Mantat de D Freiheit Nummer 62-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Donnerstag, 31. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Mißtrauet jedem Menschen, welcher sich rühmt, kein Vaterland zu kennen und zu lieben. Aber mißtrauet auch dem, welchem mit den Landesgrenzen die Welt mit Brettern vernagelt ist und welcher alles zu sein und zu bedeuten glaubt durch die zufällige Geburt in diesem oder jenem Volke, oder dem höchstens die übrige weite Welt ein großes Raubgebiet ist, das nur dazu da sei, zum Besten seines Vaterlandes ausgebeutet zu werden. Gottfried Keller Reise durch Deutschland Ein Bericht über Tatsachen und Ausblicke Der Verfasser des nachstehenden Berichts hat in den letzten Wochen den größten Teil des Reiches bereist: von Mecklenburg bis zum bayerischen Hochgebirge, von Offpreußen bis nach Aachen, von Ostfriesland bis nach Schlesien. Es handelt sich um einen volkswirtschaftlich gebildeten Akademiker, dessen bürgerlicher Beruf ihn mit Menschen der verschiedensten Bevölkerungsschichten in Berührung bringt. Die wachsende Enttäuschung Die Enttäuschung über die Reichsregierung hat in mittel ständlerischen und bäuerlichen Kreisen vielleicht stärker zugenommen als in den Arbeiterschichten. Außerhalb der marxistisch geschulten Arbeitermassen und in der Arbeiterjugend gibt es auch jetzt noch sehr erhebliche Teile der Arbeiterschaft, die daran glauben, daß Hitler wirtschaftliche Wunder verrichten könne. Die Mittelständler sehen, daß weder die Konsumvercine noch die Warenhäuser vernichtet werden und daß Umsat und Verdienst im Geschäft nicht zunehmen. Die Bauern be: flagen sich über ungenügende Preise und über die Zuweis fung von ungeeigneten, ihre Kost kaum verdienenden Lands helfern. Folgerungen für eine baldige Umwälzung sind allerdings aus dieser wachsenden Unzufriedenheit der Mittelschichten nicht zu ziehen. Bauern und Mittelständler fühlen sich durch SA. und SS., die weithin im Lande die mittelständlerische und bäuerliche Jugend umfassen, als ein wesentliches Stück der herrschenden Gewalt und sehen hinter einem Zusammenbruch der Hitlerregierung den Bolschewismus. Die täglichen, weit übertriebenen Meldungen über kommunistische Betätigung haben zweifellos den Zweck, die Furcht vor dem Bolschewismus wachzuhalten. Sklavenarbeit Das Geheimnis der sogenannten Siege" in der ostpreu Bischen Arbeitsschlacht liegt darin, daß die Mehrzahl der Erwerbslosen zwangsweise in Arbeitslager gebracht worden ist. Freiwillig wären die allerwenigsten gegangen. Tatsächlich sind die Leute in diesen Arbeitslagern interniert und werden zur Sklaverei angehalten. Niemand darf das Lager ohne Erlaubnis der Vorgesetzten verlassen. Soweit das Lager bis zu 75 Kilometern vom Wohnort des Arbeiters entfernt ist, erhält er alle vierzehn Tage einen Urlaub von zwei Tagen. Ist die Entfernung über 75 Kilometer, werden für je drei Wochen drei Tage Urlaub gewährt. Macht sich der Arbeiter mißliebig, so wird ihm der Urlaub entzogen. Die Leute bekommen für schwere Erdarbeit einen Wochen: John von 15 bis 18 Mark. Davon geht Verpflegungsgeld ab, so daß nur 10 Mark und weniger die Woche nachhause geschickt werden können. In den meisten Fällen wird keine besondere Familienunterstützung gewährt. Manchmal erhält die Familie eine Mark pro Woche als Zuschuß. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß es sich durchweg um ländliche Verhältnisse handelt. Jedenfalls ist das Einkommen der Leute nicht gewachsen. Der Unterschied ist nur, daß sie arbeiten müssen. Das mag man, je nach der Einstellung zur Zwangsarbeit, ethisch so oder so bewerten. Aber volkswirtschaftlich gesehen bedeutet diese Art Bekämpfung der Erwerbslosigkeit nicht die Spur einer Lösung der Krise. Es wird weder die Kauftraft gesteigert, noch werden lohnende Unternehmungen geschaffen. Selbst wenn es gelänge, in größerem Maße in Ostpreußen zu siedeln, würde es sich um bäuerliche Existenzen bandeln, die trotz einem Uebermaß von Arbeit und eingeschränkter Lebenshaltung ohne irgendwelche offene und ver tappte Subventionen nicht leben können. Unternehmer und Arbeiter Die Arbeitsstredung nimmt zit. In vielen Fällen ist des halb trotz Tariflohn das Einkommen der Arbeiter so niedrig, daß sie nicht mehr, manchmal sogar noch weniger mit nach Hause nehmen, als die Wohlfahrtsempfänger. Es wird daher lebhaft die Bezuschussung finderreicher Arbeiter aus öffentlichen Mitteln erörtert, aber man weiß nicht, aus welchen Kassen man die Mittel nehmen soll. Viele Unternehmer kommen allmählich gegenüber den nationalsozialistischen Instanzen in eine schwierige Lage. Sie fühlen sich ähnlich unter erprefferische Drohung gesetzt wie die Arbeiter, die zur Eve Ostpreußische Arbeitsschlacht Sieger und Besiegte en Der Junker:„ Ich habe den Sozialismus früher verkannt. Ist doch' ne seine Sache. Heil Hitler! Zwangsarbeit kommandiert werden. Die nationalsozialisti schen Parteibonzen wiederum stehen unter dem Druck ihrer unzufriedenen SA.- und SS.- Leute; soweit diese nicht an die Futtergrippe des Staates und der Gemeinden kommen konnten. Nationalsozialistische Bonzen suchen die Unternehmer auf und legen ihnen nahe, ihre Belegschaft wieder auf dieselbe Höhe zu bringen, die sie im Konjunkturjahre 1928 hatten. Lehnt der Unternehmer ab, wird er nachdrücklich darauf hingewiesen, daß er in den Verdacht der Sabotage gegen die Reichsregierung komme, die doch volles Vertrauen verdiene. Er setze sich der Gefahr aus, zu den politischen Saboteuren in ein Konzentrationslager zu kommen. Bleibt der Unternehmer standhaft, weil er nicht weiß, wie er seinen Umsatz steigern und die Löhne aufbringen soll, wird ihm vielleicht statt der Drohung mit dem Konzentra= tionslager Kredit in Aussicht gestellt, oder er wird gezwungen, tüchtige Leute zu entlassen, um dafür Günftlinge der Nationalsozialisten einzustellen. Diese erpresserischen Maßnahmen schaden der Wirtschaft. Hinzukommt, daß jeder Landkreis bemüht ist, die Wirtschaft möglichst nur in seinem Kreise anzukurbeln" und den Humbug der Arbeitsschlacht vor allem in seinem Kreise zu Sieges meldungen zu bringen. So bildet sich allmählich eine wirtschaftliche Kreisautonomie heraus, die sich um das Schicksal der benachbarten Kreise nicht kümmert. Dieses System ist natürlich ein schwerer Schaden für die Gesamtheit der deutschen Wirtschaft und die Notrufe des Reichs wirtschaftsministers zielen auf die Beseitigung dieser vorkapitalistischen Methoden hin ..Normalisierer des Kapitalismus Reichskanzler Hitler hat sich vollkommen den kapitalistischen Einflüssen gebeugt. Man weiß, daß er keineswegs der willensstarke Mann ist, als der er geschildert wird. Manche Leute, die über die Interna Bescheid wissen, sagen dem Kanzler nach, er sei einsichtiger als man gemeinhin glaube. Daß seine wirtschaftlichen Kenntnisse gering sind, ist bekannt, und er hat dies wiederholt freimütig zugegeben. Darauf haben die führenden Kapitalisten spekuliert. Man hat den Reichskanzler durch einflußreiche und raffinierte Herren des Rapitalismus eingefesselt-and ihn so allmählich davon über. 100 zeugt, daß sein Programm zunächst nicht durchzuführen ist. Sollte Hitler noch ab und zu sich seiner Programmsätze erinnern, so wird ihm von allen Seiten klargemacht, daß seine Bewegung keine geeigneten Kräfte für die Wirtschaftsführung hervorgebracht hat. Die wirtschaftlichen Regenten sind Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt, Reichsbankpräsi dent Dr. Sch a cht, der Wirtschaftsberater Sar Meichar fanzlei Keppler, Vögler und Thysse Diese Hochkapitalisten nennt man in führenden nationals sozialistischen Kreisen„ Normalisierer", weil sie den Rapitalismus in Deutschland von allen politischen Einengungen befreien und seinen normalen Gefeßen freien Lauf lassen wollen. Merkwürdigerweise schadet bisher der hochkapitalistische Kurs dem Reichskanzler Hitler in der öffentlichen Meinung Deutschlands nur wenig. Die Abneigung der sozialistisch empfindenden Menschen im Nationalsozialismus wendet sich gegen Göring, der vielfach auch von Nationalsozialisten als Kapitalistenknecht bezeichnet wird. Die aus dieser Mißstimmung und aus diesem Mißtrauen erwachsende Unzufriedenheit in der SA. und in der SS. darf nicht überschätzt werden. Was soll der einzelne Mann oder eine einzelne Gruppe gegen den unge= heuren Machtapparat machen? Gin Inverbin dungtreten über größere Bezirke oder gar über das ganze Land ist aber einstweilen beinahe ausgeschlossen. Dazu ist das Spizelsystem zu sehr ausgebaut, auch in der SA. und in der SS. ist das gegenseitige Mißtrauen sehr groß. Zur Devisenlagt Die geringe Zunahme der Goldbestände in der Reichsbank wird nicht hoch bewertet. Diese Zunahme war möglich, weil seit Monaten Zinsen- und Schuldentilgung nicht transferiert worden sind. Das wird natürlich nicht ewig so bleiben. Es werden wieder Teile der Schuldenzinsen transferiert werden müssen, und die Schwierigkeiten werden dann rasch wieder wachsen. Sollte wirklich eine echte Belebung der Wirtschaft, die jetzt, objektiv betrachtet, noch nicht zu spüren ist, fommen, so würde das eine Steigerung der Rohstoffpreise und die Notwendigkeit größerer Rohstoffeinfuhren zu erhöhten Preisen bedeuten. Bei den Fertigfabrikaten könnte aber erst allmählich die Preissteigerung sich durchsetzen und selbst bei einer Steigerung des Exports würde es eine erhebliche Beit dauern, BTB nennenswerte Devisenüberschüsse vorhan ben sind. Infolgedessen ist die Zuversicht auf die Sicherheit ber deutschen Währung noch immer gering. Die Reichsfinanzen sind zurzeit flüssig. Das ist nur möglich durch die stärkste Drosselung der Ausgaben. In troftloser Finanzlage sind die allermeisten Gemeinden. Der Abbau des Unterstützungswesens und der fulturellen Einrichtungen geschieht in einem Ausmaß, das man vor Monaten taum für möglich gehalten haben würbe. Mit einer wirtDeben Brutalität fiebt man die bisher Unterſtüßten und ſchei. det fie rücksichtslos aus. Jede Regierung, die über dieses System eine öffentliche Kritik zuließe, müßte sehr rasch hinweggefegt werden. Bei Preß- und Redefreiheit würde bald die ungeheure Mehrheit des Volkes erkennen, daß unter dem Schuße des waffenstarrenden faschistischen Staates der Kapis talismus Methoden von einer Grausamkeit entwidelt, wie fie nur in den ersten Jahrzehnten der Industriealisierung Deutschlands möglich war, als noch jeder Widerstand der Arbeiterschichten fehlte. NSBO. und Arbeitsfront Allgemeine Wehrpflicht in Oesterreich " 8weiter Soldatenstand" wird geschaffen neben dem Bundesheer- Bereinbart mit Frankreich, England und Italien! Ein Erfolg Dollfuß' gegen Hitler Das Geheimnis um die Schußmaßnahmen Desterreichs lüftet sich. In Kilb bei St. Pölten hielt anläßlich einer Fahnenweihe Heeresminister Vaugoin eine Ansprache, in der er den Uebergang aur allgemeinen Wehrpflicht anfündigte. Er lagte hoch in Stejer Woche wird eine neue Webrordnung erscheinen. Neben dem Bundesheer wird ein zweiter Soldatenstand mit kurzer Dienstzeit von einem halben Jahr geschaffen werden. In der nächsten Zeit werden die Aushebungen stattfinden und jedes halbe Jahr werden zwischen 8000 bis 10 000 solcher furzdienender Soldaten einberufen werden, so daß neben dem Bundesheer bald ein zweiter Heeresförper bestehen wird, geführt und ausgebildet von den Offizieren und Unteroffizieren des Bundesheeres. Es ist mir ge lungen, dieses 8ugeständnis für Oesterreich bei den Signatarstaaten durchzusehen. Damit ist der erste Schritt zur allgemeinen Wehrpflicht getan." Der Einfluß der NSBO. in den Betrieben geht entschieden Dazu 8000 Mann Hilfspolize!! zurück. Die Hoffnungen, die auch manche frühere sozialbemofratischen oder fommunistischen Arbeiterwähler auf die raditalen Sprüche der NSBO.- Führer gesezt haben, sind volltommen zusammengebrochen. Auch die deutsche Arbettsfront hat nur noch eine sehr unsichere Position. 3hre ursprünglich wirtschaftlichen Biele verblaffen und pädagogische Biele werden in den Vorbergrund gerückt. Es gibt keine Rampfreden mehr, sondern nur noch Predigs ten über die Beseelung der Arbeit, über das Selbstbewußts sein des Arbeiterbürgers und ähnliche schöne Dinge, die nichts kosten. Die hohe Staatsbürokratie Behandelt die Arbeitsfront längst mit äußerem Wohlwollen und innerer Verachtung. In den Ministerien werden die Eingaben der Arbeitsfront meistens ungelesen in die Aftenschränke versenft. Das find nüchterne Tatbestände. Aber es kommen Erschels nungen hinzu, die sich der Berechnung entziehen. Millionen und aber Millionen unserer deutschen Volksgenossen schwim men in einer Gefühlswoge, die mit kritischen Verstandess fräften nicht zu durchleuchten und nicht an bannen ist. Große Teile der Jugend find von den Uniformen, von den Aufmärs schen, von den Festen, von dem Führerglauben, von dem Deutschtumsftola, von ben nationalen Kraftsprüchen verzaus bert und berauscht. Auf den Straßen der Städte und auf ben Wanderwegen im Gebirge und im Flachland sieht man trupps weise die Kinder, die jungen Burschen und die jungen Mäs dels in Uniformen, die sie mit Stolz und sehr oft mit tiefem Glauben tragen. Der riesenhafte Propagandaapparat, die Schule, die Presse, alle öffentlichen Einrichtungen, das ganze in der Oeffentlichkeit sich äußernde Volksleben beeinflussen diese Kinders und Jugendscharen. Hier hat das System viels Teicht seine größten Hoffnungen, und hier werden seine Gegs ner bie gewaltigsten Schwierigkeiten zu überwinden haben. Berstandes und Willenskräfte, Rörper und Seele einer nenen wirklich sozialistischen Generation werden sich vereinen müssen zu opfervollen zähen und unerhört großen Anstrens gungen, wenn Wandel geschaffen werden soll. Leipziger Messe Die Frankfurter Beitung" veröffentlicht diesen Bericht bon der Leipziger Messe: " Der dritte Meffetag bringt erfahrungsgemäß den Höhepunkt des Messegeschäfts. Diesmal hat sich folgendes Bild geboten: Auslandsfundschaft tritt gegen die früheren Messen start aurud, vor allem fehlt die große nordamerikanische Rundschaft fast gans. Das Auslandsgeschäft hat daher an den Umfäßen nur verschwindenden Anteil. Es kommt hinzu, daß von einzelnen Auslandsinteressenten, namentlich vom Balkan, versucht worden ist, bie Preise außerordentlich zu drücken. Soweit das Inlandsgeschäft in Frage kommt, ist eine Er holung unverkennbar. Wider Erwarten hat auch die Warenhauskundschaft in das Messegeschäft eingegriffen und teilweise auch ganz gut bestellt, wenn auch zunächst noch vorfichtig disponiert worden ist. Die Spezialgeschäfte in Haushaltsartikeln wie Porzellan, Glas usw. sind wieder kauf Iuftiger gestimmt als in den vergangenen Monaten. Man rechnet in diesen Kreisen mit einer Verstärkung des Ronfums fm Herbst und Winter, sofern die