nottove Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 67-1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 6. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Eine Vergleichung des deutschen Volkes mit anderen Völkern erregt in uns peinliche Gefühle, über welche ich auf jegliche Weise hinwegzukommen versuche. Ist denn wirklich das Volk erwacht? Goethe Sedanfeier- in Paris Was sich das neue Deutschland leistet Unser deutscher Mitarbeiter in Paris schreibt: = Der gleichgeschaltete Teil der in Paris lebenden Deutschen" besatz die Geschmacklosigkeit, zu einer großen Sedan Feier" in Joinville bei Paris aufzurufen. Die Anwesenheit„ Sr. Exzellenz des Deutschen Botschafters" und der sämtlichen Beamten der deutschen Botschaft war angekündigt. Die Feier mußte unterbleiben, weil die franzöfische Bevölkerung nicht willens war, sich diesen Skandal bieten zu lassen. Ein früherer deutscher Offizier wandte sich außerdem an die zuständigen Stellen und ersuchte darum, daß diese Veranstaltung seitens der Behörden verboten wird; die Sedanfeier bedeute, so führte er aus, weiter nichts als eine geradezu verbrecherische Provokation eines Landes, das in ritterlicher Weise den durch den Hitlerschen Blutterror aus der Heimat Vertriebenen Gastfreundschaft ge= währt habe und gegen das durch die Veranstaltung, zu der der Sedan- Tag nur den Namen hergeben soll, neue Hezze zu betreiben, die Absicht der„ deutschen" Gesellschaft in Paris ist. Hierauf schritt die Polizei ein und sprach das Verbot der „ Feier" aus. Der deutsche Botschafter hatte schon einige Stunden vorher öffentlich erklären lassen, daß er die angekündigte Rede nicht halten werde. Er entschuldigte sich damit, er habe nicht daran gebaut, daß auf den 2. September ein für Frankreich schmerzliches Ereignis fiel. So macht das neue Deutschland Außenpolitik. So will es moralische Eroberungen machen. Was würden die Herrschaften sagen, wenn die französische Kolonie Berlins etwa in Potsdam eine französisch- nationale Feier mit deutlicher Spitze gegen Deutschland am Jahrestage der Schlachtan der Marne hielte? Das Programm der Feier unserer anscheinend vollkommen von allen guten Geistern verlassenen Landsleute sah wie folgt aus: Wir lassen den genauen Text der Eintrittskarte folgen: Eintrittskarte Zur ,, Abrüstung" Entscheidende englisch- französische Besprechungen Paris, 5. Sept.„ Petit Parifien" kündigt an, daß vor Wiederaufnahme der Völkerbundsverhandlungen am 18. Seps tember in Paris zwischen Sir John Simon und Hauptmann Eden einerseits und dem Ministerpräsidenten Daladier und Außenminister Paul Boncour andererseits wichtige Be= sprechungen über die Unabhängigkeit Defters reichs, die wirtschaftliche Sanierung Mitteleuropas und des Balkans und vor allem über die weitere Behandlung der Abrüstungskonferenz stattfinden werde. Das Blatt bezeichnet eine Verstärkung der Rüstungskontrolle als notwendig. Wir fügen dieser Meldung hinzu, daß auch der Wille Nordamerikas auf eine Erweiterung der Rüstungskontrolle hinzielt. Es gehört wenig Phantasie dazu, um zu erkennen, daß die allgemeine Atmosphäre des Mißtrauens, die Hitlers Außenpolitik zu erwecken verstanden hat, Deutschland in den Mittelpunkt dieser Rüstungskontrolle stellen wird. „ Vertrauen nicht vorhanden" sagt die ,, Times" London, 5. Sept. In einem der Abrüstungskonferenz gewidmeten Leitartikel der„ Times" heißt es, allerseits bes stehe eher die Neigung zur Vermehrung als zur Verminde rung der Rüstungen. In Europa herrsche so viel Erbitterung zwischen einzelnen Ländern, daß die erste Voraussetzung der Abrüstung gegenseitiges Vertrauen einfach nicht vor: handen sei. Europa stehe vielleicht erst am Anfang einer langen Periode politischer Ruhestörung. Trotzdem dürften die Delegierten keinesfalls auseinandergehen, bevor irgendeine Vereinbarung erreicht sei. Es sei eine Konvention möglich, die die Begrenzung der Rüstungen zu Lande und in der Luft, die Kontrolle der Rüstungen durch einen Ueberwachungsausschuß und die Beaufsichtigung der Waffenherstellung und des Waffenhandels einschließen würde. 3um französ fischen Kontrollplan fagt Times", es heiße, daß Norman Davis beauftragt fei, ihn zu von Johann Rosenmüller 1619-84 unterstützen. Großbritannien sei für einen weniger weitgehenden und weniger starren Plan gewesen, werde aber dem franzöfifchen Plan keine Opposition machen, wenn die anderen Länder mit ihm einverstanden seien. für den deutschen Abend 1933 in den Räumen des DHV.Hauses in Joinville le Pont, 18 Avenue de la Republique am 2. September.- Beginn 21.15 Uhr. 1. Sonate in G- Moll Adagio, Allegro 2. Begrüßungswort. 8. Deklamation. 4. Ansprache des deutschen Botschafters, Herrn Dr. Roland Köfter. 5. Kriegsmarsch aus Athalia, G. F. Händel. 6. Vortrag: Deutschland 1918-1933. Anschließend HorftWeffel- Lied. 7. Mahuruf, zusammengestellt aus Fichtes Reden an die Deutsche Nation. 8. Deutschlandlied. 15 Minuten Pause.- Anschließend unterhaltender Teil. Programmhefte der Deutschen Volksbewegung, Adolf Hitlers Mein Kampf", Hitlerbilder usw. sind am Saaleingang zu kaufen. Wie die„ Kölnische Zeitung" behauptet, sollen die Veranstalter dieser eigenartigen Rundgebung von sich aus Kon zert und Rede abgesagt haben, als ihnen bewußt wurde, was fie angerichtet hatten. Es sei reiner Zufall, daß die Veranstaltung auf den 2. September angesetzt worden sei. Nebenher regt sich das Blatt noch darüber auf, daß in Paris lebende Deutsche, die mit der Einladung beglückt worden find, die sozialistische Presse unterrichtet haben. Nach unserer Meinung war es ein verdienstliches Werk, die Taktlosigkeit dieser Sedanfeier zu unterbinden. Die Ueberall dasselbe Echo Das Mißtrauen in Deutschlands Rüstungspolitik G. W. Albarda schreibt in Het Volt": „ Um die Auslandspolitik des dritten Reiches kennen zu lernen, braucht man nur das vorlegte Kapitel der Bibel der Nationalsozialisten,„ Mein Kampf". zu lesen. Da wären die Ziele deutlich und schamlos enthüllt. Deutsches Grundgebiet muß erweitert wers den auf Kosten von Rußland und der Rand: sta a ten. Um dieses Ziel verwirklichen zu können, muß erst Frankreich geschlagen werden. Friedenspolitik ist nur zu betreiben, um die nötige Zeit für die Kriegsvorbereitungen zu gewinnen. Die Kriegsvorbereitungen find bereits in vollem Gange. Halb Deutschland läuft in Uniform und wird militärisch ges drillt; dauernd finden Paraden und Manöver statt. Uns zählige Flugpläge werden angelegt; Hunderte von Fliegern werden ausgebildet. Die Ausführung von wichtigen strate= gischen Plänen wird in Angriff genommen. Die Waffens industrie hat großartige Aufträge bekommen." deutsch- französischen Beziehungen sind ohnehin so gespannt, Das Volksheer daß sie nicht noch verschärft zu werden brauchen. Ein Botschafter in Paris und dessen Personal müssen über die französische Geschichte soweit unterrichtet sein, daß sie nicht gerade den Sedanstag zu einer nationalistischen Kundgebung sich aussuchen. Taft ist in allen Lebenslagen gut und für erfolgreiche Diplomatie die Voraussetzung. Dabei lassen wir ganz dahingestellt, ob der deutsche Botschafter Dr. Köster seine Zusage gern gegeben hat. Kann denn überhaupt ein deutscher Diplomat noch vernunftgemäß entscheiden? Je vernünftiger er handelt, je sicherer ist das Ende seiner Laufbahn, London, 4. Sept.( Inpreß.) Der Korrespondent des „ Manchester Guardian" schreibt auläßlich des Kongresses von Nürnberg:„ Deutschland kann öffentlich nicht militärisch auf: rüsten. Aber die Fülle der Manifestationen und der Kons gresse, die im Laufe dieses Jahres stattgefunden haben, mit ihren enormen Aufmärschen der Brannhemden, mit ihren Feldübungen, ihren rollenden Küchen und Kommissariaten, das alles find Verfuchs- Mobilisationen in einer Größe, von der man kein Beispiel kennt, und zu dem einzigen Ziel: die Schaffung einer großen nationalen Armee, Freie Bahn den Untüchtigen! Von Dr. Fritz Martens Die Ernennung des Herrn Schmitt zum Reichswirts schaftsminister bedeutete, daß der Richtungskampf in den führenden Kreisen des Nationalsozialismus zugunsten der eindeutigen kapitalistischen Einstellung entschieden wurde. Das war der Sieg der ausgesprochen und hundertprozentig kapitalistisch Gesinnten über zwei Gegenrichtungen, wenn wir von verschiedenen Schattierungen von geringerer Bes deutung absehen. Erstens einmal über die antikapitalisti schen Empfindungen, wie sie in den nationalsozialistischen Betriebszellen und bei dem großen Teil der SA. vertreten sind und die als eine untere Stufe des proletarischen Klassenbewußtseins und der Entwicklung zum sozialisti schen Denken angesehen werden dürfen. Dann siegten die Exponenten des„ normalen Kapitalismus"( die ,, Normalisierer") auch über die wirtschaftspolitischen Vertreter des kleineren Gewerbes, deren„ mittelständische" Einstellung eine unverkennbare und zuweilen sehr scharfe Spitze gegen alle wirtschaftlich überlegenen kapitalistischen Gebilde hat. Die berühmt gewordene Kölner Rede war nicht die erste Rede des neuen Reichswirtschaftsministers, wie das irrtümlich dargestellt wird. Kurz nach seinem Amtsantritt hat Herr Schmitt in München eine Ansprache gehalten, in der er unter anderem den bayerischen„ Wirt schaftsführern" mit einem sehr netten und beruhigenden freie Wirtschaft." Ueber die Absichten des neuen Lächeln eröffnete:„ Meine Herren! Ich liebe die großen Führers konnten schon nach dieser Zieleserklärung schaftspolitik in einem bewußt und demonstrativ antis für die freie Wirtschaft keine Zweifel bestehen. Die Wirt liberalistischen Staat wird von einem Mann geleitet, der selbst zu den selten gewordenen Vertretern des folge richtigen wirtschaftlichen Liberalismus gehört. Allerdings mit den Einschränkungen, die für den Leiter des größten Versicherungs konzerns, also eines mächtigen Gebildes des organisierten Kapitalismus, selbstverständlich sind: Die wirtschaftliche Freiheit hat ihre Schranken dort, wo dies die Interessen der kapitalistischen Machtentfaltung erfordern. Nach der Ernennung von Herrn Schmitt mußte also in gewissen Kreisen die Auffassung entstehen, daß Deutschland vor der Befestigung der„ normalen" kapitalistischen Verhältnisse steht und dementsprechend die gleichen Chancen für die Ueberwindung der Wirtschaftskrise auf rein kapitalistische Art und Weise gewinnt, wie jedes andere„ normalkapitalistische" Land in dieser immer noch kapitalistischen Welt. Diese Chancen dürften sogar als be sonders groß erscheinen, da der kapitalistischen Wirt schaftspolitik in Deutschland die ungeheuerlichen Machts mittel einer brutalen Diktatur zur Verfügung gestellt werden sollten. Wenn nun schon heute eine bittere Ent täuschung in dieser Hinsicht spürbar wird, so ist das die Folge der Tatsache, daß sich eben diese Machtmittel der Diktatur als eine aller Wahrscheinlichkeit nach unüber. windbare Hemmung für die echte Wirtschaftsbelebung er weisen. Die erste Aufgabe jeder Diktatur ist Selbstbehauptung. Und das heißt, daß jede Diktatur vor allem dafür sorgen muß, daß sich ihre eigenen Machtmittel nicht gegen sie selbst wenden. Dieser Sorge wird letzten Endes in der Diktatur alles andere untergeordnet. Trozz des bekannten Sprichworts kann man eine Zeit lang auf den Bajonetten fizzen. Eine Diktatur kann fich, auf die brutale Gewalt gestützt, gegen die Unzufriedenheit breiter Massen halten. Nur die Bajonette selbst, b. h. die lebendigen Träger der brutalen Gewalt, müssen befriedigt sein und sich mit der herrschenden Macht auf Tod und Verderben verbunden fühlen. In Deutschland handelt es sich dabei um eine so beträchtliche Menschenmenge, daß sie nicht mit den vom Staate gestellten Gehältern zu friedengestellt werden kann. Das ist aber vielleicht noch nicht das Wichtigste. Diese Schicht der Träger der brutalen Gewalt ist so breit, daß sie sich einfach nicht von ihren sozialen Quellen, von ihrem Milieu isolieren läßt. Das ist der Grund, weshalb in dem Maße, in welchem be stimmte sozialen Schichten enttäuscht und unzufrieden, auch die entsprechenden Teile des Machtapparates, vor allem der SA- Formationen, für die Machthaber unsicher und unbequem werden. Es müssen ständig die Maßnahmen getroffen werden, die nicht von den wirtschaftlichen Erwägungen, sondern von dem Selbstbehauptungsbedürfnis der Diktatur vorge schrieben werden. Dadurch entstehen für die Wirtschaft Belastungen, die die Wirkung aller künstlichen Ankurbe lungsmittel bei weitem überwiegen, zumal unter diesen Umständen auch die Ankurbelungsmittel selbst von mirtschaftlich sehr zweifelhafter Natur sein müssen: eine dema gogische Politik ist für die nationalsozialistische Diktatur auf allen Gebieten eine unumgängliche Notwendigkeit. Das mit soundso viele„ nationale Kämpfer" befriedigt werden können, müssen die besten Arbeitskräfte herausgeworfen und durch die weniger geeigneten oder gänzlich unge. eigneten ersetzt, müssen darüber hinaus überflüssige Arbeitskräfte eingestellt werden. Bei der Besprechung der letzten Bankbilanzen mußte die„ Frankfurter Zeitung" feststellen, daß die neueingestellten Arbeiter zunächst auf Kosten bereits bestehender Borräte unterhalten werden". Viele Unternehmer können auch nicht anders verfahren. Sie dürfen keine Kredite aufnehmen, weil sie nicht nur keine Zinsen erwirtschaften Trebeurden und Nürnberg können, sondern auch mit dem glatten Verlust der einge Zugleich eine nachträgliche Antwort an die Niederwaldprovokation Jetzten Mittel rechnen müssen. Wer die Gelegenheit hat, mit den deutschen Unternehmern ganz intim unter vier Augen zu sprechen, hört wiederum den altbekannten Ausdruck:„ Wir werden gezwungen, die Substanz ou vers zehren." Trotz der rein kapitalistischen Einstellung der " Nationalen Regierung" werden also die Unternehmer gezwungen, entgegen allen kapitalistischen Grundsätzen zu wirtschaften. Namentlich die Arbeitsmarktpolitik, dieser„ Krieg gegen die Arbeitslosigkeit"( in noch viel größerem Maße aber: gegen die Arbeitslofen st a ti st i k), zeigt alle Widersprüche auf, die sich aus der Lage der Diktatur zwangsläufig ergeben. Für die jüngeren Arbeiter sind die Arbeitsdienst lager und alle Formen der militärischen Ausbildung da, also lautet die Parole: Die Familienväter( selbstverständ. lich„ national gesinnte") herein in die Betriebe! Die arbeitenden Söhne werden zu Doppelverdienern erklärt, werden entlassen bzw. aus der Unterstützung ausgesteuert. Die Folgen? Erstens einmal sinkt die Kaufkraft der " Familienverbände" so tief, daß von irgendwelchen Anschaffungen über das Erhalten der bescheidensten Existenz hinaus keine Rede sein kann, auch der Markt für die Industrieerzeugnisse schrumpft noch weiter zusammen. Letzten Endes deshalb, weil die Produktivität der Arbeit geringer wird. Auf anderer Seite wollen auch die jungen Landsknechte doch eine gesicherte Existenz und ihre eigenen Heime haben. Sie fehen auch die Gefahr, als Arbeitskräftig völlig unbrauchbar zu werden. Also