Freiheit Nummer 60-1. Jahngang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Dienstag, 29. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Kein menschliches Wirken ist verloren, kein für die Idee vergossenes Blut ist fruchtlos, kein Traum der Jugend ist eine Täuschung. Das beständige sehnsüchtige Wünschen des Menschengeschlechtes ist für die Gesellschaft, was der Kompaß für das Schiff ist; er sieht das Ufer nicht, allein er führt zu ihm hin. Lamartine. Darüber spricht Hitler nicht! Das ist die fotografische Wiedergabe eines der tausenden Schandzüge, die in diesen Wochen durch die Straßen deutscher Städte johlen. Im Mittelalter ging der öffentlichen Anprangerung eine Untersuchung und ein Urteilsspruch voraus. Im Mittelalter! Jezt genügt eine Denunziation und ein Trupp SA. Man sieht auf dem nebenstehenden Bilde sofort, daß der öffentlich Ausgestellte kein Arbeiter ist. Er ist auch kein Jude und kein Marrist. Nie hat er politisch links geftanden. Ims mer war er stramm rechtsnational. Es ist der Prokurist einer Firma in Hildesheim. Junge SA.- und SS.- Lente, mit unreifen fröhlichen Jungensgesichtern haben den gereif ten Mann von seiner Arbeitsstätte fortgeholt und führen ihn nun zur allgemeinen Volksbelustigung vor. Was hat der Mann, der da aufrecht und mit betont stolzem Gesichtsausdrud vor uns steht, getan? Ach, er hat Kritik ges übt an einigen der jetzigen Machthaber. Er fand im neuen Deutschland nicht alles so, wie er es sich in seinen idealistischen Träumen vorher gedacht hatte. Nicht blind und nicht dumm genug, um die Postenjäger an übersehen, zu ehrlich, um das große Lügen über die aufblühende Wirtschaft mitzumachen, hat er im Freundeskreise einige Worte des Unmuts geäußert. Das wurde ihm zum Verhängnis. Dieses Deutschland wims melt ja von Spigeln und Denunzianten. Ein Teil des Volmit dem tes grüßt mit erhobener Hand und der andere Finger vor den Lippen: Schweigen! Wo in Europa außerhalb Deutschlands wären solche Aufzüge möglich? In welchem Lande mit staatlicher und richter: licher Autorität fönnten junge Burschen wagen, solche. schändlichen Umzüge zu veranstalten? Tag für Tag redet der Kanzler und lügt unser Volk und alle Welt an über die Zu stände in Deutschland. Nie aber bringt er soviel Wahrheitsliebe und Wahrheitsmut auf, um nur ein einziges Mal gegen die Schandtaten der von ihm organisierten, mit seinem Uns geist erfüllten, mit seiner Roheit gedrillten, von ihm befeh ligten braunen Horden zu protestieren. Sein Propagandas minister und zehntausend gleichgeschaltete Zeitungsschreiber verdächtigen uns der„ Greuelpropaganda". Nicht wir pro= pagieren Greuel, die SA. und die SS. verübt sie jeden Mbe Jch in ein großen Lump ich. meine da Volksgenossen reundet habe! Tag! Man muß um Deutschland willen die Schande seiner Tag! Man muß um Deutschland willen die Schande seiner jezigen Machthaber aufzeigen, wenn Deutschlands Freiheit und seine Ehre zurückgewonnen werden sollen. Frauen und Kindern Ausbürgerung auch für Familienangehörige Berlin, 27. August. Im Zusammenhang mit den vorgestern gemeldeten Aberkennungen der Staatsbürgerschaft von einer Reihe politischer Flüchtlinge ist die Frage aufgetaucht, ob diese Aberkennung der Staatsbürgerschaft von vornherein auch gleichzeitig für die Angehörigen der Betroffenen gilt. Da die Aberkennung der Staatsangehörigkeit, so wird vom Reichsministerium des Innern betont, hier durch ein subjektives Verhalten des einzelnen begründet wird, erschien es angebracht, vorzusehen, daß über die Ausdehnung des Staatsangehörigkeitsverlustes auf Familienangehörige von Fall zu Fall entschieden wird. Bei Erlaß der Aberkennungsbekanntmachung waren für jeden einzelnen Fall die für die Erstreckung auf Familienangehörige maßgebenden Gesichtspunkte noch nicht genügend geklärt. Aus diesem Grunde mußte in der Bekanntmachung die Entscheidung über diesen Punkt vorbehalten bleiben. ,, Auf der Flucht" erschossen Wiesbaden, 27. Auguft. Wie nunmehr amtlich mitgeteilt wird, unternahm am Abend des 19. August der Kommunist Karl Müller aus dem Verwaltungsgebäude der SA., Standarte 80, wohin er zur Arbeitsleistung kommandiert war, einen Fluchtversuch. Da er auf wiederholten Anruf nicht stehen blieb, machte der mit seiner Bewachung Beauftragte von seiner Schußwaffe Gebrauch. Müller wurde durch zwei Rückenschüsse verlegt und ist kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus verstorben. Alles in Masse Auch die Trauungen Berlin, 28. Aug. An drei verschiedenen Stellen zugleich fanden in Groß- Berlin wieder Massentrauungen statt. In der Alten Kirche von Pankow traten 68 Paare vor den Altar. In der 12- Apostel- Kirche im Berliner Westen erstreckte sich die Feierlichkeit auf 35 Paare. Am größten war die Beteiligung bei der Massentrauung in der Hoffnungs firche in Pankow, wo 84 Paare getraut wurden. Vom Niederwald nach Nürnberg Feste mit Massen- Furcht vor Massen Das deutsche Volt bleibt unruhig. Es erlebt Massenaufs märsche und Massenfeste größer und lärmender denn je, und gerade diese flutenden Menschenwogen, die hin und her über das Land geworfen werden, offenbaren, wie wenig gefestigt and geklärt das staatliche und wirtschaftliche Dasein dieses unraftvollen Volkes ist. In vielen Sonderzügen wurde Saarvolt zum Natio naldenkmal auf den Niederwald gebracht. Der Andrang mag hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein, aber immer noch erreichte er Maffenzahlen, wie sie beruhigte Völker zu politischen Veranstaltungen nicht aufzubringen wiffen. An demselben Sonntag marschierten die Sozials demokraten und die Kommunisten im Saargebiet. Beide getrennt, und doch beide geeint in dem Willen, da s Arbeitsvolk an der Saar nicht der Naches und Blutdiktatur des Hitlerschen Barbarismus auszuliefern. Diese Politit deutscher Freiheit an der Saar wird durch diesen Sonntag der Massenaufmärsche neuen Auftrieb erhalten haben. In Gegenwart des deutschen Reichss kanzlers und vieler Würdenträger des neuen Deutschlands hat der saarländische Staatsrat Simon vor aller Welt ge= droht, daß die Verbrecher" erschlagen werden follen wie tolle Hunde." Der Mensch hatte in seinem Blutrausch noch soviel Feigheit, die Gegner der Hitlerdiks tatur nicht mit ihren Parteinamen zu nennen, aber niemand zweifelt, welchen Gesinnungen diese Morddrohungen gelten, und es darf auch kein Zweifel daran bestehen, daß der Reichs= kanzler selbst diese blutige Rachepolitik billigt. Hat er sie doch jeit Monaten in Deutschland üben lassen. Man muß dem Herrn Staatsrat aufrichtig dankbar sein, daß er so deutlich angekündigt hat, was den Republikanern und Sozialdemokraten, den Kommunisten und Pazifisten, den Freidenkern und Juden bevorsteht, wenn das„ dritte Reich" einen Abstimmungssieg erreichen würde. Solche Reden sind ein dokumentarischer Beweis dafür, daß die jeßigen blutbesudelten Machthaber kein Recht einer Minderheit an der Saar anerkennen würden. Es scheint uns sehr wichtig, das nicht nur festzustellen, fon dern die Tatsache dieses mörderischen Unterdrückungswillens in die Welt hinauszurufen. Selbst auf ihren feierlichsten patriotischen Kundgebungen toben fie mordluftig gegen ihre Gegner. Auch ihr Reichskanz ler, der größte politische Geldmacher, den die Geschichte kennt, offenbarte wieder einmal feine im Grunde niedrige Gefin nung. Mit ausgestrecktem Zeigefinger wies er auf die Setres tärsgehälter von ein paar hundert Mart im Monat hin, die von den besoldeten Funktionären der Arbeiterbewegung be zogen worden sind. Noch auf dem Gipfel seiner Macht ein armseliger Verleumder, höhnte er gegen die Tausende, die er bestohlen und mit Frauen und Kindern bewußt dem Hungertode ausgeliefert hat. Aber wenn diese ewigen Redner und Feierer so etwas wie einen wirklich nationalen Gedanken brauchen, dann wenden sie sich an uns. Wenn sie nach einem Liede suchen, das über die Leierkastenmelodie und die Raufboldreime des Horst Wessel- Songs fich erhebt, dann greifen fie nach unseren Ges dichtbüchern. In der schwarzweißrotumrandeten„ Saarbrücker Zeitung" wird der tiefste Sinn der Saarfeier am Niederwald so ges deutet: Und wenn die Fahnen im Winde schlagen und die Wogen des heiligen Stromes ihr uraltes Lied um die Reben rauschen, wenn deutsche Geschichte und deutsche Hoffnung, deutsche Sehnsucht und deutsche Kraft lebendig werden, dann wird das Wort Karl Brögers in den Herzen klingen und zum feierlichen Gelöbnis werden: Nichts kann uns ranber Liebe und Glauben zum deutschen Land. Es zu gestalten und zu erhalten find wir gesandt! Jawohl: dieses Gedicht an Deutschland schmückte programs matisch die erste Nummer der Deutschen Freiheit", unsres bekanntlich durchaus undeutschen und landesverrätes rischen Blattes. Die großen Patrioten haben es mangels eigener nationaler Kraft uns und dem marristischen Dichter Karl Bröger entwendet. Bröger selbst konnte leider beim be= sten Willen der deutschen Kundgebung auf dem Niederwald nicht anwohnen. Der Reichskanzler Hitler hat einen der deutschesten deutschen Dichter, den Sozialdemokraten Bröger durch seine braus nen Horden mißhandeln und dann in das Kons zentrationslager in Dachau einsperren lass sen. Dort wird Karl Bröger gemeinsam mit seinem Sohne von den pädagogischen SA. zu einem nüßlichen Mitglied der deutschen Nation erzogen. Wird die vom„ dritten Reich" so begeisterte„ Saarbrüder Zeitung" dem durch Schläge seiner Freunde geschändeten und seiner Freiheit beraubten Dichter wenigstens ein Belegeremplar nach Dachau senden? Oder vielleicht ein Honorar, damit er sich seine Hungerkost etwas aufbessern kann? Sie wird keines von beidem tun. Immerhin hat das gleichgeschaltete Blatt den Beweis geliefert, daß die tiefsten Empfindungen der Nation in den Konzentrations lagern leben. Dort lebt unzerstörbar und unbesiegbar auch die deutsche Freiheit. Das nächste Massenfest Deutschlands wird der„ Reichspars teitag" in Nürnberg sein. Schon füllen pomphafte Anküns digungen die Presse. Freilich hört man nichts von wirklichen Taten, die für Volk und Land in Nürnberg geschehen sollen. Wieder einmal Paraden und sonst nichts. Man lieft von Kilos metern Fahnentuch und Girlanden, von Schlachthäusern und Feldküchen, von Massen und wieder Massen, von Propas ganda und Propaganda und Humbug. Ein Reich in Festesfreude: oberflächlich fieht es so aus. Man müßte annehmen, daß der wie einst Wilhelm II. von Boltsjubel umtofte Kanzler nach Nürnberg strömen lassen wollte, was nur dahin strömen will. Dem ist aber keinesa wegs so. Nur die zuverlässigsten der SA., SS. und des Stahlhelms dürfen kommen. Alle anderen sind„ unlautere Elemente". Alle SA.- und SS.- Angehörige, die trotz des Berbots nach Nürnberg kommen, werden rücksichtslos aus der SA. und SS. ausgeschlossen. Mehr noch. Es wird jegt fchon, längst vor dem Parteitag ein„ polizeilicher Einfasstab" in Nürnberg gebildet, der alles von Nürnberg fernhalten soll, was der befohlenen und mates riell gespeisten Begeisterung schaden könnte. Es ist richtig, daß die Tyrannei im Reiche zurzeit fest in ihrer Macht steht. Wir sind die letzten, die sich durch Wünsche den Blick auf die Tatsachen trüben laffen. Die Sicherung Nürnbergs aber gegen die nicht gefiebten Massen der SA., es. und des Stahlhelms find ein stärkerer Beweis für zers feßende Kräfte in diesen Organisationen als alle sensationell zugespizten Meldungen. Man marschiert und feiert und paradiert, aber die Not bleibt und wächft, und sie grollt in den Millionen, die fern von diesen Festen bleiben. Kaiser Wilhelm II, reifte zu rasch und wurde zu byzantinisch umwebelt, um sein Volk zu ken= nen. Neichskanzler Hitler fliegt zu hoch über Deutschlands Elend dahin, um richtig in den Mienen der vom Festesjubel fich Ausschließenden zu lesen. Der Rausch wird verfliegen. Ans graner nüchterner Wirklichkeit erst wird Deutschland sein Reich der Zukunft banen. Zensierte Kanzlerrede Man schreibt uns: Die Saarbrüder gleichgeschaltete Presse weiß sich vor Ergriffenheit über die Rüdesheimer Kundgebung nicht zu fassen. Es gibt kaum Unterschiede, alles war gleich herrlich und schön; die Wiedergabe der Reden zeigt keinerlei Unterschiede. Man hat den Presseleuten einfach offizielle Berichte in die Hand gedrückt und ihnen empfohlen, sie unverändert abzudrucken- ein Wunsch, der einer Befehlsübergabe gleichfam. Wer aber gestern abend die übrigens sehr schlechte Rundfunkübertragung hörte, der hatte leichte Mühe, die Herren Berichterstatter der Unterschlagung wesentlicher Teile der Rede Hitlers zu überführen. Wesentliche Teile der Nede Hitlers sind glatt unter den Tisch gefallen! Das gilt vor allem für diejenigen, die sich mit Hitlers erneutem Bekenntnis zur Unterdrüdung und Terror gegen Anders. gesinnte in Deutschland beschäftigten. Hitler sagte wörtlich, daß diejenigen, die 14 Jahre lang nicht anderes getrieben hätten, heute fein Recht befäßen, sich darüber zu beklagen. Vielleicht haben sich selbst die saarländischen Presseleute ein wenig geschämt, diese Säße zu wiederholen. Denn sie wissen, daß die Nationalsozialisten im republikanischen und demokratischen Deutschland ein nahezu uneingeschränktes Recht besaßen, zu werben, zu terrorisieren und ihre braune Landsknechtsarmee zu organisieren. Sie hatten vollkommene Preffefreiheit. Sie konnten die republikanischen Staatsmänner nach Belieben beschimpfen und verleumden. Es gab für sie feine Konzentrationslager. Niemand wurde gepeitscht und zertreten oder auf der Flucht erschossen". Die Gedankenlosen, die die Säße Hitlers immer wieder mit Heil begrüßten, haben sich um den Wahrheitsgehalt der Rede des„ Führers" freilich wenig gekümmert. Seine Rede war die Krönung eines schönen und billigen Sonntagsausfluges. Diejenigen, die unten geblieben waren, um sich von dem furchtbaren Staub und dem Gedränge zu bewahren, haben vermutlich den besseren Teil erwählt. Was die Bankbilanzen verraten Die Schrumpfung der deutschen Wirtschaft schreitet fort Die Tatsache einer beträchtlichen Kreditschrumpfung, wie fie in den deutschen Bankbilanzen für das Ende Juli in Erscheinung getreten ist, mußte eine sehr unangenehme Ueberraschung für diejenigen sein, die an die ständigen Meldungen von der mächtigen Wirtschaftsbelebung und an die Kriegsberichte über den siegreichen Kampf gegen die Arbeitslosigteit ernsthaft glaubten. Die Zunahme der Einlagen bei den( Kreditoren) auf der einen und die verstärkte Inanspruchnahme des Kredits auf laufende Rechnung( Debitoren) auf der anderen Seite, erscheinen als notwendiger Ausdruck des erweiterten Umfanges der wirtschaftlichen Betätigung. Noch unmittelbar vor der Veröffentlichung der letzten Bankbilanzen fonnte lesen:„ Die Kreditoren der Banten sollen in letzter Beit man in ben Berichten über die Lage der deutschen Banken eine erfreuliche Zunahme erfahren haben, ein Beichen für bas wiedergefehrte Vertrauen und für die feste Hoffnung auf weitere Besserung der Lage und auf Stabilität der Verhältnisse". Indessen sind im Jult die Kreditoren bet den berichtenden Kreditbanken um 266 Millionen zurückgegangen. Logischerweise sollte man die Schlußfolgerung ziehen, daß das Bertranen nicht wiedergekehrt und die Hoffnung auf Befferung und Stabilität verschwunden ist. Nun ist aber der Optimismus in Deutschland des Bürgers erste Pflicht. Dementsprechend mußten auch die unerfreulichen Angaben der Bankbilanzen als ein neues Zeichen der wirtschaftlichen Erfolge gedeutet werden. Sie werden veröffentlicht unter den Ueberschriften:„ Monatsbilanzen im 8eichen der Wirtschaftsbelebung"( BerItner Tageblatt"),„ Bantenbilanzen im Zeichen des Konjunkturaufstiege 3"( Leipziger Neueste Nachrichten") usw. Diese Optimisten begrüßen ihre Begeisterung im wesentlichen folgendermaßen: Der Rückgang der Kreditoren set darauf zurückzuführen, daß die Industrie ihre Investitionen und die Ausführung neuer Aufträge aus ihren Reserven finanziert und deshalb ihre Einlagen bei den Banken abzieht. Wenn auch die Debitoren, d. h. die von den Banken gewährten Kredite in ihrer Gesamtheit zurückgehen, so sei es nicht deshalb, weil weniger Kredite in Anspruch genommen werden, sondern weil die alten, bis jetzt als„ eingefroren" betrachteten Schulden in einem noch stärkeren Ausmaß zurückgezahlt werden. Diese Erklärung hat aber einige sehr wesentliche Lücken. Es wird wohl stimmen, daß ein Teil der Industrie, die im Zusammenhang mit der Arbeitsbeschaffung Aufträge erhält, für die Ausführung dieser Aufträge auf ihre Rücklagen zurückgreift. Wie aber die Frankfurter Settung" richtig bemerkt, " könnte dieser Faktor allein bei den Banten nicht an einer Kreditorenschrumpfung führen; denn den verringerten Guthaben der stärker beschäftigen Werte müßten anderer: feits erhöhte Einlagen der Zweits und Drittempfänger gegenüberstehen. 