist nicht übertrieben. Wir, die sozialdemokratische Jugend um die Jahrhundertwende, haben den revolutionären Volkstribunen, der uns politisch erweckt hat und immer wieder begeisterte, nicht nur bewundert, wir haben ihn geliebt. Zweimal habe ich ihn öffentlich sprechen hören. Einmal im Jahre 1903 in einer alten baufälligen Halle am Rhein und rier Jahre später auf dem Parteitag zu Essen. Uniformen, Ausmarsch, Musik, Sprechchöre gab es nicht. Die Bebelversammlungen waren äußerlich nüchtern wie alle sozialdemokratischen Kundgebungen jener Jahre. Dennoch: welch eine Flamme der Begeisterung zwischen Redner und Masse. Welch ein Glaube an den Mann, an den Feuergeist in schneeweißem Haar, der als die fleischgewordene Geschichte des Arbeiterkampfes eines halben Jahrhunderts vor uns stand! Wir gehörten ihm und seiner Partei. Das ist keine Phrase. Wir wußten, daß unser Bekenntnis die Gefahr der Aechtung im Berufe, der Vernichtung der Eristenz in sich schloß. Aber auch bei einem Entweder- Oder: Bebelversammlung oder Entlassung wären wir ohne Besinnen zu Bebel gegangen und zu seiner Sozialdemokratie. Einmal war ich mit dem schon müde gewordenen 71jährigen Parteiführer einen langen Abend zusammen. Er sprach, und wir Jüngeren hörten zu. Ich erinnere mich, daß er ein kurz vorher erschienenes Buch über den„ Preußischen Kommiß" lobte. Es stammte von August Winnig, der jetzt weit auf der Rechten steht, und brachte scharf gezeichnete Skizzen aus den preußischen Kasernen. Bebel, der alte Unteroffiziersohn, der hart ablehnend, aber ohne Gehässigkeit über den preußischen Militarismus sprach, ermunterte uns, in der Winnigschen Art den Militarismus zu bekämpfen. Es müßten, meinte er, viel mehr ehemalige Soldaten ihre Erlebnisse plastisch niederschreiben. Dann hörte ich Bebels noch immer metallisch tönende, aber schon mit der Atemnot ringende Stimme auf dem Internationalen sozialistischen Antikriegskongreß im Herbst 1912 zu Basel. Noch sehe ich den greisen Atheisten im Münster zu Basel sizen, einsam in dem noch leeren Kirchenschiff, ehe die große sozialistische Prozession gegen den Krieg das Gotteshaus füllte und die roten Fahnen der Internationale sich um den Altar aufbauten. Zum letzten Male sah ich den nun gebeugten Mann, der schon immer von kleiner Statur gewesen war, in einer Konferenz im Reichstag. Es war im Frühling 1913, und die Kriegsgefahr war nahe. Er sprach nur kurz zu uns. Es waren ruhige warnende Worte über die Situation beim Ausbruch eines großen Krieges. Die Rede war ohne Jllusion und sollte wohl Illusionen zerstören. Erst Anfang August 1914 habe ich sie ganz begriffen. Dann kam der 13. August 1913. Jn London überbrachte mir ein Freund das Zeitungsblatt mit der Nachricht von Bebels Tod. In der Hauptstadt des britischen Weltreiches erlebte ich, was der große Internationale auch den Sozialisten Englands war. Lange nach dem Kriege wanderte ich in Graubünden. Als Edgar Steiger, ich an einem Herbstabend in Chur die Karte studierte, stiek färbende Presse Massenschmähschriften an die Pfarrer zugibt wie hoch müssen dann die Wogen der Entrüstung im kirchlichen Lager schlagen! Das evangelische Kirchenvolk trägt schwere Mitschuld am Emporwachsen der braunen Mörderpartei in Deutschland. Das evangelische Kirchenvolk hat sich selbst dem Hakenkreuzteufel verschrieben jetzt wundert es sich, daß dieser Teufel die christliche Seele frißt. Der Landesbischof Nur einer ist Führer ,,, Christus"! Berlin, 11. Aug. Landesbischof Müller hat seine Amt3. geschäfte im Evangelischen Oberkirchenrat übernommen. Dr. Werner und Oberkonsistorialrat Rapman richteten herzlich gehaltene Worte des Willkommens an den neuen Landesbischof, auf die dieser dankend antwortete. Landesbischof Müller hat anläßlich seiner Berufung zum preußischen Landesbischof Grußworte an die Gemeinden der altpreußischen Landeskirche gerichtet. Dabei sagte er u. a.: Ich bin mir der großen Verantwortung bewußt, die ich mit meiner Arbeit übernommen habe. Aus diesem Verantwor= tungsbewußtsein heraus will ich mit fröhlichem Gottvertrauen an die Arbeit gehen. Der Zustand der Zerrissenheit, der Unruhe, des Mißverstehens und des Mißtrauens muß beendet werden. Wir müssen uns darauf besinnen, daß nur einer unser Meister und Führer ist, Christus, der Herr und Heiland. Im Gehorsam gegen ihn und seine ewigen Wahrheiten wollen wir uns die Hände reichen, treu arbeiten, einander brüderlich zu verstehen suchen und die frohe Botschaft verkünden, die uns anvertraut ist. * Es wäre von jedem Gesichtspunkt aus erfreulich, wenn diesem Bekenntnis zur Führerschaft Jesu Christi, also nicht zu der Hitlers, christliche Taten folgen würden. Solange der Landesbischof Müller schweigt zu den Morden und Räubereien, die im Namen seines irdischen Herrn und Meisters Hitler noch für Tag für Tag geschehen, empfinden wir sein Bekenntnis zu dem Großen der Bergpredigt nur als Phrase und nicht als religiöse Kraft. Solange wird auch das in der evangelischen Kirche bleiben, was der Landesbischof 3errissenheit, Unruhe und Mißtrauen" nennt. Wäre es anders, könnte die evangelische Kirche zwar noch politisches Propagandainstitut der faschistischen Barbarei, nicht aber als Quelle religiöser Seelenkräfte bestehen. Neue Stammrollen Das wiederauferstandene Bezirkskommando Düsseldorf, 11. Aug.( Inpreß). Alle Arbeiter in Düsseldorf erhalten an ihrer Arbeitsstelle Fragebogen, die nichts anderes sind, als Enquetescheine zur Herstellung neuer Stamm= rollen eines illegalen Bezirkskommandos. Die Angaben müssen sehr ausführlich sein und beziehen sich ausschließlich auf militärische Fragen( Teilnahme am Kriege, Truppenteil, Gefechte, Ausbildung, Auszeichnungen, gegenwärtige Verwendungsfähigkeit u. a. ich auf den Ortsnamen Passugg. Das Wort mußte mir schon einmal nahe gegangen sein, aber es dauerte Stunden, bis.es in meinem Gedächtnis aufbliẞte: da ist Bebel gestorben. Am andern Morgen führte mich eine junge schweizer Genossin nach Passugg hinauf. Dort im Kurhause hat Bebel mit sei= ner Tochter, die Aerztin war, und seinem Enkel die letzten Tage seines Lebens verbracht. Der Leiter des Kurhauses sagte mir, daß in all den Jahren nur ein Russe und jetzt ich das Sterbezimmer August Bebels gesucht haben. Er führte mich hinauf in den ersten Stock des sehr einfachen Hauses. Der erste Agitator und Führer der größten internationalen Massenbewegung hatte nur ein ganz bescheidenes Schlafzimmerchen inne. Im Nebenzimmer schlief seine Tochter. Beide Stuben fast ohne jede Bequemlichkeit, spartanisch schlicht. Bebels letzte Lagerstatt stand noch da. Verstohlen glitt meine Hand über das Holz des Bettes, auf dem sich Bebel zum Tode ausgestreckt hat. Um seine letzten Stunden sind viele Legenden gesponnen worden. Der Kurdirektor erzählte mir, daß der herzleidende Bebel sanft und schmerzlos gestorben ist. Seine Tochter hat troß geöffneter Tür zum Schlafzimmer ihres Vaters nichts von einem Todeskampfe, nichts von einem letzten Röcheln gehört. Als sie morgens an sein Bett trat, war Bebel tot. Er lag wie schlafend mit friedlichen Gesichtszügen da. Der Tod war dem unermüdlichen harten Kämpfer zart und sanft genaht. Lange saßen wir noch mit dem alten Freunde Bebels auf der Bank im Kurgarten zusammen, von der des KurHauses berühmtester Gast oft in die Schlucht mit dem rauschenden Gebirgsbach in der Tiefe hinabgeschaut hat. Mitten in unseren politischen Gesprächen, als wir erörterten, wie der große Revolutionär auch immer ein großer Frauenlob gewesen ist, warf die junge Genossin neben mir einen Strauß roter Rosen in die wilde Rabiusa hinab, die unserem Bebel in seiner letzten Nacht ein brausendes Sterbelied gesungen hat. Zwei Tage später stand ich an seinem Grab auf dem Friedhof in Zürich. Es ist schwer zu finden in den langen Gräberreihen und unterscheidet sich in nichts von den vielen Grabstätten rings umher. An jenem Augustsonntag aber 1913, als Bebels Leib der Flamme übergeben wurde, drängten sich Zehntausende zur Trauerfeier. Zürichs Arbeiterfänger huldigten dem hingeschiedenen Arbeiterführer mit dem Huttenliede Gottfried Kellers, das Bebel sich als Grabgesang gewünscht hat: Nun weht sein Schatten um uns her Nun ruft sein Geist uns zu: „ Ich war ein Schiff auf wildem Meer, Ich kannte keine Ruh; Ihr wißt, was ich gestritten hab' Und was gelitten auch; Doch stieg ich nochmals aus dem Grab, Uebt ich den gleichen Brauch!" Du lichter Schatten habe Dank, Gut sprach dein kühner Mund! Und wem der Sinn von Zweifeln krank, Der wird an dir gesund! Wie diese lustige Silberflut Dein Grab so hell umfließt, So uns dein nie geschwundner Mut Das frohe Hera erschließt! Rußland: wie man dort lebt da Ein österreichischer Sozialdemokrat, der in einem russischen Betrieb arbeitet, bemüht sich hier, seine Eindrücke wahrheitsgetreu und leidenschaftslos wiederzugeben. Der nachstehende zweite Artikel schließt die Veröffentlichung ab. Wie viele Ausländer in Rußland beschäftigt sind, kann man nur schäßungsweise sagen. Man wird nicht weit fehl= gehen, wenn man ihre Zahl mit 15 000 annimmt. Unter ihnen find beinahe alle Nationen Europas vertreten. Eine größere Anzahl ist von Deutschland, Desterreich, Amerika, England und Schweden gekommen, fleinere Gruppen aus Ungarn. Finnland, Italien, Frankreich, Man trifft ganz junge Leute an, die kaum über zwanzig find, aber auch weißhaarige Sechziger. Das häufigste Alter ist zwischen dreißig und vierzig Jahren. Die Mehrzahl ist verheiratet; die Familie kommt in der Regel nicht gleich mit, sondern erst dann, wenn der Mann sich auf einem Platz eingelebt hat. Viele der Ledigen heiraten Ruffinnen. Brak Jeder neue Betrieb hat hier für den Westen unvorstellbar viel Ausschuß- Brak nennen ihn die Russen und auch der sprachunbegabteste Ausländer lernt dieses Wort bald kennen und gebrauchen. Das mindeste, was man also von den Ausländern erwartet, ist, daß sie keinen Brak machen. Aber die meisten leisten mehr. Wenn die Ausländer schon ein wenig eingelebt sind und fich halbwegs russisch verständigen können, arbeiten sie mit russischen Arbeitern zusammen oder lernen sie an. Natürlich geht es nicht immer ohne Reibungen ab. Die Ruffen sind auf die Ausländer immer ein