R Freiheit Nummer 70-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Samstag, den 9. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Nichts kommt dem, der die menschlichen Dinge mit einem philosophischen Auge betrachtet, erstaunlicher vor, als die Leichtigkeit, womit die Vielen von den Wenigen regiert werden; und die blinde Hingebung, womit Menschen ihren eigenen Sinn und Willen dem Sinne und Willen ihrer Beherrscher überlassen. Hume. Der Leidensweg zur Inflation Neun deutsche Währungen Das„ Narrenkleid" der Reichsmark Die Teuerungswelle- Die Umsatzschrumpfung Dr. G. Sch. Der augenblickliche Stand des deutschen Währungsproblems wird am treffendsten durch den ständigen Wettlauf zwischen den Preiserhöhungen im Inlande und der Gewährung immer neuer Dumping- Export- Prämien charakterisiert. Der Ausgangspunkt dieses Wettrennens ist die im Zeichen riesiger Rüstungsausgaben, zunehmenden Exportschwundes und staatlicher Finanzmißwirtschaft immer weiter getriebene Verminderung der Raufkraft der Reichsmart. Diese Kaufkraftverminderung versucht man nun wenigstens gegenüber dem Auslande dadurch zu verschleiern, daß man immer neue Valuta- Sorten erfindet. Ihre Zahl beträgt jetzt insgesamt neun, so daß eine führende englische Finanzzeitschrift fürzlich erklärte, daß das Gewand der deutschen Mark durch das Aufsehen immer nener bunter Flicken jezt geradezu einem Narrenkleide gleiche. Diese zahlreichen Sorten von Auslandsvaluten stellen fast durchweg erhebliche Erportprämien dar, weil sie in den verschiedensten Abstufungen ein Disagio von 10 bis 55 Prozent gegenüber dem offiziell notierten nominellen Reichsmart- Kurse aufweisen und trotz dieses Disagios von ben deutschen Erporteuren als" Mart" in Zahlung genommen werden können. Trotz aller Boykottbestrebungen müßte eine solche Exportprämie von 25-50 Prozent zu einer Zertrümmerung der Absatzmärkte für die anderen Industriestaaten führen, wenn die Warenpreise in Deutschland selbst ständig auf dem gleichen Niveau gehalten werden könnten. In Wirklichkeit ist dies aber schon seit langem nicht mehr der Fall und tatsächlich kann man feststellen, daß fast jede Einführung einer solchen neuen Hilfsvaluta eine weitere Preissteigerungswelle im Inlande auslöst oder jedenfalls begleitet. So nimmt dieser Wettlauf ein immer rapideres, Tempo an. Jede neue Preissteigerung wird durch neues Dumping vorübergehend ausgeglichen und jeder solchen Dumpingprämie folgt eine neue Preissteigerung. Der Winter muß zwingend eine weitere Verschärfung dieses Tempos bringen, da immer weniger Devisen zur Rohstoffeinfuhr zur Verfügung stehen. Immer schärfer wird der 3.Jang zum Export. Immer unmöglicher wird eine echte Aususteigerung. Hieraus ergibt sich allein schon die Notwendigke't eines. immer schärferen Schrumpfungsprozesses in der deutschen Wirtschaft, über den auch Erklärungen, wie diejenige des Herrn Dr. Schacht, daß Deutschland heute us Ausland nicht mehr brauche, und daß der sogenannte deutsche Goldstandard" unter allen Umständen gesichert sei, nicht hinwegtäuschen können. Steigende Preise und schrumpfende Umfäße sind heute am den Rückgang des Wertes ausländischer Einlagen im Zusammenhang mit der Dollarschwäche handelt, sind völlig abwegig, da der Kursrüdgang der amerikanischen Valuta im Juli nur wenige Prozente ausmachte. Auch die Annahme, daß die inländischen Einleger ihr Geld nur deswegen zurückgezogen haben, um es in der Produktionswirtschaft zu in= vestieren, findet keine Bestätigung, denn eine solche Erhöhung der Investitionen fönne nicht eine Schrumpfung der Bankbilanzen, sondern nur die gegenteilige Wirkung ausgelöst haben. Alle anderen Ziffern der Bankbilanzen bestätigen dieses Bild, so insbesondere der Posten Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen", der Ende Juli 1988 nur 778 000 RM. betrug gegen 840 000 Ende Juni d. J. und 1187 000 RM. Ende Juli 1982. Der Abrechnungsverkehr bei der Reichsbank belief sich auf 4272 Mill. gegen 4606 Mill. RM. Ende Juni d. J. Die Eins nahmen der Poft aus dem Fernsprechverkehr zeigen ge= waltige Rückgänge; ähnliches gilt von den Einnahmen der Reichsbahn und denen der Kommunen. Hier schreitet man an immer größeren Steuererhöhungen, ohne jeden sichtbaren Erfolg. Selbst die vom Reichsfinanzminister angegebene Zahl von einer Mil liarde RM. als Defizit der deutschen Gemeinden dürfte hinter der Wirklichkeit weit zurückbleiben. Aehnlich ist das Bild bei den Ländern, die jetzt noch schnell vor der Umwandlung in Reichsprovinzen, also vor der endgültigen Liquidation ihrer Finanzen, gewaltige Steuererhöhungen vorgenommen haben. Ein auch nur einigermaßen zutreffendes Urteil auf Grund präziser Daten ist bei der Reichsbank nach wie vor nicht zu gewinnen, da man sich natürlich ängstlich hütet, eine irgendwie erhebliche Erhöhung des Notenumlaufes offiziell auszuweisen. - Der schwere Krisenwinter weg der deutschen Mark. Herr Dr. S ch a cht hat die Garantie für die Wechsel übernommen, die zur Arbeitsbeschaffung ausgegeben wurden. Er versucht allerdings mit allen Mitteln, die Durchführung dieses Arbeitsbeschaffungsprogrammes zu verlangsamen, aber wenn er hier auch gewisse Teilerfolge erzielt haben mag, so wird dieser Kampf doch immer schwieriger werden, wenn die zunehmenden Nöte des Winters die politischen Machthaber zwingen, ihre demagogischen Versprechungen einzuhalten. Von der Reichsbank garantiert find weiter die Steuergutscheine des Herrn von Papen, sowie die riesigen Ausgaben für die Osthilfe. Hier waren bis Ende Juli allein 269 Millionen Mark nur für den Großgrundbesiß der Provinz Ostpreußen bewilligt, während Ende März d. J. dieser Betrag sich nur auf 196 Mill. RM. belief. Garantiert von der Reichsbank sind weiter eine große Anzahl von verschiedenen Krisentrebiten und nicht zuletzt die Finanzierung der Russenwechsel. Die Reihe der von der Reichsbank bewilligten Garantien ist ziffermäßig schon deswegen nicht genau zu er fassen, weil nur in Bruchteil offiziell und zahlenmäßig ver öffentlicht worden ist. Allein aus diesen publizierten Angaben aber ergibt sich eine Garantiesumme von keinesfalls unter fünf Milliarden, also in ungefähr gleicher Höhe, wie der gesamte deutsche Notenumlauf, soweit er in den offiziellen Auss weisen der Reichsbank angegeben ist. Hinter den großen Worten von der Unabhängigkeit vom Auslande und von der unbedingten Aufrechterhaltung des deutschen Goldstandards ist also schon bisher deutlich zu erkennen, daß die wirkliche Situation der deutschen Währung ein ganz anderes Bild bietet. Erst der Spätherbst und vor allem die Wintermonate werden zeigen, ob und wie lange trotz aller Hilfskonstruktionen der paritätische Kurswert der Reichsmark im Zeichen dieser ständig schärferen Preissteigerungen, des Kaufkraftschwundes, des Exportverfalles, der Umfaßschrumpfungen und nicht zuletzt dieser Garantieverpflichtungen der Reichsbank wirklich aufrechterhalten Weit wichtiger als der eigentliche Notenumlauf ist aber die Verpflichtung der Reichsbant, für die Einlösung zahlreicher großer Wechsel grade zu stehen. Soweit dies bisher zu beurteilen möglich ist, vollzieht sich auf diesem Wege über die Einlösungsverpflichtungen der Reichsbank der neue Leidensthe Beidens. werden kann. 12 aus Reichsregierung gegen Regierungskommission odmah ni Binnenmarkt das Kriterium der deutschen Volkswirtschaft. Einstellung luxemburgischer politischer Polizeibeamten? Am deutlichsten wird die Preissteigerung am Lebensmittelmarkt zugegeben, weil man sie hier aus propagandistischen Gründen, also aus Rücksichten auf die Landbevölkerung, offen zugibt. Nach den Erklärungen des Staatssekretärs im Reichsernährungsministerium, von Rohr, hat sich der Butterpreis jetzt im Großhandel von 84 auf 123 Mart, der Milchpreis von 6,5 auf 10 Pfennig erhöht. Entsprechende Preissteigerungen sind beim Fleisch, beim Getreide, den Futtermitteln, 3uderrüben, Kartoffeln, Celen und Fetten eingetreten. Gegenüber dem April d. J. ist der Butterpreis von 1,05 bis 1,10 auf jett 1,42-1,54 RM. gestiegen. Der Margarinepreis, der im März je nach der Sortenwahl zwischen 25 und 60 RPfg. je Pfund lag, ist heute 66 RPfg. bis 1 RM. Von den Fleisch preisen sei nur derjenige für Hammelfleisch erwähnt, der vom April sich bis jetzt fast verdoppelt hat.( 1,00 bis 1,10 RM. gegen 60-70 Pfg.) Für industrielle Fertigfabrikate werden amtlich Preiserhöhungen von„ 20, 30, ja auch 40 Prozent" in allgemein gehaltenen Wendungen und verbunden mit Drohungen über die Festsetzung von Mindest= preisen zugegeben. Detailliertes Material ist hier kaum veröffentlicht worden, weil dem natürlich propagandistische Rücksichten entgegenstehen dürften. Auf der anderen Seit: zeigt sich nun tros dieser Preis fteigerungen, die nicht mit Lohnerhöhungen, sondern im Gegenteil mit einem jetzt immer schärfer gervertretenden Abban der öhne verbunden sind, eine zunehmende Umfahschrumpfung. Schon im Juni waren die Kreditoren in den deutschen Bankbilanzen um 60 Millionen zurückgegangen; im Juli ergibt sich ein neuer Rückgang um 143 Millionen. Die Argumentation, daß es sich hierbei nur um Seit mehreren Tagen wird im deutschen Rundfunk gemeldet, daß Entlassungen saarländischer Polizeikräfte und die Einstellung von Ausländern in die saarländische Polizei bevorständen. Heute nun wissen die gleichgeschalteten Zei tungen im Saargebiet zu melden, daß die Regierungskommission sich nach Luxemburg gewandt habe, um lugemburgische Polizeibeamte zur Verfügung gestellt zu erhalten. Es sei beabsichtigt, vorerst einen Kommissar und fünf Brigadier als Kriminalbeamte in Saarbrüden einzu stellen. Im ganzen sei ein Betrag von nicht weniger al 3 600 000 Franken für zehn Beamte ausgeworfen worden. Die Ausländer" sollen, wie behauptet wird, zunächst nicht uniformiert werden, sondern gewisse polis tische Ueberwachungsdienste, möglicherweise sogar innerhalb der Polizei selbst leisten. In schmeichelhafter Ueberschäßung unseres Einflusses werden wir als Urheber dieser angeblich geplanten Maßnahme bezeichnet. Uns aber ist von den Absichten der Regierungskommission nichts bekannt. Wir können deshalb auch nicht eingehend Stellung nehmen. Immerhin glauben wir folgendes sagen zu dürfen: Wenn es zu einer Reorganisation der Polizei im Saargebiet in der gemeldeten oder einer ähnlichen Art kommen sollte, so tragen diejenigen die Schuld, deren Politif in wildem Terror besteht. Eben erst ist bei der Kundgebung am Niederwalddenkmal von dem nationalsozialistischen Saarführer Spaniol für das Jahr 1935 Mord und Totschlag ( wie tolle Hunde") allen denjenigen angedroht worden, die etwa die Absicht haben sollten, gegen die Barbarisierung des Saargebiets durch die Nationalsozialisten zu stimmen. Daß dabei die Nationalsozialisten ihre Führerclique mit Deutschland" verwechseln, sei nur nebenbei erwähnt. Wären die Terrorpolitiker und ihre Angstnachläufer im Saargebiet noch vernünftigen Erwägungen zugänglich, so müßten sie sich selbst sagen, daß die Polizeibeamten des Saargebietes in eine unmögliche Lage kommen. Man versetze sich in die Schwierigkeiten eines Mannes, der unparteiisch den Polizeidienst ausüben soll. Auch er ist nur Mensch und nimmt Rücksichten auf seine Existenz. Welch eine geradezu heroische Auffassung von Pflichtgefühl und Aufopferung wird ihm zugemutet, wenn er weiß, daß jedes Einschreiten gegen Nationalsozialisten von diesen im Jahr 1935 grausam gerächt werden wird. Jeder saarländische Polizeibeamte liest täglich, daß tausende und abertausende deutsche Beruf3beamte, nur um ihrer Gesinnung willen, aus dem Amt geworfen werden. Er kennt das Elend dieser Beamtenfamilien, die einer trostlosen Zukunft sich gegenübersehen. Zwar hat der Völkerbundsrat den saarländischen Beamten für 1985 Sicherungen zugesagt. Aber aus begreiflichen Gründen kann diese Zusage nicht voll beruhigend wirken. Man weiß, daß das de he faschistische System nationale und internationale Verträge bricht und zudem keine Garantien für die berüchtigten„ Einzelaktionen" übernehmen kann. Die Verantwortung für etwaige unangenehme Umstel lungen in der saarländischen Polizei und für die auch von uns lebhaft bedauerte Unruhe in der Beamtenschaft tragen diejenigen, die politische Kämpfe nicht geistig, sondern mit Messern und Revolvern, mit Boykott und Gesinnungszwang austragen. Deutsche Regierungsstimme Aus Berlin wird zu den Gerüchten über die ReorganiJation der Saarpolizei halbamtlich erklärt: „ Das Landjägerkorps im Saargebiet hat nur die Aufgabe, Aufgabe bisher durchaus gewachsen gewesen. Es ist freilich nicht dazu da, der politischen Willensäußerung r Saarbevölfes rung Schranken zu ziehen oder die Gesinnung der Bevölke= rung zu überwachen. Der jeßige Kurs der Regierungskom mission, die die hemmungsloseste deutschfeindliche Propas ganda landfremder Agitatoren und Spekulanten und ebenso bie fortdauernde Schifanierung der deutschgesinnten Arbeiter und Angestellten durch die franzöfifche Grubenverwaltung duldet, dagegen jede Betätigung im deutschen Sinne aufs äußerste erschwert, würde durch die Heranziehung von aus: ländischen Polizeibeamten eine weithin fichtbare Hervor hebung und Verschärfung erfahren. Die Inxemburgische Regierung, an die die Saarregierung wegen Ueberlassung von Polizeibeamten herangetreten sein soll, hat sich bisher gegenüber Deutschland so forrett verhalten, daß von ihr ein Eingehen auf dieses bedenkliche Anfinnen nicht zu erwarten ist. die innere Ordnung aufrecht zu erhalten und ist diese auf: * Wie die Lage an der Saar in Wirklichkeit ist, geht aus einem Bericht der gleichgeschalteten Landeszeitung", einem früheren Zentrumsblatt, hervor, wonach am 7. September in Herrensohr Anhänger der NSDAP. als Silfspoliaisten gemeinsam mit den Landjägern operierten. Ein solches Parteiregiment laffen wir uns an der Saar nicht gesollen. „ Untragbar" Wichtige schweizerisch- deutsche Verhandlungen Minister Bern, 8. Sept. Der Direktor der Handelsabteilung des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes, Minister Studi, begibt sich auf Anfang der kommenden Woche nach Berlin, wo er mit Reichswirtschaftsminister Schmitt Be fprechungen haben wird. Es handelt sich darum, im Laufe dieser Aussprache eine Verständigungsgrundlage zu finden, auf welcher die zur Zeit ganz untragbar gewor denen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland geregelt werden sollen. Die Neue Züricher 8eitung", eines der angesehensten Schweizer Blätter, ist soeben in Hitler- Deutschland verboten worden. Man darf vermuten, daß den Anlaß zu diesem Verbot zwei Artikel