Freihei Nummer 58-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Samstag, den 26. August 1933 Chefredakteur: M. Braun 990. Wir aber sind keine altdeutschen Rassenmäkler, wir betrachten die ganze Menschheit als eine große Familie, deren Mitglieder ihren Wert nicht durch Hautfarbe und Knochenbau, sondern durch die Triebe ihrer Seele, durch ihre Handlungen offenbaren." Heinrich Heine Deutscher Polizei- Spitzel Tussen reglert Wir stellen der Deffentlichkeit hiermit wieder einmal einen deutschen Polizeispitzel vor: Auguft Picard, der in der Rolle eines politischen Flüchtlings auftritt. In die Enge getrieben, zeigte es sich, daß er nicht nur Mitglied des Stahl= helms ist, sondern auch das Hakenkreuzabzeichen bei sich trägt. Er ist eines der Subjekte, die Wohnung und Lebens: gewohnheiten mißliebiger Politiker im Saargebiet anstunde Ichaften, damit andere Beauftragte der deutschen Polizei fich ber so Befpigelten weiter annehmen können. Das Ziel ist, die Opfer entweder über die deutsche Grenze zu locken oder fie im Saargebiet unschädlich zu machen. Größte Vorsicht gegenüber allen, die fich an bekannte Sozialisten und Repus blikaner heranmachen, ist geboten. Aug Mitgliedsbuch für den Stahlhelm- Kameraden. Rufname Ort:...... Straße. Pickard вашвоми Auna 18 Zuname Ortsgruppe: Mamoru Mitte Kreis: www вашом Ruhr- hippe Gau:.. Landesverband: 35 xtsgruppen Stemper Wichmark Eigenhändige Unterschrift: of. Rhard ***. ben 6. Mai 1932 Ortsgruppenführer: Ortsgr.- Mitgl. Nr. 98 Ungig, wenn niat abgestempeltes Lightbilb, eigenhändige Untergrift und Beitragsquittungen vorhanden find. Bdz. 1. 10 Leipzig und London Weltprozeß um den Reichstagsbrand Leipzig, 24. Auguft. Der Präsident des 4. Straffenates hat den Termin zur Hauptverhandlung in der Reichstagsbrandsache auf Don= nerstag, den 21. September 1933, vormittags 9 Uhr, anbe raumt. Die Hauptverhandlung findet in Leipzig statt, die Beweisaufnahme jedoch mit Rücksicht auf die notwendigen Augenscheinnahmen und darauf, daß die meisten Zeugen in Berlin wohnen, im Reichstagsgebäude. D. F. Das Prozeßmaterial umfaßt 35 dicke Aktenbände, die Anklageschrift füllt 230 Seiten. Insgesamt sind 110 Zeugen und Sachverständige geladen. Man rechnet aber damit, daß deren Zahl sich im Laufe der nächsten Wochen und während des Prozesses noch wesentlich erhöhen. Das alles zeigt, daß fich die Anklage feineswegs nur auf den Reichstagsbrand erstreckt. Wir wissen genau, daß für die Beteiligung führens der deutscher Kommunisten an der Brandstiftung kein Material vorliegt. Die Anklage und die Prozeßführung verfolgen die Taktik, aus der gesamten Agitation und Politik der Kommunisten gewisse Schlüsse zu ziehen. Man muß leider zugeben, daß nicht wenige kommunistische Redner und Schriftsteller sich um die agitatorische Seite des Prozesses bemüht haben. Das wird sich während des Prozesses zeigen. Ebenso wird sich aber offenbaren. daß nur politische Willkür und Gewissenlosigkeit einen Mann wie Torgler für den Reichstagsbrand verantwortlich machen kann. Der sogenannte„ Gegenprozeß" wird in London stattfinden. Der Ausschuß hat eine beträchtliche Menge neuen und entscheidenden Beweismaterials gesammelt. Seine Verhandlungen werden unbedingt öffentlich sein. Es werden eine Reihe von Zeugen auftreten, deren Namen aus erklärlichen Gründen vorher nicht bekannt gegeben werden können. Diesen Beugen ist die Reise nach Leipzig unmöglich, da sie mit ihrer sofortigen Verhaftung rechnen müssen nicht etwa, weil irgend ein krimineller Vorwurf gegen sie erhoben werden könnte, sondern weil sie der Reichsregierung politisch nicht genehm sind. Nur wenn die deutsche Reichsregierung und die preußische Regierung durchaus verbindliche Garantien für eine ungefährdete Hin- und Rückreise leisten könnten, wäre die Vernehmung dieser Zeugen in Leipzig oder in Berlin möglich. Einige Beweise, die im Gegenprozeß vorgebracht werden, Da das Komitee des find dokumentarischer Natur. Gegenprozesses inzwischen von den deutschen Autoritäten offiziell anerkannt worden ist, denn die Briefe des Oberreichsanwalts an Branting und Romain Rolland kommen einer offiziellen Anerkennung gleich, sollte man eigentlich annehmen, daß sachliche Beziehungen zwischen dem Leipziger und zwischen dem Londoner Gerichtshof hergestellt werden könnten. Wir verstehen das so, daß der Ausschuß des Gegenprozesses Abschriften gewisser dokumentarischer Beweismittel aushändigen und möglicherweise sogar Erläuterungen über die Natur dieser Beweismittel geben könnte. Auch die Zeugen aussagen könnten nach Leipzig übermittelt werden. Hier ist freilich ein Hindernis: Die Namen dieser Zeugen dürften nur genannt werden, wenn die Zeugen oder ihre Verwandten nicht dadurch gefährdet sind. Als Gegenleistung müßte der Leipziger Gerichtshof die Anklageschrift im vollen Wortlaut zur Verfügung stellen. Die ganzen Schwierigkeiten wären allerdings am besten dadurch ausgeräumt, daß das Reichsgericht sich noch entschließt, einen ausländischen Rechtsanwalt als Verteidiger zuzulassen. Die formellen Einwände des Oberreichsanwalts müssen zu überwinden sein. Es ist nicht anzunehmen, daß ein Rechtsanwalt wie Dr. Sad sich scheut, gemeinsam mit einer anerkannten juristischen Autorität des Auslandes aufzutreten. Die Reichsregierung und das Reichsgericht sollten bet ihren Entschlüssen immer von der Erkenntnis ausgehen, daß Deutschlands Interesse die volle Aufklärung des Reichstagsbrandes erfordert. Wenn wir vom Judenboykott absehen, hat nichts in den letzten Monaten den deutschen Interessen so geschadet, wie die in der ganzen Welt verbreitete Annahme, daß der Reichstagsbrand eine politische Mache von Mitglie dern der deutschen und der preußischen Regierung ist und zur Verschleierung des Tatbestandes ein Justizmord an politischen Gegnern vorbereitet wird. Mit einem großen Prozeß- Schauspiel über literarische, agitatorische und organisatorische Methoden der Kommunisten wird gar nichts erreicht werden. Man kann einige Kommunisten verurteilen und aufhängen. Damit aber wird man nur erzielen, daß der Abschen gegen die Urheber dieses Spektakels und leider auch gegen die deutsche Nation sich in der ganzen Welt noch erhöht. Es handelt sich um eine politische Frage allerersten Ranges. Es ist unmöglich, daß die Reichsregierung die Verantwortung irgendeinem Oberreichsanwalt zuschiebt, der um Karriere und Posten zittert. Die Reichsregierung hat den Reichstagsbrand in den Mittelpunkt entscheidender und um wälzender Ereignisse gestellt. Sie wird sich der Verantwortung nicht entziehen können, Diebstahl am Reich Von Dr. Richard Kern 99 Der berühmte ständische Aufbau, den der National sozialismus versprochen hat, ist verschoben wohl auf den St.- Nimmerleins- Tag. Das hindert aber nicht, daß unterdessen sehr weitgehende Aenderungen in den wirtschaftlichen Organisationen vorgenommen worden sind, die eine grundstürzende und dauernde Aenderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse bedeuten. Und diese Machtverschiebung ist sehr eindeutig. Böllig tot ist die Organisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Lahm gelegt sind auch die Organisationen des Mittelstandes. Unverändert in ihrem Aufbau, ungehindert in ihrem Wirken, aber unendlich gestärkt durch die Zer schlagung aller anderen Organisationen stehen die Ver. bände der Kapitalisten da, die jetzt unum schränkter als je in allen Wirtschaftsfragen über die totalitäre Staatsmacht verfügen. Und das zeigt seine Wirkungen nicht nur in den Fragen der öffentlichen Wirt schaftspolitik, sondern auch in den privaten einzelnen Interessenangelegenheiten der mächtigen Kapitalistengruppen. Und wieder ist bezeich nend, daß Hitler, der Sozialist", in wirtschaftlichen Fragen den Mann zum einflußreichsten und mächtigsten gemacht hat, der megen seiner sozialpolitischen Rückständigkeit und kapitalistischen Engstirnigkeit im„ alten System" als berüchtigt galt, den Thyssen. Der hat als Staatsrat, als Mitglied des Obersten Wirtschaftsrats, als Wirtschaftsführer von Rheinland- Westfalen aber nicht nur den entscheidenden Einfluß auf alle allgemein sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen. Thyssen ist auch Privatmann und als solcher einer der Herrendes Stahlvereins. Man weiß, daß unter Brüning der Finanzminister Dietrich unter großen Opfern für das Reich die Majorität von Gelsenkirchen erworben hat und damit die Mehrheit über den Stahlverein. Die beherr schende Stellung, die das Reich durch die„ kalte Sozialis fierung" in der Montanindustrie überhaupt erlangt hatte, war der Schwerindustrie als unerträglicher Eingriff ers schienen. Es war das nicht zuletzt der Grund, aus dem fich die Montanindustrie gegen Brüning wandte und den„ Sozialisten" Hitler mit allen Mitteln unterstützte. Schon unter Papen verlangte Thyssen die Reprivatisierung, die Expropriation des Reichs- die entschädigungslose, denn über flüssiges Kapital zum Rückkauf verfügten die Herren ja nicht. Aber die Forderung scheiterte an dem Widerstand Schleichers, der sich die Verfügung über die Grundlagen der Rüstungsindustrie nicht nehmen lassen wollte. Thyssen mußte also warten. Und er wartete nicht ohne Erfolg. Hitler, sein Hitler kam. Und jetzt kann das Geschäft gemacht werden entschädigungslose Expropriation Reichs, der Sozialismus mit dem umgekehrten„ Vorzeichen“. die des Der von je überkapitalisierte Stahlverein bedarf dringend der Reorganisation. Bisher war sie immer verschoben worden. Jetzt schoben worden. Jetzt im„ dritten Reich" ist die Zeit erfüllt. Der Stahlverein soll mit seinen ehemaligen Gründergesellschaften, Gelsenkirchen, Phönig und 3ypen- Wissen, fusioniert werden. Aufnehmende Gesell schaft soll Gelsenkirchen werden; bei Gelsenkirchen lag bisher die Mehrheit über den Stahlverein. Das Reich hatte rund die Hälfte des Aktienkapitals von Gelsenkirchen, 125 Millionen Mark und damit zugleich die Herrschaft über den Stahlverein. Thyssens Plan besteht nun darin, das Kapital von Gelsenkirchen für die Aufnahme des Stahlvereins, des Phönig und 3ypens auf etwa 500 Millionen festzusetzen. Der Majoritäts- und Herrschaftsanteil des Reichs wird so im Handumdrehen und ohne daß es die Stahlvereinsherren einen Pfennig kostet, in eine bedeutungslose Minorität verwandelt; die Reprivatisierung ist vollzogen, der beherrschende Einfluß Thyssens ist wiederhergestellt und dazu die 125 Millionen des Reichs als Sanierungskapital annektiert. Es ist der unverschämteste Raubzug, den je eine Kapitalisten. clique in neuerer Zeit in Europa geplant hat! Versteht man jetzt die wahre Natur der national sozialistischen Revolution? Begreift man, warum Hitler die Revolution für beendet erklärt hat? Versteht man aber auch, warum die Presse nicht nur in politischen, sondern auch in wirtschaftlichen Fragen in Deutschland so völlig geknebelt ist? Nichts bezeichnender, als daß kein deutsches Blatt es wagen kann, diese freche kapitalistische Annektion von Gemeingut zu kritisieren, diesen Feldzug des Eigennutzes gegen den Gemeinnuten auch nur deutlich zu beschreiben. Thyssen hat mit Hunderttausenden den Hitler subventioniert; das Geschäft hat sich gelohnt; er bekommt für jeden Tausender eine Million zurück. Fürwahr: das„ Heil Hitler" kommt diesem Mann aus dem Herzen! Mussolinis Ansprüche Italienisches Protektorat oder Völkerbund? Das offiziöse italienische Blatt„ Lavoro fascista" hat mit wünschenswerter Klarheit die Linien der Mussolinis schen Politik, die auf seine unbedingte Vorherrschaft in Mitteleuropa hinauslaufen, wie folgt gezeichnet: Das Hauptproblem ist nicht, Deutschland zu reizen oder au demütigen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß das System der diplomatischen Schritte ein Fehler ist. Es wäre ein noch schlimmerer Fehler, sich an den Völkerbund auf. Grund des Artikels 11 des Völkerbundpaktes zu wenden. Wer kann ernstlich glauben, daß politische Debatten in Genf über einen so heiflen Gegenstand irgendein positives lische Außenministerium unmöglich den Pakt von Riccione ohne Wimperzucken schlucken. Der österreichisch- deutsche Konflikt geht nicht nur Deutschland, Desterreich und Italien an, sondern auch alle Nachbarn Desterreichs sowie den Frieden Europas. Mehr als jemals muß man die Lösung auf internationalem Boden suchen. Der Völkerbund muß fich damit beschäftigen. Der Artikel 11 des Völkerbundpaktes gibt Frankreich und England das Recht, den Völkerbund anzurufen. Ergebnis haben könnten? Die Situation fann nur auf Der österreichische Standpunkt politische Art geklärt werden, das heißt mit Festigkeit, foweit es die Tatsache der Selbständigkeit Desterreichs betrifft, aber mit dem notwendigen Taft und Verständ nis für die deutsche Revolution( gemeint ist die Nazi- Konterrevolution. Red.), der man eine gewisse Zeit lassen muß, damit sie den Sinn für die Schranken kennenlernt. Das heißt, daß ein realpolitische Lösung des Problems nur nach den Direktiven desjenigen gefunden werden kann, der eine revolutionäre Bewegung geschaffen hat und noch an der Spitze der Regierung steht. Nur ein einziger Mensch kann die Lösung finden: Benito Mussolini. Die französische Presse aller Richtungen lehnt die rein faschistische Lösung der mitteleuropäischen Probleme ab. Dieselbe Haltung nimmt die öffentliche Meinung in England ein. Das französische Sozialistenblatt„ Populaire" ver tritt mit großer Entschiedenheit die Behandlung der Angelegenheit vor dem Bölkerbund. Mussolini will eine große Rolle spielen. Er sieht sich schon als den Schiedsrichter Europas. Man muß gestehen, daß Paris und London tatsächlich den Eindruck machen, daß sie hinter Rom zurücktreten. Mussolini lehnt den Anschluß ab. Darum widersetzt er sich Hitler. Aber entgegen seinen Behauptungen lehnt er ebenso die vollständige Unabhängigkeit Oesterreichs a b. Unter den gegenwärtigen Umständen ist diese Unabhängigkeit nur möglich, wenn Desterreich unter den wirksamen Schutz des Völkerbundes, das heißt sämtlicher europäischer Mächte, gestellt ist. Das würde aber die Stellung Mussolinis schwächen! Darum will der Duce nicht, daß der Völkerbund sich mit der österreichisch- deutschen Spannung beschäftige. Darum hat er den Kanzler Dollfuß zu sich geladen. Unserer Ansicht nach können das französische und das engParis, 25. Aug.