müssen für sie um jeden Preis Arbeitsplätze geschaffen werden. In vielen Fällen völlig unbeachtet ihrer Qualifikation. Man kann fich ausdenken, was das für die Industrie bedeutet, die in folchem Maße, wie die deutsche, auf die Qualitätsarbeit angewiesen ist. Und es kann nicht anders verfahren werden, wenn die SA. ungefährlich gemacht werden soll. Von der gründlichen beruflichen Vorbereitung kann auch keine Rede sein, solange diese Menschen immer noch die Funktionen der Landsknechte zu erfüllen haben. Das gleiche gilt auch für die anderen Gebiete, namentlich für die sogenannte Mittelstandspolitik. Auch hier müssen aus dem Selbstbehauptungsbedürfnis der Diktatur heraus in unzähligen Fällen die wirtschaftlich Untüchtigen auf Kosten der Tüchtigen künstlich gestützt und bevorzugt werden. Aus demselben Grunde ist trotz aller Bekenntnisse zur internationalen Zusammenarbeit eine vernünftige Handelspolitik im dritten Reich" ein Ding der Unmöglichkeit. Die gleichen Leute, die die deutsche Republik als„ Fürsorgestaat" verschrien und verdammt hatten, müssen jetzt auch eine Art Fürsorgepolitik treiben, aber in ihrer wirtschaftlich unsinnigsten und schädlichsten Form himmelweit vom Sozialismus entfernt, spottet diese Politik auch dem kapitalistischen Willen der Machthaber ins Gesicht, da sie dem bewährten liberalkapitalistischen Grundsag entgegen nicht den Tüchtigen, sondern den Untüchtigen die Bahn frei macht. Solange diese Diktatur besteht, ist das deutsche Volk verurteilt, alle Härten der kapitalistischen Ausbeutung zu ertragen, ohne daß die produktionsfördernden Kräfte des Kapitalismus zur Auswirkung kommen könnten. Selbstmord geht um Das Ende eines bekannten Augenarztes Saarbrücken, 5. September. „ Er hat den Frieden für uns gewollt," schreibt ein junger Fischer der Bretagne auf den Gedenkstein Briands, der am Sonntag in Trebeurden eingeweiht wurde. Es war zur selben Stunde, in der Herr Hitler in Nürnberg seine Kriegserklärungan den Pazifismus wiederholte. Der französische Außenminister Paul Boncour hat seinen großen Vorgänger und sein Vorbild Aristide Briand bei dieser Gelegenheit als den Schöpfer jenes Briand bei dieser Gelegenheit als den Schöpfer jenes Locarno gefeiert, dessen Tendenz durch die Hitleraggressivi tät im akuten Stadium der europäischen Politik in der Betonung des französischen Sicherheitsgedankens liegt: " Je mehr sich gewisse Drohungen abzeichnen, die uns aber unsere Kaltblütigkeit nicht nehmen werden, die uns aber zwingen, wachsam zu bleiben, desto größeren Dank find wir dem Manne schuldig, dessen diplomatische Aktion schließlich Ende 1928 erreichte, daß England und Italien einen Tegt unterzeichneten, der sagt: Im Falle einer flagranten Verlegung des Artikels 2 des vorliegenden Vertrages oder eines flagranten Verstoßes gegen die Artikel 42 und 48 des Versailler Vertrages durch eine der hohen vertragschließenden Parteien, ver: pflichtet sich jede der andern unterzeichnens den Mächte schon jest,( ofort der Partei Hilfe zu leisten, gegen die eine solche Vers legung gerichtet ist." Man darf kaum annehmen, daß diese lobenswerte Klar heit in der augenblicklichen Geistesverfassung der„ Führer" des Nationalsozialismus jenes Echo finden wird, das allein zum Heile Deutschlands und Europas dienlich wäre. Der offizielle Conti Rommentarber Hitlerregierung ist statt dessen eine erneute frechdreiste Provokation und die Dokumentation einer Mentalität, mit der jeder Versuch einer Verständigung den Verrat an den ureigensten Lebensinteressen des eigenen Volkes bedeuten würde. Es scheint nicht, als ob sich der französische Außenminister über diese Mentalität der„ tollen Hunde Europas"( wie fie ein rumänisches Blatt jüngst nannte!) irgendwelchen Jllusionen hingäbe. Mit einer Deutlichkeit, die bei aller Mäßigung eine eiserne Festigkeit verrät, hob Boncour hervor, welcher Kontrast zwischen Rundgebungen wieder heutigen, wo fern von den Grenzen am Ufer des Meeres die Bolksmengen nach Frieden rufen, und zwischen den Segereien besteht, die bis an bie Grenze unseres Gebiets geführt werden. Frankreich weiß, daß es ft art genug ist, um gewalts tätigen Unternehmen standzuhalten, und der stillschweigend * 1915? 3ürich, 4. Sept. In einem Hotel in Rüßnacht am Rigi wurde heute morgen der bekannte Berliner Augenarzt Dr. Bruno May Wolf mit seiner Gattin tot aufgefunden. Dr. May, der im Frühjahr auf der Rücks rcife von einem Aerztekongreß in Spanien in der Schweiz Aufenthalt genommen hatte, hatte einen Nervenzufammen bruch erlitten und war dann eine Zeitlang in einem schweize: rischen Sanatorium behandelt worden. Nach seiner Ents lassung war er nach Rüßnacht gezogen, wo er nunmehr mit seiner Gattin den Freitob gesucht hat. * In Holzheim bei Neuß überfuhr ein Kraftwagen fünf itlerjungen, die sämtlich schwer verlegt wurden. Einer ist inzwischen geftorben. Der Führer des Wagens wurde festgenommen. Die Nachforschungen nach den Urhebern des Anschlags auf Prof. Lessing führten bisher zur Verhaftung von nenn Personen. Aus Cofel in Oberschlesien wird von deutschen Nach richtenbüros gemeldet: In Maßkirch erstach ein Marxist einen NSBO.- Mann. Der Täter wurde verhaftet. Das ahnungslose deutsche Volk Die Baseler Nationalzeitung" schreibt über den Nürnberger Parteitag: Die Großartigkeit der Aufmachung steht zu der Armseligkeit des Inhalts in einem peinlichen Gegensatz. Nach fieben Monaten Herrschaft ist der deutsche Nationalsozialismus nirgends zu einer pofitiven Leistung gekommen; die Senkung der Arbeitslosigkeit, deren er sich berühmt, besteht im wesentlichen darin, daß weniger Unterstüßungen ausbezahlt und Hunderttausende zu einer Arbeit genötigt wurden, die kaum höher bezahlt wird als die frühere Arbeitslosenrente. Und jeder Renner der deutschen Wirtschaft weiß, daß die angeblichen Erfolge gar nicht vorhanden sind, die Notstandsarbeiten werden sich von den Gemeinden bloß durchführen laffen, wenn sie auf die Spareinlagen der Sparfaffen greifen, die Inflation läßt sich dant dem Transfermoratorium noch ein wenig verschleiern, da die freie Mark auf dem Weltmarkt kaum verlangt wird, aber die Kauffraft ist bei gesunkenen Löhnen und erhöhten Preisen immer geringer. Die Textilindustrie tann nicht in alle Ewigkeit Uniformtuch und Fahnen erMussolini und Stalin Der Text des italienisch- russischen Nichtangriffspaktes Rom, 4. Gept. Der Tegt bes italienisch- ruffischen Freundschaftss, Nichtangriffs- und Neutralitätsvertrages lautet: In dem Wunsche, mit allen ihren Kräften an der Erhals tung des allgemeinen Friedens mitzuwirken, unter Berüc fichtigung der Kontinuität der Beziehungen beider Länder gueinander und entschlossen, ihre Politik der unbedingten Enthaltung von der Einmischung in die internen Angelegens heiten ihrer Länder fortzulegen, beschließen beide Staaten, durch den Abschluß des Vertrags die zwischen Italien und der Sowjetunion bestehenden Beziehungen zu konsolidieren. Artikel 1: Jede der beiden vertragschließenden Parteten verpflichtet sich, in feinem Fall etwas gegen die andere Partei zu unternehmen, feine Jolierung herbeizuführen oder eine Bindung mit einer britten oder mehreren Mächten einzugehen, an einem Krieg ober einem Angriff au Land, zu Wasser oder in der Luft nicht teilzunehmen, und die Unverleßlichkeit der unter der Herrschaft des anderen Teils stehenden Gebiete anzuerkennen. Artikel 2: Wenn einer der Kontrahenten Gegenstand bes Angriffes einer dritten Macht wird, so verpflichtet sich der andere Kontrahent, die Neutralität während der ganzen Dauer des Konfliktes aufrechtzuerhalten. Wenn einer der Kontrahenten eine dritte Macht angreift, tann der andere Kontrahent ohne Vorankündigung den gegenwärtigen Bertrag lösen. Artikel 3: Jeder der beiden Kontrahenten verpflichtet fich, an teiner internationalen Abmachung teilzunehmen, die den Ankauf oder Verkauf von Waren des anderen verhin dern könnte oder den Kredit des anderen Teiles schädigen würde und feine Maßnahmen zu treffen, um die Beteiligung am Außenhandel des anderen zu verhindern. Artikel 4: Jeder der beiden Kontrahenten verpflichtet fich, in teine politische oder wirtschaftliche Bindung einzugehen, die gegen den anderen gerichtet ist. Artikel 5: Die in ben vorhergehenden Artikeln festgelegten Verpflichtungen können in feiner Weise die aus Abkommen herrührenden Verpflichtungen und Rechte des anderen Kontrahenten beschränken, wenn diese Abkommen vor dem vorliegenden Bertrag abgeschlossen sind. Aber jeder ter beiden Kontrahenten erklärt, daß er keinen Vertrag eingegangen ist, der zur Teilnahme an einem gegen einen anderen Mitkontrahenten gerichteten Angriff verpflichtet. Artikel 6: Die Kontrahenten verpflichten sich, alle etwa entstehenden Unstimmigkeiten, die nicht auf gewöhnlichem diplomatischem Wege gelöst werden können, einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Artikel 7: Der gegenwärtige Vertrag, der in italienischer und russischer Sprache ausgefertigt ist, und der in Moskau ratifistert werden wird, tritt mit dem Datum feiner Natifizierung in Kraft und bleibt in Kraft bis ein Jahr nach der Kündigung seitens einer der Kontrahenten. Diese Kündigung kann aber nicht vor Ablauf von fünf Jahren erfolgen, vom Tage seines Inkrafttretens an gerechnet. vor fich gegangene Besuch des Ministerpräsidenten und Kriegsministers in den Befestigungsans lagen an unseren Ostgrenzen war die richtige Antwort auf ein Verhalten, von dem man zum mindeften sagen muß, daß es die Friedensatmosphäre start trübt, die für die Restauration Euros pas so unbedingt notwendig ist. Einhellig bes gleitete ganz Frankreich den Ministerpräsidenten auf seiner Inspektionsreise." Jm Interesse Deutschlands, seines Volkes und seines Best andes läge es, wenn über dem Festtrubel und den überlauten Blechtönen einer graufenerregenden Inhaltsleere und beispiellosen Geistesverwirrung, wie sie sich in Nürnberg manifestierten, diese Mahnung und Warnung nicht im Heil- Hitler" Gekreisch ungehört verhallte, und das gleiche gilt vom Niederwaldrummel, auf den Boncour anspielt. Oswald Spengler, Modephilosoph der nazisadistischen Brutalität, hat den Geistern, die er rief, in seinem neuen Buche„ Jahre der Entscheidung" voll ,, Angst um Deutschland" ins Stammbuch geschrieben:„ Es ist keine Zeit zu Rausch- und Triumphgefühl! Wehe denen, die die Mobilmachung mit dem Sieg verwechseln! Es wäre richtiger, wir sparten das für einen Tag wirklicher und endgültiger Erfolge auf, d. h. außenpolitischer. Es gibt keine anderen." Aber statt außenpolitischer Siege ist die restlose außenpolitische Jsolierung Deutschlands der einzige sichtbare„ Erfolg" der Hitlerei. Wenn Herr Hitler zu beraten wäre, würde er sich nach dem irrsinnig anmutenden Rassengetobe in Nürnberg jene Stelle der Boncourschen Rede einmal unter die Lupe nehmen, welche darauf eine ganz entschiedene Antwort erteilt: „ Die Staaten des heutigen Mitteleuropa, die auf dem Recht der Nationalität aufgebaut sind, das gerade das Gegenteil von jenen völkischen Konzep tionen ist, aus denen sich nur die Umwälzung der Grenzen ergeben könnte, brauchen zum Leben und zu ihrer Entwicklung freie wirtschaftliche Berständigung, die nicht durch politische Rompetitionen oder territoriale Forde rungen getrübt werden dürfen, um das Gleichgewicht und die Abjagmärkte wiederzufinden, deren sie bedürfen." Aber Herr Hitler hat darauf wie auf die französischitalienische Annäherung und ihre Neukonstitu ierung des Donauraumes nur eine einzige Antwort: die Frage nach der Abrüstung Frankreichs! Es ist die Frage des Wolfes an seinen Nachbar, warum dieser sein Gewehr nicht zerschlage. Aber war es nicht Ehren- Ley, der einmal das Wort prägte, daß man dem M. B. Wolfe vorher den Fangschuß geben müsse?! zeugen, die Einnahmen der Reichsbahnen finten erschreckend, die Auflagen der Zeitungen, der Bücher, die Besucherzahlen in Kinos und Theatern verringern sich, obwohl der Bezug der Naziblätter und der Besuch patriotischer Vorstellungen und Filme fast obligatorisch geworden ist. Einstweilen wird weiter marschiert, und dies scheint vorerst noch einen Teil der Nation zu begeistern, und der andere Teil, der enttäuscht ist und klarer sieht, muß schweigen. Aber man darf wohl die Voraussage wagen, daß das vom Führer der Stadt Nürnberg verheißene Monopol auf Parteitage von ihr faum sehr viele Jahre lang in Anspruch genommen werden wird... Wir schreiben da vergleichsweise 1915, wo jeder Einsichtige die deutsche Niederlage schon spürte, aber Deutschland noch drei Jahre benötigte, um sie zu erkennen und dadurch sich und mit sich die Welt in unsägliches Elend stürzte. Militärischer Charakter Nürnberg, eine Generalprobe der Mobilmachung Der Manchester Guardian" bespricht in seiner vortrefflichen Art die Nürnberger Festlichkeiten: Wie die Kundgebungen von Tannenberg und am Nieders walddenkmal, besitzt auch der Parteitag einen milis tärischen Charakter. Die Braunhemden entwickeln sich schnell zu einer regels rechten Armee. Der Verkauf der braunen Uniformen soll am 15. September aufhören; von da an werden sie durch eine regelrechte feldgrane Uniform ersegt. Täglich wird die Zahl der Braunhemden größer, die den Stahlhelm tragen. Die Tagung der Braunhemden in Nürnberg hat tats fächlich den Charakter einer probeweisen Mobils machung. Vorher hatte Deutschland nicht die Möglichkeit, seine Maffen in militärischem Sinne zu mobilisieren. Alle Kundgebungen, die in diesem Jahr stattfanden, mit ihren ungeheuren Massen Braunhemden, ihren Quartiers scheinen, ihren Lagern, ihren Feldküchen, ihren Befehls stellen, ihrem speziellen Eisenbahndienst stellen einen weitgehenden Versuch für eine General: mobilmachung dar, die ohne Beispiel in irgendeinem anderen Lande ist. Eine furchtbare nationale Armee bildet und organisiert sich. Reaktion In Spanien? Die Wahlen zum Verfassungsgericht Paris, 5. Sept." Journal" berichtet aus Madrid, daß von den 15 Sigen des Gerichts für die verfassunggebenden Garantien, die von sämtlichen Gemeinderäten Spaniens ges wählt wurden, die Sozialisten nur zwei und die Radikalen nur einen einzigen Sig erringen konnten. Die Partei des Regierungschefs sei überhaupt nicht vertreten. Die Res gierungsparteien hätten mithin eine eindeutige Niederlage erlitten, wie man überhaupt feststelle, daß eine starke Res aktion gegen die Politik der Regierungsmehrheit sich bes merkbar mache. ..Meine Angst um Deutschland" Oswald Spengler warnt Oswald Spengler, einst Modephilosoph in der Prophezeiung vom Untergang des Abendlandes, oftmals vom Nationalsozialismus als einer der Seinigen angesprochen und ganz zweifellos Lieferant der philosophischen Theorie für die Brutalitäten der Nazi- Sadisten, hat ein neues Buch herausgegeben: Jahre der Entscheidung". In der Einleitung des ersten Teiles, Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung" überschrieben, nimmt Spengler zu alleraktuellsten Vorgängen politischer Art