Arbeitslosigkeit weiter abnimmt. Auch das neue Gesetz über die Ehestandsbethilfen dürfte auf den Einzelhandel der betreffenden Branchen einen günstigen Einfluß ausüben. Auf der mit der allgemeinen Mustermesse verbundenen ersten Braunen Großmeife zeigte sich Nachfrage in der verschiedensten Branchen. Die verschiedentlich, a. B. für Glas, Steingut, Textilien, Kristallglas, furz vor der Messe vorgenommenen Preisevshungen scheinen bas Geschäft nicht gehemmt au haben. Der Internationale Charakter Ber Messe ist durch die Be teiligung einer Reihe ausländischer Aussteller gewahrt geblieben; indeß ist die Auslandsbeteiligung atffernmäßig geringer als sonst. Dies gilt vor allem von der Tschechoslowakei und von Oesterreich. Wenn auch ein abschließendes Urteil am dritten Messetag noch nicht möglich ist, so glaubt man doch, daß bie Meffe London, 30. Aug. Der diplomatische Korrespondent der „ Morning Post" berichtet über den bevorstehenden Abschluß einer Bereinbarung wischen Großbritan nien, Frankreich und Stalien, die Desterreich zur Aufstellung einer Gilfspolizeifrappe von 8000 Mann für die Dauer eines Jahres ermächtigt. Die Kleine Entente habe the Einverständnis dazu erklärt. Die Blätter heben besons berß den zeitweiligen Charakter dieses Zugeständnisses hers sor. Der diplomatische Rorrespondent des Daily Teles graph", der die tatsächlichen Verhältnisse in Oesterreich anscheinend nicht kennt, fagt, der einzige 3wed der Maßnahme fei, Desterreich zu befähigen, sich gegen den „ Feldzug Gewalttätigteiten öfter: fers reichischer Nationalsozialisten" 3 verteis digen. Nach Ablauf von zwölf Monaten werbe tein Grund für die Verlängerung der Vereinbarung bestehen. Zur Aeußerung des österreichischen Verteidigungsministers über Desterreichs beabsichtigte Rückkehr zur allgemeinen Dienstpflicht bemerkt der Korrespondent, eine solche Aenderung der österreichischen Wehrverfassung werde möglicherweise von der Abrüstungskonferenz herbei. geführt werden, aber diese Frage habe mit dem gegen: wärtigen Zugeständnis nichts zu schaffen. Lahusens Der politisch- diplomatische Erfolg Dollfuß', mit weiteren wirtschaftlichen Zugeständnissen gepflastert, ist außer ordentlich groß. Der österreichische Bundeskanzler hat jezt Hilfspolizei und dazu noch Militär in genügender Menge, um sich gegen nationalsozialistische Ueberrum pelungsversuche zur Wehr zu setzen. Immer stärker ent rückt damit zugleich Desterreich dem Anschlußgedanken, womit die bisher schwerste außenpolitische Niederlage des Hitler- Regimes besiegelt wird. Noch einmal wird ihm vor läßlicher Bundesgenosse ist. Mussolini schüttelt den AbAugen geführt, daß Italien nichts weniger als ein ver. gesandten Hitlers gern die Hand, aber in der Welt prak tischer Politik treibt er nach dem Beispiel seines Landes Don 1915, Sacro egoismo". Einzelheiten Bei der Bewilligung der Heereserweiterung handelt es fich um ein sehr wesentliches Zugeständnis der Unterzeichner des Vertrages von St. Germain für Oesterreich. Der Vers trag hatte die allgemeine Wehrpflicht in Oesterreich abs geschafft und die Höchststärke der österreichischen Streitkräfte einschließlich der Offiziere auf 30 000 Mann festgelegt. Die Ausmusterungen sollen bereits am 1. Oktober bes ginnen. Sierfür fämen Männer mit dem erreichten 21. Lebensjahr in Betracht. Die Dienstzeit jei im allgemeis nen für sechs Monate vorgesehen bei der Infanterie, Rabs fahr- und Jägertruppe, sowie bei der Bedienungsmannschaft der Artillerie, Die Ausbildungszeit für die Spezialwaffen fönne auf zwölf Monate ausgedehnt werden. An der Grenze Die ,, österreichische Legion" wird gesammelt Das amtliche Wolff- Büro berichtet, daß Oesterreich seine Formationen an der bayerischen Grenze in außerordentlicher Weise verstärkte. Allein im Monat August find 1500 Tiroler Nazis nach Bayern geflohen. Man schäßt die Gesamtzahl der österreichischen nationalsozialistischen Flüchtlinge in Deutschs land auf 1800, die sich, wie folgt, verteilen: 4000 im Lager Lechfeld, 4000 im Lager Dachau und 5000 in einem Lager uns mittelbar bei München. Der 130- Millionen- Bankrott vor Gericht In Bremen hat jetzt vor der Straffammer der große Lahusen Prozeß begonnen. Die Brüder Karl und Heinz Lahusen, einst eifrige Geldgeber ber Nationalsozialisten, find für einen der größten Bankrotts aller Zeiten verant wortlich: dem von ihnen verschuldeten Zusam= menbruch des Nordwolle Konzerns. Die beiden Brüder wurden am 17. Juli 1931 verhaftet. Karl Bahusen war 15 Monate in Untersuchungshaft, während sein Bruder Heinz, der an einem schweren Nierenleiben erkrankt ist und inzwischen eine Operation durch machte, kurz vor Weihnachten 1981 gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde. Die Boruntersuchung in dem Prozeß hat nicht weniger als 24 Monate in Anspruch genommen. Die Schwierigkeit der Materie geht aus der Tatsache hervor, daß der Nordwolle- Konzern, eine seit fast 50 Jahren bestehende, größtenteils im Familienbesitz befindliche Gesellschaft, die einen Kreditbedarf bis zu 300 Millionen Mart hatte, etwa die Hälfte des deutschen Gesamtbedarfes an Wollproduktion in einer Reihe von Werken herstellte. Der Zusammenbruch des Unternehmens hatte, wie wir bereits furz erwähnten, seinerzeit mit den Anstoß zu dem Ausbruch der deutschen Wirtschaftskrise im Sommer des Jahres 1931 gebildet. Zunächst waren im Juni 1981 die Verluste des Unternehmens bis Ende 1930 mit 24 Millionen Marf angegeben; furz darauf stellte sich heraus, daß sie in Wirklichkett nahezu das Zehnfache erreichten. Am 21. Juli 1981 war der Konkurs über die Gesellschaft eröffnet worden. Man rechnet mit einer Prozeßdauer von etwa drei Monaten, da die zu klärenden Sachverhalte nicht weniger kompliziert find als etwa bei dem bekannten Favag- Prozeß in Frank furt a. M. Den Brüdern werden hauptsächlich drei Delikte zur Bast gelegt: Kreditbetrug, Bilanz- Verfchleierung und handelsrechtliche untreue. Der Kreditbetrug soll vor allem gegenüber der in erster Linie geschädigten Danatbant begangen worden sein, während der Vorwurf der Bilanz- Verschleierung sich auf die Führung von Geheimfonten, die Vornahme falscher Buchungen usw. erstreckt. Allein zehn bis zwölf Sachverständige werden ihre Ansichten über die Bewertungsgrundsätze bei der Aufstellung der Bilanzen der Nordwolle abzugeben haben. Wie sehr die Ansichten über diese Grundfäße auseinander gehen, geht aus der Tatsache hervor, daß 3. B. für den 31. Dezember 1930 insgesamt fieben Nordwolle.Bilanzen aufgestellt worden sind, mit Verlusten, die von 24 Millionen im günstigsten Falle, bis zu 200 Millionen Mart im ungünstigsten Fane variieren. im Durchschnitt befriedigend abschließen wird, jedenfalls Was geschicht mit beffer als die Herbstmesse 1933,.." „ Jüdische Rundschau" Aus zionistischen Kreisen wird uns geschrieben: Ihre Melbung vom 25. 8. über das Verbot der„ Jüdischen Rundschau", enthält eine Charakterisierung, welche auf einer vBIIigen Verkennung der Wesensart dieses Blattes beruht. Die Jüdische Rundschau" ist das Organ der Sionistischen Vereinigung für Deutschland und tritt ein für die Renaissance des jüdischen Volfes, Stets in vorberster Linie kämpfend für Bölkerversöhnung und soziales Recht der Arbeiter im eigenen Lande Palästina, bat fie sich von jeber Einmischung in bie parteipolitischen Verhältnisse Deutschlands und von jeder Anbiederung an herrschende Mächte ferngehalten. Wohl aber ift fie alle Bett in flarer Erkenntnis der ihr insbesondere in den legten Monaten gestellten Historischen Aufgabe auT. recht und mannhaft gegen Unterbrüdung und Diffamierung für Ehre und Würde der Juden eingetreten. Wir nehmen von dieser Erklärung Renntnis. Die fragliche Notiz war uns von der Inpreß- Korrespondenz zugegangen. van der Lubbe? ,, Ist es richtig"... Auf Grund von Mitteilungen aus dem Reiche stellte die " Volksstimme" in Saarbrücken folgende Fragen: Ist es richtig, fo fragen wir die Leipziger Juftizbehörde, daß der der Brandstiftung im Reichstag au Unrecht bes schuldigte frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete Torgler schon seit etwa 10 Tagen im Leipziger Untersuchungsgefängnis untergebracht ist; ebenso der angebliche holländische Kommunist van der Lubbe, den man bekanntlich im Reichstag verhaftete? Ist es richtig, daß in einer der letzten Nächte dieser van ber Lubbe au& feiner Belle geholt undirgends wo hin verschleppt werben follte? Ist es richtig, daß der kommunistische Reichstagsabgeord: nete Torgler, der in der gegenüberliegenden Belle untergebracht war, diese Entführung van der Lubbe's das burch verhinderte, daß er- Schlimmes befürchtendlant Lärm sching? Der Beginn Die Verteidigung Beantragte, Ste Schußhaft der An geflagten in untersuchungshaft umzuwandeln und lehnte die Treuverfehr- Sachverständigen ab. Der ehemalige Generaldirektor Karl Lahusen erklärte, daß ein objektives Gutachten selbst bei gutem Willen der Herren des Treu verkehrs völlig unmöglich sei. Der Staatsanwalt wandte sich gegen den Antrag auf Ablehnung der Treuhandsachverstänbigen. Nach zwei Jahren sei für die Staatsanwaltschaft endlich die Gelegenheit gekommen, den Mund aufzutun. Die öffentliche Meinung sei irregeführt worden durch immer wieder systematisch aufgestellte Behauptungen. Die Staatsanwaltschaft warte vergebens auf das Material, durch das lawinenartig die Beschuldigungen hinweggefegt würden". Nur ein Zufall habe Licht in die Angelegenheit Lahusen gebracht zur Auffindung wichtiger Briefe in Holland. Es sei mit Spionen, Spizeln und Detektiven gegen den Treuverfehr gear. beitet worden. In fast dreistündigen Ausführungen serpflüdte Staatsanwalt Dr. Wrede die Angriffe der Verteidigung gegen die Treuverfehrs- Sachverständigen. Der Vorfißende verlas dann ein inzwischen von dem Berliner Rechtsanwalt und Mitverteidiger Dr. Luetgebrune eingetroffenes Telegramm, in dem es heißt, daß dieser aus sachlichen und per sönlichen Gründen, insbesondere aus Gesundheitsrücksichten, am Erscheinen verhindert sei. Die Vernehmung der Angeklagten dürfte allein 14 Tage in Anspruch nehmen. * Interessant ist die Rolle des bekannten Nazi- Anwalts Quetgebrune, Obwohl er Rechtskommissar in einem preußischen 20inisterium war, behielt er die Verteidigung bis zuletzt ruhig bei. Jezt auf einmal steht er dicke Luft und wagt nicht, nach Bremen zu kommen. Man darf die bescheidene Anfrage an ihn richten, wie hoch die Vorschußhonorare find, die er bereits erhalten hat. Der zweite Tag Bremen, 30. August. Der Lahusenprozeß nahm heute morgen seinen Fortgang. Der Antrag, die Angeklagten aus der Schußhaft zur Untersuchungshaft zu bringen, wurde abgelehnt. Das Ablehnungsgesuch der Angeklagten gegen die Treuverkehrssachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit, wurde als unbegründet zurückgewiesen. Das Ablehnungsgesuch der Verteidigung gegen sämtliche Angestellte der Trenverkehr wegen Besorgnis der Befangenheit wurd gleichfalls abgelehnt. Ist es richtig, daß hierauf van der Lubbe wieber in seine Belle zurückgebracht wurde? Neue Tatsachen vom Reichstagsbrand London, 29. Aug.( Inpreß): Wir erhalten von einer gut informierten politischen Persönlichkeit eine Information, bie für die Beurteilung der Schuldfrage in Bezug auf die Brands stifter des Reichstages von großer Wichtigkeit sein dürfte. Es wird nämlich mitgeteilt, daß der im Frühjahr in Rufftein, ouf österreichischem Boden, von SA.- Leuten ermordete natios nalsozialistische Abenteurer Dr. Bell, furz vor dem Reichss tagsbrand dem Legationssekretär des Auswärtigen Amtes in Deutschland, Prinz von Waldeck- Pyrmont, im Hotel Adlon angedeutet hat, daß am Montag, den 27. Februar im Reichss tag am Abend eine große Geschichte passieren" werde. Für dieses Gespräch können Zengen genannt werden. Außerdem erfahren wir ans berselben Quelle, daß ber bas malige Staatssekretär in der Reichskanzlei, Bland, eine Woche vor dem Brand sagte:„ Ich weiß bestimmt, daß die Nazis noch kurz vor der Wahl eine große Provokation gegen die Kommunisten durchführen werden, ein fingiertes Attens tat auf Hitler oder etwas ähnliches, um eine regelrechte Pro gromstimmung für die Wahl zu schaffen", Der Buchstabe F Manifest der Internationale nicht laſſen können, dem deutschen Volkskanzler seine Eine Kundgebung der Sozialistentagung Mit Unrecht gibt es eine Anzahl Menschen- meist sind es im Ausland Gift versprizende Marristen, die es Vorliebe für die Veranstaltung von Fackelzügen und Festen zu verübeln; ja, die diesem ernsten Streben um wirtschaftliche Ankurblung ganz falsche Motive mie Massenbetäubung usw. unterschieben. Es dreht sich eben um diese so notwendige Ankurblung, und wenn der Führer selbst mit seiner Initiative nicht hintenan steht, wird das übrige Volk um so leichter Nuz und Frommen des„ großen F" einsehen. Jetzt steht Deutschland die NS.- Tagung in Nürnberg bevor; das heißt: die offizielle Parteitagung der Nationalsozialisten, zu der allein 20 000( zwanzigtausend) kraftfahrende Mitglieder der Arbeiterpartei erwartet werden, gibt wieder Anlaß, ein Fest zu feiern. Wie sehr dieses Fest zur Ankurblung der Wirtschaft dient( außer der in den Wirtschaften, für die Dr. Len sorgt), möge eine kleine Zahlenfolge zeigen. Die Gärtner werden sich an der Lieferung der anderthalb Kilometer Girlanden und 15 Waggon Blumen, die Reichsbahn an der Gestellung von 340 Extrazügen, die Reichspost am Legen von 1000 Extraleitungen nicht gerade gesund verdienen, aber was man so mitnehmen kann...! Besser ergeht es schon den Fleischern, die 500 000 Kilogramm Wurst und Fleisch liefern dürfen; die Kartoffelhändler gehen leer aus, weil man für 150 000 Menschen schlecht Kartoffeln schälen kann".( Wir fürchten vielmehr, daß nicht genügend Ware in der vorschriftsmäßigen Dicke vorhanden war.) Spaß haben werden auch die Lieferanten von den 175 Waggon Stroh für die Strohsäcke, sowie die Hersteller der 150 000 speziellen Eß- und Trinkgefäße, sowie der Riesenkochkessel. Am besten aber geht es den Herstellern der Fahnen, von denen nicht weniger als 11 000 benötigt werden, der Stoffindustrie, von der man 20 000 Meter Dekorationsstoff nimmt, und last, aber im neuen Deutschland wirklich nicht least, den Fabriken von Feuerwerkskörpern, da allein 25 000 Raketen( von den Wasserfällen, Feuerrädern usw. zu schweigen) und zu deren Abschuß 2000 Mörser gebraucht werden. Die Freude am Brennen und Knallen scheint also doch Allgemeingut des deutschen Volkes geworden zu sein, das sich eben auch hierin ganz nach dem Vorbild seiner Führer richtet. Es wird also gekurbelt; leider wird man nicht wie feinerzeit im Hotel„ Kaiserhof"- die Abrechnung über den verkonsumierten Alkohol, über Ausgaben des Stabes" nichts genaueres hören können. Leider, denn sonst könnte man dem Volk sicher noch weitaus besser zeigen können, wie seine Herren es verstehen, durch das Opfer, sich den Bauch vollzuschlagen, dem notleidenden Volk Wirtschaftsankurblung vorspielen. Hoffentlich weiß man sich in Nürnberg auch nach den neusten Sprach reinigungsbestrebungen zu richten, die überall, speziell aber von der Speisekarte, das Fremdwort gestrichen haben wollen. Nicht nur, daß die Sprache des„ Erbfeindes", die einem guten Deutschen nur den Appetit verderben kann, ausgemerzt wird, auch das Beefsteak und das Roastbeef des Angelsachsen müssen weichen.