„ Exzelfior" veröffentlicht ein Interview Sornsborstell, der Dollfuß nach Rom begleitet hat. mit dem politischen Direktor des Kabinetts Dollfuß, Hornsborstell erklärte u. a., die Regierungsmethoden Doll fuß' hätten die Billigung Mussolinis gefunden. Desterreich habe eine passive Handelsbilanz und stehe vor der absoluten Notwendigkeit, Absazmärkte zu finden, die in der Nähe der österreichischen Grenze liegen. Der deutsche Markt sei fast ganz geschlossen. Italien zeige die Bereitschaft, in den Grenzen der Möglichkeiten an helfen. Um lebens fähig zu bleiben, branche Defterreich jedoch Privilegien. Eine Befassung des Völkerbundes mit der öfter= reichisch- deutschen Frage finde in Wien wenig Sympa thien. Entweder würde sich Deutschland aus dem VölkerPolens Sieg Voller Erfolg in Danzig Der Sieg Polens über die neue nationalsozialistische Regierung in Danzig wird in den rechtsnationalen„ ,, Leip ziger Neuesten Nachrichten"( Nr. 229) wie folgt geschildert: Dieser Vorvertrag vom 5. August 1933, der Mitte September feierlich unterzeichnet werden soll, ist ein Ereignis von allgemein- deutscher, ja, europäischer Bedeutung. Er ist bestimmt, die Wirtschaft des Ostraumes völlig neu in Gang zu bringen. Darüber hinaus wird er, man kann es ohne Uebertreibung feststellen, in die Geschichte eingehen als eine grundsätzliche Wendung im Kampfe um die Minderheiten und damit um die Menschenrechte. Der zu völkischem Bewußtsein wiedererweckte Freistaat kann außerordentlich weitherzig und großzügig sein in der Be: handlung seiner politischen Mitbürger und Gäste: das Deutschtum der alten Hansastadt ist eine so gewaltige innere Kraft, lebendig im Herzen jedes einzelnen, daß die Gefahr einer Polonisierung ganz einfach nicht mehr be steht Insbesondere, was das Schulwesen betrifft, dieses Kernstück aller Minderheitenkämpfe, haben die Polen in Danzig nun eigentlich unbeschränkte Möglichkeiten. Für zumindest vierzig Kinder wird auf Antrag der Erziehungsberechtigten aus öffentlichen Mitteln eine eigene Minderheitenschule errichtet und das Recht, aus privaten Mitteln polnische Schulen zu unterhalten, ist so gut wie unbe schränkt. Die gleiche Toleranz gilt für das Mittel- und Fortbildungsschulwesen, was die Technische Hochschule be= trifft, so find ihre polnischen Hören den deutschen Studen ten in jeder Weise gleichgestellt. Kurzum: man liegt vor Bolen auf dem Bauch. Den Bolen räumen die Nazis„ Menschenrechte" ein, weil sie müssen! In Deutschland sind„ Menschenrechte" polizeilich verboten. bund zurückziehen oder aber die Großmächte, die Defters Der Orkan über Neuyork reich schüßen, müßten sich zu Kompromissen bereit finden. Lloyd George als Warner Paris, 25. Auguft( Eig. Bericht). Die„ Agence Economique et Financiere" veröffentlicht einen Artikel des gewesenen englischen Premiers Lloyd Georges über die internationale Lage, wobei dieser die Ansicht ausspricht, daß Hitler alles daranseze, um Desterreich zu hitlerisieren und sich so zu unterwerfen. Von einer Hitlerisierung Desterreichs hänge der Erfolg der ganzen Hitler- Politit in Hitlertum widerfekt, ist es der vornehmste Hauptzweck der Deutschland ab. Da die Dollfuß- Regierung sich dem gegenwärtigen deutschen Kampagne, Dollfuß zu stürzen. Die heutigen Ideale Hitlers find militaristisch und aggressiv mit der ganzen Kraft eines engen und fanatischen Nationalis= mus. Man tönne sich deshalb nicht wundern, daß bei den Nachbarn Deutschlands Unruhe herrscht. Lloyd George glaubt schließlich, daß eher als der Völkerbund zwei oder drei ver: bündete Großmächte gegen Hitler auftreten können, die sich jedoch gut rüsten müssen, denn Uebereiltheit und Mißerfolg fönnten sehr verderblich wirken. Vom Schwindel der Arbeitsschlacht ચલ મન જ મુડ માં પદ Die verheerenden Wirkungen London, 25. Aug. News Chronicle meldet aus Neuyor, daß gestern spät abends die Lichter der berühmten Freiheitsstatue und des Leuchtturms von Sandy Hock auf der Höhe von Neuyork wahrscheinlich infolge Zerstörung der Kabel durch den Sturm verlöschten. Das Blatt meldet weiter, daß 30 000 Menschen im Begriff sind, Ocean City, den Sommerfurort von Maryland, das, wie zahlreiche andere Städte infolge des letzten Orfans überschwemmt worden ist, zu verlassen. Die Brücke von Ocean City nach dem Festland, über die die Flüchtlinge ziehen, droht einzustürzen. Mindestens 50 Menschen sind durch das Unwetter getötet worden. Sämt liche Verbindungen sind unterbrochen, so daß die genauen Verluste an Leben und Eigentum noch nicht festgestellt werden konnten. Bei dem Wirbelsturm in den Nordoststaater Amerikas find mindestens 20 Personen umgekommen. Strelk der Binnenschiffer Verschärfter Kampf Paris, 25. August. Der Streik der Binnenschiffahrt nimmt immer größere Ausmaße an und verdient, da es sich um einen ziemlich felten vorkommenden Vorfall handelt, eingehendere Beschreibungs Charakteristisch sind die Fliegeraufnahmen, die dem Zahlung der Löhne an die Unternehmer aus öffentlichen Mitteln von ben durch die Binnenschiffer abgesperrten Diſe- Arm Eines der Geheimnisse um die angeblichen„ Siege" in der Arbeitsschlacht wird jetzt durch einen Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung enthüllt. Demnach sind in großem Umfange" Arbeitslose in die Betriebe aufgenommen worden, für die den Unternehmern aus Mitteln der öffentlichen Versicherung 3uschüsse zu den Löhnen gezahlt werden. In welchem Umfange die Unternehmer jelbst Löhne aufgebracht haben, bleibt unklar. Jedenfalls ist das ganze System so korrupt und ungesund wie nur möglich. Man hat diese riesenhafte Schiebung gemacht, erstens um einen Teil der unzufrieden gewordenen Nationalsozialisten unterzubringen und zweitens, um por der Deffentlichkeit mit stark gesunkenen Erwerbslosen ziffern zu prunken. Der amtliche Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt spricht für sich selbst: " In dem dankenswerten Bestreben, örtliche Bezirke von Arbeitslofen freizuma den, sind in großem Umfange Arbeitslose in Betrieben der Industrie, des Handwerks, der Landwirtschaft und in der Hauswirtschaft ausäglich eingestellt worden. Dieses Verfahren ist nach den mir vorliegenden Berichten neuerdings mehrfach da= durch begünstigt worden, daß Arbeitslosen, die vor der Eins stellung Empfänger vor Arbeitslosenhilfe waren, die ihnen zustehende Unterstützung ganz oder Der Jude Haber Französischer General über den berühmten Chemiker Paris, 24. Aug.( Jnpreß.) General Maurin, Mitglied bes Obersten Kriegsrates Frankreichs und Generalinspektor der Artillerie, bespricht die Rolle des von Hitler verjagten berühmten Chemikers Professor Haber, Maurin stellt fest, daß ohne Haber das deutsche Heer im letzten Kriege einige Jahre früher erledigt gewesen wäre. Haber hat bekanntlich die Gewinnung von Stickstoff auf synthetischem Wege, sowie die Herstellung einiger Giftgase angegeben. Hitler und die Generäle ,, Eine Art Versöhnung" Paris, 24. Aug.( Inpreß.)„ Liberte" meldet aus Berlin, zwischen dem Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein, dem Reichskanzler Hitler und dem General von Schleicher sei eine Annäherung, eine Art Versöhnung volls zogen worden. Diese Versöhnung, so wird kommentiert, sei von Hitler für notwendig erachtet worden, weil große Teile der Neichswehr immer noch Schleicher- Anhänger seien und weil im tommen den Winter die radikalen Anhänger Hitlers infolge ihrer Enttäuschung rebellieren könnten, so daß die Regierung die Hilfe der Reichswehr in Anspruch zu nehmen gezwungen Jein tönnte. 5811 291 teilweise durch Vermittlung der Arbeits geberin Anrechnung auf den Lohn nach der Einstellung in die Betriebe weitergezahlt Betriebe weitergezahlt wurde. veröffentlicht werden. Auf einer solchen Fliegeraufnahme zählt man in zehn Reihen gestaffelt nicht weniger als hundert Kähne, die in Richtung der Strömung eng aneinanderliegen und den Verkehr sperren. Nach dem„ Matin" hat einer der streifenden Binnenschiffer erklärt, die Schiffer würden sich einer Besetzung ihrer Kähne durch die Gendarmerie feineswegs etwa mit Gewalt widersetzen, nur hätten sie bereits Vorkehrungen getroffen, daß in einem solchen Falle eine Reihe von Kähnen, die mit Zement beschwert seien, einfach versenkt würden und dann die Fahrtrinne wohl kaum so bald wieder freigelegt werden könnte. Die Arbeitsämter haben für die Empfänger von ArbeitsTosen- und Strifenunterstützung mangels einer gefeßlichen Grundlage derartiger Unterfügungszahlungen nach erfolgter Grundlage derartiger Unterfügungszahlungen nach erfolgter Einstellung der Arbeitslosen in die Betriebe mit Recht abge= lehnt. In einem Schreiben des Reichsministers der Finans zen an den preußischen Minister des Innern wurde bereits darauf hingewiesen, daß Wohlfahrtserwerbslose nach Einstellung bei einem Arbeitgeber nicht mehr als anerkannte Wohlfahrtserwerbslose für die Gewährung von Reichs Die goldene Ordenskette zuschüssen gezählt werden dürfen, und hatte den Preußischen Minister gebeten, das Notwendige bei den Bezirksfürsorgeverbänden im Wege der Gemeindeaufsicht zu veranlassen. Bei der Bedeutung der Entscheidung habe ich in den letzten Tagen nochmals die Stellungnahme der beteiligten Reichsministerien herbeigeführt. Dabei hat sich die übereinstimmende Auffassung dahin ergeben, daß die Weiterzahlung der Unterstügung nach erfolgter Einstellung der Arbeitslosen die Uebernahme eines beträchtlichen Teiles der Löhne der privaten Wirtschaft auf öffentliche Mittel bedeute und daher aus wirtschaftlichen Gründen sehr bedenklich sei. Außerdem sei im Interesse der Arbeitsvermittlung eine gleichmäßige Behandlung aller Arbeitslosen nötig." Das Neueste Allen Angehörigen, Dienststellen und Einrichtungen der NSDAP ift das Sammeln von Geldbeträgen bei Unternehmungen und Verbänden der Wirtschaft, die sich an der Adolf Hitler- Spende beteiligten, vers boten. Das Fliegerehepaar Lindbergh ist auf den Shetlands Inseln gelandet. Am 18. November 1836 stifteten die Herzöge zu AnhaltCöthen, Anhalt- Dessau und Anhalt- Bernburg den Hausorden Albrechts des Bären, um wie es in der Stiftungsurkunde heißt das Andenken ihrer Vorfahren zu ehren. Nach der Revolution von 1918 wurde die goldene Ordensfette des herzoglichen Hausordens von den Volksbeauftragten beschlagnahmi. Das anhaltische Staatsministerium hat jetzt die Ordenstette an das herzogliche Haus zurückgegeben. Das sind die Sorgen der nationalsozialistischen„ Arbeiter partei". Fürstenvermögen vor allem! Sie stellen eine Bibliothek WTB. meldet aus Berlin: Durch die Aufmerksamkeit eines Transportarbeiters gelang es den Beamten der Geh. Staatspolizei, heute morgen auf der Schloßbrücke einen größeren Transport kommunistischen Schriftenmaterials abzufangen. Es handelt sich um 20 Kisten im Gewicht von etwa 40 Zentner, die nach dem Ausland transportiert wer den sollten. Der Inhalt ist eine größere Menge kommu nistischen Schriftenmaterials und marristischer Literatur. Es handelt sich dabei wohl um die wertvollste und vollständigste marristische Bibliothek, die in der legten Zeit gefaßt werden fonnte. Der Besizer dieser Kisten fonnte noch nicht festge stellt werden. Es ist jedoch anzunehmen, daß es sich um einen geflüchteten Kommunisten handelt." Der„ Matin" bringt eine Nachricht aus Madrid, bie eine Oberleutnant Erklärung des spanischen Außenministers Los Rios zur Andorra Frage enthält. Der spanische Außenminister betont bei dieser Gelegenheit den doppelseitigen Charakter der franzöfifch- fpanischen Hoheit über Andorra und fügte hinzu, es sei nicht das erste Mal, daß französische Gendarmen in Andorra anwesend seien, aber hoffentlich werde es das legte Mal sein, und hoffentlich werde ihre jezige Anwesen= heit nur noch von kurzer Dauer sein. Paris, 25. Aug. Nach einer im„ Matin" veröffentlichten Agenturmeldung aus Rom soll eine Umbildung des italienischen Kabinetts bevorstehen. Mussolini soll danach die Absich haben, den febigen ital. Botschafter in London Grandi wieder zum Außenminister zu ernennen, während Mussolini die drei Ministerien Krieg, Marine und Luftschiffahrt zu einem Verteidigungsministerium zusammenfassen und selbst übernehmen würde. Luftmarschall Balbo würde Generalstabschef der Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Der Gruppenführer Ludin avanciert Berlin, 24. Aug.