Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 64-1. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 2. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Ich bin ganz überzeugt, daß wenn es je möglich ist, dem Volke aus seinem Verderben, in welchem es so tief versunken, wieder aufzuhelfen, so ist es durch das Volk und seine Menschlichkeit selbst. J. H. Pestalozzi. Deutschlands Luftmarschall Die Ernennung des Hauptmanns Göring zum General Berlin, 31. Auguft. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat mit Wirkung vom heutigen Tage den Herrn Reichswehrminster, General der Infanterie von Blomberg, zum Generalobersten befördert. Er hat ferner im Rahmen anderer Beförderungen dem preußischen Ministerpräsidenten und Hauptmann D. Goering, Ritter des Ordens Pour le merite", in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste in Krieg und Frieden den Charakter als General der Infanterie verliehen mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des Reichsheeres. D. F. Auf politischem Gebiete hat neulich der Ges freite Hitler dem Hauptmann Göring eine Niederlage beigebracht. Es ist dem Reichsminister und preußischen Mis nisterpräsidenten Göring nicht gelungen, die pomphaft ange= kündigten neuen Blutgesetze gegen den Widerstand des Reichskanzler durchzusetzen. Militärisch aber hat nun der Hauptmann den Gefreiten hoffnungslos überrannt. Die vor einiger Zeit von einflußreichen Freunden Hitlers be triebenen Absichten, dem Reichskanzler einen höheren militärischen Grad als den des Gefreiten zu verleihen, find ge= scheitert. Hitler bleibt Gefreiter und Göring ist General. Damit ist die Revolution nun wirklich und gründlich zu Ende. Das Bündnis zwischen Reichswehr und Rüftungsindustrie, als dessen Treuhänder General Göring Igelten darf, tritt nun auch äußerlich in Erscheinung. Göring war bisher schon der Vertrauensmann des Hochkapitalis= mus im Reichskabinett. Er hat nun auch militärisch die Machtfülle erreicht, die seine Hintermänner brauchen und benußen wollen. Der preußische Polizeigeneral ist nun auch General des Reichsheeres. Ueber ihm stehen militärisch nur nech der Reichspräsident als Generalfeldmarschall und der Chef der Heeresleitung, General von Blomberg als Genes raloberst. Wir konnten schon am 26. August mitteilen, daß dem Bes Juche Görings auf dem Gute Neudec des Reichspräside in Man kann moralisierend den Standpunkt einnehmen, die anderen Mächte, deren Rüstungen denen Deutschlands zweis anderen Mächte, deren Rüstungen denen Deutschlands zweifellos noch weit überlegen sind, hätten keinen Rechtsgrund, sich gegen die Ansprüche auf Deutschlands Gleichberechtigung sich gegen die Ansprüche auf Deutschlands Gleichberechtigung zu wehren. Man kann auch zugeben, daß der Versailler Ver= trag alles andere als eine Lösung des europäischen Rüstungsproblems gebracht hat und durch seine dauernde Diffamie: rung auch zweifellos republikanischer und friedlicher Regie: rungen den Görings für ihren Wiederaufstieg die Bahn brechen half. Politisch gesehen aber bleibt die Tatsache, daß die mehr oder minder saturierten übrigen europäischen Großmächte in dem Rüstungswillen Deutschlands die gewal: tige Vorbereitung der Zurüderoberung der von Deutschland verlorenen Gebiete und Eroberungen darüber hinaus befürchten. Die neue Regierung im Reiche scheint troß ihrer gelegents lichen Friedensreden außenpolitische Rücksichten kaum noch zu nehmen. In weniger als einer Woche bietet sie der Welt Aufmärsche von Tannenberg, die gegen den Westen ges richtete gewaltige Kundgebung am Niederwalddenk= mal mit der agressiven Eroberungsrede des preußischen Staatsrats Simon, die großartigen Paraden der SA. und SS. auf dem Parteitag in Nürnberg und nun die Ernennung des Chefs der deutschen Luftfahrt zum General. Man wird zugeben müssen, daß das alles zu sammen nicht gerade zur Befriedung der hochgespannten Atmosphäre Europas beitragen muß. Man kann das stärkste Gefühl und den besten Willen für die Gleichberechtigung Deutschlands haben, aber die Mittel ablehnen, mit denen sie von Berlin her erstrebt wird. Es ist unmöglich, sich noch darüber zu betrügen, daß wir gerade: wegs auf friegerische Zusammenstöße lossteuern, wenn die jetzigen Methoden und das jetzige Tempo beibehalten wer den. Eine derartige Ueberhigung kann Europa nicht mehr lange ertragen. Der Mann, der in der ganzen Welt als der Urheber des Reichstagsbrandes gilt, der Mensch, dessen geis ftige Erkrankung durch ärztliche Zeugnisse und durch seine Aufnahme in eine Frrenanstalt feststeht, dieser besessene Machtwahnwizige wird nun der Kulturwelt in einem der höchsten militärischen Grade Deutschlands gezeigt. General der Infanterie? Gewiß, der Uniform nach, tatsächlich aber Marschall der riesenhaften deutschen Luftflotte, die einstweis len nur in seinen Träumen leben mag. Die Revolution ist zu Ende! Das ist zweifellos richtig, wenn man die hochkapitalistische Gegenrevolution in eine Revolution umfälschen will. Die Revolution ist zu Ende, und die Frage erhebt sich: Wann beginnt der Krieg? Vom Stamme Nimm Göring läßt sich 10 000 Quadratmeter Staatsgelände schenken Wie die„ Nationalzeitung"( Essen), das Blatt des preus ßischen Ministerpräsidenten erfährt, hat der bayrische Ministerrat beschlossen, dem preußischen Ministerpräsidenten Göring als Ehrengabe 10000 Quadratme= ter Staatsgelände zur Errichtung eines Hauses auf dem Obersalzberg zur Verfügung zu stellen, mit dem Wunsche, ihn recht bald in den bayrischen Bergen begrüßen zu können. Ministerpräsident Göring hat die Ehrengabe dankend angenommen. 6 201 Warum nicht? Ein echter Nazi nimmt alles an, was andern gehört. Branting gegen Reichsanwalt beſondere Bedeutung zukomme. Göring hat die Schiebung Lassen auch das die Herren auf sich sitzen? vermittelt, die der Familie Hindenburg zu dem geschenkten Gut Neudeck aus Staatsmitteln ein weiteres Gut von 8 000 Morgen( nicht 5 000, wie wir irrtümlich gemeldet hatten) hinzuschenkte. Man wußte, daß sich der Reichspräsident oder richtiger deffen Sohn Oskar erkenntlich zeigen würde. Es blieb zunächst im Dunkel, wie die mächtigen Leute um sins denburg ihren Vorkämpfer Göring gegen den Reichskanz ler ftügen würden. Die Art, wie es nun geschehen ist, spricht dentlich genug. Mars regierte die Stunde. Der hemmungsloseste, der brutalste, der abenteuerlichste, der tries gerischste Nationalsozialist wird General. Die Ehrungen Görings häufen sich. Er ist Reichstagspräfident, er ist preußischer Ministerpräsident, er ist preußischer Polizeiminister, er ist preußischer Polizeigeneral, er ist Reichsluftfahrtminister und seit einigen Tagen, wie es dem frommen Manne gebührt, von der evangelischen Kirche in ihre Generalfynode berufen worden. Er ist also ein unenda lich mächtiger Mann im Himmel und auf Erden. Ob die evangelische Kirche ihrem neuesten Heiligen auch einen Ges nerals- Talar verliehen hat, wird nicht gemeldet. Vielleicht Schweben darüber noch künstlerische Erwägungen. Des neuen Generals Lieblingswaffe ist nicht die Infans terie, sondern das Bombenflugzeug. Er trägt den Orden pour le Merite, für hervorragende Leistungen als Führer der Flugzeugstaffel Richthofen im Weltkriege. Die Draufgängerei wollen wir dem Soldaten Göring nicht bes Streiten. Es steht freilich auch dokumentarisch und hunderts fach bezeugt feft, daß sein Mut nicht aus einem festen männ lichen Charakterzuge kommt, sondern aus dem Rausche des Morphinisten, der die Gefahren nicht mehr sieht und nicht mehr kennt. Die ganze Welt beobachtet mit Aufmerksamkeit und uns ruhe, wie der Reichsminister und nunmehrige General Göring die deutsche Luftfahrt zu einem Instrument allerersten Ranges machen will. Man kann gewiß so tun, als sei dies eine reine Zivilangelegenheit. Aber niemand in der Welt würde es glauben. Wenn ein Mann von so betont soldati= schem Ehrgeiz und so sich selbst rühmenden kriegerischem Willen mit so viel Leidenschaft der Waffe dient, die den nächsten Krieg entscheiden muß, so weiß alle Welt, was die Stunde geschlagen hat. Deutschland ist mit einem Tempo von unges heurer Energie in das allgemeine Wettrüsten eingetreten. Alles Verhüllen und vorsichtiges Herumreden ist zwedklos. Die Tatsachen sprechen allzu deutlich und Görings Ernens nung wird mehr alarmieren als alle„ landesverräterischen" Auffäße, die zum Unbehagen der jetzt Deutschland Ruinies zenden geschrieben werden. Der gegenwärtig in Paris weilende bekannte schwedische Rechtsanwalt Georg Branting antwortet in einem ausführlichen Schreiben auf den vor einigen Tagen veröffentlichten Brief des Oberreichsanwalts Werner. In dem Schreiben heißt es: " Ich stelle mit Genugtuung fest, daß Sie der Auffassung find, daß das dem Untersuchungsausschuß vorliegende Material zur Entlastung der Angeklagten Torgler, Dimi troff, Popoff und Taneff geeignet sein kann. Sie schreiben, daß Sie in ihrer Bitte an mich von dem Bestreben ausgegangen sind, der Schuldfrage dienende bedeutsame Tatsachen dem Gericht zur Kenntnis zu bringen". Dazu gehört ohne Zweifel auch die Verfolgung anderer Spuren, als der, die zu den von Ihnen Angeklagten führen. Sie schreiben auch wegen Material, das geeignet set, den Verdacht der Beteiligung am Reichstagsbrand gegen Personen zu begründen, gegen die bisher ein Verfahren nicht anhängig gewor den ist. Ist Ihnen nicht bekannt, daß in der gesamten Westpresse schon Anfang März mit aller Bestimmtheit erklärt: wurde, daß der Reichstagsbrand kein Werk der Kommunisten sei? Ist Ihnen nicht bekannt, daß in der ganzen Weltpresse schon Anfang März behauptet wurde, daß die Brandstiftung im deutschen Reichstag den jeßigen preußischen Ministerpräsidenten Göring zum Urheber habe? Es erschien uns im Ausland als Selbstverständlichkeit, daß der Ministerpräsident Göring zumindest eines der großen Weltblätter, das diese Behauptungen aufVan der Lubbe wird vernommen = tellte, beim zuständigen Gericht verflagen würde. Er hat es nicht getan. Erst vor kurzem hat der bekannte Rechtsanwalt Moro Giafferi eine entsprechende Erklärung abgegeben. Auch gegen ihn ist keine Klage eingereicht worden. Der Untersuchungsausschuß hat Ihnen das Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror" eingesandt, in dem über die Unschuld der von Ihnen Angeklagten, sowie über die Schuld des preußischen Ministerpräsidenten Göring ein Teil des Materials aufammengetragen wurde. Das Braunbuch ist in der gesamten Weltpreffe mit jenem Respekt und jener Aufmerksamkeit aufgenommen worden, die diese forgfältige Arbeit verdient. Hier ist viel Arbeit an Ihrer Statt geleistet worden. Herr Oberreichsanwalt. Hier Nürnberg auf Reichskosten Boring in 3000 Bonzenautos hätten Ihre Ermittlungen einseßen müssen. Sie Berufen sich auf die Vorschriften der Strafprozeßordmung, nach denen den Angeklagten die freie Wahl des Verteidigers aus der Bahl der bei einem deutschen Gericht zu= gelassenen Rechtsanwälte sowie der Rechtslehrer an deutschen Hochschulen freisteht. Die Angeklagten fönnen aber von diesem Recht bei den jetzt in Deutschland Herrschenden Verhältnissen feinen Gebrauch machen. Die Angeklagten bzw. ihre Verwandten und Freunde haben einer ganzen Reihe deutscher Rechtsanwälte die Verteidigung angeboten, diefe aber haben sämtlich aus berechtigten Befürchtungen für ihre eigene Freiheit, ihr Leben und ihre Gesundheit die Verteidigung abgelehnt. Wie sollten sich auch Rechtsanwälte oder Rechtslehrer dazu entschließen, die Verteidigung kommunistischer Angeklagter zu übernehmen, wenn bekannt ist, daß der Rechtsanwalt Segewisch ins Konzentrationslager gebracht wurde, nachdem er sich bereit erklärt hatte, die Verteidigung Ernst Thälmanns zu übernehmen. Müffen sie nicht alle vom Schicksal des Rechtsanwalts Günther Joachim gewarnt werden, der als Anwalt des Reichsbanners zu Tode gefoltert wurde? Droht ihnen nicht das Schicksal des Rechtsanwalts Spiegel aus Kiel, der von SA. in seiner Wohnung erschossen wurde? Das Schidjal des Rechtsanwalts Schumm, der in der Gefängniszelle er fchlagen wurde? Sehen sie nicht vor sich das Schicksal des Rechtsanwalts Dr. A. Weiner aus Chemnitz, der von SA. verschleppt und erschossen wurde? Das Schicksal der vielen Rechtsanwälte, die in deutschen Konzentrations lagern figen, weil sie Sozialdemokraten, Kommunisten, Pazififten oder Juden verteidigt haben? Das find teine unwahren Tendensmeldungen, wie sie aus unlanteren Gründen in der Auslandspresse verbreitet wurden", son: dern Meldungen, die durch das offizielle Wolffiche Teles graphenbüro, die Telegraphenunion und deutsche Zei: tungen bestätigt wurden. Was die Stellung von Offistalvertetbigern betrifft, so weist Branting darauf hin, daß deren Bestellung von den Wünschen der Angeklagten unabhängig sei und das Vertrauen der Angeklagten nicht voraussetze, was jedoch besonders in politischen Strafprozessen notwendig sei. Die öffentliche Meinung aller Länder mißtraue den Offt zialverteidigern in diesem Prozeß, um so mehr, als nach offiziellen Erklärungen sogar die Möglichkeit bestehe, die Verteidigung fommunistischer Angeklagter als Sympathiebeweis für den Kommunismus selbst zu verfolgen. Im weiteren schlägt Branting als ausländischer Vertetdiger für den Angeklagten Torgler den englischen Rechtsanwalt Britt und den amerikanischen Anwalt Says, für die angeklagten Bulgaren noch namhaft zu machende bulgarische Anwälte, die der deutschen Sprache mächtig sind, vor und fragt den Reichsanwalt, ob er bereit sei, bie Zulassung dieser ausländischen Anwälte au unterstüßen. Branting verlangt menschenwürdige Behandlung der Angeklagten und stellt fest, daß laut einer Anfrage im englischen Oberhaus der Angeklagte Torgler Tag und Nacht in Ketten gehalten wird. Eine gegenteilige Erklärung der deutschen Regierung sei nicht erfolgt. Weiterhin verlangt Branting nochmals sicheres Geleit für die 8eugen und Genehmigung zur Aussage für Beamte. Schweizer Verteidiger an das Reichsgericht Zürich, 81. Aug.