Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 54-1. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 22. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Folget euren Ueberzeugungen! Redet nicht nur von Politik, sondern lebt sie auch! Sagt immer die Wahrheit! Und vor allem: fürchtet euch nicht vor dem Tod! Masaryk Anklagezum Reichstagsbrand Branting an den Oberreichsanwalt - Die Saarbrücker Rechtsanwälte Lehmann und Dr. Sender verlangen Prozeßvollmacht von Torgler Die geheimnisvolle Anklageschrift Der bekannte schwedische Rechtsanwalt Georg Branting, der neben anderen bekannten Juristen dem Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes angehört, hat an den deutschen Oberreichsanwalt ein Schreiben gerichtet, das als Antwort auf dessen in der Presse veröffentlichke Aufforderung, das Beweismaterial des Ausschusses dem Reichsgericht zur Verfügung zu stellen, gilf. » Ich möchte zuerst Stellung nehmen zu folgendem Passus Ihres Briefes: ,, Da weder mir noch dem Untersuchungsrichter des Reichsgerichts trotz der in der Oeffentlichkeit ergangenen Aufforderung zur Mitteilung aller der Aufklärung der Sache dienenden Umstände und trotz Aussetzung einer hohen Belohnung für die Mitwirkung bei der Ermittlung der Täter andere als die in den Akten vermerteten Angaben zugegangen sind, die Anklagebehörde und das Gericht aber das allergrößte Interesse daran haben, alle Umstände kennen zu lernen und bei der Bildung des Urteils zu verwerten, die für die Aufklärung des Sachverhaltes dienlich sein können, wäre ich Ihnen, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt, zu Dank verpflichtet, wenn Sie mir Kenntnis von dem angeblich im Besitz der Kommission befindlichen Beweismaterial geben würden." Aus dieser Mitteilung, wie aus Ihrem Brief überhaupt, glaube ich schließen zu können, daß Sie selbst, Herr Oberreichsanwalt, der Meinung sind, daß das in Jhren Händen befindliche Beweismaterial nicht ausreichend ist. Ich erkläre mir dadurch Ihren außergewöhnlichen Schritt, daß eine Anklagebehörde nach Abschluß der Voruntersuchung und sogar noch nach Fertig stellung der Anklageschrift bei nicht direkt am Prozeß beteiligten Personen wegen weiteren Beweismaterials anfragt. Ich erkläre mir auch damit die ungewöhnliche Tatsache, daß Sie Ihr Schreiben an mich durch Wolffs Telegrafenbüro verbreiten ließen. Ich darf erwarten, daß Sie auch meine Antwort der deutschen Oeffentlichkeit auf dem gleichen Wege bekannt geben. Selbstverständlich muß ich das größte Gewicht darauf legen, daß alles Material, das zur Ermitt Iung der Wahrheit dienen könnte, dem Reichsgericht vorgelegt wird. Aber ich halte es auch für selbstverständlich, das Material, das zur Verteidigung der Angeklagten dient, nunmehr, nachdem die Anklageschrift abgeschlossen und dem Gericht übergeben ist, nicht durch die Anklagebehörde, sondern durch die Verteidiger dem Gericht vorgelegt wird. Ich konstatiere überdies, daß die vom Gericht bestellten Verteidiger sich nicht an mich gewandt haben. Auch Sie, Herr Oberreichsanwalt, mer ben zugeben, daß Garantien für eine voll. ständige und objektive Verwendung des Materials durch die Verteidigung gegeben sein müssen. Das beste und überzeugendste Beweismaterial kann ohne Nutzen sein, wenn es nicht im Interesse der Angeklagten verwendet wird. Ich persönlich habe nicht das alleinige Verfügungsrecht über das Beweismaterial des Untersuchungsausschusses. Ich zweifle aber nicht daran, daß der Untersuchungsausschuß in Uebereinstimmung mit den von mir bereits dargelegten Anschauungen das gesamte Material den Verteidigern sofort zur Verfügung stellen wird, falls genügende Boraussetzungen für eine freie und unabhängige Verteidigung der Angeklagten gegeben sind. Als solche Voraussetzungen sehe ich in diesem Falle an: 1. Freie Wahl der Verteidiger durch die An= geklagten. 2. Zulassung der von den Angeklagten bestellten auslän dischen Verteidiger. 3. Unbeschränkte Einsicht der Akten durch die Berteidiger und Uebersendung der Anklageschrift an die von den Angeklagten bestellten ausländischen Verteidiger. 4. Bolles Recht der Angeklagten zur Aus= sprache mit ihren Verteidigern ohne An wesenheit Dritter 5. Oeffentlichkeit der Verhandlungen des Ges richts während der ganzen Dauer des Prozesses. 6. Menschen würdige Behandlung der Anges klagten, so daß sie körperlich und geistig imftande sind, ihre Verteidigung vor Gericht zu führen. 7. Freies Geleit und Sicherheit des Leben für die von der Verteidigung oder vom Untersuchungsausschuß benannten Zeugen, sowie Gelegenheit zur uns gehinderten Aussage. 8. Sicherheit des Lebens für die Verteidiger und Sicherheit der ungehinderten Möglichkeit zur Bers teidigung durch fie. 9. Ladung der von der Verteidigung benann= ten oder noch zu benennenden Zengen. 10. Genehmigung der uneingeschränkten Ausz sagen für die Zeugen, soweit sie sich im Dienste des Deutschen Reiches oder eines deutschen Staates befinden oder befanden. Wie notwendig es ist, diese Garantien zu fordern, geht beispielsweise aus einem Artikel hervor, den der parteis Anzeiger", das Blatt der Regierungspartei, am 12. August, amtliche nationalsozialistische Dortmunder General im Zusammenhang mit Ihrem Schreiben an Romain Rolland und mich veröffentlichte. In diesem Artikel heißt es u. a.: „ Jedes gesunde Volk wird dasselbe Notwehrrecht für sich in Anspruch nehmen, das die deutsche Nation längst durch die Tat für sich in Anspruch genommen hat, nämlich, die rote Pest mit Stumpf und Stiel auszurotten. Der Staat, der seine Hand dazu bieten würde, auch nur den Versuch zu unternehmen, sich schützend vor Mordbrenner zu stellen, müßte sich in den Augen der Welt selbst richten. Wenn sich heute marristische Kreaturen mit ihren Komplicen solidarisch erklären, so könnte das nur zu einer Konsequenz führen, und zwar gleich wo: sie gleichmäßig zu behandeln." Ich habe mich für verpflichtet gehalten, ihren Brief dem Untersuchungsausschuß zu übergeben. Ihrem eigenen Untersuchungsausschuß zu übergeben. Ihrem eigenen Beispiel, Herr Oberreichsanwalt, folgend, übergebe ich diese meine Antwort der Presse. Ich erwarte, Herr Oberreichsanwalt, Ihre Antwort, die ich alsdann dem Untersuchungsausschuß weiter leiten werde. gez. Georg Branting." Anklage und Verteidigung D. F. 3um achten Male ist die Verhandlung gegen die angeblichen Reichstagsbrandstifter verschoben worden. Der augenblickliche Stand ist so, daß das Reichsgericht erklärt hat, nicht vor dem 18. September einen Termin ansetzen zu können. Ob das bald nach dem 18. September geschehen und scheinen die Herren in Leipzig und ihre mächtigen Auftragwann der Prozeß steigen wird, ist sehr ungewiß. Noch immer geber in Berlin die Hoffnung zu haben, daß irgendein zufall" sie von der peinlichen Pflicht befreit, die politische Brandnacht vor der Weltöffentlichkeit durchprüfen lassen zu müssen. Es bestätigt sich, daß der frühere kommunistische Fraktionsführer Torgler im Gefängnis dauernd gefesselt ist. Man begründet diese Maßnahme gegen einen der bekanntesten Parlamentarier Deutschlands mit dem Selbstmordtesten Parlamentarier Deutschlands mit dem Selbstmordversuch eines der bulgarischen Mitangeklagten und erklärt, versuch eines der bulgarischen Mitangeklagten und erklärt, man müsse Torgler vor sich selber schützen. Erfreulicherweise erträgt Torgler diese elende Behandlung mit großer Festig feit. Er sieht dem Prozeß mit ruhigen Nerven und selbstkeit. Er sieht dem Prozeß mit ruhigen Nerven und selbstsicher entgegen. Die Fesseln werden ihm nur während der Mahlzeiten und bei den Besuchen seiner Frau abgenommen. Einen Verteidiger freier Wahl hat Torgler bisher immer noch nicht. Er ist auf Offizialverteidiger angewiesen, und das ist bei der allgemeinen Gleichschaltung und bei der Furcht vor Terror von großer Gefahr für den Angeklagten Torgler. Er, der Kommunist, kann ja keinerlei Vertrauensverhältnis zu einem nationalsozialistischen Rechtsanwalt haben und muß befürchten, daß dieser sich mehr als Staatsanwalt denn als Verteidiger betätigt. Es sind noch immer lebhafte Bemühungen im Gange, angesehene Verteidiger für Torgler zu erlangen. Das ist sehr schwer, denn fast alle in Betracht kommenden Rechtsanwälte der Linken sind entweder erschlagen oder haben durch Freitod geendet oder find in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingesperrt. Nicht weniger als 20 linksstehende Rechtsanwälte Deutschlands sind in den letzten Monaten ums Leben gekommen. Ausländische Verteidiger fönnen nach§ 138 der StPO. zugelassen werden. Es steht im Ermessen des Gerichts, das aber feinen ausländischen Verteidiger zuzulassen scheint. Auch elsässische Verteidiger lehnt das Reichsgericht ab. Bisher haben sich folgende ausländische Juristen von Weltruf zur Verteidigung für den Reichstagsbrandprozeß gemeldet: die französischen Anwälte Torres, Moro- Giafferi und Campinci, der Engländer Pritt, Kings council, der Amerikaner Hays und der Bulgare Detscheff. Die Entscheidung steht bei allen noch aus. Man hat aber wenig Hoffnung, daß das Reichsgericht seinen Standpunkt ändert und in diesem doch wahrlich besonders gelagerten Fall einen dieser hervorragenden Männer auftreten läßt. In dieser Beziehung steht das Leipziger Reichsgericht an Entgegenkommen und Mut hinter den Bolschewiten zurüd, die wiederholt ausländische Verteidiger, so den Deutschen Kurt Rosenfeld und den Belgier Bandervelde, als Vers teidiger in Moskau auftreten ließen. Seit einiger Zeit bemüht man sich, Rechtsanwälte aus dem Saargebiet für die Verteidigung Torglers zu gewinnen. Saarländer gelten nicht als Ausländer und müssen in Leipzig. zugelassen werden. Nunmehr haben sich die Saarbrücker Rechtsanwälte Lehs mann und Dr. Sender entschlossen, den Angeklagten Torgler um Zusendung der Prozeßvollmacht zu bitten. Es besteht also doch noch die Möglichkeit, daß Torgler mit uns abhängigen Anwälten vor Gericht erscheinen lann. Den Offizialverteidigern ist inzwischen die Anklage. schrift zugestellt worden. Wie diese Herren ihr Amt auffassen, hat sich schon gezeigt. Der amerikanische Rechtsanwalt Hays bat einen der Offizialverteidiger, ihn in die Anflageschrift Einsicht nehmen zu lassen. Der Offizialverteidiger lehnte das ab, da eine Genehmigung des Gerichts nicht vorliege. Dabei ist eine Genehmigung nicht notwendig. Jeder Verteidiger, der seine Aufgabe ernst nimmt, würde die Anflageschrift einem so ernsten Juristen wie Hays zeigen, der doch die Verteidigung unterstützen will. Damit ist bewiesen, daß die Offizialverteidiger keine echte Verteidigung zu führen beabsichtigen, weil sie eben die Interessen der Angeklagten nicht wahrnehmen. Und angesichts solcher Tatbestände fordert der Oberreichsanwalt von Ausländern wie Branting und Romain Rolland, daß sie ihm gutgläubig ihr Material einreichen. Ueber den Inhalt der Anklageschrift ist trotz aller Heims lichkeit etwas durchgefickert. Sie umfaßt mehrere hundert Seiten. Der Hauptinhalt beschäftigt sich aber gar nicht mit dem Reichstagsbrand, sondern versucht, aus fommunistischer Literatur und aus kommunistischen Reden allgemeiner Natur den terroristischen Charakter der Partei nachzuweisen. Der Prozeß, wenn er überhaupt stattfinden sollte, ist demnach nicht als eine Untersuchung der Brandnacht, sondern als eine große parteipolitische Aktion gegen die Kommunist en gedacht. Auf wie lächerlich schwachen Füßen die Anklage steht, geht auch daraus hervor, daß zwei der angeklagten Bulgaren ihr Alibi lückenlos nachweisen können. Der eine befand sich in der Brandnacht im Schnellzug München- Berlin Die verlogene Behauptung, die bulgarischen Kommunisten seien an dem Bombenattentat auf die Kathedrale in Sofia beteiligt gewesen, wird bekanntlich sogar von den bulgarischen politischen Todfeinden der Kommunisten widerlegt. Der„ Gegenprozeß" unabhängiger Juristen, der in der Form eines streng objektiv arbeitenden Untersuchungsausschusses arbeiten wird, gedenkt in London zusammenzutreten. Es gilt als sicher, daß die brittsche Regierung gegen seine Arbeit keine Bedenken erheben wird. Der Ausschuß wird urkundliches Material heranziehen, Zeugen vernehmen und politische und juristische Referate erstatten lassen. Der Kampf für die Wahrheit gegen eines der schändlichsten Verbrechen und gegen eine der gröbsten Lügen in der politischen Geschichte wird mit den Mitteln des Rechts geführt werden, bis die wahren Verbrecher verurteilt und gerichtet vor der Welt stehen. Das gebietet die Rettung unschuldig angeklagter Menschen und die Ehre Deutschlands Dollfuß bei Mussolini Das Neueste Durch einen orfanartigen Sturm, der während des Ges bietstreffens der Hitler- Jugend über München niederging, wurden große Zelte zerstört. Von sieben Schwerverletzten ist Italien gegen den Anschluß, für Oesterreichs Selbständigkeit einer gestorben. Italienische Interessenpolitik- Wachsamkeit in Frankreich Ueber die Unterredung, die der Bundeskanzler Dollfuß mit Mussolini in Riccione hatte, meldet die italienische Agencia Stefani: Im Laufe einer Unterhaltung, die heute im Grand Hotel zwischen dem Bundeskanzler Dollfuß und dem Ministerpräsidenten Mussolini stattfand, wurde die politische Lage unter allgemeinen Gesichtspunkten und unter den besonderen Bedingungen, die für Italien vorItegen, geprüft. Die Regierung bestätigte den Standpunkt in allem, was die Zukunft und das Leben Desterreichs, die Gesamtheit der Donauraumfragen und die weiteren Probleme anbelangt, deren Lösung an das Funktionieren des Viermächtepafts gebunden ist. Bundeskanzler Dollfuß setzte die Lage Desterreichs unter dem Gesichtspunkt sowohl seiner inneren wie seiner äußeren Politik auseinander und indem er von dem Grundsatz ausging, daß die Grundlage dieser Politik die Unabhängigkeit Desterreichs sein müsse, brachte er seine Absicht zum Ausdruck, eine Politik des Friedens und der Zusammenarbeit mit allen benachbarten Mächten verfolgen zu wollen. In besonderer Weise müsse diese 8 fammenarbeit mit Italien und mit Ungarn und so bald wie möglich auch mit Deutschland ins Werk gesetzt werden. Die beiden Staatsmänner stellten am Schluß ihrer Unterhaltung fest, daß zwischen ihnen mit Bezug auf die geprüften Probleme eine Gemeinsamkeit und Gleichartigkeit der Gedanken bestehe. Diese Meldung beweist zunächst, daß Jtalien, was nicht anders erwartet werden konnte, sich jedem Anschluß Desterreichs an Deutschland ebenso widersezen wird wie Frankreich und England. Italien will aber die deutschösterreichische Frage nicht isoliert behandelt wissen, sondern sie in den Gesamtkomplex der mittels europäischen und Balkanprobleme rücken, an deren Lösung Italien stark interessiert ist. Jtalien will die Fragen des Donauraums mit dem deutsch- öster reichischen Problem verbunden wissen und einen entscheidenden Einfluß bei deren Lösung ausüben. Möglicher Hitlers einigermaßen Genüge tut. Nur über den Anschluß Desterreichs an Deutschland läßt auch Italien nicht mit sich reden. Dollfuß und nicht Hitler wird der Sieger des Gesprächs von Riccino sein, soweit Desterreich in Betracht kommt. Ueber beide erhebt sich Mussolini mit dem Willen, Jtalien zum Protektor und zum Schiedsrichter über Mitteleuropa zu machen. Eine ganze Reihe von französischen Blättern gibt am Montagmorgen der Besorgnis Ausdruck, daß Italien infolge des Versagens Frankreichs und Englands eine Schiedsrichterrolle erlangt habe, die es für seine eigenen politischen und wirtschaftlichen Zwecke auszunutzen geneigt sein könnte. In der Dankeskirche in Berlin fand am Samstag eine sammeltrauung von 130 Paaren statt. Ein unbeleuchtetes Motorrad raste nahe bei Flensburg in eine marschierende SA, wobei der Motorradfahrer und vier SA.