wenig eifersüchtig. Das äußert sich nicht etwa in einem schlechten Benehmen gegenüber den Ausländern so etwas kommt ganz selten vor, aber in einem gewissen heimlichen Widerstreben. Es schmerzt sie, daß sie auf die Ausländer angewiesen sind; ihr nationales Selbstgefühl leidet darunter. Und wenn sie etwas in der Fabrikschule anders gelernt haben, sind sie nur schwer dazu zu bewegen, es den Ausländern nachzumachen. Vom Handwerk zur Maschine Unangenehm empfindet der neuangekommene Ausländer den Mangel an kleinen Werkzeugen. In Wien oder sonstwo war er gewohnt, nach einem Griff in seinen vollen Werkzeugkasten das richtige Werkzeug in der Hand zu haben. Hier wird in den neuen Betrieben das wenige Werkzeug von einer ganzen Abteilung gemeinsam benüßt und es vergeht viel Zeit mit Suchen. Die älteren russischen Arbeiter, und diese sind ja neben den wenigen Ausländern die Lehrmeister der jüngeren Generation, sind gute Handwerker und können mit einigen wenigen Werkzeugen Erstaunliches leisten. Ihnen gegenüber die Ansicht durchzusetzen, daß erst mit vielen und mannigfachen und spezialisierten Werkzeugen erst hohe Arbeitsproduktivität gewährleistet wird, ist nicht immer leicht. In jedem neuen Großbetri muß die Maschine von vorn anfangen, das Handwerk zu verdrängen. ' Arbeiter als Erfinder Allgemein üblich sind die ausländischen Rationalisierungsbrigaden. Eine Gruppe von Ausländern, zu der später auch Ruffen kommen, richtet bei Serienproduktion die Anfertigung eines Details von Anfang bis zu Ende ein. Sie entwerfen den Arbeitsplan, stellen die Maschinen um, bauen neue Vorrichtungen und ändern die alten um, machen die ersten Werkzeuge selbst und führen die russischen Arbeiter in das neue Verfahren ein. Aenderungen von Vorrichtungen, Werkzeugen, Werkzeugmaschinen, das ganze Herstellungsverfahren der zu bauenden Maschine oder einzelner Details derselben können auch vom einzelnen vorgeschlagen werden. Kann er es in seiner Abteilung nicht durchsetzen, so wendet er sich an das Rationalisierungsbüro, das in jedem Betrieb vorhanden ist. Wird sein Vorschlag angenommen, so bekommt er je nach dessen Wert und nach der Ersparnis, die durch ihn erzielt wird, eine Prämie. Von den Ausländern werden sehr viele solcher Vorschläge eingebracht. Mancher erreicht dreißig, vierzig oder fünfzig im Jahre. Die Erfolgreichsten werden von der Arbeit freigestellt und arbeiten dann nur noch an Verbesserungen und Erfindungen. Das Märchen, daß nur die Initiative des Privatunternehmers Verbesserungen verbürgt, ist in Sowjetrußland glänzend widerlegt. Irlands Blau- Hemdenmä'ze! Dublin, den 11. August 1933. Unter dem Vorsis Devaleras fand heute nachmittag eine Kabinettssitzung statt, in der die Frage eingehend erörtert wurde, ob der angekündigte Propagandamarsch der Blauhemden am kommenden Sonntag verboten werden soll. Die Regierung hält an dem bisher von ihr vertretenen Standpunkt fest, daß die Ansammlung einer solchen Anzahl uniformierter Personen eine Bedrohung der öffentlichen Stcherheit und Ordnung darstellt. Die Entscheidung des Rabinetts wird voraussichtlich erst morgen bekannt werden, so daß die außerordentliche Spannung, die sich der Bevölkerung bemächtigt hat, vorläufig noch anhält. Sie ist um so größer, als der Führer der Blauhemden seinerzeit erneut verkündet hat, daß er trotz eines Verbots die Versammlung der Blanhemden abhalten werde. Kuba Die Gerüchte vom Rücktritt Machados nicht bestätigt Santa Clara( Kuba), 12. Aug. Die von Offizieren der tubanischen Armee hier verbreitete Meldung vom Rücktritt des Präsidenten Machado wird von anderer Seite nicht be: stätigt. Die Meuterei in der kubanischen Armee unterdrückt? Washington, 12. Aug. Die Meuterei eines Teils der Aber man darf sich diese Rationalisierungs- und Erfindertätigkeit der Ausländer auch nicht zu leicht vorstellen. Die nationale Eifersucht und die bürokratische Schlamperei können oft nur mit viel Energie überwunden werden. Nicht alle besitzen genug Zähigkeit, um in solchen Fällen durchzudringen. Es gibt wieder Sonntage! Der Siebenstundentag ist schon fast überall eingeführt, bet besonders schwerer oder gesundheitsschädlicher Arbeit der Sechsstundentag. Um mit den wenigen vorhandenen Maschinen möglichst viel zu erzeugen, wird fast überall in drei Schichten gearbeitet, oft mit vier Belegschaften. Aber dieses System scheint als unrationell erkannt worden zu sein und weist bereits eine rückläufige Tendenz auf. Langsam löst man die vierte Belegschaft und dann auch die Nachtschicht auf, außer in kontinuierlichen Betrieben. Früher war die Fünftagewoche allgemein eingeführt. Da arbeitete man beim Dreischichtensystem viermal siebeneinhalb Stunden und hatte nachher immer achtundvierzig Stunden frei. Jetzt wird immer mehr die Sechstage woche eingeführt, mit bestimmten freien Tagen am 6., 12., 18., 24. und 30. jedes Monats. Es gibt also wieder richtige Sonntage. ,, Genosse Direktor, du machst deine Sache schlecht!" Die Ausländer arbeiten allein oder in Gruppen mit Russen und haben Berufsdolmetscher zur Verfügung. Die Behandlung, die die Russen, besonders aber die Ausländer im Betrieb erfahren, kann man natürlich mit der in kapitalistischen Betrieben nicht vergleichen. Die Betriebsatmosphäre ist hier ganz anders. Würde es dort zum Beispiel einem Meister einfallen, jeden Arbeiter einer Abteilung vor Arbeitsbeginn mit einem Händedruck begrüßen? Oder könnte es dort viele Arbeiter geben, die in der Produktionsversammlung wenn es überhaupt eine gäbe- rundheraus sagen, der Meister oder der Betriebsleiter hat das und jenes schlecht gemacht? Die russischen Arbeiter sind mit dem Be trieb sehr stark verbunden; sie kommen oft sogar während ihres Urlaubes oder während ihrer Freizeit an ihre Arbeitsstätte, halten sich dort ein wenig auf und schauen nach, was es Neues gibt. Auf den ersten Blick scheint das im Widerspruch zu der bekannten Erscheinung des Fluktuierens, des starken Wechsels in den russischen Betrieben, zu stehen. Die Fluktuation ist gewiß im Bergbau, in der Hüttenindustrie und in allen neuen Betrieben noch sehr groß, aber je älter ein Betrieb wird, desto beständiger wird seine Belegschaft und die Fluktuation erstreckt sich dort nur noch auf die neu vom Land ankommenden Arbeiter. Stoßbrigadler Im Arbeitstempo haben die russischen die kapitalistischen Betriebe noch nicht eingeholt, aber die bereits länger bestehenden werden bald so weit sein. Das wurde nicht allein durch die Akkordarbeit erreicht, die hier mehr angewendet wird, als es in den meisten industriell entwickelten Ländern der Fall ist, daran sind auch sehr stark die vielen Formen des sozialistischen Wettbewerbes beteiligt. Ueberall und ununterbrochen findet ein Wettbewerb statt, welcher Betrieb, welche Gruppe und welche Personen quantitativ und qualitativ das Beste leisten. Sehr oft wird dieser Wettstreit wie ein sportliches Ereignis verfolgt und inszeniert. Die besten Leistungen werden dann mit Prämien in Geld und Naturalien, Urlaubsreisen, Erholungsheimen, Sanatoriumspläßen, vor allem aber mit Udarnik-( Stoßbrigadler-) Legitimationen belohnt. Udarniki gibt es jetzt schon mehrere Millionen. Im Akkord müssen auch die meisten ausländischen Arbetter arbeiten, haben aber in der Regel einen garantierten Mindestlohn. Die Akkordpreise sind nicht immer richtig kalfuliert und es gibt ihretwegen manchmal Differenzen. Dabei gehen den österreichischen Arbeitern die österreichischen Betriebsräte schon ein wenig ab. Bei der ganz jungen ruffischen Betriebsarbeiterschaft- nur ein kleiner Teil der russischen Industriearbeiter hat mehr als zwei Jahre Betriebsarbeit hinter sich ist das Akkordsystem leider eine Notwendigkeit und wird es noch eine Zeitlang bleiben. d Von der nationalen Eifersucht bei der Arbeit abgesehen - und auch sie kann durch taktvolles Benehmen der Ausländer sehr abgeschwächt werden, ist das Verhalten der Russen zu den Ausländern sehr freundlich und entgegenkommend. Wird ein Ausländer ausgesprochen unfreundlich be= handelt, so ist in der Regel sein eigenes Verhalten schuld daran. Wie wohnen die Ausländer? Solange das allgemeine Lebensniveau in Rußland nich höher ist, müssen die Ausländer besonders versorgt werden. und das geschieht auch. Natürlich wohnt man hier nicht so bequem, wie in einem Wiener Gemeindebau. Mit dem Wachstum der Industriebevölkerung hat der Wohnungsbau nicht Schritt gehalten und schon die früheren Wohnungsverhältniffe waren schlecht. Man baut ja große Wohnungen, aber vorläufig müssen sie von mehreren Parteien gemeinsam bewohnt werden, und zwar so, daß zwar jede Familie ihr Zimmer hat, die Küche dagegen gemeinsam benützt wird. Die Russen sind das gewohnt; für sie ist diese Art mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit, aber die ausländischen Frauen können sich da oft lange nicht dreinfinden. In Rußland spielt allerdings die Küche bei weitem nicht die Rolle, wie wir es gewöhnt sind, und mit dem Wachstum der Anzahl der berufstätigen Frauen und der Zunahme der Speisehäuser wird diese Rolle immer geringer. Und wie essen sie? Sie haben fast überall ihr eigenes Magazin und eine eigene Großküche, die besonders beliefert werden, mit eigenen Speisesälen und Klubräumen. Mit den wichtigsten Nahrungsmitteln sind sie quantitativ sicher nicht schlechter versorgt, als zu Hause, aber es fehlt die Mannigfaltigkeit, die Abwechslung, die Nahrungsmittel sind in der Regel nur in einer Sorte zu bekommen, zum Beispiel heute nur Rindfleisch, morgen nur Schaffleisch, übermorgen nur Schweinefleisch, dann wieder nur Fische usw. Daran muß man sich gewöhnen können. wenn man herkommen will. Manchmal ist das eine oder das andere einige Zeit lang gar nicht zu bekommen, denn die Verteilungsorganisation funktioniert noch nicht fehlerfrei. Man kann sich zwar das Fehlende meistens im freier Handel beschaffen, aber dort ist es viel teurer. Im Ausland ist man gewohnt, zu jeder Mahlzeit Zutaten aus allen Weltteilen zur Verfügung zu haben, hier muß man sich an einfache Kost ge= wöhnen, denn Rußland führt nur wenige Genußmittel aus dem Ausland ein, gibt sich aber alle Mühe, möglichst alles selbst herzustellen. Wer den guten Willen dazu