Freiheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 71-1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 10./11. Sept. 1933 Chefredakteur: M. Braun Jesus ist dreimal gekreuzigt. Einmal durch die Juden, dann durch seine Biografen und endlich durch die Christen selbst. Er hatte nie schlimmere Feinde als die Letzteren. Multatuli Der Kirchenkrieg Presseireiheit im Saargeblet Bedrohung der oppositionellen Pfarrer mit dem Konzentrationslager- Spannung zwischen Rom und Berlin Berlin, 9. September.( Eig. Drahtber.) alle, die sich gesinnungsmäßig zur Gruppe Evangelium und Bolt rechnen, den Saal. Der Verlauf der General- Synode der Evangelischen Kirche brachte viel schärfere Zusammenstöße, als öffentlich zuge= geben wurde. Das„ Berliner Tageblatt", das über die hef= tigsten Kämpfe, wenn auch nur abgeschwächt, berichtete, wurde beschlagnahmt. Auch diese Zeitung hat aber verschwiegen, daß der preußische Landesbischof Dr. Müller seinen Gegnern mit dem Konzentrationslager gedroht hat, wenn sie sich dem Führer" und dem Bischof nicht fügen. Bei der Beratung des Beamtengesetzes, das insbesondere die Arierfrage behandelt, wurde die Stimmung in der Synode immer erregter und führte nach der Abstimmung zu der hef= tigen aus der ganzen Gruppe der Deutschen Christen er= hobenen Forderung, den Führer der Gruppe Evangelium und Volt, Pfarrer Koch, der die ganze Vorarbeit zu dem Beamtengesez als„ untheologisch" und nicht kirchlichen Maß stäben entsprechend bezeichnet hatte, aus dem Saale zu weisen. Im großen Tumult, der sich anschließt, verließen Pfarrer Koch ist ein bekannter deutschnationaler Theologe, der sich in scharfen Kämpfen gegen den Marxismus und gegen den„ Kulturbolschewismus" hervorgetan hat. Die Minderheit befürchtet u. a. schwere Schäden für die lutherischen Gemeinden im Auslande. Die Regierungen der fremden Länder, in denen deutsche lutherische Gemeinden bestehen, würden in der Gleichschaltung der deutschen Evangelischen Kirche deren Herabwürdigung zu einem politischen Instrument sehen und in den ausländischen Gemeinden nur Agenturen dieser deutschen faschistischen Regierungskirche. Die mangelhafte Durchführung des Konkordats und die heidnischen Reden auf dem Nürnberger Parteitag haben beim Vatikan lebhaft enttäuscht. Eine Reihe von Vorfällen hat die Differenzen unter den deutschen Bischöfen über die Stellung zum Nationalsozialismus vertieft. Es schweben Verhandlungen zwischen Rom und Berlin, um einen Ausgleich zu suchen. Heilmann wird gefoltert! Die„ Saarbrüder Beitung" von heute morgen versucht wieder einmal durch eine unverfrorene Spiegelfechterei die Linkspresse des Saargebietes des Mißbrauchs der Pressefreiheit zu verdächtigen. Es ist an sich bereits eine etwas unappetitliche Angelegenheit, wenn ein Hitlerblatt sich zum Interpreten der wahren Pressefreiheit macht. Nichtsbestoweniger ist es an der Zeit, der Gaukelei des ehrenwerten Herrn Ludwig Bruch einmal ein deutliches und kräftiges Wort entgegenzusehen. " Wogegen wir uns aber mit aller Entschiedenheit und aller Entrüstung wenden," so steht in dem Leitartikel ge schrieben, das ist der Zustand, daß man im Saargebiet eine Verunglimpfung und Beschimpfung der führenden Männer des deutschen Staates gestattet, die in der Geschichte der Oppositionskämpfe ihres gleichen sucht. Wir wenden uns gegen eine Toleranz, die im Widerspruch steht zu der Empfindlichkeit, mit der ans gebliche Bergehen der nationalen Saarpresse geahndet wer den. Wo in aller Welt gibt es eine Regierung, die der Regierung eines Nachbarlandes und gar eines Nachbarlandes, deffen Treuhänder man vertraglich ist, als Verbrecher, Banditen, Brandstifter, Mordbeftien, Strolche ufw. he: sudeln läßt. Bis auf den heutigen Tag war es ein selbst= verständliches und in allen Kulturstaaten geübtes Gebot internationaler diplomatischer Gepflogenheit, solche kars nakhaften Exzesse zu unterdrüden. Nur die Regierungss kommission des Saargebietes weiß davon nichts... Sollen wir einmal den Spieß umkehren und König Georg und Macdonald systematisch verbrecheris scher Handlungen bezichtigen?" So spricht ein ahnungsloser Engel, der nicht weiß, was in der Welt vorgeht. Just die Verunglimpfungen, die ihm ,, in der Geschichte der Oppositionskämpfe thresgleichen" zu suchen scheinen, stellen die gemeinsame Ueber= zeugung der gesamten zivilisierten Welt dar. Die frei heitliche Die Qualen des früheren preuß. Fraktionsführers der Sozialdemokratie, bitte Gaarpreſſe kann für sich nicht das Berdienst in Ernst Heilmann im Konzentrationslager zu Oranienburg Das Neue Tagebuch" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer einen Aufsatz über das Konzentrationslager Oranienburg. Wir entnehmen dem Bericht den Teil, der sich mit dem furchtbaren Schicksal des früheren Abgeordneten Ernst Heilmann beschäftigt. Heilmann, ein Mann in den fünfziger Jahren, ist Kriegsfeilnehmer und Kriegsbeschädigter. Seine Folterknechte sind junge Burschen, die noch die Schulbank drückten, als der jüdische Marrist Heilmann an der Front stand: Ein Stück des Hofes, 30 Quadrameter, ist mit Fahnen abgesteckt. Das ist der Isolierraum" für die jüdischen Häft= linge, denen durch einen Erlaß des Lagerkommandanten bei Strafe verboten ist, mit einem Christenmenschen zu sprechen". Nahe bei der Latrine, die täglich von über 2500 Männern frequentiert wird, befinden sich fünf sogenannte„ Bunter", die Strafzellen des Konzentrationslagers. Es sind frühere Aborte, die durch Aufnagelung eines Brettes für ihren neuen Zweck hergerichtet wurden, ein: einhalb Quadratmeter groß, vollständig dunkel. Gefangene, die sich der„ Widerspenstigkeit" oder eines anderen Deliktes schuldig gemacht haben, werden von dem Lager: tommandanten zu Tagen oder Wochen„ Bunker" vers urteilt. Einzelne Häftlinge wurden in diesen Bunkern bis zu 14 Tagen hintereinander eingeriegelt- 14 Tage in den bestialisch stinkenden Abortzellen, ohne Licht, ohne sich ausstrecken zu können, nur zu den Mahlzeiten auf wenige Minuten ins Freie gelassen. Der Abgeordnete Heilmann, Trauerfeier für Professor Lessing Prag, 8. September. In dem überfüllten Prager Mozarteum veranstaltete die Liga für Menschenrechte in der Tschechoslowakei eine Gedenkfeier für Professor Lessing. Deutsche und tschechische Redner suchten Wesen und Werk des Toten den Hörern, unter denen die deutschen Emigranten zahlreich vertreten waren, nahe zu bringen. Friedrich Bill schilderte Lessing in der Dreiheit seines Bekenntnisses zu Deutschtum, Judentum und Sozialismus, das in ihm zu der großen, produktiven Einheit verstehender Menschlichkeit verschmolz. Dr. Vanek gedachte des Philosophen Lessing, aus dessen Schriften eine gut getroffene Zusammenstellung ein Bild ermöglichte, das um so aktueller wirfte, als es von Todesahnungen umwittert herbe Anklagen gegen das heutige Deutschland richtete. Diese inflage fand abschließend besonders nachhaltigen Ausdruck durch die Worte Kurt Großmanns, der für die Deutsche Liga für Menschenrechte dem gefallenen Mitstreiter Worte der Erinnerung nachrief und an nackten brutalen Zahlen stärker, als es jedes Beiwort vermocht hätte, nachwies, daß das Ende Theodor Lessings nur ein Glied in der vielhundertfachen Kette von der frühere Führer der sozialdemokratischen Landtagsfraktion in Preußen, wurde am Tage seiner Einlieferung nach Oranienburg in einen dieser Bunker gesperrt und war gegen Ende August immer noch nicht erlöst. Heilmann- um seinen Fall vorwegzunehmen wurde auch sonst in der fürchter= lichsten Weise mißhandelt. Die Geheime Staatspolizei hatte ihn gleichzeitig mit den Leitern des Berliner Rundfunks nach Oranienburg gebracht. Raum hatten die Beamten samt den Pressefotografen und den Journalisten, die zur Teilnahme an dem Empfang der prominenten Gefangenen nach Oranienburg geladen waren, das Lager verlassen, als Heilmann zur Vernehmung" in das Verwaltungsgebäude geführt wurde. Man hörte seine Schmerzensschreie und sein Stöhnen über den ganzen Hof. Nach etwa einer Stunde schleppten zwei SA.- Lente den Abgeordneten hinunter, das Gesicht von Blut überlaufen, die Augen von Fauftschlägen geschlossen, nicht mehr imftande, sich auf den Füßen zu halten. In diesem Zustand wurde Heilmann, der nicht emigriert und in seiner alten Wohnung geblieben war, bis die Geheime Staatspolizei ihn arretierte, in den„ Bunker" gesperrt. Er wird dort wohl allmählich zu Tode gemartert werden. Zu der sogenannten„ Vernehmung" Heilmanns war eine besondere Kommission aus Berlin nach Oranienburg gefommen, mit dem SS.- Kommandanten Daluege an der Spiße. Zugegen waren der Sturmbannführer Krüger, Sturmführer Nessens, die SA.- Scharführer Ziegelasch und Szameit, ferner zwei Obersturmführer der SS.- Standarte 6 und fünf Mann vom SA.- Sturm 33, Mordtaten sei, mit denen Unvernunft und Gewaltgeist seit dem Jahre 1918 den Kampf gegen ein neues und besseres Deutschland geführt haben. Als Kämpfer gegen diesen Ungeist sei Lessing nicht umsonst gestorben. Seine Werke werden ihn überdauern und für ihn zeugen! Einstein Wie der„ Temps" berichtet, hat Professor Einstein die Nachricht erhalten, daß ein Preis von 1000 Pfund für denjenigen ausgesetzt worden sei, der ihn tot oder lebendig den Nationalsozialisten ausliefere. Die Sigungen des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes werden im Court Room( Verhandlungssaal) der Law Society( Juristischen Gesellschaft) in London stattfinden. Dieses Gebäude der angesehenften Juristenvereinigung Englands liegt im Viertel der Anwälte und Gerichte Londons. Der Auftakt zur Verhandlung wird ein feierlicher Empfang der hervorragendsten Rechtsgelehrten, Richter und Persön lichkeiten des öffentlichen englischen Lebens, der Politik und der Gesellschaft sein. Anspruch nehmen, die Herren des dritten Reiches" entlarpt zu haben, vielmehr muß sie es teilen beinahe mit der ganzen Presse außerhalb des dritten Reiches". Ja, es ist wirklich in der Geschichte faum jemals dagewesen, daß die Weltmeinung von der Regierung eines großen Landes derartige Ueberzeugungen besitzt, wie sie durch die Worte„ Brandstifter, Verbrecher, Mordbestien" nicht schlecht gekennzeichnet werden. Wir selbst möchten solche Ausdrücke nicht anwenden, da es uns nur darauf ankommt, zu beweisen, nicht zu verunglimpfen. Und die Welt verfügt über ausreichende Dokumente und Berichte, um von verschiedenen Verbrechen der„ nationalen Revolution" in Deutschland überzeugt sein zu dürfen. Da ist z. B. der Reichstags brand. Jn England, in Frankreich und in anderen Ländern bringen die angesehensten Blätter seit Monaten Artikel, welche die Schuld der wichtigsten natio nalsozialistischen Führer an der Brandstiftung mehr als wahrscheinlich machen. Unseres Wissens hat die Reichsregierung keine diplomatischen Schritte unternommen, um die Regierungen der betreffenden Länder zur Maßreglung der betreffenden Zeitungen zu veranlassen. Vielmehr haben die deutschen Stellen mit blamablem StiII= schweigen die allerschwersten Vorwürfe auf fich fizen lassen müssen, weil sie sich einer diplomatischen Auseinandersetzung über diese Angelegenheit nicht gewachsen fühlen. Der Leitartikel der„ Saarbrücker Zeitung" hat ein ganz richtiges Gefühl, wenn er es außergewöhnlich findet, daß die Regierung eines großen Staates so unerhört verdächtigt wird und irgendwelche politischen Folgen nicht entstehen. Er geht nur fehl in seinen Schlußfolgerungen, weil er die Voraussetzungen nicht prüfen will oder vielmehr fälscht. Denn er weiß so gut wie wir, daß die Herren Hitler, Göring und Göbbels im moralischen Urteil der Welt ungefähr das Gegenteil von dem darstellen, was König Georg und Macdonald ihr bedeuten. Diese Wahrheit ist für uns Deutsche die allerschmerzlichste, aber wer kann sich ihr verschließen? In England ist jeder Staatsbürger durch eine geheiligte Rechtsüberlieferung geschützt; Deutschland ist kein Rechtsstaat mehr, jeder dort lebende Bürger ist mehr oder weniger der Willkür der Machthaber ausgeliefert. Um diesen Zustand herbeizuführen, d. H. um sich von Gesez und Sitte freizus machen, hat man die„ nationale Revolution" verkündet. Wenn jetzt die Welt Rechtlosigkeit und Willfür in Deutschland verurteilt, so trifft die Schuld einzig und allein die Sie haben Deutschland nationalsozialistischen Führer. moralisch isoliert. Ihre Mißachtung der Menschen- und Bürgerrechte hat einen Abgrund zwischen ihnen und der zivilisierten Welt aufgerissen. Keine Regierung denkt daran, der Presse des Landes die Kritik an den deutschen Revolutionären zu verbieten; der Schuß ihrer eigenen freiheitlichen Einrichtungen gebietet das Gegenteil. Es ist selbstverständlich, daß die Regierungskommission des Saargebiets nicht anders handeln kann. Sie ist für die Erhaltung des Rechtsstaats verantwortlich, den sie bei ihrem Amtsantritt vorgefunden hat. Es ist also lächerlich, ihr zuzumuten, sie solle die Presse unterdrücken, welche die idealen Grundlagen ihres eigenen Regierungssystems verteidigt. Die„ Saarbrücker Zeitung", als Organ Adolf Hitlers, ist selbstverständlich zur Opposition verpflichtet; sie ist„ revolu tionär". Ihre Aufgabe ist, mit allen Mitteln zu unterhöhlen, was ihr der Erhaltung des liberalistischen Systems" im Sargebiet dient. In ihren Augen ist die Gleichheit der Bürger vor dem Gesezein Greuel. Mit Mühe erträgt sie es, daß hier Marristen und Juden noch frei herumlaufen, statt verprügelt und ins Konzentrationslager ge= Lebensstandard sinkt sperrt zu werden. Das Schlimmste für sie ist aber, die Gret Die Kunststückchen mit den Arbeitslosenziffern heit der Preffe, die es ermöglicht, über die nationalsozialistische Herrschaft die Wahrheit zu sagen. Sie weiß ganz genan, daß fie nicht imftande ist, in freier Diskussion die Bors würfe zu entkräften, die nicht nur in unserer Zeitung, sons dern auch in der großen Weltpresse gegen die Leute erhoben werben, benen die„ Saarbrüder Zeitung" hörig ist. Wir beneiden sie nicht um ihre schmachvolle und undankbare Aufgabe, Rücktritt der spanischen Regierung Kurs nach rechts? Amtlich wird gemeldet: " Im Rampf gegen die Arbeitslosigkeit ist, wie die Reichs: anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche rung berichtet, ein weiterer erheblicher Fortschritt erzielt. Die Zahl der auf den Arbeitsämtern einges tragenen Arbeitslosen ging in der zweiten Augusthälfte um weitere 207 000(-4,8 Prozent) auräd. Nachdem bereits seit längerer Zeit der diess jährige Arbeitslosenstand unter dem des Borjahres lag, wird mit rund 4 128 000 Arbeitslosen auch der für den gleichen Zeitpunkt des Jahres 1931 ers mittelte Bestand erstmalig unterschritten." Daß diese Zahlen unmöglich stimmen können, geht aus ben Berichten über den Beschäftigungsgrad beinahe aller Das spanische Kabinett Azan a hat Freitag seinen Rüde deutschen Industrien einschließlich Kohle, die Rüstungs tritt erklärt, Die innerpolitische Lage in Spanien war schon fett Monaten äußerst gespannt. In einer außerordentlichen Ministerratsfißung tamen die Minister zu der Anficht, daß eine Demission der jebigen Regierung den Weg für eine auf größerer parlamentarischer Basis sich stützende Regierung freimachen könnte. Die Minister haben nicht verkannt, daß