( Inpreß.) Einer der im Reichswehr offizierprozeß 1931 verurteilten Leutnants hieß Scheringer. Er wure eingesperrt, wurde im Gefängnis Kommunist und blieb eingesperrt. Ein anderer hieß Ludin, er wurde ein gesperrt, blieb Nationalsozialist und wurde sehr bald am nestiert. Dieser junge Mann ist bei den Nationalsozialisten Führer der Gruppe Südwest, d. h. eine Art Divisionsgeneral der Nazis geworden. Er war nach seiner Verurteilung aus dem Heer ausgestoßen worden. Jetzt hat das Reichswehrministerium sein Ausscheidungszeugnis verbessert und ihm zuerkannt, er sei auf eigenen Wunsch" aus dem Heer ausgeschieden, zugleich wurde der Beutnant Ludin, Divisions general der SA., zum Oberleutnant der deutschen Reichswehr befördert. Es scheint, daß die nationalsozialistischen Divisionsgeneräle militärisch als eine Art Inflations offiziere betrachtet werden. 5 D DEUTS 街 SA.Heim Die neuen Teutschen killen immer noth einen! TILM DA S.A. „ Ich großer Lump" Aber es war nur ein kleiner Die Flensburger Nachrichten" melden aus Jhehoe: Wie die Schleswig- Holst. Tagesztg." meldet, wurde von SA.Männern mit großem Glockengeläut der frühere Hilfspolizist Lilienthal durch die Straßen vom Lockstedter Lager geführt. Er trug ein Schild mit der Aufschrift: um so verschiedene Ehrungen entgegenzunehmen. Diese Ver fehlungen Kauffmanns sind nicht nur durch die Polizei, sondern durch die Gerichte, ja sogar durch den Untersuchungsund Schlichtungsausschuß der Nationalsozialisten selber fest gestellt worden. Nach der Machtübernahme aber bekam Herr „ Ich großer Lump habe das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse umgehängt, sondern einen sehr fetten Reichsstatthalterposten. Kauffmann nicht ein Schild mit einer bösartigen Aufschrift zu Unrecht getragen." Ebenfalls hatte er sich unberechtigt Titel und Rang beigelegt und dadurch Behörden und Vorgesezte nicht nur getäuscht, sondern sogar veranlaßt, daß ihm etliche Ehrungen erwiesen wurden. Lilienthal ist eine Reihe von Jahren Mitglied der NSDAP. gewesen, trotzdem wird diese gefürchtete Volksjustia jeden treffen, der sich in so schamloser Weise an der Allgemeinheit vergangen hat. Nachdem durch die Polizei die Schwindeleien des 2. festgestellt waren, wurde er aus der Und Hitler selbst? Auch er hat sich das E. K. I selbst verliehen. Der Hilfspolizist Lilienthal in Jhehoe war ja doch nur ein kleiner Lump. Wäre er wirklich ein großer gewesen, wäre er längst Minister, Statthalter oder wer weiß was sonst! SA. ausgeschloffen und ihm die Uniform und die Abzeichen Und dafür das Geschrei abgenommen. So, so, also diese gefürchtete Voltajuftis(!) wird jeden treffen, der sich in so schamloser Weise usw. Wann ist denn da der Herr Reichsstatthalter Kauffmann in Hamburg an der Reihe? Der hat sich doch ebenfalls unberechtigter Weise mit dem E. K. 1. Klasse geschmückt und sich durch eine Eleine Urkundenfälschung älter gemacht als er wirklich war, Brief aus Baden Auf Umwegen erhalten wir nun auch einen Brief aus Baden. Fünf Tage war er unterwegs, fam aber nun unversehrt bei uns an. Wir hoffen, daß unser Gewährsmann noch häufiger berichten fann. Die Redaktion. Vom freien Land zum Konzentrationslager Baden rühmte sich einstmals, ein Muschterländle" zu sein. Das wars auch bis zu dem Augenblick, da Hitlers Reichsstatthalter Wagner und seine Freunde sich an die Futterkrippe setzten und ein Regiment der persönlichen Rachebefriedigung einrichteten, das bekanntlich zuerst in Deutschland hervorragende Führer der Sozialdemokratie in die Konzentrationslager warf. Inzwischen stellte sich längst heraus, daß die tragische Tat des früheren Landtagsabgeordneten Nußbaum, die der neuen Regierung als äußerer Anlaß zur ersten Terrorwelle diente, in geistiger Umnachtung begangen wurde, doch fand das System des Herrn BackfischWagner bis heute noch nicht den Mut, die damals Verhafteten wieder freizugeben. Männer wie Marum, Remmele( der frühere Staatspräsident und Innenminister), Meier( der Freiburger Reichstagsabgeordnete), Regierungsrat Stena, mehrere Polizeioffiziere, viele Gewerkschafts- und Parteifunktionäre schmachten noch immer in den Konzentrationslagern. Der Zynismus der neuen Herren geht sogar so weit, daß man öfter zum Zwecke der Verspottung und Demütigung des politischen Gegners Fotos, die nationale" Erziehungsarbeit in den Lagern bezeugen sollen, in den Zeitungen erscheinen läßt. Urlaub aus Kislau Eine besondere Gefühlsroheit leisteten sich die Sklavenhalter im Konzentrationslager Kislau. Als vor einigen Tagen die Frau des dort inhaftierten früheren Ministers Remmele starb, der zuletzt seinen Wohnsitz in Hamburg hatte, brachte es der Herr Reichsstatthalter Wagner fertig, für Remmele einen achttägigen Urlaub aus dem Konzentrationslager zu genehmigen. Remmele wurde unter der Bedeckung eines Kriminalbeamten und eines SA.- Mannes in Zivil nach Hamburg gebracht, konnte dort die mit der Beisehung seiner Frau verbundenen Formalitäten regeln, unter polizeilicher Bewachung an der Beisehung teilnehmen und wurde dann wieder nach Kislau transportiert. Man muß sich in das Schicksal eines solchen Mannes hineindenken können, um zu ermessen, welche seelischen Qualen ihm diese Prozedur bereitete. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß die Frau Remmeles als Opfer der politischen Berhebung starb. Schon vor einigen Jahren sette man diese einfache, völlig gesunde Frau unter dauernden Druck einer systematischen Hezze, die man gegen ihren Mann in der Karlsruher Nazizeitung mit den gemeinsten Mitteln betrieb. Die Frau kam von den unaufhörlichen Hezereien nicht mehr los und wurde von einer 6000 Juden in 15 Jahren Erhebungen des preußischen Innenministeriums haben ergeben, daß in Preußen von 1919 bis 1981 nur 5000 Juden eingebürgert wurden, so daß also fürs ganze Reich feine 6000 in Frage kommen. Im Wahlkampf aber logen die braunen Betrüger, als sei die Judenrepublit" seit 1918 mit galizischen Einwanderern" geradezu überschwemmt worden. Gemütskrankheit befallen, der fie jest erlag. Eines der vielen gravierenden Beispiele aus Hitler- Deutschland, wie man eine Familie zerstört. SA.- Liebhaber legen einen Juden um In Mannheim wohnt ein Jude Kaufmann. Er ist seit vielen Jahren mit einer„ Christin" aus Duisburg verheiratet. Im Zeichen der Aufnordung Deutschlands fing die Frau an unglücklich" zu werden. Sie wollte ihren Mann los sein. Da sie sich inzwischen einen strammen SA.- Mann aus Duisburg, ihrer Heimat, als Liebhaber erkoren hatte, kam sie auf die immerhin neue Idee, im Zuge der allgemeinen Judenaustilgung auch ihren Ehegespons beseitigen zu lassen. Der Liebhaber verschrieb sich noch ein paar Duis burger SA.- Leute, die vor etwa zehn Tagen den Ehemann burger SA.- Leute, die vor etwa zehn Tagen den Ehemann in der Wohnung kaltblütig niederschossen. Wie sehr sie von der Legalität ihrer Mordtat überzeugt waren, beweist der Umstand, daß sie durchaus keine Eile hatten, den Tatort zu verlassen. Sie blieben in Mannheim und wurden dann von der Polizei verhaftet, zusammen mit der mordlustigen Eva. Der Mannheimer Untersuchungsrichter leitete eine Untersuchung gegen die fünf SA.- Leute und die Ehefrau wegen Mordes ein. Da tam vom Duisburger Staatsanwalt plötzlich ein Schreiben, in dem kategorisch die Freilassung der Mörder verlangt wurde. Angefügt war die Drohung, daß - falls der Untersuchungsrichter in Mannheim dem Duis ,, in Mannheim einmal burger Befehl nicht nachkomme nach dem Rechten gesehen werden müsse". Wie könne sich ein Richter erlauben, SA.- Leute einzusperren, denen nichts anderes vorgeworfen werde, als einen Juden„ umgelegt" zu haben. Der Mannheimer Untersuchungsrichter aber blieb standhaft und verweigerte die Freilassung. Vorerft! Bis vielleicht doch eine übergeordnete Stelle in Mannheim Ordnung schaffen, den Richter in Schuhhaft nehmen und die Mörder freilassen wird. Die ,, freiwillige" Spende zur Förderung der nationalen Arbeit In einem Großbetrieb weigerte sich ein Arbeiter, der frühere Vorsitzende des Betriebsrates, einen Beitrag zur Spende für die nationale Arbeit zu leisten. Man zitierte den Missetäter vor den Betriebsrat. Den nationalsozialistischen natürlich! Der muß doch Arbeit haben! Dort frug man den Arbeiter, warum er nichts zahlen wolle. Er erklärte, weil er nicht genug verdiene, um auch noch Geld herschenken zu können. Darauf drohte man dem tapferen Mann, der sich aber nicht einschüchtern ließ und den Nazileuten folgende Antwort versezte:" Ihr könnt von mir fordern, so viel Ihr wollt, ich zahle nichts. Und was kann mir schon geschehen? Schlimmstenfalls fomme ich auf den Heuberg( Konzentra tionslager) zu meinen Kameraden!" Worauf er ging. Eine Stunde später erhielt der Arbeiter seine fristlose Entlassung! Die Nazis behaupteten einmal, fie feien eine Arbeiterpartei. Stahlhelmtag abgesagt ,, Wegen organisatorischer Schwierigkeiten" Berlin, 24. Aug. Wie die„ TU." erfährt, hat der Bundess führer des Stahlhelms auf Wunsch des Reichskanzlers Adolf Hitler die für den 9. September anberaumte Reichsführertagung des Stahlhelms in Hannover auf den 23. bis 24. September verlegt. Wegen der durch diese Verlegung bedingten organisatorischen Schwierigkeiten wird die Durchführung des ursprünglich im Zusammenhang mit der Führertagung vorgesehenen Stahl= helmtages abgesagt. Ueber den Umfang und Verlauf der Reichsführertagung follen in den nächsten Tagen die Befehle erlassen werden. Neulich erft ist der große Bauernaufmarsch in Berlin abs gesagt worden. Damals war es die Rücksicht auf die Ernte. Solche Vorwände können für das Verbot des großen Stahl= helmtages Ende September nicht angegeben werden. Also müssen organisatorische Schwierigkeiten herhalten. In Wirklichkeit fürchtet der totale Staat mit seiner totalen Re: gierung jede Massenansammlung, die nicht klar und zuver läffig nationalsozialistisch ist. Mindestens könnte niemand dafür garantieren, daß zwischen Stahlhelm und SA. trot aller Gleichschaltung brüderliche Keilereien ausbrechen würden. Gegen die Bettelei NSDAP. darf nicht sammeln Hamburg, 25. Aug.( Inpreß.) Amtliche Kundgebung des Gauschaßmeisters William Spakowsky: Im Einvernehmen mit dem Gauleiter Reichsstatthalter Pg. Kaufmann weise ich in gegebener Veranlassung nochmals nachdrücklich darauf hin, daß jedwede Sammlung von Geld- oder Sachspenden, gleichgültig zu welchem Zweck, bis auf weiteres verboten sind. Zuwiderhandlungen oder Umgehungen dieses Verbotes werden auf das Strengste bestraft." Für die Bettelei NSDAP. soll sammeln Rönigsberg, 24. Aug.