hat, gewöhnt sich schon an die neue Kost. Das Essen schmeckt ja auch sonst im Ausland anders als bei Muttern. Wer in einer großen Stadt der Sowjetunion arbeitet, findet genug Zerstreuung, in der Provinz weniger. Wer da keine besonderen Interessen hat und keine gesellschaftliche Arbeit, politische oder Kulturarbeit leistet, der hat schon manchmal ang= weile. Zwar hat jede größere Ausländerkolonie eine Bücherei, eine Schachgruppe, eine Theatergruppe, alle Sportarten werden gepflegt und Exkursionen veranstaltet- aber wenn das alles nicht hilft, die Zeit vertreiben, müssen eben die Tarokkarten her. Fühlen sich die Ausländer in der Sowjetunion wohl? wohl? Und nun die wichtigste Frage: Fühlen sich die Ausländer in der Sowjetunion wohl? Das hängt im Wesentlichen von ihrer Einstellung zum Sozialismus, zum Sowjetregime. und von ihrer fachlichen Qualifikation ab. Wer mit den politischen Verhältnissen in Rußland sympathisiert, der drückt ein Auge zu, wenn ihm etwas abgeht, was er zu Hause leicht haben fönnte, der lebt sich williger in die neuen Verhältnisse ein und stellt sich leichter auf Rußland um. Wer fachlich hochqulifiziert ist, wird geschäßt, wird besser bezahlt und hat schöne Arbeitsmöglichkeiten. Natürlich fahren viele nach ihrem Vertragsjahr zurück, manche noch früher; aus sachlichen Gründen, oder weil es ihnen hier nicht gefällt. Andere wieder wollen nur solange hier bleiben, als daheim die Wirtschaftskrise wütet; aber ein Teil will nicht mehr zurückkehren, hat hier mit Kind und Regel eine neue Heimat gefunden. Marant. ( Wiener- Arbeiterzeitung.) von den beiden befestigten Pläßen Befit ergriffen hätten, 159 Auslandsvertretungen ohne daß auch nur ein Schuß abgegeben worden wäre. Gegenüber dem von der Armee an den Präsidenten Machado gerichtete Ultimatum bleibt der Präsident vorläufig unnadh giebig. Ein Straßenbahnwagen, in dem sich Polizei und Angestellte der Regierung befanden, wurde durch eine Bombe völlig zerstört. Vier Personen wurden getötet und 25 schwer verleẞt. Miltonen- Skandal? Unterschlagung von mehreren Millionen Franken Paris, 12. Aug. Der Matin berichtet von einem neuen Finanzskandal, der großes Aufsehen erregen dürfte. Gegen die Societe Francaise de Banque pour l'Etranger, die sich besonders mit der Bildung von Börsensyndikaten beschäftigte, war eine gerichtliche Untersuchung wegen Vertrauensmißbrauch und Unterschlagung von mehreren Millionen Franken eingeleitet worden. Während der Untersuchung beging einer der Administratoren Selbstmord, ein zweiter, der die deutsche Staatsangehörigkeit besißen soll, verschwand. Unter den Syndikaten, mit denen sich das Unternehmen be= schäftigte, befand sich die Paris Wyoming Syndicate, die sich besonders mit der Plezierung von Petroleumwerten beschäftigte. Die finanziellen Leiter dieses Unternehmens waren ein früherer Generalstaatsanwalt, gegen den wegen einer Reihe von Finanzgeschäften ein gerichtliches Verfahren schwebt, und General Penelon. Beide bekleiden hohe Ränge in der Ehrenlegion. Garnison von Havanna in dem Lager von Columbia scheint Sieben Personen ertrunken schnell unterdrückt worden zu sein. Neue Meu'ereien? Havanna, 12. Aug. Ein Offizier der aufständischen tubas nischen Truppen teilt mit, daß die Truppenteile, die in Lissabon, 12. Aug. Eine Fähre, die den Dienst zwischen Monte Novo und Careasqueira verfah, ist gesunken. Sieben Personen ertranken, nur ein Mann von 70 Jahren konnte gerettet werden. Castillo la Fuerza und in der Festung Cabana in der Nähe Abonniert die ,, Deutsche Freiheit"! von Havanna ftationiert find, Freitagabend gemeutert und избийско Botschaften, Gesandtschaften und Konsulate Das Deutsche Reich unterhält zur Zeit 159 Auslandsvertretungen. 9 Botschaften, nämlich: 1. Angora( Türkei) Nadolny 2. London( Großbritannien) von Hoesch 3. Madrid( Spanien) Graf Welczec 4. Moskau( Rußland) von Dirksen 5. Paris( Frankreich) Röster 6. Rom( Quirinal) von Hassel 7. Rom( Vatikan) von Bergen 8. Tokio( Japan) Voreßsch 9. Washington( Amerika) Luther 22 Gesandtschaften I. Klasse: 1. Athen( Griechenland) Eisenlohr 2. Belgrad( Südslawien) Dufour von Feronce 3. Bern( Schweiz) Freiherr von Weizsäcker 4. Brüssel( Belgien) Graf Lerchenfeld 5. Budapest( Ungarn) von Schoen 6. Buenos Aires( Argentinien) Ritter p. Kaufmann- Asser 7. Bukarest( Rumänien) Graf Schulenberg 8. Dublin( Irland) von Dehn- Schmidt 9. Guatemala( Mittelamerika) von Kuhlmann 10. Haag( Niederlande) Graf Zech 11. Ropenhagen( Dänemark) Freiherr von Richthofe 12. Lissabon( Portugal) Freytag 13. Mexiko( Mexiko) Zechlin 14. Oslo( Norwegen) unbesetzt 15. Peiping( China) Trautmann 16. Prag( Tschechoslowakei) Roch 17. Rio de Janeiro( Brasilien) Schmidt- Elskop 18. Santiago( Chile) Freiherr von Reiswit 19. Sofia( Bulgarien) Rümelin 20. Stockholm( Schweden) von Rosenberg 21. Warschau( Polen) von Moltke 22. Wien( Oesterreich) Rieht, ferner 17. Generalfonsulate I. Klaffe, 16. Generalfonfulate II. klasse, 19 Gesandtschaften II. Klasse und 76 Ronsulate. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ ,, Deutschen Freiheit" Blücher kannte seine Leute...! Der blond- blauäugige König Gustav von Schweden Kürzlich hat König Gustav von Schweden feinen 75. Geburtstag gefeiert. Fast zwei Meter lang, blond und strahlend- blauäugig, war Gustav sozusagen der Idealtypus eines Ariers. Auf den europäischen Tennispläßen vertritt der alte Herr noch heute als forscher Kämpe des weißen Balls rassigen und rassischen Sportgeist. Er ist im Besitz des herrlichsten Langschädels, den sich ein Germane wünschen kann und in jedem Betracht würdig, Günthers Raffenlehre im Bilde zu zieren. Aber nun ist ein Faktum eingetreten, das die Fundamente des Teutonismus zu unterwühlen droht. Gustav von Schweden stammt nämlich aus der Familie Berna= dotte. Das war einer der Generäle Napoleons I., dem der Kaiser für gelungene friegerische Hilfe zu Dank verpflichtet war. Jean Baptiste Jules Bernadotte, geboren 1764 in Pau, wurde auf Befehl seines Kaisers 1810 erst Kronprinz, 1818 König von Schweden. Er hat die herrschende Geschlechterfolge des schwedischen Königshauses begründet, das von Stamm zu Stamm von seiner ursprünglichen romanischen Herkunft abgelöst und dem Aussehen nach immer arischer wurde. Die Liste der Schlachten, der Bernadotte für Napoleon I. zum glücklichen Ende führte, ist nicht zu zählen. Das- heute gleichgeschaltete Meyersche Konversationslerifon führt deren so viele auf, daß einem die Augen schwirren. Es gab teine Deforation, bie ihm der Kaiser nicht an die Brust steckte. Im Jahre 1806 hatte er sich besonders um die restlose Besiegung der Preußen verdient gemacht.... Doch genug von dem alten Bernadotte. Denn das Fürchterliche, das in den Annalen der Geschichte und in den Geburtsurkunden dieses Generals verzeichnet steht, muß doch einmal ausgesprochen werden: sein Vater, Advokat in Pau, war füdischer Abkunft! In den Nazi- Blättern macht gegenwärtig folgende Blücher Anekdote die Runde: = Wie alle großen Leute, war der olle Blücher auch vielfeitig und kannte seine Leute. Er hatte auch eine feine Rassennase. Bekannt ist aus der Geschichte der Freiheitskriege, daß die Schweden 1818 unter Führung des Kronprinzen Bernadotte nie in eine schlacht gegen den Korsen Napoleon eingriffen und zu Hilfe tamen, sondern sich weit vom Schuß hielten. Auch in der Schlacht von Möckern blieben die Schweden aus. Da schrieb Blücher auf der Höhe von Möckern am 16. Oftober 1813 folgenden Brief:„ Wenn der Hund von 3igeiner nicht sofort erscheint, so muß ihn das heilig kreuz Granaten Bomben Donnerwetter klein schlagen. Blücher." Wenn man vor diesem in größter Erregung mit Tintensprißern versehenen Brief steht, hat man Ehrfurcht vorm Zorn des alten Blücher. Aber man greift sich an den Kopf und fragt sich: Blonder Schwede? Zigeiner? Bigeiner? Bis es einem dämmert, bis es einem einfällt, baß Bernadotte ein Jude war. Bernadotte war nämlich der Sohn eines jüdischen Sie thingen Nichtacier und Zigeiner" Rechtsanwalts. Der Brief hängt im Museum des Gasthauses Napoleonstein beim Bölferschlachtdenkmal in Leipzig. Ja, Blücher kannte seine Leute. Da haben wir es nazioffiziell schwarz auf weiß! Der schlanke Gustav von Schweden aus dem Hause Bernadotte hat unter seinen Blutkörperchen eine erhebliche Anzahl von mosaischen Mitläufern, böse Erbschaft des Urgroßvaters, des„ Bigeiners". Es ist nichts mit dem rassischen Edeltyp, er ist gefälscht, einer jener typisch jüdischen Tarnungen, die sich hinter blauen Augen und blonden Haaren verstecken, so daß der Arier weder aus noch ein weiß. und Aber es kommt, um das reine Wasser zu trüben, noch schlimmer. Denkt Euch, gute Leute, unter fohlrabenschwarzem Haar, hinter Plattfuß Krummnase kann sich unter Umständen ein vollkommen echter Arier verstecken! Wir lesen nämlich in der Mittwoch- Nummer des„ Westdeutschen Beobachters": Sehen wir uns einmal vom rassekundlichen Standpunkt aus die Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung an, so stellen wir fest, daß alle diese Menschen fast durchweg vorwiegend nordisch sind. Dabei fommt es durchaus nicht immer auf hohen Wuchs und blondes Haar an. Auch ein Mensch, welcher nicht alle körperlichen Merkmale der nordischen Rasse aufweist, kann in seelischer Hinsicht vorwie gend nordisch sein. Die nationalsozialistische Idee ist ja auch geradezu auf die seelischen Eigenschaften der nordischen Rasse( heldische Gesinnung, Kampfesfreude, Uneigennüßigkeit, rücksichtsloses Pflichtbewußtsein) zugeschnitten. Andererseits werden Menschen vorwiegend ostischer Rasse( unkriegerisch, selbstsüchtig, Neigung zur Massenbildung und demokratischen Gleichheitslehre, Haß gegen alles Menschlich- Ueberragende) mehr zum Marrismus neigen... Ereignisse und Geschichten Den Hebel herum! enur An der Maschine gesungen Neun Stunden am Tag den gleichen Griff, neun Stunden mit hungrigem Magen, neun Stunden am Tag den gleichen Griff wie Neger auf einem Sklavenschiff, verkauft und in Ketten geschlagen. Den Hebel herum! Die Knute geht um. Herr Hitler sagt, der Revolution war voller Erfolg beschieden Erschlagen so mancher Arbeitersohn, verteuert das Schmalz, verschlechtert der Lohn, Herr Hitler ist mit sich