die sonntäglichen Wahlen eine schwere Niederlage für die gegenwärtige Regierungsmehrheit bebeuteten. Der Präsident der Republik wird unverzüglich mit seinen Besprechungen zur Lösung der Krife beginnen. Ein Mann wurde unter der Anklage verhaftet, ein Attentat gegen den Ministerpräsidenten Azana geplant zu haben. In San Sebastian ist der Generalstreit ausgebrochen. Die Parteien halten lange Sigungen ab, in denen. fie über die Lösung der Krise beraten. Der Führer der Radifalen, Lerour, ist bereit, die Macht zu übernehmen, fordert jedoch Neuwahlen. In den politischen Kreisen werden zwei Möglichkeiten ins Auge gefaßt: entweder übernehmen die Sozialisten allein die Regierungsgewalt, was jedoch als wenig wahrscheinlich angenommen wird, oder man schreitet endlich zur Bildung einer bürgerlichen Regierung unter Einbeziehung der in der Mitte und auf der Rechten stehenden republikanischen Parteien. Das würde einen starten Kurs nach Rechts bedeuten. Falls man die zweite Lösung ins Auge faßt, werden wohl vorher Neuwahlen abgehalten werden. Feisal vom Irak Der König ist tot Rönig Feisal vom Feat, der gur Zeit aus Gefunds heitsrücksichten in der Schweiz weilte, ist am Freitagmorgen in Bern einem Herzschlag erlegen. Der 21 Jahre alte Sohn des Königs Feisal, Emir Ghaft, ist sofort nach dem Tode des Baters zum König des Irak getrönt worden. Die Leiche wird nach einem Uebereinkommen mit der englischen Regierung an Bord eines britischen Kriegsschiffes nach dem Jrat übers geführt werden. Der König bes Frat Getfal ist in einem Augenblick gestorben, wo das weltpolitische Interesse wieder einmal den Entwidlungen in Vorderaften sich zugewendet hat. Der Streit zwischen den assyrischen Christen und dem Frat, innerhalb dessen sie eine Minderheit bilden, soll auf der kommenden Völkerbundstagung Beratungsgegenstand sein. Zusammen mit seinem Vater, dem Araberhäuptling Hussein, stellte sich der verstorbene König während des Weltfrieges, obwohl zum Stabe des türkischen Oberbefehlshabers gehörend, an die Spize der arabischen Unabhängigkeitsbewegung, die schon seit 1908 von seinem Vater gefördert sowie durch nationalistische und religiöse Impulse vorwärtsgetrieben wurde. An der Spize der arabischen Hilfstruppen Englands zog Feisal im Jahre 1918 in Damaskus ein und ließ sich dort zum König von Syrien ausrufen. Der Plan der Familie Hussein war es, ein großarabisches Reich zu fchaffen. Bet ihren Plänen und Maßnahmen wurden Hussein und feine Söhne auf das entschiedenste von dem bekannten englischen Obersten Lawrence unterstützt. Der groß angeIegte Plan, aus den drei Ländern Hebschas, Syrien und Mesopotamien dieses arabische Reich aufaubauen, begegnete aber von Anfang an ernsthaften Widerständen. Syrien mit Damaskus war von England den Franzosen als Mandatsgebiet sugestanden worden. Aus dem Königreich Hedschas wurde Buffein durch den Wahabitenhäuptling Jbn Saud 1924/25 mit Waffengewalt vertrieben. Als Rest des großen Planes blieb das Emirat Transjordanien und das Königreich Jrak, das von den Engländern im Jahre 1921 Feisal übertragen wurde, allerdings zunächst Mandatsgebiet blieb. Nach jahrelangen Bemühungen gelang es den Engländern, einen Freundschaftsvertrag zwischen Jbn Saud und Feisal zustande zu bringen. Troßdem blieb das Reich Feisals, auch nachdem es ständiges Mitglied des Völkerbundes geworden war, 8anfapfel der großen Mächte, die wiederum oft nur als die Sachwalter der Delinteressenten auftraten, für die bas im Irak gelegene Mossulgebiet von größter Bedeutung ist. Petroleum im Hintergrunde Paris, 9. Sept. Der Außenpolitiker des Echo de Paris" schreibt zum Tode des Königs Feisal vom Frat und seine Folgen: Unter der Herrschaft des jungen Thronfolgers werde der Lokal Nationalismus an Bedeutung gewinnen und wohl noch viel von sich reden machen. Die französischen Behörden hätten in der Vergangenheit mit König Feisal blutige Zufammenstöße gehabt, aber König Feisal set in den letzten Jahren gegenüber Frankreich entgegenkommender gewesen. Es scheine, daß König Feisal im Jahre 1925 den aufständischen Drusen in Syrien den Rat gegeben habe, sich den französischen Behörden zu unterwerfen. Auch set König Feisal zu einem Rompromiß bereit gewesen, als es sich darum hanbelte, die Petroleumrohrlettung der Turkish Petroleum Company, deren Aktien zu 20 Prozent in französischem Besitz sind, nach dem Mittelmeer zu führen. Für England sei der Tod des Königs Feisal ein schwerer VerIuft, möglicherweise werbe England, um im Irak die beindustrie allein ausgenommen, hervor. Aber auch die neuesten Zahlen des Institutes für Ronjunk turforschung über die 3unahme des Arbeitseinkommens beweisen, daß zwischen den amtlichen Zahlen über den Rückgang der Arbeitslosigkeit und der Zunahme des Arbeitseinkommens eine unüberbrückbare Kluft besteht. Das Arbeitseinkommen ist vom ersten zum zweiten Vierteljahr 1933 um 500 Millionen Mark auf 6,5 Milliarden Mark geftiegen. Aber auch im Vor jahre war in derselben 3eit eine Steige, rung um 300 millionen Mark zu verzeichnen. Die gesamte errechnete Steigerung beträgt also 200 Millionen Das Neueste Der schweizerische Bundesrat hat befchloffen, durch den schweizerischen Gesandten in Berlin Einspruch gegen das vierzehntägige Verbot ber„ Neuen Zürcher 8eitung" au erheben. Der Schauspieler Mag Abalbert ist in München ges torben. Auf dem Nichthofenschacht der Giesche- Gruben in Janow bei Ratto wig wurden durch Zubruchgehen eines Pfeilers awei Bergleute getötet und einer schwer verletzt. Im Beisein des päpstlichen Legaten Kardinal Lafontaine fand am Freitag in Wien die feierliche Eröffnung des& a: tholitentages statt. Savas berichtet ans Santiago de Chile: Aus La Par Berlante, daß Indianer in der bolivianischen Proving Chiquitos die Farm eines Deutschen namens Ernst Geiger, 15 Am. von San Jose entfernt, geftürmt hätten. Zu den diplomatischen Besprechungen, die der französische Außenminister Paul- Boncour gestern hatte, bemerkt der Mark und gegenüber dem tiefsten Punkt in der zweiten Hälfte des Jahres 1932 et ma 3 v. 5. Nun soll aber nach den amtlichen Berichten die Erwerbslosigkeit um rund 30 v. 5. seit ihrem tiefsten Stand im Februar 1933 zurückgegangen sein. 30 v. H. Rückgang der Erwerbs. losen und nur 3. v. H. Steigerung des Ein kommens: Das ist eine sonderbare Rech nung. Das Institut für Konjunkturforschung gibt denn auch zu, daß eine starke Senkung der Löhne und Gehälter eingetreten ist und sagt weiter: " Die fünftige Entwicklung des Einkommens wird stärker als bisher von der Zahl der Beschäftigten bestimmt werden. Denn die Arbeitszeit ist neuerdings durch die Maßnahmen zur Stredung der Arbeit wieder etwas gesunken, und es ist anzunehmen, daß diese Maßnahmen auch in der nächsten Zeit mit Erfolg durchgeführt werden. Die Löhne und Gehälter aber werden wohl auch weiterhin noch stabil gehalten werden." Mit andern Worten: Die Produktion steigt nicht, die Arbeit wird gestreckt, die Zahl der Leschäftigten wächst auf Kosten des Einkommens der bisher in Arbeit Befindlichen, mithin tragen die Lohn- und Gehaltsempfänger die Kosten für die neuen Einstellungen. Der rechnerisch zusammengesuchten Erhöhung des Gesamteinkommens um etwa 3 v. 5. steht die wachsende Teuerung entgegen, so daß insgesamt eine Verschlechterung der Lebenslage festzustellen ist. Diebstahl von Rundfunkgeräten Weil man Moskau hörte Nach Mitteilung der Staatspressestelle in Worms ist eine Reihe von Radioapparaten beschlagnahmt worden, da die Besizer Uebertragungen vom Parteitag in Nürnberg durch fortgesettes Rüdfoppeln gestört und durch Empfang von Uebertragungen aus Moskau die bereits ergangenen Mahnungen nicht beachtet haben. Die betreffenden Radiobefizer haben die Einziehung der Empfangsgeräte und ihre Ueberführung in ein Konzentrationslager zu gewärtigen. Geheimsender in Westdeutschland In Westdeutschland hat sich in der legten Beit wiederholt ein kommunistischer Geheimsender bemerkbar gemacht. Troßdem das Geheime Staatspolizeiamt ein Heer von Spizeln losgelassen hat, ist die Aufdeckung des Standortes nicht gelungen. Petit Parifien", daß feine Unterredung mit dem ruffichen 85 Sozialdemokraten verhaftet! Geschäftsträger fich auf die endgültige Zustimmung der Mos faner Regierung zum französisch- ruffischen Sandelsvertrag bezogen habe, während sich seine Unterredung mit dem gries chischen Gesandten und dem polnischen Botschafter auf die Abrüftungsfrage erftredt haben sollen. Wie Havas aus Pernambuco berichtet, ist der„ Graf Zeppelin" um 0.50 Uhr zur Rückreise nach Europa ges startet. Der tschechische Senatspräsident Donat erklärte in einer Nebe, daß Deutschland zu einem blutigen Kriege rüste. Die nationale Berteidigung müsse daher mit allen Mitteln or= ganisiert werden. Die politische Polizei hat nach langen, anßerordentlich mühevollen Ermittlungen einen nen ins Leben gerufenen tommunistischen Propagandaapparat entdeckt und lahm gelegt. Insgesamt sind bisher 35 Personen in Remscheid festgenommen und staatsfeindlicher Umtriebe überführt worden. Unter den Fefitgenommenen befinden sich auch zehn Frauen. In einem Schreiben an die Mitglieder der Weltwirts fchaftskonferens teilt der Generalsekretär des Bölkerbundes mit, daß Irland fich ab 24. September von dem auf der Londoner Weltwirtschaftskonferenz beschloffenen Bollwaffen ftillstandsabkommen zurüdzieht und ferner, daß die dänische Regierung fich das Recht vorbehält, die notwendigen Maßs nahmen zur Wahrung der Lebensinteressen Dänemarks auf wirtschaftlichem Gebiet zu treffen. Die Delegationen Großbritanniens zur Bölkerbundsvers fammlung und zur Abrüftungskonferenz werden von Sir John Simon geführt werden. Der bekannte völkische Seger Theodor Fritsch ist Freitag früh 6 Uhr den Folgen eines Schlaganfalles erlegen. Taifun auf Korea Der fürzlich gemeldete Taifun, welcher Süd- Korea heims fuchte, forderte 54 Zobesopfer, 28 Personen werden vermißt und 40 erlitten Verlegungen, 296 Hänser brachen zufammen, 67 wurden beschädigt und 2625 überschwemmt. Zur Abrüstung Deutsche Gegenforderungen Berlin, 9. Sept.( Eig. Draht.) Die deutsche Reichsregierung wird auf der demnächst wieber beginnenden Abrüftungskonferenz in Genf offensiv lehnen, wenn diese mit der Aufrechterhaltung des jezigen Zuauftreten. Sie wird jede Abrüstungskontrolle ab= ftandes verbunden ist. Deutschland wird, wie schon stets, den Grundsatz der Gleichberechtigung vertreten. Die Heeres: fyfteme der Hauptmächte sollen einander angeglichen werden. Maßstab soll die nationale Sicherheit sein. In den Fragen Maßstab soll die nationale Sicherheit sein. In den Fragen ausgebildeter Reserven der Polizei, der Wehrver: bände, der Angriffswaffen, ber MilitärInft fahrt, des chemischen Krieges müßen mit gleichem Maße gegenüber allen Staaten gemessen werden. tehende Ordnung zu wahren, gezwungen fein, feine Beute Dankt ab! und sein Gelb in unmittelbarer Weise einzusehen. Nach einer Havaßmeldung aus Buenos Aires foll Paraguay fich mit der Vermittlungsaltion Argentis niens, Brafiliens, Chiles und Perus zweds Einstellung der Beindseligkeiten mit Uruguay einverstanden erklärt haben, Berlin, 8. Sept.( Inpreß.) Die Stadtverordnetenverfammlung in Beuthen( Oberschlesien) hat einstimmig beschlossen, sämtliche Mandate niederzulegen und an ihre Stelle einen Stadtrat zu setzen, der durch den Oberbürgermeister ernannt wirb. Durch Verrat? 1 Aus Berlin wird uns geschrieben: Anfang September wurde in Berlin eine Reihe ehemaliger sozialdemokratischer Funktionäre ungefähr 85 an der Zahlwegen Verbreitung staatsfeindlicher Schriften verhaftet. Es handelt sich dabei um eine Organisation, die den Neuen Vorwärts" vertrieb. Ein Teil der Verhafteten ist bereits im Konzentra tionslager. Leider ist der Verdacht nicht von der Hand au weisen, daß hier Verrat eine Rolle spielt. In Berliner Arbeiterkreisen verfolgt man eine Spur und hat gewisse Verdachtsmomente, die allerdings zu einer schlüssigen Ueberführung des mutmaßlichen Verräters noch nicht genügen. Aber man ist gewarnt und auf der Hut! Hauptmann Stennes! Die Rache seiner früheren Kameraden Aus Berlin wird uns geschrieben: Mitte August wurde Stennes, der mit Otto Straffer zusammen die NSDAP. der frühere Führer der Berliner SA., der Hauptmann a. D. verließ, in seiner Berliner Wohnung von SS.- und SA Männern überfallen. Stennes, der sich den besonderen Haß des Herrn Dr. Göbbels zugezogen hatte, wurde bereits in seiner Wohnung übel zugerichtet. Die braunen Banditen schleppten ihn aber trotzdem in eines ihrer braunen Häuser, wo Stennes noch 3 Tage fürchterlich geschlagen und gemartert wurde, bis man ihn ganz totschlug. Die Hauptbeteiligten an diesem neuen Verbrechen rühmen sich in ihren Kreisen in Berlin ganz laut dieser Bemetat", die einem Verbrecher" endlich die verdiente Strafe eintrug. Selbstverständlich weiß Herr Dr. Göbbels nichts von dieser Tat, die seinen einst schärfsten Berliner Gegner traf! Neue Zahlen über die jüdischen Flüchtlinge In einem der Genfer Konferenz zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses unterbreiteten Bericht wird fests gestellt, daß durch das Komitee bis zum 1. Juli rund 42 000 jüdische Flüchtlinge ans Deutschs land aufgenommen worden sind. Weitere 5000 25 000 weit über die Hälfte der Emigranten; auch die Zahl seien nach Palästina gegangen. Frankreich beherberge mit ber nach Holland geflohenen Juden sei mit 5000 sehr hoch. An britter Stelle folgt Polen mit 4000. Die Schweiz komme fast nur als Durchgangsland in Betracht, ebenso auch Italien. Wenn auch in allen diesen Ländern den Flüchtigen von den Behörden in entgegenkommender Weise Asylrecht gewährt worden sei, so könnten sie mit Rücksicht auf die Wirtschaftsnot ihrer Länder die Bewilligung zur Arbeit nicht erteilen. Dadurch praktisch allenthalben zur Erwerbs losigkeit verurteilt und außerdem zum großen Teil mittels los, bedeuteten diese heimatlos gewordenen jüdischen Flüchts linge für das Komitee eine außerordentliche Last. 60 Frauen- Arbeitslager Nach einer Meldung be„ Temps" ist man jetzt in Deutsch land an der Arbeit, 60 Frauen- Arbeitslager einzurichten. sier sollen die künftigen Führerinnen der nationalfozias liftischen Frauen ausgebildet werden. 530 350 Abt nimmt SA.