( Inpreß.) Der hiesige bekannte Rechtsanwalt Dr. Rosenbaum- Ducommun wendet sich in einem Schreiben an den Präsidenten des deutschen Reichsgerichts, in welchem er mitteilt, daß er gebeten wurde, sich als Ver teibiger ber im Reichstagsbrandprozeß Angeklagten Torgler, Dimitreff, Popoff und Taneff zur Verfügung au stellen. Rosenbaum erflärt sich bereit, die Verteidigung unentgeltlich zu übernehmen, wenn einige Berteidigungsvoraus setzungen vorliegen. Diese sind: Die Angeklagten sollen ihre Verteidiger selbst bezeichnen können; den Verteidigern sollen sämtliche Akten zur Einsicht offenstehen; sie sollen jederzeit mit den Angeklagten ohne Anwesenheit Dritter sprechen können; die Angeklagten sollten hinsichtlich Verpflegung und Beschäftigung wte Untersuchungsgefangene behandelt werden; endlich sollte ber Prozeß so geführt werden, wie dies Rechtsanwalt Branting in seinem befannten, an den berretehsanwalt gerichteten Schreiben gefordert hat. London, 29. Angust. Der Termin des mit großer Spannung erwarteten„ Ges genprozesse 8" über die Reichstagsbrandstiftung ist nuns mehr endgültig auf den 14. September festgelegt. Zum Tas gungsort wurde London außersehen. Vor Beginn des Ges genprozesses" begibt sich eine Unterkommission des Unters fuchungsausschusses, der unter anderen die Rechtsanwälte Dr. Branting und Moro Giaffert angehören, in verschiedene Länder, um dort eine vorbereitende Prüfung von Dokumenten sowie vorbereitende Zeugeneinvernahmen durchzuführen. Die erste Reise der Unterkommission führt nach Amsterdam. Rätselhafter Tod Wer hat den Arzt geprügelt? Wien, 31. August. In einer Budapester Nervenheilanstalt starb der 40jährige Arzt Dr. Adolf Bauer aus Kehl, der auf der Rückreise von der Eröffnung der Weinwoche am Plattenses plößlich Anzeichen einer Geistesstörung zeigte und in die Budapester Heilanstalt gebracht wurde. Hier kam Lungenentzündung dazu und wenig später trat der Tod durch Herzlähmung ein. Das alles vollzog sich in wenigen Stunden. Bei der ärztlichen Totenbeschau wurden jedoch 20 bis 30 mehr oder weniger große Schlag. wunden und Kontusionen festgestellt, so daß die Obduktion keine volle Klarheit über die Todesursache brachte. Dr. Bauer befand sich in einer größeren bayrischen Reisegesellschaft, die den Plattensee besucht hatte. Man schreibt uns aus Nürnberg:. Freifahrt und freie Verpflegung Die Naziblätter veröffentlichen zur Information ihrer Leser eine Abbildung der allein gültigen Fahrtausweise zum Reichsparteitag der NSDAP. in Nürnberg". Der abgebildete Ausweis trägt die Nummer 3000! Man fann daraus ermessen, wie es bei diesem Parteitag zugehen wird: in welcher Anzahl das braune Bonzengesindel in den vornehmsten Luxusautos zur Tagung der angeblichen„ Arbeiter" partei herbeiströmt. Schon seit einigen Wochen gehen die Mitteilungen darüber durch das Land, mit welch großartigem Aufwand die diesjährige Tagung, die beileibe nicht der Aussprache, sondern nur der Feier" gewidmet ist, arrangiert wird: allein die Kosten für die Errichtung der Tribünen und Festhallen betragen vier bis fünf Millionen Mart. von Das Geld hierfür stammt bitte, nicht lachen! der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arsprecher sollen die Stimmen der Oberbonzen in einer Verstärkung von 3000 Watt- aller Welt in die Ohren schreien. Jeder Teilnehmer erhält nicht nur völlig freie Fahrt und freie Verpflegung. Er bekommt auch eine ganz neue Uniform von besonderem Schnitt, ein Paar funkelnde braune Schaftstiefel, neues Lederzeug und einen Revolver- direkt aus der Munitionsfabrik. Zwar soll nach dem Parteitag der Revolver angeblich wiejeder Teilnehmer als Geschenk behalten. Wer nach Nürnberg der abgeliefert werden, doch die Uniform und die Stiefel darf darf, wird also doppelt belohnt, alle andern sind doppelt enttäuscht. Die SA., weit entfernt, in diesem Parteitag einen Markstein ihrer Geschichte zu sehen, empfindet ihn als einen erneuten Betrug, den die Bonzen an ihr begangen haben. beiterfürforge, weil der ganze Nürnberger Bonzenparteis Das größte Blendwerk der Welt tag unter dem Motto der Arbeitsbeschaffung abgehalten wird! deutschen Volk au tun hat, erkennt man am besten, wenn Wie wentg dte Nürnberger Zusammenkunft mit dem man die Liste der Ehrengäste" durchfieht: Bizekanzler v. Papen, Graf Schwerin v. Krosigk, Elz v. Rübenach, v. Epp, v. Killinger, v. Blomberg, v. Friedeburg, v. der Decken, v. Hammerstein, v. Funk, v. Reichenau, v. Vietinghoff, Ritter v. Leeb, v. Fritsch, Oberst v. Hindenburg, Dr. Schacht, Her30g Karl Eduard von Sachsen- Koburg- Gotha, Fürst v. Fürstenberg, Fürst Ysenburg, v. Levezzow, Graf v. der Glotz, Frau Winifred Wagner. Dazu kommen noch die hohen Diplomaten, die es sich nicht nehmen lassen wollen, die Heerschau der Braunen Armee zu bewundern. Abgesagt haben hier allerdings unter anderm die Vertreter Belgiens, Frankreichs, Englands, Spaniens, der Tschechoslowakei, der Niederlande und der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dazu kommen als weitere„ Ehrengäste" zahlreiche nationalsozialistische Bongen, die beute in fetten Staatsanstellungen fizen; der Empfangschef ist hier Hitler fann sich das sisen; der Empfangschef ist hier leisten ein Prinz senburg, ein gewiß geeigneter Repräsentant der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter" partei... 340 Sonderzüge sollen die Elite der SA. und SS. zur Demonstration nach Nürnberg bringen. 25 neue Mikrofone sollen mehr als eine Woche fedes Geräusch in Nürnberg aufnehmen und dem armen Radiohörer vermitteln. 20 Laut Wird Hofer ausgeliefert? Im Flugzeug nach Deutschland? Bozen, 31. Aug. Gauleiter Hofer und jene Männer, die ihn aus dem Gefängnis des Innsbruder Landgerichts befreit haben, find am Mittwochabend um 22 Uhr an der italienischen Grenzstation am Brenner anges tommen. Am Brenner wurde ein amtliches Protokoll aufs genommen. Darauf wurden fie in Begleitung von Polizei agenten nach Brigen bzw. Bozen gebracht. Sofer hatte am rechten Snie eine Fleischwunde, die er durch die Schiffe bei der Verfolgung im Straftwagen erlitten hat. Wegen dieser Verlegung gestaltete fich der Uebergang über das Joch sehr schwierig und zeitraubend. Hofer mußte den größten Teil des Weges teils gestägt, teils getragen werden. Seine Ge= fährten find wohlauf. Nach einer Bozener Meldung der„ United Prek" hat die österreichische Regierung in Nom bereits den Antrag gestellt, den früheren Tiroler Gauleiter der Nationalsozialistischen Partei, ofer, und seine Befreier aus zuliefern. Der Auslieferungsantrag sei mit der Begründung gestellt wor den, daß die gewaltsame Gefangenenbefreiung ein gemeis nes Verbrechen" sei und daß Hofer und seine Genossen als politische Flüchtlinge ein Asylrecht nicht beanspru chen tönnten. Nach einer anderen Meldung soll Sofer bereits im Flug= zeug nach Deutschland gebracht worden sein. Was man im Auto fand Das von den Banditen verlassene Auto wurde von Gries nach Innsbruck zurückgebracht. Man fand darin eine deutsche Handstielgranate, eine Eierhandgranate, vierundzwanzig Stück Revolvermunition und drei leere Pistolentaschen. In einer Aftentasche fand sich ein internationaler Führers fchein auf den Namen Heinrich Schidh, Kufstein, bann Fahrtansweise für Italien und die Schweiz und das Nazis mitgliedsbuch des Franz Hsfer. Im Landesgericht haben die Banditen ein blutiges Bajonett und zwei Fläschchen mit Resten von Chloroform zurückgelassen. Gegen den aus dem Innsbruder Gefängnis gewaltsam befreiten Gauleiter Hofer und seine Begleiter, ist ein Sted: brief erlassen worden. Gauleiter Hofer befindet sich zur Zeit im Krankenhaus zu Brixen. Er ist bei der Verfolgung durch einen Schuß am Knie verwundet worden. Oesterreicher aus Deuschland ausgewiesen? Berlin, 81. August( Inpreß). Aus guter Quelle erfahren wir, daß das außenpolitsche Amt der NSDAP. anregt, im Herbst etwa 85 000 Desterreicher aus Deutschland auszuweisen. Während in der Hauptstadt des dritten Reiches", die Grziehungsheime gesperrt werden, den unheilbaren Siechen der gleichen Stadt die ärztliche Behandlung versagt bleibt um sie so aus der Welt zu schaffen, die Unterstützung der Arbeitslosen gekürzt oder ganz eingestellt wird, während zehntausende Gefangene in Konzentrationslagern als Zugtiere verwendet werden, bereitet man in Nürnberg das größte Feuerwerk vor, das die Welt je gesehen hat. 40 pyrotechnische Facharbeiter mit 300 Helfern sind an der Arbeit, um die Vorarbeiten für dieses Theater durchzuführen. Riesige Gerüste aus Holz und Beton müssen erstellt werden, um das Feuerwerk in Szene zu seßen. Stolz verkündet die bürgerliche Presse, daß am 2. September an die 70 000 Explosivkörper die Nacht erleuchten werden, 1500 Pfund schwere Bomben zum Abschuß gebracht und 4000 Pfund Rotfeuer verbrannt werden. Wir zweifeln nicht daran; es wird ein Riesenfeuerwerk entstehen, aber wir wissen ebensogut. daß es in einigen Viertelstunden zu Ende sein wird und mit ihm der Jubel und die Besteigerung aller jener, die sich an dem Hitlerspuck ergößen werden. Bleiben aber wird die Not des deutschen Volkes, bleiben die Qual der Gepeinigten in den Gefängnissen und Konzentrationslagern Deutschlands, bleiben die Knechtschaft, in der das deutsche Volk lebt. Mag das Feuerwerk die blinden Fanatiker des dritten Reichs" in Ekstase versetzen, eben ihnen werden Millionen zähnefnirschend derer gedenken, die den Hunger der Massen durch ein Feuerwerk, das Millionen kostet, vergessen zu machen versuchen. Literaraten, Profefforen und Philosophen sich nach Rußland begeben möge, damit der Wunsch des russischen Voltes, wieder von französischer Kultur durchdrungen zu werden, erfüllt werden könne. Für die französische Denkungsweise er öffne sich hier eine ungeheure Möglichkeit. Blut fließt im Osten Schwere Kämpfe in Mittelasien Simla, 31. Ang.( Renter). Die schweren Kämpfe, die schon vor einiger Zeit zwischen einigen Völkerstämmen Turs teftans getobt haben, scheinen nach hier eintreffenden Mel dungen wieder auzuleben. Kirgisische Horden haben sich durch einen Ueberfall des alten Stadtteils von Kaschgar bemäch tigt. Dabei fam es zu heftigen Feuergefechten, denen nach den bisherigen Schäzungen ungefähr 50 Menschens leben zum Opfer gefallen sein sollen. Die Bes völkerung hat sich aus Alt- Saschgar in die neuen Stadtteile geflüchtet. Man fürchtet, daß die Kirgisen in den von ihnen besetzten Stadtvierteln schwere Plünderungen vornehmen werden. Das Neueste Der Präsident der Regierungskommission des Saargebies tes, Herr Knox, wird am tommenden Sonntag seinen regelmäßigen Jahresurlaub antreten; er wird durch den finnischen Vertreter, Herrn Dr. Ehrnroth, vertreten werden. Wie Havas aus Buenos Aires berichtet, verlantet aus Comodoro Rivadavia, daß sich an Bord des Petroleums dampfers Santa Cruz eine Explosion ereignet hat, bei der pier Mann der Besagung ums Leben kamen und zehn vers lekt urden. Das Journal glaubt zu wissen, daß im Verlaufe des hens tigen Rabinettsrats der Zeitpunkt des Wiederzusammens tritts des französischen Parlaments auf den 10. oder 17. Ofs tober festgesetzt werden dürfte. Der Matin" tändigt in einer Meldung aus Nancy ums fangreiche Kavalleriemanöver an, die sich vom 9. bis 12. September in der Gegend des Truppenübungsplages von Mailly abspielen werden. Es nehmen daran acht Kaval lerieregimenter sowie Artillerieeinheiten teil. Alle Kavals Ilerieabteilungen werden teilweise motorifiert sein, und die Manöver sollen insbesondere dazu dienen, die Rolle der motorisierten Ravalerie als Dedungstruppe, als Kampfs einheit und als Verfolgungstruppe zu prüfen. Oesterreich weist Flüchtlinge aus ben". Das soll natürlich heißen, daß Eltern und Kinder ters Wien, 81. August. In den letzten Tagen hat die Polizei einer Anzahl reichsdeutscher Emigranten Ausweisungsbefehle zugestellt. Es handelt sich durchweg um Personen, bie fein entsprechendes Vermögen oder Eintommen nachweisen können. Man will offenbar vermeiden, daß sie sich hier ansässig machen und der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen. Die Betroffenen wurden nicht in Polizeigewahrsam genommen, sondern ihnen wird eine bestimmte Frist gestellt, innerhalb deren sie Desterreich verlaffen müssen. Frankreich- Rußland Herzliche französische Stimmen Paris, 1. Sept. In der franzöfifchen Preffe mehren sich seit der Reise Herriots nach Sowjetrußland die russenfreundlichen Artikel. So verlangt die Zeitung„ Ere Nouvelle" heute, daß eine Kommission französischer" Gelehrten, Aus Berlin wird gemeldet: In Großberlin hat eine Maffentlucht aus den weltlichen Schulen eingefegt, allein in Neukölln find von elf weltlichen Schulen acht aufaelöst wors rorisiert wurden,„ chriftliche" Schulen zu besuchen. Blättermeldungen ans Vrag zufolge, wurden bisher bet der Untersuchung in der Mordiache Lessing 20 Personen vernommen, jedoch größtenteils wieder auf freien Fuß ges jekt. Wegen kommunistischer Propaganda und versuchter Zels lenbildung innerhalb der Armee verurteilte das Gericht in Sofia fünf Personen zum Tode. Der Rustand Lord Grey& ist sehr bedenklich. Die fommunistische Humanite" in Paris veröffentlicht einen Auszug aus dem Brief eines französischen Soldaten in Maroffo, der erklärt, die Fremdenlegion habe bei den letzten Rämpfen folgende Berlufte au verzeichnen gehabt: 140 Tote und 28 Berwundete. Bei Tirze hätten Dissidenten am 1. Mai ein Bataillon Fremdenlegion und eine Kompas nie eingeborener Reiter aufgerieben. Wie aus Deffan gemeldet wird, soll zur Entlastung der trationshäftlinge geschaffen werden. Das Lager wird höchfts Gerichtsgefängnisse ein Uebergangslager für die Konzens wahrscheinlich in Roßlau errichtet werden, wo ein früheres der SPD. gehöriges Grundstück beschlagnahmt worden it Oesterreichisches Heer Ein amtlicher Kommentar Wien, 30. Auguft. Zu der von Heeresminister Vaugoin angekündigten Heer form veröffentlicht die offiziöse„ Bolie tische Korresponden einen Kommentar, in welchem ausdrücklich festgestellt wird, daß es sich weder um eine Einführung der allgemeinen Wehrpflicht noch auch des Miliz systems handele, sondern nur um die Aufstellung eines militärisch et Assistenzkorps, das dem regulären Bundesheer amegliedert wird. Die Stärke dieses Assistenzforps werde i bemessen sein, daß mit dem Bundesheer zusammen die in Friedensvertrag Desterreich zugestandene Höchstgrenze bor 30 000 Mann nicht überschritten wird. Es ist geplant, he Dienstzeit in diesem neuen Militär- Assistenztorps auf sinf bis sechs Monate festzusetzen. Die Verhandlungen Deterreichs mit den Mächten über diese Frage haben bereits während der Abrüstungskonferenz in Genf begonnen. Sie wurden unterbrochen, als die Konferenz in Genf vertagt wurde, und sie wurden dann mit den Mächten direkt geführt. Die Verhandlungen können materielI als abgeschlossen gelten. Nach dem erfolgten formeller Abschluß, der für die nächsten Tage zu erwarten sei, werden die neuen Wehrvorschriften veröffentlicht, und es wird unverzüglich mit den Werbungen begonnen werden. Zu Kreuze gekrochen Wieder einmal! Die Nazi- Regierung hat deutschen Reisenden die Benüßung fremder Schiffe durch scharfe Devisen bestimmungen fast unmöglich gemacht. Als die Bevollmächtigten britischer, amerikanischer, französischer Schiffahrtsgesellschaften mit Gegenmaßnahmen drohten, als auch die diplomatischen Vertreter dieser Staaten in Deutschland protestierten, mußten die braunen Diktatoren, die nach innen auftrumpfen und nach außen fazbuckeln, schleunigst einen Rückzieher ankündigen. Wie der Daily Herald" bemerkt, verzeichnen nämlich die fremden Schiffe nur 10 Prozent. deutsche Passagiere in ihren Listen, indes auf deutschen Schiffen 70 Prozent Ausländer zu reisen pflegen. Wieder ein mißglückter Autarkieversuch! Der wievielte? Die illegale Presse Mitteilungen aus Deutschland London, 80. Aug.