27. Auguft) folgende, für unsere Zeit ungewöhnlich scharf formulierte Bemerkung:„ Wer also den Mut aufbrachte, im Vertrauen auf die allgemeine Aufwärtsbewegung der Wirtschaft sein Geld erneut in Aftien anzulegen, der hat sich die Finger nicht schlecht verbrannt". Hier läßt sich schon die Stimme der ausgesprochen fapitalistischen Opposition ver nehmen. Es genügt offenbar nicht, daß die zweite Revolu tion" verboten und Herr Schmitt von der Allianz zum Reichswirtschaftsminister ernannt wird, damit das kapitalistische„ Vertrauen" zurückkehrt. Gewiß kommt die Beunruhi gung nicht wegen der Angst vor irgendwelchen sozialistischen" Experimenten diese Gefahr ist genau so wenig ernsthaft wie der ganze hitlerische Sozialismus“. Es handelt sich vielmehr darum, daß aus dem politischen Machtsystem der nationalsozialistischen Diktatur notwendigerweise die Hemmungen für die Wirtschaftsbelebung entstehen, die im Rahmen dieses Systems unüberwindbar sind. Diese Seite des Problems soll hier nur angedeutet bleiben: wir werden sie demnächst einer gründlichen Betrachtung unterziehen. Vorläufig genügt die Feststellung, daß die offiziellen Behauptungen vom Konjunkturaufstieg durch die nüchternen Zahlen der Bilanzen Lüge gestraft werden. Diese Schlußfolgerung wird keine Ueberraschung für den sein, der sich nicht durch die irreführenden Ueberschriften verleiten ließ und manche offiziellen Verlautbarungen wirklich aufmerksam las. Wir meinen in erster Linie die Angaben über die industrielle Beschäftigung im Juli. Sie stehen im vollen Einklang mit den Zahlen der Bankbilanzen. Die Beschäftigung hat im Juli nicht zugenommen, wie es die Ueberschriften verkündeten, sie ist zurückgegangen. Die Zahl der Beschäftigten ist zwar etwas höher geworden, die Gesamtzahl der effektiv geleisteten Arbeitsstunden und dies ist der eigentliche Gradmesser der Beschäftigung ist eher zurückgegangen, nämlich von 41,7 auf 41,3 Prozent der sognannten Arbeiterstundenkapazität. Das ist eine geringe durchschnittliche Abnahme. Sie gewinnt aber eine ernsthafte Bedeutung, wenn man aus der Statistik erfährt, daß einer Zunahme der Beschäftigung in der Industrie, die durch die Arbeitsbeschaffungsaufträge angeregt wurde, eine nicht unbeträchtliche Abnahme bei den meisten Verbrauchsgüterindustrien gegenübersteht, so z. B. bei der Gruppe ausrat und Wohnbedarf", die trop der Ehestandshilfe die Beschäftigung verschlechtert hat. Fehlt es auf der Unternehmerseite immer noch an„ Vertrauen", fehlt es bei den breiten Massen an der Kaufkraft, deren Zusammenschrumpfung ununterbrochen fortschreitet. Das sind die Hauptursachen für die Schrumpfungserschetnungen, denen wir in Bankbilanzen begegnen. Japan zeigt seine Flotte Die Aufrüstung der Marine der Marine- Die russisch- japanische Spannung Herrlot in Sowjetrußland London, 27. Aug. Der Tokioter Rorrespondent der„ Tis mes" gibt ein anschauliches Bild von der imponierenden Stärke der japanischen Flotte, die bei der gestrigen großen Flottenparade offenkundig geworden sei. Die Flotte habe ans 161 Fahrzeugen mit einem Gesamttonnengehalt von 847 766 Tonnen bestanden gegen 708 293 Tonnen bei der Flot= tenschau von 1930. 180 lugsenge hätten an der Besichtigung teilgenommen gegen nur 72 im Jahre 1930. Die Flotte sei allerdings im Stande, eine noch viel größere Anzahl von Flugzeugen zu transportieren. Abgesehen von vier Flugzengmutterschiffen, die allein zusammen über 200 Flugzeuge tragen fönnten, feien alle Schlachtschiffe und die Kreuzer der ersten Klasse mit Ratapulten ausgestattet und könnten ebens falls Flugzenge an Bord heben. Bemerkenswert sei ferner die erheblich vergrößerte Stärke der großen Kreuzertlaffe. Vor sechs Jahren habe Japans Flotte im wesentlichen aus leichten Kreuzern bestanden. Jeßt aber sei Japan zum Besitzer einer Flotte von erheblich erweiters tem Aftionsradius und großer Durchschlanstraft geworden. Der Korrespondent zählt sodann eine Reihe weiterer Ver= ſtärkungen der japanischen Flotte auf. So habe Japan heute ein nenes Machtmittel in einer homogenen Flotte von 12 nenen erstklaffigen Kreuzern, bie zufammen 104 achtzöllige Gefchike an Bord hätten. Das neueste Element der japaniichen Flotte sei eine Schwadron von vier 10 000- Tonnens Kreuzern, die den Kaiser bei seiner Besichtigung begleitet hätten, ferner habe man fieben nene Rerstörer von je 1700 Tonnen, ein nenes 2000- Tonnen- U- Boot, brei andere 1: Boote zwischen 1400 und 1600 Tonnen, und das neue Flug= zeugmutterschiff Ruyoio", alio insgesamt 66 000 Tonnen an neuen Ariensschiffen, leben können. Besondere Aufmerksam teit müffe die neue Klaffe der Rerstörer Anfiehen erregen, die Miniaturkreuzern ähnelten. Das Intereffe der javani: schen Oeffentlichkeit habe die Regierung durch die Einlodnng von 7000 Rivilikten wachaerufen, worunter fich die Leiter fämtlicher naendoraanisationen befunden hätten. Auf den Sügeln zu beiden Seiten der Bucht, in der die Parade statt: gefunden habe, habe man nicht weniger als 500 000 Zuschauer gezählt. Die abgezogenen Guthaben müßten zum großen Teil wieber Um die Ostchinabahn in der Gesamtsumme der Kreditoren erscheinen, z. B. als Guthaben der Unternehmer, denen die Rohstoffe abgenom men und bezahlt werden. Die Abnahme der Gesamtsumme der Kreditoren tann nicht anders als damit erklärt werden, daß der durch die Arbeitsbeschaffung und andere besondere Ursachen( wie Uniformenkonjunktur" der Textilindustrie) bewirkten Steigerung der Beschäftigung die fortschreitende Verschlechterung der Lage in anderen Industriezweigen gegenübersteht. Sehen wir die andere Sette, d. h. die Entwicklung der Kreditgewährung an, so fällt uns sofort eine starke( an sechaig Millionen) Abnahme der Vorschüsse auf Waren" auf. Sie ist zu etwa fünf Sechstel auf den Rückgang des Außenhandels zurückzuführen. Es ist aber sehr fennMosfan, 27. Auguft. Wie der Telegraphen- Agentur der Sowjet- Union aus Tokio gemeldet wird, fand dort am 23. August die vierte Sißung der Mitglieder der sowjetrussischen und mandschurischen Delegation über den Umrechnungskurs von Goldrubel in japanische Währung statt. Während die Sowjetdelegation ihr Einverständnis mit der Behandlung dieser Frage aussprach, nahm die mandschurische Delegation eine ablehnende Haltung ein. Der Führer der mandschurischen Delegation erklärte, diese nehme als Kaufpreis für die Ostchina- Bahn weiterhin 50 Millionen Yen an, was seiner Meinung nach seichnend, daß auch im inländischen Geschäft die Borse National- Zeitung" verboten! auf Waren etwas zurückgegangen sind und nicht wesentlich augenommen haben, wie es unbedingt sein müßte. Die ölnische Zeitung" bemerkt dazu mit sichtbarer Enttäuschung: Im allgemeinen hätte jedoch die Wirtschaftsentwicklung eine etwas stärkere Zunahme der Debitoren erwarten laffen. Es geht aus ihnen hervor, daß offenbar doch noch Ein im Laufe der Nacht eingetroffenes Wolf- Telegramm bestätigt, daß die„ National- Zeitung" laut einer Mitteilung der Presseabteilung des Reichspropagandaministeriums, bis zum 10. September im„ britten Reich" verboten ist. Die Bes gründung steht noch aus. recht vorsichtig verfahren wird." Das berühmte„ Bers Fair" trauen" scheint doch nicht vorhanden zu sein. Diese letzte Feststellung wird uns bestätigt. Auch verschiedene andere Beobachtungen. In einem anderen Zusammenhang, nämlich in bezug auf die Entwicklung auf den Börsen macht z. B. Deutsche Bergwerts- Bettung"( vom Der ehemalige deutsche Kronprinz sagt es cnb. New York, 28. Aug.( Eig. Midg.)„ Herald Tribune" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen deutschen Kronprinzen, der gegenüber übelwollender Kritik an dem neuen Deutschland bemerkt: Wenn jemals eine Revolution ihre . Dr. D. der russischerseits genannten Summe von 200 millionen Goldrubel zum Kurse von 25 Yen für einen Goldrubel entspreche. Der Sowjetdelegierte Koslowski stellte demgegen über fest, daß dieser Vorschlag der mandschurischen Delegierten nur eine Wiederholung der ursprünglich von der Mandschurei genannten Summe in anderer Form darstellt. Diesen Vorschlag könne die Sowjetdelegation unter feinen Umständen als Antwort auf das russische Einverständnis zur Beratung des Umrechnungskurses auffaffen. Koslowski erklärte, die Sowjetdelegation betrachte die Weigerung der mandschurischen Delegation, den Umrechnungsfurs sachlich zu behandeln, als einen Versuch, die Konferenz fcheitern zu lassen. Die Verantwortung für einen etwaigen Mißerfolg der Konferenz hätten einzig und allein die mandschurischen Delegierten zu tragen * Russisch- französische Freundschaft in Moskau, 27. August. Ueber die Ankunft des früheren französischen Ministerpräsidenten Edouard Herriot Odessa verbreitet die Telegraphen- Agentur der Sowjetunion folgenden ausführlichen Bericht: Herriot wurde bei seiner Landung in Odessa von einem Vertreter des Volkstommissariats für auswärtige Angelegenheiten und einem Vertreter des Erefutivfomitees des Odessa- Gebiets begrüßt. In seiner Erwiderung dankte Herriot für den Empfang und bat, diesen Dank den Werktätigen der Stadt und des Gebiets Odessa zu übermitteln, Er freue fich sehr, die Sowjetunion wieder besuchen zu können. Er bitte, den Werktätigen, in deren Namen man ihn begrüßt habe, mitzuteilen, daß er hoffe, seine Reise werde der Sache des Friedens und den beiden Ländern Rußland und Frankreich zum Nugen gereichen. Darauf wurde Herriot von dem Vertreter der UnionKinochronik ans Mikrophon gebeten, wo er eine kurze Ansprache hielt. In dem Augenblick, wo er die Küste des Sowjetlandes betrete, so führte Herriot aus, beeile er sich, den Dank für den von den Behörden und der Bevölkerung ihm bereiteten Empfang auszusprechen. Er sei über zeugt von der schönen 3ufunft, die dem rufsischen Volt bevorstehe und hoffe, daß seine Reise sowohl der Sache des Friedens als auch dem russischen Volke dienen werde. Er habe, so fuhr Herriot fort, stets die Annäherung Frankreichs und der Sowjetunion erstrebt und sei auch heute von diesem Bestreben durchdrungen. moralische Rechtfertigung burch die faire Art und Weise bewiesen hat, in der sie durchgeführt wurde, so war es die deutsche Revolution von 1988. Jm übrigen bin ich überzeugt, daß die Zeit nicht fern ist, da Europa und die ganze Welt Adolf Hitler dankbar sein wer den dafür, daß er nicht nur Deutschland, sondern die ganze Zivilisation vor dem Bolschewismus gerettet hat. Hindenburg steuerfrei Wenn das mit Ebert geschehen wäre... Berlin, 28. Aug. In der preußischen Gesetzeslammlung wird das Gesetz zur Durchführung des Geseges über die Befreiung des Reichspräsidenten v. burg von Reichs- und Landessteuern für das Rittergut Neuded vom 27. August 1988 veröffentlicht. inden [ 8 8 ". Die freie Saar marschiert Die Kundgebung der 15000 in Neunkirchen Die Bergarbeiterstadt Neunkirchen erlebte am Sonntagnachmittag eine gewaltige Kundgebung im Zeichen des Freiheitskampfes an der Saar. Fünfzehntausend Menschen hatten sich zusammengefunden, geschart um die alten Fahnen, geeint im Kampf gegen den Faschismus im Saargebiet, ein Wille und ein Atem für die Verwirklichung des Sozialismus, der ohne die Freiheit nicht Gestalt werden ann. Lange vor Beginn der Kundgebung auf dem großen Platz an der Lindenallee waren große Scharen der Demonstranten mit allen nur möglichen Verkehrsmitteln eingetroffen. Schutzbündler, sozialistische Arbeiterjugend, Sportler mit Fahnen, Standarten, unter den Wirbeln der Trommeln und unter den Klängen der Marschmusik. Vieltausendstimmige Freiheitsrufe umjubelten den Fahnenaufmarsch, der diese Kundgebung einleitete. Die leuchtenden Farben der Tücher, der strahlende Sonnenglanz, die Erregung der Menschen, deren Fäuste sich immer wieder zu den Freiheitsrufen sich erhoben; man wird dieses Bild so schnell nicht vergessen. Der Führer der roten Freiheitsfront von Neunkirchen, Etienne, hielt die Begrüßungsansprache. Sie hallte weit über den Menschen. Seine Grußworte im Namen der Neunfirchener Arbeiterstadt, in einem Freiheitsbekenntnis gipfelnd, fand stürmischen Beifall. Er brandete noch lauter empor, als May Braun an das Mikrofon trat. Aus seiner Rede, die immer wieder von mächtigen Beifallskundgebungen unterbrochen wurde, sind die folgenden Ausführungen von besonderer politischen Bedeutung. Max Braun: Wir haben nicht die Staatskasse Hitlers, der für feinen Parteitag zweieinhalb Millionen aus ihr zur Verfügung stellte, wir haben nicht die Fonds des Propagandaministeriums Göbbels, die jedem Jugendlichen, der zum Niederwald fuhr, allein zur Fahrt 14 Fr. beistenern fonnte, wir haben nicht die Unterstützung der gleichgeschalteten Kommunalbehörden des Saargebietes und auch nicht die der Unternehmer und Kapitalisten, die mit mehr oder weniger sanftem Druck Angestellte und Arbeiter auf den Trab zum Niederwald zu bringen suchten oder mit Ent: lassungen drohten, falls sie an unserer Kundgebung teil: nehmen sollten, wie wir überhaupt feststellen dürfen, daß sich unsere Kundgebung der besonderen liebevollen Anteilnahme und Fürsorge" seitens des Naziboykotts zu erfreuen hatte: Kein Geschäftsmann im Saargebiet hatte die Courage, uns einen Lautsprecher für den heutigen Tag anzubringen. Immer wieder wurde uns gesagt:„ Wir möchten gerne, aber wir fürchten die Folge eines Wirtschaftsboykotts!" Wir haben trotzdem einen Lautsprecher und sogar einen sehr guten aber Ihr alle, die Ihr hier seid, Ihr seid ae= tommen als Bekenner für eine Idee, Aber die Geschichte weist uns noch eine andere Grenz aufgabe zu: Brücke der deutsch- französischen Verständigung zu sein! Wohin ist es mit dieser Verständigung unter Hitler gekommen?: Während heute die Hitler- Kundgebung ausgerechnet am Niederwalddenkmal, dem Denkmal einst des Triumphes über Frankreich und jetzt der Revanche, stattfindet, weilt der französische Ministerpräsident im benachbarten Lothringen zur Besichti: gung der Befestigungswerke, die Frankreich gegen die Hitler- Barbarei aufgerichtet hat. Dazwischen aber, Ges noffinnen und Genossen, liegt unser Land, und wir haben es satt und wir denken nicht daran, wieder einmal Rampfgebiet eines neuen imperialistischs chauvinistischen pangermanistischen Natios nalismus gegen Frankreich zu werden. lieben, so sehr haben wir Frankreich schäßen und lieben So sehr wie wir Deutschland, sein Land und sein Volk lieben, so sehr haben wir Frankreich schäzen und lieben gelernt, in größter Hochachtung vor seinen Leistungen, vor seinem Friedenswillen, vor seiner europäischen Sendung! Uns und ihm und ganz Deutschland und Europa frommt nur eins: Aussöhnung der beiden großen Kulturnationen des kontinentalen Europa- und die Menschheit wäre glück: licher! Darum: Niemals wieder Krieg gegen das demokra= tisch- pazifistische Frankreich und niemals Beihilfe der Saar zum Verbrecherwerk des neuen Hitler- Rüstungswahnsinns! Und ein drittes ist uns als Aufgabe gestellt: Wir sind ein Ausfalltor der deutschen Freiheit gegen die Hitler- Despotie zur Wiedereroberung des wahren deutschen Volksstaates, seiner Arbeiter und Bauern in der Stunde der Abrechnung mit dem braunen Schandregime und der Aufrichtung eines neuen freien und friedlichen Deutschlands! Im Sinne dieser drei Aufgaben vereinigen wir uns heute in dem Schwur: Niemals Hitlerterror über die freie Saar! Niemals wieder Kriegsaufmarschgelände gegen das demokratisch- pazifistische Frank= reich! Kapitulation gegenüber der Niemals Hitler- Despotie! aber Kampf, Kampf, unerbittlichen Kampf um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für eine freie Saar als eines der Unterpfänder für ein späteres nenes, freies, fozialistisches Deutschland und ein durch Frankreich und Deutschland geeinigtes Europa! Für diese Aufgaben formiert die Bataillone der Freiheitslegion der Saar. Wenn die Trommel ruft und wir die Fahnen heben, dann marschiert mit der Berachtung des Todes und der Gefahr im Herzen, mit der hochgeschwungenen und nicht als bestochene oder bezahlte oder mit Handgeld Faust der Freiheit zum Schlage bereit und auf den Lippen den unsterblichen Kampfruf: Freiheit! Freiheit! Freiheit!( Tosender, langanhaltender, immer wiederhalter Beifall.) angeworbene Hampelmänner, die für Freibier und Erbs= wurst„ Heil- Hitler" schreien, aber dafür andererseits das Stumm- Hilger- Syftem wieder in Kauf nehmen! Euch legt die heutige Teilnahme materielle Opfer auf-: Um wievieles höher ist da Eure Teilnahme und Eure Anwesenheit zu veranschlagen, als die der gleichgeschalteten Subventions: fotgänger auf der Tagung jenseits der Saargrenze!( Brausende Zustimmung.) Wir stehen hier auf dem legten Zipfel hitlerfreien Bodens, der vom ehemaligen deutschen Reiche übriggeblieben ist, und wir werden ihn festhalten mit unserem ganzen Herzen, denn hier sind die starken Wurzeln unserer Kraft! Mit Zähnen und Klanen und mit Einsatz aller Mittel werden wir ihn verteidigen, und auch zum äußersten Mittel greifen, wenn man es wagen sollte, uns wie Oesterreich zu tommen! Wir sind das zweite Desterreich! Wir sind wie sie gute Deutsche, aber ebenso gute Saarländer wie sie Oesterreicher. Und vor allem sind wir wie sie Bewahrer deutscher Kultur, die wir zu retten haben vor der Vergewaltigung durch den antideutschen und undeutschen Nationalsozialismus und seine Barbarei. Wer ist dieser Nationalsozialismus und seine Barbarei. Hitler ist die Lüge, Sitler ist die Not, Hitler ist der Krieg und Hitler ist der Untergang Deutschlands! Darum ist wahrhaft deutsch, wer gegen Hitler steht. Und darum ist die Hitler: Kundgebung am Niederwald eine antis deutsche Anti- Saarkundgebung! Heiliger Rock und Nazikasse Was man sich in Trier erzählt Man schreibt uns aus Trier: In Trier ist seit dem 23. Juli der Heilige Rock ausgestellt. SA. und SS. versehen in den Straßen den Ordnungsdienst, regeln den Riesenverkehr. Bis heute kamen erstaunlicher Weise noch keine Ausschreitungen gegen katholische Gesellen vereinler usw. vor, abgesehen von der Verhaftung des Wehrdener Pilgers. Die Ausstellung des heiligen Rockes bringt große Summen Geld ein. Die Geschäftsleute profitieren, zahlreiche Familien verschaffen sich durch Zimmervermietung einigen Verdienst, Straßen- und Eisenbahn haben Hochbetrieb. Um den Heiligen Rock zu sehen, muß jeder Pilger 30 Pfennig zahlen; und es kommt des öfteren vor, daß Wanderer, die fein Geld besißen, auch zur Heiligen- Rock- Schau nicht zugelassen werden.- SA. und SS. wurden zum Ordnungsdienst kommandiert und der Führer, Herr Recktenwald, gab bereits mehrere Anweisungen an seine Leute heraus, ja zuvorkommend gegen Pilger zu sein. Bis ins kleinste erhalten die Leute ihre Anweisungen. Ordnungsdienst der SA. und SS., Anstand der Nationalsozialisten, zuvorkommenheit, Freundlichkeit usw. all das klingt sehr schön. Dafür erhält die nationalsozialistische Parteitasse 15 Prozent der Bareinahmen, die die Ausstellung des Heiligen Rockes bringt. Gesang, Kampfverse, Gedenken der toten Freiheitskämpfer, dann hob sich an dem riesigen Fahnenmast eine gewaltige rote Fahne empor. Max Braun sagte dazu diesen Fahnenspruch " Ich weihe dieses Banner der Freiheit für die Saar im Andenken an die zahllosen und unerhörten Opfer, die die sozialistischen und alle übrigen Freiheitskämpfer der Saar, Deutschlands, Europas und der Welt der Sache der Freiheit und der Humanität an Geist, Gut, Blut und Aufopferung des eigenen Selbst gebracht haben. Ich weihe es als das Symbol unseres Saarkampfes gegen alle Des= potie und Unterdrückung und als das Symbol unserer Zukunftshoffnung, das wir eines Tages hinübers tragen werden über die Hitlergrenzen in das Herz Deutsch lands zu neuer Freiheit, Kraft und Größe unseres Voltes. Ich weihe es als das Symbol der großen Inter: nationale der Arbeiter der ganzen Welt, als das Symbol der Völkerverständigung, des Böl kerfriedens und der Wohlfahrt aller Völker, als das Symbol einer Einigung Europas auf der Grundlage deutsch- französischer Verständigung. Dieses unser Freiheitsbanner, geweiht in der Stunde unserer großen Freiheitsaktion am 27. August 1938 zu Neunkirchen an der Saar, steige auf, fliege uns voran und sei unser Siegespanier in der Entscheidungsschlacht gegen den Faschismus! Arme Gottesmutter! Das Hakenkreuz am Marienaltar Wie die„ Germania" aus Freiburg meldet, hat das erz bischöfliche Ordinariat eine Bekanntmachung erlassen, wonach kein kirchliches Hindernis bestehe, auch die Fahnen und Abzeichen der NSDAP. in die katholischen Kirchen zuzulassen und deren Aufstellung in Kirchenschiffen zu gestatten. Die Pfarrgeistlichen werden angewiesen, dem Mitbringen solcher Abzeichen zum Gottesdienst oder zur Teilnahme an kirchlichen Prozessionen keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Unvorsichtige SS.- Leute Ein Spitzel legt sie herein In Bremerhaven ging vor einigen Wochen ein tadellos gekleideter Herr, der den Eindruck eines Ausländers machte, auf zwei uniformierte SS.- Leute zu und wollte von ihnen wissen, was ihre Uniform zu bedeuten habe. Die SS.- Leute gaben bereitwilligst Auskunft:" Dies ist die Uniform der SS.- Leute, Hitlers Schutzstaffel."-Schön," sagte der Herr, „ Hitlers Schutzstaffeln; und die braunen Uniformen?" " Das sind SA.- Leute, Sturmabteilungen." Ah, da sind Wir ziehen dich hoch mit dem Schwur:„ Auf den Tag!" und mit dem Rufe: Freiheit! Freiheit! Freiheit! Damit war der erste Teil der Kundgebung zu Ende. Brau send klang die Internationale, über den Play. Nach einer halben Stunde ertönten wieder die Fanfaren. Arbeitersänger sangen den Völkermai. Stafettenläufer kamen mit Botschaften. Mit erhobenen Fäusten sprachen dann die Massen den Freiheitsschwur, der sich allen denen, die diesen Tag miterlebten, fest ins Gedächtnis einprägen wird: Saardeutscher schwöre, Du Saarvolk höre Nie Hitlerknechtschaft und braune Gefahr! Frei, ewig frei, bleibt die deutsche Saar! Botschaft an an Deutschland Die Schlußansprache Brauns Deutsche Frauen und deutsche Männer! Zehntausende faa deutscher Volksgenossen, Zehntausende antifaschistischer Fre heitskämpfer senden Euch durch mich vom hitlerfreien jaardeutschen Boden aus die herzlichsten Kampfgrüße und die tiefgefühltesten Freiheitswünsche. Wir bewundern Euern Heldenmut und wir beklagen Eure urerhörten Opfer. Die Wunden, aus denen Ihr blutet, schlug man uns. Das Blut, das Eure Henker in Strömen vergossen, war unser Blut. Nehmt unseren Dank in dem Gelöbnis, die Saar ewig freizuhalten von den Ketten, an die man Euch geschmiedet. Frei auch für den Tag, der die Mouern Eurer Bastille n: ederlegt und die Stunde der unerbittlichen Abrechnung mit dem gewaltigen Werk der Grundsteinlegung des neuen, freien, sozialistischen Deutschland im freien, völferversöhnenden größeren Europa verbindet. Eure Sehnsucht ist unsere Hoffnung. Euer Ringen ist unser Kampf. Euer Sieg ist unser Triumph! In diesem Sinne grüßen wir Euch als Schicksalsgenossen des gemeinsamen Kampfes für deutsche Freiheit und europäische Einigung mit unserem Kampfruf Freiheit" und dem Schwur:„ Auf den Tag!" Ballons fliegen Hunderte von Luftballons flogen nun zugleich hoch. Alle mit kleinen„ Liebesgaben" für die schmachtenden Arbeiter in Deutschland versehen. Ihnen waren schon immer vorher Ballons in Gruppen und einzeln vorangeflogen, um die Kunde von der sozialistischen Freiheitskundgebung nach Hitler- Deutschland zu tragen. Mit dem Massenchor, den alle Versammelten mit erhobener Faust mitsangen: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" fand die großartige Freiheitskundgebung in Neunkirchen ihren Abschluß. Demonstration der Kommunisten Der alte Ton Einheitsfront - gegen die antifaschistische Auch die Kommunisten des Saargebiets hatten am Sonntag eine eindrucksvolle Kundgebung. Nach Mittei= lung der Arbeiterzeitung" sollen sich an den großen Umzügen durch die Straßen Saarbrückens 25 000 Menschen beteiligt haben. Das Blatt behauptet, daß auch sozialdemokratische Arbeiter, Schutzbündler und Sportler Schulter an Schulter mit den Kommunisten marschiert seien. Wir wissen aus Erfahrung, wie weit sich solche Mitteilungen von der Wahrheit entfernen. Denn von den Sozialisten, die am Sonntag demonstrierten, hat kein einziger auf der Neunkir chener Kundgebung gefehlt! Der politische Ertrag der kommunistischen Rundgebung ist recht gering. Auch die Kommunisten an der Saar haben nichts gelernt und nichts vergessen. Ihre Kampfansagen gegen den Faschismus wurden gewürzt mit Anschuldigun gen der Sozialdemokratie und der Gewerf schaftsführer an der Saar, die erneut bewiesen, daß alle Hoffnungen auf eine Einheitsfront mit dieser kommunistischen Führerschaft llusionen find. Während sich die Situation an der Saar immer stärker auf die aktuelle Frage der Abimmung zuspißt, proklamiert die KP. des Saargebiets, daß dieses ein Teil der deutschen Räterepublik" werden müsse! Sie sieht hüben und drüben, in Deutschland wie in Frankreich, imperialistische Räuber". Bei einer solchen Parolestellung bleibt für den Kampf um die politische Freiheit, der hier an der Saar durchgefochten werden muß, nicht sehr riel übrig. Man muß sich mit der Tatsache abfinden, daß die tommunistische Parteileitung an der Saar als Mitkämpferin an der sozialistischen Freiheitsfront ausfällt. Aber zum Glück werden die kommunistischen Massen in der entscheidanden Stunde eine andere Sprache sprechen. fie Leute, die mit Hitler für Freiheit, Arbeit und Brot fämpfen?" Jawohl," verseßen die SS.- Leute. Und was machen Sie, wenn Hitler nicht hält, was er versprach?" Unbedenklich kommt es aus dem Munde der SS.- Leute:„ Dann schießen wir ihn übern Haufen." Der gutaussehende Herr war ein Spizel; auf diese Weise werden einigermaßen ehrliche Nationalsozialisten gefangen und die Nazileitung konstruiert„ kommunistische Wühler" in den Reihen der Nationalsozialisten. Um Rosenberg Der Grund für das Verbot der ,, Jüdischen Rundschau" ( Inpreß.) Die Jüdische Rundschau", ein Blatt, das nur deshalb nicht nationalsozialistisch war, weil die Nationalsozialisten keine Juden aufnehmen, ist für ein halbes Jahr verboten worden. Der Grund für das Verbot wurde aus einem Leitartikel geholt, in welchem die Jüdische Rundschau" mit aller notwendigen Ehrerbietung Herrn Alfred Rosenberg zitierte und devotest betonte, die deutschen Juden hätten sich überall als treue Staatsbürger ihres Landes benommen Wachsende Teuerung ' Alarmrufe Greuelnachrichten über die Erwerbslosen Wenn die Hausfrau heute einkaufen geht, wird fie in Was die amtliche Statistik erzählt wenig angenehmer Weise von Verteuerungen überrascht, die nicht etwa nur in Viktualien in Erscheinung treten, sondern sich auch in den für den Haushalt notwendigen Gebrauchsgegenständen auswirken.„ Dies ist der letzte Artikel dieser Art aus alter Lieferung; was jest an solchen hereinkommt, wird teurer werden." So lautet der Hinweis der Verkäuferin. der nicht etwa nur leeres Geschwäß zur Aneiferung der Kundenkauflust ist, sondern leider seine berechtigten und tieferen Hintergründe hat. Wie sollte es auch anders sein, wenn, wie fürzlich der Verein deutscher Maschinenbauanstalten feststellte, die Preise für Roh- und Halbfabrikate sowie für Hilfsstoffe bereits Steigerungen um 30 und 100 Prozent erfahren haben. Daß man sich allenthalben Gedanken über eine etwa verstärkte Teuerung macht, geht aus einer Zuschrift hervor, die wir unter manchen anderen ihrer sachlichen Betrachtungsweise wegen zur Veröffentlichung bevorzugen. Sie lautet: Wie überall, so ist man auch in der Lebensmittelindustrie dabei, für die meisten Waren Mindestpreise zu diftieren. Diese Bewegung ist allesumfassend und soll der Gesundung und dem Qualitätsgedanken dienen. Bei vielen Waren sind die Mindestpreise schon festgelegt und bei anderen noch im Fluß. Diese Mindestpreisfestsetzungen( nennen wir es ehrlich ruhig Preiserhöhung) machen selbst vor dem unscheinbaren Glas Senf nicht halt und verdoppeln den Preis dieser Speisewürze! Wie wirken sich nun diese streng kontrollierten Mindestpreise aus? Zunächst liegen die Mindestpreise so hoch, daß sämtliche Industrien von jedem Kunden nur den Mindestpreis verlangen. Die Folge ist, daß die Fabriken, die man als Standardfirmen oder als bekannte Markenfirmen bezeichnet, faft sämtliche Aufträge bekommen, während, aber weniger bekannte fleinere Unternehmen keine nennenswerten Aufträge mehr bekommen. Der Kunde verlangt eben von dem weniger bekannten oder gar neu an= Die reichsdeutsche Arbeitslosenstatistik ist so undurchsichtig geworden, daß jede Gelegenheit, einen Einblick in ihre Geheimnisse zu gewinnen, nicht starf genug begrüßt werden kann. Einen solchen außerordentlich wertvollen Einblick bietet uns die letzte Mitteilung des Landesarbeitsamtes Westfalen, und zwar in einigen Säßen, die sich nicht auf den letzten Stand der Erwerbslosigkeit, sondern auf die Entwick lung im Juli beziehen.