Stellung. Dieser Einleitung entnehmen wir folgende Säße: Das war kein Sieg, denn die Gegner fehlten. Vor der Gewalt des Aufstandes verschwand sofort alles, was eben noch tätig oder getan war. Es war ein Versprechen künftiger Siege, die in schweren Kämpfen erstritten werden müssen und für die hier erst der Platz geschaffen wurde. Die Führenden haben die volle Verantwortung dafür auf sich genommen und sie müssen wissen oder lernen, was das bedeutet. Es ist eine Aufgabe voll ungeheurer Gefahren, und sie liegt nicht im Innern Deutschlands, sondern draußen, in der Welt der Kriege und Ratastrophen, wo nur die große Politik das Wort führt. Deutschland ist mehr als irgend ein Land in das Schicksal aller anderen verflochten; es kann weniger als irgend ein anderes regiert werden, als ob es etwas für sich wäre. Und außerdem: es ist nicht die erste nationale Revolution, die sich ereignet hat- Cromwell und Mirabeau sind vorangegangen, aber sie ist die erste, die sich in einem politisch ohnmächtigen Lande in sehr ge fährlicher Lage vollzieht: das steigert die Schwierig keiten der Aufgaben ins Ungemessene. Sie sind sämtlich erst gestellt, kaum be griffen, nicht gelöst. Es ist keine Zeit und kein Anlaß zu Rausch- und Triumph gefühl! Wehe denen, die die Mobil. machung mit dem Sieg verwechseln! Die Gefahr der Begeisterung ist es, die Lage zu einfach zu sehen. Begeisterung verträgt sich nicht mit Zielen, die über Generationen hinaus liegen. Mit solchen beginnen aber erst die wirklichen Entscheidungen der Geschichte. Diese Machtergreifung hat sich in einem Wirbel von Stärke und Schwäche vollzogen. Ich sehe mit Be. denken, daß sie täglich mit soviel Lärm ge. feiert wird. Es wäre richtiger, wir sparten das für einen Tag wirklicher und endgültiger Erfolge auf, d. h. außenpolitischer. Es gibt keine anderen. Wenn sie einmal errungen sind, werden die Männer des Augenblicks, die den ersten Schritt taten, vielleicht längst tot sein, vielleicht vergessen und geschmäht, bis irgend eine Nachwelt sich ihrer Bedeutung erinnert. Die Geschichte ist nicht sentimental und wehe dem, der sich selbst sentimental nimmt. In jeder Entwicklung mit solchem Anfang liegen viele Möglichkeiten, deren sich die Teilnehmer selten ganz bewußt sind. Sie kann in Prinzipien und Theorien er starren, in politischer, sozialer, wirtschaftlicher Anarchie untergehen, ergebnislos zum Anfang zurückkehren, so wie man in Paris von 1793 deutlich fühlte, que ca changerait. Dem Rausch der ersten Tage, der oft schon kommende Möglichkeiten verdarb, folgt in der Regel eine Ernüchterung und die Unsicherheit über den nächsten Schritt". Es gelangen Elemente zur Macht, welche den Genuß der Macht als Ergebnis betrachten und den Zustand verewigen möchten, der nur für Augenblicke Fontamara 2 Der., Gegenprozeß" Vorbesprechungen des Untersuchungsausschusses Paris, 4. Sept.( Inpreß.) Die Vorbesprechungen des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes sind unter dem Vorsitz des berühmten französischen Rechtsanwaltes de Moro Giafferi und in Anwesenheit von Frau Dr. Bakker- Nort, Mitglied des holländischen Parlaments, M. F. Nitti, dem früheren italienischen Ministerpräsidenten, den schwedischen, dänischen, belgischen und Schweizer Anwälten Branting, Vald Huidt, Vermeylen und Huber vorgestern begonnen worden. Es wurde beschlossen, den Internationalen Untersuchungsausschuß des Reichstagsbrandes in Kürze nach London einzuberufen. Auf Grund der Sachverständigengutachten, der vorliegenden Zeugenaussagen und Dokumente soll zunächst die politische Situation Deutschlands geprüft werden, die beim Ausbruch des Reichstagsbrandes bestand und festgestellt werden, wer in jenem Augenblick ein Interesse am Reichstagsbrand haben konnte. Der Untersuchungsausschuß wird sich mit den Umständen des Reichstagsbrandes befassen und den Weg rekonstruieren, den die Brandstifter genommen haben; er wird die politische Rolle der„ Angeklagten" Torgler, Dimitrow, Tanew und Popom und die der„ Ankläger" Göbbels, Göring und Heines sowie des Komparsen van der Lubbe prüfen; er wird sich mit der Haltung der Ankläger und Angeklagten in den Tagen vor und nach dem Brand beschäftigen. die Freiheit läßt, ihre eigene Verteidigung sachgemäß vorzubereiten. Die Kommission sieht nicht die Sicherheit gegeben, daß das Leipziger Gericht irgendeines der grundsäßlichen Probleme dieses Prozesses löst. kommission nach London, durch die unter der Kontrolle des Sie begrüßt daher die Einberufung der UntersuchungsWeltgewissens jene Tatsachen geklärt werden, die offiziell den Angeklagten, von der öffentlichen Meinung aber Män nern zur Last gelegt werden, die heute in Deutschland die Macht besitzen. Warum? Der Bruder des Angeklagten Marinus van der Lubbe hat den Advokaten Dr. F. Pauwels in Amsterdam gebeten, sein Ersuchen, als Verteidiger des Marinus van der Lubbe aufzutreten, als nicht geschehen zu betrachten. Dr. Pauwels teilte mit, daß ihm die Gründe dieses Schrittes nicht bekannt sind und er sich um Aufklärung bemühen werde. und Angeklagten in den Tagen vor und nach dem Brans Widersprüche Verteidigt Pauwels oder nicht? Weiter wurde beschlossen, eine Unterkommission zu ernennen, deren Aufgabe es sein soll, die Vernehmung der Zeugen in den verschiedenen Ländern vorzunehmen. Die juristische Kommission stellte feft: 1. daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine wirtsame Verteidigung nicht möglich ist. Die deutschen Rechtsanwälte können heute keine unabhängigen Verteidiger sein, um so weniger, als Verteidigung von Kommunisten als tommunistische Betätigung ver= folgt werden kann. Die von den Angeklagten oder deren Familien gewählten ausländischen Rechtsanwälte sind vom Gericht unter durchsichtigen Vorwänden zurückgewiesen worden. 2. daß Freiheit und Leben der Zeugen, die in diesem Prozeß zugunsten der Angeklagten aussagen würden, sowie das Leben ihrer Verwandten bedroht ist. 3. daß die Angeklagten eine nicht menschenwürdige Behandlung erleiden, die ihnen nicht tragbar ist. Richtige Gedanken werden von Fanatikern bis zur Selbstaufhebung übersteigert. Was als An. fang Großes versprach, endet in Tragödie oder Komödie. Wir wollen diese Gefahren beizeiten und nüchtern ins Auge fassen, um klüger zu sein als manche Generation der Vergangenheit. Meine Angst um Deutschland ist nicht kleiner geworden. Der Sieg vom März war zu leicht, um den Siegern über den Umfang der Gefahr, ihren Ursprung und ihre Dauer die Augen zu öffnen. Niemand kann wissen, zu was für Formen, Lagen und Amsterdam, den 4. September.( Inpreß.) Der angesehene hiesige Anwalt Pauwels, der durch die Familie des angeblichen Reichstagsbrandstifters Marinus van der Lubbe ersucht wurde, die Verteidigung des Angeklagten zu übernehmen, erklärte Preßvertretern, er halte es für seine Pflicht, seinen Landsmann vor dem Henkerbeil zu retten.„ Sie haben gesehen, daß mein französischer Kollege und Freund de Moro Giafferi den Minister Göring offen beschuldigt, die ganze Brandstiftung inszeniert zu haben. Wenn dies so ist, dann wäre van der Lubbe weiter nichts gewesen als ein bloßes Werkzeug, und der Fall würde sich weit über die Aufgabe eines gewöhnlichen Verteidigers erstrecken und vielmehr eine nationale Frage bilden. Jedenfalls wird es von großem Interesse sein, van der Lubbe persönlich auszufragen. Ich werde mich in Leipzig nicht scheuen, die Wahrheit zu sagen und darauf hinzuweisen, daß in Niederland, infolge des deutschen Vorgehens gegen die Juden, in weiten Sereisen Unruhe herrscht hinsichtlich der ge= rechten Führung des Reichstagsbrandprozesses. Durch die antisemitischen Aktionen hat in unserem Lande das Vertrauen in die Objektivität der Deutschen zweifellos gelitten. Darum ist es gut, wenn ein niederländischer Verteidiger nach Leipzig geht." stehen vielleicht schon dicht vor dem zweiten Weltkriege mit unbekannter Verteilung der Mächte und nicht vorauszusehenden militärischen, wirtschaftlichen, revolutionären- Mitteln und Zielen. Wir haben keine Zeit, uns auf innerpolitische Angelegenheiten zu beschränken. Wir müssen für jedes denkbare Ereignis in Form sein". Deutschland ist keine Insel Wenn wir nicht unsere Verhältnisse zur Welt als das wichtigste Problemi gerade für uns sehen, geht das Schicksal- und was für ein Schicksal!-erbarmungslos über uns hinweg." Staatsmänner vom Range Bismarcks Persönlichkeiten diese Umwälzung führt und was für wären nötig!: Will Herr Göbbels hier nicht sofort Gegenwirkungen sie von außen zur Folge hat. die Jede Revolution verschlechtert außenpolitische Lage eines Landes, und allein, um dem gewachsen zu sein, sind Staats. männer vom Range Bismarcks nötig. Wir ROMAN VON IGNAZIO SILONE der Person des Innocenzo La Legge gegolten habe, sondern Das Licht Am 1. Juni 1929," begann der Alte zu erzählen, war Fontamara zum erstenmal ohne elektrisches Licht. Am 2. Juni, am 8. Juni, am 4. Juni blieb Fontamara ohne Licht. So ging es in den folgenden Tagen, in den folgenden Monaten weiter, bis sich Fontamara schließlich an den Mondschein gewöhnt hatte. Von diesem Mondlicht bis zum elektrischen Licht hatte der Ort an die hundert Jahre gebraucht: es war ein weiter Weg gewesen, über Olivenöl und Petroleum. Für die Rückkehr vom Elektrischen zum Mondschein genügte jedoch ein Abend. Die Jungen kennen die Geschichte nicht, wir Alten aber, wir kennen sie. Wir wissen, daß alles Neue, was wir südlichen Bauern in den letzten siebzig Jahren den Piemontesen zu verdanken haben, sich im Grunde auf zwei Dinge beschränkt: Elektrizität und Zigaretten. Das elektrische Licht haben sie uns wieder genommen. Die Zigaretten mögen sie behalten. Denn uns hat immer der Tabak genügt. Als das Licht zum erstenmal ausblieb, brauchte es keine Ueberraschung zu sein, trotzdem war es eine für uns. Für Fontamara war nämlich das Elektrische zur Naturkraft geworden; niemand bezahlte dafür, schon seit vielen Monaten nicht. Zuletzt war selbst der Gemeindebote, der regelmäßig die Monatsrechnung mit dem Stempel unbezahlt" brachte, ausgeblieben. Dabei war dies Papier das einzige Papier gewesen, mit dem wir die Pfeife geputzt hatten. Als sich aber der Bote das letzte Mal blicken ließ, hätte es ihn beinahe das Leben gekostet. Beinahe hätte ihn am Eingang des Dorfes ein Flintenschuß erwischt. Und dies, obwohl er sehr vorsichtig vorging. Er kam nach Fontamara, während er die Männer bei der Arbeit und nur Frauen und Kinder in den Häusern wußte. Er war sehr zuvorkommend und verteilte seine Karten mit einem blöden, mitleidigen Grinsen: Nichts für ungut! Bitte nehmt nur, ein Stüd Papier im Hause kann jeder brauchen." Selbst soviel Zuvor kommenheit genügte nicht. Hinterher machte ihm nämlich ein Fuhrmann klar, nicht in Fontamara, denn dorthin setzte er den Fuß nicht mehr, sondern unten in der Kreisstadt, daß der Flintenschuß nicht ausdrücklich ihm, nicht seiner Person, vielmehr der Steuer. Aber wenn die Kugel ihn getroffen hätte, wäre nicht die Steuer, sondern er getötet worden deshalb sollte er nicht mehr kommen und überdies würde ihm niemand nachweinen. Trotz alledem kam ihm niemals der Gedanke, die Fontamaresen einzuklagen.„ Wenn man Läuse sequestrieren und verkaufen könnte," hatte Innocenzo einmal verlauten lassen, dann ja, dann würde eine Zwangsvollstreckung ohne Zweifel von größtem Erfolg begleitet sein. Da hierzu jede gesetzliche Handhabe fehle, tönne man nur das Licht sperren." Das Licht sollte am 1. Januar gesperrt werden, dann am 1. März. Dann am 1. Mai. Am 1. Juni wurde es gesperrt. Die Frauen und Kinder in den Häusern merkten es zuletzt. Aber wir, die von der Arbeit kamen, die in der Mühle gewesen und auf der Landstraße heimkehrten, die beim Kirchhof gewesen und von den Bergen herunterstiegen, die wir in den Sandgruben gearbeitet hatten, dem Bergbach entlang nach Hause zogen, die wir von der Tagesarbeit, von überall her bei langsam sinkender Nacht zurückkehrten, sahen die Lichter der benachbarten Dörfer aufblizen, sahen, daß Fontamara dunkel blieb, verschwand, sich verschleierte, umnebelte, mit den Bäumen, den Hecken, den Misthaufen in ein großes Einerlei verschwamm. Und wir begriffen sofort, um was es sich handelte.( Es war eine Ueberraschung und es war doch feine.) Für die Kinder war es einfach ein Vergnügen. Es gibt so wenig zum Lachen bei uns. Und wenn, dann wird es gründlich ausgenutzt. Einerlei, ob ein Motorrad durchrast, sich zwei Esel begatten, oder ein Kamin Feuer fängt. Im Dorf angekommen, stießen wir zuerst auf General Baldissera, der im Sommer vor seinem Hause beim Schein der Straßenlaterne bis spät in die Nacht die Schuhe flickte. Die Kinder standen um seinen Arbeitstisch herum, hatten ihm Feile, Nägel. Messer, Pech, Faden und Sohlleder durcheinandergebracht, ihm den Kübel mit dem schmutzigen Wasser über die Füße gegossen, so daß er dröhnend auf alle Schutzpatrone der Gegend fluchte und uns gleich fragte, ob er be ein Auto da fe für das neue Buch des nationalsozialistischen Modephilosophen veranstalten lassen und es auf den Index des dritten Reiches" setzen? Wir fürchten nur, daß dadurch das„ erbarmungslose Schicksal" nicht um eine Sekunde zu verzögern ist! seinem Alter und seinen schlechten Augen verdient habe, daß man ihm das elektrische Licht wegnehme und was sich König Umberto bei einer solchen Gemeinheit wohl gedacht habe. Nicht so einfach, die Gedanken König Umbertos zu erraten! Natürlich waren Frauen da, die jammerten. Frauen, deren Namen zu nennen überflüssig ist. Frauen, die vor ihren Haustüren hockten, ihre Kinder stillten, und dabei wehflagten. Sie klagten über die Lichtsperre, als ob ihr Elend im Dunkeln noch dunkler würde. Wir, Michele Zompa und ich, blieben am Tisch vor der Wirtschaft der Marietta Sorcanera stehen. Gleich darauf kam Jacobo Losurdo mit seiner eben gedeckten Gselin, dann noch. Pontius Pilatus, mit dem Schwefelkasten auf dem Rücken. Es tamen Antonio Ranocchia und Baldovino Sciarappa vom Beschneiden der Reben und dann kamen Giacinto Barletta, Venerdi Santo, Ciro Zironda, Papasisto und andere aus der Sandgrube zurück. Alle sprachen vom elektrischen Licht, von den Steuern, den neuen Steuern, den alten Steuern, den Gemeindesteuern, den Staatssteuern und wiederholten dabei immer das Gleiche, weil sich eben immer alles gleichbleibt. Inzwischen aber war ein Fremder dazugekommen. Niemand hatte es bemerkt. Ein Fremder mit einem Fahrrad. Wer mochte es sein, um diese Stunde? Schwer zu sagen. Der vom Licht war es nicht. Der von der Gemeinde war es auch nicht. Der vom Amtsgericht erst recht nicht. Es war ein eleganter Jüngling mit zartem glattrasiertem Gesicht, und einem Mündchen wie ein Zuckerherz. Mit der einen Hand hielt er das Rad an der Lenkstange, diese Hand war klein und glatt, wie der Bauch einer Eidechse. Ueber den Schuhen trug er weiße Gamaschen. Wir verstummten sofort. Uns war klar, daß dieser Bursche mit einer neuen Steuer fam. Kein Zweifel war möglich. Kein Zweifel auch, daß er seine Reise umsonst gemacht und daß seine Papiere demselben Schicksal verfallen würden, wie diejenigen des Innocenzo La Legge. Uns beschäftigte nur noch eine Frage: was für eine neue Steuer mochte das sein? Jeder dachte im Stillen darüber nach. Aber vergeblich. Inzwischen hatte der Fremde schon zwei- oder dreimal mit meckernder Stimme nach dem Hause der Witwe des Helden Sorcanera gefragt. Fortseßung folgt.l Arbeitsstreckung Leipziger Messe- wie noch nic! Berlin, 4. Sept.