Freiheit Nummer 49 1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Mittwoch, den 16. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Zwei Geschlechter machen heute Karriere in unserem Staat, ehrenfeste, liebe Leute, trinken Bier und spielen Skat, und sie heißẞen kurz und schlicht: Duckedich und Denkenicht. Ernst Ziel. Der Blutrausch Die Parteigenossen des deutschen Reichskanzlers und ihre Todesopfer Es ist unendlich schwer, über irgendein Geschehen im ** faschistischen Deutschland die Wahrheit zu ermitteln, denn alle irgendwie Beteiligten, vor allem auch die Angehörigen von Gemordeten, stehen unter einem ungeheuerlichen Druck des Terrors und der Angst, daß fie fich fürchten, irgendetwas auszusagen. Daher ist es uns erst jetzt gelungen, die folgenden authentischen Angaben zusammenzustellen über die grauenhaft blu= tigen Vorgänge, die sich Ende Juni in Berlin- Köpenick zugetragen haben. Am Mittwoch, dem 21. Juni, früh hatte die SA. Alarm. Ab 9 Uhr morgens wurden ehemalige Mitglieder der SPD. und KPD. sowie auch viele unpolitische Leute, die sich früher einmal abfällig über die NSDAP. geäußert hatten, oder die bei SA.- Mitgliedern unbeliebt waren, aus den Wohnungen geholt, wobei Bücher, Fahnen, Bilder usw. mitgenommen nurden. Im Ganzen wurden zirka 800 Menschen nach vier Lokalen( Sonntag, Kaiserin- Augusta- Vittoriastraße; SeidTer, Uhlenhorststraße; Demuth, Elisabethstraße; Heuboden, Schönlinderstraße) gebracht. Dort wurden sie stundenlang gequält, indem man sie mit Fußtritten und Fausthieben bearbeitete, mit langen Rohrstöcken, Holzstäben und Gummifnüppeln schlug. Die Zahl der Schläge, die der Einzelne empfing, betrug 20 bis 140! Zu der Prozedur des Schlagens wurden Tische benutzt, die mit schwarz- rot- goldenen Fahnentüchern bedeckt waren. Ausschlagen der Zähne, Armbrüche und Gliederverrenkungen ge= hörten noch zu den leichten Fällen. Es sind sogar Fälle befannt, wo Festgenommenen mit brennenden Fackeln das Gefäß verbrannt wurde. Die bereits Mißhandelten oder noch nicht Mißhandelten wurden gezwungen, sich stundenlang die Mißhandlung mitanzusehen. Der Arzt Dr. Heilbronn, der von der SA. zur Vorsicht hinzugezogen worden war, wurde selber geschlagen und schlimm zugerichtet, als er die SA.- Leute fragte, warum sie die Gefangenen schlügen. Im Köpenider Krankenhaus lagen nach Wochen noch 80 bis 40 Genossen, die zum Teil in Wasserbetten liegen müssen, so find fie angerichtet worden! Mindestens 20 Tote find zu beklagen. Soweit wir die genauen Personalien der Toten bisher ermitteln konnten, geben wir sie an. Die Vorgänge, die zur Erschießung der drei SA.- Leute führten, haben sich erst im Anschluß an das Wüten der SA. abgespielt! Nachdem die Horden den ganzen Mittwoch über in Köpenick gehaust hatten, drangen sie in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag um halb zwölf in die Wohnung des Sozialdemokraten Schmaus ein. Anton Schmaus war bereits einmal von den Nazis festgenommen und aufs Schwerste mißhandelt worden. Was sich dann dort abspielte, ist bereits von uns berichtet worden, während es in Deutschland nur in illegalen Zeitungen und von Mund su Mund verbreitet werden kann. Ueber den Tod des jungen Schmaus ist uns noch folgendes bekannt geworden: da Schmaus nur mit einer Badehose bekleidet und seine Flucht daher aussichtlos war, stellte er sich selbst der Polizei. Ein Trupp von 30 SA.- Leuten drang in die Wache ein und forderte seine Herausgabe, wobei es beinahe zu einer Schießerei zwischen SA. und Polizei fam. Später wurde Schmaus nach Informationen, die aus Nazikreisen stammen! auf direkte Veranlassung des Polizeipräsidenten der SA. ausgeliefert und von dieser umgebracht. Seine Leiche wurde später, wie bekannt, in Säde ge näht aus dem Wasser gelandet. Noch bevor die Leiche gefunden wurde, deutete einer der Redner bei dem Staatsbegräbnis den Mord an Schmaus an, indem er erklärte, man hätte gern Schmaus vor den Staatsgerichtshof gestellt, um ein Erempel zu statuieren, das sei aber leider unmöglich, weil er einem Unglücksfall(!) zum Opfer gefallen wäre. Ob die Mutter, die angeblich in eine Frrenanstalt gebracht wurde, noch lebt, ist unbekannt. Am Donnerstag, dem 29. Juni, verfuchte die SA. das Haus der Familie Schmaus in Brand zu stecken. Bei den beiden Staatsbegräbnissen wurden Andersdenfende auf der Straße verprügelt und zerschlagen. Es herrscht hier ein Terror und eine Angststimmung, wie man sie sich nicht leicht vorstellen kann. Viele langjährige Mitglieder der SA. und der NSDAP. haben ihren Abscheu und ihre Unzufriedenheit ausgedrückt und haben sich sogar persönlich bet vielen Genossen entschuldigt. Der Leiter des Kreiskrankenhauses, Dr. Hinze sowie die Aerzte Dr. Lehmann und Dr. Heilbronn haben Beschwerde bei Göring erhoben. Die bisher ermittelten Toten 1. Richard Aßmann, Berlin- Friedrichshagen, Fried richsstr. 114, Reichsbannerführer. Wurde am am 21. 6. in Friedrichshagen verprügelt, dann nach Köpenick gebracht und dort totgeschlagen. In einen Sad eingenäht bei Grünau aus dem Wasser gezogen. Seine Frau wünschte, daß er auf dem Friedhof begraben werden sollte, da aber die Leiche fehr start verstümmelt war, wurde auf Anordnung der Polizei am 27. Juli( nachdem sie 25 Tage aufbewahrt worden war) im Krematorium Gerichtsstraße verbrannt. 2. Paul von Esser, Berlin- Köpenid, Dahlwiger Platz 9. Reichsbannerführer. Wurde am 21. 6. in Köpenick totgeschla= gen und ebenfalls bei Grünan in einen Sad eingenäht aus dem Wasser gezogen. Der Leiche waren die Hände abgehackt. Sie wurde am 9. 7. im Krematorium Gerichtsstraße vers brannt. 8. Johannes Stelling, Berlin- Köpenid, Dahlwitzer Straße 36. Am 21. 6. totgeschlagen und am 2. 7. bei Grünau in einen Sack genäht mit furchtbaren Verlegungen aus dem Wasser gezogen. Am 9. 7. im Krematorium Gerichtsstraße verbrannt. 4. Erich Janigti, Berlin- Röpenid, Mittelheide 3. Kom munist. Nach Darstellung der Nazis von Anton Schmaus ge= tötet. Nach einer Zeitungsmeldung hat er bei dem Feuer: überfall auf die SA.- Leute im Hausflur gestanden. Nach einer anderen Zeitungsmeldunug ist er mit SA.- Leuten auf der Straße zurüdgeblieben und nach einer dritten Zeitungsmel dung ist er in einem Auto erschossen worden. Tatsache ist, daß er von den Nazis zur Rache für die getöteten SA.- Leute ge= tötet wurde. 5. R. Krahl, Berlin- Adlershof, Handjeristr. 36. Sozial: demokrat. Wurde aus dem Teltowkanal als Leiche herausgezogen. Angeblich soll er Selbstmord begangen haben. Er ist aber am 21. 6. mit verprügelt worden und seitdem ver= schwunden gewesen. Er wurde am 13. 7. in Adlershof be= graben. 6. Paul Pohle, Berlin- Köpenick, Gutenbergstr. 10. Sos zialdemokrat. War im Köpenider Krankenhaus beschäftigt. Da er sich weigerte, seine Arbeit dort niederzulegen, wurde er von den Nazis weggeholt und verschleppt. Er wurde im Jagen 42 bei Berlin- Grünan an einem Baum hängend mit einem Rückenschuß aufgefunden. Er wurde am 8. 7. im Krematorium Gerichtsstraße verbrannt. 7. Karl Pokert, Berlin- Friedrichshagen, MügelseeDamm 177. Kommunist. Wurde am 21. 6. verhaftet und nach Köpenick gebracht. Am 2. 7. wurde er in einen Sack genäht, mit furchtbaren Verlegungen bei Grünau aus dem Wasser gezogen. Am 11. 7. in Friedrichshagen begraben. 8. Anton Schma u 8, Berlin- Köpenid, Alte Dahlwitzer ftraße 2. Sozialdemokrat, Tod oben geschildert. 9. Hans Schmaus, Berlin- Köpenick, Alte Dahlwigers straße 2. Sozialdemokrat. Hat angeblich sich selbst erhängt. Tatsache ist, daß er gezwungen wurde, sich selbst zu erhängen, nachdem er furchtbar verprügelt worden war. 10. Paul Spizer, Berlin- Köpenick, Müggelheimer: straße 4. Kommunist. Am 21. 6. totgeschlagen. 11. Josef Spiger, Berlin- Köpenid, Glienickerstraße 59. Kommunist, am 21. 6. totgeschlagen. Auf der Flucht er- mordet! Wie aus Warburg gemeldet wird, sollte von Kleinenberg aus der Adjutant des bekannten Kommunistenführers Hesse unter starker Bedeckung in ein Konzentrationslager geschafft werden. Im Kleinenberger Wald versuchte er zu entfliehen. Die den Transport begleitenden SA.- Leute schossen auf ihn und trafen ihn in den Arm, Fuß und Kopf. Der Verletzte wurde in das Krankenhaus Scherfelde gebracht, wo er verstorben ist. Das Schicksal Künstlers Berlin, 13. Auguft.( Inpreß.) Auf einem Bild, das die Einlieferung einiger Rundfunks größen sowie den Abgeordneten Frig Ebert und Heilmann im Konzentrationslager Oranienburg darstellt, fehlt der ebens falls verhaftete Berliner sozialdemokratische Abgeordnete Franz Künstler. In Berlin verlautet, daß er von SA.