1 Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veutschiands Kummer ZV— 1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 17. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Schritt für Schritt Der Tod geht mit. Das Haupt Trag hoch! Liegt nichts dran: Du warst ein Mann! Wer glaubt Siegt doch! Kurt Eisner. Als Deutsche schämen wir ans! Bilder sehen Dich an! SSbel Die Kvnzeutrativuslaqer Oranienburg: Die Einlieferung prominenter Gefangener. Bon rechts nach links: Reichs- und kandtagSabgeordneter H e i l m a n n, Reichstagsabgeordneter Friedr. Ebert, Rundfunksprecher Alfred Braun, Ministerialrat Dr. G i e s e d e, Rundsunkintendant Dr. Fle sch, Direktor der Reichsrundfunkgesellschast Dr. M a g n u S. I» Breslau: bei Heines »..„sie kaum noch erkennen konnten" Ueber das Breslauer Lager schreibt„M anchest er Guardian", es sei eines der meist gefürchteten von ganz Deutschland. Tägliche Fronarbeit wechselt mit militärischem Drill, patriotischem Unterricht und Zwangslektüre von Hitlers„Mein Kamps". In der Nacht werben die Gefangenen immer wieder durch blinden Feueralarm herausgejagt, am häufigsten dann, wenn die Lagerkommandanten erst zu später Stunde auS der Stadt heimkehren. Am schlimmsten werden Gewerkschaftsfunktionäre, Sozial- demokraten und Reichsbannerleute behandelt. In dem Lager, über das wir noch berichten werden, befindet sich der früher« sozialdemokratische Bürgermeister von Breslau, Mache, und sein Sohn. Ein Reichsbannerfllhrer, der bort seit Monaten sitzt, wird immer wieder geschlagen. Er hat bisher 100 bis 200 Hiebe erhalten. Zahlreiche Ge- fangene liegen mit Knochenbrüchen darnieder.„Bor etwa 11 Tagen," so schließt das angesehene englische Blatt seinen Bericht,„wurden die Gefangenen durch die Straßen Bres- laus geführt. Man zwang sie zu singen. Sie sahen so grau, so hohläugig, so elend aus, daß selbst ihre Freunde, die herbeigekommen waren, um sie vorbeiziehen du sehen, sie kaum erkennen konnten".... Sie müssen noch bezahlen „Lagergeld" für Konzentrationslager Die Verwaltung des staatlichen Konzentrationslagers von Oranienburg bei B-rlin, das zurzeit über 800 Haft, linge beherbergt, hat für dieses ein besonderes Lager, g r l d geschassen, das innerhalb des Lagers gegen Reichsgeld eingetauscht werden kann. Das Lagergeld ist vorläufig in Scheinen zu S, 10 und SO Pfennigen, sowie zu einer Mark i« der Reichsdruckerei hergestellt worden. „Daß Ith nicht nach Dachau komm.. Aus einem Dokument, das an amtlicher Stelle aufbewahrt wird Bei der Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau in Bayern wnrden die„Bonzen", d. h. Gewerkschaftsführer, Schriftleiter oder sonstige Intellektuelle sofort der Stras, k o m p a n î e zugeteilt. Sie mußten sich zunächst in Einzel, zcllen mit erhobenen Händen, Gesicht gegen die Wand, ans» stellen. Hinter ihne« knackte ein SA.-Posten ständig mit de« Gewehr. Die Prozedur sollte den Gefangenen einprägen, daß man aus der Flucht erschossen werde. Alsdann wurden etwa 7 Leute in eine entferntere Baracke geführt. Dort stau« den riesige SA.-Leute mit Rohrstöcken, die oben gespalten und mit Kolophonium verschmiert waren. Ein Schutzhaft, ling nach dem andern mußte sich auf den Boden legen und wurde von den SA.»Leuten sürchterlich geschlagen. Die anderen Opfer mußten einstweilen zusehe», bis die Reih« an sie kam. Wer sich im Schmerze ausbäumte, wurde beson- ders sürchterlich zugerichtet. Ein kleiner Jude wurde auch auf de« Bauch uud die Hände geschlagen, die faustdick ans« schwollen. Ein schwer lungenkranker Mensch, der nur noch Haut und Knochen hatte, wurde geprügelt, bis ihm das Blut aus Mund und Rase quoll. Nach Beendigung der Ak» tiou wurden die Mißhandelten wieder in Einzelzellen g«, stoßen. Am Fensterkreuz hing ein Strick, an dem sich die Gemarterte» aushängen sollten. Der am meisten mißhandelte kleine Jude tat sich aus Furcht vor Wiederholung der Miß- Handlung wirklich de« Strick um den Hals, wurde aber von Lagerinsassen noch rechtzeitig abgeschnitten. Ein Mißhan, delter mußte sich von Lagergenosse« fast eine Stunde lang unter die Arme gefaßt hin- und herführen lassen, bis ihm wieder das Gehen gelang. Nach seiner Entlassung war er vollkommen verstört, die grauenhaften Erlebnisse rollte« nach seiner Angabe im, mer wieder wie ein Film vor seinem geistigen Auge ab. Sein Rücke« war vom Hals bis zu den Schenkeln eine einzige blauschwarze Masse, die Haut z. T. blutig nnd ausgesprungeu, er mußte sofort ins Krankenhaus geschafft werden. Andere Gesänge«? mußte« in einer mit Grundwasser ge» füllten Kiesgrube auf einem Floß arbeiten und Kies heraus- schaufeln. Gelegentlich machte es den SA.-Leuten Spaß, das Floß umzuwerfen, so daß die Gefangenen in das eis, kalte Wasser fielen. W-nn sie sich dann ans Ufer arbeiteten, wurden sie von den Nazis mit Schaufelnhieben zurückgetrieben und aus die Köpfe geschlagen, daß das B'ut hervorspritzte. Ein über«0 Jahre alter Mann, überall hochangesehe». soll ob dieser BeHand, long irrsinnig geworden sein. Das amtlich aufbewahrte Kultur-Dokument aus dem „dritten Reich" enthält Daten und Namen der Henker wie der Opfer. Von AndreasHowald el nnd Zwingherrschast find innig verschwistert, Freiheit hebt ein geläutertes Volk über den Pöbel empor. Plate' Es war um die Jahrhundertwende. Die Idylle bürge licher Geborgenheit in Deutschland wurde jäh aufgeschreckt! durch den Burenkrieg. Obwohl Wilhelm II. den Eng- ländern einen Kriegsplan zur Niederwerfung der tapferen Südafrikaner vorgeschlagen hatte, schwärmte in Deutsch- land jedermann für den alten Ohm Krüger, dessen Schiffer- bart und dessen Zylinderhut zu den volkstümlichsten Attributen heldenhaften Widerstandes gehörten. Kräftig schoß damals der Haß gegen die Engländer empor. Es war die Zeit, in der zum ersten Male in der neueren Ge- schichte der Begriff des„Konzentrationslagers" lebendige Gestalt gewonnen hatte. Man las mit Entsetzen, unter Anruf der humanitären Grundgesetze zwischen Siegern und Besiegten. Berichte von den furchtbaren Leiden hinter Stacheldrähten, die die tapferen Afrikaner an der Flucht hindern sollten. In der deutschen Presse drängten sich die Proteste und Anrufe des Weltgewissens. Dreiunddreißig Jahre später. Wieder sehen wir Bilder von Konzentrationslagern— aber diesmal sind sie mittenin unser m Lande, verstreut in allen Gegen- den Deutschlands. Gefangene werden bewacht, um ein Vielfaches zahlreicher als damals in Afrika. Die Wächter find keine fremden und feindlichen Soldaten in Khaki- Uniform, sondern Deutsche, die im innerpolitischen Kriegs- fchauplatz ihre besiegten Gegner fangen und zu Zwangs- arbeit notigen. In den engen und schmutzigen Baracken hausen sie. dicht aneinander gepreßt. Proletarier und In- tellektuelle, Juden und Arier westischer und ostischer Rasse, um im Stile unserer Zuchtlehrer zu bleiben. Seelisch geschändet, niedergestoßen von den Händen brauner Er- oberer, bewacht von deutscher wehrfähiger Jugend— Hilf- lose, die der Erprobung des neuen heroischen Machtwillens widerstandslos und rechtlos ausgeliefert sind. * Freilich, es besteht ein Wesensunterschied zwischen den Konzentrationslagern des Burenkrieges und denen in Hitlerdeutschland. Er beruht nicht darauf, daß damals die Engländer Krieg führten gegen ein anderes Volk und ihre Feinde unter der Illusion der Selbsterhaltung ge- fangenhielten und quälten. Er liegt anderswo. Die. Engländer schämten sich damals vor der Welt. Sie suchten Berichte und vor allem Bilder über das in ihrer Gewalt zusammengepferchte Menschenvieh zu verhindern. Es gab damals noch einen Abglanz von abendländischem Humanismus, vor dessen Forum sich Großbritannien nicht verurteilen lassen wollte. Deutsch- land, wenigstens das, was von Hitler, Göring und Göbbels zur Ueberivindung der großen Lehren der Enzyklopädisten und der liberalistischen Menschengläubigkeit des 18. und 19. Jahrhunderts exekutiert wird, denkt darin anders. Es stellt seinem deutschen Volke und der ganzenWeltSzenerienausseinenKonzen- t r a t i on s l a g e r n mit der Bitte um freund- I i et) e Verwendung zur Verfügung. Es läßt „zum Dienst" antretende Gefangenenkolonnen foto- arafieren. Es zeigt, ohne kleinliche Rücksicht auf Herzens- stürme, die ausgemergelten und ausgezehrten Gesichter der Gefangenen von Dachau, von Jüterbog, von Oranienburg. Es läßt dienstfertige Federn Berichte schreiben, worin er- zählt wird, durch welche körperlichen Uebungen und Ge- sänge politische Gegner zu„nützlichen Gliedern des Staates" erzogen werden. Sich an der Qual und an der Erniedrigung von Pazifisten, Sozialdemokraten, Kommu- nisten und Juden zu weiden und gleiche Wollustgefühle beim unterworfenen Volke zu erzielen, ist ein Teil der Staatsräson der Hitlerschen Despotie. Ein großes Schweizer Blatt schrieb neulich sehr zu- treffend, daß zu den Utensilien des„dritten Reiches" die Erniedrigung der„I n t e l l i g e n z b e st i e" gehört. In der Tat bekommt jene kleinbürgerliche Atmosphäre, in der der Haß und der Neid gegen geistige Ueberlegenheit latent sind, augenblicklich ihre kräftigste Hausmannskost. Wie tut es täglich wohl, zu lesen, daß bedeutende Parlamen- tarier, Männer schöpferischer Eigenleistung, die aus der Durchschnittsgrenze hervortraten, jetzt als Korruptions- erscheinungen entlarvt werden! In der prall sitzenden Uniform symbolisiert sich die großeEntelgnungdes G e i st i g e n, die eine der psychologischen Voraussetzungen dieser nationalen Revolution gewesen ist. Es ist kein Zu- all. daß der illustrative Teil der nationalsozialistischen cesse am liebsten den leuchtenden Glanz der Litzen und Sterne, vor denen sich anbetende Maffe bewegt, als Renn zeichen unserer Zeit im Bilde festhält, und daß daneben höchstens noch die Fotografie erniedrigter„ Größen" be stehen kann. Man hat vom ,, Schweinehund im Menschen" gesprochen. Aber dieser Appell an die Erbärmlichkeit des einzelnen ist längst ersetzt worden durch die Quantität, die mit Hunderttausenden und Millionen im neuen Deutschland ohne die geringste Gewissensbelastung rechnen darf. jqual G Wir zeigen auch unseren Lesern das überall verbreitete Bild:" Rundfunkgrößen und SPD. Bonzen im Konzentrationslager im Bilde", wie sie ftramm ausgerichtet im Konzentrationslager Oranienburg bei Berlin antreten mußten. Was für Leute hatten sie hier zur herzlichen Augenweide eingeliefert? Rechts der Reichstagsabgeordnete und Führer der sozialdemokrati schen Landtagsfraktion Heilmann. Der engumgürtete Jüngling, der ihn mit blizendem Auge kontrolliert, hat nie erfahren, daß Heilmann Kriegsfreiwilliger war, dessen Körper die breitklaffenden Spuren zweimaliger Vermundung trägt. Infolge seiner Kriegsverlegung besitzt er nur noch ein Auge. Heilmann hätte fliehen können, aber er ist dem Rate seiner Freunde nicht gefolgt und blieb, obwohl er, der Jude, über sein Schicksal in den Händen von Fronvögten im Konzentrationslager nicht im ungewissen war. Neben ihm steht Friedrich Ebert, seinem Vater, dem gestorbenen Reichspräsidenten und Vorgänger Hindenburgs sprechend ähnlich, ein an der Front schwer verwundeter Soldat, der zwei Brüder zu einer Zeit im Felde verlor, als keiner seiner gegenwärtigen braunen Borgesetzten das Wort„ Deutschland" mit sicher gefügten Buchstaben zu schreiben vermochte. Wenn der alte Hindenburg noch imstande ist, seines Vorgänger zu gedenken, so mag ihn dieses Bild des jungen Ebert an die Stunde erinnern, wo er an der schwarzrotgoldenen Bahre des ersten Reichspräsidenten stand. Schließlich hat Hindenburg auch einen Sohn, dessen Schicksal im Schoße ungewisser Zeiten ruht. An die beiden Sozialdemokraten schließen sich vier Leute an, die dem deutschen Rundfunk früher Gesicht und Bedeutung gegeben hatten. Mit geballter Faust sieht man Alfred Braun, dessen Namen Rundfunkleistungen von besonderem Rang ins Gedächtnis prägt. Es gab keinen geschickteren Sprecher als diesen früheren Schauspieler, ein Mann der Improvisation von einmaliger Begabung. Vor ihm liebedienerten diejenigen, die ihn heute wegen seiner hohen Einkünfte als Zeugen der Korruption des " Systems" mit Steinen bewerfen. Der frühere Intendant ber Berliner Funkstunde, Flesch, der sich anschließt, ein Sohn des früheren demokratischen Frankfurter Stadtrats Flesch, hat durch kluge Führung der ziemlich verwahrlosten Berliner Funkstunde Gesicht und Farbe gegeben. Endlich werden in der Reihe der Rundfunkdezernent Ministerial rat Dr. Giesecke und Dr. Magnus, der hervor. ragende Organisator des deutschen Rundfunkwesens, ficht. bar. Hätte er sich nicht inzwischen in seiner Zelle erhängt: gewiß stände hier als siebenter Professor Neubeck vom Mitteldeutschen Rundfunk, bem man bie Annahme zu hoher Aufwandsgelder vorwarf. Es handelt sich, mit Aus nahme von Alfred Braun, um Persönlichkeiten, die, weit ab von politischer Aktivität, etwa zwischen Volkspartei und Deutschnationalen standen... Seht euch das Bild an! Fassaden von Menschen werden fichtbar, die man vor dem Fotografen zur militärischen Haltung zwang. Wer kann hinter ihre undurchdringlichen Gesichter blicken? Wer kann hinter ihren Stirnen das Leid und die Sorgen erkennen, in dem Gedanken, diesen bewaffneten, durch die Führer" angefeuerten Braunhemben ausgeliefert zu sein? Als ihre frischen Rekruten in geraden Linien ausgerichtet wurden, mußte die ganze Belegschaft" dabei sein! Und vor allem: wie werben biese sechs Menschen in einigen Monaten aussehen, wenn sie das gleiche Schicksal erfahren haben werden wie die Hunderte von Proletariern neben ihnen, immer vorausgesetzt, daß nicht einer von ihnen inzwischen„ auf der Flucht" erschossen wurde? ,, Sieg in Ostpreußen!" Die warnende Rede des Reichswirtschaftsministers hat nichts geholfen Am Sonntag hat in Köln der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt vor dem leichtfertigen Optimismus ges warnt, der aus ländlichen Gebieten gewaltige Siege in der Arbeitsschlacht meldet. Die nur auf Propaganda eingestellten Gauleiter der NSDAP. mißachten diese Mahnung. Im Osten ist zwischen dem Gauleiter Karpen stein in Pommern und dem Gauleiter Roch in Ostpreußen ein Wetteifer in Siegesmeldungen im Gange, der uns binnen wenigen Tagen einzureden versuchen wird, es sei nicht Erwerbslosigkeit, sondern Arbeitermangel in Deutschland. Koch ist einweilen Triumphator. Er meldet, daß Ostpreußen von Erwerbslosen frei ist und noch Arbeitskräfte gesucht werden. In Königsberg sind die Fahnen herausgehängt. Dazu wenigstens hat man im Arbeitsfieber noch Zeit gefunden. großer Unparteilichkeit dem dritten Reich" gegenüber beEs ist interessant, wie ein ausländisches Blatt, das sich fleißigt, die Baseler ,, National- Zeitung", in einem Berliner Brief die deutsche Wirtschaft beurteilt: Cauter bestrickende Pläne, sonst aber nichts. Von einer der Partei nicht ferne stehenden kompetenten Seite in Mitteldeutschland vernehmen wir 3. B., in dortiger wirt z. schaftlich sehr wichtiger Gegend sei von einem Ab= nehmender Arbeitslosigkeit nichts bekannt, die Not sei nach wie vor gleich trost los, und so fet es eben überall. Pläne, Pläne, aber das Geld? Nur eine Inflation könnte fie finanzieren. Das " Ostpreußische Wunder" wird bestritten. Die übliche Sommererscheinung! Eine riesige Ernte nehme das letzte Bein und die letzte Hand jener ohnehin dünn bevölkerten Provinz in Anspruch, zudem würden Gutsbefizer, wie anderswo auch Fabrikanten, mit der Drohung, sonst werde man sie ins Konzentrationslager sperren, zum Einstellen von Arbeitern