des Blattes in der Morgen- und in der Abendausgabe des 7. September ge= geben haben. Die Artikel sind überschrieben:„ Spektrum der Schweizerisch- deutschen Handelsbeziehungen" und richten schwere Angriffe gegen die deutsche Handelspolitik. Einer ber Kernfäße lautet: Diese sogenannten KonversionssperrmarkScrips leben zweifellos von all den verschiedenen Sperr martsorten weitaus am radikalsten von der Entrechtung der ausländischen Gläubiger, denen mit kaum zu überbietender Unverfrorenheit zugemutet wird, sich aus ihrer eigenen Haut die Riemen schneiden zu lassen, mit denen sie gepeinigt merden sollen." Wir werden auf die für die deutsch- schweize= rischen Beziehungen sehr wesentlichen Artikel noch zurücktommen. Abrüstung und Kontrolle ' Annäherung zwischen Frankreich, Nordamerika und England Paris, 8. Sept. Die Presse ist auch heute mit Berichten und Aufsätzen über die Abrüstung und die Kontrolle angefüllt. Beinahe allgemein ist die Forderung, daß Frankreich aus seiner Passivität gegenüber der deutschen Aufrüstung heraustreten müsse. Nach einer Havasmeldung scheint in den Fragen der Rüstungskontrolle weitgehende Einigung zwischen Nordamerifa, Frankreich und England erzielt zu sein, jedoch macht Nordamerika, wie schon gestern gemeldet, die Bedingung allgemeiner Rüstungsverminderung auch gegenüber Frankreich. Hier scheinen sich beträchtliche Schwierigteiten zu erheben. Eine deutsche Aufrüstung in irgendwelcher Form lehnt auch Nordamerika ab. Verurteilt und hingerichtet! Wilhelm Volk aus Straßburg vom Nazi- Gericht in Hamburg Straßburg, 7. Sept. Am 25. Juli 1988 erhielt eine Straß burgerin durch die Notiz in der„ Deutschen Freiheit" Kennt nis von dem Todesurteil gegen zwei Kommunisten in Hamburg. Unter den Verurteilten war auch der Name Volt verzeichnet. Am 21. August 1933 bekam die Straßburgerin die private Nachricht, daß ihr Sohn Willi Volf in Hamburg begraben worden ist. Ueber die Todesursache ihres Sohnes waren feine genaueren Angaben gemacht worden. Durch die Ungewißheit über das Ableben ihres Sohnes und in der bangen Ahnung, daß ihr Sohn der namentlich genannte und zum Tode verurteilte Volt sein könnte, stellte die altbetagte und schmerserfüllte Mutter weitere Nachforschungen an. Daraufhin erhielt die Mutter am 5. September 1933 folgende Mitteilung aus Hamburg, die wir im Wortlaut wiedergeben: Wilhelm Gaston Bolt, geboren am 17. 12. 1906 in Straßburg( Bas Rhin), hingerichtet in Hamburg am 8. 8. 1933 wegen Mordes. Urteil des Sondergerichts vom 22. 7. 1933 in der Mordsache PolizeiunterKoppka, getötet am 28. 2. 1933 im Hammerbrook. wachtmeister Koppka, getötet am 28. 2. 1933 im Hammerbroot. thi Wir müssen also leider annehmen, daß die beiden Genannten identisch sind. Hierzu fann durch eine mündliche Aussage eines aus Hamburg zurückgekehrten und dort früher wohnhaften Straßburgers ergänzend mitgeteilt werden, daß das Todesurteil nicht auf völligem Schuldbeweis, sondern auf Indizien hin gefällt und die Hinrichtung vollstreckt wurde. Ein zweiter angeblicher Kommunist, der in der gleichen Sache zum Tode verurteilt worden ist, soll Elf Todesurteile Die Henkerjustiz in emsiger Tätigkeit Von Königsberg bis Düsseldorf Königsberg, 7. September. In dem Blumenauer Mordprozeß wegen der Ermordung des SA.- Mannes Holger wurden die Angeklagten Siedels mann und Lange zum Tode verurteilt. Düsseldorf, 7. September. Das ist der Rahmen für ein abgefartetes Spiel, das ganz offenbar wird, als der Vorsitzende, bevor der Staatsanwalt die Anklagerede beginnt, den Angehörigen die Karten entzieht, aus Gründen der Menschlichkeit, weil das, was der Herr Vertreter der Staatsanwaltschaft nunmehr ausführen wird, für sie eine allzu große Belastung sein wird". So sieht die Rechtspflege im dritten Reich" aus! Der Vorsitzende kennt schon im voraus die Anflagerede des Staatsanwalts. Jm Morbyregek Gilmer wurde heute vormittag das Urteil verkündet. Es wurden verurteilt: der Dreher Emil Schmidt wegen Anstiftung zum Mord und Mordversuchs zum Tode und zu zwei Jahren Zuchthaus, der Arbeiter Und was ist Wahrheit? Kurt Arnstedt, der Arbeiter Paul Masgai, der Schreiner Paul Tibulski, der Arbeiter Peter Rohles, der Schleifer Hermann Eggert, der Dreher Heinrich Rieband, der Arbeiter Josef Herr und der Dreher Peter Hupery wegen Mordes und Mordversuchs zum Tode und zu zehn Jahren Zuchthaus. Der Maurer Otto Lukat wurde wegen Beihilfe zum Mord zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Arbeiter Adolf Manz und Jolet eller wurde freigesprochen. Die Verurteilten Jollen am 20. Juni in Erkrath einen Ueberfall auf National: sozialisten verübt haben, bei dem der SS.- Mann Helmer ers schoffen und der SS.- Mann Groß verlegt worden sein soll. * In der Begründung des Urtells das in Düffedorf gefällt wurde, heißt es, daß die Täter mit gezogen und bis ins letzte durchdacht und organisiert gewesen. Jeder einzelne habe seinen Posten bezogen gehabt. Es komme nicht darauf an, festzustellen, was der einzelne getan habe. Die Tat, die geschehen sei, sei die Tat jedes einzelnen und ein flassisches Beispiel für den Tatbestand der Mittäterschaft. Die Todesstrafe habe das Gericht aussprechen müssen, weil das Gefes fie vorschreibe. Die Zuchthausstrafe erhielten die zum Tode Verurteilten wegen Mordversuchs an dem zweiten SA.- Mann. Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Revision möglich. Zum Schluß widmete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Mankowski, Worte der Anerkennung für die vorbildliche Arbeit der Düsseldorfer Kriminalpolizei und für die Arbeit der Verteidiger, die im Gegensatz zu früher, wo andere Rechtsanwälte der Rechtspflege Knüppel in den Weg geworfen und allen Beteiligten die Sache nach Möglichkeit erschwert hätten, es sich hätten angeLegen sein laffen, der Rechtspflege zu dienen und sie zu fördern..." Ueberlegung gehandelt haben. Die Tat sei militärisch aufWas war geschehen? Nach der offiziellen Darstellung Bei einem Feuerüberfall, den am 20. Juni 1982 gegen 23 Uhr in Erkrath Kommunisten auf Nationalsozialisten verübten, wurde der SA.- Mann Kurt Hilmer, von Beruf Kaufmann, getötet und ein zweiter SA.- Mann, der Arbeiter Mit der gleichen„ Objektivität" wird der gesamte Prozeß geführt. Kein Wort von der Vorgeschichte, kein Wort davon, wie unbescholtene, fleißige Arbeiter dazu kommen, mit ihren Peinigern abzurechnen, weil der Staat sie nicht schützt! Was ist in Erfrath geschehen? Ein kleines etwas verschlafenes Nest vor den Toren Düsseldorfs. Das Jdeal jedes reichgewordenen Mittelständlers, hier ein fleines Landhaus zu besitzen. Für die Bevölkerung der nahen Großstadt ist es der Ausgangspunft zum Sonntagsausflug in das Naturschußgebiet Neanderthal. Die Arbeiterbevölkerung ist fast vollzählig arbeitslos. Obwohl sie alle das gleiche Schicksal haben, reißt der unselige Bruderkampf fie auseinander. Immer mehr Pofitionen gingen bei den letzten Wahlen verloren. Von der einstigen roten Hochburg waren nur noch klägliche Trümmer übriggeblieben, so daß die Nazis, als sie Ende 1931 sich bemerkbar machten, leichtes Spiel hatten. A us Schlägern von Beruf sette sich ihre Horde zusammen. Allen voran der erschossene Hilmer, der den Gerichten der Umgebung als gewalttätig be= fannt war. Die Genossen fonnten nicht mehr unbehelligt über die Straße gehen. In einem Zeitraum von knapp einem Jahr wurden nicht weniger als 37 Genossen und 3 Genossinnen schwer mißhandelt! Die Polizei? Der Landjäger war immer Nazi! Alle Beschwerden bei der Regierung, selbst mündliche Rücksprachen mit dem Regierungspräsidenten, dem Renegaten Bergemann, waren erfolglos. Die örtliche Polizei war nicht anders eingestellt. Selbst die Wirte beschwerten sich wiederholt, weil die Düsseldorfer Gäste ausblieben. Endlich war das Maß voll! Am Sonntag, dem 19. Juni 1982, waren Düsseldorfer rote Falten mit Steinen beworfen worden. Am gleichen Abend wurden zwei Ges nossen aus dem rein proletarischen Industrievorort Gerres heim blutig geschlagen Am gleichen Abend fam es in Gerresheim noch zu stürmischen Ansammlungen, die erst in später Nachtstunde von den Ueberfallkommandos zerstreut wurden. Noch in der Nacht fuhren Genossen von Düsseldorf nach Gerresheim. um die Gemüter zu beruhigen. Sie wurden niedergeschrien, wobei sich besonders der KPD.- Funktionär Schröder hervortat, der Nache für Erkrath forderte. Hermann Groß, schwer verletzt. Beide befanden fich als Schröder Schröder ist zweifellos ein agent provokateur". Bereits zwei Monate vorher hatten wir den kommunistischen Abs geordneten Schulte auf Schröder aufmerksam gemacht. Vers geblich! Und iegt tritt er, gehätschelt von den Schergen des dritten Reiches", vor dem Blutgericht auf. Die Augen in den Boden gebohrt, während die Angeklagten ihn mit ihren Blicken zu durchbohren versuchen. Das Gericht tut dem Lumpen den Gefallen: die Angeklagten werden vor seiner Aussage, hinausgeführt, zu zwei und zwei ges feffelt. Selbst einer der Naziverteidiger kann nicht anders als dentlich Schweinehund" sagen. Die Angeklagten sind ans Messer geliefert! Posten in der Nähe des SA- Heimes, um Ueberfälle auf das Heim zu verhüten. Mit dem Ueberfall wollten die Kommunisten für einen Zusammenstoß, zu dem es am 9. Juni 1932 in Erkrath gekommen war und bei dem zwei kommu= nisten verlegt wurden, Rache nehmen. Die Polizei hatte sofort Erkrather und Gerresheimer Kommunisten als Täter in Verdacht; sie nahm im Verlaufe ihrer Ermittelungen auch sechs Personen fest, mußte sie aber wieder freilassen. Im April dieses Jahres gelang es der Polizei, zwölf der beteiligten Kommunisten, drei Erkrather und neun Gerresheimer, zu verhaften. Im ganzen waren an dem Ueberfall 15 Mann beteiligt. Doch war inzwischen ein Mittäter, der Arbeiter Otto Bettin, ins Ausland geflohen. Ein anderer, der Arbeiter Alfred Hoffmann, hält sich im Saargebiet auf. Er war dort auch festgenommeen worden, mußte aber wieder freigelassen werden; denn die Saar- Regierung lehnte seine Auslieferung ab mit der Begründung, Kalte Rache gierung lehnte feine Auslieferung ab mit der Begründung, daß es sich bei dem dem Beschuldigten zur Last gelegten Verbrechen um eine politische Tat handle. ., Richter Blut" Eine andere Darstellung Düsseldorf, 8. September. Während die Hauptbelastungszeugen, sämtlich Nazis in Amt und Würden, ihre Aussagen machen, ziehen am Königsplay in Düsseldorf, wo das Gericht tagt, die von Nürnberg heimkehrenden Horden grölend vorbei und fordern blutrünftig die Köpfe der Angeklagten. An ihrer Spize marschiert der Schinder Lohbeck, Führer der Standarte 39 und brüllt zu den Fenstern des Gerichts hoch:„ Aufbaumeln!" Jm Saal amtiert ein Landgerichtsdireftor als Borfigender, der auf den urdeutschen Namen Mantowiti hört. Seit langem wird er von den Düsseldorfer Arbeitern titer Blut" genannt. Ueber dem Stehkragen, der aus dem Wäscheschrank des Dr. Schacht zu stammen scheint, fizt ein Quadratschädel, dessen tückische Augen das Blut erstarren laffen. Mit läsfiger Handbewegung tut er die Einlassungen der Angeklagten als„ Wanzenpolitit" ab. Links vom Richtertisch der Herr Staatsanwaltschaftsrat Dr. Kettner, der den Prozeß seines Lebens wittert, um endlich die Karriere zu machen, die ihm die jetzt verhaßte Republik, der er einst so friechend diente, nicht gegeben hat. Denkt er nicht mehr daran, wenn er jeẞt aufgeregt in seinen Akten herumsucht, wie oft er an unseren Pressetisch tam, um die linksstehenden Berichterstatter zu bitten, doch ja ausführlich sein Plädoyer zu bringen? Eineinhalb Stunden braucht er nur, um 12 Todesurteile zu begründen; die Rede hätte man faum einem Referendar verziehen. Aber für dieses Forum genügt sie. Zwei Richter, darunter der Vorsitzende, und sämtliche Geschworenen find Nazis. fich( nach Angabe der Hamburger Nazipresse) vor der Boll Abgekartetes Spiel streckung des Todesurteils er hängt haben. Volt war Reichsdeutscher. Er wohnte in Hamburg und war seit drei Jahren verheiratet. Nach den bisherigen Ermittlungen soll Volf als ruhiger, stiller und hilfsbereiter Mensch, der in Straßburg nie politisch hervorgetreten ist, betannt gewesen sein. toms Wie aus Havanna berichtet wird, gab die Militäre behörde von Santiago bekannt, daß daß jede munistische Kundgebung mit Maschinen= gewehrfener unterdrückt werden würde. Die Streits banern an. Der französische Konsul in Santiago hat milis tärischen Schuß verlangt. Vor der Angeklagtenbank räkeln sich die Rechtsanwälte, die weder Anwälte des Rechts, noch Verteidiger sind. Ex officio werden Stunden abgesessen. Kein Angriff gegen die Methoden der Vernehmung", nicht einmal der leiſeſte 12 Arbeiter vernichtet, ebenso viele Familien unglücklich, das ist das Ergebnis einer„ revolutionären" Parole, wie sie sinnloser taum jemals aufgebracht worden ist. auf Diktat Diese elf Todesurteile eines einzigen Tages werden von den offiziellen Nachrichtenbüros nicht ohne Triumph verkündet. Diese Meldung wird aufrüttelnder und auf⚫ peitschender wirken als alle„ Greuelnachrichten", vor dem das Hitleramtliche Deutschland so furchtbare Angst hat. Denn hier hat ein Blutgericht getagt, das die Rache an den politischen Gegnern des herrschenden Regimes falt genoß. Diese neun Arbeiter aus Düsseldorf wurden verurteilt für einen Ueberfall im Juni 1932. Damals war die politische Lage in Deutschland ungeheuer zugespitzt. Ein harter Reichstagswahlkampf stand bevor. Täglich tam es, vor allem im Industriegebiet, zu blutigen Zusammen ftößen zwischen Nationalsozialisten und Rom munisten. Rein Zweifel, daß die Nationalsozialisten in den meisten Fällen die Herausforderer und die Angreifer waren. So auch hier! Der Feuerüberfall war die Antwort auf eine nationalsozialistische Attacke, bei der Kommunisten schon verletzt wurden. Vor sieben Monaten hätten diese Richter den Tatbestand und seine Vorgeschichte noch einigermaßen objektiv gewürdigt. Heute sind sie gleichgeschaltet im nationalsozia listischen Richterbund". Sie grüßen als Parteirichter mit dem Parteigruß und fällen Parteiurteile. Diese Partei will die Blutjustiz. Sie fordert sie von ihren Richtern, die sie abberufen, ächten und in Konzen trationslager schicken fann, wenn sie nicht so urteilen, wie es die brüllende SA.- Meute fordert. Staat, Richter, Henter- wer fann sie in diesem Hitler- Deutschland noch voneinander unterscheiden? Elf Proletarier in Düsseldorf und in Königsberg legen in Kürze ihr Haupt auf den Richtblock, aber das Herz von Millionen mird, nach Dehmels Wort Klaffend nach Rache blecken Und tausend Lebendige weden. Einwand wird gemacht. In der Pause reden fie den An- Sofort schießen! geklagten zu, ein offenes Geständnis zu machen, damit ein Gnadengefuch Erfolg habe. Der Zuschauerraum ist mit SS. und SA.