I Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 56— 1. Jahrgang j Saarbrücken, Donnerstag, den 24. August 1933| Chefredakteur; M. Braun Dem Tyrannen steht es wohl an, religiöse Erhebung zu predigen, und die, denen er auf Erden kein Plätzchen verstatten würde, an den Himmel zu verweisen; die anderen müssen verhindern, daß man die Erde zur Hölle macht, um eine desto größere Sehnsucht nach dem Himmel zu erregen. Fichte In Cörinas Schlott Der merphinistische Blutmensch unter dem Richtschwert ' k t t) f I Wo wohnt der preußische Ministerpräsident Gering? In einem Mietshaus, wie einstens die„kor- fupten Systemminister"? Nein! Das entspräche nicht jener spartanischen Einfachheit, deren die Herren des„dritten Reiches" sich zu rühmen Pflegen. Also in einem Fliegerzelt mit Feldbett? Auch nicht. Wo wohnt Göring? Die„Neue Linie", ein mondäne» Moden b latt, das in Berlin erscheint und mit Borliebe aus der Führerschule plaudert, ent- hüllt der staunenden Mitwelt die sparsame Häus- lichkett. Ueber vier Seiten hinweg bringt diese Zettschrift in ihrer Augustnummer Bilder au» dem bescheidenen Heim des Herrn Ministerprä- sidenten. Und was für Bilder! Es zeigt sich, daß der ungekrönte Nero von Deutschland sich mit einem unerhörten Luxus umgibt, mit einem Luxus, von dem die geschmähten„Bonzen" des zweiten Reiches sich niemals hätten träumen lassen. Das Palais des Reichstagspräsidenten, das ihm zur Verfügung steht, genügte ihm nicht er mußte höher hinaus! Eine Architektin erhielt den Auftrag, die„bis- her fehlende Amtswohnung" zu schaffen.„Bis- her fehlend"! Otto Braun begnügte sich mit einem kleinen Siedlungshaus in Zehlendorf, Fürst Göring aber braucht nicht nur ein Grundstück, er braucht deren zwei. Eine„sehr geräumige" Villa wurde zum Schloß um- und ausgebaut, eine Zwischenmauer wurde nieberge- legt, um„das angrenzende Raumgrundstück in einen weiten sonnigen Garten zu verwandeln". Die Räume beweisen zweierlei: erstens, daß der Hausherr ein bedenkenloser Verschwen- der, zweitens, daß er geistig nicht nor- Mal ist. Neben der Kostbarkeit des Mobiliars, neben der Ueberfttlle an teuren Stoffen, Wand- behängen, Teppichen, Kunstwerken, Schnitzereien fällt vor allem eines auf— d i e gespenstische Düsterkeit des schloßartigen Gebäudes, die mittelalterliche, bedrückende, beinahe drohende Feierlichkeit der Säle und Hallen. Genau so haben geschickte Theaterdekorateure von je die Behausungen der Tyrannen, der Philipp von Spanien, Torquemada, Scarpia, auf die Bühne gestellt, genau so denkt man sich das traute Heim eines Großinquisitors, eines bluttriefen- den königlichen Wüterich— oder eines gefähr- lich Verrückten. Im großen Arbeitszimmer, dessen Wände rings durch dunkle, bewegliche Vorhänge verdeckt sind, hängt ein mächtiger schmiedeeiserner Leuchter mit 66 Wachskerzen— elektrisches Licht wäre zu nüchtern, flackernde Kerzen müssen's sein—über dem Kamin der Bibliothek ist ein großes Mosaik- Hakenkreuz eingelassen,„das in seiner erstaun- lichen Leuchtkraft an die Gemälde ungegenständ- lichcr Malerei erinnert", der Durchblick aus den Privaträumen in das Arbeitszimmer gleicht einem Kirchenausschnitt— Spitzbögen überall. Ueber dem Renaissance-Schreibtisch aus Nuß- bäum mit dem Familienwappen Görings hängt ein altes echtes R i ch t s ch w e r t, daneben ein weibliches Aktbild, das Licht fällt durch verbleite, in kleine Quadrate geteilte Scheiben ein. Und der Hauptschlager— ein„Gedächtnis- räum für die verstorbene Gattin". Neu einge- »ogene Gewölbebogen. Kerzen, schwarze Vor- hänge. Es gehört wirklich ein für normale Ge- Hirne schwer vorstellbares Maß von Eitel- fett, Geschmacklosigkeit und Dumm- heit dazu, die Fotografie eines solchen Raumes in einer mondänen Zeitschrift abdrucken zu lassen, der Welt gleichsam ins Gesicht zu brüllen:„Da, schaut alle her, wie zart ich Ebe- ling im stillen Kämmerlein zu trauern weiß!" Das ist Görings Wohnung— das ist er selber! Ein größenwahnsinniger Narr mit überreizter Fantasie und anormalem Triebleben. Und dem ist im 26. Jahrhundert ein Volk ausgeliefert, das vordem die freie Lust eines demokratischen, modernen Staatswesens atmen durste! Audienzraum— Die Inschrift aus der Landkarte ist dem „dritten Reich" gewidmet Sein Privatarbeitszimmer flQlhos und Trompete Von Andreas Howald Sobald das Kind anfängt zu denken, bekommt e» schon ein Fähnchen in die Hand gedrückt. Dr. Ley auf der Führertagung in Bernau. Es ist schwer, die furchtbare Kakaphonie, die äugen- blicklich in Deutschland einen unaufhörlichen Lärm ver- ursacht, in ihre Bestandteile zu zerlegen. Das gehört alles in enger Verschlingung zueinander: der dröhnende Marschierschritt von CA., die ekstatischen Rufe der Führer, die Exmittierung aller Weltanschauungen außer der eigenen, die Wissenschaft, die sich dem totalen Staat gehorsamst zur Verfügung stellt, der Pastor, der Haken- kreuz und Christenkreuz andächtig harmonisiert. Der Mythos des neuen Geschichtsbildes zeigt auf seinen Firnen wallende Nebel bis zu den heiligen Herden Walhalls, während unten höchst irdisch das Blut deutscher Menschen versickert. Aber es gibt in dieser Szenerie ein Detail, das für alle, die ihr Deutschtum und ihr Deutschsein in den vergunge- nen Iahren durchlebt und durchlitten haben, wahrhaft niederschmetternde Gewalt besitzt. Es handelt sich um das Spiel, das von den Machthaber» und Propheten des „dritten Reiches" mit der deutschen Jugend ge- trieben wird. Das Antlitz der deutschen Schule hat keine Aehnlichkeit mehr mit den Sinnbildern der Menschen- würde und der Menschengüte, gedacht und vorgelebt von den großen europäischen Erziehern. In wenigen Monaten hat man es fertiggebracht, das pädagogische Werk eines Jahrhunderts, das von Pestalozzi seinen Ausgang nahm, her faschistischen Staatsräson zur restlosen Vernichtung auszuliefern. Die deutschen Volksschullehrer, die deutschen Philologen haben sich bedingungslos zu Exerziermeistern auf dem Schulkasernenhof degradieren lassen. Sie alle, alle haben das humanistische Gepäck und den Glauben an die ethische Aufgabe gegenüber den ihnen anvertrauten jungen Menschen in dem Augenblick in die Ecke geworfen, als ihnen das„Heil Hitler" als Befehlsübergabe entgegen- dröhnte. Vor uns liegen die Richtlinien des Reichs- innenmini st ers Frick für den neuen Geschichtsunterricht. Sie werden soeben im „Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen" veröffentlicht. Wir lasten sie selber sprechen. Im Mittelpunkt der Geschichtsstunde soll künftig der „heldische Gedanke in seiner germanischen Ausprägung"' stehen. An der Geschicke Vorderasiens, an den Schick- salen der„ursprünglich nordrassigen" Inder. Meder, Perser müssen die Schüler künftig die Schicksale ihrer „eigenen Blutsverwandten" erleben, die schließlich— das gilt auch für die griechische Geschichte— unter der Ueber- macht fremden Blutes zugrunde gingen. Den Römern ist- mit der germanischen Völkerwanderung„frisches nordi- sches Blut zugeführt" worden, nachdem es in seinem Rassenmischmäsch„entartet" war, und so fort bis zur jüngsten deutschen Geschichte. In ihr muß der heldische Gedanke in Verbindung mit dem Führergedanken in seiner germanischen Ausprägung besonders heraus- gearbeitet werden. Es endet mit dem Zusammenbruch der „liberal-marxistischen Weltanschauung" und ihrer ent- scheidenden Ueberwindung durch den„Tag von Potsdam". Wie unsinnig und vergeblich, dieser Geschichtsbetrach- tung die Wahrheit entgegenzusetzen! Die großen deutschen Geschichtsschreiber M o m m s e n und Ranke dürften aus ihrer Grabesruhe aufgescheucht werden, wenn sie hören, daß eigentlich alles in Asien und Europa urspriing- lich germanisch gewesen ist. bis es durch irgendwelche mythologischen Blutsvermischungen— versteht sich, vor allem durch semitische— entnordet, geschwächt, pazifisiert worden ist. Denn das Rezept des neuen Geschichtsbildes will mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben. Es setzt an ihre Stelle den Glauben, den Enthusiasmus. Alles geschichtliche Material ist nur noch Mittel zum Zweck, der faschistischen Gegenwart eine bestimmte Bewußtsein- richtung zu geben, mit deren Hilfe sie die Jugend willens- mäßig für sich gewinnen und einspannen kann. Dazu braucht man vor allem die Verunglimpfung der üngsten Vergangenheit. Schon der-Sechsjährige muß er- ahren, daß die Sozialdemokratie den Dolch gegen das iegreiche deutsche Heer zückte. Der Zehnjährige wird mit Haß erfüllt gegen das„ System" von Weimar, bis Deutschland vom„ Führer" geweckt wurde. Der neue„ Idealismus der Tat" wird verbunden mit Heroenglauben und der Weltmission der eigenen Nation. An die Stelle des Forschers, des Gelehrten, tritt der Erzieher, der seinen Die Unruhe um Oesterreich pädagogischen Auftrag in allen Einzelheiten dem Staate Fortsetzung der ernsten und schwierigen diplomatischen Gespräche zu seinem Nuzen bereithält. Aber der Erzieher hat nicht nur zu lehren, er hat auch zu ererzieren. Jn Nr. 14 der„ Nationalsozialistischen Erziehung" lesen wir, daß sich der zukünftige Lehrer als Soldat fühlen soll. Ein neues Lehr fach wird ihm zugewiesen: die Wehrgeographie". Die Körperbildung, die er mit den Schülern zu teilen hat, muß „ Rekruten- Körperbildung" sein. Sah man die Berliner Hochschulprofessoren jüngst zum Gepäckmarsch antreten, so sind die Lehrer an der höheren Schule und an den Bolksschulen zum Geländesport verpflichtet. Jm katho lischen Münster„ marschierte Westfalens pädagogische SA., voran die Hitlerjugend, im gleichen Schritt westfälische Erzieher, ohne Unterschied des Standes. Eherne Marsch rhythmen, alte Kampflieder, jubelnde Begeisterung der Bevölkerung" so heißt es in dem eben genannten Blatt. Wen wundert es noch, daß die Kinder in der Hand solcher Erzieher des Nachts davon träumen, einmal Göbbels oder Hitler zu werden? Daß der Wunschtraum von der Schule zur Hitlerjugend, von der SA. bis zum Wehrdienst geht, um die Rasse im echten Stahlbad sobald wie möglich zu erproben? Der Ernst dieser Lage versagt sich jeder Jronie. Man kann die Dreikäsehochs belächeln, die heute überall in den Straßen Deutschlands singend mit SA. marschieren. Aber eins kann man nicht: sich der Erkenntnis entziehen, daß hier eine Generation durch alle Mittel pädagogischer Beeinflussung mit den Jbeen heldischen Lebens" gesättigt wird, die ins Blut strömen. Es ist eine Generation, die nach dem Willen ihrer Vorbilder nicht den Frieden ersehnt und das Luftkissen gesättigter Bürgerruhe, sondern die den Marschallstab heroischer Erprobung in ihrem Tornister tragen will. Regimenter von Pädagogen rücken an, um Regimenter im Geiste eines neuen Menschentypus zu erziehen, der nicht ethisch, sondern biologisch denkt: im unvermeidlichen und unerbittlichen Kampf der natür lichen Auslese" den Sieg davon zu tragen. Bir bangen uns um diese Jugend, aber mir gestehen es offen wir müssen die positiven Aufgaben sehen, die den Feinden des Faschismus hier gestellt sind. Denn das Jugenderlebnis frißt tief. Es gibt auch einen falschen Enthusiasmus, der sich in bestimmten Geschichtsepochen zu gesammelter Kraft konsolidieren kann. Wer nicht sieht, was hier vorgeht; mer hinter dem Mythos, der gegenwärtig wild aufschäumt und vielleicht bald wieder zusammenfinkt, nicht die Marschtrompeten der kommen den Generation junger deutscher Menschen hört, der hat im Kampf um die Rückgewinnung der deutschen Freiheit schon verloren. Denn man muß diese jungen Menschen gewinnen können, wenn man sie als Rämpfer für das kommende Deutschland nicht mehr loslassen und mit ihnen Deutschlands Zukunft erbauen will. Berlin, 28. Oktober. Die vorsichtigen Presseäußerungen zum Ergebnis der Unterredung zwischen Dollfuß und Mussolini in Riccione zeigen, daß die deutsche Reichsregierung troß allem Propagandageschret zunächst nicht mehr mit einem irgendwie gearteten Anschluß Desterreichs an Deutschland rechnet. Auch die Angriffe auf Dollfuß flingen gedämpfter. Man richtet die Politik nun auf die Eingliederung Deutschlands in den italienisch- ungarisch- deutsch- österreichischen Donanblock. Es bestätigt sich, daß Italien erneut in Berlin hat wissen lassen, daß Rom feine Tyrannisierung Oesterreichs zulaffen wird. Die volle staatliche Unabhängigkeit Desterreichs ist die Voraussetzung der italienischen Politik. Man ist überzeugt, daß England und Frankreich, weder isoliert noch gemeinsam neue Schritte in Berlin unternehmen werden. Mit einiger Unruhe verfolgt man aber die Reise des ehemaligen Außenministers Austen ChamberIain nach Rom, der in letzter Zeit wiederholt sehr schroff gegen Deutschland aufgetreten ist. Es wird vermutet, daß er seine Reise mit Wissen der britischen Regierung macht, um Italien in eine gemeinsame Front mit Frankreich und Italien gegen Deutschland zu bringen. Die maßgebenden Kreise des Außenministeriums verkennen die Bedeutung der disziplinierten aber sehr erregten Stimmung in Paris und das wachsame Mißtrauen in London nicht. Der Reichsaußen minister von Neurath und sein Staatssekretär von Bülow bemühen sich persönlich, die an Italien gegebenen Zusicherungen gegen eine Fortsetzung der überspizten antiösterreichischen Propaganda zu halten, weil dies besonders gegenüber der britischen Regierung notwendig ist, die ihre Enttäuschung über den Gang der Dinge nicht verhehlt. Die aggressive Aktivität der nationalsozialistischen Propaganda ist aber noch unvermindert stark und macht eine verantwortliche Außenpolitik so gut wie unmöglich. England baut Schiffe Umfangreiches Flottenbauprogramm der englischen Admiralität London, 28. Aug. Der Marinemitarbeiter des„ Daily Telegraph" schreibt, daß Vorschläge, die die einzige Alternas tive zu dem Zusammenbruch Großbritanniens als Großflottenmacht darstellten, in Kürze von der Admiralität ge= macht werden dürfen. Nach Informationen des Marinemitar: beiters umfaffen die Borschläge der Admiralität folgende Punkte: 25 Kreuzer, die an Tonnengehalt und Bestückung Punkte: 25 Kreuzer, die an Tonnengehalt und Bestückung den besten ausländischen Schiffen gleichkommen sollen; Neus ban von jährlich 15 bis 18 Zerstörern; eine großes U- Boots Banprogramm; beträchtliche Vermehrung der Marine flugzenge; Erhöhung der Mannschaftsstärke um mindestens 10 000 Mann; beträchtlich größere Aufwendung für Schiffs= treibstoff, Uebungsmunition und Flottenmanöver. Zukunftsaufgaben der Internationale Kampfreden in Paris Auf der Internationalen Sozialistischen Konferenz in sprechen, daß man auch in Moskau sich von dem Aberglauben Paris sprach Friedrich Adler über die Lage der sozialistischen Internationale im Rahmen der Tagesordnung: Die Tattit und Strategie der Arbeiterbewegung An der Zeit der faschistischen Offensive". Adler sagte u. a.: Die Erefutive hat festgestellt, daß wir auszugehen haben von den Ereignissen, die in Deutschland stattgefunden haben. Aber so sehr Deutschland der Ausgangspunkt und die Ursache der ganzen Problemstellung ist, so haben wir dennoch in weit größerem Rahmen die Wirkungen auf das gesamte Proletariat auf dieser Konferenz zu untersuchen. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir hier es vor allem zu tun haben mit den Aufgaben der internationalen Arbeiterbewegung in der Zukunft. Aber wir verstehen, daß man Lehren aus der Vergangenheit heranziehen wird. Ich möchte mit aller Offenheit auf die sehr schwerwiegende Lage hinweisen, in der sich die internationale Arbeiterbewegung befindet. Die deutsche Katastrophe hat die ganze internationale Arbeiterklasse desorientiert. Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein politisches Programm der Arbeiter- Internationale, das uns die weiteren Entwicklungs= möglichkeiten zeigt. Was die Arbeiter in allen Ländern beunruhigt, ist nicht so sehr die Frage, was wir tun werden, wenn wir die Macht haben( am Tage nach der sozialen Revolution), sondern das Problem, welchen Weg zur Macht die Internationale und ihre einzelnen Sektionen zu gehen haben. Wir müssen uns von Anfang an darüber klar werden, daß es sich nicht um einen Weg zur Macht handelt, den wir als allein seligmachenden der Arbeiterschaft zu zeigen haben, sondern die Wege zur Macht zu diskutieren haben, deren es mehrere gibt, entsprechend den verschiedenen Bedingungen, unter denen das Proletariat in den verschiedenen Ländern lebt. Die erfte und wichtigste prinzipielle Klarheit, die wir zu schaffen haben unter uns, ist die Erkenntnis, daß es eine fatalistische Irrlehre ist zu glauben, der Faschismus müsse in allen Ländern unbedingt siegen. Die Lehre, daß der Weg der Demokratie un gangbar ist, die lehnen wir von vornherein ab. Auf der anderen Seite sehen wir jenen Lehre, die behauptet, der Weg der Demokratie set überhaupt der ein= zige Weg, der für das Proletariat offen stehe. Und da haben wir in unseren Reihen klar zu machen, daß keines dieser Extreme zutrifft. In den demokratischen Ländern ist es unsere Pflicht, bis zum äußersten die Demokratie zu verteidigen gegen alle ihre Angriffe, und es ist der größte Fehler, den die Arbeiterklasse begehen kann, wenn sie selber auch nur ein Fuß breit preisgibt der demokratischen Rechte, die sie sich vorher erobert hat. In den Ländern aber, wo das Proletariat unterlegen ist, wo der Faschismus herrscht, haben wir zu revolutio= nären Mitteln zu greifen, stehen andere Wege der Entwicklung vor uns, die wir offen und klar zur An= erkennung bringen müssen. Wir wollen hier von dieser Stelle aus die Hoffnung ausan die alleinfeligmachende Taftit befreie, denn die Lage, in der heute die Arbeiterschaft sich befindet, durch den Kampf der Lehre des Weges der Gewalt und der Diktatur und der anderen Lehre des Weges der Demokratie mit ver= schuldet. Die deutsche Arbeiterbewegung ist nicht gescheitert an eins zelnen Fehlern. Sie wurde zermalmt zwischen diesen beiden alleinseligmachenden Lehren von der Komintern einerseits und der Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie anderers feits. Der Versuch, anders und weiter zu gehen, wie ihn die unabhängige sozialdemokratische Partei vor der Einigung ge= macht hat, eine Politik, die a Ille Eventualitäten ins Auge faßt, dieser Versuch ist aber gescheitert. Wir werden uns, wie wir es bis jetzt getan haben, mit allen Kräften zur Wehr sehen gegen jede Form des Einheitsfrontmanövers, das von Moskau geführt wird, aber wir werden auch, wie wir es getan haben, immer behaupten, daß eine der entscheidendsten Fragen für die Arbeiterklasse die wäre, daß die Einheit des Kampfes wiederhergestellt wird. Diese wahre Einheit der proletarischen Aktion wird nicht hergestellt werden, solange man in Moskau glaubt, daß es richtig sei, eine Taktik zu führen, wonach man durch die Hölle des Hitlerismus hindurch muß, um zum Sozialismus zu kommen. Wir haben umzulernen auf Grund der Erfahrungen, die wir gemacht haben. Aber nicht mehr Nationalismus, sondern im Gegenteil mehr Internationalismus tut der Arbeiterbewegung in allen Ländern not! Nicht den Marrismus in irgendeiner Form preisgeben, sondern mehr marxistische Erkenntnisse sammeln und anwenden! Emile Vandervelde. ergreift das Wort nicht als Vorsitzender der Erefutive der SAJ., sondern für seine Person, in Uebereinstimmung mit der Mehrheit der belgischen Arbeiterpartei: Unser Standpunkt läßt sich in einer altgewohnten Formel ausdrücken, die Jaures einmal geprägt hat, daß die revo= Iutionäre Evolution zum Sozialismus auf dem Wege der Demokratie, auf dem Wege des Friedens und durch die internationale Aktion der Arbeiterklasse gehe. Es ist kein Zweifel, daß in einem Lande mie Frankreich, um ein Beispiel zu nennen, vorübergehend will ich hoffen, der Gedanke der Beschränkung auf die Aktion im einzelnen Lande Play greift. Das bedeutet Anpassung an die in diesem Lande bestehenden Verhältnisse, das Parls redet deutlich Paris, 23. Aug. 1933.( Eig. Ber.) Die Pariser Presse befaßt sich erneut mit dem öster reichisch deutschen Konflikt. Die Forderung nach einem scharfen Eingreifen der französischen Regierung gewinnt immer neue Kreise. So schreiben: « Le Journal" Die deutsche Regierung tut so, als ob sie ihres Erfolges bes reits sicher wäre. Sie wird sich gründlich täuschen. Sie werden scheitern an dem Mut des österreichischen Volkes, das in eiserner Entschlossenheit für seine Selbständigkeit kämpft, fie werden scheitern am Widerstand der großen europäischen Mächte. Die ganze Sache ist nicht nur der erbärmlich feige und hinters hältige Angriff eines Starten auf einen Schwachen, es ist auch der Zusammenstoß zweier wesens verschiedener Kulturen, dessen Tatzeugen wir sind: man tommt um den Eindruck nicht herum, daß die Verteidiger der Freiheit Oesterreichs legten Endes nichts anderes inn, als einen Damm ges gen die Fluten der hitler deutschen Barbarei zu bauen!.... Auf wirtschaftlichem Gebiet stehen wir und stehen London, Rom und Wien vor weittragendsten Ents schlüffen! Le Journal des Debats" Hinter einem romantischen Ghleier verstedt, wegt das moderne Preußen schon lange seinen friegelüfternen Säbel. Doch heute haben sie diesen Schleier fallen gelassen und das wahre Ge sicht erscheint: es ist nicht das Gesicht Lohengrins. Die Universitäten und sonstigen Erziehungsstätten sind nichts anderes mehr als Kriegsschulen und die ganze Gesellschaft hat man vom„ Geist" gereinigt. Das höchste„ Recht" der Preußen befteht darin, im Gänsemarsch hinter irgend einem herzutrotten und auf Kommando die Hand zu heben. Kann es da Wun der nehmen, wenn die echten Deutschen vom Donanland herzlic wenig Lust haben, arme und kleine Preußen zu werden? Sollen fie fich denn freiwillig und mit offenen Augen in die würde. lose Sklaverei des Hakenkreuzes begeben? « La Liberte" Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir sagen, daß Frank reich die italienische Regierung bevollmächtigt hat, sich zwischen Desterreich und Deutschland einzuschalten. Mussolini ist zum Schutzpatron des Donaustaates geworden. Und Herrn Dollfuß ist die nötige finanzielle Hilfe zuteil geworden; er fährt mit dem Bewußtsein nach Wien zurück, daß ihm im Falle eines friegerischen Angriffes auch die militärische Unterstügung nicht versagt bleis ben wird, Japan beansprucht die von Frankreich besetzten Inseln im südchinesischen Meer Tokio, 28. Aug. Das Ministerium der auswärtigen Ans gelegenheiten gibt bekannt, daß Japan in der am 19. Auguft in Paris übergebenen Protestnote die Rückgabe der souves ränen Rechte und Interessen an den sechs Inseln im süds chinesischen Meere, die von Frankreich bejezt worden seien, für sich in Anspruch genommen habe. Diefe Politit tann nicht unsere Politit fein! Was heute notwendig ist, ist die kräftigste, die ent schiedenste Gegenwehr gegen alle Formen des Nationalismus. Wenn die Internationale morgen vor einer Katastrophe stünde, so würde es in allen Ländern Genossen geben, die vorangingen mit dem Rufe: Es lebe die Internationale! Wir sagen zweitens, der Sozialismus kann nur kommen auf dem Wege des Friedens und das trennt uns in erster Linie von den Kommunisten. Wir verzweifeln nicht am Frieden und wir müssen alles tun, um den Krieg zu ver hindern. Wenn der imperialistische Krieg doch ausbricht, unsere Antwort wird flar und deutlich: der Bürgerkrieg und die foziale Revolution! Pietro Nenni( Italien) regte eine Konferenz mit der 3. Internationale an und nähere Zusammenarbeit mit den Mittelklassen auf der Grundlage des gemeinsamen Kampfes gegen Faschismus und Kapitalis mus. Robert Grimm( Schweiz) zog die Bilanz des sozialistischen Kampfes in letzten zehn Jahren und schilderte die Bestrebungen zum Abbau der bürgerlichen Demokratie in allen Ländern, so auch in der Schweiz. Die Arbeiterschaft wird sich nicht widerstandslos die schwer eroberten Rechte entreißen lassen und ihr eigenes Verhalten richten nach den Kampfmitteln des Bürgertums. Den einen Beschluß sollte die Konferenz auf alle Fälle faffen, den internatio nalen Boyfott gegen die deutsche Ausfuhr, trotzdem eine solche Maßnahme einen Teil der deutschen, flaffenbewußten Arbeiterschaft, die dafür Verständnis habe, treffen müßte, aber dem Hitler- Regime einen außerordentlich fühlbaren Schlag versehen würde. Die täglichen Hinrichtungen Im Hofe des Gerichtsgebäudes in Weimar wurden Dienss tag früh die beiden Mörder Hahn und Leffler hingerichtet. Die beiden hatten im vorigen Jahre eine Frau Weißenborn aus Jena unter der Vorspiegelung, eine Autofahrt zu machen, in Jena in die Nähe eines toten Armes der Saale gelodt, dort ermordet und die Leiche in das Wasser versenkt. ** München Gladbach, 28. Aug. Im Hofe des Lands gerichtsgefängnisses München- Gladbach wurde heute morgen der 32 Jahre alte Arbeiter Jos. Ruetten durch das Fallbeil hingerichtet. Er war durch rechtskräftiges Urteil des Schwurgerichts Gladbach- Rheydt vom 16. März d. J. wegen Mordes, bes gangen am Abend des 30. Dezember v. J. zwischen Hackstein und Rheindehlen, an dem 17 Jahre alten Gustav Jansen ans Rheydt, zum. Tode verurteilt worden. bedeutet Anpaffung an die Bauern und die Mittelschichten, 300 Meter tief abgestürtzt Rücksichtnahme auf ihre Forderungen, Zugeständnisse etwa an den Protektionismus usw. Diese Politik ist nicht Neofozialismus, sie ist vielmehr Rüdichritt zum Programm, das Miller and in Saint- Mande, im Jahre 1896, verkündet hat, eine Politik, die alles auf die parlamentarische Attion sett, eine Politit, die den Sozialismus beschränkt auf die Bergesellschaftung einzelner monopolistischer Industrien, eine Politit, die zwar an den internationalen Formeln festhält, aber in Wirklichkeit den nationalen Sozialismus be= treibt. Todessturz eines Steigers Forbach, 28. Aug. Einen tödlichen Unfall erlitt ein aus Deutschland stammender Grubensteiger namens Zedtler, der auf dem neuen Schacht 3 in der Nähe der Drahtseilbahn beschäftigt war. Bedtler wollte in einem Anhängekorb in die Tiefe fahren. Anscheinend durch einen Konstruktionsfehler blieb jedoch der Korb plötzlich stehen und Zedtler wurde mit einem Ruck aus ihm herausgeschleudert und stürzte etwa 200 Meter in die Tiefe. Er war sofort tot. I 2 B B e r it a Die A Daumenschraube Das Martyrium eines saarländischen Arbeiters wird bestätigt durch Erpressung eines Widerrufs- Ein Exempel, das Bände spricht Jmmer wieder wird der Versuch gemacht, uns der Greuelnachrichten" zu überführen. Bisher ist es noch nicht in einem einzigen Falle gelungen, weil wir jedesmal mit der größten Vorsicht und mit Anwendung derjenigen Informationsmittel, die heute überhaupt vorhanden sind, vorgegangen sind. In welch schmutziger Weise aber versucht wird, unangenehme Tat sachen aus der Welt zu schaffen, dafür haben wir soeben aus dem Saargebiet ein sprechendes Beispiel. Es verdient, in der ganzen Welt als Zeugnis der Erpressungsmethoden der Hitler- Jünger bekannt zu werden. Wir hatten am Montag ausführlich das Martyrium eines jungen Saarländers wiedergegeben, der ohne die geringste Veranlassung von den braunen Schergen verhaftet wurde, Schreckliches im Gefängnis erlebte und noch Schrecklicheres bei anderen sah. Diese vierzig Tage Gefangenschaft des jungen Saarländers waren eine einzige furchtbare Anklage gegen das Regiment jenseits der Saargrenze. Mit welchen Methoden die publizistischen Helfer des braunen Terrors arbeiten, davon zeugt auch Ser nachstehende Brief von Kurt Großmann. Der Fall des Jungen Bertram In den Händen von Erpressern. Die Homburger Zeitung"( Nummer 192 vom 21. August 1933) brachte unter der Ueberschrift Wieder eine Grenelnachricht als Lüge entlarvt" eine an: gebliche Erklärung dieses Arbeiters Andreas Bertram aus Wörschweiler, in der angeblich er erklärt, daß die von uns gebrachten„ Greuelnachrichten sämtlich erlogen sind". Und die„ Homburger Zeitung" fügte hinzu:„ So werden alio Grenelmeldungen gemacht!" Wir stellen feft: des Druckes, dem ich ausgeseht wor. Wiedergabe eines Berichtes enthielt, den den bin!" Diese Aeußerung des jungen Arbeiters ist gestern vor zwei Zengen nach dem Erscheinen der„ Homburger Zeitung" abgegeben worden und sie allein schon entlarvt die vers brecherischen, unmoralischen und terroristischen Methoden, mit denen die Gleichgeschalteten auch an der Saar die Wahrs heit in ihr Gegenteil zu verkehren versuchen! Immer die gleichen Methoden Das sind die skrupellosen Schwindelmethoden des dritten Reiches" und seiner gleichgeschalteten Mamelucken. Sie versuchen aus schwarz weiß und aus weiß schwarz zu machen- und sei es auch mit er: prester Lüge, Verleumdung und Einfaz des schärfsten Terrors! Aber Lügen haben kurze Beine und die Sonne, die es an den Tag bringt, scheint auch trotz der Mächte der Finsternis, die die Gewalthaber des„ dritten Reiches" sind. Die Wahrheit ist nicht totzuschlagen und auch der brutalste Terror und die lückenloseste