Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 59 1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 27./28. Aug. 1933 Chefredakteur: M. Braun Die Juden dürsten danach, endlich irgendwo fest, erlaubt, geachtet zu sein und dem Nomadenleben, dem ,, ewigen Juden" ein Ziel zu setzen; und man sollte diesen Zug und Drang wohl beachten und ihm entgegenkommen, wozu es vielleicht nützlich und billig wäre, die antisemitischen Schreihälse des Landes zu verweisen. Fr. Nietzsche. Wer wird Reichspräsident? Der Kampf zwischen dem Hauptmann und dem Gefreiten Wir haben seit einiger Zeit die inneren Kämpfe zwischen der nationalsozialistischen Führerschaft weniger in die Oef= fentlichkeit gezogen, obwohl uns immer wieder Material darüber zugegangen ist. Nun liegt aber ein besonderer An= laß vor, diese Intrigen wieder einmal öffentlich zu beach ten. Der preußische Ministerpräsident Göring hat einen mehrtägigen Besuch bei dem Reichspräsidenten Hinden burg in Nended gemacht. Der Aufenthalt auf Hindens burgs Rittergut ist durch die Beteiligung an dem ostpreußis fchen Flugtag getarnt worden. Es ist bekannt, daß der frü= here Hauptmann Göring seit jeher zum Generalfeldmarschall des Weltkrieges bessere Beziehungen unterhielt als der Gefreite Adolf Hitler. Es ist sicher, daß sich Göring bei seinen ehrgeizigen Treibereien gegen„ meinen Führer" auf die ostpreußischen Junker und auf die Umgebung des Reichspräsidenten stützt. Ministerpräsident Göring hat eine sehr schwere politische und moralische Niederlage erlitten. Man erinnert sich der plöglich einberufenen geheimen Führerbesprechung, der Göz ring sein nenes Köpf- und Hängegeset gegen die Unzufriedenen im Lande vorlegte. Er fuhr zum Reichskanzler Hitler nach Bayreuth und verlangte, daß das Reich sofort ein entsprechendes Gesez erlasse. Nur so finne er die Margiften erschrecken und niederhalten. Wochen über Wochen find vergangen, aber das Gesetz ist nicht gekommen. Der Reichskanzler weigert sich, seinem intimsten Feind noch mehr Macht auszuliefern. Nebenher läuft ein Streit über eine neue Presseordonnanz, über die Frage, wer Zeitungen vers bieten darf, nur das Reich oder auch Preußen. Göring ist von einem gleich großen Ehrgeiz beseffen wie Hitler, aber bei dem Morphinisten kommen noch eine tranthafte Eitelkeit und ein Uniformfetischismus hinzu, die selbst Wilhelms II. Spielereien weit übertreffen. Mit etwa 40 Uniformen hält Göring einen Reford. An einem Tage der Schlageterfeier allein hat er sich in sieben verschiedenen Monturen gezeigt. Nicht zuletzt aus seiner Liebe zu prächtigen Uniformstücken hat er sich selbst zum Polizeigeneral Pren ßens ernannt und eine goldstrogende Uniform für diesen Posten komponiert. Der Kampf zwischen Göring und Hitler hat ein entschei dendes Ziel: die Reichspräsidentschaft. Einmal muß auch der 85jährige Marschall sterben. Seine Gesundheit hat sich, ents gegen allen amtlichen Ablengnungen, in den letzten Monaten verschlechtert. Wenn nicht sein Tod, so steht seine Abdantung. in absehbarer Zeit bevor. Göring will nun in diesem Falle Herrn Hitler in das durch die neue staatliche Entwicklung so gut wie macht'ose Amt des Reichspräsidenten abschieben and sich selbst zum Reichskanzler ernennen lassen. Die Ver: bindung von Reichskanzlerschaft und preußischem Minifters präsidium soll ihm dann Machtbefugnisse geben, wie fie feit Bismarck niemand mehr in Deutschland gehabt hat. Sitler dur hschaut diese Absichten und verspürt keine Luft, die Rolle eines, wenn auch verjüngten, Hindenburg II, au spielen. Er will Kanzler bleiben und an den Platz des Reichspräsidenten einen Hohenzollern als Reichsverweser und Brüdenbauer zu einer neuen Monarchie sezen. In Deutschland vollzieht sich die Staatsführung ohne öffentliche Kontrolle. Die Intrige herrscht. Aus freien Staats bürgern sind rechtlose Untertanen geworden, und das Schicksal eines der größten Kulturvölker der Erde ist den persön= lichen unen ehrgeiziger Streber ausgeliefert. Erste Ehrenliste Ausbürgerung von Kämpfern für Deutschlands Freiheit Berlin, 25. Auguft. Berlin, 25. Auguft. Auf Grund des§ 2 des Gesezes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. 7. 1933 hat der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Auswärtigen durch eine im Reichsanzeiger veröffentlichte Bekanntmachung vom 23, 8. 1933 zunächst folgende im Aus land befindliche Reichsangehörige der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt, weil sie durch ein Ver: halten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Volk und Reich verstößt, die deutschen Belange geschädigt haben: Dr. Alfred Apfel, Georg Bernhard, Dr. Rudolf Breitscheid, Eugen Eppstein, Alfred Falk, Lion Feuchtwanger, Dr. Friedrich Wilhelm Förster, Helmut v. Gerlach, Elfriede Gohlke gen. Ruth Fischer, Kurt Großmann, Albert Grzesinski, Emil Gum= bel, Wilhelm Hausmann, Friedrich Hedert, Max Hölz, Dr. Alfred Kerr, Otto Lehmann- Rußbüldt, Heinrich Mann, Mann, Theodor Maslowski, Wilhelm Münzenberg, Heinz- Werner Neumann, Wilhelm Pied, Berthold Salomon gen. Jacob, Philipp Scheidemann, Leopold Schwarzschild, Mag Sievers, Friedrich Stampfer, Ernst Toller, Dr. Kurt Tucholski, Bernhard Weiß, Robert Weißmann, Otto Wels. Dr. Johannes Werthauser. Zugleich ist das Vermögen dieser Personen beschlag= nahmt worden. Es sind Männer sehr verschiedener Anschauungen, denen die Reichsregierung die Auszeichnung erweist, sie als gefährlich für den Bestand der jetzigen Bluttyrannei vor aller Welt anzuerkennen: Demokraten und Kommunisten, Sozialdemokraten und Freidenker und Pazifisten. So manche haben sich in heftiger Gegnerschaft befämpft. Auch eine Frau, die frühere Führerin der KPD., Ruth Fischer, wird von den waffenstarrenden Machthabern so gefürchtet, daß sie ihr den Zutritt zu Deutschland für immer verweigern und ihr das sehr bescheidene Besitztum stehlen, das sie etwa noch in Deutschland haben sollte. Denn ohne Raub geht es natürlich nicht. Das Vermögen" von Breitscheid und andern besteht, wie wir genau wissen, aus Büchern und einigen Arbeitsmöbeln. Auch das muß„ beschlagnahmt", lies: gestohlen, werden. So will es der total unmoralische Staat. Allen wird vorgeworfen, daß ihr Verhalten gegen die Pflicht zur Treue, gegen Volk und Reich verstößt und die deutschen Belange geschädigt hat. In keinem Falle aber wird auch nur der Beweis versucht. Was die geächteten Sozialdemokraten betrifft, so hat man dem einstigen Ministerpräsidenten des Deutschen Reiches, Philipp Scheidemann, vorgeworfen, er habe in einer amerikanischen Zeitung zum Kriege gegen Deutschland gehetzt. Dafür sind wochenlang unbeteiligte Menschen als Geiseln eingesperrt worden. Tatsache aber ist, daß Scheidemann überhaupt feinen Aufsatz für irgend eine ameritanische Zeitung geschrieben hat. Gegen den auch geächteten Landrat Hans mann, einen Frontkämpfer, wurde der Vorwurf erhoben, er hätte im Rundfunk gegen Deutschland gehezt. Dafür wurde sein Schwager als Geisel eingeferfert. Tatsache ist, daß Hansmann nie im Rundfunk gesprochen und Deutschland überhaupt nicht verlassen hat. Man darf getrost annehmen, daß es mit den Beweisen für die deutschlandfeindliche Tätigkeit der meisten andern aus Ausgebürgerten genau so traurig bestellt ist. Nur sehr Einfältige werden glauben, daß es bei dieser Aechtung von deutschen Staatsbürgern um Deutschland geht. Parteiische Machthaber nehmen Rache an aufrechten, tapferen Gegnern. Das ist der klare Tatbestand. So wird die ganze zivilisierte Welt diese Proskriptionsliste aufnehmen, die ihr zweitausendjähriges Vorbild unter römischen Tyrannen zu suchen hat, deren Name in der Weltgeschichte mit Blut und Mord verzeichnet steht. Diese erſte Liste wird nicht die einzige bleiben. Weitere werden folgen. Keiner der Betroffenen und Bedrohten wird sich durch die Aechtung schrecken lassen. Jeder wird unbeirrt seine Pflicht tun. Rein Ministerialatt tann die Kämpfer für Deutschlands Freiheit von Deutschland und seinem Volfe trennen. Wir grüßen die Geächteten und wissen, daß viele Millionen Deutsche sich mit ihnen in Treue verbunden fühlen. Ein befreites Deutschland wird die jetzt Ausgestoßenen in Ehren aufnehmen. Deutsche Saar Eine freiheits- Kundgebung Saarbrücken, 26. August 1933. Gegen den totalen Staat hilft nur die totale Revolution das ist der Ausgangspunkt und das nächste Ziel unseres Kampfes. Niemand kann heute sagen, in welchen Formen sich die aber Revolution gegen den Faschismus vollziehen wird es werden bestimmt nicht die alten, ausgetretenen, verkalkten und überlebten Formen sein. Sowohl die bisherige sozialdemokratische wie kommunistische Organisationsform kann nur mehr das Sammelbecken zur Schaffung einer einheitlichen sozialistischen Front auf revolutionärer Grundlage sein. Die proletarische Revolution dieser sozialistischen Front wird so demokra tisch sein wie nur möglich und so diktatorisch wie notwendig. Ihre Voraussetzung ist die Ueberwindung des historischen Fatalismus, wie er nach der Erledigung der blanquistischen Strömungen und erst recht durch den Revisionismus aufkam. Er betäubte den Willen zur Macht, er trübte das Verständnis für die Volkspsychologie und er brachte die Unterschätzung des Führerproblems. Verbunden damit ist die Rückkehr zum dialektisch- revolutionären statt des metaphysischkleinbürgerlichen Begriffs der Demokratie. Die Ideologie der revolutionären Demokratie, die die bürgerliche Demokratie nur als ein Durchgangsstadium zur proletarischen Demokratie betrachtet, ist betont volutaristisch und skeptisch gegen den Automatismus der Entwicklung. Die nur parlamentarische Demokratie ist keine Der Aufbau einer wehrhaft sozialistischen Organisation internationaler Einstellung, die Aufrüstung der ganzen Klassenkraft als außerparlamentarische Macht ist die Voraussetzung zur Behauptung des Kampfbodens der Arbeiterschaft in jener politischen Demokratie, die sich durch ihre Absolutheit selber umgebracht hat. Wenigstens sind das die Erfahrungen zwar nicht West- und Nord-, aber Mittel-, Ost- und Südeuropas. Die Konsequenzen daraus für die noch nicht faschisier- ebenso wie ihr ten Gebiete sind deutlich sichtbar Schnittpunkt mit unseren speziellen Saar- Aufgaben. Die Selbstbehauptung der Saar mit Zähnen und Klauen gegen den Nationalsozialismus ist ein Teilstück jener proletarischen Revolution, die unsere einzige und letzte Chance nicht nur zur Gewinnung unserer höchsten Ziele von Freiheit, Humanität und sozialistischem Wirtschaftsaufbau, sondern auch zur Abwehr des Versinkens in der faschistischen Schlammflut ist. Wir verteidigen wie Oesterreich nicht nur gewaltige Werte abendländischer Kultur, Zivilisation und menschlicher Spitzen- und Massenentwicklung- wir verteidigen zugleich die Grundlagen zum Aufbau einer proletarischen und menschlichen Zukunft nach den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf höherer, sozialistischer Ebene! Darum: Frei sei die Saar! Braunbuch vergriffen M. B, Göring hätte in Paris den größten Teil aufkaufen lassen Nach holländischen Zeitungen ist die erste Ausgabe des Braunbuches über den Hitler- Terror", die soeben erschienen ist, schon vergriffen. Göring hätte in Paris fast alle Exem plare dieses Buches auftaufen lassen, Brandgeruch am Stillen Ozean Die Gerüchte von einem japanischen Ultimatum Schon vor einigen Tagen tamen Nachrichten, daß die Spannung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika einer akuten Zuspizung sich nähere. Nun meldet der„ Daily Expreß", die Japaner hätten an Nordamerika ultimative Forderungen gerichtet. Japan warne die Vereinigten Staaten, das Flottenprogramm das Flottenprogramm durchzuführen, daß den Bau von 37 Kriegsschiffen mit einem Kostenaufwand von etwa 200 Millionen Dollar vorsteht. Angeblich soll Japan Kampfzölle gegen die Einfuhr amerikanischer Waren und die Verstärkung seiner eigenen Flotte angekündigt haben. Die japanische Regierung habe eine Antwort innerhalb einer befristeten Zeit verlangt. Japan soll ferner die amerikanische Regierung haben wissen lassen, daß die großen japanischen Flottenübungen im Stillen Ozean die Vereinigten Staaten nichts angingen. Es scheint richtig zu sein, daß Japan eine Note, die sich mit seinen Beziehungen zu Nordamerika beschäftigt, in Washington hat überreichen lassen. Ob sie wirklich den Charakter eines Ultimatums trägt, ist zweifelhaft. Sicher aber ist, daß die Beziehungen zwischen Nordamerika und Japan gespannter sind denn je und die Ursache der gewaltigen Rüstungen beider Länder bilden. Zweifellos fühlt sich Japan bedroht durch das gewaltige neue amerikanische Flottenprogramm, das die Union unter dem Vorwand, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, in Angriff nimmt. Es scheint, daß Japan diesem großen Aufwand Nordamerikas materiell nicht genügend entgegenseßen kann und den Konflikt herbeiführen möchte, ehe die nordamerikanische Marine der japanischen entscheidend überlegen ist. In das System der aggressiAnnäherung an Rußland, die in den letzten Wochen zwischen ven antijapanischen Politik Nordamerikas gehört auch die russischen und amerikanischen Unterhändlern gefördert worden ist. 1 Million Menschen als Opfer Die politischen Flüchtlinge und die Internationale ( B. S.) Paris, 24. August. Am 21. August fand eine Sigung der Kommission der SAJ. zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen unter Vorsitz von Louis de Broucere statt. Der Gegenstand der Verhandlungen waren die Ver= folgungen unter dem Hitler- Regime in Deutschland: Es wurde einerseits über die Lage der Gefangenen im Lande selbst und das Los von deren Angehörigen, andererseits über die Lage der Flüchtlinge aus Deutschland eingehend Bericht erstattet. An der Situng nahm, außer den Mitgliedern dieser ftändigen Kommission der SAJ., eine ganze Reihe von Vertretern der Länder, die an Flüchtlingsfragen besonders interessiert sind, teil: der Obmann der Flüchtlingshilfe in Paris, Kreyßig, Abg. Longuet und Grumbach( Frankreich), Abg. Taub( Tschechoslowakei), Nationalrat Grimm( Schweiz), Boekmann( Holland), Abg. Andersen( Dänemark), Gillies ( Großbritannien) und Ollenhauer( Deutschland). Auf Vorschlag de Brouckeres wurde beschlossen, in Verbindung mit der Internationalen Vereinigung sozialistischer Juristen die Probleme jener Flüchtlinge besonders zu prüfen, die staatenlos geworden sind. Es wurde festgestellt, daß es bei dem gegenwärtigen Stand der Gesezgebung durchaus möglich ist,& war teine Nansen päffe, aber doch einigermaßen gleichwertige Dofu mente von den Regierungen der einzelnen Länder zu erlangen. Die Hauptprobleme der Silfeleistung, nämlich matertelle Unterstützung, Arbeitsbeschaffung und Aufenthaltserlaubnis, wurden im Auftrag der Kommission von Andersen in der Donnerstagsibung der Internationalen Sozialistischen Konferenz zur Sprache ge bracht. மாம் Die Frage der Verfolgungen in Deutschland selbst hat eine Reihe von Einzelheiten an den Tag gebracht, aus denen herporgeht, daß zur Zeit in Deutschland etwa 50 bis 60 Ronzentrationslager bestehen. In diesen Lagern befinden sich etwa 50 000 Menschen. Umwälzung betroffen worden sind.