„ Es ist," heißt es in dieser Mitteilung, außerordentlich bedeutsam, daß während des gleichen Zeitraumes( Monat Juli), in dem die Zahl der Be schäftigten nur noch um 1500( in ganz Westfalen!) zugenommen hat, die Zahl der unterstützten Arbeitsloien noch um 15 000 zurückgegangen ist. Hierin sind die ersten Erfolge des systematischen Kampfes gegen Doppelverdienertum und Schwarzarbeit zu erblicken." Die Zahl der Neubeschäftigten machte also in Westfalen im Juli nur ein Zehntel der Zahl der gänzlich ausgesteuerten Erwerbslosen aus, die nicht nur keine Unterstützung bekommen, sondern nicht einmal sich bei den Arbeitsämtern melden dürfen. Doppelverdienertum und Schwarzarbeit! Die Hauptsache ist, was jetzt darunter verstanden wird. Das erfahren wir aus der„ Deutschen Bergwerkszeitung" vom 24. August, nämlich aus der Notiz Konzentrationslager für Doppelverdiener". Es wird von der Dortmunder Stadtverwaltung offiziell mitgeteilt: Doppelverdienertum liegt auch dort vor, wo in einer Familie ein oder mehrere unverHeiratete Erwachsene neben dem Familienoberhaupt in be= zahlter Arbeit stehen und dadurch ein die Bedürfnisse der Familie übersteigendes Arbeitseinkommen überschritten wird." Diesen Doppelverdienern wird, falls sie sich nicht freiwillig aussteuern lassen, mit dem Konzentrationslager gedroht. Diese Doppelverdiener werden entlassen, sie bekommen feine Unterstüßung und werden nicht mehr als Erwerbslose registriert. Das bedeutet nichts anderes, als daß in einer Familie nur ein einziges arbeiten oder Mitglied arbeitsfähiges unterstützt bzw. als Erwerbsloser registriert werden darf. Auf diese Weise wird jezt einigen Hunderttausenden die Unterstützung in jeder Form entzogen und eine noch viel größere Anzahl der Erwerbslosen verschwindet allmählich aus der Statistik der Arbeitsämter. In Westfalen waren, wie es offiziell mitgeteilt wird, neun Zehntel des Rückganges ber registrierten Arbeitslosen auf diese und ähnliche Methoden zurückzuführen. Die Drohungen mit den Konzentrationslagern lassen diese Mitteilungen als Greuelnachrichten erscheinen, die aber nicht von den„ verlogenen" Emigranten, sondern von den reichsdeutschen amtlichen Stellen selbst verbreitet werden. Höhere Gehälter denn je fangenden Fabrikanten, daß er billiger ist als der befannte Wie die Nazibonzen sich verteidigen Markenwarenfabrikant; mag die Qualität beider Firmen absolut gleichwertig sein. Was wird also die Folge sein? Die Unterbietung der Mindestpreise geht doch heimlich an allen Ecken und Enden los, mögen die Strafen noch so hoch sein, wie sie wollen... Wenn aber die Mindestpreise so stark erhöht werden, daß z. B. der Inhalt eines Glases Senf seinen Preis verdoppelt, so kommen wir dahin, daß jedes größere Ladengeschäft selbst wieder produziert. Ein ganz unerwünschter Zustand. Das heute schon eine unerträgliche gegenseitige Preisschnüffelei und Denunziererei in einer Atmosphäre gegenseitigen Preismißtrauens herrscht, weiß jeder Eingeweihte. Folgerung: Man sebe nur in ganz wenigen dringenden Fällen Mindestpreise fest und setze sie so niedrig an, daß die wirkliche Spizenware ganz von selbst in jebem Fall teurer ist als der Mindestpreis. Es ist immer besser, die Massenkauf pfleglich zu erhalten, als langsam aber sicher einen Unterkonsum( Käuferstreik) heraufzubeschwören. Gewiß soll vermieden werden, daß gewerbsmäßige Dumper ein ganzes Gewerbe frank machen, aber zu hohe Mindest= preise züchten eine neue unehrliche Konkurrenz heran. Deutsches Elend Nie wieder Arbeit! Leipzig, 23. August. Zwischen der Gauleitung Sachsen der NSDAP. und dem Landesarbeitsamt Sachsen ist eine Vereinbarung getroffen worden, die praktisch bedeutet, daß eine Vermittlung langfristiger Arbeitsloser nicht mehr in Frage kommt. Das Landesarbeitsamt hat sich nämlich verpflichtet, nur folche Arbeitslose wieder in Arbeit zu vermitteln, die von der Reichsanstalt bisher Unterstüßung erhalten haben. Das bedeutet: Arbeitslose, die schon so lange arbeitslos sind, daß sie keinerlei Unterstügung mehr von der Reichsanstalt für Erwerbslosenversicherung erhalten, haben zukünftig keine Aussicht mehr, in Sachsen Beschäftigung zu finden. Gerade die unglücklichsten Opfer der Wirtschaftskrise sollen also vom Dritten Reich für immer aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet bleiben. Zu gleicher Zeit wurde angeordnet, daß die Vermittlung von Beschäftigung nur durch die Arbeitsämter erfolgen darf, um zu verhindern, daß langfristige Arbeitslose hinten herum" wieder einen Erwerb finden. Arbeitsstreckung 40- Stundenwoche Der Arbeitgeberverband für Dortmund und Umgebung Die Nazibonzerie hat es verstanden, sich in allen Staatsstellen recht erkleckliche Bezüge zu schaffen, die in vielen Fällen weit über die früheren Säße hinausgehen. Darob düstere Mißstimmung im proletarischen Lager der Pgs. Eine Musterleistung ist nun ein Artikel der Nachrichtenstelle der Sächsischen Staatskanzlei, der die hohen Bezüge rechtfertigen soll und von der Nazipreffe nachgedruckt wird. Es heißt darin: Bei dem einfachen Leben, das diese Spigen des Staates führen, würde ihnen natürlich auch ein geringeres Einkommen als das vorgeschriebene genügen. Es würden dann aber auch viele faritative und kulturelle Aufgaben unerfüllt bleiben, die sie dank ihres Einkommens er: füllen können und jetzt gern erfüllen. Außerdem müssen fie ja einen ganz beträchtlichen Teil ihres Einkommens dem Staat als Steuern wieder zurückgeben. rer ein ihrer Leistung und ihrer insbesondere nach außen hin zu zeigenden Würde nicht entsprechendes Einkommen haben sollen." Frech, dreist und dumm! Die Nazibonzen sind an die Macht gekommen, nachdem sie jahrelang gegen die hohen ,, Bonzengehälter" des Systems, gegen diese„ Verschleude rung von Steuergroschen und Staatsgeldern" das Maul aufgerissen haben. Die Bezüge sozialdemokratischer Ministerialräte waren für die braunen Demagogen schon Rorruption. Und jetzt? Erhöhte Dotationen für Hitlers Würdenträger wegen Wohltätigkeit, Steuern, Mieten, eigenen Autos,„ Würde" und„ Leiſtung"! Und eigene Billen, Luguswagen, eigenen Chauffeur, eigene Leibgarde der Oberbonzen zum Schutz gegen die Liebe jener Volksmassen, die dieses korrupte Treiben mit anfehen müssen. Im übrigen benußen sie ihre Einfünfte nicht zur Kapis Sagenhaft schöne Autos talauffpeicherung, sondern führen sie in Mieten und sons stigen, die Wirtschaft befruchtenden Ausgaben dies fer wieder voll zu. So haben z. B. mehrere durch Anschaf fung von Kraftwagen aus privaten Mitteln dem Staate die öffentliche Verpflichtung abgenommen, für ihre Beförderung auf den gerade jezt unumgänglich notwen digen zahlreichen Dienstreisen aus Staatsmitteln zu for: gen. Ein objektiv denkender Bolksgenosse wird nach allebem eine Kritik der Besoldung der führenden Staatsmänner als fleinlich und unberechtigt weit von sich weisen. Kein echter Nationalsozialist wird begehren, daß seine Füh selbst Deutschland ist eines der wenigen Länder, dessen Ausfuhrüberschuß nach Japan sich von 1932 auf 1983 nominell sogar noch erhöht hat. Von allen Ländern hat Deutschland verhältnismäßig bei weitem den größten Aktivsaldo im Handel mit Japan. Im einzelnen sehen die wichtigsten Posten der japanischen Außenhandelsbilanz für das erste Halbjahr 1933 in gengraphischer Ordnung, verglichen mit dem ersten Halbjahr 1932, wie folgt aus( in Millionen Yen): Ausfuhr nach 216( 166) 132( 49,5) Einfuhr von 315( 319) 97( 57) 138( 64,5) 48( 54) 47( 42) USA. Manchukuo Britisch- Indien China England 108( 79,5) 67( 71) 33( 27) Australien 23( 13) 107( 82) Deutschland 4( 3,5) ber Eisen- und Stahlindustrie bat entsprechend dem Beschluß Braunkohle rückläufig des Arbeitgeberverbandes für die nordwestliche Eisenindustrie seine Mitglieder aufgefordert, die durchschnittliche Arbeitszeit der Arbeiter und Angestellten auf 40 Wochen stunden festzusehen. Im Dortmunder Bezirk sollen dadurch in den nächsten Wochen etwa 1000 Mann in der Eisen- und Stahlindustrie nen eingestellt werden können. Dabei sollen vorzugsweise Angehörige der SA., SS. und des Stahlhelm& berücksichtigt werden. Die anderen können verhungern. Sleger Japan Vordringen auf dem Weltmarkt Die Ausfuhr aus Japan ist mit 829 Millionen en um mehr als 50 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 1932 gestiegen; die Einfuhr nach Japan mit 1016 Millionen Yen um 24,5 Prozent. Da zugleich der Außenwert des en 1938 nur 35-40 Prozent niedriger lag als im ersten Halb50( 42) Die Absazlage im rheinischen Braunkohlenbergbau hat sich im letzten Monat weiter leicht rückläufig gestaltet. Trotz der noch in Kraft befindlichen Sommerpreise hat der Versand gegenüber dem Vormonat sich noch vermindert. Walzwerksproduktion steigt Die arbeitstägliche Walzwerksleistung betrug im Juli 18 020( i. V. 12 965, Juni 1933 aber 19 184) Tonnen. Die Ge samtleistung stellte sich aber auf 468 514( i. V. 313 681 und im Juni 459 209). Dazu treten an Halbzeug zum Absatz noch 39 690( i. V. 22 388; Juni 45 681) Tonnen. In den ersten sieben Monaten betrug die Gesamtleistung 2.88( t. V. 2.54) Mill. Tonnen und arbeitstäglich durchschnittlich 16 490 ( 14 429) Tonnen. Die Erhöhung beträgt also 14 Prozent. jahr 1932, stellt sich bie echte Steigerung der Ausfuhr nur Deu'sche Volksbelustigungen auf 10-15 Prozent, während die Einfuhr in Gold gerechnet fogar um etwa den gleichen Prozentsaß geschrumpft ist; also das typische Bild eines inflationistisch manipulierten Außenhandels. Der passive Saldo der japanischen Außenhandelsbilanz hat sich mithin weiter erheblich verringert. und zwar von 267 Millionen Yen im ersten Halbjahr 1932 auf nunmehr 187 Millionen Yen. Besonders start hat der Handelsverkehr Japans mit der Mandschurei zugenommen. Das ist ebenso wie der Rückgang des Warenumschlages mit China eine Folge der politichen Vorgänge. Aber auch im Verkehr mit Britisch- Indien und Australien hub erhebliche Umfassteigerungen zu ver= zeichnen gewefen. Japans Vordringen spielt sich also hauptsächlich in den überseeischen Gebieten ab, die bisher in erster Linie Abnehmer Europas und USA. waren; und nicht so sehr auf den heimischen Märkten der großen Industriestaaten Wie vor 500 Jahren London, 25. Auguſt( Inpreß). Time 8" melden im Zu sammenhang mit den Entschuldigungen, welche der Sturmtruppführer Ernst in Berlin wegen der Angriffe auf einen Amerikaner dem amerikanischen Botschafter vortragen mußte, daß Sohn und Tochter des amerikanischen Botschafters am 13. August in Nürnberg Augenzeugen waren, als dort ein Mädchen durch die Straßen geführt wurde mit dem Plakat:„ Ich habe mich einem Juden hingegeben." London, 25. Aug.„ Time3" und" Daily Telegraph" berichten aus dem kleinen brandenburgischen Städtchen Neuruppin, daß dort ein junges Mädchen durch die Straßen ge= führt wurde, dem ein Platat um den Hals gehängt war:„ Ich In einem Bericht der Basler„ Nationalzeitung" über die Reichsführer- Tagung der Nazis in München lesen wir: Mit scheuer Bewunderung sieht man die im Rathaushof aufgestellten sagen haft schönen, mit prima Lederfoffern bepackten Auto 3, darin die Herren des neuen Reiches aus allen Teilen Deutschlands herangefah ren sind. Ab und zu besteigt dann eine hoch gewachsene und in hyperelegante Montur gezwängte gestiefelte und gespornte Figur ihr Auto, der Wagen rollt langsam unter dem Torbogen hindurch auf den Platz, Heil Hitler!" ruft die Menge, und der Begrüßte antwortet, indem er überlegen lässig den Arm redt." schamloses Geschöpf habe es gewagt, fiben zu bleiben, als das Horst- Wessel- Lied gesungen wurde." Die Ortszeitungen in Neuruppin, so melden die Londoner Blätter, fündigten Ort und Zeit dieses Schauspiels an. Der Name des Mädchens wird ebenfalls mitgeteilt, so daß ein Zweifel an der Wahrheit der Meldung unmöglich ist. Diktatur oder Demokratie? Theoretische Erwägungen In einem Artikel„ Diktatur oder Demokratie?" des in Karlsbad erscheinenden„ Neuen Vorwärts" heißt es: ,, Gibt es jedoch keine bürgerliche Revidierung der braune Barbarei, führt die Entwicklung zum offenen Kampf der unterdrückten Massen gegen den braunen Cäsarismus, siegen fie in einer kommenden Revolution, so wird diese klare fozialistische Parolen haben, die eine Rückkehr nach Weimar nicht gestatten. Denn eine sozialistische Revolution müßte mehr nachholen als 1918 verpaßt wurde. Sie müßte die wirtschaftliche Uebermacht des Kraut- und Schlotjunkertums beseitigen, um sich zu behaupten, müßte Verwaltung, Wehrsystem. Justiz, Polizei usw. völlig und sozialistisch umgestalten, um die sozialistische Demokratie vorzubereiten und aus der politischen Gleichberechtigung uch die wirtschaftliche erstehen zu lassen. Glaubt jemand, daß dies ohne diktatorische Eingriffe möglich ist? Mag man das nun periodische Diktatur des Proletariats, außenparlamentarische Maßnahmen, revo die Rücker lutionäre Demokratie oder sonstwie nennen oberung der staatsbürgerlichen Freiheiten von ehedem fann dem sozialistischen Proletariat Deutschlands als Kampfparole nicht mehr genügen. An diesen Tatsachen läßt sich nicht rütteln. Anders liegt es für jene Länder, die sich der politischen Menschenrechte noch erfreuen. Hier hat der Kampf für die Demokratie noch seinen historischen Sinn, solange die Chance besteht und der Glaube gerechtfertigt tft, mit parlamentarischen Mitteln oder einer parlamentarisch kontrollierten autoritären Staatsführung die Krisennot zu lindern, neue Kriegsgefahren zu bannen und das Bürgertum auf den Weg zum Staatskapitalismus, der Vorstufe sozia listischer Wirtschaft, zu drängen. Und das denffähige Bürgertum in diesen Ländern sollte- von den Geboten der Mensch Itchkeit ganz abgesehen aus dem heutigen Dilemma des deutschen Bürgers lernen, der heute zwischen zwei Feuern steht: der bestialischen braunen Barbaret und der wachsenden blutigen Rache und Vergeltungswut unterdrückter Maffen, die 1918 die unblutigste, menschlichste Umwälzung vollzogen und denen der Faschismus jeglichen Glauben an Menschlichkeit und Menschenrechte verhöhnt, gemordet, zerprügelt hat. t I Deutsche Stimmen * Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit"* Dienstag, den 29. August 1933 Ereignisse und Geschichten Der Führer verschenkt 100 Mack**** Die SA- Schweifwedler treten an Das dritte Reich" hat seine Heroen, seine Geschichtsschreiber, seine Geißler und seine Peitscher. Aber die Gilde derer, die die tretenden Stiefel mit Inbrunst füssen, ist nicht minder zahlreich. Sie schmeicheln um die neuen Machthaber herum, belauschen ihre Gebärden, erzählen Anekdoten von ihrer herzhaften Güte und ihrer Leutseligkeit. Die Byzantiner der wilhelminischen Aera waren nicht tot! Sie hatten sich nur versteckt und friechen jetzt wieder heran, wobei sich zeigt, daß sie in der großen Weimarer Pause nicht unfruchtbar gewesen sind und ihre Sippe erheblich vermehrt haben. Zu diesen Leuten gehört jetzt auch die einstige 8en= trumspresse im Reich. Sie mußte sich gleichschalten, aber sie braucht vor ihren Lesern eine nachträgliche Rechtfertigung. Darum findet man bei ihr die gleiche Anbiederei an die Herrschenden: seht, wie wir über euch schreiben, einst nörgelnd, heute brave und gezähmte Leute! Am schlimmsten treibt es die„ Germania". Doch auch die Provinzpresse steht ihren braunen Mann. In der Dortmunder Tremonia" liest man folgenden Bericht über eine Begegnung Hitlers mit Mitgliedern der katholischen Organisation an höheren Schulen: " Der Reichskanzler besichtigte am 12. August nachmittags die Königsschlösser. Auf dem Wege dorthin passierte sein Wagen das Ferienlager neudeutscher Jungen aus Effen. Die Jungen waren in Bundestracht mit ihrem großen Christusbanner an der Straße zum Spalier an getreten. Der Wagen des Kanzlers naht. Stillgestanden! Die Reihe steht. Die Augen links. Der Wagen des Reichsfanzlers fährt langsam an der Linie der 70 Jungen vorbei. Der Führer im Vordersiz des ersten Wagens mustert die Reihe. Die Kerls stehen wie Säulen. Das Christusbanner flattert. Sonst Stille. Das Auto entschwindet nach Hohenschwangan. Beggetreten. Abends. Der Appell vorbei. Man tritt auf der Wiese an der Straße zum Essen an. Plößlich ein Ruf: Hitler! Antreten! Die Eßgeschirre flappern. Die Löffel fliegen. Die Jungen rennen zur Straße. Nicht mehr in Paradeuniform. Der eine im Turnhemd, der andere in Jacke oder barfuß. Wie der Wagen des Kanzlers den Platz erreicht, hallt es: Stillgestanden! Augen rechts! Die Arme fliegen hoch. Hitler steht auf. Hebt den Arm und fährt langsam die Linie ab. Hält. Lächelt. Also aus Essen seid ihr?" Der Reichstanzler hat sich also nach dem Lager erfundigt, wie die Fragestellung zeigt. Der Lagerführer springt vor. Baut sich vor dem Schlag auf. „ Siebzig neudeutsche Jungen aus Essen." Das Auge des Kanzler fliegt über die Reihe. Wie gehts? Was macht die Lagerkasie?" Lagerkasse in Ordnung. Aber die Gruppenkasse...!"" So- da Junge, hast du was!" Er drückt dem Lagerführer etwas in die Hand! Der greift zu, bedankt sich. Steht wieder stramm. Hitler reicht die Hand aus dem Schlag.