zufrieden. Den Hebel herum! Der Henker geht um. Herr Hitler sitzt mit Herrn Thyssen beim Mahl, wir schuften in Elend und Schande, unser Werktag ist lang, unser Leben ist Qual, unsrer Kinder Wangen sind schlaff und fahl, Herr Thyssen ist König im Lande. Den Hebel herum! Der Hunger geht um. Sei flug, Kamerad, sprich leis, Kamerad, Herr Thyssen hat lange Ohren, es wuchs empor aus brauner Saat ein brauner Staat, ein Gaunerstaat, wer die Wahrheit sagt, ist verloren. Den Hebel herum! Der Spizzel geht um. Das Radwerk knirscht, der Riemen schreit, gepeitscht von der Kraft unserer Hände, Stähl' die Faust, Kamerad, bald ist es so weit, Sei bereit, Kamerad, bald tommt unsre Zeit, bald feiern wir Weltenwende. Den Hebel herum! der Zorn geht um, den Hebel herum, macht ein Ende! Wie aber, so fragen wir uns zum Abschluß dieser Königstragödie, ist es mit Adolf Hitler? Er hat schwarzes, dunkelschwarzes Haupthaar. Als vor etwa Jahresfrist bei einem Presseempfang ein ausländischer Pressevertreter Hitlers Pressechef Hanfstängt fragte, wieso es denn komme, daß Hitler, der Pionier der arischen Raffe, schwarzes Haar habe, gab Hansstängt schlagfertig zur Antwort: Ja, sewis,„ Treue dem Chef" gewiß, aber unter den Armen ist Hitler blond." Gustavs Urgroßvater, Hitlers Großmutter, Blüchers " Bigeiner": furchtbare Perspektiven, die wir aus Respekt vor Deutschlands Diktator nicht weiter zu verfolgen wagen, eröffnen sich. Denn man kann in seelischer Hinsicht nordisch sein und körperlich- Göbbels gleichen. Man fann in förperlicher Hinsicht ein Nordling und doch rassisch vermanscht sein wie Gustav von Schweden. Man kann wie ein Bigeiner" aussehen und doch Man kann, man fann... bis man verrückt geworden ist oder wegen rasseschädlicher Gesinnung in ein Konzentrationslager eingeliefert wird! Auf der Horst- Wessel- Höhe im Teutoburger Wald. Eine Verfügung des Ministers für Bolksaufklärung und Propaganda, Dr. Göbbels, wünscht die Schaffung von Thing- oder Volksstätten für völkische Feiern oder Verfammlungen. Die erste Stätte dieser Art wird Bielefeld mit dem Horst- Wessel- Stein auf der Horst- Wessel- Höhe im Teutoburger Wald erhalten. Der Platz ist dafür sehr geeignet und war von vornherein als Stätte für Sonnenwend- und andere nationale Weihefeiern gedacht. Der HorstWessel- Stein und damit auch die erste neue Thingstätte Deutschlands wird am 18. oder 20. August vermutlich durch Dr. Göbbels eingeweiht. Einer Anregung des Kreiskulturwarts Wilke entsprechend wird der Tag der Einweihung des Horst- Wessel- Steins mit einem Tag des nationalen Liedes verbunden. Sinnvoll soll so neben dem Revolutionskämpfer der Revolutionsfänger Horst Wessel geehrt werden. Man braucht nicht eben viel Fantasie, um sich die Eröffnung des ersten Things vorzustellen. Minister Pg. Göbbels hat sich beim deutschen Modeamt bereits eine altgermanische Tracht a la Herman der Cherusker bestellt und wird mit Magda- Thusnelda die Tänze der Nibelungen erefutieren. Darauf wird die Horst- Wessel- Heldensaga in den Stabreimen des Nibelungenliedes vorgetragen, mit der Trauung Krimhilds mit König Ezel als Krönung. Die Mannen des Hunnendiktators brauchen glücklicherweise für die große Mordszene, die sich nach der alten Sage anschließt, nicht lange geschult zu werden. Denn darin haben sie Uebung! Als nämlich leibhaftige SA.- Leute zur Mitwirkung am Horst Wessel- Film in Berlin herangezogen wurden, da geschah, wie wir der gleichgeschalteten Presse im Wortlaut entnehmen, folgendes: " In ganz Berlin sind Aufnahmen gemacht worden. Man hat im Hauptquartier Horst Wessels gedreht, am Jüdenhof, von wo die Eroberung der Arbeiterbezirke begann, im Nordosten die Straßenkämpfe in der Weberstraße. Aus den mit fommunistischen Fahnen und Transparenten geschmückten Fenstern fliegen Briketts und Blumentöpfe auf die marschierenden Braunhemden von Horst Wessels Sturm. Schüsse knallen und die Blumentöpfe zersplittern auf dem Asphalt und die Braunhemden reißen sich die Roppel ab vom Leibe und dreschen ein auf die Angreifer -SA.- Leute in Rommunistengestalt. Immerhin wurde die Szene so echt, daß ein französischer Journalist seinem Blatt von Straßenfämpfen tabelte, die im Nordosten stattgefunden hätten. SA. Leute haben keine Sammetpfötchen. wo sie hinschlagen, wächst so leicht tein Gras mehr, das Training der legten Jahre war zu mehr, das Training der legten Jahre war zu gut. Bei einer geftellten" Saalschlacht für den HorstWeffel- Film gerieten sie so in sige, deren Temperaturgrade man am besten statistisch ausdrückt: statt der vorgesehenen sechs Kortstühle und der Aschenbecher aus Papiermache schlugen die 600 Mann, teils im Braunhemd, teils in Mos: fowiterkluft, 23 richtige Tische, 217 Stühle, 76 Steingutaschenbecher und 173 Biergläser in Klumpen. 78 Anzüge hatte die Filmgesellschaft zu ersehen, 12 Armbanduhren, 14 Brillen und ein Gebiß". Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Göbbels diese ausgezeichneten Leute, die sich im Horst- Wessel- Film so wahrheitsDas sind deutsche Studenten! no 3 Munin. In Aachen tagte der Deutsche Studententag. Es lohnt nicht, auf dieses krause Gemisch von verstiegener Romantik und serviler Unterwürfigkeit gegenüber den Despoten des dritten Reiches" näher einzugehen. Es genügt die Wiedergabe dreier Telegramme: An Reichsinnenminister Dr. Frid: Der Deutsche Studententag vollzog sich in der strengen, schlichten Form eines neuen Studententums. Die Deutsche Studentenschaft grüßt den Vorfämpfer dieser Schlichtheit in unserem Volt." An den Stabschef der SA., Röhm, wurde das nachstehende Telegramm gerichtet:„ Das Erlebnis der SA. formte den Studenten neu. Der 16. Deutsche Studententag grüßt die SA. und ihren Chef." An Kultusminister Rust drahtete die Deutsche Studentenschaft:„ Der Deutsche Studententag grüßt am Schluß des 16. Deutschen Studententages den Verkünder des nationalsozialistischen Studentenrechts und gelobt weiterhin Gefolgschaft bei Neugestaltung der deutschen Kulturpolitik." * " Frei ist der Bursch" so sangen die deutschen Studenten vor hundert Jahren. Heute geloben sie untertänigst Treue gegenüber einem Regiment des Schreckens und der Vergewaltigung, das in der deutschen Geschichte seinesgleichen nicht hat. Aber wo bleibt das Ideal? Reichsminister Franz Seldte erklärte in seinem kürzlichen Interview mit dem Chefredakteur des„ Fränkischen Kuriers" unter anderem:„ Der Kanzler und wir alle im Kabinett sind einig darin, daß jeder Deutsche bei dem Schritt, den er tut, bei jedem Wort, das er spricht, bei jedem Verlangen, das er stellt, bei jeder Kritit, die er äußert, nach der Wirkung fragt, die das alles auf die Er= nährung des deutschen Menschen hat." getreu hervorgetan haben, zweds völtischer Betätigung auf Sonderbare Situation den Horst- Weffel- Stein einladen wird. Vielleicht wird ihnen ein Jude gratis geliefert, zum Training. Das wird ein fröhliches thingen geben. Nun noch ein Wort von der neueren Teutschtümlichkeit. Die Menschen in Masse werden jeher nur verbunden durch Vorurteile und aufgeregt durch Leidenschaften.. aber dem ohngeachtet wird das Trefflichste gewirkt, wenn auch nicht Anläßlich der Salzburger Festspiele schreibt die„ Neue Züricher Zeitung":" Sonderbare Situation: Ein kosmopolitisches Publikum kommt in einer deutschen Stadt zusammen, um deutscher Musik und auch deutscher Sprache( Jedermann" und" Faust" unter Reinhardt) zu lauschen und deutscher Kultur in ihrer weltbeugenden Kraft zu huldigen und das Deutsche Reich, das für sich beansprucht, alleiniger Wortführer aller Deutschsprechenden zu sein, boykottiert diese Veranstaltung." im Augenblicke. doch in der Folge, wenn nicht unmittelbar Statt Aufstieg- nahes Ende? doch veranlaßt. Und so werden Sie erleben, daß Werte und Würde unserer Ahnherren rein und schön aus der eigenen Sprache hervortreten; denn es ist wahr, was Gott im Koran sagt: wir haben keinem Volke einen Propheten geschickt als in seiner eigenen Sprache. Und so sind denn die Deutschen erst ein Volt durch Luthern geworden. Lassen Sie sich aber durch all dies in Ihrem eigenstem Geschäfte nicht irren, denn man kennt die Eigentümlichkeiten einer Nation erst dann, wenn man sieht, wie sie sich auswärts beträgt. Goethe an Blumenthal, 28. Mai 1819. „ Die deutsche Menschheit, die blonde Menschheit, der hellhäutige Langkopf, sie beginnen auszusterben, wenn nicht in letzter Stunde energische Gegenmaßnahmen getroffen wer den. Aus den reichen Beispielen, die der Verfasser über die Stellung der Frau und die Sonderart des Weibes zusammengetragen hat, ergibt sich zwangsläufig, daß die Frauenfrage ausschlaggebend für den weiteren Bestand der weißen Kulturvölfer ist. Am warnenden Beispiel der alten Hellenen und Römer zeigt er das nahe Ende, das den arischen Völfern bevorsteht. ( Aus dem Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel") DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Was verdient ein Ozeanflieger? Ozeanflüge sind ein Geschäft geworden. Natürlich gibt es da Unterschiede. Manche dieser Flüge, und zwar vor allem diejenigen, die offiziell von Regierungen veranstaltet werden, sind politische Geschäfte. Der weitaus überwiegende Teil der in den letzten Jahren durchgeführten Ozeanüberquerungen sind aber geschäftliche Reklameunternehmungen, die einen mehr oder minder hohen Gewinn allen Beteiligten, dem Flieger und den interessierten Firmen, abwerfen. Früher einmal, in der guten, alten Anfangszeit der Transatlantikflüge, waren hohe Preise zu gewinnen. Das hat aber schon längst aufgehört, seitdem regelmäßig Jahr für Jahr mit dem Beginn der schönen Jahreszeit nicht nur die Schwalben, sondern auch die Ozeanflieger wiederkommen. Trotzdem kann auch heute noch ein Ozeanflieger- und besonders der, der einen neuen Reford aufstellt- einige hunderttausend Mark und auch mehr mit seinem Flug verdienen. Die Summen, um die es sich handelt, fließen aus sehr verschiedenen, manchmal recht seltsamen Quellen. Nach der Aufstellung eines neuen Rekordes verpflichtete sich ein englischer Ozeanflieger, als vorher angekündigter Gast Fußballwettspiele zu besuchen. Die ihm vertraglich zugesicherten 25 Prozent der Kasseneinnahmen brachten ihm etwa 20 000 Mark ein. Der