geradezu gepreßt. Arbeitslosenabnahme gar in den Industriezentren? Wo in aller Welt wäre ein Anlaß? Ist etwa der Inlandskonsum größer geworden? Und leiden die Auslandsaufträge nicht in steigendem Maße unter dem stillen internationalen antideutschen Boykott? Was ist Wahrheit? Keine deutsche Regierung seit 1918 hat auch nur annähernd soviel geplant und auch schon gewagt, die außerordentliche Tatkraft der Männer des neuen Staates auch im Bereich der Wirtschaft kann unmöglich be stritten werden. Nur versagt in der Wirtschaft, was die Politik erst recht in Bewegung bringt: der ideologische Schwung. Zu lange war gerade die Wirtschaft allen Ideologen und Dilettanten als Tummelplas überlassen, dazu tommt die Erbitterung weitester, auch nationaler Volksfreise über die täglichen Uebergriffe, Rechtsbeugungen, Gewaltakte zahlloser kleiner Parteibonzen, die am ehemaligen politischen Gegner doch nur ihr schäbiges Mütchen fühlen und die der Kontrolle der mit Arbeit überlasteten Staatsführung immer wieder entgleiten. Die Erbitterung darüber ist so weit verbreitet, daß man die positive Arbeit, die geleistet wird, einfach nicht will gelten lassen." Geben wir noch einem Sonderberichterstatter der Leipziger Neuesten Nachrichten" über Ostpreußen das Wort: Dem Juristen mit dicken Schmissen, der im Eisenbahnarbeitslager gerade den Boden schrubbte, als ich auftauchte, dem alten abgebauten Angestellten bei der Drainage einer versumpften Badeanstalt schien die Arbeit auch zu schmecken. Das rührendste, tiefste Erlebnis schenkten mir die drei im Walde. Drei: ein alter Maler und die Jungen: der schmale Bursche mit den wissenden Händen schrieb Gedichte; der dritte der Gesellen, die der oftpreußische Wald zusammenführte, phantasierte von Hochhäusern und Wohnkolonien mit allem Komfort... Umlernen, Herr Baumeister, schleunigst umlernen! bescheiden werden. Unsere Kinder und Enkel sollen ein festes Dach ob dem Haupte haben, einen kernigen Laib Brot auf dem Tannenholztisch. Es geht auch ohne Dampfheizung und Lift, wenn Milch und Honig aus eigener Wirtschaft strömen. Sie, Herr Baumeister schlagen heute ostpreußische Kiefern für deutsche Möbel in deutscher Werkstatt; vergessen Sie nicht den letzten Rest von Tand totzuschlagen, der ihre kranke Seele wund stößt. Das Murren, Sie feien zu Besserem geboren als zum Holzschläger, ist Irrwahn." Es ist nicht damit getan, eine gewisse Befriedigung darüber zu empfinden, daß geistige Arbeiter zu harten körperlichen Arbeiten herangeholt werden. Das ist auch beim Militär geschehen. Wirtschaftlich gesehen, beweist dieser Bericht, daß qualifizierte Kräfte mit ungeeigneten Arbeiten beschäftigt werden, und jeder, der Bescheid weiß, lächelt über die„ produktive" Arbeit, die da geleistet wird. Solche Betätigung ist nur durch öffentliche Zuschüsse mög lich und kommt teuer zu stehen. Margarine verboten! Einstweilen nur in Lippe 21A Die lippische Landesregierung hat angeordnet, daß in allen Staatsbetrieben und-einrichtungen nur noch landwirt schaftliche Erzeugnisse deutschen Ursprungs verwandt werden dürfen. Insbesondere dürfen nur deutsche Frischmilch, deutsche Eier und deutsche Butter verwandt werden. Der Verbrauch von Margarine zum Brotaufstrich ist verboten. Diese Anordnung gilt auch für die Arbeitslager des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Da wird wohl in Zukunft die SA. an jeder Stulle schnup pern, ob das Verbot nicht umgangen wird. Auch Kommissare für die Haushaltungen werden sich notwendig machen, damit nicht irgendwo hinter verschlossenen Türen Orgien mit Margarine gefeiert werden. Natürlich hat die weise Regierung von Lippe recht: die Leute brauchen feine Margarine, da es doch genügend Butfer und Schinken gibt, wenn man den guten Willen hat, entsprechend zu zahlen. Ausfuhr katastrophal Keine Steigerung der Ausfuhr Ausfuhrüberschuß Ungenügender Die Julieinführ nach Deutschland belief sich auf 360 Millionen Reichsmark( gegen 357 Millionen im Juni). Die Juliausfuhr auf 385 Millionen Reichsmark( im Juni ebenfalls 385 Millionen). Der Ausfuhr überschuß hat sich von 28 Millionen im Junt auf 25 Millionen im Juli verringert. Diese Zahlen sind umso bedenklicher, als in den Jahren 1925 bis 1981 im Sommer regelmäßig ein längerer saisonmäßiger Ausschwung tam, Jm vorigen Jahre, blieb dieser Auftrieb zum ersten Male aus und in diesem Jahre ist, es genau so. sius Is Ein Ausfuhrüberschuß von nur 25 Millionen Mark im Monat ist für die deutsche Wirtschaft und für die deutsche Finanzpolitik verheerend. Die Verzinsung allein der privaten Auslandsanleihen erfordert einen Außenhandelsüberschuß von mindestens 80 Millionen Reichsmark monatlich. Deutschland ist also nicht in der Lage, seinen Schuldendienst aufrecht zu halten, und es besteht keine Aussicht, daß es den normalen Schuldendienst wieder aufnehmen kann. „ Hoffnung immer schwächer!" ethit beshalb, weil es fich hier um hervorragende und Verhandlungen zwischen London- Paris und Rom weithin bekannte Männer handelt, widmen wir diesem Bilde eine solch eingehende Betrachtung. Es hat symbol hafte Bedeutung! Stärker als irgend ein anderes ist es unmittelbar in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda gestellt worden. Vor einigen Wochen besuchte uns ein russischer Freund, dem das Schicksal widerfuhr, Die die fünfte Emigration ſeit 1905 erleben zu müffen, ein Schriftsteller von höchstem Rang und eine Persönlichkeit non geistiger Würde, die Furchtbares erlebt und Schreckliches gesehen hatte. Dieser Mann sagte uns: russische Revolution von 1917 war bru taler, weil sie mit größter Rücksichtslosigkeit der Menschenleben nicht achtete, die sich ihr entgegenstellten. Aber die deutsche„ nationale Revolution" pon 1933 ist unendlich viel gemeiner." Was er meinte, war ihm und uns allen bewußt. Dieses Fangballspielen mit Wehrlosen, dieses Sichweiden an den seelischen Qualen der Ausgelieferten, diese Genugtuung an der Er niedrigung des Geistes und am Spiel der Peitschen, diese Begierde, im Schmerzensruf der Mißhandelten und im Todesschrei der Ermordeten die Bestätigung der eigenen Gesinnung zu finden- dies ist der unauslöschbare Schimpf dieser Monate. Umworben von den Schwaden der Heuchelei, der Lüge im Kleid der Großmut: das ist der Konzentrationslager geist der Diktatoren Deutschlands. Vielleicht sind sie mitten in ihren Martern manchmal von Furcht geschüttelt, schon heute ahnend, daß diese Menschen, die sie hinter Stacheldrähten quälen, einmal die Totengräber ihrer Macht sein werden. Polizeigeneral In Preußen ist ein neuer Dienstgrad geschaffen worden: Durch Erlaß des preußischen Ministeriums des Innern ift Polizeioberst Balzer( Berlin) mit dem 15. Auguit aum Polizeigeneral befördert worden, über den deutsch- österreichischen Konflikt Rücktritt des deutschen Gesandten gefordert Wien, 16. Auguft. Die öffentliche Meinung steht ganz unter dem Eindruck des Nachweises, daß die deutsche Gesandts schaft in Wien an der illegalen Organisation der Nationalsozialisten in Defterreich mitgearbeitet hat. Man bezweifelt, ob der deutsche Gesandte auf seinem Poften bleiben kann. Es wird gefordert, er folle zurücktreten, sonst müsse die öfters reichische Regierung seine Abberufung verlangen. Erregung in England London, 16. Auguft. Die Veröffentlichung von Dokus menten der Wiener Reichspo ft", welche die enge Zus sammenarbeit zwischen den offiziellen deutschen nationals sozialistischen Organisationen und der illegalen in Defters reich beweist, erregt großes Aufsehen in England. Eine libes rale Zeitung, die News Chronicle", prangert diesen organisierten Spionagedienst und den Mißbrauch der diplo= matischen Vorrechte durch Deutschland an. Das ist so," sagt das Blatt, wie wenn die Botschaft Groß- Britaniens in Berlin fich insgeheim bazu hergäbe, die Berbindung zwischen den Feinden des Hitlertums in England und denen in Deutschland herzustellen, um es zu beseitigen." Der„ Daily Telegraph" findet, daß die in Wien vers öffentlichten Dokumente ein neues und interessantes Licht auf die Rivalität werfen, die zwischen dem deutschen Auswärtigen Amt und der außenpolitischen Abteilung der deutschen Nazis, mit Herrn Rosenberg an der Spize, besteht. Bermutlich hat Göring den Polizeigeneral nur einge. führt, um sich selbst zum Bolizeigeneralfeldmarschall er Auch die Reichswehr! nennen zu können. Er will doch hinter seinem italienis schen Freund, dem Luftmarschall Balbo, nicht zurückbleiben. Nachdem der Reichsminister des Innern den Hitler- Gruß zum deutschen Gruß erklärt hat, betont der Reichsminister es Der, Manchester Guardian" stellt fest, daß die Regies rungen von London, Paris und Rom gestern von nenem bes raten haben, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, wenn die Angriffe fich fortseßen. Das sei geschehen, nachdem das Versprechen der deutschen Regierung gegenüber Italien, Defterreich nicht mehr in Radiosendungen anzugreifen, zum dritten Male gebrochen worden sei, Das Blatt tommt zu dem Fühlungnahme betrachtet werden müßten, die im Hinblic Schluß, daß im Augenblick bie Unterhaltungen als einfache auf eine mögliche Aktion stattfindet, zu der die drei Regies rungen sich aber nicht veranlaßt sehen möchten, wenn auch ihre Hoffnung in diesem Punkt immer schwächer wird. Irland Der General der Blauhemden gibt nach 912 Dublin, 16. Auguft. General O'Duffy hat sich auf Inters vention der Kirche hin entschloffen, den für nächsten Sonns tag anberaumten Kirchgang der Blauhemden abzusagen. Es follen statt dessen in jedem Distrikt Versammlungen der Nationalgardisten stattfinden, in denen nach einem Schweigen von zwei Minuten zu Ehren der verstorbenen Nationals helden eine Botschaft des Führers der nationalen Garde verlesen wird. O'Duffy lehnt es ab, über den Inhalt dieser Botschaft schon jetzt Mitteilung au machen. Die„ Irish Gas zette" veröffentlichte Dienstag abend eine amtliche Mitteis lung über die bevorstehende Inkraftseßung zusäßlicher Bes stimmungen zur Verfassung, die die Einsegung eines Sondergerichtshofes ermöglichen. Dieser würde für eine Reihe politischer Vergehen sehr strenge Strafen, ja sogar die Todess strafe verhängen dürfen. Ein Berufungsrecht gegen die Urs teile würde nicht bestehen. als eine selbstverständliche Pflicht der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Wehrmacht, diesen Gruß auch in bürgerlicher Kleidung in und außer Dienst anzuwenden. Hitler der Krieg! Kennt Europa die ganze Gefahr? Europa erwache! Saarbrücken, 16. August 1933. Europa nachtwandelt zur Zeit den steilsten und engsten Grat über seinen Abgründen. Erhöht es die Sicherheit feiner gefährlichen Wanderung, daß es den ganzen Um fang seiner Bedrohung nicht kennt oder ist es nicht vielmehr notwendig, ihm aus der Erkenntnis des ganzen Umfanges der Gefahren ein Geländer zu zimmern, das ihm die Richtung weist und an dem es sich in jedem Moment des Schwankens halten kann? Saarbrücken, 16. August 1933. Ein deutscher Rüstungsfachmann, der in einem gleichgeschalteten Großanferbetriebe Innerdeutschlands als Ingenieur tätig ist, sendet uns auf Umwegen folgende Enthüllungen über das wahnsinnige Rüstungsfieber im ,, dritten Reiche": „ Das Hitlerreich rüstet in einem nie das gewefenen Ausmaße. Die Gothaer Waggon= fabrik, die noch vor kurzem mit 12 Millionen fubvens tioniert wurde, hatte vor einiger Zeit die gesamte kündigt. Jegt sind sämtliche Kündigungen zurückgezogen worden. Die Belegschaft arbeitet voll und mit Hochdrud. Die Luft flotte wird gewaltig vermehrt. „ Jeder Gemeinde ihr Flugzeug", so heißt die Parole. Eine Stadt wie Nürnberg soll 24 Flug= zeuge erhalten. Dort wird man in Zukunft auch die Piloten prüfung ablegen können. Alles, was geeignet und zuverlässig ist, soll im Flugdienst ausgebildet werden. Für Gotha sind 5, für Schwabach 4 Flugzeuge vorgesehen. Europas größte Gefahrenquelle ist seine Unkenntnis dessen, was der Faschismus in feiner nationalsozialistischen Spielart bedeutet. Es hört zwar tagtäglich die Alarmrufe über fieberhafte Rüstungen in Hitlerdeutschland- aber be. greift es den ganzen Unterschied dieser Aufrüstung von der der Demokratie? Begreift es, was Hendersons Europareise noch einmal ad oculus der ganzen Welt vordemonstriert hat: daß national. fozialistisches Regime und Abrüstungsbetriebe möglichst unauffällig und getarnt konferenz sich ihrem Wesen nach gegenfeitig ausschließen? Es begreift es nicht! Wenigstens nicht in der ganzen Breite noch weniger in der ganzen Tiefenwirkung. Es ift beunruhigt, es fühlt sich bedroht, aber es sträubt sich noch zu glauben, was unum stößlichere Gewißheit ist als die meisten seiner Glaubensbekenntnisse: Hitler ist der Krieg! Die Jdeologie des Nationalsozialismus ist die Verherrlichung des Krieges. Ihre Urforderung ist daher die innere Kriegsvorbereitung in der hundertprozentigen Auffüllung und Auslösung des Wehrwillens. Wer den Krieg als die kraftvollste und erhabenste Lebensäußerung eines Volkes anbetet, sieht als die primärste Aufgabe des Staates die innere Um- und Einstellung des Volkes im Sinne Sinne der Kriegsvorbereitung an. Dieser Staat aber ist der totale und absolute Staat, das heißt jener Staat, der die Macht um des Machtrausches willen als alleiniges und oberstes Gesetz ** anerkennt, dem er seine ganze Totalität zur Erhöhung dieser Macht und ihrer Fülle in Dienst stellt. Dieser totale Staat, der den Menschen bereits zu erfassen versucht, bevor Natürlich fönnen die bekannten Flugzeugfabriken allein mit den Aufträgen nicht fertig werden. Auf ganz raffinierte Art ist man dazu übergegangen, auch die anderen Mietallman im einzuspannen. Einer meiner Freunde betreibt Appa= ratebau und Herstellung von Präzisionsartikeln. Zu seinem großen Erstaunen erhielt er jetzt ohne jede Bewer= bung den Auftrag einer Münchener Firma, Angebote auf Massenherstellung einzelner Flugzeugteile einzureichen. Die Leute müssen im Gelde schwimmen. 3ugesagt wurde sofortige Barzahlung gegen Frachtbriefaushändigung. Derartige tulante Bedingungen kannte Inlande nur während des Krieges. Die personelle Aufrüftung steht der maschinel len nicht nach. In Nürnberg haben sämtliche unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten ein Rundschreiben ihrer Nazifachschaft erhalten, worin ein jeder aufgefordert wird, der SA. als Hospitant beizutreten. Wer infolge hohen Alters oder Krankheit den Beitritt nicht vollziehen kann, hat ein ärztliches Attest darüber beizubringen.. Die hiernach Befreiten haben aber die Patenschaft für einen unbemittelten SA.- Mann zu übernehmen, also insbesondere diesen zu leiden. Alle Beamten unter 30 Jahren werden dreiz mal wöchentlich zwangsweise im sogenannten Wehrs sport ausgebildet. Diese rein militärische Vors bereitung wird von SA.- Unterführern bzw. von Militäranwärtern geleitet. In den industriellen Werken werden„ Werkscharen" gebildet. So wurden bei Siemens u. Schuckert in Nürnberg alle wehrfähigen Männer zur„ Werkschar" aufgerufen. Die Tauglichen werden ausgesucht und sehr energisch militärisch amsgebildet. Es ist selbstverständlich, daß die Arbeitsdienstpflicht und der freiwillige Arbeitsdienst einen wesentlichen Teil des Tages für den Wehrsport reserviert haben. Die Turne und Sportvereine müssen nach Anweisung des Nazis oberbonzen Tichammer von der Often Pflichtstunden für die wehrhvortliche Ausbildung einrichten. Ein Offizier der Würzburger Garnison teilte mir mit, daß man förmliche Res frutenaushebungen durchgeführt hatte. Die Auserwählten würden 6 Wochen ges drillt und dann von anderen Rekrute n abgelöst. Es sei ein steter Wechsel und Aus= tausch vorgesehen. Da, wo man das Militär nicht zur Ausbildung zur Verfügung hat, sind junge Militäranwärter, die erst vor furzem ihre Dienstzeit beendet haben, zur militärischen Erziehung herangeholt worden. Diese haben beispielsweise in Nürnberg eine vollständige Ausbildung der SA. im man in Nürnberg oft ganze Trupps von SA.