( Die Berechnungen der deutschen Sozialisten gehen darauf hinaus, daß es vielleicht anderthalb Millionen sein werden, die in dieser Weise betroffen worden sind.) Das heißt also, daß die Existenzgrundlage dieser Menschen, die ihr Leben lang ehrlich gearbeitet haben und denen nichts anderes vorgeworfen werden kann, als ihre Ges finnung, in dieser Weise brutal vernichtet worden ist, un daß ihnen jede Möglichkeit zum Wiederaufbau der Existenz abgeschnitten scheint. Was die Zahl der politischen Flüchtlinge betrifft, hat man berechnet, daß es etwa 200 000 find, die sich im Ausland befinden, und von denen etwa 50 000 als politische Flüchtlinge bezeichnet werden können. Die Zahl der sozialdemokratisch organisierten Flüchtlinge beträgt etwa 3000. Dazu kommen noch Gewerkschaftler, Reichsbannerleute und andere politische Flüchtlinge. Aber die Zahl vermehrt sich noch immer und es ist klar, daß die Lage dieser Menschen eine sehr schwere ist. Sie sind ja in den meisten Fällen ohne Geld und fast ohne Kleider über die Grenze gegangen. Die Lage ist in allen Ländern für diese Flüchtlinge dieselbe, nämlich, daß die Arbeitsbeschaffung für sie fast unmöglich ist und wahrscheinlich auch sehr schwer bleiben wird, solange die eigenen Arbeiter dieses Landes von einer so furchtbaren Arbeitslosigkeit betroffen find, wie zur Zeit. Uebrig bleibt, um diesen Menschen zu helfen, nur die unterstützung. Ich will im Namen der Sozialistischen Konferenz den Par teien danken, die bis jetzt die große Belaftung getragen haben, diese politische Flüchtlinge zu empfangen und zu unterstützen. Die Konferenz soll ein Manifest herausgeben, um eine internationale Sammlung zur Unterstützung unse rer unglücklichen Genossen zu organisieren. Die Konferenz. soll eine Entschließung faffen, wonach es jeder Partei aur Pflicht gemacht wird, jeßt eine Sammlung für den Matteottifonds durchzuführen, und dies in allen Gewerkschaften, Parteiorganisationen, Parteizeitungen, auf den Arbeitspläßen, in den Fabriken und Werkstätten. Nun ist es ganz klar, daß die Familienangehörigen der Gefangenen in einer sehr schweren Lage find. Man hat berechnet, daß diese wohl 150 000 Menschen sein werden. Durch Die Gleichschaltung der Arbeiterorganisationen( Gemertschaften, Konsumgenossenschaften, Krankenkassen usw.) sind etwa 800 000 Personen aus ihrer Arbeit und ihrem Verdienst gebracht worden. Man hat berechnet, daß es wohl 900 000, Familienangehörige sein werden, d. h., daß innerhalb Deutschlands selbst wenigstens 1 000 000 Menschen von dieser len Beiträge bewilligen. Die Zionisten Keine offizielle Boykottparole. Zusammenstöße In später Abendstunde des Freitags hat der rager Bionistentongreß zwei Resolutionen zur beutschen Judenfrage angenommen, die von den allgemeinen Sionisten eingebracht worden waren. Eine jandere, von den Revisionisten eingebrachte Resolution, die wesentlich schärfer gehalten war und außerdem von England bie Zulassung jüdischer Wehrabteilungen zur Sicherung der Juden Palästinas gefordert hatte, wurde abgelehnt. Von ben angenommenen Resolutionen richtet sich die erste an die ganze Welt und den Völkerbund. Sie erklärt, der Zionistenfongreß erhebe frei von jeder Feindseligkeit gegen das beutsche Volt feierlichen Protest gegen die Entrechtung der Deutschen Juden. Die Mandatarmacht England wird aufgefordert, alle denkbaren Erleichterungen für die Einwanderung und AnSiedlung deutscher Juden in dem jüdischen Nationalheim Palästina zu schaffen. In einer weiten Refolution, die sich an das jüdische, Bolt richtet, wird erklärt, daß die Borgänge in Deutschland endgültig die Berechtigung des zionistischen Gedankens erwiesen hätten. Die Assimilation habe sich als Illusion herausgestellt. Die Schaffung des jüdischen Nationalheims in Palästina sei unter diesen Umständen die einzige Lösung, die übrig bleibe. Das jüdische Volk müsse sich nun unter Zurückstellung aller Parteigegensäße in den Dienst des zionistischen Endziels stellen. Der Annahme der Refolutionen, die in später Nachtstunde erfolgte, find heftige Rämpfe vorausgegangen zwischen dem rechten Flügel des Kongresses- der revisionistischen Partei Jabotinskys- und der aus den übrigen Parteien bestehenden großen Mehrheit. Während diese den Standpunkt vertrat, daß die Resolutionen nur einen. moralischen Protest und den Aufruf zur Silfeleistung enthalten dürften, versuchte die revisioniWir fordern außerdem auf, daß die gewerkschaftlichen Organisationen in den verschiedenen Ländern möglichst große Beiträge bewilligen als Ergänzung zu dieser Sammlung. Die Landesparteien sollen dasselbe tun. Auch . lle anderen Organisationen, die über Gelder verfügen, solstische Minderheit nicht nur eine weit schärfere Tonart der. Resolutionen, sondern darüber hinaus auch die Einschaltung einer Bontott Parole durchzusehen. In dem von ihr eingebrachten Resolutionsantrag wird die zionistische Bewegung aufgefordert, eine Aktion an organisieren, die zum Ziele habe, daß die jüdischen Maffen in allen Ländern ihre Kauffraft und ihren wirtschaftlichen Einfluß ausschließlich zugunsten der Produktion jener Staaten einsetzen follten, die das Prinzip der unbedingten Gleichberechtigung ihrer jüdischen Bürger grundsäßlich anerkennen. Die Revie fionisten bemühten sich sehr darum, die Stimmung des Kongresses für die Annahme ihrer Resolution reif au machen.. Um Oesterreich Englisch- französische Besprechung der deutschösterreichischen Lage Paris, 26. Aug. Der„ Petit Parifien" berichtet über eine Unterredung, die der englische Geschäftsträger in Paris, Campbell, gestern mit dem Direktor für auswärtige Ans gelegenheiten des Quai d'Orsay, Bareton, hatte und die sich nach dem Blatt wahrscheinlich auf die Entwicklung der deutsch- österreichischen Spannung bezogen haben soll. Code Habicht" Die Vorbereitung der Revolution Wien, den 25. August 1933. Die„ Stunde" gibt bekannt, daß im Verlaufe der kürzlich stattgefundenen Haussuchungen, die im Rahmen der großen politischen Aktion gegen die Nationalsozialistische Partei durchgeführt wurden, ein sehr interessantes Buch in die nicht mehr und nicht weniger, als um das Dienstbuch der Hände der Politischen Polizei gefallen ist. Es handelt sich um Nationalsozialistischen Partei in Oesterreich, das von dem Abgeordneten und Inspektor Theo Habicht verfaßt ist. Es war streng vertraulich gehalten und nur die Führer der Hitlerbewegung durften es besitzen. Dieses Dienstbuch, oder besser gesagt Coder, zeichnet bis in die geringsten Einzels heiten den Weg, der zur Machtergreifung zu beschreiten ist. Die Nazis bereiten in aller Stille die Schöpfung eines Hitlerstaates auf österreichischem Boden vor und hielten sich bereit, die Staatsform zu besetzen, sobald das Zeichen zur nationalsozialistischen Revolution gegeben würde. Die Pars teiführer sollten die Aemter der Bundesregierung, die Leis tung in den einzelnen Provinzen, Gemeinden usw. besetzen. Der Coder Habicht widmet übrigens der Technik der Pros paganda und den finanziellen Fragen einen breiten Raum. In dem Kapitel über die Beziehungen der Nationalsozia listischen Partei zu ihren politischen Gegnern, erklärt Herr Habicht:„ Es wird kein Kompromiß gemacht, in keinem Fall und mit keinem Menschen." Greiser Politiker verhaftet ,, Zwei Zentner illegale Druckschriften" Aus Berlin wird gemeldet: Eine Haussuchung bei dem ehemaligen Reichstagsabgeords neten Karl Hildenbrand förderte etwa zwei Zentner illegale Druckschriften zutage. Hildenbrand kam in Haft. Karl Hildenbrand war bis vor einigen Jahren Gesandter Württembergs in Berlin. Er war der vertrauteste Freund des Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Sein Leben lang war Hildenbrand ein Mann, der auf der äußersten Rechten der Sozialdemokratie für eine ruhige evolutionäre Politik eins trat. Er stand immer in einem sehr temperamentvollen Gegensatz zu den Radikalen in der Sozialdemokratie. Die Meldung der Geheimen Staatspolizei über Karl Hildens Behörde darzutun. Hildenbrand ist ein Mann von nahezu brand ist daher besonders geeignet, die Verlogenheit dieser 70 Jahren und es ist unfagbar dumm, ihm nachzusagen, daß gerade er zentnerweise illegales Druckmaterial aufbewahrt habe. Man muß annehmen, daß es sich um seine zweifellos sehr reichhaltige, in Jahrzehnten aufgesammelte Privats biliothek handelt. Man fuchte einen Grund, den alten, ans gesehenen Politiker einzusperren und hat ihn nun in der freilich unbestreitbaren Tatsache gefunden, daß der Mann, der seit 50 Jahren Sozialdemokrat ift, viele marristische Druckschriften in seinem Besitze hat. Für Hildenbrand, der seit Jahren leidend ist, bedeutet eine längere Haft den Tod. Die Blauhemden Dublin, 26. Aug. Die für Sonntag geplante Rundgebung der Blauhemden in Cork wurde nunmehr offiziell verboten. 7 Touristen tot Besteigung des Montblanc Chamonix, 26. Aug. Bei der Besteigung des Monts blanc tamen sieben italienische Touristen in einem schweren Unwetter ums Leben. Das Ende der Sportflleger Poß und Begleiter tot Berlin, 26, Aug. Auf der zweiten Tagesstrede des Deutschlandfluges verunglückten heute früh der bekannte deutsche Sportflieger Reinhold Po ß, der Deutschland wiederholt bei internationalen Flugwettbewerben mit hervorragenden Erfolgen vertrat, sowie sein Begleiter Paul Weirich über Wildberg bei Neustadt a. d. Doffe tödlich. Der Absturz er folgte dadurch, daß Poß in einer niedrigen Höhe flog und mit feiner linken Tragfläche einen Kirchturm berührte. Man nimmt an, daß Poß so niedrig flog, um die in der geringen Höhe günstigen Windverhältnisse auszunuzen. Die Be sabung war sofort to t. Das Ergebnis war ein Mißerfolg. Es gelang ihnen Das Neueste nicht einmal, eine Debatte burchzusehen. Daraufhin verließen sie nach ziemlich turbulenten Szenen demonstrativ den Saal, setzten aber noch in den Wandelgängen ihre Auseinanderseßung fort, bis sie schließlich durch Ordner und Saalpolizei zur Ruhe gebracht wurden. Die überwältigende Mehrheit von 256 Stimmen, mit der dann die von den anderen Fraktionen eingebrachten Resolu tionen angenommen wurden, ist das Abrücken des Kongresies von der Boytott Parole Jabotinskys. Das entspricht auch der Ansicht der führenden zionistischen Politiker, die wiederholt den Standpunkt vertreten haben, daß besser als Proteste, auf die man freilich nicht ganz verzichten zu können geglaubt hat, die aktive Hilfe für diejenigen sei, die im neuen Deutschland keinen ausreichenden Lebensraum mehr finden. Die Arbeitslosen in den Ver. Staaten Washington, 26. Aug.( Reuter). In dem Vierteljahr, das mit dem Juni abschloß, find mehr als 1%, Millionen Arbeitslose wieder in den Wirtschaftsprozeß eingegliedert worden. Troß einer Erhöhung der Gesamterzeugung von 59 Prozent. die während des gleichen Vierteljahres zu ver: zeichnen war, wurden Ende Juni noch elf Millionen Arbeitss lose gezählt, Berlin. Das am 17. Auguft ausgesprochene Verbot der jüdischen Rundschan ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden(!). Dessau, 26. Aug. Nach langwierigen Ermittlungen ges lang es, den für den Bezirk Magdeburg- Anhalt laufenden Kurier der APD. festzunehmen. Der Kurier arbeitete mit Silfe eines feingegliederten, durch Decknamen schwer ers kennbaren Nachrichtenapparates. Weiter wurden auch vorwiegend schwere Militärwaffen, Karabiner, Pistolen, Handgranaten, 500 Schuß Munition und Pulver, die im Auftrage mitteldeutscher KPD.- Organisationen gestohlen worden waren beschlagnahmt. Insgesamt haben sich etwa 120 Personen des Hochverrats, des Diebstahls und des unbefug= ten Waffenbefizes schuldig gemacht. Der größte Teil von ihnen wurde in Haft behalten. Buzzbach( Hessen), 26. Aug. Der angebliche Mörder des Hitlerjungen Peter Grösmann, Ludwig Büchner aus Lindens fels, wurde heute morgen 5.30 Uhr im hiesigen Staatsgefängnis mit dem Fallbeil hingerichtet. Schweidnis, 26. Aug. Im Hofe des Gerichtsgefängs nisses in Schweidnitz wurde heute früh 7.30 Uhr die Todess strafe an dem Schmiedegesellen Heinrich vollstrect. Heinrich ist durch rechtskräftiges Urteil des Schwurgerichts zu Schweidnitz am 11. März d. J. wegen Mordes, begangen in Niederfalzbrunn am 2. 