- Männer schwer verlegt wurden. Unter dem Verdacht, vor vier Jahren in Wiesbaden einen SA.- Mann erstochen zu haben, wurde in Wilnsdorf bei Siegen der Kommunist Wolf verhaftet. In Wattenscheid, in den angrenzenden Stadtteilen von Bochum und in Dortmund sind insgesamt 52 Kommunisten verhaftet worden. Das Geheime Staatspolizeiamt hat mit sofortiger Wirs fung die in Berlin erscheinende Jüdische Rundschau" bis zum 15. Februar 1934 verboten. Ueber das Ergebnis der italienisch- österreichischen Aus Schwaben werden gerüffelt sprache will der nach Riccino entsandte Sonderberichterstatter des„ Matin" in Rom folgende Angaben machen können: Desterreich scheine sich der italienischen These anzuschließen, daß gegenüber Deutschland freundschaftliche Methoden anzuwenden seien. Was die Frage des österreichischen Heeres anlange, so scheine der Plan, die Heimwehren in eine Grenzpolizei umzuwandeln, fallen gelassen worden zu sein( ob Jtalien dem Antrag Dester reichs auf Erhöhung seines Heereskontingents von 22 000 auf 30 000 Mann durch Einführung der einjährigen statt zweijährigen Dienstzeit zugestimmt hat, darüber läßt der Rorrespondent nichts verlauten). Hinsichtlich des wirtschaftlichen Problems schienen beide Staatsmänner an ein Dreierabkommen mit Ungarn oder an ein Biererabkommen mit Ungarn und Deutschland zu denken, um auf diese Weise die Bildung einer Mächtegruppe zu ermöglichen, die Mitteleuropa lebensfähig machen würde. Mussolini antworte also auf den Plan einer Donauföderation mit dem Plan eines deutsch österreichisch ungarisch italienischen Blockes. Der Korrespondent sagt ferner, daß der in einer gestrigen Havasmeldung erwähnte Plan, im Hafen von Triest eine österreichische # ..Tendenziöse Form und Aufmachung" Die württembergische Regierung hat mehrere Blät ter, nämlich die„ Ipf- und Jagst- Zeitung" in Ellwangen und die„ Tübinger Chronik" sowie die in beiden Zeitungen erscheinenden Kopfblätter, auf 14 Tage verboten und gleichzeitig eine allgemeine Verwarnung an die Preffe er gehen lassen, in der erklärt wird, daß die Haltung eines Teils der Presse in Widerspruch zu den Ergebenheitsver sicherungen der in Frage kommenden Blätter steht. Ins besondere errege es Anstoß, wenn von der ehemals schroff gegnerisch eingestellten Presse Verlautbarungen der Regie rung oder der ihr nahestehenden Persönlichkeiten in tendenziöser Form und Aufmachung in den Dienst der Propa ganda für die alten Ziele der aufgelösten Parteien oder einer ihr wesensverwandten Gesinnungsgemeinschaft ge stellt würden. Auch die Kundgebungen maßgebender deutscher katholischer Führer würde von gewisser interessierter Seite in einer Weise ausgelegt, die sich nicht mit dem klaren und unmißverständlichen Geiste vereinbaren lasse, von dem diese Rundgebung getragen seien. weise überlegt Muffolini, wie man der Hitlerregierung und ungarische Freizone zu schaffen, aufgegeben Täglich etwas Korruption auf irgend einem andern außenpolitischen Gebiete ein Entgegenkommen zeigen kann, das dem Prestigebedürfnis worden sei wegen der mit Deutschland bestehenden Abkommen über die Meistbegünstigungsklausel. Paris befürchtet Krieg Dienststrafverfahren gegen den früheren Oberbürgermeister von Harburg Harburg- Wilhelmsburg, 21. Auguft. Auf Antrag des Magistrats hat der Regierungspräsident gegen den von seinen Dienstgeschäften entbundenen Oberbürgermeister Dr. Dudef bas Dienststrafverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eingeleitet. Dr. Dudek wird beschuldigt, im Laufe der letzten Jahre als Oberbürgermeister und Finanz Finanzen um große Summen geschädigt zu haben, wei.- in seiner Amtsführung nicht die nötige Sorgfalt und Spa ma feit obwalten ließ. ..Das Wiener Gewitter wird sich am Rhein entladen begernent der Stadt Harburg- Wilhelmsburg die städtischen Die Pariser Preffe beschäftigt sich in erhöhter Intensität mit der österreichisch- deutschen Frage. Es fehlt nicht an Parallelen mit dem Juli 1914! Allgemein wird das entscheidende Eingreifen der französischen Regierung gefordert. Man glaubt nicht, daß die kriegs ähnlichen 3ustände länger dilatorisch behandelt werden dürfen, ohne akute Gefahren für ganz Europa im Gefolge zu haben. Jm einzelnen schreiben heute; ,, Le Figaro": Unsere Regierung scheint zu übersehen, daß das Gewitter, das sich in Wien zusammengeballt hat, gar nicht an der Donau, sondern am Rhein sich entladen wird! Man vergißt, daß Sadowa nur das Vorspiel für Sedan war, daß auch im Juli 1914 in Wien die Kriegsfackel entzündet worden ist. Man vergißt, daß kein Geringerer als Bismarck selbst in seinen Memoiren gesteht, daß im Jahre 1866 eine einfache Demonstration der Franzosen am Rhein genügt hätte, um die Kriegserklärung Preußens an Desterreich einfach unmöglich zu machen. Wie sehr eine solche De= monstration zur rechten Zeit den gesamten Verlauf der Geschichte geändert hätte, läßt sich nur ahnen! Heute sind wir noch Herren unserer Entschlüsse. Aber morgen? Die Ver= gangenheit beweist, daß die Freiheit von heute oft morgen schon nicht mehr vorhanden ist. Diese geschichtliche Erfahrung drängt sich uns in der Gegenwart auf: heute gibt uns das Schicksal die Möglichkeit zu entschiede= nen und entscheidenden Vorbeugungsmaß= nahmen. Und morgen können wir gezwungen sein, tatenlos zuzuschauen, wenn Hitler mit brutaler Hand Desterreich in seinen Besitz nimmt! ,, Le Journal des Debats": Die französische Regierung schaut in erschreckender Passivttät der alldeutschen Offensive zu! Diese unverantwortliche Haltung läßt sich nur durch zwei Gründe erklären: entweder ist Frankreich entschlossen, mit einem einzigen Schlage den Knoten zu durchbohren, wenn Deutschland den Anschluß mit Gewalt vollzogen hat, oder aber wir verzichten endgültig darauf, den Sieg des pangermanischen Hitlerismus zu verhindern. Im ersten Falle spielt unsere Regierung ein gefährliches Spiel und gibt eigentlich alle Chancen aus ihrer Hand: es war schon immer eine bedenkliche Sache, sich gegen vollendete Tatsachen zu wenden. Der zweite Fall aber bedeutet die Aufrichtung der Vorherrschaft Preußens über ganz Europa bedeutet Krieg, Krieg und nochmals Krieg! Eine dritte Möglichkeit jedoch gibt es nicht! ,, L'Echo de Paris": Wir müssen schnell und energisch in Berlin auf den Tisch schlagen! Der skandalöse Feldzug, den Hitler gegen Dollfuß vom Zaune gebrochen hat, ist eine rein politische Sache. Und diese politische Sache erfordert eine politische Lösung. Wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen allein haben keinen Zweck; sie können lediglich die politische Aktion unterstüßen und später deren Resultate sichern. Jest aber müssen wir politisch handeln! Deutschland terrorisiert Oesterreich; Berlin setzt Wien unter Druck doch nur deshalb, um im passenden Augenblick die DonauRepublik zu fressen! Die offizielle deutsche Rundfunk- Propaganda setzt ihre Heze ungestraft fort. Jeder Tag bringt eine Steigerung der Kriegslüsternheit des Herrn Hitler. Wenn wir den Wienern in wirtschaftlicher Beziehung beispringen, dann wird das an den Dingen nichts ändern: unsere Pflicht ist es, den Herren in Berlin die Forts sesung ihres Krieges unmöglich zu machen! zu gewinnen, das hat uns Herr Hitler in dankenswerter Offenheit bewiesen. Nichtern und schonungslos haben wir hieraus die nötigen die nötigen Ronie quenzen zu ziehen! Worauf warten wir eigentlich noch? Der Kanzler Dollfuß befindet sich in einer verzweifelten Rolle! Wenn wir nicht handeln, dann zwingen wir ihn geradezu zur Kapitulation vor Hitler! „ L'Oeuvre": Hitler- Deutschland gleicht einem betrunkenen Menschen, der bis an die Zähne mit den modernsten Kriegsmaschinen bewaffnet ist. Und der Bundeskanzler Dollfuß, der über geringste Rüstungen verfügt, ist dazu verurteilt, den deutschen Generalangriff tatenlos zu erwarten. Wollen wir diesen unmöglichen Zustand denn nicht endlich ändern? " Le Temps": Worin besteht in Wahrheit das außenpolitische Ziel Deutschlands? Man ist veranlaßt, sich in allem Ernst diese Frage zu stellen, wenn man die standalösen Widersprüche der Berliner Politik beobachtet. Kaum hatte Deutschland seine Unterschrift unter den Viermächtepakt gesetzt, als Herr Hitler auch schon mit einer seltenen Brutalität seinen Feldzug gegen Desterreich in Szene sezte, eine Aktion, wie sie die Geschichte der Kulturnationen bisher nicht kannte, Herr Hitler pfiff auf die Empfehlungen, die Herr Mussolini dem Vizefanzler von Papen auf den Weg mitgab, und er lachte über die Notwendigkeit, normale Beziehungen zwischen Berlin und Wien herzustellen. Im Gegenteil, er hat die anti- öster= reichische Propaganda forciert und als dann die internationale Welt sich gezwungenermaßen mit der peinlichen Affäre beschäftigen mußte, da hat er die freundschaftlichen Demarchen Frankreichs und Englands in sichtbar schlechter Laune entgegengenommen. Daß er den Viermächtepakt gebrochen und den Frieden Europas aufs Spiel gesezt hat, scheint er selbst heute noch nicht begreifen zu können! Alle Versprechungen, die er feierlich abgab, find nicht gehalten worden! Und feine Versuche, die Verantwortung der Regierung abzulenken, sind an eindeutigen Dokumenten gescheitert! Wir haben ein Recht zu erfahren, woran wir eigentlich sind! Auf der einen Seite beteuert Herr Hitler seine Friedensliebe, auf der anderen Seite aber treibt er mit offenen Augen zum Kieg!- Die deutsche Regierung behält sich das Recht vor, die Begriffe der internationalen Verständigung so auszulegen, wie man es in Berlin als zweckmäßig erachtet. Vier Jahre Zeit will Herr Hitler gewinnen, um den nationalsozialistischen Staat und die nationalsozialistische Armee auszubauen. Und wir? Wir Schupo schießt auf SA. Etwas rätselhafte Meldung Wolff meldet unter dem 21. Auguft aus Berlin: Bei der Festnahme einer Frauensperson gab ein Kriminals beamter im Glauben von der Menge bedroht zu sein, Schüsse ab, wobei ein SA.- Mann tödlich getroffen und ein anderer schwer verlegt wurde. Kurierdienst Fast 7 Jahre Gefängnis Kaffel, 20. Auguft.( Telegr.) Vor dem Strassenat des Kasseler Oberlandesgerichts fand die Tätigkeit der rheinischen PD.- Zentrale in Koblenz durch eine Verhandlung gegen mehrere kommu nistische Funktionäre eingehende Beleuchtung. Bier Ange tlagte wurden überführt, noch während der letzten Reichs tagswahl als Kuriere dieser Zentrale Briefe befördert zu haben, in denen zu einer Zusammenkunft am Bahnhof Ehrenbreitstein aufgefordert worden war. Diese Zusammens funft wurde jedoch von der Polizei aufgehoben und führte zur Verhaftung verschiedener Leute. Für die geleisteten Kurierdienste erhielten der Steinzeugdreher Molzberge aus Grenzhausen und der Arbeiter Zimmerschied aus Oberlahnstein je zwei Jahre, der Hafenarbeiter Bern, hardt aus Koblenz ein Jahr neun Monate und der Autos schloffer Engel aus Koblenz- Neuendorf ein Jahr Ge fängnis. Nur der Unterschied, daß die Taten in der Zeit zwischen dem vorläufigen und dem endgültigen Verbot der KPD. lagen, bewahrte die Angeklagten vor emp findlichen Zuchthausstrafen. Die Kölnische Zeitung" versieht diese furchtbaren Urteile mit der Ueberschrift„ Glimpflich davongekommen". Hoffentlich bekommt diese Sorte von Redakteuren noch Ges legenheit, in der Praxis kennen zu lernen, was einige Jahre Gefängnis bedeuten. Zuchthaus für Kritiker Auch für ,, alte Garde" Der stellvertretende Gauleiter der NSDAP. Berlin erläßt ein Rundschreiben, in dem er auch ältere Parteigenossen und Amtswalter, die ohne jeden Grund Kritik an der Partei und ihren Führern üben", mit Zuchthausstrafen bedroht. Jeder, der kritische Aeußerungen hört, hat sie sofort zu mel den und wird bestraft, wenn er die Meldung unterläßt. leben in geradezu gefährlichen Illusionen! Den Juden geschicht nichts" Der frühere Polizeichef des Expräsidenten Machado hat im Gefängnis Selbstmord begangen. Kubanischer Pöbel holte die Leiche aus dem Schauhaufe, hing fie an einen Pfahl und zündete darunter Feuer an. Tausende von Menschen fahen unter Flüchen und Verwünschungen zu, wie der Körper in die Flammen fiel und verbrannte. Wie Renter von ermächtigter Seite erfährt, hat der japa nische Geschäftsträger in Paris der französischen Regierung im Auftrage des japanischen Kabinetts eine Note überreicht, in der Einwendungen gegen die Belegung einiger Inseln im südchinesischen Meer durch Frankreich erhoben werden. Sie werden nur geächtet Aus München wird gemeldet: München, 20. Aug. Die Stadtverwaltung München hat nunmehr nach dem Vorbild anderer Städte mit sofortiger Wirksamkeit Personen nichtarischer Abstammung den Besuch der städtischen Badeanstalten mit Ausnahme der Brause-, Wannen- und medizinischen Einzelbäder untersagt. Nach dem Vorbild" ist entzückend Die zwiefache Fratze Braune Tatsachen AUSLAND Friedlich nach außen Raketen DEUTSCHLAND 5 1933 mörderisch nach innen Stammtisch staatsgefährlich Richtig: Das ganze ,, dritte Reich" ist ein großes frühere beutschnationale Reichtags- und bayrische LandtagsFeuerwerk Karlsruhe, 20. Aug.