( Inpreß.) Das Statistische Reichsamt erflärt in seinem letzten Bericht, daß der Prozentsfag der be- Kühne Parolen sezten Arbeitsplätze Ende Juni 46,5 Prozent und Ende Juli 47,1 Prozent betrug. Jedoch sei die Steigerung nur dadurch erzielt worden, daß die tägliche Durchschnittsarbeitszeit von 7 Stunden 27 Minuten auf 7 Stunden 10 Minuten gesenkt worden sei. ,, Es ist unmöglich..." Ein deutsches Unternehmerblatt spricht von Katastrophenpolitik Jm Hauptorgan der deutschen Unternehmer, Der deutsche Arbeitgeber", wird die Hitlersche Wirtschaftspolitik mit folgenden Ausführungen als„ Katastrophenpolitif" gekennzeichnet:„ Es ist unmöglich, eine dauernde Besserung der Betriebstätigkeit durch behördliche Anordnungen und behördliche Maßnahmen zu erreichen. Nur wenn die Möglichkeit einer lohnenden Produktion besteht, kann die Beschäftigtenzahl vergrößert und die Produktion ausgebreitet werden. Andernfalls muß die Ausbreitung auf die Dauer zur Katastrophe führen." Dreitagewoche Frankfurt, 4. Sept.( Inpreß.) Die Opelwerke, die größten Automobilwerke Deutschlands, mit einer Belegschaft von 18 000 Mann, haben die Arbeitszeit in den letzten Monaten zunächst auf 5, dann auf 4 und jetzt auf 3 Tage in der Woche herabsehen müssen. Die Textilindustrie schränkt ein Die„ Frankfurter Zeitung" bringt aus der Münsterländer Textilindustrie folgenden Bericht: Die Belebung der letzten Monate ist zum Stillstand gekommen. Einzelne Firmen verzeichnen Rückgänge der Abrufe auf bereits getätigte Abschlüsse... Unbefriedigend ist die Lage bei den Jutespinnereien und-webereien. Auch bei den Leinen- und Halbleinenwebereien ist die Lage unverändert schlecht." Der Bericht beweist, daß die Hausse am Markt für Uniformen und Fahnentücher vorüber ist. Rückgang des Fleischkonsums Zur Geschäftslage schreibt die Stuttgarter Metzgerinnung: „ Der Geschäftsgang ist in diesem Jahre wesentlich schlech= ter als im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit, die schlechte Geschäftslage im allgemeinen, Rückgang der Einnahmen weiter Bevölkerungskreise all dies beeinträchtigt naturgemäß auch den Absatz in den Metzgerläden. Das Jahr 1933 hat sich bis jetzt nicht gut angelassen. Deutliches Krisenzeichen Erneuter Rückgang des Bierabsatzes München, 4. Sept.( Inpreß.) Für das Jahr 1932-33 ist gegen über dem Vorjahr ein weiterer Rückgang des Bierabsatzes um etwa 8 Prozent zu verzeichnen. Im Jahre 1928-29 find 56,6 Mill. Hektoliter ausgestoßen worden, 1931-32 nur noch 34 Mill. Hektoliter und 1982-33 die niedrigste Ziffer von 31 Mill. Hektoliter. Daß das Braugewerbe seit den letzten Statistiken noch weiter sich verschlechtert hat, beweist ein Ausspruch des Vorfizenden des Verbandes Rheinisch- Westfälischer Brauereien, Schmitz( Willich), der folgendermaßen lautet: ,, Nichts sei irriger als die Annahme, daß es den Brauereien glänzend gehe. Absabrückgänge feien an der Tagesordnung. Es sei höchste Zeit, daß dem Gewerbe geholfen werde. Er möchte der Regierung zurufen:„ Rettet nicht nur den deutschen Bauer, jondern helft auch dem deutschen Brauer". Handel hält zurück und die Wahrheit Die wenigen Ausländer, die mehr aus Neugierde als irgendwie in der Hoffnung, Geschäfte tätigen zu können, auch diesmal zur Leipziger Messe gefahren sind, stimmen fast ausnahmslos in dem Urteil überein:" Noch eine solche Herbstmesse- und Leipzig ist erledigt." An der„ Messefront" wurden nun seit drei Wochen ständig große Siege verkündet und die Meldungen hierüber begannen eigentlich erst aufzuhören, als die Messe begann. Vor allem veröffentlichte man imponierende Ziffern über die Zahl der Aussteller, die eine beträchtliche Steigerung erfahren haben soll. In Wirklichkeit lagen die Dinge so, daß die großen Aus steller nicht nur des Auslandes, sondern auch der Jn= landsfirmen, und zwar ohne Rücksicht auf die Ermäßigung der Plazmieten, weggeblieben sind. Hingegen hat man in der berühmten braunen Messe" eine große Anzahl kleiner Mittelstandsfirmen vereinigt, die hierdurch keine Unkosten hatten und sich jetzt stolz als Messeanssteller bezeichnen werden. Ueber die Bedeutung dieser Firmen und ihrer Umsätze ist fein Wort zu verlieren, aber die braune Messe hatte ihren Zweck eigentlich schon erfüllt, als sie eröffnet wurde, weil man durch diese ganze Einrichtung die offizielle Zahl der Aussteller künstlich erhöhen konnte, und hierauf allein kam es an. Tatsächlich haben schon die ersten Tage gezeigt, daß die Herbstmesse die schlimmsten Befürchtungen übertroffen hatte. Ueberall zeigte sich eine gähnende Leere. Einzelne Häuser, wie das Oesterreich Haus, wirften geradezu gespenstisch. Eine große Anzahl führender österreichischer Firmen hatte nämlich vorgezogen, die Messe überhaupt nicht zu beschicken, und zwar selbst auf die Gefahr hin, für die Plazmieten trotzdem in Anspruch genommen zu werden. Das Messeamt wird jetzt diese und andere ausländische Firmen verklagen und es wird jedenfalls im internationalen Exporthandel emmen ausgezeichneten Eindruck machen, wenn man überall sieht, daß die Firmen sich lieber durch ein Reugeld loskaufen, ols an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen, Selbst die gleichgeschaltete deutsche Presse konnte ihre früheren Siegesmeldungen von der Messefront nicht mehr fortsetzen, als die Messe eröffnet worden war. Die schon im Frühjahr sehr start gesunkene Zahl der Ausländer war nämlich neuerdings von 413 auf 318, also um weitere sirfa der zweite Tag eine Besserung bringen werde, obwohl dies übrigens im deutlichen Widerspruch zu allen bisherigen Messeerfahrungen gestanden hätte. Aber 24 Stunden später rußte man zugeben:„ Der zweite Tag der Messe scheint in den Messehäusern den von manchen erwarteten verstärkten Besuch nicht gebracht zu haben." Jm weiteren Verlauf der Woche leerte fich Leipzig fast vollständig und nur in der sogenannten Braunen Messe, in der die Kreise des Leipziger Mittelstandes bzw. seiner nationalsozialistischen Parteiorganisationen fast vollständig unter sich waren, bemerfte man zeitweise eine aufgeregte Menge, die start an das Bild einer Wahlversammlung erinnerte. Geschäfte dürften hier kaum getätigt worden sein, aber man hörte einige biedere Pgs. an ihren Ständen viel von der Ueberflüssigkeit des Exportes reden und andere volkswirtschaftliche Vorträge halten, deren Inhalt allerdings den Ausstellern und Besuchern der braunen Messe nicht immer ganz klar geworden sein dürfte. Es handelte sich, wie auf den ersten Blid festzustellen war, um eine reine Parteikundgebung. Einzelne Ausländer, die sich diese Angelegenheit aus Neugierde ansehen wollten, zuckten elegisch die Achseln, als sie an das großartige internationale Bild dachten, das früher die weltbedeutende Leipziger Messe geboten hatte und das hier braun in braun in diesen Herbsttagen zu Grabe getragen wurde. Das typischste und schlimmste der ganzen Leipziger Herbstmesse des Jahres 1983 war der deutliche Eindruck, daß das Ausland und der internationale Exporthandel geradezu aufs gehört hat, diese Reste der Leipziger Messe noch ernst zu nehmen. Eine der wichtigsten Bastionen des deutschen Außenhandels ist unter der Propaganda- Phrase und der amateurhaften Politik spießbürgerlicher Parteigrößen auf der Strede geblieben. Selbst im günstigsten Falle würde es sehr lange dauern, bis die Erinnerung an diese Herbstmesse 1983 verschwunden sein wird, weil es ja gerade in der Welt des Kaufmannes immer sehr viel leichter ist, einen guten Ruf durch unsolides und stümperhaftes Geschäftsgebaren zu zerstören, als ihn aufs neue zu erringen. 25 Prozent abgefunken. Man versuchte zunächst natürlich Leipziger Messe in Braun die Schuld auf die böse Krise zu schieben, aber auch diese Version dürfte sich kaum lange aufrechterhalten lassen, nachdem aus Wiener und Prager Meldungen in präzisen Ziffern flargestellt worden ist, daß andere Messen eine sehr starke Zunahme der Beschickung er fahren haben. So schrieb selbst die„ Deutsche Bergwerkszeitung" in Düsseldorf, das schwerindustrielle Blatt der Thyssen- Leute, das noch bis in die letzten Tage vor Messebeginn die Siegestrompete am hellsten geblasen hatte:„ In einer so ausgesprochenen Exportindustrie wie jener der Epielwaren herrscht eine etwas gedrüdte Stimmung. Hier ist die Messe viel ruhiger, als im Frühjahr. Immerhin fehlten die ausländischen Käufer nicht ganz." Daß diese ,, nicht ganz fehlenden" ausländischen Käufer aus ein paar englischen, französischen und skandinavischen Journalisten bestanden, wurde allerdings nicht bemerkt. Aber auch in anderen, nicht so vorwiegend auf Export abgestellten J dustrien war es immer nach den gewiß unverdächtigen Berichten derselben gleichgeschalteten Quelle nicht besser. In den weiteren Berichten vom ersten Tage hieß es dort: „ Die Messe der Papierwaren war ziemlich lücken: haft und hatte auch nur schwachen Besuch zu verzeichnen. Früher war in der Reklamemeise auch dann noch großes Gedränge, wenn es in den übrigen Messehäusern recht still war. Heute ist es hier, wenigstens vorläufig, faft ruhiger, als in anderen Branchen." In den Blättermeldungen über den Verlauf des ersten Meffetages sprach man noch immer die Hoffnung aus, daß Großherzig Deutsche Holzindustrie unbefriedigt ( Inpreß.) Der Wirtschaftsverband der deutschen Holz- Wenn die Junker schenken industrie nennt den Beschäftigungsgrad in den Monaten Juli und August sehr uneinheitlich" und gibt zu dieser vorsichtigen Formulierung folgenden deutlicheren Bericht: " Im August machte sich eine Abschwächung des Geschäftes bemerkbar. Die Regierungsmaßnahmen zur Belebung der Möbel-, Haus- und Küchengeräteindustrie haben sich bisher nicht voll auswirken können, da der Handel mit Aufträgen zurückhält. Die Sperrholzindustrie hatte start zu leiden... Die Exportmöglichkeiten sind weiter gesunken. Der ostpreußische Oberpräsident Rube richtete vor einigen freiwillig und ohne Entgelt Boden für Siedlungszwecke zur Monaten an die deutschen Großgrundbesitzer einen Appell, Verfügung zu stellen. Ein neuer großer Schlag gegen die Arbeitslosigkeit sollte geführt werden. „ Es geht aufwärts" Ein Beispiel glänzender Ernährung Der Appell Kubes hat einen großen Erfolg gehabt. Das heißt: einen großen moralischen Erfolg. Von den 6,5 Millionen Morgen Grundbesitz, die die Herren des Bodens ihr Eigentum nennen, sind jeßt, nach einigen Monaten, nicht mehr und nicht weniger als 1304 Morgen, das heißt etwa 0,2 Prozent, dem Staat zur Verwendung angeboten worden. Nur die Besißer und die amtlichen Stellen wissen, wieviel Moor- und Heideland in diesen Schenkungen eingeschlossen find. Man sieht: die Großgrundbefizer gewähren den Millionen Arbeitslosen eine beispiellose Hilfe. ( Inpreß.) Die Forschungsstelle für den Handel" in Berlin hat festgestellt, inwieweit die Fettpolitik des dritten Reiches" Und was für Land mögen die Junker geschenkt haben! die Ernährung der Bevölkerung verbessert hat. Zahlen find Die 1304 Morgen sind übrigens nur der sechste Teil des aufschlußreicher als Proflantationen. Im Vergleich zum von Staats wegen an Hindenburg geschenften neuen Gutes. Vorjahr ist der Margarineumjas um 35 Prozent in den Für den einen 8000 Morgen, für die landhungrigen Massen kleinen und um 30 Prozent in den mittleren Geschäften ge- 1300 Morgen. Das ist Hitlers Sozialismus". fallen. Besonders aufschlußreich ist das Eingeständnis der Forschungsstelle, daß die geringwertige Margarine ießt ab erter Schrhexport durch die Handelsspanne relativ stärker verteuert wird als die hochwertige". Auch die Kleinhändler, deren Schicht sich stets als treueste Anhänger Hitlers erwies, sind der Regierung zu Dank verpflichtet, weil sie nach dem Bericht der Forschungsstelle offenbar etwas geringere Gewinne aus dem Fettbetrieb als früher erzielen". ,, Katastrophal" Der Hamburger Bürgermeister über die Wirtschaftslage ( Inpreß.) In einer Besprechung Hamburger Wirtschaftskreise, die in der Börse stattfand, erklärte der Hamburger Erste Bürgermeister Krogmann, daß die Lage der Hamburger Wirtschaft tatastrophal sei. Sie werde vom Ruin bedroht. DG. Der deutsche Schuherport, der im Juli 1982 noch 112 000 Paar Schuhe betrug, betrug im gleichen Monat dieses Jahres nur noch 56 000 Paar, hat sich also halbiert. Der Vierjahresplan Hitlers marschiert so langsam, daß er eben feine Schuhe braucht. Dank der Nazis Beschlagnahme des Eigentums von Frau Ella Brandström Stockholm, 4. Sept.( Inpreß.) Frau Ella Brandström, die während des Krieges die deutschen Gefangenen in Sibirien verproviantierte, ist auf Beschluß der Nazis ihres sämtlichen Eigentums in Deutschland beraubt worden unter dem Vorwand, daß sie mit einem deutschen Sozialdemokraten verheiratet ist. ,, Man kann nicht ohne Lächeln..." Das Handelsblad"( Amsterdam) schreibt u. a.: " Die große internationale Messe in Leipzig hat nun einen nationalen Charakter mit einem schmalen auslän= dischen Rahmen bekommen. Alle offiziellen Versicherungen, die das Gegenteil glauben machen wollen, müssen als Optimismus bezeichnet werden. Man will einerseits Selbstversorgung und gleichzeitig internationalen Handel und Erhöhung des deutschen Exportes. Es ist nicht recht klar, wie man diese seltsame Kombination realisieren will. Man hört auch jetzt hier noch, daß das Ansland einsehen muß, daß Deutschland Qualitätsware ausführen will. Das Ausland hat sich aber inzwischen von dieser Qualitätsware unabhängig gemacht. Das mußte es tun, als in Deutschland die Autarkie Trumpf wurde. Noch vor einigen Jahren tamen 80-100 ausländische Journalisten nach Deutschland, um ihr Interesse zu bezeugen. Diesmal waren höchstens 15 dort. An Stelle des ausländischen Interesses ist die braune Uniform und die „ Erste Braune Großmesse" auf das Gelände der Technischen Messe getreten. Man kann nicht ohne Lächeln die fanatischen Berichte der deutschen Zeitungen lesen, die glauben fonftas tieren zu müssen, daß die gewaltige Fülle von früher einem weniger lauten, aber darum gesunderen Geschäftsleben ge= wichen ist. Ob dabei die Unkosten im Verhältnis nicht zu groß werden, müssen sie selbst ausrechnen. Aber wie dem auch sei; alles bedeutet einen Rückschritt und wenn es im nächsten Jahre nicht besser wird, so kann es dem Ruf des deutschen Exportwesens, das vorbildlich genannt werden konnte, nur Einbuße tun." N'edertreten! Nur die Nazipresse darf leben ( Inpreß.) Das Heidelberger Tageblatt" schreibt in einer ganzseitigen Annonce u. a.:„ Der Zeitungskrieg wird fortgesezt! Obwohl bei den maßgeblichen Stellen Stöße von Klagen und Beschwerden unabhängiger Zeitungen über unlauteres Gebaren nationalsozialistischer Parteiorgane bei der Bezieherwerbung vorliegen, geschieht in Baden nichts zur Abstellung dieser Mißstände... Tatsächlich handeln die nationalsozialistischen Parteiblätter dem Verbot unfairer Werbemethoden zuwider und schädigen dadurch die Bestrebungen der Regierung und die Befriedung des politischen und wirtschaftlichen Zustandes." Wer kritisiert, wird bestraft. Das„ Heidelberger Tageblatt" ist auf 14 Tage verboten worden, weil die Behaup= tungen eine„ alles bisher übersteigende Frechheit" war.