10. v. J. an der Hansangestellten Hindrichs, zum Tode verurteilt worden, Kein Postgeheimnis! Auch nicht für Transitverkehr Briefe, die von Prag an die„ Deutsche Freiheit" nach Saarbrücken gingen, sind von deutschen Reichspoststellen geöffnet und zurückgehalten, also gestohlen worden. Einen dieser gestohlenen Briefe haben Reichspoststellen an die nationalsozialistische Presse gegeben als zufällig auf der Straße gefunden". Wir lesen im„ Neuen Tagebuch", das in Paris und Amsterdam erscheint, daß Postsendungen aus Frankreich nach den skandinavischen Ländern von Deutschland be: schlagnahmt worden sind. Wie man in Deutschland offiziell bekannt gibt, hätten diese Sendungen deutschfeindliche Texte, die in Paris gedruckt waren", enthalten. Das ist richtiger Diebstahl. Was aber schlimmer ist und den wahren Charakter der Handlung beleuchtet, ist der Beweis, der von den deutschen Machthabern geliefert wird, daß die internationalen Sendungen durch Deutschland nicht mehr garantiert sind. Wenn die deutsche Regierung fich das Recht anmaßt, Postsendungen zu kontrollieren, die von Paris nach Stockholm oder von Madrid nach Warschau geschickt werden, so bedeutet das das Ende einer jeden Sicherheit der internationalen Post. Wir lassen zwei Dokumente folgen: Den Brief eines Beamten des deutschen Post ministeriums an die " Times", die über das gleiche Thema eine Information gebracht hatte, und den Brief eines Lesers, der gleichen " Times", der den Rat gibt, die internationale Post nicht mehr durch Deutschland gehen zu lassen. Mein Herr! Die„ Times" vom 8. August bringt einen wichtigen Bericht aus Stockholm, der besagt, daß Briefe und Zeitungen, die nach Schweden geschickt werden, in Deutschland einer strengen Kontrolle unterworfen werden. Dazu muß ich folgendes bemerken: Um die deutsche Devisenflucht ins Ausland zu verhindern, hat die deutsche Regierung die schärfste Ueberwachung über die Ausfuhr von Devisen angeordnet. Folglich müssen die Zollbeamten in bestimmten Büros in Gegenwart der Postbeamten jede Art Dokumente öffnen, die von Deutschland ins Ausland geschickt. werden und prüfen, ob die Devisenordnungen nicht überschritten sind. Nach der Prüfung werden die Briefe und Pakete, die in Ordnung befunden worden sind, mit einem Zettel versehen„ Geöffnet von der Zollrevision zur Devisenüberwachung" und weiter befördert. Natürlich können sich solche Stichproben nur auf solche Briefe beRegierung alles tun wird, um sich wegen dieses offenbaren Bruchs der internationalen Abmachungen zu entschuldigen. Aber die Tatsache, daß die Nachricht aus einer offiziellen deutschen Stelle kam und nicht kommentiert wird, läßt nicht den Gedanken aufkommen, daß eine solche Maßnahme eine bedrohliche sei. Unter diesen Bedingungen erscheint es wünschenswert, daß Sir Kingsley Wood, der englische Postminister, der sich augenblicklich auf einer Studienreise nach Deutschland und England befindet, unverzüglich neue Maßnahmen vorsieht, die es erlauben, daß Briefe, die von England nach Mitteleuropa geschickt werden, den Weg durch Deutschland vermeiden. W. D'Arcy Hart, Dänemark. Amtlicher Diebstahl Der Polizeipräsident von Aachen rühmt sich der Beraubung internationaler Postsendungen. Der Polizeipräsident teilt mit: Das Zentralfomitee der Antifaschistischen Vereinigung Europas in Paris vers sucht seit einiger Zeit, kommunistische Heßschriften, die dort in deutscher Sprache erscheinen, über Deutsch: land nach den nordischen Staaten zu senden. Mit derselben Regelmäßigkeit, wie die Sendungen hier eins gehen, werden sie auch angehalten und vor ihrer Weiters beförderung einer Durchsicht unterzogen. Am 23. d. M. wurde von der Staatspolizeiftelle Aachen wieder ein Patet mit mehreren hundert Exemplaren der Zeitung Anti faschistische Front", das für eine kommunistische Zentrale in Kopenhagen bestimmt war, beschlagnahmt. Die Sens dung wird den Empfängern in Kopenhagen zugeleitet, die sich jedoch wundern werden, wenn sie statt der erwarteten Lügenberichte über Deutschland nationalsozialistische Zeitungen vorfinden, die die Zustände in Deutschland so schildern, wie sie in Wirklichkeit sind. Damit ist amtlich zugegeben, daß Transitsendungen durch Deutschland amtlich bestohlen werden. Was hier 65 Konzentrationslager Etwa 80 000 Schutzhaftgefangene Der„ Neue Vorwärts" veröffentlicht eine annähernd volls ständige Uebersicht über die Konzentrationslager in Deutschs land. In der Liste werden 65 Konzentrationslager einzeln aufgeführt. Die größten Konzentrationslager befinden sich in Oranienburg( 2000 Gefangene), Sonnenburg( 420 Ge fangene), Lichtenburg b. Torgau( 100 Gefangene), Wilfede ( 1300 Gefangene), Osnabrüd mehr als 2000 Gefangene), Cobs lenz- Karmerita( 700 Gefangene), Siegburg( 2500 Gefangene), Dachau( 3500 Gefangene), Burg Hohnstein( 600 Gefangene), Sachsenburg( 1200 Gefangene), Bad Dürrheim( 500 Ges fangene), Heuberg( 2000 Gefangene), Rastatt( 300 Gefangene), Ohrdruf( 1000 Gefangene), Osthofen( 200 Gefangene). In den 65 Konzentrationslagern find 40 000 bis 45 000 Schughäftlinge untergebracht. Da die Zahl der Schutzhaftges fangenen, die sich in regulären Polizeis und Gerichtsgefäng nissen befinden, etwa ebenso groß ist, so wird die Zahl der Schußhaftgefangenen insgesamt mit 80 000 angegeben. Dr. Sack Der ,, Verteidiger" Torglers ( Jupreß.) Dr. Sad, der vom Reichsgericht als der Vers teidiger des im Reichtagsbrandprozeß beschuldigten Abgeord neten Torgler bezeichnet wurde, ist seit dem Jahre 1918 als Führer der reaktionärsten deutschen Juristen bekannt. Wenige Tage nach dem 9. November 1918 wurde der damalige Referendar Dr. Sack als gefährlicher Gegenrevolutionär auf Anordnung des Vollzugsrats des Arbeiter: und Soldatens rats Groß- Berlin verhaftet. So wird man zufrieden Ins Konzentrationslager, weil mit dem Radioprogramm unzufrieden ( Inpreß.) Ein Leipziger Handwerker kündigte das Rundfunkabonnement und beantwortete die Frage, warum er abbestellt habe: das Programm gefällt mir nicht. Der Mann wurde wegen Beleidigung der Regierung verhaftet und ins Ronzentrationslager gebracht, seine Radioanlage wurde beschlagnahmt. angeblich kommunistischen Schriften geschieht, kann auch Die Nase! jeder anderen Postsendung angetan werden. schränken, die aus Deutschland ins Ausland gehen. Die Verboten! Briefe oder Pakete eines fremden Landes in ein anderes, die durch Deutschland gehen, werden in keinem Fall geöffnet. Diese Forderung ist den Post- und Zollbeamten sofort zur Kenntnis gebracht worden. Eine Zuwiderhandlung dieser Bestimmung würde streng bestraft werden. Die Eingriffe können in keiner Weise als Zensur einer politischen Behörde betrachtet werden, sondern nur als ein Mittel, die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands zu schützen. Ihr usw. Schulze. An das Postministerium, Berlin, Leipziger Straße 15. Nach einer Information der Amtlichen deutschen Pressestelle, die in deutschen Zeitungen veröffentlicht wurde, sind Briefe, die von Paris nach Kopenhagen gerichtet waren, in Aachen von den deutschen Behörden geöffnet und beschlagnahmt worden. Man muß hoffen, daß die deutsche Dr. Ferdinand Renrew: Heroische Führung Führung..... Hitler hat am Sonntag vor den„ Stabsführern" in Godesberg über die neue politische FührerausIese gesprochen. Es müsse systematisch eine Führungshierarchie auf politischem Gebiet entwickelt werden, die die ganze Nation wie eine Klammer zusammenhalte. Das Volk habe ein Recht zu fordern, daß seine Führung genau so beroisch sei, wie diese es vom Volfe fordern. Also: heroische Führer! Wie sehen sie aus, diese neudeutschen aus, diese neudeutschen Heroen? Wir werden uns bemühen, der Weltöffentlichkeit noch mehr als bisher diese heroischen Führergestalten zu zeigen und beginnen heute unsere Führung durch diese Galerie schöner Männer mit Herrn Jakob Sprenger in Frankfurt- Darmstadt! Herr Jakob Sprenger war seines Zeichens Postinspektor, Feldwebel und Offizierstellvertreter, eine jener schönen Seelen, die jeder ehemalige deutsche Soldat aus Herbensgrunde genossen" hat. Daher ist Herr Sprenger heute heroisch führender Volksgenosse". Herr Sprenger, den das Geschick vom pfälzischen Bauernbuben zum Reichsstatthalter machte, ist ein tüchtiger Mann. Er ließ sich gleich nach Uebernahme des hohen Amtes als Reichsstatthalter, will heißen, Bertreter Hitlers in Hessen, siegreich feiern. Er veranstaltete für sich selbst einen Triumphzug durch ganz Hessen. Berühmt wurde aus dieser Fahrt der Abschnitt Rheinbessen! Rheinhessen ist ein schönes Land, besonders für meinselige Leute, wie es Herr Sprenger ist. Herr Sprenger schlägt eine gute Klinge und verträgt mehr als einen Humpen. Er trinft heroisch, den anderen Volksgenossen zum Porbild. So auch in Rheinhessen! Von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt ging die Fahrt. Böllerschüsse kündeten das Nahen des Gewaltigen. Triumphbogen und Blechmusik würdigten die Bedeutung des„ hohen" Besuchs, Reden hin und Reden her er flangen und Becher wurden geleert, unzählige... Herr Sprenger dachte unausgesetzt an die Forderung des Führers,„ die dauernde lebendige Verbindung des Volkes zur tragenden Staatsidee" herzustellen. Und er meinte, daß diese Verbindung im weinseligen Rheinhessen am sichersten über den Wein herzustellen sei. Also trant er noch eins und immer noch eins.... und noch eins.... Aber schließlich: einmal wird auch ein Statthalter im " dritten Reich" voll des guten Weins und seine Aufnahmefähigkeit streift. So war es auch bei Herrn Jakob Sprenger. Und da nach alter Erfahrung im Weine die Wahrheit liegt, offenbarte sich bei dieser Gelegenheit der wahre Charakter des Statthalters des Herrn Hitler. Berauscht und nicht mehr Herr seiner sonst heroischen Disziplin, reichte der mächtige Mann in einem rheinhessischen Dorf einen vollen Der„ Neue Vorwärts", das in Karlsbad erscheinende Wochenblatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ift von dem Polizeipräsidenten in Danzig auf die Dauer von sechs Monaten verboten worden. Als Begründung wird angegeben, der„ Neue Vorwärts" habe wiederholt Artikel gebracht, welche in ihrer aufreizenden Tendenz geeignet seien, die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Freien Stadt Die Nase! Der richtige Arzt darf nicht ,, vorwiegend fremdrassig aussehen" Weimar, 25. Aug.( Inpreß.) Das thüringische Landesamt für Rassewesen hat den ersten rassehygienischen Schulungskurs abgehalten und aus den Absolventen einen„ rassehygie nischen Stoßtrupp" gebildet. Dieser Stoßtrupp soll ausreichend begründete Anträge für Sterilisierung an das Landesamt richten". Ein besonderes Merkblatt wurde ausgegeben, in dem es heißt: Vorwiegend fremdrassig aussehende Aerzte können nicht dem rassehygienischen Stoßtrupp angehören." Danzig zu gefährden. Außerdem seien in einzelnen Artikeln Agitation in Bayern leitende Staatsmänner des Deutschen Reiches beschimpft und verächtlich gemacht worden, so daß dadurch die Beziehungen der Freien Stadt Danzig zum Deutschen Reich beeinträchtigt werden könnten. Humpen mit zitternder Hand seiner SA.- Begleitung( Stab" genannt) weiter mit der Aufforderung: ,, Da sauft, ihr Säu!" Was diese taten! Die Fahrt wurde fortgesetzt. Das ganze Programm geriet ins Wanken. In Bingen wartete man stundenlang auf Herrn Jakob Sprenger, er kam und kam nicht. Und als er endlich geruht hatte, zu kom men, mußte er ruhen, denn.... sein praktischer Heroismus hatte ihm die Zunge gelähmt und er konnte nur noch lallen. Der tüchtige Herr Dr. Walter Best, Erfinder des Borheimer Dokuments, sprang für ihn ein und hielt eine heroische Rede, derweilen Herr Sprenger schlief. Es war ein heroischer Schlaf... München, 25. Aug.( Inpreß). Die Bayrische Staatszeitung" schreibt:„ Es ist nicht nur die KPD., die an der Wühlarbeit ist, andere Kräfte haben ebenfalls begonnen, gegen den nationalsozialistischen Staat zu heben. Ihr Zentrum scheint in Bayern zu liegen." Als die SA. in Frankfurt darob maulte, mußte Herr von Jagow, der militärische Oberführer, eingreifen, der inzwischen auch mit einer preußischen Staatsratsstelle 12 000 RM.! abgefunden wurde. Die SA. wurde mit leiser Gewalt beruhigt, Herr Sprenger tauschte sein Wohnungsgeld mit einer Dienstwohnung in Darmstadt, blieb aber Gauleiter von Hessen. Und dann nahm Herr Reichsstatthalter seine glorreichen Triumphzüge wieder auf. So kam er auch nach Wiesbaden. Fahnen, Feiern, Festreden. Ein Vertreter Hitlers muß es diesem gleichtun... Ganz Mainz wartete auf den Herrn Reichsstatt- gleichgeschaltetem Publikum leutselig zu einem kleinen, unhalter Sprenger. Der Heroe aber schlief zu Bingen in der Stadt.... Um 7.45 Uhr abends wurde Herrn Hitlers Statthalter in Mainz erwartet, seine heroische Aufopferung für rheinbeffische Belange gestattete ihm erst um Mitternacht zu erscheinen. Solange standen die Schulkinder auf der Straße, die Spalier bilden mußten, solange warteten die Gesangvereinen bis sie mit des Tenors jubelnden Tönen und des Basses Grundgewalt die gleichgeschaltete Hervenhymne ertönen lassen konnten, solange wartete der Jungfrauenverein und die Schauspielertruppe des Stadttheaters, die den Auftrag hatte, in heroischer Weise den Schlageter" darzustellen. Man sieht, das neue Zeitalter erfordert Heroismus verschiedenster Art: Herr Reichsstatthalter Jakob Sprenger aber, Postinspektor a. D., Sammelmeister für Vorschußlorbeeren en gros, zeigte sich endlich um Mitternacht seinem Volke. Und dieses Volk? Man sage nicht, die Mainzer hätten keinen Humor! Der Meenzer Humor ist so gut wie die Meenzer Handkäs! Beide sind zwar nicht heroisch, dafür aber prima. Trotz ihres guten Humors haben die Meenzer das heroische Benehmen ihres Statthalters nicht für richtig befunden. Sie waren über seine amtlich- heroische Weinseligkeit und über die Tatsache, daß er sie auf der Straße über vier Stunden warten ließ, so erbittert, daß einer der älteren Hitler- Anhänger, Herr Pfarrer Knab, Mainz- Gustavsburg, einen bitteren Brief an den Osaf schrieb, in dem er den angewandten Heroismus des Herrn Reichsstatthalters scharf verurteilte. Der große Osaf suchte zu beruhigen, aber die Meenzer reden immer wieder davon. Herr Sprenger aber popularisierte sich weiter.... Er quittierte seine stattlichen Statthalterbezüge: Reichsministergehalt Aufwandsentschädigung. Wohnungsgeld. Reichstagsdiäten.. • 28 000 RM., 8 000 RM., • • 3 600 RM., 7 200 RM., zusammen 46 800 RM., in Worten: Sechsund vierzigtausendachthun dert Reichsmark! Der heroische Reichsstatthalter bückt sich vor versammeltem zweifelhaft arischen blonden Kind nieder, einem entzückenden Mädchen. Es ist noch so klein, daß der Herr Reichsstatthalter das Kind auf die hochgeschäßten Arme zu nehmen vermag. Er hebt es hoch und fragt das Kind: „ Kannst Du auch Heil Hitler rufen?" Ja!" " Dann ruf mal!" In rascher Folge klingt es von den Lippen des Kindes: Heil Hitler!" und" Trotzdem Freiheit und Rot Front! Beinlich betroffen, in seinen heroischsten Gefühlen verlegt, setzt des Reiches hessischer Statthalter das kleine Mädchen zur Erde nieder. Herr Sprenger hatte ein waschechtes Marristenkind auf seinen Armen gehalten. Fatal, hier bestand wiederum die Gefahr einer Schwächung des Rajsekerus und der von dem Führer befohlenen heroischen Gesinnung... In dem Streben, sich das Wohlwollen des Führers dauernd zu sichern( vierzigtausend Mark jährlich sind für einen ehemaligen Pfälzer Bauernbuben und nachmaligen Feldwebel und Postinspektor allerhand!), führte Her Sprenger in seinem Bereich ein strenges Regiment. Darüber ein andermal mehr Einzelheiten. Aber er verstand es nicht, sich das Wohlwollen der SA. auf die Dauer zu sichern. Und da ist denn so allerlei über die Lebensweise des Herrn Reichsstatthalters nach Berlin und München gedrungen, zumal seine Freunde" von seither nicht müßig waren. Dieselben Leute, die durch ihre Reisen nach Berlin überhaupt die Ernennung des Herrn Sprenger zum Reichsstatthalter für Hessen verhindern wollten, taten ein Uebriges, um den„ selbstlofen Heroismus" des Herrn Jakob Sprenger in geeigneter Form an höchster Stelle bekannt zu machen. Jakobs Thrönlein wankt... Die Lorbeeren aus Rheinhessen, Starkenburg, Oberhessen und Wiesbaden sind Vorschußlorbeeren... Wenn der Osaf nicht bald handelt, wird die SA. in bes stimmten Orten böse werden. Ja, ja, der Heroismus... Ozeanflieger abgeschossen Tatsadien gegen phrasen SA. schießt litauische Flieger über Soldin ab Nachrichten aus Kowno bestätigen das bereits vor Wochen in Berlin zirkulierende Gerücht, daß die beiden Ozeanflieger Starius und Girenas nicht das Opfer eines Unfalls geworden sind, sondern kurz vor ihrem Ziel am 17. Juli von Deutschen abgeschossen wurden. Nachdem die litauische Regierung eine Untersuchung angeordnet hatte, wurden die Leichen der beiden Flieger exhumiert; hierbei wurde festgestellt, daß einer von ihnen von drei Kugeln getroffen worden war und daß in einem der Särge sich drei Hände befanden! Diese Feststellungen deckten sich mit den Mitteilungen, die unmittelbar nach dem 17. Juli über den„ Unfall" der litauischen Flieger in die Oeffentlichkeit drangen. Danach war den Fliegern, die nach ihrem Start in Neuyork 39 Stunden unterwegs waren, das Benzin ausgegangen. Sie suchten deshalb einen geeigneten Landungsplatz und überflogen gegen Mitternacht in einer Höhe von etwa 100 Meter das Arbeitsdienstlager bei Soldin. Die Lagerwache, die aus strammen SA.