Freiheil Nummer 55-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Mittwoch, den 23. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Nie stirbt ein großer menschlicher Gedanke, Wie tief ihn auch des Lebens Wust begräbt. Stets kann er brechen seines Lebens Schranke, Wenn er nur noch in einer Seele lebt. Raupach Amerikanischer Protest in Berlin Ein amerikanischer Arzt von Nazihorden niedergeschlagen Berlin, 22. Auguft. Seit einiger Zeit besteht die Pflicht, die Fahnen der SA. and SS. zu grüßen. Die Führer der Kolonnen find an= gewiesen, auf der Stelle gegen diejenigen Passanten einzuschreiten, die nicht die Hand zum Gruße erheben. Das ist so zu verstehen, daß jeder, der die Fahnen nicht grüßt, sofort mißhandelt wird. Diese Methode hat zu einem schweren deutsch- nordamerikanischen Zwischenfall geführt. Ein amerikanischer Arzt Dr. Daniel Mulvihill ist nachts Unter den Linden, weil er eine Abteilung National: fozialisten nicht gegrüßt hat, niedergeschlagen worden. Der Amerikaner war eine Zeitlang betäubt. Die Schläge in das Gesicht waren so heftig, daß das Trommelfell des Mißhandelten verlegt wurde. Es besteht die Gefahr, daß er das Gehör verliert, was das Ende seiner Laufbahn als HerzSpezialist bedeuten würde. Der amerikanische Generalfonsul hat gegen den rohen Zwischenfall energischen Protest bei der Reichsregierung ers hoben. Die Vereinigten Staaten haben klar zum Ausdruck gebracht, daß nun die Zeit des bloßen Proteftes vorüber sei. Sie erwarteten, daß die deutsche Regierung Schritte unters nähme, künftig Angriffe auf amerikanische Bürger zu vers hindern. Darüber hinaus wird bekanntgegeben, daß eine Warnung an die Amerikaner erteilt werden wird, Deutsch: land zu besuchen. Es find also, wie auch dieser Vorfall beweist, nicht die „ Greuelmärchen", die unserem Lande in der Welt schaden, sondern die Barbareien der Parteigenossen des Reichskanzlers. Für diese Roheiten aber ist der deutsche Reichskanzler persönlich verantwort: lich zu machen, weil er seit 14 Jahren zu solchen Ausschrei: tungen aufgereizt hat und bis zur Stunde nicht wagt, den von ihm zum Terror erzogenen SA. und SS. die nötigen Grenzen zu stecken. Mussolinis Vasallen Das Ende des Anschlußtraums italienischem Protektorat Bundeskanzler Dollfuß hat sich bei seiner Ankunft auf dem Flugfelde in Wien ungemein befriedigt" über das Ergebnis seiner italienischen Reise ausgesprochen. Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß die österreichische Staatspolizei eine geheime Untersuchung gegen mehrere Vereine durchführt, in denen man nationalsozialistische Zellen vermutet. Die nationalsozialistische Presse in Deutschland setzt ihre beschimpfende Sprache gegen Dollfus fort. Auch die heftigen Radioangriffe werden nicht eingestellt. Wenn die führenden Herren in Berlin wirklich ein großes nationales Jdeal nicht nur aufstellen könnten, sondern auch die Kraft befäßen, es mit intellektuell_zureichenden Mitteln zu verfolgen, müßten sie über die Ent wicklung des österreichischen Problems tieftraurig sein. Statt dessen trösten sie sich mit dem Mißtrauen der franzöfischen Presse gegen die Besprechung Dollfuß- Mussolini in Riccione. Hat aber Deutschland irgendwelchen Grund, sich vertrauensvoll zu äußern? Die zutreffendste Veröffentlichung über das Ergebnis der Verhandlungen scheint uns der diplomatische Mitarbeiter der„ Gazzetta die Popolo" in Turin zu bringen, der die Bedeutung der Zusammen. kunft wie folgt zusammenfaßt: 1. die italienische Politik in bezug auf Zentraleuropa und insbesondere in bezug auf das Donauproblem fich 2. daß Desterreich seine Unabhängigkeit souveräner Staat beibehalten wolle und daß es in dieser Richtung von Italien unterstützt werde; 8. daß Oesterreich seine freundschaftlichen Beziehungen mit allen seinen Nachbarstaaten, insbesondere mit Italien und Ungarn und sobald dies möglich sein werde, auch mit Deutschland aufrecht erhalten wolle; völlig mit den Interessen Desterreichs dece; 4. daß der vom italienischen Botschafter in Berlin fest gestellte gute Wille zur Lösung des österreichisch deutschen Konfliktes von der österreichischen Regierung geteilt werde; 5. daß Oesterreich in der internationalen Zusammenarbeit, 650000 Zionisten Der Kongreß in Prag In Prag ist der 18. Weltkongreß der Zionistischen Organisation, die im Jahre 1897 von Theodor Herzl in Basel gegründet wurde, zusammengetreten. Regierung und Deffentlichkeit der tschechoslowakischen Republik bringen der Tagung des Parlaments des nationalen Judentums freundschaftliches Intereſſe entgegen, was auch bei der Eröffnungsfeier in eindrücklicher Weise zum Ausdruck kam. h. Die Zahl organisierter Zionisten, d. b. folcher Juden, die sich zu ihrem Voltatum und ihrer Geschichte bekennen und die Lösung der Judenfrage in der Wiederherstellung des jüdischen Nationalheimes in Palästina erbliden, beträgt zur Zeit 650 000 in 49 Ländern, hiervon in Polen Dollfuß und Hilter unter Deutschland eine Nebenfigur deren Grundlagen durch den Viererpakt geschaffen worden sind, ein attives Element sein wolle; 6. daß in allen behandelten Fragen eine völlige Uebereinstimmung der italienisch- österreichischen Auffassung herrsche. Das bedeutet, daß Jtalien die absolute Unabhängigkeit Desterreichs garantiert und diesen alten deut. schen Staat als Instrument italienischer Politik in den Viererpakt einzuspannen gewillt ist. Das Ergebnis besagt weiter, daß die österreichische Freundschaftspolitik sich zunächst und vor allem Ungarn und Italien zu nähern hat. Deutschland kommt erst an die Reihe, sobald dies möglich ist. In Wirklichkeit ist ja auch die Hitlerregierung nur ein Objekt der europäischen Pläne Mussolinis. Er wird den Zeitpunkt bestimmen, der ihm für die Einschaltung Berlins in seine mitteleuropäische Politik angemessen erscheint. Man braucht nicht viel Phantasie, um vorauszusagen, daß inzwischen auch an zwischen auch an einer italienisch- französischen Ver. ständigung gearbeitet wird, bei der sich Deutschland bestenfalls als Zuschauer beteiligen darf. Noch ist nicht abzusehen, wie das große Spiel um Mitteleuropa, um den Donauraum und um die Kleine Entente sich lösen wird. Soviel aber ist sicher, daß Deutschland, nachdem seine jezige Regierung Desterreich unter das Protektorat Mussolinis Regierung Desterreich unter das Protektorat Mussolinis getrieben hat, in die langwierigen Verhandlungen ganz isoliert hineingehen und vereinzelt bleiben wird. Was den besonderen deutsch- österreichischen Konflikt an geht, so ist die Spannung noch immer so groß, daß sie trotz der neuerdings in Berlin wiederholten Mahnung Mussolinis zur Mäßigung die Gefahr neuer Zwischenfälle in sich birgt. Die Frage einer gemeinsamen Intervention in Berlin, obwohl sie wenig wahrscheinlich ist, wird noch in Berlin, obwohl sie wenig wahrscheinlich ist, wird noch immer zwischen Paris, Rom und London erörtert und die Möglichkeit, den Streit vor den Völkerbund zu bringen auch. Neuerdings tritt auch der„ Manchester Guardian" für die Behandlung des Konflikts vor dem Völkerbund ein. allein 367 000, in Rumänien 36 000, in Lettland und Litauen 52 000, in der Tschechoslowakei 28 000. Auffallend ist die geringe Zahl von Zionisten in Nordamerika( 40 000 auf vier Millionen Juden) und in England( 18.000), doch gibt es nicht wenige Juden, namentlich in Amerika, die das Aufbauwerk in Palästina unterstüßen, ohne sich auf das nationale Bekenntnis des Zionismus festlegen zu wollen. 200 Offiziere ertrunken Eisenbahnkatastrophe in China Infolge Entgleisung stürzten von einem Zuge, der 500 chinesische Offiziere beförderte, zwei Wagen mit 200 Offizieren in den Sian- Fluß. Rettungsversuche waren vergeblich Vergeltung! D. F. Vor uns liegen Fotografien illegaler marristischer Propaganda in Deutschland. Große nächtlich hergestellte Inschriften an Bretterzäunen und Fabriktoren.„ Freiheit!" hier und„ Rotfront!" dort. Daß es sich nicht um Arbeit aus den letzten Wahlkämpfen handelt, wird nicht nur dadurch bewiesen, daß die früheren Werbemalereien längst durch Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden unter drohenden Revolvern der SA. und der SS. entfernt werden mußten. Die Worte zeigen aktuellen Charakter:„ Köpft den Brandstifter Göring!" Oder auch:„ Rache für Altona!" Jn Altona und anderwärts sind kommunistische Straßenkämpfer oder solche, die man dafür hielt, durch das Beil hingerichtet worden. Ministerpräsident Göring hat die Blut- und Schreckensurteile bestätigt. Rachegefühle leben und wachsen. Wir sahen den Brief eines zwölfjährigen Arbeiterjungen, der an einen Freund geschrieben hat:„ Ich werde meinen lieben Baterblutigrächen." Jhr meint, das sei furchtbar, Ihr Frommen und Friedlichen im Lande? Es ist grauenhaft furchtbar. Aber ehe dieser Junge, der Kaninchen und Vögel liebevoll hegt und pflegt, das Gelöbnis zur Blutrache niederschrieb, sah er den von Kugeln zerrissenen Ropf seines Vaters. In einem Fabrikort am Niederrhein nachts„ auf der Flucht erschossen". Niemand hat dem Knaben diesen Brief diktiert. Seine politisch indifferente Mutter war einer anderen Frau willen längst mit dem kommunistischen Mann zerfallen. Der Junge schrieb aus sich„ Ich werde meinen Vater blutig rächen". Er sagte es auch seinem Lehrer. Wir haben Briefe, in denen geschildert wird, wie gut man sich die SA.- und SS.- Bürschchen gemerkt hat, die im Rausch ihrer„ Revolution" an den zahllosen Folterungen beteiligt waren. Wir wissen, daß in Großstädten langmierige und mühevolle Ermittlungen in Gang gesezt worden sind, um die Schuldigen festzustellen. In manchen Fällen war das nicht nötig. Zumal in Mitteldeutschland haben sich die uniformierten Schinder des deutschen Reichskanzlers mit ihren gequälten Opfern fotografieren lassen. Die Gefolterten sind oft Leute über 50 und 60: Die Folterknechte, deren rohe, leere Gesichter auf den Bildern grinsen, sind jung. Selten über 25 Jahre. Die allermeisten von ihnen werden die Abrechnung erleben und ihre Untaten fühnen. Fotografische Bilder sind treue und unbestechliche Zeugen. In den Dörfern und in den Kleinstädten. kennt ohnehin jedermann die Schuldigen. In dem Briefe einer unpolitischen christlichen Frau an eine Familie im Saargebiet lasen wir den Saz:„ Gnade Gott den armen Bürschchen in unserem Dorf, wenn es ein mal anders herum kommt..." 66 Das ist die Hoffnung vieler, und wir wollen ihnen die Gefühle nicht ausreden. Es wäre auch ein zweckloses Beginnen. Nur warnen wir, sich zu Besessenen der Rache machen zu lassen. Man soll nicht in Vorgefühlen schwelgen. Es entnervt, und wir brauchen Nerven: kühle, klare Köpfe, harte Muskeln, sichere Hände und Lippen, die mehr schweigen als reden. Wir sind am Anfang, und wir müssen zäh arbeitend warten können. Wir haben einen brutalen Feind vor uns. Einen Feind, keinen Gegner. Mit Gegnern diskutiert man, Feinde vers nichtet man. Wir müssen dem Faschisten erbarmungslos fest ins Weiße des Auges sehen, wie er uns. Er verachtet uns, ja er tötet uns, wenn wir im Kampfe anders handeln als er. Wo allein die Gewalt zur Entscheidung aufgerufen ist, versagt die wundervolle Ethik des Friedens. Zwischen uns und einem kommenden Zeitalter friedlicher Gemeins schaft liegen Hindernisse, die nur von bewaffneten Männern aus dem Wege geräumt werden können. Der Demokrat und der Sozialist unserer Tage haben sich von schönen Träumen freizuhalten. Die Realität beherrscht die Stunde. Wir lesen von sozialistischen Kongressen und Konfe renzen. Manchmal scheint es, als seien die Gesichter der dort Versammelten mehr in die Vergangenheit gerichtet als in die Zukunft. Manchmal hört es sich an, als wisse mancher nicht, daß unendlich viel gründlich tot und erschlagen liegt. Man muß den Mut haben, geschichtlich Erledigtes hinter sich aufs Leichenfeld zu werfen, auch wenn das törichte Herz daran hing. Nur wer sich wandeln kann, steht noch im Leben. Den Racheschwur jenes Zwölfjährigen in Ehren, aber eg E wird mehr brauchen als dieses Gefühl, und jeder seiner älteren Kameraden auch. Vor der Rache steht der Kampf um die Macht und deren Eroberung. Einer geistig und kulturell hoch entwickelten Generation ist die Macht von Barbaren entrissen worden. Die Köpfe wußten viel, aber die Hände waren schlaff, und die Herzen waren fromm, Deutsche Giftgasrüstung Run müssen zu geschulten Gehirnen auch die Männer Neue englische Enthüllungen- Antwort der deutschen Regierung notwendig soldatischer Lebenshaltung und einer ehernen Moral kommen, die nicht nur klug denkt, sondern auch so handelt, wie es eine revolutionäre und kriegerische Zeit gebietet. Marg und Engels und Lassalle kannten die geschichtliche Größe und Notwendigkeit eines wirklich kämpferischen Sozialismus. Auch wir nehmen ihn wieder in uns auf. Rache? Sie ist eine große motorische Kraft, aber allein nie eine weltbewegende. Biel größere Willenskräfte entwickelt der Glaube. Unser Feind steht doppelzüngig verlogen zwischen Kapitalismus und Massen, zwischen Herren und Knechten. Das wird die Moral seiner Haufen erschüttern. Wir haben Zeit und Möglichkeit, Menschen in neuem sozialistischen Glauben, in neuen Kampfverbänden und unter neuen oder doch innerlich erneuerten Führern zu sammeln und zu schulen: zu Machtkämpfen, die kein Kompromiß mehr kennen und nur den Untergang des Feindes und das Aufwärts einer jungen militanten sozialistischen Generation. Die Arbeiterinternationale Fast sämtliche Parteien, die in der Internationale vertreten sind, haben ihre Vertreter über 50 an der Zahl zu einer Kon ferenz entsandt: Großbritannien: Comton, Dalton, Gillies; Frantreich: Bracke, Longuet, Byromski, Renaudel; Deutschland: Ollenhauer, Stampfer, Wels; Schweiz: Grimm; Desterreich: Bauer; Belgien: de Broucere, Vandervelde; Vereinigte Staaten: Levinson; Rußland: Abramowitsch von der Sozialdemokratie und Tschernoff pon den Sozialrevolutionären; Italien: Modigliani, Neni u. a. Der deutsche Delegierte Otto Wels hat einen ausführlichen Bericht über die Lage in Deutschland und jene politischen Ereignisse erstattet, die das deutsche Proletariat zu dieser Katastrophe geführt hoben. Er berichtete ferner über die Tätigkeit des Prager Büros des Parteivorstandes, der bestrebt ist, die organisatorischen Formen und die Kampfesmethoden der Arbeiterklanen an die neuen Bedingungen der vollendeten, durchgreifenden Faschisierung Deutschlands anzupassen. Er wies auch auf die Erfolge, die auf diesem Gebiete erreicht worden sind, hin. An den Debatten, die sich an diese beiden Berichte anschlossen, nahmen teil: Modigliano( Italien), Stampfer( Deutschland), Tschernoff( Rußland, Sozialrevolutionär), de Francisco( Spanien), Erlich( Polen, Bund), Levinson( Vereinigte Staaten), und Jarblum( Palästina). Des weiteren wurde die Lage der deutschen FlüchtItnge sowie der in Deutschland lebenden Opfer des HitlerTerrors eingehend behandelt. Die Exekutive nahm zur Kenntnis, daß die Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen Montagabend zusammentreten und die konkreten Fragen der Fürsorge für die Flüchtlinge und die in Deutschland