- Leuten angefüllt. Nur den Frauen der Angeflagten sind Einlaß farten bewilligt worden. Schmußiges Gelächter, das der Vorsitzende nicht einmal leise rügt, wird von diesen Bänken laut, wenn die Angeklagten versuchen, sich aus der Schlinge, bie ihnen umgelegt wird, herauszuziehen. Polizeibefehl gegen Marxisten Die Polizei in Offenbach( Hessen) erhielt den Befehl,„ ohne den üblichen Anruf auf Personen zu schießen, die margistische Literatur verteilen und die versuchen, sich durch Flucht der Verhaftung zu entziehen".( Exchange Telegraph. Die amerikanisch- japanische Kriegsgefahr Der große Konflikt am Stillen Ozcan In der Julinummer der amerikanischen Monatsschrift " The New Outlook" schrieb Martin Sommers: „ Als der ehemalige französische Ministerpräsident Eduard Herriot und der englische Premierminister Ram jay Macdonald kürzlich im Weißen Hause die Kriegsschuldenfrage diskutierten, war eine der Fragen, die ihnen Präsident Roosevelt stellte, wie sich Frankreich und Großbritannien im Falle eines amerikanischjapanischen Krieges verhalten würden. Das wurde mir von maßgebender Seite mitgeteilt." Den„ New Outlook" gibt AI Smith, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und Freund Roosevelts, heraus. Martin Sommers ist ein angesehener, ernster OstasienSpezialist. Daß er richtig informiert ist, unterliegt keinem Zweifel. Und wer dennoch zweifeln wollte, der möge sich vor Augen führen: Vor zwei Monaten besetzte Frankreich einige kleine Inseln im südchinesischen Meer, ganz kleine, kaum bewohnte Inselchen; nur eignen sie sich recht gut für die Stationierung von Unterseebooten. Vor einem Monat wurde der Entschluß gefaßt, den australischen Hafen Bort Darwin zu einem erst klassigen Kriegshafen auszubauen. Am 1. September gab der amerikanische Marineminister Swanson siebzehn neue Kriegsschiffe in Bau, einen 10 000- Tonnen- Kreuzer, acht 1800Tonnen- Zerstörer, zwei 1400- Tonnen- Unterseeboote und kleinere Schiffe. Das ist bloß der Anfang. Mit dem Mitte Juni verkündeten amerikanischen Flottenbauprogramm setzt das nur kurz unterbrochene Wettrüsten im Stillen Ozean mit aller Macht wieder ein. Die Gefahr eines Krieges Japans mit Amerika, der so oft als unmittelbar bevorstehend vorausgesagt worden ist, der allen Prophezeiungen zum Trotz nicht ausbrach und an den daher schon niemand mehr glauben wollte, ist jetzt zu einer wirklichen, ungeheuren Drohung geworden. Wer in hiesen Wochen japanische Zeitungen liest, könnte meinen, er stehe unmittelbar vor der Tür. Von ganz wenigen Blättern abgesehen, tobt die japanische Presse mie beseffen gegen die Vereinigten Staaten. Sie be schuldigt sie des schnöden Wortbruches, der Verlegung feierlich beschworener Verträge, brutaler Kriegsluft, sie ruft die Nation auf, sich wie ein Mann zu erheben zur Verteidigung ihrer heiligsten Güter". Angesichts der„ tödlichen Bedrohung des Vaterlandes" haben die politischen Parteien einen Burgfrieden geschlossen. An die Stelle des jetzigen Kabinetts tritt ein Koalitionsministerium. Ganz Japan fiebert. Der unmittelbare Anlaß ist das neue ameri. kanische Flottenbauprogramm, und dieses wieder ist die Antwort auf den gewaltigen Machtgewinn Japans durch die Einverleibung der Mandschurei. Japan hat durch die Schaffung des„ unabhängigen" Staates Mandschukuo um mehr als dreißig Millionen Menschen zugenommen. So heftig auch die Abneigung der großen Mehrheit der die Mandschurei bewohnenden Chinesen gegen die japanischen Eroberer ist, so viel sie auch noch der japanischen Verwaltung zu schaffen machen werden, so darf doch nicht übersehen werden, daß sich ein gar nicht so kleiner Teil der Bevölkerung bereits jetzt mit der japanischen Herrschaft abgefunden hat und daß Fontamara $ so dieser Teil zweifellos wächst. Japan hat zumindest die äußerliche Ordnung in dem Lande wiederhergestellt. Es investiert enorme Mengen Kapital in der Mandschurei. Das Räuberwesen wird unterdrückt. Der Handel belebt sich. Die Verwaltung ist, sehr im Gegensatz zu der üblichen chinesischen, reinlich, im großen ganzen unbestechlich und zuverlässig. Bei der Besetzung der Provinz Jehol und, in den letzten Wochen, der äußeren Mongolei haben sich die mandschurischen Truppen unter japanischem Kommando ganz gut gehalten. Es ist aber gar nicht so sehr dieser unmittelbare Gewinn an möglichen Soldaten, der die Kriegsfähigkeit Japans so enorm gesteigert hat. Es ist die außerordentliche Ver breiterung des wirtschaftlichen„ Kriegspotentials", der Fähigkeit, einen großen Krieg auch wirtschaftlich führen zu können, die Amerika veranlaßt, seinerseits seine Kriegsmaschinerie mit größter Beschleunigung zu vervollkommnen. Die Schranken, die bisher der vollen Ausbeutung der mandschurischen Erzlager entgegenstanden, sind gefallen. Bereits 1932, also in einem Jahre, da es in der Man schurei wahrhaftig unruhig zuging, war die Produktion von Gußeisen von 242 000 Tonnen auf 322 000 Tonnen gestiegen. Die Japaner hoffen, sie binnen kurzem auf eine halbe Million Tonnen steigern zu können, und diese Hoffnungen sind durchaus begründet. Jst damit das japanische Kriegsministerium auch keineswegs aller Sorgen über die Munitionsherstellung im Kriegsfall enthoben, so hat sich doch die militärwirtschaftliche Lage des Landes dadurch sehr bedeutend gebessert. Das enorm reiche Riesenunternehmen Südmandschurische Eisenbahn baut mit aller Macht die Kohlengruben rische Eisenbahn baut mit aller Macht die Kohlengruben in Fuschun aus. Es beginnt die Großproduktion von Aluminium( Flugzeuge!). In Fuschun wird die Produktion von Petroleum aus ölhaltigem Schiefer binnen kurzem 100 000 Tonnen erreichen. Die Japaner bauen in einem geradezu wahnwißigen Tempo die mandshurischen Eisenbahnen aus. Sie werden an die koreanischen Bahnen angeschlossen, der Bau geschieht vor allem unter Bahnen angeschlossen, der Bau geschieht vor allem unter strategischen Gesichtspunkten. In ganz kurzer Zeit wird die Mandschurei mit Korea und über die enge, militärisch nahezu unangreifbare japanische See mit Japan verbunden sein. Nimmt man noch die Sicherung der Ernährung im Kriegsfall hinzu Kriegsfall hinzu- Japan kann im Falle einer Blockade eine Reismißernte unschwer durch die Einfuhr von Sojaeine Reismißernte unschwer durch die Einfuhr von Sojabohnen aus der Mandschurei überstehen, dann sieht man deutlich, in welchem Maße Japan an Kriegsfähigkeit durch die Eroberung der Mandschurei gewonnen hat. Der Londoner Vertrag hat das Verhältnis der japanischen zur amerikanischen Kriegsflotte mit 3 zu 5 festgelegt. Das wirkliche Verhältnis ist anders. Selbst wenn jezt Das wirkliche Verhältnis ist anders. Selbst wenn jetzt Amerika sein Flottenbauprogramm durchführt, wird es noch nicht die volle, ihm in dem Londoner Vertrag zugestandene Stärke haben. Am 1. April 1933 standen den 9 japanischen Schlachtschiffen mit 272 000 Tonnen 15 amerikanische mit 455 000 Tonnen gegenüber, den 3 amerikanischen Flugzeugmutterschiffen aber 4 japanische, 3 amerikanischen Flugzeugmutterschiffen aber 4 japanische, den 11 amerikanischen schweren Kreuzern mit 100 000 Tonnen 14 japanische mit 124 000 Tonnen, den 10 amerigleiche. Die Obrigkeit bleibt immer die gleiche. Manchmal ändert sie den Namen, aber sie bleibt sich trotzdem gleich." ,, Und die Hierarchie?" fragte der Stadtmensch, der wahrscheinlich ein Hierarch war, weswegen wir aber noch lange nicht wußten, was dieses Wort bedeutete. Der Stadtmensch ROMAN VON IGNAZIO SILONE mußte es mehrmals mit andern Worten wiederholen. Und Das war Michele Zompas Traum. Ein Traum, den jeder auf seine Art auslegen mag. Es gibt viele, die sich über Träume lustig machen. Viele, die in ihnen die Zukunft sehen. Ich glaube, daß die Träume zum Schlafen da sind. Aber Marietta Sorcanera, eine Frau von großer Demut, faßte es anders auf, weinte plöblich los und stieß unter heftigem Schluchzen hervor: So ist es... so ist es... Wer hielte uns von der Sünde ab, wenn nicht der Papst für uns betete? Wer würde uns vor der Hölle bewahren?" Cavaliere Pelino verstand es aber anders. " Ihr macht euch über mich lustig!" mederte er und schüttelte die Peitsche gegen Zompa und die Wirtin. Ihr macht euch über mich lustig! Ueber mich und die Obrigkeit! Ueber Kirche und Staat!" Und er stieß noch vieles hervor, im gleichen Ton, aber niemand verstand es. „ Die Regierung wird es euch schon besorgen, sie wird euch strafen. Die Obrigkeit wird sich mit euch befassen!" Wir dachten: rede nur, rede, schließlich wirst du schon aufhören, einmal mußt du ja aufhören. Aber er redete weiter. Er hörte nicht auf. ,, Weißt du denn nicht," sagte er zu Michele,„ daß du, wenn ich dich anzeige, mindestens zehn Jahre Gefängnis betommst? Weißt du denn nicht, daß Leute, die harmlosere und weniger perfide Dinge gesagt haben, zehn Jahre auf den Galeeren büßen? In welcher Welt lebt ihr eigentlich? Wißt ihr oder wißt ihr nicht, was in den letzten Jahren alles passiert ist? Wißt ihr, wer heute regiert? Wißt ihr, wer heute der Herr ist?" Zompa, um ihn zu beruhigen, antwortete ganz geduldig:„ Ach, in der Stadt passiert gar viel. In der Stadt passiert mindestens jeden Tag etwas. Jeden Tag erscheint mindestens eine Zeitung und berichtet mindestens über eine Sache. Wie viele Sachen sind es dann am Schlusse des Jahres? Hunderte und hunderte und am Schluß mehrerer Jahre? Tausende und tausende. Stellt euch doch vor!... Wie soll ein Cafone, ein armseliger Cafone alle diese Sachen kennen?... Ausgeschlossen!... Aber eines find die Sachen, ein anderes wer sie befiehlt. Die Sachen ändern sich jeden Tag, der sie befiehlt bleibt immer der Michele antwortete ihm schließlich: ,, Vor allen andern kommt Gott, der Herr des Himmels. Dann kommt Prinz Torlonia, der Herr der Erde. Dann kommt die Leibwache des Prinzen Torlonia. Dann kommen die Hunde der Leibwache des Prinze Torlonia. Dann kommt nichts. Dann nochmal nichts. Dann noch einmal nichts. Dann kommen die Cafoni. Und fertig." " Und die Regierung, wo tust du die Regierung hin?," fragte der Stadtmensch noch wütender. " Die Regierung," fuhr Pontius Pilatus erklärend dazwischen, steht teils auf dritter, teils auf vierter Stufe... Je nach ihrer Uniform. Das heißt je nach ihrem Gehalt.. Die vierte Stufe, die der Hunde, ist ungeheuer groß." Cavaliere Pelino war aufgesprungen. Am ganzen Leibe zitternd, stieß er hervor: " Ihr werdet bald von mir hören, das versprech ich euch." Und er ging. Das Wasser Beim Morgengrauen des nächsten Tages brachte ein Mißverständnis ganz Fontamara auf die Beine. Am Eingang des Dorfes kam nämlich unter einem Steinhaufen ein armseliges Gewässer hervor und bildete eine Art Tümpel. Nach einigen Metern grub es sich wieder in die steinige Erde, verschwand und kam am Fuß des Hügels, in Form eines Baches, wieder zum Vorschein. The dieser Bach sich dem Fucino zuwandte, machte er viele Windungen. Hier haben die Fontamaresen für die wenigen Felder, die sie in der Ebene befassen und die den einzigen Reichtum des Dorfes ausmachten, ihr Wasser geholt. Jeden Sommer brachen bei seiner Verteilung unter ihnen wilde Kämpfe aus. In troktenen Jahren endeten sie mit Messerstichen. Als nun am Morgen des 2. Juni die ersten Cafoni von Fontamara auf dem Weg zur Arbeit den Hügel hinaufstiegen, begegneten sie einer Gruppe von Straßenwächtern, die aus der Kreisstadt gekommen waren, um- wie sie sagten- den kanischen leichten Kreuzern( 70 000 Tonnen) 20 japanische ( 93 000 Tonnen). Dazu kommt, daß das schnellste ameri kanische Schlachtschiff nur 21 Knoten in der Stunde läuft, das schnellste japanische aber 27 Knoten. Bedeutend überlegen ist Amerika an Zerstörern, 201 zu 102, aber sein Uebergewicht an U- Booten ist nur ganz gering. Am 15. Juni verkündete Swanson das neue Bau programm. Um die ungeheure Summe von 238 Millionen Dollar sollen nicht weniger als 32 neue Schiffe gebaut werden: 4 Kreuzer, 20 Zerstörer, 4 U- Boote, 2 Flugzeugmutterschiffe, 2 Kanonenboote. Amerika hates plötzlich mit der Furcht zu tun bekommen. Noch vor wenigen Jahren seiner Ueberlegenheit zur See ziemlich sicher, sieht es jetzt das Machtverhältnis im Stillen Ozean auf einmal außerordentlich zu seinen Ungunsten verschlechtert. Und es jetzt nunmehr alles daran, die ihm vertraglich zustehende Stärke wirklich zu erreichen. Es ist aber selbstverständlich, daß die japanischen Militärs nicht daran denken, dem tatenlos zuzusehen. Sie antworten auf die amerikanischen Rüstungen ihrerseits mit Rüstungen, peitschen alle natio nalistischen Instinkte auf, stürzen das Land in eine Kriegspsychose, die jeden Augenblick den Krieg zum Ausbruch bringen kann. Ende August fand, wie alljährlich, die Konferenz der an gesehenen„ Internationalen Gesellschaft zum Studium der Probleme" des Stillen Ozeans" statt. Die japanischen Delegierten beteuerten natürlich die durchaus friedlichen Absichten ihres Landes. Von einem Konflikt mit Amerika könne jetzt keine Rede sein. Aber sie sprachen viel von den sich leider verschärfenden Gegensäzen zwischen Japan und der Sowjetunion. Wovon sie nicht sprachen, das waren die Ursachen dieser Verschärfung. Es geht, kurz gesagt, um das Erdölin Sachalin. Japan ist arm an Petroleum. Es muß mehr als die Hälfte dessen, was es verbraucht, einführen: aus Amerika, Niederländisch- Indien und aus dem russischen Teil der Insel Sachalin. Könnte es sich in den Besitz der russischen Delquellen auf Sachalin sehen, dann hätte es nahezu genug. Was genügende Erdölversorgung am Seekrieg bedeutet, braucht nicht erst auseinandergesetzt zu werden. Ohne Del fährt kein Kriegsschiff, ohne Benzin fliegt kein Flugzeug. Japan ist zur See erst dann wirklich voll gerüstet, wenn es ausreichend mit Del versorgt ist. Mit andern Worten: der kriegerischen Auseinandersetzung mit Amerika muß, im guten oder im schlechten, die Sicherung der Delquellen in Sachalin vorangehen, oder noch anders gesagt: Japan muß damit rechnen, daß es gezwungen sein kann, vor dem Kriege mit Amerika den Krieg mit der Sowjetunion zu führen. Herriot reist viel in der Welt herum. Nachdem er in Washington war, besucht er jetzt Moskau. Binnen kurzem wird Amerika die diplomatischen Beziehungen mit Rußland aufnehmen. Der tolle japanische Imperialismus bringt alle am Stillen Ozean interessierten Mächte einander näher. Berauscht von dem leichten Sieg über das große Vierhundertmillionenpolk Chinas, übermütig durch den noch leichteren Sieg über den Völkerbund, sieht