( Inpreß.) Kundgebung des Provinzialbeauftragten Ostpreußens des Jugendführers des Deutschen Reiches, A. Möller, Gebietsführer:" Deutsche Nürnberg. Durch die Aufbauarbeiten in den letzten MoVolksgenossen, wir haben den längsten Anfahrtsweg nach naten haben wir überhaupt keine Mittel zur Verfügung. Wir sind angewiesen auf die Opferfreudigkeit und Hilfs bereitschaft der Bevölkerung. Morgen, Sonntag, finden überall Straßensammlungen der Hitlerjugend statt. Geht an keiner Büchse vorbei, ohne Euren Groscher gespendet zu haben." „ Gründe“ Das Verbot der ,, Jüdischen Rundschau" Die Jüdische Rundschau", ein Blatt, das nur des halb nicht nationalsozialistisch war, weil die Nationalsozia listen keine Juden aufnehmen, ist für ein halbes Jahr verboten worden. Der Grund für das Verbot. wurde aus einem Leitartikel geholt, in welchem die Jüdische" Rundschau" mit aller notwendigen Ehrerbietung Herrn Alfred Rosenberg zitierte und devotest betonte, die deutschen Juden hätten sich immer und überall als treue Staatsbürger ihres Landes benommen. Einstellung durchs Arbeitsamt Die Nazis find eifrig dabei, eine alte sozialdemokratische Forderung, daß alle Einstellungen durchs Arbeitsamt vorgenommen werden müssen, auf ihre Weise zu verwirklichen. Wurde jüngst ein Maurer bei einem kleinen Unternehmer eingestellt. Am nächsten Tag kam vom Arbeitsamt an den Unternehmer, selber Nazi, folgender Anruf:„ Sie haben den Maurer X. eingestellt, ohne das Arbeitsamt zu verständigen. Der Mann ist sofort wieder zu entlassen. Wir schicken ihnen einen anderen Maurer!" Das geschah. Der andere Arbeiter trug das Mitgliedsbuch der NSDAP. in der Tasche. Beim Arbeitsamt werden überhaupt nur noch Arbeiter vermittelt, die der Nazipartei angehören. Aufs Land mit den Marxisten Von allen badischen Arbeitsämtern werden jetzt junge Arbeitslose, die nicht verheiratet sein dürfen, als Landhelfer zu den Bauern geschickt. Dort bekommen sie für schwere körperliche Arbeit von morgens fünf bis abends neun Uhr im Monat 17 Mart, ein erbärmliches Essen und ein schlechtes Quartier. Die Leute haltens natürlich unter diesen Bedingungen( Kleider müssen selbst gestellt werden) nicht lange aus. Verweigern sie aber die Annahme dieser ,, Arbeit", dann entzieht man nicht nur ihnen, sondern auch allen anderen Familienangehörigen die Unterstüßung. Ja in einzelnen Fällen wurde den jungen Arbeitslosen, die als Marristen verdächtig sind, der Landhelferdienst durch die gleichzeitige Drohung mit dem Konzentrationslager schmackhaft gemacht. In Mannheim keine Arbeitslosen mehr! Vor einigen Tagen erschien beim Arbeitsamt Mannheim ein Arbeitsloser, der seinen Freunden eine Zeitung aus Breslau zeigte, in der mitgeteilt worden war, daß im Bezirk Mannheim der letzte Arbeitslose in Arbeit gebracht worden sei. Die Stempelbrüder lachten sich erst einen Ast, dann aber schimpften sie über solche Schwindelmeldungen. Ein SA.- Mann bemerkte den Auflauf, erfuhr die Ursache und sorgte dafür, daß der Mann mit der Zeitung in Schußhaft wanderte. Seit diesem Tag gibt es in Mannheim statt 36 000 nur noch 35 999 Arbeitslose. Ein neuer Sieg an der Arbeitsfront!" Zum Schluß noch einen Wunsch! Ihr wißt, wie wir hier alle nach Mitteilungen dürften. Eure Zeitung bekamen wir schon ein paar Mal. Ihr müßt es aber fertig bringen, noch mehr zu schicken. Die Genossen warten dauernd auf Nachrichten aus freien Zeitungen. Unsere Blätter hier will keiner mehr lesen. Wir halten aus und wollen den Zusammenbruch des Schandsystems be. schleunigen. Freiheit! Euer Freund Hochwächter. JAN SEVERIN Die Wirtschaftsschrumpfung Rundblick über eine trostlose deutsche Entwicklung Wer heute nüchtern und unter Vermeidung aller politis schen Schlagworte die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands zu überprüfen versucht, kommt tatsächlich zu niederschmetternden Ergebnissen. Ebenso wie in allen großen Industrieländern bleibt natürlich auch für Deutschland das Arbeitslosenproblem der Schlüsselpunkt der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung und trotz der von der Regierung veröffentlichten Zahlen und recht allgemein gehaltenen Angaben über den Rückgang der Erwerbslosig keit in einzelnen Bezirken, und zwar besonders in den landwirtschaftlichen Kreisen, hat sich die Situation auf diesem Gebiet in den letzten Monaten ganz außerordentlich verschlechtert. Fast von Tag zu Tag werden allerdings neue Bulletins ausgegeben, in denen irgend ein Landrat meldet, daß in seinem Kreise die Arbeitslosigkeit voll ständig überwunden sei. Diese Nachrichten kommen in der Praxis so zustande, daß in solchen industriearmen Landkreisen die gesamte erwerbslose männliche Bevölkerung zum Arbeitsdienst auf gerufen wird, während der gesamte Rest, someit alte Männer und erwerbslose Frauen nicht schon überhaupt seit längerer Zeit„ ausgesteuert" sind, der Wohlfahrts. fürsorge überwiesen werden und so aus den eigentlichen Listen der Arbeitslosen verschwinden. * Mit einer normalen Arbeitslosenstatistik, wie sie früher in Deutschland in geradezu vorbildlicher Weise gepflegt wurde, haben solche Manipulationen natürlich nicht das mindeste zu tun. Ein gleiches gilt von der Streichung aller jugendlichen Erwerbslosen aus den Listen der groß städtischen Arbeitsämter, die man einfach damit begründet, daß die betreffenden Jahrgänge zum Arbeitsdienst ein berufen seien. In Wirklichkeit kann man nur einen Bruchteil dieser Jahrgänge in den Lagern beschäftigen Der gesamte Rest wird weiter unterstützt, gilt aber jetzt nicht mehr als arbeitslos im Sinne der Statistik. Von Standpunkt einer wirk lich objektiven Sozialstatistik aus ist es übrigens nicht einmal angängig, die in den Arbeitsdienstlägern beschäftigten, ehemaligen Arbeitslosen nunmehr als erwerbs tätig anzusehen. Die Kosten des einzelnen Arbeitsdienst lers belasten die Staatsfinanzen, wie rechnerisch selbst nach den eigenen Ziffernangaben der Reichsregierung fest zustellen ist, den Reichshaushalt eher stärker, als die Unterstügungskosten für den einzelnen Arbeitslosen. Der wirtschaftliche Wert der Arbeitsleistung steht schon deswegen in einem krassen Mißverhältnis zu den aufgewandten Kosten, weil die Tätigkeit der Lagerinsassen vorwiegend in Wehrsport und ähnlichen Verrichtungen besteht, die mit wirklichen wirtschaftlichen Leistungen nichts zu tun haben. Der Rückgang der Arbeitslosenziffern in Deutschland ist, wie man zusammenfassend feststellen kann, trotz der bei oberflächlicher Betrachtung recht günstig wirkenden Ziffern ausgesprochen fiktiv. Dieser Rückgang beruht auf zahlreichen statistischen Manövern, die im übrigen vielfach auch noch recht ungeschickt vorgenommen werden, weil der Renner des deutschen statistischen Apparates aus verschiedenen Anhaltspunkten feststellen kann, wie die Dinge in Wirk lichkeit liegen. Um nur ein einziges charakteristisches Beispiel zu erwähnen, sei auf die Tatsache verwiesen, daß die neudeutschen Arbeitslosen- Statistiken einen Rückgang fast nur bei den Wohlfahrtserwerbs Tosen, also denjenigen Unterstützten aufweisen, die schon seit Jahr und Tag aus dem Produktionsprozeß heraus. geschleudert wurden. Jn Wirklichkeit bedarf es kaum näherer Darlegungen, um zu verstehen, daß ein wirklicher Rückgang der Arbeitslosigkeit sich in erster Reihe an den Ziffern der kurzfristig Erwerbslosen erweisen müßte, denn bei Neueinstellungen werden natürlich diese vor den langfristig erwerbslosen Wohlfahrtsempfängern bei weitem bevorzugt. Während noch bis vor einigen Wochen immer wieder sehr optimistische Berichte über den Geschäftsgang in den einzelnen Gewerbezweigen, so besonders in der Textil industrie, veröffentlicht wurden, sind diese amtlichen Darlegungen jetzt immer seltener geworden. Der Grund Die Preistreiberel Steigerungen bis zu 40 und mehr v. H. Die„ Vossische Zeitung"( Nr. 401) schreibt: " Die für einzelne Waren beobachteten Preissteige rungen um 20, 30, 40 und mehr Prozent können weder durch die Verteuerung gewisser ausländischer Rohstoffe, noch durch die Korrektur der unter dem mannigfachen Krisendruck eingeführten Schleuderpreise erklärt werden. Sie haben auch nichts zu tun mit einer anderen, gewissermaßen vom Kunden selbst gewollten Verteuerung des Einkaufs, die sich daraus ergeben kann, daß nicht mehr die bil lige Waren schlechthin, sondern die preiswerte Ware in den Bordergrund rückt, daß also neben dem Preis auch die Qualität wieder eine größere Rolle zu spielen beginnt. Die Rundfunkindustrie Bilanz der Berliner Funkausstellung Berlin, 24. Aug.( Jnpr.) Die 10. deutsche Funtausstellung wird von drei Tatsachen beherrscht: 1. sie ist eine reine NaziAusstellung; 2. der sogenannte Voltsempfänger scheint die Ausstellung zu beherrschen, ist aber im Vergleich zu den hochentwickelten Empfangsgeräten ein jämmerliches Spielzeug und 3., es fehlen Auslandsbesuche. hierfür liegt darin, daß die Bevölkerung grade in den großen deutschen Textilrevieren, vor allem in Sachsen und im Rheinland, genau weiß, daß Aufträge fast überhaupt nicht mehr vorliegen. Besonders die Tuchwebereien waren einige Monate lang tatsächlich recht gut beschäftigt. Es handelte sich hierbei aber nicht etwa um Export aufträge, die vielmehr trotz größter Preiskonzessionen in enormem Maßstabe annulliert worden sind, sondern vielmehr um Inlandsaufträge, die sozusagen der Uniformierung des ganzen deutschen Volkes dienten. Dieser Bedarf an Uniformen und vor allem an uniformähnlichen Kleidungsstücken ist jetzt auf lange Zeit hinaus gesättigt und die in der Hand des Publikums befindlichen Bestände werden sehr stark dazu beitragen, den normalen Textilbedarf auf lange Sicht äußerst niedrig zu halten. Nach Erledigung dieser Inlands aufträge, deren Bezahlung übrigens nach übereinstimmen den Berichten der Verbände und der großen Unternehmungen sehr viel zu wünschen übrig läßt, fehlt es völlig an Aufträgen. Solange noch Rohstoffvorräte vor handen, wurden die Spinnereien und Webereien durch sanften Druck" der NSDAP. und anderer lokaler Amts: stellen, schließlich sogar der Zentralbehörden gezwungen, von Arbeiterentlassungen abzusehen. Die vorhandenen Rohstofe sind aber nun inzwischen fast durch weg verarbeitet worden und die Möglichkeit neuer Einkäufe ist so gut wie überhaupt nicht vorhanden, da es einerseits den Firmen an den hierfür notwendigen Mit teln bzw. an dem entsprechenden Kredit fehlt und da andererseits die hierfür erforderlichen Devisenbeträge von der Reichsbank gar nicht oder nur in ganz bescheidenen Grenzen freigegeben werden können. Man begnügt sich Grenzen freigegeben werden können. Man begnügt sich auf dem Gebiet der Textilwirtschaft mit völlig unzu reichenden Ersagrohstoffen, mit Kunstvolle, deutscher Inlandswolle, Kunstseide usw., die aber ihren Zweck bei weitem nicht erfüllen können und sich überdies vielfach eher teurer stellen als die überseeischen Rohstoffe, die man nicht einführen kann und darf. Die Folge dieser trostlosen Entwicklung, für die die Textilindustrie hier nur als Beispiel angeführt werden soll, ist auch bereits deutlich in der Tatsache zu erkennen, daß den Unternehmern heute nichts weiter übrig bleibt, als ihre beschäftigungslos gewordenen Arbeiter zu entlassen. Eine Zeitlang versuchte man, die Belegschaften durch immer stärker gedrosselte Kurzarbeit soweit als irgend möglich in den Fabriken zu halten. Auch diese Uebergangsperiode scheint jetzt abgeschlossen zu sein. Die Lage läßt sich am kürzesten so kennzeichnen: Die Roh stoffläger sind leer. Die Vorräte an Fertigwaren find unverhältnismäßig groß, aber im Jnland aus Mangelan Raufkraftvöllig unverkäuflich. Auslandsaufträge fehlen und die Offerten bleiben schon mit Rücksicht auf den immer schärfer spürbar werdenden Boykott ohne Erfolg. Die Belegschaft wird immer weiter vermindert und die Unternehmungen sind fast nur noch damit beschäftigt, immer wieder zu versuchen, ihre Fertig warenläger abzubauen, insbesondere die Ware durch ständig größeren Preisnachlaß im Export zu verschleudern. Man bietet heute bereits zu Preisen an, die um 30 Prozent. ja in einigen Artikeln sogar bis zu 40 Prozent unter den Weltmarktpreisen liegen. Aber trotz dieses Dumpings bleibt der Erfolg aus. * Neuerdings hat nun die Reichsregierung einen Weg beschritten, durch Einführung einer neuen Export prämie den Bemühungen der Industrie zu Hilfe zu kommen und dieses schon jetzt mindestens 30prozentige Dumping noch weiter zu verstärken. Bekanntlich wird nach dem Londoner Abkommen nur ein Teil zumeist 50 Prozent der deutschen Anleihezinsen, insbesondere auch der Obligationenzinsen deutscher Aktiengesellschaften usw. transferiert. Die andere Hälfte zahlt der Schuldner in Deutschland in eine zu diesem Zweck besonders gebildete Konversionskasse in Berlin ein, die ihrerseits dem aus ländischen Gläubiger Scrips aushändigt, die unverzins. lich sind und ohne jede Valutagarantie auf den nicht transferierten Nominalbetrag der fällig gewordenen Zins zahlung lautet. Nach der Ansicht des Reichsbank präsidenten Dr. S ch a cht dürfte bei der Ausbildung eines entsprechenden Marktes für diese Scrips mit einem Kurse von 50 Prozent zu rechnen sein. Die Auslandsgläubiger, vor allem die von der ganzen Reglung besonders betroffenen Schweizer Interessenten haben diese Annahme allerdings von vornherein als