- Leuten besteht, glaubte ein mit staatsfeindlichen" Flugblättern beladenes Flugzeug vor sich zu haben und überschüttete es mit einem Hagel von sturzes" waren, wurde von der deutschen Regierung vor sichtigerweise nicht dementiert. Nun hat die Untersuchung der litauischen Regierung den Schwindel aufgedeckt und das Verbrechen der HitlerRegierung vor aller Welt geoffenbart. Kein Hinweis auf „ Irrtum" oder„ Versehen" kann ihre Schuld mildern, denn sie war es, die durch ihren Schwindel über feindliche Flugzeuge über Berlin" sowie durch ihre ständige Luftschutzpropaganda ihre Anhänger in eine wahre Psychose versette; sie war es, die durch raffinierte Vertuschungsmethoden die Wahrheit zu verbergen suchte und der litauischen Regierung Maschinengewehrschüssen. Die erſten Meldungen gegenüber bewußt an einer lügnerischen Darstellung der aus Soldin gaben diesen Tatbestand wahrheitsgemäß wieder. Der amtliche Bericht jedoch, der erst in den Morgenstunden herauskam, fälschte den Mord an den Fliegern in einen „ Unfall" um. Alle beteiligten Kreise, einschließlich der Aerzte, die die Leichen besichtigten, waren eifrig bemüht, die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Als trotzdem die Gerüchte nicht verstummten, wurde jenes famose Dementi" der Regierung losgelassen, wonach es eine ungeheuerliche Verleumdung sei, daß die litauischen Flieger durch deutsche Todesstrahlen" heruntergeholt worden seien. Daß nicht die geheimnisvollen„ Todesstrahlen", sondern deutsche Maschinengewehrfugeln die Ursache des„ AbDer Kirchturm Klagen der Dortmunder Industrie Dortmund, 25. Aug.( Inpreß.) Der Dortmunder Oberbürgermeister flagte in einer Rundgebung darüber, daß Aufträge nicht an das Industriegebiet vergeben werden. Die Eisenkonstruktionen für den Bau des Riesendammes seien beispielsweise nach Pommern vergeben worden, aber sie gehörten in das Industriegebiet.„ Der Lokalpatriotismus darf nicht so weit gehen, daß man z. B. in der Magdeburger Industrie plößlich anfängt, Brücken zu bauen," rief der Oberbürgermeister Malzbender. Auch werde er dafür sorgen, daß Nürnberg nicht einen Auftrag auf einen großen Ruhrgasbehälter bekäme, denn dieser Auftrag gehöre der Firma Knölle in Dortmund. Die Wasserbaudirektion Münster solle keine Leute mit eigener Scholle aus dem Münsterland einstellen," sondern gefälligst Erwerbslose aus Dortmund. Vorgänge festhielt. Nun regt sich der Unmut und die Empörung in Litauen so stark, daß die Presse den Abbruch der diploma= tischen Beziehungen mit Deutschland fordern darf. Auch in diesem letzten Oststaat, in dem Deutschland noch einige Anknüpfungspunkte für sein diplomatisches Spiel hat, bricht die Empörung gegen Nazi- Deutschland spontan durch. Denn zu traß ist die Lehre, die man hier aus dem Mord an den Ozeanfliegern zieht: Man kann zwar ungefährdet den Ozean überfliegen, man läuft aber Gefahr, von den Schergen Hitlers ermordet au werden, wenn man die deutschen Grenzen überfliegt!! Neuer Geist In der Zahnklinik Parteioffiziell verkünden die Flensburger Nachrichten": Die Stadtkreisleitung der NSDAP. ist in die Allgemeine Ortskrankenkasse umgezogen und befindet sich dort in der ehemaligen Apothekenabteilung. Der Fernruf hat die Nr. 2554 behalten. Auch die Ortsgruppe ist in die Räume der Ortskrankenkasse übergesiedelt und durch Fernruf über Nr. 2554 zu erreichen. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß sich der Sturmbann I/ 215 in den Räumen der ehemaligen Zahns Klinik in der AOK. befindet, Telefon 883. Mit dieser Uebersiedlung der verschiedenen Verwaltungsstellen der NSDAP. ist ein neuer Geist in die Räume der AOK. eingezogen, der wohl endgültig den Gedanken an die ehemalige marristische Hochburg verwischen wird. Neuer Geist, ei freilich. Früher hat man dort Zähne plombiert. Jetzt werden Zähne ausgeschlagen! Deutsche raucht deutschen Tabak Opfer des Systems ( Inpreß.) Das deutsche Tabakforschungsinstitut behauptet, es habe zwei Sorten Tabak in Deutschland gezüchtet, der für Bigaretten geraucht werden könnte. Die Frankfurter Zeitung bemerkt etwas hämisch dazu:„ Die Raucher werden auf 3igaretten aus deutschem Tabak neugierig sein." Pfälzer Brief Von Fest zu Fest, Fuhne rinn, Fuhne raus Ein Fest jagt das andere, und immer tragen die Häuser reichen Flaggenschmuck, zeigt die Bevölkerung angeblich ,, regsten Anteil" an der Veranstaltung. In Wirklichkeit hängt der ganze Rummel den meisten zum Halse heraus, aber sie müssen mitmachen, wenn sie keine Unannehmlichteiten erleben wollen. Eine Bauersfrau soll nach einer allgemein fursierenden Erzählung auf die Frage nach ihrem Ergehen gesagt haben:„ Man fennt heute nichts mehr, als Fuhne rinn, Fuhne raus, aber davon kann man nicht satt werden." Jetzt war wieder ein großer Soldatentag und das Kriegsbeschädigtentreffen an einem Tag. Zum Hitler= treffen in Zweibrücken war sogar der Baldur erschienen. Da mußte natürlich alles hin. Sogar der Besuch der Batschkapfälzer wurde in allen Städten am hellen Werktag zu einem großen Festrummel ausgenüßt mit Beflaggung, SA.- Kapelle und anderem Tamtam. Unter solchen Umständen muß ja der Hunger in Vergessenheit geraten. Hinter den Kulissen herrscht natürlich geradezu Verzweiflung über diese Festseuche. Das ständige Hin- und Herfahren kostet Geld, das aus den knappen Einnahmen der Arbeiter und Geschäftsleute aufzubringen ist. Dazu kommen die Kosten für die Zwangseinquartierungen, die Zwangsdekorationen, die Zwangsspenden, die Zwangseintrittsgelder, die Zwangsfestschriften und was alles damit zusammenhängt. Der fremde Besucher soll aber den Eindruck bekommen, hier ist alles in schönster Harmonie. Die wirkliche Lage Trotz aller Reklame über die Arbeitsbeschaffung ist die Im Juli sind in der preußischen Justizverwaltung aus politischen Gründen 30 Entlassungen, wegen ihrer nicht arischen Abstammung 159 Entlassungen vorgenommen worden. In der Liste der Rechtsanwälte wurden 185 Löschungen vorgenommen, davon 47 auch Notare. Eẞt Weichkäse Der bayerische Sender hat einige Tage in geradezu herzerweichender Weise dazu aufgefordert, in den nächsten Tagen nur Weichkäse zu essen, da sonst 60 000 Zentner der Vernichtung anheimfallen müßten und damit eine Katastrophe für die bayerische Landwirtschaft eintreten müßte. Es wurden alle städtischen und staatlichen Anstalten, Krankenhäuser, Gefängnisse, Arbeits- und Konzentrationslager aufgefordert, in den nächsten Tagen größere Quanten Weichkäse abzunehmen. Wie wäre es, wenn Hitler den berühmten Berliner Heilfünstler, der mit Weichkäse alle Krankheiten heilt, zum Weichkäseminister ernennen würde? Die Megger und Rollmopsverkäufer sind natürlich über diese Radiomeldung sehr verschnupft. Hitler will doch allen helfen und nun soll auf einmal alles Weichkäse essen und Wurst und Rollmöpse und Marmelade sollen liegen bleiben und ver schimmeln? Hier gehts genau wie dem Herrgott mit dem Wetter. Er kann es auch niemand recht machen. Ein Tarifvertrag Durch die pfälzischen Blätter geht ein Bericht über die Schaffung eines Tarifvertrages für die Schuhindustrie. Dié Herren Unternehmer haben jest glatt erreicht, worum sie seit Jahren vergeblich gekämpft haben. Der ausgezeichnete Reichstarifvertrag für die Schuhindustrie ist beseitigt, es finden jetzt bezirkliche Reglungen statt, wodurch es leichter ist, die armen Proleten zu betrügen. Die Festsetzung der Löhne und der Spannen für weibliche und jugendliche Arbeiter ist dem Treuhänder überlassen. Streitigkeiten werden nicht mehr durch ein von Fachleuten gebildetes Schiedsgericht, sondern vom Treuhänder entschieder Lage nicht beffer, sondern schlechter geworden. Die Arbeits. Bildchen aus Köln Insen sagen sich einander: Es sieht gerade so aus, als ob man uns erzählen würde, in Ostpreußen gibt es keine Arbeitslosen mehr, und dort wird man sagen, in Süddeutschland gibt es feine mehr. Die Wahrheit kann weder kontrolliert noch veröffentlicht werden und für die Einschmuggelung oder das Lesen eines verbotenen Auslandsblattes gibt es die Mindeststrafe von drei Monaten. Ob man zum Bäcker und Metzger, zum Friseur, ins Lebensmittel- oder Kleidergeschäft geht, überall sieht man mißmutige Gesichter und hört je nach dem Grad des Vertrauens, das man genießt, mehr oder weniger begründete Klagen. Bei fanatischen Hitleränhängern wird allerdings stets die Hoffnung zum Ausdruck gebracht: Es wird schon besser werden, in der Turzen Zeit fonnte natürlich der Führer nicht gut machen, was 14 Jahre lang verdorben wurde." Uns schwant so, als ob auch für diese Unentwegten noch der Zeitpunkt fäme, wo sie mit großer Sehnsucht an die 14 Jahre Freiheit und Aufbau zurückdenten werden. Ausbildung zu Fliegern Man schreibt uns aus Köln: Wie in fast jeder Stadt Deutschlands, so werden auch in Köln innerhalb der SA. und anderer nationalsozialistischer Jugendverbände die psychologischen und materiellen Voraussetzungen zur Schaffung und Stärkung einer deutschen Luftflotte hergestellt. Auf dem Busweilerhof, dem Kölner Flugplatz, ist eine Flugzeugstaffel aus den Kreisen der SA. geschaffen worden, die seit Wochen hinter verschlossenen Türen eine geheimnisvolle Tätigkeit verrichtet. Die Mitglieder der Staffel find durch einen Eid an strengstes Stillschweigen über ihre Arbeit gebunden. Das schließt natürlich nicht aus, daß man trotzdem etwas darüber erfährt. Es werden unter der Führung von Flugzeugoffizieren die jungen Leute in Kursen zu Fliegern ausgebildet. Unterricht in Werkzeugkunde und im Bau von Der holländische Konsul Schmitt in Essen schreibt dem „ Nieuwe Rotterdamsche Courant":" Hier ist noch wenig von einer Besserung zu merken. Zwar haben Aufträge der Eisenbahn in Eisenbahnbaumaterialien Arbeit gebracht, aber diese Bestellungen waren dringend notwendig, um überAufträgen der Fall. Keinesfalls fann von einer dauernden haupt weiterarbeiten zu können. Dasselbe ist mit anderen allgemeinen Besserung gesprochen werden. Nun sprechen Belebung, aber hierbei muß bedacht werden, daß unter den offizielle Auslassungen wohl vom Beginn einer allgemeinen heutigen ungünstigen Umständen oftmals die Hoffnung der Bater des Gedachten ist. Der Kapitalmarkt ist noch sehr wenig in der Lage, zu finanzieren. Die Kaufkraft der Maffen kann nicht gebessert sein, nachdem die Kosten der Lebenshaltung gestiegen und die Einkommen gefallen sind. " Ter Reichsbund der deutschen Metallindustrie meldete am 16. August d. J., daß die uneinheitliche Lage der Metallwarenindustrie auch im Juli angehalten hat. Der Auftragseingang läßt in den meisten Gruppen zu wünschen übrig. Das Auslandgeschäft zeigte infolge der anhaltenden Währungs-, Zoll- und Devisenschwierigkeiten eher einen weiteren fleinen Rückgang." Ein wirtschaftlicher Gradmesser in Deutschland ist der Bierkonsum. In der Zeit vom April zum Juni dieses Jahres wurden rund 30 000 Hektoliter Bier weniger versteuert, als in der gleichen Zeit des Vorjahres." Entweder- oder Ruft ,, Heil Hitler!" oder verhungert! Viele standhafte Sozialdemokraten sind aus gleichgeschalte ten Gewerkschaften ausgetreten und sind nicht zum frei willigen Wiedereintrit zu bewegen. Nun sollen sie durch Drohung mit der Aushungerung zum Wiedereintritt gezwungen werden. Der Deutsche Textilarbeiterverband, Ortsgruppe Reichenbach, Mylau, Neßschfau, versendet folgende Rundschreiben: In Kürze ist mit einer Verfügung zu rechnen, daß nur dernoch Recht auf Arbeit hat, der organisiert ift; wer sich weiterhin weigert, seine Pflicht dem Volke gegenüber zu erfüllen, hat das Recht auf Weiterbes schäftigung verwirkt und muß mit seiner Ents laffung rechnen. Wir werden jedenfalls durch unsere Betriebsvertretungen darauf sehen lassen, daß es in 3u tunft teine Schmaroßer mehr gibt, die nur ernten wollen, aber nicht säen, und unweigerlich gegen diese vorgehen! Auch die Zahlung irgendwelcher Unterstügungen dürfte in Zukunft nur den Gewerkschaften vorbehalten bleiben, so daß die Organisierten also in doppelter Hinsicht überall bevorzugt werden. Nochmals: Wir raten Ihnen in Ihrem eigenen Inter effe dringend, zur Wiederaufnahme oder zum Erwerb der Mitgliedschaft; je schneller die Zahl der Organisierten zu nimmt desto mehr ist an eine Senkung der Beiträge und Erhöhung der Leistungen zu denken. Irgend ein 3wang, sei er nun direkt oder indirekt, wie oben an: gegeben, kommt auf alle Fälle! Heil Hitler! Kluge, Beauftragter der NSBO. ,, Ankurbler" und Gleichschalter" ( Inpreß). Am 8. Oftober wird bei dem Pfälzischen Weinlesefest der neue Wein seinen Namen erhalten. Für den Wein von 1932 wurde aus etwa 3000 Vorschlägen der schöne Name Anfurbler" gewählt. Der diesjährige Wein soll den Namen„ Gleichschalter" bekommen. " Flugzeugteilen wird erteilt. Probeflüge werden ausgeführt und die Bedienung des Flugzeugs wird gelehrt. Kriegsspiele In der Hacketäuerkaserne Köln- Mülheim liegen seit dem 6. August einige hundert jüngere Postbeamte, die zu militärischen Diensten resp. zur militärischen Ausbildung eins gezogen sind. Der„ Kursus" ist auf sechs Wochen berechnet. Es ist vorgesehen, die Kurse fortlaufend stattfinden zu lassen. In der 53er Kaserne werden zweimal wöchentlich die beim Stahlhelm organisierten jungen Menschen am Maschinengewehr ausgebildet. Jeden Samstag finden auf der Wahner Heide militärische Uebungen statt. Die Uebungen werden als Kriegsspiele aufgezogen. Nur wenn Bürgermeister Schaller, Chef des Wohlfahrtsaml.s in Röln, erläßt folgende Verfügung, die in den Wohlfahrtsfreisstellen ausgehängt wird:„ SA. und S. haben nur dann Anspruch auf Unterstützung, wenn sie in ihren Formationen jeden Tag vier Stunden Dienst tun." Auch die mürben Knochen Wohlfahrtsempfänger müssen in der Woche dreimal vier Stunden Pflichtarbeit verrichten. Davon dienen die ersten awei der militärischen Ausbildung. Zwang! Vor vierzehn Tagen sand in der Maschinenfabrik Humbold in Köln- Ralf eine NSBO.