lebenden Genossen behandeln wird, die durch ihren Kampf gegen den Terrorismus des Hitlerregimes in Notlage geraten sind. Die Konferenz wird wahrscheinlich 6 Tage dauern. Es ist schywer vorauszusehen, welches Ausmaß die Debatten annehmen und wie eingehend die Grundprobleme der Doktrinen und der Taktik, die vor der Arbeiterbewegung stehen, beleuchtet werden. Die Führer ber größten Parteien der Arbeiterinternationale haben sich bis jetzt an den Diskussionen in der Sigung der Exekutive nicht beteiligt. Es ist anzunehmen, daß sie in der Konferenz das Wort ergreifen merden. Die Beit, wo die Gegensätze diplomatisch verschwiegen worden sind, sind vorbei. Der Teil der Parlamentsfraktion, der den opportunistischen Flügel des französischen Sozialismus bildet und der im letzten Halbjahr zweimal Niederlagen in den Parteifongressen in Avignon und Paris erlitten hat, beabsichtigt einen Protest gegen bie Mehrheit der Partei und ihrer Zentralorgane der Konferenz einzureichen. Der Inhalt dieses Manifestes wird voläufig streng geheimgehalten. Es heißt, daß er von 60 Abgeordneten und Semotoren insgesamt zählen beide Kammern 150 Sozialisten unterzeichnet ist. London, 21. Auguft. Das vielgelesene englische Sonntagsblatt Sunday Referee", das sich durch seinen tapferen Kampf gegen das Hitleregime auszeichnet, hat bereits in der vorigen Woche Enthüllungen über die deutsche Aufrüstung gebracht( die " Deutsche Freiheit" hat sie ausführlich wiedergegeben). Es setzt jetzt diese Enthüllungen fort. Unter der Ueberschrift " Deutschland häuft riesige Giftgasvor: räte an"" Die Fabriken arbeiten Tag und Nacht" " Fünf Länder versorgen die Nazis mit Kriegsmaterial" „ Die Millionenarmee"-" Wie Adolf Hitler den Verjailler Vertrag verspottet", schreibt der außenpolitische Redakteur des Blattes: In der Vorrede wird darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung einen Rüstungsfonds von 800 Mil lionen Mark plane. In dem vorigen Auffah wurde dargelegt, wie die heimliche Herstellung von Tanks, Kanonen und Minenwerfern vor sich geht. Auch der neue Aufsaz beruhe auf Material von amtlichen Stellen in europäischen Hauptstädten, das durch Informas tionen erweitert sei, die von Journalisten in Deutschland gesammelt wurden. Es handele sich nur um Journalisten, die einen hohen Ruf besigen. Unsere Leser erinnern sich, daß auch„ Le Journal" sehr eingehende Beröffentlichungen gebracht hat, die wir in leber: setzung wiedergegeben haben. Die deutsche Reichsregierung aber schweigt zu all diesen sehr bestimmten Angaben. Dieses Schweigen wird im Ausland als Eingeständnis der Schuld gedeutet und ist eine schwere Schädigung Deutschlands. Es ist notwendig, daß über das deutsche Rüstungss problem Klarheit geschaffen wird. Der Aufsatz in Sunday Referee" lautet: Deutschland ist der größte Produzent von chemischen Produkten. Es besitzt in diesem Produktionszweig ein internationales Monopol. Und diese Industrie ist so organisiert, daß sie jederzeit von Friedensproduktion zur Kriegsproduktion umgestellt werden kann. Es gibt in Deutschland zwei bemerkenswerte chemische Werke, die ohne weitere Vorbereitungen sofort zu hundert Prozent für den Krieg produzieren können. Da ist der J. G. Farbentrust. In den Laboratorien dieses großen Konzerns werden über 1000 verschiedene Giftgas: arten hergestellt. Und dann ist weiter die Firma von Hugo Stolzenberg in Hamburg. Ungefähr vor fünf Jahren entwich Phosgen aus den Tants dieses Konzerns und eine Anzahl von Familien wurde vergiftet, einige starben. Nichts erfolgte gegen Stolzenberg, und bis zum heutigen Tage ist den Angehörigen der Opfer keine Entschädigung gezahlt worden. Stolzenberg war auch damals schon in ein Geschäft verwickelt, das die derzeitige Regierung fompromittierte. Aber jetzt arbeitet Stolzenberg mit Hochdruck. Drei Schichten arbeiten Tag und Nacht. Dann ist noch ein weiterer Chemiekonzern in Nade= beul bei Dresden, die Fabrik von v. Heyden, die im Augenblick nicht nur Saccharin und anorganisches Nitrogen produziert, sondern auch ein leichtes, flüchtiges und unsicht bares Gas von einer bisher unbekannten Zusammensetzung. Dann ist weiter die Billwärderfabrik in Billbrook, Hamburg, die Chromoryd und Arseniat herstellt, aber leicht zur Produktion von dem furchtbarsten Arsenikgas übergehen kann. Ebenso können die Werke von Gehe u. Co., Dresden, Phosphorgas produzieren, und Schering u. Kahlbaum, Berlin, Giftgas auf einer Grundlage von Chlorogen, Gehorsam ist des Nazis Schmuck Borogen und Cyanogen. Die Revolution abgesagt Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung hat an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten folgenden Erlaß gerichtet: „ Unberufene, Einzelpersonen wie Verbände, greifen immer wieder in den Staatsapparat, insbesondere in die Schul und Hochschulverwaltung ein und maßen sich staats liche oder kommunale Befugnisse an. Derartige Eingriffe stören und gefährden die Aufbauarbeiten der nationalsozia listischen Regierung. Nach den ausdrücklichen Erklärungen bes Reichskanzlers ist die politische Revolution durch die vollkommene Machtergreifung abgeschlossen. Es hat das Stas dium der Evolution begonnen. Zucht und Ordnung sind die Boraussetzungen für den Ausbau der in Staat und Leben eroberten Machtstellung im Geiste des Nationalsozialismus. Alle Eingriffe Nichtberufener in den Staats: apparat sind daher als gegen die nationale Regierung und Erhebung gerichtet zu betrachten. Sie können und dürfen unter feinen Umständen geduldet werden." Das Bell Hinrichtung des Mörders Knirsch wtb. Frankfurt a. M., 22. Aug. Im Hofe des Straf: gefängnisses Preungesheim erfolgte heute früh 6 Uhr die Hinrichtung des Autoschlossers Knirsch, der am 1. September v. J. den Geldbriefträger Hofmann ermordet und beraubt hatte. Dies ist die erste Hinrichtung in Frankfurt a. M. feit bem 28. März 1914, dem Tage, an dem der Giftmörder Karl Hopf enthauptet wurde. Ausgerechnet in Heppenheim! In Heppenheim a. b. Bergstraße wurde ein umfangreiches kommunistisches Sprengstofflager" aufgehoben. Chinesischer Truppentransport entgleist 60 Tote Nantschang( Provinz Kiattgfi), 22. Aug. Wie zu der Bugentgleisung bei Nantschang ergänzend gemeldet wird, wurden 60 Offiziersanwärter getötet und 200 verwundet, Da die jungen Leute im Feldzuge gegen die„ Roten" Ver= wendung finden sollten, wird es für möglich gehalten, daß das Unglück auf einen Anschlag von dieser Seite zurückzu: führen ist. Möglicherweise liegt die Ursache aber auch nur in ber Unachtsamkeit der Weichensteller. Die überlebenden Ins faffen des Zuges bemächtigten sich sämtlicher Weichensteller der Unfallstrecke und töteten fie auf der Stelle, Schon einmal hat Deutschland der Welt eine schmerzliche Ueberraschung bereitet am 22. April 1915, als der erste britische Soldat einen schrecklichen Tod in den Gaswolken erlitt, die plötzlich von der deutschen Front vor Ypern herüberwehten.. Deutschland ist dabei, die furchtbare Giftgaßwaffe mit einer Luftflotte zu tombinieren, und zwar in solchem Ausmaß, daß es die Möglichkeit hat, eine zweite Ausgabe des Einfalls in Belgien zu starten. Göring, der im Juni seine Reichstagsbrandstiftung vom Februar mit dem ebenso unverschämten Schwindel der feindlichen Flugzeuge über Berlin" fortsette, die Berichte und Kommentare dazu wurden an die ganze deutsche Presse gesandt mit der Order, sie in großen Buchstaben auf der ersten Seite zu bringen vereinigt mit seinen hohen Staatsämtern das Geschäft eines Agenten auf Kommission für die Flugzeugfabrikanten. Dieser Luftmars, fomplett mit Fliegerhelm und Gasbomben, hat der deutschen Presse den strengen Befehl gegeben, mit Berichten über den Bau neuer Flugzeuge zurückhaltend mit Berichten über den Bau neuer Flugzeuge zurückhaltend zu sein. Aber was bereits in der Oeffentlichkeit bekannt ist über die Sammelbüchsentätigkeit für unsere Luftflotte", über den Druck, der auf zögernde bemittelte Männer ausgeübt wurde, diese kostspieligen Aeroplane zu bezahlen, und über die kleinen Luftausflüge zum Beispiel Salzburg-, ist genug, um den Zustand des Rüstungswahnsinns zu kennist genug, um den Zustand des Rüstungswahnsinns zu fenn zeichnen, in dem sich Nazi- Deutschland befindet. So weitreichend sind die Ziele, die der neue deutsche Mili= tarismus verfolgt, daß für den Augenblick die inneren Hilfs. mittel unzureichend sind und Hitler sich gezwungen sieht, die Ergänzung von auswärtigen Firmen zu beziehen. Hier folgen die Namen einiger seiner europäischen Versorger: Schweden: Bofors Waffenfabrik, eng verbunden mit Krupp, liefert neue Kanonentypen. Holland: Die Siderius Kompanie, Krimpen an der Yssel, produziert gemeinsam mit ihrer Schwestergesellschaft satorische und geistige Rüstung ist auch unerläßlich. Und auf diesem Gebiet der Kriegsvorbereitung übertrifft die Naziregierung alle ihre Vorgänger und alle anderen Regierungen in der Welt. Die organisatorische und psychologische Rüstung des deutschen Volkes begann in Wirklichkeit schon vor Hitler. Er hat nur noch das Tempo beschleunigt. Seit Noskes Tagen waren Männer im Wehrministerium, die Gneisenau und Scharnhorst nacheifern wollten, die das geschichtliche Beispiel der Preußen von 1806 und 1813 wiederholen wollten. Napoleon hatte dem besiegten Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. nicht mehr als 42 000 Mann erlaubt. Aber Preußen ging in die Völkerschlacht von Leipzig mit einem Heer von 280 000 Mann. Aber es war den militärischen Atavisten im Wehrministe rium unmöglich, einfach das alte Krümpersystem zu wiederholen, durch heimliche Einberufung von Reserven zu militärischen Uebungen. Das Experiment mit der Schwarzen Reichswehr hat Deutschland beinahe das Ruhrgebiet gefoftet. Man mußte daher vorsichtig zu Werke gehen. Und deshalb begann man, die Reichswehr von 100 000 Mann systematisch, ohne offenkundig gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu verstoßen, als Rader einer großen Armee zu organisieren, als eine Art Offiziers- Schulungs- Korps. Das Ziel war, jeden Reichswehrsoldaten zu einem dura, tranierten Kriegsspezialisten zu machen, der eine Einheit von 20 bis 30 Mann befehligen könnte. Eine Armee von Befehlshabern wurde ausgebildet, eine Armee von gut be= zahlten, gut ernährten, gut uniformierten, gut bewaffneten jungen Männern, frei von allem sozialem Groll, und immun gegen die Gefahr der Menterei. Die Reichswehrs foldaten blieben von der Krise verschont, eine sorgfältig gepflegte Elite. Und diese 100 000- Mann- Armee ist in der Lage, jederzeit eine knapp ausgebildete Reserve von 2 bis 3 Millionen aufzunehmen. Aber in Wirklichkeit sind auch die Reserven sehr sorgfältig ausgebildet. Die gleichen Grundsäge werden hier angewandt beim Aufspeichern von Menschenmaterial wie bei der Beschaffung und beim Aufspeichern von leblosem Kriegsmaterial. Jeden Augenblick fann der„ potentiel de pair" in den„ potentiel de guerre" umgewandelt werden. Nach Hitlers Stabschef Röhm zählten die NaziSturmtrupps Ende Juni 800 000 Mann ausgebildete, uni formierte und bewaffnete Männer. Wenn man dazu die 120 000 Stahlhelmer und die kleineren halbmilitärischen Gruppen hinzuzählt, dann ist unbestreitbar, daß die deutsche Nationalarmee 1 Million Refruten hat, ausgebildet, geeignet und bereit zum Kriegsdienst. Und dann ist auch diese Million nur der Kern einer viel gewaltigeren Armee. Weitere 250 000 Mann sind bereits in die Bataillone des Freiwilligen Arbeitsdienstes eingegliedert worden, und nächstes Jahr wird ihre Zahl 350 000 betragen, Das Wort„ freiwillig" ist natürlich ein Mißbrauch der Sprache, denn diese Bataillone werden ausgehoben unter dem Druck von Hunger, Gefängnis oder Zurückziehung von Unterstüßung. Wäre es heute vom finanziellen und organisatorischen Standpunkt bereits möglich, alle Neunzehnjährigen in diesen Arbeitsdienst einzubeziehen, dann würden die Druckmittel und Drohungen noch viel ernster sein. Aber im nächsten Jahr wird dieser Dienst, wie es ihm gebührt, Arbeitsdienstpflicht heißen, denn dann wird der Naziterror stabilisiert sein, die gesetzlichen Lohnraten werden zerstört sein, die letzten Teilchen von Gewerkschaftsstaub werden in die Winde verweht sein, und die Pauperisierung des Volfes, vor allem der Jugend, wird einen Grad erreicht haben, der keine Parallele fennt. Dann wird die jugendliche industrielle Reservearmee als militärische Reservearmee des Faschismus dienen eine Armee deklassierter Arbeiter, die man gelehrt hat, nur auf Kommandoworte zu hören, sich nur auf Befehl zu bewegen, nichts zu sehen als den Schimmer der Kanonenrohre und das schwarze Satenkreuz auf rotem Grunde, und zu brüllen anstatt zu sprechen. Die Geistigkeit des Volkes ist weggeäßt durch die Säure des neuen Nationalismus. Radio und Presse trommeln täglich Militarisierung in die Ohren eines Volkes, das durch die Wirtschaftsnot bereits stumpf geworden ist. Und die Schulen erziehen die Kinder im barbarischen Geist. Schon marschieren die Kinder man sieht Jungens im braunen Hemd, wie sie in militärischer Ordnung durch die Straßen marschieren, mit Dolchen ausgerüstet. Die Jugend nimmt am Wehrsport teil- Felddienstübungen, Gewehr- und Revolverschießen, Bombenwerfen und die Studenten haben die Bücher verbrannt. Und die Nation hört in ihrem Schlaf nur den Klang von seiner" Millionenarmee auf dem Marsch." So sieht die Welt das, was die Hitler, Göring, Göbbels und Konsorten als das neue Deutschland" zu bezeichnen sich erdreisten, und was doch nichts anderes ist als die Zusammenballung alles dessen, was dem deutschen Bolk in seiner unglücklichen Geschichte so oft geschadet hat. Das wirkliche neue, wirklich deutsche Deutschland wird erſt geschaffen werden, wenn das Volk mit dem Nazispuk auf geräumt hat. Wir sind felsenfest davon überzeugt, daß der Redakteur des„ Sunday Referee" sich in einem entscheidenden Punkt geirrt hat, in der Beurteilung der deutschen Arbeiter. Piet Smith Kanonenrobre; Nedinito, Venlo, liefert Das Neueste neben Kanonenteilen auch Periskope für Unterseeboote; Meaf, Utrecht, macht Torpedoteile für Unterseeboote. Schweiz: Solothurner Waffenfabrik und Oerlikon, Werkzeug- und Maschinenfabrit, liefern Gewehre und Maschinengewehre ferner die Dornier- Flugzeugwerft. Italien: Eine Abteilung des Dornierkonzerns. Türkei: Eine Abteilung von Junkers. Doch Deutschland ist nicht nur fieberhaft dabei, die materielle Kriegsrüstung zu beschaffen. Das genügt nicht, um in fünftigen Kriegen den Sieg zu garantieren. Die organiWie Havas aus Sofio berichtet, soll eine französische Finanzgruppe der bulgarischen Regierung eine 40- millio nen Franken- Anleihe für die Finanzierung der Getreideausfuhr angeboten haben. In einem Dorfe bei Ramnicu- Sarat in Rumänien egs plodierte eine Dreschmaschine, wobei brei Personenges tötet und fünf schwer verlegt wurden, Das Seebad Atlantic City und die Küste von Miami find von einem schweren Sturm und Wolkenbrüchen heims gesucht worden. Sieben Personen ertranten. So sicht ein Gottesdienst aus! Rasender Nationalismus Wehrkreispfarrer und Bischof Müller predigt von der Hakenkreuz- Kanzel Eine wilde nationalistische Kriegsrede Die Entführten von Homburg Die Entschädigungsansprüche sind da Wie zu erwarten war, werden die drei kürzlich widers rechtlich über die deutsche Grenze aus dem Saargebiet ents führten Personen, Fran Luß, deren Sohn Ferdinand und Herr Jenne, nunmehr auf dem Wege über die Regierungstommission des Saargebietes Entschädigungsansprüche gegen das Deutsche Reich geltend machen. Die Forderung, deren Höhe noch nicht bestimmt ist, basiert darauf, daß alle drei Pers sonen von deutschen amtlichen Stellen widerrechtlich ihrer Freiheit beraubt und im Gefängnis festgehalten worden sind, obwohl ein Grund zu ihrer Inhaftierung in keiner Weise bestand. - Damit hat die Homburger Entführungsaffäre die Forts fegung gefunden, die zu erwarten war. Für die Reichs regierung ist dieser Entschädigungsanspruch eine bittere Pille, um die man sie nicht zu beneiden braucht. Erkennt nämlich das Reich die Entschädigungsforderung ohne weiteres an was an sich eine Selbstver ständlichkeit sein müßte, so gibt es damit gleichzeitig den dem Ausland bereits lange offenkundigen Tatbestand auch dem Inland preis, daß deutsche Amts stellen die Entführten widerrechtlich in Haft behalten haben. Entschließt sich die Reichsregierung aber aus diesen innerpolitischen Gründen nicht dazu, die berechtigte Forderung anzuerkennen, so wird die Folge ein Streitverfahren sein müssen. Und gerade das, was das Reich bis jetzt im Innern Deutschlands zu verschleiern versucht hat, die amtliche Beteiligung an der Freiheitsberaubung und die Provo kateurtätigkeit eines Nazi- Kommissars, gerade diese Punkte werden der Weltöffentlichkeit kaum besser zu Gehör gebracht werden können, als wenn das Reich es auf ein Streitverfahren ankommen lassen sollte. ,, Verbotene Eingriffe" Nazi- Betriebszellen- Vorsitzende verhaftet! Hamburg, 22. Aug.