reichlich optimistisch zurückgewiesen, da kaum anzunehmen sei, daß eine solche unver zinsliche, lediglich auf Reichsmark lautende Schuldverschreibung marktmäßig höher bewertet werden dürfte, als zahlreiche hochverzinsliche Gold- und Dollarobligationen deutscher Schuldner, die seit Jahr und Tag an den Weltbörsen amtlich notiert werden. Diese Skepsis in die Verwendbarkeit der Scrips der Konversionskasse versucht man nun durch eine neue Reglung zu beseitigen, die die Scrips gleichzeitig zu einem sehr wert. vollen Instrument für die deutsche Exports förderung machen soll. Nach dieser Reglung wird nämlich den deutschen Exporteuren erlaubt, die Scrips der Konversionskasse zum vollen Nennwert bei der Bezahlung ihrer Fakturen durch die Auslandskunden in Zahlung zu nehmen. Der die Scrips dann in Deutschland der Konversionskasse einreichende deutsche Exporteur erhält den vollen Nennbetrag in Mark ausgezahlt. Der ausländische Käufer deutscher Waren, der zu einem Kurse von ca. 50 Prozent die Scrips erwerben kann, würde also für den Bezug deutscher Ausfuhrgüter eine sehr erhebliche Preisermäßigung erlangen. Zunächst hofft man- offenbar auch mit Aussicht auf Erfolg auf diese Weise eine sonst kaum erzielbare Kursbewertung der Scrips pon 50 Prozent zu ermöglichen und den Schaden der Gläubiger also auf eine insgesamt„ nur“ 25prozentige Entwertung ihrer Zinsscheine zu begrenzen. Auf der anderen Seite aber holt man aus dieser Reglung, die auf den ersten Blick nur im Interesse der ausländischen Anleihegläubiger ge troffen zu sein scheint, eine weitere erhebliche Exportprämie für die deutsche Industrie heraus. * Berücksichtigt man, daß die deutschen Exportindustrien, die heute zumeist nicht mehr in der Lage sind, neue Roh stoffe hereinzunehmen, weil der immer schlimmere Devisenmangel und die gleichzeitige scharfe Steigerung der internationalen Rohstoffpreise dies verhindern, schon jetzt im Zeichen eines allgemeinen Ausverkaufes ihrer Fertigwarenlager zu 30 Prozent unter den Weltmarktpreisen stehen, so wird man sich über die Folgen dieser zweiten Dumpingprämie, die hier geschaffen worden ist, nicht im unklaren bleiben dürfen. Die nichtdeutsche Industrie, die die gleiche Ware oder aber ähnliche Artikel fabriziert und exportieren will, dürfte von dieser Maßnahme in nicht geringem Umfange betroffen werden. Finanziert wird diese ganze Dumpingprämie mit dem Gelde, das man dem ausländischen Besizer deutscher Anleihen vorenthält. Die Wirtschaft der anderen Industrieländer ist also auf diese Weise doppelt geschädigt, einmal um die Zinszahlungen auf das in Deutschland angelegte Kapital, weiter aber um die entsprechende Beeinträch tigung des eigenen Exportes gegenüber der deutschen Dumping- Ausfuhr. Unter diesen Verhältnissen ist es nicht weiter merkwürdig, wenn sich der Boykott gegen den deutschen Export, von allen humanitären und politischen Motiven ganz abgesehen, schon aus solchen der wirtschaftlichen Selbsterhaltung der anderen Industrieländer immer weiter verschärft. Damit spitzt sich aber die wirtschaftliche Krisenlage in Deutschland immer weiter zu und es muß daher trotz aller günstigen Kommuniqués, trotz der veröffentlichten Statistiken und trotz aller Propaganda für die angeblich bereits deutlich sichtbaren Erfolge des wirtschaftlichen Wiederaufbaues immer fraglicher werden, ob eine Ankurbelung der deutschen Konjunktur unter den herrschen. den Verhältnissen überhaupt möglich ist. Die bisherige Entwicklung scheint sehr deutlich für das Gegenteil zu sprechen. radiotechnisch von der Welt abschließen. Man hatte ur Produktive Arbeit sprünglich mit dem Verbot der Anschaffung von Fernempfängern für Private gerechnet, aber die Industrie verhinderte diesen Göbbelsschen Plan. Die teuren Empfänger, die im wesentlichen für den Export gebaut werden, werden in diesem Jahre keinen Absatz finden, da weder nach Großbritannien, Frankreich, Tschechoslowakei, Polen, Spanien vnd dem Balkan, noch nach den skandinavischen Ländern seit dem 1. Quartal des Jahres Rundfunkgeräte ausgeführt werden fonnten. Killinger bestellt „ ,, Alle Rassen willkommen" Der fächsische Ministerpräsident von Rillinger äußerte Chausseen werden gebaut, um gesprengt zu werden Berlin, 24. Aug.( Inpreß.) Die produktive Arbeitsbeschatfung hat nahe bei Berlin, bei Jüterbog, eine äußerst sinnfällige Illustration erhalten: ein Lager von Arbeitsdienstfreiwilligen hat eine tadellose Chaussee bauen müssen, die mitten in der Landschaft anfing und mitten in der Landschaft aufhörte Dann wurden Sprengkästen in die Chaussee eingebaut und diese Chaussee wurde von der Reichswehr wieder gesprengt. sich einem Pressevertreter gegenüber zu der Frage, ob Auflösung aller Werksportvereine während der Leipziger Messe irgendwelche Unsicher heit für Ausländer oder Andersrassige bestehe. Er erflärte kategorisch, daß jeder Ausländer, gleich welcher Nasse, ruhig zur Leipziger Messe fommen und sicher sein könne, stets als geachteter Gast behandelt zu werden. Das Ausland müsse sehr wohl wissen, daß in Deutschland Ordnung und Sicherheit herrsche. Trotzdem habe er aber noch beson dere Anweisung an die Polizei erteilt, während der Messetage den Sicherheitsdienst zu verstärken. Wenn Beute wegblieben, so geschehe dies nur aus völlig unbegründeter Furcht oder aus Unkenntnis der in Deutschland herrschenden Verhältnisse. Und dieser Rillinger ist einer der übelsten Judenfresser! Man weiß schon jetzt, daß die deutsche Rundfunkindustrie mit Verlusten arbeiten wird. Der von Göbbels sämtlichen Fabriken in Zwangsauflage befohlene Voltsempfänger ist für die Fabriken kein Geschäft.(?) Seine Einführung sollte Die Hörer auf den Ortsempfang beschränken und Deutschland Messe stehen. Berlin, 24. Aug.( Inpreß.) Die Reichssportbehörde hat die Auflösung sämtlicher Firmensportverbände angeordnet. Ausgenommen sollen nur die Vereine der Post, der Reichsbahn und der Polizei sein. Diese Maßnahme ist durch die Furcht zu erklären, in Firmen- und Werksportverbänden, die früher besonders gefördert wurden, könnte sich eine Opposition entwickeln, die nicht so gut überwacht werden kann, wie in den mit Nazitommissaren und Spizeln durchsetzten offiziellen Sportverbänden. Wenn er so bettelt, muß es ganz schlecht um die Reipatger Abonniert die Deutsche Freiheit Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" Ein Fluchtversuch ,, Wenn die Behörden mich erwischen" I Ich erkläre feierlich, daß folgende Erzählung sich bis in die kleinste Einzelheit so in Wirklichkeit abgespielt hat, wie ich sie hier vortrage. Ich weiß, daß mir das gleiche Schicksal blüht wie meinem Freund A. S., von dessen Sterben ich hier erzählen will, wenn es seinen Mördern gelingt, mich als den Verfasser dieser Zeilen zu entdecken. Ich weiß auch, daß vor einem kommenden Gericht hundert Arbeiter aufstehen und mit ihrem proletarischen Eid die Wahrhaftigkeit dieses bekräftigen werden. Ich weiß, daß viele dieser Arbeiter bis dahin den gleichen Weg gegangen sein werden, den der junge Genosse A. S. gehen mußte. Aber ich kann nicht schweigen. Ich muß erzählen, wie mein Freund A. S. starb, damit es ja nicht vergessen wird. Es ist ein Stück des Golgathaweges der deutschen Arbeiterklasse, der noch nicht zu Ende ist, und den Millionen junger deutscher Arbeiter gehen, bis sie ihn durch ihren Kampf beenden werden. In unserer Stadt wohnen die Arbeiter größtenteils in dem mittelalterlichen, schmutzigen Viertel, das man die Altstadt nennt. Abends stehen sie in kleinen Gruppen an den Eingängen der engen feuchten Gassen. Die jüngeren Arbeiter scherzen wohl mit den vorübergehenden Mädchen und fizzen in Reihen auf den breiten Treppenstufen der alten Barockbürgerhäuser. Mein Freund saß immer bei uns. Er war einer der zurückhaltendsten Menschen unserer Gasse. Deshalb hänselten wir ihn oft. Aber im Ernst verfügte er über riesige Kräfte. So saßen wir eines Abends zu fünft am Eingang zur T.- Gasse, als sich von der L.- Gasse her zwei betrunkene, von Dirnen eskortierte Männer näherten. Aus einander gehen," schrien sie mit schwankender Stimme:„ SA.- Streife". Sie waren als solche nicht zu erkennen; sie hatten weder Uniform noch irgendwelche Abzeichen an, während die SA.Streifen fast immer in Uniform und sichtbar bewaffnet auftreten. Vielleicht hätte man die verrohten, gemeinen Gefichter der beiden Betrunkenen als Legitimation nehmen können, aber wir waren zunächst nur empört über das Auftreten dieser Halunken und verlangten Ausweise. Sie wurden jedoch grob, schrien und zogen Pistolen, mit denen sie uns bedrohten. Die Dirnen fannten uns als organisierte Arbeiter und flüsterten ihren Begleitern zu, daß wir Kommunisten seien. Das erhöhte den Mut der Betrunkenen beträchtlich, da sie sich linksstehenden Arbeitern gegenüber immer im Recht au sein glaubten. Sie schossen mehrere Male, ohne jemand zu treffen, und entfernten sich dann unvermutet in Richtung des Kaffee R. ★ Ereignisse und Geschichten 10 Gebote für Anno 1933 emmo 18 10 Gebote nicht mehr rührte und regte. Sein Körper wurde buchstäblich zerfleischt. Wir mußten bis elf Uhr des nächsten Tages bleiben und alles Blut auswaschen. II Sehr schnell sickerte das Geschehene durch. Mit Windes eile lief die Nachricht durch die Stadt, durch alle Arbeiterviertel. Die Behörden konnten vertuschen und verbieten, die Zeitungen konnten Notizen bringen wie: Heute nacht wurbe ein berüchtigter Kommunist angeschoffen, als er sich seiner Verhaftung durch eine SA.Streife widersetzte und tätlich gegen sie vorging. Er liegt schwerverletzt im B.- Hospital." Die Wahrheit setzte sich durch. Sogar Einzelheiten der ärztlichen Untersuchung, die das Blut in den Adern er= starren ließen, tamen unter die Leute. Es wurde dementiert und verhaftet. Aber nie wurde seit Hitlers Machtübernahme eine solche Unruhe gespürt, als in jenen Tagen. Es erschienen Handzettel mit anklagendem Tegt, ergebnislos verliefen die Haussuchungen. III In der Gaffe, in der A. S. mit seiner Mutter gewohnt hatte, war fein Mann, keine Frau, fein Kind zu Hause ait dem Tag, an dem mein Freund begraben wurde. Totenstill lag das Viertel der Armut, aus dem die Menschen stumm, abgerissen, vorbei an patrouillierenden Polizeiwagen, zum Friedhof gingen. Es mögen Tausende gewesen sein, die an jenem Tag heimlich die Fäuste geballt haben, es waren Hunderte, die weinten. Wir schämten uns nicht unserer Tränen. Wir weinten, wie wir seit unserer Kindheit nicht mehr geweint hatten. Wieviele Flüche wurden an dem zerrissenen Körper unseres Freundes seinen Mördern gesprochen. Die Mutter des Ermordeten schrie auf dem Heimweg unaufhörlich:" Die Nazis haben meinen Bub totgeschlagen." Sie padte jeben ihr begegnenden Menschen und schrie ihm ins Gesicht:„ Die Nazis haben meinen Bub totgeschlagen." Schließlich nahm man sie fest und brachte sie in die Jrrenanstalt. Die Behörden bewahrten bis heute Stillschweigen. Wenn sie mich erwischen dafür, daß ich das Schweigen gebrochen habe, so bitte ich das Schicksal, gnädig zu sein und es schnell Golv. zu machen. Ein Gefangener Wir ließen die Angelegenheit nicht auf sich beruhen, son- reicht dem Tod die Hand dern folgten den beiden und alarmierten in einem verfluchten, törichten Gerechtigkeitsgefühl selbst das Ueberfallfommando. Daraufhin erschienen nach etwa zehn Minuten zehn SA.- Leute mit einem Schutzpolizeibeamten auf einem Polizeiwagen. Wir wurden auf dem Wagen verstaut, zusammen mit den zwei Betrunkenen, und daraufhin entfernte sich der Beamte. Wir wurden nicht zur Polizei, sondern zur SA.- Kaserne am 3.