Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 68-1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 7. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Kanaille bleibt Kanaille und der Antisemitismus ist die Gesinnung dieser Kanaille. Es ist eine schauerliche Epidemie, wie die Cholera. Theodor Mommsen. Die Abrüstung hoffnungslos! Eiserner Ring um Deutschland- Die französisch- englisch- amerikanischen Verhandlungen Rußlands Anschluß an dic curopäischen Mächte? D. F. Der amerikanische Delegierte für die AbrüstungsKonferenz, Norman Davis, ist in Plymouth eingetroffen. Die Abrüstungsverhandlungen kommen zunächst inoffiziell wieder in Gang, um noch im Laufe dieses Monats in Genf offiziell fortgesetzt zu werden. Zwischen Paris und London werden seit Tagen eindringliche amtliche Erörterungen gepflogen, um zu einer Einigung gegen Deutschland zu tommen. Unter Hitlers in der Wirkung deutschfeindlicher Außenpolitik ist die Abrüstungskonferenz so gut wie hoffnungslos geworden. Hitlers gesuchten Friedensreden stehen die Märsche und Paraden halb militärisch organisierter Massen entgegen, die fast Sonntag für Sonntag zu großen Kundgebungen zusammengezogen werden. Etwas Aehnliches zeigt kein Volk Europas. Auch wenn diese Aufmärsche von einem anderen Geist erfüllt wären, als fie es tatsächlich sind, würden sie die Nachbarvölker beunruhigen. Zu den Märschen kommen aber Kriegsfanfaren von Unterführern des Reichskanzlers. Wurde schon die Niederwaldkundgebung, die doch auch für den wohlwollendsten Beurteiler die Front gegen Frankreich gerichtet hatte, von jedem vernünftigen Außenpolitiker als Deutschlands Interessen abträglich empfunden, so erregte die drohende Kriegsrede dez preußischen Staatsrats Simon europäisches Aufsehen. Bis zu dieser Stunde hat Staatsrat Simon seine Rede, die ein Eroberungsprogramm rings um die jeßigen Grenzen Deutschlands aufstellte, nicht dementiert. Auf schwächliche Ableugnungsversuche des Bundes der Saarvereine hat der Saarländische Sozialistenführer Max Braun in einer Form geantwortet, die eine gerichtliche Klärung herbeiführen sollte. Der nationalsozialistische preußische Staatsrat Simon schweigt weiter und die gleichgeschaltete Journalistik mit ihm. Nahezu hundert Zeugen find für das kriegerische Programm des Nationalsozialismus vorhanden. Die Alarmmeldungen in der europäischen Presse häufen fich. Die Nationalsozialisten und Stahlhelmer selbst liefern durch ihre militärischen Vorbereitungen das Material und die deutsche Rüstungsindustrie legt Wert darauf, der Welt in steigendem Maße Beweise über Aufrüstung vorzulegen. Auf diesem Boden der Tatsachen erwachsen dann Meldungen, wie die des„ Sunday Expreß": „ Hitler hat beschlossen, den polnischen Korridor an sich zu reißen, noch bevor das Jahr 1937 erreicht wird. Er hofft, bis 1936 eine geschlossene, scharf disziplinierte und triegsmäßig ausgebildete Armee von eineinhalb Mil lionen Mann zu seiner Verfügung zu haben." Um nur eine französische Zeitung zu nennen: Die Straßburger Neuesten Nachrichten" untersuchen die Frage, innerhalb welcher Fristen die des Aufrüstung friegsmäßige britten Reichs" auf einen Stand geführt sein kann, der es zum Losschlagen befähigt. Das Blatt meint, Deutschland habe den Vorteil, daß es kein überaltertes Kriegsmaterial befize. Was die Flugzeuge anbetreffe, so lasse die ultramoderne Type D. 700" alle be= fannten Kriegsmaschinen der modernen Luftmächte hinter sich. " „ Ein volles Jahr für die kriegsmäßige Bereitstellung rußland hat mit Polen freundschaftliche Beziehungen rußland hat mit Polen freundschaftliche Beziehungen angeknüpft. Hitlers würdelose Anbiederung an Pilsudski und die Unterwerfung der Danziger Nationalsozialisten unter Polens Ansprüche sind fruchtlos geblieben. In diesen Tagen ist der Abschluß des sowjetrussisch- italieni schen Freundschaftspattes gemeldet worden. Der russische Botschafter in Berlin, Tschinschuf, ist nach Rom gereist, um über Einzelheiten dieses Abkommens mit Mussolini zu konferieren. Während Hitler sich dem lächelnden Europa als der große athletische Bezwinger des Bolschewismus vorstellt, tauscht Hitlers Protektor, Herr Mussolini, den Freundschaftsvertrag mit ber bolschewistischen russischen Regierung aus und schüttelt dem bolschewistischen Botschafter bei der Regierung Hitler freundschaftlich die Hände. Mehr noch: Die Reise Tschinschuks hat anscheinend auch den Zweck, durch die Vermittlung Mussolinis die Aufnahme Sowjetrußlands in den Viermächtepatt vorzubereiten. Ja, man munkelt sogar, daß Herr Hitler, der furchtbare Bolschewistenschreck, sich in seiner Verlassenheit um einen deutsch russischen Nichtangriffspatt bemüht. Damit wäre dann die letzte innen- und außenpolitische These, erledigt, nämlich die des Bollwerks gegen den Bolschewismus, deren sich Hitler rühmt. In Holland, in der Schweiz, in der Tschecho= flowakei, in Rumänien, in Dänemart, in den skandinavischen Ländern, in Spanien: überall wächst und verschärft sich die Stimmung gegen Hitler Deutschland, gegen die Barbareien in diesem Deutschland, insbesondere gegen den Antisemitismus. Daß diese Stimmungen vielfach auch wirtschaftliche Hintergründe gegen Deutschland haben, macht sie noch gefährlicher. In Nordamerika hat das neue Deutschland in jeder Beziehung weithin verloren, in Mexiko und in Südamerika nicht minder. Der totale nationalsozialistische Staat hat also mit totaler außenpolitischer Unfähigkeit unser deutsches Land in die Totalität einer furchtbaren Vereinsamung hineingeführt. Während die Reichsregierung ihren blutigen Krieg gegen ihre Feinde im Innern führt, während sie die Schrumpfung der deutschen Wirtschaft durch verlogene Sigesberichte über den Stand der Arbeitsschlacht zu vertuschen sucht, während fie sich und das Volk durch Feste über Feste betäubt, siebt sich politisch, wirtschaftlich und geistig ein Ring um Deutschland, den nur ein freies Volk mit einer freien, starken und friedlichen Regierung sprengen fann. Rüstungskontrolle! 5 And 2 Wie wird sich England verhalten? Paris, 6. Sept. Die Pariser Presse berichtet überein stimmend aus London, daß nur der Unterstaatssekretär im Foreign Office Hauptmann Eden bei den Pariser Bes sprechungen England vertreten werde und daß diese lediglich die Abrüstungsfrage zum Gegenstand hätten. Der Londoner Korrespondent der Havasagentur hält es für unwahrs icheinlich, daß die englische Regierung ihre Ansicht über die automatische Rüstungs= kontrolle bereits geändert habe, obwohl fie durchblicken lasse, daß ein Entgegenkommen Frankreichs in der Abrüstung England zu Konzessionen in der Kontroll= frage veranlassen könnte. Im gleichen Sinne meldet„ Petit Parifien" aus London, Hauptmann Eden werde der frans zösischen Regierung erklären, daß die englische Regierung den französischen Vorschlag einer Rüstungskontrolle, die in einer halbjährlichen Investigation bestehe, nicht a priori abs lehne, jedoch näheren Aufschluß über die Anwendung des französischen Planes verlange und vor allem zu wissen wünsche, welche weiteren Konzeffionen Frankreich in der Abs rüstungsfrage zu machen bereit wäre, wenn sein Vorschlag einer obligatorischen periodischen Rüstungs= enquete angenommen würde. Der Korrespondent dieses Blattes hält es für wahrscheinlich, daß Norman Davis, von dem die französische Preffe behauptet, er habe die Au weisung seiner Regierung, den franzöfifchen Kontrollpina 31 unterstützen, und womöglich sogar ein Vertreter Italiens z den Besprechungen hinzugezogen werden. Ja oder nein? Die Frage an Deutschland Paris, 6. Sept. Das radikale„ Deuvre" schreibt: Wiri Deutschland ja oder nein dazu sagen, daß mili. tärische Fachleute für alle Waffengattungen in ihre Eigenschaft als Sachverständiger des Völker. bundes in Deutschland die Untersuchung durchführen, während deutsche Fachleute sich vergewissern, daß man weder in Frankreich noch in Polen, noch in den Vereinigten Staaten, noch sonstwo Angriffs vorbereitungen verberge? Ungarn soll uns retten Auch das wird Papen noch verekeln 91119 Berlin, 5. Sept. Wie von zuständiger Stelle zu Meldungen, die heute nachmittag aus Budapest vorlagen, mitgeteilt wird, trifft es zu, daß Vizekanzler von Papen beabsichtigt, im Herbst dieses Jahres der ungarischen Regierung einen offiziellen Besuch abzustatten. Der Termin für diese Reise des Vizekanzlers nach Budapest ist noch nicht bekannt. ES Hindenburg- Löbe anzunehmen, ist wahrscheinlich ein Fehlgriff, in Wirt: Wortbruch oder Ohnmacht des Reichspräsidenten? lichkeit wird mit einem früheren Termin gerechnet werden müssen." In Deutschland liebt man es, sich als die verfolgte Unschuld zu betrachten. In der Politik entscheiden aber nun einmal Tatsachen, zu denen auch die freundlichen oder unfreundlichen Stimmungen der Völker gehören. Untersuchen wir, welchen außenpolitischen Konstellationen sich Deutschland auf der Abrüstungskonferenz gegenübersteht: Es findet ein gewisses Wohlwollen bei Italien, allerdings das Wohlwollen eines Ueberlegenen, der je nach dem Verhalten seines Vasallen Lobsprüche oder Ohrfeigen ausSeit Monaten ist der langjährige deutsche Reichstags präsident und Politiker von Weltruf Paul Löbe durch die Reichsregierung seiner Freiheit beraubt. Der in vor gerückten Jahren stehende Mann arbeitet in einem Konzentrationslager unter dem Kommando von jungen SA.Leuten. Seine Gesundheit war schon seit Jahren schwach. Bei längerem Aufenthalt im Konzentrationslager sind schwerste gesundheitliche Störungen zu befürchten. In der begreiflichen Sorge um ihren Mann hat sich „ Ein Mann ein Wort." Aber Löbe ist noch immer eingesperrt, obwohl sich der Reichspräsident seit langen Wochen für seine Befreiung einsetzen wollte. Hat er wirklich an den Kanzler geschrieben? Was ist ihm geantwortet worden? Jst Hindenburg ohnmächtig gegenüber dem Reichskanzler oder der Reichskanzler ohnmächtig gegenüber Göring? Oder nimmt Hitler Rache an Löbe, teilt. Zu Oesterreich steht Deutschland in einem Ver- Frau Löbe vor einer Reihe von Wochen an den Reichs weil dieser sich sehr aktiv für die Wiederwahl Hinden hältnis, das nahe an den Kriegszustand grenzt. Das Vertrauen in England ist so gut wie ganz verloren. Das englische Volk beinahe ohne Ausnahme verabscheut die antisemitisch- germanistische Fraze, die ihm das neue Deutschland zeigt. Daß Frankreich bei aller äußeren Ruhe sich in einer antideutschen Stimmung bewegt, die sogar ernster und wachsamer ist als im Juli 1914, weiß alle Welt. Sowjetpräsidenten gewandt. Er hat ihr geantwortet: Ich bedauere die Verhaftung Ihres Gatten außer ordentlich. Sie können versichert sein, daß ich nach wie or feinen 3weifel an der Integrität des Herrn Löbe habe. Ich habe mich für die Freis laffung mit dem Herrn Reichskanzler in Verbindung gesezt, burgs eingesetzt hat? Beinliche Fragen für das deutsche Regierungssystem und seine führenden Männer. Löbe mag als Märtyrer im Konzentrationslager zusammenbrechen. Er ist und bleibt ein Ehrenmann, aber was sind die anderen? Deutschland und Italien Eine sehr kritische Untersuchung Die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien werden soeben in einem Fleinen Werk untersucht; trotz der Freundschaftsbeteuerungen für Deutschland, die auf jeder Seite wiederholt werden, kann man es als einen ersten Alarmruf betrachten, den ein Italiener vor gewissen Gefahren, die die Naziherrschaft mit sich bringen könnte, ausstößt. i Wie der Verfasser, Herr Giovanucci sagt, ist dieses Buch„ Hitlerdeutschland und Italien" im vergangenen Mat geschrieben worden; es findet im Buchhandel riesigen Abjazz. Der Berfasser schreibt, daß das Erwachen Deutschlande für Italien durch das Beispiel, das Italien gegeben hat, ein Grund zum Stolz" sein kann, aber, so fügt er hinzu, das dürfe es in feiner Weise blind machen. Es müsse im Gegenteil Italien zum Nachdenken bringen. Es ist in der Tat die rassische Einheit, die die Grundlage des nationalsozialisti schen Programmes darstellt und die auf feinen einzigen Deutschen der Tschechoslowakei, des Elsaß, Polens, Lothringens und der Nachfolgestaaten des ehemaligen Oesterreich" also auch Italiens, Verzicht leisten will. Das faschistische Italien konnte die herzlichsten Beziehungen zu der Nationalsozialistischen Partei haben, solange diese in der Oppofition blieb, aber es ist klar, daß ihre Stellung zu uns sich vollkommen gewandelt hat, feit fie die einzige Regierungspartet geworden ist. Logischerweise müssen mir unser Urteil revidieren. „ Man kann sich fragen, was Deutschland uns gegeben hat, oder was es uns bis jetzt im Ernst versprochen hat; Worte und Phantasien, aber nichts Wirkliches, wenn man von der Befriedigung unserer schlechtesten Eigenschaft absteht: unserer nationalen Eitelkeit." Dagegen ist die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung, die Italien Deutschland geleistet hat, außerordentlich groß" gewesen, und vom internationalen Standpunkt au hat Italien seit vielen Jahren- wer auch immer Deutschland vertrat, Stresemann, Brüning oder von Papen zu der teilweisen Verwirklichung des Hitlerprogrammes beigetragen, in Fällen, wo, wie in Lausanne, Deutschland vollkommen isoliert und vielleicht jeder Hoffnung beraubt war, seine materiellen und moralischen Bedingungen zu mildern". In einem Wort: Italien hat alles gegeben, ohne irgendetwas zu empfangen. In Deutschland nimmt man die Italiener nicht ernst"; man antwortet ihnen, daß Italien durch sein Entgegenkom. men heute nicht mehr allein dasteht. Der Deutsche will nicht an die bürgerliche und politische Gleichwertigkeit taltens glauben. Das Programm Hitlers würde, wenn seine 25 Punkte verwirklicht werden würden, einen moralischen und materiellen Block Europas- eine Einheitsfront genen die Hitlerpartei" rechtfertigen. Aber der kritischste Punkt in den deutschitalienischen Besiehungen ist der des Anschlusses, der für Jialien eine Lebensfrage bedeutet. Wenn Osterreich von Deutschland abhängig werden würde, so witcbe das für uns den Krieg bedeuten den Krieg des Beils". Es bleibt noch das Südtirolproblem. Bon Herrn Hitler ist es offiziell niemals vor seinem Volke angeschnitten 10rden, aber ich weiß, was für Erklärungen und was für per sönliche Versicherungen er gegeben hat, bevor er zur Macht tam und vielleicht auch später". Dänischer Protest Dänemarks Ministerpräsident wendet sich gegen die nationalsozialistischen Umtriebe in Schleswig Ministerpräsident Stauning hat an einer großen poli- geblich wäre, denn der Wille des dänische n tischen Kundgebung in Haderslew( Süd- Jütland) teilgenom Boltes werbe jeben berartigen Versuch zum Boltes werbe jeben berartigen Bersuch um men. Er hielt eine Ansprache, in der er sich mit der Hit Terpropaganda augunsten einer Grenarevi fton befaßte. Nachdem er ausgeführt hatte, daß er nicht glaube, daß das Glück des Volkes durch irgend eine Diktatur erreicht werden könne, betonte er, daß, wenn Dänemark anderen Völkern das Recht zuerkenne, ihre eigene Regierungsform zu wählen, man nicht vergessen dürfe, daß es dem Wesen nach ein demokratisches Land bleiben wolle.i Würde sich jemand bemühen, eine Veränderung unserer Ronstitution anzustreben, fügt der Redner hinzu, so dürfe er fich schnell klar werden, daß ein solches Unterfangen ver Scheitern bringen. Niemals werden die Dänen mit Maschinengewehren, noch durch eine Polizei besonderer Art, noch durch eine Führergruppe, die sich auf eine Soldateska stützt, regiert werden. Wenn