( Inpreß). Das nationalsozialistische Organ„ Der Führer" berichtet über ein Riesenfeuerwerk für den Reichsparteitag wie folgt: " Die Organisationsleitung für den Reichsparteitag hat am heutigen Tage die Vorarbeiten für ein Riefenfeuerwerk, wie es in der Welt noch nie veranstaltet wurde, abgeschlossen. Tagelang war ein Stab von Mitarbeitern der OrganiWie die„ Coburger Nationalzeitung" berichtet, ist der abgeordnete Oekonomierat Fromm, der Besizer des Rittergutes Breitenau bei Rodach( Oberfranken), verhaftet und in das Landgerichtsgefängnis Coburg eingeliefert worden. Er soll bei einer Unterhaltung am Biertisch eine herabsetzende Aeußerung über den Reichskanzler Hitler gemacht haben. In Coburg wird ein sehr füffiges Bier gebraut. Der Rittergutsbesitzer Fromm, ein sehr rechtsgerichteter Stahlgelöst, so daß er die Wahrheit sagte. Wer aber die Wahrheit fundtut, wird eingesperrt. Wie der„ Völt. Be o b." berichtet, soll das alte Brandens burger Zuchthaus, das seit geraumer Zeit leer steht, jetzt mit Schutzhäftlingen belegt werden. Mit der Belegung soll am 20. August begonnen werden. * Die Polizei nahm in Nürnberg in den letzten Tagen 80 Funktionäre des kommunistischen Jugendverbandes fest, der sich durch eine außerordentliche Aktivität auszeichnete. Die Festgenommenen wurden ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Damit ist es der Polizei gelungen, den größten Teil der kommunistischen Führer Nordbayerns unschädlich zu machen. * Am Sonntag wurde in Nürnberg ein„ arisches" Mädchen von 19 Jahren von SA.- Leuten in Begleitung eines Inden angetroffen, festgenommen und mit einem Plakat, das ihr umgehängt wurde, durch die Straßen geführt. Ich habe mich einem Juden hingegeben," stand auf dem Plakat. Außerdem wurden dem Mädchen ganze Haarsträhnen ausgeschnitten. * Der römische Gruß durch Erheben der Hand, der als „ deutscher Gruß" in Deutschland obligatorisch eingeführt wurde, wird jetzt nicht nur von der heimischen Bevölkerung, sondern auch von den Ausländern verlangt. Es mehren sich die källe, daß Ausländer, die zögern, marschierende SA.Abteilungen durch Erheben der Hand zu grüßen, gewaltsam zum deutschen Gruß gezwungen werden. Neuestens ist dieser Fall dem amerikanischen Arzt Mulvihill zuge= stoßen, der auf der Berliner Straße Unter den Linden" einem Zug SA. zusah. Da der Arzt der Aufforderung, die Hand zu erheben, nicht nachkam, wurde er zu Boden gerissen und mißhandelt. Aus Warburg meldet die Frankfurter Zeitung", daß im Kleinenberger Wald der Adjutant des KPD.- Führers Hesse, der in ein Konzentrationslager geschafft werden sollte,„ auf der Flucht" erschossen worden sei... Der Kleinen= berger Wald liegt bei Warburg, eine Autostunde von Detmold entfernt. Merkwürdigerweise wurde an der gleichen Stelle der Genosse Felix Fechenbach auf der Flucht" erschossen, als er im Auto von Detmold in das Konzentrationslager Dachau transportiert werden sollte. Die Planmäßigkeit, mit ber hier in beiden Fällen seitens der Nazibestien vorgegangen worden ist, ist ganz offensichtlich! Die Frankfurter Zeitung" fritisiert die widerspruchsvolle und unklare Politik der Regierung Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften gegenüber in einem Aufsatz, in welchem fie berichtet, wie in Neumünster ein im März demoliertes und jetzt wieder eröffnetes Einheitspreisgeschäft erneut mit Steinwürfen bedacht wurde. Das Blatt zitiert Kundmachun= gen der Kreisleitung der NSDAP. in Heilbronn, die den Ankündigungen des Reichswirtschaftsministers ftrift ents gegenlaufen und zu Gewalttätigkeiten und Boykotten aufrufen. Ein zweiter Fall Bredow Aus Deutschland wird uns geschrieben: Was schon längere Zeit in eingeweihten Kreisen gemunkelt wurde, läßt sich nicht länger verheimlichen: Der Geheime Legationsrat Dr. Walter Frisch, leitender Direktor der vom Reich übernommenen Dresdner Bank, hat die Reichsregierung wissen lassen, daß ihn die Zustände, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus in den öffentlichen Ban fen und Reichsbetrieben eingerissen sind, veranlassen, seine Stellung aufzugeben. Denn Dr. Frisch, der auf eine ehrenvolle Beamtenlaufbahn und eine erfolgreiche Betätigung als Bankleiter zurückblickt, hat das Reich es zu verdanken, daß seinerzeit die Uebernahme der Dresdner Bank und der Darmstädter und Nationalbank durch das Reich in geordneten, für Staat und Wirtschaft vernünftigen Formen erfolgte. Als Personaldezernent der Dresdner Bank soll er nun die nationalsozialistische Personalpolitik decken: fähige Angestellte, die jahrzehntelang für die Bank ihr Bestes geleistet hatten, wurden auf die Straße geworfen, nur weil ihr Großvater Jude war; unfähige Nichtskönner wurden eingestellt, nur weil ihr Onkel ein nationalsozialistischer Bonze ist; bewährte Kräfte mußten abgebaut werden, weil ihre Privatgesinnung den Denunzianten der NSBO. nicht genehm war; Familienväter wurden brotlos und halbwüchsige Burschen erhielten, sofern sie nur Protektionskinder waren, Zulagen. So hat denn Dr. Frisch es vorgezogen, in voller Schaffenskraft die ihm liebgewordene, phantastisch hoch bezahlte Stellung aufzugeben, um ein anständiger Mensch bleiben zu können. Ein im„ dritten Reich" seltener Fall. Auffälliger Herzschlag Man schreibt uns: Lakonisch meldet die gleichgeschaltete deutsche Presse: Der Münchener Universitätsprofessor Dr. Georg Bergs sträffer ist an der Südspizze des Waymann abgestürzt. Da der Körper teine nennenswerten Verlegungen aufwies, dürfte ein Herzschlag die eigentliche Todesursache sein. Die alpine Rettungsstelle Berchtesgaden fand den Toten, der eine nicht besonders steile Felswand hinuntergefallen war, bald auf. Wir haben die ernsteste Vermutung, daß es sich mehr um einen Herzschlag" des dritten Reichs" ge= handelt hat. Man muß Professor Bergsträssers politische Haltung kennen, wie er sich mannhaft gegen jegliche Gleichschaltung der Gesinnung gewehrt hat. fationsleitung auf den riefigen Pläzen tätig, um zunächst helmmann, liebt dieſes Bier, und es hat ihm wohl die Zunge Fort mit..... theoretisch die folossale Auswirkung dieses Monsterfeuerwerkes zu ermessen. Jezt, nachdem die Organisation dieses gigantischen Feuerwerts festgelegt ist, beginnt die praktische Arbeit in den Fabriken. Hunderte von Volksgenossen sind tätig, um für das Luftbombardement, für die Salute, Raketenfreuzfeuer, für den Riesenwasserfall im Verwandlungsfeuer usw. die erforderlichen Raketen herzustellen. Tausende von Bombenrohren müssen bereits zum Transport nach Nürnberg hergerichtet werden, damit sie die Gold- und Silberkometen und Mammutpolypenbomben bis in eine Höhe von 300 Meter Schießen fönnen. Vierundzwanzig große Gruppen von je 80 Mörsern und Abschußbatterien bis zu den schwersten Kalibern treten auf filometerlangen Fronten in Tätigkeit. Weit über 25 000 Rafeten sollen in vier- bis sechzehnfacher Verwandlung am nächtlichen Himmel über dem Festgelände ihr prächtiges Farbenspiel zeigen." Dachau Betonmauern und geladener Stacheldraht München, 20. Auguſt( Inpreß). Eine amtliche Mitteilung besagt:„ Den verschiedenen Fluchtversuchen der letzten Zeit aus dem Lager Dachau wird jetzt durch neue Sicherungsmaßnahmen die Möglichkeit einer Wiederholung genommen. Dreifacher Stacheldraht, welcher nachts mit Strom geladen ist, fugelsichere Betonschießtürme mit Maschinengewehren ist, fugelsichere Betonschießtürme mit Maschinengewehren versehen, werden unüberwindliche Hindernisse bilden." Die Lagerverwaltung nimmt offenbar an, daß die immer wieder„ auf der Flucht" erschossenen Gefangenen mit Maschinengewehren versehen sind, um die armen, unbewaffneten SS.- Leute hinterrücks massafrieren zu können. Ein Flugblatt 66 Die Braunschweiger Tageszeitung, das Organ der Natio= nalsozialisten, veröffentlicht mit Entrüstung ein Flugblatt, dessen Text nicht uninteressant ist. Das Flugblatt enthält u. a. folgende Säße:„ Deutschland erwache! Die Welt sendet dem deutschen Volk Grüße und bedauert, daß das deutsche Volk nunmehr als Sklaven eines Hitler, Göbbels, Göring, Rosenberg u. a. durch harte Zeiten gehen muß.... Im Interesse der Zivilisation, alle wieder zu erwachen und Eure Tyrannen abzuschütteln... Fort mit ausländischem Gesindel Adolf Hitler und Alfred Rosenberg! Fort mit einem Phantasten wie Göbbels! Fort mit einem Göring, der Brände und Flugangriffe inszeniert!" Sigt in der Redaktion dieses Naziblattes ein Marrist, der diese Wahrheiten in die Zeitung geschmuggelt hat? H. N. Brailsford, London Wie Hitler den Russen zu Hilfe kam Adolf Hitler hat uns allen durch Vermittlung einer amerifanischen Zeitung erzählt, daß er uns vor einem Weltbrand bewahrt habe, als er den Reichstagsbrand löschen ließ. Er habe sich nämlich davon überzeugt, daß die Kommunisten im Begriff waren, alle öffentlichen Gebäude in die Lust zu Sprengen, die in Europa ebenso wie die in Amerika. Die Falturwelt zeigt ihrem Retter wenig Dankbarkeit. Denn die bemerkenswerteste diplomatische Entwicklung der letzten Nonate ist, daß Rußlands Stellung in der Welt sich im gleichen Maß erhöht hat, wie die Stellung Deutschlands ge= sunten ist. Diese entgegengesetzten Bewegungen stehen miteinander in engem Zusammenhang. In der Eröffnungssigung der Londoner Weltwirtschaftskonferenz machte Hugenberg seinen einfältigen Vorschlag, Deutschland zu erlauben, die Länder an seiner Ostgrenze zu folonisieren. Bevor die Konferenz zu Ende war, konnte Litwinow ankündigen, daß Rußland Nichtangriffspakte mit nicht weniger als acht seiner Nachbarn abgeschlossen habe. Wahrscheinlich war das eine direkte Folge der Enthüllung der begehrlichen Naziwünsche, denn wenig stens vier dieser Pakte wurden mit Ländern geschlossen, die als zukünftige Kolonien des Dritten Reiches gedacht waren. Diese Patte fassen das Wort„ Angriff" in so weitem Sinne auf, und bestimmen es doch so sorgfältig, daß sie, solange Papier in der Diplomatie noch gültig im Umlauf ist, einen weit größeren Wert besitzen als der vage Kollegg- Pakt. Ihre wirkliche Bedeutung aber ist viel einfacher. Sie bedeuten, daß Polen, Estland, Lettland und Litauen die Gefahr eher im Westen als im Osten sehen. Diese Länder vermuten, daß Herr Göring und seine Sturmtruppen die wirklichen Brandstifter sind, die öffentliche Gebäude in Brand setzen. Was sie in Berlin getan haben, könnten sie auch anderswo tun. Noch bemerkenswerter war das Benehmen des eng= Iischen Auswärtigen Amtes, dessen Tempo sonst gewöhnlich langsamer ist. Als die Konferenz begann, war England in einen heftigen Streit mit Rußland begriffen. Es hatte seinen Gesandten aus Moskau zurückberufen und ein Verbot auf die russische Einfuhr nach England gelegt. Der englische Außenminister Sir John Simon dürfte nun die Rebe des Herrn Hugenberg gehört haben denn er tat den ersten Schritt und lud Herrn Litwinow zu einer freundschaftlichen Aussprache ein. Das Ergebnis war zufriedenstellend. Die Russen erkannten, daß sie sich durch Ausweisung der beiden höchst verdächtigen englischen Ingenieure, die sie eingesperrt hatten, ausreichend gegen Spionage sichern konnten, und das Einfuhrverbot wurde daraufhin aufgehoben. Diese Woche wurde mitgeteilt, daß ein neuer Gesandter nach Moskau entsendet werden wird. Sir E3mond Ovey, der bisherige Gesandte, dessen melodramatische Methoden an dem größten Teil der Schwierigkeiten schuld waren, wird nicht zurückkehren und kein weiteres Unheil stiften dürfen. Sein Platz wird durch Lord Chilston, den bisherigen Budapester Gesandten, ausgefüllt, der, wie man hört, ein ruhiger und weniger unternehmungslustiger Herr ist. Was noch besser ist, die englische Regierung verhandelt über ein neues Handelsabkommen mit Rußland auf vielversprechenden Grundlagen, die jeden zufünftigen Bruches hat deren in der Vergangenheit zwei gegeben- unwahrscheinlich machen würden. All dies ist ebenso überraschend wie erfreulich. Während der Mandschureiaffäre, als man sich vergeblich bemühte, die Gründe zu entdecken, warum Sir John Simon seinen parteiischen Sympathien für Japan Ausdruck gab, obwohl er damit den Völkerbund sabotterte, dachten manche, er sei durch eine Erwägung beeinflußt, die allen Reaktionären naheliegt. Sie bewundern Japan, weil sie Japan als ben zufünftigen Sieger Rußlands im Fernen Osten betrachten. Sie nennen Japan den Gendarm der Zivilisation" und meinen damit die Sturmtruppe des Kapitalismus. Heute scheint dieser Verdacht weniger begründet, Wenn das Auswärtige Amt in London den Angriff auf Rußland in naher Zukunft vorbereiten wollte, dann hätte es mit Leichtigkeit den Streit wegen der zwei Ingenieure lebendig erhalten können und hätte dabei noch den Beifall der lärmendsten Gruppe unter den Konservativen gehabt. Es tat das Gegenteil. Wenn also das Außenamt jemals derartige Pläne gehabt hat- Hitler hat es auf andre Gedanken gebracht. Das gilt auch für andre Regierungen. Es wird zuversichtlich behauptet, daß Präsident Roosevelt, der bereits den amerikanischen Kredit in den Dienst der Förderung der amerikanischen Ausfuhr nach Rußland gestellt hat, im Begriff ist, Rußland diplomatisch anzuerkennen: etwas, was keiner seiner Vorgänger gewagt hat. Wenn die amerikanische Industrie wieder aufsteigen soll, dann braucht sie auswärtige Märkte und denkt dabei besonders an China und Rußland. Gleichzeitig war der französische Ministerpräsident Daladier gegenüber Litwinow bei dessen Besuch in Paris demonstrativ freundlich und das mag manche wertvolle diplomatische Früchte tragen. Man hat hier wohl die französische Antwort auf Papens tindischen Vorschlag vor sich, den er Württemberg gegen Preußen eine andere Wiethode vor sich. ' Abrücken von den schwindelhaften ,, Siegen" in der Arbeitsschlacht Nach einer Erklärung des württembergischen WirtIchaftsministeriums sind bereits mehrere Oberamtsbeairte ganz oder fast völlig von Arbeitslosen frei. Um feine falfchen Hoffnungen zu erweden, wird Württemberg aus grundsäglichen Erwägungen heraus mit derartigen Meldungen auch in Zukunft zurückhaltend sein. Wie aus Berichten der letzten Wochen über die Bemühungen des württembergischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht, wird in Württemberg das Schwergewicht auf eine dauernde Beseitigung der Arbeitslosigkeit gelegt." Mit welchen Mitteln die„ Arbeitsschlacht" geliefert wird, zeigt folgender Bericht in der„ Bossischen Zeitung" vom 18. August: Verschiedene Gemeinden und Landkreise sind dazu übergegangen, während der Erntemonate den Bezug der Wohlfahrtsunterstüßung zu sperren, weil sie der Ansicht sind, daß jeder Arbeitsfähige als Erntehelfer ein Auskommen finden kann. So zahlt der Kreis Wittgenftein an alle Erwerbslosen unter fünfzig Jahren keine Wohlfahrtsunterstüßung mehr, und nur dann wir bie Unterstützung wieder gezahlt, wenn von mindestens dreiBig Landwirten des Streises die schriftliche Erklärung beigebracht wird, daß sich der Unterstüßungsempfänger bei ihnen vergeblich um Arbeit bemüht hat. Man weiß, daß sich viele Gemeinden in einer recht schwierigen