Vergewal: tigung kann nicht verhindern, daß wider sie die Wahrheit aufsteht und Zeugnis ablegt. Die Geschichte eines Briefes Post an die ,, Deutsche Freiheit", die uns nie erreichte Der Schriftsteller R. G. schreibt in der in Prag erscheinenden„ Wahrheit": " Am Montag, nachdem der Verschleierungsartikel der Homburger Zeitung" erschienen war, hat der Arbeiter Andreas Bertram aus Wörschweiler gegenüber den beiden Männern, die er nach seiner Freilassung Die gesamte deutsche Presse bringt in den Tagen vom zunächst um Hilfe angegangen hatte, ausdrücklich er8. bis 11. Auguſt unter den Ueberschriften„ Den Hetzern klärt:« Ich habe diese Erklärung in der auf der Spur"( Bölkischer Beobachter" v. 10. August) oder Homburger Zeitung" nur unter stärk- Lügenfabrikant G. appelliert an den Papst"( Chemnizer ffem 3wang abgegeben!" Wie dieser Zwang auf ihn ausgeübt worden ist, darüber sind noch nicht alle Feststellungen abgeschlossen, aber wir behalten uns vor, darauf ausführlich zurückzukommen. Die Leser der Wahrheit" werden sich noch des Artikels in Nr. 15, S. 7, erinnern: Hermann Walter„ Ein deutscher Katholik schreibt an den Papst". deutscher Katholik schreibt an den Papst". Zugleich hat der Arbeiter wieder erklärt:« Da s, was in der Volksstimme" gestanden hat, ist richtig und ist so passiert, wie es in der Volksstimme" gestanden hat und wie ich es selbst Ihnen und der Volksstimme" und der antifaschistischen Beschwerdestelle persönlich unter 3eugen mitgeteilt habe. Aber ich habe nicht anders gekonnt angesichts Kreuzigungsjude Mayer In Schutzhaft!" Die sogenannte„ Revolution" des„ britten Reiches" ist bereits seit langem durch den braunen„ Volkskanzler" abgeblasen worden. Sehr zum Leidwesen der braunen Banditen und kleinen Spießer! Während die Regierung jede revolutionäre Handlung gegen das Kapital brutal unterdrückt, läßt sie dem Unmut der SA. freien Spielraum in dem Kampf gegen Juden und Margiften. Die Christenverfolgungen unter den römischen Kaisern verblassen vor der niederträchtigsten Gemeinheit der NaziHorden im Kampf gegen die deutschen Juden. In der nationalsozialistischen Fränkischen Tageszeitung" vom 19. August 1933 finden wir folgende groß aufgemachte Notiz: Kreuzigungsjude Mayer in Schutzhaft Der allen„ Stürmer"-Lesern bekannte Kreuzigungsjude Mayer, der vor Jahren sein schändliches Handwerk trieb, bis es ihm vom„ Stürmer" gelegt wurde, kam jetzt nach längerer Abwesenheit nach Nürnbera wieder zurüd. Er wurde sofort in Schuzhaft genommen; denn im„ dritten Reich" wird mit solchen Mädchenschändern anders verfahren, als es im alten System geschah. Schamhaft verschweigt das Naziblatt, wie mit dem Juden Mayer„ verfahren" wird. Kann das überhaupt noch zweifelhaft sein?! Nachdem einige Nordseebäder vorangegangen waren, folgten mehrere süddeutschen Städte, zuletzt München, mit dem Verbot der öffentlichen Bäder für die Juden. Nunmehr hat auch Berlin sein riesengroßes Wannseebad für die Juden vollständig geſchloſſen. Angeblich haben sich arische Besucher darüber beschwert, daß dem Wasser dieses schönen Havelfees zeitweilig starter Knoblauchgeruch" entsteige und haben ihren weiteren Besuch vom Verschwinden der Juden abhängig gemacht(!) Diese infame Heze pflanzt sich fort bis ins kleinste Dorf. Nach der erwähnten Fränkischen Tageszeitung" vom 21. August 1933 wurde jetzt in der Gemeinde Bordorf bei Fürth ein Gemeinderat abgehalten. Punkt 5 der Tagesordnung lautete: Anbringung von Warnungstafeln". Man nicht begangen werden dürfen. Weit gefehlt, der Punkt 5 führte nach der Nazizeitung zu folgendem unfaßbarem Bedenkt hier an Blumen, die nicht gepflückt und an Wege, die schluß: 5. An den Ortseingängen der Orte Bordorf, Steinach und Herboldshof sollen Tafeln mit der Aufschrift: „ Juden unerwünscht!" angebracht werden. Die Anferti: gung wird den gemeindeansässigen Handwerkern Lins hardt, Prell und Kuch übertragen. fabrikant entlarvt", Ein drastischer Fall von Greuelheze ( Nachrichtendienst des WTB. vom 7. August) folgende Nachricht: „ Einem im Saargebiet lebenden Nationalsozialisten ist der Brief des Juden K. G., der bereits seit Februar von Prag aus die Welt mit Lügen über Deutschland vergiftet, an die berüchtigte Saarbrücker Heßzeitung Deutsche Freiheit" in die Hände gefallen. Der Brief enthielt einen Artikel Gs. mit einem gefälschten Bericht über seine angeblichen furchtbaren Erlebnisse" im Konzentrations lager in Dachau. Dabei ist allgemein bekannt,.... daß G. seit Februar... in Prag fitt." Die genannten Blätter bringen den Brief Gs. an die Deutsche Freiheit" im Wortlaut und einige Zitate aus dem Artikel, ohne allerdings das wichtigste anzugeben, nämlich, wie jeder Leser der„ Wahrheit unschwer sest zustellen in der Lage ist, daß dieser Artikel die der Verfasser Don einem Ratholiken namens Josef J. erhalten hat. Der Bericht bes ginnt: Jch, gläubiger Katholik... Josef J, Zahntechniker von Beruf, wurde am 17. Mai 1933 in München ohne Angabe von Gründen verhaftet." Wenn schon im ,, Völkischen Beobachter" oder im„, Chemniger 8- Uhr- Abendblatt" die Frage einer Greuelhezze aufgerollt wird und wenn von der unerhörten Dreistigkeit" gesprochen wird, daß der Bericht vom ersten bis zum letzten Wort frei erfunden" sei, so muß doch gefragt werden, welche Dreistigkeit unerhörter ist: die Wiedergabe eines Berichtes über Erlebnisse im Konzentrationslager des„ dritten Reiches" oder die unerhörte Fälschung, die die nationalsozialistische Presse mit einem gestohlenen Brief begeht. Gestohlener Brief? Die fragliche Sendung ist am 16. Juli per Luftpost nach Saarbrücken abgeschickt worden. Der Luftpostweg ist Prag- Berlin- Saarbrücken. Jn Berlin findet eine Umladung der Post auf ein deutsches, nach Saarbrücken gehendes Flugzeug statt. Die versiegelten Postsäcke werden übernommen und erst an ihrer Endstation geöffnet. Der fragliche Brief ist in Prag ordnungsgemäß abgegangen. Er hat jedoch seinen Adressaten nie erreicht. Er muß demnach unterwegs ge stohlen worden sein. Und es ist nicht der einzige Brief, was u. a. daraus hervorgeht, daß im„ Völkischen Beabachter" am 9. August mitgeteilt wird, wo verschiedene Funktionäre der„ Deutschen Liga für Menschenrechte" sich zur Zeit befinden. Also auf Grund eines gestohlenen Briefes, von dem der Verfasser der Hezartikel erklärt, er habe ihn zufällig" gefunden, begeht man eine plumpe und gemeine Fälschung. Wenn die Herren bestreiten, daß es keine Schande von Dachau gibt, daß in Dachau niemand gestorben ist oder getötet wurde, daß die SA.- Führer Steinbrenner und Erbsmüller dort nicht amtieren, so gibt es ein sehr einfaches Mittel, das zu beweisen: man gebe einer inter nationalen Kommission ohne Beiordnung deutscher Vertreter Gelegenheit, die Konzentrationslager zu besuchen, Vernehmungen vorzunehmen und gebe den Vernommenen die Garantie, daß für sie keine Folgen eintreten. Dann würde die Welt erleben, daß der über Dachau gegebene Ausschnitt nur ein kleiner Teil der vorgekommenen Furchtbarkeiten ist. Aber ein solches Verlangen gegenüber diefem Deutschland zu stellen, ist eine Jllusion. Mehr als 250 Tote sind seit dem 28. Februar dem braunen Terror zum Opfer gefallen. Der„ Führer der Nation" spricht von 20 Toten. Allein vom 1. Januar 1933 bis zum Machtantritt der Nazis waren es 95 Tote, also insgesamt 345 Tote hat die„ Erneuerung des Reiches" gekostet. Und Hitler nennt diese Revolution die unblutigste. In den Konzentrationslägern und Gefängnissen sind mehr als hunderttausend Gefangene, und Hitler erklärt Deutschland als das Land der Freiheit! Ein gestohlener Brief und ein gefälschter Bericht mögen nicht schwer wiegen, wo soviel unwahrheit sich häuft. Aber der eklatante Nachweis des Diebstahls und der Fälschung mögen der Weltöffentlichkeit die Methoden des„ dritten Reiches" aufzeigen. Acchtung nichtarischer" Aerzte Aktion des Zionistenkongresses Komplizierte Bestimmungen Der Aerztekommissar, Dr. Wagner, hat die Reglung der Zusammenarbeit von Aerzten bei der Vertretung, bei Ueber-, weisungen und bei Konsilien jetzt durch neue Anordnungen ergänzt. Darin heißt es über die Vertretung: Arische Aerzte dürfen sich nur durch arische Aerzte vertreten lassen. Wo in einem Bezirk eine gegenseitige Vertretung der niedergelasse einem Bezirk eine gegenseitige Vertretung der niedergelase. nen Aerzte untereinander üblich ist, kann ein nichtarischer Arzt, auf den die Ausnahmebestimmungen der Verordnung über die Zulassung von Aerzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen( Kriegsteilnahme usw.) zutreffen, davon nicht ausgeschlossen werden. Für Ueberweisungen wird angeordnet: Arische Aerzte sollen ihre arischen Patienten arischen Fachärzten, Krankenhaus-, Sanatoriums- usw.- Aerzten überweisen und umgekehrt. Arische Aerzte, insbesondere Krankenhausärzte, dürfen Ueberweisungen von nichtarischen Aerzten annehmen, so örtliche Verhältnisse es notwendig erscheinen lassen. Für die Hinzuziehung eines zweiten Arztes( Konsilien) gelten diese Vorschriften sinngemäß. Eine Praxisgemeinschaft zwischen ihnen und nichtarischen Aerzten ist verboten. Dies gilt auch gegenüber allen Aerzten, auf die die Ausnahmebestimmungen zutreffen. Eine Ausnahme hiervon Vereinigung selbst vor. zuzulassen, behält sich der Reichsführer der kassenärztlichen Den Juden geschicht nidits" Nur rausgeschmissen werden sie Die Fränkische Tageszeitung" teilte mit, daß der Gemeinderat vom Großgründelbach in Mittelfranken einstimmig beschloß, den Juden den Zutritt zum Dorf zu verbieten. Hitlergruß- Kinderei Beinahe Gotteslästerung Von der Neustrelißer Kriminalpolizei wurde der Gutsbesitzer und Gemeindevorsteher Bank in Neuhaus in Schußhaft genommen. Bank hatte seinen Leuten gegenüber die Aeußerung getan, daß er den Hitler- Gruß als Kinderei auffasse und ihnen denselben in seinem Betriebe verbiete. Prag, 22. Auguſt( Inpreß). Der Zionistenkongreß dürfte eine Aktion beschließen, die sich an alle Großmächte richten wird und die Unterstützung der in Deutschland verfolgten Juden bezwecken soll. Well Well sie die Wahrheit sagten Harte Gefängnisstrafen In einem zweiten Prozeß vor dem Sondergericht wurde die 60jährige Näherin Klara Stein zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie unwahre Behauptungen über den Reichstagsbrand aufgestellt hatte. Während das Gericht hier eine gewisse Milde walten ließ, sah es den nächsten Fall strenger an. Wegen der gleichen falschen Behauptungen verurteilte es den 30jährigen polnischen Studenten Mar Herms zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und erklärte dazu, daß einen Ausländer, der hier in Deutschland das Gastrecht mißbrauche, die Strenge des Gesetzes in vollem Umfang treffen müsse, wenn er derartige falsche Behauptungen aufstelle. Der Gegenprozeß Zur Aufklärung des Reichstagsbrandes London, 22. Auguſt( Inpreß). Ein großes Massenmeeting in Essex- Hall unter Vorsitz von Kingsley Martin nahm ein Manifest an, das sich mit der Frage der Verteidigung der Angeschuldigten im Reichstagsbrandprozeß beschäftigt. Es wurden Delegierte gewählt, die nach Amsterdam geschickt werden, wo ein Internationales Komitee zur Aufklärung des Reichstagsbrandes sich versammelt. Gefangene als Schaustück Großfürstin Maria Bremen, 22. Auguſt( Inpreß). Eine Großfürstin Maria von Rußland besuchte mit dem Reichsstatthalter Röhmer das Konzentrationslager Wieseler bei Bremen und erklärte, fie habe auf den ersten Blick feststellen können, daß Disziplin, Ordnung und neuer Lebensmut in Deutschland eingezogen seien. Holland dankt für Braunpest Es will ein Kulturstaat bleiben Amsterdam, im August. Macht der Faschismus an der Grenze Hollands Halt? Wie verhält sich in dieser alten germanischen Demokratie die öffentliche Meinung? Was tut die Regierung? Welche Chancen gibt die ökonomische Krise den katilinarischen Existenzen, die auch hier auf das Faustrecht schwören? Als Antwort seien ein paar Tatsachen mitgeteilt: Die holländische Regierung hat ein allgemeines Uniform verbot für alle politischen Gruppen erlassen. Ausgenommen davon bleiben die sozialistischen und katholischen Jugendverbände. Das Verbot richtet sich in diesem Lande. der traditionellen Abneigung gegen jeden Uniformkult ausschließlich gegen die Schwarzhemden der National sozialisten. Eine weitere Verfügung untersagt den Beamten die Zugehörigkeit zu allen staatsfeindlichen Parteien, unter denen neben den Kommunisten ausdrücklich jene faschistischen Gruppen genannt werden, die sich zu Hitler bekennen. Die kleine selbständige Schwarzhemden partei um Müssert fällt allerdings nicht unter diese Verordnung. Der reichsdeutsche Gauleiter der niederländischen SA. im Minengebiet von Süd- Limburg, ein dunkler Ehrenmann namens Tyk fer, ist ausgewiesen. Die Polizei kommissare in den limburgischen Grenzorten Kerkrade und Heerlen haben unter Weisung aus dem Haag ange ordnet, daß in Holland wohnende Deutschen, die sich zu Waffenübungen nach Deutschland begeben, ihres Wohnrechtes in Holland verlustig gehen. Weitere Maßnahmen werden erwartet. Es scheint mithin, daß die Regierung die Funken, die überall glimmen, auszutreten gewillt ist, bevor sie zur Flamme werden können. Der niederländische Ministerpräsident, Herr Colyn, Führer der im letzten Wahlkampf erfolgreichen Anti revolutionären Partei, Calvinist von Bekenntnis und Charakter, der alle die oben erwähnten Maßnahmen persönlich deckt, ist ein Staatsmann von Format. Gewiß nicht ein Feuerkopf wie der große verstorbene Führer der holländischen Sozialdemokratie, der unvergeßliche Troelstra, gewiß nicht eine eiserne Faust wie Troelstras bürgerlicher Widerpart Abraham Cnygers, aber doch ein Mann. Und das ist heute schon etwas. Colyn hat in Genf und London bei vertraulichen Aus sprachen keinerlei Zweifel darüber gelassen, daß er als überzeugter Calvinist und Demokrat kämpfen werde, wenn der Faschismus jene kirchlichen und staatsbürgerlichen Ein richtungen gefährden sollte, deren Freiheit die Niederlande in vielhundertjähriger Geschichte verteidigt haben. In diesem Rampf hat der Ministerpräsident nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch den grökten und einflußreichsten Teil des Bürgertums hinter sich. Die bürgerliche Presse, an ihrer Spitze der„ Rotterdamsche Courant", das große holländische Weltblatt, übt offene und scharfe Kritik an den Schandtaten der Hakenkreuzler. Die