aus Abenteuerlust verschiedene Elemente mit Hilfe des Auslandes zugunsten einer Grenzrevision Machenschaften anzetteln, oder wenn sie gewaltsam sich auch nur der kleinsten Parzelle unseres Landes zu bemächtigen suchen, so werben ste sich unmittelbar dahin belehrt sehen, daß eine derartige Unternehmung absolut unmöglich ist. Sturm auf die Generalsynode Auszug der Opposition nach bewegten Szenen Am Dienstag tagte in Berlin die preußische Generalfynode der Evangelischen Kirche, die ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Deutschen Christen" stand. Der angenommene Arier Pargraph enthält die Bestimmung: als Geistlicher oder Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung dürfe nur berufen werden, wer die für seine Laufbahn vorgeschriebene Vorbildung befiße und rückhalte los für den nationalen Staat und die Deutsche Evange lische Kirche eintrete. Wer nichtarischer Abstammung oder mit einer Person nichtarischer Abstammung ver heiratet sei, dürfe nicht als Geistlicher und Beamter der allgemeinen firchlichen Verwaltung berufen werden. Geistliche und Beamte arischer Abstammung, die mit einer Per fon nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, seien zu entlaffen. brüderliche Zusammenarbeit gewährleistet werde. In dieser Hoffnung fei man enttäuscht worden. Bei wichtigen Wahlen habe man die Grundsäße der Verhältniswahl nicht angewandt. Auch bei der Beschlußfassung über das Beamten gefeß, das die Grundsätze des staatlichen Beamtenrechts auf die Kirche übertrage, entstehe die Frage, ob hier nicht der dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses verletzt werde. Nach dieser Erklärung verließ die Gruppe" Evangelium und Kirche" d geschlossen den Saal, nachdem es schon im Verlaufe der vorausgegangenen Debatten über die Errichtung der Landesbistümer und über ben Unter starker Spannung der Versammlung gab Präses teilweise scharfen Zusammenstößen gekommen und von seiten D. Koch im Namen der Gruppe„ Evangelium und Kirche" eine Erklärung ab. Seine Gruppe sei zu der Generalsynode gekommen in der Hoffnung, daß ein endgültiger Schlußstrich unter die Ereignisse der letzten Monate gezogen und eine alecersy doon ng baw buA 30000 Häuser überschwemmt Ein Taifun, der über die westliche Hälfte von Tokio fegte, überschwemmte über 30 000 Häuser in Osaka und über 1000 in Tokio. Eine große Anzahl von Fischerbooten wurde zerstört. Der Taifun brachte eine merkliche Abkühlung, nachdem die Hiße die höchste Temperatur feit 40 Jahren erreicht hatte. 23 Tote Schweres Eisenbahnunglück im Staate Neuyork Binghamton( Neuyork), 6. Sept. Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich hier ereignet. In voller Ges schwindigkeit fuhr ein Güterzug auf einen Personenzug auf. Die letzten beiden Wagen des Personenzuges sind vollkom men zertrümmert. Soweit man bisher übersehen kann, hat dieses Unglück 28 Tote und weit über 100 Berlegte gekostet. Dollfuẞ greift durch! de Er schlägt sie mit ihren eigenen Waffen! Rodistol Bien, 5. September. Eine neue, heute in Kraft getretene Notverordnung, die fich wiederum gegen die Nationalsozialisten richtet, sieht vor, daß der Kostenerfaz für außerordentliche Sicherheitsmaß nahmen wie Heranziehung von Hilfsmaßnahmen, Trans port- und Reiseanslagen und Unterbringungskosten denje: nigen Personen auferlegt werden kann, welche diese Maßnahmen verursacht oder gefördert haben. Die Verordnung billigt auch die von den Unterbehörden schon lange gefor: derte Aufstellung von sogenannten Pugscharen", in die be= liebige Personen an Stelle der wirklichen Täter gezwungen werden können, gemalte Hakenkreuze, Aufschriften usw. zu entfernen. Weigern sich die Personen, einem Befehl nachs zukommen, so werden sie mit Arrest bestraft! disid Arierparagraphen zu heftigen Auseinandersehungen und der Deutschen Christen" die Forderung erhoben worden war, Präses D. Koch aus dem Saal zu weisen.- Die Gesetzentwürfe wurden mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Schluß des Zionistenkongresses Der 18. Zionistenkongreß hat seine Arbeiten beendet. Bei den Neuwahlen für die Exekutive wurde Nahum Sokolow zum Präsidenten gewählt, Dr. Weizmann wurde beauftragt, die Arbeiten zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina im Einverständnis mit der Erefutive au leiten. Englands Arbeitslosenzahl Die Zahl der Arbeitslosen in England hat am 21. Auguft mit insgesamt 1843 517 um 81 088 gegenüber dem Bormonat abgenommen. Der Rückgang gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres beträgt 448 601. Verurteilung eines Zentrumsjournalisten Der ehemalige Chefredakteur des Wiesbadener Zentrumsblattes, Dr. Geute, wurde wegen Beleidigung des Reichskanzlers und der Reichsflagge, die er in einem Zotal äußerte, zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten ver urteilt. Normann Davis, der amerikanische Delegierte für die Abs rüftungskonferenz, ist in Plymouth eingetroffen. Das Luftschiff„ Graf Zeppelin" ift Dienstag nachmittag in Pernambuco gelandet. Bei dem kürzlichen Orkan in der Umgebung von Cristobal auf Stuba kamen etwa 300 Menfchen um. Durch die vorzeitige Explosion einer Feuerwerksrakete in Teramo( Abruzzen) erlitten 6 Arbeiter schwere Verlegungen. Der Hochschüler Josef Robin and London, ber feit bem 26. Auguft verschollen war, wurde gestern zwischen dem eis wandspit und dem Naßfeld etwa 50 Meter tief in einer elas wand von einer Rettungsexpedition als Leiche geborgen, Italien und die Sowjets Paris, 6, Sept. Der„ Temps" schreibt: Raum ist der italienisch- russische Nichtangriffspakt geschlossen, und schon meldet man, daß sich Herr Tschintschut, der Botschafter der USRR. in Berlin, von neuem nach Rom begibt, um sich mit den faschistischen Stellen in Verbindung zu setzen und unter Umständen mit Mussolini zu verhandeln. Ist dieser Schritt auf eine Anregung Moskaus zurückzuführen, oder ist er von der italienischen Regierung veranlaßt worden? Jedens falls steht fest, daß die über diesen Gegenstand veröffentlichten Mitteilungen kein Geheimnis daraus machen, daß Herr Tichintschuk die Absicht hat, die Frage der Beziehungen zwischen Berlin und Moskau zu erörtern, eine Frage, die offensichtlich die Diktatoren des Kreml lebhaft be: schäftigt. Es ist möglich, daß die Sowjetpolitiker sich des italienischen Einflusses in Berlin bedienen wollen, um zu versuchen, die Bedrohung, welche Hitlerdeutschland für die Sowjetunion darstellt, zu beseitigen; es ist auch wahrschein lich, daß es Italien nicht mißfällt, zwischen Deutschland und Rußland die Vermittlerrolle zu spielen, die sie, allerdings ohne bis heute wirkliche Ergebnisse zu erzielen, zwischen Defterreich und Deutschland zu spielen sich bemüht. Das alles paßt gut in den Rahmen Prestigepolitit, welche für die ganze Wirksamkeit des Duce charakteristisch ist.. Durch den Patt gibt Italien Rußland die formelle Zus ficherung, daß der Viererpaft, im Gegensatz zu den anfänglichen russischen Vermutungen, nicht gegen die Sowjetunion gerichtet ist und nicht einen Nat der Großmächte unter Ausschluß Moskaus und gegebenenfalls gegen Moskau bilden foll. Außerdem wird durch den Artikel, der die gegenseitige Berpflichtung feststellt, in feinem Fall zu den Waffen zu greifen, sei es allein oder sei es im Bündnis mit einer dritten Macht, wie durch den Artikel, der die beobachtende Neutralität in einem Konflikt der vertragschließenden Parteien mit cinem andern Staat definiert, die Möglichkeit ausgeschaltet, daß Italien gegen Rußland Stellung nimmt, z. B. im Falle eines Krieges zwischen der Sowjetunion und Deutschland oder bei einem ruffisch- japanischen Zusammenstoß. Italien gibt also nicht allein formelle Zusicherungen, die geeignet find, die Besorgnisse auszuräumen, welche die italienisch- deutsche Freundschaft in Moskan erregt, sondern es bekräftigt auch die Unabhängigkeit seiner Politik gegenüber dem Hitler: reich, was nicht ohne Bedeutung für die allgemeine europäische Politik ift. Zweite Zweite Revolution in Kuba Neuyork, 5. September. Wie aus Havanna gemeldet wird, ist in der kubanischen Armee eine Revolte ausgebrochen, an der sich sowohl Mannschaften als auch die niederen Chargen beteiligen. Die Men: terer stehen unter der Führung eines Sergeanten namens Batista. Die Studenten und die niederen Chargen der Marine haben fich den Meuterern angeschlossen, die in Ha= vanna an den die Stadt beherrschenden Punkten, besonders an den Straßeneden, Maschinengewehre in Stellung ge= bracht haben. Die Offiziere sind von den Aufständischen ge= fangen genommen worden. Wie man hört, beabsichtigen die Menterer, eine linksradikale Regierung einzusezen. Es besteht die Möglichkeit, daß die Regierung der Bereinigten Staaten von der kubanischen Regierung um Hilfeleistung gebeten wird. Havanna, 5. September. Eine ans 19 Mitgliedern bestehende revolutionäre Junta hat einen Bollzugsausschuß von fünf Mitgliedern mit der Aufgabe betraut, die fubanische Regierung bis auf weiteres zu übernehmen. Die Beauftragten begaben sich in den Pas laft des Präsidenten, um Gespedes davon zu unterrichten, daß die Verwaltungsgeschäfte auf sie übergegangen seien. * Washington, 5. Sept. Staatssekretär Hull hat ange= ordnet, daß ein amerikanischer 10 000- Tonnen- Kreuzer und drei Zerstörer sofort nach Kuba auslaufen sollen zum Schut und Eigentum der dortigen amerikanischen Staatsangehörigen. Aus Havanna wird gemeldet: Der provisorische Präs fident Decespedes ist zurückgetreten. Der Sergeant Batista wurde zum Kommandeur der Armee ernannt, deren Offi: ziere verhaftet wurden.- Vier Mitglieder der Geheim: polizei Machados wurden gestern vom Pöbel ermordet. Um Spaniens Regierung Das republikanisch- sozialistische Kabinett gefährdet? Paris, 6. Sept.„ Journal" meldet aus Madrid, die Lage der Regierung scheine nach den Wahlen vom Sonntag äußerst gefährdet zu sein. Die Blätter stellen übereinstimmend feft, daß von den 60 000 Stimmen für den Gerichtshof betreffend die verfassungsmäßigen Garantien 33 000 gegen die Regie: rungskandidaten abgegeben wurden. Es ist erwiesen, daß ein Abgleiten nach rechts fich bemerkbar macht. Der Innens minister hat, als er den Journalisten die legten Wahlergeb nisse mitteilte, die Niederlage des Regierungsfozialismus zugegeben. Ministerpräsident Azana wird in den politischen Kreisen besonders heftig angegriffen. Kundgebung gegen Hakenkreuz Paris, 6. Sept. In Toulon versuchte gestern, wie Havas berichtet, die Menge dagegen zu demonstrieren, daß der Hamburger Frachtdampfer„ Norburg", der mit einer Ladung Pflastersteine für die Stadt Toulon eingelaufen ist, am Großmast die Hakenkreuzfahne gehißt hatte. Die Demons stranten verlangten die Niederholung der Flagge. Polizei griff ein und seßte der Menge auseinander, daß die Hakenfreuzflagge von Frankreich und allen übrigen Mächten offiziell anerkannt worden sei, Hierauf gingen die Demons stranten auseinander. Das Polizeiaufgebot am Hafenkai wurde jedoch vorsichtshalber verstärkt. Acht Sowjetfunktionäre tot Mo 3f a u, 5. Sept.( TU.) Am Dienstag stürzte bei Moskau ein schweres Bombenflugzeug ab, in dem sich der stellvertreterbe Kommissar für Schwerindustrie, Baranow, der anßerordentliche Kommissar für den Ausbau des Flugzeugs wesens, Golomann, der Generaldirektor der russischen staatlichen Flugzeugwerke, Gorbunow, das Mitglied des Staatsplankomitees der Sowjetunion, Sarsar und vier Begleiter befanden. Alle acht Insassen sind tot. Baranow war früher Chef der russischen Militärfliegerei. Sarjar befehligte das russische Fluggeschwader bei seinem Flug Moskau- Peking- Moskau. Amtlich wird als Grund des Unglücs ein Fehler am Motor angegeben. Wird Irland faschistisch? Der Kampf de Valeras gegen die Blauhemden Man schreibt uns aus Dublin: Auch in Jrland, das formal immer noch zum britischen Weltreich gehört, wenn auch praktisch davon nicht mehr viel zu merken ist, erhebt der Faschismus sein Haupt. Daß die jüngsten Ereignisse in Irland auf dem Kontinent nicht so sehr beachtet wurden, ist verständlich. Dort bewegen größere und wichtigere Fragen die Gemüter, als der Kampf zwischen Fa schismus und einer höchst zweifelhaften kleinbürgerlichen Demokratie im unbedeutenden, dünn bevölkerten Irland. Und doch sollte man die Augen auch vor Ereignissen nicht erschließen, die nicht gerade sensationell sind. In Irland besteht eine ernsthafte faschistische Gefahr. Ein entlassener Polizeikommandeur, General O'Duffy, hat aus ehemaligen Reservistenvereinigungen und aus abenteuerluftiger Jugend eine Privatarmee geschaffen, die Frische Nationalgarde. Die Uniform ist nicht schwarz und nicht braun, sondern ein blaues Hemd. Diese Privatarmee ererziert, veranstaltet Aufmärsche und Demonstrationen und soll wie bisher noch jede faschistische Privatarmee die Bevölkerung durch Einschüchterung gewinnen. Das Programm O'Duffys ist typisch faschistisch: Die Parteien sollen beseitigt werden, auch die rechtsbürgerlichen Parteien, die auch heute noch O'Duffy umschmeicheln; die parlamentarische Demokratie sei unirisch und daher durch einen ständischen Aufbau zu ersetzen; regiert werden müſſe von oben nach unten und nicht von unten nach oben; das Eigentum müsse vor der„ kommunistischen Gefahr" geschützt werden; die wahre Freiheit liege in dem Gehorsam gegen einen Staat, der die altirischen Tugenden wieder zur Geltung bringen solle. Also all die wohlbekannten faschistischen Phrasen, wobei O'Duffy natürlich weiter nicht stört, daß es in Irland überhaupt keine„ kommunistische Gefahr" gibt die Kommunisten haben im Parlament keinen einzigen Abgeordneten und im Lande keine nennenswerte Organisation schistenhäuptling stützt sich bei seinen Warnungsrufen auf gewisse agrarkommunistische Tendenzen kleinbürgerlicher Art im verelendeten Kleinbauerntum. Anfangs predigte O'Duffy auch den Antisemitis mn 8, obgleich es in Irland kaum Juden gibt; inzwischen hat er diesen Programmpunkt widerrufen, wahrscheinlich mit Rüdficht auf die öffentliche Meinung in England, die auf den Hitlerschen Antisemitismus bereits sehr stark reagiert hat. Nur in drei Punkten unterscheidet sich der irische Fa Tchismus vom italienischen und deutschen. Er stellt einmal den Kampf gegen die marristische Arbeiterschaft nicht in den Vordergrund nicht etwa aus Arbeiterfreundlichkeit, sondern weil es in dem agrarischen Irland überhaupt feine nennenswerte Arbeiterschaft und nur schwache Arbeiterorganisationen gibt; margistischen Kommunismus gibt es so gut wie überhaupt nicht, und die Frische Labour Party ist nur schwach und zudem mehr eine reformistische Gewerkschaftspartei als eine revolutionäre sozialistische Partei. Diese aus der ökonomischen Struktur Irlands herrührenden Umstände bringen es mit sich, daß der irische Faschismus seinen Hauptfeind nicht in der Arbeiterbewegung sieht, fondern in dem armen, verelendeten Kleinbürgertum und Kleinbauerntum, das zu wenig Land besitzt oder gepachtet hat. Dieses Kleinbauerntum und Kleinbürgertum bildet den größten Teil des irischen Volkes und sieht seine politische Vertretung in der heute regierenden Republikanischen Partei de Valeras. Hier liegen auch die Ursachen für die beiden anderen Verschiedenheiten des irischen Faschismus im Gegensatz zum italienisch- deutschen: der irische Faschismus fämpft nicht für wirtschaftliche Autarkie, sondern für engere Fontamara Wirtschaftsbeziehungen mit England; und der irische Faschismus ist politisch nicht in dem Maße