( Man rechnet wohl nicht mehr mit dem Ausländerbesuch, der ein Interesse haben könnte, wissen zu wollen, was er ißt.) Das sind natürlich nur Kezereien, die Hauptsache ist: es wird gefeiert! Das große F"! Was gibt es alles mit? Feste, Fackeln, Feiern, Fröhlichkeit und fauler Zauber, Feigheit Joe W. Frank. und irgendwo: Fiasko! Ganze Tierherden Der nationalsozialistische Parteitag ,, beschafft ' Arbeit" München, 30. Aug.( Inpreß.) Der Völkische Beobachter" erklärt, daß der nationalsozialistische Parteitag neben 400 000 Mann auch noch ganze Herden von Rindvieh als Zugang sehen wird, weil auf dem Schlachthof ganze Tierherden an dem Tage vor dem Parteitag daran glauben müssen, damit genügend Fleisch vorhanden ist" und so einen Teil des Arbeitsbeschaffungsprogramms durchführen wird. Berechtigtes Mißtrauen Gegen die deutsche Rechtspflege Der Grad von Vertrauenswürdigkeit, den die deutsche Juftig zur Zeit im Auslande genießt, ist jetzt sozusagen einmal aftenkundig gemacht durch das Urteil eines holländischen Gerichts. Dem Amtsrichter A. M. J. de Jager in Utrecht gebührt das Verdienst, in einem Urteil darauf hingewiesen zu haben, was die heutigen Rechtszustände in Deutschland wert sind. Eine deutsche Firma flagte beim Gericht von Utrecht gegen zwei Utrechter Bürger. Der Klägerin oblag in diesem Prozeß die Beweislast, und sie hatte zwei in WuppertalElberfeld wohnende Zeugen benannt mit dem Antrag, diese durch das dortige Amtsgericht kommissarisch vernehmen zu lassen. Nach holländischem Recht ist eine solche kommissarische Vernehmung im Ausland wohnender Zeugen an sich möglich und zulässig. Der Anwalt der Beklagten widersprach jedoch im vorliegenden Falle dieser Vernehmung mit dem Hinweis, daß. er Jude und bei den heutigen Verhältnissen in Deutschland nicht in der Lage sei, die Interessen seiner Mandanten vor einem deutschen Gericht mit genügender Sicherheit zu vertreten. Das Gericht schloß sich diesem Einwand an und beschloß, die Zeugen nicht in Deutschland vernehmen zu lassen, sonden nach Holland zu laden. In der Begründung heißt es, daß der Anwalt der Beklagten in Deutschland weniger ruhig auftreten kann als in Niederland, wo Glaube und müsse dem Anwalt der Beklagten zugestehen, daß bei einem Raffe keine Rolle für das Auftreten vor Gericht spielen. Dan Auftreten in Deutschland sogar Unannehmlichkeiten für ihn nicht ausgeschlossen seien. Früher hatten die europäischen Mächte in halbzivilisierten Staaten, wie in der alten Türkei der Sultane und im kaiserlichen China, ihre besondere Konsulargerichte, weil sie auf dem Standpunkt standen, daß ein Europäer dem damaligen mittelalterlichen Recht dieser Staaten nicht unter worfen werden könne. Die Türkei und China haben ihr Gerichtswesen inzwischen modernisiert. Aber nun wird es wohl dahin kommen, daß die Kulturstaaten in Hitler- Deutschland eine eigne Konsulargerichtsbarkeit für ihre Staatsangehört gen fordern werden.... Die internationale sozialistische Konferenz in Paris hat folgende Kundgebung an die zivilisierte Welt beschlossen: Die Sozialistische Arbeiter- Internationale erhebt vor der ganzen Welt ihren leidenschaftlichen Protest gegen die sitler Barbarei. Sie sendet den mißhandelten Opfern des deutschen Faschismus, den Brüdern in den Ges fängnissen und in den Konzentrationss lagern, den ihrer Ernährer beraubten Frauen und Kins dern in Deutschland, sie sendet vor allem jenen heldens mütigen deutschen Genossen ihren brüderlichen Gruß, die, von Mißhandlungen und Folterungen bedroht, die sozialistische Idee in Deutschland lebendig erhalten. In brüderlicher Solidarität mit dem deutschen Volke ruft die Sozialistische Arbeiter- Internationale die Arbeiter und Völker der ganzen Welt zum Kampf auf gegen den Faschismus, den Todfeind der Arbeiterklasse, der Freiheit und des Friedens. Die Internationale Sozialistische Konferenz beschließt: 1. Alle sozialistischen Parteien haben in der Woche des 9. November. des Gedenktages der deutschen Revolution, Manifestationen gegen den Faschismus zu organisieren. 2. Alle sozialistischen Parteien werden ihre Solidarität mit den Opfern des Faschismus, mit den Frauen und Kindern der eingekerferten Genossen, mit den aus ihrer Heimat Vertriebenen bekunden, indem sie die Samm Inng für die Opfer des deutschen Faschiss mus, die durch den Matteotti- Fonds organisiert wers den, mit aller Kraft fördern. 8. Die SAF. unterstützt alle Bemühungen der moralischen Aechtung und des materiellen Boykotts der deuts schen Machthaber. 4. Die SAJ. fordert, daß alle freien Völker gegen die Be drohungen des Friedens durch den deutschen und italienis schen Faschismus zusammenwirken. Die SAJ. fordert, daß die demokratischen Regierungen alle den europäischen Frieden gefährdenden Fragen auf die Tagesordnung des Völkerbundes seßen, die der Sieg Hitlers in Deutschland aufwirft, insbesondere die Aufrüstung Deutschlands, das Vorgehen gegen Defter: reich und das Volk von Danzig, dessen verfassungsmäßige Freiheitsrechte international garantiert find. Die Konferenz nimmt die gemeinsame Resolution des JGB. und der SAJ. hinsichtlich des Kampfes gegen 02.0.10 2007 ben Krieg an. Sie anerkennt für Deutschland wie für alle Länder den Anspruch auf Gleichheit des Rechs tes und Pflichten, aber sie widersetzt sich jeder Wiederaufrüstung des kriegerischen Apparates, der das deutsche Volk niederhält. 5. Die SAJ. ruft zum& ampf gegen die durch den Sieg des Faschismus vervielfachte Kriegss gefahr. Die Arbeiter der demokratischen Länder dürfen fich zum Kriege auch nicht unter dem Vorwande verlocken lassen, daß der Krieg im Interesse der Befreiung der Völker vom Faschismus geführt werde; die Völker haben es erfahren, daß ein Krieg, als Freiheitskrieg gegen despotische Gewalten gerühmt, mit imperialistischen Friedensdiktaten endete, die in den besiegten Nationen den Nationalismus gestärkt und dadurch die Wieder: aufrichtung noch schlimmerer despotischer Gewalten her= beigeführt haben. Wenn trotz des unter der Führung des JGB. und der SAJ. erfolgenden Widerstandes der Arbeiterklasse der Krieg dennoch ausbrechen sollte, haben die Arbeiter der Pin den Krieg verwickelten Länder, selbst der angegriffenen Länder, dennoch die doppelte Pflicht: einerseits die völlige Unabhängigkeit und Aktionsfreiheit ihrer Orgas nisationen zu wahren, andererseits ihre Beziehungen zu den Internationalen aufrecht zu erhalten, um für die raschest mögliche Einstellung der Feindseligkeiten zu wirken. Die Konferenz ist überzeugt, daß die Bedrohung der Zivilisation der Menschheit durch den Aufs stieg des nationalistischen Faschismus Vereinheitlichung der internationalen Aftion, innigere Solidarität, engeren Zusammenschluß der Aktion der Arbeiter aller Länder erfordert. Indem die Konferenz alle Zugeständnisse an den Nationa lismus, jedes Paktieren mit ihm zurückweist, fordert fie im Namen der 30 Millionen Arbeitslosen in der Welt, im Na men der verelendeten Massen der Arbeiter und Angestellten, im Namen der ungezählten pauperisierten Kleinbürger und Bauern, im Namen der um ihr Recht auf Arbeit betrogenen Jugend, im Namen der aus ihren Wunden blutenden, ihrer Freiheit beraubten, an ihrer Menschenwürde geschändeten Opfer des Faschismus die Völker der Welt zum Kampf auf gegen die Barbarei des Faschismus und des Krieges und gegen ihre letzte Wurzel, die Barbarei der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Den Juden geschicht nichts!" 99 Neue wüste antisemitische Hetze Polizei Der Landespolizeipräsident gibt durch die Staatspressestelle folgende Warnung bekannt:" Die Meldungen mehren sich, daß in zahlreichen Pläßen in Hessen die Juden beginnen, die gebotene Zurückhaltung außer Acht zu lassen. Freche Aeußerungen gegen den nationalsozialistischen Staat und gegen einzelne Nationalsozialisten Versuche, sich deutschen Mädchen zu nähern und dergleichen, verursachen berechtigte Erregung in der deutschen Bevölkerung. Die politische Polizei ist hierdurch genötigt, die Schuldigen oder solche bekannte Juden, gegen die sich die Erregung richten könnte, in Polizeihaft zu nehmen, wie dies im Schußbezirk der Polizeidirektion Worms heute wieder der Fall gewesen ist. Allen Juden wird deshalb wieder dringend geraten, die selbstverständliche Zurückhaltung und die richtigen Formen zu wahren und ihre jüdischen Volksgenossen zu dem gleichen Verhalten zu veranlassen." Der Polizeibericht meldet aus Worms: Am 26. August wurde durch die Staatspolizeistelle in Worms und Umgebung eine größere Anzahl Juden in Polizei= haft genommen und dem Konzentrationslager Osthofen zugeführt. Diese Maßnahme war zur Abwehr notwendig, weil sich das Judentum in letzter Zeit in herausfordernder Weise gegen den Staat und seine Einrichtungen benahm. So ist es u. a. in der Nähe von Worms vorgekommen, daß Juden zwei SA.- Männer in Uniform angepöbelt und geschlagen haben. Ferner haben sich Juden erlaubt, durch Herausfordernde Redensarten den nationalsozialistischen Staat verächtlich zu machen. In letzter Zeit wurde auch wiederholt festgestellt, daß Juden sich an christlichen Mädchen in sittlicher Beziehung vergangen haben. Ein weiterer Grund zu dem Erlaß der getroffenen Maßnahme war der, daß nach der Lügenmeldung einer in Straßburg erschetnenden Zeitung 300 jüdische Familien sich im Konzentrationslager Osthofen befänden und dort den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt sein sollen. Die Polizeidirektion warnt legtmals vor unüberlegten Handlungen gegenüber dem Staat und seinen Einrichtungen. Im Wiederholungsfalle muß bei solchen Entartungen zu noch schärferen Maßnahmen gegriffen werden." In Bensheim wurde wie mitgeteilt wird- am Samstag ein jüdischer Einwohner nach Osthofen gebracht, weil er den Hitlergruß durch eine beleidigende Glossierung herabgewürdigt habe. Der internationale Sozialismus gegen den Antisemitismus Die Internationale sozialistische Konferenz hat folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Konferenz hält es für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf den engen Zusammenhang zu lenken, der zwischen der anwachsenden faschistischen Bewegung und dem Antisemitismus besteht. Wie das Beispiel Deutschlands zeigt, kann für die verarmenden Mittelschichten und die Intellektuellen gewisser Länder in der Zeit schwerer Krise die Aussicht, durch Aufhebung der nationalen Gleichberechtigung und gewaltsame Unterdrückung die Konkurrenz los zu werden, um ihre materielle Lage zu Wachsende Judenverfolgung Gericht Die Frankfurter Zeitung"( Nr. 641) schreibt: Wir berichteten bereits über den Aufruf des Führers des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes, Gau Kurhessen in welchem die Wahl nichtarischer Anwälte durch arische Prozeßparteien als mit den Grundsäßen völkischer Wiederaufbauarbeit für unvereinbar erklärt wurde. In diesem Aufruf war weiter gesagt worden, die nationalsozialistische Presse werde in Zukunft derartige Vorkommnisse veröffentlichen, damit die Prozeßparteien erkennen, daß die Wahrung ihrer Rechtsbelange durch deutsche Anwälte und Parteivertreter geboten sei. Die Hessische Volkswach t" ist jetzt tatsächlich dazu übergegangen, unter der Ueberschrift„ An deutschen Gerichten nur deutsche Anwälte" die Namen von solchen Prozeßparteien zu veröffentlichen, die sich nichtarischer Anwälte bedient haben. Als Einleitung schreibt die, Hessische Volkswacht" dazu:„ Im Anschluß an den Aufruf des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes, den wir am Freitag, dem 11. August, veröffentlichen, geben wir unseren Refern unten eine Aufstellung von einzelnen Prozeßparteien bekannt, die sich nicht schämten, jüdische Rechtsanwälte in Anspruch zu nehmen." Es folgt dann eine Aufstellung von mehr als dreißig Prozeßparteien mit Angabe des Aktenzeichens und mit Benennung der in Anspruch genommenen Rechtsanwälte. Einige der aufgeführten Anwälte sind wie uns aus Kassel mitgeteilt wird durch inzwischen erfolgte Entscheidung in der Liste der Anwälte gelöscht worden. Bei den meisten aber handelt es sich um solche Anwälte, die auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen als Altanwälte oder als Front= kämpfer zum Berufe ausdrücklich zugelassen blieben. Wir haben erst kürzlich( vgl.