er sich schon als den Herren Asiens. Den Stillen Ozean drohen Torpedo und Fliegerbomben zu einem Blutmeer zu machen. G. H. Bach von den Feldern und Gemüsegärten, die er bisher bewässert hatte, abzuleiten. Immer seitdem es Erde und Wasser gibt, hatte er sie bewässert. Nun sollte er mit einemmal in entgegengesetzter Richtung geführt werden, sollte an einigen Weinbergen vorbeifließen und Böden bewässern, die nicht den Fontamaresen, sondern einem reichen Grundbesitzer aus der Stadt gehörten. Der Mann hieß„ Don Carlo Magna". Dies hatte seine Gründe: Zu welcher Stunde des Tags oder der Nacht man nämlich zu ihm ging und fragte:„ Kann ich Don Carlo sprechen? Ist Don Carlo zu Hause?" antwortete die Magd unfehlbar:„ Don Carlo? Magna", Don Carlo ißt. Wenn Sie aber wünschen, können Sie die Herrin sprechen." Im ersten Augenblick meinten wir, die Cantonieri wollten uns zum Narren halten. Denn das taten die Leute aus der Stadt gerne. Ein ganzer Tag würde nicht ausreichen für den Bericht aller Streiche, die sie uns in den letzten Jahren gespielt hatten. Die Geschichte vom Esel und vom Pfarrer mag genügen, um sich einen Begriff zu machen! Fontamara hat nie einen Pfarrer gehabt. Die Gemeinde war zu arm, sich einen zu halten. Daher wurde die Kirche nur an hohen Feiertagen geöffnet, wenn Don Abbacchio aus der Kreisstadt kam, um die Messe zu lesen und das Evange lium zu erklären. Vor zwei Jahren hatten wir aber an den Bischof ein Gesuch gerichtet und auch für unsere Kirche um einen eigenen Pfarrer gebeten. Nach einigen Tagen erhielten wir die Nachricht, daß unsere Bittschrift wohl aufgenommen set, und daß wir uns zum feierlichen Empfang unseres ersten Pfarrers vorbereiten sollten. Wir taten natürlich unser bestes. Wir puzzten die Kirche von oben bis unten, besserten die nach Fontamara führende Straße aus und verbreiterten fie an einigen Stellen. Dann wurde am Eingang des Dorfes ein großer Trimphbogen errichtet, die Haustüren mit grünen Girlanden geschmückt. Schließlich zog am festgesezten Tag die ganze Bevölkerung ihrem Pfarrer entgegen. Schon nach einer Viertelstunde sahen wir einen großen Menschenhaufen uns näherkommen. Wir gingen weiter, sangen heilige Lieder und sagten den Rosenkranz her. Die Aeltesten zogen voraus, Generale Baldissera, der eine kleine Rede halten sollte, an der Spize. Frauen und Kinder folgten. Als wir den Beuten aus der Stadt schon ganz nahe waren, stellten wir uns auf beiden Seiten der Straße auf, um unsern Pfarrer in unserer Mitte aufzunehmen. Nur Generale Baldissera ging weiter und rief: „ Gebenedeit sei Jesus Christus! Gebenedeit die Jungfrau Maria! Gebenedeit die Kirche!" ( Fortsetzung folgt) Vor dem Hungerwinter Jenseits des Jubels Es wird gebettelt Die besonders heftig gleichgeschaltete„ Germania" schreibt: „ Wie wir bereits eingehend berichtet haben, wird in diesem Winter eine Aftion von größtem Umfang in Gang gesetzt. Vor allem wird man im Speisungsdienst nicht mehr einfach fertige Gerichte ausgeben. Sie hatten den Mangel, daß sie der Familienmutter eine sehr wesentliche Funktion abnahmen und damit im Grunde die Familie weiter zersetzten und auseinanderrissen. Der Speisungsdienst ist darauf angelegt, den bedürftigen Familien die Lebensmittel zur eigenen 3ubereitung zu übergeben. Damit bleibt die Hausfrau und Mutter, die die volle Last der Notzeit zu tragen hat, mit der Zubereitung des Essens beschäftigt. Die Angehörigen werden sich wieder um einen Familientisch versammeln. Die Hausfrau wird es in der Hand haben, wie sie das Essen zubereitet, und mit welchen Zutaten sie es versehen will. Damit bleibt ein sehr wesentlicher Punkt beachtet, ohne den die Familie in ihrem Zusammenhalt verlieren muß. Dieser Weg erfordert, darüber muß man sich von vornherein klar sein, mehr Mittel als die Massenspeisung. Aber seine ideellen und materiellen Vorteile müßten die Gebe. freudigkeit in besonderer Weise anregen. Ein genauer Plan stellt die Bedürfnisse zusammen und regelt den Weg der Sammlungen. Das Ganze wird als ein Feldzug der Volksgemeinschaft aufgezogen. Große Versammlungen werden die Aktion in Gang bringen, Sammelsonntage im ganzen Reich werden sie tragen, und der große Apparat der Bewegung wird ihr Ergebnis steigern." Nüchtern ausgedrückt: Wirtschaft und Kaffenlage sind so trostlos, daß durch allgemeine öffentliche Bettelei Millionen Volksgenossen notdürftig vor dem Verhungern geschützt werden sollen. Das symbolische Essen der Volksgemeinschaft ist Kartoffeln und Salz, aber nur für unten. Oben leben die Nazi- Bonzen als Pfründner. Man hört z. B. nichts davon, daß die preußischen Staatsräte auf ihr Schweigegeld von 1000 Mark monatlich verzichtet hätten. Holländische Stimmen Die ,, Ideologie" Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Arbeitgeber_im britten Reich" heftig gegen das zwangsmäßige Einstellen von neuen Arbeitskräften protestieren. Es gibt nur wenige Unternehmer, die bereitwillig ihre letzten Mittel flüssig machen, um am„ Wiederaufbau Deutschlands" mitzuarbeiten.„ De Nieuwe Rotter damsche Courant" schreibt hierzu folgendes: " Nicht wenig ergößlich ist die Art, in der die verschiedenen Presseorgane über dieses Thema polemisieren. Die nationalsozialistischen Blätter beschuldigen die Unternehmer, daß sie noch stets der„ liberalistischen Ideologie" zugetan seien. Das Organ der deutschen Arbeitgeber stößt hingegen den Seufzer aus, daß heute noch mit derselben Leichtfertigkeit über die Aufgaben der Unternehmer geurteilt wird als in der marristischen Periode. Man scheint sich also über die Ideologie des dritten Reiches" durchaus noch nicht im flaren zu sein." Nicht Hitler rettete Deutschland „ Het Vaderland"( den Haag) veröffentlicht eine Zuschrift, aus der wir folgendes entnehmen: ls ,, Viele wollen der Welt einreden, daß die jetzigen deutschen Machthaber einen Wall gegen den russischen Bolschewismus aufgeworfen haben. Dabei vergessen fie aber oder tun mindestens so, als ob es gerade Sozialdemokraten wie Ebert und Noske oder Zentrumsführer wie Erzberger, Mary und andere waren, die 1918 durch ihr mutiges Auftreten und thre Führung in der allgemeinen Panit Deutschland und Europa vom Bolschewismus und dem damit verwandten Spartatismus gerettet haben. Diese Männer, deren Andenken durch das jetzige Regime in Deutschland beschmutzt wird, haben viel mehr Anspruch auf den Dank der Welt als Hitler und sein Anhang, die allein durch den Appell an die niedrigen Voltsinstinkte( Rassen- und Glaubenshaß) einen bereits heute versteinerten" Staat gründen konnten." Wie man die Arbeitslosigkeit behebt! Die Auslandsredaktion von„ Het Vaderland"( den Haag), die nazifreundlich eingestellt ist, veröffentlicht in ihrer Rubrik u. a. folgendes: Der Arbeitslose liest in Deutschland in der Zeitung, daß in den letzten Monaten die Anzahl der Arbeitslosen in Deutschland zwei Millionen niedriger geworden ist. Doch wenn er um sich blickt und die Schar seiner Freunde und Bekannten an seinem geistigen Auge vorüberziehen läßt, dann entdeckt er nicht einen einzigen, der wieder Arbeit gefunden hat; im Gegenteil, er kennt viele, die arbeitslos geworden sind, weil sie Sozialdemokraten und Reichsbannerleute waren. u m Er lacht grimmig, wenn er jeden Tag die Statistiken über die wieder eingestellten Arbeiter liest; die 3iffern be= deuten für ihn, daß aller Wahrscheinlichkeit nach 50 Leute entlassen worden sind, Plaz zu machen für die gleiche Anzahl Nazis. Mancher Arbeiter und Beamte hat sich den Nazis angeschlossen, um seine Stellung zu behalten. So wurde die Abfürzung Pg. für Parteigenosse ironisch verändert in Pt.= Postenjäger. Außerdem werden die Löhne nicht höher; für die verschiedenen Organisationen sind weiterhin hohe Beiträge zu zahlen, und alle Veränderungen, die in den Fabriken oder in den Arbeitsbedingungen getroffen werden, stehen unter politischen Kontrolleuren, die auf diese Weise den Radikalen politischen Kontrolleuren, die auf diese Weise den Radikalen unter den Nazis hinsichtlich ihrer Absichten entgegenkommen wollen." zahlen, und alle Veränderungen, die in den Fabriken oder Hinter den braunen Kulissen Drohungen an die Mittelständler Schuldigen an der Preistreiberei Das sind die Die Zahl der großen Kartelle wächst beständig. Täglich melden die Handelsteile der Zeitungen von Preis konventionen großer Industrien. Keine Behörde im dritten Reich" kümmert sich darum. Anders liegt die Sache, wenn irgendwie das Haarschneiden um 5 Pfennige teurer wird oder ein Handwerkskrauter eine zu hohe Rechnung ausstellt oder Gemüsehändler den Spinat nicht billig genug verkaufen. Bei den Kleinen und Kleinsten wird die Behörde mobil. So wendet sich der Regierungspräsident von Düsseldorf gegen Preiserhöhungen im Mittelstand: Nach der Dortmunder„ Rote Erde" wendet sich die Düsseldorfer Regierung unter der Ueberschrift„ Mindestpreise nicht erlaubt!" gegen Preiserhöhungen, die in letzter Zeit vorgenommen wurden. Es wird dazu u. a. ausgeführt: In einer Großstadt des Regierungsbezirks hat es der Zunftwart einer Friseurinnung unter Anwendung unzulässiger Druckmittel und unter Berufung auf eine angeblich erteilte behördliche Genehmigung verstanden, die bisherigen Bedienungspreise des Gewerbes in der Mehrzahl der Geschäfte heraufzudrücken und diese Preise als behördlich anerkannte Mindestpreise hinzustellen. am Es ist, was nochmals ausdrücklich betont werden muß, den Zwangsinnungen allgemein verboten, ihre Mitglieder an bestimmte Preise zu binden. Gerade der vorliegende Fall läßt erkennen, wie sehr manchmal noch der Gemeinnuz über den Eigeninteressen vergessen wird. Eingehende Erhebungen der Behörden ergaben, daß zum Beispiel in 4000 Fällen, in denen Preise nachgeprüft worden find, mehr als die Hälfte aller Preise erhöht worden waren. Das kann niemals gerechtfertigt sein, und es scheint, daß auch schon ein gelinder Druck von seiten der Zunftwarte manchem Volksgenossen, der glaubt, nur seine Ge schäftsinteressen verfolgen zu dürfen, erwünschten Anlaß gegeben hat, seine eigensüchtigen Wünsche zu verwirklichen. Der Regierungspräfident ist gewillt, es bei einer weiteren Sabotage der Bestrebungen der Regierung, die zunächst eine Umsas, nicht aber eine Preissteige= rung erstrebt, nicht bei Ordnungsstrafen belassen, sondern weit schärfere Maßnahmen anzuwenden, wenn diese öffentliche Warnung ihren Zweck verfehlen sollte. Zur Zeit werden auch gegen andere Gewerbegruppen, die mit unzulässigen Mitteln volkswirtschaftlich nicht vertretbare Preiserhöhungen durchgeführt haben, durchgreifende Zwangsmaßnahmen erwogen, wenn man nicht in letter Minute eine freiwillige Senkung der überhöhten Verdienstspanne vornimmt. Wir wiederholen: gegen die Großen und Größten sagt der Herr Nazi- Regierungspräsident nichts. Allerdings haben allzuviele Mittelständler die Züchtigung reichlich verdient. Hier ist wirklich einmal der alte abgedroschene Reim am Plage: Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Megger felber. Die Warenhäuser Im Juli 80 v. H. des vorjährigen Umsatzes Die Umlagerung der Verbrauchereinkäufe vom Warenhaus zum Fachgeschäft scheint sich, wie aus dem Monats bericht des Ueberblic" hervorgeht, im Juli weiter fortgesetzt zu haben. Die Warenhausumsäße lagen in diesem Monat dem Werte nach um genau 20 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahrsstand. Die Warenhäuser dürften aber an den im übrigen Einzelhandel sichtbaren Konsolidierungstendenzen nicht teilgenommen haben; sie sind vielmehr erneut vor die Aufgabe gestellt worden, sich einem verminderten Umsagvolumen anzupassen. Immerhin scheint im Juli, wie aus der folgenden Aufstellung hervorgeht, in den drei wichtigsten Kennziffern der Warenhausentwicklung gegenüber dem Juni eine intereli Sergetreten zu sein. ( Herrlichen Zeiten entge Pleite ARBEITSLOSIGKE Defizit Bankrott SCHWINDER ARBEITS BESCHAFFUNG ZUCKER BROT EINFÜHRUNG DES BRAUNEN, GOLDENEN ZEITALTERS! מכלי רווחת NÜRNBERGER PARTEITAG- LEBKUCHEN Feste aber keine S'euern! PEITSCHE Beim Steuerzahlen hört die Begeisterung auf Jüngst konnten wir mitteilen, daß allein in der Stadt Röln 23 Millionen Mark Steuern rück= ständig sind. Auch aus anderen Städten werden entsprechende Mitteilungen gemacht. Einige Bürgermeister drohen mit Haft und Konzentrationslager. Daß die Steuerscheu allgemein ist, zeigt folgende Mahnung, die aus Berlin datiert ist und durch die ganze gleichgeschal tete Presse läuft. Es ist in der letzten Zeit wiederholt festgestellt worden, Brechung Kinsknecht BONZEN GEHALTER Gemeinnut Eigennutz des Nationalsozialismus Das Herzstück schulden werden nach wie vor beigetrieben, und sie erhöhen sich nach wie vor um die üblichen Verzugs- oder Stundungszinsen. Durch in Aussicht genommene Steuerreform wird an dieser Tatsache nichts geändert werden. Stundung wird nur auf Antrag des Steuerpflichtigen gewährt. Es ist Pflicht eines jeden Volksgenossen, durch pünktliche Leistung der Steuerzahlungen und baldige Beseitigung etwaiger Rückstände den heutigen Staat in seinem Kampfe um die Verminderung der Arbeitslosigkeit und in seiner Absicht, bald eine grundlegende Reform und Steuervereinfachung durchzuführen, tatkräftig zu unterstützen. daß Steuerpflichtige der Meinung sind, die vom Reichsfinans en verfemt ministerium angekündigte Steuerreform werde sich auch auf die rückständigen Steuern erstrecken, und zwar in der Weise, daß die rückständigen Steuern erlassen würden. Dazu wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß ein allgemeiner Erlaß rückständiger Steuern undenkbar ist. Rückständige SteuerDer Gemeinderat Brunn in Franken hat in seiner Sigung den Beschluß gefaßt, an jedem Ortseingang eine Tafel mit der Aufschrift Juden unerwünscht" anzubringen. Umaswert Zahl der Kaffenzettel Wareneingang Juni 1938 ( in% des Juni 1982) Juli 1933 ( in% des Juli 1982) 80,0 78,0 rd. 95,0 77,8 84,4 81,7 War im Juni der Umsatzwert stärker hinter der entsprechenden Vorjahrsziffer zurückgeblieben als die Zahl der Kassenzettel, so ist im Juli das Verhältnis genau umgefehrt. Der Abstand der Umsaßziffer vom Vorjahrsstand hat sich verkleinert, während sich die Relation bei den Raffenzetteln verschlechtert hat. Dabei ist zu beachten, daß die Zahl der Kassenzettel gleichsam das Spiegelbild der Be= sucherfrequenz darstellt und angibt, wieviel einzelne Raufhandlungen der Kundschaft abgewickelt werden konnten. Sie wird deshalb, freilich mit einem gewissen Vorbehalt, auch als Anhaltspunkt für die Bewegung der Mengenumfäße gewertet. Man darf, vielleicht aus der jüngsten Entwicklung schließen, daß