( Inpreß.) Die New Statesman and Nation" veröffentlicht einen großen Artikel über die illegale Presse und Agitation in Deutschland, die fast ausschließlich von Kommunisten geleitet wird. Wir entnehmen dem Auffa einige aufschlußreiche Stellen. „ Der deutsche Revolutionär von heute ist vor allem ein technischer Künstler, ein konspiratives Genie, oft geradezu ein Zauberer. Seine Redaktion befindet sich in einem kleinen Raum, den er oft täglich, sogar mehrfach am Tage wechseln muß. Kommen und Gehen geschieht unter Lebensgefahr. Oft haust er in dem Raum, ißt und schläft dort. Nur selten besteht seine Druckerei aus einer richtigen Druckmaschine. Im allgemeinen ist es ein Vervielfältigungsapparat, eine Schreibmaschine, häufig nur ein gewöhnlicher Löscher, auf den er einen Streifen Linoleum flebt, in welchen die Worte eingeritzt sind. Mit einem gewöhnlichen Löscher dieser Art tann man in einer Nacht Hunderte Handzetteln herstellen. Wichtiger aber noch als der Druck ist die Verbreitung dieser Presse in den deutschen Städten. Für diese Zwecke ist eine besondere Kunst und Wissenschaft gebildet worden, angepaßt den neuen Bedingungen. Die Organisation ist so eingeteilt, daß einer den andern nicht kennt. Die verschiedenen Verteiler und Verkäufer der Flugblätter haben ihre besonderen Sammelpunkte, aber den, der die Zeitungen hinbringt, kennen sie nicht; wird ein solcher Verteiler von der Polizei erwischt, so kann sie kaum etwas von ihm erfahren. Bor furzem entdeckte die Polizei in Berlin, daß die Post wochenlang auf Kosten des Staates revolutionäre Drucksachen in Briefumschlägen mit dem Aufdruck der Zentrale der städtischen Elektrizitätswerke befördert hatte. Eine Broschüre gegen Hitler betitelt sich„ Stunft und Wissenschaft", in Bayern ist eine revolutionäre Broschüre herausgekommen mit dem großen Titel über der 1. Seite:„ Neueste Sensation! Der neueste billige Radioempfänger! Vier Jahre Garantie! Sie müssen unseren Radio haben!" Man kann die Presse des Volkes nicht ausrotten- das ist in Nazideutschland wieder einmal bewiesen worden. Diese Presse ist eine wachsende Macht." Landesverrat"? ..Soweit die deutsche Zunge reicht"! Erklärung Die braune« Saar- Front" vom 31. Auguſt 1933 bringt eine Erklärung der NSDAP.- Saar gegen mich wegen meiner Veröffentlichungen aus der Rede des Pg. Staatsrat Simon vor den Vertretern des Bundes der Saar- Vereine. Ich erkläre hiermit jeden Teilnehmer der Versammlung, Staatsrat Simon eingeschlossen, der es wagt, die Unrichtigkeit unserer Meldung über die Eroberungsrede des Staatsrats Simon und seine Verkündigung eines zukünftigen 90- Millionen- Germanenreiches zu behaupten, für einen gemeinen Lügner und Verleumder! Ich wähle diese schwer beleidigenden Ausdrücke mit voller Absicht, um die Beleidigungsklage gegen mich zu provozieren, damit ich vor dem saarländischen Gericht die Wahrheit meiner Behauptung durch den Eid der Anwesenden einschließlich meiner Zeugen vor aller Welt darkun kann! Mein erster und bester Zeuge wird Herr Staatsrat Simon selbst sein. Die zweite Garnitur der Zeugen besteht aus den Berichterstattern der saarländischen gleich geschalteten Presse. Jeder dieser Zeugen wird sich vor einem Meineid hüten, jeder wird unter seinem Eide erklären müssen, daß Staatsrat Simon in der Tat erklärt hat: ,, Soweit die deutsche Zunge reicht, soweit deutsches Blut in den Adern rollt, so weit reicht das große Deutschland! Wir begnügen uns nicht mit der Saar. Darüber hinaus reicht die deutsche Zunge bis nach Metz und herunter bis Mülhausen. Die Saar, Elsaß- Lothringen, Oesterreich, Luxemburg, Teile von Belgien und die Niederlande sind alle einmal deutsch gewesen und deutsche Eigenart ist noch heute dort zu Hause. Deutschland will nicht nur ein 60- Millionenvolk sein, sondern ein Volk von 90 Millionen Einwohnern werden. Im Mittelpunkt dieser Aufgabe, die sich das Deutsche Reich gestellt hat, steht die Saarfrage: die Eroberung der Saar wird der Anfang zu weiteren Erfolgen in der Außenpolitik Deutschlands auch nach Westen hin sein. Nicht eher wird der Nationalsozialismus und wird das ,, dritte Reich" mit dem Volkskanzler als Führer ruhen, als bis das Ziel eines Großdeutschland von 90 Millionen erreicht ist!" Und endlich: Meine Augen- und Ohren3eugen haben fünf Meter von Herrn Staatsrat Simon entfernt gesessen und seine Aeußerung stenografisch aufgenommen. Aber ich bin sicher, auf diese Zeugen erst gar nicht zurückgreifen zu brauchen, weil Herr Staatsrat Simon selbst unter Eid die Richtigkeit meiner Darstellung bestätigen muß! Leider wird es zu dieser Gerichtsverhandlung niemals kommen, da keiner der Teilnehmer, auch Herr Staatsrat Simon nicht, meine schweren Beleidigungen auf sich beziehen wird. Schade! Sehr schade! M. Braun, Im holländischen Blickfeld Drei Acußerungen als Stimmungszeichen 99 Treu und Glauben"! Der„ Post Scripta" der Haagschen Post vom 26. August entnehmen wir folgendes: ,, Wie springt man in Deutschland mit dem um, das man dadurch erspart, daß man die Zahlungen ans Ausland eingestellt hat! Unzählige Millionen werden gebraucht, um die Arbeitslosigkeit auf fünstliche Weise zu verringern und mit dieser Verringerung zu proßen. Unzählige Millionen werden verwandt, um im Ausland Propaganda für den Natio= nalsozialismus zu machen und um sich durch ein ausgebautes Spionagesystem auf dem Laufenden zu halten. Unzählige Millionen werden vergeudet, um Oesterreich, das als erstes auf dem Wunschzettel der ersehnten Länder steht, zu annektieren. Unzählige Millionen werden verschwendet für großartige Feste, die mit einer Art von Völkerwanderung verbunden sind. Und das alles, um dem In- und Ausland Sand in die Augen zu streuen und um das Volk einzulullen. Während nun die nicht bezahlten Gläubiger Deutschlands nicht aus noch ein wissen, weil sie kein Geld haben, hat der Schuldner Deutschland es augenscheinlich wohl in Hülle und Fülle."- Treu und Glauben!..." Im Konzentrationslager Die„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" vom 28. August be richtet u. a.: Besonders zu denken gab, daß die kommunistischen Gefangenen ein Monument für Horst Wessel errichten mußten. Einige Bewohner des Konzentrationslagers klagten über das Essen, das hauptsächlich aus Kartoffeln und hartem Brot bestände und unzureichend sei. Andere beklagten sich, daß die Pakete, die man ihnen schickte, geöffnet würden und daß man die Lebensmittel und Delikatessen herausnähme. Wieder andere beschwerten sich, daß sie arbeiten mußten, obwohl sie Deutschland produziert Rüben für die Rüstungs- nicht dazu in der Lage waren. Der Gouverneur leugnete industrie Der Völkische Beobachter" propagiert in einem Aufsat des Wirtschaftsteils den forcierten Anbau von Zuckerrüben. Er behauptet:" Die Suderindustrie liefert einen Beitrag zur Wehrhaftigkeit. Rüstungen tosten Opfer. Aber an Rüstungen hat sich niemand zu bereichern. Ausschließlich die oberste Wirtschaftsleitung hat zu prüfen, wieviel Rübenbau ist erforderlich, um den Rüstungszweck zu erreichen." Arme Irre Aber auch Denunzianten Die Vereinigung nationaldeutscher Ju den" hat eine Erklärung in folgendem Sinne veröffentlicht: Der Prager Zionistenkongreß, an dem die deutschen Zionisten nicht teilgenommen, den sie aber zweifellos beeinflußt hätten, habe sich offen an das Ausland gewandt, um eine Einmischung in die inneren deutschen Angelegenheiten herbeizuführen. Die deutschen Juden nationaler Richtung miß billigen ganz entschieden jeden Versuch, auf die deutsche Regierung mit Hilfe des Auslandes einen Druck auszuüben. Sie hofften auf eine baldige Lösung der jüdischen Frage, die den Juden, die seit Generationen in Deutschland lebten und wirkliche Deutsch seien, es erlaubte, mdem Aufbau des nationalen Staates mitzuarbeiten. Die„ nationaldeutschen Juden" harren der Stunde, wo sie in den Schoß des Nationalsozialismus aufgenommen wer den. Ihr Liebeswerben wird mit Hohn beantwortet. Man fann nicht einmal sagen, daß sie etwas Besseres verdienen. ausdrücklich, daß Körperstrafen angewandt würden. Trotzdem zeigten einige Gefangene deutlich die Spuren von Schlägen auf dem Rücken. Das Schlimmste für die Gefangenen ist jedoch, daß sie dauernd unter Kontrolle stehen. Der Zweck der Läger ist nämlich, die Gefangenen zum Nazitum zu befehren. Wer bekehrt ist, wird freigelassen, allerdings dann noch weiterhin unter strenger Kontrolle gestellt. Der Besucher verläßt das Lager mit einem Gefühl des Wiedersehens". Er fühlt sich mitschuldig an etwas ungehörigem und zwar nicht allein dadurch, daß er menschliche Wesen, die sich in einer so schrecklichen Lage befinden, gesehen hat, sondern auch weil er mitansehen muß, wie einsichtslose Leute ihr eigenes Fleisch und Blut unter Kuratel stellen. Man hört die schauerlichsten Geschichten über die Konzentrationsläger. Die körperlichen Gewalttaten können als Ausschreitungen aufgefaßt werden. Die geistigen Qualen aber sind noch viel ärger. Daß Badeeinrichtungen und Kranken= stationen in Ordnung sind, daß vielleicht die Klagen über das Essen zu Unrecht bestehen, mildert das nicht. ( Es handelt sich um ein Lager, in dem sich 2500 Gefangene befinden. Um welches Lager es sich handelt, geht aus dem Artikel nicht hervor.) Arbeitsdienst " Het Volk" vom 28. August schreibt: ,, Es ist in Deutschland in der letzten Zeit sehr still geworden um den Arbeitsdienst. Das hat seinen guten Grund. Während der letzten Monate haben viele Konferenzen über das Thema: Arbeitsdienst stattgefunden, wobei vom Finanzministerium immer wieder betont wurde, daß die Sache einfach nicht zu finanzieren sei. Wie uns mitgeteilt wurde, hat man heute die Arbeitsdienstpflicht aufge= geben. Hierzu möchten wir bemerken, daß man in der Rechnung einen dicken Fehler gemacht haben muß, da die deutsche Regierung doch ihr Lieblingskind: Arbeitsdienst nicht ohne zwingenden finanziellen Gründe vor die Türe gesetzt haben würde. Mit nüchternen Augen geschen , Er sah gewöhnlich aus und schrie mich an!" Hitler schrie mich an..." So ist ein Aufsatz im„ Daily Herold" überschrieben, in dem ein Experte des britischen Rundfunks seinen Besuch bei Adolf Hitler schildert. Der Interviewer man spürt es seinen Worten an- wurde wurde zweifellos ausgesandt mit der Weisung, den Kanzler des dritten Reiches" recht objektiv zu betrachten, denn Objektivität verlangt der englische Hörer vor allem. Da kam er nun an, der sachliche Engländer, und fand Herrn Hitler in seinem„ bequemen Arbeitszimmer sigend" vor einem großen Schreibtisch im Mussolinigeschmack mit einer umfangreichen Blumenvase daneben, die Mussolini zweifellos als weibisch verwerfen würde". Der Interviewer saß in einer Ecke, neben ihm ein Beamter des Auswärtigen Amtes, der den Gast kontrollieren und neben diesem einer vom Nazi- Generalstab, der den Beamten vom Auswärtigen Amt und den Gast kontrollieren sollte. In Hitler fand der Engländer einen„ gewöhnlich aus. sehenden Mann mit großen braunen Augen, etwas volle ren Wangen, als er erwartet hatte und einem Schurrbart, größer als sonst, so daß es nicht mehr möglich ist, den Kanzler mit Charlie Chaplin zu vergleichen". Der Interviewer bekennt, daß er noch immer nicht begreift, warum mancher Deutsche in Deutschland, von Hitler spricht, als sei er ein Halbgott. Dann aber begann der Kanzler zu sprechen, und jetzt lief es dem Engländer kalt überm Rücken: „ Die Augen auf eine unsichtbare Menge gerichtet, schrie er mit mißtönender Stimme, so daß ich beinahe erwartete, seine Sekretäre würden hereinrennen, um mich zu verhaften... Als der Kanzler sprach, schien er Stimmen zu hören wie Jeanne d'Arc. Er zollte uns so wenig Aufmerksamkeit, daß ich fest überzeugt bin, er hätte es nicht einmal bemerkt, wenn wir aufgestanden wären und den Raum verlassen hätten." H. N. Brailsford, London Amerika und seine Arbeiter haben keinen Platz in dem techischen Plan des kapl talistischen Wiederaufbaues. Shtsdestoweniger muß diese ganze Bewegung der. Entricklung der Gewerk schaften in den Vereinigten Staate förderlich sein. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung befand sich schon vor der Krise in merklichem Abstieg, ihre Führung liegt in den Händen von so konservativen Männern, daß ein europäischer Sozialist seinen Ohren niht traut, wenn er Das gigantische Ringen um Nordamerikas Wirtschaft fe reben hört. Jetzt hat ſie Gelegenhet, zu wachsen und Der Versuch Amerikas, die kapitalistische Wirtschaft durch einschneidende Reformen zu retten, nähert sich dem entscheidenden Punkt. Obwohl Präsident Roosevelt mit den Vollmachten eines Wirtschaftsdiktators ausgestattet ist, blieb der erzielte Fortschritt doch hinter seinen Erwartungen zurück. Während des Monats Juli sind etwa 400 000 Arbeitslose in die industriellen Betriebe wiedereingestellt worden; das ergibt eine Gesamtsumme von 1,1 Millionen Menschen, die seit Roosevelts Regierungs: antritt im März wieder Arbeit gefunden haben. Das klingt ermutigend; aber man muß bedenken, daß das Heer der Arbeitslosen 14 Millionen stark war. Kein Zweifel, daß das Tempo dieses gigantischen Ringens um die wirtschaftliche Wiederherstellung gesteigert werden mußte. Kampf mit den Kapitalisten Dieser Aufgabe hat sich General Johnson, der Jndufriediktator des Präsidenten, in der letzten Zeit gewidmet. Er begegnete dabei dem Widerstand von vier der größten Industrien, die ihm das ganze zerstörende Talent ihrer Wirtschaftsführer entgegenseiten, die sich bisher noch niemals, weder dem Staat noch der öffentlichen Meinung, gebeugt haben: die Herren des Erdöls, des Stahls, der Kohle und des Automobils. Die großen Erdöltruste, insbesondere die RockefellerGesellschaften, widersetzten sich der Preiskontrolle, die die kleineren Gesellschaften gern angenommen hätten. Nach vier Wochen vergeblicher Verhandlungen berief sie General Johnson zusammen, überreichte ihnen einen Code, den er selber aufgesetzt hatte, teilte ihnen mit, daß der Präsident diesen Code am nächsten Tag, 12 Uhr mittags, unterzeichnen werde, setzte seinen Hut auf und empfahl sich. Der Code gibt dem Präsidenten die Boll macht, die Preise selbstherrlich festzusetzen; er schreibt die Bierzigstundenmaximalwoche vor und erhöht die Löhne um einen erheblichen Betrag. Die Schwierigkeiten bei den anderen Industrien betrafen teilweise die Arbeitszeit, aber hauptsächlich die Frage der Kollektivverträge. In der Stahlindustrie war bisher der Zehnstundentag die Regel; auch hier wird nun die Vierzigstundenwoche vorgeschrieben, mit etwas Spielraum zur Anpassung wäh rend einer Uebergangszeit von drei Monaten. Roosevelt hat mit der Verkündung der Fünfunddreißigstundenwoche begonnen; das war offenbar nur ein taktischer Schachzug, in Wirklichkeit sind vierzig Stunden die Norm für alle großen Industrien. Autokraten und Gewerkschaften Die Herrscher des Stahls und der Kohle, mit dem Automobilkönig Ford als Rückendeckung, haben hartnäckig für die„ offene Werkstätte" gekämpft: seit einer Generation haben sie sich mit unbeugsamem Starrfinn jeder Anerkennung einer freien Gewerkschaft widersetzt. Die meisten Streiks, die die Unternehmer mit den Gewehren und Maschinengewehren der von ihnen gemie teten„ Hilfspolizei" niederzuwerfen versuchten, entsprangen diesem Streit und wurden mit einer für Europäer geradezu unglaublichen Wildheit ausgefochten. Ein Chemie stark beschäftigt 71 000 Arbeiter und Angestellte bei der I. G. Farben Wie man aus früheren Mitteilungen schon weiß, hat die J. G. Farbenindustrie im letzten Viertel des vorigen und in der ersten Hälfte dieses Jahres in ihren eigenen und Pachtwerken die Belegschaft erhöht um 9000 auf 71 000 Arbeiter und Angestellte. Aus einer neuen, offenbar mit den besonderen Bemühungen um Arbeitsbeschaffung in Mitteldeutschland zusammenhängenden Veröffentlichung er gibt sich nun, daß davon auf die Leunawerte 2900 und auf die übrigen mitteldeutschen Betriebe 1750 Arbeitskräfte entfielen. Diese Arbeitskräfte sind nun auch nach Beendigung der für die Beschäftigung des Leunawerks ausschlaggebenden Düngemittelsaison nicht entlassen, sondern weiterbeschäftigt worden durch Investitionen, für die im ersten Halbjahr fast 5 Millionen aufgewendet und für das zweite noch einmal die gleichen Beträge bereitgestellt wurden. Welche Bedeutung das im Rahmen der Investitionen bei sämtlichen J.- G.- Betrieben hat, ergibt sich daraus, daß diese 1932 einschließlich aller Ersatzbeschaffungen von Apparaten und Einrichtungen nur noch etwa 20 Millionen betrugen. Im Zusammenhang mit Nebenarbeiten bei den jetzigen Investitionen sind nun über die Weiterbeschäf= tigung der ganzen Belegschaft hinaus noch Einstel= Iungen vorgesehen, allerdings nur in Höhe von etwa 450 bis 500 Mann; die Möglichkeit weiterer 100 bis 150 Neueinstellungen werde zur Zeit geprüft. Ueberdies wird das vor furzem bereits bekanntgegebene Investitionsprogramm für die Bergwerke, für das bei Riebeck 12 Millionen und in den übrigen meist ebenfalls mitteldeutschen Gruben 10 Millionen vorgesehen sind, zwei Jahre lang 5000 Arbeitsfräfte zusäßlich beschäftigen, darunter 3500 in Mitteldeutschland. Die Spareinlagen Geringe saisonbedingte Zunahme Die Spareinlagen der preußischen Sparkassen stiegen im Juli um 33,5 auf 275 Mill. RM., die Rückzahlungen um 8,9 auf 268,7 Mill. RM. Mithin wurde ein Einzahlung 3überschuß von 6,5 Min. RM. erzielt, nachdem in ben beiden Vormonaten die Rückzahlungen bei den Sparkassen größer als die Einzahlungen waren. Diese Entwicklung ist vornehmlich saisonbedingt. Einschließlich der Zinsund Aufwertungsgutschriften im Betrag von insgesamt 1,4 Mill. RM. erhöhte sich der Spareinlagen= bestand der preußischen Sparkassen im Juli um 7,7 auf 6299,4 Mill. RM. typischer Kampf dieser Art tobte noch vergangenen Monat in den Kohlenrevieren von Pennsylvania. Seit dem Krieg bestand die gebräuchliche Methode diefer Unternehmer darin, gelbe Werkvereine" zu gründen, die ausschließlich aus den Arbeitnehmern ihrer Werke bestehen; mit diesen Schattengewerkschaften sind sie bezu„ verhandeln". Gewöhnlich beruhen sie auf 3wangsmitgliedschaft, während die Mitglieder der echten Gewerkschaften ausgeschlossen sind; oftmals genießen sie Vorteile, die auf dem Papier verführerisch aussehen. Aber während der Krise haben die älteren Arbeitnehmer erfahren müssen, daß gerade sie, die sich durch lange und erfahren müssen, daß gerade sie, die sich durch lange und gefügige Dienste den Anspruch auf eine Pension erworben zu haben glaubten, rücksichtslos aufs Pflaster geworfen wurden. Die Stahlindustrie hatte in ihrem Entwurf eines Codes eine Bestimmung aufgenommen, die dieser Form von Gewerkschaften den Vorrang gab; der Präsident mußte erst die Unternehmerführer zu sich jedoch nur ein negativer Erfolg, wenn man überhaupt berufen, ehe diese Klausel zurückgezogen wurde. Das ist von einem Erfolg sprechen kann. Die Autokraten des Stahls und der Kohle sind heute nicht mehr bereit, eine wirkliche Gewerkschaft anzuerkennen als am Beginn der Verhandlungen, und Henry Ford, der ohne weiteres geneigt scheint, die Löhne zu erhöhen und die Arbeitszeit zu kürzen, ist in diesem Punkt ebenso unnachgiebig Löhne als Betriebsstoff An diesem Punkt aber wird der amerikanische Versuch der Wirtschaftsankurbelung besonders interessant. Ueber das ganze Land geht die Propaganda für Lohnerhöhungen: teils durch direktes Diktat des mit unbegrenzten Vollmachten ausgestatteten Präsidenten, teils durch einen Wirbelwind von Radioreden, durch schwarze erdenklichen Mitteln der Beeinflussung und der Reklame, dur cheinen Wirbelwind von Radioreden, durch schwarze Listen und weiße Listen, durch offene, offizielle Organisation eines Verbraucherboykotts werden die Unternehmer gezwungen, die Löhne zu erhöhen und die Arbeitsstunden zu kürzen, bis die langsame Maschinerie der mit 3wangskraft ausgestatteten Codes zu wirken beginnen kann. Amerika ist daraufgekommen, daß der Arbeiter ein Käufer ist. Als solcher ist er wichtig, ist er ein Teil der Triebkraft„ Nachfrage", die die Räder der Erzeugung bewegt. Früher haben die Statistiker aus gerechnet, wieviel Kilowatt elektrischer Energie erforderlich sind, um diese Räder in ihrer vollen Leistungsfähig keit auszunügen; heute rechnen sie aus, wieviel Millionen Dollar Kaufkraft für denselben Zweck notwendig sind: die Maschine verlangt Löhne, wie der Hochofen Kohle braucht. Das ist keine Frage nach dem Recht des Arbeiters auf menschenwürdiges Leben, nach seinem Anspruch auf Kultur; es ist eine Angelegenheit der Entwicklung der Produktion. Man versteht jetzt, daß Massenproduktion auch Massenkonsum erfordert. Arbeiterorganisationen Die Macht der Arbeiter zu stärken, sie zu organisieren, sie für zukünftige Rämpfe auszurüsten: diese Erwägungen sich zu bewähren. In einer Zeit, da hne und Preise steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt, kain sie das Recht auf Rollektivverträge mit mehr Hoffnung auf Erfolg geltend machen als zu der Zeit, da im Weißen Haus Hoover und die Verzweiflung herrschten. Die Regierung steht wenigstens gefühlsmäßig auf ihrer Seite, obgleich man noch nicht weiß, wie weit sie sich von der strikten ,, Neutralität“ zu entfernen wagt. Immerhin würde ein Streik in einer der großen Industrien den Wederaufbau verzögern, und die öffentliche Meinung, die Roosevelt zur Wacht gebracht hat, liebt die Magnaten des Dels, des Stahls und der Kohle nicht. Roosevelt und Hitler Aber welche öffentliche Meinung ist das? Bessen Stimmen haben Roosevelt zum Diktator gemacht? Es waren in der Hauptsache die Mittelschichten in Stadi und Land, Angestellte, kleine Geschäftsleute, Bauern denn der typische amerikanische Farmer, obgleich er verhältnisbenügt, arbeitet mit seinen eigenen Händen. Man wird mäßig viel Boden bearbeitet und dazu viel Maschinen mit Erstaunen bemerken, daß das gerade dieselben Gesellschaftsschichten sind, die Hitler zur Macht gebracht haben. In der Tat bestehen Aehnlichkeiten. Der kleine Mann in Amerika stöhnt wie in Deutschland unter der Schuldenlast, applaudiert neuartigen Ansichten über die 3insknechtschaft" und haßt Bankiers, Truste und Großkapitalisten ganz ebenso wie die betrogenen Opfer der Nazi. Aber in Amerika trennt keine Kluft diese Schichten von den besser bezahlten Arbeitern; die Trennungslinie verläuft vielmehr zwischen den Mittelschichten und qualifizierten Arbeitern einerseits, den neuen Eingewanderten ( den unqualifizerten Arbeitern) und den Negern ander feits. Die amerikanischen Arbeiter haben überdies mit wenigen Ausnahmen keinen Sinn für politische Macht; auch sie, gleich den kleinen Farmern, den kleinen Geschäftsleuten und Angestellten, haben für Roosevelt gestimmt. Die äußere Aehnlichkeit des amerikanischen Wirtschaftsexperiments mit dem Faschismus der Glaube an einen bevollmächtigten Führer, die Außerachtlassung des normalen parlamentarischen Weges, die starke offizielle Propaganda zur Meinungserzeugung täuscht. In Amerika fehlt die Gewalt, der Militarismus, die Feindschaft gegen den Arbeiter. Noch weiß man nicht, ob das Experiment gelingen oder fehlschlagen wird. Es scheint, daß Roosevelt zögert, ehe er den entscheidenden Schlag magt die Inflation. Niemand kann sagen, mit welchem Ausmaß von Genauig keit er eine so gefährliche Operation wird kontrollieren können. Wenn er Erfolg hat, mag der Arbeiter und der ,, vergessene Mann" in Amerika eine kurze Periode ver hältnismäßigen Wohlstandes gewinnen. Aber schon scheint heute die Aussicht geringer, als sie noch vor einem Monat war, daß Roosevelt in der Hitze des Gefechtes dazu gedrängt werden könnte, einen wirksamen Schlag gegen eine der Grundlagen des Kapitalismus zu führen. Was er tut, ist der Versuch, den Kapitalismus zu kontrollieren, seiner Anarchie ein Mindestmaß von Ordnung aufzu zwingen aber die Wurzeln der kapitalistischen Unordnung magt er nicht anzutasten. Und die Räder werden sich weiterdrehen, um Profit zu erzeugen, Profit, Profit... Strömt herbei, ihr Völkerscharen ,, Es spielt durchaus keine Rolle, daß Sie Jude sind" ,, Germany wants to see you!"( Deutschland wünscht sie zu sehen), so liest mans im Ausland auf bunten, einladenzu sehen), so lieft mans im Ausland auf bunten, einladen den Plakaten; und im„ dritten Reich" geschieht alles, um Fremden den Aufenthalt im Land des braunen Schreckens Fremden den Aufenthalt im Land des braunen Schreckens zu versüßen. Da kommts mit einem Male nicht mehr auf bie Rasse nur noch auf die Kasse an, und auch jüdisches Geld stinkt nicht, man muß es nur haben. Ein Jude aus der Tschechoslowakei fragte beim Leip ziger Messeamt an, ob er zur Herbstmesse gefahrlos nach ziger Messeamt an, ob er zur Herbstmesse gefahrlos nach Deutschland reisen könne. Die Antwort( sie liegt uns im Original vor) ist: eine einzige Geste der Zärtlichkeit! " Wir werden Sie herzlich willkommen heißen ... Es spielt durchaus keine Rolle, daß Sie Jude sind... In Leipzig ist jeder Ausländer, ganz gleich welchen Glaubens, welcher Rasse und welcher Nation er auch sei, willkommen... Können Ihnen auf das bestimmteste versichern, daß Sie den Schuß der sämtlichen deutschen Behörden genießen werden... Dabei ist gleichzeitig die Bevölkerung darauf hingewiesen worden, daß jeder Ausländer ohne Unterschied der Nation, des Glaubens und der Rasse hier willkommen und auf das zuvorkommendste zu behandeln ist." Denn die neudeutsche Ehre gebietet, daß in Deutschland nur deutsche Volksgenossen mißhandelt werden dürfen. Aber manchmal geschieht es versehentlich, daß Ausländer mit Einheimischen verwechselt werden solche Fälle landen dann gewöhnlich vor den zuständigen Konsulaten und enden mit einer" Genugtuung" der deutschen Regierung. Der amerikanische Arzt Mr. Daniel Mulvilhill 3. B., der es vor einigen Tagen verabsäumte, den rechten Arm emporzurecken, als während einer Aufnahme zum Wachsende Goldvorräte In Holland Nach dem Wochenbericht der Neederlandschen Bank sind dem Woche wieder 11 Millionen Gulden Gold zugefloffen. Der holländischen Zentral- Noteninstitut in der vergangenen Goldbestand erhöhte sich auf 826 Millionen Gulden. Der Notenumlauf ist mit 90,7 Prozent( Vorwoche 90,6) durch Gold und mit 94,4 Prozent( 93,8) durch Gold und Silber gedeckt. . Horst- Wessel- Film eine SA- Kolonne durchs Branden burger Tor zu Berlin marschierte, wurde von einem Braunhemd heftig ins Gesicht geschlagen. Das amerikanische Konsulat ließ daraufhin ziemlich deutlich durch blicken, daß solche Spässe üble Folgen für den deutschen Fremdenverkehr haben könnten. Man werde Washington dazu übergehen müssen, Deutschlandreisende zu warnen. Sofort beeilte sich die HitlerRegierung, den schlagfertigen SA.