„ Neben dem Gesetz" in Nr. 623) darauf hingewiesen, daß solche Maßnahmen, die neben dem Gesetz erfolgen den nichtarischen Anwälten, welche doch ausdrücklich zur Ausübung des Berufs zugelassen wurden, die Betätigungsmöglichkeit in so einschneidender Weise beschränfen, daß vielen von ihnen damit auf die Dauer geradezu die Eristenzgrundlage entzogen werden müßte. Die Ausnahmebestimmungen des Arierparagraphen würden dadurch praktisch fast wirkungslos gemacht werden können. Es ist wohl nach wie vor nicht anzunehmen, daß dies die Absicht der Reichsregierung gewesen sein sollte, denn es ließe sich sonst ja nicht erklären, warum sie überhaupt Ausnahmebestimmungen getroffen hat. verbessern, zu einer großen Versuchung werden. Der durch gewissenlose Demagogie geschürte Rassenhaß fann jo zu einem gefährlichen Verbündeten der Reaktion und der Konterrevolution wer den, indem er breite Massen des Kleinbürgertums erfaßt und sogar Teile der Arbeiterschaft ansteckt. Der internationale Sozialismus, der immer gegen jede nationale und Raffenunterdrückung war, der immer alle reaks tionären Theorien und Illusionen bekämpft hat, als ob eine dauernde Besserung des verarmten Mittelstandes durch Rassenkampf erreicht werden könnte, muß in der gegenwär tigen Situation der drohenden faschistischen Gefahr und der Zuspigung der nationalen und Klaffengegensäße seine beson= dere Aufmerksamkeit dem sch är fit en Kampf gegen die das Bewußtsein der Massen vergiftende antisemitische Demagogie widmen. Dr. G. Sch.: Das deutsche Dumping und der Boykott Handelsbilanz und Devisenbestände : Die immer schärfere Wirkung des internationalen BoyTotts gegen den deutschen Export veranlaßt die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches" immer mehr zu einem von der Regierung geförderten und organisierten Dumping. Daß es sich hierbei um offizielle Richtlinien der deutschen AußenHandelspolitik und nicht etwa rur um gelegentliche Bemühungen einzelner Exporteure handelt, konnte bisher noch niemals so klar festgestellt werden, wie aus einer Aeußerung des amtlichen deutschen Wirtschaftsdienstes", der in seiner Nummer 81, Seite 1052, in einem Artifel über die Wege neuer deutscher Wirtschaftspolitik," der außerhalb DeutschIands garnicht aufmerksam genug beachtet werden kann, folgendes schreibt: " Die fremden Länder können uns unsere Kolonien wegnehmen, aber sie können uns nicht zwingen, nun gutwillig zu hungern. Mit dieser Wegnahme geben sie uns das Recht, zu dumpen, um so mehr, als das heute ja auch das einzige Mittel ist, das uns instand seßt, so große Ausfuhrüberschüsse au erzielen, daß wir unsere Auslandsschulden verringern und abtragen tönnen. Jede Milliarde Reichsmart Ausfuhrsteigerung schafft für etwa eine halbe Million Arbeitsloser Arbeit. Diese halbe Million Arbeitsloser kostet uns, da man ja zunächst vor allem Familienväter wiederbeschäftigen wird, die Emp fänger von Zuschlagsunterstügung sind, mindestens 300 Millionen Reichsmart Unterstügung. Eine Milliarde NM. Ausfuhrsteigerung bedeutet weiter für die öffentlichen Nas sen an Steuern, Sozialabgaben usw. eine Mehreinnahme von kaum unter 200 Mill. RM. Unsere finanzielle Lage verschlechtert sich also nicht, wenn wir für jeden Mehr: export 50 Prozent Ausfuhrprämie gewähren. Auch dann bleibt noch der Gewinn, daß eine halbe Million Menschen den zerstörenden Wirkungen des erzwungenen Nichtstuns entzogen wird. Wir können den Export noch weiter begünstigen durch Verbindung des zusäglichen Exportes mit der Schuldentilgung. Diesen Weg der rücksichtss losen Förderung der Ausfuhrsteigerung sollten wir unges säumt beschreiten." Wenn der deutsche Erport in der ersten Hälfte dieses Jahres selbst nach den zweifellos start torrigierten Ziffern der amtlichen deutschen Statistik unter Berücksichtigung der Preisverschiebungen eine Verminderung des Aktivsaldos um nicht weniger als 63 Prozent aufweist, so wird man bei Kenntnis der neuen Grundsäße der deutschen Handelsstati= ftit sicherlich nicht zu weit gehen, wenn man überzeugt ist, daß schon jetzt im dritten Quartal in Wirklichkeit von einem Ausfuhrüberschuß nicht mehr gesprochen werden fann und daß es sich höchstens noch darum handelt, den Einfuhrsaldo nicht allzu start anwachsen zu lassen. Hier beginnen sich übrigens zum ersten Male die statistischen Fälschungen zu rächen, denn man wird schon aus taftischen Erwägungen und mit Rücksicht auf die Auslandsgläubiger faum noch lange die Fiktion eines Ausfuhrüberschusses aufrecht erhalten können und wollen, während in Wirklichkeit ein Manko der Handelsbilanz ständig weiter an den geringen Resten der deutschen Devisenbestände zehrt. * Die Gefahr, daß die wirkliche Höhe der Notendeckung der Internationalen Oeffentlichkeit bekannt wird, kann durch die Manipulationen der Außenhandelsstatistik nur näher gerückt werden, denn die Finanzwelt weiß recht genau, daß Herr Dr. Schacht nach der Machtergreifung Hitlers die Reichsbank mit einer Notendeckung von zirka 30 Prozent übernommen hat, während sie sich jetzt, selbst nach den amtlichen Angaben, nur noch auf ein Viertel oder ein Drittel der damaligen Höhe stellt. Trotz der Einrichtung von sechs oder sieben verschiedenen Mark- Währungen, von denen die eine faum mehr von der anderen unterschieden werden kann, dürfte der Zeitpunkt, an dem sich die tatsächliche Höhe der Notenzirkulation und des Deckungsbestandes nicht mehr weiter verschleiern läßt, recht nahe gerückt sein und die Folgen für die internationale Kursgestaltung der deutschen Valuta wären von diesem Augenblick an für die deutsche Wirtschaft recht unerwünscht. Wenn es nach den letzten Angaben der deutschen Handelsbilanz und noch mehr nach denjenigen der französischen, englischen und tschechoslowakischen Außenhandelsstatistik für die letzten Monate objektiv feinem Zweifel mehr unterliegen kann, daß der Boykott gegen die deutsche Ausfuhr jetzt von Woche zu Woche stärker wirkt, so geben doch grade diese Ergebnisse von neuem Anlaß, uns zu lehren, in wie hohem Maße auch noch weiterhin deutsche Waren auf dem Weltmarkte ersetzt werden können. Die schmetchelnde, aber gefährliche These, daß es für den Export deutscher Fertigwaren schlechterdings überhaupt keinen Ersatz gibt, ist bereits durch die Entwicklung der letzten Monate einwandfrei desavoniert worden, und diese Entwicklung ist noch nicht beendigt. Im deutschen Fertigwaren- Export für das erste Halbjahr 1933 steht noch immer die Gruppe der Eisenwaren im Werte von 348,9( gegen 488,7 Mill. RM. im ersten Halbjahr 1982) an der Spipe. In einzelnen Artikeln sind hier bereits Rückgänge des Ausfuhrwertes bis zu 25 und selbst 30 Prozent erfolgt, wie z. B. bei Stab- und Formeisen, Kesseln, Maschinenteilen, Blech und Draht usw. Auf anderen Gebieten, wie bei der Ausfuhr von Röhren und Walzen, von Messerschmiedewaren, Werkzeugen und landwirtschaftlichen Gerä ten hingegen ist bisher faum ein nennenswerter Rückgang zu verzeichnen. Hier dürften England, Belgien, die Tschechoslowakei, Polen, Desterreich und Schweden am ehesten in der Lage sein, große Teile der deutschen Absazmärkte bei den durch den Boykott gewährten Erleichterungen zu erobern. Aehnlich liegen die Dinge bei der deutschen Maschinenausfuhr, die allerdings bereits noch schärfer( von 405,2 auf 244,5 Mill. RM.) zurückgegangen ist. So hat sich z. B. der Export elektrischer Maschinen von 44,5 auf 16,0 Mill. RM. vermindert. In Textil- und Werkzeugmaschinen ist die deutsche Ausfuhr mit 38,3 bzw. 79,6 Mill. RM. noch immer relativ hoch und auch hier dürften sich für etwa die gleichen Länder, die bereits beim Eisenwaren- Export genannt wurden, beträchtliche Möglichkeiten ergeben. Wesentlich geringer waren bisher die Rückgänge beim deutschen Textilwaren- Export, dessen Wert sich von 323,3 auf 273,0 Mill. RM. vermindert hat. Hier dürfte besonders die Ausfuhr von Kunstseide und Florettseidengarnen, diejenige von seidenen und kunstseidenen Geweben, aber auch die von Woll- und Baumwollstoffen sowie die Kleider- und Wäsche ausfuhr zugunsten anderer großer Textileɣportländer Wäscheausfuhr noch stark zu umfämpfen sein. England, die Tschechoslowatet und Polen, aber auch Frankreich, Italien und Spanien kommen für diese Märkte besonders in Betracht. Die deutsche Ausfuhr von Chemikalien und pharmazeutischen Produkten hat sich im ersten Halbjahr 1933 nur von 323,0 auf 309,0 Mill. RM. vermindert. Für Frankreich, England und die Tschechoslowakei, die hier bereits vielfach im scharfen Wettbewerb mit dem deutschen Export stehen, kommtnaturgemäß sehr viel auf die freiwillige Mitwirkung des Konsumentenpublifums an. Ohne Zweifel ist beispielsweise beim Export pharmazeutischer Fabrikate der Kampf hier aus den bekannten Gründen schwieriger als auf manchem anderen Gebiet. Andererseits sind aber gerade bei den Arzneimitteln, bei denen die Mitarbeit der Aerzteschaft und der ApothekerKunden eine große Rolle spielt, die psychologischen Einwir fungsmöglichkeiten durch die Propaganda usw. besonders groß. Recht beträchtlich sind bisher schon die Exportrückgänge für deutsche Glas- und Porzellanwaren und für die Erzeugnisse der Feinmechanit, in denen die Schweiz, Frankreich und die Tschechoslowakei bereits beträchtliche Erfolge gegenüber deutschen Offerten erzielt haben. Auch hier lassen sich aber diese ersten Erfolge noch erheblich ausbauen, ebenso wie auch am Markt für Kinderspielzeug, an dem die Tschechoslowakei jetzt immer schärfer in aussichtsreichen Wettbewerb mit dem deutschen Export tritt. Im Gegensatz zum ersten Quartal stand jedenfalls das zweite schon ganz deutlich im Zeichen immer stärkerer Rückwirkungen des internationalen Boykotts auf die deutsche Warenausfuhr. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß das laufende dritte Quartal 1933 eine allgemeine Vertiefung dieser ersten erfolgreichen Wirkungen bringen dürfte. Boykott- Praxis Die gewerkschaftliche Aktion gegen HitlerDeutschland ( JGB.) Nachdem der Internationale Gewerkschaftskon greß in Brüssel den allgemeinen Boykott deutscher Waren beschlossen hat und so die Aftion gegen Hitler- Deutschland zu einem Vorgehen aller angeschlossenen Organisationen geworden ist, befassen sich die verschiedenen Landeszentralen wie schon der Beschluß vorsah ie nach den vorhandenen Möglichkeiten" mit jenen Maßnahmen, die unverzüglich getroffen werden müssen, um den Boykott wirkungsvoll zu ge= stalten". Es zeigt sich dabei, daß die Wendung„ ie nach den vorhandenen Möglichkeiten" nicht eine Einschränkung bedeutet, sondern den Spielraum der Aktion erweitert. Dies zeigt allein schon die Tatsache, daß z. B. auch die Internationale der Lehter, die allein in Frankreich 80 000 Mitglieder zählt, sich in hrer in Amsterdam abgehaltenen Egefutiv- Sizung für den Anschluß an die Boykottbewegung ausgesprochen hat. In einzelnen Ländern ist bereits ein Boykott gegen die faschistischen Filme im Gange, was einer Erweiterung des wirtschaftlichen Boykotts zum moralischen Boykott' gleich kommt, in anderen Ländern wird gründlich untersucht, wie über die Arbeiterschaft hinaus die breiten Massen der Oeffentlichkeit für den Boykott gewonnen werden können ..Immer besser und besser!" Die Lüge von der abnehmenden Arbeitslosigkeit forzheim, 30. Aug.( Eig. Ber.) In der Pforzheimer Exportindustrie lassen sich bekanntlich die Täuschungsmanöver nicht durchführen, wie sie zur Bes kämpfung der Arbeitslosigkeit" in den östlichen Provinzen durchgeführt worden sind. Der Erfolg zeigt sich jetzt in dem amtlichen Bericht über die Entwicklung der Arbeitsmarkts lage. Der Bezirk Pforzheim zählt danach nicht weniger als 60( fechzig) Prozent Zunahme der Arbeitslosigkeit! Der gleichgeschalteten Presse ist es selbstverständlich unters Yagt, über diese Folge der hitlerschen Wirtschaftspolitik zu berichten. Ebenso wird man vergebens danach suchen, die Meinung der Wirtschaftler jenes Bezirkes in den Zeitungen wiedergegeben zu finden, die sich hartnädig gegen Experis mente stränben, wie sie jezt beabsichtigt sind. Man will zu= nächst einmal nach bewährtem Muster alle nichtgleichgeschal teten Arbeiter auf die Straße werfen- stößt dabei aber auf die Schwierigkeit, daß die Pforzheimer Industrie Qualis täts- und Facharbeiter braucht! Angesichts der Widerstände, die sich gezeigt haben, droht man jetzt jedem das Konzentrationslager an, der sich diesem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" wibersege. Aber SS. und SA. und das übrige gelbe Kroppzeug sind nun einmal feine„ Qualitätsarbeiter" ausgenommen im Morden und Quäleni Blerausfuhr schrumpit Die rückläufige Bewegung, die sich seit langem im Bieregport zeigt, hat sich auch für den Monat Juli fortgesetzt, in dem insgesamt 24 368 Hektoliter Bier ausgeführt wurden gegen 24 831 Heftoliter im Vormonat und 26 388 Hektoliter im Juli 1982, Auch die Einfuhr erfuhr eine Schrumpfung, und zwar verminderte sich die Einfuhr von 8938 Heftoliter im Juli 1982 auf 2803 Hektoliter, im Juli 1983 gegen 8301 Hektoliter im Vormonat. In der Zeit vom Januar bis Juli 1933 wurden 137 359 Hektoliter Bier gegen 179 401 Hektoliter in der gleichen Zeit des Vorjahres ausgeführt. Die Einfuhr betrug in diesem Zeitraum 28 944 Hektoliter bzw. 33 568 hektoliter. Die Hoffnung, daß die Aufhebung der Prohibition in Nordamerika das deutsche Biergeschäft beleben werde, haben fich also nicht erfüllt. mp A biss'l zappelts no, die Mark, aber glei wird ers ganz derschlag'n hab'n! DOLLAR FUND FRANK 5 J MARK 40 " Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit"* Donnerstag, den 31. August 1933* Ereignisse und Geschichten Schmach und Rache Zweihundert Jahre alte Erinnerungen Studium der Geschichte mag als Flucht aus der Gegenwart erscheinen. Aber wer nicht nur mit falter Gelehrsamkeit an die alten Zeiten herangeht, wird immer wieder in die JebtBeit zurückgeschleudert, ob er will oder nicht. Vielleicht ist es nicht ohne Nußen, gerade in einer Epoche, die das Ende aller liberalistischen Ideen" behauptet, den Aufgang dieser Jdeen über der Dunkelheit barbarischer Zeiten noch einmal innerlich zu erleben. In diesem Sinne nahmen wir die- vor einem Jahrzehnt in Deutschland erschienene- Boltaire= Voltaire Biografie des großen Dänen Georg Brandes zur Hand. Und wir stießen auf gräßliche Demütigungen des freten Geistes, der sich unter Qualen aus mittelalterlicher Finsternis emporzuringen sucht, auf immer erneute Roheitstaten des bornierten Machtdünfels, die wir vor einigen Jahren noch als typisch für die Zeit des Absolutismus bezeichnet hätten, heute freilich...? Es lohnt, ein paar Exempel davon zu refapitulieren: Im Jahre 1725/26 zieht sich Voltaire, der bereits gefeierte dieißigjährige Dichter, den Haß eines Magnaten aus einer der vornehmsten französischen Familien, des Ritters von Rohan Chabot zu. Als Boltaire bei dem Herzog von Sully, seinem hochadligen Gönner, speist, wird er vor die Tür gebeten. Draußen warten sechs Lataien Rohans, die mit Stöcken über den Ahnungslosen herfallen und ihm unter Aufsicht ihres sich entfernt haltenden Herrn barbarisch verprügeln. " Stellungnahme der Welt hierzu: die unmittelbaren Su schauer der Szene amüsieren sich köstlich. Als der adlige Nohling seine Lakaien vermahnt, Voltaire nicht auf den Kopf zu schlagen, denn aus diesem fönne immerhin etwas Gutes fommen," da sind die Umstehenden ganz gerührt über die Güte" des Herrn. Der Herzog von Sully, Voltaires Gastgeber, lehnt es, wie Brandes schreibt, mit würdeloser und empörender Vorsicht ab," sich gegen den vornehmen Schänder seines Gastes zu wenden, den der Herzog seit zehn Jahren seinen Freund nennt! Eine mächtige Familie wie die Rohans macht man sich nicht um eines bürgerlichen Literaten willen zum Feinde. So denken auch die übrigen, Voltaire selber, der sich bei dem feige tneifenden Rohan persönliche Genugtuung nach der damals gültigen Ehrauffassung zu verschaffen sucht, wird durch einen lettre de cachet, durch einen Schußhaftbefehl" so würden wir es heute. so würden wir es heute in die Bastille geworfen und nach wochenlanger Haft nur gegen die Verpflichtung freigelassen, in die Verbannung zu gehen. Dem adligen Rohling passiert nichts. nennen Einige Kapitel später lesen wir die Tragödie einer Freundin Voltaires, der edlen und hochbegabten Adrienne Recouvreur. Diese, die erste Schauspielerin ihrer Zeit, war die Geliebte eines Mannes, der bald darauf als Feldherr Ludwigs XV. berühmt werden sollte, des Marschall Moritz von Sachsen. Die Herzogin von Bouillon, wegen des Prinzen auf die Schauspielerin eifersüchtig, versucht diese durch Gift zu beseitigen. Zu diesem Zweck wird ein neunzehn jähriger buckliger junger Mensch gedungen, der als Porträt Macx maler bei Adrienne Eingang finden und ihr das