die Tendenz zur Abwanderung vom Warenhaus diesmal mehr in einem Rückgang der Besucherzahl zum Ausdruck kam, während die verbliebenen Kunden eher verhältnismäßig größere Einkäufe vorgenommen haben. „ Es geht aufwärts." Was die amtliche Statistik verrät Aus den vom Statistischen Reichsamt" veröffentlichten Zahlen, die sich auf den Monat Juli beziehen, ist zu ent nehmen, daß der vermeintliche Tiefstand des Aktivums des deutschen Außenhandels, der im Monat Juni mit einer Biffer von 29 Millionen Reichsmark abschloß, im Monat Juli um weitere 4 Millionen auf 25 Millionen sich verringert hat. Gegenüber dem entsprechenden Monatsdurchschnitt des vorigen Jahres ist das Aktivum von 90 auf 25 Millionen gesunken. In den sieben Monaten Hitlerherrschaft ist die deutsche Einfuhr im Vergleich zu derselben Periode des Jahres 1932 von 2750 Millionen auf etwa 2450 Millionen, der Export von 3420 auf 2760 Millionen ge= fallen. Rheinhäfen überfüllt mit Leerkähnen od Die Niederrheinische Industrie- und Sandelsfammer" teilt mit, daß der Talverkehr auf dem Rhein und die Ankunft von Massengütern aus den Mündungshäfen einen scharfen Rückgang erfahren haben. Das Angebot von Schleppkraft und Kahnraum sei überaus groß. Am Oberrhein und be sonders an der Ruhr stauen sich die leer gewordenen Kähnt Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit"** Samstag, 9. September 1933* Ereignisse und Geschichten Politische„ Hellseher" sind am Werk Gerhart Hauptmann Krenn, ein ,, Kenner" der Saar Das Saarland ist auf dem besten Wege, endgültig„ gerettet" zu werden. Die Herren da drüben in Berlin werden das schon schaffen! Die hören nämlich das Gras wachsen! Da fordert jezt der Nazi- Filmjournalist Frizz Krenn in Nr. 33 der Filmfachzeitung Der Film" die saarländischen Kinobesizer auf, um Gottes und aller Heiligen willen ja feine französischen oder„ bolschewistischen" Filme zu spielen, sondern sich brav an die Produkte der geistigen Göbbels- Prostitution zu halten. Das läßt sich noch ertragen. Schlimm wird die Sache erst, wenn der Edelnazi Krenn hohe Politik verzapft. Das sieht dann so aus: " Die Fäden zwischen Moskau und dem Saarland wers den immer dichter gezogen. Unter dem Schuße der Regie: rungskommission im Saarland verbreitet sich die rote Best" mit unheimlicher Schnelligkeit. Auf der einen Seite hagelt es Verbote deutschbewußter Zeitungen, und auf der anderen Seite macht sich unter den Fittichen der hohen Herren von der Regierungskommission die Front vom Sowjetstern immer breiter. Es ist eine erwiesene Tatsache, daß das aus Deutschland geflüchtete Gefindel„ drüben" mit aller Gewalt versucht, sich an dem Terror gegen jeden Deutschen zu beteiligen. Die in Saarbrücken gegründete margiftische Zeitung Deutsche Freiheit" ist der Tummelplag aller Greuelheher, an ihrer Spitze steht Kurt Großmann, der erst fürzlich aus seinem Prager Versteck eine Portion seiner Lügen in diesem Blatt gegen Deutschland losließ." Gegen diese Weisheiten läßt sich nichts sagen. Wenn der Verstand stillsteht, dann müssen selbst die Götter schweigen. Der Nazi Krenn hat aber noch etwas vergessen, und das sei hier nachgeholt. Der Herausgeber der Deutschen Freiheit", Kurt Großmann in Prag, der gleichzeitig in Saarbrücken herumspukt und hier den unverfänglichen Namen May Braun führt, ist nämlich identisch mit dem seinerzeit in Berlin hingerichteten Frauenmörder Großmann und hat außerdem noch genügend Zeit gefunden, bis zu seiner„ Gleichschaltung" durch Papen unter dem Namen„ Braun" den Posten des preußischen Ministerpräsidenten zu befleiden. Im übrigen ist er im Auftrage Frankreichs mit sowjetrussischen Schmiergeldern bestochen, die von der Regierungskommission des Saargebietes stammen. Wotansheil! E. K. Leider, so müssen wir hinzufügen, stimmt da etwas nicht. Nach dem Zeugnis der nationalsozialistischen Presse sind die angeblichen Greuelmeldungen Kurt Großmanns gar nicht in den Besitz der Deutschen Freiheit" gelangt, weil seine Briefe bereits auf der Post entwendet wurden. Die Folge ist, daß die„ Deutsche Freiheit" wegen des Mangels an Greuelmeldungen ihrem nahen Ende entgegensieht. Da werden ihr auch die Gelder nichts mehr helfen, die sie von Moskau bezieht! Herriot, der soeben dort eingetroffen ist, hat im Einvernehmen mit Stalin noch einen letzten Sanierungsversuch unternommen: Die„ Deutsche Freiheit" zum amtlichen Publikationsorgan der russischen und der französischen Regierung zu ernennen. Wir danken dem hervorragenden französischen In unsre Jugend warfst du helles Licht. Die Wahrheit zeigtest du in flarem Schein. Der Menschen Schicksal und ihr innres Sein Erschien vor unbestechlichem Gericht. Und Menschenliebe strahlt aus deinen Werken. Der Kampf der Menschheit um manch hohes Gnt, Er lebt darin, schlug auf zu hoher Glut Und konnte uns zu neuem Kampfe stärken. So wurdest du der neuen Zeit ein Führer. Zur Wahrheit und zur Güte zeigteft du Den Weg, der aufwärts führt aus dumpfer Ruh, Und wardst der heißen Flammen starter Schürer. Und nun hast du das alles preisgegeben. Der Lüge hast du seige dich gebengt, Verlassen, wofür kühn du einft gezengt. Mit Füßen trittst du hent dein ganzes Leben. Der Haß, die Grausamkeit, der Rache Luft, Sie dürfen nun in deinem Namen morden, Zu ihrem Fest flingt in verlognen Worten Dein Lied, das einstmals klang aus reiner Brust. C So ließest du dich ganz erbärmlich zähmen. Vor Göbbels' Füßen liegt ein armer Hund. Zu Gözen betet nun dein feiler Mund. Gerhart Hauptmann, fannst du dich nicht schämen? Florian Geyer. Bolitiker für diese Hilfsbereitschaft, aber wir fürchten, daß Wir spielen mit Handgranaten" dies nichts mehr ist als eine letzte Schalmei an unserer Bahre. „ Erwiesene Tatsache", Herr Krenn! Die große Keuschheitsposse Ein Zensucvecbot von Balzacs ,, Tolldreisten Geschichten" Das„ dritte Reich" hat auch ein Zensurverbot gegen Balzac erlassen. Zunächst gegen des Dichters Tolldreiste Ge schichten". Es ist diesmal ein Verbot, das wirklich ehrlich gemeint ist. Kein durchsichtiger radaupolitischer Vorwand für einen bequemen Vermögensraub liegt vor. Auch dürfte sich kaum ein neudeutscher Dichterling finden, der sich damit schmeichelt, die Position und die Tantiemen des längst in jedem Sinne dieses kostbaren Wortes freigewordenen Balzac zu beziehen. Dieser Balzac ist den Nazimachthabern vielmehr, man lese und staune weiter nicht: zu unsittlich. Drin= gende völkische Besorgnis gilt dem gallischen Gift des großen Menschen- und Sitten wie Unfittenschilderers. Es ist allzu naheliegend, um einfach und bequem verschwiegen werden zu können, daß sich die jetzt bereits hie und da hervorwagenden Beschwichtigungsanwälte des neudeutschen AntiFulturfurses auf das feineswegs abzuleugnende bolschewifische Beispiel stüßen werden. Sowjetrußland hat bekanntlich unter anderen sogar Tolstoi und Dostojewskii auf seinen streng fommunistischen Index gefeßt. Das geschah allerdings mit dem ganzen und ungeheuchelten Einsatz einer Klassenideologie, die sich unterdessen bereits in vielen wesentlicheren und gerade in diefen geistigen Bunften furalebiger des russischen Volkes und der russischen Seele ohne Unterschied irgend einer, außer einer rein menschlichen Gesinnung. gezeigt hat als die so unbedacht verfemten grandiosen Dichter Im dritten Reich" ist etwas ganz anderes, allerdings etwas noch viel weniger Lebens- und Denkensfähiges ge= plant: nichts anderes als die praktische Einbürgerung und Legitimierung von Spießerphrasen, die jahrelang am politischen Stammtisch gebrüllt wurden. Das romanische Ausland etwa hat es niemals begriffen, daß der deutsche Nationalismus nach außen hin derartige Gretchenzopf- Allüren betätigt. Hitler- Deutschland hat dem Bubikopf, dem Lippenstift, der Puderquaste, dem Seidenstrumpf und jeder weiblichen modischen Intimität, die nicht von der Barchentindustrie befitten wird, unversöhnlichen und grundsäßlichen Krieg angesagt. Der Versuch, diese Askese der Einfalt von dem unvermeidlichen Fluch der Lächerlichkeit zu befreien, führt in deutschen Städten immer wieder zu ebenso indisfutablen wie dem Ergößen der gesamten Kulturwelt dienenden Zwischenfällen. Amerikanerinnen, Bolinnen, Schwedinnen sind in deutschen Lokalen, da sie den Lippenstift zückten oder mit einem„ dunkelraffigen" Savalier konversierten, bereits ebenso gesinnungsfest wie saugrob an das jetzt vorschriftsmäßige Verhalten der deutschen Frau erinnert worden. Die Entschuldigungen, die daraufhin in der Regel bei den Konsulaten der betreffenden Länder erfolgen müssen, sind gewissermaßen symbolisch. Es sind Rückzüge nicht nur vor der Zivilisation, sondern auch vor dem Geiste eines Eros, der nichts zu schaffen haben will mit der Keuschheitsposse ebenso uninformierter wie erbitterter Pubertätsvisionen. Balzac als gefährlichen Bornographen zu verbieten, dazu gehört die ganze drollige Sexualangst einer aufgescheuchten Gymnasialfantasie. Man vergleiche damit die enthusiastische Gelassenheit, mit der Mussolini in seinen Gesprächen mit Emil Ludwig über Balzac als eines seiner menschlichen und Lünstlerischen Jdole spricht, mit der Wucht und der Witterung, wie sie die paar Säße über den unvergleichlichen Plastiker der Menschenseele enthalten. Mussolini hat jedenfalls, mas man freilich von seinen deutschen Nachahmern nicht verlangen kann, den Heroismus Valzacs erkannt, einen völlig unpolitischen, aber vor feinerlei menschlicher Tiefe und Unfiefe zurückschreckenden Heldenmut der Schilderung wie der Schlußfolgerung. Den Fanatiker in Mussolini begeistert die " Der Geist der deutschen Jugend Die Jugendbeilage des Dortmunder Generalanzeigers" bringt einen Bericht aus den Sommerferien, die 85 deutsche Großstadtjungens in einem Seltlager auf der Insel Borfum verbrachten, in dem es heißt:„ Sehr anstrengend ist das Handgranatenwerfen. Trotzdem wird häufig eine Stunde dafür angesetzt. Wir haben Holzgranaten, die 800 Gramm wiegen und unten mit Eisenringen beschwert find. Wir warfen in den Dünen aus allen möglichen Lagen; stehend, liegend, hinter und an einer Wand usw. Gerade diese Uebung machte uns viel Spaß." Es ist ein grauenhaftes Spiel, das mit den Kindern malerische und restlose Unerbittlichkeit, mit der dieser Dichter Deutschlands getrieben wird. der menschlichen Tragikomödien den Kampf gegen die Materie wie die Illussion wieder aufnahm. Dieser rein geistige Weltkrieg, den ein Genie gegen jegliche Form von Mangel an Verständnis wie an Erträgnis ſeiner Wunderwerte geführt hat, ist freilich für das jetzt herrschende deutsch- völkische Gehirn niemals geführt worden. Denn was hat dieses Gehirn von Balzac behalten: Ein paar satirisch- erotische Situa= tionen! Man kann von Adolf Hitler, dessen Privatstunden mit verräterisch- romantischer Karl- May- Lektüre angefüllt sind, nicht verlangen, daß er dem Duce den Gefallen tut, am Ende gar Balzac zu lesen. Es wäre auch eine riskante Lektüre. Denn bei den großen und erschöpfenden Menschenzeichnern wie Balzac und Shakespeare finden wir alle, so sehr wir an Charakter oder Handlungsweise verschieden sein mögen, uns restlos wieder. Der Osaf vielleicht sich selbst, und nicht sehr schmeichelhaft. Weg mit den Tüchtigen Die Lehrbefugnis entzogen Den ordentlichen Honorarprofessoren Dr. Albert Fraenfel ( Tuberkulose), Dr. Walter Lenel( Mittlere Geschichte), Dr. Siegfried Loewe( Pharmakologie) und Dr. Leopold Perels ( Deutsches Privatrecht), dem nichtplanmäßigen außerordentlichen Professoren Dr. Ludwig Schreiber( Augenheilkunde) und den Privatdozenten Dr. Raymond Klibansky( Philosophie), Dr. Hans Laser( Pathologie), Dr. Walter Pagel( Pa= thologische Anatomie und Geschichte der Medizin), Dr. Friz Stern( Haut- und Geschlechtskrankheiten) und Dr. Ernst Witebsky( Immunitätslehre und Serologie), sämtliche an der Universität Heidelberg, ist mit Wirkung vom Tage der Eröffnung der Entschließung gemäß§ 3 Absatz 1 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Verbindung mit Nr. 8 zu§ 7 der Dritten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Lehrbefugnis entzogen worden. Sie brauchen einen Fuden Der würdelose Horst- Wessel- Film In Berlin wurde bekanntlich vor kurzem der„ HorstWessel- Film" gedreht. Für diesen Zwed wurde das heutige Horst- Wessel- Haus wieder in ein„ Karl- Liebknecht- Haus" zu rückverwandelt, und auf dem Bülowplatz wurden kommunistische Straßenkämpfe inszeniert. Für diesen Film wurde auch ein Schauspieler gebraucht, der die Rolle eines den Begriffen des dritten Reiches" entsprechenden Juden mimen sollte. Zuerst wollte sich niemand finden. Dann aber hat sich der einst geachtete Schauspieler Hugo Doeblin, ein Bruder des bekannten Romanschriftstellers Alfred Doeblin, dessen Werke dem Autodafe seinerzeit zum Opfer gefallen sind, be= reit gefunden, die üble Rolle zu übernehmen. Fatal ist mir das Lumpenpack, das, um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau mit allen seinen Geschwüren." ( Wintermärchen".) Mutterschutz ,, kulturbolschewistisch" Was sie verbieten Wie die Pressestelle des badischen Staatsministeriums mitteilt, wurde in Baden eine Reihe kulturbolschewi= stischer Organisationen aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Darunter sind der Reichsverband für Geburtenreglung und Sexualhygiene, Verbände und Gesellschaften für Sexualreform, die Liga für Mutterschutz und ihre Volksbünde, der Einheitsverband für proletarische Serualreform, der Reichsbund für Lebensreform, die Vereinigung zur Kleinhaltung der Familie und der Verein für Ehereform. Ihre Zeitschriften sind gleichfalls verboten worden. Was man sich zuflüstert Berichtigung. Es ist unwahr, daß Göring von Hindenburg zum General ernannt worden ist, vielmehr wurde er zum Generalbranddirektor ernannt, und nur durch eine Abkürzung dieses Titels ist das Mißverständnis entstanden. Warum heißt das Gut Hindenburg Neuded? Weil sich der Eigentümer alle paar Jahre die Spesen, die er dort ge= habt hat, vom deutschen Volk neu decken läßt. Die Bewohner von Sylt, die der Ruhm von Norderney nicht schlafen läßt, haben bei Göring den Antrag gestellt, die ihnen benachbarte iütische Küst e" durch die SA. besetzen und gleichschalten zu lassen. Braune Geschichte Herr Göbbels hat die erstaunliche Feststellung gemacht, daß der faschistische Römergruß, den die Hitlerleute übernommen haben, bereits bei Martin Luther, ia sogar bei Hermann dem Cherusfer Sitte war! Nicht nur der Dr. Martin Luther, Auch Adam, wie wir jetzt erfahren, Und Eva, als der Menschheit Mutter Sie waren Hakenkreuz- Babaren! Und in der Arche jenes Noah, Der durch