Wirtschaft fühlt sich betrogen und schwer betroffen durch das Transferverbot Hitlers, das die riesigen Berpflichtungen Deutschlands an Holland kurzerhand bis auf weiteres aufhebt. Das Judentum, das hier in der Hochkeinen Uniformfimel wie in Deutschland. Der Holländer Arbeiter in Amsterdam und anderswärts starken Einfluß ausübt, ist aktiv hitlerfeindlich. Lediglich katholische Organe wagen dann und wann, eine Lanze für das neue Deutschland zu brechen. An sich ist der alte politische Kulturboden hierzulande viel zu gesund, als daß das Giftkraut der Braunpest auf ihm gedeihen könnte. Es gibt hier keinen Militär- und keinen Uniformfimmel wie in Deutschland. Der Holländer ist absolut unmilitärisch. Es gibt hier des weiteren keinen Großgrundbesitz, keine Junkerkaste von Bedeutung. Zu dem ist das Land noch immer reich, die Lebenshaltung im Pariser Spaziergang Die Tauben vom Montmartre Auf dem Berge Montmartre, der im Norden von Paris liegt, ist schon viel geschehen. Der gute König Heinrich IV., der jedem Untertan Sonntags ein Huhn in den Topf legen wollte, hat hier den Topf belagert. Die Freiheitsmänner der Bastille haben ihre Geschütze dort oben aufgefahren. Die Heilige Allianz hat auf diesem Schachbrett den Raiser Napoleon vernichtet. Die Soldaten der Kommune haben hier die Läufe der Kanonen gerichtet und geblutet. Heute ist der Montmartre der Siz einer selbständigen freien Republik", die wesentlich friedlicher lächelt. Die höchste Erhebung der berühmten Butte ist jene Mairie", jenes„ Rathaus" des Rotweins und der Liebe, in dem man sich mit dem Erbe Murgers verheiraten kann, begleitet von Segenssprüchen aus dem großen goldenen Buch von denen einige sogar aus Deutschland stammen, wenigstens vor der Gleichschaltung. Hier ist das Malerparadies, hier hat Berlioz gethront, hier lag das kleine Haus der Mimi Pinson, hier unten liegt Heinrich Heine begraben. Selbst die Franzosen, die, um mit einem der Ihren zu reden, nicht gerne auf den anderen Berg der Hauptstadt, den Montparnasse steigen, weil er im Ausland" liegt, vom alten Montmartre mit seinen Gäßchen, jeinen Stegreifdichtern, seinen Boltssängern find sie entzückt, und mancher ehrliche Gidre de Normandie, der füße Apfelwein, wird hier abgemessen. Und doch fordert eins die Zeitkritik heraus, die Tauben. Der Montmartre hat Tauben, schnellfüßige gurrende Lockvögel wie der Markusplaß, wie die Münchner FeldherrnHalle und der Altberliner Gendarmenmarkt, und seltsamer Weise gibt es noch immer feine nationale Gleichschaltung dieser Tauben, sondern sie laden noch immer nach alter europäischer Weise auf erhabenen Denkmäler und patriotischen Menschen ihren Guano ab. Ach, die Zeiten der Guten liegen weit entfernt. Ein häufig Beklegter auf dem Montmartre hat jetzt einen Taubenbefizer verklagt, weil er behauptet daß dessen Vögel ihm die Dachrinnen und Gießröhren verstopfen, worauf der Inhaber des Taubenschlags sanft entgegnet, daß die Rukulu- Rufer von jeher ein Symbol der alten Butte gewesen sind, der sie Kraft und Schönheit verleihen. Durchschnitt hoch. Man ist sorgloser, passiver und moralisch weniger erschöpft als jenseits der schwarzweißroten Grenzpfähle. Trozdem: die braune Seuche steckt auch hier die Menschen an. Am anfälligsten sind die Kleinbauern, die Gemüse- und Blumenzüchter, deren Kleinbauern, die Gemüse- und Blumenzüchter, deren Produkte in Riesenmengen vernichtet werden müssen, da nach der Schließung der deutschen Märkte der Absatz stockt. Gefährliche Unruheherde sind auch die Hoch schulen, deren Absolventen, nicht zuletzt dank der Wirtschaftskatastrophe in Niederländisch- Indien, kaum noch eine Möglichkeit sehen, sich eine Existenz zu gründen. So sind gerade in Utrecht, Leyden, Amsterdam und Groningen kleine, aktive Zentren des Faschismus entstanden. Und wenn auch die Arbeitslosigkeit von 400 000 auf 270 000 zurückgegangen ist, so bedeutet diese Zahl in Verbindung mit der Not gewisser Landbaubezirke für das kleine Holland keine geringe Gefahr. Amsterdam allein hat 50 000 Erwerbslose. Arbeit für Emigranten! Die entscheidende Forderung Ein Arzt schreibt uns: In einer Ihrer letzten Ausgaben haben Sie einen Not ruf aus Paris veröffentlicht, der die verzweifelte Lage der meisten Emigranten so schildert, wie sie in Wirklichkeit aussieht. Es soll keineswegs geleugnet werden, daß die Aufnahme der Flüchtlinge überall freundlich war und ist und daß auch für die erste Unterkunft und Verpflegung Sorge getragen wurde. Für einen längeren Aufenthalt reicht diese Gewährung von Almosen nicht hin, um ein halbwegs lebenswertes Dasein in der neuen Heimat zu führen. Es tann natürlich nicht verlangt werden, daß jedem Flüchtling sofort Arbeit und Existenz geboten wird. Eines sollte aber im Jahrhundert, das den Völkerbund geboren hat. durchführbar sein, daß nämlich den politischen Flüchtlingen nicht von vornherein jede Möglichkeit verschlossen wird, in ihrem Exil eine ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit oder ihren früheren Beruf auszuüben! Tatsächlich ist jedoch in fast teinem der für die Flüchtlinge in Betracht kommenden Ländern zur Zeit eine Erwerbstätigfeit gefeßlich gestattet. Insbesondere für die akademischen Berufe bestehen in den meisten Ländern Bestimmungen, die es den Flüchtlingen als ausgeschlossen erscheinen laffen müssen, jemals an die Ausübung ihres früheren Berufes denken zu können. Hier erscheint ein Wandel dringend erforderlich und auch durchführbar. Man verrät wohl kein Geheimnis, wenn man feststellt, daß die Sympathie der Noch ist die Gefahr nicht akut. Die verschiedenen Gruppen des Faschismus haben bei den letzten Rammerwahlen im ganzen Land nur insgesamt 60 000 Stimmen auf die Beine bringen können. Unter sich verfeindet, begnügen sie sich äußerlich mit gelegentlichen meisten Länder nicht auf Seiten der Regierung steht, die Spektakeleien. Jm Straßenbild fallen sie selten auf. Ueber Leute wie Albert de Joode und Adalbert Smid rümpft man die Nase. Umso emsiger wühlen die deutschen Apostel der braunen Heilslehre unter der Oberfläche. Sie haben ihre Sturm frupps und ihre Zusammenkünfte, trotz aller Berbote der Regierung. Ihre Gauleiter, u. a. Hazig in Amsterdam und Kleynen in Limburg, arbeiten fieberhaft entsprechend den Direktiven, die sie aus Aachen, Düsseldorf und Berlin beziehen. Am gefährlichsten ist der Zustand im limburgi schen Bergwerksdistrikt, wo Kleynen, ein bei der deutschen Sozialdemokratie abgeblitzter übler Bursche, der im Heidenschlößchen in Horbach wohnt, unter den Arbeitern eine wahre Terrorherrschaft aufzurichten versucht und die Parole ausgibt: Süblimburg muß deutsch werden! Man kann sich vorstellen, wie das National gefühl Hollands auf diese Parole reagiert. Die holländische Arbeiterbewegung hat den Kampf gegen die künftigen Gefahren mit vorbildlicher Energie aufgenommen. Sie steht voran in der Boykottbewegung, deren Leiter Gleuper in ihren Büros arbeitet. Der Boykott ist äußerst wirksam und wird von der Arbeiterschaft fanatisch durch geführt. Die Arbeiterpreffe für das ganze Land, in einem einzigen Verlag straff organisiert, widmet den Verhältnissen in Deutschland fast die Hälfte ihres Plates. Der Verlag gibt unter Aufwendung großer Mittel auch ein deutsches antifaschistisches Wochenblatt heraus, die Amster damer Freie Presse". Hunderte von Versammlungen und Massenauflagen von Sonderzeitungen helfen nach, die Arbeiterschaft weiß, um was es geht. Das deutsche Beispiel schreckt. Holland will die Barriere Hata. bleiben, die die Kultur von der Barbarei trennt. 99 Oeffnen und untersuchen" Alles wird durchschnüffelt DG. Vor uns liegt ein auf Umwegen uns übermittelter roter Zettel, der mit folgenden Worten bedruckt ist: Vor der Auslieferung zu öffnen und zu untersuchen. Reichsbahndirektion Berlin. Damit werden Warensendungen und Pakete, auch Briefsendungen beklebt und den zuständigen nationalsozialisti schen Kontrollstellen übergeben. Die Furcht vor illegalem Aufklärungsmaterial ist in Deutschland so groß, daß dort jede Amtsstelle ihr Möglichstes tut, um in jeder privaten Sendung umherzuschnüffeln. Der Rechtsstreit schwebt, der Richter hat ihn noch nicht entscheiden können, da es sehr schwierig ist und ohne wiffenschaftliche Untersuchung des Düngers bestimmt nicht geht. Aber wie der Fall auch ausgeht, die Ureinwohner des Montmartre, die alten Franzosen, lassen sich durch solche RechtsEniff nicht beirren und halten fest an ihren Rechten, Bräu chen und Taubenschlägen, insbesondere auch, frei nach Goethe, an der löblichen Tendenz, die der Storch auf dem Kirchendach verrichtet. Ohne diese Menschenrechte geht es nicht. Bei Herrn Coty kommt was vor In einem der eleganten Millionärhotels in der Nähe der Champs- Elysee, der„ brillantenbestickten Kunststraße Europas"( die allerdings jetzt auch schon wesentlich billiger ge= worden ist), lebte eine junge und sehr verwöhnte Engländerin. Miß Dorothea Wright. Dieses junge Weib wurde eines Morgens nach dem scharfen Knall schneller Revolverichüsse, tödlich verwundet aufgefunden. Neben ihr stand im Bademantel ein junger Mann, den Telefonhörer in der Hand, verzweifelt nach einem Arzt schreiend, und wenige Stunden darauf hatte die Selbstmörderin ausgeröchelt. Diese Lebensmüde war die Freundin eines reichen Parisers, mit dem sie täglich in die Nachtdancings und Spielklubs zog, Geld und Morphium aus seinen Händen nehmend. Sie tötete sich, als ihr Freund sie allein ließ und mit anderen Männern bio vier Uhr gezecht hatte. Der Name dieses Geliebten. den fast alle Zeitungen verschweigen, ist Roland Coty, verheiratet und Vater dreier Kinder, der bei seiner Nebenfrau wohnt. Das Haus des Vaters Coty, eines Parfüm- und Zeitungsfönigs, geht von der Moral und von wohlriechenden Wassern aus und verbreitet in diesem Lande den Faschismus. Für drei Sous täglich führt der Millionär im„ Ami du Peuple" Fehde gegen die Juden und die armen deutschen Flüchtlinge. Die Naturgeschichte dieses Hauses ist jest um den ersten Akt des fapitalistischen Kreugerdramas bereichert. Die Metzgerei Karl der Große Auf der Insel St. Louis in der Seine liegt unter anderen Kostbarkeiten die Straße Charlemagne. Es ist eine echte Straße des alten Paris, mit Winkeln, Steinstufen, Lumpenden Anlaß zur Emigration gegeben hat. Man verrät weiterhin kein Geheimnis, wenn man feststellt, daß die Handlungen dieser Regierung von allen Seiten als schwere Bedrohung des Völkerbundsgedankens angesehen werden. Ist es da nicht geradezu eine dringende politische Notwendigkeit, den deutschen Flüchtlingen die Möglichkeit zum Aufbau einer Eristenz in ihrem Exil zu gewähren? Kleinliche Bedenken, wie die Ueberfüllung der Berufe in allen Ländern, dürften wirklich vor dem großen Gedanken der Völkerverbunden heit in den Hintergrund treten. Wenn die besten und friedliebenden Elemente eines Landes, die wegen ihrer Arbeit für die Völkerversöhnung flüchten mußten, im Eril physisch zu Grunde gehen, denn- darüber darf nirgends Untlarheit herrschen wird dem Gedanken des Völferfriedens mehr Abbruch getan, als durch die Kriegsheberei der Hitlerschen Regierung! Die Bitte der deutschen Emigranten an die asylgewähren den Staaten, ihnen nunmehr auch die Ausübung ihres Berufes oder den Aufbau einer Existenz zu ermöglichen, darf daher nicht als Unbescheidenheit ausgelegt werden, denn das Schicksal der deutschen Flüchtlinge ist innig verbunden mit dem Geschick der friedliebenden Bevölkerung ganz Europas. Ich will gern hoffen, daß der öffentliche Hinweis auf diese Dinge in Ihrem Blatt, der sicher auch einen Teil des Kampfes um die gegenwärtige deutsche Freiheit darstellt, die Regierungen zu entsprechenden Maßnahmen veranlassen möge und so einem nicht unerheblichen Teil der Flüchtlinge geholfen werden kann. , An Ort und Stelle" Wenn jemand die Fahnen nicht grüßt In Pforzheim hat der Kreisleiter der NSDAP. an die Gesamtbevölkerung einen Aufruf erlassen, in dem es heißt, es sei wiederholt bei Aufmärschen aufgefallen, daß einzelne Teile der Bevölkerung beim Vorüberziehen der nationalsozialistischen Sturmfahnen uninteressiert, teilweise mit den Händen in den Taschen, am Straßenrande herumstanden. Er ordne daher an, daß die Fahnen des„ dritten Reiches" mit dem deutschen Gruß zu grüßen sind. Zuwiderhandlungen würden in Zukunft an Ort und Stelle abgestellt. Wer nicht pariert, wird also an Ort und Stelle von Hitlerbürschchen gezüchtigt. sammlern und einem Brunnen, vor dem Weiber stricken und thre Kinder nähren, und wenn man genau hinsieht, ist da auch noch eine Metzgerei Karl der Große. Sie ist sogar koscher. Dieses Ende von Karl dem Großen, der die Franken das Lesen lernte, ist seltsam. Aber schließlich hat der erste deutsche Raiser in den vielen Jahrhunderten. die seit dem Rampfe mit Wittekinds Sachsenroß und seinem Verschwinden in Wurst vergingen, schon viele Veränderungen erlebt. Karl der Große hieß nämlich in Wirklichkeit Charlemagne und war nicht bloß Deutscher, sondern auch Franzose. Wieviele Kriege, wieviel Not und Zerstörung wäre der Menschheit erspart worden, wenn es dabei geblieben wäre! Aber es blieb nicht babei und allegorisch umgibt ein zwiefacher Dom in Aachen, außen ein gotischer, innen ein romanischer, den Sarg des Kaisers. Nachdenklich betrachten wir die Wurstauslagen in den Fensterscheiben dieser Metzgerei. Ausverkauf Ja, in ganz Paris ist Sommerausverkauf. Soldes d'Ete in großer Auswahl. Die geblümte und die farierte Legion der Modekleider, die schottischen Schirmmüßen und Eidechsentaschen sind noch billiger geworden, und auf der Rue de Rivoli und der Rue Lafayette wühlen die Frauen in rosa Gedichten von Bändern und Unterkleidern. Seidene Blusen kann man schon für 8 oder 10 Fr., bunte für 15 oder 20 Fr. haben, ein Glück nur, daß die großen Warenhäuser hier von Samstag abend bis Montag mittag geschlossen haben, sonst hätten die armen Midinettes noch weniger Erholung. Jeder hats eben nicht so gut wie die reichen deutschen Flüchtlinge, die heute in den Modebädern Vichy, Vittel und Aix- les- Bains sizzen, wofür ihnen, wie die Zeitungen melden, bereits eigen rituelle Restaurants und Gotteshäuser errichtet wurden. Kein Wort gegen diesen Aufbau aber wäre es nicht doch besser-, diesen Gästen etwas von ihrem Ueberfluß zu nehmen und es den armen deut schen Arbeiter in Paris zuzuwenden, die froh sind, wenn sie eine alte Raserne oder Fabrik mit Strohsäcken statt der Seine- Brücken als Bleibe haben? Wenn es wahr ist, daß eines der großen Affe aus Deutschland alle'n sieben Millionen über die Grenzen gebracht hat, ein entsprechender Anteil an dieser Summe allein würde genügen, um manche Not zu lindern. Baptiste. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" Baleacier von F. Gale Mein Freund, zum Beispiel, ist Balearier. Das ist weder ein neudeutsches Zuchtergebnis, noch eine neue Rassenforschungstheorie. Es ist eine ganz unheroische Angelegenheit. Wie? Möchten Sie auch werden? Was das ist?- Warten Sie doch ab. Lassen Sie doch erzählen. Also, mein Freund, der Balearier, hat die Statur eines Borers und dazu die Schultern eines Ringkämpfers, ohne eine wattierte Jacke anzuhaben. Wenn bei Göbbels noch Zweifel über seine arischen Stammwälder bestehen, meines Freundes jüdische Abstammung ist über jeden Zweifel walhallahoch erhaben. Er ist Deutscher( nicht Teutscher) und lebt auf Mallorca, das zu den spanischen Balearen- Inseln gehört. Als ihn dørt, im vierten Reich, eines schönen Tages eine schneidige schnittige Stimme anfuhr:„ Sie sind Jude!", war seine Antwort: Nein, Bale- Arier!" Seitdem ist er Balearier. Einfach, nicht wahr? Denn Alemanne ist er nicht mehr, seitdem er per Einschreiben dem Reiche der Richter und Henker( vormals Dichter und Denker) seinen Reisepaß einsandte mit der Bemerkung, daß er einen Staat, der seine Familie mordete, nicht mehr achten und angehören fönne. Er verzichte auf die deutsche Staatszugehörigkeit. Demnächst wird der. Balearier Spanier sein. ― Aber schwenken wir nicht ab. Vor nicht langer Zeit sißt der Balearier mit einem nichtjüdischen Freunde, also einem Arier, vor einem Cafe. Sie sprechen nicht von Geschäften, weil es so triste ist, und nicht vom schlechten Wetter, weil die Sonne immer unheimlich brennt. Nein, sondern der Arier erzählt dem Balearier eine nette Geschichte: ... also tommt Hitler zum Arzt; zu einem„ Spezialarzt", verstanden? Das Ungeheuerliche ist ihm, gerade ihm, passiert. Der Arzt:„ Was, Herr Hitler... Sie... unmöglich... aber doch nicht etwa in...???" Adolf nickt nur stumm und ergeben. die korrekt Der Arzt:„ Ja, aber Exzellenz verzeihen, die Rorreftheit meines Berufes zwingt... äh... zwingt mich. zur Frage..." Adolf winkt gelangweilt ab:„ Natürlich, Frontkamerad..Hm, Riesenbankett, Baroneß Kriemhild von Auenstoß, natürlicher, automatischer Ausgang: Gleichschaltung. Und nun... X Nach zwei Tagen hat der„ Spezialarzt" Kriemhild, Baroneß von Auenstoß herbeizitiert:„ Gnädiges Fräulein... äh, Baroneß, glauben alfo vorher nichts von Ihrer... na, also, jedenfalls, nichts davon gewußt zu haben?"( Er wischt sich den Schweiß von der Stirn.) Sie, empörter wie eine betrogene Verführte:„ Ich! nichts gewußt?!" Der Arzt, zögernd: wagten " Sie wußten, Sie... und da Kriemhildchen, kleinlaut und ärgerlich:„ Wo es doch immer hieß, wenn Hitler kommt, wird alles besser..." Der Balearier lacht dröhnend. Der Arier auch.„ Ein anderer Wiz," sagt der Arier. Weiter fommt er nicht. Ein Wis der Wirklichkeit: Fanfaren. Marschmusit. Standarten mit indischen SwastikaNunen: Indi- Arier! Die Nazis von Palma machen einen Propagandamarsch nach Terreno. Tobernste, verschlossene Gefichter, wie die Hunnen vor der Schlacht mit den Westgoten. Der Arier und der Balearier grinsen. Von dem Wis noch. Natürlich. Aber die Kerls müssen das misverstanden haben. Irgendetwas muß da vorgefallen sein. Jedenfalls: Riesen feilerei! Die Polizei greift sofort ein. Die Riesengestalt das Baleariere fällt am meisten auf. Sie greifen ihn. " Gehören Sie bazu?"" No!!!" grinst der. " Sie sprechen aber Deutsch?"-„ Ja." Ereignisse und Geschichten Leise Anfrage Von Maximilian Schröder Sie haben, meine Herren, ein Schächtverbot erlassen, das jedermanns humanes Hera erfreut. Jedweder Hentersknecht muß jest erblassen; die Tierwelt jubilieret schlachtbereit. Sie haben tiefes Mitgefühl für alle Kreatur, das steht nunmehr gesehlich außer Frage. Gestatten Sie die leise Sorge uur: Wie steht das mit den Menschen heutzutage? Wird man jetzt vorher rasch mit Chloroform begossen, falls man per Zufall auf der Flucht erschossen? Kann man die Kanne Nizinns im Magen nach Gummifnüppelhieben heilsamer ertragen? Gibt es in Schughaft jezt die Möglichkeit, sich an betäuben, wenn man das Pech hat, allzulange bei Verstand zu bleiben? Greift man bei öffentlicher Ehrabschneidung nie daneben? Rann man nachher bewußtloß mit Familie weiterleben? Wie steht es mit den angesengten Sohlen der Margiften? Bei Wotan, meine Herrn, wir sind bekanntlich Chriften. Nun gut, ich sehe ein: Ich habe mich zu deutlich ausgesprochen. Die Juden find an allem schuld. Ja, ich spreche leise. Die werden mit besondrer Schächterlaubnis abgestochen auf eine arisch konsequente Art und Weise. Erst stets betäuben, dann erst schlachten! Die moralische Manier " Dann sagen Sie bitte sofort, daß alle antreten sollen! der Sache ist human; man ist gerührt; man kann es kaum Les! Los! Lassen Sie antreten!" Die indiarischen Nazis glaubten ihren Ohren nicht au trauen. Jeglicher Protest wurde von seiten der Polizet energisch zurückgewiesen. Die spanische Polizei hat keinen Sinn für Indiarier und Balearier. Unter unendlichem Jubel der Bevölkerung brüllt noch faffen. Der Mensch ist schließlich nur ein kompliziertes Tier. Mein Antrag lautet: Schächtverbot für Menschen zu erlassen! der jüdische Standartenführer:" Antreten!"- Und sie treten Lauff zur an.„ Abteilung m- arsch!" Und sie marschieren Polizeiwache. Boran mein Freund, der Standartenführer. Nach kurzem Verhör wurden alle entlassen. Man hat ihnen weder den Schädel eingeschlagen, noch fie in ein Konzentrationslager abgeführt. Und niemand wurde auf der " Flucht" erschossen. Nicht mal zu ihren arischen Heimatgauen wurden sie ausgewiesen. Und mein Freund ist auch nicht mehr Standartenführer. Er denkt als einfacher Balearier nur manchmal an seine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Blick ins Rasseschaufenster Auch das Schwein ist ein Kriterium Zu den aufschlußreichsten Dokumenten der in Deutschland herrschenden Barbarei gehört das„ Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", das treulich den Dreck anpreist, der sozusagen die Literatur des„ dritten Reiches" ist. Man nehme etwa das Heft vom 14. d. M.: Auf der ersten Seite werden in Großformat„ Die astrologischen Kalender für das Jahr 1934" angekündigt, untrennbar verknüpft mit der Weltanschauung des Hakenkreuzes feiert die Astrologie Triumphe. Der Leipziger Naziverlag Rainer Wunderlich bietet nicht weniger als siebzehn astrologische ka lender an; aber diese Volksaufklärung und Propaganda für„ deutsche Wissenschaft" wird von dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda noch übertrumpft. Das Reichsministerium veranstaltet vom September bis November eine Werbung für den rassenhygienischen und rassenkundlichen Gedanken" und hat zu diesem Zweck eine Liste von dreißig Raisebüchern aufgestellt. Siebzehn Clauß: Die nordische Seele. Scheidt: Einführung in die naturwissenschaftliche Fa milienkunde. In dieser Tonart geht das weiter. Nach welchem der dreißig Rassesonderbücher soll der deutsche Mensch zuerst greifen, wo findet er die besten Vorschriften für rationelle Menschenzucht? Da fällt sein Blick auf ein Buch des Reichsministers Darre, und alle Zweifel sind gebannt; daß Buch heißt: Das Schwein als Kriterium für nordische Völker und Semite n." Das ist die neue Bibel des deutschen Volkes, das ist der Blutmythos" in seiner Urgestalt. Das Schwein entscheidet, wer ein Arier ist und wer ein Jud. Die Frage aber, welches Schwein die letzte Instanz ist, wird das Buch öffentlich beantworten. astrologische Kalender und dreißig„ Rassebücher"- wahrlich, Rassensondecfenster der Aufbruch" der deutschen Wissenschaft ist ungeheuer! Die Regierung erwartet" von den Buchhändlern, daß in jeder deutschen Stadt Rassenfonderfenster veranstaltet wer den". Für diese„ Rassenfonderfenster" kommen die Rassensonderwerke folgender Rassensonderlinge in Betracht: Reichsminister Walter Darre: Neuadel aus Blut und Boden. Das Zuchtziel des deutschen Volkes. Professor Hans Günther: Rassenkunde des deutschen Volkes. Der nordische Gedanke. " Bryn: Der nordische Mensch. Worte fallen wie Bein" Czech sieht ihn blond Herr Erich Czech Jochberg schreibt in der Braunschweigischen Landeszeitung" darüber folgendes: Hitler und sein Stab" und nicht:„ Die Führer der NSDAP“.„ Wir Nationalsozialisten sagen:„ Der Führer". Die anderen, mögen sie dem Führer im Amte noch so nahe siehen, sind Mitarbeiter. L'Etat c'est moi: Bestimmend ist sein Wille. Hitlers Wille. Wer in den Pausen eines Empfanges, an einem Bierabend mit Hitler spricht, ist überrascht über seine warme Liebenswürdigkeit. Ueber die Ruhe und Kraft, die beinahe physisch von diesem Manne ausstrahlt. Man wächst in der Nähe dieses Menschen. Wie er uns unsere eigenen Gedanken, die sich zaghaft ballen, aus dem Munde nimmt! Ste blitzschnell formt, wie wir es nicht vermocht! Wie er auf alle Dinge reagiert. Plöglich nimmt das Gespräch eine andere Wendung. Eine dienstliche", Eine atute Frage steht zur Diskussion: Wir Aus einem Verlagsinserat im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel":" Alle Behörden und Büchereien, Beamte und Erzieher, Aerate und Geistlichen müssen sich eingehend mit der Rassenfrage beschäftigen. Die Regierung erwartet, daß in jeder deutschen Stadt Rassensonderfenster veranstaltet werden. Material für Rassensonder fenster. Wir liefern je nach Wunsch entweder: Ausgabe A ( großes Fenster): Etwa 40 Werke. Ausgabe B( fleines Fenster): Etwa 25 Werke." sehen einen ganz anderen Hitler. Wir sehen aber auch einen ganz anderen Göring, Göbbels, Heß, Frick. Eisernwerden die Süge und die Wortefallen wie Bein. Kein Deuteln. Nur deuten. Kein Herumdrehen: Schläge. Es gibt in Dingen der Bewegung, in Dingen Deutschlands fein Taften, nur ein Zupaden. Der flaffische Ernst, mit dem Hitler und seine um den Führer gescharten Mitarbeiter ihre Sendung nehmen, hat in der Geschichte dieser Welt nur wenige Parallelen. Man muß sie in den Männern des erwachenden m suchen die ein Weltreich schufen, in Scävola, Cäsar. Oder in dem Sendungs- Glauben jenes blonden Mannes aus Nazareth, der schon durch zwei Jahrtausende schreitet... Das Unglück will es, daß Hitler mit dem„ blonden jungen Mann aus Nazareth" nur geringe äußerliche Aehnlichkeit besitzt. Aber pielleicht guckt Herr Czech seinem Heros einmal unter die Achselhöhle. Dort ist er nämlich, nach dem Zeugnis seines Pressechefs Hanfstängt, germanisch- blond. Aus Wiesbaden kommt die Nachricht, daß Josef von Lauff im Alter von 78 Jahren auf seinem Sommerfis in Cochem a. d. Mosel gestorben ist. Lauff? Man muß etwas lange seine Erinnerungsfähigkeit mobilisieren, um bei diesem Namen bestimmte Vorstellungen zu haben. Der ehemalige Friedensmajor war Wilhelms Lieblingsdichter, dessen Romane und dessen robust geblumte Dramen das Entzücken der schon in den neuna ger Jahren Unzeitgemäßen erregte. Lauff war in seiner Weise ein ehrlicher Mann, der nicht mehr gab als er besaß: eine bestimmte Begabung zur derben Charakterzeichnung und volkstümlicher Landschaftsdarstellung. Wilhelm adelte ihn, als er auch Hohenzollerndramen schrieb. Bulest lebte er still und vergessen meist in Wiesbaden. Das Braunhaus Der Reichssendeleiter Hadamowity formulierte in seiner Nede über die Korruption im Rundfunk den Satz:„ Rundfunt ist keine Beute für Großverdiener, sondern der Rundfunk ist das Heiligtum des Volkes. Das Funkhaus foll das Braunhaus des deutschen Voltes sein." Dieses Braunhaus des deutschen Geistes sieht folgendermaßen aus: An einem einzigen Tage wurden gesendet: Der wadere Handwerksmann, zeitgenössische Texte und Musiken um Friedrich, Jugend vor dem Staat: geharnischte Ethik, Stunde der Nation: schlesische Komponisten, Wilhelm Fanderl: Der neue Alltag, W. Scharrelmann: Worpsweder Märchen, Friedrich der Große als vaterländischer Dichter, Rede des Reichssendeleiters Hadamowsky, die deutsche Sparerbewegung als Motor für Freiheit und Aufstieg, Fridericus", Sonette von Gös Otto Stoffregen, Kernspruch, Göz Otto Stoffregen„ Die Woche des Rundfunks"," Lächelndes Rokoko", Hörfolge von Edith Braun. Das alles strahlt vom geduldigen Berliner Sender aus., dem Heiligtum des deutschen Volkes". Fritzchen schreibt nach Basel Die Basler„ Nationalzeitung" hat eine anonyme Karte folgenden Inhalts aus Berlin erhalten: „ Sehr geehrter Herr! Ich habe Ihre Ansichten vom Montag in„ Verwirrungen über Verwirrungen" gelesen und kann Ihnen nur zur Mäßigung aufrichtig raten. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr schon weder Sudetendeutsche, noch Tiroler Deutsche in Bozen, noch Schweizerdeutsche in Basel, sondern nur noch Deutsche schlechthin. Und dann könnte Ihnen Konzentrationslager oder noch Schöneres blühen. Vielleicht gibt es dann überhaupt keine Schweizer mehr, abgesehen von den Stallschweizern und dem Schweizer Käse. Und die Tessiner sind dann gute Italiener, was fie schon heute de fatto find. Also etwas mehr Vorsicht und Voraussicht, lieber Freund, wenn es nicht zu guter Lezt das liebe Köpfchen kosten soll. Ich komme vielleicht im September einmal persönlich hin, vorausgefeßt, daß nicht inzwischen die Tausendmarkabgabe für Reisen nach der Schweiz angeordnet ist. Bis dahin seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem alten Kollegen Friz." Die Redaktion der Basler Nationalzeitung" bemerkt dazu: „ Wir sind auf alles gefaßt, sogar auf Frißchens Besuch im September und werden uns bemühen ihm klarzumachen, daß das Zusammengehörigkeitsgefühl der„ Deutschstäm= migen", die heute noch außerhalb des„ dritten Reiches" stehen, durch Drohungen und Gewaltmaßnahmen weder geschaffen noch da, wo es schon vorhanden ist, gestärkt werden tann." DAS BUNTE BLATT SOS... Diese Geschichte hat mir ein Kapitän erzählt, ein Holländer, als wir zwischen der kleinasiatischen Küste und der Insel Tenedos fuhren, dort, wo neben dem Hafeneingang das Wrack des großen gelben Dampfers zwischen den Klippen liegt. Er hat mich verpflichtet, seinen Namen ebensowenig zu nennen wie den der Insel, auf der sich dies abgespielt hat warum, wird man bald begreifen. " Ich stamme von einer der kleinen Inseln," sagte er,„ die vor der friesischen Küste liegen. Da sind ein paar Dünen, mit blauen Disteln bewachsen, und dazwischen das Dorf, und draußen Sand, Sand, Wasser, und weiter die Bänke, die bei Ebbe eben noch zwei, drei, vier Faden unter dem Meer liegen. Mein Vater, Rapitän, verunglückte unten an der Westküste, als ich vier Jahre alt war; meine Brüder waren damals sieben und acht. Wie meine Mutter uns durchbrachte, weiß ich nicht. Aber arm waren wir ja schließ= lich alle, die fünfhundertfünfzig oder sechshundert Menschen, die auf der Insel lebten, und das wurde nicht besser, als die Deutschen von Borkum herüberkamen und das Hotel und die Strandvillen bauten; die Sturmflut im nächsten Herbst nahm die Häuser mit in die See, und die Fremden tamen nicht wieder. So lag man wieder im Sand oder fuhr mit dem Schleppnetz oder sammelte Möweneier, bis dann der Herbst und der lange Winter kamen und man hinterm Ofen blieb. Bleibt immerhin noch ein Erwerbszweig, von dem ich reden muß. Sie wissen, daß dort draußen, hart an den Inseln vorüber, der Schiffahrtsweg nach der Elbemündung geht. Die Strömung steht scharf nach Osten, gegen die Inseln zu. Wir Holländer kennen das und richten uns ein, und auch die Deutschen halten da von der Küste ab, was sie können. Aber die Fremden, Franzosen, Engländer, Italiener, und vor allem die Amerikaner, die nach Hamburg hinauf wollen, nissen die Trift nicht abzuschäßen und geraten leicht in die Bänke. Solch ein Schiff rammt sich fest, kommt nicht los, versackt im Sand, die Flut wirft es weiter landwärts vor und oft auf die Seite, die Luken bersten, die Fracht treibt aus und verschwimmt. Auf dreihundert Seemeilen sind dort TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE das gekenterte Boot. Wir sind unser neun, keiner fehlt. Wir lachen. Wir treiben also, ans Boot geflammert, zwischen der mittleren und inneren Bank und lachen. Wir lachten nicht lange. Wurden wir von einer Welle gehoben, da sahen wir, daß am Ufer Menschen durcheinanderVon Robert Neumann Neumann liesen und nach uns deuteten. Man versuchte dort, ein Boot Brüllen wir alle. Brüllen sie wieder. Reißt einer von uns ein Lot von der Schnur und wirft, daß es denen drüben über den Kopf saust. Dann fallen wir ab und rudern zehn, zwanzig Schlag Ostsüdost. Schreit einer:„ Wieder den Umweg? Ich will nicht. Der Wind steht auf Land. Wir sehen Segel und fahren über die Bänke weg!"" Nein," schreit einer. " Ja," schreien wir andern.„ Halt!" schreit der Aelteste. Aber wir sind von Sinnen vor Schmerz und Erbitterung, und da klettern ihrer drei, vier auch schon vor und Hissen das Segel. Einen Augenblick später haben wir volle Fahrt, tolle Fahrt gegen Land. Der Wind im Segel preßt den Bug so tief ein, daß er kaum ein paar Zentimeter über das Wasser ragt. Aber die Wellen kommen nicht herein. Sie heben uns, legen sich neben uns wie fromme Tiere: wir sind schneller als sie. Rasen, fliegen auf die äußere Bank zu, die so nieder unter dem Wasser liegt, daß die Wellen darüber mit Gedonner sich überschlagen. Sind schon mitten im grünen Schaum. Werden hochgehoben. Schweben in der Luft. Und landen drüben unversehrt im tieferen Wasser. Wir heulen Triumph, Gelächter. Haben schon wieder volle Fahrt auf die Brandungslinie der mittleren Bank zu. Klammern uns an Bord und Bänke, ducken uns in Erwartung des neuen Fluges und lachen. In dem Augenblick schaute ich auf und sah unseren Aeltesten. Er bückte sich völlig weißen Gesichtes, riß den Heckkasten auf und schmiß uns Korfgürtel zu. Von da an wußte ich, was bevorstand. Wir schossen in die Brandungslinie, wurden gehoben, gerüttelt. Flogen. Drehten uns. Es ist grün um mich, ich fühle Kälte und schwimme. Stoße mit meinem Kopf an Holz, da ich hoch will. Tauche fort. Und finde mich, aufgekommen, schwimmend mit den andern um Was es alles gibt die Inselbänke gespickt mit Wracks, mit Masten und ver: 3mmer noch neue Kriegsblinde rosteten Schloten, die aus dem niederen Wasser ragen, bis fie eines Tages verschwunden sind. Nun ist es fein übles Geschäft, diesen Schiffen beizustehen, wenn sie auf Sand laufen, und die Mannschaft zu bergen. Und ein noch besseres Geschäft, um die Wahrheit zu sagen, ist es, wenn man wartet, bis die Mannschaft sich in ihren eigenen Booten gerettet hat. Kommt man dann mit dem Hilfskutter an das verlassene Schiff, so findet sich da auf Deck und im Laderaum mancherlei. Drei Viertel vergräbt man am Strand, ein Viertel liefert man an das Bürgermeisteramt und bekommt seinen Bergelohn. Kein Wunder, daß jeder auf der Insel, der Arme hatte und Rudern fonnte, in die Bergungskompanie aufgenom men sein wollte. Aber die hatte damals zwanzig Mitglieder und wußte, was sie tat, wenn sie feine weiteren aufnahm. Da tam uns, ich war damals dreizehn, der Einfall, eine eigene Bergegesellschaft zu gründen. Die Sache sprach sich herum, wir hatten ein paar starke Familien hinter uns, wir bekamen fast schon mehr Zulauf, als uns erwünscht war, und nach einem großen Kampf im Gemeinderat hatte unsere Insel zwei Bergungskompanien, die abwechselnd ausfahren sollten. Das war damals, als die" Evelyn" auf Sand ging, zwischen unserer und der Nachbarinsel.„ Evelyn" Sie nerden sich nicht erinnern. Elftausend Tonnen, von Neuyork nach Hamburg mit Cornedbeef und allem möglichen an Bord. Die andere Kompanie war an der Reihe und brachte bei Fünfzehn Jahre nach Beendigung des Weltkrieges gibt es immer noch Fälle von Erblindung, die als Folge von Krankheiten und Verwundungen eintritt, die Soldaten sich im Felde zugezogen haben. Beim Abschluß der Feindseligkeiten waren 1500 Soldaten der britischen Armee erblindet. Seither haben 500 weitere frühere Frontkämpfer an den Folgen von Schrapnellschüssen, Gasvergiftungen oder sonstigen Verlegungen ihr Augenlicht eingebüßt. Dies ereignete sich in mehreren Fällen nach Jahren bei Leuten, die sich für endgültig geheilt hielten, und als erst kürzlich wieder ein früherer Soldat, der in Aegypten gedient hatte und 1918 scheinbar gesund entlassen worden war, plötzlich erblindete, weigerte sich anfangs das Ministerium für Pensionen, dem Blinden die Pension zu bezahlen, die sonst Kriegsblinden zukommt, indem es geltend machte, daß der Fall mit dem Krieg in feinerlei Zusammenhang stehe. Erst nachdem ärztliche Gutachten kompetenter Autoritäten diesen Zusammen hang in einwandfreier Weise nachgewiesen hatten, gaben die Behörden nach. Im gleichen Zeitabschnitt, in welchem das englische Blindenheim St. Dunstans 31 Kriegsblinde sterben sah, find 33 neue Fälle von Blindheit in die Anstalt eingetreten. Es ist mit diesen Folgen des Krieges wie mit allen andern, sie wirken sich noch immer ungeschwächt aus, was viele betörte Menschen nicht hindert, an einen neuen Krieg zu denken. Morgengrauen den ganzen Stutter voll Ballen, Kisten, Fäs- Wie man Slatin fand fer die Schiffsmannschaft war drüben an Land gegangen. Später fand eine polizeiliche Untersuchung statt, es wurden alle Häuser durchstöbert. Man fand nichts. Es stat alles im Sand. Es war also etwa eine Woche nach der Strandung der " Evelyn", und Sie können sich vorstellen, wie uns andern der Neid und Aerger im Blut saß. Da avisiert der Leuchtturm halb drei Uhr nachmittags Schiff in Not, wir rennen hinaus an den Strand und machen den Kutter klar. Die See focht, der Wind heult mit Stärke acht oder neun von Südwest, die Wellen werfen sich draußen wie toll an die Bank und dahinter, kaum eine Meile vom Ufer ab, tanzt, schwanft, taumelt ein Dreimastschoner, die Segel eingeholt, und rührt sich nicht von der Stelle, offenbar fest= gefahren auf der äußeren Untiefe. Am Topmast die dret Flaggen Signal SOS. Wir machen also den Kutter klar, setzen uns acht Mann an die Riemen, einer ans Steuer, kommen verhältnismäßig leicht ab und fahren die Rinne zwischen Ufer und Bank gegen Südwesten, bis an die Inselspizze, wo es ins offene Wasser geht. Hier nehmen wir kurs Westnordwest, den Bug auf die Dünung, und bekommen fünf Sefunden später die erste Sturzwelle ins Boot. Ich will es Ihnen nicht im einzelnen schildern. Wir ruderten, daß uns das Blut aus den Fingern sprang. Wir ruderten, daß das nackte Fleisch der Hand an den Griffen flebte. Wir ruderten zwei Stunden und eine halbe, bis wir In Ostsibirien, unweit des Urals, ist nach Meldungen aus Moskau ein Platinlager von großer Ausgiebigkeit entdeckt worden. Vor zwei Jahren stieß dort ein Bauer bei der Bestellung seines Feldes auf eine Metallader, der er aber keine besondere Aufmerksamkeit schenkte, weil in der betref= fenden Gegend ähnliche Funde öfters gemacht werden. Er beschränkte sich darauf, ein Stück des gefundenen Minerals mit sich zu nehmen und in seiner Wohnung aufzubewahren. Einige Zeit darauf war der Bauer infolge einer Mißernte nicht imstande, seine Steuern zu bezahlen und sollte gcpfändet werden. Als der Beamte in der Wohnung nach cinem pfändbaren Gegenstand Umschau hielt, fiel sein Blick auf das Mineral.„ Aber das ist ja Silber!" rief er, worauf ihm der Bauer erzählte, wie er zu dem Gestein gekommen war. Der Beamte erstattete seinen Vorgesetzten Bericht. Als aber das Fundstück nach Moskau zur Prüfung gesandt wurde, stellte es sich heraus, daß es sich dabei nicht um Silber, sondern um das kostbarste Edelmetall handelte, das es gibt, nämlich um Platin. Sofort wurde der Acker des Bauern von nicht weniger als fünfhundert Agenten der G. P. U. besetzt, eine Vorsichtsmaßnahme, die angesichts der in der dortigen Gegend herumziehenden Nomadenstämme angebracht erscheint. Bereits soll Platin im Wert von mehreren Millionen Rubel nach Moskau geschafft worden sein. in einem Bogen rund um die Bänke den Dreimastschoner Begegnung mit den Notflaggen erreichten. Wir gehen von Lee an ihn an- dort droben stehen seelenruhig zwei Matrosen und der Patron an der Reling und schauen uns zu. Einer hebt das Sprachrohr und ruft uns an:„ Was wollt ihr?" Wir schreien:„ Seehilfe!" Es kommt wieder:" Für wen?" Wir: " Ihr habt Notflaggen gesetzt!" Die schauen einander an, schauen zu ihrem Topmast hinauf. Dann ruft ihr Patron: „ Der Schiffsjunge hat sich geirrt. Hat die Flaggen verkehrt gezogen. Wir haben Anker geflaggt. Wir liegen vor Anker. Ist alles in Ordnung bei uns. Gut Fahrt!" Wir liegen da, unser Boot tanzt, wir schauen auf unsere blutigen Hände und zittern vor Wut. Unser Aeltester schreit: Deine Schuld! Sahl Hilfsgeld!" Der drüben will nicht. So viele schöne Pfirsiche find, In die niemand beißt. Die Gier tann auch ein verschämtes Kind Sein. Was du nicht weißt. Ohne Lüge kann ich mancherlei Dir sagen, flänge dir wie Gold. Doch zeigte ich mein Wahrstes ganz frei, Wärest du mir nicht mehr hold. Mädchen, versäume dich nicht Und hüte dich vor List! Ich aber träume dich, Wie du gar nicht bist. ht. Joachim Ringelnag. flottzumachen und uns Hilfe zu bringen. Es ging nicht. Der Wind war damals aus Stärke zehn und die Wellen wühlten die Dünen ab. Dazu kam, daß dort zwischen den Bänken die große Strömung war. Wir wurden fortgezogen, seitlich an der Küste vorüber, mit unheimlicher Schnelligkeit. Als wir etwa zwei Stunden trieben- die Sonne stand schon westlich nahe der Kimmung, griff unser Aeltester in die Luft. Er befam noch einmal den Bootsrand zu fassen, lag neben mir im Wasser noch eine Viertelstunde lang. Dann verlor er noch einmal den Halt, erreichte, schon fortgespült, eben noch meinen Fuß und zog sich an meinem Leib zum Boot hin. Er hielt sich noch fünf Minuten. Dann atmete er- ich weiß nicht, ob Sie das kennen, wie das ist, wenn einer Wasser einatmet? Es ist, als schluchzte eins. Er schluchzt, krallt die Fäuste in die Luft und ist verschwunden. Einer wollte ihm helfen van der Zee hieß er. Er war der einzige, der die Schwimmweste angelegt hatte. Eine Welle schlug ihn fort. Er lachte und winkte. Wir haben ihn nicht wiedergesehen. Man fand ihn achtundzwanzig Stunden später an der friesischen Küste. Der Strom hatte ihn hundertdreißig Meilen verschleppt. Der Arzt sagte dort, er sei erst zwei Stunden tot. So hat er noch sechsundzwanzig Stunden gelebt. Was uns andere anlangt, so barg uns ein Schlepper, der vach Osmahorn hineinging, eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Ich lag frank. Ging dann auf ein Segelschiff für zwei Jahre. Als ich wieder auf unsere Insel kam, war die neue Bergungskompanie aufgelöst. Nur die andern fuhren. Wenn man dort den Sand aufgräbt, findet man heute noch Kisten mit Fett und Zucker. Und Wein in Fässern, mehr als man trinken kann. Kadi Jo- Jo Machi 30-30- Loopooroo Aus den USA. ist eine neue Seuche der Kindischkeit nach den Gestaden Europas unterwegs. Sie stammt aus Teras und rührt nicht nur an unsere spielerischen Instinkte, sondern zugleich an unsere seligen Karl- May- Erinnerungen, nennt sich geheimnisvoll- phonetisch„ Loopooroo"( sprich Lupuruh!) und ist nichts anderes als ein fofettes Spiel mit einem kleinen harmlosen Lasso. Wer hätte noch nicht im Film die kunstvollen Figuren gesehen, die von den fühnen Cowboys mit diesen einfachen Schlingen in der Luft ausgeführt werden? Ihnen gleichzutun, ist jetzt der Ehrgeiz eines jeden Amerikaners, sei er Männlein oder Weiblein, Greis oder Schuljunge, Würdenträger oder Tramp. Und so, sieht man denn auf der Straße, im Salon, im Restaurant und wenn der Boß gerade nicht da ist oder selber Loopooroo übt im Büro lauter Menschen, die hilflos in einer Schlinge verwickelt sind, Teller und Hüte herunterwerfen, sich gegenseitig beschimpfend oder besserwissend belehren furz: Loopooroo! Wiener Geschichten Nur die kleinen Geschäfte find ehrlich Der Wiener Maler Schödl- um die Jahrhundertwende dort sehr bekannt galt als Original. Ein paar seiner Aussprüche sind in Wien fast sprichwörtlich geworden. ,, Wirklich ehrlich sind doch nur die kleinen Geschäfte! Gestern hab ich mir ein bisserl was eingekauft: Delikatessen am Graben, Brot beim Peter, Zigarren in der„ Spezialitäten" lauter erstklassige Geschäfte. Wie ich wieder z'haus bin, merk ich, daß ich meinen Regenschirm nimmer hab'! Ich geh also in die Delikatessenhandlung, zum Peter, in die Spezialitäten teiner hat von was wissen wollen! Da is mir eing'fallen, daß ich mir beim Greisler ein Bier mitgenommen hab'. ganz a kleiner Greisler bei mir ums Ed. Und der hat mir meinen Schirm glei' geben! Ich sags ja nur die kleinen Geschäfte sind ehrlich." Beerdigung Kurz nacheinander muß Schödl bei Beerdigungen guter Bekannter teilnehmen und bemerkt erschüttert zu einem Freunde: " Ich weiß net, jet sterben in Wien Leut', die was früher gar net g'storben sind." Die Witwe Schödl hat einen guten Bekannten, dessen Frau seit Jahren schwer leidend ist. Dieser gesunde, kräftige Mann stirbt plötzlich am Herzschlag. Im Trauerhause erkundigt sich Schödl leise nach der Witwe. Die war den Aufregungen nicht gewachsen und mußte in ein Sanatorium gebracht werden," wird ihm bedeutet. Schödl nickt verständnisvoll mit dem Kopfe:„ Ich hab immer gesagt, die Frau ist viel kränker als der Mann." Chauffeure Die Chauffeure sind überall ein besonderes Rapitel.. Aber in Wien Vor einigen Tagen fuhr ich in Wien zum Bahnhof. Angekommen, gab ich dem Chauffeur eine Zehnschillingnote und fragte:„ Sie bekommen?" Keine Antwort. Er nahm den Schein und kramte in seiner Tasche. ,, Sie bekommen?" versuchte ich es nochmals. Wieder keine Antwort. ,, Sagen Sie," versuchte ich zum dritten Male,„ ich möchte gern wissen, was Sie für eine Fahrt bekommen?" Des werdens schon sehen, wenn i Eahnen rausgib." Konzentrationslager Dürrgoy Das Blut erstarrt... Eine Marterhölle Vor kurzem wurde ein Gefangener aus dem Konzentrationslager in Dürrgon bei Breslau entlassen. Er faß zwei Monate in diesem neben Dachau bei München ersten Konzentrationslager Deutschlands, das der Mörder Heines bereits im März eingeweiht hat. Unser Gewährsmann ist einer der ganz wenigen, die lebend dieser Marterhölle entkommen sind. Noch heute trägt er an seinem Körper schwere Wunden, die Folgen der Folgen der unaufhörlichen Mißhandlungen. Er ist ein langjähriger Kämp fer in den Reihen der sozialistischen Bewegung. Wir müssen seinen Namen mit Rücksicht auf seine Angehörigen in Deutschland verschweigen und bestimmte Details der Mitteilungen fortlassen, um seine Jdentität nicht zu verraten. Wir verbürgen uns für die hundertprozentige Wahrheit seines Berichtes, der auch noch von anderen Zeugen bestätigt wurde und dessen Protokoll wir hier wiedergeben: In den ersten Apriltagen wurde ich morgens gegen 5.30 Ihr von zwei jugendlichen SA.