Freiheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 72-1. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 12. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Die ,, Zucht und Ordnung" ist nicht weit her, Die euch verschafft das Maschinengewehr. Sie ist gebaut auf Blut und Leichen, Wie sie gekommen, so wird sie weichen! Karl Henckell 460 Blutopfer Hitlers à Eine sehr unvollständige Liste- 20 Morde gibt der Reichskanzler zu- In Wahrheit ist ein halbes Tausend erwiesen Sitler hat einem amerikanischen Interviewer gegen über die Behauptung aufgestellt, daß bei der national fozialistischen Revolution, noch keine zwanzig Menschen" ums Leben gekommen seien. Den dreisten Schwindel Hitlers enthüllt folgende Aufstellung. Sie enthält nur einen Teil, wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der Menschen, die dem nationalsozialistischen Regierungsfystem zum Opfer gefallen sind. Es sind in ihr nur die feit den Tagen unmittelbar vor dem 5. März der Deffentlichkeit bekannt gewordenen, in der Presse veröffent lichten Fälle enthalten. Biel größer wahrscheinlich ist die Zahl ber verheimlichten Todesopfer. Ihre Menge dürfte mit den massenhaften Verschleppungen in die Ronzentrationslager zugenommen haben, wo die Nazihorden unbeaufsichtigt und ohne Furcht vor Strafe ihrem Sadismus frönen dürfen. 3mei Rubriken sind in Gänsefüßchen gesetzt. Die Deffentlichkeit in Deutschland und außerhalb weiß, daß die Beherrscher des„ dritten Reiches", die das deutsche Volk zur Heldenhaftigkeit erziehen wollen, zu feige sind, einzugestehen, daß der Mord ihr oberstes Regierungsprinzip ist. Was in Deutschland die Bezeichnung auf der Flucht erschossen" zu bedeuten hat, ist der Welt seit der Ermordung Karl Liebknechts bekannt. Von den„ Selbst. morden" entfällt offenbar der geringste Teil auf die jenigen, die das Glück, im„ dritten Reiche" zu wohnen, nicht schäzen gelernt haben. Der größte Teil der Selbstmorde verdient den Namen„ Freitod" nicht. Jhre Opfer haben entweder das kleinere Uebel der Selbstentleibung dem qualvolleren Tod der Folterung vorgezogen oder sie find einfach gemordet und der Mord durch eine lügenhafte Bezeichnung getarnt worden. Allein die hier auf geführte Liste ergibt über 460 Blutopfer der braunen Bestialität Einzelmorde 2. März, Worms: Naziüberfall auf Volkshaus, dessen Wirt und ein Kommunist erschossen. Gleiwig: Sturm der SA. auf Arbeitsamt, einige kommunistische Arbeiter erschossen. Ohlan: Zwei Gewerkschaftsangestellte im Büro des Gewerkschaftshauses erschossen. 8. März, Bremen: Bremen: Ein Reichsbannermann nach schweren Verlegungen gestorben. 4. März, Thaleschweiler: Naziüberfall auf Werbungsumzug der Eisernen Front. Ein Mann der Eisernen Front tot, mehrere andere schwer verletzt. 10. Mära, Königsberg: Raufmann Max Neumann, Jude, im Krankenhaus den von SA. zugefügten Ver legungen erlegen. 11. März, Chemnitz: Sozialdemokratischer Stadtrat Landgraf bei Besegung des Volkshauses von hinten erschoffen. Braunschweig: Bei Besetzung des sozialdemokratischen „ Bolksfreund" Werbeleiter Hans Sailer von Nazis durch 17 Schüffe getötet. 12. März, Riel: Rechtsanwalt Spiegel von Nazi- Eins bringlingen erschossen. Felgeleben bei Magdeburg: Sozialdemokratischer Stadtrat Kresse getötet. 16. März, Berlin: Ans SA.- Kaserne Friedrichstraße 248 fieben Tote abtransportiert. 18. März, Berlin: Rechtsanwalt Günther Joachim, Jude, Sozialdemokrat, Reichsbannerverteidiger, den in der SA.- Raferne Ulap erlittenen Mißhandlungen erlegen. 22. März, Berlin: In Wilmersdorf ein Arbeiter von Nazis erschossen. In Spandau Führer der sozialistischen Arbeiterjugend Erich Mayer als verstümmelter Leichnam aufgefunden. 8. April: Fememord an Dr. Bell bei Kufstein in Tirol durch deutsche Hilfspolizisten. 9. April, Berlin: Hellseher Erik Jan Hanussen ers mordet aufgefunden. 17. April, Berlin: Frik Golosche aus Charlottenburg an Folgen schwerer Mißhandlung gestorben. Etwa 15. April, Ghemnik: Rechtsanwalt Dr. Weimer, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, auf der Landstraße ermordet aufgefunden. April, Berlin: 16jähriger fommunistischer Arbeiter Rindermann in Gegenwart seiner Mutter Schädel zers schmettert. April, Braunschweig: Postbeamter Wilhelm Grotes henn aus Langelsheim zu Tode geschleift und getreten. 12. Mai, Berlin: Sozialdemokratischer Parteifunktionär Artur Müller von SA. verschleppt und zu Tode mißhandelt. 22. Mai, Braunschweig: Matthias Theißen, Ge= schäftsführer der Zahlstelle Braunschweig des Baugewerks Johann Wiesmann, Anton Hauslader, Funktionär RGO., Max Holy, Landessekretär Rote Hilfe, Bezirk Südbayern, ( verschollen), Josef Göz., APD., Wilhem Aron, Justizratssohn, Referendar, 22 Jahre alt. bundes nach viehischen Quälereien im Kathol. Kranken Auf der Flucht erschossen" haus gestorben. 28. Juni, Düsseldorf: Uhrmacher Eduard Kabus im Keller seiner Wohnung erschossen aufgefunden. 3widau: In einem Teich bei Hartmannsdorf, Erzgeb., Leiche eines jungen Mannes, seit 8. Junt in Chemni vermißt, aufgefunden. Bis Anfang Juli von Münchener Zeitungen 41 Ermordete gemeldet 18. Juli, Berlin: Der frühere kommunistische Lands tagsabgeordnete Karl Schulz im Gefängnis Spandan erschlagen. 17. Juli, Frankfurt a. M.: Landtagsabgeordneter Dr. Schäfer, Veröffentlicher der Bogheimer Dokumente, erschossen. 28. Juli, Leverkusen: Erwerbsloser Jaskowiak von SS. erschossen. 31. Juli, Iserlohn: Kommunist Soledki von zwei Hilfspolizisten durch Kopfschuß getötet. Massenmorde AP Ueberfall von Köpenick in der Nacht vom 21. zum 22. Jnui: Mehr als 20 Menschen zu Tode gefoltert. Davon find 11 dem Namen nach bekannt. Es find: 1. Richard Aßmann, Reichsbannerführer, Berlin- Friedrichss hagen, Friedrichsstraße 114. 2. Paul von Effer, Reichsbannerführer, Berlin- Köpenick, Dahlwiger Platz 9. 8. Johannes Stelling. 4. Erich Janigti. Kommunist, Berlin- Köpenid, Mittelheide 3. 5. R. Krahl, Sozialdemokrat, Berlin- Adlershof, Handjeristraße 36. 6. Paul Pohl, Sozialdemokrat, Berlin- Köpenick, Gutenbergs straße 10. 7. Karl Podert, Kommunist, Berlin- Friedrichshagen, Müggels seedamm 177. 8. Anton Schmans, Sozialdemokrat, Berlin- Köpenick, Alte Dahlwiger Straße 2. 9. Hans Schmaus, Sozialdemokrat, Berlin- Köpenick, Alte Dahlwiger Straße 2. 22. März, Löbau: Ein Kommunist von SA.- Lenten bei Besehung der sozialdemokratischen Volkszeitung. 3. April, Bonn: Kommunist Renals auf dem Wege aus Wohnung zur Wache. 18. April, Ronzentrationslager Dachau: 3 Kommunisten( 1 Kommunist und 1 Zentrumsmann schwer verlegt). 19. April, Königsberg: Arbeiter Toleit. 25. April: Arbeiter Paul Herba zwischen Lübben und Lübbenau von Bahnpolizei. 28. April, Redlinghausen: Kommunistenführer Albert Funk aus Dortmund( Wolff- Büro). 2. Mai, Rostock: Landwirt Andreas v. Fiotow, Altheide bei Ribniz nach der Verhaftung( Wolff- Büro). 19. Mai Konzentrationslager Dachau: Schuh haftgefangener Hausmann. 22. Mai Konzentrationslager bei Chemniz: 4 kommunistische Häftlinge. Anfang Mai: Reichstagsabgeordneter Biedermann, Hams, burg, Sozialdemokrat, angeblich aus dem fahrenden Schnells zug gesprungen. 30. Mai: Ronzentrationslager Geuberg: 2 politische Gefangene. 10. Juni, Essen: Karl Lottes, Kommunist, Strafges fangener. 21. Juni, Arnswalde: Kommunist Altenburg von SA. bei Ueberführung ins Gerichtsgefängnis Landsberg. 14. Juli: 3 Rommunisten bei Ueberführung nach dem Kons zentrationslager Sonneberg( Wolff- Büro). 19. Juli: Ronzentrationslager Wilsede: 2 inhaftierte SA.- Leute, Konzentrationslager Dachau: Dr. Alfred Strauß, Rechtsanwalt, München. 8. August: Felix Fechenbach, auf dem Wege nach dem Rons zentrationslager. 9. August: 3 SA.- Leute im Konzentrationslager Dürrheim, Baden, wo 100 SA.- Leute inhaftiert. 10. Paul Spiker, Kommunist, Berlin- Köpenid, Müggel Selbstmorde heimer Straße 4. 11. Josef Spizer, Kommunist, Berlin- Köpenid, Glienicker Straße 59. Im ganzen find ca. 800 Menschen nach vier Lokalen ge= bracht und dort stundenlang gequält worden. Ueberfall von Braunschweig in der Nacht bez 4. Juli: 20 Menschenleben vernichtet worden. Davon sind dem Namen nach bekannt geworden: Otto Rock, Reichsbannerführer, 22 Jahr alt, Benno Ehlers, 19 Jahre alt, Karl Wolf, Kommunist, Erich Schelpmann. Kommunist, Hermann, Basse Sozialdemokrat, Sekretär des Eisens bahnerverbandes. 10 Mann am 4. Juli im früheren ADGB.- Hans Rieseberg erschoffen. Ueberfall auf Laubenkolonie bei Leipzig am 3. Juli: 12 Arbeiter nach fürchterlichem Kampf von SA. getötet. Braunschweig am 25. Juli: Ein SA.- Mann erschossen, darauf wahlles 10 Kommunisten. Konzentrationslager Dachau: Von den dort Ger morderten sind die folgenden mit Namen bekannt: Arthur Kahn Provisionsreisender, Nürnberg, Erwin Kahn, Kaufmann München, Goldmann, Reisevertreter, Nürnberg, Dr. Alfred Benario, München, Polizeimajor Hunglinger, München, Sebastian Megger, München, 315 Michael Sigmann. SPD., Vorstand der Ortskrankenkaffe Pafing, Karl Lehrburger, Nürnberg, Funktionär der APD. Nords bayern, 12. April, Breslau: Bakteriologe Prof. Scheller nach Entlassung aus Schußhaft. 13. April, Düsseldorf: Beigeordneter Dr. Obentirs chen in der Zelle des Polizeigewahrsama. the Krefeld: Beigeordneter Dr. Beyer in seiner Wohnung. 