Finanzlage befinden. Besonders den kleinen Gemeinden wird es schwer, die Unterstüßungslasten aufzubringen. Ob die ausgemergelten Leute die schwere Landarbeit Teisten können, danach wird nicht gefragt. Entweder sie gehen als Sklaven zu den Bauern, oder sie müssen ganz verhungern. Dic Affensprache Bon Michael Sostschento. Schwierig ist die russische Sprache, teure Mitbürger! Ach wie schwierig! Und hauptsächlich deshalb, weil es so teuflisch viel Fremdwörter darin gibt. Nun nehmen Sie einmal die französische Sprache. Alles ist klar und verständlich. Resteja, mersi, fomst alles, wie Sie sehen, rein französische verständliche Worte. Und bitte schön, nehmen Sie mal einen russischen Satz daalso nicht zu glauben. Alles durchsetzt von Fremdgegen wörtern. mit unverständlichem nebelhaftem Sinn. Man stolpert über Worte, verliert den Atem und ruiniert seine Nerven. Da habe ich gerade vor einigen Tagen ein Gespräch mit angehört. Das war auf einer Versammlung. Meine Nachbarn unterhielten sich. Es war zweifellos eine sehr kluge und intelligente Unterhaltung, aber ich als Mensch ohne höhere Bildung hatte die größte Mühe, ihr Gespräch zu verstehen und kam aus dem Staunen nicht heraus. Es begann folgendermaßen. Mein Nachbar, ein Mann in mittleren Jahren, neigte sich zu seinem Nachbarn und fragte Höflich: In Hamburg geht die Befreiung von Arbeitslosen durch Der Hamburger Senat hat befchloffen, künftig in same burg allen Personen, die noch Mitgliedsbeiträge für die SPD., KPD. oder deren Nebenorganisationen leisten, feinerlei Unterstüßungen mehr auszuzahlen. Weder Arbeitslosenunterstützung, noch Invaliden- oder Kriegsbeschädigten- Unterstützung. Wer nicht eine von der Obrigfeit vorgeschriebene Gesinnung zur Schau trägt, soll zum Verhungern verurteilt werden. Diese neue Verfügung wird wieder Anlaß geben zu unendlichen Denunziationen. Jeder, der einen guten Freund hat, wird der Beitragszahlung an eine der gar nicht mehr bestehenden Organisationen beschuldigt werden. Der nationalsozialistische Pressedienst empfiehlt die Verfügung des Hamburger Senats zur allgemeinen Nachahmung, denn kein Mittel soll unversucht bleiben, um die rote Pest mit Stumpf und Stiel auszurotten.. Die barbarischen Kampfmethoden der nationalsozialistischen Machthaber werden immer gemeiner. seinerzeit Herriot in Lausanne machte: daß Frankreich den Deutschen Waffen zur Niederwerfung Rußlands zur Verfügung stellen solle. Im Gegenteil findet eher eine Rückkehr zum Vorkriegsgleichgewicht der Kräfte statt. Paris und Moskau reichen sich die Hände über das dazwischen liegende Hindernis Deutschland hinweg. Es wird zwar feinen neuen Zweibund geben, aber eine etwas widerspruchsvolle Freundschaft der beiden Mächte ist möglich. Man sieht aus diesen Schachzügen die ersten Zeichen einer neuen Gruppierung, die an die berühmte„ Einfreisung" erinnert, über die sich das kaiserliche Deutschland vor dem Krieg beklagte. Gewiß ist dies ein untaugliches Mittel zur Erhaltung des Friedens; obendrein ist diese Gruppierung offenfundig unsicher, denn ebenso wie vor dem Krieg spielt Italien sein eigenes Spiel, einmal auf dieser Seite, einmal auf jener. Das Ganze ist ein Symptom unserer europäischen Krankheit und nicht ihr Heilmittel. Das englische Handelsabkommen mit Rußland wird durch die Versprechungen fompliziert, die England den Kanadiern in Ottawa gegeben hat, denn das kanadische Holz kann ohne wirtschaftspolitische Unterstüßung mit der russischen Ware nicht fonfurrieren. Vielleicht wird irgendeine geschickte For mel gefunden werden, um diese Schwierigkeiten zu umgehen. Es ist bereits bestimmt, daß ein fires Verhältnis zwischen der russischen Einfuhr und Ausfuhr von und nach England ge= schaffen wird. Bis jetzt hat Rußland dreimal soviel an England verkauft, als es gekauft hat, obwohl die russischen Maschinenkäufe seit einigen Jahren zunahmen und wenig stens sechzigtausend englische Arbeiter in der Maschinen industrie beschäftigten. Das neue Verhältnis soll die russischen Käufe nach England mit zehn zu zwölf festsetzen. Ein ähn liches Prinzip hat England auch im Vertrag mit Dänemark verfolgt: es ist ein Beispiel der neuen Tendenz zum Naturaltausch. Englische Maschinen werden gegen russisches Holz, Del und Pelze eingetauscht werden. So müssen im internatio nalen Handel sogar höchst fapitalistische Regierungen eine ge wisse Planwirtschaft einführen, um einen Ausweg aus dem Wirrwarr der letzten Jahre zu finden. Man kann das begrüßen; eine Arbeiterregierung würde auf diesem Wege jedenfalls noch viel weiter gehen. Im Fall Rußland wird dies ein Schutz gegen neue Versuche der Konservativen sein, eine Beziehung zu zerstören, die für beide Länder zweifelIos vorteilhaft ist. Und dafür, gewiß mehr als für unsere angebliche Rettung vor den kommunistischen„ Brandstiftern", müffen wir Adolf Hitler dankbar sein. Seld gut zu Tieren quält lieber Menschen! Das Verbot der Vivisektion ist bereits am Mittwoch in Kraft getreten durch einen Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten Göring. Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt darüber mit: Der preußische Ministerpräsident Göring hat einen Erlaß herausgegeben, wonach vom heutigen Tage ab die Vivisektion von Tieren aller Art für das gesamte preußische Staatsgebiet verboten wird. Der Minister präsident hat die zuständigen Ministerien beauftragt, ihm unverzüglich ein Gesetz vorzulegen, nach dem die Vivisektion mit hohen Strafen belegt wird. Bis zum Erlaß dieses Gesebes werden Personen, die trotz des Verbots die Vivisektion veranlassen, burchführen oder sich daran beteiligen, ins Ronzentrationslager abgeführt. Hier steht kleinen Vivisektionsübungen an Menschen weiter wächst Haß. Die Hungerpeitsche regiert, und wo sie hinschlägt, nichts im Wege. Judenschweine" Plakat an der Hauptpost In der Bezirks- und Fremdenstadt Konstanz a. B. be. findet sich an ganz auffälliger Stelle, an der Hauptpoft, ein Plakat folgenden Inhalts: Konstanzer Christenmädels die mit Judenschweinen verkehren, werden fotografiert und im„ Stürmer" veröffentlicht. Das Plakat wird von SA.- Leuten bewacht. - Sieh mal an, verwunderte sich der erste, habe mir doch gleich gedacht, es sah mir gleich nach Plenar aus. Ja, Sie können ganz beruhigt sein, sagte der zweite streng, heute ist eine absolut plenare Versammlung. Und ein Quorum hat sich zusammengefeßt, einfach hervorragend. Ist das möglich? fragte der Nachbar. Auch ein Quorum ist vorhanden? Bet Gott, sagte der zweite. -Und was ist denn das mit dem Quorum, wenn ich fragen darf? Na so, sagte der Nachbar ein wenig verlegen.- Es hat sich eben zusammengesetzt, weiter nichts. - Was Sie nicht sagen, sagte der erste Nachbar nachdenklich den Kopf schüttelnd, und in welcher Hinsicht eingentlich, wie? Der zweite Nachbar zuckte mit den Achseln und sah seinen Nachbar streng an, dann fügte er mit freundlichem Lächeln hinzu: - Sehen Sie, Genosse. Sie scheinen mit diesen Plenarfizungen nicht ganz einverstanden zu sein. Aber mir liegen sie sehr. Wissen Sie, da ist alles minimal den Anforderungen des Tages entsprechend. Obgleich, aufrichtig gesagt, ist meine Einstellung diesen Bersammlungen gegenüber in letzter Zeit eine ziemlich permanente. Da tft legten Endes doch sozusagen gewissermaßen nichts wie Industrialisterung, es wird boch nur leeres Stroh gebroschen. Nun das kommt darauf an, entgegnete der Zweite. Sagen Sie, Genosse, ist das eine Plenarversammlung Wenn man sich allerdings auf einen gewiffen Standpunkt oder nicht? stellt, und von diesem Standpunkt aus. gewiß, dann Blenar, erwiderte der Nachbar leichthin, fann man von Industrialisierung sprechen, tonfret. „, Edle Tat" Der Weltbund zum Schuße der Tiere und gegen die Vivisektion E. V., Berlin, und Verband vivisektionsgegnerischer Tierschutzvereine Deutschlands haben an den Reichskanzler Adolf Hitler folgendes Telegramm gerichtet:„ Für das Verbot der gesamten Vivisektion in Preußen, für das wir jahrzehntelang aussichtslos fämpften, sagen wir im Namen aller Tierschutzler Ihnen, Herr Reichskanzler, unseren tiefgefühlten Dant. Wir sind überzeugt, daß diese edle Tat auch edle Früchte tragen wird. In treuer Gefolgschaft unserem Führer„ Sieg- Heil!" Sowohl konkret, als auch faktisch, zweite streng. verbesserte der Da haben Sie vielleicht recht, gab der erste zu. Das lasse ich gelten. Konkret und faktisch. Das heißt, es tommt darauf an... manchmal... Immer, verehrter Genosse, immer, erwiderte kurz der Zweite. Besonders, wenn die Erregung in der Untersektion nach den Vorträgen minimal geworden ist, dann nimmt die Diskussion und das Geschrei kein Ende. Auf der Tribüne erschien ein Mensch und machte ein Zeichen mit der Hand. Alles schwieg. Nur meine Nachbarn fonnten sich nicht gleich beruhigen. Sie fonnten nicht darüber einig werden, ob die Erregung in den Untersektio nen minimal oder anders wäre. Es wurde ihnen durch Zischen bedeutet zu schweigen. Sie zuckten die Achseln und schwiegen. Dann neigte sich der erste Nachbar zum zweiten und fragte: Wer ist das dort, der eben hinausging? Der? Das ist das Präsidium. Ein ganz scharfer. Und ein erstklassiger Orator. Der Redner erhob die Hände und begann zu sprechen. Und jedesmal, wenn er stolze Fremdwörter mit nebelhaftem Sinn aussprach, nidten meine Nachbarn ernst mit den Köpfen. Wobei der zweite Nachbar streng zu dem ersten hinüberblickte, als wollte er ihm zeigen, daß er in dem eben stattgefundenen Streit doch Recht behalten hätte. Ja, schwer ist es, Genossen, russisch zu sprechen. ( Aus dem Russischen übertragen.) ind Deutsche Stimmen " Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit" Liebling, mein Liebling!" Der Heros und Eros der deutschen Frau In das Dunkel der Beziehungen zwischen der Hysterie und der Hin- zu- Hitler- Bewegung gibt der Brief einer reichsdeutschen Nationalsozialistin Einblick, den die„ Basler Nachrichten" anläßlich einer Leserdiskussion über das„ dritte Reich" erhielten. Die Parteigenossin Adolf Hitlers schreibt über den Führer": Wir erleben heute so viele Wunder durch unseren Wun dertäter, unseren Führer, unseren vergötterten Liebling, unseren angebeteten Kanzler, daß wir aus dem Staunen, aus einer fast zu heftigen Ekstase gar nicht mehr herauskommen! Wer hätte vor einigen Monaten an das Unmögliche geglaubt, das dieser über lebensgroße Heros täglich neu schafft? Welch ein Mann, welch ein Christ, welcher Gottgesegnete iſt er! Wir können nur immer beten: Herr, schüße und erhalte ihn unserem armen Volfe, das du wieder in Gnaden angenommen hast, als alles zu Ende und zerbrochen schien! Laß deinen Segen weiter über dem Einzigen walten, den du uns in der zwölften Stunde zur Rettung geschickt hast, den wir gar nicht verdienen in seiner Reinheit, Großmut und Güte, in seinem unaussprechlichen herrlichen Führertum!" Wir sind ja so glücklich unter diesem gottgesegneten Mann wir, die wir zertreten, verachtet, verhöhnt, verloren waren, find wieder zu„ Men= schen" gemacht, die Gott wohlgefällig zu leben imstande sind, nachdem wir in Verbitterung alles über Bord geworfen hatten, was uns ehedem hoch und heilig war. Welch ein Liebling Gottes ist er? Und welch ein Liebling des Volkes! Und dieser Größte aller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehört- uns! Uns! Ist es nicht zuviel des Glücks? Haben wir es verdient? Ist es nicht lauter Gnade? Vielleicht lachen Sie mich aus- tut nichts, lachen Sie nur! Wir lachen auch wieder und blühen und grünen in seligem Vertrauen auf den Einzigen, den Retter und Befreier Kanzler, unseren Helden! unseren, unseren Es wäre falsch, an diesen Schrei einer Liebenden nur satirische Glossen zu hängen. Hier offenbart sich mit letter Deutlichkeit die Quelle, aus der die nationalsozialistischen Heroen unermüdlich Wasser schöpfen können. Es ist der Drang halber und schwacher Menschen, sich an Idealen aufzurichten, sie in metaphisische Bezirke emporzusteigern und den Eros, der so oft unerfüllt und unerlöft ist, in wilden Strömen zu beseligter Befriedigung zu bringen. Die Frau, die diesen Brief schrieb, hat heute Millionen von Ge= fährtinnen in der deutschen Weiblichkeit. Sie verdrehen die Augen vor den Bildern ihrer Lieblinge", fie möchten ihnen am liebsten unter die Hemdbrust kriechen, und sie füssen in Ermangelung des atmenden Objektes das Auto ( das ist in Berlin allen sichtbar geschehen!), das ihren Herzenshelden entführt. Auf dieser blühenden und grünen Weide schief eingeschraubter Sinnenluft fänden Freud und andere die hervorragenden Exempel dafür, wie in gewissen Zeiten zwei so verschiedene Komplere wie Politik und ver drängte Sexualität seltsame Ghen miteinander eingehen können. Die Züge der mittelalterlichen Flagellanten und Geißler, die Nonnen, die in Jesus den„ himmlichen Bräutigam" erblicken wahrhaftig, es wiederholt sich alles, der Vernunft, dem Fortschritt und der Wissenschaft zum Troß. Ereignisse und Geschichten Die hätten nicht das Recht...? Sie haben Max den Brustkorb eingetreten Und Willis Auge ist ein brandig Loch; Paul mußten sie die Süften grade kneten Und Friz fonnt wochenlang nicht gehn. Er troch. Die die„ Erhebung" noch im Rückgrat spüren, Die knapp Entwich'nen mit dem Todeskeim, Belausch die Reden, die sie draußen" führen: Sie reden nur von Deutschland, von daheim. Die hätten nicht das Recht, von Deutschland mitzusprechen, Schreibt eine Barthelshure, ein Stück Benn? Wenn nicht die Opfer all der Staatsverbrechen, Wer denn? Sie halten Marens Frau in Moabit gefangen, Sie haben Willis Tochter untersucht"; Pauls Bruder ist„ an Krämpfen eingegangen" Und Frigens Eltern:„ Als vermißt gebucht." Sie lesen Wahrheit aus geheimen Briefen Und in den Blättern offiziellen Schleim. Nachts träumen sie, daß ihre Brüder riefen Und ihr Gesprächsstoff ist und bleibt: Daheim...! Die hätten nicht das Recht, von Deutschland mitzusprechen, Von den Genoffen: Müller... Schulze... Renn... Wenn nicht die Opfer selbst das Schweigen brechen, Wer denn?!! Willi Eckenroth. Freilich, es ist möglich, daß sich die Liebenden eines Tages ,, Fideler Bauer"- nicht mehr fidel in grausam enttäuschte Hasserinnen verwandeln. Wir können uns vorstellen, daß Hitler und Göring, die Angebeteten von heute, Angst bekommen vor den Hyänen, die der unhöfliche Friedrich Schiller wiederholt auf der Tribunal der Geschichte gesehen hat. Stammcolle für deutsche Dichter Dec literarische Acierparagraf Die bösartige Satire tönnte nicht erfinden, was so im Laufe der Zeit in Deutschland blutige Wirklichkeit wird. Zu den neuesten Errungenschaften