( Eig. Bericht.) Die sämtlichen Vorsitzenden der nationals fozialistischen Betriebszellen bei den großen Schiffswerften in Hamburg- Altona sind heute früh in Haft genommen worden. Sie werden beschuldigt, verbotene Eingriffe in das Wirtschaftsleben vorbe: reitet" zu haben. Wir erfahren hierzu, daß die Bez treffenden in einer gemeinsamen Denkschrift die Sozia= lisierung der Werften gefordert haben; diefe Forderung begründeten fie sowohl mit dem natio: nalsozialistischen Programm, als auch mit der Tatsache, daß die Werften seit jeher zu den sub= ventionierten Betrieben gehören. Kameradenmörder? Drei SS.- Leute unter dem Verdacht des Kameradenmordes verhaftet! Hamburg, 22. Aug.( Eig. Bericht.) Wir meldeten kürzlich, daß in den Alsteranlagen die Leichen von drei erschossenen SA.- Leuten ge: funden worden sind. Der Verdacht richtete sich zunächst gegen Angehörige der kommunistischen Organisation. In zwischen hat der Fall eine geradezu sensationelle Wendung erfahren: als Mörder wurden von den Kameraden der Toten brei S.- Lente bezeichnet! Die Polizei weigerte fich zunächst, die Er mittlungen in dieser Richtung auszudehnen; unter dem Druck der öffentlichen Meinung fand jedoch dann schließlich eine Haussuchung statt und förderte derart ichwerwiegendes Material zutage, daß die Polizei nicht umhin fonnte, die Verhaftung vorzunehmen. Aus Anlaß der erregten Stimmung in der Hamburger SA. hat der Reichsstatthalter Kauf: mann bis auf weiteres der SA. den Besuch der SS. Lokale untersagt. Man schreibt uns: Nicht nur in der nationalsozialistischen Parteipresse. sondern auch in der„ gleichgeschalteten" Gewerk schaftspresse, in deren Spalten noch vor wenigen Monaten für Frieden und Völkerverständigung eingetreten wurde, werden jetzt in geradezu zügelloſer Weise Die militaristischen Instinkte des deutschen Volkes aufgestachelt und blinder Haß gerade gegen die Nationen gepredigt, mit denen das deutsche Volk in Frieden zu leben gezwungen ist, wenn es überhaupt auf einen wirtschaftlichen Wiederaufbau rechnen will. Als eine besonders krasse Probe dieser den Frieden der Weltbedrohenden Heze drucken wir nachfolgend eine Probe aus einem in der„ Deut. schen Metallarbeiter 3eitung" August 1933 als Leitartikel veröffentlichten Vortrag des Reichstagsabgeordneten Wilhelm Börger, des „ Treuhänders der Arbeit" im Rheinland, ab. Darin heißt es: 19. „ Volksgenoffen! Die Revolution ist noch nicht gewonnen, aber wir gewinnen sie, wir gewinnen fie so ficher, wie auf diesen Abend ein Morgen kommt. Alles, was sich uns entgegenstellt, wird in den Staub getreten. Das ist die Aufgabe unserer Nation, das ist die Aufgabe unserer Generation, daß wir es in die Kinder hineinpredigen, hineinpanken: Wenn du dich einfeßt, dann nur für Deutschland! Schreibt es euch auf und der Jugend schreibt es in die Schulbücher: Wo wäre Frankreich geblieben 1914, wenn wir allein mit Frankreich zu tun gehabt hätten! Die hätten wir auf den Arm ge= nommen und verhungern lassen. Die hätten wir in den Kanal geworfen. Das haben die Gegner gewußt. Wo wäre England geblieben? Reben wir gar nicht darüber; nie hätte England allein uns angegriffen. Die tannten uns besser, als wir uns kennen. Und nun, Volksgenossen, überlegt es euch einmal zwei Minuten jeden Tag, ehe ihr zur Ars beit geht!... Laßt zum Bewußtsein kommen, was heute dunkle Erkenntnis ift. Wir Deutschen haben vier Jahre gegen den ganzen Erdball ge standen, allein, und sie haben uns nicht besiegt. Wo ist das Volk der Erde, daß uns das nach machen kann? Hakenkreuzfahne in Paris Ein Flüchtling entfernt sie Eine Gruppe deutscher Studenten besaß die Geschmads losigkeit, am 19. August am Triumphbogen, am Grab des Unbekannten Soldaten, einen Kranz niederzulegen, ber mit einer Hakenkreuzschleife versehen war. Den Zuschauern bes mächtigte fich ob dieser unerhörten Provokation eine außers ordentliche Erregung; ein deutscher politischer Flüchtling ergriff die Hakenkreuzschleife und zerriß sie unter stürmischem Beifall der Bevölkerung in tausend Fezen. Ein anwes sender französischer Schwertriegsverlegter trat auf ihn zu und dankte ihm, daß er, der Deutsche, die Ehre des Unbekannten Sol: daten gegen von Mörderblut beschmugte Hände verteidigt habe. Aus Deutschland vertrieben Medizinische Koryphäen arbeiten in England London, 20. Aug.( Inpreß.)„ Sunday Expreß“ veröffent licht auf seiner ersten Seite unter der großen Schlagzeile licht auf seiner ersten Seite unter der großen Schlagzeile " Deutschlands beste medizinische Köpfe" einen Willkommen für große deutsche ärztliche Spezialisten, die in englischen Spitälern arbeiten werden, nämlich ein berühmter medizinischer Wissenschaftler, der der Entdeckung eines wirklichen Heilmittels des Krebses näher ist, als irgendein anderer in der Welt"( Professor Blumenthal),„ die größte Autorität für Kinderpsychologie"( Professor W. Stern), die größte Autorität für Gynäkologie"( Professor Zondeck),„ drei berühmte Biochemifer, ein Pharmazologe, der als einer der führenden Männer seines Berufes gilt, ein Mann, dessen Lebenswerk im Studium der Medizin der inneren Krankheiten besteht." Um Röhm Volksgenossen! Vier Jahre gegen die ganze Erde, vier Jahre gegen Tod und Lüge, Kanonen und Granaten, gegen Hunger, gegen den Satan der Erde, vier Jahre! Warum wartet ihr auf andere?" Maßloser als in diesen hier wiedergegebenen Sägen ist wird sagen können, daß diese Aeußerungen von einem wohl selten zum Kriege gehegt worden, und niemand untergeordneten Privatmann stammen. In dem Staat, dessen Führer ausdrücklich erklärt hat, daß nichts vorkommt oder vorkommen darf, das nicht von ihm gebilligt wird, kann man mit einer solchen Ausflucht nicht kommen. Auch der Platz, an dem man diesen ungezügelten Ausbruch einer Haßpsychose sondergleichen veröffentlichte, zeugt dafür, daß ihm programmatische Bedeutung zukommt. Was aber sagen die Regierungen der anderen Staaten, insbesondere der beiden genannten, Frankreich und hete? Vor wenigen Tagen ist in der internationalen England, zu dieser unverhüllten Kriegs. Presse ein Artikel aus der Feder von Lord Cecil erschienen, der sich mit der Definition des„ Angreifers" in den zwischen verschiedenen Staaten in der letzten Zeit abgeschlossenen Nichtangriffspakten befaßte. Er bezeich nete da als ein untrügliches Merkmal für die Rolle des Angreifers die Bildung und Verwendung irregulärer Truppen" und verwies dabei ausdrücklich auf Deutschland, das„ gegenwärtig anderthalb Millionen Mann über seine offizielle Armee hinaus einer militärischen Ausbildung unterwirft". Er deutete aber weiter noch darauf hin, daß es in Deutschland jetzt, ebenso wie früher in Sowjetrußland, „ der gefährlichste Trugschluß von der Not wendigkeit militärischer Abwehrmaß= nahmen ist, der bei der Jugend Deutsch lands eine so furchtbare moralische und intellektuelle Verwüstung herbeigeführt und in Mitteleuropa so schwere Bes unruhigung geschaffen hat." Der Zustand des heutigen deutschen Volkslebens, aus dem Reden wie die des Treuhänders der Arbeit" im Rheinland heranwachsen können, wird hier zutreffend gekennzeichnet:„ moralische und intellektuelle Verwüstung"! Und es ist ebenso zutreffend, daß die Herbeiführung dieses Zustandes Zeugnis davon ablegt, daß ein Angriff auf den Frieden der Kulturvölker geplant ist. Nur daß man mit seiner. Ausführung bis zu dem Augenblick wartet, bis im deutschen Volk die nationalistische Siede. hige ihren Höhepunkt erreicht hat und zur Entladung gebracht werden muß. Partclamtlicher Greuelbericht Im Zentralorgan DG. Der„ Völkische Beobachter" vom 13. August bringt eine Bestätigung über die Mißhandlungen von Verhafteten. Das Blatt berichtet darüber, daß bei dem Bäckergesellen Kurt Schiffte aus Steglitz am 12. Mai zwei illegale Blätter gefunden wurden, von denen er eins seinem Freund Hans Monz gegeben habe. Beide wurden verhaftet. Dann heißt es in dem Bericht des„ V. B." weiter: Monzer erhielt Anfang Juli für seine Mitarbeit" zehn Monate Gefängnis. Schifffe dagegen war bisher aus begreiflichen Gründen am Erscheinen vor Gericht„ verhindert". Er wurde nach seiner Verhaftung so mißhandelt, daß er im Krankenhause lag und zur Zeit des damaligen Termins nicht verhandlungsfähig war. Die Verhandlung gegen Schifffe wurde jetzt nachgeholt und er wurde nun noch zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Spitzel- Funktionär Vielsagender Druckfehler im Blatte Hitlers DG. Göbbels Angriff" berichtet am 13. August über die Aushebung kommunistischer Organisationen in Essen und über die Verhaftung von 200 Kommunisten. Wörtlich heißt es dann in dem Bericht: ,, Endlich wurde in Essen- Steele vor einigen Tagen ein kommunistischer Spigel- Funktionär, der von Berlin ins Ruhrgebiet entsandt worden war, erkannt und dingfest gemacht." Wahrscheinlich hat ihn Göring höchst persönlich nach Essen geschickt. Denunziert eure Kollegen Keiner darf mehr eine Gesinnung haben Der Oberbürgermeister von Köln Dr. Riesen hat dem Weshalb ,, Politiken" in Deutschland verboten deutschen Spizelsystem folgendes Dokument einverleibt: wurde Berlin, 20. Aug.( Inpreß.) Der Grund für die Beschlagnahme der großen Kopenhagener Zeitung" Politiken" wird in der nationalsozialistischen Presse folgendermaßen angegeben: das Blatt hätte über den Stabschef Röhm eine , ungeheure Lüge" verbreitet, denn es habe ihm sagen lassen: " Wir fümmern uns nicht einen Deut darum, was die hohen Herren in Berchtesgaden ausknobeln. Revolutionen werden immer in der Hauptstadt des Landes entschieden." Ferner hätte Röhm in westfälischen Städten durch SA.- Männer an die Wand malen lassen:„ Gibt Hitler uns kein Brot, so schlagen wir ihn tot." Erweiterter Arbeitsdienst Ein Vorschlag DG. Dr. Thomalla, Mitglied des Ministeriums für Volks. aufklärung, gibt bekannt, daß in den Kampf gegen die Geburtenbeschränkung vor allem auch die Arbeitsdienstpflichtigen gestellt werden sollen. Die Zusammenlegung der männ lichen und weiblichen Arbeitsdienstlager wäre wohl die einfachste und rascheste Lösung. In neun Monaten: Säuglinge: Antreten zum Appell! Ich mache daher allen Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Köln zur Pflicht, mir bis 20. August die bei den einzelnen Dienststellen und Betrieben noch Beschäftigten bekanntzugeben, die als politisch un= zuverlässig bezeichnet werden müssen. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß die Meldungen unter voller persönlicher Verantwortung zu erstatten sind. Sie sind als eidesstattliche Gr= flärung abzugeben. Beweiskräftige Unterlagen müssen beigefügt werden. Meldungen aus rachsüchtigen und gehäffigen persönlichen Beweggründen haben unter allen Umständen zu unterbleiben." Und nun Denunzianten in die. Front! Deutschland! ,, Ich habe mich einem Juden hingegeben" Nürnberg, 19. Aug.( Inpreß.) Am Sonntag wurde etn „ arisches" Mädchen von 19 Jahren von SA.- Leuten in Begleitung eines Juden angetroffen, festgenommen und mit einem Plakat, das ihr umgehängt wurde, durch die Straßen geführt. Ich habe mich einem Juden hingegeben", stand auf dem Plakat. Außerdem wurden dem Mädchen ganze Haarsträhnen ausgeschnitten. Silberstreifen- blauer Dunst Magnetische Kräfte oder Konjunktur- Flankerel Hitlers Monitor, der Völkische Beobachter", schrieb vor einiger Zeit:„ Das Wunder der Wiederbelebung der deutschen Volkswirtschaft vollzieht sich, wie von magnetischen Kräften erzwungen." Je weiter die ökonomische Wirklich feit von dem Wunder der Wiederbelebung entfernt ist, je näher der soziale, finanzielle und ökonomische Banfrott rückt, um so mehr nimmt der Faschismus seine Zuflucht zum mirtschaftlichen Heil- Magnetismus. Versuchen wir es mal mit Coue. Es geht uns von Tag zu Tag besser. Die SiegesBulletins vom wirtschaftlichen Kriegsschauplab haben eine verteufelte Aehnlichkeit mit Anno 1914. Und so wie sie damals mit lauter Siegen die militärische und politische Niederlage organisiert haben, so organisieren sie, Gott sei Dant, auch die kommende Niederlage. Um sie zu beschleunigen, muß der Weltboykott der Arbeiterklasse mit den rücksichtslosesten Mitteln verschärft werden. Denn es geht auch um Krieg und Frieden. Man muß es dem Reichswirtschaftsminister Schmitt laffen: er hält nichts von den nationalsozialistischen Fagen. Wer Ohren hat zu hören und Augen hat zu lesen, der weiß jeßt, wie katastrophal die ökonomische Situation Deutschlands ist. Seine Rede ist eindeutig und flar. machte Statistik über den Aufstieg in der Textilwirtschaft. Hitlers Trabanten verkündeten:„ Die geschäftliche Entwicklung in der deutschen Textilwirtschaft hat sich in den letzten Monaten recht günstig gestaltet. Es ist deutlich festzustellen, wie mit dem Antritt der Regierung Adolf Hitlers auch in diesem Wirtschaftszweige das Vertrauen zurückkehrte und von Monat zu Monat eine sichtbare UmsazbeIebung eintrat." Aus der Statistit, sie als wahr unterstellt, ergibt sich, daß in der Tat die Produktion ſeit April gestiegen ist. Bei ben Umsätzen liegt es, entgegen der nationalsozialistischen Be Hauptung, ganz anders. Bis einschließlich März bei Fachgeschäften und Warenhäusern ein anhaltender Rückgang, im April tritt eine