- Leuten mit Karabinerschießen durchgeführt. So erklärt es sich auch, daß Karabinern benwaffnet durch die Stadt ziehen sehen kann. Da die militante Erziehung bereits in der Volksschule be ginnt, wird Hitler: Deutschland bald ein Bolt in Waffen" sein. Das Funka eichen des Berliner Senders, die Melodie zu dem Text Volf, ans Gewehr!", dürfte bald syms bolisch für das ganze Reich sein und sich tatsächlich an ein in Waffen starrendes Volk wenden." Soweit unser Gewährsmann. Leider sieht er nicht zu schwarz. Die skrupellosen Verantwortlichen an der Spitze des ,, dritten Reiches", die Hitler, Göring und Konsorten, werden das deutsche Volk un entrinnbar in einen neuen Krieg, in neues Elend und zum neuen Zusammenbruch führen. er überhaupt gezeugt, geschweige schon geboren Dem Luftkrieg zu! ist und der ihn sich restlos verfallen erklärt bis zu dem Augenblick, wo noch mit seiner Leiche Staatsvergottung in der„ Heldenverehrung" betreibt, dieser totale Staat anerkennt nicht die Souveränität der Volkes, sondern unterordnet es wie einen Ameisenhaufen einem blinden Machtgößendienst! Dieser totale Staat, der Zeugung, Geburt, Leben, Tob und Gottheit„ gleich geschaltet" hat, hat eine einzige überragende Wahnwitaufgabe: das Volk ans Ge wehr!", das Volk in Waffen!" zur hundert. prozentigen Vollkommenheit zu vermirk lichen. Er kennt keine höhere Zweckbestimmung als die des Blutopfers für das Jdol der Macht: ein solcher totaler Staat mit seiner nationalsoziali. stischen Ideologie ist die fortwährende, andauernde Kriegserklärung an alle übrigen in der Form der fortdauernden Kriegsvorbereitung. Dieser totale Staat um der Macht willen kennt nicht die Kontrollbremsen und Sicherheits. ventile, noch die bestimmende und ausschlag. gebende Zielweisung des demokratischen Staates durch den Volkswillen. Dieser totale Staat hat sowohl die öffentliche Kritik der Presse- und Versammlungsfreiheit, wie die parlamentarische Kontrolle seiner Etatgebarung und Verwendung der öffentlichen Mittel, wie die demokratische Kontrolle und Lenkung seiner Außenpolitik, wie endlich die entscheidende Gesetzgebung durch die Volksvertretung über Krieg und Frieden zum alten Eisen geworfen. Er hat alle Macht auch in seinen außen politischen Beziehungen und in der folgenschwersten Entscheidung über Krieg und Frieden einzig und allein in die Hand einer kleinen Verbrecherclique gelegt, die den foges nannten„ Führer" mit mehr Despotengewalt aus gerüstet hat, als sie vor 1914 selbst die absoluten Monarchen und der Zarismus in Rußland besaßen. Niemand kann die paar Skrupellosen daran hindern, ihre von Tag zu Tag sich vervollkommende Kriegsmaschinerie in Gang zu sehen, wann es ihnen beliebt! Diese Babanque- Spieler und Hafardeure hemmt keine diplomatische Vereinbarung, kein Vertrag, kein Pakt, kein Abkommen und kein noch so feierlicher Schwur! Alle Friedensbeteuerungen aus ihrem Munde sind nur Taktik! Jhr verbrecherischer Machtwahn wird nicht einen Augenblick davor zurückum der schrecken, Machtbehauptung im Innern willen den Krieg nach außen hin zu suchen...! Er wird in neuem noch katastrophalerem 3usammenbruchenden aber Europa muß seine aber Europa muß seine Aufmerksamkeit und feine Kraft darauf konzen. Fieberhaftes Tempo Paris, 16. August. Zum Geschwaderflug Balbos schreibt der„ Quotidien": Der Beweis ist erbracht, daß das moderne Flugwesen ungestört alles durchführen kann, was es will, Man verlangt also von den Franzosen und Engländern, die zum Einkauf auf das Kölner Messegelände kommen, daß fie vorher deutsch lernen. Und ein solches Volt wundert sich über den Rückgang des Exports. und sicher würde es beim Luftkrieg leichter ſein, zum Borfioß zur Schande die Heuchelei auszuholen als abzuwehren. Dann würde es nach dem Grundsatz gehen: Auge um Auge, aber dem Angegriffenen würde das Auge ausgeschlagen werden, und seine Bevölke rung würde hingemordet, seine Städte vernichtet werden, Man rät uns, nach dem italienischen Flug ebenfalls einen gewaltigen Geschwaderflug zu unternehmen, der beweise, daß auch wir die große Reise auszuführen vermögen. Wir sehen die Notwendigkeit dazu nicht ein. Italien hat die Kosten für eine Demonstration getragen, aus der heute alle Welt eine Lehre ziehen kann. Uns scheint es dringender, unser Flugs wesen vorzubereiten, als es aller Welt vor Augen zu füh= ren. Wir sind ungeheuer im Rückstand( andere Blätter be, haupten das Gegenteil, so die„ Volunte“). Lassen wir uns also nicht in eine Art Flugzeugwettbewerb hineinziehen, bei dem wir unsere Motoren abnugen, aber sicher nichts besseres leisten würden als die Flugzeuge Balbos. Machen wir uns eifrig an die Arbeit, zum Paradieren wird immer noch Zeit sein. Flugzeuge! Eine Industrie, die wirklich blüht Berlin, 15. August. Wie gemeldet, liegen bei den JunkersFlugzeugwerken Aufträge für ein Jahr vor, so daß zahl= reiche Neueinstellungen erfolgen konnten. Der DLV. in Weimar hat einige Sportmaschinen gekauft, die demnächst übergeben werden sollen, ebenso der Sächsische GemeindeBeamtenbund fünf Maschinen des gleichen Typs. Das ist natürlich alles nur für den Sportflug gedacht. Export berflüssig Nur nicht französisch und englisch Das frühere Weltblatt Kölnische Zeitung"( Nummer 487) berichtet: An der Rheinseite des Kaffee- Haag- Turms im Kölner Messegelände sind seit Jahr und Tag in großen Buchstaben die Aufschriften zu lesen:„ Santa saves your heart" und Qui boit Santa, dort bien meme les Bebes". Schon lange hatte ich die Hoffnung, sie nicht mehr zu Geficht zu bekommen so auch wieder am vergangenen Sonntag beim Aufmarsch auf der Messewiese aus Anlaß des Ersten Westdeutschen Kriegsopfertags. Jedoch vergeb liches Hoffen! Darura diese Zeilen mit den Fragen: Wie lange noch? Wer ist zuständig? Otto Mölich. ganz gleich unter trieren, diesen Zusammenbruch welchen Voraussetzungen und Umständen er erfolgt frühzeitig so stark zu lokalisieren, daß er die Strafe und die Vernichtung für die Verbrecher, aber nicht den Untergang Europas und der abendländischen Kultur M. B. nach sich zieht. Geiseln für Scheidemann freigelassen Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: „ Der ins Ausland geflüchtete ehemalige Reichskanzler Scheidemann hatte bekanntlich in der New York Times einen wüsten Hetzartikel veröffentlicht, in dem er sich nicht scheute, selbst militärische Interventionen gegen Deutschland zu fordern. Deshalb sind auf Veranlassung des Geheimen Staatspolizeiamtes die in Deutschland lebenden Verwandten Scheidemanns in Schuzhaft genommen wor den. Inzwischen hat Scheidemann in einer öffentlichen Erklärung den in der New York Times erschienenen Artikel als eine Fälschung hinzustellen versucht. Gleichfalls haben die in Schutzhaft genommenen Verwandten dargetan, daß sie sofort nach Erscheinen des Hezartikels ihre Beziehungen zu Scheidemann abgebrochen und der New York Times ihren tiefsten Abscheu über das landesverräterische Verhalten ihres Verwandten zur Kenntnis gebracht haben. Die von der Geheimen Staatspolizei getroffenen Maßnahmen haben somit erreicht, daß Scheidemann in aller Def= fentlichkeit von seinem eigenen Machwerk abgerückt ist. Die Defa fentlichkeit hat zur Kenntnis genommen, wie ein Emigrant feine Verleumdungen gegen Deutschland selbst Lügen strafte. Auf Grund dieser Feststellungen sind die in Schutzhaft genommenen VerwandEs wird in diesem Zusammenhange ten freigelassen worden. darauf hingewiesen, daß auch in künftigen Fällen mit unnachsich tiger Schärfe durchgegriffen wird, falls geflüchtete marristische Elemente vom sicheren Ausland aus gegen ihr ehemaliges Vaterland zu hezzen versuchen." Was ist Wahrheit? Die Gefangennahme der Geifeln hat in der ganzen Welt helle Empörung hervorgerufen. Das Auss wärtige Amt wurde von deutschen Botschaftern und Gesandten mit alarmierenden Berichten überschüttet, in denen anschans lich dargestellt wurde, wie sehr dieser brutale Att an Unschuldigen Deutschland schadet. So blieb der Göring- Polizei nichts übrig, als den Rückzug anzutreten. Wie sie ihn tarnt und mit neuen Ausfällen gegen Scheidemann spickt, macht der neuen amtlichen Heuchelkunft alle Ehre. Unsere Leser wissen, daß Scheidemann von seinem„ Machwerk" nicht ab= gerückt ist. Er konnte vielmehr nachweisen, daß er den frag= lichen Satz, der das Vorgehen gegen seine Verwandten be= gründen sollte, überhaupt nicht geschrieben hatte. Hansmann Die Geiselnahme seines Schwagers und eine Erklärung des Luxemburger Senders Luxemburg, 15. Aug.( Inpreß.) Die Radiostation Luxemburg hat kategorisch erklärt, die deutsche Behauptung, der frühere Landrat Hansmann habe durch den Sender Luxemburg Propaganda gegen Deutschland betrieben, sei erlogen. Hansmann sei der Radiostation vollkommen unbekannt. Diese Bekanntgabe ist deshalb wichtig, weil die deutschen Behörden einen Schwager Hansmanns, einen gewissen Erdbrugger in Dortmund, als Geisel festgesetzt haben mit der Begründung, daß der ihnen entkommene Hansmann im Luxemburger Radio„ Grex Ipropaganda" ges trieben hätte. Dr. O. Gabriel: Mißtrauisches Abwarten Englands Parole im Konflikt Deutschland- Oesterreich London, 14. August 1933. Nichts hat die öffentliche Meinung Englands neben der Judenverfolgung so sehr gegen das Naziregime in Deutsch land aufgebracht, wie der Versuch Oesterreich zuper gewaltigen. In den englischen Volksmassen spielen babei weniger politische Gründe als eine sentimentale zu neigung zum Desterreichertum, die selbst im Weltkrieg nicht ganz unterdrückt werden konnte, eine entscheidende Rolle; diese Gefühle werden von den Politikern und der Bresse für ihre Zwecke benutzt. Man will ein neues Aufleben alldeutscher Eroberungspolitik verhindern, die Europa in Unruhe und Krieg stürzen würde und England zwingen würde, seine Bermittler- und Schiedsrichterrolle zu verlassen und aktiv einzugreifen. Während in England keine unbedingte Gegnerschaft gegen einen freiwilligen Anschluß Desterreichs an ein demokratisches Deutschland bestand, soweit solch ein Anschluß in Frieden vollzogen werden honnte, so ist man hier unbedingt und rücksichtslos gegen jeden Versuch, mit Gewalt Defterreich unter deutsche Heyer schaft zu bringen. In dem Kampf, den die Regierung Dollfuß heute gegen Hitlers Attacken führt, steht ganz England auf feifen Dollfuß gegen Hitler. Dollfuß gehört heute zu den populärsten Männern in England, felbft Sensationsblätter opfern ihm ebensoviel Raum wie irgendeiner populären Sportgröße. Gein Zwergwuchs hat diese Popularität nur noch vergrößert. Zwar stimmen die englischen Linkskreise nicht restlos in die Bewunderung des Austrofaschisten ein, aber solange er den Kampf gegen Hitler energisch führt, sind auch sie bereit, ihm seine eigenen reaktionären Absichten nachzusehen. 味 Ganz England billigt daher das diplomatische Einschreiten der Regierung in Berlin. Und wenn die deutsche Presse auf Befehl von Göbbels ecklären muß, daß der englisch- französische diplomatische Schritt von der Presse erzwungen worden ist, so lügt ausnahmsweise Böbbels einmal nicht. Die Presse, die diesen Schritt erzwungen hat, war in diesem Fall nicht etwa das Werkzeug einiger Interessenten, sondern das Sprachrohr der öffent. lichen Meinung. Das Ergebnis des diplomatischen Schitts wird in Eng land mit sichtlichem Mißbehagen betragtet. Die englischfranzösische Diplomatie hat eine Schleppe erlitten - man empfindet das hier deutlich, wenn es auch nur ſtellen weise ausgesprochen wird, nicht durch Hitler freilich, aber durch Muffolini. Muffolink hat das Versprechen von der deutschen Regierung erhalten, daß sie ihr Bestes tun" würde, um weitere Zwischenfälle mit Desterreich zu permeiden. Wenn dieses Versprechen auch gehalten würde, so hätte Mussolini sein praktisches Ziel, den Anschluß zu verhindern und ein unter italienischer Vormundschaft stehendes politisches Zentrum in Donaugebiet zu schaffen, mindestens teilweise erreicht. Gleichzeitig aber hat Mussolini vermieden, durch Teilnahme am englisch- französischen Schritt offen mit Deutschland zu brechen; denn er kann diese Freundschaft mit Deutschland noch teuer an Frank reich verkaufen; er will nicht offen mit Deutschland brechen, solange Frankreich ihm den Bruch nicht ent sprechend bezahlt hat. Und schließlich glaubt Mussolini den Beweis erbracht zu haben, daß er und nicht mehr England der geeignete Vermittler und Schlichter in europäischen Konflikten sei. England und Frankreich müssen fich trotz der wenig höflichen Antwort, die sie von Deutschland erhalten haben, und trotz des geradezu unverschämt groben, freilich nur für den inneren Gebrauch bestimmten Wolff- Kommuniques gunächst einmal gedulden, da ja das, mas sie praktisch wollten, von Deutschland zugesagt wurde, zwar nicht ihnen, aber doch Italien. Wenn das deutsche Bersprechen an Italien gehalten würde, hätte also die englisch- französische Diplomatie fachlich gesiegt, aber in der Form einer taktischen Schlappe, die man in England. sehr peinlich empfindet Erfreuliches„ Mißgeschick" Was uns ein deutscher Emigrant aus Paris schreibt: Liebe Freunde und Kollegen! Mit anderen Pariser Sitten Ihr werdet sagen Unsitten habe ich die angenommen, Tageszeitungen nicht mehr zu abonnieren- obwohl das billiger ist, sondern täglich einzeln zu faufen. Auch mit der Deutschen Freiheit" habe ich es seit ihrem Erscheinen so gehalten. Vor dem Restaurant, in dem ich zu Mittag effe, befindet sich regelmäßig ein junger Genosse, der die Deutsche Freiheit" vertreibt. Wenn ich ihm täglich ein Exemplar abkaufe, wenn andere das Gleiche tun, und wenn wir dann sehen, wie sich der junge Genosse freut, daß sein Geschäft geht, dann wiegt mir das die Ersparnisse eines Abonnements um ein Vielfaches auf. Aber heute habe ich Pech gehabt. Besuche und Besprechungen hatten mich aufgehalten. Ich fonnte nicht wie sonst in bem gewohnten Lokal zu Mittag effen. Am Nachmittage, als meine Arbeiten in der Stadt erledigt waren und der Weg mich über die großen Boulevards nach Hause führte, war mein erster Gedanke: die„ Deutsche Freiheit" taufen! Der Gedanke war leichter als seine Ausführung.. Nicht als ob es an Zeitungskiosken fehlte, welche die Deutsche Freiheit" vertreiben im Gegenteil. In den Tausenden von Zeitungsfiosfen in Paris, soweit sie sich nicht auf Pariser Zeitungen beschränken, sondern auch ausDie Regierung hat die Parole ausgegeben:„ Mißtrauisches Abwarten" und die englische Presse folgt dieser Parole in bewundernswerter Disziplin. Alle sein solle, wenn Deutschland jetzt seine Angriffe gegen verantwortlichen Blätter erklären, daß der Fall erledigt daß sie daran vorläufig noch nicht glauben, sondern erst Defterreich, einstellt, aber alle Blätter betonen gleichzeitig, Beweise sehen wollen. Zwar ist man noch bereit, die neue un verschämte Rundfunkrede Habichts hingehen zu lassen, aber man kündigt mit aller Deutlichkeit an, daß weitere Angriffe gegen Desterreich die englische Regierung veranlassen würden, den Völkerbund an rufen und eine sofortige Sigung des Rats zu fordern. Die englische Presse ist der Ansicht, daß freundliche