- Leuten ermordet worden ist. Nach einem Privatbrief an die Deutsche Freiheit" foll Künstler" nur" schwer mißhandelt sein. Sein Aussehen ist so, daß er nicht auf das Bild gebracht werden konnte. Bürger und Despot Das Bündnis Das Bündnis gegen die Arbeiter Von Otto Bauer, Nationalrat in Wien Die deutsche Bourgeoisie hat, sehr im Gegensatz zur französischen, zur englischen, zur amerikanischen, Deutsch land nie selbst regiert. Sie hat die Regierungsmacht den Fürsten, ihren Bürokraten und Generälen überlassen und deren Macht gestützt. Erst die Republik, die von der Arbeiterklasse erkämpft worden war, gab der Bourgeoisie die Möglichkeit, selbst die Regierung des Reiches zu übernehmen. Je schwächer die Arbeiterklasse im Verlauf der fünfzehnjährigen Ents wicklung der Republik wurde, desto mehr war es den bürgerlichen Parteien möglich, als Sachverwalter der Bourgeoisie die Regierungen im Reich und in den Ländern in ihre Vollzugsausschüsse zu verwandeln. Aber die deutsche Bourgeoisie hatte keine Neigung, selbst das Reich zu beherrschen. Sie konnte es nur in den Formen der Demokratie beherrschen, aber die Demokratie verbürgte der Arbeiterklasse starke einflußreiche Fraktionen in den Parlamenten und starke Gewerkschaften in den Betrieben. Sie konnte es nur in den Formen des Parlamentarismus beherrschen, aber die parlamentarische Regierungsform setzt freie Diskussion, häufige Wahlen, häufige Regierungskrisen voraus. Jhre eigene Herrschaft erschien ihr mit lästigen und gefährlichen Begleiterscheinungen verknüpft, die ihre Privatgeschäfte störten. So zog sie es vor, auf ihre Herrschaft zugunsten einer über den Klassen thronenden Gewalt zu verzichten, die ihr das Proletariat in Gehorsam erhalten, die lästigen Diskussionen, Wahlkämpfe, politische Krisen ersparen, sie mit ihrer Herrschaft befreien sollte. Sie bewies, daß der Kampf um die Behauptung ihres öffentlichen Interesses, ihres eigenen Klasseninteresses, ihrer politischen Macht, sie als Störung ihres Privatgeschäftes nur belästigte und verstimmte."( Marx, 18. Brumarie.) Die deutsche Schwerindustrie hat die faschistische Bewegung finanziert. Die Massen der deutschen bürgerlichen Wähler sind ihr zugeströmt. Schließlich haben Junkertum und Schwerindustrie die Uebergabe der Macht an Hitler durchgesetzt. Die Herrschaft ging damit auf die SA. und SS. über, auf die nach militärischem Vorbild organisierte Gewalt, die die deutsche Bourgeoisie zur Niederwerfung des Proletariats benüßen wollte. Die SA. und SS. bestehen aus Offizieren, die mit der Auflösung der kaiserlichen Armee ihre Dienststellen ver loren haben, aus Fabrikanten, deren Fabriken stillstehen, aus Kleinbürgern, die nur noch pauperisierte Proletarier find, aus Söhnen von Bauern, deren Grundeigentum schon ihren Gläubigern gehört, aus Angestellten, für die es keine Anstellung, und aus Arbeitern, für die es keine Arbeit gibt; die neue herrschende Gewalt repräsentiert nicht eine Klasse, sondern die Abfälle aller Klassen. Und diese neue Gewalt zerschlug nun die freien Organi fationen aller Klassen. Sie löste nicht nur die proletarifchen, sondern auch die bürgerlichen Parteien auf. Sie verbot nicht nur die proletarische Presse, sondern schaltete auch die bürgerliche Presse gleich. Sie hat nicht nur die Gewerkschaften gleichgeschaltet, sondern auch die Organi sationen der Industriellen, der Intellektuellen. Sie alle wurden ihrer Autonomie beraubt und unter das Kom mando von Reichskommissaren gestellt. Eine despotische Staatsgewalt hat sich alle Klassen unterworfen.„ Der Kampf scheint so geschlichtet, daß alle Klassen gleich machtlos und gleich lautlos vor dem Kolben niederknien." ( Marx.) Aber in Wirklichkeit kann die Gewalt nicht über den Klassen schweben. Der Klassengegensatz ist die ent scheidende Tatsache der kapitalistischen Gesellschaft; hatte die faschistische Gewalt alle Klassen ihrem Gummiknüppel unterworfen, so mußte sie dennoch zwischen den Klassen wählen. Nach dem Siege des Faschismus fühlen sich die SA.. und SS.- Männer als Sieger. Die nationalsozialistischen Proletarier in den Fabriken und in den Büros glaubten ihre Stunde gekommen. Sie setzten Verwaltungsräte ab. Sie verjagten Direktoren. Die nationalsozialistischen Betriebszellen maßten sich die Macht in den Betrieben an. Die nationalsozialistischen Proletarier erwarteten, der ,, ersten Revolution", die den Staat in die Hände ihrer Partei gebracht, müßte die zweite folgen. Die Krupp, Thyssen, Vögler bestürmten Hitler um Hilfe. Der Kleinbürger, der immer zwischen Rapital und Arbeit Rund um Oesterreich Neue Rundfunkrede- Neue Beunruhigung Paris, 15. Ang.( Eig. Drahtmeld.) Die Rede, die der Nationalsozialist Frizz Ananß am Alarmruf Winston Churchills Sonntagabend im Rundfunt gegen die österreichische Regie Gegen deutsche Geheimrüstungen- Kein Vertrauen zur Hitlerdiktator rung gehalten hat, verstärkt hier den Eindruck, daß die Nationalsozialisten ihre Unterwühlung des Kabinetts Dollfuß fortsetzen und die Hitler- Regierung durch ihre beruhigenden Erklärungen nur Zeit gewinnen will. Knauß hat die öfters reichischen Minister u. a.„ Schwarze Verräter" genannt. Aus Wien kommen Meldungen, die nachweisen, daß eine ille gale nationalsozialistische Organisation besteht. Auch die deutsche Gesandtschaft sei an diesen Umtrieben beteiligt. Die Oberleitung habe die Reich 3= parteileitung der NSDAP. Infolgedessen sind die Regierungen von Paris, London und Rom in nene Verhandlungen über die österreichische Frage eingetreten. Gerüchtweise verlautet, daß Mitglieder der Regierung Dollfuß mit Führern der Hitler- Bewegung in der Schweiz zusammengetroffen seien, um ein Kompromiß zu finden. Dollfuß stehe diesen Verhandlungen fern. Hinausgeworfen Wie Ley in Genf, so Schemm in Madrid Madrid, 14. Aug. Wie die Madrider Blätter ans San tander melden, hat der internationale Lehrerkongreß, der am Freitag eröffnet wurde, beschlossen, daß die dort anwesenden deutschen Vertreter am Kongreß nicht teilnehmen dürfen, weil sie angeblich nicht die freie Lehrerschaft und nicht die aufgelösten Lehrerverbände verträten, sondern " Domestiken der Faschistenregierung" seien. Diesen Antrag hatte der Franzose Delmas gestellt. Die deutschen Teilnehmer, der bayerische Unterrichtsminister Schemm und die Herren Wolf, Becker und Kolb, verließen unter Proteft den Saal. Darauf wurde der Antrag des Franzosen Delmas mit 40 gegen 21 Stimmen angenommen. Englischer Bergarbeiterstreik London, 15. Auguft. Wie die Blätter ans Swansea melden, haben 12 000 Arbeiter in 22 den Vereinigten Anthra= zitzechen gehörenden Schächten die Arbeit eingestellt. Bis Donnerstag werden, wenn inzwischen nichts unternommen wird, 15 000 Mann feiern. Faust lebt Er schreibt einen Brief aus dem Konzentrationslager Die Geheime Staatspolizei veröffentlicht einen Brief des früheren Reichstagsabgeordneten Faust. Demnach befindet er sich in einem Konzentrationslager und lebt. Selbst in diesem Briefe, die Echtheit vorausgesetzt, spricht der tapfere Abgeordnete davon, daß der Aufenthalt im Konzentrationslager von seelischen und körperlichen Bedrückungen begleitet ist. Er hofft auf seine baldige Befreiung. Wir wünschen ihm herzlich, daß sich diese Hoffnung erfüllt. Der Brief des Abgeordneten Faust ist an die„ Freie Presse" in Amsterdam gerichtet. Uns war ein Bericht ähnlicher Art zugegangen. Wir haben ihn mit einer einschränkenden Bemerkung veröffentlicht, weil es uns nicht möglich war, das in Bremen allgemein verbreitete und ge= glaubte Gerücht von dem Tode Fausts nachzuprüfen. Inzwischen haben wir schon vor einiger Zeit auf Grund von Mitteilungen der Verwandtschaft Fausts und von Mel dungen über Dänemark eine Notiz veröffentlichen können, daß Faust lebt. Der Fall Faust zeigt wieder, wie dicht das Dunkel um die Konzentrationslager ist. Schwindel- allzu durchsichtig! ,, Ein Hetzer gefaßt" Das hitleramtliche Wolff- Büro verbreitet diese Meldung: Ein Hezer gefaßt Der Kaufmann Jwan Rosenboom aus Leer wurde von Beamten des holländischen Grenzkommissariats über die deutsche Grenze befördert. Von der deutschen Polizei wurde er ins Gefängnis von Leer eingeliefert. Rosenboom hatte an Pfingsten eine Dampferfahrt von Leer nach Delfzyl ( Holland) gemacht, von der er nicht nach Deutschland zurückkehrte. Er tauchte in Amsterdam auf und suchte dort mit dem aus Deutschland verschwundenen marristischen Redakteur eines SPD.- Blattes, Alfred Moses, eine deutschfeindliche Hezzzeitung zu gründen. Als ihm in Amsterdam der Boden zu heiß geworden war, reiste Rosenboom nach Groningen, wo er unangemeldet wohnte und schließlich von der holländischen Polizei festgenommen wurde. Dieser Schwindel stinkt meilenweit. Der Kaufmann Rosenboom soll deshalb an die deutsche Grenze befördert worden sein, weil er in Holland den Versuch gemacht habe, eine deutschfeindliche Heßzeitung" zu gründen! Sein Kumschwankt, mußte zwischen Kapitalisten und Arbeitern wählen. Wer die Produktionsmittel nicht in die Hände des Gemeinwesens überführen will, der muß das Kommando der Kapitalisten über die Produktionsmittel wiederherstellen. Wenn man keine sozialistische Gesellschaftsordnung schaffen will, kann man bei Strafe ver nichtender Wirtschaftskatastrophe den Mechanismus der kapitalistischen Gesellschaftsordnung nicht stören. So mußte Hitler gegen die Proletarier in seinen Reihen Stellung nehmen. Er proklamierte die„ Kapitulation vor der Vernunft", er verbot seinen Leuten, die Entschlußfreiheit der Wirtschaftsführer" zu beeinträchtigen, er wandte sich gegen die Forderung nach der zweiten Revo Iution". Damit ist der Prozeß beendet. Aus den Klassenkämpfen der Bourgeoisie gegen das Proletariat ist eine despotische, über beiden Klaffen stehende, beide Klassen entrechtende, beide Klassen als rechtlose Untertanen beherrschende Staatsgewalt hervorgegangen. Aber indem diese Staatsgewalt das Kapital gegen den Aufruhr der Arbeiter schützt, gewinnt sie die Unterstützung des Kapitals. Die deutsche Bourgeoisie hat abermals darauf verzichtet, ihren Staat felbst zu regieren. Wie sie sich einst den Hohenzollern unterworfen hat, hat sie sich nunmehr dem Faschismus unterworfen. Sie tauscht ihm dafür, wie einst von den Sohenzollern, die Niederhaltung des Proletariats ein. Flottenminister Winston Churchill vertritt in seinen Reden Der führende konservative Parlamentarier und frühere und Aufsätzen immer wieder den Standpunkt, daß der Friede Europas auf der Zusammenarbeit Frankreichs und und Aufsätzen immer wieder den