des dritten Reiches" zählt, so lesen wir in dem vortrefflichen Neuen Tagebuch", die ind straffe 3wangsorganisation des deutschen Schrifttums", die unter dem Protektorat des Propagandaministers Göbbels im Reichsverband Deutscher Schriftsteller" durchgeführt wird. Wer immer nur im neuen Deutschland sich schriftstellernd betätigen will, sei es als Lyrifer oder als Erzähler, sei es als Sachverständiger auf dem Gebiet der Kynologie oder als Kritiker der Relativitätstheorie, muß Verbandsmitglied werden, und nach einem Bericht der„ DAZ." wird diese Mitgliedschaft in Zukunft dafür entscheidend sein, ob ein Schriftwerk in Deutschland verlegt werden kann oder nicht". Schriftsteller des„ dritten Reiches"„ eine Stammrolle" eingeführt werden wird. Jawohl, eine Stammrolle! Tie Registratur der deutschen Schriftsteller hat die gleiche Bezeichnung bekommen, wie die Rekrutenlisten des preußischen Militärs. Alle Verbandsmitglieder, so lautet die in der DA3" wiebergegebene Berlautbarung wörtlich,„ erhalten Stammrollennummern und Verbandsnadeln, die die gleiche Nummer tragen". Man sieht, daß feine falsche Ueberschäßung geistiger Funktionen das Risiko beraufbeschwört, es könnte bei der syftematischen Umwandlung Deutschlands in einen gewaltigen Rasernenhof irgendwo eine Lücke entstehen. Stefan George und Gerhart Hauptmann falls letzterer Gnade und Aufnahme findet müssen ihre Stammrollennummer in der Sturmbrigade Verboten von Daccé Aus Berlin wird gemeldet: Der in Bad Wörishofen weilende Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darre hat die Aufführung der Fallschen Operette„ Der fidele Bauer" als staatsfeindlich verboten. Es ist das erstemal, daß der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft eine Entscheidung in Zensurangelegenheiten getroffen hat, während dies bisher in das Reffort des Propaganda- beziehungsweise Reichsinnenministers fiel. Es gibt also nicht nur staatsgefährliche Parteien, Wissenschaften und Weltanschauungen, sondern auch staatsge= fährliche Operetten. Diese Erkenntnis eröffnet der Aufbauarbeit der braunen Räuberbanden erquickende Möglichkeiten. Das also ist das Wesen des dritten Reiches"! Jigendeiner der vielen Diktatoren hört sich während des Urlaubs eine Operette an und weil ihm die Operette nicht gefällt, wird sie als staatsgefährlich verboten. Und dann kommt der Diktator heim und verkündet seiner Thusnelda: ,, Heute habe ich's denen aber gezeigt!" Und Thusnelda strahlt, daß der Herr Gemahl so mächtig ist: er schlägt auf den Biertisch und der eiserne Vorhang fällt und köpft ein Theaterstück. as versteht sich andererseits, baß nur sogenannte„ deutsch- Man bajade iteratur belommen, so gut, wie der G. Ein Kopf genügt Es blütige" und" politisch einwandfreie" Schriftsteller in den Verband Aufnahme finden, wie es denn auch zu den programmatischen Aufgaben des neuen Literatur- Verbandes gehört,„ den bisherigen übergroßen jüdischen Einfluß auf diesem Gebiete auszuschalten". Wer also eine jüdische Großmutter hatte, wird die Eigenschaft eines organisierten Schriftstellers und damit das Privileg, in Deutschland gedruckt und gelesen zu werden, nicht erwerben können und hat von vornherein den Anspruch auf literarischen Ruhm in Mit- und Nachwelt verwirkt. Ausnahmen von dieser Regel wird es wohl nur in Fällen geben wie denen des Dichters Arnold Bronnen, der fich für das Produft eines außerehelichen Fehltritts seiner Schulze seine Stammrolle beim Sturmbann 158 hat. Und wer nicht vorschriftsmäßig in seiner Stammrolle steht, hat weder in den Reihen der SA. noch im Sturmtrupp der deutschen Literatur etwas zu suchen. Mit der Zeit werden wohl auch den Dichtern und Schriftstellern, die in der Etammrolle stehen, passende Dienstgrade und schmucke Uniformen verliehen werden, und wenn erst ein gewöhnlicher Stammrollen- Inhaber bei angemessener. Dienstleistung allmählich zum Oberbann- Lyriker oder Dramen- Sturmführer aufrücken kann, muß eine hohe Zeit der Literatur beginnen. Eine spätere Literaturgeschichte wird möglicherweise mit Bedauern konstatieren müssen, das Goethe zu früh gelebt Der Reichssendeleiter a bamowsky sprach im Ber liner Sportpalast über die Korruptionsstandale im Rundfunt und entwickelte dabei das nationalsozialistische Programm der Radiopolitik. Er sagte:„ Früher fragte die Reaktion: Habt Ihr Nazis denn Köpfe? Dazu haben wir immer wieder entgegnet: viele Köpfe verderben den Brei." Die Köpfe sind abgeschafft worden, uns aber stand ein unvergleichlicher Kopf, der Adolf Hitlers, zur Verfügung". Und jetzt wird ohne Köpfe gefunft. arischen Mama erklärt hat und deshalb eine Bierde bes hat und infolgedessen keine Stammrollennummer besaß. Was Geßlerhut neuen deutschen Schrifttums bleiben durfte. Ueberraschender als die Einführung des literarischen Arierparagraphen ist indessen die Ankündigung, daß für die zwangsorganisierten „ Gequälte Nation" Neudeutscher Büchermarkt Nach der Vertreibung der wahren Literatur vertreiben die deutschen Buchhändler nur noch gleichgeschaltetes „ Schrifttum", Hitlers„ Mein Kampf" prangt selbstverständlich in mehreren Exemplaren in jeder Auslage; wo dann noch Platz ist, werden die Erzeugniffe der Literaturunterfafs ausgestellt. Ein Dußend dieser Bücher sei herausgegriffen: W. Wiedfeld: Gequälte Nation. H. Megich: Arbeit und Waffe als Grundlage der Nation. Jochberg: Adolf Hitler und sein Stab. F. Th. Hort: Alfred Rosenberg, der Mann und sein Werk. Wulf Bley: SA marschiert. Hermann Burte: Der besiegte Lurch. Wilhelm Stählin: Vom Sinn und Segen des Dienens. Bruno Malig: Die Leibesübungen in der nationalsozialistischen Jdee. Nichard Kaysenbrecht: Deutschlands Wiedergeburt aus Blut und Boden. Seiffert: Der Wall im Osten. Hans Kyser: Es brennt an der Grenze. Rudolph Strap: Das deutsche Wunder. Wahrlich, eine gequälte Nation", die das alles sehen soll. , Leibesübungen in der nationalsozialistischen Jdee", das muß man sich so recht vorstellen, um das Deutsche Wunder" hätte aus diesem begabten Schriftsteller werden können, hätte schon zu seiner Zeit das deutsche Schrifttum Herrn Göbbels zum Protektor gehabt! begreifen zu können. Der„, besiegte Lurch" Marxismus hatte natürlich keine Ahnung vom Sinn und Segen des Dienens", und deshalb mußte die A, marschieren". Aus diesem Büchertiteln kann man sich ja schon ein recht anschauliches Bild vom„ britten Reich" machen. Nur ein bißchen aufrich tiger sollten sie halt sein! Ungefähr so:„ Die Ronzentrationslager in der nationalsozialistischen Idee".-„ Vom Sinn und Segen der Kommiffare". Feuerwerk und Folterung als Grundlage der Nation". Peinlich Das Vorwort Mussolinis Der Wiener jüdische Schriftsteller Paul Frischauer, der die Vaterländische Front um eine Prinz- Eugen- Biographie bereichert hat, arbeitet gegenwärtig an einer Garibaldi- Biographie. Aus London wird nun berichtet, daß der rührige Frischauer fürzlich in Rom bei Mussolini gewesen sei und ihm gesagt habe, er fürchte, man werde sein Buch in Deutschland nicht kaufen, da man jüdische Schriftsteller boykottiert. Mussolini habe erwidert:„ Ich werde Ihnen ein Vorwort für Ihr Buch schreiben. Ich bin überzeugt, daß man Ihr Buch nicht verbrennen wird." Die Schwäche Mussolinis für jüdische Schriftsteller( ein Jude hat sein Stück übersetzt, ein Jude hat einen Band Gespräche mit ihm veröffentlicht und nun will er für einen Juden ein Vorwort schreiben) wird seinen deutschen Bundesgenossen Vorwort schreiben) wird seinen deutschen Bundesgenossen allerhand Unannehmlichkeiten bereiten, und Geßlergruß Der Hitlergruß ist zum ersten Male nicht nur für einen einzelnen Betrieb oder eine Behörde, sondern für die gesamte Bevölkerung einer Gemeinde eingeführt worden. Der Gemeindevorsteher von Alpersdorf( Kreis Helmstedt) hat angeordnet, daß im Hinblick darauf, daß das große Volksfest der Gemeinde am vergangenen Sonntag und Montag die gesamte Einwohnerschaft ohne Unterschied zusammengeführt habe, der deutsche Gruß innerhalb der Gemeinde eingeführt worden sei.( Köln. Zeitg.", 17. 8.) Das Bärtchen! Das Bärtchen! Und er tut es doch Aus London wird berichtet: Der berühmte Filmfomifer Charlie Chaplin arbeitet derzeit in Hollywood an einem Film, in dem er ohne seine typische Schnurrbartfliege auf der Oberlippe auftreten wird. Chaplin, der jüdischer Abstammung ist, will nämlich einer unerwünschten Aehnlichkeit mit Adolf Hitler aus dem Wege gehen. In seinem neuen Film betritt Charlie einen Friseurladen, um sich rasieren zu lassen. Die Wand des Geschäftes ist mit den Photographien prominenter Persönlichkeiten geschmückt. Chaplin betrachtet die Bilder. Plöblich bleibt sein Blick auf dem Photo Adolf Hitlers haften. Er greift ganz entseßt an seine Oberlippe. Dann nimmt er verstohlen ein Rasiermesser in die Hand, rasiert sich blißschnell den Schnurrbart weg und verläßt den Laden. Obwohl Chaplin, wie der " Daily Expreß" berichtet, von seinen Freunden bringend gewarnt wurde, die Szene zu spielen, weil der Film in Deutschland sicher verboten wird, bleibt der Künstler bei feiner Demonstration, DAS BUNTE BLATT V. B. Ibanez TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Diciter und Revolutionär Das Leben Ibanez' lieft sich selbst wie ein Roman, gedichtet von Jbanez. Geboren am 29. Januar 1867 zu Valencia als Sohn einer angesehenen Familie, wurde Vicente Blasco Ibanez bald für die juristische Laufbahn bestimmt. Aber der Student ging einen anderen Weg, als ihm die Familie zugedacht. Er lernte an der Universität nicht nur das Recht, sondern auch das Unrecht der herrschenden Weltordnung kennen. Sein Geist entzündete sich an den revolutionären Ideen, die das Fundament der spanischen Monarchie lockerten, er wendete den Hörsälen den Rücken, um sich in dem Kampf des rebellischen Lebens zu stürzen. Ibanez schloß sich der Bewegung für Freiheit und Demokratie an. Büßte seinen Feuergeist im Gefängnis. Beteiligte sich an einer Verschwörung. Mußte nach Frankreich flüchten. 1891 kehrte er nach Spanien zurück und redigierte das republifanische Kampfblatt„ El Pueblo"(„ Das Volt") in Valencia. Er redigierte es, wie selten eine Zeitung geführt wurde: nicht nur die politischen Artikel schrieb er, sondern oft auch die Lokalnachrichten, die kleinsten Notizen, ja sogar die Inserate. In flammenden Artikeln verfocht Jbanez die Sache der Freiheit in der dunkelsten aller Monarchien. Daneben schrieb er zahllose Novellen, und wenn er für seinen Mut in den Kerker geworfen wurde, arbeitete er dort an seinen Romanen. Auf einem Schmugglerschiff fuhr er an die afrikanische Küste. Als er gegen den mörderischen spanischen Kolonialkrieg in Ruba protestierte, sollte er vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Es gelang ihm zwar, nach Italien zu entfliehen, doch kehrte er zu früh zurück, wurde von einem Kriegsgericht verurteilt und verbrachte ein Jahr im Gefängnis. Er wurde Abgeordneter und bewies sein hinreißendes Redetalent. Wurde abermals eingesperrt, wieder verbannt und rebellierte wieder. Laut erhob er im Weltkrieg seine Stimme gegen das millionenfache Morden.„ Feind bin ich dem Militarismus, dieser steten Gefahr für die ganze Welt, feind allen gekrönten und ungekrönten Diftatoren..." Als Jbanez, 61 Jahre alt, starb, hatte er mehr geleistet als ein Dichter. Ich bin ein Mann der Tat," sagte er einmal von sich selbst, und ich habe in meinem Leben noch etwas mehr getan als Bücher geschrieben. Ich war politischer Agitator und bin einen Teil meiner Jugend im Gefängnis gewesen, ungefähr dreißigmal, ich war sogar Zuchthäusler. In gefährlichen Duellen wurde ich zu Tode verwundet. Alle physischen Entbehrungen, die ein Mensch erleiden kann, habe ich kennengelernt, selbst die der äußersten Armut. Ich schmeichle mir, so wenig als möglich Literat, das heißt Berufsschriftsteller zu sein." Das Wert bes Revolutionärs Als Romanschriftsteller beweist Jbanez seine außerordent Itche, packende Gestaltungskraft. Seine Darstellung ist voll leuchtender Farben. Das Interesse des Dichters wendet sich gleichermaßen der straff geführten, leidenschaftlichen, oft dramatisch zugespitzten Handlung, wie der liebevollen Schilderung des sozialen Milieus zu. Es sind die verschiedensten Schauplätze, auf denen die Romane Ibanez' spielen. Im Roman Der Eindringling" fämpfen die ausgebeuteten Bergarbeiter von Bilbao gegen die Minenbesitzer, revolutionäre Sozialisten gegen Jesuiten und Monarchisten. In Sumpffieber" führt uns Ibanez in die Albufera, die Sumpfgegend bei Valencia, in der sich Brauch und Sitten, aber auch der härteste Lebenskampf und bitterste Not von Geschlecht zu Geschlecht vererben. Auch in die Albufera dringt die Gier nach Geld. Ein wucheriger Kneipwirt hinterläßt sein Vermögen seinem leichtfertigen Weibe nur unter der boshaften Bedingung, daß sie auf jeden Umgang mit Männern verzichte. Die Frau, die ihrem Gatten längst mit einem anderen untreu geworden, versucht nun ein heuchlerisches Versteckenspiel, bis die Geburt eines Kindes den auf die Erbschaft lauernden Verwandten den Bruch der Bedingung zu verraten droht. Die Frau und ihr Liebhaber töten das Neugeborene, aber der Mord wird entdeckt und die geldgierigen Verbrecher büßen ihre Untat. In der„ Arena" zeigt uns Jbanez den glanzvollen Aufftieg eines armen Teufels, Sohn eines Flickschusters, zum vielbewunderten Matador, dem ersten Stierkämpfer des Landes. Ehre und Reichtum hat er gewonnen- aber welch ein entsetzliches Leben muß er führen! Er ist der Sklave der Masse geworden, die nach immer neuen blutigen Sensationen lechzt. Ein aufrüttelndes Erlebnis, das Bewußtsein, daß er nur das Spielzeug einer adeligen Dame gewesen set, erschüttert sein Selbstvertrauen, und so erreicht ihn in der Arena der Tod, dem er in unzähligen Gefechten getroßt. In diesem Roman wird uns die ganze Barbarei der Stierfämpfe, aber auch die soziale Ursache dieses Volksvergnügens vorgeführt, und Ibanez' leidenschaftliche Darstellung macht den Roman zu einer wirkungsvollen Anklage. ,, Amphitrite" führt uns in das bewegte Leben des Meeres. Ein Seefahrer, Abenteurer auf allen Wasserstraßen, wird ohne sein Wissen von einer deutschen Spionin dazu mißbraucht, den Unterseebooten im Mittelmeer Brennstoff zuzuführen. Er büßt seine unwissentlich begangene Schuld, denn er wird Augenzeuge der Torpedierung des Schiffes, auf dem sich sein eigener Sohn befindet. Nun greift er, von wilden Rachegelüften erfüllt, selbst in den Krieg ein, transportiert Kriegsmaterial für die Alliierten und wird schließlich selber torpediert. Die Bodega" macht uns mit dem Weinland Spanien