Schritte von Nazi- Deutschland nicht verstanden werden, und daß man daher einen anderen Ton anschlagen müfe. Der Berliner„ Times"-Rorrespondent hat bas bereits vor dem diplomatischen Schritt deutlich ausgesprochen, indem er betonte, daß Hitler nach dem Abblasen feines Sozialismus" und der wachsenden Enttäuschung nötig habe und daß man in Nazikreisen der Ansicht sei, ein feiner Anhänger menigstens einen außenpolitischen Erfolg Sieg über Oesterreich gegen die ganze Welt würde das Prestige des Naziregimes im In- und Ausland ungeheuer steigern. Deshalb, so folgert der„ Times"-Korrespondent, würden milde Schritte, hinter denen nicht sichtbar der Wille zum Handeln stehe, in Deutschland keinen Erfolg haben. Wenn man daher auch in England noch hofft, daß die neue Habichtrede nur eine„ wilde Rückzugs fanfare" sei, so ist man doch noch keineswegs beruhigt und fürchtet weitere Berwicklungen. So schreibt der konserva tive„ Daily Telegraph": Wenn die Unruhe in europäischen Fragen in den letzten fechs Monaten fatastrophal angewachsen ist, so ist das offene Predigen eines aggressiven Militarismus in Deutschland daran schuld. Solange das so bleibt, ist es Beliebter..Scherzartikel" Leider ist seine Einfuhr nach Deutschland gesperrt Blatt u. a. gesagt: In der nationalsozialistischen Presse wird von unserem Diese Zeitung könnte man, wenn sie nicht das Deutschtum in so erbärmlicher Weise beschmußte, für einen Scherzartikel haften. Sie führt sich auf, als wenn fie frisch- fröhlich im Wahlkampf gegen den Nationalsozialismus stände und als wenn es feinen 30, Januar und feinen 5. März in der deutschen Geschichte gegeben hätte. Wenn man dieses Schmußerzeugnis liest, so hat man den Eindruck, daß den Redakteuren mit der nationalen Revolution der Verstand geschwunden ist; man wird an das Gekläffe des Hundes, der den Mond anbellt, erinnert. Dieses sozialdemokratische Blättchen ist eifrig bestrebt, den Franzosen flar zu machen, daß sie die Saar befeßen Jazz müssen, daß sie, wenn sie nicht eines Tages selbst vernichtet werden wollen, die Deutschen mit Krieg überziehen müssen. Diese Beute möchten die Bolksabstimmung an der Saar verhin dern, denn sie wissen, daß dann auch Volksgericht überste gehalten wird. Für sie wird nach der Abstimmung übersie gehalten wird. Für sie wird nach der Abstimmung im Jahre 1935 kein Platz mehr an der Saar sein; sie mögen dann zu denen gehen, denen sie heute dienen, die einmall einen großen Führer gehabt haben, der gesagt hat: „ Ich liebe den Verrat, aber haffe den Verräter." Die nationalsozialistische Presse irrt sich: Nicht wir, sondern die Reichsregierung will die Volksabftimmung das durch verhindern, daß fie schon vorher ein Schachergeschäft mit den französischen Kapitalisten um die Saar abschließt. Wir haben mit Vergnügen gelesen, daß unser „ Blättchen" den Nazis soviel Freude macht. Zu ver wundern ist nur, daß der Reichskanzler nicht einigen Mil verkehrsstraße, die den Boulevard Strasbourg kreuzt, ist, es ebenso. Durch Teile beider Straßen führte mich mein Weg, und feinen der Kioske ließ ich aus. Bei mindestens dreißig, Zei tungsständen fragte ich nach der Deutschen Freiheit". Alle kannten die Zeitung, alle hatten sie am Vormittag gegen 11 Uhr eine bestimmte Anzahl von Exemplaren bekommen, aber überall war die Zeitung längst ausverkauft. Eine halbe Stunde etwa habe ich auf die Suche verwandt, dann mußte ich nach Hause, wo Arbeit auf mich wartete. Unterwegs im Autobus habe ich mir vorgenomen, Euch mein erfreuliches Mißgefchic" mitzuteilen und auch zu bit ten, die Zeitungsfiosfe von Paris reichlicher vacsorgen zu lassen, zumal ich überzeugt bin, daß ich nichts einziger die„ Deutsche Freiheit" heute vergeblich zu bekommen versuchte! Im übrigen aber will ich es nach einem so manifesten Be weis des Erfolges der Deutschen Freiheit" Paris nicht unterlassen, Euch und allen, deren Ideen die„ Deutsuje Freiheit" vertritt, Glück zu wünschen. In Paris ist die Deutsche Freiheit" in wenigen Monaten. zweifellos das geworden, was früher einmal Berliner Tageblatt"," Frankfurter Zeitung" oder„ Derdiche Allgemeine Zeitung" abwechselnd waren, das meist gelesene deutsche Blatt. Das ist eine Leistung, zu der man Erdh und unserer gemeinschaftlichen Sache gratulieren muß!, Nur weiter so! ländische Zeitungen führen, ist auch die„ Deutsche Freiben fast tragische Geschichte erhältlich. Allerdings, wie das Erempel zeigt, nicht den ganzen Tag über, sondern zumeist nur innerhalb der ersten Viertelstunden, nach ihrer Ankunft in Paris. Jebenfalls war es heute so: Auf dem Boulevard Strasbourg, einer der Hauptverkehrsadern von Paris, befinden fich man muß das einmal gesehen haben, um es sich vorftellen zu fönnen in Abständen von stellenweise nicht mehr als 20 Meter, auf jeder der beiden Straßenseiten Zeitungsfivste. Auf dem Boulevard Sebastopol, einer anderen HauptPeter und Paul sind Brüder. Peter ist Mitglied der NAP. und begeisterter Hitlerianer. scoting Paul tut das Denken noch nicht aufgeben. Nach einem politischen Disput mit Paul schreibt Peter einen Brief an die örtliche SA.- Leitung, worin er von der Verstocktheit seines mißratenen Bruders pflichtschuldigst Anzeige erstattet. unmöglich, bentiche Versicherungen von friedlichen Absichten ohne Vorbehalt ans zunehmen." Der„ Daily Telegraph" begründet also sein Mißtrauen gegen deutsche Versprechungen mit dem in Deutschland durch die Nazis gezüchteten Geist. Die„ Times" nimmt sich in ihrem Leitartikel vor allem die Wendung der deutschen Antwort vor, die deutsche Regierung wolle ihr Bestes tun", um weitere Konflikte zu vermeiden. Das Blatt schreibt dazu: „ Die Entwicklung der deutschen Beziehungen zu den drei Westmächten in der Zukunft wird davon abhängen, wie gut„ das Beste" ist. Auf jeden Fall ist es eine seltsame Auss drucksweise im Munde einer Regierung, die einen„ totalen Staat" völlig beherrscht, einen Staat, in dem jede Eins richtung und jede Organisation gleichgeschaltet ist oder doch unter strengster Kontrolle steht... Es mag sein, daß in den ersten Tagen der Revolution manche von den Erzeffen, die von den Mitgliedern oder Unterführern begangen wurden, ohne Wissen der höheren Führung ers folgten. Aber diese ersten Tage find längst vorüber. Es war genug Zeit, um die Disziplin, die im ersten Rausch der Machtergreifung unmöglich gewesen sein mag, wieder: herzustellen. Die Zukunft des gegenwärtigen Systems hängt im Wesentlichen von seiner Fähigkeit ab, die Kontrolle über alle seine Anhänger zu behalten und die Gewähr dafür zu geben, daß willkürliche Abänderungen von Recht und Politik ausgeschlossen find. Die Zukunft wäre in der Tat tiefschwarz für Deutschland, wenn wirks lich die Regierung zwar gewillt wäre, in ihren Beziehungen zu Nachbarländern die im Leben der zivilifierten Staaten üblichen Gepflogenheiten zu wahren, aber nicht in der Lage wäre, Flieger und Rundfunkredner daran zu hins dern, Desterreich mit verheßender Propaganda anzus greifen. Aber so ist es ja nicht. Es ist absurd zu behaupten, daß die Häupter des„ totalen" Staates nicht in der Lage wären, diese Ausschreitungen zu beenden, wenn sie es wirklich wollten und wenn es ihnen mit ihrem Wunsch ernst ist, mit anderen Ländern auf der Grundlage gegens seitigen Respekts und gegenseitigen Verstehens zu leben." Also auch hier Borbehalte über Vorbehalte, Mißtrauen über Mißtrauen. Und ähnlich ist die Stellungnahme der übrigen Blätter. Alle berichten ausführlich über die Vorgänge und opfern oft drei Spalten ihres kostbaren Raumes für die Berichte. Ein Beweis, wie groß das Intereffe und wie aufgewühlt die englische öffentliche Meinung ist. sig lionen Deutschen, das Vergnügen macht, unseren„ Scherzartikel" täglich zu genießen. Die nationalsozialistische af die„ Deutsche Freiheit" ganz ungefährlich ist, damit Presse sollte ihren Herrn und Meister davon überzeugen, er diefen beltetten ,, Scherzartikel" ungehindert in Deutsch land verbreifen läßt. Die Geheime Staatspolizei macht aber einstweilen an den Grenzen Jagd auf jedes Exemplar mutung, daß, man brüben uns bitter ernst nimmt. Und der„ Deutschen Freiheit", und das bringt uns auf die Verdas ist recht so. Rassenscheidung Was sich alles tut utalled a Auf Anordnung des Kommissars für die ärztlichen Spizenverbände Dr. Wagner ist es, wie die„ Korrespondenz Brammes." mitteilt, in Zukunft verboten: 1. daß deutschstämmige und fremdrassige Aerzte einander mertreten, frembrassige Aerzte vornehmen oder Ueberweisungen von 2. de deutschstämmige Aerate ueberweisungen an ihnen annehmen, 3. daß deutschstämmige Aerzte frembrasfige zu Konsilien zuziehen oder sich von ihnen zuziehen lassen, soweit nicht die durch die Reichsversicherungsordnung vorgeschriebene ordreungsmäßige ärztliche Bersorgung der Versicherten und ihrer Angehörigen durch diese Maßnahmen gestört wird. Es werden in allernächster Zeit zum Gebrauch für die Mitglieder der Allgemeinen Ortsfranfenfasse und andere Santenfassen und der ärztlichen Hilfe bedürftige Wohlfortsempfänger Verzeichnisse der zugelassenen fremdriffigen und der arischen Aerzte herausgegeben werden, so daß Aerzte sowohl wie Patienten sich jederzeit unterrichten fönnen, welcher Arzt als arisch und welcher als fremdrassig anzusehen ist. Wolle ein Pattent aus der Behandlung eines fremdrasfigen Arztes ausscheiden und einen deutschstämmigen Arzt auf= suchen, so könne er sich von der Kaffe fostenlos einen neuen Krankenschein( Duplikat) ausstellen lassen. mid sid( bair Die SA. beschließt, in der nächsten Nacht einen Befehrungss versuch an Paul zu machen, zu welchem Zweck zwei neue Nile pferdpeitschen vom Zeugamt angefordert werden. Paul erhält rechtzeitig Wind, und es gelingt ihm, einen Grenzschlagbaum zwischen sich und seine Befehrer zu legen. Peter schreibt an Paul einen Brief, worin er fede verwandtschaftliche Beziehung zu einem Subjekt abbricht, das sich in dieser Weise vom Wiederaufbau Deutschlands drückt. Paul veröffentlicht einen Artikel über die deutschen Zustände in einer ausländischen Zeitung. Die Geheime Staatspolizei verhaftet Peter als Geisel für den leider nicht faßbaren Paul, Es ist dies ein Aft der„ staatlichen Vertreter." Weitere Blutsverwandte Pauls sind leider nicht greifbar. Paul veröffentlicht jede Woche einen Artikel über die Zustände in Deutschland. Peter erhält infolgedessen tiefe Einblicke in das Leben der Konzentrationslager. Er muß feststellen, daß Pauls- amtlich als„ Greuellügen" bezeichnete- Darstellungen keines-" wegs übertrieben sind. Peters Begeisterung für das dritte Reich" und seinen Führer hat sich tief unter den Nullpunkt abgefühlt... Pips. Die Deutschen sind ein gut Geschlecht, Ein jeder sagt:„ Will nur, was recht; Recht aber soll vorzüglich heißen, Was ich und meine Gevattern preisen; Das übrige ist ein weitläufig Ding, Das schäß ich lieber gleich gering." Goethe( 3ahme Xenien). Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Anubisibt bt rob boar totz@ Ereignisse und Geschichten Ein Wunder, daß nichts passierte Brief von drüben Spuk bei der Straßenbahn In einer mitteldeutschen Stadt fuhrwerkt ein Trambahnführer herum, mit dem es ein Unglück geben wird, menn nicht ein Wunder geschieht. Es ist mein Vetter Ostar. Vor kurzem hat seine Direktion folgendes verkünden lassen: Jeder unserer Beamten ist verpflichtet, Zeugnis nichtjüdischer Abstammung, erstreckend auf Großeltern und ihre Namen, von Ortsbehörden beizubringen, und hat selbiges binnen zwei Wochen zu geschehen. Oskar freut sich, daß er seinen Vater kennt, auch der Name bes Großvaters ist ihm geläufig. Alle heißen Lauterbach. Gutdeutscher Name, wie man zugeben wird. Aber die Großmutter, was die für eine Geborene ist wer von uns hat das im Kopf? Hilft ihm alles nichts, er muß eine Tagereise in sein Heimatstaff sausen, muß die behördliche Beglaubigung einholen. i Der Bürgermeister schlägt im Kirchenbuch nach. Da steht: Karoline Lauterbach, geborene Friedemann, evangelischlutherisch. Der Bürgermeister schaut durchdringend auf Osfar, dann füllt er die Bestätigungen aus. Wollen Sie, bitte, dazu bemerken, daß meine Vorelter nichtfüdisch find," meint Oskar. Der Bürgermeister legt das Löschblatt brüber: Bet der Friedemannschen kann ich das nicht." Darauf Oskar:„ Aber es steht doch dort- evangelischlutherisch..."# Der Bürgermeister blickt wefenlos ins Weite. Er ist ein Märzgewinnler, die Hitler- Welle schwemmte ihn ins Amt. Er weiß, was er dem Hakenkreuz schuldig ist. Haben Sie eine Ahnung, mein Lieber," er legt die Feder zur Seite, geborne Friedemann merten Sie was? Ich tenne Juden namens Friedmann. Das eee"- er dehnt's wie Gummi haben sie bei Ihrer Großmutter' reingepoltt und die Getauften sind die Schlimmsten! Bringen Sie den Water bei von der Friedemannschen, ich find'n nich.. Ostar steht da wie mit einer Handvoll Fliegen. Macht man fie auf, sind sie fort. Die nächsten Tage fährt Ostar auf seiner Trambahn wie ein Betrunkener. Er prasselt durch die Weichen, daß sich die Schaffner betreuzigen. Der Geist der Ahnfrau verfolgt ihn. Friedemann, denkt er, warum gerade Friedemann? Er hat im Kirchenbuch nach dem Vater der Großmutter geforscht, aber der war nicht aufzufinden. Vielleicht ein uneheliches Kind jüdischer Abstammung, denn ein Unglück kommt felten allein! Die Direktion aber besteht auf ihrem Schein. Der Dezernent ist ein Obernazi und will avancieren. Da fann er sich, wie jeder zugeben wird, keine jüdische Großmutter in den Pelz setzen lassen. Wenn Oskar abends seinen Führerstand verläßt, weiß er faum noch, welche Strecke er gefahren ist. Wenn er am nächsten Morgen wieder draufflettert, ist ihm zum Umfallen. Will er nachts einschlafen, erscheint ihm die Friedemannsche drohend im Traume, bald mit gerader, bald mit trummer Nase wupp ist er munter. Er schließt die Augen wieder und denkt nach altem Schlafrezept an wogende Kornfelder. Kaum hat er das Bild komplett, da wächst aus den Aehren ein geschnörkeltes Etwas hervor. Es ist der Arierparagraph und aus seinen Hafen wird die krumme Nase der Ahnfrau. Mit einem Schreck fährt er empor. Seinen Wagen dirigiert er im Halbschlaf wie ein Verrückter. Immer hat ihn die Großmutter beim Wickel. Kein Auto, kein Verkehrshindernis ist vor ihm ficher. Ab und zu muß er so plöglich bremsen, daß die Fahrgäste durcheinanderfliegen und die Schaffner fluchen. Die fönnen gut reden und fritisieren, die haben ihre Großmutter beteinander. Nur manchmal begegnet er Kollegen mit ähnlich irrem Blick und fahrigem Wesen. Was ist es bei denen? benkt er, auch bei denen die Großmutter? Oder der Großvater? Man redet darüber nicht, überall machen Denunzianten lange Ohren. Es geht um die Stellung. Um sich herum hört er tüchtige Streber mit den germanischen Namen ihrer Ahnen protzen. Grün vor Neib möchte man werden! Vor vierzehn Tagen traf ich ihn. Die Uniform hing ihm schlotternd am Leibe; er hat in wenigen Wochen zwanzig Pfund abgenommen. An den Schläfen dieses Dreißigers graute das Haar. Als er auf seinen Führerstand fletterte, reichte er mir eine fiebrige Hand und sagte:„ Mensch, vergif= ten könnt' ich sie alle... Wo doch selbst Hitler seine jüdische Ahnfrau haben soll!" Er fuhr selbstverständlich los, ehe der Schaffner das Signal gegeben hatte. Zwei alte Frauen hingen halb auf dem Trittbrett. Ein Wunder, daß nichts passierte. Und so prasseln wahrscheinlich Tausende, vom Arierparagraphen verfolgt, vom Geist ihrer Ahnfrau geschreckt, durch Deutschlands Weichen. Wenn ich daran denke, daß