- Fahnenweihe statt. Die ganze Belegschaft wurde gezwungen, geschlossen zur Messe zu mar schieren sowie drei Eintrittskarten zu nehmen. Hungerstrafe für Marxisten Dem am Wohlfahrtsamt Elogiusplatz beschäftigten Stadt sekretär Karl Amberg aus Köln- Refrath wurde von der Re gierung wegen seiner Zugehörigkeit zur SPD. ein Ents ( assungsverfahren angehängt. Bom Straßenbahnhof Off( Köln- Kalk) wurden plötzlich 40 alte, früher in der freien Gewerkschaft organisiert ges wefenen Straßenbahner wegen ihrer marristischen Ge finnung" fristlos entlassen. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit"* Sonntag, den 27. August 1933* Ereignisse und Geschichten Die Schule Hans Jttelsohn tam nach Hause. Er kam direkt aus dem Konzentrationslager. Er betrat sein kleines Zimmer, das er für 42 Mark im Monat, möbliert und mit Bedienung, bei der Witwe Rusch bewohnte. Müde und apathisch setzte er sich aufs Bett. Wie weich das Bett war... Eigentlich hatte er Hunger, und Brot und Eier und ein viertel Pfund Butter hatte er sich mitgebracht. Aber er war zu schwer, um sich jetzt etwas zurechtzumachen. Er saẞ auf dem Bett und dachte. Wie war es gekommen, daß man ihn eingestedt hatte? Politisch hatte Hans Jttelsohn sich nie betätigt. Nein. Er war in einem Konfektionshaus angestellt gewesen. Bei der Firma Eisenstädt u. Breslauer. Damen- und Kinderwäsche. Er verstand sich gut auf seidene Hemden, Unterwäsche aus Crepe de chine, Crepe satin, Maroquin, einfach Satin, Leinen, Wolle... Aber von Politik verstand er gar nichts. Er wollte auch feiner Berufsorganisation beitreten. Er war Mitglied eines jüdischen Sportvereins, und da fand er in der Freizeit Unterhaltung und Betätigung, machte Sonntags Fahrten ins Freie, hatte seine Tanzabende und seine Flirts. Wozu sollte er sich da noch mit Politik beschäftigen? Als das„ dritte Reich" anbrach, da machte er sich auch weiter feine Sorgen. Es würde auch so gehen. Die reichen Damen ihrer Kundschaft würden auch weiter seidene Hemdchen und Höschen und Büstenhalter brauchen, ob es nun das dritte", das vierte" oder das fünfte Reich" wäre. Nur als der Judenboykott kam, wurde Hans Jttelsohn unruhig. Was war denn das?! Seit wann machte man Jagd auf Juden von Staats wegen! Aber der offizielle Boykott ging bald vorüber, das Geschäft durfte wieder eröffnen, alles schien den alten Weg zu gehen. Na also! Das war nur vorübergehend. Das war wohl nötig, um die dunkle Masse der Anhänger zu beruhigen. Das Volk verlangt eben solche Maßnahmen. Und warum hezte auch das Ausland?- Doch die Unruhe blieb. Aber das Geschäft ging zurück. Die Judenverfolgungen hörten nicht auf. Eines Tages wurden bei der Firma Eilenstädt u. Breslauer die Schaufenster eingeworfen. Und an der Tür klebte ein gelbes Schild: Juden!"-" Wie bei Pestkranken," dachte Hans Jttelsohn. Jest ging er nicht mehr in den Sportklub. Der war geschlossen. Nun, so ging Hans Jttelsohn ins Kino, spazierte viel in der Umgebung, las viel auf seiner Bude. Defters machte er auch Ueberstunden. Bekannte, mit denen er über die Lage hätte sprechen können, hatte er nicht. Zeitungen kaufte er sich nur selten. Und dann las er auch nur den Sportteil. Eines Tages ging er gerade von einer Besorgung- er war bei einem Kunden gewesen, um ihn an die Zahlung der noch ausstehenden Rechnung zu erinnern, und der Kunde, Dann kam er in das Konzentrationslager. Hier war es nicht viel anders. Nur daß man in frische Lust fam. Zur Arbeit. Wenn man arbeiten konnte. Denn oft wurde man halb ohnmächtig geschlagen. Jazt famen Hans Jttelsohn Gedanken. Wie ist das möglich?" dachte er. ,, Was habe ich getan?"- dachte er. Aber noch öfter dachte er: Ueberall auf der Welt fißen Menschen in ihren Wohnungen, haben ihr Auskommen, lesen jeden Tag ihre Zeitung, und tun nichts für uns. Warum tun sie nichts für uns? Das hier ist doch Verbrechen. Das ist Barbarei. Und die Welt ist zivilisiert. Warum fämpft die zivilifierte Welt nicht gegen die Barbarei? Warum läßt man dieses Verbrechen geschehen?" So fragte sich Hans Jttelsohn. Ein rothaariger, bauntlanger Mensch, ein Mitgefangener, ein Gewerkschafter, wie er sich nannte, sagte ihm:„ Das ist nicht so, Genosse.( Wieso: Genosse? dachte Hans Jttelsohn.) Ueberall auf der Welt find Menschen, die für uns kämpfen, die uns befreien möchten. Das sind Proletarier, Proleten. Aber sie können nicht. Sie dürfen nicht. Ueberall steht der Prolet unter der Knute. Unter dem Willen der herrschenden Klasse. Und die ,, Hetz meine Hunde" Raum tommandiert, erscheinen die ersten neuen Geschichtsbücher in Druck, mit dem Hakenkreuz auf dem Einband:„ Aus Deutschlands Werden. Heftreihe deutscher Vergangenheit und Gegenwart zur Neugestaltung unseres nationalen und kulturellen Lebens." In Heft 1 Bon Hermann bis Hitler. Deutsches Geschehen" von Eilhard Erich Pauls heißt es: " Im Jahre 9 Der Sturm zerriß die Eichen, flatschte Ströme eisigen Regens in den Sumpf des Urwaldbodens, warf sich heulend in die Lichtung. Die Reste eines römischen Heerhausens scharten sich und schlossen sich um ihre Feldzeichen und ihren Führer. Der Wind warf eine Eiche zu Boden. Auf dem kaum gestürzten Stamm stand lachend Arminius, den wir Hermann den Cherusker nennen.„ Die Götter helfen!" schrie er. Het ,, Haben Sie Bedarf?" ein Herr Schinner, hatte ihm zugeschrien:„ An Juden zable Geschäft auf Umstellung in Oesterreich ich überhaupt nicht!" und hatte dabei mit der rechten Hand auf die Tür gewiesen, also er ging gerade ins Geschäft. Da zog an ihm ein SA.- 3ug vorbei. Die Leute grüßten den Zug, indem sie den rechten Arm hochhoben und„ Heil Hitler" riefen. Hans Jttelsohn grüßte nicht. So viel verstand er nun von Politik. Er dachte gar nicht daran, die zu grüßen. Die nicht! Er nicht! Da lösten sich etwa sechs Mann aus dem braunen Zug und Tiefen auf Hans Jttelsohn zu.„ Warum grüßt du nicht, du Judenhund, du dreckiger?!" schrie ihm der eine ins Gesicht. Hans Jttelsohn wurde bleich. Er wollte etwas antworten, was, wußte er selbst nicht. Doch da bekam er schon einen Faustschlag ins Gesicht. Und einen Fußtritt in den Bauch. Und einen, zwei, drei ans Schienbein. Hiebe prasselten auf seinen Kopf, seinen Rücken. Er flog hin. Wurde getreten. Verlor schließlich das Bewußtsein. Dunkel war ihm dann noch im Gedächtnis, wie er durch die Straßen geschleppt wurde, blutend, halb ohnmächtig. Endlich wurde er in ein Haus gezerrt und in eine Kammer gestoßen, in der als einziges Möbel ein Stuhl stand. Einen Tritt bekam er noch hinterdrein. Er schlug mit dem Kopf gegen den Stuhl, dachte noch:„ Herr Breslauer wird warten," und dann wußte er nichts mehr. Zu fich fam er erst, als jemand sein Zimmer betrat. Es waren zwei untersetzte Männer, die in der SA.- Uniform steckten.„ Ausgeschlafen, Saujude verdammter?! Warte, mein Bürschchen, das Pennen wird dir hier noch vergehen. Marristenschwein, dreckiges!" Dann stand er vor einem Tisch, hinter welchem ein Mann mit Zwicker und Glaze saß. „ Aha, Verhör," dachte er.„ Nun werde ich wohl frei werden." " Name? Geburt? Bekenntnis? Aha! Welcher Partei angehörig?" " Ich habe mich nie mit Politik beschäftigt." „ Na, da haben wirs ja. Also wieder ein Marristenvögelchen. Kommunist oder SPD.?" " Ich habe mich wirklich nie..." „ Na, ist ja scheißegal. Marrist, und das genügt. Ihr Juden seid ja alle Marxisten. Aber wir werden es euch schon austreiben. Wir werden mal eure Erziehung in die Hand nehmen. Aus euch sollen wieder anständige Menschen werden. Das heißt, an einem Juden, da ist Hopfen und Malz zum Teufel. Da ist nichts gewonnen und nichts verloren dran. Sau bleibt Sau." Dann tam Hans Jttelsohn wieder in sein Zimmer. Dort blieb er auch einige Tage. Die Kamer war dun t, fie lag im Keller, hatte kein Fenster. Schlafen mußte er au dem Fußboden. Am Tage konnte er auf dem Stuhl fizzen. Jeden Tag zweimal bekam er Essen. Und jeden Tag wurde er geprügelt. Ein Wiener Vertreter hat von einer deutschen Metallwarenfabrik ein Schreiben erhalten, in dem ihm die Absendung einer Musterkollektion nebst Prospekten angekündigt wird. Außerdem fordert die Firma ihn auf, sich für den Verkauf von Fahnenspißen mit Hakenkreuzen zu intereffieren; es heißt dann wörtlich: Gleichfalls legen wir dann auch unseren Prospekt nebst Preisen für Fahnenspißen mit Hakenkreuz bei und werden die letzteren demnächst auch in Ihrem Lande verlangt werden. Daß eine Umstellung Ihres Landes nach nationalsozialistischem Muster in nächster Zeit erfolgt, darüber werden Sie sich auch klar sein. Wenn dann der Moment gekommen ist, werden die Fahnenspizzen viel verlangt. Wir würden in diesem Falle vorziehen, eine größere Partie von jeder Sorte sofort nach dort zu senden, damit sie alsdann jeder Anforderung des Kaufes gerecht werden können. „ Wenn der Moment gekommen ist" und sich das Land herrschende Klasse, das ist die Bourgeoisie, die will Geschäfte machen. Auch mit Hitler. Verstehste, Genosse?" Dann hörte Hans Jttelsohn, daß auch das deutsche Proletariat gegen die Hitlerbanden kämpft. Jeden Tag wurden ja neue Gefangene eingeliefert Proleten.„ Seltsam," dachte Hans Ittelsohn, warum kämpft gerade das Proletariat gegen die Barbarei, für den Fortschritt? Eigentlich sollten es doch die Reichen, die Gebildeten tun. Die sind doch gebildet, haben Schulen, Universitäten besucht, die müßten doch in erster Linie an der Front stehen." So dachte Hans Jttelsohn. Und er dachte immer weiter. Und trop Verbots unterhielt er sich mit dem Rothaarigen. Eines Tages wurde er entlassen. Und noch einige. Plaz müsse gemacht werden, hieß es. Für aufständische SA., sagte der Rothaarige. Und jetzt jaß Hans Jttelsohn auf seinem Bett. Draußen hörte er eine Männerstimme. Das war sicher Friß, der Sohn der Witwe Rusch. Der trug früher immer eine grüne Uniform- Reichsbanner. Er pflegte Hans Jttelsohn immer mit dem Ruf Freiheit" zu begrüßen.„ Guten Tag," sagte immer Hans Jttelsohn darauf. Die Tür ging auf, Friz saf herein. ,, Nanu, Herr Jttelsohn? Wo haben Sie denn solange gesteckt?" Freiheit! Genosse!" Hans Jttelsohn erhob sich. -Ich war in der Schule. Habe gelernt, wofür ihr kämpft. Und bald will ich in die Prüfung steigen!" Igor Pan. Der wundervolle August 1914 meine Hunde!" Mit Grausen hörte der römische FeldHerr den wütenden, heulenden Schlachtruf der Germanen... 1914-1918 Und so kam der Krieg.„ Mobil! Mobil!" Die roten Zetter brannten allerorten. Und es wurde ein August 1914, so wundervoll, wie es ein März 1913 gewesen war. Das wollen wir nicht vergessen, nicht vergessen, daß ein solches Geschehen immer wieder hell auflodernd aus den Tiefen der deutschen Volksseele heraus möglich ist... ein solches Lebendigwerden des deutschen Geistes." Die pädagogische Wirkung solcher Bücher bleibt nicht aus. Schon spielen die Kinder wieder auf der Straße Krieg, heute in brauner Uniform:„ Juden und SA."- früher hieß es:„ Räuber und Soldaten". Was werden sie als Erwachsene tun? Bange machen gilt nicht Also diese eine Stelle, die nun geschaffen wurde, hat dem „ dritten Reich" gerade noch gefehlt. Nachdem man die besten und geistigsten Deutschen entweder außer Landes getrieben oder erschlagen oder in Konzentrationslager gesperrt hat, muß man jetzt darangehen, den geistigen Aktivismus von oben her zu schaffen. Also wurde die 8entrale für geistigen Attivismus" eingerichtet. Zur Begründung der neuen Einrichtung wird angeführt: An sich braucht dem Nationalsozialismus vor der Erweckung einer neuen deutschen Kultur nicht bange zu werden... I wo denn! Wem wird denn vor so ein paar Folterknechten, die doch die neue deutsche Kultur so prachtvoll vor aller Welt demonstrieren, bange werden! Bange machen gilt nicht, und schon gar nicht vor der Erweckung einer neuen deutschen Kultur. Denn daß und wie man mit so einer Kultur rasch und gründlich fertig wird, das hat man der Welt in wenigen Monaten gezeigt. nach nationalsozialistischem Muster umgestellt hat, wird die Zerbrechliche Sache nationalsozialistische Musterkollektion schon längst bereitliegen und die größere Partie von jeder Sorte Nazispigen fofort geliefert werden. Die deutsche Metallwarenfabrik wurde offenbar von den politischen Agenten des Reiches" informiert, daß die Umstellung Desterreichs" für den Herbst geplant ist; es frägt sich nur, ob die Vorausſegungen des Geschäftes zustande kommen. In bester Ordnung britten Ein aus Deutschland stammender Sozialist in Milwaukec schreibt der Wiener Arbeiter- Zeitung": „ Die Polizeidirektion meines früheren Heimatortes hat mich benachrichtigt, daß ich beim Betreten deutschen Bodens sofort verhaftet würde, da ich meine Angehörigen mit Eremplaren der Arbeiter- Zeitung" versorgt habe. Mein Schwager mußte mir unter Aufsicht der Polizei eine Starte schreiben, daß in Deutschland alles in best r Ord nung sei." ,, Hitler", ein Schimpfwort Die„ Berner Tagwacht" berichtet aus einem Polizeibericht über einen Fall von Widersetzlichkeit: ... und titulierte mich mit den gemeinsten Schimpfnamen wie Hitler, Mörder, Fozelchaib usw." Ter Polizist hatte Recht, den Namen„ Hitler" als Schimp! zu betrachten, aber auch der Mann macht uns Freude obgleich wir die Beleidigung des Polizisten durchaus verurteilen, der den Namen„ Hitler" als den