„ Gute Ferien. Auf Wiedersehen!" Da ruft der Lagerführer:" Dem Volksfanzler ein dreifaches Heil!" Unter dem Jubel der 70, der nicht enden will, fährt das Auto ab. Als aber der Lagerführer die Hand öffnet, findet er einen 100- R M.- Schein. Diese rührende Geschichte wird bald in allen Schullesebüchern stehen:„ Der freigebige Kanzler". Hitler, der ärmste unter den Volksgenossen, der auf sein Reichskanzlergehalt verzichtet hat, holt aus der leeren Tasche hundert Mart und schenkt sie, im Zeichen des flatternden Christusbanners, der Lagerkasse! So etwas geht ans Herz! Davon werden Das flache Dach Flachheit ist Mode, Flachheit ist Trumpf und Symbol unserer Zeit. Alles muß dieser eiligen und stets beschäftigten Menschheit möglichst flach geboten werden: die Wahrheiten müssen flach sein, je flacher die Phrase, desto leichter wird sie geglaubt, je flacher die Operette, um so größer ihre Aufführungsziffer, die Voraussetzung für den Tonfilm ist seine Flachheit, nur die original- flachen Romane finden größere Verbreitung, kurz, die Flachköpfe sind es, die überall den Ton angeben. Eine amtliche Mitteilung aus Stuttgart lautet: „ Hier wurden zwei Architekten in Schußhaft genommen, weil sie durch gröbliche, eine offene Verhöhnung des Ge setzes und der Behörden darstellende Verstöße gegen die baupolizeilichen Bestimmungen und Anordnungen die öffentliche Ordnung gestört haben." Man stand vor dieser Kundgebung und grübelte: was ging da vor? Wie kann man durch Verstöße gegen die baupolizeilichen Bestimmungen eine offene Verhöhnung des Gesetzes und der Behörden begehen? Haben die Architekten etwa gar Häuser in Form von Zionsternen oder Sowjetficheln gebaut? Aus diesen Zweifeln bot die eben erfolgte Mitteilung einer Wiener Zeitung Befreiung: die beiden Architekten haben ein Haus mit flachem Dach gebaut und flache Dächer werden gegenwärtig in Deutschland, wo nur MenMizzi, das Kätzchen künftige Geschlechter, noch zu rühmen wissen! Denn an die fünftige Geschlechter, noch zu rühmen wissen! Denn an bie So wars, so ists Hunderttausende, die Hitler aus dem Vertrieb des Buches, das zwangsweise abgesetzt wird, bezieht, denken in diesem berauschten Volt nur die Wissenden und die Eingeweihten. Inzwischen geht es auch bei dem alten Herrn Geneund Reichspräsidenten ralfeldmarschall Hindenburg auf Neudeck jezt höher her als sonst. Einen„ Abend in Neudeck" schildert uns Vera von Falkenhagen- Gröber in der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 20. August folgendermaßen: Im hellen Speisezimmer, dessen weiße Rotofoschränke das berühmte Tafelservice Friedrichs des Großen zeigten ( Geschenk der Staatlichen Berliner Manufaktur zum 80. Geburtstag), saßen wir im Kreise benachbarter Gäste sowie des Hausbesuchs und aßen vom köstlichen Meißener Porzellan( Rotes Drachenmuster). Mit Oberst v. Hindenburg, dem Sohn, sprach ich von der Landwirtschaft, dem ewig neuen Thema, dessen Studium er in Neudeck seine Tage von frühester Morgenstunde an widmet. Nach dem Essen durfte ich lange neben dem Feldmar= schall ſizen, in der Unterhaltung nicht nur sein flares Urteil über die Gegenwart, sondern auch die erstaunliche Frische dieses Gedächtnisses bewundern. Er erwähnte z. B. meinen Vater, der jetzt 30 Jahre tot ist, und an den die Erinnerung mir selbst unendlich entfernt ist. Der Reichspräsident aber sprach von gemeinsamen Kindererlebnissen mit dem gleichaltrig Gewesenen, obwohl diese noch eine weitere Generation zurückliegen, in so lebhaft natürlicher Weise, als wäre das ein Geschehen vor einigen Jahren. Das berührt sonderbar- fast wie ein Wunder. Und wirklich ist ja auch solches Altwerden in voller Ec Wie ist doch die Zeitung so interessant für unser liebes Vaterland! Was haben wir heute nicht alles vernommen! Die Fürstin ist gestern niedergekommen, und morgen wird der Herzog kommen, hier ist der König heimgekommen dort ist der Kaiser durchgekommen bald werden sie alle zusammenkommen wie interessant! wie interessant! Gott segne das liebe Vaterland! Wie ist doch die Zeitung so interessant für unser liebes Vaterland! Was ist nicht alles berichtet worden, ein Portepeefähnrich ist Leutnant geworden ein Oberhofprediger erhielt einen Orden, die Lakaien erhielten filberne Borden, die höchsten Herrschaften gehen nach Norden, und zeitig ist es Frühling geworden wie interessant! wie interessant! Gott segne das liebe Vaterland! Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des Deutschland"-Liedes ( 1798-1874). Er bezahlt wahrhaftig! Gesundheit des Körpers, Klarheit des Verstandes und Wie jeder gewöhnliche Sterbliche Güte des Herzens eine götliche Gnade. Gnade, die dem großen deutschen Mann in seinem pflichterfüllten Dasein Gnade, die dem Volt, für das er lebt, beschieden wird. Bei der Rückfahrt unter dem schimmernden AugustSternenhimmel, im eigenartig herben Duft dieses Ditlandes, wurde mir solcher Gedanke wieder einmal zur Erfenntnis tiefer Dankbarkeit und Freude. " Die Krife werden wir nun bald überwunden haben, glaube ich," hatte der alte Herr mit seiner tiefen ruhigen Stimme zu mir gesagt. Wir glauben es alle, Herr Feldmarschall! Vera hörte es und schrieb es nieder. Der alte Herr glaubt, daß die Krise bald überwunden sei. Ihm geht es besser, wahrhaftig. Man hat ihm zu seinem Gut noch ein neues geschenkt, und nun sieht er seine Freunde Großgrundbesiber als frobgemute Gäste an seiner Tafel. Sie tlagen nicht mehr, es geht ihnen gut, die Osthilfe hat geklappt. Hitler hat sie endlich von den Siedlungsbolschewisten befreit. Daß draußen Menschen brotlos gemacht und gefangen werden wegen einer Gesinnung, der er einst schwarzrotgoldene Treue schwor, daß Paul Löbe im Konzentrationslager sitzt, der ihm in feierlicher Reichstagsfizung einen Eid abnahm das hat der alte Herr überwunden. Der Nationalsozialistische Kourier", Stuttgart, bringt die folgende Schilderung eines Herrn Mar Dürr aus dem Münchener Braunen Haus: Stahlblau blizen die Augen und ihr Blick geht durch und durch, ist scharf, beinahe streng. Rasch tritt der Führer ein, gefolgt von fünf Begleitern, und nimmt Plaz an seinem Tische. Er ist zu Abend. Jetzt, gegen 10 Uhr. Sogleich wird aufgetragen, denn der Führer hat nicht viel Zeit für das Essen übrig. Ach, wie einfach i st dieses Abendessen! So einfach, daß wir, setzte es uns die Gattin vor, wohl nicht sonderlich zufrieden wären. Ein beschämendes Gefühl überkommt uns bei dem Gedanken, wie anspruchsvoll, wie unbescheiden wir sind, wäh= rend der Führer sich mit Allereinfachstem begnügt. Eine gute halbe Stunde erst ist er da, und schon ist seine Zeit zu Ende. Er bezahlt die zweifellos geringe Rechnung. Er bezahlt wie jeder andere Sterbliche und ebenso bezahlt jeder einzelne seiner Begleiter für sich selbst. Der Führer steht auf. Wir selbst springen in die Höhe, strecken den Arm aus zum deutschen Gruße. Der Führer verläßt das Zimmer, mustert noch einmal jeden einzelnen von uns mit durchdringendem Blick, der aber diesmal geradezu gütig anmutet. Es ist der Blick eines warmen, fühlenden Herzens. Heil! Schon ist er draußen mit seinen Begleitern. Im Vorraum hat inzwischen Mizzi, das Kätzchen, den Mantel des Führers gefunden und es sich bequem darauf gemacht. Der Führer nimmt es, streichelt es und setzt es auf den Boden. Und schon hört man wieder mili. Darum tann Vera so traute Geschichten von ihm erzählen. tärische Ehrenbezeugungen." Er weiß alles ganz genau, was vor dreißig Jahren war. Was vor acht Jahren, vor drei Jahren geschah, was jeden Augenblick in Deutschland geschieht davon Seele des Greises nichts mehr lebendig. ist in der Dinge aus Deutschland vernommen, die wir gestern noch für unmöglich und unvorstellbar hielten, die heute Tatsache und morgen bereits übertrumpfte Selbstverständlichkeit waren? Warum sollten wir also nicht an die verbotenen flachen Dächer glauben? Mein Gott, die Flachköpfe, die heute dieses schöne und herrliche Deutschland in Grund und Boden regieren, stoßen sich eben an dem flachen Dach, obwohl wenn man nach einem alten Sprachgebrauch den Kopf als Dach bezeichnet ihre eigenen Dächer wahrlich flach genug sind. Und da sie nun einmal auf die flachste und oberflächlichste Rassentheorie eingeschworen sind, werden sie vermutlich auch die Häuser in Raffen einteilen, dergestalt, daß eben das der nordischen Rasse angehörige Haus ein Giebeldach zu haben hat. Von giebeliger Enge" hat der größte deutsche Dichter, deffen Andenken diese Flachpköpfe stündlich besudeln, vor hundertvierzig Jahren gesprochen den Nachfahren ist diese Enge gerade weit genug. Denn von flachen Dächern könnte man vermutlich ins Weite sehen und wahrnehmen, daß es auch Länder gibt, die nicht von Flachköpfen eines derart gigantischen Ausmaßes regiert werden. Stefan Pollatschet. schen mit flachen Köpfen hoch im Kurs stehen, nicht gerne Annäherung an Frankreich gesehen. So sehr man geneigt ist, das Ergebnis der Recherche der Wiener Zeitung als böswillige Erfindung eines öden und flachen Spaßmachers anzusehen, vielleicht wird man ihr am Ende doch glauben müssen. Haben wir nicht schon andere " Der Franzmann haust am Rhein, gleich wie ein wildes Schwein. Mit weißen und mit schwarzen Horden das Deutschtum dorten völlig auszurotten. Das sollt nicht sein." ( Aus dem„ Schlageterlied".) Die Sammlung Der seit 20 Jahren bestehende holländische literarische Verlag Querido, Amsterdam, hat seinem Unternehmen eine deutsche literarische Abteilung angegliedert, in der in diesem Herbst die neuen Werke von Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Werner Hegemann, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Josef Roth, Arnold 3weig u. a. erscheinen. Ferner wird ab September, im gleichen Verlage eine literarische Monatszeitschrift„ Die Sammlung" unter dem Patronat von Andre Gide, Aldous Huxley und Heinrich Mann von Klaus Mann herausgegeben werden. Die erste Nummer bringt größere Arbeiten von Heinrich Mann, Waffermann, Döblin, Kesten, Kerr u. a. Die nächsten Num= mern enthalten außer Beiträgen der Verlagsautoren u. a. Arbeiten von Thomas Mann, Stefan Zweig, Rene Schickele, Romain Rolland, Jean Girandoug. Leni filmt Die Reichspropagandaleitung der NSDAP., Hauptabteilung 4( Film) teilt mit: Vom Reichsparteitag der NSDAP. in Nürnberg wird auf Weifung der Reichsleitung von der Reichspropagandaleitung, Hauptabteilung 4( Film), ein Film hergestellt, dessen künstlerische Leitung auf besonderen Wunsch des Führers Leni Riefenstahl übernimmt. Leni war schon immer gebräunt. Bisher freilich nur von Gletscherschnee, in dem sie filmte. Auch auf der Nürnberger Ebene wird sie sich, beschienen von der Sonne des Führers, wohlfühlen. DAS BUNTE BLATT NUMMER 60-1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Nie wieder! Ganz neue Häuser stehen am Ypernkanal, dazwischen noch einige Baracken. Es ist der neuerstandene Ort Bösinghe. Und knapp daneben ragen Ruinen auf, starren geschwärzte und zerfetzte Hausmauern in die Gegend. Das sind die Reste des alten Bösinghe, das der Krieg vernichtete. Ein Mann, einen Buben an der Hand führend, geht durch das zerschossene Bösinghe. Bei einem Graben, der in der Mulde noch nicht verschüttet ist, bleiben sie stehen. ,, Das waren furchtbare Tage, mein Junge. Drei Tage lag ich hier: am Bauch; verdreckt. Konserven und Munition wurden mir über den Hügel da heruntergeschoben. Und dort drüben, in der andern Mulde, lag ein Engländer, der..." Der Mann deutete hinüber. Da bleibt ihm das Wort in der Kehle stecken, denn in der andern Mulde, kaum zwanzig Schritte entfernt, steht ein anderer Mann und hält ebenfalls einen Buben bei der Hand. Und dieser andere Mann erklärt eben seinem Buben: ... der Deutsche dort drüben, mein Junge, behielt mich immer im Auge. Ich durfte mich nicht rühren. Und er durfte es auch nicht, denn dann hätte ich ihn abgeschossen, wie er mich. Wir wußten, daß einer von uns weichen müsse. Das ging drei Tage lang so. Wir haßten uns wie Bestien, obwohl dieser Deutsche dort drüben..." Da blickt der andere Mann auf und sieht hinüber. Auch ihm bleiben die Worte in der Kehle stecken, denn er sieht in der Mulde gegenüber einen Mann. Und dieser Mann?... Beide Männer starren einander reglos entgegen. Dann kommen sie auf einander zu: ganz langsam. Vorsichtig einen Schritt vor den andern setzend, jeder seinen Buben an der Hand. Knapp vor einander bleiben sie stehen. Blicke kreuzen und versenken sich. Schweigen. Dann nicken sie beide. „ Es sind siebzehn Jahre," sagt der eine. " Ich erkenne Sie auch wieder." Yon Klaus Klaussen " Ich habe Sie gehaßt und gefürchtet." „ Auch ich. Wir waren doch Feinde." ,, Hatten Gewehre." " Mußten uns töten!" 