auch Lotomotivführer nachts wegen der Oma nicht schlafen, gruselts mich. Auf einer Strecke nach Berlin wurde jüngst ein Haltesignal überfahren. Der Lokomotivführer hat sicher Oskars Krankheit. Jedoch das alles muß wohl so sein. Es muß verschie= dene Völker geben, solche und solche. Jedes Volk muß sein Wesen nach eigenen Gesezen und Paragraphen vollenden. Mögen sich die andern um Kunst und Wissenschaft und alle Welträtsel kümmern die neuen Deutschen haben andre Sorgen. Wir leben zwar im Zeitalter der technischen Wunder, wir überfliegen Europa in menigen Stunden, der ganze Erdteil wird eine Familie, die Welt wird klein vor lauter Entwicklung ringsum und unaufhaltbar international, demnächst wird jeder sein Weltentelefon in der Tasche haben aber wichtiger als all ba 3 tft es für Deutsche, die Papiere der Großmutter in Ordnung zu haben. An diesem Wesen soll die Welt genesen.... Und der Schluß der Geschichte? Sie hat noch keinen. Ueber das Ende werde ich euch noch berichten. Aber wenn ihr von das ist einem Trambahnunalüd in meiner Heimat hört Ostar. Gregor. do and fods and Der Tod der Wissenschaft nd villa ollaan d mochodd and Von Fritz Brügel க bib Warum lieben wir denn die Erde, auf der wir noch leben, und die seltsamen Tiere, die man die Menschen nennt, die einander täglich niederzumencheln streben und deren jedes jedem Heimat und Haus verbrennt? Warum dürfen wir noch mit bitteren Lippen lachen, wenn wir hören, daß und unser Bruder betrog? Warum dürfen wir noch ans der Stille des Schlafes erwachen, Stille, die unser Herz als schmiegsame Rüstung umbog? Warum dürfen wir noch in verhangenen Stuben weinen, wenn wir hören, daß man unseren Bruder erschlug, so wie einer, der an taubem Fels und an schweigenden Steinen mit gleichmütiger Hand zerschellt einen irdenen Krug? dienen, Wir erschufen den Gott, dem fiefie fagen es! ihn, der sterbend in Kirchen und an den Kreuzwegen hängt. und sie töten und quälen und ist vielleicht doch unter ihnen einer, der unseres Gottes, der ihrer ist, gedenkt. Wir erschufen den Gott, der vom Kreuz her die Welt sich betrachtet, und wir fragen uns jeßt, ob er im Sterben nicht lacht und die Menschen mit seinem legten Lächeln verachtet, weil sie aus dieser Erde ein Menschenschlachthaus gemacht. Hi an Neudeutsche Gebrauchslyciklistę? Die deutsche Kunst, nicht zum erstenmal im Dienst des Kaufmanns, bekam anläßlich der Sammlung für die Opfer der Arbeit" einer Reflameaktion der Hitler- Regierungneuen Auftrieb. Das Organ Hitlers veröffentlicht am 4. August eine Probe: „ Auch in Gedichtform ging ein Spendenbegleitschreiben eines Herrn E. Eitner, Neumünster, ein. 471 19019) Ein Sohn des Volkes, durch Energie und eigne Kraft hat es zum Direktor und Fabrikanten gebracht. gebracht.. Doch Wirtschaftsnot und Schurkerei, dazu der Schuldner steifer Besen, dx938 hat ihn genommen und weggefegt, was er geschafft und sein gewesen. tim Die Not umschleicht den eignen Herd, no s du, Adolf Hitler, bist ihm wert, daß der letzte Zehner nun soll wandern, zu den Millionen von all den Andern. Mit unserm Voltskanzler und seiner Macht, mit unfrem Glauben und Willenstraft wird es vollbracht!" Wie echt ist das alles! Ein englischer Fabrikant, so sagt bie Neue Weltbühne" dazu, macht Pleite, weil die Preise schlecht waren oder weil er sonst Pech hatte. Muß ein deutscher Fabrikant zusperren, dann war eine Schurkerei" am Werk, nämlich die der Schuldner, die so infam sind, ihr Geld zu wollen, umsomehr, als sie Gläubiger find. tisdislonil dun on Was man sich zuflüstect Deutsches Ansehen in der Welt mehet sich and 750 Professoren In England hat sich ein akademisches Hilfskomitee gebildet, das sich besonders der aus dem„ dritten Reich" davongejagten Hochschullehrer annimmt. Das Komitee schätzt die Zahl der Entlassenen auf 750 und gibt folgende Statistit: Baukunst und Mufit 45, Literatur und Philologie 47, Philosophie und Theologie 48, Rechtswissenschaften 55, Voltswirtschaft und Staatsrecht 115, Phyfit und Mathematik 105, Maschinenbau und Technologie 15, Chemie 85, Medizin und Biologie 235. An der Spizze des Hilfskomitees steht der berühmte Phyfiker Lord Rutherford. Von einer einzigen deutschen Universität Frankfurt istoriodes 66 Das neue Vorlesungsverzeichnis der Universität Frankfurt gibt erst ein Bild von dem großen Umfang der vorläufigen Beurlaubungen, die im Lehrkörper dieser Hochschule im Hinblick auf die neuen Richtlinien bezüglich Abstammung und politischer Einstellung notwendig geworden sind. An der rechtswissenschaftlichen Fakultät mußten ein ordentlicher Professor für Völkerrecht, zwei ordentliche Honorarprofessoren, zwei Honorarprofessoren, ein Privatdozent und eine beauftragte Lehrkraft beurlaubt werden. In der medizinischen Fakultät sind von ordentlichen Professoren ein Anatom und ein Pharmakologe, ferner ein Honorarprofessor und nicht weniger als 22 nichtbeamtete außerordentliche Professoren zurzeit beurlaubt, darunter allerdings mehrere wegen Uebernahme von Chefarztstellungen an auswärtigen Krankenhäufern, die aus dem Lehrkörper noch nicht ausgeschieden sind. Endlich find 18 Privatdozenten der medizinischen Fakultät zur Zeit beurlaubt. In der philosophischen Fakultät sind je ein ordentlicher Profeffor für englische Philologie, Philofophie und Soziologie, für Sozialphilologie, für semitische Philologie und für mittlere und neuere Geschichte beurlaubt, ferner brei Honorarprofefforen, bret nichtbeamtete außerordentliche Professoren, sechs Privatdozenten und zwet beauftragte Lehrkräfte. Am wenigften beeinflußt ist die naturwissenschaftliche Fakultät: es wurden hier beurlaubt ein ordentlicher Professor für Psychologie, sechs außerordentliche Honorarprofessoren und zwei Privatdozenten. In der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät mußten drei ordentliche Profefforen. davon zwet für Wirtschafts- und Staatswissenschaften und ein Soziologe, beurlaubt werden, ferner ein Honorarprofeffor, sechs nichtbeamtete außerordentliche Profefforen, drei Privatdozenten und zwei beamtete Lehrkräfte. #ist Galgenhumor 4919 i Die Nazis insultierten auf dem Kurfürstendamm einen semitisch aussehenden dunkelhäutigen Herrn. Dieser ist entrüstet und legitimiert sich als der ägyptische Gesandte in Berlin. Jetzt die Nazis:„ Entschuldigen Ew. Exzellenz, so etwas tann in Zukunft nicht mehr vorkommen. Wir werden ja bald alle Juden ausgerottet haben." Worauf der Gesandte lächelnd entgegnete:„ Das haben wir in Aegypten schon vor 4000 Jahren versucht, und Sie sehen ia. was der Erfolo ace wesen ist." allid 49 18 snsdlorssas Hildbug is stripes is And lias astills Kinder beginnen zu zweifeln ,, Jch auch" Die Leiterin der berühmten Töchterschule in Berlin- Wilmersdorf, Trägerin des großen Namens des berühmten deutschen Geschichtsschreibers, hat heute eine unangenehme Aufgabe zu erledigen. Sie muß in den verschiedenen Klassen den Schülerinnen beibringen, daß ein Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Kindern besteht und daß nicht alle jüdischen Schülerinnen in ihren Bänken bleiben dürfen, sondern nur die besten, bis zu einem gewissen Prozentsaz. Die feine alte Dame will in feinem Kind ein Gefühl der zurückSie stößt es so hastig aus sich heraus, daß die anderen Kin der in lautes Gelächter ausbrechen. Da gibt es nichts zu lachen", sagte Fräulein M.,„ ich werde dir vorsichtsweise auch einen Bogen zum Ausfüllen mitgeben." An diesem Tage wurde die zwölfjährige blonde Gertrud eine Erwachsene. Stefan Großmann. ſegung aufkommen lassen; so lange als möglich will sie alle„ So verflucht" Kinder als gleichberechtigt behandeln. Deshalb bittet sie die protestantischen und katholischen Mädels, das Klassenzimmer zu verlassen und auf dem Gange zu warten, bis sie wieder hereingerufen werden. Die große Mehrzahl der zehn- und elfjährigen Schülerinnen trappelt hinaus. Vier Schülerinnen bleiben zurück. Sie sind mosaischer Konfession und die Schulleiterin gibt ihnen vorgedruckte Formulare, die ihre Eltern zu Hause ausfüllen müssen. Es ist nicht ganz leicht, den Mädchen die Fragen nach der Abstammung ihrer Eltern und Großeltern zu erklären. Plötzlich wird die Tür aufgerissen und die lange Gertrud, ein zwölfjähriges, blondes, aufgeschoffenes Mädel, stürzt jählings herein. Tois Etwas ungehalten über den Einbruch sagt Fräulein M.: Warum störst du uns?" " Ich weiß nicht stottert die aufgeregte Schülerin,„ ob ich auch auf den Gang gehöre. Die andern fagen, ich muß herein. Meine Großmutter war nämlich eine Jüdin." Der gleichgeschaltete Dichter Rudolf Binding hat in einer Polemik gegen Romain Rolland, der verbanntes deutsches Geistesgut zu verteidigen wagte, den Satz ausgespien: „ Goethe, den Sie( Romain Rolland) auch hier als einen der großen Weltbürger anführen... ist so verflucht deutsch, wie Göring oder Göbbels oder Göring oder der SA.- Mann Müller oder ich". Deutsch ganz gewiß! Aber so verflucht wie Göring oder Göbbels oder der SA.- Mann Müller oder Binding? Wenn Tote fich wehren könnten, würde aus der Fürstengruft zu Weimar ein„ Nein!" empordonnern, das selbst die wattierten Wände der neudeutschen Dichterakademie erzittern ließe. Die wirkliche Begabung zeigt sich erst in den Wagniffen und in Besiegung von Gefahren, die eine geringerer Kraft ficher zu Fall gebracht hätten." Fontane. DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Die„ Räuber" gefährden Brief nach der Scheidung Von Erich Kästner die öffentliche Sicherheit arbin qu Ein unbekanntes Gutachten des größten deutschien Juristen Bor kurzem war der 100. Todestag von Anfelm Ritter von Feuerbach. Durch seine Arbeit er: fahren Strafrecht und Strafprozeß einen bedeutsamen Fortschritt. Ihm verdankt Deutschland die Beseitis gung der Folter und durch seine Schriften über Deffentlichkeit und Mündlichkeit gerichtlicher Berhands Inngen hat er ben Sieg dieser Grundregeln einer mos bernen Rechtspflege herbeigeführt. Auch die gerade neuerdings wieder zu Ehren gekommene Abs fchredungstheorie ist auf seine Arbeit zurücks zuführen. Nachstehend geben wir einen Beitrag zu Feuers bachs Stellung zu den Räubern", die für feine Auffassung vom Wesen der Strafrechtspflege tennzeichnend ist. Es war die Zeit, da in Bayern Beamte und Professoren an Galatagen und bei Staatsvifiten noch ihre Zöpflein tru gen, ba flatterte auf den Tisch des allgewaltigen Minister präsidenten Graf Montgelas ein Schreiben seines Kollegen, des Justizministers Graf Reigersberg, datiert vom 14. April 1811, das noch fünf Jahre später Montgelas den Anlaß gab, Schillers„ Räuber" von den Münchner staatlichen Bühnen zu verbannen. Das Bürgertum bevorzugte die melodiöfen Wiener LuftSpiele und die augkräftigen Boltsstücke der Ritter- und Räuberromantik. Den Winterspielplan 1810/11 beherrschte der Räuber allerkühnster, Rinaldo Rinaldini. Zu den Besuchern zählte fein Geringerer als Johann Paul Anselm von Feuerbach, der Schöpfer und Begründer der neuen deutschen Strafrechtslehre und Vater der Rechtsphilosophie. Die Erbitterung darüber, daß auf der Bühne das Verbre then über die Gerechtigkeit triumphiert und der Bösewicht bemitleidet wird, fraß sich in Feuerbachs empfindliches Juristenhers. Den großen Kriminalpsychologen verlegte es bis ins Innerfte, daß Recht und Wahrheit sich zu einem Räuber flüchten mußten, der allein noch wagt, Schirmer der Armen und Unterdrückten, Rächer der Frevler und Verfechter der Wahrheit zu sein. Eine Kampfnatur, immer ursprünglich und anregend, warf Feuerbach am 26. Jänner 1811 mit hinreißendem Schwung ein Gutach ten an den Justisminister Reigersberg hin. Dieses für die Theatergeschichte denkwürdige Gutachten über das genialfte Kardinalstück der Sturm- und Drangperiode ist der Feuerbach- Forschung bisher entgangen: " Als Schillers berühmtes Schauspiel„ Die Räuber in Deutschland Epoche machte, sahen fast alle Regierungen sich veranlaßt, die Aufführung dieses ebenso geistvollen als fit tengefährlichen Stückes zu verbieten. Nicht übertriebene Aengftlichkeit, nicht mönchische Engbrünstigkeit, sondern die Erfahrung selbst nötigte zu dieser Maßregel. Junge Leute, getrieben von einer regen Phantasie, gewannen mit dem edelmütigen Räuberhelden das Leben der Freiheit in den Wäldern lieb und meinten, durch ein so glänzendes Beispiel belehrt, daß es eine Art Verdienst, eine nur von gemeinen Seelen verbannte Tugend sei, durch Diebstahl und Raub die Ungleichheit des ungerecht austeilenden Glückes, soviel an ihnen, in ein gerechtes Ebenmaß zu bringen. In Sachsen hatten Räuberbanden diesem Trauerfpiel ihre Entstehung zu verbanten und noch jetzt darf in den allerwenigsten Staaten Deutschlands diese Jugendarbeit unseres größten Schauspieldichters aufgeführt werden. Dies geschieht in allen Ländern, wo man weiß, was zur Polizei geHinter den Filmkulissen Wieviel Herzen geraten täglich in Wallung, wenn sie ihren Liebling auf der Leinwand erscheinen sehen! Die tägliche Rorrespondenz eines Filmstars, die der eines vielbeschäftigten Kaufmanns an Umfang nicht nachsteht, gibt davon ein überraschendes Bild. Es wäre recht heilsam für manchen Schwärmer, wenn er einmal einen Blick hinter die Kulissen des Filmlebens werfen könnte, selbst auf die Gefahr hin, baß ihm eine entgötterte Welt zurückbleibt. Eine der verführerischsten Persönlichkeiten des Films ist zweifellos Menfou, der Mann mit den verbindlichen Umgangsformen und dem berückenden Lächeln. Die Filmschauspielerin Katherine Carver, seine Gattin, stellt ihm jedoch tein besonders günftiges Zeugnis aus. In ihrer Scheidungsklage wirft fie ihm ein jähzorniges und wütendes Temperament vor, das zu furchtbaren Zornesausbrüchen führe. Der auf der Leinwand so zarte Liebhaber soll seine Frau in der Wut mit dem Revolver bedroht und beständig mit ihr gesanft haben. Oft sei er betrunken gewesen. Dieses Charakterbild wird wohl etwas übertrieben sein. Recht zweideutig mutet es an, wenn die Filmdiva ihrem früheren Geliebten auch Steuerhinterziehung vorwirft. Menjou selbst bestreitet energisch die historische Treue dieser Charakterschilderung und gibt lediglich zu, aufbrausend und launenhaft zu sein. Doppelselbstmord, der keiner war Die bulgarische Oeffentlichkeit erlebt wieder einmal eine fener für das Land so charakteristischen romantischen Ltebesgeschichten, die sämtliche sonstigen Tagesfragen in den Hintergrund stellen. Vor etwa zehn Tagen entdeckte man im Rotaliansti- Kloster, daß die Tür des jungen Mönchs Antoni verschlossen war und er selbst auch nicht erschien. Als man eindrang, fand man zwei leblose Körper auf dem Lager vor, den Mönch, und neben ihm ein blutjunges Mädchen, eine Schüt lerin aus einem Gymnasium in Sofia. Beide hatten sich mit Salzsäure vergiftet, da, wie sie in einem hinterlassenen Briefe schrieben, ihre Bereinigung unmöglich war. Das junge Mädchen, namens Mitschon, war tot, während der Mönch hört, und wo die Sittenpolizei für einen wesente is lichen Bestandteil der Sicherungspolizei gehalten wird. Schon lange wollte ich Eure Exzellenz auf einen unerhörten Unfug aufmerksam machen, der in dieser Hinsicht in hiefiger Residenzstadt unter den Augen der freilich wa chend schlafenden Polizei" getrieben wird.. Seit mehreren Monaten wird fast alle Wochen in dem Weinmüllerschen Theater vor dem Isartor das Leben des berühmten Räuberhauptmannes Rinaldo Rinaldini, bei vollem Hause, vor Alten und Jungen aufgeführt. In diesem Stück, dem ich selbst beigewohnt habe, werden alle Diebsstreiche, die greulichsten Räuberszenen, die