- Platz gebracht. Es beschlich uns ein unheimliches Gefühl, als wir unter allerlei Vorsichtsmaßregeln ausgeladen wurden; aber im Bewußtsein unserer Unschuld folgten wir ohne Zögern. Wir wurden in ein vergittertes Zimmer gebracht, während die zwei Halunken, denen wir das alles zu verdanken hatten, sich nun tatsächlich als Mitglieder einer nationalen Formation ausweisen konnten und mit in den Aufenthaltsraum ihrer Gesinnungsfreunde gingen. Was sie dort erzählten, ist nie befannt geworden. Seit wir wußten, daß es sich bei den beiden Betrunkenen. um Faschisten handelte, waren wir in dem dunklen vergitterten Zimmer von Furcht ergriffen. Wir bereuten, unserem Gefühl gefolgt zu sein. Als die Tür aufging und eine Anzahl mit Ketten, Knüppeln und Stuhlbeinen bewaffneter Faschisten hereinkam, erfaßte uns ein lähmendes Entsetzen. Wer von euch hat geschossen?" schrie der Führer. ,, Niemand, niemand von uns," versuchten wir zu beteuern, aber ehe wir nur richtig zum Reden gekommen waren, fielen die Bestien wie wahnsinnig über uns her. Gleich zu Anfang brach der Arbeiter N. mit einem schweren Schädelbruch zusammen, sein Blut übergoß den Boden und spiegelte die Knöpfe der Uniformen wider. Anscheinend war der junge Genosse A. S. durch die Lügen der Betrunkenen besonders belastet, denn auf ihn schlugen die Mörder bestialischer als auf uns ein. A. fiel auf den Boden und versuchte mit seinen zerschlagenen Armen über die Bohlen zu kriechen. Er stöhnte leise, er war halb wahnsinnig vor Entsezen. Einer seiner Mörder trat ihm die Zähne ein und riß mit seinen beschlagenen Stiefeln die halbe Wange ein. Alle schlugen auf den im Blut seines Rameraden liegenden, leise winselnden Menschen ein, der immer versuchte zu entkommen und doch nicht konnte. Wir waren von einem fürchterlichen Entsezen gepackt. Reiner von uns glaubte, mit dem Leben davon zu fommen. Mit einem Male richtete sich A. auf, Blut strömte über seinen ganzen Körper, seine Wangen hingen in Feßen herunter, und sprang gegen das geschlossene und vergitterte Fenster. Er mußte wahnsinnig vor Schmers geworden sein. Er sprang mit übermenschlicher Kraft gegen das geschlossene und vergitterte& enster. In diesem Augenblick frachte ein Schuß. A. S. fiel zurück, schwer in das nasse Blut. Er drehte sich noch herum, wic um sein Gesicht zu schützen. „ Er verstellt sich nur," schrie jemand, drauf!" Und wieder schlugen die Mörder auf den Unglüdlichen los, der sich Erft hört man den Schrei der armen Kreatur, Dann poltern Flüche durch die aufgescheuchten Gänge, Sirenen fingen die Alarmgefänge, In allen Zellen tickt die Totenuhr. Was trieb dich, Freund, dem Hein die Hand zu reichen? Das Wimmern der Gepeitschten? Die geschluchzten Hungers flagen? Die Jahre, die wie Leichenratten unsern Leib zernagen? Die ruhelosen Schritte, die zu unsern Häuptern schleichen? Trieb dich der stumme Sohn der leidverfilzten Wände, Der wie ein Nachtmahr unsre Bruft bedrückt? 28ir wissen's nicht. Wir wissen nur, daß Menschenhände Einander wehe tun. Daß feine Hilfebrücke überbrückt Die Ströme Jch und Du. Daß wir den Weg verlieren Im Dunkel dieses Hauses. Daß wir frieren. Ernst Toller. Du sollst keine anderen Götter haben neben dem EJNEN. Du sollst nicht lügen, aber du darfst auch nicht die Wahrheit sagen. Du sollst dich bedingungslos gleichschalten, damit der EJNE kritikfrei über dich schalten und walten kann. Du sollst deine Eigenpersönlichkeit nicht zum Pfeile und nicht zum Kristall fonzentrieren sonst kommst du ins Konzentrationslager. Liebe du die Waffe mehr als den Frieden. Und bist du ein Dichter, dann sollst du der herrschenden DenPolitik untertan sein. Denn die Politik ist die Seife fen und Dichten gilt als Seifenschaum. Der Begriff„ Vaterland" ist dir vorgeschrieben- aber greife nicht daneben, du würdest in Brennesseln greifen. Deutsche Gedankenfreiheit sollst du verschweigen. Gucke du nicht über die Grenzpfähle hinaus, denn drüben wohnt der Teifi. Und willst du diese Gebote nicht achten, dann werden DJE bm. dich schlachten. Hermann Stehr Juhaber des Goethepreises 1933 Der Goethe- Preis der Stadt Frankfurt a. M. in Höhe von 10 000 Mark wird in diesem Jahre dem 78jährigen Dichter Hermann Stehr zuerkannt werden. Stehr, der aus Schlesien stammt und in Oberschreiberhau lebt, war bis 1911 als Volksschullehrer tätig und ist bereits seit dem Ende der achtziger Jahre mit einer größeren Anzahl Romane und Novellen, in denen er Menschenschicksale seines Heimatlandes schilderte, hervorgetreten. Der Goethe- Preis wird am Geburtstag Goethes, dem 28. August, verteilt. Man las Aufsäße des ehrwürdigen Hermann Stehr in jüngster Zeit häufig in Nazi- Blättern, mit rührenden Worten, die auf Gleichschaltung schließen ließen. Ganz gewiß: Stehr hätte sonst den Goethe- Preis, der nach HitlerGunst verteilt wird, nicht erhalten. Schriftsteller Kommissarisch beordert von Hinkel Der neue Vorstand der deutschen Gruppe bes PEN- Clubs setzt sich wie folgt zusammen: Hanns Johst, Hanns Hinfel, Rainer Schlösser, J. v. Leers, Edgar v. Schmidt- Pauli, Hanns Martin Elster, Erich Kochanowski. Tie organisatorische Leitung des Vorstandes liegt in den Händen von Staatsfommissar Hintel. Handle nicht, tanze nicht! Echängen erlaubt München, 21. Aug.( Inpreß.) Nach einem Beschluß des Hauptausschusses des Münchner Stadtrats werden jüdische Händler nicht nur bei den Versteigerungen des städtischen Leihamtes nicht mehr zugelassen, sondern auch nicht mehr beim Oktoberfest und den anderen fröhlichen Messen, die man in München Dult nennt. Horst Wessel- engros Der Deutsche Bühnenverein warnt vor den zu vielen Horst Wessel- Stücken, die von verschiedenen Bühnen angenommen worden sind. Nur Stücke, die durch die Mutter Horst Wessels gebilligt worden sind und pietätvoll erscheinen, sollen angenommen werden. Heroisches Theater Mit ,, Schlafwagenkontrolleur" und ,, Zigeunecliebe" In einer seiner schwulstigen und verworrenen Reden, in denen unverbaute Brocken aus der Kulturphilosophie seines einstigen Lehrers Gundolf herumschwimmen, hat Göbbels bald nach dem Umsturz erklärt: Das Theater des dritten Reiches wird heroisches Theater sein oder es wird gar nicht sein!" Davon läßt sich heute schon nach einem halben Jahr der Nastherrschaft die Probe aufs Exempel machen. Theater, die einst Kulturstätten ersten Ranges waren, sind gesperrt oder sie haben einen Spielplan, der unter der marristenverseuchten, fulturlosen Zeit" in diesem Zusammenhange niemals möglich gewesen wäre. So wollen wir uns einmal das„ heroische Theater" des„ dritten Reiches" näher ansehen, das zur Zeit in der Kulturmetropole Berlin „ verzapft" wird. Der Spielplan, den die Berliner gleichgeschalteten Blätter veröffentlichen, schaut folgendermaßen aus: Theater am Nollendorfplatz:„ Krach um Je= lanthe"; Theater am Kurfürstendamm:„ Der Schlafnachrichten" mitgeteilt, daß Franz Adam Beyerlein, der vor undenklichen Zeiten mit seinem Militärreißer 3 apfenstreich" viel gespielt wurde, nun eine neue Komödie in Arbeit hat, die Sommer in Tirol" heißt und sicher zur Belebung des Spielplanes der deutschen Theater beitragen wird". Allerdings wurde dabei nicht mitgeteilt, ob diese Komödie auch zur Förderung des Fremdenverkehrs nach Tirol dienen soll. Und das Leipziger Schauspielhaus hat zur Uraufführung ein Lustspiel von Ludwig Hynißsch und Friedel Hartlaub( mit garantiert arischer Großmutter) erworben, das den Titel führt: " Pedro soll hängen". Ein Lustspiel wie geschaffen für das„ dritte Reich". wagentontrolleur"; Theater in der Behrenstraße: Schlagartig muß es gehen „ Terzett zu viert"; Komödie:„ Der Mann mit dem Kuckuck"; Volkstheater: Schwarzwaldmädel"; Plaza:„ 3igeunerliebe"; Komische Oper:„ Die große Trommel" und Naturbühne Kölnischer Part: Die Rabensteinerin". So sieht der„ heroische" Spielplan im dritten Reich" aus und jeder, der nur ein flein menig vom Theater versteht, muß zugestehen, daß dies wohl die seichteste Spielplanerstellung ist, die in diesem Ausmaß in einer Großstadt überhaupt möglich ist. Aber die Nazifultur hat immer noch Reserven" zur Verfügung und so wird unter TheaterIm Westdeutschen Beobachter" liest man diese Zuschrift über die Arbeit der Kölner Bühne:„ Die Proben in der Oper haben bereits am 15. d. M. begonnen, im Schauspiel setzen sie am 22. d. M. ein. Die Oper eröffnet am 9., das Schauspiel am 12. September. Bis dahin werden in jedem Theater mehrere Werke nebeneinander in Vor- und Nachmittagsproben vorbereitet, um nach Eröffnung Schlag auf Schlag berausgebracht zu werden und so die gebotene Abwechslung und Farbigkeit im Spielplan zu erzielen." DAS DSQJNT T A GLICHE UN T E R H ALT UN G S- B E ILA G E S)e r Mund des Von Send Sand Der Zirkus„Banta-Rosario" war ein großes fahrendes Unternehmen mit festem Winterbau in einer europäischen Metropole, mit einem großen Tierbestand und riesigem Aufwand an großen Zeltbauten, ganzen Eisenbahnzügen und technischem Personal. Der Clown Gladonis gehörte seit vielen Monaten zu den ständigen artistischen Attraktionen, die überall eine große Wirkung auf das Zirkuspublikum ausübten. Er bot eine Hunbebressurnummer, die einzig dastand. Den Höhepunkt und Abschluß der Attraktion bildete an jedem Abend in den verschiedensten Städten der gelehrige Hund des Clowns Gladonis, der Pudel„Doktor"! Das Gelächter, das sein Name in aller Welt auslöste, wenn das Publikum den Clown Gladonis zu Gesicht bekam, hatte dieser wohl erwogen, als er, vor Jahren durch seine Dressurnummer zum Star aufgerückt, sich diesen Namen beilegte. Wurde man nicht durch den Klang des Namens an Adonis, den Gott der Schönheit, den Geliebten der Aphrodite, erinnert, und mußte man nicht, angesichts der grotesk unterstrichenen, abnormen Häßlichkeit des Clowns in helles Lachen ausbrechen...? Wieder geht die Attraktion der dressierten Terrier zu Ende, und schon sitzt„Doktor", der Wunderpubel, auf seinem Podest inmitten der Arena. Ein Herr im Frack spricht einige einführende Worte, in denen er darlegt, daß der Pudel rechnen und lesen könne, da ertönt von der obersten Galerie, da, wo die Köpfe der Zuschauer an das Zeltdach stoßen, ein Lärm, ein Mann mit verbeultem Zylinderhut auf dem un- förmigen Schädel, mit einer grotesken, kalkweiß geschmink- ten Harlekinnase im zinnoberrot gemalten Gesicht, ein Mann im zerschlissenen Gehrock, mit einem zerfetzten Regen- schirm über dem Arm erkundigt sich angelegentlich, ob das auch stimme mit dem Pudel, ob man denn mit ihm Karten spielen könne..." „Natürlich, GladoniSI" antwortet der Herr im Frack da unten,„natürlich, kannst du mit Doktor Karten spielen! Komm nur herunter!" Aber GladoniS kommt noch nicht. Mit seiner krähenden, meckernden Stimme ruft er:„Du, Herr Krause, hör mal zu!" „Ja, Gladonis, ich höre!" „Du, Herr Krause, der Pudel kann wirklich rechnen?" „Ja, Gladonis, der Pudel kann rechnen!" „Du, Herr Krause, dann soll er die Stufen, die ich hinuntersteige, zählen und die Summe durch eine Zahl dividieren, die ihm irgendein Herr aus dem Publikum zuruft!* Das ist der Anfang der zweiten Abteilung der Nummer. ES melden sich sieben Herren, von denen vier unter den üblichen in allen Sprachen einstudierten Witzen von Gla- donis zurückgeschickt werden. Sie sollen nicht zu klug werden. Der Pudel hat die erste Aufgabe durch viermaliges Auf- schlagen mit der Borderpfote auf eine Glocke gelöst. Nun soll das Kartenspiel eines der Herren aus dem Publikum mit Doktor an die Reihe kommen. Wie üblich befragt der Clown Hund und Menschen nach ihrer Kartenkenntnis, was beide bejahen und stürmische Heiterkeit auslöst. Dem Pudel werden nun Karten gezeigt und er soll sich über die Stich- wähl äußern. Da sackt der Herr, der sich zu diesem Experi- ment gemeldet hat, plötzlich schlaff in sich zusammen und sinkt in die Arme des Clowns. Es ist ein kleiner, dicker Herr, er hat in einer Loge gesessen. Der anwesende Arzt wird gerufen:„Tot. Herzschlag!" Zum ersten Mal in seiner Laufbahn muß GladoniS feine Nummer vor Beendigung abbrechen. Nachdem der Tote hinausgebracht worden ist, setzt schon die Blasmusik ein, trudeln schon die Manageclowns in die Arena, wendet man sich bereits der nächsten Nummer zu. Hinter den Stallungen aber, in seiner Garderobe, bemüht sich Gladonis um das aufgeregte Tier. Die übernatürlichen Kräfte, die er in dem Pudel entdeckt und emporgezttchtet hat, können dem Hunde nur durch sorgfältige Pflege, durch eine minutiöse Tageseinteilung erhalten bleiben. Ja, er liebt den Hund, den Glanzpunkt seiner Dressurnummer. Aber er merkt: mit Doktor geht eine Veränderung vor sich. Durch den ungewöhnlichen Vorfall ist er aus der Fassung geraten. Der nächste Abend bringt nach glänzend verlaufener Dressurnummer tatsächlich das völlige Versagen des Wunderhundes. Die Fähigkeiten des klugen Tieres sind offenbar durch den Abbruch der Nummer am gestrigen Abend verschüttet. Gladonis stolpert die Treppe hinunter. Es ist sehr komisch: das verzweifelte Bemühen des Clowns, dem stur dahockenben Hunde Küsse zu entlocken. Und der Direktor Banta-Rosario beschließt bereits, den eben gefaßten Entschluß einer Entlassung des Clowns fallen zu lassen und ihn in dieser tatsächlich erschütternd komischen Szene zu be- halten... Niemand achtet auf die Tränen in den Augen des Clowns, der vor seinem Hunde stehend die verzweifelten Versuche macht, die verschütteten Fähigkeiten wachzurufen. Die Leute heulen vor Lachen und halten sich die Seiten. Es ist zu komisch:„Ein Wunderhund, der sich nicht rührt! Haha!" Wie Gladonis vor dem Schminkspiegel niedersinkt, tritt ein Herr ein. Er stellt sich vor. Er ist Rechtsanwalt und Notar und in dieser Eigenschaft Testamentsvollstrecker des gestern hier in der Manege verstorbenen Jndustriemagnaten. Der durch seltsame Einfälle bekannte, anhanglose Mann hat verfügt, daß sein Vermögen demjenigen zufallen soll, in dessen Armen er sein Leben aushaucht. Wie ein Wunder trifft Gladonis diese Nachricht. Gladonis ist reich, Gladonis braucht nicht mehr in der Manege zu arbeiten, wird nicht mehr Gladonis sein, sondern Franz Tctzer. Und dieser Franz Tetzer verläßt nun den Zirkus, verläßt seine Hunde. Jahre vergehen, sind vergangen. Und ein häßlicher, alter Landstreicher hält seinen Einzug in die kleine Stadt. Das ist Franz Tetzer. Das ist der einstige GladoniS. der sich im bürgerlichen Leben nicht zurechtgefunden hat, dem neue Freunde halfen, das ererbte Geld zu verspekulieren und zu verbringen. Ein Zirkus ist vor den Toren der kleinen Stadt auf- gebaut, ein kleiner Wanderzirkus. Der alte Mann mit dem grotesk geformten Schädel wankt heran.