Ausdruck zur Darstellung seiner höchsten Berachtung gebrauchte. Die Stadt Blankenhain in Thüringen, die im April den Reichskanzler Adolf Hitler zu ihrem Ehrenbürger ernannte, hat nunmehr einen Ehrenbürgerbrief eigener Art für den Voltskanzler anfertigen lassen. Das Dokument besteht aus einer großen, mit handgemaltem Text beschriebenen, fünstlerisch ausgestalteten Porzellanplatte. Thyssen „ Da haben wir nun die Roten erschlagen, Die Juden vertrieben und stramm konzentriert, Damit, um es noch höflich zu sagen, Der Geldschrank der Krupp und Thyssen diftiert?! Wir waren gute Parteigenossen Und rustig bei jedem Rummel dabei, Wir haben en masse auf der Flucht erschossen", Damit Herr Thyssen Diktator sei?! Wir hörten tagaus und tagein die Reden Von Sozialismus und Arbeit und Brot, Jetzt werden wir in den Hintern getreten, Und stehen stramm nach Herrn Thyssens. Wir gehen stempeln; das ist das Ende, Die braunen Bonzen sind fein heraus, Und schütteln den Krupp und Thyssen die Hände Die Revolution? Die ist längst noch nicht aus!" DAS BUNTE BLATT NUMMER 59- 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE SONNTAG, DEN 27. AUGUST 1933 Geschichten um Gandhi Gandhi, der wieder wochenlang in englischer Haft and in den Hungerstreit getreten war, hat seine Freiheit bedingungslos wieder erlangt. Er ist nach seiner Freilassung von Anhängern in das Palais feiner Gönnerin Lady Thakersy, in deren Hans er bereits im Mai seine Fasten: geit verbracht, gebracht worden. Bereits vor Verlassen des Hospitals hat Gandhi sein„ Hungern bis zum Tode" als Brotest gegen die Maßnahmen der indischen Regierung, thm nicht wie früher volle Freiheit bei seinem Wirken für die Unberührbaren im Gefängniß zu geben, eingestellt. Gandhi ist heute äußerst anspruchslos. Für sich selber braucht er fast nichts. Aber den Wert des Geldes kennt er dennoch sehr genau und für Propagandazwecke ist ihm keine Summe zu groß. Vor einigen Jahren, als er in Aden weilte, wurde dem spinnenden Mahatma von der dortigen Kaufmannschaft eine schöne Börse mit 350 Pfund Inhalt übergeben. Dieses Geld sollte für die indische Freiheitsbewegung verwendet werden. Gandhi nahm die Börse- es war ein kleines Säcklein in die Hand und fragte den Führer der Deputation: Wie groß ist der Inhalt?" Die Herren antworteten: 350 Pfund." Gandhi schüttelte mißbilligend sein Haupt.„ Nur 350 Pfund. Die Kaufherren von Aden haben sich wahrhaft nicht angestrengt. Ich habe auf viel, viel mehr gerechnet, aber „ plößlich begann er zu lächeln". Ich hoffe, daß sich Ihre Auftraggeber geirrt haben und eine Null vergessen hatten. Ich bin jedoch der Meinung, daß die Kaufherren auf ihre Unterlassungsfünde aufmerksam gemacht, dies schleunigst nachholen werden." Die Deputation schwieg betroffen und am nächsten Tage erhielt der Mahatma noch 3150 Pfund. Drei Badehosen Als Gandhi zu der letzten„ Round- Table- Konference" nach London fuhr, bestand sein ganzes Gepäck aus einer warmen Decke und drei Badehosen, die in einem kleinen Musterkoffer untergebracht waren. Mit diesen drei Höschen mußte er während seines Londoner Aufenthaltes auskommen. Seine Waschfrau hatte während dieser Zeit recht viel zu tun, denn Gandhi ist sehr reinlich und wechselt öfters am Tage seine Wäsche. Bei seiner Ankunft in Folkestone wurde der illustre Gaft von einem Londoner Journalisten interviewt. Der Repor= ter fragte ihn, ob es ihm nicht peinlich sein werde, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, durch Londons Straßen zu gehen und in diesem Aufzuge vor dem König zu erscheinen. Schmunzelnd antwortete Gandhi:" Bei Euch in England trägt man Plus fours"( bei uns nennt man diese kurzen Sporthosen Knickerboder), ich ziehe die Minus fours vor." Das Zollamt Gandhi hatte während seiner letzten Reise nach London mit dem Zollinspektor in Folkestone ein sehr interessantes Gespräch. Der Zollinspektor fragte pflichtgemäß auch den Mahatma, ob er nichts zu verzollen habe? Entrüstet antwortete Gandhi: Wie können Sie glauben, daß ich etwas zu verzollen habe? Ich bin doch ein armer Bettelmönch und besize nur das, was ich an meinem Körper habe." Der Beamte gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und forschte weiter: Haben Sie vielleicht Zigaretten, Zigarren, Alfohol oder gar Feuerwaffen bei sich?" Gandhi entrüstete sich wieder:„ Sie müßten es doch wissen, baß ich weder trinke noch rauche und daß ich niemals Gewalt anwende. Uebrigens wenn Sie alles wissen wollen, ich befizze drei Schwimmhosen. Die eine davon habe ich jetzt an, die anderen beiden sind naß, weil man sie eben gewaschen hat. Diese beiden Schwimmhosen werden Sie doch nicht verzollen wollen. Aber wenn Sie es dennoch tun wollen, so werde ich den Zoll nicht bezahlen. Sind Sie nun zufriedengestellt?" Der Zollbeamte war zwar nicht zufriedengestellt, aber zoa dennoch ab. Erziehung zur Schweigfamkeit. Nach Beendigung der letzten Round- Table- Konference fuhr Gandhi nach Paris. Noch am selben Tage veranstalteten die in der französischen Hauptstadt lebenden Inder zu seinen Ehren im Hotel Terminus einen Tee. Zu der Feier wurden nur einige Journalisten und die Vornehmheit der Inderfolonie eingeladen. Welkes Blatt Der Sommer hat sich plötzlich satt, im Rinnstein liegt das erste Blatt, die Abende sind blasser. Ein Dußend Regenwolfen zieht, ein naher Ausflugsplan zersprüht, ein Bootssteg steht im Wasser. Mein Grammofon am Sofa fingt ein Lied, das fast wie Schwermut klingt. Wann willst du zu mir kommen? Die Sonne wandert himmelab, es blieb ein Trost, den sie uns gab: die Nacht hat zugenommen. Annette Stein. Der Mahatma nahm an dem reich mit Obst beladenen Tische Plazz und legte die Uhr vor si hin. Als man ihn fragte, wozu das gut sei, meinte er:„ Seit meinem Schweig- rozeß wegen einer Stimme samkeitsgelübde pflege ich mich immer mit der Uhr in der Hand zu kontrollieren, ob ich nicht zu viel spreche. Stelle ich dann einmal fest, daß ich genügend gesprochen habe, so breche ich selbst inmitten des Sages ab. Nur auf diese Weise kann ich, der Vielredner, mich zu einem schweigsamen Menschen erziehen."*) Die große Sünde Als Gandhi von seiner letzten Europareise heimkehrte, entdeckte er, daß seine Gattin, die er schon als neunjähriges Mädchen heiratete, eine große Sünde begangen hatte. Gandhi, der Apostel der Enthaltsamkeit, verlangte auch von seiner Frau, daß sie auf einen jeden irdischen Genuß verzichten soll. Frau Kasturbai verzichtete auch auf einen jeden irdischen Besitz und lebte ebenso einfach wie Gandhi. Diese Enthaltsamkeit zu ertragen, wurde ihr aber außerordentlich schwer. Sie ersparte sich daher im Laufe der Jahre zweihundert Rupien, ohne daß Gandhi von diesem er= sparten Vermögen" gewußt hatte. Eines Tages erkrankte Frau Gandhi und der Arzt erflärte, fie müsse unbedingt eine Luftveränderung haben. Gandhis Getreue erfuhren dies und begannen zu sammeln, um auf diese Weise die Reise der franken Frau zu er= möglichen. Nun beging Frau Gandhi eine große Unvorsichtigkeit. Sie erklärte ihrem Gatten:„ Das gesammelte Geld soll unter die Armen verteilt werden. Ich benötige es nicht, denn ich habe mir etwa zweihundert Rupien erspart." Als dies Gandhi hörte, wurde er tieftraurig. Er machte seiner Gattin heftige Vorwürfe, nahm ihr die zweihundert Rupien fort und verteilte sie unter die notleidenden Be wohner von Ashram. Gandhi bestand darauf, auch das ge= sammelte Geld unter die Armen zu verteilen, so daß Frau Gandhi nicht reisen konnte. Denn," erklärte er, meine Frau hat eine große Sünde begangen und muß darum büßen!" Die Strafe Während seines letzten Gefängnisaufenthaltes expertmentierte Gandhi gern mit seiner Diät. So hat er z. B. beschlossen, keine Ziegenmilch mehr zu trinken und kein frisches Obst zu essen. Innerhalb eines Monats nahm er bei dieser neuen Diät zwölf Pfund ab. Als dies der Gefängnisdirektor hörte, suchte er Gandhi auf und erklärte ihm, daß er diese Experimente aufgeben müsse, denn die Regierung sei für seinen Gesundheitszustand verantwortlich. Mahatma Gandhi hörte sich die Ermahnungen des Direktors ruhig an und stellte nur eine Frage:„ Ist Ziegenmilch- Trinken auch ein Teil meiner Strafe?" Der Direktor bejahte dies. Gandhi schwieg nun einen Augenblick und sprach dann:" Also, von nun ab werde ich Ziegenmilch trinken, denn die Gefängnisdirektion hat die Macht und so das Recht, über ihre Gefangenen Strafen zu verhängen. 2. B. *) Gandhi gelobte vor vielen Jahren, als er zu der Einficht kam, daß er zu viel rede, jede Woche von Sonntag abends bis Montag abends zu schweigen. Dieses Gelübde wurde von dem Mahatma strengstens eingehalten. den Weg und durchwanderte tagelange Streden. Immer Geschichten aus Amerika neue Goldfucher treffen in Canon- City ein. Die Nachricht Wolkenkratzer Nach einem amtlichen amerikanischen Bericht stehen in Neuyork zur Zeit 35 Prozent aller Hochhäuser leer, während die kleineren Kontorhäuser weit besser besetzt sind. Daraus geht einwandfrei hervor, daß die Neuyorker die berühmten Wahrzeichen ihrer Stadt nicht gerade hochschätzen und lieber tiefer ihren Geschäften nachgehen. In weltberühmten Ge= bäuden, wie dem Equitable Trust Building mit seinem gewaltigen Turm, sind zahlreiche Stockwerke überhaupt noch niemals vermietet worden. Man ist bemüht, dieser Abneigung eine plausible Erklärung zu geben. Zweifellos ist zum Teil die Wirtschaftskrise dafür verantwortlich zu machen. Aber das kann keineswegs allein der Grund sein; denn so groß ist der Unterschied nicht. Es scheint vielmehr tatsächlich, daß der Aberglaube, der unter der Neuyorker Geschäftswelt immer breiteren Boden gewinnt, ein gewichtiges Wort mitspricht. Die Ansicht setzt sich immer weitergehend durch, daß das Wohnen in luftiger Höhe Unheil bedeutet und geschäftlichen Mißerfolg mit sich bringt. Goldfieber In dem schwer zugänglichen Colorado- Gebiet in Amerifa, in der Nähe Canon- City, hat ein Neger durch Zufall eine allem Anschein nach überaus ergiebige Goldader entdeckt. Zuerst wollte man seinen Erzählungen keinen Glauben schenken, doch als er zum Beweis einen großen Klumpen goldhaltigen Erzes vorzeigte, sette sofort eine förmliche Völkerwanderung nach dem Fundort ein. Wer keinen Wagen und fein Reittier sein eigen nannte, machte sich zu Fuß auf von dem Vorkommen des kostbaren Metalls hat sich mit Blizesschnelle verbreitet. Ueber Nacht ist in der Nähe des Fundortes eine ganze Zeltstadt entstanden. Inzwischen sind die Angaben des Negers von mehreren Goldgräbern bestätigt worden, die in dem bezeichneten Gebiet goldhaltiges Gestein gefunden haben. Ford Der französische Automobilfabrikant Gitroen befindet sich auf einer Studienreise durch die Vereinigten Staaten. Er kommt auch nach Detroit und stattet Henry Ford einen Besuch ab. Als er das Zimmer seines größeren, amerikanischen Kollegen betritt, sagt dieser, ohne sich von seinem Siz zu erheben:„ Nehmen Sie Platz, mein Herr." Citroen, der von dieser Formlosigkeit etwas überrascht ist, wiederholt seinen Namen, in der Annahme, daß es Henry Ford übersehen hat, was für ein prominenter Besucher bei ihm ist. Er stellt sich also nochmals mit den Worten vor: „ Ich bin der bekannte französische Automobilfabrikant!" " Ach so," sagt Ford, dann nehmen Sie doch bitte zwei Plätze!" Die Zukunft Irmgard, zwölf Jahr alt, und Grete, dreizehn, betrachten einander im Seebad. " Du hast schon Busen- und ich gar keinen." Wozu Busen? Du wirst doch Lehrerin," Eine ungewöhnliche Schadenersatzklage hat eine junge Frau, eine gewisse Colombe Aubert, gegen die Stadtverwaltung von Versailles eingeleitet. Sie fordert nicht weniger als 60 000 französische Franken, weil sie zwei Jahre lang von einem Lehrer des städtischen Musikkonservatoriums als Altistin ausgebildet wurde, während sie nach ihrer Behauptung einen hohen Sopran befigt. Diese Verkennung der Stimme durch den Gesangslehrer hat nach den Angaben der Klägerin ihre Stimme vollkommen ruiniert, so daß sie jetzt nicht mehr mit ihr singen, sondern nur noch Protest gegen die ihr zuteil gewordene Behandlung erheben kann. Infolge der falschen Ausbildung hat sie auch ihr Eramen nicht bestanden. Ein Halsarzt, den sie wegen Schwellungen an ihren Stimmbändern um Rat fragte, war die erste Person, die ihr riet, sie solle hohen Sopran fingen, weil sich ihre Stimme nur dazu eigne, und der Arzt erkannte das, wie gesagt, auf den ersten Blick, während die Sachverständigen des Konservatoriums den Charakter ihrer Stimme nicht in zwei Jahren erkannt haben. Boykott gegen Johannes Rieman Im Wiener Sascha- Atelier, wo die Aufnahmen zu dem großen Jeriza- Film Alexandria" gedreht werden, und an dem neben Leo Slezak Otto Treßler, Szökö Szakall und Johannes Riemann mitwirken, sollten Aufnahmen mit dem aus Berlin eingetroffenen Riemann beginnen. Die Arbeiter wollten aber die Arbeit nicht aufnehmen, ehe Riemann nicht das Atelier verlassen habe. Riemann behauptete, gezwungen der Nationalsozialistischen Partei beigetreten zu sein, hat aber die Antwort verweigert, als man ihn fragte, ob er auch gezwungen wurde, den nationalsozialistischen Filmbund zu gründen. Unangenehme Steuermafinung Steuerzahlen ist ja nirgends in der Welt ein großes Vergnügen. Aber Steuern schuldig bleiben war bisher gewissermaßen ein Vergnügen. Die modernisierte Türkei will jedoch auch mit dieser letzten Freude des Staatsuntertanen energisch aufräumen. Die türkische Regierung wird in der nächsten Zeit einen Gesezentwurf verabschieden, der vorsieht, daß vor dem Hause säumiger Zahler sechs Trommler täglich eine Stunde lang trommeln sollen, solange, bis der Schuldner gezahlt hat. Ob auch die unschuldigen Nachbarn des Säumigen wegen der ausgestandenen Ohrenqualen Schadenersazansprüche haben, ist in dem Gefeßentwurf nicht enthalten. Wäfirend sie die Geister riefen In Helnau stürzte ein Wohngebäude ein. Unter den Trümmern wurde eine im Gebäude versammelte offultistische Gesellschaft begraben. Acht Frauen wurden auf der Stelle getötet, sechs Frauen wurden schwer verwundet. Das Haus stürzte eben in dem Augenblick zusammen, als die Vereinigung ihre rituellen Zeremonien zweds Niederschlagung böser Elemente ausführte. Krokodilprämien In den malaiischen Staaten, die sehr unter der Kroko dil plage zu leiden haben, zahlen die britischen Behörden für jedes erlegte Tier eine Prämie, und zwar je nach der Länge des Krokodils: für jeden Zentimeter, nach unserem Gelde, 75 Centimes. Das ist nicht einmal viel, wenn man bedenkt, daß einiges Geschäftsrisiko" daran hängt. Aber warum sollten die Eingeborenen von der europäischen Zivilisation just auf diesem Gebiet weniger ausgebeutet werden als auf allen andern? Junger Mann tritt ins Leben Mag tritt ins Leben und wird Lehrjunge. Wochenlohn 15 Mark.