von den Fußballklubs, die in England kaufmännische Unternehmungen sind, errungene Reflameerfolg brachte einen findigen Kinobefizer auf die Idee, das gleiche zu versuchen, und so gelang es diesem Dzeanflieger, durch vorher bekanntgegebene Besuche des be= treffenden Kinos, noch einige tausend Mark dazuzuverdienen. Dieser Flieger dürfte aber kein sehr guter Geschäftsmann gewesen sein, denn seine Einnahmen werden weit überboten von den rund 200 000 Mart, die ein Amerikaner für seinen Flug erhielt: Die Benzinfirma, deren Marke er be= nuzte, zahlt allein 60 000 Mart, weitere 4000 Mark erhielt er für die Ausstellung seines Flugzeuges, 20 000 Mark für die Benützung seines Namens, seines Bildes und seiner Unterschrift bei Inseraten und auf Prospekten verschiedenartigster Gebrauchsgegenstände, und schließlich bezahlten Firmen, deren Produkte bei der Ausstattung seines Flugzeuges verwendet wurden. Auch das Schreiben von Büchern gehört zu den Einnahmequellen von Ozeanfliegern. Ein solches Werk kann, wenn es nur halbwegs geschickt gemacht ist, 8000 Mark einAmerikanischie Halbminutengesdfiicfiten Gesammelt von 3da Sorter „ Schauen Sie her, Kellnerin," faucht der wütende Gast, hier im Wein schwimmt eine Fliege. Was soll das bedeuten?" " Das weiß ich nicht," erwiderte die Kellnerin, ich bin eine Kellnerin und feine Wahrsagerin." * Kaufmann:„ Die Post stellt mir täglich Drohbriefe zut. Gibt es denn kein Gesetz gegen Drohbriefe?" Postbeamter:„ Natürlich. Es stehen sogar auf Drohbriefe strenge Strafen. Haben Sie irgendeinen Verdacht, mein Herr?" Kaufmann:„ Ich habe sogar Gewißheit. Die Drohbrick kommen von meinen Gläubigern." Ein junger Mann erzählt einer Dame, der er sehr den Hof machte, wie er sein letztes Wochenende verbracht habe. " Haben Sie mit Erfolg gefischt?" fragt die Dame.„ Was haben Sie dann gefangen?" „ Was essen Sie lieber, Aale oder Forellen?" erwiderte der junge Mann. A.:„ Es gibt viele Wege, um zu Geld zu kommen." B.: Jawohl, aber nur einen einzigen ehrenhaften." A.:„ Welcher ist das?" B.: Ich habe mir gleich gedacht, daß Du den nicht kennt." % Hausfrau:„ Mary, wissen Sie nicht, ob der Fleischer Schweinsfüße hatte?" „ Er hatte Schuhe an," sagte die Köchin. ,, Borgen sich deine Nachbarn viel von dir aus?" „ Ausborgen? Ich kann Dir sagen, wenn ich bei ihnen zu Gast bin, fühle ich mich mehr zu Hause als bei mir selber." * Die berühmte Schauspielerin hielt es für einen superflugen Einfall, wie sie ihre wertvolle Perlenkette vor Dieben schützte. Sie ließ sie stets auf ihrem Toilettentisch liegen und daneben einen Zettel folgenden Inhalts:" Diese Perlen find nur eine Imitation. Die echten liegen in meinem Banksafe." Aber eines Tages waren die Perlen doch verschwunden und folgender Zettel lag auf dem Toilettentisch:„ Mir ge= nügen diese Perlen. Ich bin nur der Gehilfe des EinbrecherKönigs. Er wird sich die echten Perlen holen, wenn er aus dem Gefängnis draußen sein wird." * Boshafter Kollege:„ Mr. Boomer hat eine überwältigende Stimme. Das letztemal, als er öffentlich fang, füllte seine Stimme so den Saal, daß das Publikum ihn verlassen mitßte, um ihr Platz zu machen." Ein neugieriger Gesellschaftsmensch verschafft sich Eintritt in das Laboratorium eines berühmten Gelehrten und schnüffelte dann in allen Ecken herum. Vor einem Gefäß, dem brodelnder Dampf entstieg, blieb er stehen und sagte mit ehrfürchtiger Stimme:„ Was kochen Sie in diesem Topf, Meister? Sind es Mikroben oder Bazillen?" bringen. Bedeutend lohnender aber ist die Schilderung der Flugerlebnisse in den amerikanischen und englischen Tagesblättern, und ein sehr bekannter Ozeanflieger konnte mit dieser journalistischen Gelegenheitsarbeit rund 350 000 Schilling verdienen. Natürlich bringt auch die Veranstaltung von Vorträgen, besonders wenn sie mit Lichtbildern ausgestattet und recht bald nach dem Flug abgehalten werden können, ansehnliche Beträge ein. Auch Frauen sind seit einiger Zeit unter die Bezwinger des Ozeans gegangen und daher mußte die geschäftliche Seite der Angelegenheit diesem neuen Zuwachs entsprechend angepaßt werden. Mo degeschäfte stellen ihre schönsten und kostbarsten Modelle den Ozeanfliegerinnen kostenlos zur Verfügung, Hüte, Wäsche, Parfüms, Manikürgeräte, Schuhe und Lippenstifte alles erhalten die Fliegerinnen umsonst und noch beträchtliche Geldsummen dazu, wenn sie gestatten, daß die betreffenden Firmen damit Reklame machen dürfen. Erstklassige Hotels stellen den männlichen und weiblichen Ozeanfliegern ihre besten Zimmer kostenlos bei, nur gegen die Verpflichtung, die natürlich gleichfalls kostenlosen - Mahlzeiten im Hotelrestaurant einzunehmen und dadurch andre Gäste anzuziehen. So wird, wenn man ein wenig hinter die Kulissen zu blicken Gelegenheit hat, das kühne Fliegertum seiner Romantik entkleidet und der Heros der Luft entpuppt sich als ein vorläufig noch hochgeschäßter und gutbezahlter Handlungsreisender Daß das so ist, ist gewiß nicht Schuld der Flieger, die ihr Bestes geben und stets ihr Leben wagen. Schuld ist die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die auch das Heldentum in Verbindung mit Geschäften bringt. Der Flieger muß daher auch Geschäftsgeist besitzen, sonst geht es ihm so wie einem der bekanntesten Ozeanflieger, der nach der Landung gerade noch fünf Franken in der Tasche hatte und nicht einmal die Landungsgebühr bezahlen konnte. Oder wie jenem andern Atlantikbezwinger, der die zu seinem Flug gedruckten und ihm gespendeten Briefmarken verkaufen mußte, um die Heimfahrt antreten zu können. Uebrigens werden die Geschäfte über dem Atlantik von Jahr zu Jahr schlechter. Die Konkurrenz ist groß, das Angebot drückt auf den Preis. Auch sind Ozeanflüge ja nicht mehr neu, mit ihrer reklametechnischen Zugkraft ist es nicht mehr weit her und die Firmen müssen angesichts der Krise auch ihre Reklamebudgets sehr einschränken, die Verdienstmöglichkeiten verschlechtern sich also von Jahr zu Jahr. Lachen nicht verfernen Im Dunkeln Im Autobus war das Licht ausgegangen. Ehe es wieder funktionierte, fonnte man folgendes Gespräch belauschen: " Halten Sie sich doch bitte mit an meinem Griff fest." " Danke, ich habe schon einen." ,, Würden Sie dann so gut sein und meinen Schlips los. Tassen?" Der Schüßenkönig In einer kleinen Stadt gewann ein Schneidermeister die Meisterschaft im Kleinkaliberschießen. Merkwürdigerweise gingen in den nächsten Tagen Beträge bei ihm ein, die teilweise schon jahrelang bei ihm fällig waren. Ein herzensguter Junge Mutter:„ Und denk mal, Bubi, die armen Kinder im Nachbarhaus haben keinen Vati und keine Mutti und keine Tante Emma. Und du hast alles, was du dir wünschst willst du ihnen nicht etwas davon abgeben?" Junge:" Wie wärs denn, wenn wir ihnen die Tante Emma abgeben?" Uebereifer Die neue Stenotypistin beschloß, gleich vom ersten Tag an einen guten Eindruck zu machen. So erschien sie bereits eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn im Kontor und machte sich daran, ihre Maschine zu reinigen. Sie fand auch eine Flasche und ölte ihre Maschine und, weil sie ja Zeit hatte, gleich auch die verschiedenen Maschinen ihrer Kolleginnen. Gegen 9 Uhr kommt der Chef. Fängt an, etwas zu suchen. Sucht und sucht im ganzen Kontor. Fragt schließlich:„ Sagen Sie mal, hat denn nicht jemand von Ihnen die Flasche mit meinem Hustenmittel gesehen?" Berkannt Großmutter hat sich von ihrer Familie verleiten lassen, einen Rundflug zu machen. Nach einer Weile dreht sich der Pilot um und ruft ihr zu:„ Wir sind jetzt 1000 Meter hoch!" " Ach was, 1000 Meter," erwidert Oma, stellen Sie lieber den Ventilator ab, es ist doch kalt genug hier!" Künstlerstolz Artist:„ Nein, ich denke gar nicht daran, nach der AffenNummer aufzutreten!" Direktor:„ Na schön, Sie haben recht. Die Leute könnten denken, es wäre bloß die Wiederholung." Kleine Enttäuschung Chef:„ Sagen Sie mal, Willy, was haben Sie denn am Sonntagabend vor?" Lehrling:„ Gar nichts, Herr Müller." Unheimliches Abenteuer eines Zafinarztes In Kremenez, einer kleinen Stadt in Polen, hatte sich ein junger Zahnarzt niedergelassen und übte seit einigen Monaten die Praxis aus, die es ihm jedoch noch nicht erlaubte, eine Hilfskraft zu bezahlen, so daß er alle notwen= digen Arbeiten selbst erledigen mußte. Eines Nachmittags erschien ein älterer Mann bei ihm, nahm auf dem Sessel Plazz, lehnte den Kopf in die Stüße und verlangte mit lauter Stimme eine genaue Untersuchung seines Gebisses, da der zweite Zahn von rückwärts unten sowie der rechte Augenzahn schmerzen. Der Arzt schlüpfte in seinen weißen Mantel, neigte sich über den Patienten, der bereitwillig den Mund öffnete und zu des Doktors maßloser Ueberraschung vollkommen zahnlose Kiefern zeigte. Nicht ein einziger Zahn schmückte des Mannes Mund. Der junge Arzt glaubte sich verhöhnt und wollte bereits grob werden, als der Alte einen Revolver aus der Tasche zog und drohend verlangte, seine Zähne plombiert zu erhalten, da er den Arzt ansonsten erbarmungslos über den Haufen schießen werde. Der Doktor sah ein, daß er es mit einem gemeingefährlichen Frren zu tun hatte, nahm, in sein Schicksal ergeben, den Bohrer zur Hand und tat so, als bohrte er in einen franken Zahn. Der Patient reagierte mit schmerzhaftem Zischen, ohne daß die Nadel des Bohrers irgendeine Stelle seines Kiefers berührt hätte. Der Arzt seinerseits ging auf das Spiel ein und tat, als stille er durch eine Injektion den Schmerz, doch ließ es der Patient nicht zu, daß sich der Doktor tatsächlich zum Wandschrank entferne. In der Angst vor der Unberechenbarkeit des Irren und in humorvoller Auffassung der Situa tion begann der Arzt sogar genau zu beschreiben, was er augenblicklich an dem erkrankten Zahn mache und was er noch damit zu tun haben werde. Dann fiel es ihm ein, das herrliche Gebiß des Patienten zu bewundern, was dem Wahnsinnigen große Freude bereitete. Diese Tragikomödie dauerte mehrere Stunden, bis die im Wartezimmer inzwischen versammelten Patienten ungeduldig zu werden begannen. Als einer in das Ordinationszimmer eindrang, be= eilte sich der Arzt, ihn einzuladen, sich das prächtige Gebiß des Jrrsinnigen anzusehen. Der Mann staunte beim Anblick der