„Banta-Rosario" steht auf dem großen Schild über dem Eingang! Dieser Zirkus war also jetzt hier. Gleich ihm von stolzer Höhe gesunken, gleich ihm verwahrlost, ein Bild des Jammers! Und Gladonis beschließt, um eine Unterkunft zu bitten. Man öffnet ihm. Man läßt ihn eintreten. Er atmet nach Jahren wieber die inbrünstig geliebte, lang entbehrte Zirkusluft! Man gibt ihm zu essen... Da ertönt Gebell vor der Tür des Wohnwagens. Der Direktor öffnet das Fenster und ruft hinaus„Ruhig, Doktor!" Aber der Pudel bellt und jault. Und schließlich läßt man ihn ein. Und nun angesichts des asthmatisch fauchenden, halb er- blindeten, treuen Tieres bricht etwas auf in dem ver- härteten Herzen des alten Gladonis und löst sich in heißen Tränen. So hockt er da und allmählich»ersucht er, die Erinne- rungen an die alten Künste und Fähigkeiten in dem Tier zu erwecken. Aber es ist vergeblich. Doktor bekommt sein Gnadenbrot ja auch ohne dies. Am Abend findet die Gala-EröffnungSvorstellung statt, und der Zirkus, der kraft seines berühmten Namens in solchen kleinen Städten immer noch eine große Anziehungs- kraft ausübt, ist gut besucht. Unter den Manegeclowns, die, grell bemalt, die Pausen mit ihren Späßen erfüllen, ist einer, der begleitet ist von einem Pudel. Es ist ein Clown mit einem unförmigen Schädel, von einer grotesken Häßlichkeit. Der hat eine kleine Solonummer. Er erklärt, sein Pudel sei ein Wunder- Hund, er könne rechnen und lesen..,. Aber immer, wenn er eine Frage an ihn richtet, sängt die Musik gewaltig an, einen Marsch zu schmettern. Mit Armen und Händen such- telnd winkt der Clown ab. Und wenn die Musik schweigt, erklärt er:„Eben hat er geantwortet!" Drei Minuten jeden Abend dauert das Solo des Clowns Gladonis, der wieder der Truppe angehört. Drei Minuten Gelächter für das Publikum. Nur drei Minuten... Aber dies Gelächter, das den ehrgeizigen Artisten einst vertrieben, beglückt nun den alten Clown... "Wie die Alien sunken... Heiteres von Kindern Der Lehrer hat viel über die Weisheitszähne ge- sprachen. Um zu sehen, welchen Eindruck sein Vortrag ge- macht hat, fragt er: „Welche Zähne kommen also zuletzt beim Menschen?" Sofort meldet sich Fredy:„Die falschen Zähne, Herr Lehrer!" * Die Familie geht auö.„Mama!" ruft Bob,„vergiß nicht die Bonbons, falls ich unterwegs zu weinen anfange." » „Diese Puppe kann Mama sagen!" erklärt der Verkäufer im Warenhaus. „Haben Sie keine, die weint, wenn sie kein neues Kleid kriegt?" fragt Lilli. In der Stadtbahn saß gegenüber ein Herr mit einer sehr roten Nase. Annchen stieß ihre Mama an:„Mutti! Soweit ich sehen kann, kriegen wir dieses Jahr einen sehr kalten Winter." « Die kleine Else wird gefragt, ob sie, wie ihre Mama, Schriftstellerin werden will. „Ach nein," antwortet die Kleine,„ich werde Sängerin und Schriftstellerin. Am Tage singe ich und nachts mache ich Geschichten." * Im Zoo spaziert ein Storch aus einer Wiese umher. Die kleine Marga nimmt ihren Bruder bei der Hand, der sich fürchtet:„Komm nur, wir gehen zu ihm. Män- nern tut er ja nichts." « Ein kleines Mädchen wird zu Bett gebracht. Als die Mutter mit der Lampe hinausgehen will, fürchtet es sich, im Dunkeln zu bleiben und bittet:„Mama, laß mir doch die Lampe da." „Ach, weißt du, Gretchen, du brauchst dich nicht zu fürchten, der liebe Gott ist ja bei dir im Zimmer." „Ach, Mama." ruft die Kleine,„nimm lieber den lieben Gott mit und laß mir die Lampe da!" Sachen nicht verlernen Ersatz „Ich verstehe nicht, was Du an Erika schön findest? dir Grazien haben wirklich nicht an ihrer Wiege gestanden!" „Nein, aber die Aktien!" Genügsam „Nein, ich habe wirklich eine treue Frau..., dreimal ist sie mir ausgerückt und jedesmal ist sie wiedergekommen!" Sommerfrische „Das ist ja eine furchtbar abgelegene Gegend, hier er- eignet sich doch nie etwas!" „Das dürfen Sie nicht sagen— nächste Woche zum Beispiel haben wir eine Sonnenfinsternis hier!" Inder schafft sich selbst den 9euectod Englische Blätter melden einen ganz eigenartigen Fall von religösem Fanatismus aus Indien, der ziemliche Aufregung und Sensation hervorgerufen hat. Ein Inder, der auf der Universität in Bombay studierte, war vor wenigen Monaten einer Hindusekte beigetreten, die wegen ihrer beson- deren Strenggläubigkeit in Indien sehr viel von sich sprechen macht. Narendranath, so heißt der Student, war nun auf Grund seiner Ueberzeugung und seines fanatischen Glaubens in kurzer Zeit zu einer Art Heiligen dieser Sekte ernannt worden. Den jungen Mann schien aber seine außergewöhn- liche Stellung, die er nun inne hatte, nicht zu befriedigen. Er war in den letzten Wochen sehr niedergedrückt und wort- karg geworden und eines Tages sah man, wie er aus Reisig und dürrem Holz einen Scheiterhausen schichtete. Anfangs dachte man an nichts Böses, ließ ihn ruhig gewähren, da man der Meinung war, er wolle bei diesem Scheiter- Haufen seine Gebete verrichten. Als nun der Holzstoß über Manneshöhe hoch geworden war, kletterte Narendranath vorsichtig hinauf. Zwischen seinen Lippen hatte er ein brennendes Räucherstäbchen, das er in den Holzsroß fallen ließ. Auf dem Holzstoß selbst band er sich noch Arme und Beine selbst zusammen und erwartete so seinen Ver- brennungstod. Einige Studienkollegen, die zufällig in der Nähe dieses Scheiterhaufens sich aufhielten, sahen noch, wie das dürre Holz im Nu zu brennen ansing und wollten dem jungen Manne zu Hilfe kommen. Auf ihre verzweifelten Schreie kamen noch andere Leute herbei, doch es gelang nicht mehr, den Studenten lebend zu bergen. Als man seine Brief- schasten sichtete, fand man auch ein Abschiedsschreiben vor, in dem Narendranath schrieb, daß er schon bei Eintritt in die Hindusekte die feste Absicht hatte, sich einst selbst den Tob zu geben. Es genüge ihm keineswegs, daß er zum„Heiligen ernannt wurde, er wolle auch alle Martergualen durch- machen und vor allem aber mit Krischnamurti im-rode vereint sein. Is brennt Xustiûe Anekdoten von der feuerreeftr Als der alte Hamburger Spaßmacher, der Letnenmakler Kirchhofs, einmal nachts in sehr heiterer Stimmung den Heimweg angetreten hatte, bat er einen Nachtwächter, ihm doch für einen Augenblick sein Horn zu leihen. Der Nachtwächter antwortete:„Nee, Herr Kirchhoff, da ^Als^ihn^ Kirchhofs für diese„kleine Gefälligkeit!" aber einen preußischen Taler gab, ließ er sich doch erweichen. Und nun stürmte Kirchhofs mit dem Horn davon, blies toll hinein und rief nach jedem Hornstoß:„Feuer! Feuer. Und der Nachtwächter rannte spornstreichs hinter ihm her mit dem Ruf:„IS nich wohr!" Auf der Polizei erschien ein Mann und sagte:„Ich möchte mich um die Aenderung meines Namens bemuhen. Mit der ihr angeborenen Höflichkeit erwiderte die Pollzer. .Bitte sehr, mein Herr, wie heißen Sie denn? „Ich heiße Brenz." „Aber ich bitte Sie, das ist doch ein sehr ordentlicher, durchaus nicht gewöhnlicher Name. Was haben Sie denn daran auszusetzen?" „Na, können Sie sich das nicht vorstellen? Immer, wenn ich mich am Telefon melde:„Hier Brenz'.", bekomme ich zur Antwort:„Dann rufen Sie doch die Feuerwehr an,>->e Idiot!" Als der Komponist Gustav Mahler noch Theaterkapell, meister in Leipzig war, betrat er eines Tages, tief in Ge- danken versunken, das Bühnengebäude mit brennender Zigarre. Zu seinem Pech mußte er gerade dem neuen Ober- feuerwehrmann in die Hände laufen.^ „Heh! Härn Se mal!" rief ihn dieser im strengsten sächsisch an.„Das wird gemeldet. Wer sein Se denn?" „Ich bin der Mahler!" hauchte ihn der Tongewaltige an und wandte sich zum Gehen. . Aber der brave Beamte faßte ihn am Rockärmel:„Kommse mal mit. Ob Se nu der Maler oder der Lackierer sein, gemeldet wärn Se doch!" Trinken! Man sagt in Berlin nicht„trinken", man sagt statt desse? lieber: Einen genehmigen Einen heben Einen verlöten, Einen schmettern Einen trillern Eine Molle kippen Einen auf die Lampe gießen Einen hinter die Binde gießen Einen hinters Vorhemd brausen Sich einen Affen kaufen Sich die Nase begießen Sich die Gurgel waschen Einer Flasche den Hals brechen... Meine Herren! Wie reich ist die deutsche Sprache, wenn sie liebt. Kurt Escher. Das Mind Mein Freund hat ein MädeL Acht Monate ist e» alt. Den ganzen Tag sitzt daS Kind nackt im Garten. Gestern besuchte ihn die Schriftleiterin einer katholische« Frauenzeitung. Besah entzückt das nackte Kind. „Ein Junge oder ein Mädle?" fragte sie. Er lachte:„Das sehen Sie doch selbst, gnädige Frau." Entsetzt drehte sich das späte Mädchen um:„Sie glaube« doch wohl selbst nicht, daß ich dorthin gesehen habe." NI/ Neudeutsche Kultur 23 Der neue Hakentang" vertieft die nationalen Gefühle Ein Mann liest in einer Bibliothek ein Werk von Karl Marx Der..Pranger" Deutsche Schmach In dem in Mannheim erscheinenden„ Hakenkreuzbanner" Widerliche Denunziation schleicht durch die finden wir dieses Schandgedicht. Das Judenliebchen Ganz harmlos fing die Sache an Bei so' nem fleinen Judenliebchen. Sie fah den intressanten Mann" Zuerst in einem Kaffeeftübchen. ... Die schönen, schwarzen Lockenhaare! ( Die Nase zwar start deformiert...) Doch dieser Blid der wunderbare Der hat fie ganz elektrifiert! Sie merkt mit Seligkeit und Bangen Bei diesem jungen Elegant Ein starkes finnliches Verlangen ( Er lacht so malitiös mokant). Und sieh! jetzt gibt er ihr die„ Ehre"! Er nimmt an ihrem Tische Play Als ob er längst dahin gehöre Als sei fie längst sein füßer Schat! Und im Gespräch stellt sich herans " Er" hat' nen eleganten Wagen, Der wartet vor dem Kaffeehaus Sie beide in das„ Glück" zu tragen! Jetzt schwinden sämtliche Bedenken ( Was bietet ihr das Leben schon?) Man kann sich schließlich auch verschenken An einen reichen Judensohn! Theater Kino Tanz- Mufik Das folgt jett luftig drauf und drauf! Ein ungetrübtes, holdes Glüc 3: Die Liebe höret nimmer auf! ( 3 875 So scheint der Anfang wunderschöne Wir woll'n mal etwas später seh'n: Ganz plöglich stellen sich die Wolken Am Liebeshorizonte ein-! Der Judenjüngling merkt die Folgen An seinem Chriften- Mägdelein. Jetzt wird er plöglich reserviert, Er hat auch furchtbar wenig Zeit! Dann meint er schließlich ungeniert: „ Wir trennen uns es tut mir leid." Auch jetzt zeigt er als Kavalier", Daß er ihr ganzes Leid versteht! Ein Scheck!