Aenderung ein, aber sie äußert sich nicht in einer Steigerung des Umsaßes, sondern in einer Umlagerung des Umsatzes vom Warenhaus zum Fachgeschäft. Bei den Warenhäusern verstärkt sich der Rückgang, bei den Fachgeschäften nimmt er ganz minimal zu. Im ganzen also ein neiterer Rückgang. In wie weit das Bild dadurch günstig beeinflußt wurde, daß als Vergleichs- Basis bet der Produftion das Jahr 1928, beim Umsatz dagegen das Jahr 1925 gewählt wurde, mag dahingestellt bleiben. Die Produktionsder Deutschen Bank und Diskonto- Gesellschaft nichts mit Doch wozu dann das nationalsozialistische Erfolgs- Ge- steigerung aber hat nach dem höchst unverdächtigen Zeugnis Schrei? Man schaue ihnen nicht aufs Maul, sondern auf die Fäuste. Da wird der Sachverhalt auch wieder flar. Es ist ein wohlvorbereitetes fapitalistisches Trommelfeuer gegen die Arbeitslosenhilfe. Erst muß man der Deffentlichkeit einreben, daß es keine Arbeitslosen mehr gibt, dann kann man leichter die schärfsten sozialen und finanziellen Eingriffe machen. Der neue Reichshaushalt hat das bereits vor einigen Monaten durch die gewaltige Drosselung der öffentlichen Mittel für die unterstüßende Arbeitslosenhilfe vorgesehen. Wir sind jetzt in das Stadium der Realisierung eingetreten. Denn die magnetisch belebte Wirtschaft hat, wie Schmitt gestand, mit echter Wirtschaftsbelebung nichts zu tun, und so erklärt sich, daß der nationalsozialistische Wirtfchafts- Magnetismus nicht au einer Stärfung, sondern zu einer weiteren Schwächung der Steuerfraft der Wirtschaft geführt hat. Es war seit Brüning Brauch in Deutschland, den Arbeitslosen das mit aller Deutlichkeit fühlen zu lassen. Damals fonnte die Sozialbemokratie wenigstens mancherlei verhindern. Heute gehts mit vollen Segeln ins lohnpolitische Reich der schwerindustriellen Bergwerks- Zeitung:„ Man wird wieder geflicte Schuhe und Hosen tragen, ohne falsche Scham, und der Wollstoff wird nach Abtragen wieder zur Kunstwolle verarbeitet." Wer zweifelt noch daran, daß das nicht nur Perspektive, daß es bereits schauerliche Wirklichfeit ist? Aber die Konjunktur! die Konjunktur! Sat nicht das Institut für Konjunkturforschung festgestellt, daß von den awei Millionen Neubeschäftigten 300 000 bis 700 000 auf Konjunkturbelebung entfallen? Hat nicht sein Name wissenschaftlichen Klang in der ganzen Welt? Ach ja, es hat auch mal bessere Tage gesehen. Aber mit Papen fing es bereits an. Damals wurden die ersten, wie sich jetzt zeigt, ganz stümperhaften Uebungen in der Tendenz- Berichterstattung über Wirtschaftsbelebung ge= macht. Jeden Tag brachte das Radio neue Erfolge und immer wieder Zahlen, Zahlen über neu eingestellte Arbeitskräfte. Es waren gleichzeitig die ersten Eingriffe in die bisher unabhängige statistische Berichterstattung. Das Handwertszeug liegt noch bei den Aften. Und doch: was war das damals für eine unschuldsvolle Joylle. Wenn es nach dem Institut für Konjunkturforschung ginge, hätte Deutschland bereits 1932 im wesentlichen die Krise überwunden. Jetzt läßt es uns wenigstens einen Spielraum von 400 000 bei seinen Konjunktur- Prognosen. Es belegt sie nicht weiter mit wirtschaftsstatistischen Daten, denn dann ließe sich trotz aller Gleichschaltung mancherlei nachprüfen. Auch die deutschen Kapitalisten lieben es nicht, sich Geschäfte andichten zu lassen, die sie tatsächlich nicht machen. Von künstlichen Geschäften raucht noch kein ProfitSchornstein. Und eine Konjunktur ist erst dann eine echte Konjunktur, menn Produktion und Absatz steigen, der vorhandene Produktionsapparat immer besser ausgenutzt wird und durch Neuinvestitionen als Folge des gesteigerten Verbrauchs die Produktionsbasis erweitert wird. Eine Wirtschaftsbelebung ohne Konsumbelebung, das ist fauler Zauber. Der Rückgang des Umsages im gesamten Einzelhandel beweist, daß die Schrumpfung der Kaufkraft nicht einmal aufgehalten, daß sie vielmehr trog aller„ Neueinstellungen" weitere Fortschritte gemacht hat. Das kann sogar im Einklang stehen mit Ziffern, die schein bar das Gegenteil beweisen. Da ging vor einiger Zeit durch den nationalsozialistischen Blätterwald eine groß aufgeeiner Steigerung des Verbrauchs, sondern mit der Auffüllung der Läger zu tun. Dieser kapitalistische Kronzeuge flärt uns in seinen„ Wirtschaftlichen Mitteilungen" 3 auch darüber auf, was denn eigentlich hinter dem Konjunkturgefasel stedt. Wir lesen da zunächst, daß ein dauernder und tiefgehender Erfolg nur dann zu erwarten ist, wenn die durch die öffentliche Arbeitsbeschaffung ausgelöste Bewegung in breiter Front von der Privatwirtschaft aufgenommen wird. Und dann kommt das entscheidende Geständnis: " Die Unternehmer haben die Regierungsparole bereits willigst aufgenommen, daß beweisen die zahlreichen Er: Im Hungerland Wachsende Miẞstimmung in der NSBO. Beuthen, 20. Aug.( Inpreß.) Infolge der Vermehrung ber Feierschichten und der Entlassungen, sowie der unter dem Namen„ Spende für die nationale Arbeitsfront" erfolgten Lohnkürzungen, steigt die Mißstimmung unter den Bergar beitern bis tief in die Reihen der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisationen( NSBO.) und der Nazipartet hinein. Die NSBO. in Niederschlesien schickte Telegramme an die Reichsregierung in denen es heißt, daß die Bergarbeiter des Hungerlandes Waldenburg mit trockenem Brot zur Arbeit gehen müssen. Ebensolche Telegramme gingen an Hitler wegen Feierschichten. Die Telegramme wurden selbstverständlich nicht beantwortet. Konzentrationslager 117 Mann Zuwachs aus Köln Aus Köln wird uns geschrieben: Am 15. August wurden in Köln die seit längerer Zeit im Polizeigefängnis Bonner Wall in Schußhaft befindlichen sozialistischen Funktionäre in einem Zuge von insgesamt 117 Mann durch die Stadt zum Bahnhof geführt, von wo sie in das Konzentrationslager Papenburg überführt wurs den. Darunter befinden sich auch die frühern Abgeordneten Fries und Riedmiller. „ Miesmacher" Er wollte zum Führer und landete im Konzentrationslager Dortmund, 20. Aug.( Inpreß.) Unter der obigen Ueberschrift berichtet der Dortmunder Generalanzeiger":" Ahlen. Der Einwohner Alfred Tauch hatte sich mit seinem Fahrrad nach Berlin begeben, um hier persönlich beim Führer Adolf Hitler Beschwerde zu führen. Der Miesmacher wurde abgewiesen. In Goslar befaßte sich die Polizei eingehend mit dem einsamen Radfahrer, den sie ins Konzentrationslager steckte." neuerungsaufträge aus fast allen Industrien, die vielfad„ Made in Germany". im Augenblid noch feinem unmittelbaren produktionsmäßigen oder technischen Bedürfnis entspringen, die aber vergeben werden aus dem Bestreben, den staatlichen Maßs nahmen zur Konjunkturanregung größeres Gewicht zu verleihen." Mit Parolen und frei nach Coue ist jedoch am wenigsten der deutsche Kapitalismus zu retten. Papen und seine Steuergutscheine waren der erste umfassende Versuch, eine Konjunktur zu diskontieren. Ihr ging schnell die Lust aus. Denn eine diskontierte Konjunktur ist eben noch keine echte Konjunktur. Und so wird sich auch der neue Silberstreifen in blauem Dunst auflösen. Das ist der tiefere Sinn der Darlegungen des Reichswirtschaftsministers Schmitt. Der deutsche Kapitalismus kann so wenig wie Münchhausen sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf ziehen. Das weitere Versinken in Marasmus ist deshalb unvermeidlich. Treffend diagnostizierte Butler, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, in feinem letzten Bericht den Scheinaufstieg, der sich im dritten Vierteljahr 1932 bemerkbar machte und auch in sich zusammenbrach: aber nur fürs Inland Nach den neuesten Bestimmungen der deutschen Wirt schaftspolitik sind auf Vorschlag des Hansabundes jetzt im „ dritten Reich" hergestellten Waren mit der Bezeichnung " Deutsches Erzeugnis" zu versehen. Alle Produkte, die diesen Aufdruck nicht tragen, sollen in Zukunft auf Veranlassung der nationalsozialistischen Parteistellen von den Kaufleuten ausdrücklich als Schund oder Schleuderwaren bezeichnet werden. Allerdings ist man vorsichtig genug, hinzuzufügen, daß diese Bestimmungen nur für das Inland gelten sollen, weil die Bezeichnung der aus dem dritten Reich" eventuell noch" exportierten Waren als Deutsches Erzeugnis" nicht zwed mäßig" sei. Schließlich scheinen also auch die nationalsozialistischen Parteistellen erfaßt zu haben, daß es wirklich nicht gerade zweckmäßig für die Fortseßung der deutschen Gesundung ist, dem Ausland den Boytott deutscher Waren durch eine besondere Kennzeichnung nach Möglichkeit zu erleichtern. Betrachtet man neuerdings die besonders aus Palästina, dem Vorderen Orient, aus Südamerika und den USA. den hiesigen Firmen zugehenden Anfragen, so muß man allerdings feststellen, daß auch diese schüchterne Beschränkung des " Made in Germany" auf das Inland nicht sehr viel praf tischen Zweckt haben dürfte. Zahllose Firmen verlangen nämlich vor Abschluß, daß der Lieferant eine ausdrückliche Erklärung unterschreibt, in der zugesichert wird, daß die Waren weder ganz noch teilweise aus Deutschland stammen. Auf dem ganzen Gebiet des internationalen Außenhandels hat man immer mehr den Eindruck, daß es einer besonderen Kennzeichnung als Deutsches Erzeugnis" gar nicht mehr bedarf, weil das dritte Reich" Tag für Tag schon ausreichend dafür Sorge trägt, daß deutsche Erzeugnisse gekenn Jan Severin. zeichnet sind. " Solange die Rauftraft der von der Industrie abhän= gigen Massen und vor allem auch der landwirtschaftlichen Bevölkerung nicht neu belebt ist, darf man nicht auf eine allgemeine Hebung der industriellen Produktion hoffen." Um fein Haar anders liegen die Dinge heute. Das Geheimnis der Krisenüberwindung liegt nicht in Investitionen, es liegt in der Steigerung der Rauftraft, damit erst mal die vorhandenen Rapazitäten ausgenugt werden. Der Reichswirtschaftsminister weiß, daß die Diskontierung einer Stonjunktur nicht nur eine Fehlspekulation ist, wenn die ent sprechenden Absatzmöglichkeiten fehlen; er weiß auch, daß sich dadurch mit innerer Zwangsläufigkeit die Krisen- Situation dadurch mit innerer Zwangsläufigkeit die Krisen- Situation Bechstein pleite verschärft. Das ist die einzige Realität für den deutschen Kapitalismus, denn sowohl der Außenhandel wie die innere Stauffraft sinten weiter. So befindet sich der deutsche Kapitalismus in einer ausweglosen Lage. Die magnetischen Kräfte werden nur in einem Punkte ihre volle Schuldigkeit tun: sie werden die nationalen Gefühle und das Rüstungsgeschäft immer mehr beleben. Die proletarische Welt hat angesichts diefer Perspektive nur die eine Aufgabe, mit allen Mitteln den ökonomischen Zusammenbruch Deutschlands zu beschleunigen, um die Bahn frei zu machen für revolutio näre Auseinanderseßungen, deren Ziel ein wirfliches ſozialistisches Deutschland ist. Noch immer sind in der Geschichte große Wandlungen aus tiefster Not entstanden. Die Welt hat keine andere Wahl: entweder ein freies foliches Deutschland oder den Krieg. Die Lohnsumme sinkt Zur deutschen Wirtschaf slage Der Neue Vorwärts", das in Karlsbad erscheinende Wochenblatt der Sozialdemokratischen Partei Lohnfumme in der deutschen Volkswirtschaft fintt also von Monat zu Monat trotz der Abnahme der Die berühmte C. Bechstein- Pianofortefabrif verhandelt mit ihrem Hauptgläubiger, der Schweizerischen Volksbank, über einen Bergleich. Es ist nicht uninteressant, daß Bechstein und vor allem Frau Bechstein in der Anfangszeit der nationalsozialistischen Bewegung zu Hitlers wichtigsten Geldgebern gehörte.. Bedrohung des Exports nach Holland Die südwestfälische Industrie- und Handelskammer teilt mit, daß ein Gesetzentwurf des holländischen Finanzministers, der besondere Einfuhrabgaben, Umsatzsteuern und Einfuhrsonderabgaben vorfieht, für die deutsche Einfuhr nach Holland fich vernichtend auswirken fann". Wehrsport Im Arbeitslager Man schreibt uns: Sie veröffentlichten österreichische Angaben, daß deutsche Arbeitslager mit Maschinengewehren ausgerüstet sind. Ich wundere mich, daß so etwas überhaupt noch berichtet werden muß. Jeder, der in einem Arbeitslager war, weiß, daß er sich dort das sogenannte Wehrsport Deutschlands, Sit Prag, liefert einen interessanten Bei Arbeitslosigkeit auf dem Papier. Der befte Beweis dafür abzeichen" erwerben fann. Voraussetzung ist die gründliche trag zur Beurteilung der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschlands. Das Blatt knüpft an die Tatsache an, daß nach den amtlichen Berichten zwei Millionen Arbeitslose weniger, zwei Millionen Lohnempfänger mehr vorhanden seien, und daß doch die Umsätze des Einzelhandels in den letzten Monaten sehr erheblich gesunken sind. Das Blatt schreibt dazu: „ Die Lösung des Rätsels ist gar nicht so schwierig. Wir haben bereits früher nachgewiesen, daß die Abnahme der Arbeitslosigkeit ausschließlich in denjenigen Wirtschafts= zweigen erfolgt ist, die dafür öffentliche Mittel erhalten haben. In dem nicht subventionierten Sektor der Privatwirtschaft aber find etwa 400 000 Menschen weniger beschäf= tigt als im Vorjahr. Die Infassen der Arbeitsdienstlager, die Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, beim Straßen: bau usw. erhalten aber fanm mehr Lohn als bisher an Unterstützung. Die 400 000 nenen Arbeitslosen aus der Privatwirtschaft erhalten aber weniger an Unterstützung als fie früher an Lohn erhalten haben. Die allgemeine Ausbildung am Maschinengewehr und am Karabiner und das Werfen mit Handgranaten. Es wird nicht verlangt, daß diese Uebungen geheim gehalten media schon aus dem Abzeichen hervorgeht. liegt aber in dem Ertrag der Lohnsteuer. Jeder Pfennig Lohneinkommen wird von ihr erfaßt. In dem Auftommen der Lohnsteuer spiegelt sich daher automatisch die Wirtschaftstonjunttur wieder. In den Monaten April bis Juni hat die Lohnsteuer 182,3 Millionen Mt. erbracht gegenüber 196,8 Millionen Mt. in der gleichen Zeit des Borjahres. Der Der Grußfimmel Rüdgang beträgt also 14,5 Millionen Mt., also fast 8 Prozent. ären im Durchschnitt der Monate April bis Juni auch nur eine Million Arbeitskräfte nen eingestellt worden, dann müßte die Lohnsteuer statt eines Minder= ertrages von 15 Millionen Mt. einen Mehrertrag von 15 Millionen Mark erbracht haben. Die rapide Abnahme des Ertrages der Lohnsteuer ist die beste Widerlegung der Behauptung von der Abnahme der Arbeitslosigkeit. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit steht auf dem Papier, die Abnahme des Arbeitsein'mmens und die meitere Merechte: rung der allgemeinen Wirtschaftslage das ist die Wirklichkeit." Berlin, 20. Aug.( Inpreß.) Der preußische Innenminister, der stark ist in Erfindung von Exerzierreglements, gibt genaue Grußbestimmungen für die verschiedenen Arten der Polizei in Preußen. Der Beamte in und außer Dienst hat im Stehen folgendermaßen zu grüßen:„ Grundstellung, furzes Heben des rechten gestreckten Armes nach vorn schrägaufwärts, Fingerspitzen der gestreckten Hand etwas über Stirnhöhe, sodann alsbaldiges Senfen des Armes zur Grundstellung." Der Runderlaß bestimmt, daß auch bei dienstlichen Telefongesprächen der Hitlergruß zu leisten ist. Preußische Polizeibeamte werden demnach in Zukunft die Telefonapparate römisch begrüßen.. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit"* Referendare im Lager Jüterbog Statt Fuca Gepäckmärsche Zitate ohne Kommentar Dec Führer Spieler, in Auftreten und Blick an einen der Großen des Richthofen Geschwaders erinnernd, ist Oberstaatsanwalt und wohl die treueste und zuverlässigste Stütze seines Ministers bei seinem großen Wert.( D. Allgem. 8tg.") Wecken Aehnlich wie beim alten Rommißlängst vergangene, schöne Kriegsschulerinnerungen wurden wieder wach gibt es eine feste Tageseinteilung. Um 6 Uhr ist Wecken, anschließend eine halbe Stunde Waldlauf, dann gibts Kaffee und bis 8 Uhr werden Betten gebaut und die Stuben gesäubert. 8.10 Uhr ruft der Stubenälteste- meist ein Refe rendar, der schon als SA.- oder SS.- Mann Dienst getan hat seine Belegschaft von 30 Mann zum Antreten zum Sport auf den alten Artillerieſchießplay. Stola ( D. A. 3.") Wir können stolz darauf sein, daß der Nationalsozialismus nach den Worten des Ministers Kerrl zurückgreifen, aufbauen und ausbauen will auf den Grundsäßen der alten Armee, einer Armee, die ihre glorreichen Siege nicht durch die Masse, sondern durch den Geist des einzelnen, der das Ganze bildete, erfocht. ( D. A. 8.") Ohne Bücher gutes Examen Die Bibliothet enthält teine juristischen Bücher. Urlaub gibt es nur für Samstag und Sonntag, aber auch nur für Jüterbog. Jeder Referendar hat seine Geldmittel abauliefern, die er erst beim endgültigen Verlassen des Lagers wiebererhält, am Tag wird ihm nur eine Mark ausgezahlt. Wie wirkt sich das Lagerleben auf die Prüfungsergebnisse aus? But, erklärte Justizrat Dr. Richter, Mitglied der Oberprüfungskommission: die Ergebnisse sind besser geworden, denn die Referendare gehen ausgeruht und in ( Bossische 8tg.") besserer Stimmung ins Examen. Politische Soldaten Wie der Student von heute politisch ist, muß es auch die Wtfienschaft sein. Sie muß ausgerichtet sein auf die großen überpersönlichen Werte Volt, Staat und Nation und diesen dienen, dann ist sie in ihrer Anwendung völlig frei. Eine Wissenschaft, die nicht dem Wohle des Boltes dient, ist im nationalsozialistischen Staate eine Unmöglichkeit, ebenso wie es den alten Studententyp, der sich von seinem Volkstum und seinen Pflichten zu ihm lossagte, heute nicht mehr geben darf. So werden die Referendare, die die Wehrsportlager hier in Köln und Jüterbog beziehen, so werden die Studenten, die in diesen Tagen zum ersten Male im Arbeits- oder Wehrsportlager die Kameradschaft erleben, zu politischen Soldaten.( Westd. Beobachter") Baake und Brodbeck Die Gleichschaltung der deutschen Volksbühnenbewegung Man schreibt uns: Vom Untergang" der deutschen Volksbühnenbewegung fann man nicht reden. Leider nicht! Denn die Tatsache der freiwilligen Eingliederung in die nationalsozialistische Deutsche Bühne ist Schande und Berrat. Diese großartige Kulturbewegung der deutschen Arbeiterschaft, erwachsen aus dem Kampf gegen wilhelminische Zensur, ist von ihren obersten Funktionären und Beamten, sicher gegen den Willen der Mehrzahl ihrer Mitglieder, an die Nazis vertaust worden. In der entsprechenden Auflösungsversammlung rühmte der Generalsekretär bes Voltsbühnenverbandes, Brodbeck, die Kulturleute der Nazis wegen ihrer Vornehmheit und sich selbst, weil er noch 500 000 Mitglieder in die Nazibühne einbringe. Der Vorsitzende Baate erwartete die Erfüllung der Volksbühnenbestrebungen vertrauensvoll von dem sozialen Sinn des neuen Regimes. Dieser alte Mann, der seit Jahrzehnten viele Ehrenposten in der sozialdemokratischen Kulturbewegung bekleidete, einst sozialdemofratischer Staatssekretär war, behielt auch das einträgliche Amt des Vorsitzenden der Berliner Volksbühne bei, die als Besitzerin des herrlichen Theaterbaus am früheren Bülowplatz bestehen bleibt natürlich gleichgeschaltet. Nach Entfernung aller aufrechten Sozialisten aus ihrer Leitung traten aus dem Beamtenstab des aufgelösten Reichsverbandes noch Hubert Geilgens und Friz R. Schulz in die Leitung der Berliner Volksbühne ein. All diese Herren, bezahlte Funktionäre der Arbeiter, Sozialdemofraten bis zum März, nun neugebackene Nazis, schämen fich nicht, in ihrem Mitteilungsblatt zu behaupten, daß sie die Tradition der Volksbühne fortjeßen, deren organisatorische Jbee fich ganz eindeutig mit den Absichten der Regierung be gegnet". Sie begrüßen diese behördliche Bentralisierung des Theaterwesens. Sie geloben der Deutschen Bühne“ Hilfe und Freundschaft, preisen die Theaterbegeisterung Görings, der ihre aufrechten Genossen au Tausenden martern und morden läßt. Die Wirkung auf die Arbeiter bleibt wohl schon nicht aus. Denn im gleichen Heft wird herzzerbrechend um„ Treue um Treue" gewinselt. Dieser Ruf wird wohl bei den alten Mitgliedern erfolglos bleiben, deren denkender Teil von solchen Ehrenmännern sicher fein Stückchen Brot, geschweige denn Kunst und Erhebung mehr annehmen will. Sie werden sich neue Anhänger aus den Kreisen der SA. suchen müssen. Der deutsche Haarschnitt Die Pressefreiheit ist wieder hergestellt! Die Deutsche Allgemeine Zeitung" tummelt sich, nachdem sie in der Politik keine eigene Meinung mehr haben darf, in den Gefilden ethischer Schwächen des deutschen Menschentums. In ihrer Rubrik" Der Leser hat das Wort" unternahm fürzlich ein Waghalsiger einen Vorstoß gegen die deutsche Herrenfrisur. Er machte sich lächerlich über das kleine Käppi, das vielen echten Germanen sorgfältig frisiert auf der Höhe des im übrigen fahl geschorenen Rundschädels ruht. Anschaulich schilderte er, daß der Deutsche im Auslande mit dieser Frisur nahezu komisch wirkt und die edle Geistigkeit eines unverfälschten Teutonenkopfes in absurder Weise stört. Um diese deutsche Haarfrisur hat sich nun eine durch mehrere Spalten reichende Polemit in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" entwickelt. Damit jedermann an dieser hißigen Auseinanderseßung, die endlich das düstere Schweigen über Deutschland durchbricht, teilnehme, seien einige der Stimmen über die„ Deutsche Haarfrisur" hier verzeichnet. Hören wir zunächst die Fachleute. Zwei Friseurmeister, einer aus Zittau und einer aus Berlin W., beginnen den Reigen. Sie erklären, daß dieser unschöne Haarschnitt durch ganze Scharen junger Männer groß propagiert wurde. Es sei nun einmal Mode, aber während die Damenwelt einer Belehrung fast immer zugänglich set, verhalte sich der Herr in seiner Frisur fonservativ.„ Sorgen Sie dafür, daß recht viele Herren sich einen, wenn auch kurzen, aber schönen Haarschnitt zulegen." Die Auffassungen der Fachleute werden jedoch von andern Teilnehmern an dieser Diskussion nicht gebilligt. In die unregelmäßigen und fantastischen Schöpfe undisziplinierter Preußen fahren einige Krieger wild hinein. Da schreibt einer, daß derjenige, der die deutsche Haarfrisur beanstande, niemals Soldat gewesen sei. Eine anständige Soldatenfrisur sei einfach eine Notwendigkeit für den Krieger im Felde. In die 8eit im neuen Deutschland paßt die Soldatenfrisur viel besser als der Künstler. Iodenkopf. Und wenn es wieder mal ernst werden sollte, dann wollen wir auch wieder dabei sein und lassen uns dann sofort den Schädel gänzlich kahl scheren." Noch kriegerischer ist freilich Georg Schmerling, cand. ing.„ Jener beanstandete Haarschnitt," so sagt er, gehört zu den äußeren Kennzeichen des Preußentums und wird daher von allen Gegnern des preußischen Wesens, offenen und versteckten, inländischen und ausländischen, seit langem mit giftigem Haß verfolgt." Bruder Studio beschwert sich, daß viele Leute sich nicht nur gleichschalten, sondern sich auch beim Friseur gleichscheiteln ließen, obwohl sie sich zu Weihnachten noch betont undeutsch" trugen... So geht diese Polemik noch eine Weile fort. Der HitlerEreignisse und Geschichten Eelkönig im ,, dritten Reich" Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Deutschland: der Vater mit seinem Kind; Es hat den Knaben wohl in dem Arm, Es faßt ihn sicher, es hält ihn warm. Prolet, was birgst du so bang dein Gesicht? Sichft, Deutschland, dn den Entführer nicht? Den Stammeshäuptling mit Aron' und Schweif? Sieg- Heil, es ist ein Nebelstreif. Du liebes Mind, fomm, geh mit mir! Gar schöne Spiele fpiel' ich mit dir; Manch Judenblut fließt an dem Strand, Meine Truppen haben manch braunes Gewand." Mein Deutschland, mein Deutschland, und hörest du nicht. Daß Erlentönig dir Elend verspricht? Sieg- heil, bleibe ruhig, mein Kind; In dürren Blättern säuselt der Wind. " Willft, feiner Knabe, du mit mir gehn? Gleich- schallt die Presse und wartet dich schön. Meine Göbbels führen den nächtlichen Reihn Und wiegen und tanzen und fingen dich ein." Mein Deutschland, mein Deutschland, und siehst du nicht dor Europas Heere am düstern Ort? Sieg- Heil, Sieg- Heil, ich seh' es genau: Es scheinen die alten Weiden so gran. " Ich liebe mich, mich reizt meine schöne Gestalt: Und bist du nicht willig, so branch ich Gewalt!" Mein Deutschland, mein Deutschland, jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan! Deutschland grauset's, es reitet geschwind, Es hält in Armen das ächzende Kind, Erreicht die Grenze mit Mühe und Not. Noch ist das Armenkind nicht tot. Kalmann Reinhold. Diktatoren ins Stammbuch Immer war die Willkür fürchterlich! Was glänzt, ist für den Augenblick geboren! Schiller. Goethe- Faust". Mit dem Belagerungszustand kann jeder Dummtopf regieren! Cavour, bedeutender italienischer Staatsmann. Wie kann Alleinherrschaft etwas Gutes sein, die tun kann, was thr beliebt, ohne Verantwortlichkeit! Herodot, der große griechische Weise und Geschichtsschreiber. Die Einsicht in das Mögliche und Unmögliche ist es, die den Helden vom Abenteurer unterscheidet! Mommsen. Es ist nicht jeder ein Apostel, der hingeht in alle Welt! Alter Spruch. Wo keine Gerechtigkeit, ist keine Freiheit! Seume. Wo es Klugheit gilt, da schafft die Gewalt nichts! Herodot Gestrenge Herren regieren nicht lange! Altes Sprichwort. Nichts schädigt mehr den Staat als die Herrschaft eine Mannes! Euripides, der große griechische Dichter. Das Leben gilt nichts, wo die Freiheit fällt! Körner. Unter den Waffen schweigen die Geseze! Cicero, der große römische Dichter und Redner. Neue literarische Monatsscheift In Prag wurde unter Mitarbeit von Bert Brecht, Ilja Ehrenburg, Josef Roth, Bruno von Salomon, Egon Erwin Kisch, Jakob Wassermann u. a. eine Monatsschrift für Literatur und Kritik gegründet, die überparteilich Dichtung und Literatur aller Repräsentanten des literarischen Deutschland pflegen will, die es ablehnen, dem dritten Reich" zu dienen. Die Prager Redaktion, zu der Oskar Maria Graf, Anna Seghers und W. Herzfelde gehören, teilt mit, daß auch in Deutschland Mitarbeiter dieser Zeitschrift vorhanden seien, die den Nationalsozialismus ablehnen und anonyme Beiträge liefern werden. Deutsche bleibt bei seiner Frisur und fordert wild ihre Die Schalmei bläst Anerkennung. Er will auf dieser Rutschbahn fröhlich sein und hier, im Reich längst ausgerotteter Läuse, vollkommene Presse- und Handlungsfreiheit genießen. Solange wenigstens, bis ber Kriegsdonner über die letzte Bottelfrisur hinwegfegt und das Haarfeld schußfrei applaniert. Erschienene Neuigkeiten des deutschen Musikalienhandels: „ Mein Regiment, mein Vaterland, Soldate: liedermarsch";" Schlageter- National- Marsch";" Ein Wille ein Weg! Marsch und nationaler Wedruf"; Heroldsruf Turnierfanfare, für Militärmusif";" Swei Hakenkreuzlieder mit eigener Melodie";" Heil dem Führer! Ein Spiel in awei Bildern für die gesamte Hitler- Jugend, Schulen, vaterl. und kirchl. Vereine. Einleitende Musik: Im Dritten Reich." Die„ Breslauer Neuesten Nachrichten" melden: " Freilich, das helle Sonnenlicht der Preßfreiheit ist für den Sklaven, der lieber im Dunkeln die allerhöchsten Fußtritte hinnimmt, ebenso fatal, wie für den Despoten. der tritte hinnimmt, ebenso fatal, wie für den Despoten. der SAenger seine einsame Ohnmacht nicht gern beleuchtet sieht. Es ist wahr, daß die Zenfur solchen Leuten sehr angenehm ist. Aber es ist nicht weniger wahr, die Benfur, indem sie einige Seit dem Despotismus Vorschub leistet, ihn am Ende mitsamt dem Despoten zugrunde richtet, daß dort, wo die Ideenguillotine gewirtschaftet, auch bald die Menschenzensur eingeführt wird, daß derselbe Sklave, der die Gedanken hinrichtet, späterhin mit derselben Gelaffenheit feinen eigenen Herrn nicht aus dem Buche des Lebens....." Heinrich Heine( Ueber den Adel" 1831.) Im Prinzregententheater fand im Rahmen der Mün chener Festspiele eine Aufführung des Fliegenden Holländer" statt, der auch Reichskanzler Adolf Hitler beiwohnte. Die musikalisch hervorragende Aufführung war getragen von der Leistung Wilhelm Rodes, der vom Dienst als SA.- Mann zur Aufführung fam und die Titelrolle sang. Kein Zweifel, daß so etwas eine Leistung ist, und keine Frage, daß das ein großer Künstler ist, der so etwas im Handumdrehen zusammenbringt: raus aus der SA.- Kneipe, runter vom Exerzierplaz, rauf auf die Bühne, rein ins Geisterschiff! DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Der Krakatau poda Zur 50jährigen Wiederkefir des Vulkanausbrucis am 26. Aug.1883 Am 26. August jährt sich zum 50. Male der Tag, an dem der berüchtigte niederländisch- indische Vulkan Krakatau ausgebrochen ist und nahezu 50 000 Menschen verschlungen hat. Der Krakatau lag auf einer Insel in der Sundastraße zwischen Sumatra und Java, auf der sich bis zum Jahre 1883 zwei Vulkane befanden. Schon im Mai 1680 und im Februar 1684 schleuderten die beiden Vulkane ungeheure Lavamassen auf die Insel und vernichteten dort nahezu sämtliche Lebewesen. Im Mai 1888 begann der Vulkan sich durch Erdstöße und Teilausbrüche bemerkbar zu machen. In der Nacht vom 26. zum 27. August 1883 kam es dann zu jenem Vulkanausbruch, der in der modernen Geschichte seinesgleichen nicht fennt. Die beiden Vulkane brachen ungefähr um Mitternacht aus, und zwar mit einer solchen Heftigkeit, daß die halbe Insel abgesprengt und ins Meer geworfen wurde. Eine gewaltige, nahezu 40 Meter hohe Flutwelle entstand und dehnte sich bis über Java und Sumatra hinweg bis nach Japan, Australien und sogar bis Südamerika aus. Etwa 50 000 Menschen wurden bei diesem gewaltigen Vulkanausbruch vernichtet. Im Gefolge der vulkanischen Explosion wurden große Massen vulkanischen Staubes emporgeschleudert, die noch viele Monate lang den ganzen Erdball umkreisten und die Sonne ver= dunkelten. Der Aschenabfall der Eruption war ungefähr 1000 Quadratkilometer groß. Eine 70 Meter hohe Aschenschicht legte sich über den Rest der alten Insel. Durch die gewaltige Explosion waren beiderseits von dem verschwundenen Teil der alten Insel zwei neue Inseln emporgestoßen worden, die jedoch nach einigen Monaten wieder unter die Meeresoberfläche untertauchten. Die Detonation des Krakatau war auf den Philippinen, in Mittelaustralien und in Madagaskar deutlich zu hören. Die Erschütterung war auf der ganzen Erde zu verspüren, ebenso eine Schwankung des Luftdruckes, die durch die Wirbelstürme über den Sundainseln ausgelöst wurde. Die ehemalige Krakatauinsel wurde von 30 auf 10 Quadrattilometer verringert. Auf dem ehemaligen Aschenboden bildete sich eine neue Vegetation. Durch Winde und Vögel wurde die Aschenoberfläche neu belebt. Die Fruchtbarkeit der Tropen trug dazu bei, die Insel wieder mit einem äußerst ergiebigen Ackerboden zu bedecken. Seit dem Jahre 1928 rührt sich dieser in die Meerestiefe versunkene Vulkan aufs neue und beunruhigte die Bevölkerung durch heftige Erd- und Wasserstöße. In einem Abstand von einigen Monaten steigen aus der Sundastraße in der Gegend des ehemaligen Krakatauvulkans gewaltige Wassermassen aus dem Meer empor und schleudern Lava und Steine bis an die Küste von Sumatra und Java. Die leẞte größere Eruption war am 14. August 1930 zu verzeichnen, wo eine Wassersäule von nahezu 200 Meter Höhe und mit einem Durchmesser von etwa einem Kilometer emporgeschleudert wurde. Niederländsch- Indien gehört zu den vulkanreichsten Ländern der Erde. Auf den Sundainseln kann man etwa 100 tätige Vulkane zählen, die durch ihre unberechenbaren Ausbrüche die Bevölkerung in Atem halten. Hungersnot zwingt die Bauern und Pflanzer jener vulkanischen Gebiete immer wieder auf die alte Scholle zurück. So sind beim Ausbruch des Kleot- Vulkans auf Java im Jahre 1919 nahezu 6000 Menschen ums Leben gekommen. Die holländische Regierung hat neuerdings zur Beobachtung der Krakatau und des Kleot einen eigenen Erdbebenbeobachtungsdienst eingerichtet, der 30 Beobachtungsposten auf dem ganzen Inselgebiet unterhält. 