- Mann festzunehmen und ihn der ordentlichen Polizei übergeben zu lassen. in Vor dem dritten Reich" nannten die Nazis weit ges ringere Konzessionen an Ausländer„ feige Kriecherei" und„ undeutsche Razzbuckelei". Uebrigens haben es die braunen Prügelhelden nicht leicht, das muß man sagen. Sie haben ja nicht nur die Erlaubnis, sondern den höheren Befehl erhalten, Leute, die den Hitlergruß auf der Straße verweigern an Ort und Stelle zu bestrafen"- das heißt zu mißhandeln. Sollen sie es ihren Opfern vielleicht an der Nasenspige ansehen, ob es Ausländer sind? Oder sollen sie, bevor sie losschlagen, die Müze ziehen und höf lich fragen:„ Verzeihen Sie, ehe ich Ihnen das Nasenbein breche sind Sie vielleicht ein Fremder?" Die Schönfärberei hat wenig 3meck. Die ausländischen Gäste haben ja Augen, zu sehen, und Ohren, zu hören. Sie merken sehr bald, was in Deutschland los ist. Ja, gelegentlich ereignet sich sogar der beschämende Fall, daß Reisende gegen die deutsche Schmach protestieren. In Nürnberg wurde vorige Woche ein 19jähriges Mädchen, lichste gefoltert. Braune Lümmels hingen ihr ein Schild das mit einem Juden gesehen worden war, aufs widerum den Hals:„ Ich habe mich mit einem Juden ein gelassen", schleppten sie durch die Straßen und durch alle schaft, die Zeuge dieser Scheußlichkeit wurde, richtete Kabaretts. Eine englische Touristengesell. an die Nürnberger Stadtverwaltung einen empörten Brief: sie hielte es für ihre Pflicht, darauf hinzu weisen, daß solche Vorfälle unweigerlich den Abscheu aller fremden Besucher erregen müßten". Daraufhin unterblieb eine ähnliche Exekution, die bereits geplant war. Die braunen Herren schwindeln und heucheln vor dem Ausland nach Kräften aber es nügt ihnen nichts. Die ganze Welt sieht Deutschlands Schmach und wendet sich schaudernd von einem Lande ab, in dem Sadismus, Bluts rausch und Jrrsinn regieren. Deutsche Stimmen * Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Samstag, den 2. September 1933 Ereignisse und Geschichten Die Lösung und Erlösung Ein Bekenntnis zur Gesinnung Von Theodor Lessing Theodor Lessing, der am Mittwoch von einem Schergen des deutschen Terrors ermordet wurde, ift 62 Jahre alt geworden. Er war ursprünglich Arzt und hat von 1914-1918 Striegsdienst geleistet. Seine wichtigsten Schriften find:„ Schopenhauer, Wagner, Niegiche"( 1906),„ Europa und Afien"( 1918),„ Geschichte als Sinngebung des Sinn lofen"( 1919). Seit 1908 wirkte er als Privatdozent, feit 1919 war er Professor an der Technischen Hochschule in Hannover. Vor einigen Jahren zwangen ihn brüllende Studenten, denen die pazififtische Gesinnung Leffings nicht ges fiel, auf sein Lehramt zu verzichten. Er behielt jedoch einen Forschungsauftrag. Alles, was Leffing geschrieben hat, # 2 vereinigt höchftes Gedankengut, gezeugt von Güte und Menschenliebe, mit edelfter deutscher Sprachgestaltung. Im März drangen braune Horden in seine Wohnung ein und setzten sie unter stinkende Janche, so daß die ganze Bibliothek Leffings unbrauchbar wurde. Jetzt haben ihn seine Haffer, die Feinde menschlicher Gefittung und mensch licher Kultur, wie einen tollen Hund in der Fremde niederschießen lassen, obwohl er sich in aller Stille seinen philosophischen Arbeiten widmete. Sein nachfolgender Essay stammt aus dem Jahre 1932. Wir entnehmen aus der Geschichte, daß manche Völker unter sechs verschiedenen Regierungen sechsmal ihren Glauben gewechselt haben. Keine Weltanschauung, keine öffentliche Meinung, ja auch keine wissenschaftliche Theorie dauert länger als die Zellen unseres Organismus, die etwa alle fieben Jahre einen vollständigen neuen Leib bilden. Ein Begriff, der heute in aller Mund ist und positiv betont, wie z. B. Nation, Völkis.h, Gleichschaltung, Romantik kann sieben Jahre später ein durchaus negativ betonter Begriff sein. Ebenso können die Ekelworte von heute, z. B. Marxismus, Mechanismus, Rationalismus einige Jahre später allgemein beliebte Ruhmesworte werden. Forschen wir nach den Gesetzen dieses Wechsels der Gesinnung, dann stellt sich wohl zunächst die banale Wahrheit ein, daß die Menge stets nach der Richtung der jeweils größten Kraftentwicklung gedrängt wird. Und zwar aus Unselbständigkeit, Lentsamkeit und aus dem Bedürfnis, zu gehorchen und befehligt zu werden. Es ist ein großer Wahn, daß Erfolge je zustande kommen auf Grund von Würde und Wert. Der bekannte Sat:" Das Genie setzt sich immer durch", ist gerade das Gegenteil der Wahrheit. Es ist sehr selten, daß ein Genie sich durchzusehen vermag. Wohl aber gilt die folgende Erfahrung: Ueberall dort wo Erfolg, Macht, Wirkung in Erscheinung tritt( gleichviel mit welchen Mitteln), da werden Werte und Tugenden, falls sie vorhanden sind, gesehen, und wo sie nicht vorhanden sind, erfunden. Ich nenne diese Gesetz:" Sinngebung von Nachhinein".( Sacrificatio post festum.) Es ist das Grundgesetz aller Geschichte. Es wäre aber sehr ungerecht, wollte man in dieser Verklärung der Macht, in dieser nachträglichen Rechtfertigung selbst des Niederträchtigen und Verbrecherischen, nur den Ausdruck der menschlichen Angst und Feigheit sehen. Es klingt sehr parador und verbirgt doch tiefe Wahrheit: Just diese Charakterlofigikeit und Feigheit der Masse hängt zufammen mit der adeligsten Eigenschaft des Menschen: dem Willen zum Jdeal. Einige ganz einfache Beispiele werden zu dieser überraschenden Erkenntnis verhelfen. Ich entnehme sie meinem Buche: Geschichte als Sinngebung des SinnIosen". Wenn ein Mensch Unrecht getan bat gegen über einem anderen, dann besteht ihm selber un= bewußt in seiner Seele die Tendenz, alles aufzusuchen, zu sammeln und scharf zu betonen, was von nachhinein das insgeheim gefühlte Unrecht rechtfertigen und womöglich in ein gutes Recht umbiegen kann. Hat zum Beispeil ein Weißer einen Schwarzen, ein Schwarzer einen Weißen verunrechtet, so wird er nach der Motivation seines Unrechts suchen und möglicherweise fünftig jeden Schwarzen oder jeden Weißen für minderwertig" erklären. Das menschliche Gewissen reagiert viel empfindlicher auf das aktiv zugefügte als auf das passiv erduldete Unrecht. Als im Jahre 1914 in Deutschland zur Mode ward, sich auf den Straßen zu grüßen mit der Formel„ Gott strafe England", da erschien im Nu eine ganze, heute schon wieder vergessene Literatur, welche wissenschaftlich bewies, daß England in Gegensatz zu Deutschland der Hort des Materialismus und Rationalismus sei.„ Sie sagen Gott und meinen Kattun". Ein wunderliches Beispiel dieser nachträglichen Sanktion eines heimlich als ungerecht empfundenen Urteils ist die fast komische Vergleichstabelle aller englischen und deutschen Nationaleigenschaften, welche May Scheler seinem Buch„ Der Genius des Krieges" anhängte. Unmittelbar auf jede Judenverfolgung erscheint eine Flut unsinniger Bücher, welche nachträglich das Recht des Geschehenen be= weisen und womöglich aus dem Wesen der Geschädigten und Verunrechteten motivieren. Aber diefes Gesetz der nachträglichen Sinngebung des Sinnlosen hat viel schrecklichere Untiefen als irgendwer sich eingesteht. Kennt man denn zum Beispiel schon die letzten Untergründe, aus denen der Richter das Verbrechen straft, der Geistliche die Sünde verdammt? Man glaubt naiv, daß der Richter seine Verdikte fälle um des Angeklagten, des Schuldigen willen. Aber man sieht nicht, daß der Spruch des Richters vor allem und zunächst nur das Urteil oder Vorurteil des Nichtenden sanktionieren muß. Hat der Richter etwa eine Antipathie oder Sym= pathie, so hat er ein Interesse daran, just diejenigen Umstände hervorzusuchen, zu überbetonen und aufzusammeln, welche ihn selber rechtfertigen und ihm das unangenehme Gefühl ersparen, auch nur ein irrender Mensch zu sein. Die öffentliche wie die private Meinung fommt also zustande durch das Bedürfnis, schon geschehene, aus ganz anderen als ethischen Beweggründen fließende Tatbestände von Nachhinein als gerechtfertigt und als sinnvoll erscheinen zu lassen. Dies Gesetz der Sinngebung( logificatio poft festum) glaube ich als Kerngesetz der Geschichte erwiesen zu haben. Aber der wirkliche Fortschritt des Menschen führt hinweg von Geschichte, ja tann sogar als Erlösung von aller Geschichte bezeichnet werden. Er führt hinweg von der schwankenden Erscheinung" zur Dauer der Gedanken. Das heißt zu den aller Ge= schichte entrückten und niemals aus Geschichte ableitbaren objektiven Institutionen wie Logit, reines Recht, reine Sittlichkeit. Schon find Mechanik und Dekonomit ein Bereich, das der Willkür der Individuen und der Völker ganz entrückt ist. In diesem heute verkannten Reiche liegt die Lösung und Erlösung. Geschichte der Judenin nationalsozialistischer Beleuchtung Nach Gleichschaltung der Schulen im„ dritten Reich" wird ein Teil des Geschichtsunterrichts der Entwicklung der jüdischen Weltherrschaft" gewidmet. Demnach haben die Juden, kurz zusammengefaßt, folgende Geschichte gehabt: Die Juden wurden von einem Mann, der den typisch jüdischen Namen Moses trug, erfunden. Kurz nach ihrem ersten Auftreten wurden die Aegypter von zehn Plagen ( hier find nicht die zehn Gebote gemeint!) heimgesucht, deren fürchterlichste die berühmte ägyptische Finsternis war. Aus dieser Finsternis entsprang das Licht des Antisemitismus. Die ägyptischen Nationalsozialisten mit ihrem Obersten Gaupharao Adolfamses Hitlerides I. vertrieben die jüdischen Einwanderer und errichteten das dritte Aegyptische Reich. Es folgte der Auszug der Juden aus Aegypten unter der Parole Horud nach Palästina!" Die Juden schweiften vierzig Jahre in der Wüste umher.( Wüste Ausschweisungen waren schon immer ein hervorragendes Merkmal der Hebräer.) Auf dem Berge Sinai leistete ganz Juda den Offenbarungseid. Hier bildeten sie sich auch im Fressen von Mazzes, einer mit geheimnisvollen Kräften versehenen Speise aus. In der Gewalt Moses über das Rote Meer zeigte sich zum erstenmal finnfällig die Abhängigkeit der Roten von den Juden. Mit der Befißergreifung Palästinas begann ihre eigentliche Weltherrschaft. König David war der erste Weise von Zion. Ihm folgten bald viele andere, deren Haupttätigkeit im Verfassen von Protokollen bestand. Nach dem David auf hinterlistige Weise den ahnungslosen Arier Goliath aus dem Wege geräumt hatte, lernte dieser Gemüts= mensch Zither spielen. Ein Klüngel von jüdischen Literaturschmöcken dichtete in einem Kaffeehaus in Jerusalem den berüchtigten Talmud, eine Sammlung unzüchtiger und ver brecherischer Rezepte zur Ergreifung der Macht, von denen das Programm der Sozialdemokratie nur ein kleiner Auszug ist. Die aufkommenden Römer stellten die Juden wegen ihrer Geriebenheit als Agenten in ihren Handelshäusern an. Später schickten sie sie als Platzvertreter in die ganze Welt. Das Unheil begann. Sie machten sich bald selbständig und nahmen ganze Stadtteile für sich in Besitz, die sogenannten Gettos, in denen sie ihr schändliches Treiben, das in den Ritualmorden gipfelte, völkisch unbeobachtet fortseßen fonnten. Als es der arischen Bevölkerung zu bunt wurde, begann die erste Judenverfolgung. Hierbei hatten die Hebräer immer die Taftit, durch Ei- wei- Geschrei das Mitleid der christlichen Bevölkerung zu erregen, wodurch sie der gerechten Strafe damals entgingen. So haben die Juden schließlich die Völker unterjocht, den Krieg entfesselt, den Pazifismus aufgebracht, das Kapital an sich gerissen, den Bolschewismus hochgezüchtet, mit einem Wort, sie sind an allem Schuld. Nur verreckt sind sie noch nicht. Das ist die Aufgabe des Nationalsozialismus. Recht und Macht Karo. Es sind Gewalt und Lift nur dies Geschlecht; Was will, was soll, was heißet denn das Recht? Hast du die Macht, du hast das Recht auf Erden. Selbstsüchtig schuf der Stärk're das Gesez, Ein Schlächerbeil zugleich und Fangenez Für Schwächere zu werden. Adalbert von Chamisso, Fremdenwerbung ( Für die Leipziger Messe) Ja, Deutschland, das kann nur gedeihn, Wenn wir zuvor das Land befrein Von fremder Köterrasse. Die Kinder, ob sie noch so klein, Erzieht zum Judenhasse! Kauft nicht im jüdischen Geschäft, Und wenn ihr einen Inden trefft, Dann haut ihm in die Fresse... Ihr Juden, tommt, wir tun euch nichts. O, athtet nicht des Greuelberichts, Ja, Grenelberichts. Besucht die Leipziger Messe! Kein Thig darf in unser Bad, Die Nase trumm, die Füße platt. Er liebt ein deutsches Mädel? Schleift fie in Schanden durch die Stadt Mit fahlrafiertem Schädel! Sie ins Bordell, den Kerl ins Loch. Wo hat ein Jude Stellung noch? Entlaßt ihn auf der Stelle...! Doch heute sind wir umgestellt: Rommt, liebe Juden, Recht viel Geld...! bringt uns Geld, Mir Sachfen, mir sein helle! Wir geben euch ein Freifonzert, Ihr werdet an die Bruft gezerrt, Ihr lieben, lieben Juden. nicht gesperrt! tommt, o kommt doch, Bringt Umfag in die Buden. Erst das Geschäft, dann das Pläfier: Herr Cohn, ein Mädchen?- Machen wir! Hent nehmen wir's nicht so genau: Sie friegen zur Mätresse Was Extra: Blondes, Augen blan, Arisch blau! Nur tommen Sie zur Meife! Hans Grimm Dichtec mit Raum Mudt. Im Deutschen Haus der Chikagoer Weltausstellung will der Verlag Albert Langen- Georg Müller eine Schau„ Volk ohne Raum" veranstalten, in deren Mittelpunkt Hans Grimms Roman stehen soll, der den gleichen Titel trägt. Hans Grimm! Da haben sie sich gerade den rechten ausgesucht! Kürzlich veröffentlichte das sehr mondäne Modenblatt„ Neue Linie", das in seiner letzten Nummer erstaunliche Fotos aus Görings luxuriöser 34-3immer- Wohnung zeigte, auch Hans Grimms Dichterheim im Bilde. Und siehe auch diese braune Höflingsbehausung erwies sich als so elegant, daß eine andere Zeitschrift, ein gleichgeschaltetes Literaturblatt, protestierte. Es habe allgemeine Verwunderung erregt, so etwa war der Sinn des Briefes, daß der Dichter von„ Volk ohne Raum", wenn er schon selbst über so viel und so komfortablen Raum verfüge, sein Heim auch noch fotografieren lasse. Sicher sei die Veröffentlichung ohne Grimms Wissen erfolgt. Das glauben wir nicht. Göring und Grimm sie schämen fich wohl alle beide nicht ihrer großbürgerlichen Behaglichkeit. Das braune Paradies ist da, die Bonzen haben ihr revolutionäres Mäntelchen abgelegt und der kleine SA.- Mann, der mit seiner achtköpfigen Familie in einem oder in zwei Zimmer haust, hat beim Anblick der geschmackvollen Bilder gar nicht zu meckern, sonst setzt es Hiebe. Denn der Klassenfamps ist in Deutschland abgeschafft. Volkslexikon in braunem Einband Zur Warnung! Der Kampfbund für Deutsche Kultur teilt mit, daß er auf Grund einer Vereinbarung mit dem Verlag Knaur Nachfolger sich entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung der Neuauflage des vom Verlage Knaur herausgegebenen Volkslerifons gesichert habe.