( du bist bezahlt von mir) Ein legter Auß er lacht und geht! Jetzt bleibt fie bleich mit hohlen Wangen Allein und denkt mit Schreck daran-: Denn wohl fein Deutscher trägt Verlangen Und rührt die Judenmege an! Und die Moral von der Geschicht: Verschent dich einem Juden nicht; Denn niederträchtig und gemein Wirst du nach deutschem Urteil sein! Erwin Meifel. Täglich werden dann„ Judenliebchen" öffentlich genannt, und zwar so: Die Nächste! Presse In der nationalsozialistischen Fränkischen Tageszeitung" vom 19. August 1933 lesen wir folgende Berichtigung: In der vorlegten Nummer des„ Stürmer" wurde die Kontoristin Betti Habermann, wohnhaft in Nürnberg, Denisftraße 12, angeprangert, weil sie mit dem Juden Abraham Rubenstein, Eberhardshofstraße 4, beim Verkehr erwischt worden sei. Die eingeleiteten Nachforschungen haben ergeben, daß Fräulein Habermann zwar mit dem Juden gesehen wurde, zu irgend= welchen Intimitäten oder gar zu einem Verkehr ist es nicht gekommen. Der Jrrtum erklärt sich aus einer Verstümmelung des Berichtes bei der Durchgabe an den„ Stürmer". Der „ Stürmer" wird auf den Fall selbst zurückkommen." Wie erfolgreich" solche Terrorandrohungen sind, ersieht man aus folgendem Beispiel. In der gleichen Nummer der obengenannten Zeitung hieß es: „ Ein würdiger Vertreter seiner Rasse ist unser jüdischer„ Mitbürger" Siegfried Schmitz, Vordere Sterngasse 13 I, der als Konfektionseinkäufer im Warenhaus Tiek tätig ist. Wegen seiner Geilheit ist dieser Jude stadtbekannt. Obwohl in feiner Wohnung eine Anzahl deutscher" Mädchen verkehren, macht er dem weiblichen Personal des Warenhauses die dreckigften Anträge. Den Gipfel der Frechheit erreichte er vor kurzem, als er fich an ein knapp 16jähriges Lehrmädchen heranmachte und ihm gegenüber äußerte: Was bist Du ein hübsches Mädchen, mit Dir möchte ich mal schlafen!" Beschwerden über diesen Inden hatten bei der Geschäftsleitung keinen Erfolg. Wie wäre es, wenn sich die S. oder die Behörden einmal diefen sonderbaren Rassegenossen etwas näher anschauen würde?" Am 22. August 1983 teilt das gleiche Blatt seinem Mob mit: Wie uns die NSBO. der Firma nun mitteilt, ist der Jude Schmitz inzwischen fristlos entlassen worden. Auch befaßt sich bereits die Polizei mit der Weiterbearbeitung der Angelegenheit. Und darüber freut man sich denn auch." Es geht doch nichts über die prompte deutsche Hitlerkultur". Die Vernichtung der Juden in Deutschland geht viel, viel schneller, als die„ Beseitigung der Ar beitslosigkeit". „ Gesichterkarte" Das wird eine sehr bunte Geschichte werden Die Korrespondenz für Familienkunde teilt mit, daß mit Unterstützung der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft Pro fessor Hellpa ch- Heidelberg an einer Landkarte des deutschen Volkstums auf Grund von physiognomischen Studien arbeitet, um zu einer Art von Gesichterkunde der deutschen Stämme zu kommen. Hellpach kommt zu einer ersten Sfizze einer Landkarte des deutschen Volkstums, die sich auf dem Material der Gesichterkunde aufbaut. Auch auf diesem Gebiete haben sich im neustämmigen deutschen Often die Grenzen und Gliederungen als unbestimmter und verfließender erwiesen, verFortsetzung folgt! glichen mit dem klargegliederten, altstämmigen Westen und Käthe Gabel, Schanzenstraße 26, verkehrt mit dem Juden Lipschütz, 2, 4 wohnt bie„ Deutsche" welche mit dem verkehrt. Wir fahren fort: Jn Q 2, 17 Anna Schweitzer, Juden Kurt Maier, F 4, 16 Fortsetzung! Chriftine Godk verkehrt mit dem Fortsetzung folgt! Süden. Hier ist die rassische Buntheit der Bevölkerung durch den Einschlag des aus den Mittelmeerländern stammenden römischen Elementes" größer als namentlich im nördlichen und mittleren Often, wo von der ganzen Ostseeküste bis mindestens an die Sudetenmauer so gut wie nur das Nordische und das Ost is che" Element in Vermischung die Erscheinung aufbauen. Stammessprünge so augenfälliger Art wie im Westen zwischen Bruchsal und Rastatt, wo Pfälzer und Alemannen aufeinanderstoßen, oder zwischen Düsseldorf. und Bochum, wo Rheinfranken und fälische Sachsen sich begegnen, dürften im Osten überhaupt nirgends vorkommen. Für Beamte: Mundhalten Fortsetzung folgt! Das Gehalt beruht auf gutem Willen Juden Moritz Kirchhausen. I 3, 14 Die Soubrette Fortsetzung: Henny Liebler, 1, 15, wurde vor zwei Jahren durch Stipendien der Stadt(!) der Onkel der Mutter ist der frühere Staatspräsident Geiß!! gesanglich ausgebildet. Seit jener Zeit verkehrt Siese deutsche" Künstlerin mit dem verheirateten Raffeinden Alfred Landory. Vielleicht interessiert sich hierfür auch das Stadttheater Düsseldorf! Fortsetzung folgt! Ein Pack, das sich in solchen Schweinereien ergeht, beschwert sich auch, es werde durch uns im Auslande verleumdet? Der badische Unterrichtsminister hat ähnlich, wie es der preußische Kultusminister getan hat, ein Verbot direkter Eingaben und Anträge von Beamten und Beamtenorganisationen erlassen. Er führt dazu u. a. aus: Das Beamtenverhältnis ist kein Arbeitsverhältnis schlechthin, sondern ein besonderes Treueverhältnis zum Staat. Die materialistische und gewerkschaftliche Auffassung, die sich auch vielfach in den Beamtenverbänden breit machte, muß überwunden sein. Die Besoldung des Beamten ist kein Arbeitslohn, sondern eine Unterhaltsrente, die der Staat den Beamten gibt. Daß der Staat, solange er sich selbst in wirtschaftlicher Not befindet, an dieser Not auch die Beamten teilnehmen läßt, ist für jeden richtig eingestellten Beamten selbstverständlich. Die meisten deutschen Beamten haben keine andere Behandlung verdient. Die neue deutsche Frau in neuer deutscher Tracht Pfarrer in Schutzhaft Polizeiliche Warnung an die katholischen Priester Auf dem Kreisparteitag der NSDAP. in Neckarsulm warnte nach einem Bericht des Heilbronner Tagblatts" der Leiter der Württembergischen Politischen Polizei Dr. Mattheiß die Priester ausdrücklich, die Kirchentüren als Propagandamittel zu benußen und in Gesprächen oder Predigten Sabotage an dem wahren Sinn des Konkordats zu betreiben. Es könne sonst vorkommen, daß dieser Vertrag als gebrochen angesehen werden müsse und die Regierung auch ihrerseits sich nicht mehr an ihn gebunden fühlen würde. Man könne einen solchen Rückschlag gradezu wünschen, damit jene Glemente erkannt würden. Ebenso nachdrücklich warnte er fene sogenannten Wirtschaftsführer, die sich vont dem bisherigen System thres fapitalistischen Dentens noch immer nicht trennen könnten und den Geist der neuen Zeit bewußt mißverständen. In Schonach( Baden) wurde der katholische Ortsgeistliche Pfarrer Thoma in Schußhaft genommen, weil er bei der kirchlichen Feier anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Turnvereins, an der auch die SA. mit Fahnen teilnahm, abfällige Aeußerungen über das Mitbringen der Hakenkreuzfahne in die Kirche gemacht hatte. ..... ohne Dank zu fordern" Der Nazidichter Schauweck er wirbt in einem Auf satz der„ Breslauer Neuesten Nachrichten" für ein ,, beispielhaftes Leben", das jedoch mit Opfern und Entsagung verbunden sei. Er führt Fälle solch vorbildlichen Lebens an, findet jedoch unter der Nazibonzerie kein Beispiel, weshalb er sich an den unbekannten Sol daten hält: " Beispielhaft war der heroische Kampf der deutschen Soldaten im Weltkrieg, die in Dreck und Feuer fürs Vaterland aushielten, ohne Dank zu fordern..." Und die heute zum Dank für ihr Ausharren in Dreck und Feuer zu Millionen verfolgt, geächtet, rechtlos und brotlos gemacht, in Konzentrationslager gesperrt, mißhandelt und erschlagen werden! Alles im Auftrage eines Nazi- Halunkentums, das in fetten Aemtern und Posten ein beispielhaftes Leben lebt, wie die Made im Speck! Von dieser beispiellosen Gemeinheit darf kein Schauwecker berichten, weil das„ dritte Reich" nur Kreaturen duldet. Die Ariersucht Arisches Aeußere" ist Vorbedingung Der preußische Minister des Innern hat ergänzend, ses stimmungen über die Untersuchung der Bewerber für die Schutzpolizei erlassen. Bei den Untersuchungen der Bewerber auf förperliche Tauglichkeit durch die Polizeiärzte sowie auf geistige Tauglichkeit durch die als Prüfer tätigen Polizeioffiziere ist bereits auf eine einwandfreie arische Abstammung das Augenmerk zu richten. Un= beschadet davon bleibt die Pflicht der Einstellungsdienststellen, die arische Abstammung an Hand von Urkunden nachzuprüfen. Die„ lebenskundlichen Erhebungen" bei den geistigen Eignungsuntersuchungen sollen sich auch auf Herfunft in eugenischer Hinsicht und auf die Rassen. frage erstrecken. Bewerber, die nichtarischer Abstammung sind oder die kein arisches Aussehen haben, sind allein schon aus diesem Grunde als nicht geeignet abzulehnen. Aehnliche Bestimmungen gelten auch für die Ge meinden. Wer als Beamter der Gemeinde berufen werden soll, hat demgemäß nachzuweisen, daß er und sein Ehegatte arischer Abstammung sind. Wenn ein Gemeindebeamter eine Ehe eingehen will, hat er den Nachweis zu er= bringen, daß die Person, mit der er die Ehe eingehen will, arischer Abstammung ist. Der Nachweis ist durch Vorlegung der Geburtsurkunden sowie der Heiratsurkunde der Eltern zu erbringen. Das für die Vorlage von Einweisungsanträgen durch früheren Erlaß aufgestellte Erfordernis der Einreichung eines Fragebogen wird aufgehoben. In Zufunft sind lediglich Urkunden vorzulegen und darüber hinaus Nachweise, insbesondere hinsichtlich der Großeltern, nur beizubringen, wenn 3 weifel an der arischen Abstammung bestehen. Der Nachweis arischer Abstammung des Beamten und der Ehefrau ist bei Ehrenbeamten der Gemeinden in derselben Weise zu führen wie bet besoldeten Beamten. 2000 Gefangene in einer Woche Paris, 24, Aug.( Inpreß.) Eine oberflächliche Statistit, die fich nur auf nationalsozialistische Zeitungen stüßt, vers zeichnet für eine einzige Woche, vom 6. bis 18. August. 2000 Gefangene und eine ganze Anzahl Ermordeter BRIEFKASTEN Internationale Sozialisten- Konferenz Wir sind zu der Pariser Konferenz nicht eingeladen worden und konnten deshalb auch keinen Vertreter entsenden. Der offizielle Rongreßbericht geht uns nur lückenhaft und sehr verspätet zu. Bis zum Freitag morgen haben wir keinen Bericht über die Nede, die der deutsche Delegierte Wels am Dienstag gehalten hat. Da wir ung nicht entschließen können, so wichtige programmatische Reden aus den sehr kurzen summarischen und vielleicht gefärbten Be richten sozialistengegnerischer Zeitungen zu übernehmen, haben wir die Berichterstattung über die Pariser Konferenz eingestellt. Rene T., Luxemburg. Sie schreiben uns: Weisen Sie in der Deutschen Freiheit" doch einmal darauf hin, mit welch raffinierter Demagogie die nationalsozialistische Regierung ihre Aechtungsund Verfolgungsgesetze benennt, um sie dem Volke, das nicht tiefer nachdenkt, plausibel zu machen. Da gibt es ein Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", das nichts arderes bezweckt, als Posten für Nazi- Parteibuchbeamte freizumachen, ohne die geringste Vorschulung. Ein anderes verfügt die Beschlagnahme staatsfeindlichen Vermögens", das jeden Raub sanktioniert. Terrorgeseze heißen Geseze zum Schutz von Volk und Staat" und so weiter. Leider sehe ich, daß die ausländische Presse diese Bezeichnungen oft gedankenlos und kommentarios wiedergibt." Wir danken Ihnen für diesen Hinweis und werden ihn beachten. Der Inhalt dieser Gesetze widerlegt indes von selbst ihre ebenso heuchlerische wie pompöse Bezeichnung. Schließlich merken auch einmal die Dümmsten den Betrug. W. 7, London, Hampstead. Warum Herr Rosenberg aus dem Gesichtsfelde der deutschen Außenpolitik so plötzlich verschwunden ist? Seit seinen Londoner Erlebnissen hat dieser Herr vermutlich das Vertrauen zu sich selbst verloren. Man hat ihm in einer Konferenz mit hervorragenden englischen Persönlichkeiten, die er für die Sache des Nationalsozialismus gewinnen wollte, höchst unhöflich die Fotografie einer in Berlin von Nazibanden entsetzlich mißhandelten Frau gezeigt. Daraufhin entfloh er eiligst. Im Zug, der ihn dem Schiff zur Heimreise entgegenbrachte, zog ein Engländer die Notleine, weil er mit Rosenberg nicht im gleichen Eisenbahnwagen fahren wollte. Kurz, Rosenbergs Stern ist auch in Berlin stark abgeblaßt. Einige politische Abenteuer gehen auf seinen Rat zurück. Augenblicklich schreibt er Kunstartikel für den„ Völfischen Beobachter". Genügt Ihnen das? Radio, Saarbrücken. Sie wundern sich, daß Ihre Nachbarschaft täglich und stündlich die Militärmärsche sämtlicher deutscher Sender hört und keine Führerrede, gesprochen mit jener Unteroffizierspathetik, die Sie jedesmal in heftige Erregung verseßt, verabsäumt. Wir begreifen Ihre Gefühle. Aber was können Sie tun? Entweder Sie halten still oder Sie versuchen es einmal mit einer Anzeige wegen ruhestörenden Lärms. Springer, Amfterdam. Besten Dank! Vortrefflich, nur viel zu lung. Wir werden versuchen, die Arbeit aufzuteilen und in an sich selbständigen Stücken zu veröffentlichen. Honorarverrechnung wird nach Ihrem Vorschlag erfolgen. E. S. Rotterdam. Besten Dank. Zum Abdruck in der Freiheit" nicht geeignet. O. B., Brüssel. Ihre Mitteilungen halten sich nur im Rahmen der allgemeinen Judenverfolgungen in Deutschland. So sind viele tausend Existenzen vernichtet worden. Anonym Paris. Nur wenn Sie die Angaben mit Ihrem Namen decken, haben sie für uns Interesse. Selbstverständlich wahren wir das Redaktionsgeheimnis. G. R., Paris. Zu finanziellen Unterstützungen sind wir nicht in der Lage. Zweibrüden. Besten Dank. Wir haben Fotografien mehrerer Spizzel der Geheimen Staatspolizei vorliegen. Vielleicht werden wir gelegentlich wieder ein Bild veröffentlichen. F., Brüssel. Die Meldung, daß der frühere Reichstagsabgeordnete Künstler ermordet sei, ist von uns sofort angezweifelt worden. Unseres Wissens ist Künstler in einem Gefängnis bei Berlin. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. 6 H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Das Braunbuch( erste Auflage) bald vergriffen Deshalb bestellen Sie heute noch bei d. 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