zahnlosen Kiefer, stimmte jedoch mit ängstlichen Blicken auf den Doktor dessen Begeisterung zu und entfernte sich, um kurz darauf mit Wärtern der Irrenanstalt wiederzukommen. So wurde der junge Arzt endlich aus seiner unangenehmen Situation befreit. Jit 2000 Siscien in der Wohnung Dr. Norbert L. Lederer lebt mit seiner Frau, 2000 tropischen Fischen, einem Kanarienvogel, zwei Bulldoggen und einer Galapagos- Schildkröte in einer geräumigen Neuyorker Wohnung. Er besißt die größte private Fischsammlung der Stadt. Dr. Lederer( er ist Dr. phil. und wurde in Wien promoviert) hält seine Fische in 14 Behältern, von denen der größte etwa 135 Liter faßt. Dieser befindet sich im Wohnzimmer; die übrigen sind im Badezimmer, im Studierzimmer, im Schlafzimmer usw. aufgestellt. Dr. Lederer füttert seine Fische zweimal täglich; des Morgens mit geräucherten Garnelen, nachmittags mit kleinen Wasserwürmern. Bei der Fütterung trägt er einen blauen Schlafrock und sobald sie ihn in dieser Kleidung sehen, eilen sie mit geöffnetem Maul an die Oberfläche; zieht er den Rock aus, dann wissen sie nicht, wer er ist und behandeln ihn kühl. Der Doktor ist der einzige Mensch, dem es je gelungen ist, Piranhas in der Gefangenschaft aufzuziehen. Die Piranhas sind Raubfische und leben im Amazonenstrom. Sie können ein Pferd, das das Unglück hat, in den Fluß zu fallen, in fünf Minuten in ein Skelett verwandeln. Dr. Lederer füttert sie mit seinem Ueberschuß an Guppyfischen, von denen er große Mengen hat. Seinen Ueberschuß an selteneren Fischen verkauft er und erzielt damit 80 bis 100 Dollar im Monat. 10 Dollar gibt er monatlich für Fischfutter aus. Er besitzt alles in allem 60 Fischarten, darunter den indischen Glassisch, der so durchsichtig ist, daß man die inneren Organe sehen kann, und die siamesischen Fechter, die statt Riemen Lungen haben und an die Oberfläche fommen müssen, um Luft zu schnappen, weil sie sonst ertrinken würden. Kiebitzen mit Ferngläsern An dem großen Bridge- Wettstreit, der seit einigen Tagen in London zwischen Engländern und Amerikanern ausge fochten wird, haben bis jetzt weit über tausend Personen teilgenommen. Jede der beiden Mannschaften steht unter der Leitung eines bekannten Bridgespielers, die Engländer unter der des Obersten Beasley. Die Spieler sizzen in zwei mächtigen Sälen. Die Zuschauer stehen herum und versuchen, wenigstens mit Hilfe von Ferngläsern den Spielern in die Karten zu schauen. Es ist also ein Siebigen mit Ferngläsern. In den ersten Tagen waren die Engländer im Vorteil, und zwar konnten sie ihr Plus bis auf 320 Punkte den Amerikanern gegenüber hinaufbringen. Dann aber kam für die englischen Bridgespieler eine Pechsträhne oder wie man sagt ein großer Slam, so daß sie schon am nächsten Tage mit 560 Punkten im Nachteil gegenüber ihren amerikanischen Kollegen waren. Die Amerikaner hatten 66 020, die Eng länder dagegen nur 60 380 Punkte erringen können. Chef:„ Nun, dann könnten Sie wohl diesen Montag mal Huhn geführt, das in fünf Jahren 1175 Eier legte. Der. pünktlich im Geschäft sein!" Karriere Ein Kuhn mit 400000 Nachkommen Ein Hühnerzüchter hat genau Buch über ein sehr fleißiges Züchter wollte aber keine Gier verkaufen, sondern ließ sie von der Brutmaschine ausbrüten, die Kücken wurden wieder großgezogen, gaben wieder Eier, die Brutmaschine trat Schwarz:„ Rate mal, wen ich heute getroffen habe wieder in Funktion, und als dieser Tage die Urgroßmutter Meyer! Weißt Du, dem es damals so dreckig ging? Der ist der stattlichen Schar die Augen schloß, bezifferte sich die Nachaber jetzt fein raus! Hat die Tasche voll Pinkepinke und femmenschaft auf 400 000 Hühner. Dieser Versuch der ameri gondelt den ganzen Tag mit seinem Wagen in Berlin rum." kanischen Riesenzüchterei war natürlich außerordentlich kost Weiß:„ Der hat wohl eine Erbschaft gemacht?" spielig, da kein einziges Huhn verfauft und feines geschlachtet Schwarz: Das nicht gerade. Das nicht gerade. Aber er wurde. Jedenfalls ist der Beweis für die fabelhafte Frucht Würste," war die lakonische Antwort, zum Frühstück." ist jezt Autobus- Schaffner bei der BVG." den barkeit dieses Federviehs jetzt auch schwarz auf weiß geführt. " lologo12 old DEUTSCHE ZUKUNFT KULTURPOLITISCHE BEILAGE ZUR DEUTSCHEN FREIHEIT BLICK ÜBER ZEITFRAGEN UND BUCHER Heroischer Optimismus Blicke in die Gedankenwelt des Nationalsozialismus: Vorläufer, Mitläufer, Ueberläufer stadalstray tail NOV nobis Eine große Bewegung, wie sie der Nationalsozialismus. darstellt, kann nicht nur gedeutet werden aus ihrer politischen Macht und aus ihren politischen Methoden, die sie als Wegspur hinterläßt. Die nationalsozialistische Idee gibt vor, eine neue Weltanschauung zu sein, ein Aufstand gegen die Bürgerlichkeit, eine Verfinnbildlichung des Mythos im Individuum, in der Gesellschaft, im Staate. Sie erhebt den Anspruch, das Erbe des rationalistischen 19. Jahrhunderts, worin sie den Liberalismus und den Marxismus erblickt. im Zeichen des Aufbruchs der Jugend zu übernehmen. Wir wissen, wieviel Wind und Spreu hinter den tönenden Schellen verborgen sind. Nie kann eine Bewegung und eine ihr entsprechende Machtentfaltung vor dem Urteilsspruch der Geschichte groß und heroisch sein, wenn sie sich nur auf Bergen gequälten und vergewaltigten Menschtums behaupten fann. Im Schrifttum des Nationalsozialismus vermengen sich verschwommener Wunderglaube, tiefe Menschen verachtung, ungezügelter Machtwille und breit ausgewalzter Phrasenbrei, die die wilde Brutalität des Urinstinkts segnen follen, au einem nahezu undurchdringlichen Gemisch. Der Nationalsozialismus will Typen" züchten, aber eine für ihn typische und gültige Jdee, die nicht das Gefühl der Zweideutigkeit hinterläßt, hat er bisher nicht entwickelt und ist von ihm auch nicht zu erwarten. 1. Die Vorläufer Immerhin: Es gibt einige Gestalten im Umkreise dieses zweifelhaften Gedankengutes, die Respekt einflößen. Zu ihnen gehört Karl Jünger. Seltsam und nicht sehr verheißungsvoll für den Nationalsozialismus, daß er mit seinen wenigen geistigen Pionieren nichts anfangen kann! Denn sowohl Karl Jünger wie seine ebenso ehrlichen Mitstreiter Schauwecker und Hielscher haben im„ dritten Reiche" nicht die geringste Aufgabe erhalten! Sie haben geholfen, alte Tafeln zu zerbrechen, aber zur Mitgestaltung an den neuen wurden sie nicht gerufen. Hier wirken die Funktionäre ungeistigen Machtstrebens, angetan in Uniform und mit dem Troß eines willigen Gefolges in vorderster Linie. Neben den Mitläufern stehen die Ueberläufer vom Stile eines May Barthel, die Musterreisenden der Charakterlosig. keit, bis hinauf zu den Lehrstühlen an den Universitäten, die Honorierten Preisfechter der Lüge und des Kitsches, bis hinab zu Arnold Bronnen und Hanns Heinz hinab zu Arnold Bronnen und Hanns Heinz Ewers. Wir geben auf diesem Blatte heute ein paar Stichproben aus der Fülle der Gesichte. Weitere werden folgen. Denn man muß kennen, was man, vom Geistigen und Politischen her, bekämpfen und niederzwingen will. Die Vision des„ Arbeiters" Im Herbst 1982 erschien das Buch von Ernst Jünger„ Der Arbeiter"( Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg). Jünger hatte sich bereits durch sein Werk„ In Stahlgewittern" einen Die Redaktion der„ Deutschen Zukunft". Neuordnung bietet. Das gilt z. B. für die Beurteilung des „ Bürgers" aus der liberalistischen Aera. guten Namen als Schriftsteller gemacht. Verfechter der sol- Die Ablösung der Welten datischen Geisteshaltung, die das Erlebnis der Frontgeneration heldisch in der Gestaltung der Zeit fruchtbar machen soll, unternimmt mit seinem neuen Buche den Versuch, den„ Typus des Arbeiters" in einer neuen Rangordnung der Welt und der Werte zu mobilisieren. Es ist schwer, sich durch die 300 schwerbeladenen Seiten feines Werks hindurchzulesen. Neben hellsichtig und wahrheitsgetreu Geschautem steht eine Fülle von flüchtig, schief und quer Gesehenem. 100 Seiten wären mehr gewesen als 300. Was will Jünger? Er kombiniert die Idee eines Arbeiters und erblickt in ihm den„ Bollender des Antritts der Herrschaft". Der Arbeiter soll die Auflösung der liberalen und der Gesellschaftsdemokratie vollenden durch die Arbeitsund Staatsdemokratte". Jünger prägt mit vielen Worten, die häufig der militärischen Begriffsbildung entstammen, den Willen zum Opfer im Dienste an der Gesamtheit Sein „ Heroischer Optimismus" bildet kühne und wilde Säße echter revolutionärer Herkunft, aber er steht, wie viele leere und zusammenhanglose Stellen beweisen, abseits vom tieferen Wissen um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Busammenhänge. Er will von der Gestalt des Arbeiters aus „ Plaulandschaften" erbauen, aber diese Landschaften sind getaucht in metaphysische Nebelschwaden, in denen der echte und wirklichkeitsnahe Gestaltungswille in ferner Unsicherheit verläuft. Wir geben hier ein Stück aus dem in der Form vortrefflich geschriebenen, in der Haltung so unsicheren und unfertigen Buches im Wortlaut wieder. Mit Absicht wählen wir ein Kapitel, das an einigen Stellen Anknüpfungspunkte an unsern Willen zur gesellschaftlichen und kulturellen 2. Die Mitläufer Karl Jünger Es fehlt nicht an Versuchen, durch welche dieser neue Sinn, der ein Zeichen dafür ist, daß der Mensch im Grunde durch 3. Die Ueberläufer keine Erziehung verdorben werden kann, eingefangen und den alten Systemen der bürgerlichen Gesellschaft unterstellt werden soll. Der wichtigste dieser Versuche besteht darin, jede neuouftauchende Kraft als Verhandlungspartner zu begreifen und einer durch Verhandlung arbeitenden Apparatur einzubeziehen. Das Maß an Widerstand, das diesem Bestreben entgegengesetzt werden kann, ist ein Ausweis über die Befähigung zu andersartigen Ordnungen. Es gibt Mächte, von denen man ebensowenig Legalität, wie von einem Hochstapler Geschenke annehmen kann, ohne daß man sich zum Mitschuldigen macht. Dies gilt auch von der bürgerlichen Gesellschaft, die sich zur Nutznießerin des Staates erhoben hat. Das Gesicht der späten Demokratie, in das Verrat und Ohnmacht ihre Zeichen gegraben haben, ist allzu bekannt. In diesem Zustande sind alle Mächte der Verwesung, alle abgelebten, fremden und feindlichen