14. April: Früherer Geschäftsführer beim Hauptverband deutscher Krankenkassen, Ebel, wegen Untersuchung der Ges schäftsführung in Untersuchungshaft genommen. Dortmund: Rechtsanwalt Dr. Elias, in Haft genoms men. Direktor Emil Otto aus München bei Karlsbad erhängt aufgefunden. 16. April, Reichenbach i. V.: Albert Janke, früherer kommunistischer Reichstagsabgeordneter, im Gefängnis. April, Bündheim b. Braunschweig: Konsumges schäftsführer Wilhelm Reupke. April, Seesen bei Braunschweig: Jüdischer Raufs mann Geer im Gefängnis. 19. April, Königsberg: Rechtsanwalt Gaspary jun. an Selbstmordversuch durch Aufschneiden der Pulsadern ges hindert. 35. April, im D- 3ug Berlin Benthen: Bise heriger Generalintendant des oberschlesischen Landestheaters Illing. Haftbefehl wegen angeblicher Korruption. 9. Mai, Berlin: Der 46jährige Bankbeamte Ernst Kay und seine 44jährige Ehefran Lina, Tochter Scheidemanns, in ihrer Friedenauer Wohnung. Leer: Der frühere Bürgermeister von Leer( Amtsents hebung und Untersuchung). Berlin: Tennismeisterin Nelli Neppach, Jüdin, in ihrer Wohnung. 7. nnd 8. Mai, Stuttgart: Ehemaliger demokratischer Stadtrat Dr. Göser und der agrarische Führer Harms, Breslau: Dr. Ernst Eckstein, Führer der Sozialistischen deutschen Arbeiterpartei, nach mißlungenem Selbstmords versuch in Heilanstalt gestorben. Berlin: Langjähriger Reichstagsabgeordneter und Fraktionsführer der Deutschnationalen Dr. Oberfohren. Staatsamtsrat Walter Sabolowski. 9. Inni: Reichstagsabgeordnete Toni Pfülff, durch Schlafs mittel vergiftet. Franz Dressel, kommunistischer Landtagsabgeordneter, Konzentrationslager Dachan,„ Selbstmord durch Oeffnen der Pulsader", in Wirklichkeit totgeschlagen, dann Pulss ader geöffnet. 11. Juli, Berlin: 2 Sitlerinngen in der Nähe der Havel bei Brandenburg( Boffische Zeitung"). 18. Juli, Paris: Ehemaliger Staatssekretär und Senats= präsident Freymuth mit Gattin im Hotel. Der Papst ist verstimmt Verzögerung in der Unterzeichnung des Konkordats Die schon gemeldete Spannung zwischen dem Vatikan und der Reichsregierung beschäftigt seit Sonntag die Auslandspresse: London, 11. Sept. Der„ Daily Expreß" erfährt von seinem Korrespondenten, daß in Rom Gerüchte zirkulieren, nach denen der Papst sich weigert, das Konkordat zu ratifizieren, daß von den Vertretern des Deutschen Reiches und des Heiligen Stuhls am 20. Juli unterzeichnet worden ift. Während man diese Nachricht in Berlin ignoriert, 22. Juli, Hamburg: Hugo Feddersen, Kommunist, weigert der Vatikan sich, sie zu dementieren. Todesstrafe beantragt, in der Zelle. 30. Juli, Bochum: Der frühere Oberbürgermeister von Bochum( Conti- Büro). 11. August, Leipzig: Prof. Dr. Ludwig Neubed, frühes rer Intendant der Mitteldeutschen Rundfunk- Gesellschaft in der Gefängnißzelle. Köln: Otto Fach, Treuhänder( Görreshans- Prozeß) in der Gefängnißzelle. Sozialdemokrat Glaser and Ottendorf bei Gebnig im Kons gentrationslager Burg Hohenftein. Baris, 11. September. Echo de Paris meldet: Man versichert in Kreisen des Vatikans, daß die Ratifizierung des Konkordats zwischen dem Reich und dem Heiligen Stuhl eine gewisse Verzögerung erfahren wird. In erster Linie verweist man dabei auf die Abwesenheit des Kardinal staatssekretärs, der, wie in jedem Jahr, seine Ferien in der Schweiz verbringt. Man fügt aber auch hinzu, daß sich in den letzten Wochen eine gewisse Verschiedenheit der Gesichtspunkte bei den beiden vertragsschließenden Parteien gezeigt hätte. Man zeigt einen gewissen Optimismus und will nicht Todesurtelle und Minrichtungen glauben, daß die Ratifikation des Bertrages in Frage gestellt fel. Indeffen muß zugegeben werden, daß die An28. Mai, Chemnit: Rommunisten Bartl und Winkler wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode verurteilt. 27. Juli, Bamberg: Diensttnecht Schriefer wegen Ers mordung eines SA.- Mannes zum Tode verurteilt. B. August, Darmstadt: Büchler wegen schweren Lands friedensbruches in Tateinheit mit Totschlag vom Sonders gericht zum Tode verurteilt. 31. Juli, Berlin: 2 SA.- Leute wegen Verteilung fommus nistischer Flugblätter, hingerichtet( Urteil: 29. Juli). 31. August, Altona: 4 Kommunisten, Lüttgens, Möller, Karl Wolff, Tesch, hingerichtet. In Deutschland werden jetzt bekanntlich Morde und Mordversuche an Nationalsozialisten mit dem Tode bestraft, während Morde, die von Nationalsozialisten begangen werden, ungefühnt bleiben. Bei solcher Einseitigkeit der Justizmaschinerie sind Hinrichtungen dann auch nur gemeine Morde. Vom 23. Mai bis 1. August wurden 10 Menschen wegen angeblicher politischer Verbrechen hingerichtet. Hitler hat geglaubt, bie amerikanische Deffentlichkeit badurch beruhigen zu können, daß er die Zahl der von seinen Freunden begangenen Morde auf„ noch nicht 20" herabgeschwindelt hat. Wie sehr er gelogen hat, beweist unsere Darstellung. Wir erwarten von der Weltpresse, soweit sie Hitlers Behauptungen wiedergegeben hat, daß sie auch unsere Widerlegung zur Kenntnis ihrer Leser Seitdem diese grauenhafte Liste abgeschloffen wurde, ist der Professor Theodor Lessing in Marien bad von der nationalsozialistischen Feme erschossen worden, sind mehrere Erschießungen auf der Flucht" gemeldet und sind mehrere politische Hinrichtungen erfolgt. Etwa zwanzig bisher nicht bestätigte Todesurteile liegen noch vor. gelegenheit einen ziemlich ernsten Charakter angenommen hat.... Aber die innerpolitischen Ereignisse in Deutschland scheinen alle Befürchtungen des Heiligen Stuhls zu rechtfertigen; die Verfolgung gewisser katholischer Elemente hat nicht aufgehört; die Verherrlichung der deutschen Rasse wird immer maßloser sehr im Widerspruch zu der katholischen Lehre, die sich zur Gleichheit der Rassen vor Gott befennt. Andererseits scheint die Reichsregierung nicht geneigt, ihre Verpflichtung, den katholischen Schulunterricht nicht zu behindern, noch anzuerkennen, denn dieser Unterricht kann nicht allein dogmatisch sein, sondern auch erzieherisch und moralisch. Endlich sind auch zahlreiche Fälle ge= meldet worden, in denen sich deutsche Seminaristen in der Verfolgung ihrer kirchlischen Laufbahn behindert gesehen haben, weil sie sich den militärischen Organisationen im Reich nicht eingeordnet haben. Ist es noch nötig, zu erwähnen, daß die Errichtung von elf protestantischen Bischofssisen allein in PreuBen nicht gerade den Wunsch der Hitlerregierung verrät, die den Wagen herumzureißen; dieser faufte über den Straßenrand den steilen Abhang hinunter, sich dabei mehrfach überschlagend. Die Insassen wurden aus dem Wagen herausgeschleudert. Neun A.- Männer fonnten nur als Reichen geborgen werden, 32 mußten zum Teil mit schweren Berlegungen- in die Krankenhäuser nach Solingen geschafft werden. Die sofort alarmierte Feuerwehr und die Sanitätsmannschaft leisteten die erste Hilfe. Eine Untersuchungskommission wurde sofort zur Unglücksstelle entsandt. Die Schuldfrage fonnte bisher noch nicht geklärt werden. Hitler, der Anstifter dieser vielen Morde, aber lügt, Meuternde SA. Deutschland habe eine„ unblutige Revolution" erlebt. Mierendorff Leuschner Aus Frankfurt wird uns geschrieben: Der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Carlo Mierendorff sizzt noch immer in Einzelhaft im Konzentrationslager Osthofen. Leuschner, der frühere hessische Innenminister, ist nach furchtbaren Mißhandlungen in das Zuchthaus Butzbach überführt worden. Einstein Tag und Nacht bewacht London, 10. Sept.„ Daily Herald" meldet, daß Profeffor Einstein, auf deffen Kopf von den Nazis eine Mordprämie von 1000 Pfund Sterling gelegt worden ist, Tag und Nacht von belgischer Polizei bewacht wird. Nach einer Meldung des Daily Expreß" will Professor Einstein auf der Nacht eines Freundes, Belgien mit unbestimmtem Ziel unverzüglich verlassen. Grenzen des Pazifismus Eine Erklärung Einsteins Brüssel, 10. Sept.( Savas.) Cin Brüffeler Antimilitarist, der sich im Busammenhang mit der Angelegenheit zweier Dienstverweigerer aus Gewissensgründen an Professor Einstein gewandt hatte, erhielt von diesem einen Brief, in dem £ 8 u. a. heißt: Vor kurzer Zeit noch konnte der Militarismus in Europa erfolgreich bekämpft werden. Heute sind die Verhältnisse von Grund aus geändert. Deutschland bereitet sich mit allen Mitteln auf den Krieg vor. Unter diesen Umständen befinden sich die lateinischen Länder, besonders Frankreich und Belgien, in sehr großer Gefahr. Wenn ich Belgier wäre, würde ich heute den Militärdienst nicht mehr ablehnen; ich würde ihn im Gegenteil freiwilig leisten im Gefühle, damit an der Errettung der europäischen Zivilisation mitzuwirken." Neun SA.- Tote Auto stürzt einen Abhang hinab Wuppertal, 10. Sept. 1933. Ein mit etwa 45 SA.- Männern aus Bochum besetzter Lafts Kraftwagen stürzte auf der abschüssigen Solinger Straße bei Kohlscheid einen steilen Abhang hinunter. Neun SA.- Männer wurden getötet, 32 verlegt, davon 28 schwer. Der Pastkraftwagen war mit etwa 45 SA.- Männern der Standarte 3/17 Bochum besetzt, die zur Besichtigung der großen Eisenbahnbrücke bei Müngsten fahren wollten. In Kohlscheid, das um 10.15 Uhr erreicht wurde, mußte die abschüssige Solinger Straße befahren werden. Vermutlich hat der Fahrer die Krümmung der S- Kurve und ihre Gefahren unterschätzt. Mitten in der Kurve gelang es ihm nicht mehr, In der letzten Augustwoche sind Maffenverhaftungen in den Berliner SA.