200 Assistenten und Hilfskräfte unterstützen den Leiter der Erdbebenwarte. Selbst in die Krater hat man Beobachtungsposten, die mit Gasmasken und Hunden begleitet find, vorgeschoben, um rechtzeitig die Bildung von giftigen Gasen festzustellen. Durch Temperaturmessungen, Gesteinsprüfungen und Bohrungen hofft man den Ausbruch eines der Vulkane rechtzeitig melden und großes Unheil von der Bevölkerung abwenden zu können. Die leßte Erdbebenmeldung aus Niederländisch- Indien berichtete von einem drohenden Ausbruch eines Bultans bei der Stadt Palembang. Ein Mensch ist verfungert Von Walter Halfascika In dem hellerleuchteten Schaufenster der Feinkosthandlung locken tausend gute Dinge. Dickbauchige Mortadella, Salami, dürre Landjäger, Mettwürstchen mit zierlicher Binde um den glänzenden Leib, dann dunkelgeräucherte Schinken, deren Anschnitt rosig leuchtet. Goldgelb lacht der Käse und winzige Radieschen lugen weiß und rot aus grünem Blattwerf. Riesige Stücke Selchfleisch lagern behäbig übereinander, das quellende Fett mit hellem Grün geziert. Langgestreckt, den dunklen Leib aufgeschlißt, geräucherter Aal, davor Kaviar, Lachs und gesottene Krebse in niedlichen Schüsseln. Ungemein gustiös der Karpfen in Aspit. Grüngesprenkelt der vornehme Gorgonzola in silberner Hülle. Berge von Orangen und rotbackigen Aepfeln, goldschimmernde Muskatellertrauben, Bananen und kalifornische Pfirsiche, sorgsam eingehüllt in Seidenpapier wie frierende Kinder. Als Krönung des Ganzen das gebackene Huhn auf filberner Platte, knusprig braun und geschmackvoll garniert mit frischen Salaten. Im Hintergrund wachsen Pyramiden von Schokolade, Lebkuchen und Gläsern mit feinsten Konfitüren gewaltig empor bis zu den Regalen, von welchen langhalsige Flaschen erlesener Weine majestätisch niederblicken auf die verschwenderische Fülle. Aus tief in den Höhlen liegenden Augen starrt ein Mann auf die Herrlichkeiten. Seine hagere, erbärmliche Gestalt im zerschlissenen Mantel nimmt sich nicht gut aus neben den feingekleideten Leuten und ängstlich rücken diese von der Elendsgestalt ab. Der Hungernde merkt nichts davon. Irr flackert sein Blick und seine knochige Hand ballt sich zur Faust. Es hat den Anschein, als wolle er einfach hineinschlagen in die Scheibe, Doch kraftlos sinkt sein Arm wieder herab. Mühsam schleppt er sich die Häuserfront entlang. Seit vielen Stunden schon irrt er so herum. Ein jäher Schwindel erfaßt den Mann, kalter Schweiß bricht aus seinen Poren und erschöpft lehnt er an der Hauswand. Ueber die Straße weg donnert die Hochbahn. Achtlos gehen die Menschen an ihm vorbei. Fieber schüttelt den Mann. Von Krämpfen befallen, taumelt er über die Straße. Drüben stehen Bänke. Feurige Räder drehen sich vor seinen Augen, Blige zuden und der Boden wankt unter seinen Füßen. Dumpf schlägt er hin. Menschen laufen zusammen. Ein Wachmann erscheint. Man bettet die hagere Gestalt auf eine Bank. „ Ein Betrunkener," fragt jemand. " Wahrscheinlich," sagt ein dicer Herr im Stadtpela. Nein! Vor Hunger ist er zusammengestürzt!" schreit eine schrille Frauenstimme. " Ruhe! Auseinandergehen!" fordert der Wachmann auf. Doch die Leute weichen nicht. Im Gegenteil, immer mehr Neugierige strömen herbei. Der Herr im Stadtpelz sieht sich zu seiner Bestürzung eingezwängt in eine erregte Menge. Drohende Gesichter ringsum.„ Einer ist vor Hunger z sammengestürzt!" Im Nu wissen es alle. „ Die reichen Leute fressen sich an und wir verrecken auf der Basse!" ruft einer. Die Schnurrbartspitzen des Wachmannes sträuben sich. Es wird doch nicht am Ende zu Krawallen kommen? Wenn nur der Rettungswagen schon da wäre. Der dide Herr im Stadtpela fühlt sich reichlich ungemütlich und und verflucht im stillen seine Neugierde. Die Leute da er, der Wohlgenährte, Gutgekleidete... Fatale Situation. Der Wachmann hat Mühe, die Bank freizuhalten. Ein schrilles Pfeifen ertönt. Der Rettungswagen. Ein Arzt öffnet Rock und Hemd des regungslos Daliegenden. Der Dicke im Stadtpela entnimmt seiner Brieftasche eine Geldnote. Wenn man sich auf diese Weise aus der Affäre ziehen kann... Der Arzt hat die Untersuchung beendet. Kopfschüttelnd richtet er sich auf. „ Wir können den Mann nicht mitnehmen," sagt er zu dem hm sozusagen an Wachmann, er ist nämlich tot. Ver. Entkräftung gestorben. Ich werde sorgen, daß der Totenwagen..." Der Wachmann legt die Hand an die Mühe. Das Auto verschwindet. Langsam zerstreut sich die Menge. Der Herr im Stadtpela steckt achselzuckend das Geld wieder ein. Mit einem scheuen Blick auf den Toten geht er weg. Barsch fordert der Wachmann ein paar Unentwegte auf, zu gehen: „ Habts noch kan Toten gsehn?" Schmal liegt der Körper des Verhungerten auf der Bank. Ungeduldig hält der Wachmann nach dem Totenwagen Ausschau. Endlich rollt er heran. Der Tote wird verladen. Eine Tür schlägt zu. Der Wachmann schreibt eine kurze Meldung in sein Dienstbuch und leuchtet dann mit seiner Taschenlampe die Bank ab. Nein. Keine Blutflecken. Nichts erinnert daran, daß hier ein Toter gelegen ist. Donnernd braust die Hochbahn über die Brücke. Menschen gehen lachend vorbei. Ein Mensch ist verhungert. Ladien nicht verfernen Können Sie Französisch?" fragte der Gewaltige den jungen Menschen, der sich mit List und Tücke bis zu seinem Privatkontor durchgeschlagen hatte. " Nein," mußte er erwidern. " Können Sie Englisch?" forschte jener weiter, um eine Nuance weniger freundlich. " Nein," gestand der junge Mensch. „ Können Sie Buchführung, Stenographie, Schreibmaschine...?" erkundigte fich der große Mann summarisch. Nein," sagte der Junge bescheiden. „ Ja, aber zum Donnerwetter," brach der andere los, was tönnen Sie denn eigentlich?" Alles das lernen," erwiderte der Junge. Er bekam den Plaz als Lehrling. Der Angellateiner Karl steht im Sande von Swinemünde. " Ich habe gestern eine Flunder geangelt ( Politiken".) foo groß war fte- schau her!" Und er zeichnet mit seinem Stock in den Eand einen Kreis- einen Kreis von dreizehn Meter Durchmeffer. Fragt ihn der Freund: " Sag, Karl, warum beginnst Du zuerst das Auge Deiner Flunder zu zeichnen?" Neue J. 3.") Was ist im Sommer paradox? Wenn an einem heißen Hochsommertag die Liebe zu einem Menschen erfaltet! Wenn man von einem dunkelhaarigen, sonnengebräunten Mann behauptet, daß er ein weißer Rabe sei! Wenn man von einer Dame im Badetrikot behauptet, daß fie zugeknöpft set! Wenn jemand in den Dünen am Meer liegt und mit einer diden Dame flirtet! Wenn jemand im Waldesdickicht einer schlanken Frau huldigt! Wenn eine feurige Frau im Gebirge bei stürmischem Wetter Wassermanns Werke lieſt! Wenn ein Hochtourist eine Höhe erklimmt und, oben angekommen, äußerst heruntergekommen aussieht! Wenn eine Dame auf der Kurpromenade bei heiterem Wetter einen Verehrer abblizt! Wenn ein fauler Mensch in der Pension einen regen Appetit zeigt! Wenn in der Sommerfrische einem Barbefizer das Bargeld ausgeht! Wenn ein Oberregierungsrat Unterwäsche anzieht und da durch mittelmäßig transpiriert! Hildegard G. Fritsch. Der Staatensinn der Ameise Der englische Forscher Ch. Elton gibt in der Zeitschrift „ The Journal of animal Ecology" einen Ueberblick über seine Forschungen, die er in den letzten Jahren über den Staatensinn der Ameise angestellt hat. Er geht dabei von der Voraussetzung aus, daß der größte Teil der Vergleiche zwischen menschlichen und tierischen Staatengebilden schief iſt. Seine Beobachtungen erstreckten sich auf die in der englischen Grafschaft Hampshire häufig auftretende rote Waldameise, und zwar führte er die Untersuchungen durch auf einem verhältnismäßig engen Bezirk, der sieben verschiedene Ameisenstaaten enthielt. Die einzelnen Gebiete dieser Staaten waren scharf voneinander gesondert, und zwischen ihnen befanden sich bestimmte neutrale Zonen. Die Zugstraßen zu den einzelnen Nestern, also der einzelnen Staaten, hatten keine Verbindung und keinen Zugang zueinander. Ameisen aus einem bestimmten Nest, die Professor Elton versuchsweise auf die Straßen eines anderen seßte, verloren plößlich vollkommen die Orientierung. Trotzdem die Jagdgebiete der einzelnen Ameisenstaaten eng benachbart liegen, herrschte zwischen den einzelnen Staaten feine Feindschaft. Nur bei ersichtlichem Nahrungsmangel überfielen sich die einzelnen Nester. Noch eine andere interessante Beobachtung gelang Professor Elton. Zu stark übervölferte Nester teilten sich und es bildete sich eine Art von Kolonialvolt, das einen neuen Staat gründete. Zwischen dem Mutter- und dem Tochterstaat wurde dann jede Verbindung gelöst. Ohne jede Reibung wurde sodann das alte ursprüngliche Jagdgebiet zwischen den beiden Staaten geteilt. Das Ende der venizianiscien Gondef Wenn auch die Berichte von dem Aussterben der venezianischen Gondeln von den alten Gondolieren ärgerlich als übertriebene Sensationsmeldungen bezeichnet werden, so sehen doch auch sie sorgenvoll in die Zukunft, so gern sie sich auch mit dem Gedanken trösten, daß Venedig ohne seine Gondeln einfach undenkbar ist. Aber die Gefahr des Verschwindens des Wahrzeichens der Lagunenstadt wirft gleichwohl bereits ihre Schatten voraus, wenn man einen Blick auf die alten Squeri" wirft, wie die Werften genannt werden, auf denen die Gondeln gebaut werden. Neunzehn der berühmten Gondelbauer Venedigs, die als Künstler ihres Fachs hinter den großen Geigenbauern Cremonas nicht zurückstehen, haben bereits den Gondelbau stillegen müssen. Eine Gondel, die aus ihrer Hand hervorging, machte den Besizer glücklich und stolz. Die Eigentümer solcher Privatgondeln, die im Gegensat zu den schwarz gestrichenen des öffentlichen Verkehrs reich und farbig geschmückt waren, setzten ihren Ehrgeiz darein, die schönste Gondel Venedigs zu besitzen. Jetzt sind von dem Dußend der einst berühmten Gondelbauer nur zwei oder brei übrig geblieben. Der eine baute vor zehn Jahren noch durchschnittlich dreißig Gondeln im Jahr. Seither aber ist die Produktion ständig zurückgegangen. 1932 fonnte er nur noch eine Gondel vom Stapel laffen, und in diesem Jahr ist überhaupt noch kein Auftrag eingegangen. Diejenigen, die heute noch der Gondel vor dem nüchternen Motorboot den Vorzug geben, bescheiden sich mit alten Booten, die sie aus zweiter Hand kaufen. Alles in allem sind für die Gondeln und die Gondoliere Venedigs böse Zeiten angebrochen. Ein riesiges Lenin- Denkmal wf. In Moskau hat man beschlossen, Lenin ein Denkmal zu errichten, das in bezug auf Höhe jeden Rekord schlagen soll. Es soll nämlich höher sein als die Freiheitsstatue im Hafen von Neuyork, und zwar wird man das Denkmal auf dem Dach des geplanten Sowjetpalastes errichten, der an dem Plaz erbaut werden soll, wo ehedem die Erlöserkathedrale gestanden hat. An Stelle der einstigen goldenen Riesenfuppel wird man jezt das Monument Lenins sehen. Die Höhe des Denkmals soll 50 bis 75 Meter betragen, während die ameritanische Freiheitsstatue nur 46 Meter hoch ist. Der Koloß von Rhodos, das eine der sieben Weltwunder, soll nur 40 Meter hoch gewesen sein. Der Entwurf des Sowjetpalastes stammt von dem Architekten Boris Yofan und wird im gan= zen etwa wie ein Piedestal der Statue wirken. Mehr als 300 Entwürfe sind eingereicht und geprüft worden, bis man sich endlich für diesen entschlossen hat, der einfach in den Linien und monumental in den Proportionen ist. Blut und Tränen über Deutschland! Was Lord Rothermere nicht sah Dic Entthronung der Menschenrechte Lord Rothermere hat einen Artikel über das faschi tische Deutschland geschrieben und dem Beispiele des eng lischen Zeitungskönigs folgend haben auch die Vertreter einiger Auslandszeitungen ein paar anerkennende Worte für Herrn Hitler und die Seinen gefunden. Gierig haben die allein- deutschen Propagandisten des Herrn Göbbels diese vom internationalen Pressetisch heruntergefallenen Brosamen aufgelesen und sie in der ihnen eigenen bombastischen Art dem deutschen Volke serviert. Rundfunk und Presse wetteifern, um den deutschen Untertanen klar zu machen, daß die Welt drauf und dran sei, am deutschen Wesen zu genesen. Wir zweifeln nicht daran, daß Lord Rothermere und die Herren Korrespondenten über ihre tatsächlichen Wahrnehmungen berichtet haben, aber die Welt sieht sich aus den Polstersigen eines 150pferdigen Luxuswagens oder aus dem Vestibül des Hotels„ Adlon" immer eine Kleinigkeit anders an, als sie in Wirklichkeit ist. Man braucht gar kein Zeitungskönig und auch kein Krösus zu sein, sondern nur mit einem soliden Vierzylinder durch Deutschland zu reisen, in bescheidenen mittleren Gasthöfen abzusteigen und wenn man dann durch hundert Städte gefahren ist, wird man zu demselben Ergebnis kommen wie Lord Rohtermere: In Deutschland herrscht Ruhe, Sicherheit und Ordnung und die Volksmassen fühlen sich bei Militärmusik und Aufmärschen äußerst wohl. Das Stöhnen eines barbarisch geknechteten Volkes ist nicht auf den Tummelplägen des öffentlichen Lebens hörbar. Die Wände der Foltergelasse sind dicht und an ihnen verhallt das Wehegeschrei der Gemarterten und bas Todesröcheln der Gerichteten ungehört. Konsul. Der wurde vorstellig, aber ihm wurde bedeutet, daß Konsul. Der wurde vorstellig, aber ihm wurde bedeutet, daß es sich bei der Festgenommenen um eine fommunistische Agitatorin handele. Wegen des Geldes würden Ermittlungen angestellt werden. Inzwischen wurde ein beschleunigtes Ausweisungsverfahren gegen die Tänzerin eingeleitet. Am Tage vor dem Abschub erhielten zwei Beamten den Auftrag, die Sachen der Ausgewiesenen herbeizuschaffen. Da die Tänzerin angegeben hatte, daß noch Bücher, Noten und andere Kleinigkeiten in der Wohnung des Dr. Meyer seien, begaben sich die Beamten dorthin. Von der Vermieterin erfuhren sie, daß der Schlüssel in den Händen der SA.