nationalistisch, wie die Regierung de Valera, sondern wünscht eine politische Verständigung mit England. Diese Besonderheiten des irischen Faschismus sind aus der irischen Geschichte und der aus ihr resultierenden Wirtschaftsentwicklung zu erklären. Die zum Teil sehr fruchtbare Insel Irland wurde schon frühzeitig von England erobert, die einheimische Bevölferung wurde unterdrückt und ausgebeutet, wie selten Menschen ausgebeutet wurden. In Nordirland wurden die eingesessenen Bauern verjagt und ihr Land protestantischen Siedlern aus Schottland( die Iren sind fanatische Katholiken) geschenkt; dieser Teil der Insel, die Provinz Ulster, wurde dann zum Stützpunkt der englischen Herrschaft in Fr land. Im übrigen Teil der Insel wurde das Land englischen Feudalherren gegeben, die die Bauern entweder ganz vertrieben und das Land zur Schafweide und zum Jagdgrund machten, oder die die einst selbständigen irischen Bauern zu hart geplagten, schwer fronenden Pächtern machten. Auch im Handwerk und Handel wurden englische Einwanderere be= vorzugt, das Aufkommen einer eigenen Industrie wurde gänzlich verhindert, zu den Universitäten hatten die tatholischen Fren überhaupt keinen Zugang. So wurde das irische Volk ins Elend oder in die Auswanderung getrieben. Vor etwa hundert Jahren begann unter liberalem Einfluß ein Umschwung in der englischen Politik. Katholiken wurden gleichberechtigt, die Pachtzinsen wurden herabgesetzt, irische Bauern erhielten Land zum Eigentum. Die irische Selbstverwaltung aber konnte trotz einiger Versuche liberaler Regierungen( Gladstone, Asquith) nicht durchgesetzt werden. Die englischen Konservativen und die protestantischen reaktionären Ulfterleute verhinderten es unter Gewaltandrohungen, wobei bei den Ulsterleuten nicht nur religiöse Motive maßgebend waren, sondern mindestens so sehr auch wirtschaftliche; Ulster ist nämlich das einzige kapitalistisch entwickelte Industriegebiet in Irland, und die dort regierenden Rapitalisten fürchteten, in einer irischen Republik von einer antikapitalistischen kleinbäuerlich- kleinbürgerlichen Mehrheit ausgeplündert" zu werden. Als schließlich 1921 doch die irische Republik geschaffen wurde, blieb Ulster ausgeschlossen. Bei Friedensschluß zwischen England und Irland- nach einer Periode jahrzehntelangen blutigen Kleinkrieges verstand die englische Regierung geschickt, die inneririschen Gegenfäße auszunuzen. Sie schloß den Frieden mit den konservativen Elementen der Frischen Nationalpartei unter Cosgrave, die fich auf die wohlhabenden Bauern und Bürger stützte, also auf die Kreise des Befizzes. Diese Kreise waren froh, mit England Frieden schließen zu können und so von der ihnen peinlichen Bundesgenossenschaft mit den proletarisierten Kleinbauern und Kleinbürgern, die unter de Valeras Führung standen, loszukommen. Cosgrave bewilligte England nicht nur einen Treueid der irischen Abgeordneten für den englischen König, er bewilligte auch eine dauernde Zahlung an England als Abfindung für die ihrer Rechte" verlustig gegangenen englischen Großgrundbesizer. Kaum war der Friede geschlossen, da brach auch schon der Bürgerkrieg in Irland aus. De Valera suchte Cosgrave mit Gewalt zu stürzen, die Frische Republikanische Armee, JRA. genannt, die aus den Freischärlern des Guerillakrieges gegen England gebildet war, war dabei seine Kampftruppe. Aber de Valera wurde geschlagen, er zog sich grollend zurück und nahm mit seiner Partei auch nicht die Parlamentasize ein, da er den Treueid nicht leisten wollte. Doch plötzlich besann er sich eines anderen, er leistete den Eid und fämpfte nun mit den Waffen der Demokratie, dabei freilich ständig gestützt und oft auch vorwärts getrieben von der in eine bewaffnete politische Kampftruppe umgewandelten JAR. Er fand rasch Zulauf aus den verelendeten Schichten. Nun griff Cosgrave Er sprach. Aber niemand verstand ihn. Niemand begriff, worauf man eine neue Steuer gelegt hatte, worauf man überhaupt noch eine neue Steuer hätte legen können. Endlich hörte der Stadtmensch zu sprechen auf. Er wandte sich, weil ich am nächsten stand, zu mir und hielt mir einen ROMAN VON IGNAZIO SILONE weißen Bogen hin, gab mir einen Bleistift und sagte: 3 Marietta Sorcanera war selber da und versperrte die Türe der Wirtschaft mit ihrer riesigen Schwangerschaft, der britten oder vierten, seitdem ihr Mann im Kriege gefallen war. Er hatte ihr eine silberne Medaille und eine Pension Hinterlassen, aber nicht die drei oder vier Schwangerschaften. Die Sorcanera soll jedoch in der Nachkriegszeit, auf Grund des Ruhmes ihres Seligen, oft mit Personen von Stand zu tun gehabt haben. Einmal, bei einer würdigen patriotischen Feier in der Kreisstadt, hat sie an der Seite des Bischofs präsidiert. Damals war sie vor ihrer zweiten Niederkunft. In diesem Zustand hat sie immer unanständig und auffallend gewirkt. Der Bischof, der scharfe Augen hatte, fragte: „ Sie haben wohl wieder geheiratet, meine Liebe?" Sie verneinte. Der Bischof, sagt man, spielte dann erstaunt auf ihren Umfang an und Marietta, nicht darauf gefaßt, fand nur die Antwort:„ Ein Andenken des Helden." Die Wirtin wußte also mit Standespersonen umzugehen. Daher lud sie den Fremden auch sogleich ein, sich an den Tisch zu setzen. Jener zog große Bogen aus der Tasche und legte sie vor sich hin. Als wir die Bogen saben, waren wir unseren letzten Zweifel los. Die Bogen waren da, die neuen Steuerbogen. Blieb nur noch die Frage: welche Steuer? Da fing der Fremde auch schon zu sprechen an. Wir erkannten sofort den Städter. Von dem vielen, das er redete, verstanden wir wenig. Es gelang uns nicht, herauszufinden, um welche Steuer es sich handelte. Da standen wir mit unseren Werkzeugen, den Hacken, den Karsten, den Schaufeln, der Schwefelspriße und mit Jacobo Losurdos Eselin. Es war spät geworden. Einige gingen weg. Venerdi Santo, Giacinto und Papisisto gingen. Baldovino Sciarappa und Antonio Ranocchia hörten dem Gerede des Stadtmenschen noch etwas zu, dann gingen auch sie. Jacobo Losurdo wollte noch bleiben, aber die Eselin zwang auch ihn zum Aufbruch. So waren wir mit dem Städter schließlich nur noch vier. ,, Unterschreib!" Warum unterschreiben? Wofür die Unterschrift? Von seinem ganzen Redeschwall hatte ich keine zehn Worte ver= standen. Aber wenn ich auch alles verstanden hätte, warum hätte ich unterschreiben sollen? Der Stadtmensch wandte sich an den Cafone neben mir, schob ihm das Blatt zu, hielt ihm den Bleistift hin und sagte: „ Unterschreib!" Auch der rührte sich nicht. Der Stadtmensch wandte sich an den dritten Gafone, schob ihm das Blatt zu, hielt ihm den Bleistift hin und sagte: „ Unterschreib! Fang du an... Nach dir werden auch die andern unterschreiben...!" Es war, als hätte er an die Wand geredet. Niemand rührte sich. Wenn wir doch nicht wußten, worum es sich handelte, wozu dann unterschreiben? Der Städter geriet außer sich. Der Ton seiner Stimme schien uns beleidigend. Er vermied jedoch von Steuern zu sprechen. Wir warteten gespannt darauf, aber er sprach von anderem. Plötzlich griff er nach der Reitpeitsche, die an der Lenkstange seines Rades hing und begann damit herumzufuchteln, daß er beinahe mein Gesicht streifte. „ Sprich, sprich!," schrie er, Hund du, verdammter! Warum sprichst du nicht?... Warum willst du nicht unterschreiben?" Ich machte ihm begreiflich, daß wir keine Idioten seien. Ich machte ihm begreiflich, daß sein ganzes Geschwäß uns davon nicht abbringen könne, daß es sich um eine neue Steuer handle. „ Wir haben verstanden," antwortete ich.„ Nur zu genau haben wir verstanden. Aber zahlen, zahlen werden wir nicht. Wir haben schon eine Steuer für das Haus, eine für den Weinberg, eine für den Esel, eine für den Hund, eine für die Weide, eine für das Schwein, eine für den Karren, eine für den Wein. Das genügt. Worauf wollt ihr denn noch Steuern legen?" Er schaute mich an, als hätte ich chinesisch geredet. Wir sprechen und verstehen uns nicht," zur Gewalt. Er wollte die ihm bedrohlich erscheinende JRA. und damit indirekt de Valera treffen. Er peitschte ein Sondergesetz durch, wonach jede Organisation verboten werden fonnte, wonach die Pressefreiheit in gewissem Umfange eingeschränkt werden konnte und wonach Militärgerichte mit unbeschränkter Strafgewalt von Geldstrafen bis zur Todesstrafe- eingesetzt werden konnten. De Valera kämpfte leidenschaftlich gegen dieses faschistische Gesetz im Namen der Demokratie. Es kam zu Wahlen. De Valera siegte. Mit Hilfe der kleinen Labour Party konnte er regieren. In einer zweiten Wahl machte er sich auch von der Labour Party unabhängig. Aber nun, wo er in der Macht war, hob er nicht etwa das Terrorgesetz auf, freilich wandte er es zunächst auch nicht an. Er begann vielmehr seinen Kampf gegen England. De Balera kündigte einseitig den Treneid auf, er vers weigerte auch weitere Zahlungen an England. Und er ar: beitete wirtschaftlich auf Autarkie hin. England antwortete mit einer Sperre gegen irische Waren. Das traf in erster Linie die besser gestellten Bauern, die bisher Vieh und Gemüse nach England ausgeführt hatten. Und hier liegt die Wurzel des irischen Faschismus. Da das Großbauerntum und das mit ihm verbündete besitzende Bürgertum fürchtet, auf demokratischem Wege de Valera nicht mehr loszuwerden und dadurch die englischen Märkte nicht wiedergewinnen zu können, warf es sich dem Faschismus in die Arme; und deshalb ist der irische Faschismus nicht so natio= nalistisch, sondern sucht die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit England. In O'Duffy fand das Großbauern- und Bürgertum den Organisator, der die Wirts schaftsinteressen hinter idealistischen Phrasen zu verbergen versteht. De Valera wehrt sich mit Energie gegen O'Duffys Faschiss mus. Er hat das von ihm einst so befehdete Sondergesetz Cosgraves aus der Schublade herausgeholt und wendet es nun gegen O'Duffy, hinter dem sich Cosgrave verbirgt, an. Die Blauhemdenarmee wurde verboten, nachdem sie sich um spezielle Verbote von Aufmärschen nicht gekümmert hatte, alle Rundgebungen O'Duffys sind gleichfalls verboten, aus der JRA. wird eine Hilfspolizei rekrutiert, das Kriegsgericht mit unbegrenzter Strafvollmacht ist eingesetzt und be= steht aus Offizieren der irischen Armee. De Valera bekämpft den Faschismus mit den Waffen des Faschismus. Freilich ist die Demokratie de Valera auch kaum Herzenssache. O'Duffy stellt sich harmlos, und mimt, wie einst Hitler, den Legalen. De Valera fragt mit Recht, warum er dann eine Privatarmee aufstelle, es gäbe zwar Wölfe im Schafspela, aber von einem Schaf im Wolfspelz habe man noch nichts gehört. Die nächste Zeit muß erweisen, ob de Valera die Verwals tung der Polizei feft genug in der Hand hat, um den Kampf durchzuführen. Vorläufig hält er sich noch zurück, da er nach Möglichkeit vermeiden möchte, Märtyrer zu schaffen, die in der blutigen Geschichte Irlands eine so große Rolle spielen. Die JRA. ist ein Fragezeichen, sie unterstüßt zwar vorläufig de Valera, aber er ist ihr noch zu gemäßigt, und sie liebäugelt auch start mit antiparlamentarischen Jdeen, nur daß fie der Großbauern- und Großbürgerdiftatur O'Duffy eine Kleinbauernentgegensetzen und Kleinbürger- Diktatur möchte. Die Arbeiterklasse zählt ja in Irland nicht als Macht. Wird Irland nun zur Beute des offenen oder versteckten Faschismus werden? Und welchen Charakter wird dieser Faschismus haben? Steht dem vielgeprüften Land eine neue Periode blutigen Bürgerkrieges bevor? Jedenfalls ist das nicht fapitalistische Irland in den Strudel der kapitalistischen Krise gerissen worden. sagte er entmutigt.„ Wir sprechen die gleiche Sprache und sprechen sie doch nicht." Das stimmte. Ein Städter und ein Cafone können sich nicht verstehen. Und wenn er sprach, sprach er als Städter und konnte nicht aufhören, ein Städter zu sein, er konnte nur als Bürger sprechen. Aber wir waren Cafoni, wir verstanden alles als Cafoni, das heißt auf unsere Art. Tausendmal habe ich dies in meinem Leben erfahren: Städter und Casoni sind zwei ganz verschiedene Dinge. In meiner Jugend bin ich in Argentinien gewesen, in den Pampas, dort hab ich mit Cafoni aller Rassen, von den Spaniern bis zu den Indianern gesprochen, und wir verstanden uns, als wären wir in Fontamara. Jeden Sonntag aber unterhielt ich mich mit einem vom Konsulat geschickten Städter, wir verstanden uns nie; oft sogar verstanden wir genau das Gegenteil. Somit war ich keineswegs verwundert, als der Stadtmensch von neuem zu erklären anfing, daß er überhaupt nicht von Steuern geredet, daß er nichts mit Steuern zu tun habe, daß er aus einem andern Grund nach Fontamara ge= kommen und daß überhaupt nichts zu bezahlen sei. Da es mittlerweile recht spät und dunkel geworden war, zündete er ein Streichholz an. Dann zeigte er einem nach dem andern die Bogen. Sie waren wirklich weiß. Es waren feine Steuerbogen. Sie waren weiß. Nur oben stand etwas. Der Stadtmensch zündete nun zwei Streichhölzer an und zeigte uns, was da geschrieben stand: Die Unterzeichneten bestätigen, daß fie dem Hauptmann der Miliz Cavaliere Pelino nach Kenntnisnahme des Obigen ihre Unterschrift freiwillig und voll Begeisterung gegeben haben." Der Cavaliere Pelino sei er, sagte er uns. Die unterzeichneten Bogen würden an die Regierung gehen. Er hätte diese Bogen von seinem Vorgesetzten erhalten. Gleiche Bogen wären von anderen Kollegen in andere Dörfer gebracht worden. Es wäre also nichts besonderes für oder gegen Fontamara, es wäre für alle Dörfer. Es handle sich um eine Eingabe an die Regierung, fagte er. Die Eingabe benötige vicle Unterschriften. ( Fortseßung folgt.) AAA 11**** Ende einer..Front" Enttäuschter Mittelstand Die Angestellten als Opfer der Gleichschaltungen Der Hausbesitz klagt Seltsame Gefühle muß bei den Lesern der Hugenbergpresse folgendes Inserat auslösen: Infolge Auflösung der Dem Zentralverband Deutscher Haus- und Grundbesizervereine sind aus allen Teilen des Reiches Berichte zugegangen, die insgesamt eine einzige große Klage darstellen über die außerordentlich weitgehenden Schädigungen, die dem Haus- und Grundbesitz durch die Sperre für GeschäftsDeutschnationalen Fronterrichtungen entstünden. Als„ besondere Tragit" wird sind eine größere Anzahl unserer Beamten und Angestellten frei geworden. Zur Verfüg. stehen u. a. Sekretärinnen u. Sekretäre, Stenotypistinnen, Büro- und Kassenbeamte, sowie technisch, kaufmännisch und landwirtschaftlich vorgebildetes Personal aus den verschiedensten Berufszweigen. Es handelt sich durchweg um gute und zuverlässige Kräfte, die sich besonders f. Vertrauensstellungen eignen. Das Personal ist gewohnt, sich auf den verschiedensten Gebieten schnell einzuarbeiten und mit Menschen umzugehen. Die Hauptleitung der Deutschnationalen Front, Abwicklungsstelle Berlin NW 7. Friedrich- Ebert- Straße 29 bemüht sich um die Unterbringung und bittet um gefl. Stellenangebote. Mit den Angestellten ist es überhaupt so eine Sache. Aus allen möglichen Gründen hat die„ nationale Revolution" Betriebe zerstört, und nun haben die Angestellten dieser Betriebe das Nachsehen. Der durch Boykott ruinierte Warenhauskonzern Tietz hat unlängst 5000 Angestellten kündigen müssen. Wie wird es den christlichen Opfern des Judenboykotts ergehen? Wahrscheinlich ebenso, wie den vielen tausend Büro- Angestellten der ehe 1 maligen jüdischen Rechtsanwälte, von denen entgegen allen großen Versprechungen der Naziführer nach amtlicher Mitteilung von April bis heute erst ganze 350(!!) wieder in Stellungen gebracht werden konnten, dazu noch etwa 100 in vorübergehende Aushilfsstellungen. Dafür wird den ledigen Anwaltsangestellten Einstellung beim- Arbeitsdienst der Provinz Brandenburg angeboten, d. h. fast unbezahlte, schwere Erdarbeit, für die sich ja Büropersonal ganz besonders gut eignet! Selbst das gleichgeschaltete ,, B. T." kann nicht umhin, herzzerbrechend von der „ großen Not der stellenlosen Anwaltsangestellten“ zu jammern. Ja, zweifellos große Not. Aber auch: gewissenlos heraufbeschworene Not. Es handelt sich um viele tausend Büroangestellte, die troß der Krise Arbeit hatten und heute noch Arbeit haben würden, wenn nicht der Hitlerstaat aus rassefanatischem Haß mit der Existenz der jüdischen Anwälte zugleich die noch zahlreicheren Existenzen ihrer Angestellten zerstört hätte. Ob von denen noch einer mit Begeisterung„ Heil Hitler!" ruft?! Wer verbreitet Greuellügen? doc's Der gleichgeschaltete„ Dortmunder Generalanzeiger" veröffentlicht einen langen Bericht aus Paris, worin behauptet wird, daß die französische Regierung die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland in Konzentrationslager stecke!