- Parade ab Eine Erniedrigung für den deutschen Katholizismus " Die Morgennebel hingen noch über den wuchtigen Bergen, die das alte Kloster Ettal umrahmen, als die Sturmtrupps der SA. von Oberammergau, Linderhof und Ettal mit Ge= fang und klingendem Spiel in die altehrwürdige Klosterkirche zu Ettal einzogen, wo Abt. Schachleiter, der große geistliche Vorfämpfer der nationalen Erhebung, seine erste Messe nach Aufhebung der Suspension lefen sollte," so erzählt die nationalsozialistische Fränkische Tageszeitung". Gott der Herr wird sich sicherlich über das Horst- Wessel- Lied und die edlen Schlageter- Verse innig gefreut haben. Nicht minder angenehm berührt wird Gottes Ohr den Badenweiler- Marsch aufgenommen haben. Ist es doch der Leibmarsch unseres großen Führers". Es scheint aber, daß man sich bei diesem militanten Gottesdienst recht wenig um den lieben Gott gekümmert hat: „ Als bei der Wandlung die Trommeln wirbelten, da war wohl keiner von allen, die hier auf den Knien lagen, der nicht von dieser feierlichen Stunde neue Kraft und den Willen zur unermüdlichen Arbeit im Dienst des Vaterlandes mitgenommen hätte." Kein Gedanke an den Herrgott. Anscheinend wurde im Klosterhof eine politische Versammlung abgehalten. Der Abt feierte mit warmer inniger Stimme" die in der SA. zusammengeschlossenen braunen Mörder und Sadisten. Der Priester, der Gottes Wort im Munde führen sollte, schämte fich nicht, die braunen Banditen zu neuen Schandtaten aufs zustacheln, denn der Feinde seien noch viele". Sodann hörten die stillen Klösterwände folgende Blasphemien:„ Der Führer sei ein Gnadengeschenk Gottes. Wer heute noch nicht anerkenne, daß Adolf Hitler dem deutschen Volke von Gott gesandtsei, der habe keinen Sinn für die waltende Hand Gottes." Leider erklärte der sonderbare Geistliche nicht, wie die Meuchelmorde, die Bestialität und Greuel des„ dritten Reiches" mit Gottes Gnadengeschenk zu vereinbaren sind. „ Donnernd brach sich an den alten Klostermanern ein dreifaches Sieg- Heil auf Adolf Hitler. Mächtig erklangen sodann das Deutschland. und das Horst Weffel- Lied. Damit nun an der Gleichschaltung des lieben Gottes gar nichts mehr fehlte, wurde zum Schluß ein Parademarsch im Klosterhof gekloppt. „ Hierauf nahm Abt Schachleitner zusammen mit Oberleutnant Schilling die Parade der SA., der Hitlerjugend und des BDM. ab, die in ausgezeichneter Haltung vorbei zogen." Stände das nicht alles in Julius Streichers Organ vom 5. 9. 1933, man würde eine solche Nachricht für eine echte Emigranten- Greuelmeldung halten. Nach dem braunen Artikelschreiber hat die göttliche Versöhnung unmittelbar bei Faulhabers Demütigung durch Hitler Der nationalsozialistische katholische Abt Schachleitner. dem wegen seiner intimen Nazibetätigung seinerzeit die Erlaubnis, den Gottesdienst zu vollziehen, genommen worden war, ist jetzt wieder unter dem Druck der Nazipartei in sein Amt ins Kloster Ettal zurückgekehrt. fizieren aber sie etwa zu beschönigen. Als deutsche Rechtsanwälte verbitten wir uns, mit den früheren kommunistischen Rechtsberateru, von denen wir stets abgerückt sind, auf eine Stufe gestellt zu werden. Was sich aus der Hauptverhandlung und den Gesetzen als notwendig ergibt, ist unsere selbstverständliche Pflicht, der wir als deutsche Rechtsanwälte uns nicht entziehen können und wollen. Diese Erklärung mußte zur Klarstellung und im Interesse der gesamten deutschen Rechtsanwalts schaft abgegeben werden." Jeder Kommentar würde dieses Dokument menschlicher und rechtlicher Schande nur ab= schwächen. Wenn die Weltöffentlichkeit es noch nicht ge= wußt hat, iegt weiß fie, wie die sogenannte Ver= teidigung im Prozeß gegen die Reichstags= brandstifter" aussieht. SA. Rebellion in Freiburg Aus Baden geht uns folgender Bericht über die kürzlich bereits gemeldete SA.- Rebellion in Freiburg zu: = „ Schon Anfang August machte sich unter den Angehörigen der SA. in Freiburg eine lebhafte Unruhe bemerkbar, die ihre Ursache anfänglich in dem Verhalten verschiedener über Nacht zu Würde, Ansehen und entsprechendem Einkommen ge= langter Führer hatte. Während diesen Leuten plötzlich gut be= zahlte Pöstchen in den Schoß fielen, mußten die einfachen SA.- Leute nach wie vor schweren Dienst ohne genügende Bezahlung versehen. Die Führung glaubte die Unzufriedenheit damit aus der Welt schaffen zu können, daß sie die gesamte Freiburger SA., die aus mehreren Stürmen besteht, zu einem Aussprache Abend einlud. In der Diskussion, die nach einem Referat des SA.- Führers einsetzte, stellte sich aber bald heraus, daß die SA.- Leute nicht nur lokale Schmerzen vorzutragen hatten, sondern auch Wünsche geltend machten, die sich mit Hitlers Politik nach der Machtergreifung beschäftigten. So wurde stürmisch und unter dem Beifall der gesamten Versammlung von mehreren Rednern gefordert, daß die NSDAP. jetzt endlich die Frage der versprochenen Sozialisierung in Angriff nehmen müsse. Statt daß Adolf Hitler jetzt den Kapitalisten die Herrschaft entwinde, verbünde er sich mit ihnen zur Stabilisierung der kapitalistischen Mißwirtschaft. Die Maßnahmen zur Bediesem priesterischen Gottesdienst eingegriffen. Boll heiligem seitigung der Arbeitslosigkeit würden wirkungslos Schauer stellt er fest: „ Es ist wohl mehr als Zufall, daß Ettal diese Weihestunde gleichzeitig mit der Siegesfeier in Nürnberg erleben durften." Selbstverständlich ist das kein Zufall. Die hat PrapagandaGöbbels durch Leni Riefenstahl unmittelbar im Himmel be= stellt. Was sagt das Zentrum, was sagen die Katholiken zu diesem schändlichen Mißbrauch von Gott, Kirche und Kloster? Verteidiger klagen an... Die Schande der Hitler- Justiz Ueber den Mordprozeß Hi II mer in Düsseldorf, über den wir bereits gestern ausführlich berichteten, erfahren wir noch folgende Einzelheiten, die ein grelles Schlaglicht auf die ,, Rechtssicherheit" im„ britten Reiche" werfen: Erst aus der Anklageschrift erfuhren die Verurteilten, daß fie wegen Mordes, und nicht wie man ihnen während der Vernehmungen immer wieder gesagt hatte, wegen Totschlags angeklagt wurden. Nach der deutschen Strafprozeßordnung hat der Angeklagte das Recht, innerhalb von einer Woche nach Zustellung der Anklageschriften diese Einspruch zu er heben und eine Ergänzung der Borantersuchung zu verlangen. Den Angeklagten sind aber die Verteidiger erst nach Ablauf dieser Frist gestellt worden bzw. wurde ihnen erst dann ein Besuch durch die Vertei diger gemacht, so daß ihnen dieses wichtige Recht genommen wurde. Während der ganzen Dauer der Voruntersuchung, auf deren Methoden wir noch zurückkommen werden, waren die Angeklagten ohne Rechtsbeistand. Die ganze Schamlosigkeit der Verteidigung geht aber aus folgendem hervor: Sontamara 021 3rd Für die 12 Angeklagten fungierten vier Verteidiger. Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts erhob sich einer der Anwälte und verlas die nachstehende Erklärung, die er dann dem Gericht übergab mit dem Antrag, fie als Anlage zum Sigungsprotokoll zu nehmen: Die dankenswerte Belehrung des Herrn Vorsitzenden und die dankenswerten Veröffentlichungen in der Presse sowie die Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Schroers von der Gauleitung Düsseldorf find leider nicht überall verstanden worden. Es hat uns schmerzlich berührt, daß ein Freund und noch bleiben, solange man die Kapitalisten ungehindert nach ihren egoistischen Profitinteressen weiter wirtschaften lasse. Die Diskussionsredner protestierten gegen Hitlers Worte vom Abschluß der Revolution und erklärten, daß die Partei nicht zu bestimmen habe, wann die Revolution beendigt sei. Schließlich habe nicht die Partei, sondern die SA. die Revolution herbeigeführt. Die SA.- Leute be= stünden auf der Einlösung des Versprechens, das ihnen von der obersten Führung in bezug auf die Sozialisierung der Betriebe gemacht worden sei. In der stürmisch verlaufenen Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der die Wünsche der Diskussionsredner schriftlich niedergelegt waren. Die Revolte fand eine große Mehrheit. Die Antwort der obersten SA.- Führung ließ nicht lange auf sich warten. Vierundzwanzig Stunden später schon lag die Auflösungs order für die Freiburger SA. vor. Sie wurde prompt durchgeführt. Einige besonders rebellische Elemente tamen ins Konzentrationslager nach Bad Dürrheim, während andere aus der SA. unter Androhung schwerster Strafen, wenn sie ihr hezerisches Treiben fortsetzen sollten, ausgeschieden wurden. Die Neubildung der SA. erfolgte bald darauf. Die unzuverlässigen Mitglieder wurden aber nicht mehr aufgenommen. Ramerad des exfchoffenen kurt sillmer Jllegale Aktionen in der AEG. vor wenigen Tagen bei einer Ortsbesichtigung einem Verteidiger erklärte, er verstehe nicht, daß ein deutscher Rechtsanwalt solche Mörder verteidigen könne. Ich betone, daß nach§§ 140, 144 StPO. der deutsche Anwalt die ihm übertragene Pflichtverteidigung nicht ablehnen darf, ohne sich nach§ 38 der Rechtsanwaltsordnung eines schweren Verstoßes gegen die Standesehre und seine Berufspflichten schuldig zu machen. Die Verteidigung begreift und versteht die Wut der Kameraden des Verstorbes nen gegen die Täter; und sie lehnt es ab, fich in irgendeiner Form mit dieser Tat zu identimachte sich auf, weil sie doch wußte, wie man mit Personen von Stand umgeht. Sie fand eine andere Frau zur Be= gleitung, deren Namen wir lieber nicht nennen wollen, eine andere Frau, deren Mann seit zehn Jahren in Amerika war. Man konnte zwar schwerlich annehmen, daß dieser auf eine ROMAN VON IGNAZIO SILONE solche Entfernung in Aktion hatte treten können, aber auch In diesem Augenblick teilte sich drüben die Menge und durch Fußtritte und Steinwürfe gereizt brach aus ihr der neue Priester hervor in Gestalt eines alten, mit kirchlichem Ornat geschmückten Esels! Solche Scherze vergaßen sich nicht so leicht, auch nicht, wenn die Städter dabei über eine reiche Auswahl verfügten. Daher konnten wir die Verlegung des Baches für einen neuen Wiß halten. Es schien uns der Anfang vom Ende, wenn der menschliche Wille auch noch anfing, die von Gott geschaffenen Elemente zu beeinflussen; es war, als finge der Mensch an, die Sonnenbahn zu verschieben, die Richtung der Winde, den Lauf des Wassers zu ändern. Für uns war das, als erzählte man uns, daß die Esel von nun an fliegen könnten, daß Prinz mehr sei, oder daß die Cafoni keinen Hunger mehr hätten, kurzum, daß die göttlichen Gesetze aufhörten, göttliche Gesetze zu sein. Ohne weitere Erklärung hatten die Straßenwächter Schaufel und Pickel ergriffen, um das neue Bachbett auszuheben. Das ging denn doch zu weit! So lief ein Cafone nach Fontamara zurück und alarmierte die Bewohner. „ Schnell! Rennt! Man muß aufpassen... Man muß es sofort den Carabinieri sagen und dem Sindaco unten in der Stadt..." Die Männer fonnten nicht gehen. Im Juni gab es zu viel Arbeit auf dem Feld. Da mußten es die Frauen tun. Die meine soll euch selbst erzählen, was sie dort erlebten. Mit eindringlicher Stimme begann die Frau: sie war schwanger. " Können wir es uns leisten, daß Fontamara in einer Sache, die die ganze Gegend angeht mit Verlaub zu sagen - von zwei Huren vertreten wird?" sagte ich zu Zompas Frau. Wir konnten es uns nicht leisten. So gingen wir zu Lisabetta Limona und Maria Grazia und überredeten sie, mit uns in die Kreisstadt zu kommen. Maria Grazia brachte die Giammaruga mit, die ihrerseits die Tochter Cannarozzos anschleppte und diese wiederum die Filomena Quaterna.. Wir waren im Begriffe aufzubrechen, als die Frau von Pontius Pilatus Lärm schlug, weil wir sie nicht gerufen hatten. " Ihr wollt wohl die Geschichte hinter unserem Rüden erledigen?" schrie sie, und euren Vorteil auf Kosten der andern haben?... Meint ihr, das Land meines Mannes braucht kein Wasser mehr?" Wir mußten warten, bis sie angezogen war. Aber statt sich anzuziehen, holte sie Filomena Castania, die Recchiuta Giuditta Scarpone und beredete auch noch die Fornara, mit uns in die Stadt zu gehen. Nun waren an die fünfzehn Frauen marschbereit vor Baldisseras Laden versammelt, aber wir mußten noch auf Marietta Sorcanera warten, die Toilette machte. Schließlich erschien sie im Sonntagsstaat; mit einer neuen Schürze, einer Korallenkette um den Hals und der silbernen Medaille des Helden auf der Brust. ,, Auf den neuen Wanst ein neuer Schurz!" sagte Bal" Ihr wißt ja, wie Frauen sind. Die Sonne stand schon dissera grinsend, der zwar immer den Kurzsichtigen spielte, hoch und wir waren noch immer nicht unterwegs. Zuerst wollte keine gehen. Dann fonnte feine ihr Haus tm Stich lassen. Die eine mußte die Hühner besorgen, die andere das Schwein, die dritte hatte Wäsche, die vierte mußte die Lösung für die Reben herrichten, die fünfte Säcke zum Dreschen und die sechste mußte für die Ziege Gras schneiden. Kurzum, feine fonnte gehen. Nur die Sorcanera aber wenn es sein mußte, recht deutlich sah. Auch Marietta lachte. Die Sonne stand schon hoch, als wir endlich das Dorf verließen. Es war zum Umfallen heiß. Die Angst vor der Wahrheit wird durch folgende Rede eines Referenten der NSBO. in einer Betriebsversammlung der AEG.- Brunnenstraße treffend gekennzeichnet:„ Wenn fünftig in irgend einem Betrieb wieder kommunistisches Material verbreitet wird und es gelingt nicht, die Verteiler und ihre Helfer zu fassen, so wird eine Anzahl andrer Belegschaftsmitglieder für das Verbrechen ihrer Kollegen im Kongentrationslager zu büßen haben." Zweck des Unternehmens schien ihr damit erreicht. Aber die Sorcanera, im neuen Schurz, sagte, man müsse trotzdem in die Stadt gehen, denn die Arbeiter handelten nicht nach eigener Laune, sondern auf Befehl der Gemeinde. Wir beratschlagten noch darüber, als Mariette jede Diskussion abbrach: „ Wenn ihr Angst habt," sagte fie, gehen wir zwei einfach allein." Damit zog sie die andere durch den heiligen Geist Geschwängerte hinter sich her und entfernte sich mit ihr in der Richtung auf die Stadt zu.„ Wir können es uns nicht leisten," sagten wir, daß Fontamara mit Verlauf zu sagen von zwei Huren vertreten wird," und so zogen wir alle hinter der Sorcanera her. Gegen Mittag erreichten wir die Stadt. Als wir auf dem Platz vor dem Rathaus auftauchten, kam Bewegung unter die Leute. Händler rannten aus ihren Läden und legten eilig die Schlösser vor. Einige Obstverkäufer, die mitten auf dem Plazz standen, liefen mit ihren Körben auf dem Kopf davon. Fenster und Balkone der umliegenden Häuser füllten sich mit Menschen. Unter dem Rathaustor erschienen angstvoll etliche Beamte. Alle warteten, daß wir das Rathaus im Sturm nehmen würden; unser Anblick war nicht sehr vertrauenerregend. In der Tat marschierten wir ge= schlossen gegen das Tor. Zu allem breit. In diesem Augenblick rief der Landjäger vom Fenster herunter: „ Laßt sie nicht herein... Sie werden das Rathaus mit Läusen überschwemmen!" Alles lachte. Es lachten, die zuerst gezittert hatten, die angstvoll geflohen waren, die schon ihre Geschäfte geschlossen hatten, die mit dem Korb auf dem Kopf sich in Sicherheit gebracht hatten. Alle lachten. Wir zogen uns neben dem Rathaustor zusammen. Vom Erfolg ermutigt, fuhr der Landjäger mit lauter Stimme fort, die unglaublichsten Märchen über uns und unsere Läuse zu erzählen. Der ganze Plazz wieherte vor Lachen; auf einem Balkon hielt sich eine Dame freischend den Bauch. Ein Uhrmacher, der seinen Laden wieder aufsperrte, weinte fast vor Lachen. Unter dem Rathaustor waren andere Beamte und Beamtinnen erschienen und alle zusammen Fortseßung fulgt Als die Straßenwärter uns sahen, bekamen sie es mit der Angst und machten sich durch die Weinberge davon. Lisabetta Limona wollte, daß wir umkehrten, denn der lachten. Hjalmars Kopf Von Dr. J. Martens November 1918. In den ersten Wochen der jungen deutschen Republik bemühen sich die linksbürgerlichen Kreise um die Sammlung der Kräfte auf der Grundlage der freudigen Anerkennung der Umwälzung, die im heutigen Deutschland offiziell als„ November- Berbrechen" bezeichnet wird. Als Ergebnis dieser Bemühungen ent steht der Aufruf zur Gründung der Deutschen Demokrati. schen Partei: folgerichtig demokratisch und mit einer weitgehenden Anerkennung des marxistischen! Soziali sierungsgedankens. Wir sehen uns die Unterschriften an und finden unter den anderen: Dr. Hjalmar Schacht. Der Kopf von Dr. Schacht gehört also zu denjenigen, die im dritten Reich" rollen sollten. Er rollte" aber schon früher, allerdings in einem anderen Sinne, und nach vielen Wendungen und Wandlungen ist Herr Schacht das geworden, was er heute ist: ein intimer Mitarbeiter des antimargistischen Reichskanzlers und der diktatorische Leiter der Kreditpolitik im dritten Reich". Nur in einem Punkte ist Herr Dr. Schacht sich selbst vollkommen treu geblieben, von seinen Charaktereigenschaften hat sich eine in vollem Glanze gezeigt: seine Charakterlosigkeit. Als Demokrat und energischer Bekämpfer der Jn flationspolitik der alten Reichsbankleitung( und deshalb auch erbitterter Gegenspieler von Stinnes) wird Schacht als Kandidat der Linken zum Reichsbankpräsidenten gewählt gegen Helfferich als Kandidaten der Rechten. Die Stärkung der Reaktion macht ihn aber unruhig. Er bekommt Angst, daß er den Anschluß verpassen kann. Er benutzt die Gelegenheit des Volksentscheides über die Fürstenenteignung, um aus der Demokratischen Partei auszutreten. Jm November 1918 hat sich Schacht zu den weitgehenden Sozialisierungsmaßnahmen bekannt. Im Sommer 1926 kann er es nicht mit seiner Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Privateigentums vereinbaren, daß die Demokratische Partei ihren Anhängern keine Ablehnung der Fürsten enteignung vorgeschrieben hatte. Die Kundgebung von Schacht hat damals ein einzigartiges Nachspiel gehabt: feine Eltern sind in aller Oeffentlichkeit vor ihrem Sohn abgerückt. 