Elemente herrlich ge= diehen; seine Verewigung um jeden Preis ist ihr geheimes Ziel. Hinter jenen Marionetten, die auf den bereits in Abbruch befindlichen öffentlichen Tribünen die liberale Phrase zu letter, papierener Dünne auswalzen, bereiten feinere und erfahrene Geister einen Kulissenwechsel vor. Man wird unter neuen, überraschenden,„ revolutionären" Formulierungen der legitimen Monarchie und der„ organischen" Gliederung als den Zielen der inneren Politik begegnen, ebenso einer Verständigung mit all jenen Mächten, durch deren Existenz der Fortbestand der Christenheit oder Europas, und damit auch der bürgerlichen Welt gesichert ist. Der Bürger hat einen Zustand der Verzweiflung erreicht, in dem er bereit ist, alles in Kauf zu nehmen, was bisher der unerschöpfliche Gegenstand seiner Ironie gewesen ist, wenn nur die Sicherheit gewährleistet bleibt. In diesem Zusammenhange scheint der Sozialismus als die Voraussetzung einer schärfsten autoritären Gliederung und der Nationalismus als die Voraussetzung für Aufgaben von imperialem Rang. Der Aufstieg eines Begabten Mit der proletarischen Weltrevolution ist es nichts; ich muf Es ist ein Kennzeichen des italienischen und jetzt auch des deutschen Faschismus. daß er Aufstiegsmöglichkeiten gibt einer Schicht von Begabten, die allerdings recht eigenartig begabt sein müssen. Die Brutalität, gepaart mit Fanatismus, moralischer Gelenfigkeit und skrupelloser Anpassungsfähigkeit, sind die Garantiescheine des Aufstiegs im neuesten Deutschland. Zungenfertigkeit, ergänzt durch demagogische Begabung, vervollständigen diese Skala oft trefflich. Es soll nicht bestritten werden, daß die genannten Eigenschaften auch im normalen Kapitalismus sehr schätzenswert für den Aufstieg sind. Die Diftatur hindert aber die kontrollierenden und schwächenden Gegenströmungen. So wird in Wirklichfeit trotz allen Scheinkampfes gegen die Korruption in Wahrheit eine korrumpierung des Geisteslebenserzeugt, zu der Schmiergelder an sich garnicht nötig sind. Als Zeichen dieser Tendenz beschäftigen wir uns mit einem vor einigen Wochen bereits erschienenen offenen Brief von Max Barthel, weil sich hier an einem Musterbeispiel die neudeutsche Herrlichkeit illustrieren läßt. Mar Barthel war ehedem ein proletarischer Dichter, und sein Brief wird in Die Herren der Stunde Die Nationalsozialisten haben nicht nur Bücher verbrannt, fie haben auch welche geschrieben. Mit der Uebernahme der Staatsgewalt brach eine Flut von Kommentaren und Erklä rungen, Büchern und Broschüren, Deutungen und Verherrlichungen der„ nationalen Revolution" in den deutschen Büchermarkt ein. Durch Aechtung und Vernichtung der Bücher von Heinrich Mann, Kellermann, Leonhard Frant, Feuchtwanger usw. wurden Rücken geschaffen, die ausgefüllt werden können. Da es an Qualitäten fehlte, wurden Quantitäten von Baedeckern durch die nationale Revolution" geschrieben, um Mißverständnisse und Irrtümer in der Beurteilung eben dieser Revolution a priori zu vermeiden. Noch nie ist eine Revolution, ganz gleich, ob politischer oder religiöser Natur, mit so viel erklärendem Tert ausgebrochen, mit so viel Selbstanalyse und Selbstverherr lichung und mit so viel marktschreierischem Anspruch auf Eigenschaften, die eigentlich erst eine spätere Geschichtsschreibung erkennen und bewerten kann. „ Der Heroismus erhebt sich leidenschaftlich als kommender Führer und Gestalter politischer Schicksale"( Hitler, Begründung des Ermächtigungsgesetzes)! Ob mit diesem Heroismus nun die Mißhandlungen und Nerfnlaungen der jüdischen Minderheit, die Unterbrüdung der Marristen, der Reichstagsbrand, die neuen Feiertage oder das„ heroische" Anwachsen der Bewegung unt einer lanamütigen Republik gemeint ist, bleibt unklar. Auf jeden Fall ist von nun an der Heroismus Führer und Gestalter. Diftatoren brauchen nicht mehr zu bemeisen. Laut Befehl des Führers und auf Grund der Untersuchung von Hans Heinz Ewers, Dr. von Leers, Walter Bloems und nun auch Gottfried Benns( wann kommt Gerhard Hauptmann?) ist die nationale Revolution" eine heroische Bewegung. Als Kronzeugen der eigenen heroischen Haltung wird die gesamte deutsche Vergangenheit mobilisiert, bis zurück auf Friedrich den Zweiten von Hohenstaufen und mahllos muß diese Vergangenheit Beweis und Existenzberechtigung des Nationalsozialismus erbringen. Goethe, Schiller, Bismarck, Friedrich der Große, Nietzsche, Hegel, die Freiheitskriege, die Bauernkriege, Barbarossa, nichts bleibt verschont, alles muß der„ ,, nationalen Revolution" dienen. Endlos wäre die Reihe derjenigen fortzusetzen, die von den neuen deutschen Kulturträgern beschworen und gerufen wer den, Ahne und Taufpate des Nationalsozialismus zu sein. Aber die Toten können ebensowenig antworten wie heute die Lebenden in Deutschland. Man schaltet auch noch die Vergangenheit gleich. Nietzsche ist zum Philosophen des dritten Reiches ernannt worden( das Bild, Hitler neben der NietzscheBüste stehend, ist wohl allgemein bekannt und der Unterschied dieser beiden Köpfe war ohne Kommentar ersichtlich) und die absolut mißverstandenen Ideen vom Uebermenschen, von der blonden Bestie und vom Willen zur Macht sollen die eigene Jdeenlosigkeit verdecken. Einer, der weder marristisch noch jüdisch war und die deutsche Seele reiner verkörperte als die verzerrte Frage des Nationalsozialismus, sagte einst den Deutschen:„ Ach, töten fönnt ihr, aber nicht lebendig machen, wenn es nicht die Liebe tut, die nicht von euch ist, die ihr nicht erfunden" Max Barthel mich nach einer anderen Stellung umsehen. seiner inneren Verlogenheit durch die neueste Terrorwelle im dritten Reich illustriert. Es ist ein besonders traffer Fall, der sowohl durch die sozialen Verhältnisse wie auch durch die Persönlichkeit des Briefschreibers erklärt wird. Diese Erinnerung nur zur Erklärung der Dinge, die May Barthel über das neue Deutschland schreibt, aus dem man garnicht zu fliehen braucht. Ueber das Deutschland, das eine viel gründlichere Revolution vollzieht, wie seinerzeit Italien und Rußland. Daß diese Revolution nicht mit Rosenwasser gemacht" wird, ist richtig. Es ist aber etwas anderes, ob das Blut im Barrikadenkampf oder Bürgerkrieg mit den „ Weißen" fließt oder ob es bei den Mißhandlungen versprißt, die würdige Rumpane der russischen Gegenrevolution an wehrlosen Arbeiterfunktionären in der sicheren SA.- Kaserne verüben. Einst wanderte der der Journalist Sommerschuh", so nannte sich Max Barthel, durch das proletarische Deutschland. Er sah viel, wenn auch oberflächlich. Wie mag wohl das Ergebnis einer neuen Wanderung des Herrn SA.. Stiefel ausfallen, der mit seinen proletarischen Augen die Herrlichkeit der gründlichen neuen Revolution sieht? Einen Vorgeschmack geben ja folgende Zeilen: „ Noch wichtiger aber erscheint mir eine Feststellung zu fein, nämlich: in meinem Wirkungskreis als Mitglied des Hauptvorstandes Deutscher Schriftsteller habe ich selten so saubere, anständige und im tiefsten Sinne gläubige Kameraden getroffen, wie unter den Nationalsozialisten." Und weiter: Am 1. Mai 1933 gewann Hitler die deutschen Arbeiter für fich. Die Gewerkschaften fielen ihm am nächsten Tage als überreife Früchte in die Hand. Gegen die alten Arbeiterparteien ist die NSDAP. eine Frühlingswiese. Laßt die Toten ihre Toten begraben! Begreifst Du nun, warum ich, warum viele Deiner alten Freunde, warum die deutschen Arbeiter nicht nur mit dem Gehirn diese Revolution bejahen? Es ist ein Hohn, angesichts der wirklichen Verhältnisse in Deutschland solche Beilen öffentlich zu schreiben. Barthel kann es besser wissen und weiß es. Die Revolution ist ja inzwischen beim reinen Rapitalismus angelangt, und wir wissen nicht, ob Max Barthel sie auch heute noch bejaht. Das wird ja der nächste Roman zeigen, der wohl Josef Göbbels gewidmet sein dürfte. Sein Talent und mehr noch sein Charakter sind verbraucht. Wir gönnen diese hohle Trompete der großen Trommel Hitlers als Begleitinstrument. Wenn es nun aber auch mit der nationalen Revolution des Mittelstandes nichts ist, na ch welcher neuen Stellung will sich dann Mar Barthel umsehen? Vom Proletariat bekommt er einen Fluch und einen Fußtritt. Er kann dann noch von Glück sagen, wenn er zwischen Dorf und Stadt" seinen Lebens. abend beschließen kann als ein Abfallsprodukt des Spät fapitalismus, während der Sozialismus den Aufstieg der wahrhaft Begabten vorbereitet. Lubbe auf Röhms Licbesliste Neuer Zeuge im Reichstagsprozeß Dem Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichs: tagsbrandes ist es gelungen, in Deutschland einen neuen Bengen, einen Freund des ermordeten Dr. Georg Bell zu finden, der wichtige Aussagen über die enge Verbindung zwischen Dr. Bell und Marinus van der Lubbe machen kann. Bekanntlich enthüllt das„ Braunbuch über Reichstags: brand und Hitlerterror" die sensationelle Tatsache, daß das Werkzeug der faschistischen Reichstagsbrandstifter, Mari= nus van der Lubbe, von Dr. Bell in den Kreis der SA.Führer um Röhm gebracht worden ist. Lubbe, der homo: sexuell ist, figurierte auf der Liebesliste des Stabschefs der SA., Röhm. Der neue Zeuge ist des= halb von um so größerer Bedeutung für die Feststellung der wahren Reichstagsbrandstifter. Der ,, Gegenprozeẞ" Für die juristische Kommission, die zur Zeit des Stattfins dens des Leipziger Prozesses Anfang September in einer europäischen Hauptstadt zu einer öffentlichen Untersuchung über die wahren Brandstifter zusammentreten wird, hat sich als neues Mitglied die bekannte demokratische Abgeordnete und Rechtsanwältin Frau Baker- North, Haag, gemeldet. Amerikanischer Verteidiger Einer der angesehenften amerikanischen Rechtsanwälte, Arthur Garfield says, hat die Verteidigung der im Leipziger Reichstagsbrandprozeß Angeklagten, Dimitroff, Popoff und Taneff übernommen, von denen er Vollmacht er= halten hatte. Herr Hays hatte sich vor einigen Tagen nach Leipzig bes geben, er konnte aber den Präsidenten vom 4. Straffenat des Reichsgerichts, bei dem der Prozeß schwebt, nicht sprechen. Es war ihm nur möglich, eine kurze Unterhaltung mit Rechtsanwalt Teichert, dem einen der Offizialverteidiger, zu führen, der aber ablehnte, Herrn Hans die Anklageschrift zu zeigen. Er erklärte seinem Mitverteidiger Hays, ihm nur dann Einsicht in die Anklageschrift gewähren zu können, wenn das Gericht es erlaube. Eine solche Erlaubnis lag aber nicht vor. Räuber! Sie stehlen Arbeitergut cub. Berlin, 11, Aug.