- In Wahrheit hat die französische Regierung einige leerstehende bezeichnet, daß das Gesez, das dem mittelständischen Einzelhandel Hilfe bringen soll, in Wahrheit große Teile des ebenfalls mittelständischen Hausbesizes wirtschaftlich schwer schädige. Wenngleich das Gesetz nur einen vorübergehenden Charakter habe und das Verbot der Errichtung neuer Verkaufsstellen auf die Zeit bis zum 1. November befristet sei, so seien in den bisherigen drei Monaten seit Infrafttreten des Gesetzes für den Hausbesib, insbesondere den Geschäftshausbesitz, derart große Schäden eingetreten, daß eine Ver= längerung des Gesezes über den 1. Novem ber hinaus, abgesehen von Warenhaus Filialen, Einheitspreisgeschäften usw., ein fach untragbar" sei. Die schädigende Wirkung habe sich bereits in so weitgehendem Maße gezeigt, insbesondere bei der Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms des Hausbesizers, daß sich der Zentralverband Deutscher Hausund Grundbesitzervereine an die Reichsregierung gewandt habe und die unverzügliche Aufhebung des Gesetzes fordere, um eine ungestörte Fortführung der Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung zu gewährleisten. Schweizer Stimme: Verschärfter Klassenkampf in der SA. Die großbürgerliche Neue Züricher Zeitung", die den Züricher Großbanken nahesteht, berichtet in einem langen Leitartikel unter dem Titel„ Süddeutsche Eindrücke" u. a.: „ Ein in jeder Hinsicht zuverlässiger, seine Worte wägender, zur Zusammenarbeit mit der Regierung bereiter Verwaltungsmann hat uns gesagt, daß von einem Plan, wie man die Arbeitslosigkeit beheben könnte, überhaupt feine Redeset. In den 6 Monaten, die seit Hitlers Machtübernahme verstrichen sind, sei so gut wie gar nichts zu einer organischen Lösung des Arbeitslosenproblems geschehen... Man glaubt es nicht und muß es sich doch bestätigen lassen, daß in jeder Gemeinde einige Dußend zum Schlimmsten entschlossene Schreihälse und Unruhestifter vorhanden sind, die den ganzen Ort terrorifiteren. Sie sind alle im Besitz von Schußwaffen, die ihnen abzufordern auch die staatliche Obrigkeit nicht wagt. Sie drohen jedem, der sich ihren Wünschen widersetzt, mit der Exekution, inszenieren mit rasch herbeigeholten Kampfgenossen aus den Nachbarorten Demonstrationen vor Rathäusern und auf Marktpläßen, haben die meist schwachen Polizeifräfte, die auch nicht wissen, welcher Wind gerade an der Regierungszentrale weht und wer schließlich recht bekommt, eingeschüchtert und erzwingen, statt selber in Schußhaft genommen zu werden, die Inhaftnahme ihrer oft ganz ahnungslosen Feinde". Entgegen der allgemeinen Ansicht gehören diese verwegenen Gesellen weit häufiger der SS. als SA. an; der Gegenfag dieser Elemente zu den„ bürgerlichen" Schichten des Nationalsozialismus wird kaum noch bemäntelt und bereitet der Partei große Sorgen." Militärgebäude für obdachlose Flüchtlinge zur Verfügung Im Briefkasten gestellt. Es ist eine alte Geschichte: Wer selbst stiehlt, der sieht Aufschlußreiche Antworten suk immerfort die andern stehlen! Arbeiten unter Polizeiaufsicht! Der deutsche Sklavenstaat Die Polizeiverwaltung Eberswalde hat jeßt für die aus städtischen Mitteln unterstützten Erwerbslosen einen Pflichtarbeitsdienst eingerichtet, der ein umfangreiches Arbeitsprogramm umfaßt, darunter Wasser- und Erdarbeiten, Straßen- und Wegebauarbeiten sowie Meliorationen und Räumung von Flußläufen. Den Arbeits== pflichtigen wird ein warmes Mittagessen zur Verfügung gestellt. Die Aufsicht wird durch Polizeibeamte ausgeübt. Der König von Zion Von Stefan Großmann In diesen Tagen barbarischer Judenheze in dem einstigen Kulturland Deutschland wird diese Skizze, die wir dem Bunten Blatt" in Wien entnehmen, über den berühmten Vorkämpfer des Judenstaates doppelt zeitgemäß. 4 Ein blutjunger Student, der in Belleville, der alten Proletariervorstadt von Paris, in einer fleinwinzigen Rammer hauste, sah ich Theoder Herzl auf der Journalistentribüne der Kammer zum erstenmal. Er war damals Pariser Korrespondent der„ Neuen Freien Presse", aber er war es... nebenbei. Die Judenheße, die von den klerikalen Generalen Frankreichs zur Ablenkung vom DreyfußStandal arrangiert worden war, der rohe Antisemitismus des Mechanikers Schneider, den Fürst Liechtenstein und sogar Lueger assistierten, die Pogrome in Rußland, in Herzis Heimatstadt, diese Erlebnisse zeitigten in Herzls empfindlicher Seele den Gedanken an einen„ Judenstaat", ein Plan, der ihn, wie wir aus seinen Tagebüchern wissen, wie ein zehrendes Fieber überfiel und dem er unwillkürlich alles, seine literarischen Talente er war in jungen Jahren schon viel gespielter Burgtheaterdichter seine Stellung- er litt unter seiner Redakteurschaft in der„ Neuen Freien Presse" -seine Gesundheit opferte- er ist jung gestorben, das Herz war verbraucht. Als ich ihn damals auf der Pariser Kammertribüne zum erstenmal sab, hatte ich den Eindruck: Imponierender semitischer Fürst. Er war hochgewachsen, breitschultrig; sein blauschwarzer Vollbart, die sanft gebogene Nase, besonders aber die großen, runden, metallisch schimmernden Augen gaben seinem Kopf den Ausdruck einer milden Kraft. So hätte wirklich ein idealer Judenkönig aussehen können. vorausgesetzt, daß historische Epochen zum zweitenmal konstruiert werden könnten. Ich habe dann als Zeitungsstenograph oft Gelegenheit gehabt, Herzls Kopf auf der Journalistengalerie der französischen Kammer zu beobachten, besonders während der letzten Dreyfuß- Debatten( Herzl hat die prachtvollste Schilderung des Redners Jaures ge schrieben). Sein Gesicht war angespannt, sein großes Auge verzehrte die Szene, aber wenn er mit den heftig diskutierenden Kollegen sprach, schien er nie aufgeregt, sein Tempexament war gebändigt, wenn er redete. Er hatte, schien es, Das Blatt der Nationalsozialisten Nordwestbadens, das " Hakenkreuzbanner", übertrifft mit seiner Judenhezze den durchschnittlichen Grad der Gemeinheit, der sich in anderen Nazizeitungen offenbart, beträchtlich. Schon seit Wochen bringt das Blatt jeden Tag Namen von Mädchen und Frauen, die sich mit Juden abgeben" und liefert damit die wehrlosen Opfer seines Sadismus den dauernden Belästi gungen einer völlig hemmungslosen Nazimeute aus. Diese Hetze genügt den Wichten noch nicht, die die Redaktion dieser „ Tageszeitung" bevölkern. Darum fangen sie jetzt auch an, im sogenannten Briefkasten ihre Nadelstichpolitik gegen das Judentum fortzusetzen. Ein jüdischer Großfaufmann aus Mannheim, der parteipolitisch völlig neutral ist, schickte einem seiner Geschäftsfreunde in Saarbrücken eine Auswahl solcher die große Gelassenheit einer tiefen Kraft. Und dennoch schien es nur so, das öffentliche Leben fraß sein privates auf. Von dem Tage, da ihn der Gedanke des Judenstaates überfallen hatte, besaß die Idee ihn Tag und Nacht, er hatte keine Befriedigung mehr an den leichten Plaudereien, die er für seine Zeitung pünktlich zu schreiben hatte, die Einrubrizierung als Feuilletonist empfand er, so milde gesinnt er war, als Herabsetzung, er sehnte sich über den Strich hinauf, in die ernsten Gefilde der Politik, in denen er, Dichter, Erlöser, namentlich polnisch- jüdischer Opfer des Zarismus, Utopist, doch nie heimisch geworden ist... In seinen Tagebüchern nennt Herzl die Bemegung, die er entfachen wollte, anfangs„ Glionismus". In Glion, einem Schweizer Kurort, wohnten damals die reichsten Juden als Sommergäste, Baron Hirsch und andere. Hirsch. der für die Auswanderung russischer Juden nach Argender für die Auswanderung russischer Juden nach Argentinien Opfer gebracht hatte, sollte die Finanzbasis für den Judenstaat Herzls schaffen, Hirsch und der Londoner Rothschild. Von Zionismus war damals noch nicht die Rede, denn Herzl wollte damals eine Kommission von Fachleuten. Geographen, Volkswirten, Staatsrechtlern zusammentreten lassen, sie sollten entscheiden, an welcher Stelle der Erde ber zu gründende Judenstaat am besten gedeihen könnte. Im Vordergrund stand damals nicht Palästina, sondern Uganda, das englische Staatsmänner Herzl zu diesem Zweck angeboten hatten. Uganda, das viel fruchtbarer war als das heilige Land, Uganda, in dem keine arabische Bevölferung zurückgedrängt werden mußte, Uganda, das nicht erst zu entsumpfen und zu bewässern war, Uganda, das schnell zur Blüte kommen fonnte. Der erste Zionisten kongreß schlug Herzl diese Karte sofort aus der Hand! Die frommen Juden Polens und Rußlands schrien: Bion, und es war unmöglich, fich dem wild- leidenschaftlichen Glauben der Gläubigen zu widersetzen. Aber vor dem letzten Zionisten kongreß, den Herzl mitmachte, schon entschlossen zum Rücktritt, ist die alte Frage noch einmal aufgetaucht. Der Gedanke, daß Palästina ein„ Judenstaat" werden könne, wird heute auch von besonnenen Zionisten schon aufgegeben. Das Land hat eine arabische Mehrheit, die in den letzten zwanzig Jahren zu nationalem Bewußtsein gekommen ist, eine Arabermehrhei die eine vielfach höhere Geburtenziffer hat als die jüdische Minderheit, eine bedürfnisärmere Masse, die noch in Stein und Felswohnungen haust und die dabei an das Klima Palästinas gewöhnt ist und an seine Armut. Die Zionisten Brieftastennotizen. Wir entnehmen aus dieser Sammlung nur wenige besonders gravierende Beispiele für die Gemeinheiten und dauernden Quälereien, denen heute das Judentum in einer badischen Hauptstadt ausgesetzt ist. Da fragt angeblich ein Leser aus dem Landort Seckenheim, ob es ein Gesez gibt, das die Eheschließung zwischen Juden und arischen deutschen Mädchen verbietet oder ob es möglich ist, deutsche arische Mädchen, die die Ehe mit einem Juden eingehen, unfruchtbar zu machen? Das Blatt antwortet: Nein, das gibt es leider noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Haben Sie nur etwas Geduld." Auf eine Anfrage, ob die jüdische Gemeinde berechtigt ist, von einer Firma örtliche Kirchensteuer zu erheben, erklärt die Redaktion dieser Zeitung:„ Ja, aber wir hoffen, daß dieser Unfug jest bald abgestellt wird!" Ein anderer Leser fragt, ob ein Mann, dessen Schwester mit einem Juden verheiratet ist, in die NSDAP. aufgenommen und dort sogar Amtswalter werden kann. Die Zeitung gibt zur Antwort:„ Wenn er nachweisen kann, daß er alles versucht hat, um seine Schwester von diesem verbreche= rischen Schritt abzuhalten, ja." Die Ehe zwischen einem Juden und einer Christin wird hier also schon zum Verbrechen gestempelt. Ein SA.- Mann erfundigt sich vorsichtig, was er gegen seine Frau tun kann, die trotz Verbots immer wieder bei Juden taufe, weil es dort billiger sei. Statt diesem Mann die Antwort zu geben, daß eine Zeitung sich nicht in Familienangelegenheiten mische, erteilt das„ Hakenkreuzbanner" den gescheit sein sollenden Rat, der Frau einfach einen be= stimmten Betrag vom Haushaltungsgeld abzuziehen. Begründung:„ Wenn du beim Juden billiger taufft als beim ehrlichen deutschen Geschäftsmann, dann brauchst du auch nicht so viel Haushaltungsgeld und mit dem „ Ersparten" kauf ich mir ein paar Glas Bier mehr." Das ist ungefähr die zynischste Erledigung der Frage. Frau, kauf ruhig weiter beim Juden, damit ich mich besaufen kann. Willst du das nicht, dann geh zum Christen, dessen nationale Gesinnung schließlich auf Bezahlung in flingender Münze Anspruch erheben darf. Die pädagogischen Grundsätze dieses Ratgebers im Kampfblatt der " Nationalsozialisten für Nordwestbaden" deuten den Geist nur schüchtern an, der in dieser Zeitung schaltet und waltet. Einer Prämie zur Förderung des Spielunwesens, des übelsten Denunziantentums, das sich jemals in Deutschland breit machen konnte, kommen einige Antworten anderer Art im politischen Brieftasten dieses Hitlerorgans gleich. Da wird ein Diplom= handelslehrer an an der Höheren Handelsschule in Mannheim denunziert, daß er früher Mitarbeiter der tommunistischen Zeitung gewesen sei und heute noch Beziehungen zum Kommunismus unterhalte; einer Großwäscherei macht man den Vorwurf, daß sie schon seit Jahren eine jüdische Filialleiterin beschäftige und von einer bürgerlichen Zeitung verlangt man, daß sie eine Trägerin, die seit vielen Jahren ihren Dienst tut, entlasse, weil ihr Mann angeblich als Arbeiter wieder etwas verdient. Der Brieffaften ist aufschlußreich: Die Gemeinheit regiert im neuen Deutschland von oben bis unten. Recht so! Man sollte diese Bewährungsfrist auf zehn Jahre verlängern Besonders scharfe Bedingungen für die Wiederaufnahme von Ausgetretenen in die Kirche hat jetzt die kirchliche Gemeindevertretung der in Anhalt gelegenen preußischen Enklave Möst beschlossen. Danach wird jedem, der in die Kirche zurückkehren will, eine einjährige Bewährungsfrist gestellt. Diese Zeit soll er mit seiner Familie dazu benutzen, fich durch fleißigen Besuch der Kirche und durch seinen Wandel in der Gemeinde als würdig für die Wiederaufnahme zu erweisen. Erst nach Ablauf dieser Frist wird über das Wiederaufnahmegesuch Beschluß gefaßt. haben sich für Zion entschieden. Aber das beweist feineswegs, ob Uganda nicht vielleicht doch die gesündere Lösung gewesen wäre... Herzl hat im Dienste der Juden viele Triumphe erlebt. Wenn er durch Polen fuhr, wanderten die armen, gläubigen Juden viele Stunden weit auf den Landstraßen herbei, um„ Melech", wie sie ihn nannten, den„ König“ zu sehen. Dann erblickten sie durch offene Fenster den schwarzbärtigen Mann mit den gütigen Augen und den gelassenen. wundervollen Bewegungen, und eine Traumvorstellung schien sich zu verwirklichen. Sie umstanden stundenlang das Haus, in dem er zu Gast war. Herzl hat mit vielen „ Souveränen" über den Judenstaat verhandelt. vor allem mit dem Sultan Abdul Hamid, aber auch mit dem GroßHerzog von Baden, der Herzls besonderer Helfer sein wollte, sogar mit Wilhelm II., nachdem Fürst Bülow es gestattet hatte. Sicher ist Herzl königlicher, will sagen: würdevoller als Wilhelm II. aufgetreten. Sicher wäre er, obwohl ihm der Königsgedante bewußt nie gekommen ist, schon wegen der Milde und zugleich Festigkeit seines Charakters ein idealer Präsident des Judenstaates geworden, an dessen Werden er am Ende seines aufopferungsreichen Lebens vielleicht nicht mehr so fest geglaubt hat wie damals in Paris, als er die Idee vorerst nur in seinem Kopf herumtrug. Herzl hat den erbitterten Kampf der„ Richtungen" im Zionismus noch mit erlebt, er hat die wildesten Kongreßdebatten noch mitangehört, er wußte, daß ein im Getto einseitig intellektualisiertes Volk noch schwerer aus Europa herauszuführen sei als damals der Zug aus Aegypten, der ja auch Jahrzehnte gedauert hat, damit eine noch nicht zum Aufbau fähige Generation vorher absterben könne. Und auch Moses starb vor dem Einzug in das gelobte Land. Niemand. der Herzl im Leben begegnet ist, konnte sich eines starken Eindruckes erwehren. Er war von einem tiefen Ernst beseelt, niemals fonnte er in die wißelnde Tonart des Wiener Feuilletonisten, der er ursprünglich war, verfallen. nie lockten ihn die unangenehmen Parvenügewohnheiten iener reichen jüdischen Bourgeoisie, der er entsproffen. In seinen letzten Rebensjahren malte sich manche Ertäuschung in seinem falomonischen Beficht, und manche Bitterfeit grub Spuren auf Stirn und Schläfe. Das Bitterste ist ihm, da er jung verschied, erspart geblieben, semitische Bruderkämpfe und Kämpfe mit der nächsten Generation. Sein Sohn ließ sich vor einigen Jahren taufen... Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit"** Donnerstag, 7. September 1933* Ereignisse und Geschichten C Hallo! Hallo! Hier Deutschlandsender! Heldenerziehung von Themes Bet Motto: ,, Ueb' immer Treu und Redlichkeit" Wir funken den Nachrichten dienst: Reichskanzler Adolf Hitler eröffnete heute im Beisein der Spiteln der Behörden die erste gleichgeschaltete Blumenausstellung in Mecklenburg. Beim Betreten der Halle wurde er von der begeisterten Menge mit einem Großteil der ausgestellten Blumen beworfen. Der Führer würdigte in einer längeren Rede die Verwurzelung des Volkes mit der deutschen Pflanzenwelt. Er sagte durch die Blume, daß das marxistische Unkraut mit Stumpf und Stiel ausgejätet werden müsse, um der nordischen Edeltanne Platz zu machen. Hierauf wurde Adolf Hitler in Anbetracht seiner verschiedenen Pflanzereien vom Vorsitzenden des Bundes zur Heranzüchtung arischer Gewächse zum Obersten Blumenführer( Obluf) ernannt. * In Plauen im Fronvogtland wurden heute fünf Perfonen, die im dringenden Verdacht stehen, im Jahre 1923 abfällige Bemerkungen über den Hund des jetzigen deutschen Reichskanzlers gemacht zu haben, in Schußhaft genommen. Die diesbezüglichen Greuelnachrichten im Ausland entbehren natürlich jeder Grundlage. Aus Düsseldorf wird ein folgenschwerer Zugszusam menstoß gemeldet. Ein in der Richtung zur Zweiten Revolu= tion marschierender Zug von SA.- Leuten stieß infolge Nichtbeachtung des Haltefignals mit einem von München abge= laffenen Zug SS.- Männer zusammen. Zwölf politisch Tote wurden mit Verlegungen des Führerprinzips und offenen Treuebrüchen in ein Konzentrationslager eingeliefert. Man zweifelt an ihrem Aufkommen gegen die Parteileitung. Aus Oesterreich häufen sich die Klagen über das Fehlen von Konzentrationslagern. Die gesamte Bevölkerung ist über diese offensichtliche Benachteiligung gegenüber Deutschland maßlos empört.thir ( 705) Im Zuge der Arbeitsbeschaffungsaktion der Reichsregierung wurden heute 2500 Personen dem Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert. Die verlassenen Stellungen wurden von SA. bezogen. * Reichspropagandaminister Dr. Göbbels hat heute eine Verordnung erlassen, wonach die Abhaltung von Feuerwerken Privatpersonen und Vereinen strengstens untersagt ist. Lediglich die Reichsregierung und die NSDAP. haben das Recht, von diesem wichtigen Volksnahrungsmitel Gebrauch zu machen. Zehn Hundertschaften Schupo, unterstützt vom Pionierbataillon der Luftartillerie der Reichswehr, ferner viertausend Mann SA., SS. und Stahlhelm, veranstalteten gestern abend eine überraschende Razzia auf rassenverdächtige Liebespaare im Berliner Tiergarten. Unter dem Schuh der aufgebotenen Streitkräfte nahmen fünfzig 3htärzte mit Zirkel und Maßstab genaue Vermessungen an 6 Sie rastet nicht und ruhet nicht, die Hakenkreuzregierung, bis jeder Deutsche im Gesicht die Gasmaske trägt als Verzierung, bis jedes Kind vor Schulantritt Eck 1914 Scharfschießen und Strammstehen kann, des die Heldenerziehung fängt, Schritt für Schritt do im Kindergarten an. Bis Keller und Boden im ganzen Land gassicher und bombengedeckt, store all 153 und bis in jeder Männerhand die Handgranate steckt. Bis daß auf jedem Bücherbrett ein Minenwerfer steht, und bis ein ganzes Volk adrett in Kriegsausrüstung geht. Bis daß ein ganzes Volk, gequält, im Traum noch exerziert, und wieder einmal, kampfgestählt, ins Stahlbad einmarschiert. .dk site it of si this den betroffenen Personen beiderlei Geschlechts vor. Von den Professur der SA.- Wissenschaft insgesamt 731 perlustrierten Beziehungen erwiesen sich 315 als beiderseits minderrassig; bei 186 Paaren entsprachen der männliche und bei 207 der weibliche Partner nicht oder nur mangelhaft den gestellten nordischen Anforderungen. Nur 23 Beziehungen waren in jeder Beziehung einwandfrei. Der Reichslandwirtschaftsminister hat die Berliner Zuchtkommission wegen dieses Ergebnisses sofort ihres Amtes enthoben. Wir sind am Ende. Gute Nacht, meine Damen, gute Nacht, Karo. meine Herren; gute Nacht, Deutschland! 50 Gechart Hauptmann mit S.S. Ein Gespenst, das noch weiterlebt Gerhart Hauptmann, der Dichter der Bauernkriege und des Weberaufstandes, hat sich gleichgeschaltet. Mit einer Würdelosigkeit ohnegleichen, weder durch Altersschwäche noch durch Weltfremdheit zu entschuldigen, hat er die Hand zum Hitler- Gruß gehoben, hat er sich als Ehrengast in die Barbarei eingedrängt. Mit einem Telegramm an Mussolini hat es begonnen; der„ reine Tor" hat wie ein durchtriebener Diplomat gehandelt. Er ist nicht schnurstracks zu Hitler übergelaufen, er hat sich zuerst an den italienischen Diktator herangemacht, um die Welt auf seine„ Wandlung" schonungsvoll vorzubereiten. Dann hat er sich der Kuppelei des Schauspielers Werner Kraus bedient; Werner Kraus hat sein " Festspiel 1913" zu Hitler gebracht und Hitler hat es als Festspiel des dritten Reiches" akzeptiert. Nun erst, da das Geschäft perfekt und die Huld der neuen Herren dem alten Dichter gewiß war, ist er aus der Reserve zum„ Angriff" übergegangen. Aus Berlin wird gemeldet: Die nationalsozialistische Presse verzeichnet mit Ironie die Anwesenheit Gerhart Hauptmanns bei einem Feit der SS. in seinem Sommerfik Hiddensee. Dieses nationalsozialistische Fest war dem Andenken Horst An der Technischen Hochschule in Berlin wurde eine Professur für Wehrverfassung errichtet und dem SA. Standartenführer Major von Arnim verliehen. Es wurde dazu nicht etwa eine Kriegsakademie oder Kadettenschule ausgesucht, denn diese sind im dritten Reich" vollkommen überflüssig. Die Hochschulen haben das Erbe anzutreten, wo die Pflege des Geistes, der Mannhaftigkeit und der Disziplin" zu der allerwichtigsten Aufgabe, wird, der„ Wehrwille" den Lernwillen ersetzt und das Studium des„ Killens" in allen seinen Abarten Philosophie, Juristerei und Medizin" verdrängt. Der SA.- Führer kommandiert die nazideutsche Wissenschaft. Wozu sind noch an den deutschen Hochschulen Männer wie Einstein, Frank, Sauerbruch notwendig, wenn man einen leibhaftigen Standartenführer und Major als Professor haben kann? Da ist wohl zu sagen: Heil die„ SA.- Wissenschaft"! Weffels gewidmet und es wurden verschiedene Gedichte Die Wetterfahne vorgetragen, darunter ein Prolog Gerhart Hauptmanns. Die nationalsozialistischen Blätter teilen ferner mit, daß bei dem Absingen des Horst- Wessel- Liedes Gerhart Hauptmann gleichfalls mit dem Hitler Gruß d a stand. Die Naziblätter registrieren das mit mehr als berech tigtem Hohn: Sie schreiben, es sei ein Bild für Götter ge wesen", daß der„ Stern der demokratischen Machthaber" das Fest der SS. besuchte und sich zum Hitler- Gruß bequemte. Die anderen aber, für die Gerhart Hauptmann mehr war als ein eitler und feiger Affe der Konjunktur, für die er deutschen Geist und deutsche Kultur verkörperte, wenden sich mit Schmerz und Ekel von diesem Schauspiel ab, von dieser Leichenschändung, die der Autor des SS.- Prologes an dem Autor des„ Florian Geyer" und der„ Weber" verübte. Gerhart Hauptmann ist tot; weiterlebt ein Gespenst, das sich seinen Namen anmaßt. Eine Schattengestalt, die vor der SS. mit dem Hitler- Gruß kapituliert. phis 1sh Aus einem deutschen Blindenheim von Theodor Fanta Es kam zu einem Streit zwischen zwei Blinden, denn keiner von beiden hatte bisher einen Juden gesehen. Der eine Blinde:„ Ich bin ein Jude." Klar und stolz war die Antwort des Deutschen:„ Sie sind frant Sie fönnen kein Jude sein, da Sie blind sind wie ich!" Der blinde Jude legte die Hände auf seine zitternden Bevor es zum Frühstück läutete, ist der blinde Jude, der sich aufgehängt hatte, fortgeschafft worden. Die blinden Deut schen hörten von diesem Vorfall nichts als die Bemerkung eines Wärters:„ Verdammt zähe Rasse ein Mensch mit gesunden Augen hätte es nicht besser machen können." Lider( eine jüdiſche Geste in ihrer Spitfindigkeit) und fragte: 18 Kilometer Feuer und Kraft " Ich muß morgen das Heim verlassen, darf ich mich von Ihnen verabschieden?" " Warum müssen Sie das Heim verlassen?" " Weil ich Jude bin." Der blinde Deutsche tastete sich vor, berührte den Menschen neben sich, wie ein Kind streichelt; mit der ganzen Innenfläche der Hand, mit ausgespreizten Fingern. Und wie ein Kind fragte der deutsche Blinde, wie ein Kind, das sofort " hüh!" und„ hott!" ruft, nachdem es auf den Rücken eines Pferdes gehoben wurde: Wohin gehen Sie?" Der Jude lächelt das aufreizend- jüdische Lächeln. Er fröstelte. Beten Sie?" fragte der blinde Deutsche. " Nein. Ich ich war neun Jahre alt. Es war das große Meer, das ich sah. Neun Jahre. Was ich sah. war neuy Jahre alt junge Wellen zum Spielen, eine Ferne, weit wie ein schulfreier Tag. Und die Wellen famen auf mich zu und liefen wieder fort. Wir lachten. Als ich zwölf Jahre alt war, fam eine schwarze Welle und lief nicht mehr fort. Vielleicht fann ich lächeln, weil ich Wellen auf mich zukommen, wieder fortlaufen sah. Und Sie, Herr Werner, Sie spielen gern Schach?" Kreischend antwortete Herr Werner:„ Sie sind nicht blind! Sie haben uns zum Narren gehalten!" Ab!" Und dann war's vocüber Die nationalsozialistische Presse gibt folgende Schilderung des großen Nürnberger Feuerwerts: Um einen ungefähren Begriff von dem Ausmaß des Feuerwerks, das abgebrannt wurde, zu bekommen, muß man wissen, daß die Gesamtlänge aller aufgebauten Fronten 18 Rilometer be= Die Weserzeitung" bringt über den Umbau des Reichspräsidentenpalais in Berlin eine Reportage. Das Amüsanteste an diesem salbungsvollen Geschreibe ist folgendes: Das historische Bauwerk sei unter großen Schwierigkeiten im Innern völlig umgebaut worden, ohne die Fassade zu verändern. Aeußerlich sei lediglich ein einziges Kennzeichen des Umbaus: Auf dem Dach des Hauses ist eine neue Wetterfahne mit der Jahreszahl 1933 ange= bracht worden! Bei dem Nazikleid aus bester Nordwolle, das die„ Weserzeitung" seit der„ Gleichschaltung" trägt, ist nicht anzunehmen, daß es sich bei der neuen Wetterfahne auf dem Hindenburgdach um eine Bosheit handelt. Es ist die personifizierte Harmlosigkeit, die aus dieser Mitteilung spricht. Unsere Aufgabe wird sein, diese Wetterfahne so gut geölt zu erhalten, daß sie ohne allzu großes Kreischen einem neuen Kurs sich fügt. Bis zu diesem Augenblick mag die Wetterfahne 1933" das Symbol der Gleichgeschalteten sein. Das Schweizer Asylrecht In der außerordentlichen Generalversammlung des Schweizerischen Schriftstellervereins gab Dr. Mühle stein bekannt, er habe eine Flüchtlingshilfe für emigrierte deutsche Professoren organisiert. Es sollte solchen Professoren einige Gastkollegien an schweizerischen Universitäten ermöglicht werden, aber die schweizerischen reaktionären und faschistischen Studenten verhinderten jede Möglichkeit dazu. Es haben nicht weniger als fünf Nobelpreisträger in der Schweiz angepocht, doch vergeblich. Ferner habe die Schweiz ein wenig großzügiges Asylrecht bezeugt, indem sie emige Schriftsteller, die sich politisch nicht betätigt haben, lediglich ihrer Gesinnung wegen ausgewiesen habe. Eine weitere interessante Mitteilung machte Dr. Mühle= stein über eine Vermittlung für deutsche Professoren in Konstantinopel, wo 35 Abschlüsse zustande gekommen sind. trag und die Pulvermengen in awei Eisen- Napoleon spricht hnwagen herantransportiert werden mun. Der gesamte Transport erforderte einen kleinen Güterzug. 5000 schwere Raketen mit 240 bis 300 Meter Steigefähigkeit stiegen auf. Ueber 3600 Bombenröhren lagen für die Trommelfeuerfront bereit. 18 000 Bliskanonenschläge ließen den Boden erzittern. In der Minute erfolgten durchschnittlich 65 000 bis 70 000 Explosionen. Ein nie dagewesenes Spiel von Leuchtfeuern bot sich den Massen als Höhenfeuerwerk. Es war ein Bild voll packender, grandioser Wucht, ein herrliches Symbol der Kraft und Macht der Bewegung und des neuen Staates." Da staunte alles. Raketen, Bomben Kanonenschläge und Luftfterne auf Reichskosten: es donnerte und bliste, es trachte und es puffte. Zuletzt blieben ausgebrannte Stumpen und es stank fürchterlich. Der Anfang war schön- das Ende? Vielleicht ist auch das ein herrliches Symbol", So oft auch das Volk von ehrgeizigen Demagogen aufgepeitscht wird. es fällt doch immer wieder in die Hände der Aristokratie zurück. Man muß nicht zur gleichen Zeit mit der ganzen Welt anbinden. Es gibt sehr wenig Rönige, die nicht verdienen, ihren Th.on zu verlieren. Der Allerdeutscheste Niemals wehrt sich der Esel; als deutschestes unter den Biestern Stört er niemands Genuß, selbst nicht des Wolfs, der ihn frißt. Friedrich Hebbel, DAS BUNTE BLATT NUMMER 68- 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE DONNERSTAG, DEN 7. SEPTEMBER 1933 Der Verbrecfier Auf der„ Straße des ersten Mai" steht vor seiner erotischen Schaubude der Tierzüchter Georg Burger und zieht aus einer Büchse Giftschlangen, aber nur den Tieren giftig, Riesenschlangen, aber bunt gemustert, und moderne Schlangen, dick und gefräßig, aber den Taschen der Damen nüßlich. " Dieses Krokodil ist noch zierlich, aber drinnen das Krokodil ist drei Meter lang und hundertzwanzig Jahre alt und höchst gefährlich! Sehen Sie sich die Affenmutter an, die ihre Jungen säugt, hier sehen Sie die reinste Affenliebe, treten Sie ein, meine Herrschaften, Eintritt fünfzig Groschen, Kinder die Hälfte!" Der kleine Georgie steht neben seinem Vater, dem Tierzüchter, und sieht ihn bewundernd an. Wie Spagatschnüre hält er die Schlangen in der Hand, Jungens gaffen mit offenem Mund. Georgie ist so begeistert, daß er nicht einmal sieht, wie sich die Zuschauer drücken und weitergehen und wie fummervoll sein Vater ihnen nachblickt, denn die Zeiten sind schlecht. Davon ahnt Georgie nicht das geringste, wie sollte er auch, wenn der Tierzüchter Georg Burger seinen Jungen nichts von seiner Armut merken läßt, und wir werden gleich sehen, wie er es machte. Georg!" sagt Georgie träumerisch( er nannte seinen Vater beim Namen), läßt du mich heute mit der Bergbahn fahren?" „ Mit der Bergbahn, Junge! Habe ich dir denn nicht aus der Zeitung vorgelesen, ach nein, mit der Mutter hab' ich es gelesen, daß die Bergbahn gestern entgleist ist? Zwanzig Personen sind hinuntergefallen! Nicht einmal in die Nähe sollst du gehen, sonst fällt