- Abteilungen vorgenommen worden. SA.. Beute hatten ein Flugblatt verteilt, das von der Berliner NSBO. unterzeichnet war. Das Flugblatt brachte eine Zu sammenstellung aller sozialistischer" Punkte des NSDAP. Programms und fragte zu jedem veröffentlichten Punkte: " Wann wird das verwirklicht?" Allein von der SA. im Bezirk Wedding sind in der vergangenen Woche 120 SA.- Leute ins Konzentrationslager gebracht worden, von der Neuköllner SA. 20 wegen Meuterei. Auch aus anderen Berliner Bezirken haben die Konzentrationslager in den letzten Tagen wieder Zuwachs von SA.- Leuten bekommen. Sie wollen ihn aufhängen! Nämlich den Marxisten Klump aus Karlsruhe Man schreibt uns aus Straßburg: tatholische Kirche auf gleichem Fuße mit den protestantischen Kirchen zu behandeln. Alle diese Gründe rechtfertigen die Besorgnis des Heiligen Stuhls vor dem endgültigen Aft der Ratifikation. Indessen fann die Reichsregierung die internationale Bedeutung des Konkordats nicht gering einschäßen, das doch ihr erster Erfolg gewesen ist. Darum versichert man, daß Herr von Papen, der demnächst von Gömbös empfangen werden soll, sofort nach seiner unga rischen Reise sich wieder nach Rom begeben wird, um die Bedenken des Vatikans auszuräumen und endgültig die Punkte zu regeln, die offengelassen worden sind. Die Hakenkreuzkirche Ihre Aufgaben sind: Wehrhaftigkeit und Staatsknechtschaft Am Sonntag war eine Lutherfeier in Wittenberg. Nach dem Bericht des Wolff- Büros hat der Landesbischof Müller den Auslandsdeutschen folgendes Evangelium" mitgegeben: Eines aber weiß ich bestimmt, and ich bitte Sie, das Ihren Glaubensbrüdern auszusprechen, daß das was hier in Deutschland geworden ist, geboren wurde aus dem Willen der Wahrhaftigkeit und es getragen wird von einem tiefe# christlichen Verantwortungsbewußtsein. Reichsinnenminister Dr. Frick aber hat die Kirche ermahnt: Wiederholt habe ich betont, und ich möchte es noch einmal unterstreichen, daß der Nationalsozialismus herausgeboren ist aus Glaube, Vertrauen, Treue und Ges horsam, daß so Kirche und Staat fest miteins ander verbunden werden und daß die Kirche ihre Aufgabe darin sieht, den neuen Staat innerlich zu untermauern. Zwei ehrliche Reden: Das Reich der Hakenkreuzkirche ist von dieser Welt, und darum wird diese Kirche mit „ dieser Welt" nämlich dem„ dritten Reich" untergehen. Es gibt kaum einen wirklichen Christen, der das bedauerte. das Dümmste der Welt bezeichnet haben. Die Greuel geschichte, SA.- Männer hätten jüdische Geschäfte geplündert und alten Juden die Bärte ausgeriffen, fehlten natürlich nicht bei den Rügen, die dieser Nuznießer deutschen Gastrech verbreitete." Der Staatsanwalt bedauerte in seinem Plädoyer, daß das Strafmaß des Sondergerichts keine Zucht, hausstrafe gegen derartige Schädlinge vorfehe. Er beantragte, den Angeflagten aber zu der Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis zu verurteilen. Das Gericht schloß sich dem Antrag des Staatsanwalts an und verurteilte den Angeklagten zu der Höchststrafe von zwei Jahren. Im Lauf der Verhandlung fam man im übrigen noch einem Meineid des Angeklagten auf die Spur, der noch abgeurteilt werden wird. 99 Freie Meinung" Im Gefängnis Von einem deutschen Arbeiterfunktionär, der einige Belt im Berliner Polizeigefängnis gesessen hat, wird uns die vielleicht manchen furios erscheinende Mitteilung gemacht, daß das Gefängnis heute der einzige Ort ist, wo der deutsche Staatsbürger offen seine politische Meinung sagen kann. Draußen in Freiheit kann das niemand wagen, ohne in Gefahr zu sein, sofort der SA. ausgeliefert zu werden. In den Gefängnissen aber sißen die politischen Gefangenen oft sehr dicht zusammengedrängt in Bellen und haben dort ohne direkte Aufsicht die Möglichkeit, politisch zu diskutieren. Ganz Deutschland ist ein Zuchthaus und der einzige Or wo der Staatsbürger frei von der Leber weg reden kan ist das Zuchthaus. Ein schöner Zustand! Dieser Tage waren die badischen Naziblätter wieber Not der Buchdrucker einmal mit Nachrichten über den Karlsruher Rechnungsrat Klump geziert. Kein Tag vergeht, ohne daß man den politischen Flüchtling Heinrich Klump aus Karlruhe nicht einer neuen Unterschlagung verdächtigt. Dabei geht es den badischen Nationalsozialisten um nichts anderes, als die Muslieferung nach Deutschland zu bewerkstelligen. Das wird ihnen nicht gelingen. Nach dem großen Hitlersieg am 5. März 1988 sollte Klump etliche Tage später in Karlsruhe öffentlich hingerichtet werden. Man verbreitete deshalb die Nachricht, Klump sei in Stuttgart verhaftet, worden und werde abends um 9 Uhr mit Musik am Karlsruher Bahnhof abgeholt. Man hatte aus dem Stadtgarten einen Esel herbeigeholt und auf diesem sollte Klump zum Schafott geführt werden. Tausende und aber Tausende Karlsruher Nazis waren zum Bahnhof gekommen und als der Stuttgarter Zug einfuhr, gab es immer längere Gesichter, denn Klump war um diese Zeit schon in der Schweiz. Nun sind die badischen Nazis mächtig empört. I um p hatte 1918 die Familie Prinz Mar von Baden Erst jetzt wird Einiges über eine Buchdrucker- ArbeitgeberVersammlung bekannt, die der Bezirk Frankfurt a. M. ( Kreis 3 des Deutschen Buchdrucker- Vereins) Ende Juli abgehalten hat. Dort kam es zwischen den Vertretern der Großund Kleinbetriebe zu heftigen Zusammenstößen, da in der " Führergruppe" nur die Großbetriebe vertreten seien und so die Großbetriebe die Möglichfeit hätten, alle Preise zu unterbieten. Die Klein- und Mittelbetriebe forderten energisch die Wiedereinführung der Bindung auf den Preistarif. Bis heute aber ist von einer Vereinheitlichung der Preise noch feine Rede. Zwei Rettungsrezepte wünschen die Buchdrucker vom dritten Reich" durchgeführt zu sehen: Erstens: Verbot von Neugründungen und zweitens: Vervielfältigungsapparate, Regiebetriebe und Hausdruckereien sind zu verbieten, damit so Druckarbeit frei werde. Ansonsten heffen die Buchdrucker, daß die Reklame in Form von Druck sachen und Anzeigen" durch Belebung der Wirtschaft" dem Gewerbe helfen werde. Die Fachblätter haben nur sehr gewunden über diese Versammlung zu berichten gewagt. aus bem Schloffe gejagt und deswegen follte Das Neueste Klump jest gehängt werden. Da es auch den Spizeln nicht gelingen konnte, seiner Habhaft zu werden, besaßen diese Schwerverbrecher den Mut, bei der französischen Behörde den Antrag auf Auslieferung zu stellen und zwar wegen Unterschlagung". Well er die Wahrheit sagte Perser zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt Vor dem Berliner Sondergericht stand der 40 Jahre alten Arzt Sarkis rajsilnifian, ein persischer Staatsangehöriger. Der Angeklagte, der seit ungefähr 20 Jahren in Deutschland lebt und als Arzt tätig war, soll das deutsche Bolt als Das Berbot der Neuen Züricher Zeitung" in Deutschland wurde in der gestrigen Sigung des Bundesrates besprochen. Der schweizerische Gesandte in Berlin, Dinichert, wurde bes auftragt, bei der Reichsregierung Protest gegen dieses Vers bot einzulegen. Wie„ Matin" ans Madrid meldet, soll errong beabs fichtigen, bei der Rabinettsbildung möglichst weit nach links auszugreifen( allerdings unter Ausschluß der Sozialisten), um eine Regierung der republikanischen Konzentration zu bilden. Havanna. Der frühere Universitätsprofeffor Dr. Namon Grau( San Martin) ist von der Junta zum Präsidenten von Kuba ernannt worden. Moskau. Herriot ist mit seinen Begleitern nach Niga abgereist. ( „ Die deutsche Regierung 66 verfolgt ausländische Berichterstatter.. Mowrer, der Korrespondent des..Chicago Daily News" über Presseireiheit im Nazilande Saarbrücken, den 11. September. Wir lassen nachstehend den Wortlaut des Briefes folgen, den der Präsident der Auslands- Journalisten in Deutschland, der Nordamerikaner Edgar A. Mowrer, Korrespondent der hochangesehenen ,, Chicago Daily News", an die Generalversammlung der ausländischen Pressevereinigung Deutschlands gerichtet hat, und der zugleich einer der besten und unmiẞverständlichsten Kommentare zu dem bekannten Protest der gleichgeschalteten Nazipresse des Saargebiets beim Völkerbundsrat liefert: Ich gebe mich keinen Illusionen darüber hin, daß mein Abschied aus Ihrer Mitte auf deutscher Seite falsch ausgelegt werden wird. Eine neue Lage entstand für mich, als vor einigen Wochen die preußischen Behörden es für nötig hielten, unsern achtundsechzigjährigen Kollegen Paul Goldmann zu verhaften. Wir machten einige vergebliche Versuche, ihn freizubekommen, und schließlich beschloß ich, seine Freilassung durch meinen Rücktritt vom Vereinsvorsiz zu erkaufen. Mein Rücktritt aber ermunterte offenbar die deutsche Regierung in ihrem Bestreben, Prestige unter den Böltern zu erwerben das durch, daß sie ihre Fähigkeit unter Beweis ftellte, einen ausländischen Berichterstatter zu besiegen. Kurz nachdem mein Rücktritt bes fannt geworden war, wurde der Vertreter der deutschen Regierung sowohl in Washing ton als auch in Berlin bei den zuständigen amerikanischen Behörden vorstellig mit dem