„ Der Führer", das Hauptorgan der NSDAP, Gau Baden, bestätigt den Konfurrenzfampf mit den Mitteln des Naziterrors, indem es höhnt:„ Es gibt für diese Bresse fein Entrinnen mehr. Der Liberalismus ist tot, und es ist ein vergeb liches Bemühen, mit den unwahrhaftigen Geschäftsmethoden des Liberalismus weiter zu operieren." ..Konkorda'sgeist?" Unter dieser Ueberschrift wendet sich das Rentralorgan der die Saarbrüder Saarländischen Zentrumspartei, Landes Zeitung", gegen das erneute Verbot der katho lischen Wochenzeitung Junge Front", die die Zeitschrift der deutschen fatholischen Jugendverbände ift. Das Blatt weift darauf hin, daß dieses Verbot durch die Sitler- Regie: rung das zweite in verhältnismäßig furzer Zeit war, und jetzt die Dauer von acht Wochen erreicht! ..Junge Front" Katholische Jugendzeitschrift verboten Die in Düsseldorf erscheinende Wochenschrift Junge Front" ist vom Düsseldorfer Regierungspräsidenten für acht Wochen verboten worden. Die Junge Front" ist ein Organ der katholischen Jugendverbände. Deutsche Stimmen * Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Mittwoch, den 6. September 1933* Ereignisse und Geschichten Brief des ermordeten Professor Lessing Auf meinen Kopf ob die ganze Sache ernst gemeint ist oder nicht, aber ob ich in Freiheit bin oder nicht, ob die Zeitungen die Wahrheit sprechen oder nicht, es ändert an meiner Lage nichts. Aus einem friedlichen deutschen Schriftsteller bin ich nun ein Flüchtling war ein Preis von 80 000,- Mack gesetzt" ning geworden. Alles, was ico tue, um meine Lage au In einem Brief, den der„ Manchester Guardian" am 1. September veröffentlicht, und der vor ein oder zwei Wochen geschrieben ist, berichtet Professor Lessing seine Erlebnisse bei der Judenverfolgung, die jetzt eine so tragische Wirkung gezeitigt haben: Am Sonntag, dem 5. März, sollten die Reichstagswahlen stattfinden. Wie die Wahlen auch immer einsehen würden, für alle Fälle waren Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden, um den Erfolg zu sichern, den die Nationalsozialisten wünschten. Die Sturmtruppen lagen in Bereitschaft für den Fall, daß in einem Bezirk ein bißchen Ueberredung" notwendig war, um die erforderliche Stimmenzahl zu er= halten. Ich wohnte in Anderten, einem Dorf, das etwa eine Stunde von Hannover entfernt liegt. Meine Vorfahren lebten seit wenigstens 300 Jahren in Hannover, und ich selbst habe mein ganzes Leben dort verbracht. In Anderten war ich der einzige Jude. Zu Beginn dieses Jahres fand die antisemitische Propaganda ihren Weg auch in dieses gottverlassene Nest; das folgende Ereignis, das für die Einstellung in der heutigen Zeit typisch ist, öffneten mir die Augen über die Gefühle meiner nächsten Nachbarn: Um nach Hannover und zurück zu kommen, benutzte ich gewöhnlich die Straßenbahn, welche die Fahrgäste aus den umliegenden Ortschaften mitnahm und sie durch Felder und Wälder in die Stadt beförderte. Eines Tages fuhr ich wieder in der überfüllten Straßenbahn, als sich drei Männer mit Hakenkreuzen in meine Nähe setzten und über meinen Kopf hinweg ein sehr aufschlußreiches Gespräch führten. Sie sprachen den glühenden Wunsch aus, alle Juden zu hängen, und hielten es für dringend notwendig, ihr Vermögen zu beschlagnahmen. Hitler sollte Deutschland von diesem Auswurf der Menschheit befreien. Ich versuchte mich so zu stellen, als ginge mich die Unterhaltung nicht im geringsten etwas an. Die Männer wurden darauf jedoch deutlicher. Sie schrien so, daß alle Mitfahrenden es hören mußten, daß in der Umgegend von Hannover der Jude Lessing wohne. Es wäre ein Standal, daß er vor deutschen Studenten lesen dürfe. Er müsse entfernt werden. Die übrigen Mitfahrenden, die alle aus der Nachbarschaft waren und mich von Ansehen gut fannten, verhielten sich still. Der Schaffner schritt nicht ein. Es war für mich unmöglich, auszusteigen. Die Strecke ging quer über Felder und durch Wälder. Wenn die drei Männer mir folgten, wäre ich ihnen schutzlos ausgeliefert gewesen. In der Straßenbahn konnten sie nicht tätlich werden. So ließ ich sie ihre Drohreden fortführen.„ Sieh doch, was für Feiglinge die Juden sind. Man kann ihnen ins Gesicht spucken und sie rühren sich nicht; sie müssen sehr dickfellig sein!" Das war kurz, bevor ich aussteigen konnte. Die Flucht In dem kleinen Dorfe, in dem wir wohnten, gab es nur ein paar Arbeiter, die alle Sozialdemokraten oder Kommunisten waren. Sie sind gute Freunde von uns gewesen und warnten uns, weil man einen Angriff auf unser Haus plane. Wir beschlossen daher, den Ort zu verlassen. Meine Frau zog zu Freunden in die Stadt, während meine Tochter und ich Deutschland verließen und nach Böhmen gingen. Wir hatten erfahren, daß vor allem in den Wagen dritter Klasse die Passagiere durchsucht und belästigt wurden. Aus diesem Grunde fuhren wir im internationalen Schnellzug über die Grenze und famen am 5. März in Prag an. In derselben Nacht drang eine Abteilung Braunhemden in unser verlassenes Haus ein. Sie fühlten sich betrogen, weil sie niemanden vorfanden, und ließen ihre Rache an der Wohnung aus; sie zertrümmerten die Fenster. zerschlugen die Möbel, beschmierten die Bücher und richteten die Wohnung derartig zu, daß es wochenlang infolge Ge= ruches nach Unrat und Rot, den sie hinein gebracht hatten, unmöglich war, das Haus zu betreten. Schlag auf Schlag Dann kam ein Schlag nach dem anderen. Zunächst erklärte der Minister für Wissenschaft, Kunst und Erziehung, daß ich meine Tätigkeit als Lehrer und Forscher sofort aufgeben müsse, ich hätte nicht länger das Recht, als solcher in Deutschland zu wirken. Als ich protestierte und einwandte, ich hätte sechsundzwanzig Jahre lang doch gearbeitet und könnte nicht einfach auf die Straße gefeßt werden, erklärte man mir, ich würde nicht nur feine Pension erhalten, sondern müsse das Geld, das mir das frühere sozialdemokratische Ministerium bezahlt habe, zurückzahlen. Der Minister, der von den verschiedensten Lehrstühlen einige der besten Lehrer, die Deutschland hatte, entfernte, war es ist feltsam genug ein Bekannter aus meiner Jugendzeit. Jahrelang war er mein Nachbar gewesen; ich fannte seine ganze Laufbahn und seine offensichtliche Unfähigkeit. Nun war für ihn die Zeit gekommen, mir seine Ueberlegenheit zu zeigen Der nächste Schlag kam von der Volkshochschule in Hannover. Meine Frau und ich hatten sie begründet: meine Frau hatte vierzehn Jahre lang dort gearbeitet und sie zu einer der bedeutendster ihrer Art gemacht. Jetzt besetzten die Nationalsozialisten die Schule, und wir besaßen nichts als eine kleine Summe, die wir für das Alter oder für Krankheit zurückgelegt hatten. Selbst diesen Notpfennig lic man uns nicht mit der Begründung, wir könnten ihn benutzen. Greuelpropaganda im Ausland zu verbreiten. Während einer Rede des Propagandaministers Dr. Göbbels, die durch Rundfunk übertragen wurde und die bezweckte, die Massen aufzuwiegeln, hörte ich, wie er von mir als von dem Juden Lazarus sprach, der versucht habe, Hindenburg als einen Massenmörder zu stempeln, und der verbreitet habe, die deutschen Soldaten an der Front seien im Schmutz umgekommen. Die Verleumdungen wurden in geschickter Weise gegen mich vorgebracht, und ich hörte, wie die Massen brüllten: Hängt ihn auf!" Ein Flüchtling Dann kam der letzte Schlag. Die deutschen Zeitungen verbreiteten, daß derjenige vierzigtausend Mark Belohnung erhielte, der mich nach Deutsch= land zurückbrächte. Neuerdings ist eine Prämie von 80 000 Mart auf meinen Kopf gesetzt worden. Ich weiß nicht, verbessern, wird sie nur verschlimmern. Daß ich überhaupt noch lebe, das verdanke ich ein paar guten Freunden, bei denen ich jetzt bin. Nach einem Leben der Arbeit in und für Deutschland muß ich jetzt wie Coriolan sagen: ,, Beloved land, either you must shelter me now, or not even my ashes shall rest with you." Ich bin Deutscher und werde Deutscher bleiben; ich bin Jude und werde Jude bleiben. Ich bin Sozialist und werde Sozialist bleiben. Ich will keine Greuelpropaganda machen; wenn ich das wollte, so würde ich niemals meinen Namen unter dieses Schriftstück setzen. Ich habe niemals eine Zeile geschrieben, ohne sie mit meinem Namen zu zeichnen. Jetzt fämpfe ich unter meinem Namen für Gerechtigkeit gegen mein eigenes Land, das ich liebe. * Am Samstag, dem 2. September, hat in Marienbad die Beisetzung Professor Lessings in aller Stille stattgefunden. Theodor Lessing: Zucht Wir veröffentlichen einen der letzten Aufsätze des in Marienbad ermordeten deutschen Denkers Theodor Leffing. Der Aufsatz erschien im„ Tagebuch" am 14. Januar 1983, also sechs Wochen vor der Machtergreifung Hitlers. Die große nationale Welle hat eine Ueberfülle von Büchern herangespült, welche die bewußte Raffenaufzucht des deutschen Volkes( Eugenese) fordern. So fragwürdig dieses ganze Schrifttum ist( die dilettantischen Rassenbücher des Jenaer Professor Günther, die primitiven Gefühlsergüsse von Mannen um Hitler, das anmaßende Geschwätz Hans Blühers und so vieler ähnlicher Weltbeglücker und Propheten), so darf doch keinen Augenblick verkannt werden, daß Bevölkerungspolitik, Menschenökonomie und Menschenauslese in der Tat zum Mittelpunkt aller Politik gemacht werden muß. Das Ende des Militarismus und seiner Disziplin, die Auflösung der alten Armee ist für Deutschland zunächst zu einer Katastrophe geworden. Republik und Demotratie hatten für die dahinschwindende Manneszucht keinen Ersaß. Man hätte an die Einführung des allgemeinen Dienstjahres denken können. Aber die Gewerkschaften sperrten sich dagegen. Mit Recht! Man hätte der traurigen Armee der Arbeits- und Erwerbslosen die furchtbarste Not geschaffen. Es versteht sich auch, daß die Arbeitsdienstpflicht allein nicht zur Ertüchtigung und Sittigung des Volkes genügen kann. Militär und Militarismus werden einmal veralten. Sie werden aber immer wieder aufflackern, solange man den heroischen und männlichen Jdealen kein anderes Feld schaffen kann als das der Wehrfähigkeit". Keinesfalls jedoch fällt die Forderung der Zucht zusammen mit den Forderungen jenes Nationalismus, dessen ganze Weisheit zuletzt fol= gende ist: Für den Langföpfigen ist der Langschädel, für den Schlitzäugigen das Schlißauge, für den Blondlockigen das Blond= haar Anzeichen eines herrlichen Blutes. Wer schwarz ist, haßt die Weißen. Wer weiß ist, verachtet die Schwarzen. Und der gelbe Mann verwirft die Weißen samt den Schwarzen. eine Zuchtethik schaffen zu können, in welcher Hinsicht start und schwach, gesund und tranf, wertvoll und minderwertig gebraucht werden. Eine ideale Kriegerkaste bedarf völlig anderer Verbote und Pflichten als zum Beispiel die Gemeinschaft der Heiligen oder auch nur ein Stand von Priestern. Mit Sicherheit läßt sich nur eines sagen: Höherführung des Typus Mensch ist immer geknüpft an eine erschwerte Lebensführung. Je höher der Mensch steht, um so weniger darf er es sich leicht machen"( noblesse oblige). Führend kann nur eine Menschenschicht sein, die weniger Rechte, aber strengere Pflichten, weniger Geld und Genuß, aber strengere Ehre und Verantwortlichkeit besitzt. Von den obersten Stellen( die alte Forderung Platos!) ist die reinste Einsicht und Klarheit, aber auch äußerste Verantwortung mit Leib und Leben zu fordern. Drittens: Alle Ideen von Menschenzucht sind sinnlos, solange nicht der Mensch als Einzelmensch Sinn seiner Erziehung ist. Charakteristisch für das Gegenteil ist das schnöde Wort: Menschenmaterial. Solange der zur Welt geborene Mensch„ Material" ist, beispielsweise zur Machterweiterung eines Staates oder zur Anhäufung von Kapital, solange kann nicht von Zucht die Rede sein. Die an sich gesunden und richtigen Gedanken der„ Völkischen" über Adel und Ertüchtigung scheitern an ihrer abstrakten Jdolatrie der Gözen " Nation" und" Vaterland", hinter denen nichts lauert a Is Die Machtgier privilegierter Stände und die Selbstvergottung jedes Blutes. Spruch Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst, Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstengunst, Er bringt Berbannung, Hunger, Schmach und Tod; Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst... Ludwig Uhland. Nein! Wie wir Pflanzen und Tiere immer zu neuen Arten Wachtraum vom Kriege und Sorten herangesteigert und mannigfaltig gemacht haben, so werden wir auch eine methodische Hochzucht der Völker vornehmen müssen, wenn nicht die wahllose Allvermischung und Blutmanscherei zu einer Verschleifung, ja man faun rubig sagen, zur Verföterung" der Menschen führen soll. Die Gesetze der Geopolitik gelten nicht mehr. Die Wirtschaft vermengt alle Völker und Schichten. Der Nationalismus sinnt auf Gesetze des Ausgleichs. Aber gerade die nationalen Schreihälse aller Völker und Länder mit ihren verschliffenen Allerweltsgedanken, mit ihrer Vorherrschaft der stärksten Fäuste oder der größten Mäuler, stellen uns klar vor Augen die rohe Larve der Seelenlosigkeit und Ungedanklichkeit. Und wenn das, was wir heute in Deutschland als„ deutsche Kultur" erleben, wirklich das echte Wesen des deutschen Volkes wäre, dann wäre es rühmlicher, eben„ undeutsch" zu heißen... Für die kommenden biologischen Aemter drei Vorbemer fungen: Erstens: Alle Bevölkerungspolitik( Heiratsfonsens, Eheberatung, Rampf um den Abtreibungsparagraphen usw.) wird vorausbestimmt durch die Sozialfürsorge. Solange Menschen nicht gesund wohnen, fich gesund kleiden und gesund essen( man denke zum Beispiel an den Alkoholmißbrauch der proletarischen, an den zweifellosen Mißbrauch des Fleischessens in der bürgerlichen Schicht), solange wird auch mit „ Sexualethit" faktisch nicht das mindeste erreicht. Es ist nicht so wichtig, daß er täglich ein Bad bekommt. Bei den täglichen Gewohnheiten, also bei Essen, Trinken, Schlafen, Waschen, Wohnen, hat Volksaufbesserung zu beginnen. Rassenaufzucht ist nur gerade so weit möglich, als sozial vorgesorgt wurde. In England liegt es günstiger als in Deutschland in StanSinavien günstiger als in England Zweitens: Man wähne ja nicht, mit so allgemeinen Prädikaten wie start oder schwach, gesund oder trant, wertvoll oder minderwertig, iemals Von Albert Kranold. Ich schrecke auf des Nachts, in Schweiß gebadet, Und stiere irr ins Dunkel um mich