Standpunkt, daß der tarische System gegen die Autokratie schützen. ParlaEnglands beruhe. Beide Staaten müßten das parlamen mentarische Regierungen könnten sich nicht so leicht in Angriffskriege stürzen wie autokratische und despotische. Beide Staaten müßten auch die innere Freiheit ihrer Völker unverleglich erhalten. Sie müßten die Ge wissens und Bekenntnisfreiheit, die Ge danken und Redefreiheit, Gleichheit der Rassen und der Klassen vor dem Gesetz schützen. Rassen und der Klassen vor dem Gesetz schützen. Churchill spricht mit großer Offenheit davon, daß man dem jetzigen autokratisch regierten Deutschland nicht das gleiche Vertrauen wie zivilisiert regierten Staaten entgegenbringen könne. Wie stark auch der konservative Teil Englands von dem Mißtrauen gegen allgemein behauptete Geheimrüstungen Deutschlands erfüllt ist, zeigt eine Rede, die Winston Churchill am Samstag in Theydon gehalten hat. Er beschäftigte sich eingehend mit der Gefahr deutscher Ge heimrüstungen: „ Es besteht aller Grund zu glauben, fagte der ehemalige Minister, daß Deutschland dabei ist, sich zu bewaffnen oder den Versuch zu machen sich zu bewaffnen ohne Rücksicht auf die feierlichen Verpflichtungen zu nehmen, die ihm nach auf die feierlichen Verpflichtungen zu nehmen, die ihm nach seiner Niederlage durch die Verträge auferlegt worden sind. Im Augenblick ist Deutschland nur unvollständig gerüstet und seine Angriffswnt tobt sich im Innern aus. Aber schon sind seine kleinen Nachbarn Oesterreich, die Schweiz, Belgien und Dänemark von einer heftigen Unruhe ergriffen. Ich habe immer diese Aufrüstung Deutschlands bekämpft und im Unterhaus die Dummheiten kritisiert, die vorgebracht wurden, um dieses Land mit Frankreich auf gleichem Fuße zu behandeln. Ich habe die gefährliche Politik enthüllt und lächerlich gemacht, zu der wir uns herzugeben schienen, um auf die Franzosen einen Druck auszuüben und ihre prachtKluger Vorsicht geweigert, diesen gefährlichen Vorschlägen volle Armee zu schwächen. Aber die Franzosen haben sich mit zu Gehör an schenken, und diese Weigerung stellt hente das hauptsächlichste Fundament des europäischen Friedens dar." Winston Churchill hat dann der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die englische Regies rung den Umfang der See, Land- und Luft= rüstung Großbritanniens aufrechterhalten werde. Denn erinnert euch," sagte er,„ daß jedesmal Europa in Gefahr ist, wenn Eng land schwach ist." England verstärkt Luftflotte! London, 15. Auguft. Das Blatt der Arbeiterpartei Daily Herald" berichtet, die britische Regierung plane 100 Kampfflugzeuge von großer Schnelligkeit zu bauen und fie ohne Verzögerung in die britischen Luftstreitkräfte einzus stellen, wenn die Abrüstungskonferenz feine Vereinbarung zugunsten einer Beschränkung der Weltluftstreitkräfte erzie len sollte. Auch ein neues Geschwader von Seeflugzeugen für die Flotte sei in Aussicht genommen und werde im kommen den Haushalt vorgesehen werden. Das Blatt, das seine Mel= dung in großer Aufmachung bringt, ift der Auffassung, da die britische Delegation auf ausdrückliche Anweisung des britis schen Kabinetts einem Weltabkommen über Luftrüstungen Hindernisse in den Weg lege, sei es äußerst unwahrscheinlich, daß ein Vertrag über Luftstreitkräfte zustandekommen werde. In einem Leitartikel kritisiert das Blatt diese Pläne der bri tischen Regierung, die es als Einleitung zu einem Wettrüsten in der Luft ansieht, für das die britische Regierung eine furchtbare Verantwortung tragen würde. Sunday Referee enthüllt Offenbar Regierungsquellen bit leberschrift veröffentlicht der„ Sunday Referee" „ Deutschland bewaffnet wieder seine Legionen." Unter dieser diese Woche eine umfangreiche und zuverlässige Material sammlung, die offenbar angeregt ist durch dokumentarische Quellen verschiedener europäischer Regierungsstellen. Alle Kräfte des Reichs seien angespannt und alle natio= nalen Hilfsquellen ausgeschöpft, um das eine wefen tliche Ziel der Naziregierung, die Vorbe reitung des Krieges, zu erreichen. Die mich tigsten Tatsachen, auf die das unabhängige Blatt sich stützt, sind im wesentlichen folgende: 1. Offenbar infolge der Herabjegung der Ausgaben für die Arbeitslosen und die Kriegsopfer weist der Etat von 1988 eine geheime Reserve von 800 Millionen Mark auf, deren Verwendung unbekannt bleibt. Nach dem Sun: day Referee besteht kein Zweifel, daß diese Summe den öffentlichen und hauptsächlichen Fonds bildet, aus dem die Waffenkäufe bestritten werben. 2. Obwohl die Einfuhrbedürfnisse der deutschen Indus strie sich dem Nullpunkt nähern, zeigen die Einfuhrziffern für verschiedene Rohstoffe eine plögliche Tendenz nach oben. In der ersten Reihe unter diesen Rohs stoffen befinden sich Eisen und Kupfer, die beide für Kriegsmaterial unentbehrlich find. So sollen bedeutende Mengen von spanischen und schwedischen Erzen, die wegen ihrer chemischen Zusammensetzung besonders ges sucht sind, in Lübeck und in Emden ausgeladen worden sein, und der deutsche Stahltrust soll ans denselben Grünben die Kontrolle über den schwedischen Konzern Graenges berg erworben haben. 3. Der„ Sunday Referee" veröffentlicht die in fünf Rubs rifen eingeteilte Liste der Fabriken, die Rampfwagen, Kanonen, Feuerwaffen, Minenwerfer und Munition herstellen. Er berichtet von einer Kruppfiliale, die gerade eine Riefentanone fertiggestellt hat, die durch ihr Kaliber, Tragweite und Durchschlagkraft ein Wunder der ballistischen Technik darstellt. Tiefe Verbeugung vor der Schweiz Der Reichskanzler leistet Abbitte wegen der Grenzverletzung Der deutsche Gesandte in Bern, der abtretende Dr. A. Müller, erschien am Freitag beim Bundespräsidenten Schultheß und überreichte ihm als stellvertretendem Chef des Politischen Departements eine Note der Hitlerregie: rung, in der dem Bundesrat namens des Reichskabinetts das Bedauern über die Grenzverlegung bei Augft- Wyhlen ausgesprochen wird. is Das Schweizer Bundeshaus gibt über den Vorgang nachstehendes Communique bekannt: " Der deutsche Gesandte hat am 11. August, noch bevor die schweizerische Untersuchung über den Grenzzwischenfall beim Kraftwert Augst- Wyhlen abgeschlossen war, dem Stellvertreter des Chefs des Politischen Departements eine Note überreicht, in der namens der deutschen Reichsregierung dem Bundesrat das Bedauern über diese Grenzverlegung ausgesprochen wird. Die Note erwähnt ferner, daß die Gesandtschaft beauftragt sei, beizufügen, die deutsche Reichsregierung habe die weiterhin erforderlichen Ermittlungen selbstverständlich sofort eingeleitet. Das Politische Departement hat im Namen des Bundespan' soll ein angeblicher früherer SPD- Redakteur namens Moses gewesen seinden es nie gegeben hat! Aus dem Schornstein des Dampfers, mit dem Rosenboom nach Holland gefahren sein soll, schwelt der Rauch primitivster Judenhezze. Justiz auf Malta Malta, 15. Aug. Der hiesige Gerichtshof hat nunmhr seinen Spruch in dem längsten Prozeß der Geschichte Maltas gefällt, in dem eine Reihe von Personen aufrührerischer Tätigkeit angeklagt waren. Ein hervorragendes Mitglied der Arbeiterpartei in Malta und früheres Mitglied der gesetzgebenden Versammlung Josef Orlanda wurde zu zwei Monaten Gefängnis und drei andere zu einem bis drei Monaten Gefängnis und drei andere zu einem bis drei monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter wurde Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Der Prozeß hat außerordentliches Aufsehen in Malta hervorgerufen. Die Beweise" der Staatsanwaltschaft stützten sich in der Hauptsache auf Bücher von Mary, Tolstoi, Bernhard Shaw und Sidney Webb, die bei einer Polizeirazzia im Besitz der Angeklagten gefunden worden waren. Hiergegen brachte die Verteidigung vor, daß sämtliche Bücher von England eingeführt worden waren, wo sie nicht als verräterische Literatur betrachtet würden. Die Angeklagten haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. rats mit Genugtuung von diesen Mitteilungen Kennt nis genommen und der deutschen Gesandtschaft erklärt, daß es annehme, die deutsche Reichsregierung werde im Anschluß an die von ihr in Aussicht genommenen Ermitt lungen die entsprechenden Maßregeln gegenüber den Schuldigen treffen." Die„ Baseler Arbeiter- Zeitung"( Nr. 188) schreibt dazu? Es ist" zuzugeben, daß die Hitlerregierung prompt thre Entschuldigung vorbrachte. Daraus kann bei der natio nalsozialistischen Geistesverfassung weniger auf den Respekt vor der Schweizer Grenze als auf die außen politische Schwäche des gegenwärtigen Reichskabinetts geschlossen werden. Die Jfolierung wird immer ausgeprägter, die Doppelzüngigkeit der deutschen Außenpolitik hat starke Erbitterung speziell in Frankreich ausgelöst. Die verlogene und herausfordernde Art, wie von den Organen der Naziregierung der französisch- englische Schritt Desterreichs megen und die darauf erfolgte Antmort in Deutschland propagandistisch ausgewertet wurde, hat stärkstes Mißtrauen hervorgerufen. Entspannug auf Kuba Neue Wirtschaftsverhandlungen mit den USA. Havanna, 15. August. Der neuen tubanischen Regierung ist es über Erwarten schnell gelungen, ihre innerpolitische Stellung zu festigen. Es kommt ihr dabei vor allem zugute, daß sie sich auf die Armee stüßen kann, die der Träger der Revolution war. Es ist naturgemäß hier und da, vor allem im Inneren Kubas, der Versuch gemacht worden, die Unruhen zu Plündereien und zur Durchführung persönlicher Racheaktionen zu benußen. Die Armee hat aber schärfste Maßnahmen ergriffen, um diese unerfreulichen Begleiterscheinungen radikal zu unterbinden. Es sind dabei etwa zwölf Mann der Geheimpolizei der Regierung Machado ums Leben gekommen. Ein Landhaus des geflohenen Präsidenten ist ausgeraubt und zerstört worden. Man nimmt allgemein an, daß es zu Wirtschaftsbesprechungen mit den Vereinigten Staaten demnächst kom men wird, bei denen vor allem die Frage der Zölle und der Schulden erörtert werden soll. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß die neue Regierung auf einen Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zu Washington besonderen Wert legen wird, wie sie überhaupt geneigt sein dürfte, die zunächst vertretenen Tendenzen eines extremen Nationalismus zugunsten einer positiven Realpolitik aufzugeben. Löbe am 11. August Marsch durch Breslau Am 11. Auguft, der in den früheren Jahren in Deutschland offiziell als Verfassungstag gefeiert wurde, wurde der frühere Reichstagspräsident Löbe, an der Spige von 300 anderen politischen Gefangenen durch die Straßen Breslaus geführt und von der Menge angepöbelt. Die Gefangenen sollen nach Osnabrück überführt werden. Man hat diesen Marsch durch Breslau auf den 11. August gelegt, weil Löbe bei den Regierungsfeiern des Verfassungse tages seit vielen Jahren zu präsidieren pflegte. Es wird mits geteilt, daß viele SA.- Lente laut gefragt haben, weshalb nicht auch Hindenburg bei diesem schmachvollen Marsche mits geführt wurde, der an allen diesen Feiern stets als schwarzrot- goldner Mann teilgenommen habe. Partelgruß am Partelgericht! So etwas klärt die Lage der heutigen Justiz Von den Anordnungen, die der Justizminister trifft, ist hervorzuheben, daß alle im Gerichtssaal anwesenden Personen die eintretenden Richter unter Erheben mit dem deutschen Gruß" zu grüßen haben, was der Richter erwidert, sobald er seinen Platz erreicht hat. In Strafverhandlungen haben sich alle Personen während der Verfündung des entscheidenden Teils des Urteils von den Pläßen zu erheben. Um in Zivilprozessen eine Ueberfüllung des Gerichtssaales zu verhindern, wird u. a. empfohlen, daß mit der Verhandlung einer jeden einzelnen Sache zu einem festgesezten und nach Möglichkeit einzuhaltenden Zeitpunkt begonnen wird. Braune Edelmenschen vor dem Richter Der Reichsstatthalter Sprenger hat als Nazigauleiter für Hessen folgende Anordnung erlassen: ,, Volkskanzlers" Sommerfrische GESPERRT DAS BEOBACHTEN DURCH FERN GLAS WIRD MIT DEM TODE BESTRAFT CERT Von Mann zu Mann! Es ist häufig die Beobachtung gemacht worden, daß An Sie kämpfen weiter in Hitler- Deutschland! gehörige der Partei zu gerichtlichen Terminen in Uniform erscheinen. Abgesehen davon, daß dieses Hervorheben der Zugehörigkeit zur NSDAP. bei Gerichtsterminen als Beeinflussung gewertet werden kann, ist dies dann als parteischädigend anzusehen, wenn es sich um Straf- oder Alimentationssachen handelt. Ich ordne daher ab sofort an: Bei Gerichtsterminen dürfen Parteigenossen, die in eine Strafsache verwickelt sind, nicht Parteiuniform oder Abzeichen tragen. Von der Beeinflussung des Gerichtes sieht also der Herr Reichsstatthalter ab sie ist ja im„ dritten Reich" selbstverständlich. Aber es könnte doch sein, daß der Richter nicht umhin kann, einen Naziverbrecher zu verurteilen, und dann muß die Oeffentlichkeit nicht wissen, daß der Verbrecher ein brauner Edelmensch ist. Der letzte deutsche Richter Statt sechs Monaten-100 Mark Geldstrafe Aus Hagen meldet der„ Dortmunder General- Anzeiger": Wie fast täglich, ging der Kaufmann Hermann Eschen auch am Tage der nationalen Erhebung, am 21. März, in die " Reichskrone" zum Dämmerschoppen. Er hatte gerade an dem Stammtisch Platz genommen, als der Inhaber des Lokals auf den Tisch eine schwarzweißrote Stammtischfahne sette. Oftentativ erhob sich E. und setzte sich an einen anderen Tisch. Ueber dieses Benehmen erstaunt, fragte ihn der Wirt, ob er denn die Fahne verachte. Darauf antwortete E., daß er dazu nicht zu feige fei. Die Entgegnung des Wirts ging dahin, daß man ihm dann wohl die Achtung vor der schwarzweißroten Fahne beibringen werde. Großspurig meinte darauf E., das bringe ihm kein Feldwebel und kein Feldmarschall bei. Die Folge dieses VorBerlin, 15. August 1933.( Eig. Ber.) In mehreren Berliner Großbetrieben in der AEG., den Borsigwerken und der Ludwig Löwe AG.- wurden in den Borsigwerken und der Ludwig Löwe AG.- wurden in den legten Tagen illegale sozialdemokratische Flug= blätter verteilt, die mit Windeseile Mann zu Mann wanderten. Daraufhin hat die Geheime Staatspolizei mit Unterstüßung der SA, unter den sozialdemokratischen Belegschaftsmitgliedern wahllos den sozialdemokratischen Belegschaftsmitgliedern wahllos Verhaftungen vorgenommen. Da trotzdem in den folgenden Tagen wiederum Flugblätter verbreitet wurden, erfolgten auf Anweisung der Geheimen Staatspolizei Ans erfolgten auf Anweisung der Geheimen Staatspolizei Ans schläge, in denen es heißt: Angehörige der Belegschaft, die Flugblätter verbreiten, die sich gegen den Bestand des Staates richten, haben in Zukunft zu vergegenwärtigen, daß fie nicht mehr, wie bisher, auf mehrere Mo| nate, sondern auf mehrere Jahre in ein Konzentrationslager bei verschärfter Behandlung kommen. Eine weitere Warnung erfolgt nicht. Troß dieser Drohung, die insofern wahrgemacht wird, als täglich Arbeiter mitten aus der Arbeit heraus verhaftet und ins Konzentrationslager verschickt werden, hat in den Berliner Großbetrieben die illegale Arbeit der Sozialdemokraten nicht nachgelassen. Dresden, 15. August 1933.( Eig. Ber.) Das Geheime Staatspolizeiamt Sachsens geht in den letzten Wochen mit gesteigerter Schärfe gegen Sozial= demokraten vor. Es behauptet, Beweismaterial dafür zu besitzen, daß die sozialdemokratischen Arbeiter der ost: sächsischen Textil- und Metallindustrie ihre staatsfeindliche Propaganda" mit vermehrter Intensität durchführen. Ins= besondere wirft ihnen die sächsische Staatspolizei vor, eine Verbindung mit ausländischen Parteistellen zu unterhalten. Seit Ende Juli wurden in Ostfachsen mehr als zweis hundertfünfzig sozialdemokratische Arbeis ter verhaftet. London, 14. August 1933.( Eig. Ber.) Wie der Daily Herald" mitteilt, haben die Berliner Marristen ihre bisherigen Propagandamethoden durch ein nenes Mittel erweitert. In den letzten Tagen wurden in Berlin einfache Schallplatten für den Preis von 50 Pf. verkauft, die bei den ersten fünf bis sechs Umdrehungen eine Melodie aus der Oper„ Carmen" ertönen lassen. Diese Musik bricht dann plötzlich ab, worauf eine furze Auflage= rede gegen die faschistische Herrschaft in Deutschland ertönt, die mit der Aufforderung endet, den Kampf der Sozialisten zu unterstützen. Eine Reihe von Marristen, die solche Platten in den Straßen Berlins verkauften, wurden verhaftet. Im besetzten Deutschland falles war eine Anzeige wegen öffentlicher Berächtlich Einiges von der braunen Schmach machung der Reichsfarben. Man schreibt uns aus Berlin: Ein paar Tatsachen, ein paar Szenen mögen den Genossen draußen anschaulich zeigen, wie es heute in Deutschland zugeht. In der Verhandlung vor dem Hagener Schöffengericht be Hauptete der Angeklagte, daß es ihm ferngelegen habe, die Reichsfarben verächtlich zu machen. Er habe sich nur über den schulmeisterischen Ton geärgert und sei darüber erbost ge- ,, Arm hoch!" wesen. Daß er Mitglied der SPD. war, gab er zu. Der Vertreter der Anklage führte aus, daß der Angeklagte in böswilliger Absicht und wohlüberlegt die Reichsfarben verächtlich machen wollte und beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Das Gericht dagegen erfannte auf eine Geldstrafe von 100 RM. Es sei berücksichtigt worden, daß sich ein Anhänger der SPD. wohl nicht so schnell umstellen könne und der Strafzweck würde durch die verhängte Geldstrafe auch erreicht werden. Das ältere Fräulein Und der SA.- Mann In Düsseldorf wurde ein SA.- Mann zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Begründung ist sehr seltsam. Der Verurteilte„ hatte vor furzem gegen ein älteres Fräulein die Anschuldigung erhoben, die nationale Bewegung beschimpft zu haben“. Warum? Unklare Begründung Dresden, 14. Aug.( Inpreß). Das nicht ohne weiteres verständliche Nürnberger Verbot für Juden, die städtischen Badeanstalten zu benutzen, wird auch durch den Kommentar der Zeitung des Herrn Killinger in Dresden nicht erhellt. Dort heißt es:„ Die Gründe, die für dieses Verbot maßgebend waren, wird wohl jeder aus eigener Anschauung kennen. Es ist zu hoffen, daß dieses Beispiel auch anderwärts zu entsprechenden Maßnahmen führt." Mannheim, 14. Aug.( Inpreß). Das„ Hakenkreuzbanner" schreibt entrüstet darüber, daß in einem Rheinbad sich„ platt. füßige und traushaarige Libanoner" herumtreiben und schlägt vor, wie in dem badischen Städtchen Emmendingen eine besondere Badezeit für Beschnittene" einzuführen. „ Kommunistische Strolche" Warnung des Essener Polizeipräsidenten vor Flugblättern Effen, 14. Aug.( Inpreß.) Der Polizeipräsident teilt mit, daß„ kommunistische Strolche" in den letzten Tagen mit unerhörter Frechheit" illegale Flugblätter verbreiten und sogar " ganze Pakete von Hetmaterial am hellen Tage aus den oberen Stockwerken von Warenhäusern in den Straßenverkehr abwerfen". Der Polizeipräsident fordert zu Denunziationen auf und warnt vor dem gerechten Zorn der SA.und SS.