Verlangen, daß ich sobald als möglich Deutschland verlassen soll. Die deutsche Regierung hätte mich jederzeit als läftigen Ausländer ausweisen können. Aber daran lag ihr nicht, denn ihr Bestreben war, wie mir das auch unter der Hand mitge teilt wurde, einerseits den Eindrud zu erwecken, daß die Auslandspresse in Berlin gänzlich frei und unbeeinflußt sei, und auf der anderen Seite die Abreise solcher Berichterstatter zu veranlassen, deren Kenntnis der Lage in Deutschland groß genug ist, der deutschen Propaganda nicht zum Opfer zu fallen. Deshalb sagte die deutsche Regierung nicht einfach: Rufen Sie Mowrer zurück oder wir werfen ihn hinaus", fondern sie sagte:„ Solen Sie Mowrer aus Deutschland zu rück, und zwar so schnell wie möglich, da wir für seine leibliche Sicherheit nicht mehr einstehen kön nen". Vielleicht, daß in dieser Behauptung etwas steckt. Es liegt wohl keine Sensation in dem Ges ständnis, daß die offizielle deutsche Regierung nicht unbegrenzte Macht über die verschiedenen Parteiinstanzen bes sigt. Trotzdem aber steht es in der diplomatischen Geschichte einzig da, baßeine reguläre, fest im Sattel sigende Regierung ihre Ohnmacht ausländischen Diplomaten gegenübereingesteht. Angesichts der dringlischen Warnung, daß ich nicht sicher wäre, wenn ich noch länger hier bleibe, drängte mich die amerikanische Regierung und die amerikanische Vertretung in Berlin, meine Abreise von Berlin zu beschleunigen. Wäre ich unter diesen Umständen gegen den Wunsch der diplomatischen Vertreter meiner Heimat hiergeblieben und wäre dann tatsächlich irgend etwas vorgekommen, so wäre die deutsche Regierung in der Lage gewesen, jede Verantwortung abzulehnen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als zu gehen. Aus diesem Grund, und aus diesem Grund allein kann ich an Ihrer nächsten Versammlung nicht teilnehmen. Vielleicht wissen nur wenige von Ihnen, wie groß die Verlust liste unserer Mitglie: der ist, die sich geweigert haben, ihre Unab: hängigkeit gegenüber der deutschen Regies rung aufzugeben. Fontamara 7 Die Kollegen Abromovic( Forward", Newyork), Bendz(„ Dagens Nyheter", Kopenhagen), Gödemann ( Telegraaf", Amsterdam), seller( Kuryer Codzienny", Srakan), Jorgensen( Sozialdemokrat", Kopenhagen), Klinow Jewish Morning Journal", Neuyork). Nilson ( Göteborga Tidningen") haben Deutschland verlassen, nur weil es ihnen unmöglich war, unter den ob waltenden Umständen ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Kollege Kuh( United Preß") wurde unter Androhung törperlicher 3üchtigung überzeugt, daß es das beste für ihn fei, bas Land zu verlassen, Kollege Deuß( Hearstpresse) wurde von Göring so gut wie aus dem Lande herausgeworfen, Kollege Olberg( Sozialdemos traten", Stockholm) reifte ab, nachdem eine aussuchung bei ihm abgehalten worden war. Die Kolleden Lestschinsky( Forward", Nenyork) und Wasserbäck( Wiener Korrespondenz- Büro") wurden offiziell aus Deutschland ausgewiesen, der eine als Berichterstatter, der andere als Diplomat. Beide, sowohl Wasserbäck wie Leftschinsky, machten auch mit dem Gefängnis Bekanntschaft, Leftschinsky sogar für längere Zeit. Der Kollege Lontre( Petit Parifien") wurde nur infolge energischen Eingreifens seiner Re: gierung vor der Ausweisung bewahrt. Das Außenpolitiche Amt machte außerdem einen Versuch, die Rüdrufung eines Kollegen durch einen unmittelbaren Appell an seine Zeitung zu veranlassen, glücklicherweise jedoch ohne Erfolg. Kollege Goldmann wurde infolge der bekannten Abmachung aus der Haft entlassen. Auch eine Reihe von Haussuchungen fand statt, unter anderem bei Frau Keith ( Jsweftija", Moskau), bei kriger( Robotnik", Warschau) und Schaffalizky( Berlingske Tidende", Kopenhagen)." Der Fall Mowrer braucht daher nicht die geringste Ueberraschung über die Auffas= sung der deutschen Regierung von der Freis heit der Preise auszulösen. Fern von Ihrer Sigung und nicht mehr imftande, Mitglied Ihres Vereins zu bleiben, gebe ich mich der Hoffnung hin, daß Sie weiter Ihre Unabhängigkeit bewah= ren werden. Ich will Ihnen deshalb die Lage der auss ländischen Zeitungsleute schildern, wie ich sie sehe. 1. Die deutsche Regierung verfolgt ausläns dische Berichterstatter, nicht weil ihre Berichte un wahr sind, sondern weil die Wahrheit, die sie berichten, den wirklichen oder vermeintlichen Interessen Deutschlands im Ausland schaden könnte. unterhalten, mit ihr zusammenzuarbeiten, ihre Bestrebungen und ihre Handlungen zu erklären und zu deuten. 4. Sollte es jedoch für Auslandsberichter: statter unmöglich sein, in diesem Land zu fagen, was sie zu sagen haben, dann wäre es das richtigste, die Koffer zu paden und abzu= reisen. Ich hoffe und wünsche, daß der Verein auch weiter seine Aufgabe erfüllen kann. Aber tausendmallieber ihn auflösen, als den sonst berechtigten Vers dacht entstehen zu lassen, der Verein der Auslandspreise zu Berlin sei gleichgeschaltet worden." Kein Zweifel: man wird vergeblich in einer der gleichgeschalteten Zeitungen des Saargebietes, deren Redakteure Redakteure sich beschwerdeführend wegen angeblich mangelnder Pressefreiheit nach Genf wandten, auch nur einen Auszug aus diesem wichtigen Dokument eines als objektiv und deutschlandliebenden Amerikaners suchen. Sie werden kein Wort des Protestes in dieser Presse gegen die Unterdrückung der Pressefreiheit sowohl der inländischen wie der ausländischen Presse Hitlerdeutschlands in diesem gleichgeschalteten Zeitungspapier der Saar entdecken. Sie werden nicht erleben, daß diese„ Kollegen" für ihre verfolgten, mißhandelten, eingesperrten, geworfenen, existenzlosgemachten Kollegen der In- und Auslandspresse auch nur ein Wort der Teilnahme, der Verteidigung oder gar der Solidarität aufbringen. Aber den Handlanger im Dienste des Hakenkreuzes und eines im Auswärtigen Amt in der Wilhelmstraße angefertigten Protestes für eine Pressefreiheit, die man da, wo man selber Macht befigt, längst eingefargt hat, abzugeben dazu langts! Herr Hitler hat die Journa listen, die er verdient- und man wagt nach allen listen, die er verdientErfahrungen der letzten Monate kaum noch zu bezweifeln, daß sie ebenso ihn verdienen! 2. Demgegenüber bemühen sich die ausländischen ZeitungsLeute, soweit das möglich ist, die Wahrheit zu finden und zu Judenhaß berichten, jeder nach seiner Fähigkeit, seiner Ueberzeugung und selbstverständlich unabhängig von den politischen Konse quenzen, die sie für Deutschland haben kann. Die Regie: rung will nicht einsehen, daß Zeitungsleute troß ihrer Liebe zu Deutschland, solange fie ihrem Beruf treu find ,, wichtige Ereignisse nicht mit Rücksicht auf die deutsche Regierung verdrehen oder unterdrücken dürfen. 3. Abgesehen von diesen Einschränkungen sind sie bestrebt, die bestmöglichste Beziehung zur deutschen Regierung zu bei den Haaren. Schließlich kam es wieder zum Turnus. Aber auf einmal fehlte das Wasser von neuem. Wir warteten kurz, aber es blieb weg. ROMAN VON IGNAZIO SILONE niemals vorgekommen. Unterwegs hatte die Sorcanera gesagt, wir sollten sie nur machen lassen, aber angesichts dieser lachenden Menge, wußte sie nicht mehr aus noch ein. Diesem schäbigen Landjäger allein mit gleicher Münze heimzuzahlen, wäre ein leichtes gewesen, denn auch er hatte in seiner Jugend die Läuse nicht nur auf Andern gefangen. Aber da war noch die ganze übrige Gesellschaft... Ein Beamter fagte uns: ,, Wen sucht ihr? Wen wollt ihr eigentlich?" Marietta antwortete: „ Wir wollen mit dem verehrten Herrn Sindaco sprechen." Die Beamten unter dem Tor sahen sich bei dieser Antwort verblüfft an. Einige fragten noch einmal: " Was wollt ihr?" Mit dem Sindaco sprechen," sagten wir zu vier oder fünft. Da fingen sie wieder wie die Idioten zu kichern an. Wiederholten laut unsere Bitte und eine neue Lachsalve verauf den breitete sich über den Platz, in den Fenstern, Veranden, an den Tischen er umliegenden Häuser.