die Sündflut durchgefegelt, Hat eine artbewußte Boa Den Herrn des Hauses angeflegelt! Die Höhlenmenschen, sehr verständlich, Die Ihresgleichen gern verspeisten, Betätigten fich hitlerhändlich, Wenn sie um ihre Opfer kreisten! Eins aber ist uns sehr erklärlich, Daß, fagen wir, die Menschenaffen, Die ja jetzt drüben sehr entbehrlich, Nach braunem Ebenbild erschaffen! DAS BUNTE BLATT NUMMER 70= 1. JAHRGANG TÄGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE 3m Meere versunken b Kontinente und Städte auf dem Meeresboden Vor kurzem erst erfuhr man aus dem Munde eines berufenen Wissenschaftlers aufsehenerregende Mitteilungen über einen vom Meer verschlungenen Weltteil. Professor Stanley Gardiner teilte in einem Vortrag in London den erstaunten Zuhörern mit, daß die englischen Gelehrten im Indischen Ozean auf der Strecke zwischen Madagaskar an der afrikanischen Küste und Ceylon in Vorderindien einen versunkenen Kontinent festgestellt hatten, der jetzt von einer besonderen Expedition englischer Forscher näher erforscht wird. Der Kontinent, von dem hier die Rede ist, lebt in der Sage seit den Tagen der alten Griechen fort. Wir finden ihn als eine Inselgruppe in den Aufzeichnungen der Alten wieder, als das Land Lemuria, das zwar schon damals nicht mehr existierte, aber in Sagen und Geschichten überliefert wurde. Uraltes Kulturland Nach den Ausführungen von Professor Stanley soll es sich bei dem sagenhaften Land Lemuria um einen ganzen Erdteil gehandelt haben, der etwa die Größe Australiens besaß und eine Brücke zwischen der indischen Halbinsel und dem afritanischen Kontinent darstellt. Das Land soll mit allen Schäßen dieser Erde reich gesegnet gewesen sein, so daß die Einwohner ein sorgenfreies und glückliches Leben führen konnten. Ihre Kultur war an die der Inder angelehnt. Daraus schließt man, daß die Einwohner Lemuriens in lebhafter Verbindung mit dem indischen Nachbarvolk gestanden sind. Einige Gelehrte hielten es aber auch nicht für unmöglich, daß die Kultur der Lemurier die ältere gewesen sei, daß also die Inder bei ihnen in die Schule gegangen seien. Das würde dann bedeuten, daß die untergegangene Kultur Lemuriens nicht nur die Ausgangsform der indischen, sondern auch der ägyptischen, griechischen und schließlich der europäischen Kultur gewesen sei. Die von der englischen Regierung geplante Expedition wird von Aegypten aus durch den Suezkanal in den Indischen Ozean vorstoßen, um hier mit Tauchern und den modernsten wissenschaftlichen Hilfsmitteln das Geheimnis um das versunkene Lemuria zu lösen. Die Vermutungen, die man vorerst hegt, stützen sich auf Beobachtungen auf der Inselkette, die sich zwischen der afrikanischen Ostküste und Indien erstreckt. Man hält diese Inselgruppen für die Reste des versunkenen Weltteils. Vergleiche der Vegetation, wie überhaupt des gesamten Lebens auf diesen Inseln haben zu der überraschenden Feststellung geführt, daß Pflanzen, Kräuter, Gräser, Käfer usw. hier auf diesen Inseln die gleichen sind, wie auf den Malaischen Inseln in Indien. Das Erstaunliche ist aber, daß auch Lebewesen gefunden wurden, die eben nur auf diesen beiden, heute vollkommen voneinander getrennt liegenden Inselgruppen existieren. Wie ist nun Lemuria mit einemmal von der Erde verschwunden? Auch darüber gibt es natürlich nur Theorien. Man nimmt an, daß eine riesige Erdbebenkatastrophe vor etwa 12000 bis 15 000 Jahren unseren Erdball heimgesucht und das ganze Land mit sich ins Meer gerissen hat. Diese grandiose Erdexplosion hat dann das Gesicht des Globus von Grund auf verändert. Wahrscheinlich sind ihr Millionen und aber Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Ein ganzes Menschengeschlecht wurde von den Fluten weggespült und mit ihm eine uralte Kultur. Auf die Ergebnisse, die die englischen Forscher von ihrer Fahrt mit heimbringen, kann man jedenfalls gespannt sein. Die Residenz Alexanders des Großen OM Eine andere hochinteressante Entdeckung machte unlängst durch einen Zufall der englische Flieger Sir John T. Cull. Als er eines Tages in ziemlich niedriger Höhe über dem Mittelländischen Meer dahinflog- es war ein flarer Tag und das Wasser war tiesdurchsichtig, entdeckte er zu seiner größten Verwunderung in der Nähe der Nelsoninsel ein Gebäude mitten im Meer. Bei näherem Zusehen entdeckte er, daß es sich um Reste alter Kulturbauten handelte, und er glaubte deutlich verschiedene massive Säulen im Meere feststellen zu können. Die Erzählung seines Erlebnisses rief bei den Fachgelehrten, denen er sie vortrug, allseits größtes Erstaunen hervor. Ein bekannter Archäologe, Prinz Omar Tousson, wagte das Unternehmen und rüstete ein Schiff zur Erforschung der eigenartigen Meeresbauten aus. Die Vermutungen des Gelehrten bestätigten sich an Ort und Stelle vollauf. Die Taucher fanden nicht nur die von dem englischen Offizier entdeckten Säulenreste, sondern ihnen tat sich auf dem Meeresgrund eine ganze alte Stadt mit prunkvollen Tempeln und Palästen auf. Die Gebäude waren griechischen Ursprungs. Es gab gewaltige Bauten aus rotem Granit gemeißelt, und aus gewaltige Bauten aus rotem Granit gemeißelt, und aus Inschriften und aus anderen Funden ließ sich dann einwandfrei nachweisen, daß es sich bei der versunkenen Stadt um eine Residenz Alexanders des Großen handeln muß. Diese prunkvolle Stadt, die der Eroberer nach seinem ägyptischen Feldzug erbauen ließ und die er Canopus nannte, lag damals an den Gestaden des Meeres. Die Säule, die Sir John T. Cull vom Flugzeug aus entdeckt hatte, wird von dem Bildnis des mächtigen Herrschers überragt. An anderen Hallengängen und Bauten stellten die Taucher bildliche Darstellungen der großen Schlachten Alexanders fest. Jahrhunderte nach der Blütezeit der Stadt Canopus rückten die Fluten des Mittelländischen Meeres gegen die Stadt vor. Jahr um Jahr verschlangen sie einen Teil nach dem anderen von den prachtvollen Gebäuden. Die Tempel ver schwanden mehr und mehr in den Wassern, die Fluten stiegen bei dem ständigen Anwachsen des Meeresspiegels bis in die Straßen der Stadt und bedeckten sie schließlich vollends. Wo ehedem der Beherrscher der Welt mit seinen Heerscharen gelagert hatte, da gurgelten nun die Fluten des Meeres, die alles Leben und alle Herrlichkeit verschlangen. Doch die steinernen Zeugnisse dieser Zeit, die Säulen und Tempel aus Granit, trotzten dem nassen Element. Sie überdauerten die Jahrhunderte. Sie warteten darauf, daß sich der Meeresspiegel wieder ebenso senkt, wie er vor Hunderten von Jahren ihre stolzen Höhen überflutet hatte. Seit mehr als hundert Jahren schon stellt man in der Tat ein allmähliches Sinken des Wasserspiegels des Mittelländischen Meeres fest. So kam es, daß die höchsten Spitzen der Gebäude von Canopus jetzt wieder sichtbar wurden und die Aufmerksamkeit des englischen Fliegers erregten. Sodom und Gomorra? Englische Flieger waren es auch, die jüngst bei einem Flug über dem Toten Meere unter dem Wasserspiegel die Umrisse einer Stadt entdeckten. Es war eine urchaldäische Siedlung, die hier vor undenkbar langer Zeit von den Fluten weggerissen wurde und jetzt dem Flieger aus der Höhe ihre Existenz verriet. An diese Entdeckung knüpften die Gelehrten die verschiedensten Vermutungen. Einige stehen auf dem Standpunkt, daß es sich hier um die Reste der versunkenen biblischen Städte Sodom und Gomorra handeln könne; doch steht diese Auffassung im Gegensatz zu den Entdeckungen einer früheren Expedition, die an einer anderen Stelle Palästinas die Trümmer dieser Städte ausgegraben zu haben glaubt. Wie die Menschien vor 20000 Jahren lebten Besuch im Afrika- Institut von Gefieimrat Frobenius Mitten im Zentrum der ehemaligen freien Reichsstadt am Main, der Stadt Goethes und Schopenhauers, liegt das alte, architektonisch fein gegliederte Bundespalais. Im großen quadratischen Vorhof hielten einst die Kuriere und Eilposten, die alten Postkutschwagen der deutschen Reichs- Postfürsten nach langer Reise über holperige Landstraßen, um Postsachen abzuliefern oder zu neuer Fahrt aufzunehmen. Hier stiegen die Weltreisenden von Anno dazumal ein und aus. Heute beherbergt ein Teil des Gebäudes das Afrika- Archiv des berühmten, jetzt gerade 60 Jahre alt gewordenen Afrikaforschers Geheimrat Leo Frobenius. Das von ihm gegründete Forschungs- Institut für Kulturmorphologie hat hier eine Heimstätte gefunden. In diesen an sich bescheidenen Räumen ist eines der bedeutsamsten Forschungsinstitute der Welt untergebracht. Hier können wir, wenn wir genügend Zeit zur Verfügung haben, in dem Buch der Geschichte des Lebens der ersten Menschen lesen. Wohl über dreißigtausend Nachbildungen der ersten Zeichnungen der Menschen sind hier systematisch geordnet. Mit unermeßlicher Mühe und Sorgfalt ist die Ausbeute der Expeditionen des großen Forschers Frobenius zusammengetragen. Der wichtigste und für uns Menschen der lehrreichste Teil dieses Afrika- Archivs sind die Kopien südafrikanischer Felsbilder, die meist auf ein Alter von 20 000 und 30 000 Jahren zurückblicken können. Hier sind die Uranfänge menschlicher Kunst gesammelt. Wir können einen Blick tun in das größte Bilderbuch Afrikas und der Menschheit überhaupt. Der Forscher empfängt mich in seinem Arbeitszimmer. Ein jugendlicher Herr mit lebhaftem Temperament, der sich nicht nur auf seinem engeren Arbeitsgebiet gründlich auskennt, sondern engste Fühlung mit Leben und Menschen hält. Gedanken jeglicher Art finden selten gehörte Formulierung. Und wir sind angenehm überrascht, einem Gelehrten zu begegnen, der nicht nur sein engeres Fachgebiet beherrscht und Welt und Menschen des 20. Jahrhunderts abgewandt ist, sondern einer freien fünstlerischen Natur, begabt mit lebensbejahendem, fröhlichem Optimismus, der alle Schwierigkeiten überwindet. Geheimrat Frobenius ist ein fantasiebegaber Gelehrter; begeisterungsfähig, mit der seltenen Gabe ausgestattet, Jünger und Mitarbeiter zu begeisterungsfähigen und opferbereiten wissenschaftlichen Arbeitern heranzuziehen. Man muß aus nächster Nähe die unermüdliche Tätigkeit seiner Assistenten, ihre Freude an der Arbeit beobachtet haben, um zu spüren, welch anregender Einfluß von dem Menschen Frobenius ausgeht. Auch die Bücher des Gelehrten befißen diesen Zug lebensvoller Anschaulichkeit. Sie sind lebendig wie der Mann da vor mir, der übersprudelt von Lebensfreude und sinnvoller Forschertätigkeit. M. Ed- Troll SAMSTAG, DEN 9. SEPTEMBER 1933 Es fierbsteft.. Schon naht der Herbst. Der Birkenhain prangt bald im bunten Kleide und vor dem Winterschlaf legt an der Laubwald sein Geschmeide. Da schillern alle Farben auf, wie sie kein Mensch ersonnen, und durch sie hat die Spinne sich ein Filigran gesponnen. Dann aber raunt der kalte Wind vom Sturm und vom Verderben und langsam zieht durch Herbstespracht ein müdes, weltes Sterben. Die Blätter wogen durch die Luft, den Winter anzukünden; fie wollen an des Waldes Saum die letzte Ruhstatt finden Doch heuer hat der Wind nicht viel Geflitter mehr zu rauben, begann sich doch schon mancher Banm im Frühling zu entlauben; und deshalb heult der Sturm nicht mehr sein Lied nach alten Noten, der Blätterwald des dritten Reichs" ist ja schon längst verboten.. Die kürzeste Efe Theophrastu s. Ein junger Arbeiter und eine 17jährige Maid aus dem kleinen Städtchen Naba in der Nähe von Kobe in Japan können sich rühmen, die kürzeste Ehe der Welt miteinander verlebt zu haben. Die ganze Herrlichkeit von der feierlichen Trauung bis zur ordnungsmäßigen Scheidung dauerte nicht länger als ganze sieben Minuten. Und nach weiteren 20 Minuten waren beide bereits zum zweitenmal verheiratet. Der neue Weltrekord" hat sein Entstehen einem originellen Irrtum zu verdanken, indem der zustän dige Standesbeamte in Naba versehentlich zwei zur Traus ung erschienene Brautpaare durcheinander brachte und eine Braut mit dem falschen Bräutigam zusammengab. Nur durch die schnelle Entschlußkraft aller Beteiligten war es möglich, den Schaden in so kurzer Zeit zu beheben. In Japan ist es Sitte, daß die Braut dicht verschleiert zur Trauung erscheint. den Schleier, um der Angetrauten einen feierlichen Kuß zu Erst nach vollendeter Zeromonie hebt der junge Ehemann geben. So kam es, daß bei der denkwürdigen Trauung in Naba der Bräutigam den Irrtum nicht bemerken konnte; während die Braut viel zu aufgeregt war, als daß sie darauf hätte achten können, daß man sie mit dem falschen Mann verheiratete. Erst als der feierliche Brautfuß getauscht werden sollte, stellte sich zum allgemeinen Entseßen das angerichtete Unglück heraus. Selbstverständlich hätte die auf diese Weise zustande gekommene Ehe von beiden Teilen angefoch ten werden können. Aber das hierfür notwendige Verfah ren hätte erhebliche Zeit erfordert. Deshalb beschloß man, die Ehe unter Anwendun sämtlicher Erleichterungsmöglichkeiten, die das japanische Recht vorsteht, sofort wieder zu scheiden; das geschah denn auch, wobei man- genau wie bei der vorhergehenden Trauung sorgfältig auf die vorge schriebenen Formalitäten achtete. Schließlich fonnten nun die richtigen Brautpaare miteinander getraut werden. Es ver steht sich, daß sich zuvor beide Bräutigame über die Identität ihrer Zufünftigen vergewisserten. Ein russischer Stratosphärenflug Der erste Aufstieg eines sowjetrussischen Stratosphären ballons soll nach den? itteilungen des Chefs des Generalstabs der sowjetrussischen Luftstreitkräfte bei günstigen Witterungsverhältnissen zwischen dem 5. und 8. d. M. vom Moskauer Flughafen erfolgen. Der Ballon soll in eine Höhe von mehr als 30 000 Meter gebracht werden. Nach den Berechnungen wird sich der Ballon mindestens vierzig Stunden in der Luft halten können. Der Aufstieg soll aber nur wissenschaftlichen und keinen Rekordzwecken dienen. Der Durchmesser der Ballonhülle beträgt 35 Meter, der Rauminhalt 30 000 Subikmeter Gas. Die Gondel des Ballons ist luftdicht verschließbar. Sechs große Fenster ermöglichen den freien Ausblick in die Stratosphäre. In der Gondel sind 25 wissenschaftliche Meßapparate, unter ihnen auch die Wilson- Kamera zur fotografischen Messung der kosmischen Strahlung, untergebracht. Den Flug werden die russischen Professoren Prokowiew und Bärenbaum, die sich durch ihre Höhenforschungen bereits einen guten Namen gemacht haben, in Begleitung von zwei Armeepiloten unternehmen. Der Moskauer Flughafen wird für jeden Publikumsverkehr gesperrt sein, um Störungen durch allzu großen Menschenzulauf zu vermeiden. Ueberraschenderweise gibt auch das russische Kriegsministerium bekannt, daß noch ein zweiter