„ Du hast alles, was du brauchst, zu Hause, mein Kind," sagt der Vater, und lieferst das Geld wohlabgezählt jeden Samstag ab." Das geschieht auch in der ersten Woche. In der zweiten Woche bringt May nur 14,75 Mart. Zur Rede gestellt verantwortet er sich mit Müdigkeit und hierdurch verursachter Fahrt mit der Straßenbahn.„ Du hast Füße, Max, und kannst gehen, sieh mich an, ich bin älter als du... Nächsten Samstag wieder das ganze Geld, wenn ich bitten darf." In der dritten Woche nur 14,35 Mark. Wo die 65 Pfennig geblieben sind?„ Es war so heiß, und ich habe mir Obst gekauft." Obst, meint der entrüstete Vater, sei daheim vorhanden, sogar Tafeläpfel, und am nächsten Samstag wünsche er wieder 15 Mark zu sehen, sonst würde es etwas geben. In der vierten Woche sind es nur 14 Mark. Da zieht der Bater den Jungen in die Stube, schließt von innen ab, legt dem Erbleichenden die Hände auf die Schultern und spricht feierlichen Tones: Mann gegen Mann, Mag: wie heißt die Dame? f. 4 Braunschweig- ein Fanal Eine internationale Kommission berichtet.. Von den 63 Millionen Einwohnern Deutschlands wohnt nur eine halbe Million in Braunschweig. Von den 470 628 Quadratkilometer der Bodenfläche Deutschlands entfallen nur 3672 auf Braunschweig, nur dreiviertel Prozent der Einwohner und der Bodenfläche Deutschlands macht dieser Landesteil aus. Aller Terror, der in den nachstehenden Beröffentlichungen festgestellt wird, wurde in diesem Kleinen Teile Deutschlands verübt. Es ist nur ein Ausschnitt aus den entsetzlichen Verbrechen, die im ersten Quartal der Hitler- Herrschaft in Deutschland verübt worden sind, aber ein Ausschnitt, der auf das eindrucksvollste zeigt, was das ganze Deutschland an erdulden hat. Alle in den aufgeführten Berichten angeführten Fälle find verbürgt. Unbestimmte Mitteilungen find in diese Sammlung nicht aufgenommen worden. Es wird nur berichtet, was den Augenzeugen selbst bekannt war oder aber was ihnen durch zuverlässige Augenzeugen, für die fie fich verbürgen können, in Erfahrung gebracht worden ist. ..Volksfreund"-Haus wird ,, besetzt" Am Nachmittag des 9. März wird im Hause des„ Volksfreund" Gebäudes eine Sigung der Landtagsfraktion abgehalten. Dort waren um 16.05 Uhr Lastautos mit SA. und SS. vorgefahren. Die Hauswache schloß blizschnell die Türen. Die Nazis schlugen aber die großen Schaufenster ein und brangen durch die Deffnungen in das Gebäude. Ste eröffneten im Hause ein lebhaftes Feuer aus zahlreichen Karabinern und Revolvern. Dabei wurde der etwa 28jährige Kaufmann Hand Seile, beauftragter Werbeleiter der Inseraten- Union Berlin( Konsentration A.-G.), durch Bauchschuß getötet. Er hatte von feiner vorgesetzten Stelle den Auftrag erhalten, den gefähr deten Bezirk Braunschweig zu verlassen und am gleichen Tage nach Saarbrücken zu reisen... Die Eindringlinge stürmten die Treppe hinauf. Verschlos das Kreisgefängnis zu gehen. Es gelang Dr. Jasper nach einigen Tagen, auch ihn zu befreien. Oberbürgermeister Böhme floh. Nach acht Tagen kehrte er nach Braunschweig in seine Privatwohnung zurück. Er rief bei der Polizei an:„ Liegt gegen mich etwas vor?" Die Polizei antwortete:„ Nach genauen Erfundigungen bei allen in Frage kommenden Stellen können Sie ohne Sorge sein. Es wird Ihnen nichts geschehen." Kaum hatte Böhme das Telefon verlassen, da kletterte aber ouch schon eine Bande SA. und SS. über seinen Balkon und drang in seine Wohnung eiu. Genosse Böhme, der gleichfalls, wie so viele Opfer des Terrors, Frontsoldat und Schwerkriegsbeschädigter ist, wurde in Gegenwart seiner Frau übel zugerichtet. Frau Böhme rief die Polizei on. Eben wollten die Nationalsozialisten mit Böhme das Haus verlassen, da erschien das Ueberfallkommando der Polizei mit einem Offizier. Der Führer der braunen Bande schnauzte den Polizeioffizier an: Was wollen Sie denn? Wir sind doch schon hier!" Darauf machte der Polizeioffiater eine Ehrenbezeugung vor dem SA.- Führer und fuhr mit seinen Mannschaften ab. Oberbürgermeister Böhme wurde nun in das„ Volksfreund"-Haus gebracht. Die Horde stürzte dort mit Knüppeln und Karabinern über ihn her und mißhandelte ihn stundenlang. Dann hing man ihm eine große rote Schärpe um und schleifte ihn im Triumph durch die Stadt. Die Begleiter riefen:„ Seht das Marristenschwein! Seht den Spizbuben, seht euren roten Verbrecher! Jetzt wird er aufgehängt!" Sie fuhren dabei fort, ihn mit Schlägen und Fußtritten zu mißhandeln. Dann ging es zurück in das Boltsfreund"- Haus. Dort wurde Böhme so lange blutig geschlagen, bis er eine Erklärung unterschrieb, daß er seine sämtlichen Parteifunttionen niederlege, aus der Partei ausscheide und nie gegen die neue Regierung fämpfen werde. Böhme wurde daraufhin aber keineswegs freigelassen, sondern wieder in das Kreisgefängnis gebracht.. Jene Türen wurden mit Gewehrkolben zertrümmert, Ge Landtagsabgeordneter werkschaftssekretäre, Angestellte, Stenotypistinnen, Konsumverkäuferinnen wurden mit Rnüppeln, Karabinern, Revol bern und Dolchen zusammengetrieben und mißhandelt. Dann sperrte man sie mit Hände hoch" stundenlang ein, ehe man sie mit Fußtritten und Ohrfeigen entließ. Der Arbeiter A. P. hatte sich beim Eindringen der Nazis hinter einem Schrank versteckt. Er hatte dort beobachtet, wie die Geschäftsbücher in tindischer Zerstörungswut unbrauchbar gemacht wurden. Er hatte gehört, wie die Leute darüber schimpften, daß thre Beute an Geld und Wertsachen viel zu gering geblieben set. A. P. wurde entdeckt, schwer mißhandelt und dann aus dem Hause geworfen. Der Geschäftsführer Otto Berbel, Geschäftsführer des Gesamtverbandes in Braunschweig, wurde während der Besetzung auf der Treppe schwer mißhandelt und dann hinausgeworfen. " Der„ Boltsfreund"-Atquifiteur Wilhelm Granel, Stadtverordneter, wohnhaft Kastanienallee in Braunschweig, wurde ebenfalls vor seinem Hinauswurf schwer mißhandelt. Der ehemalige Polizeioberleutnant Richard Neuenfeldt, Jett Kraftfahrer beim Boltsfreund", wohnhaft im Voltsfreund"-Wohnhaus, Delschlägern 27 zu Braunschweig, war bei Beginn der Besetzung auf dem Hofe mit Autoreparaturen beschäftigt. Er wurde erkannt und mit Knüppeln, Stahlruten, Revolverknäufen, Eisenwerkzeugen so lange auf den Kopf und in das Geficht geschlagen, bis er bewußtloß zusammenbrach. Auch dann noch trat man ihn mit Füßen, schleifte ihn über den Hof und warf ihn hinaus. Neuenfeldt ist Frontsoldat und hat den Krieg bis zu Ende mitgemacht. Die ihn mißhan belten, waren ein typischer Fall, der sich unzählige Male wiederholt etwa zwanzigjährige Jungen. Neuenfeldt ist infolge der erlittenen Mißhandlungen körperlich und seelisch gebrochen. Die ordentliche Polizet( Schupo) sperrte unterbeffen mit startem Aufgebot die an den Volksfreund" grenzenden Straßen ab. Vor ihren Augen plünderten die Nazis das Gebäude aus. Sie zerstörten die Inneneinrichtungen. Was nicht niet- und nagelfest war, schleiften sie auf den Ackerhof. Atten, Einrichtungsgegenstände, kostbares Verwaltungsmaterial, das Bücherlager der„ Volksfreund"-Buchhandlung, viele Zentner teurer Werbefilme, Grammofonplatten, Geschäftsbücher, Fahnen trugen sie zu einem Scheiterhaufen zusammen und Thielmann Der„ Volksfreund"-Redakteur und Landtagsabgeordnete Otto Thielemann, wohnhaft Fasanenstraße in Braunschweig, ein Frontsoldat, wurde seit langem verfolgt und war flitchtig. Dann zwangen ihn die Verhältnisse nach Braunschweig zurüd. Er begab sich in die Wohnung des Geschäftsführers des„ Volksfreund", Carta I, um dessen Aufenthaltsort zu erfahren. Als er das Haus verließ, stellte ihn ein SA.- Mann mit einem Revolver, Thielemann sprang in ein vor dem Hause wartendes Auto, um zu entkommen. Der Fahrer des Wagens wurde mit vorgehaltenen Pistolen gezwungen, zu halten. Thielemann wurde herausgezerrt und in das„ Volksfreund"-Gebäude gefchleppt. Die Bürgerpresse meldete, Thielemann sei verhaftet und einem längeren Verhör unterzogen worden. Wie sah das Berhör aus? Als die Nationalsozialisten mit Thielemann im Volf8freund" anlangten, stürzte sich eine Meute mit Knüppeln, Karabinern und andern Waffen auf ihn. Er wurde viele Stunden hindurch in das Gesicht, in die Augen, auf den Kopf geschlagen und in den Leibgetreten. Man verlangte von ihm die Nennung von Spizeln, die den Volksfreund" mit Material versehen hatten. Nach langer Folterung nannte er einige Namen, um nicht totgeschlagen zu werden. Die von Thielemann genannten Leute wurden kurze Zeit darauf in das Katholische Krankenhaus zu Braunschweig eingeliefert. Man hatte ihnen die Geschlechtsteile zertreten. Thielemann wurde nach den Mißhandlungen in das Kreisgefängniß zu Braunschweig eingeliefert. Anwohner der Nachbarstraßen des Volksfreund" sagen aus, daß Thielemanns Schrete des Schmerzes und Hilferufe, stundenlang und straßenweit zu hören seien. Es gelang dem Eingreifen des Genossen Dr. Jasper, Thielemann später aus dem Gefängnis zu befreien. Thielemann ergriff die Flucht, um weiteren Folterungen zu entgehen. In Hamburg wurde er jedoch neuerlich verhaftet und auf einem Lastauto durch die Lüneburger Heide nach Braunschweig transportiert. Bei einem angeblichen Fluchtversuch wurde er angeschossen und anscheinend schwer verlegt. Das Dazwischentreten fremder Automobilisten rettete ihn vor Schlimmerem. entzündeten ihn. Drei Tage und drei Nächte brannte das Dr. med. Friedrich Lube Feuer. Der Boltsfreund"-Redakteur Genosse Ernst Severitt, wohnhaft Auerstraße, wurde in der gleichen Nacht von Nazt Ieuten aufgegriffen und in das„ Volksfreund"-Haus gebracht. Dort wurde er von der Besatzung mit den Worten„ Marristenschwein"," Sau"," Mistbonze" usw. bedacht und stundenlang mit Knüppeln und Fäusten trattiert. Dann wurde er mit Fußtritten hinausgeworfen. Er mußte sich außerhal Braunschweigs auf das Krankenlager begeben. Die Bürgerpresse Braunschweigs berichtete am nächsten Morgen über die Besehung. Sie sei vollkommen zu Recht erfolgt, denn das Haus set seit langem ein Unruheherd gewesen, außerdem sei eine Unmenge staatsfeindlichen Materials und viele Munition im Hause gefunden worden. Nicht eine einzige dieser Angaben ist wahr. Der Bürgermeister Böhme Böhme, Der Oberbürgermeister der Stadt Brauschweig, Graft Mitglied des Bandtages, wohnhaft Adolfstraße, wurde während des Dienstes im Rathause von einer großen Menge von Nationalsozialisten überfallen. Er wurde in Gegenwart der Polizei gezwungen, seine Aemter niederzulegen und in Der praktische Arzt Dr. med. Friedrich Lube, Mitglied des Bezirksvorstandes der Partei, wurde in seiner Wohnung überfallen. Gegen 20 Uhr läutete es an seiner Wohnungstüre. Seine Frau erkannte durch die Scheiben SS.- Müzen und öffnete nicht. Dr. Lube ging an die Türe und nun entwickelte sich folgendes Gespräch:„ Was wünschen Sie?" „ Wir müssen Sie sprechen!"" Ich öffne Ihnen nicht!"" Sie find Arzt. Wir brauchen jemand zu verbinden!"" Wenn Sie meine Hilfe als Arzt brauchen, so ist das etwas anderes. Bitte, treten Sie ein!" Frontsoldat und mehrfach verwundet. Poth wurde in seiner Wohnung überfallen und vor den Augen seiner Frau grauenhaft mißhandelt. Seine Frau wurde an die Wand gestellt und mit Revolvern bes droht. So zwang man sie, die Folterungen ihres Mans nes mit anzusehen, oder, wie einer der Peiniger sich auss drückte, aufzupassen, was der Bonze für Grimassen schneidet". Nach unsäglicher Qual unterschrieb Poth die freiwillige" Erklärung, daß er seine Aemter niederlege, aus der Partei ausscheide und nie mehr politisch tätig sein wolle. Kaum hatte er die Unterschrift geleistet, wurde er nochmals furchtbar gepeitscht. In höchster Verzweiflung versuchte Poth, sich die linke Pulsader durchzubeißen, um so durch einen schnellen Tod seinen Peinigern zu entgehen. Da erst ließ man von ihm ab. Er wurde von seinen Angehörigen in das Krankenhaus gebracht. Unzählige Bestialitäten zu Tode gequält In Schöningen wurde Rektor Hermann Neddermeier, Führer der Kinderfreunde und der Arbeiterjugend im Freistaat Braunschweig, Frontsoldat, Kriegsbeschädigter, während des Unterrichtes im Beisein der Kinder überfallen, blutig geschlagen und eine hohe Steintreppe hinuntergeworfen. Dann wurde auf ihm herumgetrampelt, bis er besinnungslos war. Ein langes, schmerzhaftes Krankenlager war die Folge, völlige Wiedergenesung ist unwahrscheinlich. Die Bürgerpresse berichtete in diesem Falle, Neddermeier sei vor Angst die Treppe hinuntergefallen und habe sich dann mit blutendem Gesicht provozierend am Fenster gezeigt. * In Süpplingen wurden den Genossen nach fürchterlichen Schlägen Hakenkreuze in das Kopfhaar geschnit ten. In Langelsheim wurde der Postbeamte Wilhelm Grote henn, ein kriegsbeschädigter Frontsoldat, buchstäblich zu Tode geschleift und getreten. Als er schon nahe am Sterben war, wurde er noch wies derholt hoch gehoben und mit aller Wucht auf den Boden geschleudert. Er konnte seinen Angehörigen vor seinem Hinscheiden einige der Mörder bezeichnen. Eingeschritten wurde gegen sie nicht. In Seesen wurden Juden und Sozialdemokraten erbärm lich zugerichtet. Der jüdische Kaufmann Bremer wurde, weil er im Besitz einer Waffe gewesen sein soll, fast totge= schlagen und dann in das Seesener Gefängnis eingeliefert. Am andern Morgen fand man ihn erhängt auf. In Regenborn hat man neben vielen andern den Ortsvorsitzenden der Partei, den Arbeiter Friz Groppe, einen Frontsoldaten, unmenschlich zusammengeprügelt. Als er auf dem Boden lag, wurde er in nicht wiederzugebender Weise verunreinigt. Stadtverordneter Matthias Theißen Der Stadtverordnete Matthias Theißen, ein alter Frontsoldat, ein überaus kräftiger und tatenfreudiger Mann, war Geschäftsführer der Zahlstelle Braunschweig des Baugewerksbundes. Nachts drangen SA.