( Es war gerade Essenszeit.) Da es Mittag war, verließen die Beamten das Rathaus, einer von ihnen schloß das Tor; im Weggehen sagte er: " Wollt ihr wirklich zum Sindaco?... Erwartet ihn hier." Erst jetzt bemerkten wir in einer Ecke des Plazes einen Brunnen. Wir stürzten darauf los. Es gab einen richtigen Sturmangriff. Alle hatten Durst, aber wie konnten nicht alle auf einmal trinken. Mariettas Anspruch, wegen ihrer Schwangerschaft als erste zu trinken, wurde nicht anerkannt. Nach vielem Geschiebe und Gestoße setzte sich schließlich eine Art Turnus durch. Zuerst trank Giuditta Scarpone. Dann die Fornara. Dann ein Mädchen, mit eitrigen Lippen. Wir wollten sie nur als legte heranlassen, aber sie klammerte sich an die Brunnenröhre und wollte ihren Platz keinesfalls aufgeben. Dann sollte Marietta trinken, aber da blieb plötzlich das Wasser aus. Das mußte eine kurze Störung sein. Wir warteten, aber das Wasser kam nicht. Der Brunnen war versiegt. Wir waren im Begriffe wegzugehen, als das Plätschern des Wassers uns zurückhielt. Es floß wieder. Ein neues Gedränge begann. Neues Gezänt. Zwei Mädchen kriegten sich Das Verhalten des Wassers war wirklich zu sonderbar. Bei der Quelle am Eingang unseres Dorfes war ähnliches Von der anderen Seite des Plazes sahen uns der Landjäger und der Uhrmacher lachend zu. Es mag dumm scheinen, daß ich mit der Erzählung dieser Kleinigkeit Zeit verlieren, denn später kam es zu viel wichtigeren Ereignissen. Aber das Bild jenes Wassers, das immer wieder vor unserem Durst zurückwich, geht mir nicht aus dem Kopf. Es spielte sich so ab: weil das Wasser nicht lief, entfernten wir uns vom Brunnen, aber während wir weggingen, kam es wieder. Und das geschah drei- oder viermal. Wir näherten uns und sofort verschwand das Wasser, der Brunnen versiegte. Wir entfernten uns es fam wieder, der Brunnen plätscherte. Durst verzehrte uns und wir konnten nicht trinken. Wir konnten das Labsal nur von ferne sehen. Kaum näherten wir uns, verschwand es von neuem. Nachdem das Wasser zum vierten Mal ausgeblieben war, kamen an die zehn Carabinieri, umringten uns und fragten. was wir wollten. „ Mit dem Sindaco sprechen." ,, Mit dem Sindaco?" schrie der Anführer der Patrouille. ,, Mit dem Sindaco?... Wißt ihr denn nicht, daß es keinen Sindaco mehr gibt?... Wann werdet ihr eigentlich begreifen, daß der Sindaco heute Podesta heißt?..." Für uns war es ganz gleich, ob der Gemeindevorsteher sich Sindaco oder Podesta nannte. Aber für gebildete Leute mußte der Unterschied groß sein, sonst hätten die Beamten bei unserer Frage nicht so gelacht und der Hauptmann der Carabinieri wäre nicht so wild geworden. Die gescheiten Leute sind oft so wunderlich und regen sich um Kleinigkeiten so auf. Schließlich bekamen vier Carabinieri vom Hauptmann den Auftrag, uns zum Podesta zu begleiten. Zwei gingen voraus und zwei hinterdrein. Die Leute in den Straßen riefen einander zu und höhnten uns mit Worten und Ge= bärden, wie die Bewohner größerer Orte, besonders Handwerker, bäuerliche Cofani immer verhöhnt haben. Die Carabinieri ließen uns durch die Hauptstraße ziehen und einige Gäßchen kreuzen. So kamen wir an das Haus des früheren Sindaco Don Circostanza; aber zu unserem großen Erstaunen gingen unsere Führer daran vorüber. Wir wunderten uns sehr, daß Don Circostanza nicht mehr Gemeindevorstand war und glaubten, daß die Carabinieri uns dafür zum Haus des Don Carlo Magna führen würden, hinausDer Sadismus der Paßämter, der seit einiger Zeit in gewissen Bezirken Deutschlands seine Befriedigung feiert, ist iezt auf das ganze Reichsgebiet ausgedehnt worden. In den Pässen für jüdische Staatsbürger wird der Name des Paßinhabers zweimal unterstrichen. Das ist das moderne Plakat: Achtung, ein Jude!" In manchen Aemtern werden die Pässe sogar mit einem dicken Stempel„ Jude" versehen. Aber sie gingen auch an diesem Haus vorbei. Immer weitergehend waren wir bald außerhalb der Stadt, zwischen den Gärten. Die Carabinieri halten uns zum Narren, sagten wir uns. Gemeindevorsteher kann nur Don Circostanza sein; vor dem Krieg war er es, während des Krieges war er es, nach dem Krieg blieb er es. In der kurzen Zeit, in der er das Amt nicht bekleidete, war es immer von Don Carlo Magna besetzt gewesen. Da die Carabinieri an beiden Häusern vorübergegangen waren, bereitete sich offenbar wieder ein häßlicher Scherz vor. So wenigstens dachten wir. Der Pfad, den uns die Soldaten führten, war mit Baumaterialien, Backsteinen, Kalk, Zementfäcken, mit Sand und Eisenstangen schier verrammelt und es war recht schwer einer neuerbauten Villa, die einem, auch in Fontamara gemeinsam durchzukommen. Mühsam erreichten wir das Tor unter dem Namen„ Impresario" bekannten Römer gehörte. Die Villa war mit bunten Papierlampions und Fahnen geschmückt. Im Hof sah man Frauen Teppiche klopfen und bürsten. Direkt vor dem Tor des Hauses machten die Carabinieri endlich Halt. Keine von uns konnte ihre Verblüffung verbergen. ,, Wie?... Diesen Räuber haben sie zum Gemeindevorstand gemacht... Einen Fremden?... Ausgeschlossen!" „ Seit gestern," sagten uns die Carabinieri.„ Das Telegramm, das ihn ernannte, ist gestern aus Rom eingetroffen." Vor drei Jahren, als der Impresario in unserer Gegend auftauchte, wußte niemand, wer er war, noch wo geboren. Er zog ins Gasthaus, wo die Passanten logieren. Er begann damit, den Cafoni, die Geld brauchten, im Monat Mai die Aepfel noch an den Bäumen abzuhandeln. Dann fing er an, Zwiebeln, Bohnen, Linsen, Tomaten zu kaufen und sandte sie nach Rom. Später begann er Schweine zu züchten. Dann Pferde. Bald befaßte er sich mit allem: Kaninchen, Bienen, Felle, Straßen, Erd- und Zimmermannsarbeiten. begegnete ihm auf allen Jahr- und Wochenmärkten der Gegend. Die eingeborenen Besitzer sahen ihm mißtrauisch zu und weigerten sich, mit ihm zu tun zu haben. Der Jmpresario hatte einen nach dem anderen ausgestochen. Es gab bald kein wichtiges Geschäft, bei dem sie nicht von ihm verdrängt wurden. Mißtrauisch geworden, kamen sie schließlich dazu, ihn bei den Carabinieri als Hersteller falscher Banknoten anzuzeigen. Die Untersuchung ergab tatsächlich das Vorhandensein einer Notenfabrik, die dem Impresario die Mittel zu all seinen Unternehmungen lieferte, aber die Noten waren echt, denn die Fabrik war durch eine Bank geschützt. Man ( Fortsetzung folgt) Die Gleichgeschalteten Unter den Stüßen des dritten Reiches" sind ohne Zweifel am peinlichsten die Gleichgeschalteten". Das ist jenes Bürgertum, das sich widerstandslos der nationalsozialistischen Gewalt unterwarf, indem es seine Gesinnung, seine Jan Severin: Die Wahrheit in Zahlen Geſittung und seine Ehre verriet. Vor allem die mittel Statistik gegen Propaganda parteiliche Presse, die der liberalen Deutschen Volksaprtei nahegestanden hatte, verbrannte schamlos, was sie fast gestern noch angebetet hatte. Sie zudte nicht mit der Wimper, als der deutsche Rechtsstaat in die Luft gesprengt wurde und ein brutaler Radikalismus die Dämme des Gesetzes und der Moral überflutete. Aus Angst, thre nahrhaften Pöstchen und vielleicht noch mehr zu verlieren, verkauften diese Spießbürger ihrer Seele. Ihnen gegenüber haben sich die derben Fäuste der Braunhemden, ihre Revolver und Konzentrationslager als durchschlagende Argumente erwiesen. Natürlich sind sich die zwangsbefehrten Angst hasen ihrer Erbärmlichkeit bewußt. Das Gefühl ihrer Minderwertigkeit äußert sich in dem besonderen Haß, mit dem sie solche Mitbürger verfolgen, die ihren Ueber zeugungen treu geblieben sind. Weil die„ Gleichgeschalteten" ihre Freiheit, das Recht auf eine eigene Meinung, furz ihre Persönlichkeit verloren haben und nur noch Kreaturen der herrschenden Gewalt sind, gilt es ihnen nun plößlich als Verrat an der Nation, der Stimme des Gewissens zu gehorchen und der Wahrheit und den Forderungen der Sittlichkeit die Ehre zu geben. Im„ britten Reich" gibt es für solche Feigheit wenigstens den mildernden Umstand des unmittelbaren Zwanges und der Gefahr für Freiheit und Leben. Im Saargebiet kann feine Entschuldigung gelten lassen. Hier hätte die bürgerliche Presse die Möglichkeit, durch ihre Kritik auf die vaterländischen Verhältnisse einzuwirken, den blinden Fanatifern in Berlin den Star zu stechen und ihnen zu zeigen, wie sehr sie die internationale Stellung Deutschlands ge= schwächt haben. Aber auch dieser Gewissenspflicht entziehen sich die nationalen" Publizisten, weil sie fürchten, 1935 könnte sie die Nache der Nationalsozialisten treffen. 3u weilen schlägt sie nicht nur diese Angst vor der Zukunft in Fesseln, sondern auch der unmittelbare Einfluß der gegen wärtigen Reichsregierung, den diese gerade in den wichtigsten Berlagen des Saargebiets besitzt. Ein Redakteur, der fich eine eigene Meinung erlaubte, würde sofort aus Arbeit und Brot verjagt. Dieses Schicksal haben bereits einige wenige anständige Journalisten erlitten. Die im Amt geblieben sind, stellen bloße Soldschreiber dar, unbekannte Soldaten aus dem Riesenhausen der Gleichgeschalteten. Die Gesinnungslosigkeit soll nun mit dem Mantel der Liebe zur Nation" zugedeckt werden. Die Opposition gegen die Hitlerregierung und jede Kritik an ihren Maßnahmen wird als Landesverrat hingestellt. Welch eine Verdrehung der Wahrheit! Gibt es eine schlimmere Versündigung am Bolte als wider besseres Wissen und wider alles sittliche Ge fühl jeden Erzeß des nationalsozialistischen Radikalismus schweigend hinzunehmen oder ihn gar zu billigen? Und das aus dem eizigen Grunde, weil die Partei des Hakenkreuzes im Besitz der Gewalt ist und sie rücksichts- und hemmungslos anzuwenden versteht. Wir halten es für unsere deutsche und menschliche Pflicht, mit unserer ganzen Kraft einer Regierung entgegenzuwirken, deren Herrschaft wir für verhängnisvoll halten. Diese Meinung von der nationalsozialistischen Gefahr teilten ja die gleichgeschalteten" Herren mit uns, als sie die Gewalttätigkeit des dritten Reiches" noch nicht zum Hakenkreuz bekehrt hatte. Und diese Renegaten bemühen sich heute durch zelotischen Uebereifer, thre bessere Vergangenheit bei den Herren des Tages in Vergessenheit zu bringen. Die„ Saarbrücker Zeitung" zitiert einen Saz aus unserem Artikel vom Samstag," Pressefreiheit im Saargebiet", der unseren Mangel an vaterländischem Gefühl beweisen soll. Offenbar rechnet sie dabei auf die Oberfläch= lichkeit und Dummheit ihrer Leser. Die betreffende Stelle lautet:„ Es ist lächerlich, der Regierungskommission zuzumuten, sie solle