Stratosphärenballon fertiggestellt wurde, der gleichfalls in den nächsten Tagen in die Stratosphäre aufsteigen soll. Die Dimensionen und die Ausführung des Ballons sind die gleichen wie bei dem ersten Ballon, nur die Gondel ist mit neun, statt sechs Fenstern versehen. Liebesbeweis " Mammi," fragt Klein- Else, hast du mich auch wirklich lieb?" ,, Gewiß, mein Kind, warum denn nicht?" ,, Ach bitte, dann heirate doch den Zuckerbäcker in unserem Hause!" Gattin: Unsere Emma müßte doch bald heiraten. Gatte: Laß sie ruhig warten, bis der Richtige kommt. Gattin: Ja, das hab' ich aber doch auch nicht getan! Immer ist die Bahn überfüllt. Das sind ja skandalöse Zustände." „ Warum schimpfst du denn, Erich, du sizest doch?" „ Ja, aber meine Frau mit all den schweren Paketen muß stehen!" Aus der Schweizer Illustrierten Zeitung Arbeiterklasse und Abrüstung Aft Die Entschließung der gemeinsamen Abrüstungskommission der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und des Internationalen Gewerkschafts- Bundes Wir tragen aus den Beratungen der Pariser Konferena noch folgende Entschließung nach: Der JGB. und die SAJ. stellen fest, daß die Abrüstungskonferenz des Völkerbundes nicht zu positiven Abrüstungsmaßnahmen gelangt ist. Andererseits haben die ständige Durchbrechung des Völkerbundspaktes und der Verträge durch Japan, die Ausbreitung des Faschismus in Europa infolge der Machtergreifung Hitlers in Deutschland und der offenkundige Wilfe zur geheimen Wiederaufrüstung, den der deutsche Faschismus nicht verhehlt, zur Wirkung, daß die Menschheit zugleich von einer Verstärkung der Rüstungen, zu der die großen Länder entschlossen scheinen oder sich resigniert haben und von den Möglichkeiten eines Krieges bedroht ist, der alle erfassen wird. Diese Feststellungen zwingen die Völker und die Regierungen, und besonders die Arbeiterklasse, dem Ernst der Situation ins Auge zu sehen, die ihren Ursprung besonders in den Wiederaufrüstungsbestrebungen einer Regierung hat, die alle demokratischen Rechte und Frethettenvernichtet, zur Gewalt nach außen hin entschloffen ist, wie sie es zur Gewalt im Innern des Landes ist, und die eine My stit des Revanche- und Eroberungskrieges fördert. Die Abrüstungskonferenz des Völkerbundes muß unverzüglich ihre Arbeiten mit der festen Absicht aufnehmen, zu einer wirksamen Reduktion der Rüstungen zu gelangen, die allein imstande ist, die Kriegsgefahr einzudämmen. Die SAJ. und der JGB. betonen von neuem ihren gemein: famen Standpunkt zugunsten der Gleichheit der Rechte und der Pflichten aller Nationen, die keineswegs in der Wieder: aufrüstung irgend eines Landes ihren Ausdruck findet. Unter den Maßnahmen, die die SAJ. und der JGB. als wesentlich betrachten und die infolge der geheimen Rüstungen, der Unterdrückung der politischen und gewerkschaftlichen Or ganisationsfreiheit, der Presse- und Meinungsfreiheit noch dringlicher geworden ist, nimmt für sie den ersten Platz ein die vollkommene Abschaffung der privaten 28 affenfabrikation und die Errichtung einer Kontrolle, die ständig und an Ort und Stelle in allen Län= bern fungieren soll. Die SAJ. und der JGB. fordern dringend alle Angehörigen der ihnen angeschlossenen Arbeiterorganisationen auf. die Errichtung und die Tätigkeit dieser Kontrolle tatkräftig zu unterstützen. In voller Uebereinstimmung mit dem Brüsseler Gewerks fchaftskongreß 1933 erklären die SAJ. und der JGB., daß ber Generalstreik das legte Mittel der Arbeiterklasse gegen den Krieg bleibt, and# 7 sada s wenn alle Mittel politischer und parlamentarischer Einflußnahme versucht wurden und sich unwirksam erwiesen haben. Im Rahmen der gegenwärtigen internationalen Verträge ist der Augenblick für diese äußerste Kraftanstrengung der Arbeiterklasse bestimmt nur die Schiedsgerichtsbar tett, sei es, daß der Vorsitzende des Völkerbundsrates die schiedsgerichtliche Entscheidung auf Grund des Artikels 2 der Satzung herbeiführt, sei es, daß eine Regierung ste in An wendung des Völkerbundspaktes oder des Pariser Kriegsächtungspaktes fordert, oder wenn beides nicht der Fall ist, JGB. und SAJ. selbst die schiedsgerichtliche Entscheidung angesichts des Ernstes der internationalen Ereignisse für unumgängig notwendig halten. Jedes Land, das sich weigert, diesen Weg zu beschreiten, muß von der internationalen Arbeiterbewegung als Angreifer angesehen werden. Von diesem Augenblick an ist es die Pflicht der organisierten Arbeiter, den Generalstreik in diesem Lande außzulösen. Die Pflicht der Organisationen der anderen Länder ist es, diese Bewegung zu unterstüßen und den Boykott des Angreiferlandes zu organisieren. Die beiden Internationalen lenken die Aufmerksamkeit der Welt auf die Gefahren, die die ständige und tolerierte Verlegung der allgemeinen Packte und Verträge zur Folge hat. Auf diese Weise wird die Autorität der internationalen Jn stanzen herabgesetzt und mit jedem Tage wird mehr und mehr eine Wiederkehr zur internationalen Anarchie möglich, die bereits den Krieg von 1914 hervorgerufen und in jüngster Zeit infolge der Nichtbeachtung der neuen internationalen Verträge einen Eroberungskrieg im äußersten Often zur Folge gehabt hat. Die Regierungen mögen sich bewußt sein, daß der Sozialis mus und die Arbeiterorganisationen ihnen die Verant wortung auferlegen werden, wenn sie sich nicht zu einer entschiedeneren und kraftvolleren internationalen Politik entschließen. Im Augenblick, da die Umtriebe der faschistischen Regierungen zu jeder Unruhe und zu jedem Mißtrauen Anlaß geben, obliegt den demokratischen Regierungen die unbedingte Pflicht, diese Verlegungen internationaler Konven tionen nicht zu dulden und an keinerlei Intrigen in der Frage der Abrüstung teilzunehmen. Die Abrüftungskonferenz fann weder verschwinden noch fich selber aufgeben, um die Bahn zur Wiederaufrüstung, zu einem neuerlichen Rüstungswettlauf im bewaffneten Frieden und zur Weltkatastrophe freizulegen. Ein Vertrag über weitgehende Abrüstung, die genauester Kontrolle unterliegen soll, ist eine Sicherbeitsgarantie für alle. Er muß endlich abgeschlossen werden. Militarisierte Jugend Wie das Ausland die deutsche Jungmannschaft sicht- Genaue Angaben Der„ Manchester Guardian" bringt einen längeren Bericht aus Deutschland, der ins einzelne gehende Angaben über den wahren Charakter der Arbeitsdienstlager als militärische Ausbildungsstätten enthält. Wir entnehmen dem langen Artikel, der offenbar aus allerbester Quelle stammt, die folgenden Angaben: „ Döberitz ist hermetisch vor Besuchern abgeschloffen burch Patrouillen und Wachen. Auswärtige Journalisten find nur bei Führungen zugelassen und eine allgemeine Anordnung ist erlaffen worden, wonach Waffen nicht zur Schau gestellt werden dürfen, SA. und Stahlhelm wer ben in Döberig unter der Aufsicht regulärer Truppen von der Reichswehr in neuen Gewehren( 98) und schweren Maschinengewehren ausgebildet. Die Schießstände der Reichswehr sind auch für SA. und Stahlhelm zugänglich ( Heeresverordnung 38, Nr. 15). In Küstrin machen 150 Mann aus Arbeitslagern einen Kursus im Maschinengewehrschießen durch. In Jüterbog und Wusterhausen werden SA.Abteilungen im Gewehrschießen, Bombenwerfen und Maschinengewehrschießen ausgebildet, um ihnen die Quas lifikation als SA.- Offizier zu geben. Um den militärischen Charakter zu verbergen, tragen sie die Uniform des BahnSchußes. Der Sturm 28/18 der SA. wurde sorgfältig in der Bennzung von Revolvern, Karabinern und leichtem Maschinengewehr im Juli ausgebildet. In Elsgrund bei Döberitz werden SA.- Sturms führer von Reichswehroffizieren in der Benuhung von Maschinengewehren, Feldartillerie, Kartenlesen usw. aus: gebildet. Seit Juli find die SA.- Lente nicht mehr gefragt worden, ob sie freiwillig an den von der Reichswehr veranstalteten Kursen teilnehmen wollen. Sie sind einfach zu dieser Arbeit kommandiert worden. In Leipzig find SA., Stahlhelm, Werwolf usw. in allen Reichswehrkasernen, wo sie an leichten und schweren Maschinengewehren, Minenwerfern und Artillerie ansges bildet werden. Die Ausbildung an den leichten Waffen erfolgt zusammen mit der Polizei. Zuchthans bestraft werden, wenn fie irgendwelche Auss künfte nach außen geben. foll Der Wehr stahlhelm- das sind Stahlhelmmänner bis zu 35 Jahren und qualifizierte ältere Männer in die SA, eingegliedert werden. Am 1. November erfolgt nach einer Verordnung, die von Hitlers Stabschef Röhm und dem Gruppenführer von Morosowicz gezeichnet ist, die völlige Verschmelzung zu einer unauflöslichen Einheit. Der Führer der SA.: Gruppe Berlin: Brandenburg hat den Bericht von 20 Ingenieuren in der SA. angefordert, damit die Arbeit zu einer neuen Schiffswerft begonnen werden kann. Der frühere Militär: flughafen in Bug( Rügen), der nach dem Kriege aufgegeben wurde, wird jeßt wieder instand gesezt. Zwei Wasserflugzeuge find schon da und Bombenwerfen wird geübt mit Attrappenbomben und einer Zielscheibe, die auf die Erde gemalt ist. Das Vorgebirge von Bug ist für Besucher und Verkehr gesperrt. Hundert Mann vom Arbeitslager find dort stationiert. Das Kinderheim in Wieck wird in Kasernen für Flieger umgewandelt. Es ist ein modernes Gebäude, das ungefähr 1500 Personen beherbergen kann. Im allgemeinen sind die Beziehungen zwischen Stahlhelm und Reichswehr gut, aber zwischen ihnen und der SA. besteht oft Mißtrauen. Am 21. Juli fand ein privates Treffen von Stahlhelmführern eines bestimmten Bezirkes( der Name tann hier nicht genannt werden) statt, auf dem recht offen gesprochen wurde. Der ganze Wehrsport wurde als Mödsinn bezeichnet, der Unglaube in die Bez hauptungen der deutschen Regierung, daß die Arbeitslosigkeit zurückgegangen sei, kam zum Ausdruck, das Pros gramm der Arbeitslager wurde als Quatsch bezeichnet und es wurde rundherans gesagt, daß Göring sehr uns populär sei wegen seiner Prahlsucht und Eitelkeit und daß man ihn nicht mehr ernst nehme". Soweit der Bericht, dessen detaillierte Angaben zeigen, daß der Verfasser gut Bescheid weiß. Jeder Satz klingt wahrscheinlich. Für Deutschland wirkt der Bericht nicht. Offenbar hat man in Berlin die Katastrophe mit der Schwarzen Reichswehr bereits wieder vergessen In Mödern find etwa 200 SA.- Männer mit der Schule als Kasernenhof Polizei für zwei bis drei Monate stationiert. Sie tragen Polizeiuniform und das 98er- Gewehr. In Grimma find zwei SA.- Stürme in den Kasernen und werden als Jufanteristen bzw. Artilleristen ausges bildet. Die Kurse sind streng geheim und werden unter dem Namen Wanderkurse des Nationalen AthletenBundes verborgen. Die Rekruten werden bei der Ver= eidigung unterrichtet, daß sie mit mindestens sechs Jahren ( Inpreß): Die Frankfurter Stadtverwaltung hat in sämtlichen Schulen ein neues Zeremoniell eingeführt. Bevor der Unterricht beginnt, passiert der Lehrer die Front der Schüler und grüßt mit emporgeredtem rechtem Arm. Die Klasse schreit, den rechten Arm ebenfalls erhebend: Hell Hitler". Nach Schluß des Unterrichts wiederholt sich das Marionettenspiel auf dem Schulhof, worauf die Schüler in ausgerich= tetem Doppelglied abmarschieren. Die Dienstpflicht Den neuen Herren des armen Deutschlands wird es mit der Verbesserung ihrer Raffe allmählich ernst. Sie betrachten sich selbst, beginnen sich zu erkennen, und da ist es kein Wunder, wenn der lebhafte Wunsch in ihnen erwacht, dieſe Raffe zu verbessern. Alſo wird mit Behe menz an die Arbeit gegangen: Rasseämter werden geschaffen, Zuchtwarte ernannt, es geht, wie bei jeder Gründung, luftig und heiter zu. Schon verbietet man den Juden bei Strafe der Kastration den Umgang mit arischen Mädchen, schon verlangt man, daß der deutsche Jüngling kein Mädchen mit ovalen Brüsten küre, kurz: es geht mit Riesenschritten vorwärts. Jm„ Deutschen Aerzteblatt", dem offiziellen Fachorgan der deutschen Aerzte, umschreibt der Reichsinnenminister Frick die Auf gabe des deutschen Arztes: Sicherung, Vermehrung und Veredlung der deutschen artgleichen Menschen habe dem Arzt als höchstes Ziel des deutschen Staates zu gelten. Da eine solche Sicherung und Vermehrung immerhin mit einer gewissen, wenn auch mitunter nicht allzu unangenehmen Arbeit verbunden ist, kommt in dem gleichen Organ auch der Reichsarbeitsminister Franz Seldte zu Wort, der die Aufgabe des Arztes auch von der mehr negativen Seite betrachtet: die Berufung des Arztes sei es,„ dem ganzen Volkskörper in Deutschland zur Ges fundung, zur allmählichen Ausmerzung des Artfremden und zur Reinhaltung des Arteigenen zu verhelfen". Um die dem Arzt so gestellte Doppelaufgabe, nämlich „ auszumerzen" und zu vermehren", nach Möglichkeit leichter zu gestalten, hat da kürzlich im Göbbelsschen Ministerium für Bolksaufklärung und Propaganda eine Besprechung mit medizinischen Pressevertretern stattgefunden, in der der Dezernent, Herr Doktor Thomalla - nach einem Bericht des 8- Uhr- Abendblattes"- bekanntgab, daß die Regierung plane, den Kampf gegen die Geburtenbeschränkung mit allen Mitteln aufzu nehmen. In den Dienst dieses Kampfes sollen neben den Zeitungen vor allem die Arbeits. dienstpflichtigen gestellt werden". Es entsteht nun die Frage, welcher Art diese Dienste sein werden, die man da von den Arbeitsdienstpflichtigen verlangt. Wird man mit dem Achtstundentag bei dieser Aufbauarbeit das Auslangen finden? Erfolgt die Be. zahlung nach den bisher üblichen niedrigen Entlohnungs. skalen für diese bedauernswerte Kategorie der Dienst pflichtigen oder wird eine Separatgratifikation verab folgt? Aber auch noch andere, wichtigere Fragen tauchen auf: wie werden sich SS. und SA. zu dieser offiziellen Bevorzugung der Arbeitsdienstpflichtigen verhalten? Wird die SA., die bisher mehr zu„ Ausmerzungs"-Arbeiten verwendet wurde, nicht mit allen Kräften danach streben, ihre Kraft in den Dienst dieser Aufbauarbeit zu stellen? Und die SS.? Soll sie, wenn es einmal Arbeit im Vollen gibt, beiseite stehen und leer ausgehen? Auch hier regen sich Kräfte und drängen nach Entfaltung und Vermehrung. Wenn also die böse Auslandspresse in nächster Zeit etwa wieder von Konflikten zwischen SA. und SS. zu berichten haben wird, so liegen deren Ursache gewiß nicht in der Unzufriedenheit der SA. mit dem bourgeoisen Regime des Herrn Thyssen, sondern nur in dem unbezähmbaren Eifer beider Truppengattungen, möglichst piel zur Dienstleistung für die Vermehrung der artgleichen Menschen des Staates höchstes Ziel herangezogen zu werden, wobei allerdings mitunter eine kleine Zerstreuung, bestehend in der Ausmerzung artfremder Untermenschen kein geringeres Hochziel des Staates erwünscht sein dürfte. Pfälzer Brief Sittliche Erneuerer Stefan Pollatschek. Wie man im„ dritten Reich" die sittliche Erneuerung auffaßt, beweist folgender Fall: Der Kreisleiter der NSDAP. in Speyer am Rhein ist ein gewisser Höber. Ein schwerfriegsbeschädigter Bahnbeamter mußte, weil er plößlich frant wurde, vom Dienst früher als die übliche Zeit nach Hause gehen. Der Mann ist was sollte ein Bahnbeamter im britten Reich" sonst sein?