Gift beibringen soll. Von Gewissensbiffen gequält, warnt der junge Mann jedoch das Opfer mit dem Erfolg, daß er selber eingeferfert wird. Rurze Zeit darauf stirbt Adrienne Lecouvreur unter mysteriösen Umständen, offenbar ist es der Herzogin gelungen, auf anderem Wege ihren Mordplan zu verwirklichen. Die Leiche wird von der Polizei bei Nacht und Nebel auf einer Abfallstätte verscharrt und in ungelöschtem Stalt gebettet, wodurch jede Obduktion unmög= lich gemacht wird. Als Vorwand für dieses grauenvolle Verfahren dient der Umstand, daß Adrienne Lecouvreur als Schauspielerin das ist für damalige Zeit als Ausüberin eines ärgerniserregenden" Berufes, auf ein ehrliches Begräbnis teinen Anspruch hat!, Der erwähnte junge Mann bleibt zwei Jahre in Haft, bis man aus ihm das Geständnis erpreßt hat, daß er die Giftmordanstiftung durch die Herzogin nur erfunden" habe. Die Herzogin von Bouillon, zwar Giftmörderin, gleichzeitig jedoch eine der vornehmsten Damen des Hofes, bleibt selbstverständlich gänzlich unbehelligt. Unter den Wissenden, die den Mund halten und keinen Finger rühren, um den Mord an der Adrienne Lecouvreur zu rächen, befindet befindet sich auch ihr Geliebter, der Marschall von Sachsen, der tapfere Krieger und große Feldherr! Vor ein paar Jahren hatte er es gnädig hingenommen, daß Adrienne ihr Vermögen opferte, um feine ehrgeizigen Pläne auf den Herzogsthron von Kurland zu unterstüßen. Aber jest! Er, wenn auch allegitime- Sohn des Königs von Sachsen, wird doch nicht für eine tote, bürgerliche Schauspielerin die Feindschaft einer lebenden, hocheinflußreichen Herzogin von Bouillon und ihres höfischen Anhanges riskieren! der Das Lied von den Rassen Von Wenzel Sladek Der weiße Mann, der schwarze Mann, der gelbe. fie schuften und sie fronen um dasselbe. Ein Stückchen Brot, ein bißchen Geld erwirbt man schwer in dieser Welt, ob frumm die Nas, ob blond das Haar, was man verzehrt, bezahlt man bar. Kredit wird nicht gegeben im Leben, im Leben! Der weiße Mann, der schwarze Mann, der gelbe, hat einen Feind und immer ists derselbe. Maschinenherr und Bankbaron zahlt jedem schwer den schmalen Lohn, ob weiß das Fell, ob schwarz die Haut, wer nicht pariert, wird abgebaut und jedermann muß dienen: Maschinen, Maschinen. Der weiße Mann, der schwarze Mann, der gelbe, fie haben einen Feind, er ist derselbe; ob nordisch rein, ob schwarz gebrannt, ob Fürstensohn, ob Fabrikfant, im Geldverdienen fromm vereint erkennen sie den einen Feind und zwingen ihn den Rücken zu bücken, zu bücken. Der weiße Mann, der schwarze Mann, der gelbe, fie stehn im gleichen Kampfe um dasselbe, um Arbeitsplaß, um wenig Geld und um die Freiheit in der Welt, die allen Raffen raffend stahl das rassisch kalte KapitalKredit wird nicht gegeben im Leben, im Leben! So sab der Alltag vor zweihundert Jahren aus. Die Geschändete ,, Büchergilde" Prügel an Voltaire, die Ermordung der Adrienne Lecouvreur und tausendfache ähnliche Erniedrigungen des Geistes, sie wurden nicht gerächt... Nicht? Nicht zu Lebzetten Voltaires, obwohl dieser ein Alter von dreiundachtzig Jahreк erreichte. Aber bald nach seinem Tode brach jene fran= zösische Revolution aus, in der die Köpfe des französischen Adels flogen, und als einer ihrer großen geistigen Bahnbrecher wird heute noch der Name Voltaires genannt. Die Stockprügel, die der Ritter von Rohan im Februar 1726 durch seine Lakaien an Voltaire verabreichen ließ, haben einige sechzig Jahre später Dußenden von Rohans das Leben gekostet. Bielleicht befriedigt dieser Verlauf das individualistische Gerechtigkeitsbedürfnis nicht in allen Stücken. Aber es lehrt doch eins: im Geist lebt eine ungeheure Kraft der Vergeltung und Ueberwindung, eine Kraft, die noch nach Menschenaltern sich Bahn bricht. Wehe denen, die in verblendeter Roheit meinen, den Geist ungestraft foltern zu können, weil der Körper, der ihn beherbergt, schwächer ist als der ihre. Die heutige Geschichte arbeitet rascher als die vergangene, und nicht immer dauert es sechzig und siebzig Jahre bis zum Tage der Vergeltung. Von einem nichtmarxisten Seine Gestalt steht wie ein Turm über denen, die sie heute bespeien. Sie haben sein Geburtshaus besetzt und über ihm ihr Greuelzeichen gehißt. Sie haben die Tafel entfernt, die an ihn erinnern sollte. Sie verbrennen seine Schriften oder schließen sie in ben Giftschrank" ihrer Bibliotheken. Sie möchten am liebsten seinen Namen von der Erde tilgen. So taten ihre Vorgänger auch: fanatische Mönche und Rezerrichter an den Zeugen der Wahrheit. So tat man in Indien an Buddhas Spuren. So verfuhren Heiden mit Christen. So taten Christen mit Giordano Bruno. So wäre es Rousseau ergangen bei lebendigem Leibe, wenn ihn der Henter erwischt hätte. Armselige Naturen, die Geschichte hat ihr Urteil über euch längst gesprochen. Verblendete Jünglinge: mit Musik und Fackeln zieht ihr heute zu solchen Massenhinrichtungen, Scheiterhaufen, darauf das Herz der Menschheit brennt. Mary! Er wuchs hervor aus titanischem Geschlecht, Geschlecht von Denkern, deren Sprache ihr nicht wert seid zu sprechen. Sie sahen zum Himmel, er zur Erde. Er sah den Mühenden, den Sklaven, den Mann an der Maschine. Und sein Herz ward erfaßt von Mitleid, seine Zunge von Ingrimm. Da sprach und schrieb er das Wort vom Kapital, das mit blutigen Klauen auf die Welt kommt. Er sah die Kinder im Frondienst, ihre blassen ausgemergelten Gestalten in den englischen Fabriken, in Webereien, Bergwerfen eine Schande der Menschheit. Und er begann zu denken. Die Erde dachte in ihm voll Scham an ihre Kinder. An all ihre Gefesselten, und wie anders es doch sein könne, wenn alle den Ertrag ihrer Arbeit brüderlich teilten und verwalteten. Er dachte Geschichte. Dachte er sie mahr? Ueberall sah er Herrschende und Beherrschte miteinander fämpfen, Klassen emporsteigen und andere ausbeuten. Er träumte die klassenlose Gesellschaft. Ein Traum? Die Arbeiter sollten sie erringen. Eine letzte Diktatur sollte alle früheren ablösen und dann sich selber aufheben. Wahrheit oder Irrtum, wie ers dachte ein Reich der Gerechtigkeit soll uns doch werden. Dies erflehen, dies schwören wir. Marg tannte feinen Gott. Aber er sah den Gott, der in der Geschichte schaltet. Er spürte ihn in Menschenherzen. Diese große Seele war frömmer als viele, die ihn täglich mit Lippen bekennen und den Greuel der Kriege, diese Ueber den ehemaligen Kommunisten, späteren Sozialdemokraten, heutigen Nazi Max Barthel ist schon genug geschrieben worden. Das Urteil über ihn ist allgemein. Jetzt hat man ihn für den Verrat belohnt. Die einst so prachtvolle Büchergilde" hat ihn, den„ Gleichgeschalteten", zum Leftor, zum Schriftleiter auch der Monatszeitschrift bestimmt. Da geistert er:„ Der neue Mensch in Deutschland ist auf dem Marsch; der soldatische Mensch!" Und Barthel ist General geworden. Hurra! An die Seite stellt sich diesem Renegaten ein zweiter. Der Leipziger Lehrer Paul Georg Münch. Er hat einmal als Schulreformer gegolten. Und als solcher bekam er durch die marxistische Büchergilde" Gelegenheit, seine Bücher zu verbreiten:„ Mein frohes Völkchen“ und„ Wie ich sie wiedersah". Die„ Büchergilde" gab diesem Sozialisten" auch die Möglichkeit, für seine Bücher zu werben. In den Gildenversammlungen des In- und Auslandes hielt er seine launigen Vorträge. Er hat seine Vergangenheit begraben, in der er nur an der Seite der Marristen und mit deren Unterstützung seine schulischen Experimente wagen fonnte. Jest aber schreibt dieser Held in dem Heft der nationalsozialistischen „ Büchergilde": „ Was die beiden jungen, starkwilligen Pestalozzijünger von einem stockkonservativen Schlotgutbaron und von den ihm geistig hörigen Bauern erdulden mußten, ehe sie in den Nationalsozialisten die rettenden Helfer fanden, ist von ergreifender Tragit! Nur wer die ländlichen Verhältnisse und die Einstellung der meisten Großgrundbesitzer zu Schule und Volkstum und sozialen Fragen fennt, wird es verstehen, warum die Landlehrer schon SA.- Leute waren, als wir Stadtlehrer noch das Für und Wider erwogen!" Die herrliche Büchergilde daß sie so beschmutzt werden muß. Alles Edle, das einst der Sozialismus in Deutschland errichtet hat es hat das gleiche Schicksal: Auf den Scheiterhaufen! Oder auf den Misthaufen, der gebildet ist von den Urkräften" der Verräter und Heuchler und Geschäftemacher. Dauerfron der Menschheit, preisen und still Schweigen zur Sie treten zum Beten Barbarei um sie her. Diese große Seele lebt. „ Marrismus“ mag vergehen, wie aller„ Ismus". Barteiung mag vergehen. Sollte der Mensch vergehen? Ihr Tiere, euer Gefläff am Fuße seines Denkmals, das länger dauert als die Steine, die ihr euren Rottenführern setzt, wird euch noch um die eignen Ohren tönen, lange, daß ihrs noch verwünschen sollt! Und in eurem Gespei werdet ihr schier ertrinken. Ihr rüstet anderen die Hölle, Menschenfreunden, brennt und sengt. In eben diesen Flammen werdet ihr umfommen. Und ihr könnt noch froh sein, wenn ein wahrer, nicht fehlerloser, Mensch für euch, armselig Bolt, bittet und euer etliche zur Wahrheit kommen läßt. Wahr ist die Menschenliebe. Marr, du Freund des Armen, wir grüßen dich, obwohl wir nicht von deiner Parteiung sind! Da ist Freiheit, wo du leben darfst, wie es dem tapfern Herzen gefällt; wo du in den Sitten und Weisen und Geseßen der Väter leben darfst; wo dich beglückt, was schon deinen Ureltervater beglüdte; wo teine fremden Henker über dich gebieten und feine fremden Treiber dich treiben, wie man das Vieh mit dem Stecken treibt. Ernst Moritz Arndt. vor die Filmtheaterkasse In den Berliner Kammersälen fand dieser Tage die feierliche Vereidigung der Berliner NS.- Zellenmitglieder des Reichsverbandes deutscher Lichtspieltheaterbesitzer statt. Nach Begrüßungsworten des Berlin- Brandenburger Zellenobmanns Simon und dem Fahneneinmarsch nahm der Reichsverbandsvorsißende Engels fura das Wort, der u. a. betonte, daß der deutsche Film dem deutschen Volke nur durch Deutsche vermittelt werden darf. Den Vereidigungsaft leitete der Reichszellenleiter Johnson mit einer Ansprache ein. Wer nicht ehrlichen Willens alle seine Kraft für den Aufbau eines neuen Deutschland einsetzen zu können glaubt, der bleibe besser der Zelle fern. Die Musik spielt:„ Wir treten zum Beten", die Hände heben sich zum Schwur, den der Reichszellenleiter vorspricht. Dann legt jeder der 200 Männer die Hand aufs Hafenkreuztuch, mit Wort und Handschlag sein„ Ich gelobe" feierlich beeidend... Aus Deutschland vertrieben In der Schweiz aufgenommen Nach Basel wurden berufen: Dr. Alwin Kronacher, der frühere Intendant des Schauspielhauses in Frankfurt am Main, als Schauspieldirektor am Stadttheater; der Berliner Schauspieler Hermann Vallentin als Regisseur daselbst; der bisherige Regisseur am Frankfurter Opernhaus, Dr. Herbert Graf, als Oberregisseur der Oper. DAS BUNTE BLATT NUMMER 62= 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE DONNERSTAG, DEN 31. AUGUST 1933 Kanada Dort, wo die Menschen nochi frofi sind... Als Maisonneuf im Frühling 1648 endlich nach vielmonatelanger Fahrt die Insel zwischen den beiden Strömen, dem Sankt Lorenz und dem Ottawa, erreicht und sein kleines Detachement ausgeschifft hatte, errichtete er zwischen den Bäumen ein Kreuz und einen Altar, um als erstes die Besitzergreifung des neuen Landes durch eine heilige Messe zu weihen. Es waren ein paar Dußend Soldaten und Bauern, die Maisonneuf begleiteten, ein Mädchen und ein Priester. Bis die kleine Schar die ersten Gerätschaften und Vorräte ausgeladen hatte und der Altar stand, war es Abend geworden. Auf dem Wasser des großen Stromes, der irgendwoher aus dem Unbekannten floß, lag der Widerschein der untergehenden Sonne, die auch die Stämme des Waldes rotgolden färbte, des Waldes, der gleichfalls bis in die Unendlichkeit sich fortzuseßen schien, und der voller Schrecken des Unerforschten lag. Man zündete Fackeln an. In ihrem Scheine las Pater Vimont die Messe. Vor ihm leuchteten als ewiges Licht vor dem Muttergottesbild ein paar Glühwürmchen, die man in eine Flasche gesperrt. Der Heiligen Mutter Gottes war die Siedlung geweiht, die hier entstehen sollte. Ville Marie hieß zuerst, was sich später zur Millionenstadt Montreal entwidelte. Als die Messe zu Ende, wandte sich der Pater an die tniende Schar, die auf das große Abenteuer ausgezogen war in die unbekannte Wildnis, um dem König von Frankreich neues Land und der Kirche neue Gläubige zu gewinnen. " Ihr seid wie ein Samenkorn," sagte der Priester, das wachsen wird, bis seine Zweige die Erde beschatten. Ihr seid wenige, aber dies Werk ist das Werk Gottes. Sein Lächeln ruht auf Euch, und Euer Werk wird das Land füllen." Einstweilen sah es allerdings nicht so aus, als ob diese glorreiche Prophezeiung in Erfüllung gehen sollte. Das Volt, auf dem angeblich das Lächeln Gottes ruhte, hatte nichts zu lachen. Zwar gelang es in aller Eile, ein kleines Fort und eine Palisadenumfassung zu errichten, ehe die Jrokesen von der Landung Wind bekamen. So entging man dem ersten gefährlichen Ueberall. Aber wie hungrige Hyänen umschlichen die Indianer Tag und Nacht die Siedlung, und nur ununterbrochene, niemals nachlassende Wachsamkeit bewahrte die Siedler vor dem Massaker. Dazu tamen all die Entbehrungen der ersten Zeit, vor allem der furchtbar lange und strenge Winter, gegen den man zuerst ungenügend gerüstet war. Und als sich die Franzosen am St. Lorenz einigermaßen eingerichtet, begann der ununterbrochene Kampf mit den Engländern, die schließlich mit dem Niederholen der Lilien Frant reichs und dem Hissen des Union Jack endete. Aber die andere Hälfte der Vimontschen Prophezeiung ging in Erfüllung. Aus den wenigen wurden viele. Aus den paar hundert Männern und Frauen, die das Neue Frankreich gründeten, wurde ein Baum, der zwar nicht die Erde überschattete, aber doch den Sankt Lorenz und das östliche Kanada. Die ungefähr drei Millionen französischen Blutes und französischer Sprache, die heute in Kanada wohnen, und die ungefähr fünf Millionen, die man in Nordamerika zählt, entstammen so gut wie restlos den wenigen tausend Franzosen, die im 17. Jahrhundert nach Neu- Frankreich auswanderten. Die Franzosen waren zu feiner Epoche ihrer Geschichte große Emigranten. Auch für das Neu- Frankreich hatte man lange keine Siedlungswilligen auftreiben können. So versuchte man es zuerst mit Sträflingen. Nur einem Zufall oder war es eine Fügung? verdankte Kanada, daß es nicht gleich Australien als Sträflingsfolonie begründet wurde. Gleich nach der Entdeckung des Sankt Lorenz durch Cartier hatte man den Seigneur de Roberval mit einer Schar Sträflinge ausgeschickt, die als Kolonisten angesiedelt werden sollten. Gleich die erste Ueberwinterung aber rieb fast die ganze Expedition auf, so daß Roberval sich zur Rückfehr entschloß. Ebenso kläglich scheiterte der zweite Versuch unter La Rochelle. Und dann? Ja, dann wurde Kanada einfach verDichter- Anekdoten Die Probe Lessing besaß einen Bedienten, dessen Treue man ihm verdächtigte. Lange Zeit war Leffing ohne Argwohn, bis er endlich sich entschloß, den Menschen auf die Probe zu stellen. Er erzählte seinem Freunde, er habe auf dem Tisch Geld liegen lassen, um nachzuprüfen, ob der Verdacht begründet sei.