- Männer". Wenn Sie nicht... Ein anderes Beispiel für den unerhörten Gesinnungsterror! Eine Angestellte, die wie so viele andere durch die Aktion gegen die jüdischen Anwälte ihre gute Stellung verlor, läuft Tag für Tag in alle Büros, um Arbeit zu bekommen, da die ganze Familie in größter Not ist. Was hört sie überall? Ja, wenn Sie nicht in einer nationalsozialistischen Organisation sind, können wir Sie selbstverständlich nicht einstellen!" Das ist die große„ Volksgemeinschaft". Hunderttausenden geht es so. Sie dürfen Hungers sterben. Die ,, Arbeitsschlacht" Durch die Müllerstraße im Norden Berlins marschiert eine Gruppe der Hitler- Jugend. Plößlich stimmen sie das Horst- Wessel- Lied an. Ehe sich noch jemand besinnen kann, ertönt ein scharfer Ruf:„ Arme hoch!" Eine Frau, tief in Trauer, trägt in der rechten Hand ein Einholnet, in der gleichen Sekunde schlägt ihr ein Kerl von hinten auf den Arm, daß die Tasche mit allen Paketen auf der Straße liegt:„ Das kommt davon, daß du den Arm nicht heben kannst!" Noch viel schlimmer ergeht es einem Mann, der ganz still dort an der Seite steht. Er hat den Arm nicht erhoben das wird ihm teuer zu stehen kommen! Sofort stürzen sechs Burschen aus der Hitler- Jugend auf den erwachsenen Mann zu, reißen ihre Koppel ab und schlagen mit den schweren Schlössern auf ihn ein. Mit einem Loch im Hinterkopf bricht er blutend zusammen. Als er dann besinnungslos daliegt, gibt ihm jeder der Vorbeimaschierenden, der ihn nur irgend erreichen kann, noch einen Stoß oder Tritt. Viele Passanten sind entsetzt, Frauen weinen, aus den Fenstern und von den Balkonen stieren die Menschen entsetzt auf diese Szene aber keiner hilft, feiner kann es wagen, dem Unglücklichen zu helfen. Schließlich erbarmt In den Betrieben fich ein Ladenbesitzer und trägt ihn auf die Schwelle seines Ladens, gibt ihm Wasser, wäscht ihn ab- vielleicht wird er morgen seinen Laden schließen müssen! Solche Szenen kann man Tag für Tag beobachten, mitten in Berlin, wo es immer noch tausendmal besser ist, als in der Provinz. Beispiele Die Amishauptmannschaft 3wickau hat ein sogenanntes Flurschutzgesetz erlassen, nach dem nichtöffentliche Wege Flurschutzgesetz erlassen, nach dem nichtöffentliche Wege außerhalb der Stunden von 8-11 und 14-18 Uhr nicht betreten werden dürfen. Warum? Nach der Auffassung der Polizei gefährden Waldausflüge und Spaziergänge Volk und Staat und darum muß auch der Wald unter Kontrolle genommen werden. Daß nun Erwerbslose und Rentnern ihre kleinen Einnahmen aus dem Sammeln von Pilzen und Beeren verlieren- wen kümmert das im dritten Reich"? In einem kleinen Ort wählt der Kleingartenbauverein entgegen den Anweisungen für die„ Gleichschaltung" den bisherigen langjährigen Vorsitzenden, einen Sozialdemokraten, mit Zweidrittelmehrheit wieder. Eine zweite Wahl hat das gleiche Ergebnis ein bemerkenswertes Zeichen für die Stimmung. Der Gewählte aber wird verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht!... Auf dem Arbeitsamt. Da steht ein Mann von etwa 25 Jahren, steht da- und weint! Warum weint er? Er war herbestellt, hoffte endlich Arbeit zu bekommen, und nun muß er sofort zum Arbeitsdienst nach Bernan! Dort bes kommt er pro Tag 30 Pfennig: und seine Frau und zwei kleine Kinder erhalten während dieser Zeit keine Unterstügung! Er muß sie im tiefsten Glend zurücklassen. Versteht man seine Qual, seine Tränen? Tausenden, Zehntausenden geht es wie ihm. Segen des dritten Reichs". Und in den Betrieben? Bei Osram in Berlin wird den früheren gewerkschaftlichen Betriebsräten gesagt: entweder ihr kündigt freiwillig( was bedeutet, daß sie sür viele Wochen keinerlei Unterstützung erhalten) oder Ihr wandert ins Konzentrationslager! Bei der Berliner Verkehrsge= sellschaft( BVG.) will die Nazistelle alle Arbeiter und Angestellte zwingen, sich Hitlers Mein Kampf" zu kaufen. Bei der Firma Rotadruck, Berlin, beschließt die Nazistelle, ohne überhaupt die Belegschaft zu fragen, daß bei der nächsten Lohnzahlung pro Mann drei Mark für die Hitlerspende abgezogen werden. Bei der Schuhfabrik Leiser wird die Entlassung von 25 widerspenstigen" Kollegen erwirkt, darunter fünf bisherige SA.- Männer, die eine zweite Revolution" gegen den Kapitalismus erwartet und gefordert hatten. In der Reichsdruckerei wurden mehrere Angestellte fristlos entlassen, weil sie die Zahlung der„ freiwilligen" Hitlerspende ablehnten. Bei IIst ein mußten alle Arbeiter und Angestellte in die NSBO. eintreten und die Nadel an sichtbarer Stelle tragen. Außerdem sollen sich alle braune Hemden kaufen, was durch Ratenzahlungen von 50 Pfennigen wöchentlich schmackhaft gemacht werden soll. Bei allen staatlichen und städtischen Betrieben werden noch in mer massenweise Arbeiter und Angestellte wegen„ stac feindlicher Gesinnung" auf die Straße geworfen Göbbels- Werte und Göbbels- Worte Er mehrt deutsches Ansehen in Amerika 5000000 00000 0000 Aus einer Unterredung mit Dr. Göbbels, die im Londoner » Sunday Refere" mitgeteilt wird, wird eine Aeußerung des Herrn Propagandaministers wiedergegeben:„ Ich schäße eine gewöhnliche anständige Prostituierte höher als eine verheiratete Jüdin, denn sie ist wenigstens eine christ: liche Landestochter. Was aber ist eine Jüdin?" In diesem Tone ging die Unterhaltung weiter. Der Ame= ritaner schließt seinen Bericht mit den Worten:„ Ich zog es vor, die geistlose Diskussion zu beenden, indem ich mich ver= abschiedete, ich war glücklich, das Propagandaministerium verlassen und wieder frische Luft atmen zu dürfen." ,, Jener Jude Reiter" Es gibt keinen Judenboykott Wir lesen in der amtlichen Fränkischen Tageszeitung", dém Leiborgan des tollen Nazioberführers Julius Streicher, vom 12. August 1938, folgendes: „ Die Schneiderzwangsinnung gibt bekannt, daß sie den jüdischen Damenschneider Reiter aus der Innung ausgeschlossen habe. Es ist jener Jude Reiter, den man im Walde beim Vollzug einer Mädchenschändung überraschte und ihn samt dem ehrvergessenen Mädel zur Strafe mit umgehängten Pranger- Tafeln durch die Stadt führte. Daß dieser jüdische Schweinehund wegen seiner fänischen Handlungsweise ausgeschieden wurde, war selbstverständlich. Daß er aber bisher trop feines Jüdseins in der Zwangsinnung verbleiben konnte, ist eine Sache für sich." Die„ Schändung" bestand darin, daß Reiter in vollem Einserständnis mit dem„ artvergessenen Mädel" die Pfade der Liebe gewandelt war. Das ehrvergessene" Mädel wurde mit Reiter von abends 9 Uhr bis nach Mitternacht durch die Straßen und Lokale der Stadt Nürnberg geschleppt, bis es in einem Raffee ohnmächtig zusammenbrach. Diese erfolgreiche Expedition zur Rettung Deutschlands soll in einem weiteren Falle erneut durchgeführt werden. Schwäbische Kunde Aus Württemberg wird uns geschrieben: Die Leitung der politischen Polizei Württembergs verkündete der staunenden Mitwelt, daß das Württember gische Schußhaftlager Heuberg jetzt nur noch 400 württembergische Schußhaftgefangene beherbergt, während man vor kurzem von seiner Belegung mit etwa 2000 Mann berichtet hatte. Zur Begründung dieses plötzlichen Umschwungs wird ausgeführt: Aus der Erkenntnis heraus, daß die Masse der Verführten thren falschen Weg eingesehen hat und eine weitere Inhaftierung daher ein Unrecht an ihr bedeuten würde, glaubte die Leitung der Politischen Polizei eine großzügige Freilassung verantworten zu können. Sollte das Vertrauen, das hiermit in die beteiligten Kreise geiebt ist, mißbraucht werden, so daß die Inhaftierung Rückfälliger sich notwendig zeigen sollte, so haben die Betroffenen die rücksichtslosesten Maßregeln gegen sich zu gewärtigen." Diese scharfe Drohung beweist, daß man fein sehr großes Vertrauen in die von den„ Betroffenen" während der bisherigen Schubhaft gewonnene bessere Einsicht setzt, denn sonst würde man der Gefte der Großzügigkeit nicht gleich eine neue Terrorankündigung auf dem Fuße folgen lassen. Wenn das so weiter geht, bedeutet es immerhin eine gewiffe Entlastung für die bisher von den Nazis am gehäffigsten verfolgten„ Marristen" und Juden. Auch in Württemberg möchte man jeßt gern von„ Siegen" im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sprechen, aber es stedt wirklich nicht viel dahinter. Ruhmredig verkündet der Präsident des Randesarbeitsamts Südwestdeutschland, daß in den acht Oberamtsbezirken Gaildorf, Gerabronn, Horb, Künzelsau, Mergentheim, Münsingen, Riedlingen und Sulz am 31. Juli je weniger als 100 unterstützte Arbeitslose vorhanden waren". Das bedeutet schon deshalb nicht viel, weil bekanntlich die Unterstützung eines Arbeitslosen heute von so vielen Rautelen abhängig gemacht wird, daß die Zahl der Unterstützten gar feinen Maßstab für die Beurteilung des Umfangs der Arbeitslosigkeit mehr bietet. Am wenigsten aber bedeutet es etwas in den genannten Bezirken, die von rein landwirtschaftlicher Struktur sind und so gut wie gar teine Industrie von der Art aufweisen, wie sie für die württembergische Volkswirtschaft typisch ist. Steuergelder RUDA 11 ms 5601 donub houM zur Fortsetzung der Judenhetze! Dr. Göbbels entfacht die Boykottbewegung aufs neue und versucht, das Ausland in fünf Sprachen zu belügen! Die neudeutschen Machthaber versuchen krampfhaft, ihre Existenzberechtigung in den Augen des Auslandes nachzuweisen. Hitler und Göring haben sich als die Bezwinger des Drachen„ Bolschewismus" aufgespielt, der Propagandaminister des dritten Reiches", Dr Göbbels, versucht es nur mit einer Darstellung des deutschen Kampfes für die obendländische Kultur". Während die Wohlfahrtserwerbslofen von armseligsten Groschen leben müssen, während die jungen Männer in den Arbeitsdienst unter den entwürdigendsten Bedingungen gepreßt werden, während der Mittelstand trauernd