02390 Beiden legt sich um die Lippen ein böser Zug. Sie starren sich wieder scharf an. Als fühlten sie den Gewehrschaft in den Händen, als wuchte der Stahlhelm dm Schädel, als verschmiere der Dreck Gesicht und Uniform, als glose die Angst im Hirn, der Wahnsinn, Sorge und Liebe um daheim. Sie schweigen. Rühren sich nicht. „ Nun ist aber Friede," meint der eine leise. " Ja," sagt still der andere und streicht seinem Buben übers Haar. " Ich bin wieder in meine Schule eingerückt als Lehrer. Nach Mainz." „ Und ich als Ingenieur in die Farbenfabrit nach Rent." " Das ist méin Bub." " Und das ist der meine." Plötzlich strecken sich Hände vor und schließen sich fest ineinander. Zwei Männer, die einander durch drei Tage haßten und morden wollten, kommen zusammen. Es liegt Licht in beider Augen. Unendlich viel Licht. Dann sehen sie auf ihre Buben. ,, Nie wieder!" sagt der eine. „ Nie wieder!" gibt der andere zurück. Dann umarmen sie ihre Buben. Und gehen voneinander. Ganz still. Sie blicken sich noch einmal um. Und winken. Gehen in die Welt wieder zurück, in die Gegenwart: der eine nach Mainz als Lehrer, der andere als Ingenieur nach Kent. Und als die beiden Buben zu ihren Vätern fragend aufsehen, da geben beide Väter, obwohl sie bereits von Bösinghe fort sind, dieselbe Antwort, zur selben Minute, mit demselben Und beide schweigen. Die Erinnerung bäumt sich auf, das Pulsschlag, mit derselben Hoffnung und Ueberzeugung: Geschehen fluftet. Nie wieder, mein Sohn!" Wo ist die edite Mona Lisa? Jahrhundertelang betörte die Mona Lisa durch ihr Lächeln die Menschheit. Zum letztenmal hatte sie es 1911 einem Liebhaber angetan. Er entführte sie aus dem Louvremuseum, und die ganze Welt weinte damals Tränen. Schließlich wurde ihre Spur wieder gefunden und die treulose Flüchtige wurde dann in ein besonderes Sanktuarium des Louvre verbannt, wo sie seither nur unter diskreter und strenger Bewachung zu besichtigen ist. Mona Lisas berühmtes Lächeln wird sich aber wohl dieser Tage zu einem ausgesprochenen Lachen verkehrt haben. Da behauptet nämlich ein Engländer namens Jack Dean, der sich selbst stolz einen„ internationalen Dieb" nennt, daß er die Mona Lisa kurz vor dem Kriege aus dem Louvre gestohlen habe. Was jetzt an ihrer Stelle im Museum hängt, sei eine simple Stopie, gut ausgeführt zwar, aber wertlos. Den Diebstahl, behauptet Dean, auf Rechnung eines ameri fanischen Multimillionärs verübt zu haben. Das Originalbild wurde durch die Mitwisserschaft eines Museumwärters heimlich entfernt und durch die besagte Kopie ersetzt. Damit ist es aber der tollen Behauptungen noch nicht genug. Dean behauptet, gleich sechs Kopien als das echte Mona Lisa- Bild an diverse amerikanische Multimillionäre verkauft zu haben, die heute noch gruselnd und stolz das berühmteste Bild der Welt diskreten Freunden zeigen. Das Original behauptet Dean wißigerweise um den Pappenstiel von 30 000 Fr. an einen Bilderhändler in Algier verkauft zu haben, der wieder der Meinung war, lediglich eine gut gemachte Kopie zu erwerben. Angenommen, diese sensationellen Behauptungen find wahr. Millionen Menschen haben sodann vor einem wertlosen Falsifikat die Emotionen der höchsten Kunst genossen. Tausend Universitätsprofessoren haben über die Fälschung Bibliotheken zusammengeschrieben. Kurz, eine wertlose Schwarte erhielt die höchsten Ehren, wurde mit Schauern genossen und als Ausgangspunkt von drei Dußend Kunsttheorien genommen. Es wäre somit Zeit, die letzteren zu revidieren und die Kunstästhetik vorteilhafterweise auf die Gruppierung der Vorurteile und Fiktionen des Betrachters zu beschränken. Den Konservatoren des Louvremuseums ist ein tüchtiger Schreck in die Glieder gefahren. Die Blamage wäre zu entsetzlich, um wahr sein zu können. Nicht mehr die richtige Mona Lisa zu befizen? Damit wäre der Weltruf des Pariser Nationalmuseums vernichtet. Das Lächeln, das die Konservatoren dieser Tage auffeßten, war süß- bitterlich wie das der Gioconda, und nicht minder geheimnisvoll. Und erklärten schnell und schlüssig, daß Dean nicht nur ein Dieb, sondern auch ein Lügner sei. Es könne davon keine Rede sein, daß er die Mona Lisa gestohlen hätte, weil die Mona Lisa kein zweitesmal gestohlen werden könne, und damit basta. Sofort wurden zwei Theorien aufgestellt, die die sonderbaren Erklärungen Jack Deans motivieren sollten. Zunächst einmal, daß Jack Dean die Absicht gehabt hätte, die Hitze und Regungslosigkeit eines englischen Sommersonntags durch eine erfrischende Sensationsnachricht zu ventilieren. Oder daß er, weniger Spaßvogel als gerissener Geschäftsmann, mit der Demonstration, daß eine beliebige Schwarte dieselben Effekte hervorbringen könne wie ein anerkanntes großes Kunstwert, irgendeine gerissene Bilderspefulation beabsichtige. Trotz der Sicherheit, mit der die Konservatoren des Louvre die beiden Theorien aufstellten, hielten sie sich aber wahrscheinlich doch nicht für völlig glaubwürdig. Darum schlugen sie vor, das vermeintliche Original, das im Louvre hängt, mit dem zweiten vermeintlichen Original, das der Bilderhändler aus Algier als Kopie gekauft hat, zu fonfron tieren. Dieses Angebot scheint geeignet, alle Zweifel an der Ueberzeugung der Louvredireftoren zu zerstören. Aber es gibt einen Hafen: das Bild aus Algier ist nicht aufzufinden und der mysteriöse Kunsthändler gleichfalls nicht. DIENSTAG, DEN 29. AUGUST 1933 Was es alles gibt us es a Das erste Cafe der Weft Das erste Cafe der Welt ist vor genau 250 Jahren eröff net worden, und wie das ja nicht anders zu erwarten war, in Wien, der klassischen Stadt der Cafehäuser. Es hieß„ Die blaue Flasche". und der Besizer war ein Pole namens Kolezidi. Man erzählt, daß Kolezicki den Desterreichern während der Belagerung Wiens durch die Türken 1683 als Spion wertvolle Dienste leistete. Als die Türken bedrängt den Rückzug antreten mußten, ließen sie unter anderem mehrere mit Kaffeebohnen gefüllte Säcke zurück. Kein Mensch in der Wienerstadt wußte mit den komischen Bohnen etwas anzufangen und um sie los zu werden, und um Geld zu sparen schenkte man sie dem Spion Kolezici als Entgelt für seine Dienste. Der wußte aus dem großartigen" Geschenk etwas zu machen, denn im Lager der Türken hatte er sich nicht nur mit ihren Angriffsplänen, sondern auch mit ihren Lebensgewohnheiten vertraut gemacht. Er wußte, daß die Kaffeebohnen geröstet und gemahlen, mit kochendem Wasser und Zucker zubereitet, ein delikates Getränk abgaben. Und zu Recht spekulierte er auf die Schleckermäuler der Wiener und eröffnete eine primitive Bude, in der er das neue Getränk ausschenkte.„ Die blaue Flasche" war bald der Treffpunkt der vornehmen Wiener Gesellschaft, bald taten sich an allen Ecken Cafehäuser auf und die Kaffeebohne eroberte sich im Sturm die Herzen der Wiener. In einer Ausstellung, die demnächst im Wiener Prater eröffnet wird. kann man die historische Blaue Flasche" bewundern. Das älteste falsche Gebiß Die ältesten falschen Zähne, die wir kennen, stammen nicht von Großvaters oder Urgroßvaters Zeiten, sondern von viel, viel länger her. Künstliche Zähne hat es nämlich schon im alten Aegypten gegeben. Sie sind in einer Reihe altägyptischer Gräber gefunden worden. Allerdings bestanden fie nicht aus Gold oder Porzellan, wie heutzutage, sondern aus Sykomorenholz. Ob die Träger eines solchen falschen Gebisses dabei ein angenehmes Gefühl gehabt haben, ist freilich eine andere Frage. Zählebiger Samen In neuerer Zeit find interessante Versuche über die Lebensdauer von Pflanzensamen angestellt worden. Dabei machte man die überraschende Entdeckung, daß Samen von Hülsenfrüchten, der bereits über achtzig Jahre alt war, dennoch zum Keimen gebracht werden konnte. Das ist wirklich über der Zeiten Vergänglichkeit hin aufgespeicherte Kraft. Aus der„ Frankfurter Illustrierten": „ Warum laffen Sie denn den Kopf so hängen?" Ich habe meinen Schlips vergessen." Dann wird noch darauf hingewiesen, daß die Mona Lisa bei dem seinerzeitigen nicht abzuleugnenden Diebstahl ab. Lachen nicht verfernen bei dem seinerzeitigen nicht abzuleugnenden Diebstahl absolut einwandfrei als das Original identifiziert worden sei. Seit ungefähr dreißig Jahren stellt man von jedem Bild nämlich eine Art Stetbrief her, der in die Hände einer juristischen Vertrauensperson gelegt wird. Dieser Steckbrief besteht aus einer in die minuziösesten Details geherden Beschreibung des Bildes und Rahmens mit Aufzählung aller besonderen Merkmale, wie beispielsweise der Webfehler in der Leinwand, der kleinsten Farbrisse, Holzsprünge usw. Dazu kommt eine große Anzahl von Vergrößerungsfotos, die die beschriebenen Merkmale bildmäßig bekräftigen. Die im Jahre 1913 vorgenommene konfrontie runo des Bildes mit der offiziellen Beschreibung hat nach Ansicht der beiwohnenden Fachleute keinen Zweifel an der Echtheit des Bildes gelassen. Wie es sich nun wirklich verhält, wird die Zukunft lehren. Vorausgesetzt, daß der Mann aus Algier sich meldet. Tut er das nicht, so werden wir nie erfahren, ob wir uns blamiert haben. Das mysteriöse Lächeln der Gioconda erhält dann eine neue Deutung: es gilt den Zeitgenossen des Jack Dean. Abend Von Sergej Jessenin Zartes- Blanes nicht auszulagenNach Gewitter und Sturm still ruht die Welt. Meine Seele liegt offen, atmet Behagen, Wie ein honigduftendes weites Feld. Bin still geworden in diesen Jahren Ich verdamme nichts, vorbei ist vorbei! Eine Troika kam durch das Land gefahren, Taumelig trunken, voll Lärm und Geschrei. Staub flog vom Gestampfe der Pferde, Ein höllischer Pfiff vorüber im Nu-! Jezt: jedes Blatt, das herabfintt zur Erde, Hör' ich hier in der Waldesruh'. War es das Echo? Die Glöckchen, die flangen? Wie die Ruhe mich sanft in die Arme nimmt! Wir sind einen stürmischen Weg gegangen Seele, sei still! er war uns bestimmt. Prüfen wir alles, was wir gesehen, Prüfen wir's redlich und mit Geduld; Und verzeih'n wir das Unrecht, daß uns geschehen: Vielleicht wer weiß!- sind wir selber schuld. Wie immer es war, auf mich will ich's nehmen Nur das eine ist schad', im dreißigsten Jahr: Des Dunstes der Schenke follt' ich mich schämen Und daß ich nicht früher schon flüger war. Doch die Eiche sogar kommt erst spät zu der Rinde; So lang fie noch jung ohne Holz gedeiht, Schmiegt sie sich, biegt sie sich, beugt sich dem Winde... Ach Jugend! Du Wirrtopf! Du goldene Zeit! ( Deutsch von Richard Flatter.) * Warum lügt ihr Männer nur immer so schrecklich?" Weil ihr Frauen soviel fragt." " Mein Sohn macht sich. Er hat jetzt schon monatlich 150 Mr. und ein möbliertes Zimmer." Alle Monat ein Zimmer, was fängt er denn damit an?" Druckfehler in einem Roman: An ihr bestätigte sich das alte Sprichwort, daß Eifersucht blond macht. „ Etwas Herrliches, so ein Täßchen Kaffee, und noch vor knapp dreihundert Jahren kannte ihn hier kein Mensch." Dreihundert? Nein, wie doch die Zeit vergeht!" Warum hast du den jungen Mann entlassen?" „ Erstens war er zu nichts zu gebrauchen und zweitens zu allem fähig." Aus der„ Hamburger Illustrierten": „ Gestern war ich in großer Verlegenheit. Ich nahm meine Frau mit ins Theater, und dicht neben uns saß ein Mädchen, mit dem ich manchmal ausgehe." „ Das ist gar nichts. Ich nahm ein Mädel mit ins Theater und dicht neben uns nahm meine Frau Plazz!" * Tochter:„ Ich fann es nicht mehr aushatten, Mutter, meint Sinn steht nach Höherem! Ich will zur Bühne, zum Film, ist will die Leiter bis zur obersten Sprosse emporklimmen." Mutter:" Das ist recht. Hol mal gleich die Leiter und nimm die Gardinen ab! Rache ist füß Auf das Arbeitsamt kam Herr Schluppe. „ Sie haben mir vor 8 Tagen eine perfekte Köchin emp fohlen." „ Ja, das stimmt. Wollen Sie sich beschweren?" „ Nee, das hilft ja doch nichts. Aber zum Mittagessen wollte ich Sie mal einladen." ( Fliegende Blätter") Die Optimistin Eine junge Frau war in die Samenhandlung gegangen, um Samen einzukaufen. Und find Sie auch sicher," fragte sie den Verkäufer,„ daß cs große, starke Bäume werden?" Bei richtiger Pflege ganz bestimmt!" garantierte er ihr. So," meinte die Frau, dann nehme ich auch noch eine Hängematte!" Alte Kameraden... Ein Wiedersehen Gestatten Sie, verehrter Herr Zeitungslejer, daß ich Sie umarme. Fast auf den Schlag sind es fünfzehn Jahre, daß ich mich zuletzt von Ihnen verabschiedete, wir glaubten damals: auf Nimmerwiedersehen. Aber es ist wieder große Zeit", und die kann ohne mich nicht existieren. Denn ich erst bringe die Menschen in die richtige Freudenraserei, in dem hemmungslosen Taumel, ich erst steigere ihre Führer zu mythischer Größe, so daß die Scharen besinnungslos sich unter fie drängen und jeden zerfleischen, der an der Unfehlbarkeit dieser Halbgötter, zu zweifeln wagt. All das bewirke ich: die gutredi gierte Siegesnachricht. Mir hat das Geschick die Gabe verliehen, das Angenehme im Jupiterlicht gleißen zu lassen, das Unangenehme in wohltätige Schatten zu hüllen: Die Unsrigen stürmen die vorderste Linie der feindlichen Stellungen, ich melde: ein überwältigender Sieg! Der Feind voll bringt das Entsprechende, ich melbe: ein gescheiterter Durchbruchsversuch! Nur der Feind flieht, unter Um ständen flieht er sogar vorwärts, die unseren beziehen da. gegen planmäßig eine vorbereitete rückwärtige Stellung. Die Verlustziffern des Feindes sind stets riesig, die unseren stets unbedeutend. So habe ich, verehrter Zeitungsleser, von 1914 bis 1918 für die Erhaltung Ihrer zuversichtlichen Stimmung gesorgt. Und das gleiche tue ich wieder, indem ich Ihnen die wunderbaren Siege Adolf Hitlers in der Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit berichte. Goeben habe ich befehlsgemäß die ostpreußische Armee der Arbeitslosen aufgerieben. Wissen Sie noch, lieber Leser, fast genau ebenso ließ ich im Juli 1918- eine meiner legten Großtaten die Reserve armee des die Reserve armee des Marschalls Foch verschwinden. Der amtliche Heeres bericht meldete:„ die stolze Manövrierarmee des Marschalls Foch existiert nicht mehr." Ganz recht, das war Ganz recht, das war wenige Wochen, bevor wir das zweite Mal an der Marne, und diesmal endgültig, befiegt wurden, weil uns diefer verfligte Foch mit seiner Reservearmee ganz unzeitgemäß in die Flanke kam. Und außerdem standen damals die zwei Millionen Amerikaner an der Westfront, die nach meiner Voraussage als„ willkommene Beute unserer UBoote" schon auf der Ueberfahrt hätten ertrinken müssen. Nun, jetzt gilt es keine Reservearmee des Marschalls Foch, jezt gilt es die industrielle Reserve armee der Arbeitslosen,- entschuldigen Sie den von Marg geprägten Ausdruck! Sie muß weggemeldet werden. Das fchaffen wir spielend. Wozu haben wir eine Statistik, wozu haben wir einen freiwilligen Heeres.... pardon, Arbeitsdienst! Wozu haben wir Rittergüter, die in der Ernte nach Gratisarbeitskräften schielen, wozu haben wir Entzug der Unterstüßung gegen Margisten, wozu -puh, ba steht schon wieder dieser widerwärtig grinsende Kerl! Der Christenpogrom im Irak Im arabischen Königreich Irak, das unter englischem Protektorat steht, wurden vor kurzem sechs: bis siebenhundert Assyrer, lauter Greise, Frauen und Kinder, grausam hingeschlachtet. Assyrer sind zu einem kleinen Stamm von ungefähr Die Nachkommen des alten Kulturvolkes der vierzigtausend Seelen zusammengeschmolzen, die im Osten der asiatischen Türkei als Nomaden lebten. Sie gehören noch heute zu der ur christlichen Sekte der Restonoch heute zu der ur christlichen Sekte der Restorianer und erkennen ihren Patriarchen, der den Titel Marr Shimun führt, als Oberhaupt an. Der Stamm der Assyrer, der streitbar und kriegerisch ist, stand in bruch des Weltkrieges formierten die Engländer aus den ständiger Fehde mit den Mohammedanern. Beim Auszehntausend Kriegern der Assyrer sechs Bataillone, die mit englischer Ausrüstung, von englischen Offizieren ausgebildet, an der Seite der