„ Haben Sie das Geld aber auch gezählt?" fragte der Freund, der Lessings Zerstreutheit kannte. Lessing sah ihn betroffen an, er hatte wahrhaftig vergessen, das Geld abzuzählen. Grabbe Christian Grabbe neigte bekanntlich sehr zur Trunkenheit; er tranf nächtens und schlief viel am Tage. Eines Tages ermahnte ihn seine Wirtin: " Wie, schämt sich nicht ein Mann, so spät noch zu schlafen, die Sonne ist schon sechs Stunden aufgegangen?" Grabbe erwiderte: „ Ein schöner Vergleich! Die Sonne hat sich gestern abend um 8 Uhr zur Ruhe begeben, und ich ging erst um 3 Uhr morgens zu Bett." Der Autor Jean Paul kam einst auf einer Reise an das Tor einer fleinen Stadt. Der Korporal der Torwache fragte ihn nach gessen, bis der Kolonisationsgedanke unter Heinrich dem Vierten neu aufflammte und Champlain und Maisonneuf Quebec und Montreal gründeten. Diesmal waren es freie Männer, die in die Neue Welt hinausgingen. Aber es waren ihrer nicht sehr viele. Und auch die folgenden Jahrzehnte wurde es nicht viel mehr. Die Besiedlung Kanadas blieb ausschließlich eine Angelegenheit Nordwestfrankreichs. Normannen, in denen noch etwas von der Abenteurerlust der alten Wifinger lebte, waren es hauptsächlich, die an den Sankt Lorenz auswanderten. Alles in allem werden es kaum mehr als 20 000 Menschen gewesen sein. Bis zur Beendigung des englisch- französischen Kolonialfrieges war die Bevölkerung des französischen Amerika auf 60 000 bis 70 000 angewachsen. Diese 60 000 bis 70 000 Menschen sind die Stammväter aller Frankofanadier, ja aller Amerifaner französischen Blutes; denn mit der Unterzeich nung des Friedens hörte nicht nur jede weitere Einwanderung aus Frankreich auf, sondern überhaupt jegliche Beziehung zum Mutterlande. Und auch als aus der britischen Kolonie das freie Dominium wurde und aus allen Ländern Europas ein Strom von Einwanderern sich nach Kanada ergoß, schickte die alte Heimat nur wenige tausend Siedler. So ergibt sich die frankofanadische Bevölkerung als das Resultat einer wirklich verblüffenden Fruchtbarkeit. Rechnet man sich die Vermehrung der Kanadier durch, so kommt man auf einen alljährlichen Zuwachs von 50 Prozent. Lange Zeit war Französisch- Kanada das Land der größten Fruchtbarkeit, während das Mutterland das der größten Steriltät war Heute haben sich die Verhältnisse etwas geändert. Frankreich ist nicht mehr so steril, zum mindesten haben andere Länder es darin erreicht oder gar übertroffen, und Kanada ist nicht mehr so fruchtbar, zum großen Leidwesen seines Klerus und seiner nationalen Führer, die beide den geheimen Traum hegen, Kanada doch noch einmal ganz französisch und ganz katholisch zu machen. Immerhin hat das französisch- katho= lische Quebec auch heute noch bei weitem die höchste Geburtenrate von ganz Kanada. Sie ist mit über 29 jährlichen Geburten auf 1000 Menschen für europäische Verhältnisse noch hübsch hoch, für altkanadische jedoch erschreckend niedrig. Es ist noch gar nicht so lange her, da belief sie sich auf über 60 pro Tausend. Nun drücken allerdings die 25 Prozent Britischkanadier erheblich auf die Geburtenrate. Im französischen Teil Quebecs findet man heute noch Familien von 10, 12, ja von 15 und 17 Kindern. Auf dem Lande sind 6 bis 8 der Durchschnitt. In manchen Kreisen ist es direkt eine Frage gesellschaftlichen Prestiges, nicht unter einer gewissen Anzahl Kinder zu haben, und wir mit unseren zwei waren hier Gegenstand eines mit leiser Verachtung gemischten Mitleids. Die Kirche tut jedenfalls alles, was in ihren Kräften steht, die Kinderzahl hochzuhalten und mir wurden Fälle berichtet, in denen der Priester Beichte und Absolution verweigerte, wenn ein Elternpaar nach einer gewissen Zeit über das erste oder zweite Kind nicht hinauskam. Ob jedoch die Bemühungen des Klerus werden verhindern können, daß Kanada von der allgemeinen Zivilisationserscheinunng sinkender Geburtenrate auf die Dauer eine Ausnahme macht, ist eine andere Frage. Alter Kleinbauer ( Nach dem Rumänischen) Wes Ackerboden zu leicht ist, des Alter ist schwer. Mein Hof verfällt. Meine Felder tragen fein Korn. Meine Schuppen find lächerlich eng, und doch sind sie leer. Mein Zwetschenbaum muß gleich mir in Herbheit verdorr'n. Meine Hütte ist frumm, unter morsche Schindeln geduct. Die fleckigen Wände stüßt nur noch der Walnußbaum. Die blinden Scheiben hassen das Licht und sind kaum Wie meine Handflächen groß, in denen das Alter zuckt. Meine Frau.. nun, Kleinbanernweiber holt früh der Tod. Meine Töchter heirateten weit ins Land. Meinen Sohn, von dem meine Hoffnung gezehrt wie vom Brot, Nahm mir ein Krieg, den ich nicht verstand. Nun find meine Freunde nur Tiere: die Hennen, die Bienen. Die Menschen? Ihr Sehnen? Ihr Wollen? Ihr- Gott? Sehe ich Popen im Dorf, neig' ich mich tief vor ihnen, Denn Alter in Armut macht müd. Zu müd selbst zum Troß und zum Spott. Gerhart Hermann Mostar. Lieber tot als in Hemdärmeln Auch das heutige England hält unvermindert auf Tradition. Besonders vor Gericht herrscht, wie seit altersher, strengste Etikette. Drückende Sommerhitze lag noch vor wenigen Wochen über London und alles reiste ins Gebirge oder an die See, um der Glut der Großstadt zu entgehen. Um so schwerer hatten es die Leute, die in der Stadt bleiben mußten. Ganz besonders hart war aber das Los derjenigen, die vor Gericht erscheinen mußten. Mochte die Hize auch noch so groß sein, Sportanzüge waren unmöglich und der Anblick eines Sporthemdes wäre als Sakrileg empfunden worden. Und doch gab es auch in England einige, die gegen das bei Gericht übliche Herkommen Sturm liefen. So war erst kürzlich ein Rechtsanwalt verwegen genug, in einer weißen Jacke vor Gericht zu erscheinen. Doch der Richter ließ ihn belehren, daß„ Seine Lordschaft" ihn in diesem Aufzug weder anhören, noch überhaupt Notiz von ihm nehmen" könne. Dem Anwalt blieb darauf nichts anderes übrig, als sich umzukleiden, um vor Gericht plädieren zu können. Ein andermal wurde ein Angeklagter, der in weißen Flanellhosen und einer gestreiften Sportjacke erschienen war, von dem Richter mit den Worten angefahren:„ Ich wundere mich nur, daß Sie nicht im Pyjama gekommen sind!" Auch Frauen haben sich vor Gericht nach bestimmten Vorschriften zu richten. So wurde einer Frau in Essex, die auf der Zeugenbank ohne Hut Platz genommen hatte, vom Richter bedeutet, daß sie es an genügender Ehrerbietung dem Gericht gegenüber mangeln ließe. Als sie sich entschuldigte, daß sie keinen Hut habe, lieh ihr das Gericht einen Hut. Sie mußte es sich gefallen lassen, daß ihr Benehmen vom Richter für schlechter als das eines Mannes, der vor Gericht mit dem Hut auf dem Kopf erschiene, bezeichnet wurde. Doch soll es gelegentlich auch tolerantere Richter geben, wie zum Beispiel Langton, der sich plötzlich die in England noch heute bei Gericht übliche Perücke abnahm und damit den Anwälten ein Beispiel gab. Allem die Krone setzte jedoch der Gerichtspräsident Reading auf, als er seinen Präsidentenstuhl im Sportanzug und offenen Sporthemd einnahm. Jedenfalls spielt hier eine ganze Reihe von Faktoren mit Zahnschmerzen und entscheidend wird sein, welche Haltung und Entwicklung das Volk einzunehmen sich entschließen wird, auf dem nach den Worten des Priesters das Lächeln Gottes ruht. Dieses Lächeln Gottes aber ruhte bisher sichtbar auf ihm, trotz aller Not und schweren Zeit, die es durchzumachen hatte, oder vielleicht gerade deswegen, in sichtbarer Erfüllung des Bibelwortes und wennn es köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen". Weilt man in einer der kinderreichen altkanadischen Familien, so ist man überrascht über den Geist, der in ihnen herrscht, den Zusammenhalt, die Disziplin, das gute Verhältnis der Kinder zu den Eltern, der Eltern zueinander und zu den Kindern, und vor allem der tiefinner lichen Herzensfröhlichkeit, die alle miteinander verbindet. Colin Roß( Quebec). seinem Namen.„ Ich heißte Richter!"" Ihr Stand?"„ Ich bin Autor."„ Autor?", fragte der Korporal, was heißt denn das? Was verstehe ich darunter?"" Nun, das heißt, ich mache Bücher," erwiderte Jean Paul. Der Korporal schmunzelte. " Ja, so, das ist mir verständlich, heutzutage gibt man sich allerlei fremde, unbekannte Titel. Hierzulande nennt man einen Mann, der Bücher macht, einen Buchbinder." Weimar „ Der ,, Was macht denn Ihr Sohn, der Schriftsteller?" - Schöne Stadt! Weshalb ist lebt jetzt in Weimar!"„ So? " Wissen Sie eigentlich nur aus er denn dahin gezogen?" Rücksicht auf die Leute! Die werden mal viel Zeit sparen, wenn sie die Wohnstätten der größten Dichter Deutschlands besuchen wollen!" Bech Ein Schriftsteller war gestorben. Erst wollte er zum Himmel, dann wollte er zur Hölle. Beide Male kam er zurück mit einem höflichen Begleitschreiben:„ Wir bedauern, von Ihrem geschätzten Angebot keinen Gebrauch machen zu fönnen. Ein Werturteil liegt in der Rücksendung auf keinen Fall. Ihre Einsendung folgt beigeschlossen zurück." Was in der Welt geschieht, das suche ich mir aus dem Sinne zu schlagen, doch schmerzen mich sehr die öffentlichen Verbrechen, die jetzt begangen werden. Adalbert Stifter. Anerkennungsschreiben. Hiermit bestätige ich dem Herrn Zahnarzt Dr. Sangerl, daß sämtliche Plomben, die er mir gemacht hat, tadellos ausgefallen sind. Der Mosbacher Lenz hat sich einen Zahn ziehen lassen. Nach glücklich verlaufener Operation fragt ihn der Bader, ob er zu Hause etwas zum Mundspülen habe. Darauf gibt der Lenz strahlend zur Antwort: Jawohl, i hab daham a Mundharmonika!" Knöllchen trifft seinen Freund, der seit kurzem verheiratet ist, in sehr schlechter Stimmung. Was ist dir denn über die Leber gekrochen?" fragt er ihn teilnahmsvoll.„ Ach was, meine Frau hat sich mir gegenüber etwas herausgenommen," brummt der Gefragte. „ Na, so schlimm wird das nicht gewesen sein; in einer so jungen Ehe..." „ Das hätte sie aber vor der Hochzeit tun sollen!" „ So? Erzähl doch einmal, was hat sie sich denn dir gegen über herausgenommen?" " Ihr falsches Gebiß!" Der Zahnarzt greift zur Zange und sagt zu dem ängstlichen Patienten:„ So, jetzt kommt noch ein schmerzhafter Moment. Beißen Sie die Zähne fest zusammen und machen Sie den Mund weit auf!" Paul und Raoul lassen sich einmal im Restaurant einen Truthahn kommen. Nach den ersten Bissen sagt Raoul mit Rennermiene: Dieser Truthahn ist mindestens zwanzig Jahre alt." ,, Woran erkennst du denn das?" ,, An den Zähnen!" " Soviel mir bekannt ist, haben diese Viecher doch gar feine!" „ Aber ich!" Bei Frau Hofrat Maier ist eine fleine Raffeegesellschaft beisammen. Die betagten Damen rühmen in den höchsten Tönen die dargebotenen Keks und wollen unbedingt wissen, wie sie gemacht wurden. Die Frau Hofrat läßt also die Köchin rufen. Alle stürmen auf sie ein:„ Nein, wie hübsch Sie die Keks geformt haben! Wie haben Sie das nur gemacht?" Mit meinem falschen Gebiß!" antwortete die Küchenfee. Großvater Mussolini Hinter der faschistischen Reklame des wirklichen Italien Im faschistischen Italien treibt man viel politische und soBiale Kosmetik. Von dem Abschieben der Bettler aus den Etädten zur Bezahlung von Lobesartikeln in der auswärtigen Presse, von den papiernen Kollektivverträgen zu den asphaltierten Autostraßen, vom Getue mit ländlicher Schlichtheit und frommer Sitte zur Friedenspolitik, ist alles auf den äußeren Einbrud berechnet. Man muß zugeben, daß für den Faschismus das viele dafür ausgegebene Geld gar nicht schlecht angelegt war. Stünde das„ britte Italien" nicht so wohlfrisiert und gut hergerichtet da, würde dem dritten Reich" mancher Rattenfängertrick weniger gut gelungen sein. Wie aber der Lügner schließlich an seine eigenen Lügen glaubt, so fällt auch der italienische Faschismus auf seine Reklamemäßchen hinein. Er meint wirklich, für Land und Bolt wäre wichtig, was seiner Schauspielerei als wichtig erscheint. So brachten es die Seitungen auf der ersten Seite und in Fettbruck, daß von nun an bei allen militärischen Ehrungen auf die Nationalhymne der Faschismus folgen muß. Auch über die Begrüßung des Königs und des Ministerpräsidenten find welterschütternde Neuerungen eingeführt. Die in Reih and Glied stehenden Truppen werden fünftig den König und Muffolini durch Zuruf begrüßen. Auf den Anruf: Gruß dem Rönig!" haben sie au schreien:„ Es lebe der König!" Auf die Worte: Gruß dem Duce!" sollen sie mit dem Schrei A noi!"( 8u uns!) antworten. Dieser Schrei klingt noch gar manchem in den Ohren, aber nicht in Verbindung mit dem Bilde militärisch geordneter Truppen.