die Presse unterdrücken, welche die idealen Grundlagen ihres Regierungssystems verteidigt." Aus bem Zusammenhang unseres Artifels geht klar hervor, daß mit den idealen Grundlagen" die Auffassung vom Rechtsstaat gemeint ist, die vor weniger als einem Jahr noch in Deutschland, wie in der übrigen zivilisierten Welt, anerkannt wurde. Das war in jenen Tagen, als Herr von Papen, der sich inzwischen durch seine Gleichschaltung das Amt des VizefanaIers erkauft hat, den obersten Kameraden der Mörder von Potempa öffentlich mit folgenden Worten apostrophierte: „ Die Zügellosigkeit, die aus dem Aufruf des Führers der nationalsozialistischen Partei spricht, past schlecht zu den Ansprüchen auf die Staatsregierung. Ich gestehe ihm nicht das Recht zu, die Minderheitin Deutsch land, die seinen Fahnen folgt, allein als die deutsche Nation anzusehen und alle übrigen deutschen Volksgenossen als Freiwild zu bes handeln." Obwohl es keinem Zweifel unterliegt, daß die deutsche Außenhandelsstatistik im Laufe der letzten Monate schwere Verstöße gegen die wissenschaftlich anerkannten Grundsäße der Wirtschaftsstatistik aufweist, ergeben selbst die amtlichen deutschen Ziffern einen Rückgang des Außen handelsüberschusses für das erste Halbjahr 1933 im Vergleich zum Vorjahre um mehr als 50 Prozent. Berück fichtigt man hierbei aber, daß die Preise für viele Ausfuhr güter am Weltmarkte inzwischen erheblich gestiegen sind, so ist es notwendig, die für das erste Halbjahr 1933 angegebene Ziffer auf die Durchschnittspreise des ersten Halbjahres 1932 zurückzuführen. Bei dieser Berechnung, die im Gegensatz zur früheren Praxis von der neuen deutschen Reichsstatistik nicht durchgeführt wurde, ergibt sich ein Erportsaldo von nur noch rund 220 Millionen RM. für das erste Halbjahr und somit ein Rückgang des deutschen Außenhandelsüberschusses um nicht weniger als 63 Prozent. Auch sonst lassen sich selbst aus denjenigen Zahlen, die von der amtlichen Statistit in Deutschland zugegeben werden, Rückschlüsse ziehen, die die Wirtschaftslage im„ dritten Reich" ganz anders kennzeichnen, als es in den allgemeinen Auslaffungen der nationalsozialistischen Parteibehörde über den angeblichen Aufschwung der deutschen Wirtschaft zutage tritt. Auf der Einfuhrseite mag hier beispielsweise nur an den außerordentlich scharfen Vormarsch der japanischen Kunstseide in Deutschland erinnert werden. Die Schwierigkeiten der Rohstoffbeschaffung für die deutsche Textilindustrie, die im Hinblick auf die hohen Spinnfaserpreise am Weltmarkt und auf die zunehmende Devisenknappheit weder Wolle noch Baumwolle in ausreichenden Quantitäten beziehen kann, kommen in dieser gewaltigen Steigerung der Einfuhr billiger japanischer Kunstseide deutlich zum Ausdruck. Noch 1930 wurden nur 800 Kilogramm im Werte von rund 4000 Mark importiert. 1932 belief sich die deutsche Einfuhr japanischer Kunstseide bereits auf 50 000 kilogramm und 1988 weist schon allein das erste Quartal eine Einfuhr von 25 500 Kilogramm, also in reichlich doppelter Höhe wie im Vorjahre, auf. Seitdem erhöht sich die japanische Stunstseideeinfuhr nach Deutschland von Monat zu Monat, wobei es dahingestellt sein mag, ob und bis zu welchem Grade diese scharfe Importsteigerung mit kriegswirtschaftlichen Motiven zusammenhängen mag. Auf der Exportseite der deutschen Handelsbilanz sei auf den katastrophalen Rückgang der Ausfuhr gerade derjenigen Fertigfabrikate verwiesen, bei denen ein relativ hoher Arbeitsanteil volkswirtschaftlich besonders ins Gewicht fallen wirde, wie etwa in der Linoleum- Industrie. Hier nahm Schweden vor der Errichtung eigener Produktionsstätten durch den europäischen Linoleumtrust das deutsche Fabrikat in besonders großen Mengen auf und bezog allein im ersten Halbjahr 1930 14 292 Quadratmeter. Im gleichen Zeitraum 1932 betrug der deutsche Linoleum export nach Schweden 6758 Quadratmeter, um im ersten Halbjahr 1933 auf nur mehr 3733 Quadratmeter zurückzugehen. Die deutsche Linoleumausfuhr nach Oester reich, die sich im ersten Halbjahr 1930 auf 3168 Quadratmeter stellte, hat sich dann 1932 auf 2186 und 1933 auf nur mehr 701 Quadratmeter vermindert. # Eine Ergänzung dieses Bildes der rapiden Rückgänge der Exporterlöse zeigt sich auch in den Geschäftsberichten zahlreicher deutscher Unternehmungen, die vorwiegend vom Auslands= geschäft existieren, wie z. B. lezthin der bekannten Orenstein u. Koppel A.-G. in Berlin, die zwar durch den Hinauswurf ihrer jüdischen Vorstandsmitglieder vollkom men gleichgeschaltet" wurde, aber dennoch soeben berichten mußte, daß ihr gesamter Exporterlös von über 50 auf nur mehr 14 Millionen RM. zurückgegangen ist. Hier wie in ähnlichen Fällen tritt allerdings der außerordentliche Rückgang der Russenlieferungen besonders deutlich zutage. Es bedarf aber kaum näherer Ausführungen, um zu verstehen, wie sich solche katastrophalen Rückgänge des Geschäftsumfanges in der Entlassung der Belegschaften und damit wieder in der Steigerung der Arbeitslosigkeit äußern müssen. Auch die von der Statistik behauptete ständige Steigerung des Beschäftigungsgrades und des sprunghaften Rückganges der Erwerbslosigkeit werden den nüchternen Betrachter der deutschen Wirtschaftslage schon deswegen nicht sehr glaubhaft erscheinen können, weil sie in allzu trassem Widerspruch zu den eigenen Angaben der Außenhandelsstatistik, der Geschäftsberichte aus der Privatindustrie usw. stehen. Auch sonst zeigen diejenigen Ziffern, bei denen man den Tatsachen noch einigermaßen Rechnung zu tragen versucht, ein katastrophales Bild, das allerdings zu den gefälschten Angaben der übrigen deutschen Statistiken in einem so schar= fen Widerspruch steht, daß man hieran feststellen kann, wie sehr der noch ungefälschte Teil der Hitler- Statistik die übrigen Ziffern diskreditiert. Als Beispiel hierfür auf dem Gebiete der Staatsfinanzen seien die Angaben über die Einnahmen und Ausgaben des Reich es erwähnt, die zweifellos noch erhebliche Lücken aufweisen dürften, weil die gewaltigen Beträge, die für die Propaganda, für die Versorgung nationalsozialistischer Parteifunktionäre usw. sicher nicht aufgeführt sein dürften, wie überhaupt die bestehende enge Verbindung der Reichskassen mit den Parteikassen der NSDAP. noch eingehender Aufklärung bedarf. Diese Klarstellung wird allerdings wohl niemals erfolgen. Nach den amtlichen Angaben stellten sich die Reichseinnahmen im ersten Quartal des Rechnungsjahres 1983 auf 1617,8 Millionen Mark, d. h. also um nicht weniger als 71,2 Millionen niedriger, als im gleichen Zeitraume des Vorjahres. Der weitaus größte Teil dieser Mindereinnahmen, nämlich 58,4 Millionen RM., sollen auf die Besiz- und Verkehrssteuern entfallen, der kleinere Rest von 12,8 Millionen Mark hingegen nur auf Zölle und Verbrauchssteuern. Hieraus würde übrigens hervorgehen, daß grade die leistungsfähigen Kreise der Großindustrie, der Banten usw. thre Steuerpflicht im dritten Reich" noch weniger ernst nehmen, als früher. Der Voranschlag für 1933 rechnete statt dieser Mindereinnahmen mit Mehreinnahmen von vierteljährlich 50 Millionen Mark, so daß der wirkliche Fehlbetrag sich selbst nach diesen Ziffern, die sich ausschließlich auf die amtlichen Angaben der Hitler- Regierung stüßen, auf weit über 120 Millionen Mark beläuft. Profeffor Ernst Wagemann, der Präsident des Statistischen Reichsamtes, der schon nach der Wahlnacht vom 5. März auf sein Amt verzichtete, dann aber zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit veranlaßt wurde, ist vor einiger Zeit zum zweiten Male und nun wohl endgültig zurückgetreten. Es ist kaum ein Jahr her, als Wagemann, der politisch immer sehr weit rechts stand, in einem öffentlichen Vortrag erklärte, daß keine Regierung der Welt heute in der Lage sei, länger als sechs Monate die Statistik zu fälschen. Seit der Berufung Hitlers zum Reichskanzler war Wagemann fast genau noch sechs Monate im Amt. Statistik als Propaganda und Statistit als Wissenschaft sind zwei grundverschiedene Dinge, aber die letztere hat den Vorzug, daß die Welt ihr mehr glaubt. lagern für alle, die sich nicht zum Hakenkreuz Band bringen. Das in den palästinensischen Banken( dte bekennen? Gerade lesen wir in ihren Spalten die folgende Meldung aus Stuttgart: „ Aus Rottweil wird gemeldet: Landsgerichtsrat Fischer wurde gestern in Schußhaft genommen, weil er sich ge= weigert hat, den angeordneten deutschen Gruß im Dienst zu geben und zu erwidern. Er hat auf Vorhaltungen erklärt, daß er sich der Anordnung des Staatsministeriums nicht fügen werde. Landgerichtsrat Fischer wurde bereits in das Konzentrationslager Henberg gebracht." Für aufrechte und gesinnungstüchtige Menschen scheint im dritten Reich" wirklich kein Platz mehr zu sein; sie werden in den Konzentrationslagern versammelt. Umso sicherer können sich die gleichgeschalteten Kreaturen fühlen, deren Schmiegsamkeit und Biegsamkeit keine Grenzen fennt. Ein solches Ausleseprinzip schweigend hinnehmen. hieke wirklich die Nation verraten. Vielleicht versteht jetzt der ehrenwerte Herr Ludwig Bruch Die Rache Berlin, 11. Sept. Wir erfahren aus einer Quelle, die stets ausgezeichnet informiert ist, daß die Behörden