- Leuten mit Püffen und Schlägen aus dem Bett und ans meiner Wohnung geholt, erst aufs Polizeikommissariat gebracht und dann in das Breslaner Konzentrationslager Dürrgon eingeliefert. Der erste, dem ich im Lager vorgeführt wurde, war der Komman: dant von Dürrgon, Standartenführer Rohde. Sein Gesicht erinnert an einen Zuchthäusler. Jeder Gefangene wird mit Du" angeredet und als roter Hund"," Judenknecht", Marristenschwein"," dredige Lerge"( gemeines Breslauer Schimpfwort) von ihm tituliert. Mit Rohde führen etwa fünfzehn Gruppenführer den Oberbefehl, denen wiederum hundertfünfzig SA.- Leute unterstehen. Mit Stahlhel= men, Karabinern, Revolvern, Gummiknüp= peln bewaffnet, bewachen diese ausgesuchten Lente die Gefangenen. Zum Teil sind es Breslauer Bürgerföhne, verkrachte Existenzen, verkommene Elemente, die mich und andere Gefangene persönlich kennen, zum an= deren Teil find es Bauernföhne aus der Umgebung Breas lans. Wie ein Tag verläuft Der Tag im Konzentrationslager verläuft so strapaziös und aufreibend, daß es nur die stärksten Naturen aushal= ten können. Ich bin ein Sportsmann, habe regelmäßig trai niert und auch vier Jahre Felddienst hinter mir. Trotzdem mußte ich die Zähne zusammenbeißen, um nicht zusammens zubrechen. Vier Uhr morgens begann es mit Wecken, Waschen und Ankleiden. Bier Uhr dreißig Antreten auf dem Lager: play. Dann eineinhalb Stunden Fußdienst" in Reihen mar= schieren, auf und niederlegen, minutenlang Kniebeuge machen, dann wieder laufen und sonstige Uebungen. Das alles mit leerem Magen. Die älteren Lagerinsassen zittern und stöhnen, aber es hilft nichts, hinter den Angetretenen stehen SA.- Leute und tres ten fedem, der schlapp macht" in die Kniekeh: Ien. Gegen fieben Uhr Frühstücken. Eine talte Zichorien: brühe und eine harte Kante trockenes Brot. Dann bis zum Mittag vier Stunden Arbeitsdienst". Die eine Abteilung baute im Lager Baraden, planierte den Boden, legte eine Wasserleitung, die andere zog ins Gelände zwischen Ohle und Oder zum Entsumpfen und Roden. Der Weg dorthin geht durch die Vorortstraßen, in denen häufig nationalsozia: listische Pasanten standen, die die Kolonne beschimpften und anspudten. Zum Gaudium des nationalsoziali: stischen Straßenpöbels wurden fleinere Gruppen auch mit Straßenfegen und mit Abkraßen der kommunistis schen und sozialdemokratischen Inschriften an den Häusern beschäftigt. Um zwölf Uhr Mittag. Meist gibt es magere Suppen, nur zwei Mal in der Woche sind Fleischtage, so daß die meisten Gefangenen ein dauerndes starkes Hungergefühl nicht loswerden. Von ein Uhr dreißig bis fünf Uhr Sport. Unter dem Kommando der SA.- Fügrer, scharf kontrolliert von jugendlichen SA.- Leuten wird geturnt und militärisch exerziert. Vor allem Marsch- und Laufübungen. Kolbenstöße und Fußtritte fallen regelmäßig zu Dußenden. Von fünf bis sechs Uhr dreißig ist dann die„ Stunde der Nation". Der Mittelschullehrer Hansel unterrichtet im braunen Hemd. Alle Lebensdaten Hitlers, alle Verbrechen der„ roten Bonzen" und selbstverständlich alle nationalsozialistischen Lieder müssen gelernt und auf Aufforderung laut vorgetragen wer= den. Von den Strapazen des Tages nickt mancher der älteren Gefangenen ein, bis ihn eine Ohrfeige der wachthaben= den SA.- Leute aufweckt. Dann noch das magere Abendbrot, eine Puzz- und Flickstunde und um acht Uhr dreißig kann man endlich totmüde schlafen gehen. Aber auch jezt hat man innerlich noch keine Ruhe. Wir zitterten jeden Abend bei dem Gedanken: Wer wird diesmal drankommen? Wer wird heute Nacht herausgeholt werden? Nächtliche Prügelhölle Denn sobald es dunkel geworden ist, werden regelmäßig etwa ein Dugend Gefangene aus dem Bett geholt. In fünf Minuten müssen sie angezogen sein und dann werden sie ins gebracht. Es handelte sich bei mir darum, daß ich über Ver= " Braune Haus" auf der Neudorfstraße zur Bernehmung" gänge, die bereits in einem Prozeß Monate vorher behan= delt worden waren, eine neue, mich belastende Aussage machen sollte. In der ersten Etage des Braunen Hauses wurde ich dem Standartenführer Rohde vorgeführt. Rohde erklärte:„ Hier ist ein Geständnis von Dir schriftlich niedergelegt. Es steht darin, daß Du auf X. geschoffen haft. Willst Du das unterschreiben?" Ich antwortete ihm: Ich kann nicht unterschreiben, es ist nicht wahr, daß ich geschossen habe. Das hat auch das Gericht fest: gestellt." Rohde erklärte höhnisch grinsend:" Ich gebe Dir zehn wannten Zeit zum Ueberlegen". Zu der SA.- Wache sagte er dann:„ Der Bursche triegt 40 Hiebe!". Nun wurde ich in den Keller transportiert. Soweit ich sehen konnte, sind vier bis fünf Kellerräume als„ Geständniszellen" eingerich tet. Der Raum ist völlig leer. In der Mitte steht lediglich ein schwerer Holztisch, an dem Riemen angebracht sind. Ich mußte mich ganz nackt ausziehen und wurde auf den Tisch geschnallt. Ein riesiger SA.- Mann mit einem brutalen Ge= ficht schlug auf mich ein. Nach jedem Schlag mußte ich selber zählen. Beim fünfzehnten Schlag wurde die erste kurze Pause ge macht: Wieviel Schläge haft Du bekommen?" Ich stöhnte nur noch:" Fünfzehn!" Dann weiter alle fünf Schläge eine Minute lang Unterbrechung. Die Haut war völlig aufgerissen und ich blutete fürchterlich. Im ganzen bin ich drei Mal auf diese Art von Rohde„ vernommen" worden, aber unterschrie ben habe ich nicht. Das erste Mal bekam ich vierzig, das zweite Mal dreißig, das dritte Mal fünfundvierzig Schläge audiktiert. Einmal waren mehrere SA.- Leute anwesend und schlugen zu gleicher 3eit auf mich ein, so daß ich die dreifache Anzahl der Schläge erhielt. Ernst Ecksteins Tod Das erschütterndste was ich erlebte, war der Fall Ernst Edstein. Ich fannte Edstein gut, denn er war seit langen Jahren Sozialdemokrat und später Führer der SAP. Als Rechtsanwalt hatte er sich den glühenden Haß der Nazis an gezogen. Ich erinnere mich aus besonderen Gründen ganz genan, daß sie am 28. Februar in sein Schlafzimmer eine Bombe warfen. Alle rieten ihm damals schon zur Flucht, aber der tapfere und menschlich außerordentlich faubere Eckstein antwortete: Ich verlasse die Breslauer Arbei: ter nicht!" Er kam schon im März ins Lager. Es tat mir in der Seele weh, wenn ich ihn, einen schlanken, schmalbrü stigen Mann, die schwersten Arbeiten verrichten sah. Man peinigte ihn ganz besonders. Er mußte schwere Steine tats ren und wurde, wenn wir anderen Ruhe hatten, zum Reinis gen der Latrinen kommandiert. Während er in deren Inhalt herum wühlen mußte, wurde er Besuchern des Lagers ges zeigt. Eines Nachts vernahm ich ein fürchterliches Geschrei, man flüsterte mir später zu, Eckstein sei geschlagen worden und im Hemd durchs Lager geflüchtet. Vielleicht war das der Anlaß, daß man ihn von Breslau fortnahm, um kein Aufsehen zu erregen. Man brachte ihn nach Dels, wo in der Nähe des kronprinzlichen Schlosses geradezu ein Folterlager besteht. Ein Lagerkamerad, der dort mit ihm zusammen war, erzählte mir später davon. Man hat Eckstein stundens lang geprügelt und ihm dabei die Lungen und Nieren zers schlagen. Der Kamerad sagte mir gleich, Eckstein, der die ganze Nacht gewimmert habe, sei ihm am Schluß ganz sons derbar vorgekommen. Anscheinend sei er im Kopfe nicht mehr ganz in Ordnung. Etwa fünf Tage später wurde Eckstein plöglich entlassen". Man brachte ihn seiner unglücklichen Mutter, die sofort erkannte, daß jede Hoffnung ver= geblich war. Sie ließ ihn in die Irrenanstalt an der Einbaumstraße überführen, dørt ist er dann bald gestorben. Menschenwürde mit Füßen getreten Editeins Schicksal wird wohl auch der Parteisekretär& a rl Ma che teilen, der lange Reichstagsabgeordneter und von 1929 bis 1988 zweiter Bürgermeister von Breslau war. Madhe fizzt mit seinem Sohn im Lager und ist das Ziel ganz besonderer Mishandlungen und Gehässigkeiten.( Es ist ders selve Mache, den der Bandit seines neulich einem amerikas nischen Journalisten verführte, der in der Weltpresse darüber berichtete). Mache wurde vorwiegend bei Außenarbeiten bes schäftigt, damit man ihn in den Straßen wiedererkenne und beschimpfte. Als eines Tages ein Parteifreund von ihm, der Reichsbannerführer Alexander, ein großer schwerer Mann, beim Zug durch die Straßen ohnmächtig zusammen: brach, schleppte ihn der kleine Mache unter Aufbietung seiner letzten Kräfte ins Lager. Am ersten Mai, am Tag der Ar beit", wurde Mache " als besondere Trophäe durch Breslau ges führt. Man hatte ihm eine blane Jade angezogen, die viel zu eng war und vorne mit gelben Bindfäden zusammengezogen wurde, um den Eindruck des fetten Bonzen" zu erwecken. So mußte er als Flügelmann im Zuge mitmarschieren und ein Schild„ Bürgermeister Mache" tragen. Man hat mir nachträglich erzählt, Ma che sei bereits zur Unters fuchung seines Geistes zustandes in der Eins baumstraße. Man hat ihn also schon soweit wie Edstein. Ich war auch noch im Lager an dem Tage, an dem der Oberpräsident Lüdemann eingeliefert wurde. Er kam in fürchterlich deprimierten Zustande. Sein Anzug war über und über bespuckt. Aber ich muß sagen, er bewahrte Haltung. Er mußte vor seines strammstehen, der wie immer mit seis ner Nilpferdpeitsche herumfuchtelte und uns zurief:„ Da seht Euch Euern Bonzen an!" Lüdemann wurden gleich Haare und Bart abgeschoren. Auf den Hosenboden mußte er sich aus hellem Stoff die drei Pfeile, das Kampfzeichen der Sozialdemokratie, nähen. Wenn Besucher ins Lager tamen, mußte Lüdemann seinen Hosens boden vorzeigen. So werden achthundert bis tanfend Mann noch schlimmer als Berbrecher behandelt. Eine schamlosere serabwürdigung des Menschen, wie sie im Bress Tauer Lager üblich ist, kann man sich nicht vorstellen. Dabei find es meist ältere, verdiente Leute, die so gequält werden. Ich denke da neben Lüdemann an den ehemaligen Obers präsidenten hillipp, an den Polizeipräsidenten a. D. Vogt, den hupomaior antheleit, den Pfarrer Mö h ring, die Direktoren Kirchhoff und Gent, den Jours nalisten 3 immer und all die hunderte Arbeiter, Parteifunktionäre und jüdischen Kaufleute. Wie es zu meiner Entlassung fam, darüber kann ich aus bestimmten Gründen nichts berichten. Sie ist vor einigen Wochen erfolgt. Mein Körper ist noch jezt von Narben und Wunden bedeckt. Die Schienbeine sind schwarz bis zum Knie und die tiefen Eindrücke der eisernen Abfäge sind noch zu sehen. Ich kann immer noch nicht feit auftreten und gerade gehen. Meine Nerven haben fürchters lich gelitten. In diesen heißen Tagen zittere ich an allen Gliedern. Nachts wache ich häufig unter einem Alpdruck auf. Qual ciner Familic Ein Fall unter vielen Man schreibt uns aus Mannheim: Wie heute in Deutschland ganze Familien als Geiseln terrorisiert werden, das soll Ihnen ein einfacher Tatsachenbericht belegen. Ausdrücklich sei vorausgeschickt, daß nichts hinzugefügt ist und mit Absicht keinerlei Kommentar beigegeben wurde. Die Familie, um die es sich handelt, ist eine alte Beamtenfamilie streng katholischer Tradition, deren drei Söhne den ganzen Krieg an der Front mitgemacht haben und jeder einzelne ein-, zwei- und viermal verwundet war. Einer der Brüder, der politisch tätig war, konnte ins Ausland entkommen, wo er einmal zur Feststellung der Wahrheit über einen Vorgang mit Nazis im gleichen Auslande beigetragen hat. Daraufhin wurden seine beiden Brüder fristlos aus dem Staatsdienst entlassen, einer ist Vater dreier kleiner Kinder, des anderen Frau ist in Hoffnung. Der Bruder im Auslande wollte ihnen natürlich helfen und sie bei sich aufnehmen, um ihnen vielleicht mit der Zeit eine Arbeit verschaffen zu können. Die Hitlerpolizei läßt sie aber nicht weggehen, ja sie müssen sich seit dem Antrag auf Erteilung eines Ausreisevisums täglich um sieben Uhr vormittags auf der Polizeikontrolle melden, deren Büro von beider Wohnungen dreiviertel Stunden entfernt Nanu! Und der kommt nicht ins Konzentrationslager? Die Voffische Zeitung"( Nummer 396) meldet: Der Gauleiter von Pommern wendet sich in einer Befanntmachung gegen die neu aufgekommene Sitte, überall Denkmäler für gegenwärtige Führer und für die Taten der neuen Regierung zu errichten. Der Wert oder Unwert von Persönlichkeiten und ihrer Taten werde durch die Geschichte in späterer Zeit beurteilt werden. Der Beitpunkt für diese Beurteilung sei keinesfans heute da. Aus diesem Grunde verbiete er für die Zukunft die Errichtung von Denkmälern und Gedenksteinen im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Bewegung. Wo eine solche Errichtung geplant sei, müsse vorher seine Genehmigung eingeholt werden. Das ist ja beinahe Marxismus und sieht so aus, als hielte der Gauleiter für möglich, daß Herr Hitler dereinst anders beurteilt werden könnte, als jetzt im Rausch der Fahnen und Feste. Die Marristen, die Hitler- Eichen und ähnliches Unkraut nächtlich beseitigt haben, scheinen demnach ganz im Sinne des nationalsozialistischen Gauleiters von Pommern gehandelt zu haben. liegt. Außerdem bekamen fie angedroht, daß im Falle ein Katholisches Blatt verboten maligen Nichterscheinens zur täglichen Kontrolle die gesamte Familie, einschließlich einer 71jährigen Mutter und der Familien zweier verheirateter Schwestern, sofort als Geiseln ins Konzentrationslager gesperrt werde. Der Mann mit Frau und drei Kindern unter 9 Jahren bezieht als Verhungerungsprämie volle 187 RM. Ruhegehalt", der andere 48.60 RM. Wie lange noch, ist höchst fraglich. Alle paar Tage ist bei jedem Mitglied der gesamten weiteren Verwandtschaft Haussuchung nach eventueller Poſt des eingi gen im Auslande befindlichen Familienmitgliedes, wobei es nie an Duälereien, Sachschaden und wilden Drohungen fehlt. Die in Siegen erscheinende katholische Tageszeitung Sieg- Rheinisches Volksblatt ist wegen eines Auffages, der an dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung Kritik übt, auf die Dauer von vier Wochen verboten worden. Everlings Ende Hohenzollernanwalt aus den Anwaltslisten gestrichen Berlin, 22. Auguſt( Inpreß). Der deutschnationale Anwalt Everling, der seit vielen Jahren die Interessen des Listen der Anwälte gestrichen worden.