- Leute, in seine Wohnung in der Schubertstraße ein. Sie fielen über ihn her. Seine Frau sprang hinzu und erhielt gleichfalls Schläge. Dann wurde der halbbewußtlose Theißen in das„ Volksfreund"-Gebände geschleppt. Man schlug ihn mit Knüppeln und Stahlruten in das Gesicht, auf den Kopf, auf den Mund und in die Augen, Dann zog man ihn über den Tisch und bearbeitete ihn stundenlang mit Fahrerpeitschen. Als die Schläger, von ihrer Arbeit ermüdet, eine Pause machten, fragten fie Theißen, ob er seinen Austritt aus der Partei und seinen Mandatsverzicht erklären wolle. Er antwortete: Nein!" Nun rissen die Folterknechte ihm das Zeng vom Leibe und peitschten ihn, bis ihm das Fleisch in Feyen vom Leibe hing. Sie fragten ihn wieder, ob er die Ers flärung abgeben wolle. Wieder antwortete er:„ Nein!" Sie gossen Salzwasser auf den zerschundenen Körper, in das blutige Fleisch. Darauf peitschten sie weiter. Theißen schrie auf: Ihr Hunde, wenn ihr mit totschlagen wollt, so gebt mir eine Pistole, damit ich mich selber erschießen kann." Wieherndes Gelächter antwortete. Dann brachte man einen Revolver, Theißen setzte ihn an die Stirn und drückte ab. Die Waffe knackte. Sie war aber Teer. Unter viehischem Gejohle geht nach diesem Zwischenspiel die Auspeitschung weiter. Am andern Tage war Theissens Körper eine einzige schwarzbraune, zerschundene, aufgedunsene, klebrige, blutige Masse. Er wurde gegen seinen Willen in das Katholische Krankenhaus in Braunschweig gebracht. Als er sein Ende nahen fühlte, gab er seinen Angehörigen und Freunden die vorstehende Schilderung. Und er fügte hinzu:„ Ich habe im Volksfreund"-Hause die Genossen Wilhelm Rieke, Heinrich Simon, Friz Trute, Wilhelm Warnecke und andre auf Strohhaufen liegen sehen. Nur an ihrem Stöhnen konnte ich erkennen, daß noch Leben in ihren war." Der Führer der SS.- Abteilung anscheind ein Intellektveller- fragte:„ Sind Sie Dr. Lube?"" Jawohl!" Darauf rief er seinen Leuten zu: Macht ihn fertig!" Die SS.- Leute stürzten wie die Wilden über ihn her, und schlugen ihn. Seine Frau sprang dazwischen. Aber sie wurde auch mißhandelt. Dr. Lube wurde mit Knüppeln und Stahlruten auf den Kopf und in das Gesicht geschlagen, bis er bewußtlos liegen blieb. Dann verschwand der Trupp in Der Herr Justizminister einem Auto. Sofort nach ihrem Verschwinden erschien die ordentliche Polizei und nahm Lube und seine Frau in Schutzhaft. Zwei Wochen lang wälzte fich Matthias Theissen auf dem Krankenlager. Dann starb er. Landtagsabgeordneter Poht Der sozialdemokratische Bandtagsabgeordnete Both war der Kreisleiter der Partei im Kreise Holzminden. Er war Der SS.- Führer und Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Alpers sagte zu Theissen, bei deffen Folterung er seine Parteifreunde antraf: So, Matties, diesmal bist du noch gut davongekommen. Sagft du jemanden, daß du geschlagen worden bist, gehst du zum Arzt oder in ein Krankenhaus, so holen wir dich wieder." Die Drohung konnte nicht wahrgemacht werden, denn Theiffen war wirklich gut dovongekommen", nämlich in die Zuflucht des Todes. Aber Alpers wurde in Braunschweig Justizminis fter! Freiheit! Sonntag nachmittag 3 Uhr Neunkirchen- Lindenallee SAAR KUNDGEBUNG Massendemonstration der Saar- Freiheitskämpfer Max Braun spricht Fahnenaufmarsch der Saar Parole und Bekenntnis Weihe des Freiheitsbanners Totenehrung- Freiheitsstafette Treuegelöbnis zur Freiheit Botschaft an Deutschland Grüße an die Internationale und Appell an die Völkerverständigung und Weltsolidarität Massenchor Lieb und gut zu den Tieren! ,, Der Kampf der NSDAP. gegen Tierquälerei" Von Dr. med. A. Ehrhardt, SS.- Abschnitt arzt, Hannover Die Frage Vivisektion oder nicht Vivisektion wäre sofort entschieden, wenn jeder deutsche Volksgenosse in die Lage täme, mit eignen Augen eine derartige Tierquälerei ansehen zu müssen. Dann würde sich ein Schrei des Entsetzens erheben und biese größte Kulturschande des 20. Jahrhunderts, die in ihrer Furchtbarkeit und Grausamkeit nur verglichen werden kann mit der Menschenfolterung des Mittelalters, würde mit einem Schlage hinweggefegt werden. Ich selbst habe als Student auf der Universität feinen Tierversuch mit Betäubung gesehen, sondern die schmerzhaftesten Versuche, wie Eröffnung der Schädel- und der übrigen Körperhöhlen wurden ohne Menschen, sofern sie selbst in Gefahr kommen, meistenteils die feigsten find. Also der Tierarzt. Er jammert um die Tiere, aber in seiner nächsten Nähe, in Braunschweig, wurden Menschen gequält und mißhandelt, bis sie unter entfeglichen Leiden starben. Die Weichherzigen fönnen teine Tierquälerei erdulden erdulden Menschenquälerei steht auf ihrem Programm und wird offiziell unter Beifall der Führer ausgeübt. Ein vortrefflicher Satz des Herrn SS.- Doktors:„ Die rohe sten Menschen sind zugleich auch die feigsten." ,, Zimperlich Geheule" jede Betäubung vorgenommen, wobei man entweder die„ ZI Tiere in der schmerzhaftesten Weise fesselte oder ihnen ein Gift einsprigte( curare), das die Bewegungsmöglichkeit der Tiere aufhebt, jedoch deren Empfindlichkeit in jeder Form erhält. Wahre Wissenschaft muß frei fein, aber nicht frei zur Marterung und Folierung wehrloser Tiere. Heute werden an Hochschulen und da, wo die Oeffentlichkeit Butritt hat, die meisten Tiere zu Anfang der operativen Eingriffe betäubt. Leider ist die schonendere Behandlung der Versuchstiere mit wenigen lobenswerten Ausnahmen nicht darauf zurückzuführen, daß man Mitleid mit dem Los der Tiere hätte, sondern weil dank der Aufklärung der Tierfreunde bie Deffentlichkeit in immer schärferer Form gegen die Tierquälerei Stellung zu nehmen beginnt. Unsere Tierschußbestrebungen haben nichts zu tun mit dem fogenannten Pazifismus oder einer semininen Einstellung wie das fälschlicherweise so oft von unseren Gegnern uns unterstellt wird, wir stehen auf dem Standpunkt, daß der Mensch nur Mut zeigen fann am eigenen Körper und nicht am wehrlosen Tier, wie es auch bekannt ist, daß die rohesten BRIEFKASTEN Ein gewisser Erwin Messel dichtet in der Nazi- Presse: Daß du noch nicht verhungert bist als Moskaus legter Knecht dein Vaterland nicht ehrlos ist samt dir das dankst du schlecht! Denn statt dein Vaterland zu schützen vor dieser Eiterbeule hilfst du die Brut nur unterstützen durch zimperlich Geheule! Mert auf! hier tanns nicht Schonung gebennur Wachsamkeit und Schneid denn unser Vaterland muß leben, auch wenn ihr längst gestorben seid!!! Euch sagen wir ihr Leisetreter und jedem andern„ Pazifist", daß uns von eurer Sorte jeder genau so lieb wie Bauchweh ist! Zwei Bolschewisten Wo ist der Unterschied? Auf Grund ihres neugeschaffenen Beamten ,, rechtes" hat die nationalsozialistische Regierung den Oberbürger meister Reuter von Magdeburg, einen der hervor. ragendsten sozialdemokratischen Kommunalpolitiker, aus dem Amte entfernt, und zwar auf Grund der verschärften Bestimmungen, die gegen Kommunisten gelten. Als Vorwand diente ihr, daß Reuter vor 13 oder 14 Jahren in Rußland, wohin er durch Kriegsgefangenschaft geraten war, unter dem Namen Friesland für die bolichemis stische Regierung als Kommissar tätig gewesen war. Wir würden an sich die Frage für schnurzegal halten, ob Reuter als gegenwärtiger Sozialdemokrat oder als gewefener Kommunist gemaßregelt wurde. Aber diese Be gründung mit Reuters lang zurückliegender Tätigkeit als russischer Kommissar zwingt doch zu einer Erinnerung: es ist kaum länger als ein Jahr her, da wurde im„ Völkischen Beobachter" ein nationalsozialistischer Versammlungsredner ungemein gepriesen, weil er es den kommunistischen Diskussionsrednern, die Sowjetrußland verherrlichten, so gut gegeben habe. Der Redner sei freilich, so schrieb der„ Völkische Beobachter" weiter, hierzu be sonders geeignet gewesen: habe er doch als boliche wistischer Lebensmittels tommissar vor Jahren die russischen Zustände ans eigener Anschauung genauestens kennengelernt. Und wer ist dieser bols chemistische Lebens mittelkommissar a. D., dessen ehemalige Sowjetkarriere, da sie der„ Völkische Beobachter" uns versichert, außer Zweifel steht? Es ist Dr. Roland Freisler, jetzt durch Hitler- Göring Staatssekretär im preußischen Justizministerium. Man sieht also: ehemalige Tätigkeit im Dienste des Bolschewismus machen den Betreffenden nicht unbedingt ungeeignet für hohe und höchste Posten im„ dritten Reich". Allerdings darf man dann nicht, wie Reuter, ein erstklassiger Verwaltungsfachmann sein, sondern muß beweisen, daß man ein tobsüchtiger kreischender Fakir, ohne *** Sach- und Fachkenntnisse geblieben ist wie Freisler! " Schonung geben" das ist etwas für die Tiere. Ber Menschen nicht letfe, fondern feste treten und sich an imperlich Geheule" nicht weiter stören! Deutsche Schande 6. W. B. M., Anvers. Herzlichen Dank, aber leider nicht ver Die„ jadische Köterrasse" wendbar. Allzu reichhaltiger„ Bestand". Paul R., Saarbrücken. Sie schreiben uns:„ Die„ Deutsche Freibeit sollte die„ Saarbrüder 3eitung" genauer beachten. Diese Gleichschaltung ist ja ein Skandal, wenn man weiß, wie diese Beitung früher geschrieben hat." Wir denken nicht daran, dem Blatt besondere Beachtung zu widmen. Keiner ihrer Redakteure glaubt daran, daß die Kommunisten den Reichstag angezündet haben. Jeder weiß auf Grund unmittelbarer Information, wer es getan hat. Diese Zeitung spielt ihren Lesern nicht nur eine publizistische Komödie vor. Sie verhöhnt noch diejenigen, die die gleiche Ueberzeugung befizen wie sie selbst. Begreifen Sie, lieber Herr K., die Gebote publizistischer Sauberkeit, die uns vor jeder Polemik mit diesem Blatte bewahren? „ Reichsdeutscher in der Schweiz." Wenn die Reichsregierung durch ein Wochenblatt in der Schweiz Propaganda macht, sollte fie beffere Kräfte in das Unternehmen stecken. Wir freuen uns, daß unsere Freiheit" den Herren nicht gefällt. Wäre es anders, müßten wir uns schämen. Dr. S., Bern. Jawohl, die Heyreden und Hezartikel gegen die feinen Beute" stammten von Göbbels. Jezt liebedienert er bei den allerfeinsten Leuten, wie das Bild mit dem Kronprinzen zeigt. Es gehörte schon eine tüchtige Portion Dummheit dazu, um an die Demagogie der Nationalsozialisten zu glauben. Antwerpen. Es ist kein Einzelfall, daß man unpolitischen Frauen und Kindern von Marristen die Spargroschen sichergestellt", also gestohlen hat. Sogar Versicherungssummen, die für von der SA. zerhackte Möbel ausgezahlt wurden, sind sichergestellt", also ge= stohlen worden. Es herrschen eben Räuberbanden. Quäfer, London. Bisher hat kein Organ einer christlichen Kirche in Deutschland dagegen Einspruch erhoben, daß beinahe täglich Marxisten auf der Flucht erschossen werden". Das genze sogenannte Christentum in Deutschland schweigt zu den Morden, ja beschönigt sie. Evangelische und katholische Zeitungen feiern das Geiselsystem und fördern die Judenverfolgungen. Das Christentum ist in Deutschland gleichgeschaltet, ist also aus einer Religion göttlichen Ursprungs eine sehr irdische und allzu mensch liche Angelegenheit geworden. Viel an religiösen Werten hatten die Kirchen ohnehin nicht mehr zu verlieren. Aber ihre materiellen Güter, auch Gehälter und Pensionen, wurden gerettet. Dr. K., Paris. Der Bericht im Braunbuch" über die MißHandlungen des früheren Abgeordneten Sollmann durch SA. und SS. ist kein Originalbeitrag. Es handelt sich um eine Niederschrift, die S. damals an deutsche amtliche Stellen eingereicht hat. Der Bericht ist in Deutschland illegal viel verbreitet worden. Jm " Braunbuch" ist er an einigen Stellen gekürzt. Davos. Ihr Widersacher soll Ihnen doch einen einzigen sozialdemokratischen Führer nennen, der reich geworden ist. Er wird es nicht können. Zahlreiche Sozialdemokraten, die in hohen Staatsstellungen waren, leben mittellos in der Emigration. Ebert, Hermann Müller u. a. m. sind ohne Besitz gestorben. Aus belgischen Seebädern. Die Briefe, daß nicht genügend Exemplare„ Deutsche Freiheit" in die Kioske geliefert werden, häufen sich. Unser Verlag wird nach dem Rechten sehen. Für die Glückwünsche danken wir Ihnen. Wir glauben schon, daß Sie sich nach den deutschen Rundfunklügen ganz etwas anderes unter uns vorgestellt haben. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inferate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrüden, Schüßenstraße 5. Erlangen, 24. Aug.( Inpreß.) In der Monatsschrift für akademisches Leben“ der Universität Erlangen veröffentlicht der bekannte Julius Streicher einen Aufruf, der charakte ristisch ist für die neue deutsche Kultur. Es heißt in diesem Aufruf beispielsweise: Keine Rassenvermischung, teine Schändung hat schlimmere Folgen als die zwischen den Angehörigen der niedrigen, widernatürlichen und minderwer tigen jüdischen Köterrasse und der deutschen Frau. Auch wenn feine Befruchtung erfolgt, erleidet die Nicht- Jüdin einen in dieser Welt nicht wieder gutzumachenden seelischen und leiblichen Schaden. Das Blut ist verseucht, die Ehre ist dahin." Streicher ist einer der nächsten Mitarbeiter des deutschen Kanglers. Ungarischer Csárda Forderungen Auberge Hongroise 76. Rue Mazarine, Paris 6é Métro Odéon Wiener, Ungarische Küche Französische Spezialitäten Prix fix Menü 8.- francs einschl. Getränk. Auch a la Carte Ungarische Weine Musik jeden Abend Man spricht deutsch Verkaufe Aktienpaket gutgehender französischer Export. Aktien Gesellschaft Seriöse Mits arbeiter bevorzugt. Ernste Vermittler erbeten. Zuschriften unter Nr. 94 an die Ge schäftsstelle dieses Blattes. Besondere Gelegenheit Zimmer it Küche, Studios, unvergleichI chem Komfort, Tee, Pension, Garage usw. equemlichkeiten je er Art. Building, 78, rue Blomet, Paris ( Métro Vaugirard) In Deutschland zieht ein ehem. deutscher Rechtsanwalt in Strasbourg 1. 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Mit der Drohung: In einem, Jahr gehört Eupen Malmedy wieder zu Deutschland und dann wird abgerechnet," vers suchen sie, die antifaschistische Bevölkerung einzuschüchtern. Nach Meldungen von gut informierter Seite werden in Aachen Gruppen von je 40 Hitler- Lenten gebildet, die sich in den belgischen Grenzorten niederlassen und hier die hitler= deutsche Propaganda systematisch organisieren sollen. Zu verkaufen grosse Spezereihandlung Reinertrag 50 000 Fr. netto. Preis 100 000 Fr. Günstige Zahlungsbedingungen Personen die in Paris oder Umgebung ein gutes Geschäft suchen, wollen sich wenden an 23 rue, George Sande, Paris 16, zwischen 4-6 h Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunter. richt, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAU DR. 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