- Leute sei. Hm," sagte der eine Beamte,„ die haben wohl die sturmset. Hm," sagte der eine Beamte, die haben wohl die sturmfreie Bude für sich requiriert." Da sprudelte die Wirtin los: Meine Herren, helfen Sie mir, daß dieser Zustand beseitigt wird. Der Dr. Meyer mag ja ein Marrist gewesen sein, und die Braut kam auch schon mal zu ihm, aber ich müßte lügen, wenn ich über die Leute klagen wollte. Aber jezt? Die ganze Nacht geht das wie in einem Taubenschlage, herein und heraus. Einer löst den andern ab und jeder bringt so'n Straßenweib mit. Manchmal kommen auch zwei oder drei und alle mit liederlichen Weibern. Mitten in der Nacht wird Worte heraus, daß sich in der Nachbarschaft die Fenster öffnen.„ Haha," höhnt der Desperado,„ du bist wohl auch so'n Märzgefallener, was?" Und wieder brüllt der Ueberfallene: Seit 1927 bin ich Parteimitglied und SA.- Mann; ich werde mich über Sie beschweren, Herr Kreisleiter!"" Was, beschweren?... Das Genick dreh ich dir ab." Auf der Straße sind einige späte Passanten stehen geblieben. Die Kumpane haben den Lärm gehört und gehen ins Haus. Eine Polizeistreife naht sich zögernd. Die Kumpane reden auf den Herrn Kreisleiter ein.„ Bist du verrückt, ein alter Parteigenosse." Mir ejal, er hat zu parieren!" Alle Aufforderungen seitens der Kumpane, das Haus zu verlassen, sind erfolglos. Der Herr Kreisleiter will tanken. Die Frau redet auf ihren Mann ein. In der Tür erscheinen die beiden Schupos, grüßen und lassen die Hacken knallen.„ Herr Möller, nun füllen sie noch rasch ab, damit der Herr Kreisleiter weiter tann." Da geht der Tankwärter an die Pumpe. Fünf Minuten später rollt der Wagen davon. Die Insassen heben die Arme. Heil Hitler!" Die Schupos salutieren und lassen die Hacken knallen. Grammophon gespielt und getanzt, neulich haben fie fich Im Tränenkeller untereinander sogar geschlagen. Die machen ja aus meinem Hause ein Bordell und schleppen mir die schlimmsten Krantheiten ein." Die Bamten zuckten die Achseln. Das richtigste wäre, Sie gingen zum Standartenführer."" Ich werde mich hüten. Aber, meine Herren, öffnen Sie doch bitte die Wohnung, ich möchte mir gern einmal meine Möbel und Betten ansehen.“„ Wir werden uns hüten!" Die Tänzerin fuhr ohne Bücher und Noten ab. Der Konsul erhielt die Mitteilung, daß die Ermittlungen nach den SA.- Leuten, welche angeblich die Wohnung des Dr. Meyer durchsucht hätten, ohne Erfolg geblieben seien. Wahrscheinlich habe es sich bei den Eindringlingen um verkleidete Und die sittliche Erneuerung Marristen gehandelt. Deutschlands" wird wahrscheinlich noch heute in der Wohnung des guten Dr. Meyer und seiner braven Vermieterin fortgesetzt. Da steht in irgendeinem vornehmen Stadtteil eine Billa. Vom Flaggenmast im Vorgarten weht die Hitlerfahne und am Eingangstor steht ein blutjunger Bursche im Braunhemd auf Posten, Sturmriemen unter dem Kinn. Er macht einen guten Eindruck der Junge und die vorübergehenden Damen sehen ihm mit Wohlgefallen ins Gesicht. Ob sie auch noch lächeln würden, wenn sie wüßten, Der Herr Kreisleiter daß im Keller dieser ruhigen, schweigsamen Villa zur gleichen Zeit ein nackter Mensch über einen Tisch geschnallt ist, auf dessen blutigem Rücken die Lederpeitschen und Gummiknüppel der schmucken SA.- Leute in wohl geübtem Rhythmus niederprasseln? Aber wenn man es einer Dame sagen würde, dann würde sie wieder lächeln und sagen:„ Das glaube ich nicht. Es mögen einige Uebergriffe im Anfang von einfachen SA.- Leuten begangen worden sein, aber hier ist doch das Stabsquartier der SA. und der Standartenführer Teufliz, das ist so ein fetter Mensch... nein, nein, der duldet jo etwas nicht." Die Wahrheit über Hitler- Deutschland erfährt nur, der mitten unter den braunen Wölfen weilt und Gelegenheit hat, sie in ihren Höhlen zu beobachten. Wir sind wieder einmal in der Lage, die blutige Frage des Hitlerfaschismus unverhüllt zu zeigen und müssen uns nur die Nennung einiger Namen versagen, denn unser Gewährsmann soll noch weiter berichten, ohne in die Hände der braunen Inquisitoren zu fallen. Sittliche Erneuerung Der gute Dr. Meyer tat feiner toten Fliege etwas zu Leide, aber er hatte einen Fehler, er war Marrist. Die SPD. war ihm nicht revolutionär genug und die KPD. zu brutal und da er sich gerne in gemütvollen Teezirkeln über Politif und sozialistische Lebensauffassung unterhielt, trat er in einen Internationalen Sozialistischen Orden" ein. Und noch einen Fehler hatte der gute Dr. Meyer, und der war eine Tänzerin. Der„ Orden" betrieb nämlich auch eine Gymnastikschule, und dort hatten sich die beiden kennen und lieben" gelernt. Der Dr. Meyer bewohnte eine verhältnismäßig hübsche Wohnung in einem modernen Hause. Dort waren auch die Büros einer großen Versicherungsgesellschaft und in diesen natürlich auch Nazis. Einem dieser leichtparfümierten Jünglinge hatte es nun die kleine Tänzerin angetan, denn diese war ihm mehrfach begegnet, wenn sie zu dem guten Dr. Meyer ging. Manchmal war auch ein kleines Völkchen von Literaten und Künstlern bei Dr. Meyer versammelt, und man war lustig, sang und spielte. In dem Hirn des bewußten Nazijünglings aber freisten schwarze Gedanten. Er gönnte dem Doktor die kleine Tänzerin nicht, denn er hatte bei Mädeln bisher überhaupt kein Glück gehabt. Jedesmal, wenn er die Tänzerin bei Dr. Meyer wußte, ließen ihm die Orgien keine Ruhe, die nach seiner überhitten Phantasie nun in der Wohnung des guten Doktors steigen mußten. Dann kam die nationale Erhebung und der brave Nazijüngling beschloß nun zu handeln. Wozu hatte er Verbindungen zur SA.? Ein Scharführer bekam den Auftrag, die marristische Lasterhöhle auszuräuchern. Mit dem Verficherungsjüngling an der Spiße rückte der Haufen in der Dunkelheit stiefeltrappsend heran. Der Doktor war nicht in der Wohnung, wohl aber die Tänzerin und deren Freundin. Die SA. durchsuchte. Auch die Tasche der Tänzerin verfiel der Revision. Dann ließ man die Mädchen gehen. Der Scharführer aber nahm die Schlüssel der Wohnung, die er der Tänzerin abgenommen hatte, in Verwahr. Am anderen Tage begab sich die Tänzerin zum Polizeipräsidium und meldete, daß ihr bei der Durchsuchung 20 Dollar, 15 Dere und 30 RM. abhanden gekommen seien; sie habe das Geld in ihrer Handtasche gehabt. Die Polizei wußte nichts von einer Durchsuchung und versprach Nachforschungen, als die Kleine sich als dänische Staatsangehörige ausgewiesen hatte. Drei Tage später wurde die Bestohlene wieder vorstellig. Jezt wurde sie an einen anderen Beamten verwiesen. Der nahm einen roten Bogen, schrieb einige Zeilen und ehe die Erstaunte sich dessen versah, saß sie in Schußhaft. Sie sollte angeben, wo der Doktor sei. Sie wußte es wirklich nicht, also hielt man sie fest. Die Inhaftierte schrieb an den dänischen Herr Kreisleiter markieren den verfluchten Kerl. Braune Ladstiefel, Breecheshose mit Drahteinlagen, Rock und Mütze im Ulanenschnitt. Herr Kreisleiter lieben Wein, Weib und Gesang und haben natürlich auch einen„ Dienstkraftwagen", Gesang und haben natürlich auch einen„ Dienstkraftwagen", allerdings ohne polizeiliche Zulassung. Aber NS- Wagen brauchen keinen roten Polizeistempel am Nummernschild, denn sie fahren im Interesse der nationalsozialistischen Revolution steuerfrei. Und so trieb denn der Herr Kreisleiter wieder einmal die Revolution vorwärts und sein Wagen stand bis in die tiefste Nacht hinein vor einem befannten Weinlofal. Vier braune Landsknechte saßen in einer Nische und Joffen, gröhlten soffge Pteder und gingen schamlos mit den bedienenden Mädchen um Aber die Barschamlos mit den bedienenden Mädchen um Aber die Bardamen sind ja an Kummer gewöhnt. Plöblich verlangt der Herr Kreisleiter das Horst- Wessel- Lied. Bescheiden entgegnet der Kapellmeister, daß er das Lied nicht spielen dürfe, laut Verordnung der Reichs- Regierung. Der autorisierte Herr Kreisleiter will diese Verordnung aufheben. Der Herr Kreisleiter will diese Verordnung aufheben. Der Kapellmeister bleibt standhaft. Ich schieße das Kommunisten schwein über den Haufen!" brüllt der Herr Kreisletter, springt auf und schon blitzt eine Browning- Pistole in der Hand des Betrunkenen. Seine Kumpane wollen ihm das Mordwerkzeug entreißen. Der Tisch fällt um, Gläser und Flaschen zerschellen am Boden, die Musiker fliehen. Endlich haben die Kumpane den Rasenden gebändigt und er läßt sich lallend wie ein Kind nach einem Krämpfeanfall völlig erschöpft fortführen. Devot lächelnd öffnet der Wirt die Tür. Auf Wiedersehn, meine Herren. Heil Hitler!" Und er hebt die Hand zum Faschistengruß. Draußen steht das„ Dienstauto". Ein Kumpan will fahren. Da bekommt der Herr Kreisleiter einen neuen Anfall. Ich fahre, sonst niemand!" Sie lassen ihn schließlich auf den Führersiz. Der Anlasser heult auf, der Motor springt an. Fahr zum Teufel," sagt ein Kumpan, und schon biegt der Dienstwagen" des Herrn Kreisleiters in einem mehr als gewagten Bogen um die nächste Ecke. Die grellen Schilder einer Tankstelle leuchten auf. Der Herr Kreisleiter fährt vor, die Hupe schreit herausfordernd, niemand erscheint. In das Getöne der Hupe mischt sich die grölende Stimme des Herrn Kreisleiters; niemand erscheint. Neben der Tankstelle steht das Wohnhaus des Tankwärters. Der Herr Kreisleiter springt aus dem Wagen, hämmert gegen die Tür, niemand erscheint. Der Lärm wird immer toller, da meldet sich drinnen eine Stimme.„ Es ist 3 Uhr, ich tanke nicht mehr; fahren Sie zu einer Stelle mit Nachtdienst."„ Ich gebe Ihnen den Befehl! Deffnen Sie sofort!" Drinnen rührt sich nichts, da wirft sich der Herr Kreisleiter gegen die Tür. Splittern, einige Fußtritte, der Rasende steht im Flur. Licht flammt auf. Mit dem Browning in der Hand dringt der braune Held in die Wohnung ein, stößt in der Küche auf einen notdürftig bekleideten Mann.„ Warum machst du nicht auf, du Lump?"" Ich habe Feierabend." Ich sch.... auf deinen Feierabend, tanken will ich, dafür bist du da!" Ein Fußtritt wirft die Schlafzimmertür auf, eine schreckensbleiche Frau sitzt im Bett. In der zweiten Kammer beginnt ein Kind zu weinen und ruft nach der Mutter. Die Frau springt aus dem Bette.„ Ja, fomm nur raus, mein Täubchen, dich werden wohl schon mehr Männer im Hemd gesehen haben." Die Frau geht zu dem Rinde, tröstet es. Dabei laufen ihr schwere Tränen über die Wangen. Auf einem Stuhl liegt eine SA.- Uniform. Der Herr Kreisleiter zeigt mit der Pistole darauf.„ Wem gehört die Uniform?" Der Tankwärter schweigt und steht dem Desporado mit unheimlichem Ausdruck ins Gesicht. Der spürt die Feindseligkeit des Blicks und springt vor. Die Pistolenmündung berührt fast die Nase des Ueberfallenen. Wem gehört die Uniform, du Lausehund?! Antwort oder du schweigst für immer!" Die Augen des Tankstellenwärters treten fast aus den Höhlen, die Wut füllt den Mann bis zum Bersten. Im Türrahmen erscheint die Frau mit dem schlaftrunkenen Kind auf dem Arm. Da brüllt der Mann los: Mir gehört die Uniform, Herr Kreisleiter!" Er schreit die " Der SA.- Mann Dolchinger hat eine Eroberung gemacht. Von nun an betrachtet er die Anna als seine Braut. Aber Dolchinger ist nicht Annas erste Liebe, und als er das erfährt, wird er noch nachträglich eifersüchtig. Er streift um die Wohnung seines Vorgängers, und als er ihn eines Abends trifft, rempelt er ihn an. Der andere wagt einige Worte der Erwiderung. Dolchinger setzt ihm die Armeepistole 08 auf die Brust und fordert ihn auf, mit zur Wache zu kommen. Heinrich Röder denkt„ Polizeiwache" und folgt. Unterwegs schließen sich noch zwei SA.- Leute an. Sie führen den Verhafteten unbekannte Wege, und als er es schließlich wagt zu fragen, wohin es denn gehe, wird ihm bedeutet die Schnauze zu halten, das würde er schon sehen. Sie brachten ihn zur SA.- Kaserne. Raum hatte sich die Haustür hinter Heinrich Röder geschlossen, da sausten auch schon Fauftschläge in seinen Nacken und mit Fußtritten stieß man ihn in die sogenannte Wachtstube. Im gleichen Augenblick erhielt er von drinnen einen fürchterlichen Schlag ins Gesicht. But ab!" brüllte jemand. Heinrichs Hut lag bereits am Boden. Er bückte sich, um ihn aufzuheben. Ein Fußtritt schleuderte ihn vorwärts, so daß er mit der Stirn gegen einen Heizungskörper stieß. Schwere rote Tropfen fielen auf den Fußboden. ,, Runter mit thm!" brüllte der Wachthabende.„ Das Schwein versaut sonst die ganze Wache." Die Landsknechte packten den Blutenden und stießen ihn durch den Korridor der Kellertreppe zu. Sie famen an einem Raum vorbei, in welchem weitere braune Landsknechte auf übereinanderstehenden Militärbetten lagen. Auf Kameraden, es gibt Arbeit! Sie bringen einen in den Tränenfeller." Heinrich Röder war inzwischen an der Kellertreppe angekommen. Ein Stoß sollte ihn die Treppe hinunterstürzen lassen, aber er war auf der Hut und hielt sich am Geländer fest, dann sprang er eilig die Stufen hinab. Fortwährend auf ihn einschlagend stürzten die Landsknechte hinter ihm her. Eine Tür ging auf auf Heinrich stand in einem großen Raum. In einer Ecke lag ein Haufen Stroh, in der Mitte stand ein schwerer Tisch, der ursprünglich in einer Handwerkerwerkstatt gestanden haben mochte. Auf dem Tische lagen lange Riemen. In Heinrich Röder stieg ein furchtbarer Verdacht auf und die Angst faßte ihn würgend an der Kehle. Sollte das in einem zivilisierten Staate möglich sein? Er sah sich um. Da standen seine Peiniger, junge Leute wie er, Arbeiter wie er, einige noch halbe Kinder. Alle hatten Peitschen, Schlauchenden oder Riemen in den Händen, sie schickten sich an, einen andern Arbeiter viehisch zu mißhandeln, sie wollten freveln gegen ihr eigenes Blut, fie wollten ein Verbrechen an der Arbeiterschaft begehen, für das es keine Berzeihung gibt, das wollte er verhindern. Er öffnete den Mund und hub an:„ Kameraden..." Ein KinnHafen ließ ihn verstummen.„ Der Teufel ist dein Kamerad! Ausziehen! Ausziehen!" brüllte nun die ganze Meute und zwei bis drei Pistolenmündungen tanzten vor seinen Augen. Da gab Heinrich Röder seinen Widerstand auf. Er entblößte den Oberkörper. Die Henfersknechte rissen ihm die Kleidungsstücke aus den Händen und durchwühlten die Taschen.