drei hohe Funktionäre verhaftet haben, die vom Konzentrationslager mergericht in Berlin, Dr. Bender, den Oberstaatsanwalt des Berliner Landgerichts, Dr. Köhler und Dr. Her= mann vom preußischen Justizministerium. von der„ Saarbrücker Zeitung", welches die idealen Grundlagen eines Rechtsstaates sind. Ob dieser von einer Regierungsfommission verwaltet, von einem König beherrscht, oder von einem republikanischen Präsidenten ae- bedroht sind. Es handelt sich um den Staatsanwalt am Kamleitet wird, der Begriff ist allen zivilisierten Ländern gemeinsam Wenn wir mit mehr Festigkeit als Herr von Papen und die übrigen Gleichgeschalteten" an den Menschen- und Bürgerrechten festhalten, so separieren wir uns allerdings scharf von der herrschen= den Gesinnungslumperei, aber glücklicherweise nicht von unserem Volte. Diesem fann es nur zur Ehre gereichen, daß es noch eine Minderheit gibt, die für Recht und Freiheit zu kämpfen wagt. WirnerSämtliche Verhaftete waren als Anklagevertreter in den großen Prozessen des letzten Jahres tätig. Die heutigen Diktatoren suchen sich an denen zu rächen, die ehedem nicht die gleiche Brutalität gegen die politische Linke angewandt haben, wie sie von ihnen selbst bevorzugt wird. den auch nicht die vaterländischen Intereifen Palästina prosperiert im Saargebiet aus dem Grunde außer acht Iassen, weil augenblicklich in Berlin eine Regierung fist, die wir aufs schärfste be tämpfen müssen, von der aber niemand weiß, wie sie im Jahre 1935 aussiebt. Die„ Saarbrüder Zeitung" meint, das Bekenntnis zur Nation entbinde von allen nur denkbaren Sünden. Es entbindet aber nicht von der Pflicht, für bestimmte politische und sittliche Grundfäße einzutreten. Das Blatt der Gebrüder Hofer und Adolf Hitlers sollte das einsehen. Warum verlangt es also nicht offen die sofortige Ablösung der ordentlichen Erefutivorgane deg Saar. gebiets durch eine Parteimiliz, warum nicht die Einrichtung von Konzentrations Die„ Frankfurter Zeitung"( Nr. 670/71) läßt sich aus Jerusalem über die„ Prosperitäts- Dase Palästina" berich ten. Es wird nachgewiesen, daß der Staatshaushalt Ueberschüsse hat: Dabet kann man annehmen, daß sich die Ueberschußentwicklung des Staatshaushalts vorläufig fortsetzt. Denn die palästinensischen Regierungsfinanzen spiegeln nur die außer ordentlich günstige Lage des jüdischen Wirtschaftssektors des Landes wieder, die sich auf ständigen Zustrom jüdischen Kapis tale stützt. Die Einwanderung hält in ungebrochener Stärke an: im Juni sind 1864 Personen neu eingewandert, darunter 1263 Juden, im Juli 1174 Personen, darunter 1097 Juden. Davon sind jedesmal 200 bis 250 fapitalistische Einwanderer, die etwa zusammen Est. 250 000 monatlich ins drei wichtigsten Banken in Palästina sind die englische Barclays Bank, die zionistische Anglo- Palestine Bank und die anglo- französische Ottoman Bank) liegende Kapital wird auf Lft. 7 Miu. geschäßt. Ungeachtet der verhältnismäßig niedrigen Verzinsung von nur 1 bis 12 Prozent selbst für langfristige Depositen haben sich diese Gelder den palästinensischen Banken zugewandt, und ein erheblicher Teil davon allerdings wohl nicht der ganze Betrag- sucht im Laufe der Zeit im Lande selbst nach ihm sicher und günstig dünkenden Anlagemöglichkeiten. Die Banken selbst gelten als zurückhaltend in ihren Ausleihungen und start auf Liquidität bedacht. Sie berechnen für Kredite gegen allererste Sicherheit 6 Prozent, sonst 7 bis 8 Prozent. Unter den Einwirkungen der großen Einwanderung, die sowohl Kapital wie vorzügliche Berufsausbildung und wirtschaftliche Fähigkeit mitbringt, ändert sich die jüdische Wirtschaft trotz der Zurückhaltung der Banten quantitativ und qualitativ mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Die hauptsächlichsten Kapitalanlagen gehen in Orangengärten, Bauten und Industriegründungen. Auf allen drei Gebieten, besonders aber auf den beiden ersten, zeigen sich Erscheinungen, die man fast als Symp= tome einer Hochkonjunktur bezeichnen könnte, wenn man auf ein im Aufbau befindliches Land schon die Bezeichnungen des Konjunkturzyklus in favitalistisch entwickelten Gebieten anwenden dürfte. Immerhin wird gelegentlich auch schon von Rückschlagsgefahren gesprochen. Die Einwanderung deutscher Inden nach Palästina beginnt sich etwa seit April fühlbar zu machen, obwohl mit dem Hauptstrom erst im Herbst zu rechnen ist. In Handwerk und Landwirtschaft tönnen gelernte Arbeiter mit Leichtig= teit in größerer Anzahl absorbiert werden, viel schwerer ist es für faufmännische Angestellte und ähnliche Berufe. Die Voraussetzung für die Aufnahmefähigkeit des Pandes ist, daß der Kapitalzuftrom auf der Höbe bleibt und die Abfabfrage durch Zusammenarbeit mit den zu erschließenden Märkten befriedigend gelöst wird. Dr. Ruppin. der befte Kenner der jüdischen Kolonisation in Palästina, hat erklärt, daß Palästina etwa 50 000 bis 100 000 deutsche Juden bei einer geregelten und gut vorbereiteten Einwanderung im Laufe der nächsten 5 bis 10 Jahre aufnehmen kann. Diefe Zahl ist wohl zu erreichen, wenn die oniunfturanbält. Pälästina zählt heute etwa 850 000 Araber und 200.000 Juden es ist dabei ein kleines und in vielen Teilen nicht natürlich, fruchtbares Rand, das seiner Aufnahmefähigkeit gemise Grenzen gesetzt sieht. Die Bevölkerung wächst schnell, bei den Arabern durch natürliche Runahme, die in den letzten Jahren anscheinend höher war als jährlich 2 Prozent. bei den Juden vor allem durch Einwanderung, so daß sich die Rahl der Juden im Lande seit Kriegsende mehr als verdreifacht hat. Aber aerade diefe ununterbrochen machsende Bevölkerung bietet unter der Roronaichung der nellen Sebuna des Lebensstandards und der Confumkraft der Fellachen und der Zusammenarbeit der füdischen und der arabischen Wirtfchaft einen ebenso schnell wachsenden Markt, eine gute Grundlage für eine gesunde wirtschaftliche Expansion. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Dienstag, 12. September 1933* * Ereignisse und Geschichten Grundbuchrichter der Ecbmasse Das Versprechen hinterm Herd ,, Erbkrank- erbgesund" Augenblicklich ist in Hitler- Deutschland ein großer Feldzug des Propagandaministeriums im Gange. Er gilt der Förderung der Erbgesundheit im Sinne rassischer Bevölkerungspolitit. Im Rahmen dieser Aktion sandte in der vergangenen Woche der Deutschlandsender ein„ rassenhygienisches Lehr- und Hörspiel": Erbtrant- erbgesund von Konrad Dürre. Ueber den Inhalt erfahren wir unter anderem folgendes aus der gleichgeschalteten Presse: Mancher Standesbeamte hat bis zum heutigen Tag in vielen Fällen das Unheil kommen sehen, ohne eine Handhabe zum Eingreifen zu haben. Das soll anders werden. Der Standesbeamte sitzt gewissermaßen am Erbstrom, und es muß seine höchste und vornehmlichste Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß dieser Schicksalstrom des Volkes lauter und flar fließt. Das Standesamt muß nicht nur ber Drt der Ziviltrauung sein, sondern ein Ehe, Familienund Sippenamt im weitesten Sinne. Das Endziel ist die Einrichtung von Karteien, in der die Erbqualität jedes einzelnen aufgezeichnet ist. also eine Art„ erb= biologisches Grundbuchamt". Der Standesbeamte der Zufunft soll so etwas sein wie ein Grundbuchrichter der Erbmasse. Als„ Assessor" wird man ihm einen erbbiologisch und eugenisch geschulten Arzt beigeben, der gleichzeitig der eigentliche Gheberater des neuen Amtes ist. Zu seinen Aufgaben wird es u. a. gehören, die schwersten Fälle dem Sterilisierungsausschuß zu überweisen, der die Verbindung zu den Heilanstalten, Wohlfahrtsämtern und zum Kreisarzt darstellt. Die Uniform für den kommenden„ Grundbuchrichter der Erbmasse" ist, wie wir hören, schon entworfen. Auf einem Rragenspiegel in rosa treuzen sich zwei Schnuller über einer Geburtszange, während auf der Brust das Problem der gefunden Erbmasse durch eine Göbbels- Medaille symbolisiert wird. Früher hat man den Genius dem freien erotischen Zufall überlassen, dem unwägbaren Geschick der Geburt, das freilich oft Beute mit sichtbar schlechtem rassischen Familienstandard zutage förderte. So tamen schwere Fälle" wie Beethoven, Grabbe, Kant auf die Welt, und der „ Schicksalsstrom des Volkes" hat, wie wir glauben möchten, auch in der Zeugungsstunde Napoleons, Friedrichs des Großen und Wilhelm II., wenn man an ihre körperlich- biologische Beschaffenheit denkt, nicht ganz einwandfrei gerauscht. Aber jetzt haben wir, gottlob, das„ erbbiologische Grundbuchamt" in naher Aussicht. Jetzt stehen uns Hermanns und Thusnelden bevor, Beispiele eines gesunden Volkes, die durch Adel des Geistes und durch Ebenmäßigkeit des Körpers die deutschen zur Vorderrasse in der Welt erheben werden. Was nicht gelingt, wird sterilisiert! Die Solinger Kleineisenindustrie rüstet sich bereits zur Hochkonjunktur. Thomalla ein Germane Werbefachmann für Eebbiologie Der organisatorische Leiter des Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassepflege im Reichspropagandaministerium, Dr. Thomalla, machte vor den Vertretern der Presse über den soeben einsetzenden Aufklärungsfeldzug für erbbiologische Probleme unseres Volfes, seine Organisation und Ausführung folgende bemerkenswerten Ausführungen:„ Die im reinen Bewußtsein der Rasse veranferten Gedanken erbbiologischer Art, die mit ein Hauptprogrammpunkt der nationalsozialistischen Bewegung bilden, sollen nun in großzügigster Weise in das ganze deutsche Volk getragen werden, in das deutsche Volk, das bisher in er= schreckend geringem Maße sich diese für sein Leben und seine Zukunft so wichtigen Gedankengänge zu eigen gemacht hat. Um die Probleme der Erbbiologie an jeden Deutschen heranzubringen und ihn gleichermaßen zu zwingen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wird die Presse den Buchmarkt, den Rundfunk, den Film und das Theaterspiel in den Dienst der Sache stellen. Kurz, in alle Gebiete des täglichen Lebens Das dritte Reich" erstand auf euren Knochen, SA.