„ A noi!" wurde gebrüllt, wenn die Schwarzhemden sich sengend und plündernd auf die unbeschützten Häuser ihrer Gegner stürzten. Hat man Angst, die Italiener könnten das vergessen? Bur dekorativen Aufmachung gehört auch der ewig junge Duce". Darum durfte fein Wort über seinen fünfzigsten Geburtstag verlauten, darum darf die Presse nicht melden, daß seine Tochter ihn zum glücklichen Großvater gemacht hat. Freilich spricht es für eine findliche Gemütsverfassung, wenn Mussolini fich in Seiten, wie den heutigen, mit Begrüßungsschreien und Verheimlichung seines Alters und seiner Großväterlichkeit zu beschäftigen Lust hat, denn es schlägt heute allerlei an sein Ohr, was nicht auf Kommando gerufen wird. In einem für den Universal Service, ein nordamerikanisches Pressebüro, geschriebenen Artikel zeigt sich Mussolini ganz im Banne seiner Reklamemethoden. Er meint, daß für ben Untergang der demoliberalen Kultur" und die Entwidlung der faschistischen Jdeen bret Ereignisse von ausschlag. gebenber Bedeutung gewesen wären: die italienische Behnfahrfeter, der Hitler- Sieg und die neue Wirtschaftspolitik Roosevelts. Wie sich der italienische Ministerpräsident die Jbeenentwicklung durch Hitler vorstellt, ersteht man aus bem folgenden Sat:„ Sogar das Wort„ Sozialismus" wäre heute den Deutschen unbekannt, wenn es nicht mit tief veränderter Bedeutung im Namen der Hitler- Partei vortäme." Bon den italienischen Dingen hätten am meisten die Intelligens beeindruckt: die Ausstellung der faschistischen Retsvolution, die Straße des Imperiums( eine neue Straße in Rom) und die Bonifizierung der Pontinischen Sümpfe. Vielleicht ist die„ Intelligenz" doch weniger dumm, als Mussolini annimmt. Man weiß ja, daß die hohen Besucherzahlen der Ausstellung dadurch zustande kommen, daß die siebzigprozentige Fahrkartenermäßigung nur bei bescheinigtem Besuch und Entrichtung von 25 Lire Eintrittsgeld gültig ist. Von der Straße des Jmperiums wird die Intelligenz" erst wissen wollen, wohin fie führt, von den Pontinischen Sümpfen weiß sie ohnehin, daß ihre Trockenlegung schon ein Menschenalter vor dem Faschismus begonnen wurde. * Während Mussolint in seinen Artikeln die demoliberale Kultur" zu Grabe trägt, zeigen sich in der Grundlage der neuen faschistischen Kultur, nämlich in der Rüstungsindustrie, recht böse Riffe. Ohne Rüstungsindustrie bekanntlich fein Faschismus. Die in Paris erscheinende Liberta" erfährt aus Genua, daß die Regierung die dortige Waf. fenfabrik Ansaldo auf großen Betrügereien ertappt hat. Die Sache soll mit dem im vorigen Monat zusammenhängen. Ein General, Ugo Cavallero, der erfolgten Rücktritt des Kriegsministers General Gazzera gleich nach dem Kriege seinen Abschied nahm, um eine hohe Stellung in der Aktiengesellschaft Pirelli au bekleiden, wurde unter Mussolini Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, zum Dank für die reichliche Geldunterstützung, die die Pirelli dem nach der Macht strebenden Faschismus gewährt hatte. Dann vertrat er Italien im Völkerbund und endete als Direktor der Ansaldo, der größten privaten Waf fenfabrik in Italien. Diese Fabrik, deren Rettung aus finanzieller Not eine der ersten Regierungstaten des zur Macht gelangten Faschismus war, zeigte nun schnödesten Undank. Sie hat sich einen zweifachen Riesenbetrug zuschulden kommen lassen: einmal hat sie doppelt so viel Waffen ausgeführt, als sie zur Ausführung anmeldete( es wäre interessant, zu wissen, wohin diese Waffen gegangen sind); dann hat sie der italienischen Regierung Waffen schlechtester Qualität geliefert, auf welches Verbrechen übrigens das faschistische Strafgesetzbuch lebenslängliche Zuchthaus- und sogar Todesstrafe sezt. Als die Sache auffam in einem Lande ohne Breßfreiheit können sich solche Geschwüre ordentlich ausreifen, ehe man etwas merkt ging General Cavallero in die Schweiz. Der Generalsekretär der Ansaldo, ein Herr Micheletti, wurde verhaftet. Der italienische Staat soll um Riesensummen geschädigt sein. Während die Vertrauensmänner des Regimes die Millionen verpuffen, wächst die Not im Lande. In Mailand verzeichnet die offizielle Statistik für das Ende des Jahres 1982 eine anwesende Bevölkerung von 1013 028, von der 25 693 Familien von insgesamt 102 772 Personen in der Armenliste standen. Das bedeutet, daß in der reichsten Stadt Italiens jeder zehnte Einwohner im Sinne des Gesetzes als arm gilt auch ein Kapitel zur Straße des Imperiums". vorstellt, erficht man aus Arbeitsgemeinschaft Washington, 28. Aug. Die Verhandlungen über die Schaf fung einer Arbeitsverfassung im Kohlenbergbau sollen, wie man vernimmt, zu einer Einigung geführt haben. Es jei ein Abkommen paraphiert worden, das die 40stündige Höchstarbeitszeit im Bergbau festsetzt. Diese Vereinbarung soll Während dieser Zeit sollen die Vertreter der Bergarbeiter zunächst versuchsweise für sechs Monate in Kraft treten. und der Bechenbefizer gemeinschaftlich die Frage der Arbeitszeit eingehend überprüfen. Es würde sich dabei um die Feststellung handeln, ob der Kohlenbergbau wirtschaftlich in der Lage ist, eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der Löhne zu tragen. Die SA. von Amerika Ku- Klux- Klan ist mobil " Ich glaube an die ewige Vorherrschaft der weißen Rasse und will dafür kämpfen."( Aus dem Glaubensbekenntnis des amerikanischen Geheimbundes KuKlux- Klan.) " Der Weg zu Deutschlands Wiedergeburt ist unter anderm: Die Ausscheidung der Juden und aller Nichtdeutschen aus allen verantwortlichen Stellen des öffentlichen Lebens."( Aus dem Programm der NSDAP.) Der bisherige Erfolg des amerikanischen Präsidenten Roosevelt bet der Wiedereinstellung Arbeitsloser in den Produktionsprozeß hat den amerikanischen Ku- Klux& lan( RRR.) aus seiner Grabesruhe aufgescheucht, in die er versunken war, seit der Magier des unsichtbaren Reiches", Edward Elart, ins Jrrenhaus wandern mußte. Die amerikanischen Fembanditen, die einst die Bluthunde der Wall Street waren und heute ein würdiges Gegenstück der SA.- und SS. Mörber Hitlers sind, wittern gute Konjunktur und haben die amerikanische Oeffentlichkeit durch neue Greueltaten in Nufruhr gebracht. Der KKK. versucht in den Südstaaten der Union Roose velt den Rang abzulaufen, indem er mit ihm wetteifert, neue Arbeitsplätze zu schaffen und dabet Hitlers Methoden auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung nachahmt. Es blieb dem faschistischen Deutschland vorbehalten, dem berüchtigten und blutrünstigen Geheimbund der Vereinigten Staaten in tierischer Bestialität und unmenschlicher Barbaret ein Vorbild zu sein. Im Deutschen Reich werden heute Juden und Marxisten auf der Flucht erschossen" oder in Konzentrationslagern zu Tode gemartert, um Posten für verdiente Killer der nationalen Revolution freizubekommen. In den USA. find Neger die Opfer. In beiden Fällen entspringt bas Motiv niedrigen Rasseninstinkten und Rachegelüften, denen der Parorismus der Weltkrise neue Nahrunng gibt. In Deutschland werden die Juden als Untermennschen behandelt, die man mit allen Mitteln loss werden will. In den Südstaaten von Nordamerika richtet sich aller Haß der ehemaligen Sklavenhalter gegen die Schwarzen, denen man absolut nicht zugestehen will, daß auch sie Menschen mit Rechten und Pflichten sind und nicht nur verdammte Nigger". Der Beruf eines Heizers gehörte früher so wie der eines Schuhpuzzers in den Vereinigten Staaten zu den für Weiße verpönten, die man, weil die Arbeit für weiße Edelmenschen zu schmutzig war, gnädig den Schwarzen überließ. Und nun lese man folgende Nachricht aus Amerika: Frank Cincaid, ein Negerheizer auf der Misfiffippilinie der Illinois Central Railroad, fletterte in Canton, das 25 Meilen nördlich von Jackson, der Hauptstadt von Mississippi, gelegen ist, auf eine Lokomotive, weil dort immer das Personal gewechselt wird. Es war bereits dunfel. Gegen die erleuchtete Windschußscheibe bot er ein ideales Biel für einen Revolvermann außerhalb im Finstern. Eine Pistole bellte und beförderte ein Lot Blei in den Kopf des Negers, der lautlos in den Kohlentender fiel, um dort zu sterben. Ein Weißer nahm seinen Plas ein und der„ Creole"( Name des Zuges) fuhr ohne Verspätung in der Richtung Neuorleans ab. Für die Zeitungen von Mississippi und auch für die andern über die man gerade in zwei Zeilen berichtete. Eine Woche Zeitungen Amerikas war das vorerst eine Angelegenheit, später indessen, hatten sie eine seltsam ähnliche Nachricht zu bringen. Der Age Herald" schrieb: Ed Cole, ein Negerbeizer der Central Railroad, stieg in Das war bei Water Valley, einem Eisenbahnknotenpunkt. einer Nacht von seiner Lokomotive, um eine Weiche zu stellen. Hinter den Vorhängen eines unbeleuchteten Autos, das neben dem Schienenstrang angefahren fam, blizzte es zweimal auf und Ede Cole fiel tot über die Weiche. Ein Weißer nahm seinen Plas ein. Jetzt begann man schon davon zu sprechen, daß hier unzweifelhaft der KKK. seine Hand im Spiele hätte. Er begann, sich ernsthaft mit dem Arbeitslosenproblem zu beschäftigen. Tote Negerheizer erzählen keine Geschichten, und ihr Ausscheiden aus dem Leben ermöglicht Weißen den Eintritt in die Arbeit. Nach diesen beiden gemeinen Morden folgten in rascher Reihenfolge weitere: Gus Emera, Negerheizer in Durant, sah ein geschlossenes Auto auf sich zufahren, als er von einer Maschine zu einem Nebengleife eilte. Er erkannte die Gefahr und sprang zurüc; aber zu spät. Mit ernst en Verlegungen wurde er ins Spital eingeliefert. Cleve Sims, ein Negerheizer, der ebenfalls in Durant stationiert war, ging eines Nachts zum Maschinenhaus, um seinen Dienst anzutreten. Hinter einem Waffertant flammte es hervor und Cleve fiel schwer verwundet nieder. In beiden Fällen nahmen weiße Männer, die bis dahin arbeitslos waren, ihre Pläge ein. Ungefähr hundert Meter südlich von Durant führt eine Brüde über eine Straße, neben der das Gleis läuft. Als ein Zug der Jllinois Central darunter passierte, knallte es Ueberall flagen die Arbeiter darüber, daß zwar schöne und detaillierte Kollektivverträge ausgearbeitet würden, aber die Unternehmer nicht daran denken, sie einzuhalten. Da die Kontrolle der Deffentlichkeit und die Möglichkeit der Abwehr durch die Arbeiter fehlt, sind die chronischen Vertragsverletzungen der Unternehmer ganz natürlich. So besteht zum Beispiel für die Maurer in Catania( Sizilien) ein nach Kategorien mit Minimallöhnen ausgearbeiteter Kollektipvertrag. Die Unternehmer helfen sich, indem sie Erwachsene als Lehrjungen, gelernte Maurer als Handlanger anstellen. Auch auf dem Kongreß der Bauarbeiter kam es zur Sprache, daß es Lehrjungen gibt, die dreißig Jahre alt sind, und ganze Häuser, die von Handlangern gebaut wurden. Auf demselben Rongreß stellte ein Arbeiter fest, daß er vom Jänner 1981 bis zum Dezember 1932 in Terni ohne Betriebsunterbiechung gearbeitet, aber durch die Beschränkung der Arbeit ouf wenige Tage in der Woche nur einen wöchentlichen Durchschnittsverdienst von achtundvierzig Lire( etwa zwanzig Schilling) erreicht hat, also eine Einnahme, mit der ein qualifizierter Schwerarbeiter nicht leben, geschweige denn eine Familie erhalten kann. Nun, man mag sagen, Wirtschaftskrise ist überall, aber der Faschismus hat es trosdem verstanden, die Italiener zufrieden und einträchtig zu erhalten. Warum dann die Grenzbewachung? Im April hat man einen Ingenieur Tac= cetta und einen jungen Mann namens Petronari in den piemontesischen Alpen, nahe der französischen Grenze, er. wischt und hat beide am 22. d. in Turin wegen Versu ches der heimlichen Grenzüberschreitung au je zwei Jahren Zuchthaus und zwanzigtausend Lire Buße verurteilt! Ein Regime, das solche Stacheldrähte für seine Grenzen braucht, wird wohl wissen, warum. Die antifaschistischen Emigranten, an die sich immer wieder Beauftragte der italienischen Konsulate heranmachen, um ihnen die Rückkehr nach Italien zu empfehlen, sollten diesen nicht immer unblutigen Kleinfrieg an den faschistischen Grenzen ver folgen. Und die Gleich schaltung der Intellektuellen? Den damit so eifrig beschäftigten Hitler- Beuten zur Nachricht, daß Italien im elften Jahr der neuen Aera noch immer nicht damit fertig ist. Seit dem Herbst 1931 haben alle italienischen Hochschulprofessoren bis auf zwölf, die vorzogen, auf ihren Lehrstuhl zu verzichten dem faschistischen Regime Treue schwören müssen. Trotzdem ist man nicht zufrieden. Ein Geheimzirkular des Unterrichtsministeriums vom 7. Januar d. J. fordert die Rektoren auf, durch die Polizei und die lokale faschistische Partei vor der Verleihung einer Privatdozentur genaue Erhebungen über das politische Verhalten der Bewerber vornehmen zu lassen. Im März sette dann ein Defret fest, daß nur Mitglieder der faschistischen Partei zu den Examen für die Privatdozentur überhaupt zugelassen werden dürfen, auch bei den freien Universitäten, auch bei der katholischen Universität zum Herzen Jesu! Dennoch: der Geist lebt, und viele seiner besten Träger lehnen den Faschismus ab. Staatsgefährliche Kreuzworträtsel Die Furcht des totalen Staates Leipzig, 28. Auguft. Einen neuartigen Tarnungsversuch für hochverräterische Umsturzparolen deckte eine von dem Reichsgericht gegen vier Rommunisten aus Jüterbog durchgeführte Verhandlung auf. Um ihr Heßmaterial an den Mann zu bringen, hatten sie es in die unverfängliche äußere Hülle einer Sammlung für Kreuzworträtsel gesteckt. Bon dieser Rätselecke waren etwa 400 Stück verteilt worden. Das Reichsgericht verurteilte die Angeklagten wegen Vorberei tung zum Hochverrat zu Gefängnisstrafen von zwei bis zu drei Jahren neun Monaten. von der Brücke und Peter Lewis stürzte nieder. Doch die Geschwindigkeit war zu groß gewesen. Lewis erholte sich. Auspeitschen war nun der nächste Schritt. Ernest Boilan, ein Negerheizer, wurde in die Wälder von Pike County, Mississippi, verschleppt und dort bis zur Bewußt= losigkeit geschlagen. Dann hängte man ihn auf. Aaron Williams von Vicksburg, der älteste schwarze Heizer auf der Mississippilinie, suchte das elementare Recht auf seinen Arbeitsplatz, allen Warnungen und Drohungen zum Trozz, zu behaupten. Als er mit einem Frachtzug in Vicksburg anhielt, wurde er durch die Windschutzscheibe erschossen. Selbstverständlich nahm auch hier ein Weißer seinen Platz ein. Und so ging es weiter. Eine Schreckensnachricht jagt die andeve. Die Geschichte ist schon wieder so alltäglich, daß sie die Zeitungen bereits langweilig finden. Kurz nacheinander wurden abermals drei Neger abgeknallt wie wilde Tiere. Unter dem Todesröcheln von Juden und Marxisten besehen ihre Mörder in Deutschland die auf diese Weise frei beim Kohlenschaufeln abgeschossen und ihre gewordenen Stellen. In den USA. werden Schwarze Mörder nehmen den noch warmen Griff der Schaufel in die Hand. Welche Strupellosigkeit und vertierte Menschheit auf beiden Seiten! „ Wir wollen helfen. Kommt vor die Behörden und erzählt, was ihr wißt," sagt Richter E. M. White zu den schwarzen Eisenbahnern. Aber niemand kam. Die Berichte der Untersuchungskommission über jeden einzelnen Fall gleichen sich aufs Haar. Sie sind furz und bündig.