- selber Pg. Als er die Wohnung betrat, fand er seine Frau mit einem Mann zusammen, und zwar in ganz unzweideutiger Situation. Wer war der andere Mann? Er war einer von Hitlers Getreuesten. Ein ,, alter Kämpfer". Einer der sittlichen Erneuerer". Der jenige, der die Reinheit der germanischen Ehe als das höchste und schönste Ideal in einer Unzahl von Versammlungen gepriesen hatte. Es war der Kreisleiter Höber. Jetzt ist er spurlos verschwunden. Niemand weiß wohin. Wahrscheinlich ist er versetzt, und wirkt jetzt anderwärts als treuer brauner Soldat, als Propagandist der fittlichen Wiedergeburt des deutschen Volkes durch das„ dritte Reich". Ebenfalls aus Speyer verschwunden ist ein NSBO.. Leiter. Er soll bei der Firma Holzmann, bei der er beschäftigt war, 3000 Mark unterschlagen haben. Die Sache wurde mit größter Peinlichkeit behandelt. Aber die Fama arbeitet schnell und sicher. Ganz Speyer weiß Bescheid. In den Reihen der marristischen Korruptionisten" herrscht eitel Schadenfreude. Neuer Dienst der SA. * -Gerichtsvollzieherschutz In vorderpfälzischen Zeitungen konnte man Ankündigungen von Zwangsversteigerungen lesen. So stand im Rheinischen Volksblatt", daß einem Landwirt in Speyer am Burgweg eineinhalb Morgen Weizen„ vom Halm" versteigert wurde. Der Gerichtsvollzieher amtierte unter dem Schuße von SA. Vor einem Jahr noch war es eine Heldentat, wenn Hitlers braune Soldaten angeblich aus Bauernfreundlichkeit den Gerichtsvollzieher aus dem Dorf hinausprügelten. Es verging fast kein Tag, an dem nicht Siegesmeldungen der Art durch die braune Presse verbreitet wurden. Und heute? SA. als Vollstreckungsschuh! Das heißt, Organ der Vollstreckungsbehörden. Das heißt, um in dem Jargon der Beute zu bleiben, den Bauern helfen ausrauben. Das ganze aber unter der Ueberschrift: Bauernhilfe. Das Neueste werfen können; wer aber weiß, ob eine weniger zweideutige schulprofefforen in eingehender Einvernahme insDas mit Maschinengewehren ausgerüstete Flugzeuggeschwader des Marinepionierforps hat Befehl erhalten, sich zum Flug nach Kuba bereitzuhalten. 15 000 Arbeiter des Stidereigewerbes in Neuyork haben die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen die 30ftündige Arbeitswoche. Der Kongreß der amerikanischen Bankiervereinigung nahm einen neuen Tarif für das Bankgewerbe an, der die 40ftündige Arbeitswoche vorsicht. Die Flugzeugwerke Bleriot in Suresnes bei Paris haben ihren Betrieb stillgelegt. Bleriot erklärt nun, daß er seit vier Jahren teine Aufträge mehr erhalten habe und es ihm an Geld fehle. Bereits vor einiger Zeit habe er einen Teil seiner Arbeiter entlassen müssen. Bleriot war einer der ersten Pioniere des Fliegens. Am Donnerstag haben in Paris französisch- pols nische Wirtschaftsverhandlungen begonnen, die wie man erklärt durch die am 10. Oktober in Kraft tretende polnische Zollerhöhung notwendig geworden seien. Nach einer Meldung aus La Paz teilte das boli vianische Kriegsministerium mit, daß die Truppen von Paraguay im Gran Chaco sämtliche von ihnen im Haltung Englands Deutschland wirklich eingeschüchtert hätte? Die Geschichte hat bereits ihre Antwort erteilt: Der eiserne Würfel war seit langem gefallen, Deutschland hatte bereits beschlossen, Europa ein blutiges Schicksal zu bereiten. Wir Franzosen werden Lord Grey als einen Mann von Ehre und einen Freund unseres Landes im Gedächtnis behalten. ,, Matin" erklärt: Lord Grey hat alles getan, was diplomatisch möglich war, um den Konflikt zu verhindern, abgesehen vielleicht von dem einzigen, was ihn verhindert hätte, nämlich Deutschland zu erklären: Wenn der Krieg ausbricht, wird England mit seiner Flotte auf der Seite Frankreichs und Rußlands stehen. Lord Grey hat sich über seine Haltung offen geäußert und dargelegt, daß die englische Oeffentlichkeit nicht genügend vorbereitet gewesen sei. Dies beweist, welch wichtigen Faktor bei Weltkonflikten die Moral spielt. Es genügt nicht, daß Heer oder Flotte eines Landes kampffähig sind: auch die Seele eines Landes muß darauf vorbereitet sein. Uebrigens hat Grey, sobald die Neutralität Belgiens verlegt worden ist, sich der Laae gewachsen gezeigt. Frontabschnitt Gondra bisher gehaltenen Stellungen hätten Regierungskrise in Spanien? räumen müssen. Der am Mittwoch abgehaltene französische Ministerrat hat sich, wie„ Echo de Paris" erklärt, auch mit den Schuldenverhandlungen mit Amerika befaßt, die auf eine Anregung von Amerika wiederaufgenommen worden seien oder unmittelbar bevorständen. Die französische Regierung werde sich so entgegenkommend wie möglich zeigen, wenn Präsident Roosevelt und seine Ratgeber den Vorbehalten Rechnung trügen, die vom französischen Parlament wiederholt gemacht worden seien. Zum Tode Lord Greys Pariser Blätter Paris, 8. Sept. Die franzöfifche Presse widmet dem verMann der Entente Gordiale, der englisch- russischen Annäherung, des Eingreifens Italiens in den Krieg und vor allem als derjenige gewürdigt wird, der England im entscheidenden Augenblick veranlaßte, Deutschland den Krieg zu erflären. Die Rolle, die Lord Grey in den tragischen Tagen und Stunden vom August 1914 gespielt hat, ist auch bei den Franzosen umstritten, doch wollen sie an seinem loyalen Verhalten gegenüber Frankreich nicht zweifeln und sein Zögern seiner übergroßen Gewissenhaftigkeit zuschreiben. Man hat Lord Grey, schreibt Echo de Paris", sein Zögern vorstorbenen Lord Grey lange Nachrufe, in denen er als der BRIEFKASTEN Ottweiler( Saar). Nach Ihren Mitteilungen ist in Ihrer Stadt das Zentrum in voller Auflösung. Die Führung läuft zu den Nazis über. Charakterfest wie man ist, baut man vor. Niemand wird sich wundern, wenn auch an der Saar das Zentrum zugrunde geht. Es weiß schon seit Monaten nicht mehr, ob es Selbstmord begehen oder sich von den Nazis in der Umarmung töten lassen soll. St. Gallen W. Ihre Einsendung hat uns tief ergriffen. Sie werben sie in würdiger Form bald in den Deutschen Stimmen" finden. Wir haben die Gestalt Theodor Lessings schon nach Verdienst gewürdigt, aber der Mann, seine Mörder und die erbärmliche deutsche Presse, die am offenen Grabe mit ihrer Genugtuung über den Schuß in ein edles und humanes Hirn nicht zurückhält, können nicht oft genug gegenübergestellt werden. Helvetikus. Ihre Heine- Ausgrabung ist sehr bemerkenswert. Die Aktualität ist erschreckend. Haben Sie bitte mit dem Abdruck noch ein wenig Geduld. Vorläufig: Dank. F. F., Straßburg. Besten Dank für die Zeitungsausschnitte. Als Information waren sie uns wertvoll. Nachdrucken möchten wir davon nichts. E. F. Lugano. Herzlichen Dank für freundliche Einsendung. Sie werden sie bald in den„ Deutschen Stimmen" finden. Für weiteres sind wir dankbar. Fr. Fr., Prag, Postadresse Weis. Dank für die Einsendung. Auf die sem Gebiete sind wir aber wirklich mit Manuskripten überreich gesegnet. Wir müssen daher ablehnen. Um die Demission des Kabinetts gesamt 16 Zeugen verhört. Dieser Einvernahme kommt um so mehr Bedeutung zu, als das Reichsgericht in einer seiner letzten offiziellen Erklärungen bekanntgegeben hat, daß dem Reichsgericht auch das Milieu van der Lubbes bekannt sei". Die Kommission hat eben das Milieu, in dem van der Lubbe lebte, gründlich festgestellt und unter anderem auch konstatiert, daß der von Untersuchungsrichter Vogt im März nach Leyden entsandte deutsche Polizeikommissar Heisig wichtige Zeugen nicht gehört hat, die ihm über die Persönlichkeit, Charakterveranlagung und den Freundeskreis des van der Lubbe hätten erhebliche Angaben machen können. phen In dem offiziellen Kommunique bezeichnet die Kommission das Ergebnis der Amsterdamer Untersuchung als außer ordentlich wertvoll und sie erklärt, daß das Material dieser Untersuchung unzweifelhaft zur Aufklärung über die Wahrheit des Reichstagsbrandes beitragen wird. Ueberdies erklärte die Kommission, daß in London außerordentlich wichtige neue Tatsachen über sämtliche den Reichstagsbrand betreffenden Fragen bekanntgegeben werden, die der Welt ermöglichen werden zu entscheiden, ob die offiziellen Angeklagten oder die heutigen Machthaber in Deutschland die Schuld am Reichstagsbrand tragen. Pauwels verteidigt Amsterdam, 8. Sept. Der Amsterdamer Strafverteidiger Francois Pauwels hat sich nunmehr entschlossen, die Vers teidigung des holländischen Reichstagsbrandstifters van der Lubbe zu übernehmen. Madrid, 8. Sept.( Havas) Während des gestrigen Tages hat die Opposition auf die Demission des Kabinetts Azana gewartet. Die Weigerung der Minister nach dem gestern vormittag abgehaltenen Kabinettsrat eine Erklärung abzugeben, hat die Auficht, daß der Rücktritt der Regierung bevorstehe, Noch einmal: Oberreichsanwalt noch verstärkt. Die Minderheit rechnet damit, daß die Krise heute vormittag ausbrechen werde und daß bereits Ver= handlungen im Gange seien, um die schnelle Bildung eines Kabinetts der republikanischen Konzentration unter dem Vorsitz von Sanchez Roman zu erleichtern. Der Gegenprozeß" Van der Lubbes Landsleute sagen aus Im Auftrage des Untersuchungsausschusses zur Aufflärung des Reichstagsbrandes begab sich eine Kommission, bestehend aus Frau Dr. Baffer- Nort, Abgeordnete( Holland), Rechtsanwalt Georg Branting, Senator( Schweden), und Rechtsanwalt Pierre Vermeylen( Belgien) nach Amster= dam, um alle Fragen, die van der Lubbe betreffen, zu klären. Die Kommission hat unter Anwesenheit eines Notars und zwei vereidigten Stenografen, sowie in Anwesenheit mehrerer holländischer Rechtslehrer und HochE. S., Neuville. Wir finden Ihren Bericht zu allgemein gehalten, als daß sich der Abdruck in unserem Blatte lohnte. Auch sind Ihre Erlebnisse nicht besonders dramatisch. ef. Barcelona. Besten Dank für Brief und Gedicht. Beides wird verwandt. Dr. J., Straßburg. Alle Notizen werden gern verwandt. Sie werden sie in Kürze finden. Dr. W., London. Wir danken für Ihre Belehrung. Lord Rothermere ist also nicht Jude. Man soll den Juden, denen schon soviel angehängt wird, wirklich nicht noch mehr Böses nachsagen. Dr. F. T. Ihre Mitteilung, daß der Eingang zu unserer Redaktion bespielt wird, sagt uns nichts Neues. Das Interesse der Geheimen Staatspolizei für uns ist so groß, daß einige ihrer ehrenhaften Mithelfer sogar schon bis in unsere Redaktionsräume vordringen wollten, um sich von unserem Wohlbefinden zu überzeugen. Wir fanden nun allerdings diese Fürsorge etwas allzu aufdringlich und haben deshalb die Herren abgewiesen. Helveticus. Sie teilen uns mit, daß Hitler von der Deutschen Reichsbahn einen blauen Luxuspullmann- Wohnwagen geschenkt er= hielt. Göring einen in grün und Göbbels in rot. Ferner erhielten die armen Kanzlerleute alle je ein bis zwei Mercedes und Maybach 8- resp. 12- Cyl.- Wagen als Reklame- Cadeau". Es würde ganz in das System des Verschenkens von Rittergütern und Villengrundstücken an die Stüßen des Systems passen, wenn Ihre Mitteilung zuträfe. Wir zweifeln nicht an ihrer Richtigkeit. Diktatoren können sich, da alle öffentliche Kritik verboten ist, viel an Korruption leisten. Wenigstens eine Zeitlang. Leipzig, 8. Sept. Der Oberreichsanwalt hat an Bran ting folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Ich bestätige den Empfang ihres Schreibens vom 28. v. M. Aus dessen Inhalt stelle ich fest, daß Sie nicht bereit sind, das zur Reichstagsbrandsache angeblich in Ihrem Besiz befindliche Beweismaterial, sei es durch meine Vermittlung, sei es durch die der deutschen Verteidiger, dem Reichsgericht zur Be rücksichtigung bei der Urteilsfindung zur Kenntnis zu bringen. Ich muß deshalb zu meinem Bedauern meine Bemühungen, von Ihnen Beweismaterial, auch soweit es etwa zur Entlastung der Angeklagten dienlich sein könnte, zu erhalten, als gescheitert betrachten und vermag mir bei dieser Sachlage von einer Fortsetzung des Briefwechsels einen Erfolg nicht mehr zu versprechen. Dieser Brief des Oberreichsanwalts zeigt, daß das Reichsgericht nicht gewillt ist, die Vorschläge anzunehmen, die Branting und Romain Rolland gemacht haben. Diese Borschläge gingen lediglich auf die Sicherung eines geordneten Rechtsverfahrens und auf die loyale Verwen dung des einzusendenden Materials hinaus. Der Oberreichsanwalt spricht von„ deutschen Verteidigern". Unabhängige, also ausländische Verteidiger werden aber für Torgler abgelehnt. Das Reichsgericht verbirgt sich hinter Formalitäten und bringt nicht den Mut russischer Revolutionsgerichte auf, die ausländische Verteidiger wie Rosenfeld und Vandervelde zuließen, obwohl es sich um erklärte Gegner des Bolschewismus handelte. Thälmann Rechtsanwalt für Thälmann nicht zugelassen d Prag, 7. Sept.( Inpreß.) Der Antrag des Prager Rechtsanwalts, Dr. Sekanina, den eingeferferten kommunistischen Abgeordneten Ernst Thälmann besuchen zu dürfen, ist mit der Begründung abgelehnt worden, daß gegen Thälmann noch keine Anklage erhoben worden sei und daß er deshalb feinen Verteidiger benötige. Der Antrag des gleichen Anwalts, im Reichstagsbrandprozeß als Verteidiger zugelassen zu werden, ist noch nicht beantwortet worden. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Piz in Dudweiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrüden 8, Schüßenstraße 5. ,, Deutsche Freiheit" Abonnementspreise: im Monat Einzelverkauf Saargebiet fr. Fr. 12,- 0,60 Frankreich Luxemburg fr. Fr. belg. Fr. Belgien belg. Fr. 12,- 0,60 15, 0,70 15,- 0,85 Neubelgien belg. Fr. 12,- 0,50 ( Eupen Malmedy) Holland fl. 1,20 0,10 Dänemark Kr. 3,20 0,20 Schweden Kr. 2,60 0,20 Schweiz schw Fr. 2,40 0,20 Oesterreich Schilling 7,50 0,30 Tschechoslowakei Kr. 30,- 1,20 England sh 4, 3 d Palästina sh 4, Spanien Polen ' Peseta Zloty 6, 4,20 Rußland Argentinien Rubel Peso 1, 3, Zu diesen Beträgen kommt noch das Porto Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post I sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten. Inseratenpreise: Der einspaltige Millimeter der neunspaltigen inseratenseite 70 tr. Cts Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunterricht, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAUDR. BERG Deutsche Auswanderer und Flüchtlinge! 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