„ Hose runter!" Sie stießen ihn gegen den Tisch, zwangen ihn nieder. Das Gesicht fam auf einen strohgefüllten Sack zu liegen, dann legten sie einen Riemen um die Tischplatte und über den Nacken des Delinquenten und zogen ihn so fest an, daß Heinrichs Gesicht sich fest in den Strohsack preßte und er kaum noch atmen konnte. Angstschweiß brach ihm aus allen Poren. Die Henker banden seine Füße an den Tischbeinen fest und dann stellten sie sich neben den Tisch, auf jeder Seite awei. Sie maßen sorgsam die Reichweite ihrer Schlaginstrumente ab und korrigierten ihren Abstand von dem Gefesselten. Dann stellte sich ein fünfter Henter an das Kopfende des Tisches, zog die Arme des Opfers zu sich heran und kommandierte:„ Achtung! Fertig! Los! Eins zwei drei vier, eins zwei- drei vier..." Die Schläge sausten nieder, der Körper des Opfers zuckte und die Arme wollten irgendwelche Bewegungen ausführen, doch der zählende Henker hielt sie mit aller Gewalt fest. Heinrich wollte aufschrein, um sich Erleichterung von den wahnsinnigen Schmerzen zu verschaffen, doch die Schreie erstickten in dem Strohsack, in welchen man sein Gesicht gezwungen hatte. Einer der Schlagenden hatte eine biegsame Gerte mit Stahleinlage, einen sogenannten Reservestock. Jeder pfeifende Schlag mit diesem Instrument ließ einen Blutbach auf dem Rücken des Gemarterten entspringen. In kurzer Zeit war der Körper vom Nacken bis zu den Kniekehlen eine blau- schwarze, blutüberrieselte Masse. Als der Zählende keinen Widerstand in den Händen mehr verspürte, kommandierte er Halt. Die Riemen wurden gelöst und Heinrich auf die Strohschütte geworfen. Er fiel hin wie tot; das Bewußt sein hatte ihn verlassen. Unter rohen Scherzen verließen die Schergen den Keller. Oben äuberten sie ihre Schlagwerk. zeuge und ihre Hände vom Blute ihres Opfers. Dann stiegen sie wieder in den Keller hinab. Heinrich lag noch immer wie tot. Einige Fußtritte ins Gesäß brachten ihn nicht ins Bewußtsein zurück. Erst zwei Eimer faltes Wasser, die über ihn ausgegossen wurden, ließen ihn die Augen aufschlagen. Den Händen an der Wand einen Halt suchend, versuchte fich Heinrich aufzurichten. Troß der wahnsinnigen Schmerzen gelang es ihm.„ Anziehen!" Auch das gelang. Die Folterfnechte machten höhnische Bemerkungen über seine Hilflosig= feit. Mit einer Stimme, die einen Stein hätte erweichen können, bat Heinrich um Wasser. Wart nur ab, du kriegst schon was zu trinken, aber erst wirst du mal hier die Schweinerei aufwischen, die du angerichtet hast." Dann wandte sich der Wortführer an Dolchinger.„ War er Kommunist?"" Nein, Reichsbannerschwein." Sie warfen ihm eine schwarzrotgoldene Fahne vor die Füße.„ Da hast du einen Aufwischlappen; gefällt dir der?" Und Heinrich Röder reinigte den Tisch und wischte unter unsäglichen Schmerzen den Keller auf. Dann führten ihn die Folterknechte wieder auf die Wachtstube. So, nun sollst du auch etwas zu trinken haben." Einer reichte ihm eine Halbeliterflasche Rizinusöl. „ Trink, ist schön warm gemacht." Heinrich machte keinen Widerstandsversuch: er war am Rande seiner Kraft, und trank die Flasche aus und hätte es auch ohne die vorgehaltene Pistole getan.„ So und nun aber raus, auf dem schleunigsten Wege." Heinrich wankte davon.„ Wohl befomms," höhnte der Posten hinter ihm her. Befriedigt setzten sich die Henker auf der Wache um den Tisch und zündeten ihre Zigaretten an. Was hatte der Kerl eigentlich gemacht?" fragte nach einer Weile der Wachthabende. Gegenüberstellung Nazis und Kommunisten hatten sich geschlagen und ein Nazi war tot auf dem Plaze geblieben. Die Kommunisten behaupteten, daß die Nazis ihren eigenen Kameraden aus Versehen totgeschossen hätten. Das Gericht verurteilte den Kommunisten, den die Nazis als den Schüßen bezeichneten, wegen Raufhandels zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis. Das war noch vor der Machtübernahme durch die Nazis. Im Juni 1933 saßen einige SS.- Führer mit dem gleichgeschalteten Leiter der örtlichen Geheimen Staatspolizei am Biertisch. Die Rede kam auf den vorerwähnten Fall und einer sagte zwischen zwei Schlücken Bier, daß doch dieses Urteil eigentlich noch korrigiert werden müßte. Alseitige Zustimmung. Der Kriminalrat mußte sofort telefonisch feststellen, ob der Kommunist noch im Gefängnis sei. Es fand sich bestätigt. Nun gab es noch einige Telefongespräche und Dic ,, Micsmacher" eine halbe Stunde später fuhr ein Auto der SS. beim Polizeipräsidium vor. Dort saß bereits der Kommunist in Handschellen auf einem Stuhl. Er war durch Beamte der Geheimen Staatspolizei zur Gegenüberstellung" aus dem Gerichtsgefängnis abgeholt worden. Die Beamten übergaben den Gefangenen den jungen Leuten von der SS. Der Gefesselte ging mit müden Schritten zwischen den schwarz uniformierten Schergen. Sein Gesicht war wie das eines Toten, nur aus den Augen sprach eine irrsinnige Angst. Der grüne Wagen sauste zum Stabsquartier der SS. Jm Tränenkeller fiel eine ganze Horde über den Wehrlosen her. Man machte sich nicht einmal die Mühe ihn auf den Folterbock zu schnallen oder ihm einen Knebel in den Mund zu stecken. Der Gefangene schrie auch kaum. Nur ein paarmal rangen sich ächzende Seufzer aus seiner Brust, so qualvolle, entseßliche Töne, wie sie seit der Inquisition wohl nicht mehr in Deutschland geklungen haben mögen. Schließlich machte ein Sturmführer den Mißhandlungen ein Ende. Der Gefangene wurde in ein Zimmer geführt, die Tür verschlossen. Der Gequälte sah sich um. Kein Tisch, kein Stuhl, vollständig kahle Wände. Nur das Fenster, das auf den Hof blicken ließ, stand weit auf. Der Gefangene ging langsam auf das Fenster zu, um sich zu vergewissern, wo er sich befand. Kaum wurde er im Fensterrahmen sichtbar, da knallte es von draußen peitschenartig auf. Der Gefangene sant lautlos zusammen. In dem besagten Bierlokal trank man zur Veränderung eine Runde Kognak als der Sturmführer erschien, der die Exekution geleitet hatte. Er war ein wenig bleich. Man schob ihm einen Rognak hin. Nun?"„ Erledigt!" Der Sturmführer goß den Kognak hinunter.„ Wenn nur bei der Obduktion alles gut geht."„ Wieso?"" Die Kerle haben ihm erst eine anständige Abreibung verpaßt."„ Halb so schlimm, der Kreisarzt ist altes Parteimitglied."" Dann ist es gut." Der Polizeibericht meldete: Gestern wurde der bekannte Kommunist S. zur Gegenüberstellung aus dem Gerichtsgefängnis geholt. Nach seiner Vernehmung versuchte er aus dem zu ebener Erde gelegenen Fenster zu springen, um zu fliehen. Dabei wurde er von dem draußen stehenden Posten erschossen. Die Nazizeitung aber jubilierte in einem Artifel mit dreispaltiger Ueberschrift: Der Mörder unseres Pg. Bäumer gerichtet. Aus einem Deutschland Bericht des ,, Manchester Guardian" Die Kritiker Gegen men richtet sich die Verordnung gegen die Mies macher? Und wer beginnt unzufrieden zu werden und magt es, wenigstens gelegentlich, dies auszusprechen? Es ist und war der kleine Beamte, der Angestellte, der Straßenbahnschaffner, der Postsekretär und der Schulmeister. Es ist der kleine Ladenbesizer, der Arbeitslose und die Hausfrau; und es ist auch der Arbeitgeber ebenso wie der Arbeitnehmer. Man muß alle diese Leute innerhalb ihrer vier Wände oder an ihrer Arbeitsstätte kennen. lernen, und man muß von ihren früheren und gegenwärtigen Lebensbedingungen wissen, von ihrem Ehrgeiz und ihren Hoffnungen, von ihrer Angst und ihrer Furcht, fie könnten ihre Stellung verlieren oder ins Gefängnis kommen; man muß ihre politische Kurzsichtigkeit erlebt haben, ihren Drang, vorwärtszukommen und bei ihren Vorgesetzten nicht aufzufallen, und nicht zuletzt ihren früheren unbegrenzten Glauben an Adolf Hitler. Der durchschnittliche Deutsche ist außerordentlich geduldig. Er beugt sich der Autorität willig und vertrauensvoll. Er glaubt nur wenig an sein eigenes politisches Urteil. So ist es für eine Regierung wirklich leicht, die Zeitungen mit nichtssagenden Artikeln zu füllen und durch das Radio leere Reden verbreiten zu lassen. Aber die kleinen Fragen und Schwierigkeiten, denen sich das Volk täglich gegenübersieht, sein ständiger Kampf gegen die Unsicherheit seines Daseins, der ihr ganzes Leben ausfüllt, das alles drückt mehr auf ihre Stimmung als es irgend eine politische Propaganda tun könnte. Einschüchterung Der Staatsbeamte muß unter ständigem Druck leben. In den meisten Städten des Westens, z. B. Köln, Düsseldorf und Aachen, sind in den letzten Wochen die Beamten gezwungen worden, sich einen Platz für das Schauspiel oder die Oper der nächsten Saison zu mieten. Oper wie Schauspiel waren im Frühjahr, nach der ersten Reinigungsaktion" der Bühnen so schlecht besucht, daß die Behörden keinen anderen Ausweg mehr sehen, die Theaterbetriebe in der nächsten Spielzeit aufrecht zuerhalten. Die Bürgermeister verschiedener Städte haben entweder öffentlich in den Zeitungen oder durch Rundschreiben angekündigt, daß die Namen aller Beamten, die nicht abonniert haben, der SA. bekannt gegeben würden, damit einige Tage später ein SA.- Mann in ihrer Privat wohnung wegen eines Abonnements vorsprechen solle. Wenn der beauftragte Nationalsozialist nicht vollkommen freundlich sein würde, so ist in einer der öffentlichen Bekanntmachungen zu lesen, so müßte das unter den gegebenen Verhältnissen verstanden werden. BRIEFKASTEN Kleinblittersdorf( Saar). Sehr interessant, daß die aus dem Arbeitslager im Reich zurückgekehrten jungen Nazis von dem Schwindel kuriert sind. Essen und Behandlung entsprachen dem ,, dritten Reich". Sie teilen uns mit, die örtlichen Naziführer seien in das Arbeitslager gefahren, um die„ Lügen" ihrer eigenen jungen Anhänger zu entlarven. Drüben geblieben sind sie aber nicht. Die Herren waren froh, als sie im Saargebiet wieder eine Lippe riskieren konnten. Deutscher im Elsaß. Wir bewundern Ihre Ausdauer im Schreiben und die Höhe Ihrer Portoausgaben, die doch leider der Post Ihres „ Erbfeindes" zugute kommen. Auch wenn Sie statt mit Blei Ihre Briefe mit Tinte schrieben, würden wir sie nicht lesen. Rotterdam. Was müssen Sie sich für Vorstellungen von unseren finanziellen und personellen Kräften machen! An unsere Freunde. Das Suchen nach Exemplaren der Deutschen Freiheit" in den Eisenbahnzügen, die ins Reich fahren, hat sich verschärft. Also Vorsicht! Das ist glatte Einschüchterung. Die Frau des Beamten wird beim Anblick des SA.- Mannes an ihrer Wohnungstüre zittern. Sie wird ihren Mann bitten, sofort zu abonnieren, damit er die seelische Folter dieses Besuches beende und unabsehbare Folgen von sich und seiner Familie abwende. Man stelle sich eine Lehrersfrau allein einem Nazi gegenüber vor, der in voller Uniform mit Gummiknüppel oder anderer Bewaffnung auftritt! Freiwillige" Spenden schafft werden. Einige der behördlichen Maßnahmen, z. B. Die Arbeitslosigkeit soll durch eine Verordnung abge die Abschaffung der Autofteuer für neue Wagen sind tatsächlich wirksam gewesen. Bei anderen ist keineswegs eine derartige Wirkung sichtbar geworden. Der kleine Mann muß regelmäßig für die„ Arbeitsfront" spenden. Sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer müssen frei. willig" nicht weniger als 1 Prozent des Lohnes oder Einkommens abführen. Ein Rajsenarzt muß ,, freiwillig" wenigstens zwei Prozent von seinen Einkünften aus der zwei Prozent von seinen Honoraren und außerdem Privatpraxis zahlen. Jm Juli mußten alle Beamten für die Arbeitsfront spenden. Diejenigen, die großzügig zeichneten, um ihre Ergebenheit zu beweisen, wurden verschiedentlich bitter enttäuscht, denn verschiedene Städte handelten wie der Oberbürgermeister von Krefeld; dieser ordnete in einem Rundschreiben an, daß diese freiwilligen Beiträge monatlich regelmäßig bis zum Ende des Jahres erhoben werden sollten genau wie die Steuern. Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunter. richt, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAU DR. BERG stenz gründen will Jeder deutsche Flüchtling der sich in Belgien eine Exi muß französisch sprechen- lesen- schreiben können Schnellen und fachmännischen Unterricht zu mäßigsten Honorar bei M. DOLJAN, Bruxelles, 52, Boulevard Anspach 52 Inseratenpreis: Aufblühender Fabrikationsbetrieb ( Textil- Branche) in größerer Stadt deutschsprechenden Auslands günstig zu übernehmen. Erforderlich zirka 12000 Mark. Offert. erbeten unter Chiffre Nr. 90 an die Expedition d. Zeitg. Forderungen in Deutschland ehem. deutscher Rechtsanwalt in Strasbourg ziehe Forderun gen ein i.V. mit öffentl.bestellten Wirtschaftsprüf. in Berlin Anfragen erbeten an die ,, Deutsche Frei heit" in Strasbourg 31, rue St. Gotthardt Die 99 84 Der einspaltige Millimeter der neunspaltigen Seite 70 Centimes ForderungsEintreibungen besorgt deutscher Rechtsanwalt in Paris in Gemeinsamkeit mit deutscher Privatbank. Interessenten wollen sich schriftlich melden unter Nr. 82 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Gelegenheits- Angebot! Henry Barbusse: Das Feuer Tagebuch einer Korporalschaft. Kriegsroman Vollst. Ausgabe. Leinenband nur Fr. 12, Buchhandlung Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Teilzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 52 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten Deutsche Freiheit" Fast jede Woche veranstalten die Nazis irgendwelche Feste für das Volk ein Reiterfest, ein Radrennen usw. Die Eintrittskarten werden in den Büros zum Verkauf angeboten, ebenso die Lose der Lotterie zur Arbeitsbeschaffung. Es ist in den meisten Fällen gefährlich, sich zu weigern, eine Karte zu kaufen. Deffentliche Kundgebungen werden ebenso mit Hilfe der Freiwilligkeit" veranstaltet. Düsseldorf hatte letzte Woche eine große NSBO.- Kundgebung. Eine Anzahl von Mitgliedern aus den umliegenden Städten wurde aufgefordert, an ihr freiwillig" teilzunehmen, was sie auch taten. Im allgemeinen werden derartige Kundgebungen gut organis fiert. Diese war es aber nicht. Eine Anzahl von Zwischenfällen auf den Straßen vermehrte den Verdruß der Wartenden. Ungefähr dreißig Personen auf der Straße, welche versäumt hatten, die Fahne durch Hutabnehmen zu grüßen, wurden auf so rohe Art geschlagen, daß sie durch den Sanitätsdienst fortgetragen werden mußten. Ein Mann behielt seine Pfeife im Mund. Ein Nazi stiek sie Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ihm in den Hals, so daß er ihn beinahe tötete. Der Miß- ,, Deutsche Freiheit" handelte mußte sich einer schweren Operation unterziehen. Besuche in der Redaktion der Deutschen Freiheit" sind im allgemeinen nicht erwünscht, dagegen mit vollem Namen unterzeichnete Briefe sehr. Unbekannte Besucher werden nicht vorgelassen. Lothringen. Nein, Mitglied der Freimaurerloge sind wir nicht. Wir hoffen aber, demnächst in die Ortskrankenkasse aufgenommen zu werden, wenn die Weisen von Zion etwas nachhelfen. Neunkirchen. Warum wir auf die Anwürfe des Kommunistenblattes an der Saar nicht antworten? Weil es zwecklos ist. Dies. mal werden wir als Kriegstreiber angeprangert. Das nächste Mal werden wir als vertrottelte Pazifisten verspottet. Und immer wieder mal find wir das Sprachrohr des SPD.- Vorstandes in Prag", der noch nie Einfluß auf unser Blatt genommen hat. Parteiheze in solcher Zeit ist ein Zeichen der Beschränktheit oder der Unwahrhaftigkeit. Keines von beiden ist ein Ziel unseres Ehrgeizes. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Biz: Inferate muß man regelmäßig fesen Abonnieren Sie sofort! Besteffschein: Genaue Adresse: Unterschrift: Die einzige unabhängige Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Tageszeitung Deutschlands Boltsstimme" G. m. b. S., Saarbrücken, Schüßenstraße 5.