feststellt, daß von all den Versprechungen nichts gehalten wird, die man ihm gemacht hat, opfert Herr Göbbels Hunderttausende Reichsmart für eine Propaganda mit doppeltem Boden. In fünf(!) Sprachen will der Reichslügner Göbbels der Welt erzählen, Deutschland habe die abendländische Kultur gerettet. Gleichzeitig inszeniert er eine neue Judenhazz. Es ist zum Erbrechen, sehen zu müssen, daß die Sadisten und Henker des dritten Reiches" sich als die Retter des Abendlandes hinstellen, daß ausgerechnet diese Burschen von Kultur reden! Sie lügen mit jedem Wort! Sie schweigen von den Greueln, von den Foltern, den Mißhandlungen, den Morden, dem Vermögensraub, der Geiselpolitik. wollen die Welt glauben machen, an allem Unglück seien die Juden schuld. Und im Schatten dieser teuflichen Propaganda soll, wie zuverlässig verlautet, eine neue Boykottwelle großgezogen werden. Sie Dr. Göbbels liefert den sämtlichen deutschen Außenhandelsstellen Millionen von Exemplaren neuartiger Heßschriften. Wir sind in der Lage, an der Hand von Originalen nachzuweisen, in welcher Weise die Verteilung und Verbreitung dieser Propagandaschriften erfolgen soll. Wir geben nachstehend zwei Schreiben der Außenhandelsstelle für das Rhein- Maingebiet im Wortlaut wieder: Außenhandelsstelle für das Rhein- Main. gebiet unfassend die Bezirke der Industries und Handelskammern Bingen, Darmstadt, Frankfurt a. M., Hanau( mit der Haupts geschäftsstelle Frankfurt a. M., den Geschäftsstellen Hanan und Fulda und der Bezirksstelle Wetzlar), Friedberg i. S., Gießen, Limburg a. L., Mainz, Offenbach a. M., Wiesbaden und Worms. Telegr.- Anschrift: Außenhandel Fernsprecher: Hania 2 03 61 Postschecktonto: Frankfurt a. M. Nr. 44 400. Postschließfach Nr. 219 Judentums Die Berufszugehörigkeit der Juden- Der Einfluß des Judentums auf Geist und Moral- Das Judentum als Apostel des Kommunismus." Die Broschüre soll in deutscher, französischer, spanischer, englischer und portugiesischer Sprache erscheinen. Die Bro schüre wird fostenlos abgegeben. Die bezirkseingesessenen Firmen werden gebeten, der Außenhandelsstelle für das Rhein- Maingebiet in Frankfurt a. M., Börse, bis zum 10. August d. J. mitzuteilen, wieviel Exemplare in jeder der fünf Sprachen sie zur Ver breitung im Ausland benötigen. Der Leiter der Außenhandelsstelle für das Rhein- Maingebiet gez. Mahr. Außenhandelsstelle für das Rhein- Main= gebiet umfassend die Bezirke der Industries und Handelskammern Bingen, Darmstadt, Frankfurt a. M., Hanau( mit der Hauptgeschäftsstelle Frankfurt a. M., den Geschäftsstellen Hanan und Fulda und der Bezirksstelle Wetzlar, Friedberg i. H., Gießen, Limburg a. 2., Mainz, Offenbach a. M., Wiesbaden und Worms. Telegr. Anschrift: Außenhandel Fernsprecher: Sanja 2 03 61 Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 44 400 Poftschließfach Nr. 219 Frankfurt a. M., den 8. August 1988. Börse Betr. Denische Propaganda im Ausland Der Außenhandelsstelle für das Rhein- Maingebiet liegen in begrenzter Anzahl die Nr. 31 der Berliner Illustrirten Zeitung sowie einige Exemplare eines französischen Artikels über die Judenfrage vor. Intereffierten Firmen tönnen auf Wunsch einige Exemplare dieser Druckschriften kostenlos zur Weiterleituung an Geschäftsfreunde zur Verfügung gestellt werden. Der Leiter der Außenhandelsstelle für das Rhein- Matngebiet gez. Mahr. Wenn also demnächst das gesamte Ausland mit solchen Druckschriften überschwemmt werden wird, die gleichgeschalOeffentlichkeit, was sie davon zu halten hat. tete deutsche Firmen zum Versand bringen, dann weiß die Die ganze Maßnahme aber ist wieder ein Beweis dafür, daß das heutige amtliche Deutschland immer neue innere Unruhen braucht, um sich im ungestörten Besitz der Macht zu halten. Die Schriften werden selbstverständlich auch im Frankfurt a. M., den 8. 8. 88 Meich selbst verbreitet und werden ihre Wirkung nicht verBörse= Betr. Deutsche Propaganda im Ausland Das Propagandaministerium hat eine Broschüre fertig gestellt, die betitelt ist:„ Deutschlands Kampf für die abends ländische Kultur." Die Hauptkapitel lauten:„ Das neue Deutschland und das Judentum- Die numerische Entwick: lung des Judentums in Preußen Die geographische Ver: teilung des Judentums in Preußen Die Entwicklung des Die Fränkische Tageszeitung" schreibt in der gleichen Nummer: In der Lindenstraße 10 wohnt der Judenbastard Helmreich. Er ist deswegen Judenbastard, weil seine Mutter feine Deutsche, sondern eine Jüdin ist, eine geborene Kohn, Der Judenbastard Helmreich macht sich einen Sport daraus, mit möglichst vielen nichtjüdischen Mädchen und Frauen Umgang zu Da darf man, wenn man die Wirtschaftslage des Landes beurteilen will, schon mehr Gewicht auf den in den ersten Augusttagen veröffentlichten Monatsbericht des Württembergischen Industrie- und Handelstages legen. Auch dieser erwähnt eine gewisse Abnahme der Arbeitslosenziffern, bemerkt aber dazu: " Der privatwirtschaftliche Erfolg entspricht allerdings nur teilweise den aufgewendeten Bemühungen, zumal... sich in der Ausfuhrindustrie noch keinerleinennens werte Anzeichen einer Belebung bemerkbar machen... Daß aber der Pflege der Ausfuhr erhöhte Auf mertsamkeit geschenkt werden muß, ergibt sich aus der Not wendigkeit, einen verstärkten Zustrom der bisherigen Ausfuhrwaren auf den ohnehin noch sehr wenig kaufträftigen Inlandmarkt zu verhindern. Es ist also nichts mit dem Lobgesang der Nazis auf die von ihnen bewirkte Belebung des Innenmarktes. Er leidet unter dem Mangel an Kauftraft der Bevölkerung, und diese miederum ist die Folge davon, daß die wahnsinnige Politik der Nazis alle Aussichten des deutschen Außenhandels auf Besserung seiner Lage verschüttet hat. Kann man die Wirtschaft nicht auf reellem Wege gefund machen, weil die nationalsozialistische Politik dem im Wege steht, so versucht man wenigstens, sie durch Bluffs anzufurhinwegzutäuschen. Aber daß auch dies nicht immer gelingt, beln und das Volk durch rauschende Feste über diese Misere hinwegzutäuschen. Aber daß auch dies nicht immer gelingt, hat das große Deutsche Turnfest in Stuttgart bewiesen, zu dem an 300 000 Teilnehmer gekommen waren, und zu dessen„ Hebung" Hitler, Göbbels, Neurath und noch andere Nazigrößen aufgeboten worden sind. Man, dachte bei dieser Nazigrößen aufgeboten worden sind. Man, dachte bei dieser Gelegenheit nicht nur rauschendes nationales Pathos ver zapfen, sondern auch dem Hauptteil der Nazigefolgschaft, den Bauern, Krämern und Gastwirten, eine große GeschäftsBauern, Krämern und Gastwirten, eine große Geschäftskonjunktur verschaffen zu können. Das Ende aller in dieser Richtung getroffenen Vorbereitungen war jedoch ein riesenhafter Kazenjammer und eine große Verbitterung gerade in den Kreisen, denen man einen Vorteil hatte zuwenden wollen. Die aus dem ganzen Reich zusammengekommenen Turner haben einen Strich durch alle Spekulationen auf ihren Geldbeutel gemacht. Sie brachten. sich Brote, Würste usw. für die ganze Woche mit, ein biederer Ostpreuße sogar einen halben Zentner Kartoffeln und die württembergischen Gastgeber, Mezger, Bäcker, Brauer hatten das Nachsehen. Das meiste für das Fest produzierte Bier fehlen. Wenn dann neue Greuel durch Verhaftungen, Mißhandlungen und Morde passieren, dann wäscht sich die Regierung der Henter frohlockend die blutbefleckten Hände: die A. ist wieder einmal abgelenkt und dem Ausland hat man im voraus begreiflich gemacht, daß die Vorkommnisse nichts weiter find, als die Empörung der kochenden Volksfeele gegenüber den jüdischen Aposteln des Kommunismus!" Einmal muß doch das Ausland den„ gerechten Kampf" der Regierung Hitler begreifen! haben. Wir warnen sowohl ihn, als auch seine Freundinnen", dieses raffenschänderische und artvergessene Treiben weiterzuführen. Es könnte ihm passieren, daß er ebenso wie ein gewisser Jude Reiter mit ein paar Begleiterinnen durch Nürnberg geführt wird, mit einem Schild auf dem Rücken, das ihn der Deffentlichkeit gegenüber entsprechend kennzeichnet. Kommentar überflüffig! blieb trotz der Hitze ungetrunken, nach Tausenden zählten die Würste, die von den Wisten, nachdem sie ungenießbar geworden waren, den Neckar abwärts befördert wurden, und in einem Höhenrestaurant gingen allein 500 Hähnchen kaputt. Bei solchen wirtschaftlichen" Ergebnissen war die von dem Hitlerschen und Göbbelsschen Pathos angefaßte nationale Begeisterung sehr bald spurlos verflogen. Aber auch sonst kam in dieser Woche allerhand vor. So gleich an einem der ersten Tage eine förmliche Schlacht zwischen den SA- und SS.- Mannschaften auf dem Festplaß, worüber allerdings nichts in den Beitungen berichtet werden durfte. Und der Anlaß hierzu? Cherchez la femme, sagt der Franzose. Die SA.- Leute wollten eine Frau aus einem Bierzelt weisen, die SS.