nächstens einer auf dich!" Und das Geisterschloß?" " Das Geisterschloß! Was da für Gespenster drin sind und böse Teufel und Totenköpfe und Drachen und Messerstecher! Alles aus Holz, natürlich, aber man erschricht doch fürchter lich. Heute haben sie eine alte Frau herausgetragen, weil sie ohnmächtig geworden ist!" „ Und was wird mir geschehen, wenn ich im elektrischen Automobil fahre, Georg?" Georgie genoß es bereits. " Im elektrischen Automobil! Kannst du dich an den Automaten erinnern? Na also, das war nur ein kleiner Schlag, das Automobil reißt dich durch den ganzen Körper." Und die Schießstätte, Georg?" " Vorige Woche ist ein Bolzen zurückgeprallt und einem Jungen direkt auf die Nase. Jetzt läuft er mit einer geschwollenen Nase herum." ,, Und das Riesenrad?" Georgie sah staunend auf die guten Augen seines Vaters. " Jeber dritte Junge muß während der Fahrt aufs Dach steigen, das ist Bedingung, da geh nur nicht hinein, aber jetzt mußt du fort, mein Junge, die Arbeit beginnt. Meine Herrschaften! Bei uns sehen Sie den einzigen fliegenden Hund Europas!" Fliegender Hund heißt doch der Indianerhäuptling, dachte Georgie und flog davon. Vor dem Geisterschloß blieb er stehen. Vier dicke Frauen berieten, ob sie eintreten sollten. " Da gehn Sie nur ja nicht hinein," sagte Georgie,„ da hat heut ne alte Frau der Schlag getroffen! Gleich war sie tot!" Erschrocken liefen die Frauen fort. Die Hände in den Hosentaschen, wand fich Georgie anmutig durch die Menge und ging zur Bergbahn. Da stand schon die ganze A- Klasse von der ersten Hauptschule und wollte hinein. Die B- Klasse hatte Strafe. " Da fahrt überhaupt nicht mit," sagte Georgie geheimnisvoll," hundert sind gestern abgestürzt, ganz blutig waren sie, einige sind auf mich gefallen!" Von Veza Magd Der Präfekt, der die Karten lösen wollte, stand ganz erstaunt, daß die Jungen sich plötzlich drückten, erst hatten sie ihn mit der Bergbahn gestürmt. Wo sollen wir denn fahren, Georgie?" fragte Peterheinz. Georgie sah ernsthaft drein. Na, mit der Grottenbahn," schlug er vor, denn über die hatte Georg nichts gesagt. So kam die alte verstaubte Grottenbahn zu Ehren und der alte verstaubte Besizer an der Kasse wachte auf. Georgie aber ging ruhig mit den Jungens hinein und bald stimmte es dem Herrn Präfekten, der nachzählte, bald fand er einen zuviel, aber Georgie rutschte mit. ,, Bist du nicht vielleicht der Georgie Hacker, der das Tagebuch eines bösen Buben geschrieben hat?" fragte ihn Peterbeing. " Ich heiß überhaupt nicht Hacker, sondern Burger, wie Georg, der hat eine furchtbar schöne Tierschau, da is ein Krokodil, so groß wie die ganze Grottenbahn, da dürft ihr nicht die Hand hinhalten, das frißt euch alle auf. Jeden Tag nicht die Hand hinhalten, das frißt euch alle auf. Jeden Tag schluckt es einen Hasen!" Der Tierzüchter Georg Burger war ganz überrascht, als er sein Söhnchen mit einer langen Schlange Jungens ankam, die auch richtig zahlten, bloß mit einer kleinen Ermäßigung, weil es so viele waren. Nach der Tierschau schmuggelten sie den Georgie ins Kino ein. Das Kinostück hieß„ Emil und die Detektive", aber es hatte schon lange begonnen, und so saben sie die Mitte zuerst. Plöblich entstand Lärm unter den Zuhörern. Eine herausgeputzte Frau stand in ablehnender Haltung vor einem Mann, der hilflos um sich blickte und keinen Halskragen trug. Er war Georgie gleich sympathisch, denn Georg sagte immer, ohne Kragen, das ist keine Schande, eine Schande ist es höchstens reich zu sein. Der Programmverkäufer trat auf den Mann zu und forderte ihn auf wegzugehen. Ich bin erst vor einer halben Stunde gekommen," wiederHolte der Mann, es war ihm anzusehen, wie sehr er sich die Kinokarte vom Mund abgespart hatte. " Auf Ihrem Billett steht fünf Uhr, Sie müssen gehen!" „ Er ist doch mit uns zusammen hinein!" rief jetzt Georgie aufgeregt, er hauchte noch ein bißchen beim Sprechen, denn er war noch ein sehr kleiner Junge. Der Diener beachtete ihn nicht, der Mann rührte sich nicht vom Platz, die gepuzte Frau wartete feindselig, da erschien der Direktor, der an der Kasse gesessen hatte. „ Schauen Sie, daß Sie rauskommen!" brüllte er den Mann ohne Kragen an und Georgie tat das Herz weh, wie der sich umsah und niemand ihm beistan " Bitte, er soll meine Karte haben!" rief jetzt Georgie, so kräftig als es aus seinem schmalen Körper herauskonnte. Die Jungens sahen ihn bewundernd an. Aber gleich erschrad eingeschmuggelt worden! Er wurde feuerrot. er. Er hatte doch keine Karte, er war doch von den Jungs " Die Billette sind nicht übertragbar," sagte zum Glück der Programmverkäufer und der Direktor rüttelte den armen Menschen an der Schulter und stieß ihn hinaus. Das Publikum zischte Beifall. „ Er ist doch mit uns zusammen herein," sagte Georgie zu den Jungen, mit einem drohenden Blick auf den Direktor, ich bleib überhaupt nicht, Jungs, Georg sagt immer, die Verbrecher braucht man nicht erst unten suchen!" Das Publikum lachte, aber Georgie machte sich nichts aus den Leuten, er schüttelte Peterheinz und den anderen Jungen die Hand und verließ das Kino mit Siebenmeilenschritten. Der Mann auf der Leiter Einundfünfzig Jahre ist der Grazer Maler und Anstreichergehilfe Franz Schaffler alt. Er hat eine Frau, er hat Kinder, aber er hat keine Arbeit. Aber Franz Schaffler will essen, seine Frau und seine Kinder brauchen Brot. Und da ist Franz Schaffler auf seine alte, treue Malerleiter gestiegen, und hat einen langen Weg auf ihr angetreten. Nicht Mauern entlang, die angestrichen werden sollten. Viel länger war sein Weg: von Graz bis Budapest ist er auf seiner Leiter gegangen, 565 Kilometer weit. Einen Kilometer in der Stunde hat Franz Schaffler geschafft, 565 Stunden lang hat er sich vorwärts- ,, geleitert", vierzehn, sechzehn Stunden im Tag. Frau und Kinder gingen nebenher. Achtzehn Kilo hat Franz Schaffler auf dieser Wanderung abgenommen. Seine Leiter ist um eine Sprosse kürzer geworden dabei, seine Beine sind schwer frank, gefascht, entzündet. Er hat es nicht aus Sportehrgeiz getan. Franz Schaffler gehört nicht zu denjenigen, die aus Narrheit hundert Stunden auf einem Baum sizzen oder den Weltrekord im Weitspuden um einige Zentimeter überbieten wollen. Franz Schaffler hat nur irgend etwas tun wollen, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, um ein bißchen Geld zu verdienen. Unterwegs bekam er Essen, konnte er ein paar Ansichtskarten mit seinem Bild verkaufen. In Budapest konnte er fein Geschäft machen; man hatte ihm nicht erlaubt, in die Stadt hineinzuleitern. Das österreichische Konsulat gab dem Enttäuschten eine Fahrkarte nach Wien. Und nun ist Franz Schaffler ins Wiener Fürsorgeamt gekommen, damit man ihm Geld für die Fahrt nach Graz gibt. Wenn er wieder gesund ist, will er weiterleitern. Dieses Mal nach Paris. 1184 Kilometer, hundertzwanzig Marschtage. Vielleicht trägt es dort ein bißchen etwas. Franz Schaffler ist nicht der einzige, der auf stelzenden Leiterbeinen der Not entrinnen wollte. Da ist einer, der von Wien nach Graz so gewandert ist. Ein anderer ist von Graz rach Salzburg geleitert". Und da sind die vielen anderen, die es auf irgendeine andere Art versuchen. Da ist jener Chauffeur, der sich„ Marathon" nannte, und auf den Händen von Graz nach Wien zog. Da ist jene junge deutsche Schwimmerin, die in den Tod getrieben wurde und die ihr Leben opferte in der Hoffnung auf den materiellen Erfolg eines Weltrekords. Da sind die beiden jungen Wiener, die in Gummibooten den Atlantik selbstmörderischer Wahnwit! durchqueren wollen, um eine Prämie von 50 000 Dollar zu erhalten. Da sind die zehntausende Unbekannten, die die Landstraßen Europas abgehen, getrieben vor irgend einer vagen Hoffnung, ein paar Bissen Brot ergattern zu tönnen. Da sind die Jungen, die auf selbstgezimmertem Kahn donauabwärts wollen, nach Konstantinopel, nach Abessinien, weiß Gott wohin. Da sind die drei jungen Menschen, die vor turzem in unserer Redaktion waren und erzählten, daß sie hich singend und musizierend bis nach Brafilten durchschlagen wollen. Da sind die Schwarzfahrer, die, auf Waggonachsen tauernd, zwischen rasenden Rädern und zwischen Tod und Leben irgendwohin fahren. Da sind... nein, es ist nicht möglich, fie alle aufzuzählen. Abenteurersucht? Sportwahnwit? Nein. Hunger ist es, 1 ackter Hunger, der arme Teufel verleitet, Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Vielleicht gibt es doch irgendwo und irgendwie irgendeine Möglichkeit... So denken ihre zermarterten Hirne. Und das Knurren des Magens ist die Begleitmusik zum Start. Ihnen allen wäre ganz ge= wöhnliche, ganz unromantische, ganz normale Arbeit viel, viel lieber. Eine ungeheure Menge von Energie, von Jugendkraft verpufft da. Anstrengungen, vernünftigerer Leistung würdig, werden gemacht weil es feine Arbeitsmöglichkeit gibt. Tausende raffen sich zu irgendeiner Sinnlosigkeit auf, um der Untätigkeit zu entrinnen.. Als Franz Schaffler auf seiner Leiter ging, von Graz bis Budapest, hat so mancher, der ihn gesehen hat, gesagt: „ Schauts! A Narrischer!" Irrtum. Franz Schaffler ist ganz normal. Aber die Welt, in der er, in der wir alle leben müssen, die ist närrisch. Hoffnungslos närrisch... Die Woge Donnernd rollt fie, fingeno manmi ne, tommt heran mit wildem Krachen, tommt von weither aus der Ferne und wird hier zu Grunde gehn. Schwer auf stöhnt sie vor der Brandun doch dann stürzt sie mutig vor, dröhnend hebt sie sich zur Drohung fällt zusammen, ist nicht mehr. Ihre Kinder eilen spielend auf den Strand und aufs Geröll. Niemand ahnt bei ihrem Anblid, wes Kaliber Mutter war. Denn von einstger Größe sprechen weder Staub noch zengen Enkel Diese war und ist gewesen, Zukunft gehört andern Wogen. Die Not der französischen Intellektuellen " L'Intransigeant" veröffentlicht den bisher aus inner politischen Gründen geheim gehaltenen Bericht eines hoher Beamten am Arbeitsministerium, Rosier, über die Not des französischen intellektuellen Jugend; wir entnehmen ihm folgende Ziffern: Unter Ausschluß der großen Schulen"( Polytechnikum Centrale, Navale, St. Cyr usw.) waren im Juli 1933 an der französischen Universitäten 85 000 Studenten eingeschrieben die Fremden nicht eingerechnet; 25 000 entfielen allein au die Rechtsfakultäten, gegen 9000 im Jahre 1900. Der An drang zu den Wettbewerben der„ Grandes Ecoles", die eine staatliche Anstellung mehr oder weniger verbürgen, wai demgemäß ungeheuer.„ Polytechnique" zum Beispiel ver zeichnete 1390 Anwärter für 180 verfügbare Pläße, die Kolo nialschule 400 Kandidaten für 25 Plätze, die Seeschule 500 Be werber für 60 Pläße. Die ehedem so berühmte" Lizenz", dem deutschen Doktorat entsprechend, hat kaum noch einen praktischen Wert; die Inhaber melden sich bei den öffent lichen Arbeitsvermittlungsämtern zusammen mit dem Heer der jungen Leute, die nicht einmal das Abgangszeugnis der Volksschule besitzen. Noch höhere Diplome, das Doktorat, die„ Agregation", das Abgangszeugnis der obersten franzö fischen Ingenieurschule( Centrale), verleihen ebensowenig Aussicht auf irgend einen Broterwerb; die Erbitterung der intellektuellen Jugend Frankreichs, der Staat und Gesell schaft nicht einmal mehr den nackten Lebensunterhalt gewährleisten, wächst von Tag zu Tag und mit dieser starken sozialen Gefahr wird Frankreich bald rechnen müssen. Wenn der Zeitungssetzer rebelliert. Die Pferde treffen eine Stunde vor Beginn der Auktion zur Besichtigung der Käufer ein. * Die Bewohner der Straßen Blankenburgs, durch welche die allerhöchsten Herrschaften fuhren, waren glänzend illuminiert. * Der Komponist ist der Sohn des durch sein wirken an der hiesigen Sommerbühne vor einigen Jahren ver storbenen Kapellmeisters Chemin- Petit. Ueber den Gerolsteiner Sprudel: Es ist wohl kaum einem Mineralwasser beschieden gewesen, sich die Gunst des Pu blikums so rasch zu gewinnen wie diesem künstlichen Naturprodukt. K. S. Lachen nicht verfernen Der Geiger Josef Joachim lernte als nicht mehr ganz junger Mann in Berlin Eislaufen, stellte sich aber sehr ungeschickt an. Nachdem Joachim öfters hingefallen war, sagte der Eislauflehrer:„ Ja, ja, Herr Professor, Eislaufen ist nicht so leicht wie Geige spielen." Auf dem Jahrmarkt:" Was, das soll ein Zwerg sein? Der ist ja beinahe ebenso groß wie andere Menschen. -„ Das ist ja gerade das Seltene, er ist der größte Zwerg der ganzen Welt." * Aus der Jugend": Depeschenboten trafen sich. Auf einer sonnigen Bank im Park.„ Nanu? Urlaub?"„ Nein. ich habe einen dringenden Eilbrief zu bestellen."„ Fein! Dann setz dich eine halbe Stunde zu mir." * Eheleute gingen spazieren. Im strömenden Regen. Plöz lich fragte der Mann:" Möchtest du mit einem Mann ver heiratet sein, der nur ein Auge hat?"„ Niemals." " Dann pass' gefälligst auf deinen Schirm besser auf!" Der Jüngling hat den Ehrgeiz, Zeitungsreporter zu wer den. So tritt er als Volontär in die Redaktion ein. Für Sie hab ich eine schöne Aufgabe!" ermuntert ihn gleich der Chefredakteur. Da findet in M.dorf die Einweihung einer neuen Kathedrale statt, fahren Sie hin, machen Sie einen interessanten Bericht von etwa einer Schreibmaschinenseite, und geben ihn bis 6 Uhr telefonisch durch." Der Journalisten- Jünger zieht ab und eilt mit der Bahn nach M.dorf. Um sechs kommt nichts und ist nichts.„ Tele grafieren Sie," befiehlt aufgeregt der Chef der Sekretärin, " wo bleibt Bericht?"" Eine Stunde später kommt die Antwort: " Nichts zu berichten stop Bischof auf Kanzel tot umge fallen." ( Tatler") Aus der Schule.