( Er hat es verdient.) Abonniert die Deutsche Freiheit Hauses Sohenzollern, auch im Reichstag, vertrat, ist aus ben Steuerverweigerung in Köln 23 Millionen Steuerrückstände Der Oberbürgermeister Rölns erläßt einen jammervollen Notruf, weil die Steuereinnahmen zur Zeit noch nicht einmal zur Deckung der Kosten des gesamten Wohlfahrtswesens ausreichen. De Oberbürgermeister stellt fest: Es ist deshalb die vornehmste Pflicht eines jedes ftenerpflichtigen Bürgers, daß er seiner Gemeinde das gibt was er unter Aufbringung aller seiner Kräfte zu tragen in der Lage ist. Die Stadtverwaltung verkennt nicht die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die manchen Kölner an der Erfüllung seiner Steuerpflichten hindern. Ich konnte aber in zahlreichen Fällen feststellen, und 23 Millionen Mart Rückstände an städtis schen Steuern bestätigen dies, daß sich durchaus zahlungsfähige Rreise nicht schämen, die allgemeine wirtschaftsnot nur zum Anlaß zu nehmen, um sich der pünktlichen Erfüllung ihrer Steuers pflicht zu entziehen. Das find Saboteure des Aufbauwerts anseres Führers, die zudem noch die farge Unters stügung ihrer ärmsten Bolfsgenossen in Gefahr bringen. Ich richte an alle diese Kreise hiermit leftmalig die Aufforderung, bis spätestens zum 15, September d. J. der Stadt das zu zahlen, was sie ihr an Abgaben schuldig find. Nach diesem Zeitpunkt werde ich gegen alle, die ihre Steuern nicht zahlten, obwohl sie dazu in der Lage waren, mit den schärften geseglichen Mitteln vorgehen und sie als daß fennzeichnen, was sie sind: Schädlinge des Boltes. Das alles klingt nicht wie große Begeisterung für das „ dritte Reich". Am Sonntag, dem 27. August, nachmittags 3 Uhr, Freiheits- Kundgebung der Saar in Neunkirchen( Lindenallee) Max Braun spricht Fahnenaufmarsch Parole und Bekenntnis Weihe des Freiheitsbanners Totenehrung Freiheitsstafette Treuegelöbnis zur Freiheit der Saar Botschaft an Deutschland- Grüße an die Internationale und Appell an die Völkerverständigung und Weltsolidarität- Massenchor Papier und Politik Eine der wenigen europäischen Industrien, die von der Konjunkturbelebung der letzten Monate sehr stark profitiert haben, ist die Papierfabrikation. So berichten dieser Tage die großen schwedischen Zellulose- Fabriken, daß sie bis zum Ende dieses Jahres mit ihrer Produktion vollständig ausverkauft sind und neue Bestellungen nicht mehr entgegennehmen können. Eine Meldung, wie man sie seit mehreren Jahren nicht mehr gewohnt ist. Fast gleichzeitig hört man aus Deutschland, daß die bisher nur zur Hälfte ausgenüßte Kapazität der deutschen Papierindustrie jetzt nur noch zu knapp 30 Prozent ausgenutzt werden kann. Als Grund hierfür wird allerdings nur in den Handelsteilen der deutschen Blätter, denn auf den Hauptſeiten darf so etwas nicht festgestellt werden bas rapide Sinfen der Auflageziffern der deutschen Zeitungen angegeben. Die Eintönigkeit der gleichgeschalteten deutschen Presse hat nicht nur in den Großstädten, sondern noch mehr in der Provinz die Leser und Käufer, Abonnenten und Inferenten verjagt. Sehr große laufende Lieferungsverträge sind in den lezten Wochen anulliert worden und die Versuche, sich durch den Export von Rotationspapier einen Ausgleich zu verschaffen, sind, wie nicht anders zu erwarten war, an der ablehnenden Haltung der ausländischen Zeitungsunternehmungen kläglich gescheitert. Wenn man im ,, dritten Reich" über internationale Konjunkturfragen einmal etwas nachdenken würde, was aber bekanntlich verboten ist, so würde man aus diesem kleinen Beispiel vielleicht feststellen können, wie falsch es ist, anzunehmen, daß eine allgemeine Geschäftsbelebung automatisch auch eine Besserung der deutschen Krisenlage herbeiführen muß. Arbeitsstreckung 40- Stunden- Woche Jean Severin. Bürgermeister Schüler hat als Direktor der Dortmunder Unionbrauerei mit der Arbeiterbelegschaft der Brauerei verhandelt, um auch hier den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit voranzutragen. Die Arbeiter der Dortmunder Unionbrauerei, die bisher 44 Stunden in der Woche gearbeitet haben, haben sich sofort bereit erklärt, ein Opfer zu bringen und auf vier Stunden Arbeitszeit zu verzichten, so daß sie nur noch 40 Stunden arbeiten werden. Das bedeutet, daß jede Woche 16 000 Arbeitsstunden frei werden, die eine Neueinstellung von 40 Mann ermöglichen. Diese 40 Arbeiter, vornehmlich Verheiratete mit größerer Kinderzahl, sollen am 1. September durch Vermittlung des Arbeitsamts eingestellt werden. Auch die Beamten und Angestellten des Betriebs haben zunächst für die Dauer eines halben Jahres„ freiwillig" auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet. Wie die Verwaltung der Ruhrchemie AG. Holsten in Oberhausen mitteilt, werden seit einigen Monaten 140 Arbeiter und Angestellte mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres beschäftigt. Es ist dies hauptsächlich möglich geworden durch eine bereits vor einigen Monaten vorgenommene Kürzung der Arbeitszeit, so daß praktisch eine 40 stündige Arbeitszeit eingeführt ist. Außerdem werden auch Reparaturen durchgeführt, die eine gewisse Mehrbeschäftigung bedingen. Enttäuschte Unternehmer Die ,, alte Garde" kann nichts Aus Köln wird uns geschrieben: Die Nazis im Reich wissen ganz genau, daß sie den Beamten- und Angestelltenapparat und auch die Betriebe mit 1000 am Grab Die Ehrung eines Opfers Vor kurzem wurde der ehemalige Gewerkschaftssekretär des Kölner Bauarbeiterverbandes, Heinrich Jäger, der, um den dauernden Naziverfolgungen zu entgehen, den Tod im Rhein gesucht und gefunden hatte, zu Grabe getragen. Weit über 1000 sozialistische Arbeiter hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren treuen Kameraden zur letzten Ruhestätte zu begleiten. Auch aus andern Städten gehen uns Berichte über demonstrative Beerdigungen zu. „ Sozialismus marschiert" Aber 43 Nazi- Betriebszellenleiter verhaftet! Hamburg, 23. August 1938. Wir meldeten gestern, daß die sämtlichen Vorsigen den der nationalsozialistischen Betriebs: zellen bei den großen Schiffswerften in Hamburg- Altona auf Verlangen der Direktoren der Werte in Haft genommen worden sind. Die Ver= hafteten werden von der Polizei beschuldigt ,,, verbotene Ein= griffe in das Wirtschaftsleben vorbereitet" zu haben dadurch, daß sie in einer gemeinsamen Denkschrift die Sozialisierung der Werften gefordert haben. Die Ermittlungen haben er= geben, daß diese Denkschrift nicht eine Privatarbeit der bes treffenden Betriebsobleute war, sondern daß sie in einer Konferenz der nationalsozialistischen Betriebszellenleiter Groß- Hamburgs in den Grundzügen beschlossen und wenige Tage später mit Cinstimmigkeit angenommen worden war. Diese Tatsache hat die Polizei veranlaßt, weitere 43 Bes triebszellenleiter in Haft zu nehmen. Hunderttausende Charakterschwächlinge Einer, der die Menschen kennt Auf einer Massenversammlung im Saalbau zu Essen sagte Staatsrat Gauleiter Terboven u. a.: ,, Und wenn wir auch in diesem ersten Halbjahr viel Unerfreuliches erlebt haben durch diejenige, die sich durch den Aufgang für Bedienstete in der letzten Minute in die NSDAP. gedrängt haben, so sage ich hier als Gauleiter: Jeder Deutsche, der außerhalb der Bewegung steht und seine Pflicht tut, hat weit eher unsere Achtung als der, der als neugebackener Parteigenosse nur seine eigenen Interessen wahrnehmen will. Viele von den Zehntausenden und Hunderttausenden, die plötzlich ihr nationalsozialistisches Herz entdeckt und um ein Viertel nach 12 Uhr mit allen Mitteln und Kniffen in die Bewegung kamen, find Charakterschwächlinge. Sie verkennen den wahren Nationalsozialismus. Es kommt nicht darauf an. die Organisation aufzublähen. Unsere Organisation muß sein und bleiben, was sie in den Jahren des Kampfes gewesen ist: Die Auswahltruppe, die Kerntruppe, die eisern stehen bleibt, wenn die große Masse schwankt. Die Erkenntnis muß immer mehr Gemeingut werden: Ganz gleich, wo du stehst, ganz gleich, welche Arbeit du zu leisten hast wenn du diese Arbeit im Kameradschaftsgeist und mit dem Willen zur Leistung ausführst, dann bist du Nationalsozialist." Wir registrieren gerne die ehrliche und vernünftige Rede. Sie sticht vorteilhaft von der allgemeinen Anhimmelung ab, die man sonst in den nationalsozialistischen Reden zu hören pflegt. ihren Leuten durchsetzen müssen, weil sonst heute oder mor Scharfrichter schwört gen ihr Laden zusammenbricht. Aus diesem Grunde auch der Ansatz zur großen Aftion", um die bewährten Parteimitglieder und SA.- Leute mit der Mitgliedsnummer 1 bis 100 000 in die Stellungen zu bringen. Aber diese Aktion hat sich in den Betrieben als ein Fehlschlag herausgestellt. Die Unternehmer werden gezwungen, bei Einstellung von Arbeitern nach der Parteizugehörigkeit, das ist natürlich ausschließlich die nationalsozialistische Parteizugehörigkeit, zu fragen und nur solchen Arbeit zu geben, die diese wirklich besitzen. Aber in Köln werden die Klagen der Unternehmer, besonders in der metallverarbeitenden Industrie, über die neuen Arbeitskräfte laut und lauter. Es ist eine Tatsache, daß die alten Stammannschaften in den Betrieben fast ausschließlich Freigewerkschaftler sind, die ihre Qualitätsarbeit in gewohnter Weise verrichten. Die neueingestellten jungen Nazis, die über ein großes Maul verfügen, aber von Arbeit, da ihnen die richtige Lehrausbildung zum größten Teil fehlt, feine Ahnung haben, sind in weitem Umfange schon wieder entlassen worden. Die Nazileitung steht Kopf, aber die Unternehmer sind zu dieser Maßnahme gezwungen, wenn sie ihre Betriebe nicht schädigen wollen. Das sächsische Justizministerium gibt bekannt, daß der Scharfrichter Alwin Engelhardt in Schmölln für das Land Sachsen zur Vollstreckung von Todesurteilen für die Zufunft verpflichtet worden ist. Ausgewiesen Johann Vorläufer, hundertprozentiger Arier, hatte in seiner Heimatstadt Nesselbach die Dummheit begangen, in einem jüdischen Geschäft zu kaufen. Am nächsten Tag erschien in der Ortspresse die Aufforderung, er möge sofort die Stadt verlassen. Diese Aufforderung war vom„ Komitee für antisemitische Bewegung" unterzeichnet. Juden dürfen nicht im Wannsee baden Berlin, 21. Auguſt( Inpreß). Die Benutzung des bekannten Strandbades Wannsee wird nichtarischen Personen fünftig nicht mehr gestattet. Das Strandbad am Wannsee ist eine der größten und schönsten Badeanlagen Deutschlands BRIEFKASTEN Freiexemplare. Unsere Geschäftsleitung lehnt die Zuteilung weiterer Freiexemplare ab. Korrespondenz. Wir antworten nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Zu überflüssigem Briefwechsel fehlt uns die Zeit. Wir haben viel zu tun. Das Parteibuch ist nicht immer ein überzeugender Ausweis. Die Polizei in Deutschland hat Tausende Parteibücher mit langjähriger Mitgliedschaft in Händen und stattet ihre Spigel damit aus. Niederrhein. Sie schrieben uns, daß die marxistischen Staatsfeinde" täglich mit allen Kriegsorden zur Kontrolle bei dem Bürgermeister antreten. Recht so. Auch der Hohn ist eine politische Waffe. Hunsrück. Sie teilen uns mit, bei einer Haussuchung sei ein Ebertbild zerstört, aber ein Bild von Karl Marx geschont worden, weil der behaussuchte Genosse sagte:„ Das ist mein Vater." Der Genosse hat nicht gelogen. Die SA.- Leute aber kennen nicht einmal den Kopf von Karl Marg, geschweige denn dessen Inhalt. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Biz: Inserate Otto Kuhn. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Achtung Schweiz! Bestellungen, Anfragen, Zuschriften für die ,, Deutsche Freiheit" in der Schweiz an Postfach 996, Basel 1 Postscheckkonto: Zürich VIII 8713 Librairie- Populaire 2, RUE SEDILLOT 2. STRASBOURG Buchhandlung und Leihbücherei modernster Art Reiche Auswahl der besten Literatur in Französisch und Deutsch Gut sortiertes Lager. Neueste Ausgaben Spezialität: Sozialistische, antifaschistische u.pazifistische Literatur Neueste Erscheinungen auf diesem Gebiet: ,, Fontamara", der erste antifaschistische Roman ,, Braunbuch über 91 den Reichstagsbrand". ,, Terror in Braunschweig" . Lieferung aller Zeitschriften und Zeitungen Entgegennahme von Abonnements auf jegliche Literatur. Beschaffung alier in Deutschland auf den Index gesetzten und teilweise verbrannten Buchausgaben. Schnellste Lieferung Teilweise herabgesetzte Preise . Besuchen Sie uns! Uberzeugen Sie sich! Intellektueffer Emigrant zur Mitarbeit an einer zeitgemäßen Wochenschrift ( Verlagsort Strasbourg) gesucht. 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