vertraut, mit den rebellierenden Landarbeitern und den frommen, progigen Großgrundbefizern, mit Schmugglern und Revolutionären, mit dem Kampf der Kleinbürger gegen die Großunternehmer. Das ganze Leid der geknechteten, rechtlosen ausgebeuteten spanischen Bauern ersteht in dem Roman„ Die Scholle" vor uns. Hier spricht die Bauernschaft zu uns, die noch nicht durch die Revolution befreit ist, von Wucherern und aristokratischen Grundbesitzern bis zum Weißbluten ausgenützt wird. In diesem Roman bringt ein solcher Bauer, der von seinem dem harten Boten abgerunge= nen Hof vertrieben wird, den Tyrannen um. Sein Grundstück gilt von nun an als verflucht und der ganze Haß der verbitterten Bauern wendet sich gegen einen Ankömmling, der es wagt, den verdammten Boden zu bebauen. Der Haß gegen den Unterdrücker schlägt in den Haß gegen den Bruder um, seine ärmliche Hütte wird in Brand gesteckt. Die Scholle ist verflucht... Die junge spanische Republik hat ihren Vorfämpfer und Verkünder, der in freiwilliger Verbannung in Frankreich gestorben war, nach Valencia übergeführt und ihm dort ein Denkmal gesetzt. Seine Romane gehören in Spanien zu den gelesensten Büchern. Die Büchergilde Gutenberg hat die wichtigsten Werke in guten Uebersetzungen auch dem deutschen Leser zugänglich gemacht und er soll es nicht versäumen, das Schaffen Ibanez' kennenzulernen. Legende vom rollenden Rad Von Amandus Da standen sie nun, Adam und Eva; die Tür zum Paradies war hinter ihnen zugeschlagen, und ein Engel mit feurigem Schwert stand davor und bewachte den Eingang. Eva weinte und Adam sah sich betrübt den dürftigen Boden an, den er nun bebauen mußte. Er hatte ja weder Gerätschaften noch eine Ahnung davon, was er überhaupt anfangen sollte. Da jammerte Gott den Herrn das erste Menschenpaar in seiner Noter trat zu ihnen und sprach: " Sehet an, was ich geschaffen habe, den Himmel und die Erde, die Pflanzen und die Tiere. Lernet von allen und machet sie euch zunuße, so wird es euch wohlergehen, auch da ihr nicht mehr im Paradiese seid." Da taten die beiden Menschen ihre Augen auf und sie sahen und erkannten, was sie vordem nicht beachtet hatten: da kletterten Affen in den Bäumen und aßen ihre Früchte, da schwammen Frösche und Fische in den Gewässern, da rissen Eber mit ihren Zähnen den Erdboden auf und fanden schmackhafte Wurzeln, da wohnten Tiere in Höhlen und Vögel in Nestern und waren vor dem Unbill der Witterung geschützt. Da rankten sich Schlinggewächse von Ast zu Ast, da webten Spinnen ihre Netze und fingen darin ihre Beute, da bewahrten Palmen in festen Gehäusen ihre zarte Frucht. Da trugen Flamingos und Reiher ihre hochgebauten Körper auf gelenfigen Stelzen durch unergründlichen Morast, da bewässerte ein Fluß das Erdreich und machte es fruchtbar, da zuckte ein Blitz und setzte einen dürren Baum in Brand, und das Feuer wärmte und leuchtete in der Nacht. Und sie lernten von allen und machten es sich zunuze: von den Affen lernte Adam Bäume zu besteigen und Früchte herabzuholen, vom Eber den Boden zu pflügen, vom Fluß ihn zu bewässern; von Füchsen und Vögeln lernten sie, sich eine Wohnung zu bauen, den Spinnen sah Eva das Flechten und Weben ab, die Schlingpflanzen ben ihr den Stoff dazu; die Schalen und Früchte und Auscheln nahm sie als Gefäße, danach lernte sie solche au on zu formen und im Feuer zu härten und zu brennen. R. E. Von den Fröschen lernten sie zu schwimmen und von den Fischen zu rudern und zu steuern, wenn sie mit einem Baumstamm einen Fluß überqueren wollten, den Reihervögeln machten sie das Stelzengehen nach und konnten nun trockenen Fußes durch schlammige Niederungen schreiten. Aus Holz und aus Stein fertigte Adam Werkzeuge und Waffen und er formte sie nach den Zähnen der Tiere, denn er sah ja, wie die sie gebrauchten, Waffen nach den Reißzähnen und Meißel nach den Nagezähnen, auch Hebel nach den Stoßzähnen. So lebten sie in Arbeit und Mühsal, aber ohne Rast, und es ging ihnen wohl, wie Gott gesagt hatte. Da geschah eines Tages Seltsames: aus dem Walde rollte ein gleißender Ring schnell und schillernd über die Erde. Die beiden Menschen standen und staunten das Wunder an, und siehe da- es war die Schlange, die mit ihren Zähnen den Schwanz gefaßt hatte und also das Niegesehene vollbrachte. Eva lachte, als sie die Schlange erkannte. Wie schön!" rief sie, nahm einen Blütenzweig, bog ihn zu einem Ring und setzte ihn auf ihr Haupt, daß sie lieblich anzusehen war. Aber Adam beachtete sie nicht. Wie schnell und mühelos!" hatte er gerufen, und nun saß er, das Kinn auf die Fäuste gestützt und grübelte lange und tief. Dann nahm er seine Meißel aus Stein, ging zu einem Baum, den der Wind abgebrochen hatte und begann zu schlagen und zu schaben. Es war eine mühsame Arbeit, jedoch als sie vollendet war, lag vor ihm eine runde Scheibe, die ebenso schnell und mühelos über das Land rollte, wie vordem es die Schlange getan hatte. Und er grübelte weiter: danach steckte er ein Holz durch die Mitte der Scheibe und legte auf seine Enden die Enden einer Astgabel, nötigte Eva, auf dem Holz zu ſizen und fuhr sie auf der ersten Karre über das Land, so schnell und anscheinend mühelos, daß Eva jauchzte und schrie vor Freude. Gott hörte das Freudengeschrei. Er trat herzu und sah, was Adam, der nun schnaufend und pustend bei seiner Karre stand, vollbracht hatte, Einer von uns Von Hans Leo Reich F Er wandelt lächelnd durch die tiefen Schluchten der Stadt, als wandert' er im Märchenwald ( voll süßer Beeren, Quellen, grünen Buchten) und nicht auf ausgebrannten, auf verfluchten, gehegten Straßen. Auf Asphalt. In Häuser tritt er, wie in hohe Dome. An Türen flopft er, bis man ruft: Herein! Zerfällt die Hoffnung hoffnungslos auch in Atome er zögert nicht. Tritt ein Und sagt sein Sprüchlein her. Verdienen... Der Chef bedanert: Keine Konjunktur. ( Sie haben überall dieselben Mienen. Sie gleichen fich wie ihre Schreibmaschinen und wie die Buchstaben der Tastatur.) So war er schon aus manchem Hans getreten und geht doch immer wieder durch ein Tor. Er weiß im vorans schon, was für Tapeten bort fleben müssen. Denn in allen Städten der Welt gibt es nur ein Kontor. Dieselben Mädchen und dieselben Stühle. Dasselbe Warten und derselbe Ton. Er fennt die Stala„ cheflicher" Gefühle, vom schleimigen Lächeln bis zur fatten Kühle- Direktion. Und trotzdem ist er unverzagt und lächelt immer, und alle Luft um ihn vibriert. Er flopft voll Zuversicht an fremde Zimmer, bis er es schafft, und wenn nicht- mal krepiert. Vom St. Bürokratius „ Bitte anklopfen!" Also geschah's im Versorgungsamt: Der Beamte war mit meinem Fall nicht im klaren und ging deshalb mit mir zum referierenden Regierungsrat. Als wir vor der Tür, an der unter einem Namensschild kategorisch„ Anklopfen" stand, angelangt waren, trat in eben diesem Augenblick der Regierungsrat aus dem Zimmer. Eilig, sehr eilig und keineswegs geneigt, sich aufhalten zu lassen, begegnete er dem Gruß des Beamten mit hastigem:„ Warten Sie in meinem Zimmer!" Worauf dieser rasch erst einmal laut an die Tür klopfte ( daß es der Enteilende noch hören konnte) und dann lei mit mir ins leere Zimmer trat. Die Bürozeit. In meinem Büro hatte ich einmal den Besuch eines Mint fterialbeamten. Da die Erledigung seiner Angelegenheit verschiedene Nachforschungen und Feststellungen erforderte, mußte er ziemlich lange warten. Nach einer guten halben Stunde hielt ich es für meine Pflicht, ein paar Worte der Entschuldigung zu stammeln, daß er so lange warten müsse. " O bitte, das macht ja gar nichts," war seine Antwort, es fällt ja in meine Bürozeit; ob ich hier size oder in meinem Büro, das ist ja schließlich egal." Haarschneiden " Was, in der Bürozeit laffen Sie sich die Haare schneiden?" „ Entschuldigen Sie, Herr Bürovorsteher, sie wachsen nämlich auch in den Dienststunden!" * In der Schule.„ Nenne mir ein Wort, das man steigern fann."- Mieter!" Guter Rat. Klagen Sie nicht, gnädige Frau, handeln Sie lieber." Was soll ich tun?"- Klagen Sie!" Wie kommst du zu dem Rade?" fragte er ihn. Und Eva sagte schnell:„ Die Schlange zeigte es ihm!" Und Gott verfluchte die Schlange zum andern Male: " Du sollst deinen Körper hinfort nicht erstarren lassen fönnen," sprach er zu ihr, daß du dem, der dich am Schwanze aufhebt, nichts mehr anhaben kannst! Hebe dich hinweg!" Die Schlange, die sich davonrollen wollte, vermochte es nicht mehr. In halben Windungen schlängelte sie sich durchs Gestrüpp und verbarg sich unter Blättern und Zweigen. " Ihr habt eure Freude an dem Rade," sprach Gott weiter zu den Menschen, und ihr begreift nicht, daß es kein Segen ist, was euch die Schlange gelehrt hat. Ich wollte nicht, daß ihr das Rad kennen lerntet und zeigte es auch nirgends, weder unter den Pflanzen noch unter den Tieren. Aber da ihr nun einmal von ihm wißt, werdet ihr es behalten und es wird euer Leben bestimmen auf Erden. Es wird nicht leichter werden dadurch, wie ihr glaubt, sondern wie du jetzt atemlos schnaufst, Adam, so wirst du und werden die, die nach dir kommen, immer schnaufen müssen um der Räder willen." So ließ Gott die Menschen mit ihrem Rade und Adam baute weiter daran, setzte erst zwei Räder auf eine Achse und dann zwei solcher Räderpaare hintereinander- da hatte er einen Wagen. Und er lernte, ihn von Tieren ziehen zu lassen. Aber Eva machte sich Ringe für die Arme und Beine und für ihren Hals, schmückte sich damit und vergaß oft über der Freude an dem Zierat ihre häusliche Pflicht. Das ärgerte Adam und gab Zank und Streit zwischen ihnen. Und oft war Adam abwesend, denn es verlockte ihn zu sehr, mit seinen Gespannen herumzufahren und den Reiz der Schnelligkeit zu kosten. Und darüber grämte sich Eva und gab ihm bittere Worte, wenn er heimkehrte. Auch die Tiere, die Adams Wagen ziehen mußten, fluchten ihm, denn sie waren vordem frei gewesen und mußten nun unter dem Joch gehen. Aber Adam und die Menschen nach ihm verfertigten immer mehr Räder und setzten sie zusammen auf die verschiedenste Art und sie hatten ihre Freude daran und glaubten, die Räder hülfen ihnen, das Leben schön und leicht zu machen. Sie glauben es bis auf den heutigen Tag. Und die Wahrheit ist doch, daß die Räder sich drehen und rollen und den Menschen heßen und jagen und ihn nicht dazu tommen lassen, daß es ihm wohl ergehe auf der Erde, Martyrium eines achtzehnjährigen saarländischen Arbeiters in Hitlerdeutschland Bericht von ihm selbst Am 26. Juni 1933 ist der saarländische Schlosser Andreas Bertram aus Wörschweiler im Saargebiet bei Ernstweiler von Natio= nalsozialisten verhaftet und ver= schleppt worden. Erst jetzt, fast zwei Monate später, stellte sich heraus, daß es sich hierbei u m einen unglaublichen Uebergriff der Nazipolizei in Hitler Deutschland gegen einen Saarländer handelt. = Erst nach vierzehn Tagen ist der 18jährige Andreas Bertram wieder aus den deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern entlassen worden. Lassen mir diesen jungen Menschen, der seelisch völlig gebrochen zu uns nach Saarbrücken kam, selbst sprechen. Hier schildert ein einfacher Saarländer seine Eindrücke von den deutschen Zu ständen. Die Erlebnisse eines Menschen, der von einem wilden Volk gefangen genommen und ge foltert wurde, können nicht schlimmer sein: „ Am Montag, dem 26. Juni, wollte ich von Wörschweiler, meinem Heimatort, aus mit dem Rade meine Kufine in Ernstweiler besuchen. Im Anfang des Monats Juni war ich bereits bei ihr gewesen, hatte aber bei ihr aus Bergeßlichkeit meinen Rock liegen gelassen. Wie üblich, hatte ich am Montag bis zum Nachmittag auf meiner Arbeitsstelle, der Schuhfabrik Hefer u. Kilian, als Schlosser gearbeitet. Meinen Eltern hatte ich Bescheid hinterlassen, daß ich nach Ernstweiler fahre. Die Fahrt ging glatt vonstatten. Ohne Schwierigkeiten passierte ich die Grenzkontrolle. Das Haus meiner Stufine liegt von der Grenze ungefähr 500 Meter entfernt. Ungefähr auf der Hälfte der Wegstrecke zwischen Grenze und Haus kam mir mein früherer Arbeitskollege Gustav Glench aus. Mittelbach entgegen. Glench, der 23 Jahre alt ist, war ungefähr bis 5. März als Schuhmacher in der Schuhfabrik tätig. Freundschaftlich wünschte er mir„ Guten Tag" und rief mir noch weiter zu:„ Steig' bitte einmal ab." Nichtsahnend stieg ich auch von meinem Rad herunter, wir reichten uns die Hände und tauschten uns einige Minuten über allerhand nebensächliche Dinge aus. Wohlbemerkt, bei der Unterhaltung fiel tein Wort über Politit, da ich genau wußte, daß Glench seit Jahren fanatischer Razi und SA.Mann war. Im März 1988 hatte er seine Arbeitsstelle bei der Schuhfabrik selbst aufgegeben, da er angeblich nicht ge= nügend Lohn bekam. Er verdiente, das wußten wir alle von der Schuhfabrit, relativ weit über den Durchschnitt. Der Hauptgrund zur Aufgabe seiner Arbeitsstelle lag wohl darin, wie er damals sagte:„ Jest jei Sitler in Deutschland an der Macht, nun kann man in Deutschland mehr verdienen." Glench trug an dem Montagnachmittag keine Uniform und hatte auch kein Abzeichen angelegt. Nach einigen Minuten fam uns ein SS.- Mann in Uniform mit einer weißen Armbinde mit dem Aufdruck Hilfspolizei" entgegen. Als dieser SS.- Mann auf wenige Meter an uns herangekommen war, sagte Glench plöblich sehr laut, so daß es der SS.- Mann hören konnte:„ Wenn ich jetzt will, kann ich dich verhaften Iaffen." Der SS.- Mann hörte die Worte von Glench, trat auf ihn zu und fragte, um was es sich handele. Darauf bedeutete Glench:„ Bertram hat den Reichskanzler beleidigt." Hierauf erklärte mich der SS.- Mann für verhaftet und forderte mich auf, ihm zu folgen. Ich wies ganz energisch darauf hin, daß ich Saarländer wäre und nicht ohne wei: teres verhaftet werden könnte. Der Hilfspolizist bedeutete: Es wäre ihm ganz gleich, ob ich als Saar= länder dem Völkerbund unterstünde; der Völkerbund wäre ihm piepe, ich würde jett bestraft werden und in ein Konzen= trationslager gestedt. Wenn ich mich weigern würde zu folgen, tönnte er mich rücksichtslos niederknallen." Die Verhaftung erfolgte um 18 Uhr. Mir blieb nichts anderes übrig, als dem SS.- Mann zu folgen. Er lieferte mich auf einem sogenannten Bezirkskommando der SA. Zweibrücken ab, das in der Nähe des Marktplates untergebracht ist. Das ganze Haus war überfüllt mit S.Leuten. Ich wurde überhaupt nicht vernommen und wurde sofort in einen dunklen Kohlenfeller geführt, wo ich zirka eine Stunde stehen mußte. Der Raum, der völlig dunkel war, war zum Teil mit Kohlen gefüllt. Sibgelegen heit war nicht vorhanden. In der Nacht wurde ich dann von einem SA.