verruchtesten Banditenstreiche, so recht son amore auf die anlockendste Weise auf der Szene dargestellt... Schil Iers Räuber find gefährlich und waren es; aber sie sind doch das Werk eines großen Genies und sagen nicht jedem zu, sind nur den Gebildeten verständlich, nur dem genialen Feuerkopf gefährlich. Aber dieser Rinaldo Rinaldini, ein dramatisierter elender Roman des Bibliothekars Pulpius, hat ein weit größeres Publikum, weil er platter, gemeiner und daher auch dem Ungebildeten verständlicher ist.... Die Polizei, welche die Aufführung solcher Stücke erlaubt, macht fich zum allerwenigsten der Jugendverführung schuldig und wird der Verbrechen teilhaftig, zu welchen aus solcher Veranlassung die Gedanken in jungen unschuldigen Gemütern entstehen müssen. Wie ich aus nicht unsicherer Hand in Erfahrung gebracht, haben mehrere Knaben der hiesigen öffentlichen Schulanstalten sich auf gegenwärtigem Jahrmarkt zur Verübung mehrerer Diebstähle vereinigt. Wie dem auch sein mag, so bin ich doch überzeugt, daß Eure Er zellenz als Justizminister, dem die Respizierung des Kriminalwesens obliegt, fich veranlaßt fühlen dürfen, an das Ministerium des Innern das Anfinnen zu stellen, daß solche fittenverderbende Stücke, welche geradezu und unmit telbar zu den größten Verbrechen Anleitung geben und dazu unter dem Scheine der Tugend und des Edelfinns auffordern, von Polizei wegen streng verboten werden." Auf Grund dieses Feuerbachschen Gutachtens wurde mit Billigung des bayerischen Königs„ Rinaldo Rinaldini" und kurz darauf auch der Banditenhauptmann„ Carlo CaroIini" vom Spielplan verbannt. Am 2. Mai 1816 wurden am Königlichen Theater am Isartor zum erstenmal Schillers Räuber" gegeben, am 4. und 5. Mai wiederholt. Die zeitgenössische Theaterkritit nannte diese Erstaufführung der Räuber" feit langem eine der merkwürdigsten Erscheinungen auf dieser Bühne. Der vortragende geheime Rat in Juftisfachen J. A. P. von Feuerbach, der unbequeme Eiferer der wieder auffommenden fatalen Deutschheit" war schon seit zwei Jahren durch die Versetzung in die Provinz nach Ansbach unschädlich gemacht. Aber vielleicht hatte der Justizminister selbst an der Ankündigung von Schillers„ Räubern" Anstoß genommen; denn schon am Tage der Erstaufführung brachte er Feuerbachs Gedankengänge beim Ministerpräsidenten in Erinnerung. Der Ministerpräsident seinerseits sah sich durch die wiederholten Aufführungen von Schillers„ Räubern" bewogen, dem Hoftheaterintendanten Delamotte das Verbot des Jahres 1811 wieder einzuschärfen. So ward unter dem aufgeklärtesten aller bayerischen Minister das Freiheitsdrama des deutschen Lieblingsdichters noch Jahre nach seinem Tode auf Grund des Gutachtens eines anderen großen deutschen Freiheitskämpfers verboten. Von der Polizei wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherbeit verboten! fich rasch erholte. Wie die Untersuchung herausstellte, hatte er nur sehr wenig Salzsäure zu sich genommen. Die weiteren Umstände ergaben, daß der Fall anders lag Nun bist du fort. Schon seit Sonnabend abend. Merkwürdig, wenn man so alleine ist und die Erinnerung an Dich begrabend, empfind ich, wie lebendig Du noch bist. Der Rater Pünktchen spielt mit seinem Ball und gudt manchmal, als ob er Dich vermißt. Und Kunz, der Dackel, sucht Dich überall. Wie soll man ihm erklären, wo Du bist? Ich bin allein und troßdem unzufrieden. Ich bin allein und doch noch Peffimift. Mein Wunsch hat sich erfüllt. Wir sind geschieden. Ich wüßte gern, ob Du mir böse bist. Die Sache mit Katinka ist zu Ende. Wie eilig unsereins so was vergißt! Nun siz ich hier und zähle die vier Wände und frag mich, ob auch Du so einsam bist. Erft feit Du fort bist, wurdest Du mir wichtig. Ich sage das, obwohl es tindisch ist. Erft feit Du fort bist, liebe ich Dich richtig. Und schreibe bald, ob Du gut angefommen bift. Die Stufenpyramide von Sakkaro Die Stufenpyramide von Sattara ist die älteste ber uns befannten. ägyptischen Pyramiden und Königsgräber, das Wahrzeichen des berühmten Pyramidenfeldes von Sab fara, der Stätte des alten Memphis am Westufer des Nils etwas stromaufwärts von Kairo. Die Pyramide, die aus sechs stufenförmigen Stockwerken besteht, ist das Grabmal des Begründers der dritten Dynastie, der vor beinahe 5000 Jahren als Pharao Zoser die Residenz Aegyptens von Ober. ägypten nach Memphis verlegt hat. Das Innere der Pyramide war bereits seit 110 Jahren bekannt, aber erst in diesem Jahre gelangen wichtige neue Feststellungen. Im Jahre 1928 hatte die archäologische Verwaltung der ägyptischen Regierung eine Reihe von Grabkammern gefunden, die mit blauen Fayencen ausgeschmückt waren. Im Fußboden einer dieser Kammern war ein von Räubern gegra benes Loch gefunden worden, das in tiefer gelegene Rammern und Gänge führte, die 32 Meter tief unter dem Erda boden verliefen. In diesem Frühjahr sind nach längeren Bemühungen diese Gänge durchforscht worden. Sie sind teilweise mit Holz ausgelegt, eine im alten Aegypten seltene Ausschmückung. Am Ende des 30 Meter langen Ganges fand man zwei schöne Alabaster- Sarkophage, von denen der eine leer war, der zweite aber einen hölzernen Sarg und die Ge beine eines zwölfjährigen Mädchens, wahrscheinlich der Tochter Zosers, enthielt. Dieser Fund ist von doppelter Be deutung. Er weist darauf hin, daß in dieser ältesten Zeit die Pyramiden nicht wie bisher ausnahmslos Begräbnisstätten einzelner föniglicher Persönlichkeiten, sondern einer ganzen töniglichen Familie gewesen sind, eine Annahme, die noch dadurch bestärkt wird, daß man am Ende anderer, wie die ganze Pyramide, viel geplünderter Gänge Bruchstücke weiterer Alabasterfärge fand. Daneben ist auch die für das alte Reich unvermutete Vollendung der Holzarbeit des Holzfarges von Bedeutung. Der Sarg bestand von allen Seiten aus kunstvoll zusammengeschlossenen sechs Schichten von Ze dernholz, die mit einer Goldplatte bedeckt waren, die an den Ecken mit Hunderten kleiner goldener Nadeln befestigt war, die man noch heute dort findet, da die Räuber sie nicht entfernen konnten. Neben diesen Ergebnissen treten die Funde einiger großer Alabastervasen an Bedeutung weit zurüd. als beim ersten Augenschein. Der Mönch hatte, um der Liebe Lachen nicht verfernen des Mädchens zu entgehen, den Plan des gemeinsamen scheinbaren Selbstmordes ausgedacht, der ihm auch geglückt war. Die Behörden verhafteten ihn, die orthodore Kirche forderte ihn jedoch für ihre Gerichtsbarkeit. Der Mönch Antoni warf daraufhin seine Stutte ab, und gegen Hinterlegung einer Garantie von 5000 Lewa entging er sogar der Inhaftierung. Nun erwachte jedoch das moralische Gewissen der Deffentlichkeit. Ein Preffefeldzug gegen den ehemaligen Mönch Antoni begann, auf der Straße wurde er sein Bild war in allen Zeitungen erschienen- beschimpft und verjagt, und selbst seine Freunde sagten sich von ihm los. In seiner Verzweiflung ging er auf den Kirchhof von Sofia, legte einen Blumenstrauß und ein filbernes Kreuz auf dem Grabe Mitschons sowie einen Brief nieder, in dem er ihre Verzeihung anfleht, und erschoß sich dann. Efiret die Frauen! Schillers poetische Mahnung ist kein Freibrief für alle Schwächen, so dachte sich vielleicht der Oberbürgermeister von Nürnberg, als er einen neuen Geist auch im Umgang mit Frauen dekretierte. In einem Rundschreiben ersuchte er die städtischen Beamten, ihre Ehefrauen zu veranlassen, daß fie sich hinfort nicht mit dem Titel des Mannes zierten. Zur Führung des Amtstitels sei nur der Beamte selbst berech tigt. So lautet die Verfügung, wie sich jedoch die Gespräche mit den besseren Hälften abwickelten, das drang nicht in die Deffentlichkeit. Die Maßnahme des Nürnberger Diktators tönnte die Stadt teuer zu stehen kommen; welches Unheil, wenn die Beamten in das Titelparadies der übrigen bayrischen Städte abwandern würden! In einer anderen Ecke des Reiches wird sogar der Kampf gegen Lippenstift und Schminke aufgenommen. In Schlesien darf hinfort fein geschminktes Mädchen nationalsozialistische Versammlungen betreten. Das„ Rassebewußtsein" müsse diese Art der Schönheitspflege verbieten. „ Ja, gnädige Frau, ich weiß nicht, ob ich die Stelle annehmen soll. Sehen Sie mal, Sie haben eine große Familie, und ob ich die Arbeit schaffe? Sie haben wohl Ihre Mädchen immer nicht lange?" " N- n- nein, allerdings nicht. Wissen Sie, um die Ede ist nämlich die große Fabrik, da sind so viele junge Arbeiter, und kaum habe ich ein Mädchen da wird sie mir weggeheiratet." „ Na, gnädige Frau, ich werde's doch mal versuchen." Ich war für eine Nacht in dem kleinen Landgasthaus in H. abgestiegen und bat, mir eine Wederuhr ins Zimmer zu stellen. Der Hausknecht tam gleich darauf mit einer Schwarz wälder Rududsuhr angegangen. Unser Wirt läßt schön grüßen, aber' ne Weckeruhr hat er leider nich. Sie möchten doch die hier nehmen, die weckt Sie jede halbe Stunde." * „ Sie sagen, daß dieses kleine Auto nichts taugt. Ich verfichere Ihnen: wir verkaufen Dußende davon!" „ Das will ich gern glauben. Wie teuer ist denn das Dugend?" „ Ich hab gestern für meine Frau einen Papaget- betommen." Sie Glücklicher, bei mir findet sich kein Dummer, der so'n Tausch machen würde." Der Schulrat prüft die Klasse. Gerda wird an die Tafel gerufen, einen richtig interpunktierten Saz anzuschreiben. Sie ist so aufgeregt, daß die Lehrerin erklärt:„ Die Kleine hat nämlich unüberwindliche Schwierigkeiten mit den Kom matas." Das schadet ja gar nichts", tröstet der Schulmann das Kind, Kommas sind gar nicht so wichtig!" Die Kleine strahlt, Fräuleins Gesicht wird lang.„ Also, Gerda," sagt sie dann, schreib jeßt:„ Der Herr Schulrat sagt die Lehrerin macht's falsch." Hast du?- Gut! Jetzt seb hinter Schulrat und Lehrerin je ein Komma." ds Wilhelm II. hat sieben Autos Der zweitältefte Sohn des Extronprinzen Louis Ferdis nand, der bei Ford in Amerika beschäftigt ist, plaudert zu Einbrecher und ,, Hofrat" amerikanischen Journaliſten über einen Besuch in Doorn: Die angehenden Eroberer Luxemburgs Großpapa amüsierte sich köstlich über meinen Versuch, ihm einen Ford zu verkaufen. In Doorn hat er eine Menge hochwertiger Wagen und er sagte mir, ich würde nie ein guter amerikanischer Geschäftsmann werden, wenn es mir nicht ges länge, ihn zu überzeugen, daß ein amerikanischer Wagen beffer ist als die von ihm benußten. Er hat sieben und fie find alle sehr tener." Als wir neulich auf Grund amtlichen Materials sein Bermögen auf 700 Millionen Reichsmart bezifferten, tat er fo, als set er ein verarmter Mann. Der Schlächter von Verdun Sage mir, wer dich lobt und ich werde bir sagen, wer bu bist. Der deutsche Erkronprinz hat sich im„ Evening Standard" für das neue Deutschland in die Heldenbrust geworfen. Die Weltgeschichte könne, so meint der Ausreißer, kein anderes Beispiel einer Repolution liefern, die so frei von Blutvergießen und Ungesetzlichkeiten" set, wie die hakentreualerische. Daß Hunderte viehisch erschlagen, Tausende in Konzentrationslager gesperrt, gefoltert und geschlagen wurden, daß Männer wie Stelling in nichtwiederzuerkennender Weise zu Tode geschunden, Frauen mißhandelt wurden das alles ist diesem prinzlichen Helden der Etappe nichts. Die Hohenzollernprinzen veranstalten seit längerem ein Wettrennen um die Gunst der neuen Herren. In ihren Vorzimmern stehen sie sozusagen als Pagenstaffage. Die Monarchie könnte plößlich fällig werden! Wer am meisten schweifwebelt, hat die meisten Chancen. Lumpen mit Hakenkreuz Auch so etwas gibt es sozialistische Presse sagt die nationalDer Westdeutsche Beobachter", das Naziblatt für Köln. Aachen, bringt einen fürchterlich radikalen Artikel gegen die Bedburger Linoleumwerke. Sieht man aber genauer zu, so quillt die Erregung nicht aus dem Ethos über die Ausbeutung der Arbeiter, gegen die Gewerkschafter beider Richtungen seit langen Jahren gerade in diesem dunklen Bezirk angekämpft haben, sondern aus der Tatsache, daß der Sohn des Direktors mit einer Jüdin verheiratet ist. Besagter Rassenschänder aber ist mit dem Hakenkreuz auf deutscher Brust herumgelaufen, und das scheint nicht einmal ein Einzelfall zu sein, denn das Naziblatt tobt und droht: 3:45 Der foeben als besonders verabschenungswürdig ges fchilberte Fall steht nicht einzig da. Auch heute noch gibt es in unfrem Vaterlande sehr viele Unternehmer vom Schlage eines Holtkott und Genossen, die oftentativ bas atentreuzzur Schantragen, im Junersten thres Herzens aber noch genau dieselben Lums pen und Arbeiterverräter sind wie früher. Die Männer des neuen Staates werden sie an finden wiffen, einen nach dem anderent Man wird sie zu finden wiffen", bis der hochkapi talistische Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt und der von ihm geführte„ Führer" Adolf Hitler zurückpfeifen, bann werden auch die halbjüdischen Hakenkreuzler in Ruhe gelassen werden. Rassenfrage ist Nebensache, wenn die Rassenfrage zur Entscheidung steht. Nur 30 Pfennig" Die ganze Sturmbannherrlichkeit Biel hat Hitler von seinen Versprechungen nicht gehalten. Den Kampf gegen Warenhaus und Konsumverein hat er auf unbestimmte Zeit vertagt, die Revolution erklärte er für beendet und die Aufteilung des Großgrundbesizes im Osten Iteß er hübsch bleiben. Aber etwas mußte schließlich zur Beruhigung der rebellierenden SA.- Leute getan werden. Also gab man ihnen neue Chargen. Der Mann in der Doppelreihe tann fest, wenn er schön brav bleibt, immerhin einige Sproffen auf der Kommandoleiter erklimmen. Neben Sädelund anderen hohen Warten gibt es nun in der SA. nicht weniger als achtzehn Rangstufen. Wir wollen sie der Kuriofität halber einmal alle aufzählen: SA.- Mann, Sturmmann, Rottenführer, Scharführer, Oberscharführer, Truppführer, Pfälzer Brief Die allgemeine Lage Der Druck auf unsere Leute verschärft sich von Tag zu Tag. Ein Zusammenstehen bekannter Beute von uns ist schon gar nicht mehr möglich. Gemeinsame Spaziergänge, wie dies immer üblich war, sind heute sehr riskant geworden. Es ist sogar vorgekommen, daß das Ueberfallkommando an einen Babeweiher gerufen wurde, weil dort mehrere Marristen beim Baden beisammen waren. Die Wohnungen werden überwacht, wobei die lieben Nachbarn sehr eifrige Angeber find. Alle fremden Personen, die Besuche machen, werden in den fleineren und mittleren Städten auf Schritt und Tritt beobachtet. Die Haussuchungen reißen nicht ab. Die Briefpost wird ziemlich streng überwacht. Man sieht bei vielen Brie fen, daß sie geöffnet sind. Es finden fortgesetzt Entlassungen von Vertrauensleuten der Arbeiterbewegung statt. Wenn dies nicht in noch größerem Umfang geschieht, so nur des halb, weil gleich qualifizierte Arbeitskräfte nicht vorhanden find. Die meisten sogenannten alten SA.