- Leute, aber waren anderer Meinung hierüber, und so trug man die Differenzen über diese charmante Angelegenheit mit Maßkrügen, Stuhlbeinen und anderen„ beweiskräftigen" Argumenten aus... Zuletzt sei noch einer Angelegenheit gedacht, über die in Stuttgart viel gesprochen wird, aber nichts geschrieben werden darf. Der politische Regimewechsel hatte auch einen Wechsel in der Leitung des Württembergischen Landestheaters zur Folge. Der neue nazitreue Intendant Krauß nahm große Säuberungen" im Personal vor. Nicht rur die jüdischen Künstler, die bisher beste Stützen des Ensembles waren, mußten von heute auf morgen die Stätte verlassen, an der sie Jahrzehnte lang gewirkt hatten; auch der Oberspielleiter Brandenburg des Schauspiels war nicht mehr gut genug und wurde durch einen Herrn Kirchhoff erfeßt, der wiederum einen ganzen Schwanz von Neuengagements nach sich zog. Zwar hatte das Theater in Herrn Leitgeb einen jugendlichen Helden par excellence; aber dennoch durfte er den Hanns Jobstschen„ Schlageter" nicht spielen, sondern man holte von auswärts einen Herrn Tirmoser, der offenbar gesinnungsmäßig ein würdiger Vertreter dieser Rolle war. Aber... ach wie bald, schwindet Schönheit und Gestalt! Heute spielt wieder Herr Leitgeb den Schlageter; Dirmoser, Kirchhoff und dessen ganze Gefolgschaft haben über Nacht spurlos verschwinden müssen. Sie hatten sich eingeredet, wie man erzählt, Röhmlinge" sein zu dürfen, ohne des Spruchs eingedent zu sein: Quod licet Jovi, non licet bovi. Womit aber feineswegs Röhm mit Jupiter in Parallele gestellt werden soll. Suevius Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten ,, Gott ist ein jüdischer Mensch geworden!" Keisenlied Desi@ Boykott gegen ihn! Was sich in Deutschland tagtäglich begibt, ist für ein normales Gehirn unfaßbar. Es ist entfesselter Irrsinn, der sich mit unheimlicher Schnelligkeit verbreitet, eine Krankheit, von der dieses Volk ergriffen zu sein scheint. Was sich dieser Ansteckung auch Gleichschaltung genannt- widersetzt, widersetzt, wird unschädlich gemacht. Man ist jetzt so weit, den Feldzug gegen Gott zu organifieren und da nach einem bekannten Saz Huren und Universitätsprofessoren zu allen schlechten Dingen zu haben sind, hat sich die Wissenschaft in den Dienst der Religionsbekämpfung gestellt, einer Gottesbekämpfung, die mit Atheismus schlechthin nichts mehr zu tun hat und die wegen Got teslästerung nur deshalb nicht belangt werden kann, weil eine nicht normale Geistesverfassung von der modernen Strafrechtspflege für einen strafausschließenden Umstand angesehen wird. Man höre einen neudeutschen Schriftsteller von Rang, Wilhelm Stapel( Deutsches Volkstum", Hanseatische Berlagsanstalt, Hamburg): " Gott ist nicht nur in einem bestimmten Weltzustand irgendein Mensch schlechthin geworden, sondern er ist ein jüdischer Mensch geworden: er hat sich von einer jüdischen Mutter gebären lassen. Jesus, als Gott von aller Menschlichkeit ausgenommen, niemand vergleichbar, ohne GeSchlecht denn er hat alles Geschlecht erst geschaffen und ehe Geschlecht war, war er ohne Rasse denn er hat alle Rasse erst geschaffen und ehe Rasse war, war er ohne menschliche Bedürfnisse= denn er hat alles Menschliche erst erschaffen und ehe Menschliches war, war er Jesus war als Mensch ein Inde, ein Jude von bestimmter Körpergröße, von einem bestimmten Gewicht, mit dem Haarwuchs, der Augenfarbe, der Haut, dem Schädel nicht eines Menschen überhaupt, sondern eines bestimmten, einmaligen Menschen jüdischer Abkunft mit jüdischem Stamm baum. Er aß und trant und kleidete sich und schlief und hatte Vorstellungen und sprach und benahm sich so wie andere Juden seiner Zeit auch... Warum wurde Gott aus: gerechnet Jude? Warum nicht Römer? Warum nicht Hellene?.. Warum nicht Germane?... Sollte Gott im augusteischen Zeitalter nicht nur getötet, sondern wegen eines Religionsvergebens hingerichtet werden, so mußte er Jude werden. Denn unter Juden war troß der helleni stischen Aufklärung eine zureichende Intoleranz noch möglich. Die Juden waren sogar prädestiniert, Gott wegen Religionsfrevels anzuflagen..... Man muß sich die Wirklichkeit der Menschwerdung Gottes ganz realistisch verdeutlichen: Wäre Gott in einer mutterrechtlichen Gesellschaftsordnung menschgeboren worden, er hätte night als Gottes Sohn, sondern als Gottes Tochter erschei nen müssen." Nun ist dieser Wilhelm Stapel nicht irgend ein Durchschnittsmensch, sondern eine der angesehensten geistigen Per sönlichkeiten des neuen Deutschlands, Herausgeber einer vielgelesenen sterlenen Zeitschrift und--& beologel Die Vorſtellung, daß die zitierten Säße von einem theologisch ge schultem Gehirn stammen fönnen, ist so abenteuerlich, daß man versucht ist, dem eigenen Verstand zu mißtrauen. Wenn irgendein Gotteslästerer, ein verdammter Freigeist, Von Stefan Pollatschek ein windiger Aufkläricht das alles gefagt hätte, man könnte darüber hinweggehen; aber der so sprach und schrieb ist Theologe, ist ein Kopf von geistigem Format, von keinem geringeren als der bedeutende deutsche Philosoph und Pädagoge Spranger, der vor kurzem erst in einer in der Kaiser Wilhelm- Gesellschaft gehaltenen Rede Hitler als ein Geschenk Gottes an Deutschland bezeichnete. Wie man sieht, ein fleiner Gelehrtenstreit! Denn wenn Gott ein füdischer Mensch ist, wie kann dann das neue Deutschland das Geschenk eines Juden annehmen? Wie fürchterlich muß es um ein Volt bestellt sein, dessen geistige Spigen solchem Wahnsinn verfallen sind? Das sind Amts- Christen Pfarrer D. Freitag „ Die Glaubensbewegung Deutsche Christen" lehne zwar die Kultur der letzten anderthalb Jahrzehnte ab. Aber wie sie die firchliche Schwester des politischen Bruders Nationalsozialismus sei( das Hafenfreus auf der Brust das Christuskreuz in der Brust"), so stehe sie auch zur Kultur, die eine Seelenange legenheit", ein„ Gottesgeschenk" sei, in einem geschwisterlichen Verhältnis."( Vortrag ( Vortrag vor dem Studentenkampfbund " Deutsche Christen".) Pfarrer Loerzer**** " Ich glaube," sprach Pfarrer Roerzer weiter, daß mich Gott geschaffen hat, mich und meine Haffe." Sich dafür einzusetzen, sei der Sinn des Kampfes. Die alte Kirche sei hieran verständnislos vorbeigegangen, sie wollte neutral sein und ist ohnmächtig geworden. Das Thema für die nächsten Jahrzehnte, ja, Jahrhunderte sei gegeben: Ev a n= gelium gelium Volt, Kreuz- atenfreus. Pfarrer Loerzer betonte dann noch, daß es in der Glaubensbewegung Deutsche Christen nicht einzelne hervorragende Persönlichfeiten gegeben habe, wie Augustinus oder Luther, es war die Bewegung einer Front. Mit dem Appell an die Studenten, sich als Offiziere in der alma mater zu füh Ien, schloß Pfarrer Loerzer seinen Vortrag. ( Studentenkampfbund„ Deutsche Christen".) Aus einem Liederbuch In USA. wird der Weizen verbrannt, in Rio verheizt man Kaffee, so hält man den Preis mit eiserner Hand und der Zinsfuß ist höher denn je. Wer zu billig verkauft, der ist wie ein Dieb, der mit Gottes Gefeßen spielt. Man sperrt bie Fabrik, man sperrt den Betrieb, weils der Wirtschaftsführer befiehlt. Die Hauptsache ist der Preis, Prolet, und wenn alles vor Hunger trepiert, so läuft erst die Welt im Geleis, Prolet, diese Welt, in der Geld nur regiert, An der Krise ist schuld, sagt der Schlotbaron, mit zu Gott erhobenem Blid, der von der Gewerkschaft gefteigerte Lohn und die Last der Sozialpolitik. An der Krise ist schuld, sagt der Herr der Bank, daß man seine Zinsen verliert, denn es wird auf der Erde gar zu lang fchon zu tener produziert. ** Die Hauptfache ist der Preis, Prolet, und wenn alles vor Hunger trepiert, so läuft erst die Welt im Geleis, Prolet, diese Welt, in der Geld nur regiert. Und sperrt man an Betrieb und Fabrit, daß man ja vom Preis nichts verliert: Für den Arbeitslosen bleibt immer der Strid oder Haufieren mit Briefpapier. Und wird frech der Prolet, so tommt der Faschist, sein Hemd ist schwarz oder braun, damit Industrie und Kapitalist sich die richtige Ordnung erbaun. die Hauptsache ist, daß man weiß, Prolet, wer hente die Herrschaft noch hält! Dann kommt unser Tag, der wird heiß, Prolet, für die heutigen Herren der Welt! Die Rache Prof. Nawiasky entlassen Wenzel Sladet Der Reichsstatthalter in Bayern hat den Profeffor der Universität München, Dr. Hans Nawiasty, auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen. Der hervorragende Staatsrechtslehrer war schon in der Papen- Aera mißliebig geworden. Im Leipziger Prozeß hatte er sich mit Entschiedenheit auf die Seite der früheren preußi= schen Regierung gestellt, als sie die Verfassungsmäßigkeit ihrer Absetzung bestritt. Man wundert sich, daß Nawiasty erst, jetzt vom Strahl der Rache getroffen wird, aber vermutlich. war er schon seit Monaten beurlaubt". „ Sturm! Sturm! Sturm! Bäutet die Glocken von Turm zu Turm, Läutet, daß Funfen zu sprühen beginnen, Judas erscheint, das Reich au gewinnen, läutet, daß blutig die Seile sich röten, rings lauter Brennen und Martern und öten, läutet Sturm, daß die Gre fich bäumt unter dem Donner der rettenben ache. Ein jüdisches Theater in Berlin dem Volt, das heute noch träumt. Deutschland erwache." ( Aus dem im Standarter- Verlag, Leipzig, herausgegebenen Volksliederbuch des neuen Deutschland: Heil Hitler Dir!) al3 st Wehe 1150 sb „ Haben Sie ellipsenartige Brüste?" od s 4278 2019 ile de Davon hängt in Hitler- Deutschland alles für Sie ab, meine Dame! imated Wochenschrift für Rassenkunde des dritten Reiche s",„ Das Wissen des Volfes", veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein„ Positives Programm für die Verbesserung der Rasse in der Ehe", in dem es heißt: Die Raffe und die Frau dürfen nicht sich selbst über lassen werden, sondern der arische Held muß immer die gute arische Raise bewachen, wir verlangen, daß ein jeder Mann der guten Raise, jeder Arier, nur eine blonde Arierin mit blauen Augen, freiem Blick, ovalem länge lichem Gesicht, rosigem Teint, schmaler Nase und kleinem Mund ehelicht, und daß er unter allen Umständen ein unberührtes Mädchen zur Frau nimmt. Schon die altgermanischen Gesetze bevorzugten Ehen mit unberührten Frauen: und verwarfen Heiraten mit Witwen. Wir verlangen, daß der blonde, blauäugige Mann teine Frau des dunklen ( Mittelmeer-) Typs