„ Manche weibliche Vornamen sind von männlichen hergeleitet, zum Beispiel Franziska von Franz, Ernestine von Ernst! Nenne mir noch einen!" Barbara von Barbar!" ( Fliegende Blätter") Christ oder Nationalsozialist? Der Hitlerismus und die Kirche- im ausländischen Licht Die nachfolgende Betrachtung finden wir im Pariser« Temps" vom 30. Auguft. Diese ernste Würdigung der Beziehungen zwischen Kirche und Nationalsozialismus verdient darum eine wörtliche Wiedergabe, weil sie zeigt, wie wenig durch das jüngste Konkordat die Situation zwischen den beiden Kontrahenten geklärt worden ist. Die gleichgeschaltete katholische Presse auch im Saargebiet- fut so, als ob hier eine Lösung" geschaffen worden sei. In Wahrheit besteht und darin stimmen wir mit dem Autor des« Temps" überein- die Unvereinbarkeit zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus, der die rassische Ausschließlichkeit zur Weltanschauung" erhebt, unvermindert weiter. Freilich nur dann, wenn man von der Religion ausgeht und nicht von den taktischen Bedürfnissen der Hierarchie. Redaktion « der Deutschen Freiheit". unterzeichnet haben, höchstens ist es dadurch dringlicher geworden. Ein Konkordat ist eine politische Uebereinkunft, die geistliches Opfer zu bringen braucht. Aber, es sei noch einmal ausschließlich praktische Ziele im Auge hat und die keinerlei gesagt, es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen diesem Konkordat und den anderen: er besteht in der Tatsache, daß der Sitlerismus eher eine Glaubensbewegung als eine poli: tische ist. Er zeigt nach außen einen brennenden Befehrungseifer. Er möchte außerhalb Deutschlands die ganze Welt mit Hilfe der überall verstreut lebenden Germanen erleuchten. Er möchte auf die eine oder andere Weise die Welt für seinen Glauben erobern. Sicherlich kann man behaupten, daß das Konkordat für die Kirche einen Sieg bedeutet. Man kann selbst hinzufügen, wenn man ein wenig nachdenkt, daß es beweist, wie wenig der Vatikan an die Dauer des Hitlerismus glaubt, indem er diesen wie eine vorübergehende Erscheinung behandelt. Aber der Hitlerismus behauptet, daß er das Schicksal Deutschlands für mehrere tausend Jahre in die Hand genommen habe. Und wenn das Schicksal will, daß sein Leben lange dauert, dann ist es ohne Zweifel er, dem das Konkordat als ein entscheidender Sieg erscheint, weil nämlich jetzt die Kirche zu den wesentlichen Säßen seiner Lehre schweigt. Millionen von Katholiken in der ganzen Welt fragen sich in großer Angst; Millionen von Ratholiken empfinden feinerlet Zweifel über ihr eigenes Gefühl gegenüber dem Sitleris Christoder Nationalsozialist? Berwirrung fürat und das sie nicht begreifen können. Sie Ob für die Dauer oder nicht jedenfalls ist eine Lehre in der Welt entstanden, die 20 Millionen zivilisierte Menschen erobert hat, bevor sie mit Gewalt deren übrige Landsleute sich unterwarf. Der Nationalsozialismus gilt in Deutschland nicht nur als ein politisches Dogma, sondern auch als eine Lehre von der menschlichen Gesellschaft, Noch mehr, er wendet sich bei seinen Anhängern an die geheimnisvollen Kräfte der Seele, die über die verstandesmäßige Zustimmung hinaus den Glauben schaffen, die Auffassungen bestimmen, Uebernatürliches einwirken lassen und den Willen beflügeln. Um feine Getreuen einzuordnen, besitzt er seine Prediger, seine Würdenträger, seinen Pontifex. Er stellt sich als eine neue Wahrheit vor und, sprechen wir es aus, als Erlöser. Das einfachste Gehirn fann sich nicht der Erkenntnis verschließen, daß die Lehre dieser neuen Kirche der christlichen Auffassung vom Menschen und vom Universum als eine ganz selbständige Lehre und, in wesentlichen Punkten, als ein wirklicher Gegensatz gegenübersteht. Die ganze katholische Gesellschaftslehre leitet sich von einem Grundsatz ab, den kürzlich der Kardinal Pacceli, der Staatssekretär Seiner Heiligkeit und der ehemalige Nuntius in Deutschland kürzlich umschrieb. Dieser Grundfatz ist die fundamentale Einheit der großen menschlichen Familie". Die ganze nationalsozialistische GesellschaftsTehre beruht auf der Idee der Ueberlegenheit einer Rasse. Die katholische Kirche hat aus ihren Grundsäßen sehr befimmte Schlußfolgerungen gezogen, die in klarer Weise in Erklärungen aus neuer Zeit ihren Ausdruck gefunden haben. Die Nationen, wie die einzelnen Menschen, haben unterenander Verpflichtungen, Verpflichtungen der Gerechtigkeit und der christlichen Barmherzigkeit; es gibt ein allgemeines, übernationales Wohl; die Völker dürfen sich nicht auf sich selbst beschränken, sondern müssen sich der einigenden Zusammenhänge bewußt werden. Bon seiner Grundidee ausgehend, zieht der Hitlerismus täglich Folgerungen zugunsten eines nationalen Egoismus, der als ein kategorischer Imperativ verkündet wird. Das Christentum( das war eins seiner ursprünglichen Kennzeichen) hat die bürgerlichen Pflichten von den religiösen gesondert. Inmitten der antiken Welt, in der die Götter, die jedes Volk für sich besaß, als Würdenträger des Staates erschienen, hat Christus verkündet, daß Gott der sönliche sind, über die niemand dem Cäsar Rechenschaft schuldet und schließlich, daß es innerliche Angelegenheiten gibt, in denen jedes denkende Wesen völlig unabhängig und fret ist. Der Hitlerismus( und das ist eins seiner hauptsächlichen Kennzeichen) vermengt das Menschliche und das Göttliche, schafft eine platonische Idee von Deutschland, macht aus dieser Idee ein geistiges Wesen, eine Verfündung, die erschöpfend den Willen Gottes ausdrückt und sich den Geist des Volkes dienstbar macht. Bater aller Menschen ist, daß die Beziehungen zu ihm perDas Christentum hat zum Menschen gesagt: Du hast eine ewige Seele, und Dein Daseinszweck ist das Heil, d. H. Gott. Als Mitglied der Gesellschaft arbeitet der Mensch für das allgemeine soziale Wohl, weil dies ein Mittel ist, den Endzweck zu erreichen und das menschliche Leben auf eine Weise zu leben, die des Menschen Würde entgegenkommt. Unter diesem Gesichtspunkt find die Menschenrechte sogar denen der Gesellschaft überlegen. Die Gesellschaft muß helfen, das Leben menschlich zu gestalten, die menschlichen Bedürfnisse der Intelligenz, des Willens und des Gefühls zu befriedigen. So sprach sich im letzten Jahr der General des Dominikanerordens aus.„ Der natürliche Gegenstand jeden Eingreifens auf sozialem Gebiet ist die Hilfe für die einzelnen Glieder der Gesellschaft, nicht aber ihre Unterdrückung noch ihre Auffangung." So fagt Pius XI, in der Enzyklika Quadragesimo Anno. Der Hitlerismus sagt zum Menschen: Du bist nur ein Rädchen innerhalb der deutschen Gemeinschaft; in ihr gehst du auf; ihr gibst du dich; sie ist es, die frei über dich verfügt und aus dir macht, was angemessen und nüßlich ist. Für das Christentum gibt es zuerst die Seele, die Seele des einzelnen, die ein geschlossener geheiligter Raum ist; die Aufgabe der Herrschenden ist, für die Seelen zu regieren, allmählich die Beschränkungen zu beseitigen, die ihre Entfaltung behindern, und darüber hinaus den Menschen das höchste natürliche Gut zu geben, den Frieden. Für den Hitlerismus beherrscht die messianische Aufgabe Deutschlands in einem solchen Grade das gesamte Geschehen, das sich auf unserem Planeten abspielt, daß man sich den Krieg nicht als ein Mittel megdenken fann, um die höheren Ziele des Menschengeschlechts zu erreichen. Die Moral des Christentums ist gegründet auf der Idee der Demut. Die Grundlage des Hitlerismus ist der Hochmut. Schließlich beruht die christliche Theologie selbst auf dem Bekenntnis, daß Gott als Mensch auf der Erde gewandelt hat und unter uns als Kind einer einfachen jüdischen Familie in Palästina geboren worden ist. Man sieht bisher feine Möglichkeit, diesen ersten Grundsatz des Glaubens mit den unmittelbaren Gegebenheiten des Hitlerismus in Einflang zu bringen. Ob man will oder nicht, es ergibt sich die Frage: Kann man gleichzeitig Chrift und Nationalsozialist sein? Diese Frage wird gestellt, ja fie drängt sich auf. Es ist der menschlichen Einsicht nicht mehr möglich, ihr auszuweichen. Sicherlich ist das Problem nicht durch das Konkordat geschaffen worden, das der Vatikan und die Reichsregierung mus, und sie verwundern sich über ein Schweigen, das sie in Verwirrung stürzt und das sie nicht begreifen können. Sie haben das Bedürfnis, sie haben das starke Bedürfnis nach Klarheit über die Meinung der Kirche in diesem Augenblick, da eine neue Religion emporsteigt, die kategorisch sowohl die moralischen Werte, die 20 Jahrhunderte alt sind, ableugnet, als auch die jungen Hoffnungen einer Generation, die, nach dem sie am Kriege teilgenommen hat, den endgültigen Völkerfrieden erträumte. Die Unruhe ist so groß, daß man vielfach bei Gläubigen und Ungläubigen, bei Ratholifen und Protestanten die gleichen Gefühle bemerkt. Die Gefahr ist derart die intellektuelle und die moralische Gefahr, daß es scheint, daß die inneren Verschiedenheiten nach Ausgleich streben angesichts einer Kraft, die nicht nur das Wohl diefer oder jener Menschengruppe bedroht, sondern ein hohes Gut, das sich weder auf die Rechte noch auf die Linke, weder auf das eine noch auf das andere Land beschränkt, ein Gut, das allen gehört: das ist die christliche 3ivilisation. Ein Optimist dürfte sich fragen, ob es nicht selbst möglich ist, daß diese feindliche Kraft dazu diente, gegen sich die Einigkeit so vieler Meinungen aufzurichten und mieder herzustellen( die oft weniger voneinander abweichen, als man glaubt oder die wenigstens einen gemeinsamen Boden besitzen). Wenn der Hitlerismus in der Welt triumphierte, gäbe es nirgendwo weder einen Christen noch einen Frei: denker, der nicht erkennen müßte, daß alles falsch gewesen ist, was feiner Seele am teuersten war, alles, was sein Geist und sein Leben beherrscht hat. Wie oft in der Geschichte hat die Kirche Konzilien berufen, um weniger große Schwierigkeiten auszuräumen und sich über weniger flare Härefien auszusprechen! Der Zusammentritt eines Konzils bleibt im Rahmen der UeberIeferung. Niemals ist ein Konzil so notwendig gewesen, niemals hat dafür eine so gebieterische Notwendigkeit bestanden, daß die Kirche, wenn sie sich ihr verschlösse, alle die unendItchen Güter, für die sie verantwortlich ist, in einen Abgrund stieße und, um einige materielle Nachteile von 15 Millionen ihrer Gläubigen abzuwenden, alle anderen in eine geistige Wüste verbannte, in der fürderhin niemand seinen Weg zu finden vermöchte. Mar Hermant. ..Impcrium teutonicum" Was eine christliche Frau dazu sagt Im Freien Aargauer" beschäftigt sich eine deutsche Frau sehr gründlich mit Wilhelm Stapels Schriften. Dieser ehemalige Theo loge gehört heute zu den wildesten Bekennern des friegerischen Nationalsozialismus, der ein„ Weltimperium" unter deutscher Führung durchsetzen müsse. Die deutsche Frau, die ebenso einfach und anschaulich zu schreiben weiß, ist, wie jedes ihrer Worte verrät, eine wirkliche Christin: Welche Nation soll nun, nach Stapel, die Trägerin dieses 2. weil sie die eigentliche und die einzige Religion des Nationalsozialismus darstellen; 3. weil ich fühle, daß ihre Ausstrahlungen über den Schutzs wall der Grenze hinweg auch schon in die Schweiz ges drungen sind. Ich sehe in ihnen ein vollendetes Meisterstück des Satans. Er hat sich den Schafspelz ans geblich chriftlicher Mystik umgehängt, um die Seelen für sein Höllenwert einzufangen. Wir können ihm nur widers stehen, wenn wir ihn voll erkennen und durchschauen. Die Welt muß wissen vom Imperium teutonicum", damit sie erkennt, was ihr droht. Zum Schluß möchte ich Ihnen noch einige Worte des Evangeliums ins Gedächtnis rufen, die fürzlich an dieser Stätte zitiert wurden, die heute besonders ihren ewigen Sinn erweisen: Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafs: fleidern zu euch fommen, inwendig aber find fie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum fann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer gewerfen. Auch das sind Katholiken! Sie sehnen sich nach dem Scheiterhaufen Es gibt heute viele Spielarten von„ Katholiken". Am schlimmsten sind diejenigen, die vor sieben Monaten noch in scharfem Gegensatz zum Nationalsozialismus standen, heute aber überall„ Verwandtschaften" entdecken. Zu ihnen gehören die katholischen Studenten. Zwangsweise gleichgeschaltet, salvieren sie sich jest nachträglich ihr Gewissen durch schmachvolle Liebedienerei. In Nr. 240 der„ Germania" schreibt Dr. jur. Eduard Fischer unter anderem über die Beziehungen zwischen Nationalsozialismus und den katholischen Studentenverbänden": Die katholische Kirche fann mit feiner Partei oder polis tischen Ansicht gleichgesetzt werden, aber das heißt nicht, die tiefe geistige Verwandtschaft zwischen Nationalsozialismus und katholischer Kirche lengnen. In der Tat weiß jeder, der mit der Lehre und der Geschichte der katholischen Kirche auch nur einigers maßen vertraut ist, wie enge diese geistigen Beziehungen find. Es ist gewiß mehr als ein Zufall, daß gerade ein so ausschließlich fatholisches Bolt wie das italienische zuerst faschistisch wurde, und daß gerade das faschistische Italien mit dem Heiligen Stuhl Frieden und Freundschaft ge= schloffen hat. Der Kampf gegen die Gottlosenbewegung, gegen Sozialismus und Liberalismus und gegen die Freis maurerei, Fortschritte", mit denen sich nach einer Wendung des Sylabus die Kirche niemals abfinden kann, das Borgehen gegen die verderblichen Auswüchse der Freiheit, besonders gegen die nach einem Worte Gregors XVI. feligen Angedenkens nie genug zu verwünschende Freiheit der Presse" und in Berfolg dessen Zensur, Büchers beschlagnahme und verbrennung, das alles ist ebenso sehr in hervorragendem Maße tatholisch wie nationalsozialistisch, und ebenso ist das starte Betonen der gottgesetzten Aus torität, mag fie nun geistlicher oder weltlicher Art sein, beiden Anschauungen gemein, mögen auch die Gründe hiers für teilweise andere sein. Das faschistische Ge= dantengut, oft katholischer und nationalsozialistischer Art zugleich, muß jedem Mitglied eines fatholischen und besonders eines fatholischen Studentenverbandes mit aller Kraft eingeprägt werden. Hier verständigen sich mittelalterlicher und neufaschistischer Scheiterhaufengeist in idealer Weise. Die katholischen Stu dentenverbände sind glücklich, den Ballast der Freiheit, den sie bisher trugen, endlich abwerfen zu können. Die christliche Liebesidee ist ihnen nicht so viel wert wie die Sehnsucht, vom faschistischen Gewaltstaat als treue Anhänger seiner Konzentrationslager- Autorität anerkannt zu werden. ,, Burschen heraus!" Und Knechte herein!" Wahrhaftig, der Katholizismus muß sehr vielseitig sein, um ruhig zufehen zu können, was Akademiker heute in seinem Namen verkünden! einen Reiches, diefes Weltimperiums, sein? Er antwortet: Der Abt mit der Standarte " Der Träger des neuen Imperiums kann nur die deutsche Nation sein." Diese Behauptung wird gewissenhaft begründet und daraus geschlossen: Nur ein von Deutschen geführtes Europa kann ein be: friedetes Europa werden. Europa krankt an der Schwäche der Deutschen. Nur wenn wir die Vormacht haben, können für uns die Grenzen so bedeutungslos werden, daß wir sie sogar lassen können, wie sie sind. Sind wir die Vormacht und ist der Deutsche, in welchem Land und Volk Europas auch immer, als der Erste anerkannt, so wird endlich Ordnung kommen in diesen zerrissenen Erdteil. Wo uns das Imperium nicht zugestanden wird, muß es errungen werden. Denn wir sind nicht andern gleich", sondern wir sind " Deutsche"... Wir sind Deutsche, gleichviel, ob Minderheit oder Mehrheit und als Deutsche sind wir die Ersten. Es geht nicht um die Zahl, sondern um den Rang der Deutschen. Es geht nicht um die Wirtschaft, sondern um die Vormacht der Deutschen." Aus diesem Bewußtsein unendlicher Ueberlegenheit des deutschen Volkes über alle Völker quellen ihm die Worte an die deutsche Jugend: Rönnt ihr es ertragen, einer Nation anzugehören, die andern Nationen frondet? Könnt ihr es ertragen, in die Armseligkeit gedrückt, ein hoffnungsloses Leben zu verbringen? Rönnt ihr es ertragen, daß die Welt nicht vor euch bangt? Alles könnt ihr haben, wenn ihr den Mut habt, eure Bestimmung zu erfüllen. Es ist ja nicht, wie die Unwissenden behaupten, die wirtschaftliche Sorge, die euch verbittert, es ist der Stolz. Stolze Jünglinge und eine unterworfene Nation... wie geht das zusammen? In eurer Bitterfeit gärt die Zukunft. Euer Stolz muß von Gott belohnt werden mit dem Führer, der euch zu Herren macht über die weiten Länder, die eurer Herrschaft bestimmt sind. Eurer Herrschaft, die wieder Größe und Glanz bringen soll in diese dumpf gewordene, dem Geld und der Gemeinheit verfallene Welt." Wenn ich Ihnen so ausführlich vom„ chriftlichen Staatsmann" Wilhelm Stapels gesprochen habe, so tat ich es: 1. weil sie nicht etwa die Auslassungen eines irrfinnigen Literaten find, sondern weil sie durchaus maßgebend für die deutsche Geisteseinstellung find, vom Nationalsozialis: mus nicht nur vertreten, sondern auch gelebt werden; ,, Feierlich eingeholt" Rosenheim, 5. Sept. Bei der Einholung des der Standarte 4( Chiemgau) vom Führer in Nürnberg verliehenen Feldzeichens war am Montag früh auch Abt SchachLeitner in Rosenheim zugegen. Sonderkommissar Moder teilte mit, daß er am Sonntag im Kloster Ettal im