„ Damit ist die Gewähr gegeben, daß die Neuauflage des Knaurschen Konversationslexikons eindeutig im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung in den entscheidenden Abschnitten über die nationalsozialistische Bewegung, die NSDAP. und deren Organisationen sowie auch über die Gesetzgebung und die Einrichtungen des neuen Deutschlands bearbeitet und jede marxistische oder liberale Ausdeutung beseitigt wird." Die Wiedergeburt Luther hat faschistisch gegrüßt" In der letzten Zeit ist man bemüht, den Deutschen ganz allgemein die nationalsozialistische Grußform mit dem im Winkel von 45 Grad erhobenen rechten Arm beizubringen. Man nennt diese Art der Begrüßung den„ deutschen Gruß", obwohl es eigentlich der alte römische Gruß ist, den Mussolini im Faschismus wieder modern gemacht hat und der von den Nationalsozialisten nach dem italienischen Vorbild übernommen wurde. Das Reichspropagandaministerium ist be= müht, nachzuweisen, daß es sich nicht um die Kopie des römischen Grußes handle, sondern um die Neuerwekfung einer altgermanischen Grußform", die im Laufe der Jahrhunderte nur vergessen worden sei. Nicht nur Luther habe auf dem Reichstag zu Worms so gegrüßt. Es gebe vielmehr dokumentarische Belege dafür, daß schon zu Zeiten Hermanns und Thusneldas die alten Germanen sich so und nicht anders gegrüßt hätten. Es ist unfaßbar, daß sich Erwachsene an solchen Dingen vergnügen und ihnen Zeit widmen. Man ist nur halb getröstet, wenn man bedenkt, daß diese Kindereien die Hermannen und Thusneldas hindern, den ganzen Tag auf die Folterungen ihrer Gefangenen zu verwenden. BUNTE S EIP TEIM B E R! 19 3 3 Jifi antworte dem Von Sadistaus Sfenyes In den letzten Tagen ist wieder einmal alles zusammen- gekommen. Im Gasthaus, wo ich das Nachtmahl einnahm, tischte mir der Kellner zum Kalbsgulasch eine Botschaft des Küchen- chefs auf: Er kenne mich, lasse mich grüßen, zu Kriegsende, während der Revolution habe ich in Klausenburg in seinem Hotel gewohnt, als ich den Rumänen die Marosbrücke„frei- gab",' ich sei doch ein guter Ungar, warum habe ich das getan? Ein Rechtsanwalt schrieb aus Budapest, die Advokaten- kammer habe ihn bei meinem letzten Prozeß wegen Schmähung der ungarischen Nation von Amts wegen zu meinem Verteidiger bestellt,' er hoffe, meinen Freispruch erwirken zu können, wenn ich etwa folgende Erklärung ab- gebe:„Mit meinem Artikel wollte ich nicht die ungarische Nation schmähen, sondern nur die politische Richtung der Negierung kritisieren, und sofern ich in der Hitze des Ge- fcchtes die Grenzen überschritten haben sollte, bedauere ich es aufrichtig..." Einem sogenannten alten Freund begegnete ich auf der Straße, der mich sieben Jahre lang nicht gesehen hatte und bei unserer Begegnung keine Zeit mehr hatte, auf die andere Seite hinüberzugehen. In seiner Verwirrung er- klärte er daher in langen gewundenen Sätzen, in welch peinlicher Lage er sich stets befinde, wenn er nach Wien komme, wie ihn seine Neigung immer zu mir hingezogen habe, doch müsse ich einsehen, daß ich mich durch mein Tem- perament habe hinreißen lassen und mich den veränderten Verhältnissen nicht habe anpassen können, er aber schulde es seinem Beruf und aus seiner patriotischen Ueberzeugung heraus sei es auch seine Pflicht, denen, die Gegner der Idee der nationalen Erneuerung und des Kampfes gegen Tria» non sind, so nahe sie ihm auch persönlich stehen mögen, zu erklären: sie handeln nicht richtig.. e Diesen Letzten habe ich kurzerhand erledigt.„Als guter Ungar solltest du wissen, daß die langen Sätze dem Geist der ungarischen Sprache widerstreben. Du hättest bloß zu sagen brauchen, daß du gern auf der Sonnenseite gehst." Dem eifrigen Rechtsanwalt schrieb ich, er möge sich nicht bemühen, seine wahrscheinlich sehr treffenden Rechtsargu- mente zusammenzutragen. Bevor er noch das Tor des Ge- richtshofes betrete, das könne er mir glauben, sei das Urteil schon lange fertig. Wenn er mir einen Gefallen erweisen wolle, so möge er vor dem Gericht nur soviel sagen:„Der Angeklagte hat mich beauftragt, in seinem Namen zu er- klären, daß er derzeit sich vor dem ungarischen Gericht nicht zu verteidigen wünsche, er überlasse die Entscheidung dem Gericht höchster Instanz, der Geschichte." Inzwischen hat das Budapester Gericht bereit« daS Urteil gefällt, mit welchem es mich, da es mich nunmehr daS stebentemal desselben Verbrechens schuldig fand— und für jedes sind fünf Jahre daS Minimum—, ohne mein Verschulden zur Begehung eines weiteren Vergehens, nämlich des Krebitbetruges, zwingt,' es verpflichtet mich, mehr auf mich zu nehmen, als ich zu erfüllen vermag. Den biederen Küchenchef ließ ich an meinen Tisch bitten. „Man hätte damals, im Dezember 1918, die Marosbrücke nicht freigeben sollen, damit die Rumänen in Siebenbürgen vordringen können." Meine Antwort ist, daß wir weitere? unnützes Blut- vergießen nicht wollen durften. Darum hatte die Regierung Karolyi, entsprechend dem Waffenstillstandsvertrag, dt« Räumung angeordnet, die ich durchführen mußte. «Gewiß, es wäre ein furchtbares Blutbad gewesen, aber vielleicht hätten wir gesiegt..." „Nachdem die Mittelmächte mit regelmäßigem Heere am Jsonzo, an der Piave und bei Verdun verloren hatten, hätten wir an der Maros einen neuen Krieg mit Haue, Sense, Brandfackeln entfesseln und auch die uns noch ver- bliebcnen Teile des Landes aufs Spiel setzen sollen?" „Zumindest wären wir in Ehre gestorben! Aber die Schlacht hätten wir nicht verloren, denn alle Szekler sUn- garn, in Siebenbürgen. Red.) wären dabeigewesen und wären gern gestorben für das Vaterland. Und sie würben Sie jetzt nicht verfluchen." Dies war der Kern unseres Gespräche?. Man mochte hoffen, daß die grauenhaften Leiden des Weltkrieges wenigstens das eine Ergebnis haben werben: solange die Stimme von Lebenden noch die Greuel bezeugt, solange das letzte Schreiben des Vaters vor den Waisen liegt, solange die Witwe am Boden der Schublade die Fotografie mit dem Sturmhelm findet, solange der Feld- webel mit dem einen Fuß an der Straßenecke den Leier- kästen dreht, solange wenigstens die Ruinen noch nicht weg- geräumt sind, solange das Gras des Vergessens nicht über den Gräben und Gräbern des Krieges gewachsen ist, so- lange würden sich Europas Völker am Trunk des Nation«- lismus nicht berauschen. Um so weniger, als jetzt schon wieder hier und da das Entsetzen eines neuen Krieges aus der Retorte einer chemischen Fabrik ausbricht und in gif- tigen Gasschwaden der Welt verkündet: So werdet ihr den Heldentod sterben müssen... Soll diese Hoffnung falsch gewesen sein? * Ich kehre zu meinem Küchenchef zurück. Bielleicht war e5 zu zartfühlend, um es auszusprechen, aber ich hörte die Frage aus seiner Stimme heraus: Tut es Ihnen denn gar nicht weh, baß der Szekler dort im Komitat Maros so viel leiden muß? Die Kinder sprechen kaum noch^ungarisch, tut das Ihnen gar nicht weh? Bevor ich ihm hätte antworten können, wurde er in die Küche gerufen. Ein Gast hatte Flecken bestellt, ein Szekler Gericht. Darum antworte ich ihm hier. Freilich tut es mir weh. Sogar sehr weh, daß die Szekler leiden und hungern. Vor einigen Jahren habe ich hier, in den Spalten der„Arbeiter- Zeitung", von dem kleinen Szekler Knaben erzählt— er mochte vier Jahre alt gewesen sein—, der im verregneten November des Jahres 1916 im bloßen Hemd, barfuß, im Kot des Barackenlagers stand, auf die Suppenausteilung der Flüchtlinge an der Gulaschkanone wartend. Als die warme Portion mit einem Löffel auch für ihn ausgeteilt wurde, drückte er sein kleines Häferl an die Wange und sagte im Reim: Du liebe, gute Erdäpfelsuppe! Der fällt mir jetzt ein, der kleine Szekler. Er hatte vierzig Grad Fieber, als ich seine Hand nahm und ihm die Tempe- ratur maß. Und in der Baracke, wo er lag, stellte ich eines Morgens die brennende Kerze hinter seinen Kopf. Habe ich ihn vielleicht getötet? Nein. Sondern die,.die den Krieg gemacht haben. Man hätte keinen Krieg beginnen sollen. Aber ich wäre nicht geneigt, es als Sühne ober als Lösung anzunehmen, wenn rumänische Kinder barfuß, im bloßen Hemd, fiebernd im Novembernebel stehen müßten. Auch vor ihrem Totenbett würde ich tränenüberströmt und mit zur Faust geballter Hand die brennende Kerze auf- stellen. ES tut mir auch weh, baß die rumänischen Kinder hungern. Verfrühte* Herbst Von Hermann Hesse Schon riecht es scharf»ach angewelkten Blättern. Koryselder stehen leer und ohne Blick, Wir wissen: eines von den nächsten Wettern Bricht«nserm müden Sommer das Genick. Die Ginsterschoten knistern. Plötzlich wird Uns all das fern und sagenhaft erscheinen, Was heut wir in der Hand z« halten meine», Und jede Blume wunderbar verirrt. Bang wächst ein Wunsch in der erschreckten Seele: Daß sie nicht allzu sehr am Dasein klebe» Daß sie das Welken wie ein Baum erlebe» Daß Fest und Farbe ihrem Herbst nicht fehle. Wie es(festafozzi sieht Ein alter Elefant Er war eben nicht der Klügste aus seinem Geschlechte, aber er bekam dennoch wegen der Ordnung, die er unter den Tieren eines kleinen Bezirks hatte, einen so guten Namen, daß ihn die Tiere eines großen Landes baten: Werde unser König. Er wollte im Anfang nicht und sagte: Ich will bei meine» alten Tieren leben und sterben. Aber auch diese baten ihn und sagten: Nimm die Ehre an und werde ein König. Er tat es endlich, aber die Folge davon war, die Tier« des alten Bezirkes verloren einen Führer, mit dem sie zu- frieden waren, und die Tiere des großen Lande? bekamen einen, mit dem sie unzufrieden werden mußten. Das alte Tier war zu kleinlich für ein Königreich, aber durch sein Königreich zugleich auch unfähig, seinen alten Forst so ordentlich und sorgfältig zu verwalten, als es vor- her es getan. Aus Pestalozzis ABC-Buch. Vor Freude den Verstand verloren Vor einigen Wochen erhielt eine alte Bäuerin in dem oft- galizischen Dorfe Repie die Nachricht, daß ihr vor vielen Jahren nach Amerika ausgewanderter und seitdem ver- schollener Gatte in Chikago gestorben sei und ihr ein Vermögen von eineinhalb Millionen Dollar hinterlassen habe. Dieses unerwartete Glück scheint der Bäuerin die Sinne verwirrt zu haben, zumal sich alle ihre Verwandten plötzlich mit auffallender Liebe um sie bekllm- Merten und ihr ungewohnte Aufmerksamkeit schenkten. Die neubackene Millionärin beauftragte nun ihre Verwandten, ihr eine Staatskalesche und königliche Gewänder zu ver- schaffen, was auch prompt besorgt wurde. Man kann jetzt die alte Frau jeden Tag in der Umgebung von Repie in einer prächtigen, vergoldeten Kutsche, die von vier Schimmeln ge- zogen wird, spazierenfahren sehen. Sie hat sich in kostbare Gewänder gehüllt und eine goldene, mit Diamanten besetzte Krone aufgesetzt. Außerdem hat sich die„Königin" auch ein „Kabinett" gebildet. Nach ihren täglichen Spazierfahrten hält sie einen Kronrat ab. Zum Außenminister wurde der Brief- träger des Ortes ernannt, während der Bäcker das Amt des Kanzlers versieht und sich ein hünenhafter Bauer in der Nolle des Innenministers gefällt. Die„Minister" stehen gerne die Launen ihrer Herrscherin aus, zumal gute Ministergehälter ausgesetzt sind.— Außerdem entwickelt die „Königin von Ostgalizien" aber auch eine ausgedehnte Liebestätigkeit und verschenkt den größten Teil ihres Vermögens für die Armen und die Kranken ihres Dorfes und die benachbarten Gemeinden. Die Behörden sehen diesem Treiben ruhig zu, da hierbei Aussicht besteht, die anderthalb Millionen zum größten Teile wenigstens nutzbringenden Zwecken zuzuführen. JKenseh ohne(faß Sfnf der Grenzbrüthe In seinem unheimlichen Roman vom Totenschiff erzählt Traven die tragische Geschichte eines Mannes, der keine Papiere mehr hat. Sie sind dem Matrosen im fremden Land abhanden gekommen, deshalb darf er nicht mehr existieren, hat keine Heimat, kein Konsul schafft ihm einen neuen Paß, denn er ist ja ein armer Teufel, von der Sorte hat jedes Land zuviele. Die Polizisten verschiedener Länder jagen ihn über die Grenzen. Wo man ihn packt, geht der Schub ab. So rollt er, gestoßen und verflucht, von einer Grenze zur andern wie ein Billardball von Bande zu Bande. Zum Schluß bleibt ihm nur eine Heimat: Dienst auf einem jener gefährlichen Schiffe, die zum Untergang bestimmt sind, damit der Reeder an dem alten Kasten wenigstens die Verficht- rungssumme rettet. Wer macht auf solchen Kasten Dienst? Nur Verzweifelte, Verirrte, gejagte Menschen. Auf dem Wege zum Tode brauchen sie keine Papiere mehr... Im Gewahrsam des Bezirksgericht Tschechisch-Teschen sitzt ein Mensch, mit dem man nicht weiß, wohin. Er heißt Kiwl Rosenfeld und ist gebürtig aus einem Gebiet, das nach dem Krieg zerteilt wurde. Bei den verschiedenen Abstimmungen, die seitdem vorgenommen wurden, hat sich Kiwl nicht recht- zeitig darum gekümmert, daß seine durch neue Ländergrenzen problematisch gewordene Staatszugehörigkeit rechtzeitige Klärung erfuhr. Eines Tages verurteilte ihn ein tschecho- slowakisches Gericht wegen Verbreitung falscher Banknoten, und als er nach verbüßter Strafe in die polnische Heimat abgeschoben werden sollte, erkennt man jenseits der Grenze den früheren Paß nicht mehr an. Polnische Polizei jagte ihn wieder über die Brücke von Tschechisch-Teschen, tschechoslowa- kische Gendarmen verwehrten ihm die Rückkehr— und so saß am 12. Juli 1933 auf diesem Grenzsteg zwischen zwei Ländern ein Mensch, der in einem der Länder geboren ist, die Sprache beider Länder spricht und von keinem der Staaten geduldet wird, weil sein Paß nicht gilt. Nirgends gibt es für ihn eine behördlich anerkannte Bleibe. Die natürliche Konsequenz dieses Papiertodes wäre in dieser verrückte» Welt der Selbstmord. Etwas anderes konnten sich wohl auch die Grenzwächter nicht denken, und der Tod hätte mithin automatisch durch Verhungern eintreten müssen, wenn die Grenzbevölkerung nicht gewesen wäre. Was papierne Paragraken versündigten, suchten Menschen wieder gutzumachen. Von hüben und drüben brachten sie dem Staatenlosen Speise und Trank, schleppten dem Verzweifelten, alle Regierungen der Welt Lästernden, einen Stuhl auf die Brücke, sprachen und tranken ihm Mut zu, sandten Telegramme an sämtliche zuständigen Regierungen, harrten mit ihm solidarisch aus. Und Kiwl Rosenfeld staunte über die Vielfarbigkeit der Menschenseele: nie in seinem erwachsenen Dasein, niemals, seit er von der Mutter ging, hatten sich andere so um ihn gekümmert, so um ihn gesorgt, so mit ihm gefühlt. Ein Tag lang wurde diese Grenzbrücke zur lebendigen Demonstration für Menschlichkeit, für Hilfsbereitschaft, gegen Paragrafenbarbarei, für internationales Heimatrecht. Ein Heimatloser flüchtete sich zwischen zwei Völker, und während sämtliche Staatspapiere sozusagen sein Existenzrecht ver- neinten, sprangen die Menschen an den Grenzen für ihn ein, unbeirrbar in dem ewig gültigen Grundgeiithl, daß ein Mensch, der auf dieser Erde geboren ist, auch auf dieser Erde seine Heimat haben mutz. Die Behörden freilich, die an papierne PHragrafen gebunden sind, wußten nicht anderes zu tun, als den Patzlosen vorläufig wieder unter Verschluß zu setzen. Seitdem sind zwei Wochen verstrichen, neue Ereignisse gingen drüber hin. Aber diese Demonstration am Grenztag darf nicht vergessen werben, denn sie bleibt von aktuellster internationaler Bedeutung. Kiwls Heimatsnot kann das Schicksal jedes Menschen werben, solange diese Welt von politischen Erschütterungen bedroht ist. Tausende solcher Staatenlosen, die durch Krieg, Grenzver- schiebungen und politische Verfolgungen ihren Paß verloren, irren in der Welt umher, und der Faschismus mit seiner Verfolgung politisch Andersdenkender vermehrt die Zahl der Heimatlosen, Verjagten, Gehetzten täglich. Nicht immer wird die Not ihrer Heimatlosigkeit so drastisch und