1927. Herr Schacht stellt seine Machtstellung als Reichsbankpräsident den privatkapitalistischen Kreisen für ihren Kampf gegen die öffentliche Wirtschaft zur Verfügung. Er unterwühlt bewußt die Kreditfähigkeit der Gemeinden und verhindert durch die berühmte Beratungsstelle, die ursprünglich ganz andere Zweckbestimmung hatte, die Konsolidierung der kurzfristigen Schulden. Heute redet Herr Schacht mit Entrüstung von den hohen Zinsen, die die ausländischen Kreditgeber von deutschen Kreditnehmern verlangten. Wir wollen hier nur an die Polemik erinnern, die 1927 und 1928 gegen die Schachtsche Sonderbar ist es auch, daß man während der lang jährigen Zusammenarbeit des Herrn Schacht als Bank direktor mit den jüdischen Berufskollegen zwar sehr viel vom Zank mit einzelnen von diesen Kollegen, nichts aber sehr gerne in seiner Laufbahn durch manchen Juden von seinem Antisemitismus hörte. Er ließ sich dann auch fördern. Jetzt, da der Antisemitismus in Deutschland fördern. Jetzt, da der Antisemitismus in Deutschland den Rang einer staatlichen Religion hat, führt Herr Schacht die ganze Empörung der zivilisierten Welt gegen die Grausamkeit und Infamie der nationalsozialistischen Herrschaft auf die Spezialinteressen jüdischer Händler" zurück. Jm Bilde seiner Charakterlosigkeit hat wahra haftig nur noch diefer Strich gefehlt! Die junge Repúblik mar zu vertrauensselig: Jhre Männer haben an den Demokratismus und die Aufrichtig nationalsozialistische Deutschland den gleichen Fehler? keit solcher Leute, wie Schacht, geglaubt. Wiederholt das Oder bringt es Hjalmar, den Wandlungsfähigen, deshalb zu höchsten Ehren, weil er dem mirklichen Menschenideal des dritten Reiches" entspricht? Im System, das Gesinnungslumperei direkt fördert, scheint uns das letztere wahrscheinlicher zu sein. ,, Der Weg zur Inflation" Die Meinung des Handelsbeirats der britischen Botschaft London, 9. September.( Eig. Ber.) Der Handelsbeirat der britischen Botschaft in Berlin, J. W. F. TheIwall, hat seiner Regierung einen umfang: reichen Bericht über die kriegswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Autartiepläne übersandt. Das britische Regierungsamt für Ueberseehandel hat jezt diesen Bericht veröffentlicht. In dieser Untersuchung führt Mr. Thelwall den unwiderleglichen Nachweis, daß die Grundfäße der Hitler= Regierung trog aller Abstreitungen zur In= flation führen müssen. Es ist ungemein bezeichnend, daß die britische Regierung einen solchen Bericht nicht zur Renntnis nimmt, sondern ihn dem ganzen Lande und der Weltmeinung durch diese Veröffentlichung übergibt. Es ist kein Zweifel mehr daran möglich, daß die Naziregierung vollwertiges Geld zur Bestreitung ihres Rüstungs- und Arbeits: beschaffungsaufwandes nicht beschaffen kann und zur Inflation treibt. Ein umfassender Auslandsboykott kann sehr wesentlich dazu beitragen, daß dieses Regime von Henkern, Irrsinnigen und Verbrechern schneller zusammenbricht. Nach dem amtlichen Bericht Thelwalls wird nicht nur auf die Bevorzugung deutscher Erzeugnisse im Lande bei allen öffentlichen und privaten Einkäufen, sondern auch darauf hingearbeitet, daß das Land organisiert werde, von jeder ausländischen Zufuhr unabhängig zu sein. Einer der Leiter des„ Auswärtigen Amtes der sitlerpartei", ein gewisser Daiz, hat das so ausgedrückt, daß jedes Volf das Recht habe, feine Wirts schaft zu einer Festung zu gestalten, in der das Volt nicht ausgehungert werden tönne im Fall irgendwelcher wirtschaft lichen, politischen oder militärischen Vers widlungen. In dieser Richtung liegt die Aufgabe allen Welthandels, ausgenom men mit solchen Auslandserzeugnissen, auf die man nötigenfalls nicht verzichten tann. Solche Produkte sollen aber nach dem Naziplan auch nur von solchen Ländern bezogen werden, mit denen Deutschland Handelsverträge hat und mit denen es auch im Falle jedweder Verwicklungen in Verbindung bleiben kann. Mr. Thelwall führt den Nachweis, daß diese Grundsäße der Hitlerregierung trog aller Abstreitung zur Inflation führen müssen. Ungehindert durch alle gesetzgeberischen Maßnahmen hat das Reichsdefizit selbst in dem schönfärberischen Etat die Höhe von 118 Millionen RM. erreicht und dabei besteht die Aussicht auf ein wirkliches Defizit, das noch größer ist als betrag von 338 Millionen und die Gemeinden ein Defisit in den letzten fünf Jahren. Die Länder weisen einen Fehlvon 637 Millionen RM. auf. Die wirtschaftliche Depression wird durch die autarkische Außenhandelspolitit nur noch gesteigert, die Lebenshaltung des Boltes steht unter schwerem Drud. In den letzten drei Jahren haben die Löhne der Industriearbeiter eine Herabseßung um durchschnittlich 30, die Gehälter der Beamten und Angestellten eine solche um 25 Prozent erfahren, welche Ziffern durch die Erhöhung der Steuern und andere Abgaben sagt der amtliche Bericht, der natürlich nicht die Ausraubung der LohnTerrorarmee usw. und für die NSBO. nennt auf 34 Proempfänger durch die erpreßten" Spenden" für die braune zent bei den Arbeitern und auf 27 Prozent bei den Angestellten gesteigert werden. Wie eine solche Einkommensverminderung auf die Kaufkraft, das Geschäftsleben, die Steuereingänge und das Kulturleben wirft, braucht nicht mehr dargelegt zu werden. Jüdischer Weltboykott beschlossen beschlossen V Bolitik geführt wurde( am schärfften wohl im" BDie Entscheidung des Genier Kongresses wärts"). Es wurde damals darauf hingewiesen, daß sich die Zinshöhe danach richtet, wie die Sicherheit der Anlagen in verschiedenen Ländern und bei den verschiedenen Gruppen der Kreditnehmer in diesen Ländern von den Kreditgebern eingeschätzt wird. Es wurde nachgewiesen, daß die deutschen Gemeinden ein verhältnismäßig hohes Vertrauen genießen, so daß die Verzinsung der kommunalen Anleihen eine untere Grenze für die Verzinsung der deutschen Anleihen überhaupt darstellt. Es wurde namentlich in den letzten Monaten von 1927 betont, daß es versucht werden muß, ehe es zu spät sein wird, die kurz fristigen Schulden in langfristige Anleihen umzuwandeln. Und es wurde als Ergebnis auseinandergesetzt, daß die Politik des Herrn Schacht und seiner Beratungsstelle, ins besondere die öffentliche Diffamierung der Gemeindewirtschaft, dazu führen muß, daß die Kredite für Deutschland verteuert und sich die kurzfristigen Schulden in einem gefährlichen Umfange anhäufen werden. Hat Herr Schacht das wirklich vergessen? Rollte" sein Kopf in der Zwischenzeit zu schnell, um solche Dinge be halten zu können? Hat er denn auch vergeffen, wie er vor den Wahlen von 1928, als der sozialdemokratische Erfolg schon mit Sicherheit vorauszusetzen war, die Miene machte, sich wiederum nach links entwickeln zu wollen, und so tat, als ob er schon dieser reaktionären Regie rung" satt sei und sich nach der Zusammenarbeit mit der linken Regierung sehne? Die Schwäche des Herrn Schacht war übrigens immer, daß er Angst bekam, wenn er scharf angegriffen wurbe So war es auch bei den internationalen Verhandlungen, die er führte: zunächst große Töne, ja ein sensationer regendes Auftreten, wie während der Verhandlungen über den Young- Plan, und dann Angst vor dem Effekt dieses Auftretens. Heute im„ dritten Reich" ist Herr Schacht gegen die Angriffe geschützt. Er ist vorläufig troß seiner NovemberVergangenheit ebenso unfehlbar, als Herr Hitler und die anderen Bekämpfer des„ November- Berbrechens". Jetzt kann er wieder hemmungslos reben. Und er tut es Wir werden noch Gelegenheit haben, ihn als Leiter der neuen Bankenenquete unter die Lupe zu nehmen. Es wäre schade, einige Aeußerungen von ihm in ber legten Unterredung mit dem Berliner Vertreter des holländischen ,, Allgemeen Handelsblad" nicht festzuhalten. Das wollen wir nicht verpassen. Unter anderem sagte Herr Schacht in dieser Unterredung:„ Daß die deutsche Handelspolitik im Auslande Boykotterscheinungen hervorgerufen haben soll, ist mirneu. Wohl habe ich von jüdischen Boykottdrohungen gegen Deutschland gehört, was das aber mit der Handelspolitik zu tun hat, ist mir unerfindlich." Der Kopf des Herrn Reichsbankpräsidenten hat in den letzten Jahren entschieden zu schnell gerollt! Er scheint nicht bemerkt zu haben, daß die Boykottbewegungen gegen Deutschland( namentlich in Holland und in Dänemark) aus rein wirtschaftlichen, d. h. in diesem Falle aus handelspolitischen Gründen, viel früher entstanden waren, als die gegenwärtige politisch- und auch heute nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich bedingte Boykottbewegung. Oder waren es auch bloß ,, jüdische Boykottdrohungen", als die maßlose Erhöhung der Butterzölle und später die Rontingentierungspläne der Papen- Regierung die Bewegungen gegen die Einfuhr aus Deutschland in den betroffenen bzw. bedrohten Ländern auslöften? Genf, 8. September( Eig. Bericht). Die erste Entscheidung des jüdischen Weltkongresses ist ges fallen. Die politische Kommission hat sich für die Proflamies rung des jüdischen Weltboykotts über alle deutschen Waren ausgesprochen. Die Resolution, die gegen den Widerstand des italienischen Vertreters formuliert und an deren Annahme durch den Gesamtkongreß nicht gezweifelt werden kann, stellt fest, daß der Boykott deutscher Waren eine spontane Abwehr in Sitler- Deutschland war. Die 2. Weltkonferenz des Juden des jüdischen Volkes gegen die Vergewaltigung seiner Brüder tums übernimmt die Boykottbewegung und billigt ihre Aufrufe. Sie wird für planmäßige Organisation sorgen und den Boykott solange durchführen, bis die volle Gleichberechtigung der Juden in Deutschland wieder erkämpft sein wird. Die Konferenz fordert die nichtjüdische Welt auf, den Boykott bis zur Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. * Dieser Beschluß entspricht dem Appell, den bei Eröffnung der Konferenz der Amerikaner Dr. Vise aus Neuyork an die 16 Millionen Juden der Welt gerichtet hatte, den Boykott aller deutschen Waren in die Tat umzuseßen. Selbstverständlich hat auch die franzöfifche Delegation unter Fühverständlich hat auch die französische Delegation unter Führung von Herrn Bernheim, die ungefähr zweiundzwanzigtausend französische Judenfamilien Die Aussprache der Volligung über den Kampf gegen vertritt, sich einstimmig für den Boykott ausgesprochen. den Antisemitismus und für Organisierung Sterbender Warenhaus Konzern Fünfzig Millionen Verlust bei Karstadt Berlin, 7. Sept.( Inpreß.) Die neue Karstadt- Bilanz schließt mit einem Verlust von 50 Millionen Reichsmark, der durch Kapitalzusammenlegung gedeckt wird. Der Geschäftsbericht sagt, daß der Umfaßrückgang im neuen Geschäftsjahr angehalten habe". Die Lage der Firma wird als so ernst betrachtet, daß man mit allen Mitteln versuchen will, die Schäden abzuwenden, die ein„ Erliegen der Firma zur Folge haben müßten". Der Staat kurbelt Er will mit deutschem Erdöl schmieren Aus der deutschen Petroleum industrie sind, wie verlautet, den zuständigen Stellen Vorschläge unterbreitet worden, wonach ein großzügiges Bohrprogramm von etwa 200-300 neuen Bohrungen mit staatlicher Hilfe durchgeführt werden soll. Da eine Tiefbohrung sich auf ungefähr 200 000 Reichsmark stellt, würden die sosten sich auf 40-60 Millionen Reichsmark belaufen. Wie wir hören, soll man in Berlin diesem Vorschlag mit großer Sympathie begegnen. Da ohnehin der Welfmarkt in Betroleum schwimmt und in allen Petroleum produkten Ueberproduktion herrscht, kann man sich vorstellen, wie lohnend die Millionen für Erdölbohrungen angelegt wären. Wahrscheinlich gedenkt man, gerade mit Petroleum bie verlorenen Auslandsmärkte zurückzuerobern. Unverändert schlecht Nach Mitteilung des Hüttenzementverbandes hat sich der internationaler Flüchtlingshilfe ist zu Ende geführt worden. Sie hätte gar keine bessere Juustration finden können als durch die von uns bereits mitgeteilte Tat sache, daß zwei Stunden vor Eröffnung der Konferenz eine Bombe, der ein schweres Stinfgas ent strömte, im Konferenzfaal entdeckt wurde und die seitens Schweizer Nationalsozialisten alsSabotageatt hineingeschmuggelt.worden war. Paris, erklärte, daß die Leiter des jüdischen Volkes fest entLeo Mobkin, Vorsitzender des Jüdischen Ausschusses in schlossen seien, bis ans Ende gegen Hitler zu fämpfen und bei diesem Kampfe alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden. Der Redner machte darauf aufmerksam, daß infolge des Sieges des Nationalsozialismus in Deutschland auch in andern Ländern die antijüdische Bewegung an Kraft gewonnen habe, besonders in Holland, den Balfanländern und standinavischen Ländern. Mozkin schloß seine Rede mit der Feststellung, daß das heutige Deutschland vollkommen isoliert sei und daß die Juden sich aufs äußerste anstrengen werden, um die Weltöffentlichkeit über die Morallosigkeit und Ungerechtigkeit der deutschen Politit aufzuklären. traurige Lage der jüdischen Kinder in Deutschland und schlug son( Genf), lenkte die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Die Präsidentin der Liga jüdischer Frauen, Frau Abereine internationale Hilfsaktion zu ihren Gunsten vor. Kontrolluhren gefragt Wenigstens ein Artikel, der geht " Frankfurt, 7. Sept.