Auf= Schachleitner abgeholt habe, wo er das trage der Obersten SA. Führung den Abt heilige Meßopfer zelebriert hatte. Von jetzt ab wird der Abt dank der Bemühungen des Führers Adolf Hitler und des Münchener Erzbischofs Kardinal von Faulhaber wieder täglich das Meßopfer feiern. Abt Schachleitner dankte dem Reichskanzler und dem Erzbischof in seiner Ansprache, daß sie sich für ihn dafür eingesetzt hätten, eine Aufhebung des Zelebrierverbotes zu erreichen. Dic Religion des Hasses In einem langen Leitartikel, der von einer natürlichen und maßvollen Empörung erfüllt ist, wendet sich der„ Daily Telegraph" gegen den Mörderkult, der sich in den deutschen Massen durchzusehen scheint, und gegen die Ausnüßung der wirtschaftlichen Enttäuschungen und der Reffentiments gegen das Diktat von Versailles durch Hitler. Der Artikel schließt, indem er die Religion des Rassenhasses, die Hitler predigt, brandmarkt: " Der Raffenhaß ist für ihn keineswegs eine der niedrigsten menschlichen Leidenschaften, sondern ist Pflicht und Ehrens fache. Hitler hat das lächerliche Märchen wiederholt, daß der Nationalsozialismus Deutschland vor dem bolschewistischen Terror gerettet habe. Das ist die demagogische Art, den natürlichen Zusammenbruch der kommunistischen Macht zu erklären, der man niemals zugetraut hat, daß sie die Polizei überwinden könne, gefchweige die Armee. Hitler beglückwünscht sich und beglückwünscht Mussolini, ein Res gierungssystem des gesunden politischen Sinnes" aufs gerichtet zu haben. Man kann sich die Kommentare des Duce über diese Inanspruchnahme des gesunden Sinnes" durch einen Imitator vorstellen, der seine Partei mit einem Dugend schmählicher und schädlicher Dumm= heiten aufgezogen hat, die der Duce immer forgfältig zu vermeiden wußte." Sadisten Unmenschliche Quälereien Alltag im„ dritten Reich" Mein Stiefbruder R. R. ist österreichischer Staats Aus dem Privatbrief eines deutschen Intellektuellen angehöriger und hält sich zur Zeit in F. in Deutschland auf, weshalb ich auf ausgeschriebene Namen verzichten muß. Er ist arbeitslos und lebt in sehr schlechten Verhältnissen, aus welchem Grunde er von meiner Mutter, die sich geschäftlich in Warschau aufhält, in Briefen mit polnischen Zlotys unterstützt wurde. Einmal wurde einer dieser Briefe, wahrscheinlich von der Geheimen Staatspolizei geöffnet, denn er kam nicht an, obwohl ihn meine Mutter abgeschickt hatte. Dafür wurde nun mein Stiefbruder am Abend von einer braunen Horde aus seinem primitiven Hotel geholt und in das SA. Heim, das wenige Häuser entfernt liegt, geschleppt. Hier wurden ihm zunächst sämtliche Papiere abgenommen und dann begann das Verhör". " Du Judenschwein, wofür bekommst du polnisches Geld? Du Sowjet- Propagandeur..." Als sich mein Bruder mit Worten verteidigen wollte, wurde er zu Boden geschlagen. Dies geschah mit einem vierkantigen Stuhlbein, das ihm einer der SA.- Männer quer ins Gesicht hieb. Das genügte der Bande einst weilen. Später wurde er, mit anderen„ Verhafteten" zusammen in den Hof geführt, wo sie gezwungen wurden, ein Loch in den Lehmboden zu graben, das etwa ein Meter breit, zwei Meter lang und ein Meter tief war. In diese Grube ließ ein Nazi mit einem Schlauch Wasser laufen, das sofort zu einer braunen schlammigen Brühe wurde. Meinem Bruder, der durch den Hieb schon gräßlich verunstaltet war, wurde nun ein alter Kartoffelsack über den Kopf gezogen und dann warf man ihn, mit den Kleidern, mit anderen Menschen zusammen, in das Wasserloch. Als es meinem Bruder endlich gelang, den Sack von seinem Kopf zu ziehen, sah er, daß um die Grube herum etwa fünfzehn Nazis standen, die die Unglücklichen, wenn sie aus der Brühe heraus wollten, mit den schweren, genagelten Schuhen wieder zurückstießen. Nach zwei Stunden ließ man die„ Verhafteten" endlich wieder heraus, über und über mit Schmutz und Lehm beschmiert. Nun wurden die„ Gefangenen", darunter auch mein Bruder, an eine Wand gestellt und„ erschossen". Das bestand darin, daß ein SA.- Mann die ganze Reihe, die an der Mauer stand, mit einem Feuerwehrschlauch abspritzte, um sie vom Dreck zu säubern", wie es hieß. In Wirklichkeit war das nur eine neue Qual, denn der Wasserstrahl hatte eine ungeheuere Stärke, so daß zwei der„ Gefangenen" einfach zusammenbrachen. Dem Nazi machte es besondere Freude, den harten Strahl mitten in das Gesicht der Opfer schlagen zu lassen. Besonders bei meinem Bruder, der ja im Gesicht schon die tiefe Wunde vom Schlag mit dem Stuhlbein hatte. Man versicherte meinem Bruder, daß er ins Ronzentrationslager kommen würde, wenn er sich bei der zuständigen Polizei beschweren ginge. Als ich meinen Bruder vor kurzer Zeit besuchte, war sein Gesicht von dem Schlag gräßlich entstellt und ich konnte ihn kaum miedererkennen. Er wird sein Leben lang eine sichtbare Erinnerung an die nationale Erhebung haben. René Colt. Nazi- Vorstöße in Lothringen Man schreibt uns: Wir veröffentlichen folgende Auszüge aus dem Privat brief eines deutschen Intellektuellen, weil sie das Alltagsleben des„ dritten Reiches" in seiner ganzen Trostlosigkeit schildern: Jmmer schwerer wird es, Nachrichten zu geben, und man wird eigentlich immer verwirrter und verwirrter. Bald wird sich alles auflösen. In den letzten Tagen waren bei mir zwei Haussuchungen; man hat natürlich nichts gefunden, aber wenn sie ein drittes Mal wieder kommen, werden sie mich wohl mitnehmen, ob nun eine Veranlassung vorliegt oder nicht. Denn wenn man lange keinen Grund zu Verhaftungen gehabt hat, dann muß man wohl ein bißchen nachhelfen und„ ramschen". Du verstehst. Sonst könnten sie ja nicht ständig verbreiten, daß wieder einige Hundert marxistische Verbrecherschweine gefaßt und sichergestellt worden sind. Ich zitiere hier fast wörtlich die Rundfunkreden. Na- und was " sichergestellt" bedeutet, wissen wir bereits. Auch werden täglich, und man kann schon sagen, stündlich, Berichte vom nationalen Fortschritt gegeben und dazu gehören natür lich die Nachrichten, wie viele Maschinengewehre, Pistolen, Handgranaten, Munition, schwere Geschütze usw. bei den Kommunisten und Sozialdemokraten beschlagnahmt wurden. Nun ist das sehr sonderbar. Erstens glaube ich, daß tatsächlich noch sehr viele Waffen versteckt sind, denn so dumm war schließlich niemand, alles gleich vorn in den Schrank zu tun, und zweitens wird das, wenn man es zusammenzählt, eine hübsch große Masse. Diese„ beschlagnahmten" Waffen und die Munition bleiben aber natür lich auf ganz legale Weise im Land und werden auch nicht unbrauchbar gemacht. Nicht einmal offiziell. Nun glauben wir hier alle, daß dies nur eine Tarnung der un gebeuren Aufrüstung ist, die in einem fieberhaften Tempo betrieben wird. Und sollte es mal wirklich zu einer Untersuchung dieser Sache kommen- ich weiß nicht, ob es richtig ist, aber man munkelt was von einer Völkerbundskommission, so wird einfach alles als„, Margisteneinlegen, diesen Verbrechern" das Handwerk gelegt zu material" bezeichnet werden und man wird sich noch Ehre haben. Hast Du gehört, daß G. aus dem Krankenhaus in Rinteln geflohen ist? Er bekam auf der Flucht einen sehr schweren Oberschenkelschuß und man hat ihn Tag und Nacht wie einen Schwerverbrecher sprungen zu sein. Gehört haben wir nichts von ihm; überwacht. Er scheint durch das Fenster ge aber gekriegt haben sie ihn bisher auch nicht. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, in welcher ständigen Erregung wir leben. So oft einer durch die Straßen geht, sieht man ihm nach, ob er noch heil um die Ecke kommt, ob das ein Brauner oder Roter gewesen ist und so. Ich kann Dir aber sagen, trotz Spigelei und Verräterei ist die Soli darität niemals größer gewesen als ge: radz jezt. Daß die SA. meutert, hat natürlich überall ihren eigenen Methoden, so daß diese nicht mehr ein und aus wußten und ihnen der Schweiß auf der Stirne perlte. Es hätte nicht viel gefehlt und die schönste Schlägerei wäre im Gange gewesen. Die Agitationsreise wurde von der Gruppe Bär in dem Citroen- Wagen Saar 8609 unternommen. Es sind behördlicherseits alle Maßnahmen getroffen, um die Herren bei ihrem Wiedererscheinen entsprechend zu empfangen. In allen derartigen Fällen wird fünftighin so fort die Gendarmerie benachricht, um solche Frechheiten auf französischem Boden ein für allemal zu unterbinden. Die französischen Aufsichtsbehörden haben Anweisung, strengstens gegen solche Leute einzuschreiten. Nach den wahnwißigen Aeußerungen von Staatsrat Simon, in das größere Deutschland müsse u. a. auch ElsaßLothringen wieder einbezogen werden, macht sich schon prompt eine verstärkte Nazi- Propaganda im lothringischen Grenzgebiet bemerkbar. Im nahen Forbach, in St. Avold und Merlebach usw. wird gegenwärtig zentralistisch von Saarbrücken aus durch redegewandte und propagandistisch geschulte Agitatoren eine nationalsozialistische Zersetzungsdaß sie von leichtgläubigen Menschen widerspruchslos entgegengenommen wird. So agitierte am Donnerstag ein derartiger Propagandastoßtrupp unter Führung eines gewissen Herrn Bär(!) aus Saarbrücken in Forbach, während eine andere Gruppe ihre nationalsozialistischen Ideen in Merlebach und St. Avold an den Mann zu bringen versuchte. Der Nationalsozialist Bär ging in einem Restaurant in Forbach soweit, Max Braun in unerhörtester Weise zu beschimpfen; er sei von dem morschen und faulen Frankreich gekauft und bestochen. Das wurde einigen Herren jedoch zu dumm. Sie verwahrten sich energisch gegen solche offene Beleidigungen und attackierten die Saarbrüder Nationalsozialisten mit propaganda getrieben, die oftmals so geschickt inszeniert ist, BRIEFKASTEN Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunterricht, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAU DR. BERG Deutsches Unternehmen seit 3 Jahren in Paris ansässig, sucht, zwecks Ausnützung Ihrer Fabrikräume u. Verkaufs Organi sation, Anschluß an Firmen, die gewillt sind, Fabrikation in Frankreich ein zurichten. Otterten unter CW 627 an die ,, Deutsche Freiheit" Saar brücken 3, Schützenstraße 5 Arbeiter- Zeitung". Wir sind erfreut, daß das kommunistische Blatt gute Gedichte aus der Deutschen Freiheit" ohne Quellenangabe nachdruckt. Es gibt also doch noch eine Einheitsfront, leider rur im Bereich der Poesie, wo sie zwar die Herzen entzündet, aber sonst teine weitere Aktivität entfaltet, so lange, wie diese Redaktion in ihrem politischen Teil dem Kampf gegen uns mehr Liebe widmet als demjenigen gegen den Faschismus. Saarbrüder. Sie schicken uns die Glosse Ihres„ Abendblattes" über Alfred Kerr. Wir hatten sie nicht gelesen. Der sie schrieb, ist ein wahrer Schlemmer in der Mißhandlung der deutschen Sprache. Er sieht bei Kerr schwüle" Fantasie. Gottlob keine schwule". Das wäre ein Vergleich mit denen um Röhm, was Alfred Teilhaber mit ca. 50 000 Fr. gesucht zwecks Ausbeutung guter französischer Ver tretungen f. InnerFrankieich und deutschsprachiges Grenzgebiet. Suchender hat bereits ers klassige franz Textilvers tretung. beherrscht die Sprache und besitztAufenthaltserlaubnis Nur seriöse Eilangebote unter 140 an die ,, Deutsche Freiheit". Fr. 300,-wöchentlich lassen sich spielend Büros mit neuem u.radiotechnischem Bedarfsartikel vers dienen. Kein Kapı tal erforderlich! Anfragen sind zu richten an: Kurt Grünbaum Paris 5e Hotel du Square Monge 12, rue des Écoles Deutsche Auswanderer und Flüchtlinge! Ihre Interessen in Deutschland aut steuerlichem, recht lichem, finanziellem. wirt chaltlichem und devisenrechtlich. 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Der Junge war nämlich ihr einziger Erhalter. Ob man den SS.- Mann befreit hat, weiß ich nicht; ich glaube aber schon. Denn solche internen Zwischenfälle", die öffentlich meistens als„ unglückliches Versehen" oder als„ Unfall beim Exerzieren" dargestellt und wer weiß, wie oft ganz verschwiegen werden, sind keine Seltenheit. In der vergangenen Woche wurden zwei erschossene SA.Leute hinter der städtischen Oper gefunden. Dabei erfährt man gerade ein Zehntel von dem, was vorgeht. Dafür erfährt man aber, daß die Regierung ein„ Riesenhilfswerk" für den Winter plant. Sie scheint schon nichts leppiges vorauszusehen. Und zwar so: Das Recht des einzelnen an die Gemeinschaft ist nie größer als das Recht der Gemeinschaft an den einzelnen. Das schließt die Forderung ein, daß zunächst jeder Hilfsbedürftige sich bemühen muß, von selbst seine Lage zu verbessern. Das hat Hilgenfeld auf dem Amtswalterappell der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt im Lehrervereinshaus gefagt. Ich glaube, ein Kommentar ist überflüssig. Ausgenommen da, daß Ende Julizwölf Wohlfahrts. ämter geschlossen wurden. Arbeit gibt es allerdings nur offiziell", und da ist es „ Arbeitsdienst"; aber wer sich nach einer solchen offiziellen Veröffentlichung noch erwerbslos und unterstützungsberechtigt meldet, der wird wegen Verbreitung von Bers leumdungen gegen den jungen, aufbauenden nationalsozia liftischen Staat in ein Konzentrationslager gesperrt. Ich kenne genug Arbeiter in unserem Bezirt, die lieber ver: hungern, als daß fie sich bei der Wohlfahrt oder sonst einer Einrichtung blicken ließen; einfach aus Angst vor der Strafe. Die sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter, die planmäßig aus allen Unternehmungen entfernt werden, bekommen ohnedies nichts, und das Ganze heißt dann: Generalangriff auf die Erwerbslosigkeit! Ich hätte Dir noch viel zu sagen, aber ich weiß nicht einmal, ob Du diesen Brief bekommst. Ich hoffe immer noch, daß sie mit den Durchsuchungen nun Ruhe geben werden und daß ich Dir bald mal wieder schreiben kann. Du hast keine Vorstellung, wie nervös man durch dieses ständige Warten auf Verhaftetwerden ist. Kerr als eine der tiefsten Kränkungen empfinden würde, die ihm je in seinem Leben widerfuhren. Zum Schluß wird der Polemiker mißig. Er sticht Kerr einen Dolchstoß mitten ins Herz, indem er ihm zuruft: Kerr'!! Es tut aber nicht weh. Denn glücklicherweise ist Alfred Kerr von dem preußischen Justizminister, der genau so heißt und jetzt das deutsche Henkerbeil inspiriert, durch ein ge= trennt. Wir haben nicht verfehlt, dem Dichter die kleine Gaswolfe, die der Kehrseite jenes Saarbrücker Intelligenzboldes enteilte, nach vorheriger Entgiftung zu übermitteln. Kapstadt. Eine Wochenausgabe der Deutschen Freiheit" wird sich vielleicht später ermöglichen lassen. Es ist ermunternd, daß Ihnen die bisher in Ihren Besiz gelangten Nummern so gut gefallen haben. Mehrere Berichterstatter. Alle Beiträge für uns müssen von allgemeinem Interesse sein. Stadtklatsch können wir nicht brauchen. Die Berichte müssen Tatsachen enthalten, die auch außerhalb der Landesgrenzen interessieren. Unser Blatt wird in vielen Ländern gelesen. Lausanne. Daß W. Thyssen in einem Pariser Hotel geohrfeigt wurde, ist schon eine alte Geschichte. Er hätte längst ein paar neue Ohrfeigen verdient. D.: F. W. Die Namen haben wir gestrichen. Es besteht sonst die Gefahr, daß die noch in Deutschland befindlichen Angehörigen Schwierigkeiten bekommen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Piz in Dud weiler; für Injerate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schüßenstraße 5. Ungarischer Csárda Auberge Hongroise 76, Rue Mazarine, Paris 6é Métro Odéon Wiener, Ungarische Küche Französische Spezialitäten Prix fix Menü 8.- francs einschl. Getränk. 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