her. Mein Atem geht vor Angst und Grauen schwer, Bis das Erwachen lösend mich begnadet. Im weichen Samt der Nacht seh' da ich leuchten Silbrigen Glanz, der aufblüht und erlischt. Erschrecken jäh das zarte Bild verwischt. Ich fühle Tränen meine Hand befeuchten. Dann flammen rote Garben, fluten Donner Dumpf brausend mir and Ohr, das zitternd lauscht. Mit urgewaltgen Riesenflügeln rauscht Die ferne Schlacht. Wie letzter Glanz der Sonne. Entbreitet sich vor mir in weitem Kreise Des Trommelfeners Glutmeer. Notes Blut Steigt unaufhaltsam auf wie Sturmesslut. Verfallne Gräben dienen als Geleise. Zerwühlte Aecker werden zu Gesichtern, In die das Leiden breite Furchen grub. zerfetzte Körper rollen, Schub auf Schub, Vom Schlamm, der schmaßt, verschlungen, in die Trichter. Ich taste ächzend mit zum Licht. Befreiend Durchflutet es den so vertrauten Raum. Doch ob dies Bild auch nur ein flüchtger Schaum, Verwandelt läßt zurück mich dieser Traum: Er droht mich mit dem Leben zu entzweien. Nein, Nein, Er soll den Willen mir ernenen! DAS BUNTE BLATT NUMMER 67= 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE MITTWOCH, DEN 6. SEPTEMBER 1933 Cristoph Martin Wieland Vergilble Briefe Zum Gedenken seines zweifiundertsten Geburtstages Der Deutsche zählt Wieland zu den fünf Größten seiner Literatur, nennt ihn zusammen mit Goethe, Schiller, Lessing und Herder. Aber er kennt seine Werke nur wenig, und selbst sein unsterblicher Versroman" Oberon" lebt hauptsächlich durch die Musik Webers, die ihn in der unmöglichen Verballhornung einer Opernhandlung verklärt. In der gro= Ben Reihe von Bänden, die Wielands Romane, Gedichte, Abhandlungen, Uebersetzungen enthalten, ist jedoch so viel Weisheit und Grazie, daß es ein Unrecht ist, diese Köstlichkeiten der deutschen Vergangenheit als ihr totes Gut zu betrachten. Freilich, die deutsche Gegenwart mag sie bewußt verachten. Denn Wieland ist alles, was ihr entgegen ist das hat er gemeinsam mit allen jenen, die den wahren deutschen Geist geschaffen haben, der ihm die Liebe und die Achtung der Welt verschaffte. Christoph Martin, das Wunderkind Er entstammte einem Pastorenhaus aus Ober- Holzheim im Gebiet der schwäbischen Reichsstadt Biberach, wo er am 5. September 1733 geboren wurde. Seine Familie war hier seit Generationen und hatte Bürgermeister- und Predigerposten inne. Christoph Martin, der Dichter, war ein Wunderkind, begann schon mit drei Jahren Unterricht zu nehmen, schrieb bald seine ersten Verse und in der Schule entdeckte man in seinen Heften frühzeitig Uebersetzungen lateinischer Autoren und in seinem Studentenkoffer die Werke Voltaires und freigeistiger Franzosen, die er heimlich las. Aber die Umwelt, in der er lebte, brachte ihn zu einer frömmelnden, seraphischen" Weltanschauung, die auch in seinen frühen Werken zum Ausdruck kam. Ein Heldenepos, das er, ein zaghafter Tübinger Student, an den damaligen Literaturpapst der deutschen Dichtung, an Bodmer, nach Zürich sandte, brachte ihn mit diesem einflußreichen Mann in Verbindung. Er zog sogar hin und blieb in Zürich neun Jahre, Hausgenosse Bodmers und Haus lehrer in vornehmen schweizerischen Familien. Es waren die schönsten Jahre seines Lebens, an die er auch später nur mit Rührung zurückbachte, aber sie waren für sein fünftiges Schaffen bedeutungslos, denn was er hier schrieb und dachte, verleugnete er in der Reife seines Denkens und Schreibens; einmal wollte er es sogar in einer förmlichen öffentlichen Abbitte tun, und seine Freunde mußten ihn daran hindern. Ratsherr und Prinzenerzieher Noch als junger Mann wurde er zum Ratsherrn seiner Heimatstadt Biberach gewählt, dann von der protestantischen Partet zum Kanzleidirektor, und als solcher hatte er sich auch mit dem„ evangelischen Komödienwesen" zu befassen ( weshalb er wohl in seiner Uebersetzung Shakespeares nur deffen Sommernachtstraum" nicht übertrug, weil die schauspielernden Handwerker, die darin auftreten, seiner dilettantischen Schauspielertruppe allzusehr glichen). Er lebte nun in den unsäglich kleinlichen Verhältnissen einer deutschen Kleinstadt in der Epoche kläglicher Zerrissenheit Deutschlands. Aber er versant nicht darin, er beobachtete gut, und diese Jahre schärften sogar seine Gabe zu Spott und Fronie. In mehreren Romanen, die er freilich in griechische Gewandung verkleiden mußte, zeichnete er die Spieß bürgerlichkeiten und läppischen Torheiten, die er miterlebt hatte, so in dem Roman über die Stadt Abdera, das für lange Zeit gleichbedeutend mit Schild a" blieb. Eine Jugendfreundin, die geistvolle Sophie Gütermann, die sich mit dem Weimarer Kaufmann La Roche verheiratet hatte, empfahl Wieland als Erzieher des jungen Prinzen Karl August. Und wenn der Weimarer in der Fülle deutscher Fürstenhöfe eine seltene, fast einzigartige Rolle spielt, wenn er sich fraß von dem rohen Gesindel unterscheidet, das abseits vom wahren Leben seiner Völker bloß seinen Lüsten lebte, so muß man füglich dem Prinzenerzieher Wieland auch ein Verdienst daran zuschreiben. Nach seinem zehnjährigen Dienst erhielt Wieland eine Pension, er würzte den Weimarer Hof mit seinem Wiz, er führte im Kreise seiner geliebten Frau und seiner dreizehn Kinder ein Leben, ganz seinem Schaffen, seiner Freude an den höchsten Genüssen des Daseins hingegeben, ein Patriarch, von allen geehrt und von allen, die in die thüringische Residenz kamen, besucht. Er starb am 20. Januar 1813. Der erste Shakespeareübersetzer " Wieland ist ohne Widerrede einer der schönsten Geister unter uns", so urteilt Lessing über ihn. Und Goethe rühmte einige seiner satirischen Dichtungen als„ wohlgeschlif= sene Edelsteine in der deutschen Literatur". Was ist nun Wielands Eigenart? Sein wandelbarer, entwicklungsfähiger Geist, seine stets wache Aufnahmefähigkeit, seine natürliche Anmut. Er ist in der Reihe der großen Genien, die sich in Weimar zusammenfanden- so widerspruchsvoll dies flingen mag-, der Mann, der auch neben dem Genie Bega= bung hatte. Mehr als anderthalb Dezennien leitet er " Den teutschen Merkur", und diese blauen Hefte nehVon Walter Lindenbaum Da liegen sie vor mir, wohl fünfzig Jahre alt, ein Päckchen rosa Liebesbriefe. Ein Hauch von Veilchendust verbreitet sich und schwängert süß die Zimmerluft. Es ist ein trüber Regentag und mir ist talt. Wer mag sie hier vergessen haben? Sie sind an einen Hans gerichtet, Von einer Paula, die verzichtet. Wo find die beiden? Leben fie? Sind sie schon längst begraben? Die Schrift ift ganz verwischt, man sieht sie faum, Die Briefe lagen stumm in einer Lade. Hat dieser Hans sie achtlos weggetan? Wie schade! Ich sinne nach. Vergangenheit zieht durch den Ranm. Was fümmert's mich, dacht ich mir dann gereizt, Ihr habt gelebt, geliebt, nun müßt ihr weichen. Wir Lebende, wir gehen über Leichen, Und abends hab' ich mit den Briefen eingeheizt. men nicht bloß die Beiträge Goethes und Herders auf, es„ Simes" wird boshaft ging von ihnen eine Fülle von Anregungen aus. Bezeich= nend für Wieland ist, daß er als erster Shakespeares Dramen aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte, unvollkom men, in Prosa, aber doch war er es, der den Briten dem deutschen Leser zum erstenmal nahebrachte. Und neben seiner Verehrung für Shakespeare, der alle dramatischen Regeln beiseite läßt, liebte er die Klassiker des französischen Dramas, die sich an die Gesetze des Theaters halten und in strenger architektonischer Form ihre Werke aufbauen. Noch bis in sein Jünglingsalter konnte er die antiken Sprachen nur unvollkommen und wenig fließend lesen. Dann aber begeisterte er sich so für sie, daß er griechische Autoren übersetzte, und zwar so übersetzte, daß er im Deutschen wahrhaftig die Grazie, den Wit, die leichte Art wiedergab, die den Urtert erhellen. Mit Goethe, Kant und den Franzosen Er mochte nicht das kraftstroßende Poetentum seiner Epoche, aber er war es, der allein den in Logik und Sprache eisenharten Heinrich v. Kleist erkannte und nach Gebühr schätzte. Seine wunderbare Meisterung der deutschen Sprache hat ihr Schmiegsamkeit und Geschmeidigkeit gebracht, die für alle Nachwelt vorbildlich ist. Er verehrte Goethe Beweis die enthusiastischen Briefe, die er an dessen Mutter nach Frankfurt schrieb-, er verstand Kant und blieb selbst ein sinnenfreudiger Dichter, der es sogar gelten ließ, daß man ihn frivol" nannte. Durch diese„ Frivolität" seiner Werke hat er deutsche Winkelsouveräne und Adelige für die deutsche Literatur interessiert, ihre damals unumgängliche Unterstützung für sie erlangt, da ja bekanntlich die deutschen Landesherren das Deutschtum seit jeher in der Zeit seiner geistigen Kämpfe, wie in der seiner geistigen Blüte zumeist verachtet haben. Das ganze neue Deutschland", sagte der alte Goethe, verdankt Wieland seinen Stil. Und solange Poesie Poesie, Gold Gold und Kristall Kristall bleiben wird, wird der Oberon" so schrieb der junge Goethe bei dem Erscheinen dieses in kunstvolle Verse und Reime gegossenen Abenteuerromans, als das Meisterstück deutscher Kunst geliebt und bewundert werden." Die Jünglinge des Göttinger Haines, eines Stu dentenbundes, der in deutscher Art schwelgte und die Bilder und Schriften Wielands als eines Wollustsingers und Sittenverderbers" feierlich verbrannten, waren geistige und sicherlich auch leibliche Ahnen jener Jünglinge von 1933, die Gleiches an den Schriftstellern taten, die ihnen nicht ge= fielen. Noch eines: Wieland war einer unter den vielen Großen des gefnechteten deutschen Volkes und deutschen Geistes, die die Ereignisse der großen Französischen Revolution mit unverhohlener Sympathie verfolg= ten. Er sah als kluger, politischer Kopf das Schwert des Cäsars nahen, das blutig das Errungene zerhauen werde. Also Sünde genug, daß Wieland im Deutschland von heute auch an seinem Geburtstag nicht gefeiert wird. Der Französling, der Lüstling, der Dichter, der von dem mit einem T geschriebenen Teutschland verbrannt wurde, ist, wie so viele seines Ranges, im Ausland geschäßter, als bei seinem Volke. ,, Belsazar ward zur selbigen Nacht... Das Meneteket der Geschichte Belsazar die Geschichte erwähnt ihn als den letzten Chaldäer- König in Babylon. Er selbst nannte sich den König der Könige, den Herrn der Welt. Wie so viele große Kleine und kleine„ Große" vor ihm und nach ihm, glaubte er zu regieren und war doch nur ein Spielball in der Hand des unerbittlichen Schicksals, das ihn erhob und bald darauf wieder zertrat wie der achtlose Fuß einen Wurm zerquetscht -wie man ein Licht auslöscht. Gäsarenwahn, eine Erkrankung des kleinen Gehirns, befällt bereits manchen, wenn ihn nur ein Ameisenhügel über seine Umgebung erhebt, und mehr noch den, der im Glanze der Macht Millionen vor sich im Staube liegen sieht. Cäsar Belsazar muß Siege feiern, wenn ihm auch nur ein anderer den Sieg in die Hände gespielt hat. Sein Vorgänger Nebukadnezar hatte Juda unterworfen. Man hatte gründliche Arbeit geleistet nach der Art jener Zeit. Dem Juden= könig hat man die Augen ausgestochen. Ueber die anderen Heldentaten schweigt man lieber. Ja, die Krieger jener Zeit waren noch echte Krieger, unverdorben durch das weichliche Christentum. Erst die„ christlichen" Völker erleuchtete das Wort des größten Sohnes Judas: Liebet eure Feinde! Belsazar feiert Feste. Das Volk vergißt dabei die Oede des Alltags und glaubt, im Vorsaal des Himmels zu sein. Und bei dem Weihrauch, den das Volk ihm streut, betäubt er die Zweifel in der eigenen Brust und glaubt den andern, daß 66 er der lange erwartete Messias set, der das goldene Zeitalter wiederbringt. Darum, morgen wieder lustik". Dem Volke muß man zeigen, daß man Macht hat, die Feinde zu zerstreuen. Mögen die Sklavenseelen im eigenen Volke zittern, wenn man es wagt, selbst die Götter des Besiegten zu verhöhnen. Heiligtümer der anderen braucht man nicht zu achten, besonders wenn es Heiligtümer eines verachteten Volkes sind. Das ist nicht recht? Wer wagt es zu sagen, daß das nicht recht ist! Der Cäsar bestimmt, was Recht und was Unrecht ist. Denn er hat die Macht. Belsazar läßt die heiligen Geräte, die Jahre geweiht waren, die die Priester nur in größter Ehrfurcht berührten, holen, um sie zu entehren. Mit seinen unsauberen Lippen entweiht er das Heiligtum: Dir, Jahwe, zum Hohn! Warum erbleichst du, Belsazar- König der Könige? Ist der Augenblick da, in dem der Schleier fällt von dem geheimnisvollen Bild zu Sais? Ist das der Moment, in dem feder Sterbliche den Sand im Stundenglas der Zeit fallen hört Körnlein um Körnlein? Keiner sieht es nur du. Keiner weiß es nur du allein. Es gibt kein Entrinnen. Die Stunde ist da. Belsazar, siehst du die Flammenschrift? Bitter. Ein englischer Naturforscher erzählt etwas vom Hitlergruß Die italienischen Faschisten behaupten, der Faschismus set altrömisch, die Nazi, er sei altgermanisch. Der englische Naturforscher Hestreth Bell weiß aber in einem Brief an die„ Times" von einem anderen Ursprung dieser heldischen Begrüßunsart zu berichten. Er erzählt, daß vor fünfundzwanzig Jahren in den afrikanischen Urwäldern von Uganda einen mächtigen Schimpansen fing und ihn durch seine Leute an die Küste transportieren ließ. Der Affe zertrümmerte seinen Käfig, und die Neger mußten ihn an einem Pfahl gefesselt befördern, so daß der arme Affe am ganzen Körper zerschunden bei Bell anlangte. Diese Mißhandlungen machten auf den Affen einen solchen Eindruck, daß er, wann immer er einen Neger sah, in unbändige Wut geriet. Dagegen gewann er Bell lieb und begrüßte ihn freudig, sobald er sich dem Käfig näherte. Und, merkwürdigerweise war die Form der Begrüßung etwa die, von der der Naturforscher später erfahren sollte, daß es der Faschistengruß sei. Der Schimpanse hob seinen rechten Arm mit ausgestreckter Hand in die Höhe, ganz wie Hitler...„ Es ist also möglich schließt der englische Naturforscher, daß der faschistische Gruß gar nicht von den alten Römern stammt, sondern die anerkannte Begrüßungsform unserer weitläufigen Verwandten war, die die dunklen Wälder des tropischen Afrika bevölferten." Die Zigeuner halten einen Kongreß ab Die wandernden Zigeuner Siebenbürgens haben beschlossen, einen Kongreß in der Gemeinde St. Martin in Norden Siebenbürgens abzuhalten. Die Kongreßteilnehmer haben bereits begonnen, in großen Scharen zu Fuß, in Wagen und sogar in eigenen Autos nach dem Kongreßort abzugehen. Die Karawanen sind so zahlreich, daß mit einer Teilnahme von über 5000 Zigeunern gerechnet wird. Die Zigeuner haben bereits ein Lager errichtet, das einen Umfang von fünf Kilometer hat. Ueber den Zweck der Einberufung gab die Kongreßleitung bekannt, daß es sich um die Untersuchung der Lage der von der Krise schwer betroffenen wandernden Zigeuner handle und daß der Kongreß von der Regierung bewilligt wurde. Geschichten um Musiker Max Reger, der berühmte Komponist, wurde einst von einer befreundeten Familie zur Kindtaufe geladen. Der Künstler aß ungeheure Portionen, besonders von dem Kaviar. Die junge Frau freute sich über den Appetit ihres berühmten Gastes und versprach ihm, daß er bei dem nächsten Kind ein ganzes Fäßchen Kaviar erhalten sollte. Nach ungefähr zwei Jahren erinnerte sich Reger wieder des großzitgigen Versprechens. Mitten in der Nacht läutete ein Bote und überraschte das Ehepaar mit einem Telegramm Regers folgenden Inhalts: Faule Bande, wo bleibt mein Kaviar?" Mischa Elmans Vater wurde gefragt:„ Warum spielt Ihr Sohn fast gar nicht mehr in Europa?"