( Inpreß.) Das Exportgeschäft der Württembergischen Industrie ist in erheblichem Maße zurückgegangen. Württembergs Industrie", heißt es in der, FrankAusfuhr eingestellt war, habe für den Verlust des Auslandsfurter Zeitung",„ die bisher in besonders hohem Maße auf marktes bisher noch keinen Ersatz finden können." Das in früheren Jahren im Auguft einsetzende Inlands- Herbstgeschäft sei bis jetzt ausgeblieben. Nur ein Artikel werde stärker gefragt in Hitlerdeutschland: Kontrolluhren. Baumwolle vern'chtet Wahnsinn des kapitalistischen Systems Nach einem Kabel aus Atlanta haben die Baumwollpflanzer der amerikanischen Südstaaten auf Versammlungen in Atlanta, Memphis und Dallas einem Programm zur Kontrolle der Baumwollernte zugestimmt. Der Vertreter des Staates Alabama schlug vor, die Entkornung auf eine Menge von 8 bis 9 Mill. Ballen zu beschränken, d. h. also, daß ein Biertel bis ein Drittel der zu erwartenden Erträge, die in werden, der Vernichtung anheimfallen sollen. Wahrscheinlich diesem Jahr zwischen 12% bis 12 Mill. Ballen geschäßt wird, da der Vorschlag angenommen wurde, auf die Pflücke verzichtet werden, schon um die dafür aufzuwendenden Kosten zu sparen. Bei einer derart verkleinerten Erntemenge bleibt aber immer noch genug Baumwolle übrig, um die Märkte in Sorge zu lassen. Versand von Hüttenzement im August 1983 ungefähr auf Abonniert die ,, Deutsche Freiheit"! der Höhe des Vormonats gehalten, Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit"* Sonntag, 10. September 1933* Ereignisse und Geschichten Dichter sehen Hitler- Deutschland Ein paar Szenen aus einem Theaterstück Zwei führende geistige Persönlichkeiten Deutschlands- das heißt, daß sie heute im Ansland leben haben ein Theaterstück geschrieben, das mehr sein will als ein padendes Zeitstück, denn es ist der erste Griff in die Entstehung und in die Wirksamkeit Hitler- Deutschlands, ein Versuch, die geiftigen Hintergründe des Schrets tensregiments aufzudecken und die Widerstandskräfte anzufachen. Die Namen der Verfasser lassen wir noch ungenannt. Die nachfolgenden Szenen mögen für ihre Arbeit zengen: 1. Dem Andenken der Mörder Rathenaus ( Raum in einer breiten Straße des Berliner Grunewaldviertels. An dem Baum ist eine Gedenktafel angebracht, von der folgende Worte weithin erkennbar sind: Zum Andenken an Walter Nathenau, der an dieser Stelle getötet wurde.) ( 8wei Arbeiter, erster etwa vierzig, zweiter Mitte 3wanzig, sind im Begriff, diese Gedenktafel abzumontieren.) 3 weiter Arbeiter: Wer war eigentlich Rathenau? Erster Arbeiter: Das weißt du nicht? 8 weiter Arbeiter:( schüttelt verneinend den Kopf.) Erster Arbeiter: Damals warst du ja auch erst zehn Jahre alt Rathenau hat für Deutschland viel getan. 3 weiter Arbeiter: So? Erster Arbeiter: Der hat die ganze AEG. aufgebaut eins der größten Industrieunternehmen in ganz Deutschland. 8 weiter Arbeiter: Deswegen haben sie ihn doch nicht falt gemacht. Erster Arbeiter: Das nicht, Rathenau war aber auch Minister. Irgendwo in Rapallo oder so hat er Deutschland. mit Rußland angefreundet. 8 weiter Arbeiter: Deshalb können sie ihn doch auch nicht abgeschossen haben. Erster Arbeiter: Er war aber Jude. 3 weiter Arbeiter: Das reicht immer. ( Die beiden Arbeiter haben die Gedenktafel abmontiert beiseite gestellt und sind im Begriff, eine neue Gedenktafel an Stelle der alten anzubringen. Von der neuen Tafel find folgende Worte zu lesen: Den deutschen Helden Kern und Fischer, die an dieser Stelle einen Schädling beseitigten. 8 weiter Arbeiter: Und was sind das für Brüder? ( Beigt mit dem Daumen auf die Gedenktafel.) Erster Arbeiter: Das sind die Beseitiger" von Rathenau. Früher haben wir so etwas Mörder genannt. 8 weiter Arbeiter: Was denn? Was denn? Die Mörder bekommen jeßt eine Gedenktafel? Erster Arbeiter: Na klar, Mensch! Das ist doch die neue Moral oder„ der Aufbruch der Nation". Ich weiß ja nicht, wie die das begründen wollen. Aber wenn du noch ein bißchen hierbleiben willst, kannst du die Enthüllungsrede mitanhören. Da lernst du' s gleich wie' s gemacht wird. Denn die Mörder haben sie damals erwischt. Aber die Hetzer haben sie laufen lassen. 3 weiter Arbeiter: Sizt das Ding fest?( Rüttelt prifend an der Tafel, indem er seine Arbeit auf die Haltbar= feit prüft.) Erster Arbeiter: Prima, prima! So lange wie das " dritte Reich" hält das auch. ( In der Ferne hört man von anmarschierenden SA.Hundertschaften das Horst- Wessel- Ried spielen und singen:) 2. Die ,, Eingriffe" in die Wirtschaft ( Büro des nationalsozialistischen Betriebsobmannes der Gaststätte Danzinger u. Co. Der Betriebsobmann, ein zwanzigjähriger Kellner( blaß, dumm, gehässig, mit Hakenkreuzabzeichen), räkelt sich auf einem Schreibtischsessel und spielt mit dem Brieföffner. Vor ihm steht ein Geschäftsführer der Firma, ein seriöser, etwa fünfzigiähriger Angestellter. Ein Dienerpage sitzt in einer Ecke.) Betriebsobmann( aum Geschäftsführer): Der Name Danzinger stört mich schon lange. Unser Restaurationsbetrieb verlangt eine deutsche Bezeichnung. Zum Beispiel Rheintraube" oder so. Denken Sie mal nach, ob Ihnen was Passendes einfällt. Geschäftsführer: Ja aber die alte Firma ist doch schon jahrzehntelang bekannt und die Zugkraft auf das Publikum Betriebsobmann( fällt ihm ins Wort): Deutsche Ordnung ist wichtiger als semitisches Verdienen. Empfangschef( tritt ein): Dürfen wir nochmals um die Kellerschlüssel bitten? Die Weinstuben sind überfüllt und die Gäste werden schon ungeduldig. Betriebsobmann: Ich habe jetzt ernstere Dinge zu besprechen und keine Zeit für Ihre Albernheiten. Empfangschef( seigt auf einen Schlüsselbund, der auf der Schreibtischplatte liegt): Da liegen doch die Kellerschlüssel, darf ich sie vielleicht gleich mitnehmen? Betriebsobmann( fährt den Sprechenden an, aufspringend): Sie haben doch warten gelernt?! Empfangschef( verbeugt sich und geht verzweifelt ab). Dienerpage( grinft). Betriebsobmann( zum Geschäftsführer): Die Privatsekretärin von Herrn Danzinger wird entlassen. Ihr Vater war Jude. Geschäftsführer: Sie spricht aber alle Sprachen und wir haben keinen Ersatz, da sie alle Kartotheken kennt. Betriebsob mann: Ich habe eine Bekannte, die ganz gut Maschine schreibt. Der habe ich den Posten zugedacht. Wenn die Ausländer etwas von uns wollen, so sollen sie gefälligst deutsch lernen. Merken Sie sich das. Hier wird deutsch gesprochen. Vor allem nicht hebräisch. Geschäftsführer: Der Mitinhaber unserer Firma, Herr Kommerzienrat Schlesinger, wollte mit Ihnen, Herr Betriebsobmann, über die Weiterbeschäftigung seiner Sekretärin gern selbst sprechen. Betriebsobmann: Ich lehne es ab, mit dem Juden zu reden. Wenn diese Asiaten mit mir verhandeln wollen, sollen sie sich einen Arier als Mittelsperson anstellen. Ich spreche nicht hebräisch.( 8um Dienerpagen): Der Reklamechef soll hereinkommen.( Dienerpage ab.) Geschäftsführer( verbeugt sich und geht kopfschüttelnd ab). Reklame chef( tritt zusammen mit dem Dienerpagen ein): Sie wollen mich sprechen? Betriebsobmann: Passen Sie auf! Jeder Tisch bekommt ein Schild mit Hakenkreuz und der Aufschrift: Die deutsche Frau raucht nicht. Die deutsche Frau schminkt sich nicht. Die deutsche Frau parfümiert sich nicht. Dienerpage( grinsend, beiseite, halblaut): Sie riecht nur nach Natur. Betriebsob mann: Von Stunde zu Stunde sind den Gästen durch jene Leute in Uniform Sammelbüchsen vorzuhalten- besonders den jüdisch aussehenden Gästen. Die geben immer aus Angst. Nach Geschäftsschluß werden die Büchsen immer zur Oeffnung übergeben. Dann wird das Publikum statt ortsfremder Negermusik von jetzt ab deutsche Reden und deutsche Musik hören( deutet auf das Radio. Zeigt auf den Radioapparat): Versuchen Sie doch mal! Reklamechef: Sofort( springt diensteifrig zum Radioapparat und setzt diesen in Betrieb). Radioapparat( zunächst ein schreckliches Knacken und Krachen): Sie hörten soeben Herrn Professor Dr. Dummtrott über„ Die nationalsozialistische Jugenderziehung". ( Man hört weiteres Krachen im Apparat.) Hallo, hallo! Hier sind alle deutschen Sender. Sie hören jetzt die Antrittsrede des Herrn Polizeipräsidenten v. Laubres, Leutnant a. D. Ein e s. Darf ich bitten, Herr Polizeipräsident? ( Schnarrende, näselnde Stimme): Volksgenossen! Man nennt mich den Fememörder Eines. Ich betrachte das nicht als Ehrenkränkung. Ja, ich bin stolz darauf, von den servilen Organen eines verrotteten Systems als Mörder angesehen und bezeichnet zu werden. Ich wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt, aber ich bekenne unerschrocken, daß ich die Tat( brüllend) unter gleichen Umständen neu begehen würde... Dienerpage( grinst). Reklamechef( stellt das Radio ab): Ich bezweifle, daß das die richtige vom Publikum gewünschte Unterhaltung ist. Betriebsobmann: Lassen Sie nur, lassen Sie nur. Das Publikum braucht das. Das Volk muß kennen lernen, welch schneidige Führer ihm jetzt zur Verfügung stehen. Geschäftsführer( kommt nach Anklopfen herein): Herr Obmann, der Sturm 21 hat Sett, Wein und Delikatessen angefordert. Betriebsobmann: Wird selbstverständlich genehmigt! Melden Sie das dem... Herrn Inhaber. Uebrigens, Deutsche Schmach Sie brauchen Juden für den Horst- Wessel- Film Man berichtet uns, etwas verspätet, aber immer noch früh genug: Am Freitag, 11. August d. J., ereignete sich folgedes in Berlin: die Grenadierstraße, die bekannte, stark von Juden bewohnte Straße des Berliner Ostens, wurde von Nationalsozialisten abgesperrt und eine Anzahl junger und alter Juden wurde auf das Dach des Hauses Grenadier= straße 10 zusammengetrieben. Die erschrockenen Beute mußten rote Fahnen schwenken und dazu schreien: Hitler verrecke! Diese ganze Szene auf dem Dache wurde dann gefilmt. Hiernach bekam jeder Schauspieler" ein Honorar von 10 Mar f." Wofür sie diese Szene nötig batten? Für den HorstWessel Film. Sie brauchten Juden als Erempel bolschewistischen Untermenschentums und trieben sie zusammen wie eine Schafherde, die der Hund bellend und beißend an den richtigen Ort jagt. Dann gaben sie jedem auf den Schreck hin& ebn Mart. Wir machen Herrn Göbbels darauf aufmerksam, daß dieser unerwartete Verdienst, den man armen Juden zukommen ließ, sich außerordentlich gut zur Werbung für den deutschen Gedanken in der Welt eignen würde. Diese humane Tat fönnte alle Meldungen über Greuel an Juden in Deutschland sofort widerlegen! damit Sie es sich merken: Jede geschäftliche Maßnahme wird von heute an von mir gezeichnet, damit die Inhaber feine Sabotage treiben können. Geschäftsführer( bestürzt): Sie wollen selbst... Betriebsobmann( aufbrausend): Ich bin 21 Jahre alt. Ich bin schon vier Jahre Kellner. Ich verstehe deshalb genug von solchem Betrieb, um den Kram allein auch zu schaffen.( 3um Reklamechef): Sind überall in den Caststätten die Lautsprecher montiert?( Er geht zum Radioapparat und setzt diesen in Betrieb.) Nach kurzem Knacken ertönt das Horst- Wessel- Lied. Betriebsobmann( steht neben dem Radioapparat und schlägt mit der Hand den Takt zum Horst- Wessel- Lied. Nach einigen Taften beginnt er die Beine im Marschtempo mitzusetzen.) 3. Die Ermordung Stellings ( Zimmer der Mutter von Johannes Orting- früheren Ministers. Viele Blumen, einige Kinder Verwandte des Toten. Mutter ist in Trauerkleidung, Kinder gleichfalls schwarz gekleidet. Frau Orting sitzt mit starrem Blick in einem Seffel. Vor ihr steht der Agent eines Beerdigungsinstitutes mit Leichenbittermiene, Notizbuch und Bleistift in der Hand.) Agent: Als Text für die Todesanzeige möchte ich vorschlagen( liest ab):„ Gestern wurde mein lieber einziger Sohn und Ernährer, der frühere Minister Johann Orting...( stockt). Fr. Orting( wie aus weiter Ferne, mit grollender, eintöniger Stimme, nach jedem Wort zaudernd):... mit Schußverlegungen aus der Spree als Toter geborgen! Agent: Aber meine liebe gnädige Frau. Das ist ja ganz unmöglich. So darf das keine Zeitung bringen! Fr. Orting( schmerzerfüllt und aufschreiend): Aber sie haben ihn doch wie einen Hund abgeschossen und in den Fluß geworfen... Mein guter Hannes!( Kinder weinen.) Agent: Ich weiß ja. Ich fühle mit Ihnen mit( streichelt leicht ihre Hand). Aber wir leben doch nicht mehr unter normalen Verhältnissen. Niemand ist seines Lebens mehr sicher vor den braunen Verbrechern und Sadisten. Fr. Orting: Schreiben Sie, was Sie wollen.. Agent( halblaut): Also ich notiere: Gestern wurde der frühere Minister Johannes Orting durch einen plöblichen Tod von uns genommen.... Fr. Orting: Drei Kugeln im Kopf und sieben im Leib, den Mund zerrissen und den Schädel zertrümmert das ist ein plötzlicher Tod! Agent: Gnädige Frau ich sagte doch schon... Fr. Orting( unterbricht den Agenten):... Wenn Sie die verzerrten Züge gesehen hätten bis zu meinem letzten Tag werde ich den Anblick nicht vergessen. Agent:( nicht stumm): Es hilft doch aber nichts mehr. ( Geschäftlich und ablenkend:) Sind Sie mit dem Sarg zufrieden, gnädige Frau? ( Der Sarg wird hereingetragen, Nachbarn schauen durch die Tür, kommen näher. Kondulationsbewegungen, Kinder weinen, Frauen schluchzen. Agent geht, sich verbeugend, fort.) Erster Nachbar( zum zweiten Nachbarn, halblaut, mit verbissener Wut): Wieder einer unserer Besten, den die Strolche gemeuchelt haben. Einer, der nie etwas Unrechtes getan hat. 3 weiter Nachbar: Aber die Mörder sind heute " Belden". Dritter Nachbar: Aber es kommt eine Vergeltung! Dann werden sie nicht nur wieder Mörder genannt, sondern auch als Mörder behandelt werden. Fr. Orting( stürzt sich über den Sarg): Hannes! Du fannst nicht tot sein! Erster Nachbar( drohend): Hannes, du lebst!