- Leute sind große Stromer, die gar nicht auf ständige Arbeitspläge in den Fa briten reflektieren, oder gar nichts gelernt haben. Das ist noch bie einzige Chance für unsere Leute, sie sind als Qualitätsarbeiter unentbehrlich und es hat wegen der Forderung auf Entlassung schon ganz dramatische Szenen zwischen Fabrikanten und NSOB. gegeben. Wirtschaft: sehr schlecht Die Frage nach der Wirtschaftslage wird immer mit sehr fchlecht beantwortet. Wo vorübergehend scheinbar eine Bes ferung eingetreten war, wird heute wieder Kurzarbeit verfügt. Auch in der Textil industrie, die vorübergehend sehr gut beschäftigt war, im Verhältnis zu der langen Stagnation, ist wieder ein Rückschlag eingetreten. In der Metall branche sieht es ganz schlimm aus. Der Exportrüdaang macht sich bei den Eisenwerfen, bet Sulzer, bei den Nähmaschinenfabriken start bemerkbar. Die Gewerbetreibenden flagen fast burchweg. Es ist ein sehr fühlbarer Rauftraftschwund Man schreibt uns aus Luxemburg: Bisher war eine offene Propagierung des nationalsozialistischen Gedankens unter den deutschen Kreisen nicht zu beobachten. Jedoch beginnt nunmehr eine starke aftive Tätigfeit der Braunhemden, um von den 256 000 Einwohnern Luxemburgs die nahezu 22 000 Reichsdeutschen im Lande zu erfassen. Als Hauptagitator betätigt sich der frühere Hüttenarbeiter Wilhelm Dir aus Esch an der Alzette, der wie alle seine Vorgänger in Deutschland nunmehr nach Eintritt in das Privatleben" auch aus Mitteln der Parteikassen lebt. Dig berief am Samstag, den 29. Juli, in Esch eine Versammlung ein, an der sich 40 Männer und eine Frau beteiligten. Keiner der anwesenden Versammlungsteilnehmer ahnte wohl, daß ihr trefflicher Präsident im Jahre 1920 wegen schweren Diebstahls zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde unter gleichzeitiger Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Im Verlaufe seines Vortrags gab Dir die Erklärung ab, daß der deutsche Gesandte in Luxemburg als hoher Parteifunktionär anzusehen sei. So würden auch die Beitrittsgesuche zur NSDAP. von ihm geprüft werden, wie es ihm auch vorbehalten set, eingesezte Unterführer in den Ortsgruppen zu ernennen. Der sowieso in Lethargie verfallene Bund der Auslandsdeutschen" wurde von Dir als aufgelöst erklärt. Besonders hob der Redner hervor, daß jeder, der nach Deutschland zurückkehren beabfichtige und dort Arbeit zu finden hoffe, vorher in die Nazipartei eingetreten sein müsse. Kaum glaublich klang die Erklärung aus dem Munde Dig, daß diese erste Versammlung mit Genehmigung der Luxemburger Behörden stattfände. Einen sehr prägnanten Saz sprach dieser ehrenwerte Arbeiter:„ Wir haben keine Vergeltung geübt, dann hätten wir Tausende erschlagen müssen." Natürlich wurde das Schanddiktat von Versailles" in Grund und Boden verdammt. Einige Tage später rafften sich auch in Luxemburg- Stadt die Anbeter des dritten Reiches" zu einer ersten Susam menkunft auf. Das Präsidium führte ein Geheimer Sofrat Profeffor Dr.- Ing. et jur. K. A. Hildebrand, Viktor Sugo- Straße 75 wohnhaft. Seine Gesinnungskumpane hatten von dem Vorleben des erlauschten Hofrats ebenso wenig Ahnung wie die Versammlungsteilnehmer in Esch von dem des Hüttenarbeiters Dir. So weiß, das„ Escher Tageblatt" am Mittwoch, dem 9. August, höchst ergößliche Begebenheiten aus dem Leben dieses Abenteurers zu berichten. In furzen Worten sei zusammengefaßt, daß dieser Geheime- Rat"-Titel auf fümmerlichen Schleichwegen zustande kam und zwar durch einen Hofbeamten des ehemaligen Herzogs von Coburg. In Wirklichkeit, betont das Escher Organ, versteckt sich hinter In Wirklichkeit, betont das Escher Organ, versteckt sich hinter der Persönlichkeit des Herrn Hofrats" fein anderer Mann, als der frühere Techniker Hildebrand, der in allen Titelschieber- Prozessen der letzten Jahre eine unglimpfliche Rolle vor den deutschen Gerichten spielte. Denn Hildebrand hat niemals ein, ordnungsmäßiges akademisches Schlußeramen vor einer staatlichen Prüfungskommission abgelegt. Er war 1918, als die Revolution in Deutschland ausbrach, einer der unzähligen kleinen Bautechniker, mit denen man gerade zu jener Zeit die Straßen hätte pflastern können. Auf der Zeppelinwerft in Friedrichshafen hatte er als DurchschnittsRönner nur einen bedeutungslosen Posten inne. Ad Von Belgien, wo er sich einige Zeit aufhielt, mußte er vor der Polizei nach Luxemburg förmlich flüchten, weil 4-1611956 ihm die zahlreichen polizeilichen Haussuchungen schließ lich zu bunt wurden. Die Behörde entdeckte nämlich seine Mitwirkung bet allerlei dunklen Machenschaften. Bis, vor wenigen Wochen vermied er es ängstlich, den Boden der deutschen Gesandtschaft in Luxemburg zu betreten. Selbst zur Beerdigung seines Vaters wagte er nicht nach Deutschland zu reisen, jetzt aber bei„ Anbruch der Morgenröte im Hitlerreiche" stellt er seine„ treudeutsche" Gesinnung aus begreiflichen Gründen in den Vordergrund. So sehen die führenden Geister der reichsdeutschen Nazis agitatoren im Großherzogtum Luxemburg aus. Man darf sehr gespannt sein, was die sonst sehr energische Frembenpolizei zu diesem höchft gefährlichen Harles finspiel sagt und unternimmt. Es ist eine bewiesene Tatsache, daß die jüdischen Geschäfte in Luxemburg seit dem 1. April, also dem Tage der Boykotterklärung gegen die Juden, von den Nationalsozialisten gemieden werden. Einige der allzu vorlauten Nazis haben verlauten lassen: Hitler müsse auch über Luxemburg herrschen und den Juden dieses Landes bliebe das gleiche Schicksal wie ihren deutschen Glaubensbrüdern. Und troßdem leben einige dieser traurigen Gesellen lediglich aus Einkünften und Positionen, die sie durch jüdische Geschäfte besigen, Eine in lezter Woche von den Nazis in Düdelingen ein berufene Gründungsversammlung flog durch das kraftvolle Eintreten des sozialdemokratischen Gemeindeschöffen Biever glatt auf. Biever erklärte, die deutschen Nazis als höchst untaugliche Subjekte, die die Gastfreundschaft des Landes schändlichst mißbrauchen und er kündigte gleichzeitig an, daß durch Gemeindebeschluß derartige Versammlungen in Düdelingen zufünftig unmöglich seien und mit Strafen geahndet werden müssen. Nach allen Vorkommnissen der letzten Zeit muß von der luxemburgischen Regierung verlangt werden, daß sie' unter allen Umständen die nationalsozialistischen Umtriebe im Interesse der eigenen Staatsautorität fategorisch unterbindet. Es ist die Stadt Luxemburg insbesondere geradezu zur Brutstätte eines unerhörten Spielwesens geworden, das allem Anschein nach durch die Geheime Staatspolizei in Trier tunlichst unterstüßt wird. Denn was hätte sonst der öftere Besuch von Beamten dieser Dienststelle in der Stadt zu bedeuten? Der Kriminalassistent Heinrich Püz wurde mehrfach durch seine auffällige Gestalt erfannt, auch andere Beamte der Geheimen Staatspolizet tummelten sich auf luxemburgischem Boden herum. -w Derartige Abstecher können nur ganz bestimmten Sweden dienen, denn zum Angelsport ist in der Felsenstadt Luremburg wenig Gelegenheit geboten, es sei denn höchstens das Auffischen", der durch den großzügig aufgezogenen Spizeldienst eingebrachten Nachrichten über das Leben und Treibei der dortigen politischen Flüchtlinge, Der glänzende Erfolg, der Deutschen Freiheit" auch in Luxemburg hat die dort ansässigen Nazis förmlich aus dem Häuschen gebracht. Sie wollen in nichts nachstehen und versuchen seit einigen Tagen den Verkauf des Bölkischen Beobachters" au lancieren. Während die Deutsche Freiheit" zahlreiche Luxemburger zu ihren Lesern und ihren Abon nenten rechnen darf, wird der Völkischer Beobachter", bei dem allem nationalsozialistischen Tamtam abholden Luxem burger Volk eine glatte Abfuhr erleben. Die guten Luxemburger, fennen nämlich den Theaterrummel des dritten Reiches" aus nächster Nähe. Die Grenze ist zu nah! mit einem Sturmhauptführer verwechselt hat. Die Studenten werden es schon leichter haben sie müssen ohnehin ein paar Semester Wehrsport belegen, da können sie wenigstens die Vorlesungen über die Ränge der nationalen Wehrverbände besuchen. Aber der gewöhnliche deutsche Untertan? Nun, auch ihn hat man nicht vergessen. Auf den Straßen der deutschen Lautstärke, die sonst nur für Boulevardblätter aufgeboten wird, eine kleine Broschüre an: Die Chargen der SA. und SS., nur dreißig Pfennige!" Und da sage noch einer, daß die Nazi kein Herz für die Bedürfnisse des Volkes haben! Obertruppführer, Sturmführer, Obersturmführer, Sturmhauptführer, Sturmbannführer, Obersturmbannführer, Standartenführer, Oberstandartenführer, Brigadeführer, Gruppenführer, Obergruppenführer, Chef des Stabes. Das sind aber bloß die Dienstgrade der SA.; die Edelmenschen von der SS. haben natürlich eine eigene Better. Die armen deutschen Zivilisten, die vor allen diesen Chargen stramm- Städte stehen eigene Kolporteure und preisen mit einer stehen und in Ehrfurcht ersterben müssen, sind wirklich nicht zu beneiden. Wie sollen sie sich da auskennen? Wie leicht kann man sich da irren und welche Ungelegenheiten kann man sich da zuziehen! So ein Sturmbannführer ist imstande und schleudert einem seinen Bann entgegen, wenn man ihn etwa eingetreten. Die heute den Arbeitern, Angestellten und Be amten gemachten Abzüge am Lohn und Gehalt sind ganz horrend. So ist z. B. gerade jetzt ein Lohnbuch vorgelegt worden, wo ein Arbeiter bei 40 Mark Berdienst 18 Mart Abzüge hatte. In den Lokalzeitungen wird geflagt, weil au wenig für die Arbeitsbeschaffungsspende gezeichnet wird. Es ergeht ein Appell besonders an die Geschäftsleute und Fabris fanten, mehr zu tun. Bei den Arbeitern ist die Sache einfach, es wird ihnen alles am Lohn abgezogen. Den Geschäftsleu ten wird in dem Aufruf gesagt, die Spende käme ihnen ja später wieder durch Arbeitsbeschaffung zugute. Man werde wissen sie zu behandeln, wenn sie die Lage nicht selbst verstehen würden. Es herrscht deshalb große Aufregung, denn die Inanspruchnahme durch Sammlungen und Pflichtbetträge hat früher niegekannte und untragbare Formen angenommen. Die ,, Arbeitsschlacht" Auch in der Pfalz herrscht der Ehrgeiz, Erfolge über die Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu verkünden. Das wird einfach dadurch ermöglicht, daß alle Wohlfahrtserwerbslosen zu Arbeitsleistungen herangezogen werden. Auf dem Lande bekommen sie nichts, in der Stadt eine Zulage von 2 Mart. Ein Lediger, der also 5 Mark Wohlfahrtsunterstübung hat, bekommt dann 7 Mart, wofür er 4 halbe Tage mit Pidel und Spaten außerhalb der Stadt arbeiten muß. Wer nicht tommt, erhält feine Unterstüßung mehr. In einer Stadt blieben gleich 80 Mann weg. Sie wurden als Sumpfpflanzen des marxistischen Systems bezeichnet und erhalten teine Unterstübung mehr. Zugleich wird berichtet, daß die Diebstähle ungeheuer zugenommen hätten und schärfer bekämpft werden müßten. Ein Drama in vier Zeilen Ein hitlerhöriges Lokalblatt in der Pfals bringt folgende Notiz in 4 Zeilen: Privatmann Moris Kahn von hier hat sich gestern früh im Keller feines Anwesens erhängt. Kahn hat in den lezten Tagen wiederholt Selbstmordabsichten geäußert." Das in diesen paar Worten eingeschlossene Drama ist natürlich viel größer, als es scheint. Es handelt sich um den Angehörigen einer alteingesessenen und angesehenen jüdischen Familie, der früher eine sehr bekannte und gutgehende Eisenwarenhandlung betrieb. Jetzt ist das Geschäft unter ent sprechender, Modernisierung an den Tieh- Konzern verpach tet, der ein EHPE. darin betreibt. Nach dem Einzug des Herrn Epp wurden an diesem Geschäft sofort alle Fensterscheiben zertrümmert. Trotzdem es gegen Tumult nicht ver fichert war, wurden die Schetben wieder ersetzt. Einige Tage später wurden wieder sämtliche Scheiben eingeschlagen und der Laden angezündet. Die meisten Waren wurden zerstört, aber das Haus fonnte gerettet werden. Es septen nun allerhand Schikanen der Nazistadträte ein, um eine Wiedereröffnung des Geschäfts zu verhindern. Eine erhebliche Verzögerung wurde natürlich erreicht. Unterdessen mußte der Hausbefizer feststellen, daß man ihn durch die wiederholten Ber störungen finanziell ruiniert hatte. Was die Familie noch litt unter den fortgesetzten Belästigungen, Bedrohungen und Beschimpfungen, braucht nicht geschildert zu werden, weil dies ja eine Allgemeinerscheinung in Deutschland ist. Ein Selbstmord mehr zur Illustrierung ber großen Belt", bie jest über Deutschland hereingebrochen ist." Aufforderung zu weiteren Gewalttaten Dieselbe Zeitung( Pirmasenser Zeitung) bringt anschlie Bend an die Mitteilung über den franzöfifchen Protest wegen der Entführung französischer Staatsangehöriger einen Kom mentar, in dem zunächst ein energisches Vorgehen gegen marristische und pazifistische Verleumder", die„ vielleicht fogar noch mit klingender Münze aus Paris dafür bezahlt werden", gefordert wird, und schreibt am Schluß diefer schmuzigen Verdächtigung:„ So aber wird das deutsche Volk auch weiterhin wissen, wie es die Hezer zur Rechenschaft ziehen kann." Das ist also eine glatte Aufforderung zu neuen Gewalt taten und Grenzverlegungen. Der fleinste Hitlerpinscher bil. det sich schon ein, sich über alle Regeln des internationalen Rechts hinwegfeßen zu können. Gerade diese Stadt, in der bas geschrieben wurde, wäre im Kriegsfall beim ersten Kano. nenschuß ein Trümmerhaufen. Arme Kinder ba Mb Katholizismus und Sterilisation Zahlen, die zu denken geben! Die Schulkinderuntersuchungen im Landkreise Quedlinburg ergaben, daß die Gesundheitsverhältnisse viel zu wünschen ,, Staat, es ist dir nicht erlaubt" übrig lassen. Sämtliche Schulfinder( 3870) wurden durch den Schularzt untersucht. Der Gesundheitszustand war: gut mittelmäßig schlecht bei 259 Kindern 8 Prozent bei 2172 Rindern= 64 Prozent bei 939 Kindern= 28 Prozent Noch ungünstiger war der Gesundheitszustand bei den 608 Schulneulingen, nämlich: gut mittelmäßig schlecht bei 17 Kindern= 2,8 Prozent bei 329 Kindern= 54,2 Prozent bei 262 Kindern= 48 Prozent Dieses Beispiel des Landkreises Quedlinburg bildet keine Ausnahme. Genaue Untersuchungen aus rein ländlichen Kreisen bestätigen, daß durchschnittlich bei einem Drittel der Kinder auf dem Lande der Gesundheitszustand als schlecht bezeichnet werden muß. Wie mögen da die Zahlen in den Großstädten, besonders in den Arbeitervierteln, aussehen? ..Besser beschäftigt" Ueberschrift und Inhalt Das führende Blatt des katholischen Oesterreich, die Reichspoft", wendet sich mit Ausführungen gegen das deutsche Sterilisationsgesetz, die um so beachtlicher find, als in Deutschland der Katholizismus in der Oeffentlichkeit zum Schweigen verurteilt ist. Hinter den Kulissen freilich find die Bischöfe sehr aktiv. Die wissenschaftliche Einsicht in die Gesetze der Vererbung ist lange nicht so umfassend und gesichert, als daß nicht die Gefahr bestünde, daß im Sterilisationswege Erblinien abgeschnitten werden, aus denen einmal wertvollste Kräfte für das nationale Leben und die völkische Kultur Beethoven war der Sohn eines Alkoholikers! hervorgehen tönnten. Immerhin muß man nach dieser Seite dem Reichsgefeße zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses zubilligen, daß weitgehende Sicherungsmaßnahmen eingeschaltet sind. Indessen hängt gerade bei einem solchen rassenhygienischen Geseze alles von der Durchführung ab, für die trotz aller Sicherungsmaßnahmen immer ein weiter Spielraum bleibt. Vor allem sind es naturrechtliche Bedenken, die einem ne solchen Geseze entgegenstehen. Pius der Elfte hat sie in seiner Eheenzyklika vom 31. Dezember 1930 neu ausgesprochen. Er weist darauf hin, daß der einzelne natürliche Rechte hat, die der Staat auch dann nicht verlegen darf, wenn Güter der Gemeinschaft in Frage stehen, ja nicht einmal, um den einelnen selber einer Besserung zuzuführen. Zu diesem Persönlichkeitsrechte zählt der Papst auch das Leben und die Gesundheit, die körperlichen Anlagen und die Funktionen des Menschen und führt im Anschlusse an die gesamte christliche Die„ Vossische Zeitung" vom 12. August berichtet zweispaltig sensationell:„ Eisenverarbeiter beffer beschäftigt." Was steckt nun aber in dem Bericht? Wir drucken ihn mörtlich ab, um zu zeigen, wie stark der Inhalt die Ueber. schrift Lügen straft: Die wirtschaftliche Lage im südwestfälischen