- Mann von dem Bezirkskommando nach der Polizeiwache gebracht. Dort fragten mich die Polizeibeamten, warum ich verhaftet wor= den set. Ich schilderte ihnen den Vorgang der Verhaftung, erwähnte auch, daß ich mit dem SA.- Mann Glench seit Anfang März überhaupt nicht mehr zusammengekommen war. Wohl hätten wir uns früher auf unserer Arbeitsstelle in der Frühstückspause über Politik unterhalten, aber dies müsse dann sehr lange zurückliegen. Außerdem wäre Glench im dritten Stockwerk der Fabrik beschäftigt gewesen und ich im Erdgeschoß. Was ich aber auch gesagt hätte, sei im Saargebiet gesprochen worden, da gelten doch die deutschen Geseze nicht. Meine Darlegungen gegenüber der Polizei wurden nicht zu Protokoll genommen. Die Polizeibeamten waren sich unschlüssig, ob sie mich laufen lassen sollten, denn ein Haftbefehl lag nicht vor. Der Hauptwachtmeister der Polizeiwache versprach mir, daß die Angelegenheit am Dienstagmorgen sofort bereinigt würde. Man müßte nur noch die Genehmigung des SA.- Kommissars Lemmel aus Zweibrücken einholen, und der würde am Dienstagmorgen erscheinen. Ich wurde darauf in eine Einzelzelle der Polizei wache geführt. Durch die lange Fahrt und durch die Aufregung war ich sehr durftig und hungrig geworden. Auf mein Klingeln wurde mir Essen verweigert, sogar die dem Welturtell als Material unterbreitet Klingel abgestellt, so daß ich nicht einmal meine Notdurst verrichten fonnte. Wer am nächsten Morgen selbstverständlich nicht kam, war der Nazikommissar. Am Dienstagabend gegen 7 Uhr wurde ich dann von einem Polizeibeamten nach dem Gerichtsgefängnis überführt, wo mir meine Armbanduhr und die Geldbörse mit 30 Fr. abgenommen wurden. Um 20 Uhr, also rund 24 Stunden nach meiner Verhaf= tung, bekam ich das erste Essen. Ueber die Behandlung im Gerichtsgefängnis fann ich mich nicht weiter beflagen; eine Verhandlung fand aber auch dort nicht statt. In meiner Zelle blieb ich zehn Tage. Der Gefängniswärter antwortete auf meine Fragen überhaupt nicht; einen Brief an meine Angehörigen durfte ich auch nicht schreiben. Am 6. Juli wurde ich dann aus meiner Zelle herausgeholt und mit anderen Gefangenen nach dem Bahnhof Zweibrücken gebracht, wo mir in einen Gefängniswagen gesteckt wurden. Ich war der einzige politische Verbrecher". Besonders schmerzlich war es nun für mich, daß dieser Gefängniswagen durch das Saargebiet nach Frankenthal fuhr! So hatten wir auf dem Bahnhof Homburg( Saar) über zwei Stunden Aufenthalt. Aber ich konnte mich nicht nach außen hin bemerkbar machen, da die Polizei jegliches Sprechen untersagt hatte. Nachmittags traf dann der Gefangenentransport in Frankenthal ein, ich wurde mit einem Zuchthäusler zusammengefesselt, der wegen Totschlags an seiner Frau und seinem Kinde 15 Jahre Zuchthaus abzusitzen hatte. Die anderen Gefangenen, die langjährige Gefängnisstrafen zu verbüßen hatten, fonnten frei gehen. Wir wurden quer durch die Stadt nach dem Amts- und Landgerichtsgefängnis Frankenthal geführt. In den nächsten Tagen änderte sich nichts. Ich war der Verzweiflung nabe. Das Essen war nicht schlecht, aber in meiner Einzelhaft bekam ich gar feine Abwechslung. Zu lesen bekam ich nichts, ich war zum Nichtstun verurteilt. Es war selbstverständlich verboten, fich am Tage auszuruhen. Das Bett wurde früh um sechs Uhr hochgeklappt und den ganzen Tag mußte man auf seinem Stuhl hindösen. Sonst fümmerte sich kein Mensch um mich, ich wagte auch nichts mehr den Zellenwärtern gegenüber zu sagen, da ich einmal von einem Gefängnisbeamten mit einem großen Schlüssel über den Kopf gefchlagen worden war, als er erfuhr, daß ich angeblich den Reichskanzler beleidigt haben sollte! Eine grausame Abwechslung bekam ich an zwei Sonntagen des Monats Juli. An zwei Samstagen wurden vier Mann, darunter war auch ich, aus den Zellen herausgeholt und in einen Personenfraftwagen geladen. Am späten Rachmittag tamen wir mit den uns begleitenden SA.- Leuten in Oppau an. Der Wagen hielt dort vor dem Gerichtsgebäude. Wir wurden durch große Gänge und Höfe in das Konzentrations= lager Oppa u geführt. Dieses Lager, das eigentlich mehr ein provisorisches Gefängnisgebäude ist, muß erst vor kurzer Zeit erbaut sein und liegt direkt hinter dem Gerichtsgebäude Oppau. Der Eindruck, den wir von dem Lager im ersten Augenblick hatten, war niederschmetternd. In dem Raum der Gefangenen, der zugleich als Tages- und Schlafraum dient, stehen auf beiden Seiten verteilt 106 Betten. Jedes Bett war numeriert. Zwei Betten waren in den Nächten, wo wir dort waren, immer frei, so daß im ganzen rund 100 politische Gefangene dort hausen müssen. Alle Gefangenen befanden sich in einem furchtbaren Zu stande. Seit ungefähr drei Monaten wurden sie dort feft= gehalten. Walchgelegenheit ist fast gar nicht vorhanden. Durch den Schmuß machen sich bei den meisten Gefangenen ich were Hautausschläge und Ges sichtsflechten bemerkbar. Ihnen ist seit dieser Zeit das Haar nicht geschnitten worden. Auch stellten sich bei den meisten Anzeichen von Geistesgestörtheit ein. Ueberall saßen die Gefangenen stieren Blickes herum, geftitulierten vor sich hin und führten unverständliche Reden. Einige schnitten dauernd Grimassen, andere lachten in einem fort, mit anderen Worten, der Eindruck eines Irrenhauses fonnte nicht schlimmer sein. Man gab den Leuten nichts zu lesen. Die älteren Insassen erhielten etwas Schnupftabak. Es war uns sehr schwer möglich, mit den Inhaftierten zu unterhalten und auszu= tauschen. Die noch einen klaren Verstand hatten, betrachteten uns als Spiel. Erst nach 24 Stunden gewannen einige zu uns Vertrauen und erzählten, daß sie als Marristen" eingesperrt seien, und sie sonst nichts verbrochen hätten. Wir vier Gefangenen aus Frankenthal, die zweimal von Samstag abend bis Montag früh in Oppau waren, bekamen nichts zu essen und zu trinken. Das Effen für die anderen Gefangenen war genau zugeteilt. Effen konnte man dies nicht nennen, sie bekamen immer früh und mittags je nur drei Scheiben trockenes Brot und einen Liter Waffer. Das Wasser wurde früh mit einem Wasserwagen in den Hof des Konzentrationslagers ge= fahren, so daß es zu Mittag bereits völlig warm war. Alle zwei Stunden kontrollierte eine SA.- Wache den riesigen Raum. Die Abortanlagen, die sich in einem unbeschreiblichen Zustande befanden, gliederten sich direkt an den großen Saal an, so daß man ohne Wache dorthingehen fonnte. Warum wir vier Mann nach Oppau famen, wußten wir zunächst gar nicht. Erst am ersten Sonntag, als wir in Oppau weilten, bemerften wir mit Entseßen, was die Nazis mit uns vorhatten. Am ersten Sonntag wurde in Oppau ein Denkmal der Deutschen Arbeit" eingeweiht. Aus diesem Anlaß mußten wir vier Gefangenen aus dem Gefängnis in Frankenthal uns an dem Umzug, der sich durch die Straßen von Oppau bewegt, in unserer Gefängniskleidung be= in unserer Gefängniskleidung beteiligen. Wir wurden zu Mittag aus dem Konzentrationslager zu dem Abmarschplaß des Festumzuges von bewaffneten SA.- Leuten begleitet. Je zwei von uns mußten sodann ein großes Transparent tragen, auf dem folgender Spruch stand:„ Wir wollen Kultur und Zucht lernen!" Was auf dem anderen Plakat stand, konnte ich nicht ermitteln, da die beiden vor uns gingen. Es läßt sich denken, daß wir auf unserem Umang burch die Stadt Beschimpfungen, Beleidigungen und Mißhandlungen durch die Bevölkerung und durch die SA. ausgesezt waren. Am zweiten Sonntag fand eine Feier zu Ehren des Faschisten- Besuches in München ebenfalls in den Straßen von Oppau statt. Das Plakat, das wir an diesem Tag tragen mußten, lautete: " Wir sind Verräter am Deutschen Volt! Wir kennen teine Kultur und teine Zucht und wollten es nicht lernen; darum müssen wir es jetzt lernen." Diese Art der Behandlung war für mich die schlimmste. Beschimpft, verächtlich gemacht vor aller Welt und wehrlos, es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre ich auf offner Straße zusammengebrochen. Im Konzentrationslager hat uns ein Jnhaftierter, den ich nicht angeben möchte, damit er nicht totgeschlagen wird, sehr viel über das Treiben der Hitler- Soldateska berichten fönnen. Im ganzen haben wir uns mit zwölf Mann aus dem Lager genau austauschen können. Alle gaben übereinstimmend denselben Bericht. Jeder aus dem Lager ist, der eine mehr, der andere minder schwer geschlagen worden. Die Lente werden einzeln aus dem Saal herausgeholt und in einen Raum gesperrt, der mit schallsicheren Türen versehen ist. Dort ist ein Trupp Nazis versammelt, die den Gefangenen Bes fehle erteilen. Wenn er diesen Befehl nicht schnell genug ausführt, wird er mit langen Nilpferdpeitschen geschlagen. So wird z. B. der Boden des Raumes mit Erbsen bestreut, und der Gefangene muß schnell darauf herums laufen. Es bleibt nicht aus, daß der Gefangene dabei hins stürzt. Das ist dann das Zeichen, daß sich diese Bestien auf den Wehrlosen stürzen, ihn furchtbar schlagen und treten. Oder diese braunen Henkersknechte nehmen einnasses Handtuch, legen es in einer Schlinge dem Ges fangenen um den Hal3. Dann steigen zwei dieser Morbbuben auf einen Stuhl und vers suchen ihr Opfer hochzuziehen. Diese bestialische Quälerei wird solange durchgeführt, bis die Zunge bei dem Gefangenen heraushängt. Ich selbst habe dann einen Techzigjährigen Mann gesehen, dem beide Arme völlig verkrüppelt und vereitert waren. Aus seinem unverständlichen Geftammel konnte ich entnehmen, daß er aus dem dritten Stock des Gerichts= gefängniß von der SA. geworfen worden war. Man hat ihn dort eine ganze Zeit auf dem Gefängnishof liegen laffen, dann ist er nach dem Lager gebracht worden. Kein Arzt oder Sanitäter hat sich bisher um ihn gefümmert oder ihn verbunden. Fast alle Gefangenen weisen furchtbare Verlegungen auf. Sehr viele können nur schwerlich sprechen, da man ihnen gegen den Mund oder gegen den Kehlkopf getreten hat. Alle, die wir befragten, berichteten auch übereinstimmend, daß bereits viele Sinrichtungen durch den Strang vorges nommen worden seien. Die Singerichteten stammten aber nicht aus ihrem Lager, fie fönnten aber regelmäßig die Arbeit der braunen Henker teils sehen, teils hören. Ich wollte es im ersten Augenblick nicht glauben. In einem unbewachten Augenblid stellten einige Häftlinge aber drei Tische übereinander, und ich mußte hinaufsteigen, damit ich durch ein fleines Oberfenster des Raumes hinausschauen konnte. Von dort aus habe ich mit eigenen Augen einen Galgen gesehen, an dem ein Mensch hing. Auf diese Weise, so berichten die Ges fangenen, hätten sie die Aufbauarbeit" der Nazis genau verfolgen fönnen. Die Hinrichtungen finden zum größten Teil um 10 Uhr abends statt. Da der Hof, wo der Galgen steht, mit Ries bestreut ist, könnten sie dann jedes Geräusch genau hören. Nach ihren Angaben stammt der größte Teil der Gehängten aus Frankenthal und Umgegend. Ich war froh, als wir aus dem Lager in das Gerichtsgefängnis zurückgebracht wurden. Nur dem Umstand, daß mein Prozeß noch ausstand, verdanke ich es, daß ich wieder nach Frankenthal zurückkam. Ende Juli gelang es mir, mit Unterstüßung eines Gefängnisbeamten in Frankenthal einen Brief zu schreiben, der meine Eltern von der Verhaftung verständigte. Bis zum 4. August wurde ich in Frankenthal festgehalten. Um 9 Uhr dieses Tages wurde mir von einem Gefängnisbeamten im Beisein eines SA.- Mannes in meiner Zelle verkündet, daß der Reichskanzler auf meine Verhaftung keinen Wert mehr lege, und ich somit wieder freigelassen würde. Man händigte mir meine Sachen bis auf das Geld wieder aus, da es angeblich von Zweibrücken aus nicht ange= tommen sei. Da ich auf die Aushändigung des Geldes drängte, beschimpfte mich der SA.- Mann mit folgenden Worten: „ Sie find Ausländer, da könnte jeber Slowake baher femmen und von uns Geld verlangen. Machen Sie, daß Sie das Gerichtsgebäude verlassen, sonst werden Sie wieder verhaftet." Vor dem Portal des Gerichtsgebäudes traf ich mit einem freigelassenen Häftling zusammen. Er hatte ein halbes Jahr verbüßt und wollte nach Hause fahren. Dieser Mann leiht mir fünf Mart, damit ich wenigstens dem Henkerreich den Rücken tehren konnte, um wieder an die freie Saar zu gelangen. Solange das Hitlerreich besteht, werde ich keinen Fuß mehr über die Grenze segen." So der Achtzehnjährige! Braucht man da etwas hinzuzusetzen? Hitlerdeutschland ist ein Schand. fleck innerhalb der zivilisierten Völker und die furchtbarste Hölle der Barbarei! Die Emigration der ganz Jungen Eine Emigrantin schreibt uns aus Paris: Es sind auf einmal so viele junge und ganz junge Menschen heimatlos geworden. Vielleicht haben viele keinen dringenden Grund gehabt, fortzugehen, aber die Möglichkeit, doch noch irgendwo zu arbeiten und mit der Stempelei aufzuhören nicht mehr nur geduldet zu sein, hat sie hinausgetrieben. Sie sind gekommen, um zu arbeiten. Im Anfang haben sie das alle gewollt. Sie sind in den Komitees gesessen. Sie haben monatelang Mut gehabt, aber es hat ihnen nichts geholfen In Paris sind die meisten, sie gingen zu tausenden Tag für Tag die gleichen Wege. Sie sind eine einige große Familie, diese jungen Heimatlosen. Es ist so unendlich traurig, ihnen zuzuhören, wenn sie von ihren verlorenen Möglichkeiten erzählen. Studenten, die kurz vor ihrem Abschlußeramen standen und wieder von vorne anfangen müssen oder mindestens 1-2 Jahre verlieren, Arbeiter, die hier überhaupt nichts machen können, weil sie keine Arbeitskarte bekommen. Sie werden stumpf und gleichgültig, sie wissen nicht mehr, daß man sich mittags an einen gedeckten Tisch setzen konnte, daß man sich pflegen konnte, daß man Bücher las. Sie fizzen in den Kaffees herum, immer in den gleichen, sie sollen garnichts Neues fennenlernen. Nur die ewige Sehnsucht deutsch zu hören und zu reden. Es ist die achte Emigration, die Frankreich in kurzer Zeit überflutet hat, und die Franzosen haben ihre Gastfreundschaft noch immer bewahrt. Aber man weiß nicht recht, was werden soll. Verschiedentlich ist der Versuch gemacht worden, anzusiedeln. Es ist aber bei dem Versuch geblieben, denn diese Deutschen, die aus ganz anderen Berufen kommen, auf einmal in den Kolonien Landwirtschaft machen zu lassen, schien doch zu gewagt. Paris ist groß, aber überall, in jedem Abwärts! Die Reichswohlfahrtshilfe wird gekürzt Die Reichwohlfahrtshilfe ist für den Monat August im Hinblick auf die Kassenlage des Reiches um fünf Millionen auf 65 Millionen gekürzt worden. Für September und Oktober ist eine weitere Herabsetzung auf 60 Millionen beabsichtigt. Die