( Laut:) Rache! AIIe: Rache( mit erhobenen Fäusten). Heut und morgen Zuerst erfind eine Phrase, mit Worten, die feiner versteht, dann schrei mit erhobener Nase: bu glaubst nicht, was alles geht. Dann erfinde für alles Uebel einen einzigen Grund und Zwed. und schließlich vergiß nicht den Rübe von Verleumdung, Lüge und Dreck. Erheb deine Borderflosse nach Mussolinis Manier heute noch auf braunem Rosse, morgen auf dem schwarzen Stier. So wirst du selbst von Profefforen mit gläubiger Miene gehört, allerdings: fie haben nur Ohren und werden vom Hirn nicht gestört. Drum fannst dn sie nicht verlegen, bie autonome Zunft; gehorsam wird sie erlegen durch den Mythos die Vernunft. Sie heben bie Borderflosse Nach Hitlerinis Manier heute noch auf braunem Rosse, morgen auf dem schwarzen Stier, Wenzel Slabe DAS BUNTE BLATT NUMMER 71= 1. JAHRGANG Der Leser TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Lenin im Britischen Museum Von J. C. Sbuire Zehntausende besuchen alljährlich den Lesesaal des Britischen Museums. Manche kommen nur gelegent lich mit einem Tageseintrittsschein, um bestimmte Quellen nachzuschlagen, viele andre, weil sie sich plötzlich erinnern, daß sie hier alles erfahren können, was sie wissen wollen. Leute aller Altersklassen und Stände sind hier: sogar schöne junge Frauen und sportgeübte, elegante junge Männer. Aber in der stetig wechselnden Menge gibt es einen Stock von ständigen Lesern, die Tag für Tag, Jahr für Jahr, manchmal sogar ein ganzes Menschenalter lang kommen. Gewohnheit, Beruf oder Liebhabereien bringen sie hierher. Manche von ihnen erscheinen, sobald das Museum geöffnet wird, und rühren sich nicht weg, bis die Lichter verlöschen und die zahllosen Bücher nur ihrer eigenen Gesellschaft überlassen bleiben. Manch ärmlich und altmodisch gekleidete Frauen und weißbärtige Männer, denen Schweigen und Selbstgenügsamfeit zur zweiten Natur geworden sind, kommen, holen sich ihre Bücher, tragen sie zurück, suchen andre aus und reihen sie wieder ordnungsgemäß ein. Mit schleifenden Schritten trotten sie abends heim in ihre unvorstellbaren Behausungen, ohne jemals mit dem fast täglich neben ihnen Sißenden zu sprechen, ja offensichtlich ohne ihn je zu sehen. Andre sind aufmerksamer und werden allmählich herzlich: sie warten allmorgendlich, um den alten Bekannten lächelnd zu begrüßen, dessen Interessensphäre und Jdeenwelt sie genau kennen, nach dessen Namen zu fragen ihnen aber nie in den Sinn kommt. Wieder andre schließen hier Freundschaften. In den Jahren 1908 und 1909 war auch ich ein ständiger Gast dieses stillen, ein wenig bedrückenden Saales. Sein gedämpftes Licht, das unterdrückte Rascheln, Krizeln, Zuschlagen von Büchern, die dumpfen oder schleichenden Schritte, das Husten und heisere Gemurmel, das charakteristisch für ihn ist, waren mir ganz vertraut geworden. Ich war damals jung und hatte vor, ein geschichtliches Werk geistreich wenn auch vielleicht ein wenig pittoresk aus den Schriften älterer und weiserer Männer zusammenzustellen, die viel länger in Museen in den Arbeiten von noch zahl= reicheren Vorgängern geschürft hatten, als ich dafür aufzubringen gedachte. Neugierig wie ich war, vertrödelte ich einen großen Teil der Zeit mit dem Beobachten derer, die, über die schweren Bände gebeugt, rund um mich herum saßen oder durch die Flügeltüren ein und aus gingen. Nach ein paar Monaten fannte ich viele vom Sehen: All die sonderbaren Käuze, die ungewöhnlich hoch Aufgeschossenen, die unförmig Dicken, die unbeschreiblich schmutzig, verwahrlost Struppigen, Hohlwangigen oder besonders auffällig Gekleideten. Mit einigen Besuchern des Lesesaales wurde ich im Laufe der Zeit näher bekannt; aber diese waren unauffällig und einfach in ihrem Aussehen und Auftreten. Da war zum Beispiel ein bescheiden gekleideter Mann mittleren Alters mit Brille und Schnurrbart. Er hatte immer einen ganzen Stoß von Bänden Wappenkunde vor sich und verzeichnete Namen, Daten und Wappenzeichen fein säuberlich in kleinen Notiz büchern. Er war sehr scheu und unzugänglich, und es dauerte lange, bis wir über das bloße Kopfnicken zur Begrüßung und beim Abschied hinaus kamen. Aber schließlich war es so, daß wir den Saal immer gemeinsam verließen und mit einander sprachen, bis wir das Tor erreicht hatten. GewöhnItch erörterten wir dabei Dinge, die sein Fach betrafen, und ich erinnere mich, daß er mir einmal bei einer solchen Gelegenheit eine höchst sonderbare Geschichte aus dem Stammbaum einer sehr bekannten Familie anvertraute. Den Namen dieses Mannes habe ich mir nicht gemerkt vielleicht habe ich ihn auch nie gewußt. Ich lernte dort auch einen Studenten kennen, der immer Itebenswürdig lächelte. Es war ein großer, hübscher Bengale mit bernsteingelber Hautfarbe, braunen, verträumten Augen und melodisch zwitschernder Stimme, der in London Eisenbahnverkehrswesen studierte. Er besuchte mich einige Male, trant Kaffee mit mir und aß Bananen seine einzige große Leidenschaft und erzählte mir vieles von seiner Familie, seiner Heimat und seinen Plänen; manchmal sprach er auch über seine Lebensanschauung. Dann war im Lesesaal des öfteren auch eine reizende junge Frau, die ich erst lange und mit viel Interesse beobachtete. Später fam unsere Bekanntschaft dadurch zustande, daß ich ihr half, einen jener großen, dicken, schweren Kataloge ins Regal zurückzustellen; und dann fügte es sich eben so, daß wir immer wieder miteinander sprachen, indem ich vorgab, mich ganz intensiv gerade für denselben elisabethinischen Dichterden unbedeutendsten der unbedeutenden zu interesfieren, über den sie durch irgendeine verborgene Notis, in einem der vielen Folianten mehr erfahren wollte. Diese sonderbare Uebereinstimmung war sicherlich merkwürdig, und so war es wohl selbstverständlich, daß wir ge= Iegentlich einer nächsten Begegnung im Korridor noch darer es tat, immer mit natürlicher Höflichkeit. Dieser Mann hatte den größten Teil seines Lebens im Ausland verbracht. Im Museum, zu dessen pünktlichsten und eifrigsten Besuchern er zählte, las er mit unerschütterlicher Ausdauer hauptsächlich Werke über Soziologie, Nationalökonomie und Geschichtsphilosophie, aber auch gute Romane ab und zu, anscheinend mit viel Vergnügen, Bücher über die Jagd auf alle Arten von wildem Getier. Jeden Abend, wenn er mit dem Lesen im Museum fertig war, packte er seine Notizhefte zusammen und ging heim in seine Wohnung in Holborn, wo er mit seiner Frau lebte. Leute, die ihn besucht hatten, fonnten nicht genug erzählen, wie spiegelblank und sauber es dort war. Die beiden waren arm, aber das konnte ihnen nichts anhaben. Der Beitrag, den er zur Fortsetzung seiner Studien, und das Honorar, das er für das gelegentliche Verfassen politischer Artikel erhielt, war ausreichend für ihre bescheidenen Bedürfnisse. Einige Jahre später traf ihn einer meiner Freunde bei einer Abendgesellschaft in Genf, wo es sehr laut zuging; der fleine Mann sprach den ganzen Abend über kein Wort, hörte nur zu, was die andern sagten, ab und zu lächelte er. Er verließ die Gesellschaft zusammen mit meinem Freund. Viel später einmal erinnerte sich dieser Freund an das Gespräch, das sie damals auf dem gemeinsamen Wege geführt hatten, wie jener in sechs Worten, die zu überheblich flangen, als daß man hätte annehmen können, er scherze, genau voraussagte, wie sein eigenes Schicksal. sich gestalten werde. Und tatsächlich tauchte er nach Jahren in einem ungeheuren Aufruhr, dem Unzählige zum Opfer fielen, auf, um als Diktator an der Spitze eines gewaltig großen Reiches zu stehen. Das frühere Studium der Geschichte kam ihm nun sehr zustatten. Heute ist sein Name in der ganzen Welt bekannt: er wird. verflucht oder verehrt. Ueberall in Rußland, von einem Ende des Reiches zum andern, hängt sein Bild, in Millionen und aber Millionen Räumen. Sein Grabmal steht am Roten Plaz in Moskau. Darinnen befindet sich ein gläserner Sarg, in dem sein Leichnam einbalsamiert liegt. Der Mann sieht aus wie seinerzeit im Museum, still, wie er damals war. Nur etwas älter, fahlföpfiger ist er geworden und das Gesicht ist erlebnisdurchfurchter als damals. Tagsüber zieht eine endlose Reihe von verehrenden Bauern an dem gläsernen Sarg vorüber. Wie auf ein Wunder starren sie auf diesen toten Mann im Sarg, der für alle Zeiten eine legendäre Erscheinung sein wird. Und selbst in den dunkelsten, bitterkalten Winternächten steht uniformierte Wache mit aufgepflanzten Bajonetten rund um den kristallenen Sarg, schweigend und unbeweglich Es war Lenin. Ich kann gar nicht sagen, wie tief ich bedaure, daß ich gerade mit ihm im Britischen Museum nicht ein einzigesmal gesprochen habe; daß ich ihn gar nicht beachtete, ja nicht einmal wußte, daß er da war, werde ich mir niemals verzeihen fönnen. Berechtigte Uebersetzung aus dem Englischen von Valerie Reich. Etwas sofiwierig In einem Irrenhaus fällt ein Insasse seinen Aerzten durch sein vollkommen normales Benehmen auf. Wissen Sie, daß Sie in einem Irrenhaus sind?" wird er gefragt. " Ja, ich weiß es," starrt er traurig in die Luft. " Wie ist es denn gekommen," fragt der Arzt vorsichtig. " Berwicklungen in der Familie haben mich hierhergebracht. - Sehen Sie, ich heiratete eine Witwe mit einer erwachsenen Tochter. Mein Vater heiratete die Tochter meiner Frau. Dadurch wurde meine Frau die Schwiegermutter ihres Schwiegervaters, meine Stieftocher wurde meine Stiefmutter, mein Vater mein Schwiegersohn. Meine Stiefmutter bekam einen Sohn, der also mein Stiefbruder war, aber er war auch der Enkel meiner Frau. Er war also der Großvater seines Stiefbruders. Als meine Frau einen Jungen bekam, war der auch der Schwager meines Vaters( als Bruder meiner Frau). Meine Stieftochter ist aber auch zugleich die Großmutter ihres Bruders, denn der ist ja der Sohn ihres Stiefsuhnes. Da ich aber der Stiefvater meines Vaters bin, ist mein Sohn der Stiefbruder meines Vaters, zugleich aber auch der Sohn meiner Großmutter, da ja meine Frau die Schwiegermutter ihrer Tochter ist. Ich bin der Stiefvater meiner Stiefmutter, mein Vater und seine Frau sind meine Stieffinder. Mein Vater und mein Sohn sind Brüder. Meine Frau ist meine Großmutter, weil sie ja die Mutter meiner Stiefmutter ist ich bin ein Neffe meines Vaters und gleichzeitig mein eigener Großvater." Der Arzt begab sich in die Behandlung seines Assistenzarztes. über sprechen mußten. Und eines Tages, als wir uns dann Lachen nicht verfernen wirklich trafen, gingen wir gemeinsam die Treppen hinunter und unterhielten uns angelegentlich über das unaufhörliche Flattern und Gurren der Tauben auf der Freitreppe, und so anregend war dieses Thema, daß wir selbstverständlich noch miteinander in eine Teestube gingen; und dort glühten wir vor flammender Begeisterung für unsere elisabethinische Pyrit. Diese gemeinsamen Stunden beim Tee sind uns nach und nach zu einer lieben Gewohnheit geworden. zu jener Zeit war beinahe täglich auch ein Mann im Lesesaal, der niemandem auffiel; ein netter, fleiner, schwächlicher Mensch, gut, aber bescheiden gekleidet, den man ohne weiteres für einen angesehenen Kaufmann hätte halten können. Vom Sontinent natürlich, denn er hatte etwas ausgesprochen Fremdländisches an sich. Er war ein Mann in mittleren Jahren, der sehr früh eine Glaze bekommen hatte. Sein spär= Iches, rotbraunes Haar war bis zu den Schläfen zurückfewichen. Er trug Schnurrbart und Knebelbart, aber nicht diese Barttracht vermittelte den Eindruck des Fremdländischen, sondern hauptsächlich die vorstehenden Backenknochen und kleinen, schiefgeschlitten Augen. Ihr Blick war aufmerksam und offen und gelegentlich funkelte gutmütiger Spott metallisch in ihnen auf. Er sprach nur mit wenigen, und wenn Kontrahage ,, Sie sind ein Lügner!" ,, Sagen Sie das noch mal, dann schlage ich Sie nieder!" ,, Gut: nehmen Sie an, ich hätte es nochmals gesagt." Nehmen Sie an, ich hätte Sie niedergeschlagen!" SONNTAG, DEN 10. SEPTEMBER 1933 Sommer im Exif Die sommerlichen Tage gehn zu Ende; Längst wuchs der Abschied schon in ihre Glut. Mit jeder Stunde nähert sich die Wende, Und leise singt uns schon der Herbst im Blut. Dies war der erste Sommer der Verbannten, Der Heimatlosen, wund und heimwehkrank, Die noch im Fener ihres Zornes brannten, Und über deren Stirn die Traner sant. Doch über diesem Sommer lag der Frieden So still und rein, wie ich ihn nie erlebt, So ganz vom Narrenlärm der Welt geschieden Und tief in seine Schönheit eingewebt, Als wollte er uns nen ans Leben schmieden, Dem wir im frischen Schmerze widerstrebt. Liberator. Der Heusdifieitsgürtef Die gesellschaftliche Sensation von Groß- Becteret bildet ein Scheidungsprozeß, den eine junge Schönheit gegen ihren eifersüchtigen Gatten anstrengt. Die Ehe verlief an fangs ganz harmonisch, bis eines Tages ein Freund des Ehemannes im Hause auftauchte, der die Eifersucht des Gatten erweckte. Mit argwöhnischen Augen wurden der Freund und die Gattin beobachtet, und als der Gatte den Freund eines Tages nach der Rückkehr von einer Geschäftsreise in feinem Hause antraf, erreichte die Eifersucht ihren Höhepunkt. Der Gatte ließ aus einem Drahtgeflecht einen„ Keuschheitsgürtel" verfertigen und zwang die unglückliche Frau, ihn zu tragen. Immer, wenn er fortging, legte er feiner Frau eigenhändig den Gürtel an, den er mit einem Schlüssel versperrte. Erst nach seiner Rückkehr wurde die Frau von dem Drahtgeflecht, das ihr außer moralischen, auch bedeutende physische Qualen verursachte, befreit. Schließlich entschloß sich die Gattin, diesem Zustand ein Ende zu bereiten und strengt jetzt gegen den Gatten die Ehescheidung an. Napoleons Waterloo- Degen nach Paris verkauft Vor einer Reihe von Jahren war im Berliner Zeughaus als Leihgabe, mit der Aussicht auf spätere Erwerbung, der Degen ausgestellt, den Napoleon nach der Niederlage bei Waterloo in seinem Wagen hatte liegen lassen. Während der Versailler Friedensverhandlungen verschwand er aus dem Berliner Zeughaus. Jezt hat ihn nach langen Bemühungen das französische Armee- Museum erworben, als eine der kostbarsten Napoleon- Reliquien, die der Invalidendom in Paris birgt. Näheres über den Vorbesitzer und über den Kaufpreis wird nicht verraten. Der Degen, von dem Waffenschmied Viennet gefertigt, ist einer der sieben Dienstsäbel, die Napoleon besaß und trägt die Nummer drei. Während der Schlacht von Waterloo hielt Napoleons Kutsche am Eingang des Dorfes Jemmappes. Als die Schlacht verloren war, wollte er in seinem Wagen flüchten, aber die Landstraße war so mit fliehenden Fahrzeu gen aller Art verstopft, daß der Kaiser nicht weiterfam. Um nicht in die Hände der nachrückenden Preußen zu fallen, ließ er seinen Wagen mit allem, was darin war, im Stich und schlug sich seitwärts in die Büsche. Die Preußen kamen auch gleich hinterher und Gneisenau erklärte alles, was sich im Dorfe befand, als Kriegsbeute. Sie sollte dem westfälischen Füsilierregiment zufallen. Die Füfiliere teilten den Besitz und den Degen bekam ein einfacher Soldat vom 15. preußischen, von Prinz Friedrich der Niederlande befehligten Infanterieregiment. In der Familie dieses Soldaten vererbte sich die Reliquie weiter. So wenigstens steht die Geschichte, nicht ohne Stolz berichtet, in den Pariser Zeitungen. Die eiserne Jungfrau jubiliert Jm Nürnberger Museum ist die Eiserne Jungfrau einer der großen Anziehungspunkte, wird es um so mehr, wenn wir bedenken, daß sie vor jetzt vierhundert Jahren schon( im Jahre 1533) ihren Einzug in Nürnberg gehalten hat. Sie befindet sich jetzt in einer Kammer im Turm der Burg und wirft fast wie eine Nonne, mit ihrer Eisenhaube und ihrem schlichten Mantel. Aber Ausdruck und Gesicht sind fast friedlich, und man empfindet zunächst kein Unbehagen. Wird aber der Leib der Jungfrau geöffnet, so steht man das Innere, das wie ein aufrechtstehender Sarg ist, der gerade für einen Menschen Platz bietet. Das Opfer, das durch die Jungfrau den Tod erleiden sollte, wurde in den Raum hineingestellt und dann an der Innenseite ihres Rückens mit Riemen festgeschnallt, worauf die Türen wieder geschlossen wurden. Das Unheimliche aber war, daß diese Türe innen mit etlichen langen, dicken, spißen Eisennägeln versehen waren, die in Augen, Kehle, Herz und Lunge des Unglücklichen eindrangen. Das furchtbare Folterinstrument ist sicherlich nur für die allerschwersten Verbrecher gedacht gewesen, es wird heute aber behauptet, daß es überhaupt niemals zur Anwendung gekommen sei. Es war in einem feuchten Verlies aufgestellt, wo die Verbrecher verhört wurden. Wenn die Eisentüren der Eisernen Jungfrau geöffnet wurden und der Verbrecher sah, was ihm bevorstand, soll er in allen Fällen um Gnade gefleht und, um diesem grauenvollsten Tod zu entgehen, ein volles Geständnis abgelegt haben. Damit hatte das Folterinstrument seine Schuldigkeit_getan und brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Wer heute aber die Eiserne Jungfrau betrachtet, empfindet etwas von dem namenlosen Grauen, das in mittelalterlichen Zeiten einen Schuldigen überwältigt haben mag. " Werden Sie auch das große