- ,, Wissen Sie," sagte der Alte, Joachim ist tot, Sarasate ist tot, Isaye ist gestorben, Vescey geht in ein Kloster, Kreisler spielt wenig, Huberman nur noch ganz selten, gegen wen soll der Junge spielen?" „ Was sagen Sie: Der große Geiger Frizz Kreisler hat fast sein ganzes Vermögen armen Kindern und notlei denden Musikern geschenkt!"„ Das ist noch gar nichts! Sein Kollege, der Geiger Cb., hat sein ganzes Geld der Witwe des unbekannten Soldaten vermacht!" Der junge Doktor W. hat sich niedergelassen. Eine sehr vornehme Praris will er sich schaffen, aber auf keinen Fall darf das mit großen Spesen verbunden sein. Immerhin macht er den ersten Anlauf und wird Mitglied eines Golfklubs. Der zweite Schritt ist ins Sportge schäft, um die Spielrequisiten zu erstehen.„ Auf die Bälle bitte, meinen Namen", ordnet er an, Wurzbacher, bitte!" - ,, Sehr wohl, werter Herr, Vorname noch oder so?" ,, Nein, der Vorname ist nicht nötig, aber sehen Sie noch Dr. med." hinzu und dann darunter, bitte," Sprechstunden von 10 bis 4"." Widerlegt Sie:„ Alle Welt sagt, daß wir verlobt seien." Er:„ Was tut das, da doch niemand daran glaubt?" ( Matin") „ Es geschicht den Juden nichts" 99 Dr. J. Seit Mitte März, der Machtergreifung der Nazis, dabei ihr seit Jahrzehnten eingezahltes Sparkapital. Der haben: 1. etwa 500 Juden Selbstmord verübt. Ganz genaue Zahlen sind schwer zu erhalten, da es der Presse verboten ist, in der Todesanzeige einen Selbstmord en kenntlich zu machen; in einigen Städten werden jüdische Todesanzeigen von den Zeitungen überhaupt nicht aufgenommen. 2. Etwa 150 Juden sind von den Nazis ermordet worden. 8. Etwa 10 000 Juden waren ein oder mehrere Male verhaftet.( In Dortmund z. B. wurden im April auf einmal 300 Juden verhaftet, in Nürnberg gar 600 usw.) 4. Etwa 3000 Juden wurden schwer mißhandelt.( Stahlrutenschlagen, Abbrennen des Bartes usw.) 5. 4000-5000 Juden sind heute noch im Konzentrationslager. 6. 4000 jüdische Anwälte sind aus den Reihen der Anwälte gestrichen. Dem Rest versucht man die Klienten zu nehmen. 7. 5000-6000 jüdische Aerzte sind nicht mehr bei den Krankenkassen zugelassen; sie dürfen auch keine Privatpatienten behandeln, die in Privatkassen sind, da auch diese Kassen eine Vergütung für Behandlung jüdischer Aerzte ablehnen. 8. AIIe, einige hundert, jüdische Steuerberater haben thre Tätigkeit aufgeben müssen und sind brotlos. 9. 2000 jüdische Schauspieler und spielerinnen find existenzlos geworden. 10, 15 000-20 000 jüdische Angestellte sind seither entlassen worden. Das Warenhaus Hermann Tieß hat allein 1400 jüdischen Angestellten fündigen müssen. Darunter Angestellten, die über 25 Jahre im Betrieb waren. 11. 30 000 jüdische Angestellte wurden aus den gleichgeschalteten" Gewerkschaften hinausgeworfen und verloren Badischer Brief Dreschflegel gegen Gleichschaltung In einem in der Nähe Mannheims gelegenen Ort kam es zu schweren Prügeleien zwischen Zentrumsleuten und Hitlergardisten. Der katholische Pfarrer des Dorfes hatte sich, wie so mancher seiner Amtskollegen, in angeblich abfälliger Weise über die Hitlerregierung geäußert. Er sollte deshalb festgenommen werden. Als das die Zentrumsanhänger erfuhren, taten sie sich zusammen, und an einem Abend wurden alle SA.- Leute, deren sie habhaft werden konnten, von fräftigen Bauernburschen nach Strich und Faden verdroschen. Der Pfarrer blieb im Amt und die Braunhemden sind seitdem etwas kleiner geworden. Ein ähnlicher Vorfall trug sich fast gleichzeitig in einem GdA.( Gewerkschaftsbund der Angestellten) brachte es fertig, einer Angestellten( Witwe eines im Feld Gefallenen) zu schreiben, als diese bat, an den Sozialleistungen weiter beteiligt zu sein oder eine Summe zurückbezahlt zu erhalten: " Die Juden haben seit 100 Jahren das deutsche Gastvolk derart ausgesaugt, daß damit alle Leistungen schon längst kompensiert sind." 12. In drei Ortschaften ist den Juden das Wohnen und Betreten verboten. 18. In etwa 30 Städten dürfen die Juden die Badeanstalten nicht oder nur zu besonderen Stunden besuchen. 14. Aus allen Sport-, Gesang- usw. Vereinen mußten die Juden austreten. 15. Kein Jude wird würdig erachtet, irgend ein Ehrenamt zu übernehmen. „ Keinem Juden ist aber iemals ein Haar gekrümmt worden." Deutsches Gebet D, Herr, schid' uns den Moses wieder, Damit er seine Glaubensbrüder Wegführt ins gelobte Land. Noch einmal laß das Meer sich teilen, Damit die hohen Wassersäulen Feststehn wie eine Felsenwand. Wenn dann in einer Meeresrinne Die ganze Judenschaft ist drinne. D, Herr, dann mach' die Klappe zu: Ersäufe sie mit Roß und Wagen, Erhör des Weltalls ernste lagen, Dann haben alle Völker Ruh'. Mann zu bearbeiten, um wenigstens einige Beitungen un terzubringen. Der Erfolg war, trotz aller Anstrengung fünf Zeitungsabonnenten. Interessant ist der Ausspruch des Leiters dieser Werbeaktion:„ Man könnte glauben, der ganze Betrieb vom ersten Direktor bis zum letzten Mann bestände aus Kommunisten". Die Zeitungen wissen täglich zu berichten, wie Adolf Hitler immer mehr die Seele des deutschen Arbeiters gewinnt. Lumpenpack In einem Großbetrieb in Mannheim hatte der leitende Direktor des Werkes das Bedürfnis, sich mit einem früheren Betriebsratsmitglied, einem Sozialdemokraten, zu unterhalten. Der Direktor frägt den Betriebsrat: Was meinen Sie eigentlich zu dem neuen Betriebsrat( NSBO.)?" Was soll ich da sagen," gab ihm der Arbeiter zur Antwort, Dorf in der Rheinpfalz zu, wo ebenfalls der Pfarrer feft- ich muß ia das Maul halten"." Da haben Sie recht, et widerte der Direktor, und streckte ihm bei diesen Worten die Hand zu, um mit dem einen Wort umpex pad" die Unterhaltung zu schließen. genommen werden sollte. Die Pfälzer Bauern, denen so mancher Hitlermann noch als ehemaliger Separatist bekannt ift, griffen zu noch kräftigerer Abwehr. Sie bewaffneten sich mit Dreschflegeln, Sensen und Mistgabeln, um ihren Pfarrer ,, Sozialismus" au schützen. SA. muß zu Hungerlöhnen arbeiten Das Arbeitsbeschaffungsprogramm hat zwar noch keine Arbeit gebracht, aber es hat immerhin schon dazu geführt, daß Marxisten aus den Betrieben entlassen und SA.- Leute dafür eingestellt werden. So hat auch einer der bekanntesten Riesenbetriebe der chemischen Industrie eine Anzahl Hitlergardisten eingestellt. Die Leute, bis zur ihrer Neueinstel= lung Fürsorgeempfänger, sind von der neuen Arbeitsbeschaf= fung nicht begeistert. Ein Familienvater verdient zur Zeit bei 48stündiger Arbeitszeit rund 2( zwei) Reichsmark mehr als er vorher Fürsorgeunterstüßung bezogen hat. Um aber an seine Arbeitsstelle zu kommen, muß er eine Wochenkarte zu 2,80 Mark bezahlen, so daß er in Wirklichkeit noch wentger verdient, als er vorher Unterstützung erhalten hat. Werbeerfolge der Nazis bei der Arbeiterschaft In einer süddeutschen Industriestadt versuchte vor kurzem das dortige Naziorgan, das sich in dem früheren sozialdemofratischen Zeitungsbetrieb breitgemacht hat, unter der Be legschaft eines größeren Industriewertes mit etwa 2000 Arbeitern eine Werbeaktion durchzuführen. Die Werbekolonne zählte 50 Hakenkreuzler. Es wurde versucht, Mann für Die Sache mit Göbbels In Nürnberg sprach er über die Rassenfrage ,, Die neue Staatsbiologie unterscheidet zwischen dem Wert eines Menschen als Einzelwesen und seinem Wert als Erbträger. Der Bedeutung z. B. Rant& wird nichts abgezogen, wenn man ausspricht, daß es für sein Volk wahrscheinlich besser war, daß er keine Nachkommenschaft hinterlassen hat, als daß er Nachkommen hinterlassen hätte." Profeffor Hans F. K. Günther( Jena) im Septemberheft der Zeitschrift.„ Der Naturforscher". A. H. Die neuen Führer der Nation sind im allgemeinen von einem erbitterten und sturen Ernst. Das Schicksal hat fie mit der Fähigkeit beschenkt, viele eherne Worte von sich zu geben, aber mit einem nicht: mit der göttlichen Gabe des Humors, der aus echt deutschen Herztönen schlägt. Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Einmal gab es während des Nürnberger nationalsozialistischen Parteitages eine er= frischende Probe der den Nationalsozialisten versagten Himmelsspende. Sie ließen ausgerechnet Herrn Göbbelg ein Referat zur Rassenfrage halten- jenen Göbbels, dem der Rassenprofessor Günther sicherlich noch entschiedener das Recht zur Erzeugung von Nachkommenschaft versagen würde, als dem großen Königsberger Philosophen Immanuel Kant. Der besaß zwar nur einen kleinen und schmalen Körper, aber er war gerade gewachsen, während es in der ganzen Welt keine Uniform und keine Stiefel gibt, die Herrn Göbbels als rassegesunden Erbträger repräsentieren fönnten. * Kein Wort war Herrn Göbbels scharf genug, um die rasfische Belastung des Judentums zu geißeln. Dem Juden gegenüber stehe- Herr Göbbels stand am Redepult! In einem anderen größeren Wert der Elektro- Industrie hatte der Nazi- Betriebsrat festgestellt, daß ein Angestellter des öfteren Ueberstunden ohne Bezahlung leistete. Der Nazi- Obmann, feinem natürlichen Empfinden folgend, sab darin eine Schädigung der Arbeiterschaft. Er veranlaßte, daß der Angestellte mit einem umgehängten Plakat, auf dem zu lesen stand:„ Ich bin ein Ueberstunden- Schieber und Arbeiterverräter" durch den Betrieb geführt wurde. Am nächsten Tag wurde der Betriebsrat auf Veranlassung der Kreisleitung der NSBO. in Schußhaft genommen. Im Konzentrationslager wird er jetzt vom proletarischen Klasseninstinkt geheilt". Der Ueberstundenschieber darf aber weiter Ueberstunden machen. Holländische Richter ( Inpreß.) Ein Utrechter Gericht faßte in den letzten Tagen den Beschluß, daß zwei Elberfelder Zeugen nicht in Deutschland, sondern in Utrecht vernommen werden sollen. In der Begründung heißt es:" Der Anwalt der Beklagten, der Jude ist, kann in Deutschland weniger ruhig auftreten als in den Niederlanden. Man muß dem Anwalt zugestehen, daß bei seinem Auftreten in Deutschland sogar Unannehmlichkeiten für ihn nicht ausgeschlossen seien." - der arische Mensch als schöpferische Gestalt gegenüber. Nun aber set die Stunde gekommen, mit dem Siege der nationalen Revolution, in der das Problem der jüdischen Rasse akut geworden sei und eine„, wie immer auch geartete Lösung" erfordert habe. Nachdem er also gesprochen, bekräftigte Herr Göbbels noch einmal all die bekannten Anklagen gegen die Juden: Beschmutzung der nationalen Ehre, zu viele Juden Juden: Beschmutzung der nationalen Ehre, au viele Juden unter den Richtern, Rechtsanwälten, Aerzten, Journalisten und Hochschullehrern, endlich Boykott- und Greuelpropaganda gegen das junge Deutschland in anderen Staaten. Was in der Judenfrage geschehen set, sei dann zwangsläufig" erfolgt.. Göbbels wagte wider befferes Wissen den dreisten Satz: ,, Reinem Juden ist in Deutschland ohne Grund ein Härchen gekrümmt worden." Wie verständnisvoll mögen die Herren Amtswalter gegrinst haben, als sie diesen Satz aus dem öltriefenden Munde ihres Propagandaführers vernahmen! Denn jeder wußte aus eigener Anschauung, wie er Io g. Jeder von ihnen hat im Reiche seiner Gewalt wüste Judenverfolgungen und Judenmißhandlungen erlebt. Auf der Spur dieser Progomstrede liegen die Haare, die man zahlreichen Juden aus der Kopfhaut riß, um hier das Edelzeichen des Hakenkreuzes nachzuzeichnen. Hier liegt noch ungeronnen das Blut der Juden, die man in den Kellern der braunen Häuser peitschte, der jüdischen Anwälte und Aerzte, die man nachts aus ihren Betten holte erinnern an die Fälle Dr. Plaut, Dr. Joachim, Dr. ober die man auf der Spiegel und an viele andere Flucht" erschoß. wir Ohne Grund! Wahrhaftis, es gab Gründe! Jüdische Rechtsanwälte hatten Reichsbannerleute, Pazifisten oder kommunisten verteidigt. Jüdische Aerzte hatten reinrassigen Rol Iegen das Brot" weggenommen. Den jungen Margoliner in Breslau prügelten ste zu Tode, unter unsäglichen Martern, Braunschweigs Bestien Der Fall Basse h. b. Am 2. Juli meldete die„ Braunschweigische Landeszeitung": " Der Gewerkschaftssekretär Basse hat 4000 Reichsmart unterschlagen. Er wurde verhaftet. Basse ist derjenige, der vor Jahresfrist zu dem Herrn Staatskommissar Sandrock gesagt hatte:„ Ihr Nationalsozialisten kommt niemals zur Macht. Wir werden mit euch Arbeiterverrätern noch abrechnen." Parteigenosse Sandrod hatte nach der Festnahme des Basse Gelegenheit, sich mit diesem zu unterhalten." Am 9. Juli stand in derselben Zeitung unter den Standesamtsnachrichten folgende Notiz: „ Gestorben: Gewerkschaftssekretär Hermann Basse, 50 Jahre alt." Einige Tage später meldeten die Zeitungen des Aus landes die Todesursache: Sturz aus dem Fenster. Wir sind nun in der Lage, genaueres über die Vorgänge mitzuteilen, die zum Tode des Genossen Basse führten. Basse war gleich den anderen Gewerkschaftsbeamten fristlos entlassen worden und stand mit seiner Familie vor dem Nichts. Er verlangte die Einhaltung seines Vertrages, nach dem er eine längere Kündigungsfrist zu beanspruchen hatte. Auch die Gesetze des Schutzes für ältere Angestellte wollte er für sich angewendet wissen. Da behauptete die neue Verbandsleitung" plötzlich, der Verband habe an Basse noch eine Forderung von 4000 Reichsmark. Basse wurde am 1. Juli mittags 12 Uhr aus seiner Wohnung geholt und in das Volksfreundhaus geschleppt, um diese Dinge zu besprechen". Dort fand dann die von der„ Braunschweigischen Landeszeitung" erwähnte„ Unterhaltung" mit dem Herrn Staatskommiffar Sandrock statt. Nach stundenlangen Mißhandlungen und Quälereien wurde Basse gezwungen, an feine Frau einen Zettel zu schreiben, nach dem sie dem Ueberbringer dieses Bettels das gemeinsame Sparkassenbuch aushändigen folle. Die verängstigte Frau gab daraufhin das Sparbuch heraus. Nachmittags gegen 5 Uhr bekam sie dann Bescheid, daß die Leiche ihres Mannes in der Leichen halle des Krankenhauses läge. Gegen Abend schon war in ganz Braunschweig bekannt, daß der Genosse Basse nach unerträglichen Quälereien aus dem dritten Stock des Volksfreundhauses„ gesprungen" wäre und dabei ums Leben gekommen war. Nur die sonst so gut und pünktlich unterrichtete Landeszeitung tat noch am nächsten Tage so, als sei ihr von diesen Vorgängen nichts bekannt. Sie melbetes „ Der Staatskommissar Sandrock hatte nach der Fest nahme des Basse Gelegenheit, sich mit diesem zu unter halten..." Fünf Monate Gelängnis weil Hitler seine Zeche nicht bezahlte Leipzig, 2. Sept. Bei einer Unterhaltung in Birna, bie sich um die Person des deutschen Reichskanzlers