Bezirk der Eisenwarenindustrie hat sich im Juli recht er freulich entwidelt. In der Fertigwarenindustrie Moselwein nicht gefragt ( Gesenkschmiede, Grau-, Stahl- und Tempergießereien, Baubeschlagfabriken, Fabriken für landwirtschaftliche Geräte, Rettenindustrie usw.) war die Entwidlung zwar nicht ganz einheitlich. Die Gesentschmieden sind weiterhin wesentlich besser beschäftigt. Das trifft namentlich bei den Fabriken für Transportgeräte( Feldbahnen und ähnliche) zu. Allerdings erstreckt sich die Besserung fast ausschließlich auf den Inlandsmarkt. Die gute Beschäftigung der Fabriken für I andwirtschaftliche Geräte hält an. In der Kettenindustrie ist der Auftragseingang nicht un erheblich gestiegen, aber es wird noch immer über verlust bringende Erlöse geflagt. In der Schrau= benindustrie ist noch keine Besserung spürbar. Die Eisenmöbelfabrikanten erhoffen eine Belebung von der Einführung der Ehe standsbeihilfe. Die Hoffnung der Stahl- und Tempergießereien auf die Beteiligung an den Reichsbahnaufträgen ist bisher nicht ganz in Er= füllung gegangen. Die Stahlgießereien, die bisher hauptsächlich noch als Zulieferer für den allgemeinen Maschinenbau fungieren, berichten ein leichtes NachIassen der Bestellungen. Not im Grenzlande Die Industrie- und Handelskammer Trier glaubte feststellen zu können, daß infolge des Zusammentref fens von Grenzlandnot mit der Notlage von Weinbau und Kleinlandwirtschaft die Einkommens- und Wirtschaftsverhältnisse heute in den ärmsten ostpreußischen Regierungsbezirken Allenstein und Gumbinnen günstiger als an der Mosel seien. Die Absatzschwierigkeiten im Weinbau hätten solche Formen angenommen, daß troß Mißernte mancherorts erst 10-20 Prozent des letzten Erzeugnisses verkauft werden fonnten. Das liest sich nicht so, als seien die Moselwinzer, die so begeisterte Vorfämpfer des„ britten Reiches", von den Segnungen der neuen Regierung allzu begeistert. Man müßte mal die Arbeiterschlacht" in die Weinkeller verlegen. Vielleicht hebt sich dann der Absatz an Moselwein. Der Export von Fertigwaren leidet weiter unter Auch das„ Belebung" außerordentlichen Schwierigkeiten. Nach vorübergehend aufsteigender Tendenz ist in den letzten Wochen erneut ein Rückschlag eingetreten. Es wird berichtet, daß in den nordischen Ländern beispielsweise Interesse als auch Bedarf für deutsche Eisenfertigwaren bestünde. Die Einfuhrbewilligungen fonnten jedoch nur unter größten Schwierigkeiten erreicht werden. Die holländischen Aufträge haben sehr erheblich nachgelassen. Die südamerikanischen Staaten traten, ebenso wie Mittelamerika, neuerdings etwas stärker als Käufer auf. Der Absatz nach Nordamerika fällt seit der Dollarentwertung vollständig aus. Die Schloßindustrie insbesondere er wartet von den Verhandlungen mit den einzelnen Staaten Erleichterungen der Einfuhrbeschränkungen. Die Zementindustrie beinahe tot Die Bossische Zeitung" teilt mit: Kein Wunder, daß der Prozentsatz der Kapazitätsausnüßung gegenwärtig nur noch rund 20 Prozent ausmacht und daß sich die Finanzlage der Werke ungünstig entwickelt hat. Der Westdeutsche Zement- Verband teilt im letzten Geschäftsbericht sogar mit, daß die Beschäftigung der Werke des Verbandes, die auch in einem normalen Jahre, wie 1928, nur etwa ein Drittel ihrer Leistungsfähigkeit ausmachte, 1982 im Inlandsabsatz auf ein Drittel des Versandes von 1928 und somit auf zehn Prozent der Rapazität der Fabrikanlagen und der danach bemessenen Kontingente beim Verbande sant." Naturrechtslehre aus, daß nur ein einziger Rechtstitel denk bar ist, der den gewaltsamen Eingriff in solche Naturanlager. rechtfertigt, d. h. die Sühne für begangene Verbrechen, also die Strafe. Hat doch die christliche Sozialethit immer auch die Berechtigung des Staates zur Verhängung der Todes. strafe anerkannt. Nun hat als Exiom zu gelten, daß kein Strafe ohne Schuld erfolgen darf, woraus folgt, dal kein blutiger Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Menschen erfolgen darf ohne persönliche Schuld desselben. Nach dem genannten Rundschreiben ist daher die 3 wang 3sterilisierung naturrechtswidrig. Der Staat, der solche Geseze anordnet,„ maßt sich Rechte an, die er nie mals hatte und die ihm nie zugebilligt werden können" ( Pius der Elfte). Daran schließt Professor Mayer( Paderborn), der sich vor Erscheinen dieses Gesetzes mehrfach mit der eugenischen Sterilisierung befaßt hat, die Folgerung: Wo ein Staat in solcher Weise seine Kompetenz überschreitet, da ist das Gesez offenkundig ungerecht und die Staatsbürger sind im Gewissen an ein solches Gesetz nicht gebunden." Mit welchen Methoden die Eugenik und Rassenhygiene ihr Ziel erreichen könnte, ohne mit dem Naturrecht in Widerspruch zu kommen, ohne auch die Zukunft der nationalen Kultur in feiner Weise zu gefährden, steht hier nicht in Frage. Immerhin muß der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß das neugeschaffene Institut für Rassenhygiene solche Methoden finde und die Anwendung des neuen Gesetzes, dem ein großer Teil des deutschen Volkes im Gewissen nicht zustimmen kann, unterbleibe." Briefkasten Jese as Jdip aawie pe depA G. Der Titel ist tatsächlich„ Neuer Vorwärts". Wenn die Miniatur- Ausgabe, die für Deutschland bestimmt ist, nur„ Vorwärts" heißt, so wird dies wohl aus technischen Gründen geschehen. Da auch der sozialdemokratische Parteivorstand stets vom„ Neuen Borwärts" spricht, zitieren auch wir das Blatt unter seinem neuen Namen. Amsterdam. Ihre Schilderungen sind nicht uninteressant, aber wir Ichnen die Veröffentlichung ab, weil Sie uns nicht bekannt sind. Sie müssen unser Mißtrauen verstehen. Wir bringen aus Deutschland nur Meldungen, die entweder von ganz zuverlässigen Gewährsleuten stammen oder von uns nachgeprüft werden können. In Ihrem Falle trifft beides nicht zu. An mehrere. Die Deutsche Freiheit" ist kein sozialdemokratisches Parteiblatt. Sie will das Tageblatt für die antifaschistische Kampffront sein. Jeder, der diesen Kampf unterstüßen will, ist uns willkommen. Kommunist in London. Ihr Brief hat uns gefreut. Wir erwidern ihre Grüße. Auch einer der von Ihnen in dem Briefe etwas schlecht behandelten früheren sozialdemokratischen Führer läßt Sie grüßen. Er wünscht Ihnen zu sagen, daß er sich in manchem von sich selbst To gesagt hat. Sie tun für sich dasselbe. Sorgen Sie, daß viele Kommunisten Ihrem Beispiel folgen. Wie Sie richtig erkannt haben, find wir nicht gewillt, selbstzufrieden in alten Bahnen weiterzu wandeln. Freund K. Diesmal Papierforb! Grundsägliche Auseinandersehungen mit den Kommunisten: ja! Klopffechterei: nein! Es genügt, wenn wir auf 50 tommunistische Angriffe einmal antworten. Dann aber gründlich. Diese Hin- und Herstänkerei will ja niemand lesen. Pfarrer N. N. Ihr Brief ehrt Sie. Leider haben wir nicht den Eindruck, als gäbe es noch nennenswerte Kräfte in Ihrer Kirche, die bereit wären, das Martyrium des Kerkers odes der Emigration oder der Folterung um des Glaubens willen auf sich zu nehmen. Daß Zehntausende Sozialisten und Kommunisten,& ind, Ehre, Gut und Weib" ihrer Ueberzeugung opfern, bewundern Sie. Das ist gar nicht nötig. Hier offenbart sich nur eine noch junge, gefunde Glaubenskraft, die niedergeschlagen aber nicht getötet werden kann. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pis: Inferate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Gulliver entdeckt das ,, dritte Reich" Von Unus Gulliver, faum von seiner Reise nach Liliput und Brobdignac zurück, zieht auf neue Abenteuer aus, und wird nach Höllgoland verschlagen. Die wahrheitsgetreuen Schilderungen meiner abenteuerlichen Reisen und meiner Erlebnisse in Liliput und Brobdigna c, für die ich in London einen tüchtigen Verleger gefunden hatte, haben mir in meinem Vaterland nicht nur viel Ruhm und Ehren, sondern auch einen erflecklichen Posten an englischen Pfunden eingebracht, die mir ein sorgenfreies Leben gesichert haben würden, hätte mich nicht mein unstillbarer Durst nach weiteren Abenteuern, nach zwei Jahren ländlicher Ruhe, zum dritten Male von meiner Familie Abschied nehmen lassen, um in der Entdeckung eines dritten Reichs" neuen Ruhm zu erwerben das Kostbarste, was ein liebender Vater seinen Kindern hinterlassen fann? Ich überspringe den traurigen Untergang unseres stolzen 3weimasters Good hope" durch eine riesige Windhose, die mich, als einzigen Ueberlebenden, aus dem sinkenden Schiff in die Höhe sog, in rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte führte, und mich sanft an das Gestade eines Landes absetzte, das, wie ich später erfuhr, den Namen Höllgoland führt, und, wie ich feststellen fonnte, ziemlich in der Mitte zwischen den Botokucten- und Kannibalen- Inseln gerade dort im Stillen Ozean liegt, wo er am tiefsten ist. War es in Liliput und Brobdignac in dem einem Land die Kleinheit, in dem anderen die Größe ihrer Bewohner, die mich in berechtigtes Erstaunen versezte, so waren doch immerhin deren geistige Aeußerungen von den unseren in England nur wenig verschieden; anders in Höll goland, dessen Leute in der Größe und Aussehen uns Engländern ziemlich gleichen, was wir daheim unter dem Sammelnamen Kultur zusammenfassen, so grundverschie den sind von den unsrigen, daß ich dies Volt unchristlich, barbarisch, räuberisch, grausam und zugleich feige, furz, mit jedem Schimpf bezeichnen müßte, würde mir mein Verstand nicht sagen, daß es wohl in der Absicht des Schöpfers geLegen haben muß, durch ein abschreckendes Beispiel anderen Völkern zu zeigen, wie sie nicht sind und nie werden sollen! Die Verfassung dieses Volkes, das wegen seines friegerischen Geistes von den Nachbarvölkern gefürchet, wegen seiner Unmoral gehaßt, wegen seiner Grausamkeit gegen die eignen Bewohner verabscheut wird, kennt drei Kasten: die braune, die schwarze und die rote. Die Braunen nennen sich selbst die Edel- oder auch Reinrassigen. Sie sind langschädlich, was gewisse Indianerstämme mit der Zeit werden, zu welchem 3wed fie schon die Köpfe der Neugeborenen zwischen zwei Brettchen einpressen, haben oft blondes Haar, wie es unsere englischen Modedamen durch Waschungen mit Wasserstoffsuperoxyd hervorbringen, und blaue Augen, ähnlich dem verdünnten Ultramarin unserer Waschfrauen. Was wir Engländer unter Liebe verstehen, die zur Heirat und Nachkommenschaft führen soll, sehen die Leute in Höllgoland als ebenso überflüssig an, wie den Zwischenhändler, der die Ware unnötig verteuert; dieses Geschäft die Lieferung kriegstüchtiger Kinder( was wir in England Kanonenfutter" nennen!) untersteht streng völkischen Verordnungen; in den staatlichen Aufzuchthäuser werden die der Lieferung würdigen Edeljungfrauen zum Frühlingsanfang( Baldurfest) eingeliefert; auf jede Gruppe von zehn Jungfrauen entfällt je ein staatlich approbierter Deckmann, eine Einrichtung, analog unseren englischen Gestüten zur Aufzucht unserer Rennpferde, Das Neugeborne wird nicht, wie bei uns in England, auf die Waage, sondern auf das aufgeschlagene, hier als heilig verehrte Buch„ Mein Kampf" gelegt: wird es von dem Kinde begossen, ist es lebensfähig, beschmußt es aber das heilige Buch in unehrerbietiger Weise, muß ihm die Hebamme so lange aus dem Buch vorlesen, bis es gewöhn lich stellen sich dabei Krämpfe ein hinüberschläft. Am achten Tage erfolgt die Eingliederung des Kindes in die völkische Gemeinschaft durch Impfung mit dem Gleichschaltungsserum; es verliert dadurch den eigenen Willen. das eigene Denken und die eigene Moral, die für den kriegerischen Geist der Höllgo= länder ebenso überflüssig ist, wie der Blinddarm für die Verdauung ähnlich, wie schon die antiken Amazonen ihre rechte Brust ausbrennen ließen, um beim Bogenspannen nicht behindert zu sein. Die Braunen haben alle staatlichen und städtischen Aemter inne, erhalten aber diese nicht bloß durch das Vorrecht ihrer Geburt, sondern erst nach schweren Prüfungen, wie dies auch bei den chinesischen Mandarinen, den Bonzen, der Fall ist. Reichsminister z. B. wird nur der, der gegen jedes Quantum Morphium gefeit ist; Kultusminister, dem drei hervorragende Psychiater geistige Minderwertigkeit attestieren, Polizei präsident, der mindestens sechszehn Semester Zuchthaus und einige Semester schweren Kerkers studiert hat. Auch das Theaterressort wird, um die Damen des Theaters keiner Anfechtung auszusetzen, nur amtlich beglaubigten Päderasten übertragen, und so übertreffen die Theaterdamen an Tu gend selbst die Röhmischen Vestaltnen. Die Rechtspflege ist ebenso eigenartig: in unserem Altengland werden die Schwerverbrecher ins Zuchthaus eintefert, bier werden sie aus dem Zuchthaus entlassen! Hervorragend gemeinen Männern werden nach ihrem mehr oder minder freiwilligen Tode Denkmäler errichtet. Minister feiern die Mörder als Helden und legen prächtige Kränze um Sockel nieder! Raub und Diebst a hl gelten als um so ehrenhafter, ie größer die gestohlene Summe oder das geraubte Wertobjekt ist! Symbol für Leben, Tod und Auferstehung ist das Hake it treuz. Da die Leute von Höllgoland Meister der Lüge sind, bestreiten sie den Kongonegern das Eigentumsrecht und behaupten, es sei ihnen von dem Heidengott Wotan perfönlich verliehen worden! Sie erweisen ihm göttliche Ehren, und bringen es überall an, wo nur Plazz dafür vorhanden ist: auf ihren Fahnen, Armbinden, Zigarettenetuis, Schwimmhosen und an den Wänden der Bedürfnisanstalten. Die Kaste der Schwarzen war, als ich Höllgo= I and betrat, noch geduldet, diese Leute dürfen ihr eigenes Symbol, ein einfaches Kreuz, verehren, was durch einen mit dem Blut der Roten unterzeichneten Pakt zwischen dem Führer des Landes und dem Kirchenobersten der Schwarzen gewährleistet ist; man nennt hier einen solchen Pakt„ Konkordat". Die Kaste der Roten umfaßt alle Untermenschen des Landes, und diese verrichten alle niederen Arbeiten; sie sind das, was im alten Griechenland die Heloten, und bei den amerikanischen Baumwollpflanzern die Negersklaven waren; diese wurden allerdings nur so weit gepeitscht, als sie noch zur Arbeit fähig waren, indes sie hier so lang gepeitscht werden, bis die Bevölkerung Höllgolands um die zwanzig Millionen abnimmt, die es nach dem Ausspruch eines fremden Philantropen namens Kleemannsoh zu viel hat. Der Führer des Volkes, der sich, wie ein sagenhafter Held Arminius, der Herzog der Höllgoländer" nennt, bleibt dem Volte unsichtbar; es kennt ihn nur aus den Bildern der illustrierten Zeitungen und seine Stimme aus einem sonderbaren Instrument, das einen entsetzlichen, furchterregenden Ton von sich gibt, dem„ Radio". Man spricht ihm übernatürliche Kräfte zu. Er soll eine Stirne von Eisen, ein Herz von Stein und ein Gewissen aus Gummi haben. Biele halten hin für unverwundbar, wozu wohl auch eine fugelsichere Weste unter dem braunen Hemd das ihrige beitragen mag. Von Attentaten seitens der Untermenschen ist er übrigens hinreichlich geschützt durch den bombensichern Untertanenverstand seiner Getreuen, die eine, für die menschliche Vernunft undurchdringliche Mauer um ihn aufgerichtet haben. " Sein Name wird nie ausgesprochen, ohne daß man ausspuckt, Poi! Poi! Poi!" sagt, und mit dem Fingerknöchel unter die Tischkante klopft. Unter all den Merkwürdigkeiten, die ich in diesem Lande, aus dem ich nicht schnell genug abreisen kann, zu beobachten Gelegenheit hatte, wunderte es mich doch am meisten, daß auch hier die Sonne scheint, der Himmel blau ist und die Rosen duften die Sonne scheint eben über Gerechte und Ungerechte