„ Wir, die Beauftragten, sind vollkommen außerstande, die Mörder aus. findig zu machen. Da wir unsere Pflicht getan haben, bitten wir ergebenst um unsere Entlassung." Damit ist die Sache für die amerikanischen Behörden abgetan und das Regiment des Terrors geht ungehindert weiter. Kein Neger erklärt sich mehr bereit, als Heizer au fahren, aus Angst vor dem sicheren Tod durch die blutige Hand, die„ Jim Crow" das ist der Spitzname des Negers in den Vereinigten Staaten zu seinen bisherigen Qualen und Leiden weitere furchtbare hinzufügt. Der langsame Tod durch Verhungern scheint den Negern weniger furchtbar zu sein. Der KKK. tann mit seinem vorläufigen Erfolg zufrieden sein. Er beginnt ein gefährlicher Rivale Roosevelts auf dem Gebiet der nationalen Arbeitsbeschaffung zu werden; besonders wenn man bedenkt, daß es in den USA. zwölf Millionen Schwarze gibt. Alle Urinstinkte werden lebendig. Der R& R. weist, im Gegensatz zu Roosevelt, bei der Arbettsbeschaffung einen Weg, der nur Menschenleben fostet, aber diese sind in der kapitalistischen Welt, besonders wenn es sich um Arbeiter handelt, sehr billig. Karl Hans Heina. Hans Zehrer verläßt die ,, Tat" Das Ende einer modischen Bewegung Aus Berlin wird berichtet, daß Hans 8ehrer, Herausgeber der Tat", seinen Posten bei dieser Zeitschrift verlassen wird. Mit seinem Ausscheiden ist die Liquidation des„ Tat"-Kreises beendet. Hans Zehrer, ein noch junger Mann, war lange Jahre hindurch außenpolitischer Redakteur der„ Bossischen Zeitung". Seine Auffäße zeichneten sich durch Gründlichkeit und Sachkunde aus, aber sie verrieten, daß sich Zehrer mehr und mehr von der politischen Grundhaltung der Bossischen Zeitung" entfernte. Er vertrat einen symbolischen Nationalismus, den er mit einem kleinen Kreise von Gleichgesinnten und Gleichgestimmten als die Rettung aus den politischen und sozialen Uebeln der Zeit verkündete. Vor zweieinhalb Jahren übernahm er zusammen mit Ferdinand Fried( Zimmermann) die Redaktion der alten Diederichschen Zeitschrift„ Die Tat". Hier wurde in ebenso weitschweifigen wie verschwommenen Aufsätzen die Lehre des„ Tat"-Kreises verkündet. Es war eine Art aristokratischer Nationalsozialismus mit leicht bolschemistischen Streifen, scharf im Gegensatz zum Marrismus und Parlamentarismus, aber auch weit entfernt von der handfesten Demagogie des Nationalsozialismus. Es gelang dem„ Tat"-Kreise immerhin, zahlreiche Anhänger unter Technikern, Ingenieuren und Hochschullehrern zu finden, und die Tat" hatte zeitweilig die für eine deutsche Zeitschrift ganz ungewöhnlich hohe Auflage von über 30 000 Exemplaren. Die„ Tat"-Leute hatten ihre Hochkonjunktur in der Aera Schleicher. Von dem damaligen Reichskanzler gingen Verbindungslinien über Zehrer und Fried zu Gregor Strasser. Die Tägliche Rundschau" wurde unter Schleichers Einfluß umgebildet und Hans Zehrer zum Chefredakteur gewählt. Mit dem Siege der braunen Diktatur war alles zu Ende. Ideologen wie Zehrer und Fried, die auf eigene Meinung Wert legten, konnten sich gegen den Gesinnungsterror und die Pressezensur nicht mehr behaupten. Vor dret Monaten schied Zehrer aus der Redaktion der„ Täglichen Rundschau" aus. Jetzt ist es auch mit der„ Tat" und ihrem Kreise zu Ende. Es war nur eine bescheidene Idee, die er verkocht. Aber ste regte an und stellte Probleme. Das aber gibt es heute nicht mehr. Es wird alles automatisch gelöst durch Führerbefehle. Das Schicksal Hans Zehrers ist das Schicksal aller geistigen Bewegungen im heutigen Deutschland. Warum? Weltbühne und Gegenangriff Zwischen zwei Prager Linksblättern ist eine Polemik über die Aufgaben Sowjetrußlands im Kampfe gegen die Hitlerdiktatur entstanden. Die„ Neue Weltbühne" fragte: Warum hat Sowjetrußland 1920 alle staatlichen Mittel versucht und verwendet, die gefangenen ungari schen Revolutionäre aus den Zuchthäusern zu holen und warum ist die konsolidierte Sowjetunion 1930 gezwungen", selbst den Versuch zu unterlassen?" Die Antwort des kommunistischen„ Gegenangriff" Tautete: a)„ 1920 gab es auf dem Gebiet der Sowjetunion, noch hunderte ungarische Aristokraten als Kriegsgefangene. Aus ihnen Austauschgefangene zu machen, war nicht schwer. Heute müßte man den deutschen Botschafter verhaften- oder die deutschen Techniker und Ingenieure, die am Sowjetaufbau mitarbeiten." 5) ,, 1919 war die Sowjetunion noch mit allen Staaten im Kriege. Heute lebt sie mit allen Staaten im Frieden. Würde sie zum Boykott greifen, so würde sie den Frieden brechen." Sehr realpolitisch, aber staatsmännisch gedacht! Aber „ revolutionär"? „ Bitte, nehmt uns auf!" Die Katastrophe des Zentrums Wie die Frankfurter Zeitung" berichtet, wird in dieser Woche die Entscheidung darüber fallen, wie viele Mitglieder der bisherigen Zentrumsfraktionen, insbesondere im Reichstag und im Preußischen Landtag, als Hospitanten bei den nationalsozialistischen Fraktionen aufgenommen werden. Es ist damit zu rechnen, daß eine gewisse Anzahl der Aufnahmegesuche abgelehnt wird.(!) So ist bereits dem Abgeordneten Winkler, der sich voreilig schon vor der Auflösung des Zentrums als Hospitant bei den Nationalsozialisten gemeldet hatte, die Aufnahme verweigert worden. Auch in einigen Stadtparlamenten haben die Führer der Nationalsozialisten erklärt, mit Mandatsträgern, die vorzeitig ihre eigene Partei verlassen hätten, nicht zusammen arbeiten zu können, da von ihnen die selbst verständliche Treue nicht zu erwarten set. Eine Anzahl von Zentrumsabgeordneten wird von einem Aufnahmegesuch absehen. Dazu gehören der frühere Reichsfanzler Dr. Brüning und der Vorsitzende der bisherigen Zentrumsfraktion des Reichstags, Dr. Perlitius. Wie Tange sie dem Reichstag noch als Einzelmitglieder angehören werden, steht dahin. An den Völkerbund Eine Petition der Wiener Sonn- und Montagszeitung Die Wiener Sonn- und Montagszeitung" kündigt eine Petition an das Sekretariat des Völkerbundes an.„ Alle unsere Leser und Freunde, alle, die den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren haben, ohne Unterschied der Rasse und Nationalität, in welchem Lande sie immer leben mögen, werden gebeten, ihre Unterschrift unter das Ersuchen an den Völkerbund zu stellen, die menschenun würdigen Vorgänge in Deutschland zur Grundlage einer Untersuchung zu machen." Das Blatt ruft auf: Flüchtlinge aus Deutschland! Wir fordern Euch auf, uns Eure Erlebnisse in der Hölle des Hitler- Reiches mitzuteilen. Wir werden Eure Mitteilungen( Namen unter strengster Diskretion) dem Völkerbund überreichen. Das Weltgewiss sen wird Euch Genugtuung verschaffen. Holland und Rußland 168010 protestieren UCCI Das Dritte Reich Daital achtet fremde Staatsbürgerschaft nicht Ein SA.- Kommando verhaftete am 12. Auguft in Cleve Mißhandlung ( Rheinland) aus der Straßenbahn heraus die holländischen Sozialdemokraten Spansier und Elerren aus Nijmegen ( Holland). Die Sozialdemokraten waren in privater Angelegenheit im üblichen Grenzverkehr mit der Straßenbahn nach Cleve gefahren. Der SA.- Führer Peters ließ die beiden Sozialdemokraten in das Polizeigefängnis bringen. Auf dem Wege dahin mußten sie vor den Revolvern der SA. gehen. Clerren wurde in der Nacht wieder entlassen, während Spansier, der in Nijmegen Vorsitzender der holländischen Freien Gewerkschaften ist, noch immer festgehalten wird. Alle Bemühungen der Polizeibehörde von Nijmegen, Spansier frei zu bekommen, sind bis jeßt ergebnislos. Die holländische Regierung hat durch den Außenminister Vorstellung bei der C eines Sowjetbürgers in Ein Mitarbeiter der Berliner russischen Handelsvertre tung, Grischin, wurde am 17. August von SA. Leuten verprügelt, weil er während des Vorbeimarsches eines SA.- Trupps feinen Hitlergruß geleistet hat. Nachdem Grischin sich als Ausländer ausgewiesen hatte, liefen die SA.- Leute davon. Der Verprügelte wandte sich an einen Polizisten, der ihm erklärte, er müsse die Leute, die ihn verprügelt hätten, ihm, dem Polizisten, vorführen. Die Sowjetbotschaft hat gegen diesen Vorfall protestiert. deutschen Regierung erhoben. Als Grund gibt die Polizei in protest der Schweiz Cleve an, Spansier habe in Holland(!) die Deutsche Frethett" und die Freie Presse" verbreitet. Jeder Ausländer, der sich in seinem Lande gegen die deutsche Regierung betätige, wird bei Betreten deutschen Bodens verhaftet. Unglaublich klingt es fast, daß die Clever Polizei erflärt, Spansier fönne noch nicht entlassen werden, da erst für seine Tätigkeit gegen Nazideutschland die Beweise ermittelt werden müssen und er dann zur Aburteilung dem Gericht zugeführt werde. Berlin, 29. Aug. Der schweizerische Gesandte hat heute im Auswärtigen Amte vorgesprochen, um eine Grenzbes schwerde anzubringen. Danach find am vergangenen Sonns tag, 8 Uhr morgens, ein SA.- Mann und zwei Begleiter anf schweizerischem Gebiet in einen Schuppen bei Ramsen einges drungen, haben sich trot Proteftes des schweizerischen Grenzs wächters eines tschechischen Schmugglers namens Weber bes mächtigt und auf deutsches Gebiet gebracht. Von der Reichsa regierung sind die zur Aufklärung notwendigen Schritte uns ternommen. Hausluftschutzwart Jedes Haus soll erfaßt werden Im„ Mainzer Anzeiger"( Nr. 193) lesen wir: „ Die Polizeidirektion ist zur Zeit mit der Erfassung der Hausluftschußwarte beschäftigt. Die Polizeibezirke haben im Einvernehmen mit den Hausbesitzern oder deren Stellver: tretern sofort für jedes Haus einen Hausluftschuzwart nam haft zu machen. Von den Hausbesigern wird erwartet, daß fie die umfangreiche Arbeit weitgehendst unterstüßen. Jeder Hausbesizer ist im Interesse der Sache vers pflichtet, sofort die geeignete Persönlichkeit auszusuchen und diese beim Erscheinen des Polizeibeamten mit Vor- und Zunamen, Ge= Polizeibeamten mit Vor- und Zunamen, Ge= burtstag und Beruf anzugeben. Die Hausluft: schutzwarte sollen energische und umsichtige, nicht unter 35 Jahre alte Personen sein, die in der Lage sind, sich bei den Hanseinwohnern durchzusehen. Am besten eignen sich hierzu ehemalige Soldaten und Angehörige der Wehrverbände, soweit sie nicht dort, oder bei der Feuer: schuhelfer namhaft gemacht oder vorgesehen sind. Bei der wehr, Sanitätskolonne, Technische Nothilfe als aktive LuftAuswahl der Hausluftschuhwarte ist weiterhin darauf z# achten, daß die betreffenden Personen möglichst Heimarbeiter, selbständige sandwerksmeister oder Geschäftsleute sind, die in dem betreffenden Hause wohnen und so bei Tag und Nacht erreichbar bleiben. Nötigenfalls können auch geeignete weibliche Personen, bei denen das Lebensalter teine Das Neueste Die Aufdeckung der Neuorganisation der Roten Silfe im Ruhrgebiet förderte umfangreiches Hetz material zutage. Zahlreiche Personen wurden festgenommen. Bei dem Großfeuer, dem ein Schuppen der Firma Bischoff n. Co. in Bremen zum Opfer fiel, sind etwa 2500 Baumwollballen vernichtet worden. Innsbrud, 30. Aug. Mehrere Tiroler Grenzorte sollen in der nächsten Zeit zur Verstärkung des Grenzschuzes milis tärische Garnisonen erhalten. Wie Havas aus Madrid berichtet, ist die Size in Spanien in diesem Sommer besonders groß. In Madrid wurden dieser Tage Höchfttemperaturen von 36-38 Grad im Schatten festgestellt. Wie Havas aus Madrid berichtet, ist der Führer der spanischen Faschisten Albinana wieder in Freiheit gesezt worden, und zwar weil sein Gesundheitszustand seine Ueber: führung ins Krankenhaus nötig macht, wo er operiert wer= den wird. Wie Havas aus La Paz berichtet, besagt eine Berlants barung des Generalstabes, daß die paraguayischen Truppen im Abschnitt von Pirijano mehrere energische An= griffe unternommen und dabei schwere Verluste erlitten haben sollen, so bei einem einzigen Vorstoß 300 Mann. Im Abschnitt Nanawa sei die vorderste Linie der paraguayischen Stellungen außer Gefecht gesetzt worden. Wie Havas aus La Paz berichtet, hat der Finanzminister in der Kammer erklärt, daß nach dem Kriege die demobilgemachte Armee in eine Armee von Arbeitern und Bauern umgewandelt werden würde. Wie Havas aus Lissabon berichtet, hat der Innen: minister durch ein Defret eine„ Ueberwachungspolizei zur Verteidigung des Staates" geschaffen. Präsident Roosevelt hat die Bestimmungen gegen Gold= hortung verschärft. Unweit Tucumari( Neumerito) stürzte nachts ein Schnellzug in einen Gebirgsfluß. Es gab bisher sechs Tote und etwa 40 Verlegte. Die Reichsbannerlente Urban, Trojahn und Becker wurden wegen versuchten Totschlags an drei SA.: Männern in Falkensee zu drei bis dreieinhalb Jahren Zuchts haus verurteilt. Rach einer Mitteilung des braunschweigischen Innen: ministeriums wird mit dem 31. August 1933 die SA.- und SS.- Hilfspolizei in ihrer bisherigen Form im Lande Brauns schweig aufgelöst. BRIEFKASTEN Telamon. Die Geschichte der jüdischen Familie Hitler ist in unserem Blatte wiederholt behandelt worden. Lassen Sie sich die betreffenden Nummern von unserer Geschäftsstelle kommen. R. Sch. Colmar. Für zuverlässige Berichte aus Deutschland haben wir immer Interesse. Rolle spielt, zu Hausluftschuhwarten bestimmt werden. Die Hausluftschußwarte werden über ihre besonderen Aufgaben in den in Kürze bei der Gas- und Luftschußschule der Ortes gruppe Mainz des Reichsluftschutzbundes beginnenden Lehrs gängen unterrichtet. Nichts zu verbergen? Der deutsche Reichsluftfahrtminister hat ein außerordentlich scharfes Verbot gegen das Fotografieren aus Flugzeugen erlassen. Danach dürfen Fluggäste während eines Fluges über Deutschland ohne spezielle Erlaubnis des Ministers Fotografenapparate weder mitführen noch vers wenden. Die Flugzeugführer find angewiesen, den Flug gästen verbotswidrig mitgeführte' Apparate abzunehmen und so sicherzustellen, daß eine Verwendung während des Fluges über Deutschland ausgeschlossen ist. Warum das? Offenbar schämt sich die deutsche Regierung, durch etwaige Flugzeugaufnahmen in der Welt bekannt werden zu lassen, wie absolut abgerüstet, friedfertig und unmilitärisch das heutige Deutschland ist. Denn etwas anderes könnten doch nach den Versicherungen des Reichskanzlers die Flugzeugaufnahmen nicht ergeben. Nicht wahr? Dortmund. Ihr Polizeipräsident Schepmann, ein ganz übles Sub jetzt hat die Bevölkerung eingeladen, sich im Stadion einzufinden, um der feierlichen Auflösung der hochverdienten Hilfspolizei beizuwchnen. Allerhand Trara war als Rockmittel angekündigt. Zu zab len brauchte man nichts. Die Bevölkerung hat aber dem Nazibonzen im Polizeipräsidium etwas gepfiffen. Wie die von Ihnen eingesand ten Bilder zeigen, war das Stadion fast leer. Esperanto. Der Wunsch, die„ Deutsche Freiheit" auch fremdsprachig erscheinen zu lassen, ist uns wiederholt zugegangen. Die Erfüllung ist eine Finanzfrage. v. T., Dänemark. Ihr Beitrag war uns sehr willkommen. Dank und Gruß! Allscheid. Wir haben nur zur Vorsicht gemahnt, und das ist notwendig. Manche Leute sind zu harmlos. Chur( Schweiz). Ihr Beitrag wird dieser Tage veröffentlicht werden. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Big: Inserate Otto Kuhn. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b S.. Saarbrücken. Echüßenstraße 5. Deutsches Unternehmen seit 3 Jahren in Paris ansässig, sucht, zwecks Ausnützung Ihrer Fabrikräume u. Verkaufs- Organis sation, Anschluß an Firmen, die gewillt sind, Fabrikation in Frankreich ein. zurichten. Offerten unter CW 627 an die ,, Deutsche Freiheit" Saar brücken 3, Schützenstraße 5 Tüchtiger Kaufmann der Bekleidungsbranche oder Schneider mit großer Familie hat Gelegenheit, mein gat eingeführtes Herren berutskleidergeschäft in Paris zu übernehmen. Ges schäft mit schöner Wohnung auf der Etage. Kein Laden. Mietsvertrag 10 Jahre, bin Deutscher und verkaufe wegen vorgerücktem Alter. Preis mit komplettem Warenlager und Einrichtung 96 000 Frs. Barauszahlung, kleine Wohnungseinrichtung kann billig verkauft werden. Uebernahme kann bald oder Offerten unter Nr 110 an den später erfolgen. Verlag ,, Deutsche Freiheit" Besondere Gelegenheit Zimmer mit Küche, Studios, unvergleich1 chem Komfort, Tee, Pension, Garage usw. _equemlichkeiten jeder Art. Building, 78, rue Blomet, Paris ( Métro Vaugirard) Inseriert in der ,, Deutschen Freiheit"