kommunale Spizenorganisation, der Deutsche Gemeindetag, wendet sich gegen diese Herabsetzung der Reichswohlfahrtshilfe, die, wie in der Zeitschrift„ Der Gemeindetag" ausgeführt wird, von allen Gemeinden und Gemeindeverbänden als ungerechtfertigt empfunden werde. Da die Gemeinden den Ausfall nicht decken können, werden die Wohlfahrtsempfänger noch mehr hungern müssen. Deutsche Ministersorgen Der preußische Innenminister gibt durch Erlaß bekannt, daß Schutzpolizei, Randjägerei und Kommu= nalpolizei in und außer Dienst, wenn sie ohne Kopfbedeckung sind, mit dem Hitlergruß zu grüßen haben. Die Begrüßung einer Abteilung durch den Vorgesetzten erfolgt durch Hinzufügung eines„ Heil!" zur Anrede. Der Gruß wird von der ganzen Abteilung„ Es lebe Deutschland!" erwidert. Viertel gibt es Hotels, die zu 50 Prozent von Deutschen bewohnt werden. Sie ziehen immer zusammen, sie haben vielleicht Angst vor der großen Leere. Und es ist immer dasselbe sie liegen in ihren Zimmern, die das Komitee bezahlt und warten. Und diejenigen, die über etwas Geld verfügen, füllen die Lokale. Es ist nicht immer sehr schön, wenn man ihre laute Unterhaltung hört. Es wäre besser, wenn sie die Sprache ihrer Gastgeber lernen würden. Sie vergessen oft, daß sie Gäste sind. Es ist ja selbstverständlich, daß diese Jungen ein wenig verstört sind, aber sie müßten nun endlich, nach fast einem halben Jahr, beginnen, sich einzugewöhnen. Ich weiß, das scheint unmöglich, weil sie nicht arbeiten dürfen Schulent lassenen, an den Aelteren einen Halt zu finden. Wenn sie hier untereinander Jugendgruppen zusammenstellen würden wo sie kleine Pflichten übernehmen könnten und vielleicht literarische Zirkel, ich glaube, es würde ein wenig leichter sein. Es ist zu grauenhaft zu beobachten, wie so ein 17jähriger Junge, der in Deutschland einer nicht mehr geduldeten Partei angehörte, der wirklich fort mußte hier allmählich verkommt. Und niemand kümmert sich um ihn. Man findet es selbstverständlich, diese Jungen noch nachts in den Kaffees anzutreffen; man entschuldigt das damit, daß man ihnen die einzige Freude" nicht nehmen will. In Deutschland wird für Zucht und Ordnung gesorgt, die Frauen dürfen sich nicht mehr die Lippen färben, aber die Vertriebenen werden der Verkommenheit überlassen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die französische Regierung eine Lösung finden würde diesen Menschen wieder eine Heimat zu schaffen. ..Milde" Strafe Vier Monate Gefängnis für ein Lied Berlin, 20. Aug.( Inpreß.) Ein Berliner Schnellgericht verurteilte einen 64jährigen Schuhmacher Zieslik zu vier Monaten Gefängnis, weil er nachts, nach einer Kneiperei, auf dem Heimweg die Internationale sang. Der Gerichtsvorsitzende erklärte, diese Strafe sei milde, und das käme daher, daß die Straße leer gewesen sei und daher durch das Eingen der Internationale„ ein erheblicher Schaden nicht entstanden ist". Die Spielhölle ruft In Baden- Baden ist Mitte August eine Spielhölle eröffnet worden. Man hofft in Baden- Baden, Fremde anziehen zu können und scheut in der Reklame teine Schmuskonkurrenz. „ Baden- Baden bietet ungemein mehr Abwechslung als Monte Carlo" heißt es in den Prospekten. Die Temperaturen seien in Baden- Baden viel angenehmer als in Monte Carlo. Außerdem habe Baden- Baden Flugverbindung, während Monte Carlo nur mit der Bahn oder zu Schiff zu erreichen ist". en Der Fremdenverkehr ist tros dieser orientalischen Reklame gering. Man sollte den Landesbischof Müller die Spielhölle einsegnen lassen. Vielleicht hilft das. Hitler erobert eine Burg Von Manfred Unweit von Schandau an der Elbe liegt in den Felsenwänden der Sächsischen Schweiz die Burg Hohnstein. Sie ist älter als die kleine Stadt, die sich malerisch um ihre Mauern lagert. Schon im frühen Mittelalter war die Burg der Siz des böhmischen Baronsgeschlechtes der Birken von der Duba, die jahrhundertelang die Herren des damals sehr unzugänglichen Gebiets waren. In ewige Fehden mit ebenso raufund raublustigen Nachbarn verwickelt, wurden sie schließlich als Raubritter zu einer Landplage, vor der sich alle zu fürchten hatten, die den alten Handelsweg durch die Schluchten der Sächsischen Schweiz benüßen mußten. Es hat dann lange Streitereien gegeben, bis endlich die Burg und mit ihr das ganze Gebiet unter die Herrschaft der Markgrafen von Meisjen fam. Die Burg wechselte späterhin mehrmals ihre Besizer und diente dann schließlich als gefürchtetes Staatsgefängnis, von dem ein Sprichwort sagte:„ Wer da kommt nach dem Hohnstein, der kommt selten wieder heim." Wer in die Gefangenschaft auf die Burg Hohnstein geführt wurde, konnte von der Welt auf lange Zeit oder gar für immer Abschied nehmen; ringsum starrten steile Felsen, schwiegen dunkle Wälder. Hinter den meterdicken Mauern hörte niemand die Seufzer der Gefangenen und die Felswände, unter denen die Tiefe göhnte, machten eine Flucht unmöglich. Es berichtet keine genaue Kunde von den Schicksalen der Gefangenen, nur einnial spricht eine Urkunde von den Klagen einer gefangenen Frau, daß sie die Ratten am ganzen Leibe verderbet" hätten. Später hat die Burg noch einmal als Gefängnis gedient. Im 19. Jahrhundert wurde in ihren Mauern eine staatliche Korrektionsanstalt untergebracht. Die Sträflinge hausten in Zellen und vergitterten Räumen. Sie saßen Sonntags ge= beugt in den Bänken der Burgkapelle, hörten Predigt und Orgelflang zum Lobe Gottes, der alles so herrlich eingerichtet hat. Wochentags aber standen sie an den Knopfmaschinen, die in den Burgsälen aufgestellt waren. Tagaus, tagein machten sie Knöpfe, immer und unaufhörlich Knöpfe, jahraus, jahrein. Und wieder galt das Wort: Wer da kommt nach dem Hohnstein... Endlich aber kamen andere Tage für die Burg. Nach dem Umsturz war die Korrektionsanstalt aufgelöst und die Insassen nach der Strafanstalt Baußen überführt worden. Und schließlich, im Jahre 1924, öffneten sich die Tore der Burg reit und gastlich: der Staat als Eigentümer hatte die Burg dem Verbande deutscher Jugendherbergen überlassen. Sie mirde zur„ Jugendburg" ausgebaut es war nun eine der größten und schönsten Jugendherbergen in Deutschland. Staat und Städte, Sozialverbände, Gewerkschaften und andere Gönner hatten als Stifter das schöne Werk vollbringen helfen, und nun zog die Jugend ein. Die Höfe und Räume der Burg flangen wieder von Gesang und Musik, die Wimpel der Jugendverbände aller Richtungen flatterten über den grauen Mauern, Schulkinder mit ihren Lehrern kamen und gingen, die wanderfrohe Jugend hatte hier inmitten einer prachtvollen Landschaft ihr geliebtes Heim, eine Heimat. Es war die singende, klingende Jugendburg". Und ihr Ruf und die Liebe zu ihr reichten nicht nur bis an die Grenzen Deutschlands. Gäste aller Länder haben sich hier wohlgefühlt, Studienkommissionen des Völkerbundes, Reisegesellschaften und Einzelgäste aus Dänemark, Finnland, Kanada, Indien, aus aller Welt haben die deutsche Jugend um diese Burg beneidet, amerikanische Zeitungen haben sie in Wort und Bild als Vorbild gerühmt. Die Burg und ihr Burgwart naren bannt überall, von woher wandernde Jugend nach Hohnstein kam. Das ist mit einem Schlage zu Ende. Hitler hat die Burg erobert, wie er alles erobert hat, was in Deutschland Kultur war. Wie seine braunen Garden alles geraubt haben, was is gendwo im Dienste demokratischer Wohlfahrt geschaffen worden war, so haben sie eines Tages im Auftrage„ der nationalen Revolution" auch diese Jugendburg besetzt. Sie haben die schöne Bücherei der Burg gereinigt", sie haben die Jugend aus ihrem geliebten Heim vertrieben, sie haben die Familie des Burgwarts aus ihrer Wohnung gejagt, sie haben den Burgwart gefangen genommen und ihn in eines ihrer Konzentrationslager verschleppt, von wo er nach einem verzweifelten Selbstmordverfuch in eine Dresdner Gefangerenanstalt gebracht worden ist. Sie haben ein schönes, in cller Welt geschätztes Wert tätiger Jugendfürsorge durch brutale Gewalt geschändet. Und was haben sie aus der Jugendburg gemacht? Ein Gefängnis. Wieder ein Gefängnis. Wieder schmachten in der Burg Hohnstein, die eine Juecndburg war, hunderte politische Gefangene, die nicht wissen, welches Schicksal ihrer harrt. Es wird nicht mehr musiziert und gesungen in der Burg Hohnstein, wenn nicht die SA. die Gefangenen zwingt, das Horst- Wessel- Lied zu singen. Nicht mehr rastet fröhliche Jugend in der Burg- im„ dritten Reiche" Hitlers wird nicht gewandert; es wird nur noch ererziert. Und wieder senkt sich Schweigen über die Mauern, über die Felswände, über die Wälder keine Kunde dringt durch die verschlossenen und bewachten Tore. Und geschieht ts doch einmal, so ist es eine Schreckenskunde wie jene Zeitungsnachricht, die vor kurzem berichtete, daß ein Gefange= ner eine Beschuldigung freiwillig auf sich nahm, um seine Schicksalsgenossen vor barbarischen Quälereien zu bewahren und daß dann er und seine junge Frau, als sie vom Tode ihres Mannes erfuhr, Selbstmord begangen haben. Hitler hat eine Burg erobert. Die Jugendburg Hohnstein, die schönste Jugendherberge Deutschlands ist wieder ein Gefängnis geworden. Und wieder gilt das drohende Wort: Wer da kommt nach dem Hohnstein, der kommt selten wieder heim! Eine Prophezeiung? Mit einiger Ueberraschung liest man in dem gleichgeschalteten B. T." folgende aufreizende Schilderung: Im allgemeinen herrscht zur Zeit Ruhe; Leben und Verkehr scheinen in die normale Bahn zurückzukehren. Jedoch kommt es noch immer zu vereinzelten Zwischenfällen. Die Wnt der aufgebrachten Bevölkerung, besonders gegen Mitglieder der.. genannten bes sonderen Polizei..... muß furchtbar gewesen sein. Sobald die Menge ihrer ansichtig wurde, forderte ste ihre Lynchung, die auch tatsächlich in mehreren Fällen ausgeführt wurde. Zehn von ihnen wurden ins Gefängnis eingeliefert. Einer beging Selbstmord aus Furcht vor der tobenden Menge. Selbst dem Boyer .. nüßten weder seine Popularität noch seine großen Körperkräfte etwas. Kaum hatte man ihn als Polizeimann erfannt, als man mit Messern auf ihn einst a ch und nicht eher von ihm abließ, als bis man ihn getötet hatte. Ganz besonders richtete sich die Wut der Menge gegen den Polizeispiel...., den man mit Knütteln zu Tode prügelte. An diesem schrecklichen Massaker beteiligten sich über 200 Personen. Was ist hier los?- Handelt es sich hier um die Abrech nung mit der geheimen Staatspolizei Görings? Zur Beruhigung der Leser: Diese Darstellung betrifft das Ende der Terrorgarden des kubanischen Präsidenten Machado. Allerdings: Kein Geringerer als Karl Marg hat einmal den Saß aufgestellt: Das entwickeltere Land zeigt dem weniger entwickelten den Spiegel seiner eigenen Zukunft. In punkto Tyrannei hatte Kuba unter Machado schon eine längere Entwicklung aufzuweisen als Deutschland unter Hitler.... Kronprinz dankt herzlich Das vortrefflich gelungene ,, Heil Hitler, Dir!"- Buch " Deutschland erwache aus deinem bösen Traum, gib fremden Juden in deinem Reich nicht Raum. Wir wollen kämpfen für dein Auferstehen, arisches Blut dark nicht untergehen. Wir sind Kämpfer der NSDAP., kerndeutsch im Herzen, im Kampfe fest und zäh, dem Hakenkreuz ergeben sind wir. Heil Hitler, Dir." Usw.( Das Spißenlied aus dem Heil- Hitler- Dir- Volksliederbuch.) Der Standartenverlag, Leipzig, mo besagtes Liederbuch erschienen ist, veröffentlicht folgenden Brief:„ Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz hat mich beauftragt, für die freundliche Uebersendung der beiden in Ihrem Verlag erschienenen Schriften Heil Hitler Dir" und„ Vom Ersten zum Dritten Reich" herzlich zu danken. Der Kronprinz hat von dem Inhalt mit Interesse und Beifall Kenntnis genommen und seiner Freude über die vortrefflich gelungenen Schriften Ausdruck gegeben. Mit Heil Hitler" und" Frontheir" gez. Berg, Hofrat. BRIEFKASTEN Zionist. Jawohl, auch nach Palästina kommt die Deutsche Freiheit", und zwar in hunderten Exemplaren. Wenn das die Antisemiten erfahren. Marseille. Der kommunistische Abgeordnete Torgler war Handlungsgehilfe und ist vor etwa zehn Jahren unmittelbar aus seinem Berufe in den Reichstag eingetreten. Dort hat er sich durch sehr großen Fleiß und seine nicht tiefe, aber sehr gewandte rednerische Begabung bald eine führende Stellung erworben. Er war alles andere als ein Verschwörer und blutiger Revolutionär. Niemand, auch nicht der Oberreichsanwalt, glaubt an seine Schuld. Württemberger. Wir nehmen davon Kenntnis, daß weder Brüning noch Bolz ins Kloster gehen. Die Meldung haben wir der gleichgeschalteten Presse entnommen. Es ist immer ein Reinfall, wenn man sie für glaubwürdig hält. Es soll nicht mehr vorkommen. An mehrere. Die Adressen unserer Mitarbeiter geben wir grundfäßlich nicht bekannt. Madrid. Auf dem Briefumschlag war kein Absender genannt. Nur darum ging der mit hohem Strafporto belastete Brief zurück. Es ist tugendvoll, richtig zu frankieren. Das macht bei unserem Geschäftsführer beliebt. Wien. Briefe aus Desterreich in das Saargebiet benötigen Aus landsporto. Nur ein Teil der Post be a mten bei uns ist gleichgeschaltet. Die Post und ihr Portosay noch nicht. An mehrere. Es ist richtig, daß die„ Deutsche Freiheit" aus den Aushängen der Kioske in Saarbrücken so gut wie verschwunden ist. Gefragt und gekauft wird sie troßdem. Die Verkaufsorganisation der Kioske und die Geschäftsleute glauben sich dem Terror der Nationalsozialisten fügen zu müssen. Man muß sich das und die Menschen merken. Gedächtnis, gutes und festes Gedächtnis, Freunde! Paris. Besten Dank für die Mitteilung, daß sie die„ Deutsche Freiheit" in mehreren Kiosken nicht erhalten fonnten. Das Nötige wird veranlaßt. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. 3nteffektueffer Emigrant zur Mitarbeit an einer zeitgemäßen Wochenschrift ( Verlagsort Strasbourg) gesucht. Französische Schriftsprache un erläßlich. Angebote unter O. B. an die Geschäftsstelle der ,, deuts schen Freiheit" in Strasbourg, 31, Rue St. Gotthardt. 80.31 Forderungen in Deutschland ehem. deutscher Rechtsanwalt in Strasbourg ziehe Forderun gen ein i.V. mit öffentl.bestellten Wirtschaftsprüf. in Berlin Anfragen erbeten an die ,, Deutsche Frei heit" in Strasbourg 31, rue St. Gotthardt Das bombig eingeschlagene Dokumentwerk über Reichstagsbrand und Hitlerterror Das Braunbuch ist noch in der Geschäftsstelle: ,, Deutsche Freiheit" in Straßburg Rue St. Gotthard 31, zu haben. Preis: broschier Fr. 18,00, in Ganzleinen Fr. 24,00 Bei Einzelbestellungen wegen den hohen Porto: Unkosten Geld am besten im Voraus, andern alls Nachnahmesendung 84