Entente kämpften. Gegen Ende gebildet, an der Seite der Entente kämpften. Gegen Ende des Weltkrieges mußte der Stamm flüchten und wanderte nach Mesopotamien in die Gegend von Mosul, wo die wertvollen Petroleumfelder liegen. Nach dem Kriege wurden Jrak und Mesopotamien ein selbständiges arabisches Reich, das englisches Mandats gebiet war, bis es im vorigen Jahre zum unabhängigen Königtum und Mitglied des Völkerbundes erklärt wurde. Solange England sein Mandat ausübte, hielt es die assyrischen Krieger weiter in seinem Sold. Sie waren nicht König Faisal vom Jrak unterstellt, sondern bil. deten einen Teil der britischen bewaff neten Macht und wurden immer wieder mit den modernsten Schießwaffen ausgerüstet. Sie lebten in st än digem Kampf mit den Kurden und anderen Volksstämmen der Gegend, die zum größten Teil noch alttürkisch, christenfeindlich gesinnt sind. Als das Mandatsverhältnis aufhörte und Jrak ein unabhängiger Staat wurde, ahnten die Aſſyrer die Gefahr, die ihnen drohte. Ihr Patriarch, Isai Marr Shi. mun, ein in England erzogener junger Mann, eilte zum Völkerbund nach Genf und wollte um Schutz für sein Bolk bitten. Er wurde nicht angehört. König Faissa I wollte die Assyrer, nun seine Unter tanen, verstreut im Lande, unter Mohammeda nern ansiedeln, der Stamm forderte aber ein geschlossenes Siedlungsgebiet für das ganze Volk. Darüber kam es vor einigen Wochen zu blutigen Zusam BOL. menstößen. Ungefähr fünfzehnhundert assyrische Krieger gingen über die Grenze nach Syrien. Von den Franzosen zurückgedrängt, brachen sie wieder in irakisches Gebiet ein, wo sie den Truppen des vom König Faissal gegen sie entsandten Generals mit ihren modernen Kurden gebildete Hilfspolizei auf die Dörfer der Assyrer englischen Gewehren empfindliche Schlappen beibrachten. Daraufhin ließ der christenfeindliche General seine aus los und diese massakrierten in den von den Männern entblößten Niederlassungen Greise, Frauen und Kinder. Der Patriarch Jsai Marr Shimun wurde verhaftet, aber dann auf Ein schreiten der Engländer auf die englische Insel Zypern gebracht. Der Christenpogrom im Lande des verbündeten Königs Faissal, der noch unlängst am englischen Hof feierlich empfangen worden war, erregte in England große Bestürzung. Macdonald unterbrach seinen Urlaub und der Gesandte beim König von Jrak, der ebenfalls auf Sommerferien war, flog mit neuen Instruk tionen nach Bagdad. Aber, so, wie diese armen Teufel von„ Eingeborenen jahrelang vom englischen Imperialismus ausgenügt und dann, als sich die politischen Verhältnisse änderten, ihren Todfeinden rücksichtslos ausgeliefert wurden, ebenso wird jetzt selbst der qualvolle Massentod ihrer Frauen und Kinder und höheren" politischen Zwecken ausgeschrotet. Der fremdenfeindliche, englandfeindliche, fanatisch mohammedanische Einfluß am Hofe Faissals ist noch immer stark. Dieser Massenmord soll nun, zum diplomatischen " 3wischenfall" erhoben, dazu dienen, die fremdenfeindlichen Einflüsse in der irakischen Regierung endgültig zu beseitigen. Das Blut der Assyrer hat den Boden des bri tischen Imperialismus gedüngt. Irak geht zum Völkerbund Wie der„ Daily Telegraph" erfährt, wird die assyrische Frage in der nächsten Session vor den Völkerbund gelangen. Die Regierung von Bagdad hat bereits gegen die Mandatsmächte in Genf Anklage erhoben und sie be schuldigt, die assyrischen Flüchtlinge mit Waffen zu versorgen und eine antiassyrische Propaganda zu betreiben. Im übrigen wird auch die englische Regierung die Frage vor den Völkerbund bringen. Dänemark beunruhigt Sehen Sie ihn nicht hinter mir? Doch auch ein alter Um Nordschleswig Bekannter, dieses bleiche Harlekinsgesicht mit den dün nen, zum Lächeln gekräuselten Lippen, zwischen Schultern, die immerfort emporzucken, als ob der Kerl einen Buckel hätte! Jmmer schleicht der Schuft mir nach. Ich brauche nur irgendwo mich aufzuhalten, da steht er, wie aus dem Boden gewachsen, hinter mir. Was er tut? Nichts! Er schneidet Grimassen, er zieht zu allem, was ich verkünde, ungläubige Gesichter und zuckt mit den Achseln. Mießmacher heißt der Schuft! Aus dem dänisch- deutschen Grenzgebiet wird uns geschrieben: Dabei spielt der Kerl eine so jämmerliche Rolle. Die Leute ignorieren ihn, höchstens spuckt einer vor ihm aus. Ein paarmal haben wir ihn auch windelweich geschlagen. Aber er läßt nicht von seinem Tun. Und dann kommt das Unerklärliche. Nach und nach fangen die Menschen an, ihn ernst zu nehmen. Mit irgend einer sophistischen Bemerkung macht er sie stuhig. Ich erinnere mich, wie ich z. B. im Sommer 1916 zur allgemeinen Begeisterung gemeldet hatte:„ Unter Gottes sichtbarem Segen reift auf unseren Feldern eine herrliche Ernte." Das zitierte der Schuft dann den ganzen Kohlrübenwinter hindurch. Oder er fragte, warum die Feinde trot unserer Siege nach vorwärts gerückt seien, oder warum die durch den U- Boot- Krieg in sechs Monaten ausgehungerten Engländer nach zwölfen noch zu essen hätten. Und jetzt treibt der Bursche dieselben Possen. Er flüstert den Leuten ins Ohr, daß doch eigentlich, wenn die Arbeitslosigkeit dauernd besiegt würde, ihre Geschäfte besser und nicht immer schlechter gehen müßten. Daß der Umsatz der Läden aber trotzdem abnehme, daß die städtische Bevölkerung weder mehr Lebensmittel, noch mehr Bekleidung, noch mehr ſonſtigen Bedarf kaufe. Daß Wie jede Wirtschaftsbelebung ausbleibe. Jmmer flüstert er so etwas, wozu die Leute aus ihrer eigenen beschränkten Lebenserfahrung mit dem Kopfe nicken, und schließlich kommt noch der entsetzliche Zeitpunkt, wo sie anfangen, an meiner unbedingten Wahrheitsliebe zu zweifeln. Pardon, das Telefon läutet. Ha, hören Sie, neue Siegesbotschaft: Stadt und Kreis Klein- Kümmelsberg von Arbeitslosen frei. Sofort ein Siegesbulletin! das gemacht werde? O bitte, das ist Fabrikgeheimnis. Privat, unter strengster Verschwiegenheit will ichs Ihnen sagen: 300 Marristen wurde die Unterstützung entzogen. 150 fizen bereits im Ronzentrationslager, 200 Jungarbeiter machen Turnübungen beim FAD., ein benach barter Rittergutsbesitzer hat aus Menschenfreundlichkeit 200 Mann für das Essen zur Ernte eingestellt, er bekommt 50 Mark pro Mann als Prämie aus der Staatskaffe, bleiben einige hundert Arbeitsscheue ,.... aber so blei ben Sie doch, hören Sie doch, verehrter Zeitungslefer! Läuft der Mensch Arm in Arm mit dem Mießmacher auf und davon. Na, so was!" Das Führerprinzip Mucki. Die neue Hochschulverfassung in Baden Karlsruhe, 25. Aug.( Inpreß.) Der badische Kultusminister erläßt eine Verordnung, welche die Hochschulen nach dem Führerprinzip" neu ordnet. Der Senat darf keine Beschlüsse mehr faffen. Die Dekane werden vom Rektor ernannt. Fakultätsbeschlüsse werden auch nicht gefaßt. Alle Rechte des bisherigen Senats besitzt der Rektor. 5000 Angestellte bei Tietz gekündigt Berlin, 25. Aug.( Inpreß.) In dem Berliner Tiez- Betrieb wurde zum 1. September 5000 Angestellten gekündigt Daß die braune geistige Jauche der Hitlerei auch über die deutsche Grenze hinübersprigt, kann nicht wundernehmen. Zumal die engen Beziehungen zwischen den deutschsprechenden Bevölkerungsteilen diesseits und jenseits der Grenze fortbestehen. Ein ähnliches lebhaftes Treiben wie es auch noch vor kurzem an der deutsch- österreichischen Grenze geblüht hat, macht sich im dänisch gewordenen Teil Nordschleswigs bemerkbar. Peter Jürgensen heißt der Leiter der jutländischen HitlerFiliale, der dänische Habicht. Von seinem Hauptquartier Tondern aus serviert er Tag für Tag die beiden einzigen Gerichte des braunen Speisezettels: abwechselnd: Geländemarsch mit Schießübungen und Schießübungen mit Geländemarsch. Jürgensen weiß zwar ebensogut wie seine Berliner Auftraggeber, daß seine Soldatenspielerei und sonntägliche Knallerei angesichts des gegnerischen Wehrwillens" aller Nachbarländer leere Zeitvergeudung und Schaumschlägerei ist, aber etwas anderes als solch billiges Heldentum vermag ja das geistig hohle Nazitum nicht zu bieten. Die geduldigen Dänen wachzurütteln und zum Widerstand aufzurütteln: das ist Herrn J. allerdings schon gelungen. Deutschland hat ja immer noch viel zu wenig Feinde. Wissen Sie schon? Die sensationellen Enthüllungen des Heimbel" über die Kriegsvorbereitungen" der Nazi- Helden, haben in ganz Dänemark Erbitterung erzeugt und ein Verbot der MiIitär Uebungen steht bevor. Aber schon läßt Jür gensen verkünden, daß die Uebungen dann jenseits der Grenze, auf deutschem Boden vorgenommen werden würden. Und sehen dorten die reichlich gleichgeschalteten„ len 3burger Nachrichten" in echt braunem Seelenadel mit Geiseln und Vergeltungsmaßregeln. Es gäbe ja in Deutschland eine Menge Dänen, an denen man sein Mut schon kühlen könnte, wenn den Jürgensen und Genossen das Handwerk gelegt würde! Abg. J. P. Nielsen fündigt im Social- Demokraten" polizeiliche Maßnahmen gegen die Waffenübungen an. Ein fürzlich gebildetes sozialdemokratisches Aktions- Romitee bereitet Massen- Bersammlungen und umfassende Kampfmaßnahmen gegen die Grenz- Nazis an. Gleichzeitig werden aus Kopenhagen täglich Schlägereien zwischen den Kommunisten und den dänischen Nazi- Ablegern in der Hauptstadt gemeldet, die zwar Hitler nachäffen, aber in der Schleswigfrage den schärfsten national- dänischen Standpunkt einnehmen. Auch hier sehen wir, daß die allgemeine Verbreitung der braunen Seuche den Krieg aller gegen alle bedeuten würde mit Deutschland als Schlachtfeld. ,, Verbrecher und Homosexuelle..." Daß die Hamburg- Amerika- Linien Büros der Spionagezentralen im Ausland sind, offiziell beauftragt durch das Fragen über Fragen Propagandaministerium? Daß in Italien die Geschäfte sehr schlecht gehen? Daß man in Italien offen von einem gern gesehenen Krieg gegen Frankreich mit Deutschland als Mittel aum Krieg gegen Frankreich mit Deutschland als Mittel zum 3wed spricht? Daß ein Schweizer Oberst, Sonderegger, ein Agent Göbbels ist, mit dem er reichlich durch Mittelsleute verkehrt? Daß im Tessin ein berühmter Anwalt Berlins zusammen mit einem gewissen Flöter in Riva am Luganosee eine NSDAP.- Propaganda- und Spionagezentrale unterhält? Flöter beruft offiziell NSDAP.- Versammlungen in Lugano und arbeitet mit Herrn Kunz, Schriftsteller aus Berlin, zu sammen. Daß die Wandervögel ausgefandte Spione sind, die bei Quartiernehmen alles auszufundschaften haben? Daß die Schweizer Fremdenpolizei zuerst nach der Konfession des Flüchtlings fragt und daß dabei Juden stets der Aufenthalt verweigert wird? Der Vermert auf den Aften lautet extra groß mit Rotstift vermerkt st Jude". Daß in Italien dauernd kleine Manöver in der Umgebung Mailands stattfinden, dabei wird auch die Jugend Sonntags einererziert. Daß Hitler von einem amerikanischen Arzte in München dereinst als Schlafwandler und somit als geistesgestört befunden wurde? Daß in Hamburg als Präsident des obersten Strafvollzugs amts Deutschlands, an welchem stets ein Jurist amtete, jest ein Alempnermeister fißt, der aber ein guter Nazi ist. Daß es gut wäre, an der Saar zu erwidern:„ Hört und sprecht, Knecht bleibt Knecht, wahr bleibt wahr, frei die Saar. Helvetius". Der aus Desterreich ausgewiesene national. sozialistische Journalist Hönig hielt im bayerischen Rundfunk einen Vortrag über seine„ Erlebnisse in österreichischen Gefängnissen" und klagte: „ Er sei mit Verbrechern und Homosexuellen in eine Zelle gesperrt worden..." Ein Nazi beklagt sich über das Beisammensein mit Homoseguellen? In welcher Welt lebt der Mann eigentlich? Und was sagen die Röhm, Hitler, Heines und andere Röhmlinge zu dieser Klage?! Sett Hönig die Homo sexuellen mit Verbrechern gleich, weil er seine Partei zu gut kennt, oder weil er sie zu wenig kennt? Und das alles im bayerischen Rundfunk? Seit wann ist das ein Schimpf. sender gegen das dritte Reich" geworden? Wann fliegt der Funkleiter? Tagelang könnte man fragen. Angriffe auf Engländer Nach dem„ Daily Herald" find die diplomatischen Vertreter Großbritanniens in Deutschland nicht in der Lage, die sich häufenden Uebergriffe, denen ihre Landsleute durch die na tionalsozialistische Miliz zum Opfer fallen, zu verhindern. Sie berichten von einem englischen Arbeiter, der vorübergehend in Berlin war und von einem Mitglied des Sturm trupps heftig geschlagen wurde, aus dem einzigen Grund, weil er die deutsche Sprache nicht verstand; zusammenfassend schließt das Arbeiterblatt:„ Was sollen uns die Erklärungen, die unseren Konsuln gegeben werden, der Erfolg bleibt immer derselbe: gegen die Angreifer wird nichts unters nommen." ..Jud. mach' Mores!" Aus dem Reiche wird uns geschrieben: In der alten Reichsstadt Frankfurt mußte jeder Jude, und fet es ein Greis, vor jedem Nichtiuden, und sei es ein Knabe, wenn der ihm dieses Wort zurief, den Hut abnehmen: ein Sinnbild frechen Uebermuts und kläglicher Entwürdigung, das mit anderem altererbtem Unrat von der französischen Revolution weggefegt wurde. Wer hätte geglaubt, daß nach anderthalb Jahrhunderten gleiche Erbärmlichkeiten wieder aufleben würde? Zu den besonderen Gemeinheiten des Hitler- Systems ge hört seine abgrundtiefe Verlogenheit: hier die feige Ableugnung der Schandtaten- dort die hochtrachtende Phrase, die Eigenzucht und Roheit zu wunderbarer Gemütstiefe umfälscht. Wenn der Geschichtsschreiber, der einmal diese Blütezeit der Schuffe behandeln wird, den höchsten Grad der erreichten Nichtswürdigkeit darstellen will, dann wird er vielleicht die Schriftstücke wählen, in denen unter dem drohenden Gummiknüppel die amtlichen Körperschaften des deutschen Judentums alle an ihren Angehörigen verübten Gewalts und Schandtaten vor der Welt als„ Greuelmärchen" wegzulügen versuchen. Ihnen mag man aber mildernde Umstände zurechnen, sie Hatten es mit einer Bande von Mördern und Henters knechten schlimmster Sorte zu tun. Sie durften damit rechnen, daß die Verweigerung der Lüge nicht nur ihnen, sondern auch Hunderttausenden ihrer Glaubensgenossen weitere Grausamkeiten und Mordtaten bringen werde. So wurden sie Lügner, glücklicherweise in so plumper Weise, daß alle Denkenden und das ganze Ausland die Lüge durchschauten. Was aber soll man von Juden sagen, die ohne solchen unmittelbaren Zwang sich an ihre Peiniger, an die Vernichter ihrer Existenz, die Schänder ihrer Ehre, herandrängen, um ihnen im„ dritten Reich" ihre Ergebenheit und Gesinnungsverwandtschaft zu versichern? Der Vorstand des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten bringt das fertig! In einer Ausgabe der Bundeszeitung„ Der Schild", die der Erinnerung an den Kriegsausbruch 1914 gewidmet ist, vom Frontsoldaten des jüdischen Deutschen" wird zusammengestellt, was an Heldentaten", heldischer Gesinnung und Heldengesängen jüdischer Kriegsteilnehmer aus jenen Tagen, den heutigen Machthabern etwa gefallen fönnte. Nicht allein die Begeisterung für das menschenmordende Getriebe, die man als Ausdruck der Kriegspsychose etwa noch ihren damaligen seelischen Opfern zugute halten, rie aber bei denen, die heute sich damit nach oben empfehlen wollen, gutheißen darf, kommt darin zum Ausdruck der ganze Jargon, der heute im Volke der Denker bis in den Heiratsmarkt der Presse griert: jenes widerliche Gemisch von Denkverzerrung, Roheit und Sentimentalität, wird darin in vollendeter Weise angewandt. Wir erfahren daDr. Sack Torglers Verteidiger an Branting Paris, 28. August.