Konzert besuchen?" Selbstverständlich, fofte es, was es wolle! Können Sie Eine 34jährige Großmutter mir nicht ein Freibillett verschaffen?" „ So, Sie sind Mediziner," sagt die Tänzerin zu ihrem Partner auf dem Studentenball, also Zugführer auf der Bahn in den Himmel." Nein," meint der Student,„ bloß Bremser!" In Ungarn fand dieser Tage ein Wettbewerb für die jüng ften Großmütter statt. Den Rekord schlug eine 34jährige Bigeunerin aus Recskemet, ein Mitglied der berühmten Primasfamilie Radics. Ihr Gatte ist auch erst 37 Jahre alt. Die Tochter der jungen Großeltern, die bereits seit zwei Jahren verheiratet ist, ist jetzt 17 Jahre alt und hat in diesem Jahre einem Töchterchen das Leben geschenkt. In der Zigeunerfamilie Radics bedeutet das junge Alter" der Großmutter gar keine Seltenheit. Es ist gewissermaßen eine Tradition, daß die Männer zwischen 18 und 20, die Mädchen Verbessert. Ist es wahr, Vater, daß Elefantenzähne zwischen 15 und 17 Jahren die Ehe eingehen. Den zweiten zu Klaviertasten gebraucht werden?" Mißbraucht, mein Sohn; mißbraucht!" Play in diesem eigenartigen Wettbewerb erhielt eine 36jährige Großmutter aus der ungarischen Hauptstadt, DEUTSCHE ZUKUNFT KULTURPOLITISCHE BEILAGE ZUR DEUTSCHEN FREIHEIT BLICK ÜBER ZEITFRAGEN UND BUCHER Was bleibt lebendig am Marxismus? Eine Diskussion, die fortgesetzt wird Was bleibt lebendig am Margismus? Le Temps" sucht die Antwort auf diese Frage burch eine„ Enquete" bei einer Reihe von hervorragenden Vertretern der historischen Wissenschaft und des politischen Denkens zu ermitteln. Dieses Unternehmen ist noch nicht abgeschloffen, und es läßt sich noch nicht beurteilen, in welchem Maße der interessante Versuch des Pariser Blattes gelingen wird, Nach dem Anfang beurteilt, laffen sich manche sehr aufschlußreiche Betrachtungen und Erkenntnisse erwarten. Wir geben hier zunächst die Ausführungen des großen italienischen Hiftoriters Guglielmo Ferrero wies der. Der Verfasser des berühmten Werkes über den„ Aufstieg und Niedergang des alten Roma" beantwortet die Frage des„ Le Temps" wie folgt: 1. Die Meinung Guglielmo Ferreros Zu den Gründen, weshalb man die Rolle des Sozialismus in der europäischen Politik der letzten fünf Jahrzehnte so schwer versteht, gehört es, daß man den Marrismus als eine Theorie der sozialen Revolution anzusehen pflegt. Eine Theorie der sozialen Revolution kann nicht existieren, weil es eine soziale Revolution nie gegeben hat und nie geben wird. In allen Kulturen ändert sich die soziale Ordnung ständig, aber durch eine innere und zum großen Teil freie Arbeit, deren Endergebnis immer unbekannt ist. Nie konnte man und nie wird man den sozialen Zustand einer Kultur durch einen vorbereiteten Gewaltakt und nach einem Plan ändern können. Man tann aber und dies geschah tausendmal in der Geschichte durch einen vorbereiteten Gewaltakt die poli tische Ordnung eines Landes ändern, d. h. die Macht einer Gruppe, die sie innehatte, entreißen und zu einer anderen Gruppe übergehen lassen. Es gab in der Geschichte keine soziale, aber sehr viele politische Revolutionen. Was meines Erachtens den Marxismus fennzeichnet, ist, daß er unter dem Schein einer Theorie der sozialen Revolu tion als Werkzeug des großen politischen Rampfes dient, der Europa seit der französischen Revolu tion zerreißt genau so, wie die Theorie von Rousseau und tion zerreißt genau so, wie die Theorien von Rousseau und Montesquieu oder nationalistische Theorien und LeidenIch habe in einem meiner letzten Bücher darauf hingewiesen, daß der Marrismus seit fünfzig Jahren dem Kleinbürgertum, einem Teil der intellektuellen Klassen und einem Teil der Arbeiterschaft und des Bauerntums namentlich dazu dient, um in Europa die Reste der aristokratischen und autoritären Organisation der alten Ordnung zu vernichten und die Gruppierung der sozialen Kräfte zu bekämpfen, die man als Militarismus bezeichnet. Unter dem Echein der sozialen Revolution verlangen die Massen vom Sozialismus eine demokra= tischere Organisation des Staates und den Frieden. Es genügt, um sich davon zu überzeugen, die Karte der roten Expansion in der ganzen westlichen Welt anzusehen: wir sehen, daß die Macht und der Erfolg des Margismus um so größer find, je mehr sich die Staatsform der absoluten Monarchie nähert, je stärker die Ent wicklung des militärischen Systems und je häufiger die Kriege find. Wo finden wir den Marxismus im äußersten Ausdruck seiner Doktrin als absoluten Beherrscher der Macht? In Rußland, d. h. in einem Lande, wo die große Industrie wenig entwickelt, das aber bis 1917 ein großes Reich mit absoluter Monarchie war. Und der Marɣismus kam zur Herrschaft nach dem vernichtenden Kriege. Dagegen find die USA. das am stärksten industrialisierte Land, der Marrismus hat aber dort keinen Einfluß. Warum? Weil die USA. eine alte Demokratie sind, die außerhalb der Zone der Kriege Itegt und feine Wehrpflicht hat. In Europa ist England das am stärksten industrialisierte Land. England hat seit Jahrhunderten ein repräsentatives Regierungssystem, das sich bis zur Verleihung der politischen Rechte an die breitesten Massen entwickelte. Und England ist ein Land, das zwar nicht so weit wie Amerika von der Zone der Kriege entfernt ist, aber keine Wehrpflicht hat. Bis 1914 war die sozialistische Partei in England ohne Bedeutung. 1914 aber hat das ganze englische Volk zum erstenmal in seiner Geschichte an einem großen Krieg mit dem obligatorischen Militärdienst teilnehmen müssen, und in wenigen Jahren nach 1919 wurde die sozialistische Partei auch in England zu einer großen Macht und zu einer der beiden Parteien, die das britische Reich regieren. Bis vor wenigen Monaten war der Marrismus in Deutschland viel mächtiger als in Frankreich, indem er in Deutschland eine der regierenden Parteien, während er in Frankreich nur im Zustande einer einfluß reichen parlamentarischen Partei und noch nie an der Macht beteiligt war. Allerdings darf man die Bedeutung des momentanen Niedergangs des Marxismus in Deutschland nicht über schäzen: um den Marrismus endgültig au beseitigen, würde man etwas anderes brauchen, als die Ergreifung der Macht durch Adolf Hitler und seine Partei. Reicht nun die stärkere Industrialisierung Deutschlands aus, um diesen Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland zu erklären? Ich glaube das nicht. Es gibt etwas anderes: und das ist die Tatsache, daß Deutschland bis 1914 politische Einrichtungen hatte, die bedeutend mehr oligarchisch und autoritä waren, als in Frankreich. Der demokratische Charakter des Staates setzte in Frankreich seit 1870 die Grenzen für die Bedeutung und den Einfluß des Marxismus. Man wiederholt gerne in konservativen Kreisen, daß die Demokratie den Sozialismus als ihre Folge hat: Die Erfahrung zeigt, daß der Marxismus bis jetzt in den absoluten oder halbabsoluten Monarchien viel mehr Chancen hatte, als in den alten Demokratien. die politische Freiheit in der wirtschaftlichen Unfreiheit ihre Grenzen findet und durch diese wirtschaftliche Unfreiheit wenigstens zum Teil illusorisch gemacht werden kann. Daher die Lehre von der sozialen Revolution. Bei Marr selbst bietet diese Lehre keinen Anhalt für die Kritik, die Ferrero gegen die zweifelsohne stark verbreitete, wenn nicht herrschende Vorstellung von der sozialen Revolution richtet. Für Marg ist die soziale Revolution eine politische Revolution, die die politischen und rechtlichen Formen für die schon vorbereitete soziale Umwälzung schaffen soll. Die soziale Revolution ist aber zu einem Mythos geworden, der die Erwartungen der Maffen auf die sofortige wirtschaftliche und soziale Umwäl zung und Heilung aller Wunden nach der siegreichen politischen Revolution zusammenfaßte. In Rußland mußte indessen die siegreiche Revolution die Rückständigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung nachholen( gewaltsame Industrialisierung), und in Deutschland scheiterte die von der sozialt= stischen Bewegung beeinflußte Demokratie an der Unfähig= Teit, die dreifache Aufgabe zu lösen: thre Selbstbehauptung, die Befriedigung der unmittelbaren, nach dem verlorenen Kriege besonders brennenden Nöte und dem Umbau der wirtschaftlichen und sozialen Struktur. Die Frage, inwiefern das Scheitern der sozialistischen Bewegung auf die objektive Schwierigkeit oder sogar Unmöglichkeit und inwiefern auf die innere Schwäche der Bewegung selbst bzw. auf die falsche Politik ihrer Führung zurückzuführen ist, können wir hier nicht prüfen. Den Ausführungen von Ferrero gegenüber dürfen wir aber auf Grund des oben Gesagten feststellen, daß die sozialistische Bewegung nicht als eine ihrem Gehalt nach rein politische Bewegung betrachtet werden kann. Eine solche rein politische Freiheitsbewegung kann es auch nicht mehr geben, nachdem sich die Begrenzung der politischen Freiheit durch die wirtschaftliche Abhängigkeit offenbart hatte. Nicht die Verfnüpfung des politischen Freiheitstampfes mit dem Gedanken des wirtschaftlichen Umbaus der Gesellschaft ist dem Marrismus vorzuwerfen. Diese Verknüpfung ist jetzt erſt recht notwendig. Die Schwäche des marristischen Sozialismus in seiner späteren( und insbesondere deutschen) Form bestand unseres Erachtens vielmehr darin, daß er sich von den beiden für ihn lebenswichtigen Quellen, vom Macht und Freiheitswillen, sowie vom Willen zur wirtschaftlichen Umwälzung entfernte, indem eine eng wirtschaftliche, zuweilen rein sozialpolitische oder eine wiederum eng verwaltungspolitische Einstellung in seiner politischen Praxis vorherrschend wurde. Lezzen Endes war das auch der Hauptgrund, warum dem marxistischen Sozialismus auch seine psychologische Zauberkraft in einem so starken Maße verloren ging. Es versteht sich wohl von selbst, daß hiermit nicht die große Bedeutung der Sozialpolitit oder Verwaltungspolitik überhaupt bestritten, sondern die primäre und zentrale Bedeutung des politisch, wirtschaftlich und kulturell revolutionären Freiheitswillens im Sozialismus hervorgehoben wird. Es besteht ein Widerspruch zwischen der marxistischen Theorie und dem Handeln der sozialistischen Partei feit fünfzig Jahren. Die Theorie ist sozial, das Handeln( die Aktion) ist politisch. Dieser Widerspruch erklärt meines Erachtens gleichzeitig die großen Erfolge des Marxismus und seine merkwürdige Schwäche, deren das letzte und erschüt ternde Beispiel die deutsche Katastrophe war. und diejer Nur keine Jllusionen! Widerspruch gehört zu den wichtigsten Ursachen der polttischen Verwirrung, in der sich die westliche Welt verliert, denn er schließt sich an die Verwirrung der bürgerlichen Parteien und gibt damit der allgemeinen Unordnung die Intensität, die zur Katastrophe führen kann. Dieser Wille wird leben! Und mit ihm der Marxismus, als sein ideologischer Ausdruck und seine theoretische Be gründung. Dr. Friz Martens. Wir lassen diesen Ausführungen eine Erwiderung folgen, da und die von Ferrero aufgeworfenen Fragen als einer ernsthaften Diskussion wert erscheinen. Es handelt sich ja nicht um eine nur theoretische Ans gelegenheit, sondern um die Probleme von größter aktueller Bedeutung für das politische Handeln der Gegens wart und nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Zum Schluß seiner Ausführungen bentet Ferrero felbft an, daß die Erscheinungen, die von den anderen als Krise oder Zusammenbruch des Sozialismus bezeichnet werden, zur Katastrophe der gangen westlichen 3ivilisation führen können. Wo ist die Rettung zu suchen: in der Ausrottung" des Marrismus oder in seiner Wiederherstellung in der Form, die er vor der deutschen Katastrophe hatte, in feiner Ueberwindung durch eine von ganz anderen Borauslegungen ausgehenden Ideologie oder in seiner Wiedergeburt in einer durch das Feuer des großen historischen Brandes gereinigten Form? Das sind die Fragen, bie nicht bloß Diskussionsfragen für Anhänger und Gegner einer politischen Richtung, sondern wahrhaftig die Schicksalsfragen für unsere Zivis lisation find. Tua res agitur! Es geht um deine Sache. Daß muß jeder begreifen, für den diese Zivilisation mehr als ein leeres Wort ist. 2. Ein Marxist antwortet In seinen Betrachtungen über den Marxismus wendet Ferrero die Methode an, die der Marrismus selbst bei der Betrachtung verschiedener politischer Lehren anzuwenden pflegt. Hinter dem„ Schein" der Doktrin sucht Ferrero nach bem wirklichen Inhalt der Bestrebungen, durch die die Bewegung getragen wurde, nach dem Willen der Massen, dem die Theorie eine bestimmte Form gegeben hat. Den wirklichen Gehalt des Marrismus, den er mit der sozialt stischen Bewegung gleichzusehen scheint, sieht Ferrero im mächtigen Befreiungswillen der breiten Massen der sich gegen die oligarchische und autoritäre Unterdrückung richtet. Somit erscheint der Marrismus als eine direkte Fortsetzung der Kämpfe der französischen Revolution, und er gewinnt eine Machtstellung dort, wo diese Kämpfe nicht, wie in Frankreich selbst, zu einer weitgehenden Demokratisierung der politischen Ordnung geführt haben. Maßgebend ist für Ferrero seine Beobachtung, daß der Marrismus dort am stärksten war, wo der absolutistische Staat gar nicht( Rußland) oder sehr unzureichend( Deutschland) durch den Befreiungskampf des Bürgertums über wunden wurde. Diese Beobachtung trifft im wesentlichen zu. Ferrero erwähnt aber einen wesentlichen Umstand nicht nämlich den, daß jene Länder, die sozusagen„ perspätete" bürgerliche Revolutionen hatten, indem es in ihnen zum Konflikt zwischen dem Bürgertum und der alten Ordnung in der Seit fam, als der Gegensatz zwischen dem Bürgertum und dem Proletariat viel schärfer ausgeprägt war, als in England und in Frankreich in der Zeit vor ihren Revolutionen. Daher das historische Versagen des Bürgertums, seine Kapitulation vor oder sein Kompromiß mit den herrschenden Mächten der alten Ordnung und daher die Kritik dieses bürgerlichen Versagens, die allmählich zur ausgesprochenen proletarischen Kritik wurde. Diese Entwicklung läßt sich in allen ihren Phasen an der persön lichen Entwicklung des rheinländischen Liberalen Karl Marx aum Begründer des Marrismus verfolgen. Wurde aber der marristische Sozialismus in dem hier gezeichneten Sinne zum Erbe des politischen Liberalismus der französischen Revolution, übertragen in die Länder, wo die bürgerlichen Revolutionen nicht siegreich waren, so ergab sich aus der gleichen historischen Lage die Erkenntnis, daß „ Selbstmord einer Demokratie"- daß ist der Titel einer foeben im Graphia- Verlag in Prags Karlsbad erschienenen Schrift von Otto Friedrich. Wir entnehmen der 50 Seiten umfassenden Arbeit, die noch eingehend besprochen wird, die folgenden bemer tenswerten Säge: Nur feine Illusionen! Wer glaubte, daß durch eine stärfere nationale Wendung der Arbeiterbewegung mehr als Schreibtische und die Büroräume erhalten werden konnten, der irrte sich. Ebenso irren alle, die glauben, daß es heute noch sinnvoll sei, im alten Trott der Parteigespanne weiterzufahren, wenn der Weg auch ein Holzweg wird und kein Mensch in den Karren mehr einsteigen will. Worauf eẞ ankommt, ist, daß eine von Grund auf neue Arbeiterbewegung, zusammen mit