heiratet mit langem Oberkörper, furzen Beinen, schwarzen Haaren, Hakennase, vollen Lippen, Z großem Mund, Hängebruit, reichlichem Haarwuchs und Neigung zur Feitsucht. Wir verlangen, daß der heldische blauäugige Arier keine Frau von schwarzem, negroidem Typ mit dem charakteristischem Negerkopf und schlankem Körper sowie ellipsenartigen Brüsten heiratet. Der Mittelmeer- Typ der Frau ist ein Hetären- Typ, der Neger- und mongolische Typ ist der Typ eines weiblichen Lasttieres. Dagegen soll der arische Mann nur mit der gleichstehenden Arterin, einem unbes rührten Mädchen von einwandfreier Vergangenheit, eine Ehe eingehen. Er soll nicht ein Mädchen ehelichen, das zahlreiche Gesellschaften, Vergnügungen, Theater- oder Sportveranstaltungen vorzieht und sich überhaupt gern öffentlich zeigt, Vor allem soll er kein Mädchen heiraten, das sich in Stellung befindet, da diese durch ihre fizende Lebensweise zur Hysterie neigen. Er soll nur ein kinderliebendes Mädchen zur Frau nehmen." a 261 behaupten, daß er blond, noch daß er blauäugig, noch daß er langbeinig, am wenigsten aber, daß er kleinmäulig ist; er hat sich freilich auch bei der Wahl seiner Frau nicht an den Rajse paß gehalten, denn ihre Mutter hat später einen gewissen Friedländer geheiratet, ber, wie wir fürchten, auf Grund seiner rassischen Leidenschaften bei seiner fünftigen Gattin ellipsenartige Brüste" entdeckt haben dürfte. Reich sind wir, überreich! Deutschland, das Land des Genies et to „ Der Redner charakterisierte als besondere Merkmale des Deutschtums noch die Gegenüberstellung von Jubel und tiefstem Leid, das Wissen um den auch im Glück, die Romantik des Herzens, die fingerte Höchstleistung in Der preußische Theaterausschuß hat dem Kulturbund Deutscher Juden e. V. die Konzession zum Betrieb eines jüdischen Theaters in Berlin erteilt. Die Konzessionserteilung ist unter der Bedingung erfolgt, daß ein öffentlicher Kartenverkauf für die Vorstellung des Theaters, dessen künstlerisches und technisches Personal rein jüdisch sein wird, nicht erfolgt. Die Karten dürfen nur an die Mitglieder des Vereins abgegeben werden. Der Kulturbund soll die Absicht haben, ein Berliner Theater für seine Swede zu pachten, doch scheint eine endgültige Entscheidung in der Lofalfrage noch nicht getroffen zu sein. Das jüdische Theater wird seine Spieltätigkeit voraussichtlich im Herbst aufnehmen. Die hohe Wonne ganz" Ein künftiger Scheiterhaufen In Geschwenda im Landkreis Arnstadt( Thüringen) ist jetzt das erste Hitler- Standbild Deutschlands fertiggestellt und auf dem Lindenplaß aufgestellt worden. Es zeigt die Figur des Kanglers auf einem zwei Meter hohen Sockel. Die Einweihung soll am 20. August stattfinden. der Formung des Seelischen. Als Arzt gelang es ihm aut ,, Hitlersee" am Staubecken gezeichnet, die Leidensvorgänge in dieser Sinfonie von Bildern herauszugeben und nachzugestalten. Dr. Lütz schloß mit der Hervorhebung, daß wir Deutschen in ganz besonderer Weise begnadet sind und uns nur wieder darauf befinnen müßten, daß uns Genies wie Wagner, Beethoven, Kant, Dürer, Grünewald, Schiller, Goethe, Bismard, Hitler auf allen geistigen Gebieten in überreicher Fülle erblühten und wir also wie kein anderes Volk aus eigenstem Schaze schöpfen können, anstatt uns, wie bisher, in törichter Nachahmung zu verausgaben." ( Dr. Lüz, Vortragsabend im Königin- Luise- Bund, Brauweiler.) Der erste Ort in Deutschland, der eine Bezeichnung nach dem Namen des Reichskanzlers erhalten wird, ist die Gemeinde Seedrsit im Landkreis Oppeln. Sie wird in peinlich reines, trena bäusliches, fleißiges und Das braune Soldaten- Beautbett D Wenn das„ Positive Programm" der Bollarler erfüllt wird, stirbt ihresgleichen wenigstens aus; denn abgesehen von ein paar amerikanischen Filmgirls( deren Vergangent= heit allerdings nicht immer einwandfrei ist) gibt es nicht mehr allzu viele blau- blonde, ovale, rosige, fleinmündige, rundbrüstige usw. Geschlechtstierchen zur Befriedigung des arischen Helden. Warum aber drückt man sich um die Rassen merkmale dieses arischen Helden? Könnte man nicht den Propagandaminister als rassische Idealgestalt zur Nach thmung empfehlen? Allerdings fann man von ihm weder Der Reichswehrminister hat eine Ergänzung der Verordnung über das Heiraten der Angehörigen der Wehr macht verfügt. Nach dieser neuen Verordnung muß der Nachweis erbracht werden, daß die Braut der Wehrmachtsangehörigen arischer Abstammung ist. Ferner muß die Braut selbst achtbar und nicht staatsfeindlich gesinnt sein und einer a chtbaren und nicht staatsfeindlich gesinnten Familie angehören. Die Ergänzung der Heiratsordnung hat keine rückwirkende Kraft auf bereits genehmigte Eheschließungen. Zukunft Sitter fee heißen, nachdem aus der Reichskanzlei cin zusagender Bescheid auf den Namensantrag erfolgt ist. Die Gemeinde hat etwa 2000 Einwohner und liegt unmittelbar bei dem auf Grund persönlichen Eingreifens des Reichskanzlers jept in Angriff genommenen Staubeckens von Turawa. Vierzigmal ,, unser Adolf" 40 Gemeinden des Bezirkes Starnberg haben für Reichstargler Adolf Ditler eine prachtvolle Ehrenbürgerurkunde herstellen lassen, die in nächster Zeit dem Kanzler durch sämtliche Bürgermeister des Bezirkes überreicht werden soll. Die Urkunde ist ein Meisterstück einheimischer Kunst. „ Die wahre Kunst ist höchste Freiheit, und nur die höchste Freiheit kann sie aus fich tundgeben, kein Befehl, teine Ver ordnung, furz, tein außerkünstlerischer Zwed fann fie ents Richard Wagner. stehen lassen." DAS BUNT Dienst am Munden fine uwcrlftairiwftc 9ro#esAe Dennoch Als Bill Stockbroker zum Ankauf eines neue« HuteS sich entschloß, stand er im zweiundvierzigsten Lebensjahr, war leidlich gesund, mehrmals mit Erfolg geimpft, nicht vorbe- straft, gern zu einem kleinen Spatz aufgelegt, beliebt bei allen die ihn kannten— kurz: er war ein Mensch wie du und ich. Man hatte ihm für den Hutkauf das große Herren- artikelgeschäft von Bluebottle und Co. empfohlen: dort kaufe man gut und preiswürdig und zuvorkommend bedient. Mister Stockbroker durchschritt also eines Tages die GlaS- tür, die ein imposanter Portier salutierend vor ihm aufriß, und betrat das Geschäft von Bluebottle und Co. Zwei Emp- fangschefs stürzten ihm entgegen: „WaS steht dem Herrn zu Diensten?* j„Ich möchte einen Filzhut kaufen.* „Sehr wohl. Erste» Zwischengeschoß bitte. Wenn der Herr sich, bitte, nach dem Fahrstuhl bemühen wollen!* Während der jüngere der beiden Empfangschefs an ein« Schalttafel eilte und mittels eines sinnreichen Systems von Licht- und Läutestgnalen die Hutabteilung in höchste Alarm- bereitschaft versetzte, geleitete der ältere den Kunden zum Fahrstuhl. Auf dem zehn Meter langen Weg dorthin erkun- digten sich die Rayonchefs der Sportkrawatten-, Sockenhalter- und Lederhandschuhabteilungen mit aufmunternden Blicken und freundlich teilnehmenden Worten, ob der Herr bereits bedient werde, ließen sich aber durch den Empfangschef be- schwichtigen und versanken wieder in süßes Nichtstun. Inzwischen hatte man den Aufzug erreicht. Ein aufglühen- des Lämpchen gab zu erkennen, batz das Vehikel gerade im ersten Stock hielt. Ausgeregt telefonierte der Empfangschef dem Führer, er möge die Abfahrt tunlichst beschleunigen, und entschuldigte sich gleichzeitig bei Mister Stockbroker wegen der peinlichen Verzögerung, die gewiß des Herrn geschätzte Ge- duld auf eine überaus harte Probe stelle. Zwei Sekunden später langte der Fahrstuhl an, Mister Stockbroker wurde hineinkomplimentiert: ein Glöckchen er- tönte, bewegt sah er den in devoter Verbeugung verharren- den Empfangschef versinken— und wurde eine Sekunde dar- auf von den vier rangältesten Chefs der Hutabteilung feier- lich in Empfang genommen und nach seinen Wünschen be- fragt. „Ich hätte gern einen Ftlzhut, zu dem Anzug passend, den ich anhabe.* „Ausgezeichnet! Prächtig! Hut und Anzug zueinander pas- send ist äußerst vornehm!* jubelten die vier.„.Dürften wir um die geschätzte Kopfweite des Herrn bitten? So, verbind- lichsten Dank!* Und nun brachen au» allen Ecken Scharen von Berkäu- fern: auf der riesigen Ladentafel wuchsen die Hüte bergehoch: neue RayonchefS kamen dazu, würdige Greise, wie emerit- tierte Diplomaten anzuschauen, dazu Lagerchefs, Einkaufs- chefs, Betriebschefs, der Großonkel des Inhabers— und alle wachten darüber, daß von den Verkäufern wahrer Dienst am Kunden geübt wurde. Dem armen Mister Stockbroker brach kalter Schweiß aus allen Poren. Er stülpte sich einen Hut Wettfahrt mit dem eigenen Iteberfahrtbiftett In größter Eile stürzte einige Minuten vor Abgang der .Lafayette* eine junge Amerikanerin über den New Yorker Quai. Im letzten Augenblick erreichte sie den Schiffssteg, mußte nun aber feststellen, daß sie Koffer mit Handtasche, Patz und Billet im Taxi hatte stehen lassen. Die„Lafayette* nahm sie trotzdem mit, und als der Dampfer majestätisch aus dem Hasen zog, begann schon der drahtlose Telegraf nach dem Koffer zu forschen. Der Taxichauffeur hatte ihn schon an die Landestelle gebracht. Die kurz darauf auSlau- fende„Europa* nahm das Gepäckstück mit und hatte es schon längst in Le Havre abgeliefert, als die langsamer fahrende Lafayette dort eintraf. aufs Haupt, ging, von siebzehn Männern umringt, an t«« Spiegel— und fand die Farbe etwa» zu rötlich. „Gewiß. Zu rötlich. Paßt keineswegs. Aber bitte sehr, wir legen dem Herrn sofort etwas anderes vor. Mit dem aller- größten Vergnügen." Neuer Verkäufer. Neue Chefs. Neue Hüte. Und während alles fieberhaft''