drehte, erzählte der Kellner Schola, er kenne Adolf Hitler noch von Wien her. Er habe ihn damals ständig in einer Gastwirtschaft bedient, bis Hitler unter 8urüdlaffung einer 3echschuld weggeblieben sei. Diese Aeußerung wurde der Geheimen Staatspolizei gemeldet, die Schola sofort verhaftete und wegen Verleumdung des Reichsfanalers dem Sondergericht für das Land Sachsen in Freiberg überstellte. Scholz blieb bei seiner Behauptung und erklärte jeden Irrtum für ausgeschlossen. Im Kreuzverhör fagte er nach langem Zögern auf Anraten des Vorsigenden, es sei möglich, daß Hitler die Zeche damals doch noch bezahlt habe! Er beteuerte auch, daß er nicht die Absicht gehabt habe, durch die Erzählung des Vorfalles Hitler zu beleidigen. Das Sondergericht verurteilte Scholz zu fünf Monaten Gefängnis und betonte in der Urteilsbegründung, es sei ein Beweis für das dreifte Verhalten des Angeklagten, daß er die ganze Angelegenheit als harmlose und eigentlich nur nebensächliche Erinnerung hinstellen wollte. Wenn jemand behaupte, der Führer des deutschen Volkes fei einem Rellner einmal die Zeche schuldig geblieben, so müsse er von vornherein wissen, daß das eine besonders gemeine Verleumdung darstelle. weil junge Mädchen gern mit ihm tanzten und arische Wettbewerber auf dem Liebesfelde der Erotik gegen ihn unterlegen waren. In der Tat: alles das waren Gründe! Den großen jüdischen Bankmagnaten, den jüdischen Konzernherren wurde„ kein Härchen gekrümmt". Sehr schnell hatten ste ihre nationalsozialistischen Gleichschalter im Betrieb und durften dann die kleinen jüdischen Angestellten in Massen entlassen, um, wie sich Herr Göbbels markant ausdrückte, die füdtsche Vormachtstellung" zu brechen. Herr Göbbels mag ein geschickter Propagandist sein für das deutsche Volk, das für die braune Epidemie ein schnell aufnahmefähiger Bazillenträger war. Aber wenn er„ Weltpropaganda" treibt, dann überschäßt er seine Begabung, die Wahrheit in Trug zu verwandeln. Die Juden, die der Nationalsozialismus aus Deutschland trieb, die er des Existenz beraubte, deren Besitz er beschlagnahmte- sie bes zeugen den„ Akt der Notwehr", den Herr Göbbels für Deutschland reklamiert. Das ganze Ausland war voll tiefen Respekts über die von Herrn Göbbels gerühmte Dissiplin ohne Terror", als es die Fotografien vom Judenboykott in allen großen meinungsbildenden Zeitungen der Welt wor Augen sah. Eine Gruppe von Juden hat Herr Göbbels in seinem Rassenfeldzug nicht erwähnt, jene nämlich, denen in den Jahren 1914 bis 1918 einige Härchen gekrümmt" wurden, als stefür Deutschland zusterben hatten.„ Es ist nicht unsere Schuld," so meinte Göbbels und zuckte nicht mit der Wimper,„ daß diese Raffe auflösend unter den Völkern wirkt und eine ständige Gefahr für ihre innere und äußere Sicher heit darstellt." Wahrhaftig, auflösend!! 12 000 deutsche Judenkörper, die sich in der Erde in ewigen Sumus aufgelöst haben, sind leider nicht mehr imftande, Herrn Göbbels ihre unterirdische Wühlarbeit" gegen Deutschland zu bestätigen. " elbin Dr. Friedrich: 2012 Der Parteistaat bul Hobul BRI BRIEFKASTEN 21. Vom Junkerstaat zum Konzentrationslager Hitler hat den Parteienst a at vernichtet und den Parteistaat an seine Stelle gesetzt. Urkund dessen hat er verordnet wie folgt: Gesetz gegen die Neubildung von Parteien. Vom 14. Juli 1933. § 1. das sind alles Dinge, die der alten Herrenkaste arg wider den Strich gehen, und alles Zeichen dafür, daß selbst die brutalste und dümmste Reaktion auf gewisse scheindemokratische und scheinsozialistische Allüren nicht mehr verzichten kann. Die Welt hat sich in den letzten hundert Jahren ganz Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, gewaltig geändert, und es wird bestimmt keine weiteren das hiermit verkündet wird: hundert Jahre dauern, bis sie sich abermals gründlich ändern wird. Der Weg der Revolution, 1848 begonnen, 1918 fortgesetzt, ist noch nicht beendet. Er führt über die Trümmer des despotischen Parteistaates, des letzten Herrenstaates der Junker und Kapitalisten, zum freien Volksstaat! In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. § 2. Wer es unternimmt, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei aufrechtzuerhalten oder eine neue politische Partei zu bilden, wird, sofern nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer höheren Strafe bedroht ist, mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder mit Gefängnis von sechs Monaten bis drei Jahren bestraft. Berlin, den 14. Juli 1933. Der Reichskanzler: Adolf Hitler. Der Reichsminister des Innern: Frid. Der Reichsminister der Justiz: Dr. Gürtner. Mit diesem staunenswerten Dokument naiver Unver schämtheit schließt sich bis auf weiteres der Kreis einer hundertjährigen Entwicklung. Vor hundert Jahren gab es in Deutschland noch keine Parteien, ihre Bildung war streng verboten. Jn Preußen 3. B. war jeder Versuch einer politischen Parteibildung mit Zuchthausstrafe bedroht. Es herrschte unumschränkt, durch keine öffentliche Kritik gestört, der König mit seinen Generälen, Bürokraten und Junkern. Diese Herrenklasse bildete in Wirklichkeit eine Partei, sie hatte es nur nicht nötig, sich so zu nennen, weil ja andere Bar teien neben ihr nicht existieren konnten. Kaum hatte die Revolution das Eis gebrochen und die Bildung auch anderer Parteien möglich gemacht, da konstituierte sich die alte Herrenkaste auch schon als„ Konservative Partei". Die Konservative Partei war nun freilich nicht mehr allein. Sie mußte mit anderen Parteien, bürgerlichen und später auch proletarischen, um die Macht kämpfen. Das hat ihr niemals gepaßt, und innerlich hat sie den Anspruch auf Alleinherrschaft auch niemals preisgegeben. Das Ges schimpfe auf den„ Parteienstaat", das allen Spießbürgern so angenehm in den Ohren klang, war nichts als der Ausdruck der Sehnsucht: zurück zur„ guten alten Zeit". Reine Parteien mehr, sondern nur eine privilegierte Herrenpartei! Fort mit dem liberalen Parteienstaat, her mit dem reaktionären Parteistaat! Dieses Ziel ist jetzt erreicht. Der Kreis hat sich anscheinend wieder geschlossen. Aber zwischen dem Parteistaat von 1833 und dem von 1933 liegt eine stürmische ökonomische und politische Entwicklung, liegen Klassenkämpfe, Revolutionen, Putsche, Staatsstreiche und Kriege. Die soziale Struktur sowohl der herrschenden Klassen wie die der beherrschten änderte sich gründlich. Und darum ist auch der Parteistaat von 1933 anders als der Parteistaat von 1833. Die alte Herrenkaste sitzt wieder im Sattel, sie genießt mit vollen Zügen ihren Triumph. Aber neben ihr sizt das Geldsackbürgertum und manche Figur, die ihr noch weniger behagt. Da muß man eben mit den Wölfen heulen, und so ist man heute auch nicht mehr ,, konservativ", sondern nationalsozialistisch". In der neuen Führerschicht wimmelt es von Prinzen, Fürsten, Grafen, Baronen und ordinären Landjunkern auf einen bürgerlichen Regierungspräsidenten kommen schon wieder neun Adlige aber man ist doch sehr fürs Volk", und statt vor einer Majestät von Gottesgnaden in Ehrfurcht zu ersterben, tut man das vor einem Anstreichergesellen, den die Vorsehung zum neuen Heiland, Führer und Retter Deutschlands bestellt hat. Der konservative Parteistaat von 1833 war ein organisch gewachsenes Gebilde von unbegrenzter Borniertheit, aber auch von vollkommener innerer Geschlossenheit. Der nationalsozialistische Parteistaat von 1933 ist vulkanisches Produkt, entstanden aus einem geglückten Staatsstreich, den man fälchlich Revolution nennt, und voll innerer Widersprüche. Er ist nicht mehr nur Herrenstaat, er ist auch Karikatur eines Volksstaates, wobei der zum Alleinherrscher emporgestiegene Schwätzer Adolf Hitler eine Karikatur des Aufstiegs der Arbeiterklasse Sarstellt die hohnvollste, die man sich ungefähr vorstellen kann! Und an die Stelle einer einheitlichen konservativen Weltanschauung ist eine gärende Mischung konservativer Jdeen, faulender demokratischer oder sozialistischer Gedankenreste und konfuser Rassentheorien getreten, deren Geruch Bewußtseinsstörungen und Erbrechen hervorruft. Läßt sich auf solches Gedankengut ein neuer Staat gründen? Oft schon ist gesagt worden, daß das Sozialistengesetz im Verhältnis zu den heutigen Verfolgungsmethoden das reine Kinderspiel gewesen ist. So war es in der Tat. An Adolf Hitler gemessen war Bismarck ein Liberaler. Bismarck hat das allgemeine Wahlrecht eingeführt, das Hitler jetzt wieder beseitigt hat. Bismarck hat den Deutschen Reichstag geschaffen, der 66 Jahre lang- 51 in der Monarchie, 15 in der Republik bestand, bis Hitler ihn zerstörte. Bismarck regierte abwechselnd mit Konser vativen, Zentrum und Liberalen. Hitler gedenkt nur mit einer Partei zu regieren, der Hitlerpartei. Besieht man die Dinge recht, so ist der nationalsozia listische Parteistaat ein Nebeneinander von alt und neu. Zum einen Teil ist er, wie schon gesagt, Wiederkehr des alten vormärzlichen konservativen Parteistaates, soweit er aber etwas von jenem Abweichendes, Neues darstellt, ist es eine Fehlgeburt der demokratischen Entwicklung. Er mag sich noch so sehr bemühen, alle Spuren des„ Märzverbrechens" von 1848 und des Novemberverbrechens" von 1918 zu vertilgen, einige von ihnen haften ihm selber unauslöschlich an. Der Anstreichergeselle an der Spige des Staates, die ewigen Berufungen auf einen angeblichen Auftrag des deutschen Volkes, die pseudosozialistische Demagogie Das nächste Fest, bitte! Die Staatsräte mit Krone und Schweif Essen, 5. Sept. Nach der„ Nationalzeitung" ist die Eröffnungssigung des Preußischen Staatsrates auf den 15. September festgesetzt, die zu einem Staatsaft größten Ausmaßes ausgestaltet werden soll. Die Staatsräte werden sich im preußischen Staatsmini fterium versammeln, um von dort in feierlichem Zuge zur nenen Reichskanzlei zu marschieren, wo der Reichskanzler und die Reichsstatthalter eingeholt werden. Der Festzug geht dann weiter zum preußischen Ehrenmal Unter den Linden. Dort werden Reichskanzler Adolf Hitler und Ministerprä= niederlegen. Die eigentliche Eröffnungssigung wird im Beifident Göring Kränze für die toten Helden des Weltkrieges sein des Reichskanzlers und sämtlicher Reichsstatthalter in der Neuen Aula der Berliner Universität am Kaiser- FranzJoseph- Play stattfinden. Was ist Wahrheit? Die abgeschossenen litauischen Flieger ( Inpreß.) Die litauische Presse hat in den letzten Tagen wiederum eine scharfe Kampagne für die Einsetzung einer neuen Untersuchungsfommission zur Aufklärung des Falles des vor einiger Zeit abgestürzten amerifanisch- litauischen Flugzeuges entfaltet. Wie wir bereits früher meldeten, ist das Flugzeug vom deutschen Ueberwachungsdienst abgeschossen worden. Die Erregung in Litauen war so groß, daß der deutsche Gesandte, Dr. Zechlin, bei der Regierung erneut intervenierte. Ungarischer Csárda Auberge Hongroise 76, Rue Mazarine, Paris 6é Métro Odéon Wiener, Ungarische Küche Französische Spezialitäten Prix fix Menü 8.- francs einschl. Getränk. Auch a la Carte Ungarische Weine Musik jeden Abend Man spricht deutsch to be a t t be a zart pun Susan manouyen by 7'67'11 TL ( ,, a) Wo speist man gut und billig in Brüssel Restaurant à la Fourchette 22, rue St. Michel, 22. 1. Querstraße rechts vom Platz Brouckère. Diners u. Soupers à 6,00, 8,00 u. 10,00 Frs. 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Die bei uns bestellten Exemplare werden von der zweiten Auflage in etwa fünf bis acht Tagen erledigt. Erbauliches aus der Arbeitsfront. Ihr Beitrag ist für uns nicht geeignet. Er würde eher für ein Gewerkschaftsblatt passen. Bayonne. In Ihrer Stadt ist der General Camille Levi mit hohen Ehren beigesetzt worden. Es ehrt die französische Armee, daß ein Nichtarier und noch dazu mit solchem Namen General werden konnte. Vergessen wir aber nicht, daß vor kaum drei Jahrzehnten auch im französischen Heere antisemitische Tendenzen noch stark waren. Geben wir die Hoffnung nicht auf, daß auch die Deutschen von ihrem Rassenwahn noch geheilt werden. H. R., Kopenhagen. In Ihren Berichten fehlen die Namen und die Nummern der zitierten Zeitungen. Barcelona. Sie schreiben uns:„ Ein Bekannter von mir, ein Jude fragte neulich hier auf dem deutschen Konsulat, wenn er jetzt nach Deutschland fahre und dann wieder hierhin zu seiner Arbeit zurückreisen wolle, ob er dann den Sichtvermerk für die Ausreise bekommen werde. Die Antwort auf dem Konsulat war eine Frage. Der Jude wurde nämlich gefragt, wann die neue deutsche Reichsregierung ihr Amt angetreten habe. Als er den Monat Januar, aber nicht den genauen Tag nennen konnte, wurde ihm der Sicht vermerk verweigert mit den Worten:„ Holen Sie sich den Sicht vermerk bei den zuständigen Behörden in Deutschland, wenn Sie ein reines Gewissen haben." Sie fragen nun, ob das Konsulat das dürfe? Ja, lieber Freund, ein Beamter des dritten Reichs" darf gegen Juden, Marristen und andere Untermenschen alles. Sie scheinen sich noch immer in ganz veralteten liberalistischen Rechtsbegriffen zu bewegen. Kommen Sie nach Deutschland, und man wird Ihnen Ihren Rechtsfimmel schon austreiben, wenn Sie es überleben. Madrid. Wir nehmen davon Kenntnis, daß Sie sowohl in Madrid wie in Barcelona feststellen konnten, daß das Interesse für die " Deutsche Freiheit" wächst. Es wird alles geschehen, um unser Blatt noch weiter auszubauen. Gerade die Auslandsdeutschen sollen möglichst lückenlos über Deutschland unterrichtet werden, das ihnen und uns bleiben wird. Moskau. Der Austausch klappt. Das Material wird gelegentlich verwertet, auch auf die Gefahr hin, daß Ihr Saarbrücker Parteiblatt wieder einen Wutkoller bekommt. Sie sollten sich das Blatt ab und zu kommen lassen, damit Sie einen Begriff bekommen, was sich hier„ Politik" nennt. Frau Dr. S., Basel. Der saarländische Sozialistenführer Max Braun ist nicht Jude, sondern, soweit wir die Rassenkunde zu bes urteilen vermögen, Arier. Sein Name ist keine auf fünftige Gleich schaltung berechnete Tarnung, sondern ausweislich der Kirchenbücher und Standesämter echt. Die Rundfunkrede ist sehr begreiflich, da die Nazis bei ihrer Geistesverfassung jeden intelligenten und kultivierten Menschen für einen Juden zu halten geneigt sind. Glücklicherweise gibt es aber auch in Deutschland noch einige geistige Menschen, die nicht der jüdischen Rasse angehören. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b S.. Saarbrücken, Schüßenstraße 5. SCHWEIZ Der Abonnementsbetrag für die Deutsche Freiheit beträgt 1 Monat. 3 Monate 6 Monate 13 3,20 sfr. 9,60 sfr. ... 19,20 sfr. 12 Monate.... 38,40 sfr. einschließlich Zustellgebühr Wir bitten unsere Abonnenten, dafür Sorge zu tragen, daß der fällige Abonnementsbetrag bis spätestens zum 6. eines jeden Monats auf Postscheck Konto VIII 8713 Zürich ( Deutsche Freiheit) zur Einzahlung gelangt, um auch unsere Verpflichtungen prompt erfüllen zu können. 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