Angestellten und Kleinbauern als Opposition in den ständischen Organisationen, in den Werkstätten, in den Kontoren und in den Kaders der Arbeitsdienstpflichtarmee langsam die Enttäuschten zu neuer Arbeit gewinnt. Das Ziel fann dann nicht ein Zurück zur Weimarer Republik sein, deren psychologische und rechtliche Grundlage und deren soziologischer Unterbau in den Parteien weitestgehend zerstört ist. Auf die Diktatur des Obrigkeitsstaates kann nur die Diktatur des Volksstaates folgen. Ein wirklicher Volksstaat kann nicht mehr in dem Liberalismus einer formalen Demokratie sich erschöpfen, er muß das Gesicht der arbeitenden Klassen tragen. Ohne jener Elitetheorie recht geben zu wollen, die von dem Franzosen Georges Sorel gepredigt, von Mussolini und Lenin angewandt und von Hitler durch seine Idee einer Rassenelite entstellt wurde, wird man sich doch darüber klar sein müssen, daß es gilt, an die Stelle schwerfälliger Parteiorganisationen einen beweglichen Stamm von jungen Kräften zu setzen, der die Initiative des revo lutionären Handelns übernimmt. Nur keine Illusionen! Man glaube nicht, daß, in einem Zeitalter, in dem die Eroberung des Staatsapparates den Stegern weitestgehende technische Mittel an die Hand gibt, um sich, selbst bei einer kritischen wirtschaftlichen Entwick lung, wie sie zu erwarten ist, kraftvoll zu behaupten, es möglich sei, durch Einzelmaßnahmen und Revolutionsspielereien etwas zu erreichen. Auch baue man nicht zu fehr auf außenpolitische Verwicklungen, die ein neues Bild ergeben könn ten. Am allerfalschesten wäre es freilich, hente noch auf Kon flitte zwischen Nationalsozialisten, Stahlhelm und Reichss wehr zu sehen. Erst wenn die Enttäuschung in den eigenen und getreuesten Reihen des Nationalsozialismus eingetreten ist, erst wenn der deutsche Untertan in der Schule der Diftatur den Segen jener Freiheit schäßen gelernt hat, nach der er sich heute nicht einmal sehnt, ja, die er als liberalistisches ueberbleibsel bekämpft, erst dann ist der Augenblick für eine Opposition gekommen... Hitler 1923- Hitler 1933 ,, Wer lügt, muß ein gutes Gedächtnis haben" Jm Juli dieses Jahres veröffentlichte, die gesamte deutsche Presse einen Artikel Lord Rothermeres über das„ dritte Reich" in größter Aufmachung. Wie ein frischer Wind," schrieb damals eine große bürgerliche Zeitung, fährt Lord Rothermeres Artikel durch den englischen Zeitungswald... Lord Rothermere zeigt, daß er zu denen gehört, die den neuen Geisteshauch verspüren..." Die Meinung des englischen Zeitungskönigs erschien der nationalsozialistischen Propaganda von einzigartigem Wert. Sie offenbarte zwar weder Geist noch Tiefe, aber sie enthielt wenigstens einige anerkennende Worte für die neue Ordnung. Bis dahin hatte fich nämlich kaum ein Ausländer von einigem Rang gefunden, der bereit gewesen wäre, seinen Namen für nationalsozialistische Zwecke herzugeben. Aber der tüchtige Zeitungsverleger Lord Rothermere wußte sicherlich, was er tat... Er ist der Bruder des verstorbenen Alfred Charles William Harmsworth, späteren Visconts Northcliffe, dem er in der Leitung des bekannten Zeitungskonzerns nachfolgte. Jenem Lord Northcliffe widmete der " Führer" vor etwas mehr als zehn Jahren folgende Betrachtung: „ Wer aber ist der Chef der gesamten britischen Welts händlerpresse? Ein Name kristallisiert sich heraus: Northcliffe!- Ein Jude! Er sendet wöchentlich 30 Millionen Zeitungen in die Welt. Und zu 99 Prozent befindet sich die Presse Englands in jüdischen Händen. „ Jedes neugeborene deutsche Kind kostet einem Briten das Leben!"„ Es gibt keinen Briten, der durch die Nieders BRIEFKASTEN Zürich. Wir sind zwar kein sozialdemokratisches Parteiblatt, aber noch weniger ein kommunistisches. Hatten Sie das etwa erwartet? Ihr Brief mit seinen Thesen und Punkten wirkt komisch. Sie scheinen die Komintern für unfehlbar zu halten und eine Kritik an der KP. für Gotteslästerung. So fromm sind wir nicht. Weder ge= genüber politischen noch religiösen Päpsten. Daß unser Kampf in der Hauptsache den deutschen Faschisten gilt, ist selbstverständlich. Wenn Sie die Freiheit" mit einiger Aufmerksamkeit und mit gutem Willen gelesen hätten, müßten Sie bemerkt haben, daß wir die Faschisten und Chauvinisten in anderen Ländern auch nicht für Engel halten. Schließlich sollten Sie begreifen, daß unser junges Blatt auch redaktionell noch in Entwicklung ist. Aber noch einmal: ,, linientreu" wird es nicht. Wir binden uns an feines der alten Parteiprogramme. Buffalo, N. y. Besten Dank für die Zusendung der katholischen " Aurora" und" Christlichen Woche". Das ist eine Sprache, die es für die deutschen Katholiken nicht mehr gibt. Sie können froh sein, daß das Blatt nicht der Diktatur Hitlers und der katholischen Bischöfe Deutschlands untersteht. Colmar. Wir wollen Ihre dankenswerte Einsendung nicht veröffentlichen. Wie Sie schon richtig vermuten, würde der Kerl an den Schußhäftlingen Rache nehmen. Es ist hinreichend bekannt, daß der jetzige Reichsstatthalter Mutschmann während des Krieges Garn- Großschieber gewesen ist. Auf einen mehr oder weniger kommt es bei den Qualitäten der Nazi- Oberbonzen des Nationalsozialismus wirklich nicht an. A. Z., Zürich. Auch dafür haben wir Adresse. Wir bitten um Zus sendung der Broschüre. Basel. Es ist nicht das erstemal, daß uns aus Ihrer Stadt und aus anderen Städten der Schweiz terroristische Ausschreitungen gegen Verkäufer der Deutschen Freiheit" gemeldet werden. Einige Zeitungen der Schweiz haben die Behörden Ihres Landes auf diese barbarischen Methoden des politischen Kampfes aufmerksam gemocht. Unser Blatt ist in der Schweiz schon so verbreitet, daß die Wut der Nazis und der verschiedenen Frontisten" begreiflich ist. J. W., Barcelona. Danke! Das Thema liegt aber zu abseits von unseren journalistischen Aufgaben. Die werfung Deutschlands nicht gewinnen würde!" So wird mit den gemeinsten Schlagworten an die niedersten Instinkte appelliert; es wird gehegt mit Behauptungen, Verleumdungen und Versprechungen, wie sie nur der Jude zu erfinnen vermag, wie sie nur Judenblätter einem arischen Volke vorzusezen wagen!" Wir finden die kostbaren Worte Adolf Hitlers auf Seite 47 der Sammlung seiner Reden, die jüngst Dr. Ernst Boepple zu München herausgegeben und verlegt hat. Ein alter, weiser Jude unserer Bekanntschaft pflegt Als Adolf Hitler Lord Rothermere zu seinem Propa zu sagen:„ Wer lügt, muß ein gutes Gedächtnis haben. gandisten in England bestellte, erinnerte er sich gewiß nicht mehr jener Rede, in der er den Bruder, Lord Northcliffe, zum Juden ernannt und als Schurken und Berleumder hingestellt hat. Wie peinlich ist das heute! Lord Rothermere, der beste englische Freund Hitlers, ein Jude? Unmöglich. Aber die Geschichte ist lehrreich. Sie zeigt, daß der große Adolf Hitler, den vor einigen Tagen ein Byzan finer, der Nürnberger Oberbürgermeister, als„ Ritter ohne Furcht und Tadel" verherrlicht hat, mit gemeinen Verleumdungen die Massen aufhezte und aufhetzt. Die schlimmsten Feinde Deutschlands werden zu Juden gemacht, um die Juden in Deutschland dem Haß und der Verfolgung der Massen auszuliefern. Eine solche Handlungsweise ist von allen gesitteten Menschen stets als gewissenlose Demagogie bezeichnet worden. Wer Hitler aber als„ Ritter ohne Furcht und Tadel" beWer Hitler aber als„ Ritter ohne Furcht und Tadel" bezeichnet, der ist ein Speichellecker. An mehrere. Für die Zeitungsausschnitte vielen Dank. Auch was zur Verarbeitung im Blatte nicht verwendet wird, leistet als Information gute Dienste. Wir können nicht alle Zeitungen lesen. Gerade die kleine Provinzpresse in Deutschland ist recht aufschlußreich. A. N., Bern. Briefe und Zeitungsausschnitte hochinteressant. Beides werden Sie bei uns gedruckt sehen. Grüßen Sie Ihre Freunde in Deutschland zum nächsten Geburtstag" von uns. Es ist lustig zu lesen, unter wie vielen geschickten Tarnungen die Arbeit gelingt. Bob. Dank für Brief. Ihre Mitteilungen haben ernsthafte Leser gefunden, die für jede Notiz dankbar sind. Ueber Auffassungen läßt sich immer streiten. Wir legen in die fraglichen Notizen und in das Lied einen anderen Sinn hinein, doch wir geben zu, daß manche Dinge nachher von scharfäugigen Leuten Ihres Schlages problematischer gesehen werden, als es für uns der Fall war. Im Gefühl, nicht zu den Unfehlbaren zu gehören und immer Objekte und BeIchrung zu sein und zu bleiben. Gruß und Handschlag. Brüssel. Sie schreiben uns:„ Daß ein großes Konfektionshaus in Brüssel Boulevard ein Plakat aushängt, auf dem abgebildet ist, wie ein deutscher Flüchtling aus dem Zug steigt und von der belgischen Bevölkerung mit offenen Armen" empfangen wird. Weiter ist abgebildet, wie dem Flüchtling, der ein Geschäft aufgemacht hat, die belgische Kundschaft zuströmt, wogegen der belgische Geschäftsmann nebenan sein Geschäft schließen muß. Zum Ueberfluß ist der Deutsche in einem langen Talar und mit der bekannten nicht- arischen Nase dargestellt." Ihre Mitteilung beweist, daß auch außerhalb Deutschlands noch manche Erziehungsarbeit zu leisten ist, was wir nie bezweifelt haben. Helveticus. Bitte nicht ungeduldig werden. Ihre Beiträge sind nicht an den Tag gebunden und bleiben deshalb manchmal einige Tage im Saß stehen. Bei Beurteilung des Pariser Berichts„ kein Präventivkrieg" haben Sie übersehen, daß es sich um die Auffassung maßgebender Kreise Frankreichs handelt. Wer die Stimmungen drüben kennt, wird unserem Berichterstatter Recht geben müssen. Ihr Vorschlag, Herrn Göring auch noch den Titel„ Oberbrandmeister" zu verleihen, wird von Hitler offiziell kaum angenommen Die Frauen wollen nicht Absage an die Nazis " K. S. Die Wiener Arbeiter- Zeitung" stellt aus dem Artikel einer schon lange in der Bewegung stehenden Frau im„ Bölkischen Beobachter" fest, daß die Bemühungen der siegreichen Bewegung um Ausdehnung ihrer Anhängerschaft in weiteren Kreisen über den Rahmen der schon lange bekannten„ Hitler- Mädel", jener unerquicklichen Anhängsel der braunen Männer horden, hinaus, völlig vergeblich geblieben sind. Die Zahlen der Neuaufnahmen in die Partei zeigen, wie sich der Mann, der für politisches Denken mehr befähigt ist als die Frau, in die Kolonnen unseres Führers einreihen die in den Frauenschaften eine Heimstätte vorhanden ist? will. Wo aber bleibt die deutsche Frau, für die durch keine Frauenvereine bisher gebunden war oder Vor allem vermißt wird die deutsche Hausfrau, nur durch solche Vereine, welche, weil margistisch, aufgelöst worden sind. Mit einem Wort, die Frau un serer Arbeiter, unserer neuen NSBO.- Mitglieder." Wir wollen hier unerörtert lassen, wie viele der neuen NSBO.- Mitglieder männlichen Geschlechts wirklich als Verstärkung jener Bewegung anzusehen sind, ein wie großer Teil von ihnen auf gezwungene, durch Todesangst oder Angst ums Brot Gefesselte entfällt, wieviele auf jene gedankenlosen oder eigennützigen Elemente, die jedem Klamauk" zulaufen und sich jedem erfolgreichen Abenteurer an die Rockschöße hängen: wichtig aber ist das Zügeständnis, daß die Frauen in ihrer Masse nichts mit diesen Elementen zu tun haben wollen. Wie sollten auch Frauen und gar Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen ohne äußersten 3wang einer Rotte Menschen zulaufen, die in ihrem rohen Geschlechtsübermut das weibliche Geschlecht für politisch minderwertig er klärt und ihm darum alle politischen Rechte vorent. hält? Wie sollten Lohnarbeiterinnen einer Bewegung anhängen, die in rücksichtsloser Brutalität überall massenhaft weibliche Arbeiter und Angestellte aufs Pflaster wirft, um für männliche Arbeitskräfte, zus mal mit der schönen Parole vom Bostensuchen, Plätze frei zu machen? Wie sollten Hausfrauen, die genötigt sind, mit dem Pfennig zu rechnen, eine Politik gutheißen, die dem Hungerlohnempfänger und Arbeitslosen das Stück Brot um das Mehrfache des Weltmarktpreises ver teuert und ihm das Stückchen Margarine vom Munde wegnimmt? Wie eine gewissenhafte Mutter den Kulturschändern zujubeln, die ihre Kinder heute der Gemütsverrohung überliefern, um sie demnächst zum kriegerischen Massenmord zu verwenden und nebst dem gesamten Volke den Fliegerbomben und Giftgasen preiszugeben? Wenn unsere großen deutschen Dichter gerade den Frauen die Aufgabe zuerkennen, den Kern milder Ge sinnung und edlen Fühlens am häuslichen Herde zu pflegen, dann muß es als ein Trost im Elend erscheinen, daß jene braunen Weiber, die den Verwüstern zahlloser Heimstätten, den Schändern deutscher Kultur besinnungslos nachrennen, nur eine geringe Anhängerschaft unter den deutschen Frauen werben konnten. Und vor allem die proletarische Frau, zur Wertung edler Menschlichkeit erzogen und im Kampf mit Not und Terror gestählt, wird auch weiterhin der Unmenschlichkeit die Gefolgschaft verweigern! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Piz in Dudweiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schüßenstraße 5. werden. Im Stillen wird der Oberofaf feinen Spießgefellen aller Werbt für die ,, Deutsche Freiheit"! dings noch mit ganz anderen Titulaturen belegen. „ Deutschie Freiheit" Wissen ist Macht! Ungarischer Csárda muß man regelmäßig fesen Abonnieren Sie sofort! Besteffschiein: Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutsche Freiheit" Genaue Adresse: Unterschrift: Die einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Verlag der., Deutschfien Freifieit" Saarbrücken 3, Schützenstraße 5. Postschließfach Lesen Sie Marx- Kautsky Lohnarbeit und Kapital brosch. 1,00 Fr. Die historische Aufgabe der Sozialdemokratie brosch. 1,00 Fr. Marx der Denker u. Kämpfer brosch. 6,10 Fr. Bauer Kapitalismus und Sozialismus nach dem Weltkriege brosch. 10,00 Fr. Zschimmer Die Überwindung des Kapitalismus. Marx Kapital . Bebel, Aus meinem Leben Mehring, Karl Marx: Geschichte seines Lebens • geb. 15,00 Fr. geb. 18,00 Fr. geb. 22,50 Fr. geb. 29,30 Fr. Cunow, Die Marxsche Geschichts-, Gesellschafts- u. Staatstheorie geb. 30,00 Fr. Krämer, Blutmärz, Hakenkreuzbanditentum Terror in Braunschweig brosch. 2,00 Fr. brosch. 3,00 Fr. Jacob, Die Hindenburgiegende brosch. 4,00 Fr. Erhard, Assassins( Neuerscheinung) französisch Testis, Das Dritte Reich stellt sich vor Marley, Das Braunbuch brosch. 5,00 Fr. brosch. 6,00 Fr. brosch. 18,00 Fr. geb. 24,00 Fr. Lehmann- Rußbüldt, Die blutige Internationale d. Rüstungsind. brosch, 3,00 Fr. Hans Paascha, Lukanga Mukara brosch. 5,00 Fr. Hiesgen, Verdun bis Stinnes. brosch. 6,00 Fr. Johannsen, Vier von der Infant. brosch. 13.00 Fr. Hoffmann, Frontsoldaten brosch. 15,00 Fr. Silone, Fontamara( Neuersch.) geb. 25,00 Fr. Librairie Populaire Strasbourg. 2, rue Sedillot 2 bei der Bourse Elsässische Hemdeniabrik sucht branchekundige, tüchtige Vertreter mit Auto für Saar, Elsaß- Lothringen und noch für einige Departements Frankreichs mit hoher Provision und teils Reisevergütung. Ausführliche Offerten mit Referenzen unt. Nr. 163 an die Geschä tsstelle dieses Blattes erbeten. Auberge Hongroise 76, Rue Mazarine, Paris 6é Métro Odéon Wiener, Ungarische Küche Französische Spezialitäten Prix fix Menü 8.- francs einschl. Getränk. 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