( Eig. Meldg.) Wie das Geheime Staatspolizeiamt mitteilt, hat es auf Grund des§ 1 des Gesetzes über die Einziehung kom munistischer Vermögen vom 26. Mai 1933 in Verbindung mit dem Gesez über die Einziehung staats- und volksfeindlichen Vermögens vom 14. 7. 1933 und der preußischen Ausführungsverordnung vom 31. 5. 1933 das Ver= mögen der Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Go für den preußischen Staat, vertreten durch den Minister des Innern, eingezogen und in die dem preußischen Staat gehörige Konzentrationsgesellschaft übertragen. Ferner sind auf Grund der gleichen Verordnung die Grundstücke Lindenstraße 3 und 4 und Alte Jakobstraße 148 bis 155, der Linden: passage= A. G. in Berlin gehörig, für den preußischen Staat, vertreten durch den Minister des Innern, eingezogen und ebenfalls auf die Konzentrations-.- G. übertragen. Ebenso werden die Geschäftsanteile der Barmer Verlags G. m. b. H. und das Vermögen des Volksfunk G. m. b. H. behandelt. Dennoch! Die Arbeiter demonstrieren gegen Massenmord Verspätet erreicht uns folgender Brief aus Berlin: Am Sonntagnachmittag veranstalteten die Berliner Kom: munisten ganz überraschend an zahlreichen Stellen des Stadtinnern und der Vororte Antikriegsdemon Wegen Verbreitung fommunistischer Heßschriften in Essen und Duisburg wurde am Mittwochvormittag der Händler Josef Bauernfeind aus Essen- Borbeck festgenommen. Vor seiner Zuführung zum Polizeipräsidium verübte der Festgenommene im Gewahrsam in Fintrop Selbstmord durch Selbsterdrosselung. strationen. Da die gesamte SA. bei einem Generals Vorläufig 250 Morde appell auf dem Tempelhofer Feld versammelt war und die Kundgebungen an weit mehr als hundert Stellen zu gleicher Zeit einsetzten, war es der Polizei erst nach einiger Zeit möglich, fie zu unterbinden. An einzelnen Stellen waren die Demonstranten zahlreich und die Sympathie der Bevölkerung merk: lich auf ihrer Seite. Nach einer Behauptung des Geheimen Staatspolizeiamtes sollen die Polizeibeamten, die den Straßendienst versahen, nicht mit der nötigen Energie eingeschritten sein. Bei einer Anzahl von Razzien in den Arbeitervierteln, die daraufhin von der Geheimen Staatspolizei angeordnet wurden, wurden die„ Polizeis gruppe zur besonderen Verwendung" und einige absolut zuverlässige SA.- Stürme eingesezt. Allein im Often Bers lins wurden bisher rund hundertzwanzig Pers jonen verhaftet, die verdächtigt werden, sich an Antifriegsdemonstrationen beteiligt zu haben; fie wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert. In Berlin zittert die Erregung über die ersten planmäßig in allen Bezirken veranstalteten oppofitionellen Kundgebungen noch immer nach. Wieder ein..Irrtum" 99 Eine einstweilige Liste Völker hört die Signale!" Vier Monate Gefängnis Berlin, 10. Aug. Vor einem Berliner Schnell, agt wurde heute der 64jährige Schuhmacher Zieslik zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil er nachts nach einer Kneiperei auf dem Heimweg die Internationale" gesungen hatte. Der Vorsitzende erklärte, daß die Strafe milde sei und begründete das damit, daß in der stillen Straße in der Nacht durch das Singen der Internationale" ein erheblicher Schaden nicht entstanden und daß der Angeklagte bisher unbestraft set. In einem anderen Falle müßte die Strafe weit höher ausfallen, denn das Singen derartiger Lieder bedeute eine Aufreizung zu Gewalt tätigkeiten, gegen die mit strengen Strafen vorge gangen werden müsse. 66 ni .Da die Täter nur..." easil Juden werden von Juist vertrieben Wie das VD3.- Büro mitteilt, habe sich im Nordseebao Juist eine Münchener Schwester eine Sandburg und ein aus Sand geformtes Hoheitszeichen anbringen lassen. Von unbekannten Tätern sei dieses Hoheitszeichen nachts zer= fragt worden. Unter der Bevölkerung sei darüber eine ungcheure Empörung entstanden. Auch die Kurgäste hätten die Entfernung der jüdischen Kurgäste von der Insel gefordert. Da die Täter nur in jüdischen Kreisen zu su= chen seien(!), habe der Bürgermeister angeordnet, daß sämtliche der jüdischen Raise angehörenden Kurgäste die Insei sofort zu verlassen hätten. Daraufhin hätten sie ben Juden und Jüdinnen bzw. mit Juden Verheiratete Juist verlassen müssen. Auf die Ergreifung der Täter sei eine Belohnung ausgesetzt worden. Auch die Kurgäste wollten eine Geldsammlung für den Ermittler des Taters einleiten. ,, Schr wortharg" Miesmachen ist Hochverrat... Prag, 12. August 1983. Ein gleichgeschaltetes und von Hitler subventioniertes Blättchen, Bohemia", bringt unter dem Titel„ Wochen endausflug ins„ dritte Reich" einen Bericht eines ihrer Leser aus Warnsdorf, dem wir nachfolgendes entnehmen: Trifft man alte Bekannte, so sind sie sehr wortkarg. Höchstens unter vier Augen kann man eine Meinung hören. Aber auch dann nur im Flüsterton, denn die Wände haben Ohren. Es wimmelt von Angebern, Gutstehern und Spigeln. Der Vater kann dem Sohne, der Bruder dem Bruder und der Schwester nicht trauen. Am besten kommt man mit Galgenhumor und im Chorus der Lobsänger weiter. Alles ist schön, gut, ideal, denn mies: machen ist Hochverrat. Daher der eine und einzige Cho= rus, wohin man kommt. Wer aber vor Wochen schon zus hörte und heute, der findet, daß der Jubelhymnus doch leiser geworden ist. Wenn das schon ein Leser der, Bohemia" feststellt, kann man ihm das glauben. Das aufsehenerregende Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror, das sich auf Dokumente und nachgeprüfte Tatsachen stützt, veröffentlicht eine Mordliste des„ dritten Tatsachen stüßt, veröffentlicht eine Mordlifte des„ britten Das Braunhemd anrüchig Reiches", die am 29. 7. 1933 abgeschlossen wurde. Diese Lifte, 28 eng bedruckte Seiten, enthält aus der riesigen Anzahl von Morden der SA.- Leute„ nur“ 250 Fälle. Bei einigen Fällen find Einzelheiten in Stichworten anges geben. Neben dieser schauerlichen Liste nennt das Braunbuch auch noch 43 Morde an Juden, die bisher überprüft werden konnten. Da das Braunbuch überhaupt nur solche Fälle nennt, die durch Zeugenaussagen und einwandfreie Dotus mente in allen Einzelheiten Klargestellt sind, kann man sich vorstellen, daß die Zahl der bestialischen Mordtaten in Deutschland die hier angegebenen nachgeprüften Fälle viel fach übersteigt. „ Rotfront!" SA. schießt auf SA.- Schuld sind die Kommu- Auf der Flucht diesmal nur angeschossen nisten Die Kölnische Zeitung" meldet: Essen, 10. August.( Telegr.) Die verstärkte Flugblattverteilung durch kommunistische Parteigänger veranlaßte die SA. in der vorgestrigen Nacht zu vermehrtem Kontrolleinsatz. Dabei ist es zu einem bedauerlichen Unglücksfall gekommen. Wie die Polizei mitteilt, stießen gegen 3 Uhr morgens in der Dunkelheit in der Postallee zwei SA. Patrouillen auf einander. Hierbei wurde der SA.- Anwärter Hermann Hermsen durch einen Lungenschuß getötet und der Scharführer Karl Bernd durch einen Knieschuß schwer verTetzt. Die eigentliche Schuld an diesem Unglück haben die Kommunist en, die von ihrer volksverheßenden Tätige keit der Flugblattverteilung nicht ablassen. Palästina Beratung in palästinensischen Rechts- und Wirtschafts angelegenheiten übernimmt früherer Rechtsanwalt und Fachanwalt für vorderasiatisches Recht am Landgericht Berlin zugleich auch palästinensischer Advokat. Zu sprechen nur nach schriftlicher Anmeldung. Dr. Harl Hilb Rechtsanwalt und palästinensischer Advokat, Paris Ve, lbis rue Lacépsède. Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunterricht, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAUDR. BERG Beim Gerichtsvollzieher Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bat der Preußische Minister des Innern an die nachgeordneten Behörden folgenden Runderlaß gerichtet: Es sind Zweifel laut geworden, ob das Tragen von Braunhemden im Dienst durch Beamte, die nicht zum Tragen einer bestimmten Dienstfleidung verpflichtet sind, statthaft sei. Selbstverständlich find hiergegen grundsäßlich keine Bedenken zu erheben, auch nicht für den Außendienst. Da jedoch neuerdings mit Uniformen oder Uniformteilen vielfach Mißbrauch getrieben wird, ist es den Vollziehungsbeamten, die feine Dienstkleidung tragen, verboten, ihren Dienst anders als in Zivilkleidung auss zuüben. Es wäre auch etwas peinlich, wenn der Gerichtsvollzieher im Braunhemd seinen Kameraden im Braunhemd die Möbel pfändet unter dem gegenseitigen Gruß: Heil Hitler! Berlin, 12. Aug.( Eig. Meld.) Im Norden der Stadt wur. Der verweigerte Hitlergruß den in der vergangenen Nacht mehrere Wohnungen früherer Angehöriger der KPD. durch SA.- Männer einer genauen Durchsuchung unterzogen. Es wurden dabei zahlreiche KPD.Hetzschriften beschlagnahmt. Drei Personen wurden festgenommen. Als einer der Verhafteten einen Fluchtversuch unternahm und auf mehrmaligen Anruf nicht stehen blieb, wurden auf ihn mehrere Schüsse abgegeben. Der in den Oberschenkel getroffene Flüchtling wurde als Gefangener in das Staatsfrankenhaus eingeliefert. Im Südwesten von Berlin bemalte ein Kommunist in der vergangenen Nacht eine Mauer mit den Worten:„ Nieder mit Hitler! KPD. lebt. Rotfront!" Ein Polizeibeamter in Zivil und ein SA.- Mann nahmen ihn sowie zwei Helfer fest, die ihm Aufpasserdienste leisten wollten. Grober Unfug Die erste Gerichtsentscheidung über einen verweigerten Hitler- Gruß liegt vor. Das Amtsgericht Karlsruhe hat einen Festteilnehmer, der sich weigerte, beim Deutschland: lied die rechte Hand zu erheben, auf Grund des Paragraphen 360 des Reichsstrafgesetzbuches wegen groben Unfugs verurteilt. Der Hitler- Gruß ist nach Ansicht des Gerich= tes jetzt Verkehrsfitte. Wer als Festteilnehmer gegen diese Sitte verstoße, gefährde die öffentliche Ordnung. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pis: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8. ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60,10. Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den tranz. 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