( Inpreß.) Der sich gegenwärtig in Paris aufhaltende bekannte schwedische Rechtsanwalt Dr. Branting, der Mitglied des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes" ist, erhielt einen Brief von dem Rechtsanwalt Dr. Sack, dem Verteidiger des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Torgler, in welchem es heißt:„ Ich erlaube mir. Ihnen ergebenst mitzuteilen, daß ich die Verteidigung des früheren Reichstagsabgeordneten Torgler in dem Reichstagsbrandstiftungsprozeß übernommen habe. Mir ist mitgeteilt worden, daß Sie zu dem Ausschuß gehören, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ursache des Reichstagsbrandes aufzuklären. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir das Material, das zum Nachweis der Nichtschuld des Herrn Torgler dienen könnte, zur Verfügung stellen würden. Sehr ergebenst gez.: Sad, Rechtsanwalt." Natürlich! Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts lehnt Moro- Giafferi ab Paris, 28. Auguft.( Inpreß) Der berühmte Pariser Strafverteidiger, de Moro= Giaffert, hatte sich an das Reichsgericht gewandt und die Berteidigung der im Reichstagsbrandprozeß angeklagten Bulgaren Dimitroff, Popoff und Taneff beansprucht. Der 4. Straffenat des Reichsgerichts hat dem Pariser Rechtsanwalt einen Beschluß unter dem Aktenzeichen 15. I seiner Dreiftigkeit wegen hier wörtlich mitgeteilt sei: 86/38 XII. 42/83 und XII Tagebuch 362/38 zugestellt, der „ Beschluß In der Strafsache gegen 1. den Schriftsteller Georgi Dimitroff, zuletzt in Berlin, geboren am 18. Juni 1882 zu Radomir( Bulgarien), 2. den Studenten Blagoi Popoff, zulegt in Berlin, geboren am 28. November 1902 zu Drjan bei Sofia( Bulgarien), 3. den Schuhmacher Wassil Taneff, zuletzt in Berlin, ges boren am 21. November 1897 au Gevgeli( Mazedonien), wegen Hochverrats usw. hat das Reichsgericht, 4. Straffenat, in der Sitzung vom 14. August 1938 beschloffen: Der Antrag des Rechtsanwalts B. de Moro- Giafferi aus Paris auf Zulaffung als Wahlverteidiger der Angeklagten gemäß Paragraph 138 Abs. 2 Strafprozeßordnung wird abgelehnt. Auch abgesehen davon, daß der Antragsteller, wie aus der französischen Fassung seines Antrags an schließen ist, der deutschen Sprache anscheinend nicht mächtig ift, ist für seine Zulaffung neben dem bestellten Verteidiger fein Anlaß ersichtlich. bei, daß manche der bekannten patriotischen Gedichte jener Ueberall Tage von Juden gedichtet sind, die wohl nicht den„ Dank des Vaterlandes" von 1933 vorausgeahnt haben. Das Schönste aber ist, wie sich die Bundesleitung auch in bie Denkart der heutigen Alleinpächter raffischer Deutsche gesinnung hineinversezt hat, wie der Kampf deutscher Juden nach dem Kriege gegen Chaos und Bolschewismus" gefeiert, die Freikorpshelden seit dem Fahnentragen der Kompanie Schlageter verherrlicht werden. Die Bundesleitung lädt deshalb auch die Juden, die an den Kämpfen im Baltikum, gegen Spartakiften u. a. teil* genommen haben, in ihren Bund ein. Und der Bundesvorsitzende stellt gar dem Juden Marr den Juden Stahl gegenüber: einen Renegaten, der weil es dort an Röpfen eigenen Wachstums fehlte- der geistige Führer der Judenund Deutschlandfeindlichen preußischen Konservationen geworden ist. Vor einiger Zeit erzählte man, die Leitung des Frontbundes habe ihren Kriegskameraden Göring die Gleich= schaltung des Bundes als eine besondere Säule, natürlich unter Preisgabe der antinationalen Elemente", ber Marristen und Zionisten, angeboten. Die Vorgänge in Nürnberg und anderswo zeigen, daß dieses hochherzige Anerbieten bisher noch ohne Erfolg geblieben ist. Vielleicht ist ihm nach dieser heldischen Kriegsnummer besseren Erfolg beschieden. Vielleicht wird es den Herrn Kameraden Dr. Löwenstein, Dr. Fraenkel usw. bald vergönnt sein, in einem Konzentrationslager Dienst zu tun, in dem nur noch jene undeutschen Nichtstuer zu Tode gemartert werden. Man kann nicht von jedem verlangen, daß er Held und Märtyrer wird. Aber es gibt eine Grenze der Selbstentwürdigung, die kein Mensch von Selbst- und Ehrgefühl überschreitet, darf solche Juden, die sich den Verfolgern des Judentums, den Schändern des deutschen Namens an den Hals werfen! Das sind die Juden, wie die Antisemiten fie haben wollen. Sportilug Poß, der große Theoretiker Berlin, 28. Aug. Durch den Tod des Fliegers Poß verliert die Sportfliegerei einen ihrer besten Vorfämpfer. Poß, der im September 36 Jahre alt geworden wäre, hat sich bereits während des Krieges als Marineflieger durch Aufflärungsflüge außerordentlich bewährt. Zusammen mit dem Amerikaflieger Hauptmann Köhl hat er nach dem Kriege als erster Nachtflüge auf der Strecke nach WarnemündeStockholm durchgeführt. In der Oeffentlichkeit wurde er erstmalig durch seine waghalsigen Kunstflüge im Jahre 1927 bekannt, die er mit Fackelbeleuchtung während der Nacht ausführte. Poß war an allen Wettbewerbsflügen beteiligt. In den drei Europaflügen belegte er jedesmal den zweiten Plaz. Er galt als der große Theoretiker bei Wettbewerbs flügen, besonders bei den technischen Flügen, bei denen er immer hervoragend abschnitt. In Luftsportkreisen war bekannt, daß er alle Möglichkeiten bei diesen technischen Prüfungen wochenlang vorher auf dem Rechenschieber errechnete und schriftlich niederlegte, so daß er auch für den jungen Nachwuchs oft als Lehrer wirken konnte. Der auf so tragische Art ums Leben Gekommene hinterläßt Frau und zwei Kinder. Der Henker wtb. Magdeburg, 28. August. Die jugendlichen Mörder Ristard Herbst und Hermann Ebeling aus Olvenstedt, die wegen Mordes an einer 69jährigen Kolonialwarenhändlerin zum Tode verurteilt worden waren, sind heute früh hingerichtet worden. Ueberall Ablehnung na Auch in Dänemark Tonbern, 28. Aug.( Eig. Meld.) Wie alljährlich, sollte in Hoyer der Verbandstag der Vereine ehemaliger deutscher Soldaten im abgetrennten Gebiet abgehalten werden. Im Programm waren u. a. ein Umzug durch den Ort mit Fahnen und ein Gedächtnisgottesdienst. am Gefallenendenkmal vorgesehen. Während sich die Behörden bisher noch nie um diese Gedenkfeier gefümmert haben, hat der Polizeimeister Seidenfaden in Tondern nach Rücksprache mit dem dänischen Justizminister sowohl den Umzug durch Hoyer als auch den Gottesdienst am Gefallenendenkmal verboten. Die auswärtigen Gäste dürfen nicht mit Musik empfangen werden. Ein geschlossener Marsch zum Denkmal darf ebenfalls nicht stattfinden. Solche Verbote sind von jedem Gesichtspunkt aus bedauerlich. Sie zeigen an, wie droß das dänisch- deutsche Mißtrauen ist. Wenn es vor einem Jahre noch anders war, so ist das jezige Verbot ein neuer Beweis dafür, wie das neue Regime die deutschen Interessen jenseits der Grenzen geschädigt hat. Das Neueste Der preußische Ministerpräsident hat den Generalfeld: marschall v. Madensen und den General d. J. Liz= mann zu preußischen Staatsräten ernannt, in Anerkennung ihrer großen Verdienste um das Vaterland in Krieg und Frieden und um ihre großen Erfahrungen weiterhin dem Staate nutzbar zu machen. Gegen den bekannten Finanzmann Samuel Jnfull und 10 andere Personen ist von der Staatsanwaltschaft Chikago ernent Alage erhoben worden. An zuständiger Stelle wird erflärt, daß man sich auf Grund dieser neuen Klage um die Auslieferung Insulls durch die griechischen Behörden be= mühen werde. Die vor einiger Zeit eingeleiteten Verhandlungen über den Abschluß eines Wirtschaftsabkommens zwischen Frank reich und der Sowjetunion sollen, wie man hört, zum Ab= schluß gekommen sein. Das Abkommen bezieht sich auf Be stellungen, die von der Sowjetunion in Frankreich gemacht werden sollen. Oberft Lindbergh und seine Gattin trafen in ihrem Flugzeng Sonntag 17.15 Uhr in Kopenhagen ein. Zur Begrüßung hatte fich ein Empfangsausschuß, der sich aus Herren der amerikanischen Botschaft und Vertretern des dänischen Luft: fehrtministeriums zusammenfegte, eingefunden. Oberst Lindbergh und seine Gattin fuhren im Wagen durch die beflaggten Straßen zum Rathaus, wo sie vom Magistrat begrüßt wurden. Die Bevölkerung Kopenhagens bereitete ihnen einen herzlichen, begeisterten Empfang. Die deutsche Kanalschwimmerin Lu Koch, die Samstag am Kap Gris Nez gestartet war, hat um 1 Uhr früh 1500 Meter vor der englischen Küfte erschöpft aufgegeben. Jetzt versucht eine österreichische Schwimmerin, Emma Faber, ihr Glüd. Sie startete am Kap Gris Nez vor Mitternacht. Das Bundeskanzleramt hat die Verbreitung der Zeitungen „ Germania", Berlin, Dresdener Nachrichten" samt Abendausgaben, Dresden, Rote Erde", Generalanzeiger, Dort mund, Bayerische Zeitung", München, Passauer Zeitung", Passau, und Reichenhaller Tageblatt", Reichenhall in Defter reich, für die Dauer von drei Monaten( Endtag 24, No= vember) verboten. Der preußische Innenminister hat den Polizeirat Rompf aus Buer mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst ent laffen. Rompf war ein führender sozialdemokratischer Funktionär. Gleichzeitig mit ihm find fünf Polizeibeamte fristlos entlassen worden. Ueber 30 Polizeibeamte aus dem Bezirk Necklinghausen wurden zwangsbeurlaubt. Der amerikanische Vizestaatssekretär Raymond Moley hat am Freitag dem Präsidenten Roosevelt sein Rücktrittsgesuch unterbreitet, der den Rücktritt annahm. BRIEFKASTEN B. B. Antwerpen. Das war allerdings ein unangenehmer Emp fang für die Herren Hakenkreuzler. Ihrem Bericht über die Erleb nijje im Konzentrationslager sehen wir entgegen. Demnächst wird wehl noch dementiert werden, daß es überhaupt solche Lager gibt. O. 2. Besten Dank für den ausführlichen fämpferischen Brief. Sie können die Nachrichten der Deutschen Freiheit" stets mit gutem Gewissen verteidigen. Stud. E. in Binche. Das Thema ist von uns wiederholt behandelt worden, vor einigen Tagen erst von einem Arzt aus Saargemünd. Wir verzichten daher auf den Abdruck Ihres Beitrages. Wie wir horen, sind eine Anzahl deutscher Aerzte für China verpflichtet worden. J. M., Paris. Ihre Mitteilung, daß an der Universität in Meriko ein antifaschistisches Blatt erscheint, ist interessant. Ihren Wunsch in unserer Zeitung zu erfüllen, ist unmöglich. Kairo. Ihre Grüße erwidern wir herzlich. Unserem Verlag war schon bekannt, daß auch in Aegypten die Deutsche Freiheit" ver langt wird. Demnächst wird sie auch dort zum Verkauf ausliegen. Auslanddeutscher. Ihre Anregung, unser Blatt in den östlichen Staaten, die in größerer Zahl deutschsprachige Volksteile beherbergen, zu verbreiten, begegnet sich mit unseren Wünschen. Auch in Siebenbürgen besteht Interesse für die Deutsche Freiheit". Mit Riga haben wir schon Verbindung. Dank und Händedruck. S. P. K., Paris. Auf der Konferenz der Sozialistischen Arbeiter Internationale waren wir am Pressetisch nicht vertreten. Es hat uns auch niemand eingeladen. Die Gründe kennen wir so, wenig wie Sie. Vielleicht wünschte die Konferenzleitung feinen großen Widerhall in der Oeffentlichkeit. Reisender K. Ueberall hören Sie beim Besuche Ihrer Kundschaft in Deutschland Klagen über Rückgang des Umsatzes. Nur die Liefe ranten von Uniformen, Lederzeug usw. für Arbeitsdienstlager und nationale Verbände seien vorübergehend zufrieden gewesen. Auch das lasse, wie Sie schreiben, schon nach. Sie haben sich von Ihrer Tour bessere Ergebnisse versprochen? Ja, lieber Freund, Sie hätten dem deutschen Rundfunk etwas weniger und uns etwas mehr glauben sollen. Dennoch: wir wünschen Ihnen bessere Geschäfte. Köln. Noch immer stehen hysterische Naziweiber als Boykottposten vor jüdischen Geschäften? Wir haben nichts anderes erwartet. Politischer Lyriker Luxemburg. Sie schreiben uns: Mit großem Interesse lese ich täglich in ihren„ Deutschen Stimmen"( rechts oben) das traditionelle Ge dicht. Es entwickelt sich, wie mir scheint, eine ganz neue politische Lyrik im Kampf gegen den Faschismus, die in den Gedichten von Freiligrath, Herwegh, Hoffmann v. FalIersleben und andern aus der deutschen Revolution von 1848 und aus den Jahren des Vormärzes viele Gegenstücke hat, ja sie in mancher Beziehung noch übertrifft, weil die heutige Generation realistischer dichtet. Haben Sie einmal daran gedacht, die besten dieser Gedichte in einem Sammelbändchen zu vereinigen? Das haben wir längst getan. Aber wir warten mit der Verwirklichung noch ein wenig, bis wir besser als heute die Spreu vom Weizen sendern können. Luzern. Schön Dank! Aber den vortrefflichen Scherz hätten Sie schon vor zwei Monaten in der Deutschen Freiheit" lesen können. Saarbrücken. Geschäftsleute denunzieren wir nicht. Zumal, wenn die Anklage gegen sie anonym erfolgt. Ober- Hofnarr in Saarbrücken. Ihre Schimpferei war heute mor gen eine angenehme Arabeske für unsern Redaktions- Alltag. Lassen Sie sich in Rüdesheim für Geld sehen, weil sie es uns anonym und feige einmal tüchtig gegeben haben. Genf. Wir nahmen davon Kenntnis, daß sich das Subjekt Wolfgang Schwarz auch dort herumtreibt. Fragen Sie den Jämmerling mal, wie ihm war, als ihm in England seine Schande ins Gesicht geschrien wurde. Hat Hitler wirklich keine besseren Figuren für das Ausland zur Verfügung? Zürich. Alles hatten wir erwartet, aber nicht, daß uns antisemitische Tendenzen nachgesagt werden. Der leider nicht ganz arische Redaktionskollege, der die Briefkastennotiz verbrochen hat, wird Ihren Brief in sein Banksafe legen, weil er hofft, daß ihm dieses Schriftstück doch noch zu einer Karriere im„ dritten Reich" verhelfen wird. Wuppertal. Dort erzählt man sich, die Franzosen hätten uns ein palastartiges Bürohaus in Saarbrücken gebaut? Reifen Sie zu uns und sehen Sie sich den Wolkenkrazer an. Sie werden Ihren Augen nicht trauen. Sowas muß man wirklich gesehen haben. Bern und Lausanne. Wir danken für Ihre Mitteilung, daß dort die Exemplare der Deutschen Freiheit" zu früh vergriffen sind. Es wird das nötige veranlaßt werden. Helveticus. Herzlichen Dant. Wir verwenden die Notizen gern und sind für Kommendes dankbar. W. S. B., Straßburg. Die Glossen sind für uns nicht geeignet. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Seltene Gelegenfieit! Infolge vorgerücktem Alter ist die Direction- Général einer angesehenen und bedeutenden Gesellschaft vakant. Es kommen nur wirklich seriöse, ernstmeinende Reflektanten, die mindestens über ein Kapital von Fr. 200-250 000,- verfügen, in Frage. Es handelt sich um eine gesicherte, vertraglich bis zum Lebensende festgelegte Existenz mit einem Jahresgehalt von mindestens Fr. 60 000,-, welches sich noch von Jahr zu Jahr erhöht. Interessenten wollen ausführliches Schreiben unter Nr. 106 an die Expedition dieses Blattes richten. Etwaige Horcher oder Makler werden ignoriert. Deutsches Unternehmen seit 3 Jahren in Paris ansässig, sucht, zwecks Ausnützung Ihrer Fabrikräume u. Verkaufs Organi sation, Anschluß an Firmen, die gewillt sind, Fabrikation in Frankreich ein. zurichten. Offerten unter CW 627 an die ,, Deutsche Freiheit" Saar. brücken 3, Schützenstraße 5 Tüchtige redegewandte Agenten für Versicherung mit guter Zukunft per sofort gesucht. 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