grotesk sichtbar, wie in der Tragödie von Tschechisch-Teschen. Aber sie brauchen nur einmal Behörden lästig zu werden— jeder Besitzlose streift dauernd an der Grenze dieser Lästigkeit dahin— und es droht ihnen die Verjagung ins Dunkle- Unbekannte, in Tod oder Verbrechen. Dem Völkerbund erwächst die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der„Mensch ohne Paß" vorm Verbrechen gerettet, daß der Mensch, der eine Heimat verlor, deswegen nicht wie ein Aussätziger gejagt wird. Und alle Völker, bei denen die Be- griffe von Menschenwürde und Recht noch gelten, sollten dafür wirken, daß es für den Verjagten oder Staatenlosen einen andern Weg gibt als den zum Totenschiff. Denn ob die Massen, ob die Heranwachsenden gut oder schlecht werden, das hängt mit von der Menschlichkeit ober Unmenschlichkeit ab, die rings um sie herum als Beispiel waltet. Bruno Brand» f, i Deutsche Schreckensjustiz Solche Urteile werden in Hitler- Deutschland täglich gefällt Begreift man jetzt das große Schweigen und die Verschüchterung? Keiner sagt mehr, was er denkt... Drei Kölner Urteile 1. ,, Es ist ja alles Quatsch" Als am 21. März dieses Jahres mehrere Leute in einer Mülheimer Kneipe zusammenfißen, gibt gerade der Rundfunt durch, daß mehrere Flieger über der Reichshauptstadt erschienen sind und Flugblätter verheßenden marristischen Juhaltes heruntergeworfen haben. Bei den Bierbankpolitifern erhebt sich hierüber eine Debatte und dabei glaubt auch der 48jährige Arbeiter Paul Büttgen aus Bensberg setnen Senf unbedingt dazu tun zu müssen: „ Es ist ja alles Quatsch, was da geredet wird; das haben die Deutschen doch wieder selbst gemacht. Wenn überhaupt nicht bald dafür gesorgt wird, daß andre Lente ans Ruder tommen, die auch im Ausland beliebt sind, dann kommen wir alle noch auf Klumpen!" Wegen dieser verheßenden Aeußerung stand er vor dem Condergericht und versuchte sich damit herauszureden, daß er in seinem vollen Kopf die Gefährlichkeit seiner Rederet gar nicht so bedacht habe. Staatsanwalt Dr. Nebmann brandmarkte die Gefähr lichkeit solcher Leute, die an der Bierbant ihr Gift versprigen und beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Das Gericht, unter Vorsiz von Landgerichtsdirektor Fehr, erfennt auf eine Gefängnisstrafe von 10 Mona ten, da auch den leichtfertigen Schwägern fühlbar ihr Mundwert endlich gestopft werden müsse. 2. ,, Nicht einmal Zeit zum Essen" Der 28jährige Arbeiter Franz Diez aus Efferen meldete fich nach einem Streit mit seiner Ehefrau zum Arbeitsdienst. Er tam zum Lager Mackensen; aber bereits nach nur eintägigem Arbeitsdienst und Lagerleben zog er wieder nach Efferen. Selbstverständlich mußte er jetzt erzählen, weshalb er so schnell wieder zurückgekommen war und daran hatten in erster Linie die Eltern Interesse, deren Söhne bereits im Lager waren. So in den Mittelpunkt des Interesses gestellt, glaubte Franz" einmal richtig auspacken zu müssen. 3unächst habe man im Lager bei der vielen Arbeit nicht einmal Beit zum Essen. Size man aber schon mal bei Tisch und ein Vorgesetzter komme dazu, dann müsse alles in die Höhe sprißen, daß einem fast der Löffel im Halse stecken bliebe. Wie die Sträflinge müßten sie beim ErerBieren in den blauen Anzügen herumlaufen. Die Verpfle gung sei ein Kapitel für sich, denn meistens sei das Brot schimmelig. Er stand nun wegen dieser abfälligen Aeußerungen ver dem Sondergericht. Bestreiten fonnte er diese Redensarte richt. Aber er wandte ein, daß das Brot manchmal Schimme angesetzt hatte, doch sei stets auf Anfordern einwandfreies Brot nachgeliefert worden. Was die Arbeit selbst anbelange, so habe jeder damit fertig werden können, aber über das mittägliche Ererzieren habe er sich geärgert. Das Gar fet ihm zu komisch vorgekommen. Der der Angeklagte seine Aeußerungen in aller Deffentlichkeit getan hatte, um gegen die Arbeitsdienstpflicht Stimmung zu machen und junge Leute dagegen aufzuheben, bea antragte der Staatsanwalt gegen ihn eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Nachdem Rechtsanwalt Thetsen auf eine weit geringere Strafe plädiert hatte, erging das Urteil auf vier Monate Gefängnis. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß der Angeklagte den Arbeitsdienst und das Lagerleben einseitig im ablehnenden Sinne dargestellt habe, um die Interessenten und die Eltern der Arbeitsdienstwilligen zu beunruhigen. Der Angeklagte gehöre auch zu den jungen Leuten, denen es an der entsprechenden Erziehung gefehlt habe und die ich daher in die neue Ordnung nur schlecht einrangieren ließen, was ihnen aber nicht einmal abs persön Niche Schuld angerechnet werden könne. Daher auch habe die beantragte Strafe gemildert werden können.. 3. Siegmund in Stahlhelm- Uniform Siegmund Freund ist Schlosser von Beruf und gerade 20 Jahre alt und, wie Vor- und Zuname schon deutlich besagen, jüdischer Religion. Während der nationalen Erhebung entdeckte er plöblich und schnell sein nationales Herz und meidete sich in Köln zur Aufnahme in den Stahlhelm. Er bekam einen Verpflichtungsschein vorgelegt, füllte ihn vorschriftsmäßig aus und vergaß aber dabei, sein Religionsbetenntnis anzugeben. Dies wurde natürlich gleich bemerkt, und er wurde gefragt, ob er fatholisch sei, was er bejahte und nun Stahlhelmer wurde. Eines guten Tages wurde er in feinem Milieu auf dem Buttermarkt von einer SA.- Streife aufgegriffen und der nächsten Polizeiwache vorgeführt, wor auf ihm das Tragen der Uniform außer Dienst untersagt wurde. Dann aber machte der Stahlhelm eine Fahrt nach Paderborn und er erhielt von der Schreibstube ebenfalls einen Fahrtausweis. Nun bildete er sich ein, daß man das erste Verbot gegen ihn mittlerweile wieder vergessen habe und ging jetzt nur noch in seiner Uniform spazieren. Achtet die Ausländer! Nur Inländer dürfen verprügelt werden Der Chef des Stabes der SA. Hat eine Verfügung erlassen, nach der jede Belästigung von Ausländern auch dann verboten wird, wenn sie bei gegebenen feierlichen Gelegenheiten ihre Hand zum Hitlergruß nicht erheben. Auch auf andere deutsche Volksgenossen sei von der SA. bei diesen Gelegenheiten im Sinne eines forrekten und zurückhaltenden Verhaltens gegenüber solchen Ausländern einzuwirken. ,, Adel der Nation" Natürlich: SA. und SS. Der Reichsstand des Deutschen Handels erläßt folgenden Aufruf: Mutige Männer haben die deutsche Wirtschaft und das Vaterland vor dem Schrecken eines bolschewistischen Trümmerfeldes gerettet. Tausende von Kämpfern der braunen Armee haben für Volk und Reich Gut und Blut geopfert. Sie und ihre Kameraden sind dadurch der neue A del der Nation. Der Reichsstand des Deutschen Handels hat bei seiner Gründung mit der Ehrung der SA. und SS. seiner ersten Pflicht genügt. Es gilt nun, dieser ersten Pflicht die zweite hinzuzufügen. Neben den rein wirtschaftspolitischen Arbeiten des Reichsstandes ist die Erfüllung seiner selbstSo hatte er sich die Aufnahme in den Stahlhelm erschlichen, weiter per botswidrig außer Dienst die Uniform getragen und stand jetzt vor dem Sondergericht. Zu seiner Entschuldigung gab er an, daß er sich sowieso habe umtaufen lassen wollen und mit Lust und Liebe in den Stahlhelm ge= gangen set, um später einmal Segelflieger werden zu können. Auf den Antrag des Staatsanwaltes von sechs Monaten Gefängnis erkannte aber das Gericht nur auf eine Ge= fängnisstrafe von zwei Monaten, weil zur Zeit der Tatbewegung im März dieses Jahres bei dem Stahl= helm noch nicht die durchaus geregelten Verhältnisse wie heute bestanden hätten. * Diese Berichte sind, von einigen Kürzungen abgesehen, dem Kölner Naziblatt, dem„ We stdeutschen Beobachter," entnommen. Sie beweisen, was es heißt, wenn man die Devise:„ Maul halten!" durchbricht. Auf dieser Ebene entfalten sich Angeberei und Schnüffelei in üppigem Wuchs. Aus dem deutschen Volk ist eine Gesellschaft von Duckmäusern geworden, die mit ihrer Meinung hinter dem Berge halten müssen, wenn sie nicht der Terror- Justiz in die Hände fallen wollen. den Augen bedroht:" Dich rotes Schwein will ich noch lehren..." bekommt, da sich ein zertretenes Hakenkreuz in seinem Geldtäschchen fand: 8 Monate Gefängnis!. Ein magenfranker Mensch, der in der Untersuchungshaft schon schrecklich abmagerte. Seine Frau brach bei der Urteilsverlesung ohnmächtig zusammen. 3. Buchbinder W., etwas hinfend, wegen einer aufklärenden Bemerkung auf der Straßenbahn von Nazis verprügelt, an der Haltestelle glücklich entronnen, beschwert sich törichterweise auf der nächsten Polizeiwache, wo er erneut verprügelt und„ dabehalten" wird als warnendes Beispiel" sagt der Vorsitzende: 8 Monate! 4. ein Arbeiter aus Sch., armer Kerl, der froh war, mal eine Pfeife Tabak geschenkt zu friegen, hatte vor der Wahl Bettel verteilt: 6 Monate! 5. der Reisende G. hatte in der Trunkenheit davon gesprochen, daß Hitler homosexuell sei, erhielt dafür 6 Monate. Ein teuer bezahlter Rausch! Und die Richter.... Vor einigen Monaten in Köln Schwurgericht meist noch Zentrumsleute, katholisch- loyal und verständnisvoll für die besondere Lage der Angeklagten. Heute Vollzugsorgane der brutalen Macht, in deren Namen sie Urteile fällen, die das Blut stocken machen, ohne ihrerseits mit der Wimper zu zucken. * Die Faust empor! Sieben Monate Gefängnis für den Reichsbannergruß bei einer Totenfeier Die heutigen Machthaber Deutschlands möchten der Welt vortäuschen, das ganze deutsche Bolk sei voller Begeiste rung über ihre Herrschaft. Nur selten darf die gleichgeschaltete Presse Mitteilungen veröffentlichen, die diesen Eindruck stören. So konnte man kürzlich folgenden Bericht lesen: Vor dem Schnellgericht hatte sich wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten" der 23jährige Schriftsetzer Wilhelm Kluge zu verantworten. Kluge, der früher MitDas Dortmunder Schwurgericht verurteilte den 21 Jahre alten Arbeiter Baltschun sowie den 23 Jahre alten Arbeiter Striepling, die unter der Anklage standen, im Februar des Jahres in Dortmund- Hörde den Polizeibeamten Zieroth ere schossen zu haben, zu je 12 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Obwohl sich das Urteil auf mangelhafte Indizien stüßt, fiel es in dieser Höhe aus. Schöffengericht Vor dem Schöffengericht zu Görlig wurde gegen ote beiden Arbeiter Karl Dieß und Anton Seifert aus Lauban verhandelt. Beide wurden beschuldigt, eine Hitlereiche abgebrochen zu haben. Obwohl nicht der geringste Beweis für die Täterschaft der beiden Angeklagten da war, verurteilte sie das Gericht zu je einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. glied des Gauvorstandes des Reichs banners war, Schutzhaft hatte in besonders pietätloser Weise gegen den neuen Staat demonstriert. Bei der Einäscherung eines seiner früheren Reichsbannerkameraden im Krematorium in der Gerichtsstraße drängte sich plötzlich der Angeklagte durch die Menschenmenge nach vorn, stellte sich dicht vor dem Sarge auf und hob mit geballter Faust den rechten Arm hoch, um damit den beim Reichsbanner üblich gewesenen Gruß zu demonstrieren. Ein Beamter des Geheimen Staatspolizeiamtes hatte dies beobachtet und Kluge aufgefordert, den Arm herunterzunehmen. Dieser verharrte jedoch in der demonstrativen Stellung und wurde deshalb unmittelbar nach der Totenfeier festgenommen. Die Beweisaufnahme ergab, daß Kluge nicht einer unwillkürlichen Eingebung gefolgt war, als er die Faust erhob was unter den gegebenen Umständen vielleicht nicht so schwer genommen worden wäre- sondern daß er längere Zeit bis zum Ab schluß der Totenfeier, indeutlich demonstra= tiver Absicht die Faust oben behalten hatte. O Das Schnellgericht erblickte in diesem Verhalten den deutlich erkennbaren Willen zur Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und verurteilte Kluge zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten. Außerdem wurde gegen den Berurteilten ein Haftbefehl erlassen. Wieviel Angst muß doch das herrschende Regime haben trotzdem ihm hunderttausende schwerbewaffnete Söldner, Reichswehr, Polizei, Justiz und Verwaltung zur Verfügung stehen, wenn es die überzeugungstreue und die kameradschaftliche Gesinnung zu einem Berstorbenen für so gefährlich hält, daß es ihre friedliche Bekundung mit einer langen Gefängnisstrafe ahndet! Sondergericht 1. Eine Frau, Leiterin einer Nähstube, schrieb einen Brief nach Holland:" Thälmann haben sie auch die Knochen entswei geschlagen..." Dafür: ein Jahr Zuchthaus! 2. Schr., Krankenkassenkontrolleur in Gr., SPD.- Gruppenleiter, Vater von sechs kleinen Kindern, dreimal aus dem Bett verhaftet, von Major v. Mindwiß mit der Faust vor wegen Beziehungen zu arischen Mädchen Worms, 30. Auguft. Der Polizeibericht meldet: Troß verschiedener Warnungen hat schon wieder ein hiesiger jüdis scher Händler versucht, sich in anstößiger Weise einem christlichen Mädchen zu nähern. Der Betreffende wurde, wie vers schiedene seiner Raffengenoffen, dem Konzentrationss lager Osthofen zugeführt. Ferner wurden sieben Personen in das Konzentrationslager eingewiesen, weil sie versuchten, den Staat und dessen Organe und Einrichtungen „ verächtlich" zu machen. Neun Monate Ein Oesterreicher vom Sondergericht verurteilt Das Sondergericht für das Land Sachsen in Freiberg hat den österreichischen Staatsbürger Karl Steininger. bisher Prokurist der Dresdner Bank, wegen Verbreitung von„ Greuelnachrichten" zu neun Monaten Gefäng= nis( der Staatsanwalt hatte sechs Monate beantragt) verurteilt. Steininger hatte in Briefen an Bekannte in Salzburg und Wien unter anderm geschrieben: Der Terror hat nicht nachgelassen. Das Hakenkreuz spielt eine Rolle wie Tells Hut. Das Volk wird befoffen gemacht. Ich habe jeben Berkehr abgebrochen und mich auf meine jüdischen Freunde konzentriert, mit denen ich mich verbunden fühle. In der Urteilsbegründung, die zahlreiche schwere Angriffe gegen Oesterreich enthielt, wurde als strafverschärfend bewertet, daß sich Steininger als Arier mit jüdischen Bekannten verbunden fühle und namentlich, daß er als Desterreicher solche Brief in seine Heimat schreibe, statt dorthin zu berichten, was die nationale Revolution an" Erhebendem" gebracht habe. verständlichen Dankespflicht dessen größte und schönste Auf Rottet sie aus!" gabe. Sie heißt: Arbeitsbeschaffung für SA. und SS.! Die Führer des Reichsstandes des Deutschen Handels erwarten von jedem deutschen Kaufmann, daß er Neueinstelvornehmlich aus den lungen von Angestellten Reihen der SA. und SS. vornimmt. Hermes vor Gericht Neuer Schlag gegen das Zentrum Berlin, 81. Aug. Wie die Justizpressestelle Berlin mitteilt, ist das Ermitts lungsverfahren gegen den früheren Präsidenten der Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine, Reichs= minister a. D. Dr. phil. Andreas Hermes, abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen fortgesetter Untreue erhoben. Die Untreue wird darin erblickt, daß Hermes Gelder, die zur Unterstützung des landwirtschaftlichen Genossenschaftss wesens bestimmt waren, für die von ihm geleitete Vereini gung der deutschen chriftlichen Bauernvereine verwendet hat. Hermes, der am 21. März d. J. in Untersuchungshaft ge= nommen worden war, ist vor einigen Tagen aus der unter: suchungshaft entlassen worden, da Verdunkelungsgefahr und Fluchtverdacht nicht mehr bestehe. Hermes ist 3en= trumsmann und Katholit Nämlich die Danziger Deutschnationalen Bekanntlich stehen die Deutschnationalen Danzigs in Opposition zur Naziregierung Rauschning und besonders der bisherige Senatspräsident von Danzig, der deutschnationale Abgeordnete Dr. Zie hm, fämpft einen aufrechten Kampf gegen die braunen Gleichschalter Danzigs. Er hat sich unter anderem am Volkstag gegen die Aufhebung der Immunität des sozialdemokratischen Fraktionsführers BriII ausgesprochen, der von den Nazis„ beschuldigt" wird, daß er Partei- und Gewerkschaftsgelder vor ihrem Zugriff bewahrt hat, weswegen er jetzt gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommu nisten und Deutschnationalen, aber mit den Stimmen des Zentrums(!) verfolgt wird, obgleich er nur getan hat, was jeder aufrechte Sozialdemokrat an seiner Stelle hätte tun müssen! In ihrer Wut über die mannhafte Haltung der Deutschnationalen haben nunmehr die Nazis zum Schlag gegen die Deutschnationalen ausgeholt. Der stellvertretende Polizeipräsident von Darsen hat sowohl im Parteibüro der Deutschnationalen wie in den Wohnungen einzelner Prominenter dieser Partei Haussuchungen vornehmen lassen num 3 wecke der Beschaffung von Beweis. material", L Zertretene Jugendbewegung Man schreibt uns: Gestatten Sie mir zu Ihrem Artikel Hitler erobert eine Burg" einige Ausführungen: Ich stamme aus gut bürgerlicher Beamtenfamilie" und nahm mit Begeisterung als Schüler schon vor dem Kriege an der ersten deutschen Jugendbewegung, dem bereits 1896 gegründeten„ Wandervogel" in Süddeutschland teil aus hohem Idealismus und reiner Liebe zur Natur und Heimat. Die Jugend war es, die sich von der allgemeinen Verflachung des ganzen Lebens angewidert und unbefriedigt neue Wege suchte und wieder zur Natur zurückkehrte. Wir durchwanderten alle deutschen Gaue von den Alpen bis zur Nordsee, von den Vogesen bis tief in den Böhmerwald. Wir lebten einfach, kochten uns selbst, nächtigten beim Bauern im Heu, am offenen Feuer im Sommer, fuhren mit dem Holzknecht im Gebirge, dem Flösser am Wasser und kamen mit dem Volke in allen Schichten zusammen. Auch die Pflege des Volksliedes nahm einen breiten Raum ein. War es ja doch ein Wandervogel, der unvergeßliche Breuer, gefallen im Kriege, der es vielfach erst ausgegraben und in seinem Bupfgeigenhansel" wieder zu Ehren gebracht hatte. Von Raffen- und Klassenkämpfen hatten wir keine Ahnung. Christen und Juden, Dissidenten und weiß Gott was lebten friedlich nebeneinander,„ Glauben“ und„ Rasse" des Anderen war uns völlig gleichgültig, wir fannten sie gar nicht. Wir lebten nur mit und für den„ auf Fahrt" erprobten Kameraden. Die politischen Kämpfe der Zeit ahnten wir faum, wir fanden nur das schaffende Volk in Stadt und Land an seiner Arbeit und dieses Volk schätzten und liebten wir. Diese Kenntnis von Land und Leuten, diese Kameradschaft und Erziehung zur Selbständigkeit fand aber nicht nur von der Schule her keine Förderung das blieb erst dem Staate von Weimar vorbehalten- sondern wurde als„ vom Lernen abhaltend" sehr bekämpft. Auch viele Eltern sahen nur die zerrissene Strümpfe, die schmutzigen Schuhe und machten Schwierigkeiten. Trotzdem setzte sich der Wandervogel" durch und wurde das Vorbild für andere Jugendorganisationen wie Pfadfinder"," Freischaren" usw., die alle aus ihm hervorgegangen waren. Die weitere Entwicklung der deutschen Jugendhewegung zu schildern, würde in diesem Rahmen zu weit führen. Sie nahm immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit aufgebaut, ständig zu. Auch die organisierte Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung rief sie BRIEFKASTEN Köln. Ja, glaubten Sie denn wirklich, die Herren Kommissarischen" Nazis hätten umsonst gearbeitet? Da hat mancher die Gelegenheit benutzt, sich gesund zu machen. NSBO.: Nun sind Bonzen oben. G. S., La Chapelle. Es ist richtig, daß der kaum zwanzigjährige Bebel sich freiwillig zum preußischen Heeresdienst melden wollte. Das steht in seiner Selbstbiografie. Er war übrigens nie„ Antimilitarist" im Sinne Karl Liebknechts, den er lebhaft bekämpfte. Ihre Schlußfolgerungen sind zu mechanisch. Westerwald. Auch in Ihrer Gegend ist also eine Ernüchterung eingetreten. Jest will niemand" mehr Nazi gewählt haben. Die Einsicht kommt leider etwas sehr spät. An mehrere Berichterstatter. Vergessen Sie nie, daß die„ Deutsche Freiheit kein Provinzblatt ist, sondern über ganz Europa und darüber hinaus verbreitet wird. Nur was für dieses weite Gebiet allgemeines Interesse hat, können wir bringen. Mez. Wenn sie in einer Nummer der kommunistischen„ ArbeiterZeitung" nur beinahe ein Drittel gegen die Sozialdemokratie geschrieben fanden, hatten Sie Glück. Manchmal ist fast die ganze Zeitung mit den Sünden der SPD. angefüllt. Sie fragen sich nach dem Zweck dieses Unflats? Anscheinend sind Sie genau so auf den Kopf gefallen wie wir. Auch wir können nicht einsehen, was dieser Unfug bei der Situation an der Saar soll. Palästina. Ja, es geht aufwärts. Wir senden jetzt täglich tausend Exemplare. Luzern und Bern. Dank für Briefe und Mitteilungen. Wir haben für eine bessere Versorgung der Zeitungskioske alle nur denkbare Mühe walten lassen. Kaffel. Wie Sie uns mitteilen, verlangt in Ihrer Stadt die SA., daß gewisse Hitler- Bilder aus den Schaufenstern entfernt werden, Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunterricht, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAU DR. BERG Internationales Institut in schöner Grossstadt deutschsprechenden Auslands wegen Unfallverletzung des Inhabers sofort günstig zu übernehmen. Völlig schuldenfrei daher keine Sanierung! Fachkenntnisse nicht erforderlich. 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Was die„ schwarzen und roten neuen Männer des Systems" auf diesen Gebieten leisteten für die gesamte Jugend- es sei nur auf den sozialistischen Unterstaatssekretär Schulz verwiesen, wie sie auch die bürgerliche Jugend in jeder Beziehung nicht nur unangetastet ließen, sondern durch halbe Bahnfahrt, Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln, Ueberlassung von Heimen seitens„ roter Stadtverwaltungen", Einführung der Wandertage an den Schulen usw. förderten, steht als goldene Ruhmestat des Systems von Weimar für alle Zeiten in den Lettern der neuen deutschen Geschichte nach 1918. Es sei auch offen ausgesprochen, daß es nie zu ernstlichen Reibungen der verschiedenen Bünde auf Fahrt oder in den Herbergen fam. Etwaige bedeutungslose Versuche wurden von den Führern im Keime erstickt. Alle hatten die gleichen Straßen zurückzulegen in glühender Sonnenhize, in eisiger Kälte, alle die Mühen des Feuermachens bei Regen und Schnee, alle genossen herrliche Aussicht auf prächtiger Bergeshöhe bei Sonnenaufgang, alle sangen in der Jugendherberge abends feine Stimmungslieder in die Nacht hinein von ,, Stehn zwei Sterne am hohen Himmel, kein schöner Land in dieser Zeit" u. a., alle suchten nach dem Gesang„ ade zur guten Nacht" das gemeinsame Lager auf. Alle schieden am nächsten Tage zufrieden von dannen oder legten einen Rasttag ein, den sie mit Baden, Abkochen, Skizzenzeichnen u. a. vertrieben. Kurz es war eine wahre Volksgemeinschaft, die sich da in der Jugend anbahnte und sicher auch bei den Erwachsenen ihre Früchte gezeigt hätte. Da fiel in diese heilige Jdylle die rohe Sturzwelle der ,, nationalen Revolution" vom März 1933 und vernichtete Alles. Zuerst wurden mit roher Gewalt alle marristischen, jüdischen, pazifistischen usw. Führer aus dem Jugendwerk hinausgeworfen. Die Jugendherbergen wurden von SA.Horden besetzt und restlos ausgeraubt. Es setzte die Verfolgung und Ausrottung der Jugendgruppen ein, die mit weil diese Reproduktionen Kitsch" seien. Das ist mal eine vernünftige Anordnung. Wahrscheinlich sind es besonders gelungene Bilder. Wir wundern uns schon lange, daß sich der Mann so oft fitcgrafieren läßt. Die Deutschen haben freilich wenig Sinn für Physiognomie. Bei Wilhelm II. haben sie auch 30 Jahre gebraucht, bis sie erkannten, was sein Gesicht der übrigen Welt längst verraten hatte: Kitsch! Bergisches Land. In Ihrem Städtchen sind, wie Sie schreiben, die Nazis kuriert, seit sie einen 24jährigen SA.- Mann als Bürgermeister genießen. Sein Gehalt soll in umgekehrtem Verhältnis zu ben„ Roten" begann und mit dem großdeutschen Bund unter Leitung des kaiserlichen Admirals v. Trotha endete. Es wurden auch zahlreiche Pfadfinder- und bürgerliche- und konfessionelle Jugendheime nach Strauchritterart von SA. und Hitler- Jugend" besetzt, geplündert und ihre wertvolle Ausrüstung, die mühsam in jahrelanger Arbeit angeschafft waren, wie Gepäck, Zeichnungen, Skizzen, Zeltbahnen usw. gestohlen, die Kassen beschlagnahmt. Es wurde die harm lose Tracht, mit der man Jahre lang unangefochten, selbst durch die„ rötesten" Gegenden Deutschlands gewandert war, den Jungen verboten und den Einzelnen vom Leibe gerissent. Es wurde sogar jedes Sammeln zur„ Fahrt" als verbotener „ Aufmarsch" zum„ Schuße von Volk und Staat" gewaltsam unterdrückt und die Führer polizeilich bestraft. Der Rest der Jugendgruppen, die mannhaft bis zuletzt verblieben waren, wird nun gewaltsam gleichgeschaltet" unter der Oberleitung der Hitler- Jugend". er muß dieser„ Leitung" seine Sparpfennige aushändigen. Der ganze Betrieb wird argwöhnig überwacht und binnen kurzem wird auch dieser kleine Rest deutscher früherer Jugendbewegung mit zum Teile Jahrzehnte langer Tradition verschwunden sein. Es soll, wie Sie sehr richtig schrieben, nicht mehr gewandert, sondern vom 8. Lebensjahr öde egerziert, geschossen werden, Vorbereitung für den Krieg nach außen, die Niederknüppelung des eigenen Volksgenossen im Innern. An Stelle der Fahrten treten ,, nationale Zwangsfeiern" hinter braunen und grauen Henkersknechten mit dem öden, immer dem gleichen„ patriotischen" Gebrüll, mit römischen Armaufheben, es folgen ,, Vorbeimärsche" vor national- revolutionärem perversem FührerKlingel", anstatt der feinen Volks- und Wanderlieder aus der Situation des Augenblickes heraus ertönt- doppelt fein angesichts der Konzentrationslagern mit ihren Blutsopfern das Siegheil, Deutschland erwache, Juda verede! Es wird eine braune Zwangstracht für diese Jugend ge= schaffen, die lediglich als Herden- Maffenvieh zum fünftigen Kanonenfutter herangezogen wird. Zum Vergleiche sei nur angefügt, daß z. B. in der Tschechoslowakei, wo bekanntlich da Deutschtum grausam unterdrückt wird", noch eine deutsche Jugendbewegung besteht, die sich im Sinne der früheren deutschen Jugend völlig frei bewegen kann, ihre vom Staate unterstützten Heime bejißt, Ermäßigung der Bahnen genießt u. a. mehr. Ihr Wilde seid doch bessere Menschen! Die deutsche Jugendbewegung ist aber zur Zeit völlig erledigt. Ein Aufstieg kann aber erst kommen, wenn auch das heutige Deutschland die Sonne der Freiheit auf gegangen ist. Dazu beizutragen ist die wichtigste Aufgabe Ihrer einzigen freien deutschen Tageszeitung. Ein Führer der deutschen Jugendbewegung. G. S., St. Valery. Ihr Gedicht ist gut gemeint, aber doch ein bißchen zu„ kräftig". Das kommt davon, wenn man sich das sprachlich gemeine und inhaltlich rohe Horst- Wessel- Lied zum Vorbild nimmt. K. W., Zürich. Herzlichen Dank für Ihre Ergänzung. Leni ist freilich nicht so wichtig, um ihr noch einmal ein paar Zeilen zu widmen. Beglückwünschen wir vielmehr den nächsten zu diesem " Wanderpreis". ſeinem Können stehen. Da Jbr Nest beinahe hundertprozentig Die Zinsknechtschaft Nazi gewählt hat, ist der Bürgermeister wohl verdient. Behalten Sie ihn, bis der Schwindel zu Ende ist. Fran 2. 3. Sehr erfreulich, daß Sie bekehrt aus dem dritten Reich zurückkamen. Das zeugt von kritischer Beobachtung. Viele werden von dem Propagandatheater drüben noch duseliger, sehen nichts und hören nichts von der Wirklichkeit und schwärmen dann poesievoll von der Fassade im dritten Reich". P. A. Lille. Wir wissen nicht, ob der Vorstand der SPD. erheb= liche Summen ins Ausland bringen konnte. Wenn schon: die von Ihnen erträumten Millionen sind es nicht, und die„ Deutsche Freiheit" hat bisher an den dem P.-V. nachgesagten Reichtümern keinen Anteil gehabt. Partisan. Dank für Brief. Jede Zeile hat uns gefreut! Sier die erbetenen Antworten: 1. Alles angekommen." 2. Ja! 3. Ja! Sie müssen es nur ausdrücklich auf dem Umschlag vermerken. Ihre Sachen werden geprüft; was wir verwenden, werden Sie selbst finden. Wir verstehen vollkommen Ihre Lage. Auf den Tag!" Ostende. Sehr erfreulich, daß Sie nun mit unserer Verkaufsorganisation zufrieden sind. Unsere Verlagsleitung tut, was sie tann. Die Deutsche Freiheit" verdient gellend ausgerufen zu werden. Mit Politik in piano ist dem Fortissimo des Faschismus nicht beizukommen. Deutsches Unternehmen seit 3 Jahren in Paris ansässig, sucht, zwecks Ausnützung Ihrer Fabrikräume u. Verkaufs Organi. sation, Anschluß an Firmen, die gewillt sind, Fabrikation in Frankreich ein. zurichten. 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Feder erklärte:„ Brechung der Zinsknechtschaft will nicht sagen: Aufhebung des Zinses, wie man mir immer gern unterlegt. Den Zins, diese Rechnungsart zur Festlegung der Rentabiltät der Unternehmungen, kann man nicht abschaffen". Man kann nur Herrn Feder als„ Theoretifer" abschaffen. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pig: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. beteiligt Wer bel of isch Ungarischer Csárda mit 100 000,- fzFrs. an Fabrikationseins richtung f. Herrenkonfektion/ Bein Kleider. Fest Kundenstamm in Belgien u. Frank reich Hohe Ges winnbeteiligung. Seriöse Angeb. erb. unt. 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