- Proleten, armer Mittelstand. Nun wollt ihr auch, was man euch laut versprochen, Brot Arbeit- Freiheit und ein Stückchen Land? Die Poften find an andre weggegeben, Der Umsturz ward durch Führerwort gestoppt. Ihr dürft nur feiern und die Hand erheben. Wagt nicht zu sagen, daß man euch gefoppt. Das neue Reich wird ohne euch gestaltet. Nur Hunger quält euch, wie im alten Reich. Wenn ihr auch arm bliebt, ihr seid gleichgeschaltet Und ener Elend blieb sich gleichfalls gleich. bedrückt und arm, Denkt ihr der Worte, der uneingelöften, Weil ihr- so nach wie vor Nehmt es nicht tragisch, eines wird euch trösten: Wenn euch auch kalt ist, andre sitzen warm! Verjudetes Dankgebet! Mac Barthel. Da hat jahrzehntelang ein ahnungsloses Arierpublikum das Niederländische Dankgebet gesungen:„ Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten..." Auf feiner Siegesfeier durfte dieser Schlußgesang fehlen, nament lich jetzt, wo alle Tage Siegesfeier ist. Was aber stellt sich heraus? Jüdische Verse hat man in aller Ahnungslosigkeit geschmettert! Das kommt daher: Das„ Niederländische Dankgebet" des holländischen Dichters Valerius wurde vor zirka 50 Jahren auf Veranlassung des Wiener Komponisten und Chordirigenten Kremser verdeutscht. Ueberseßer war der damals bekannte Librettist Josef Weyl, der auch populäre Texte zu Straußschen Walzern schrieb, wie schon der Name sagt, ein Jude. Nach dessen Worten ist man also zum Beten getreten", offenbar vor Jehova statt vor Gott den Gerechten!„ Gott, der Gerechte!" möchte man vor Schreck ausrufen! müſſen die bevölkerungspolitischen Ideen des neuen Staates ,, Gott strafe England" hereingetragen und darin aufgezeigt werden." Ich bitte um den nächsten Reichswalzer" Deutsches Wesen im Gleichschrittlec Die deutschen Tanzlehrer haben jüngst in Bad Kissingen getagt. Während zu ihren Häuptern das Hakenkreuzbanner leuchtete, ihren Zungen immer wieder ein Heil Hitler" entströmte, haben sie ihre Füße der neuen heroischen Weltanschauung angepaßt, rassig geadelt und ertüchtigt. Traun fürwahr! Künftig wird kein deutscher Jüngling und kein deutsches Mädchen mehr den deutschen Gedanken Hohn tanzen! Mit Hitler in der Brust, mit Göring im Gesäß und mit Göbbels in den Kniekehlen tanzen sie fortan, die Reihen sest geschlossen, deutsche Erneuerung und deutsche Ertüchtigung. Die Erotit der leichtgeschürzten Muse Terpsichore ist durch die Beschlüsse des deutschen Tanzlehrerkongresses endlich aufgenordet und ins Metaphysisch- Irrationale der deutschen Seele erhoben. Aus der„ Kölnischen Zeitung" vom 7. September( Abendblatt) erfahren wir die Einzelheiten ganz authentisch.„ Was soll man also reden?" fragt das Blatt. Hören wir, was wird. Es gibt zunächst fünftig: den Deutschländler. Er ist ein Vierertanz, der die Quadrille ersetzen soll. Seine Figuren sind," so hören wir,„ ganz der heutigen Zeit angepaßt. Er soll die Form des Gruppen- und Gemeinschaftstanzes darstellen. denn es ist natürlich, daß zu einer Zeit, da gegenüber der Gesellschaft die Idee vom Volt ausgeht, gerade auf das Volkhafte des Tanzes besonderer Wert gelegt wird." Dieser neue Deutschländer wird also, wenn wir recht verstanden haben, den Vierjahre plan des Reichstanzlers au symbolisieren haben. Wenn sich nachher die Figuren schnell wieder auflösen, so weiß man sofort um die beutige Beit": Einmal geredet, einmal getanzt, und schon ist alles vorbei, ein duftiger Hauch. Der neue Reichswalzer stammt aus Hamm in Westfalen, während der oben erwähnte„ Deutschländer" in Meeran in Sachsen zur Welt kam. Auch dieser Tanz nimmt, wie die Kölnische Zeitung" schreibt, auf die„ neue Beit gebührend Rücksicht". Aber dieser Walzer wird in Zufunft, langsam getanzt" werden. Es sind einige retar= tierende Tatte eingefügt, und man bringt nun tombinierte Schritte. Man begreift sofort, was der Reichswalzer ausdrücken soll. Die Revolution ist beendet, das dritte Reich" kommt in den Zustand der evolutionistischen Bewegung, in der der SA. retartierende Takte vorgeschrieben werden. „ Kombinierte Schritte": Das Biel Bismarcks, den Partikularismus der Einzelstaaten zu überwinden, ist endlich durch Hitler gelungen! Jeder Herr, der fünftig seine Dame um den nächsten Reichswalzer bittet, muß sich klar darüber sein, daß die Mainlinie für immer überwunden ist. Zu unserem Schrecken entdecken wir, daß es dem Reichsverband deutscher Tanzlehrer nicht gelang, die ausländischen Tänze ganz auszuschalten. Sie werden vielmehr teutonisch getarnt weiter bestehen. Wir lesen in der Kölnischen Zeitung": „ Was wir heute an Tänzen mit fremden Namen noch haben, das ist inzwischen, wir können es getrost so sagen, so deutsch geworden, daß es auch in Zukunft bestehen wird. Da ist der One step, den man gut mit Marschtanz, schlechter mit Schieber übersetzt, der schwerlich je vom deutschen Ballsaal gänzlich verschwinden wird, so sehr ist er assimiliert worden, genau so wie der Foxtrott, den man Vorläufer der ,, deutschen" Wissenschaft von heute Im 54. Band der Sophien- Ausgabe von Goethes Werken, Weimar, 1916, der das Register A- 2 enthält, findet sich am Schluß der Aufzählung aller Goethe- Stellen, die sich auf England beziehen, der Zusatz:„ Gott strafe England!" Der schönste Druck Goethescher Gedichte wurde 1916 von Cobden= Sanderson in London veranstaltet. Die Veranstaltung für das Goethe- Register tragen May Hecker und Wolfgang von Dettingen. nun auch Gleitschrittler zu nennen pflegt, in Schillers ,, Räuber" in der Praxis gewissen Gegenden auch Friedrichshainer, Märfischer Achter usw. Auch der Foxtrott wird gemäßigter getanzt, hat fultivierte Bewegungen bekommen und ist damit durchaus erträglich geworden. Den Tango, den wir den Südamerikanern verdanken, hatte schon die gute englische Gesellschaft erheblich verfeinert, und man hat ihn inzwischen auch zum vornehmen deutschen Tanz ausgestattet. Ein Südamerikaner, der den Tango in seiner Heimat kennt, würde ihn in Deutschland kaum wiedererkennen. Wie man ihn nun in Deutschland tanzt, setzt der Tango viel musikalisches Empfinden und Tattgefühl voraus. Man wird ihn wohl als den exklusiven deutschen Gesellschaftstanz bezeichnen fönnen. Charleston, Taptrott, Rumba, Charlestev so und wie sie sonst geheißen haben mögen- sie werden, jo fern sie dem deutschen Gefühl überhaupt entsprechen, auch in Zukunft getanzt werden. Aber wir werden ihnen deutsche Namen geben. Und den übrigen Eintags= fliegen, die eine Mode schuf, die immer nach dem dernier cri hezte, werden wir faum eine Träne nachweinen." Man wird also in Deutschland die ausländischen Tänze wie bisher tanzen. Man wird schieben, sich aneinander schmiegen dürfen, im Onestep die Beine miteinander kreuzen fönnen, aber man wird es mit gutem Gewissen tun dürfen, weil diese Tänze jetzt deutsche Namen haben. Der ge mäßigte Gleichschrittler, der früher Fortrott hieß, ist der lebendig trippelnde Beweis für die Tatsache, daß aus fauligem, erotischem Flittergold deutsches Wesen gezeugt werden kann, wenn sich rassereine Füße seiner annehmen. ,, Wie wir sie tanzen, sind sie deutsch," sagt wörtlich die Kölnische Zeitung". Der Tanz unter dem Hakenkreuz mag fünftigen Geschlechtern lehren, welche Befreiungstat dem Nationalsozialismus gelang. Unter den innigen Klängen des Reichswalzers wird gottlob niemand das Schreien der andern hören, die täglich deutsche Tänze auf eine besondere Weise erleben: die der Peitschen auf ihren Rücken. Zwangs- Theater! Jeder Beamte muß... Der Leiter der Nationalsozialistischen Beamtenschaft des Kreises Bamberg, Studienrat Walter Doye, hat in einem Erlaß jedem Beamten, der über 300 Mark Monatseinkommen hat, zur Pflicht gemacht, einen Sig im Staats: theater zu abonnieren. Eine Ausnahme von dieser Verpflichtung soll nur für finderreiche oder in besonders schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebende Beamte gemacht werden. Es bleibt die Wahl zwischen Kinderreichtum und Theaterbesuch. Bei der Qualität der heutigen Theater wird das zu einer Welle der Geburten führen... Der katholische Bühnenvolksbund ist von den Nazis int Konkurs getrieben worden. Sein Eigentum hat das braune Regime der Deutschen Bühne", die sich alleinige deutsche Theaterbesucher- Organisation" nennt, überwiesen. Der sehr aktive Verlag des katholischen Bühnenvolksbundes hatte aber, da er geschäftlich selbständig geführt worden war, durch den Konkurs nicht gelitten, Nun wurde er gezwungen, seinen bisherigen Namen zu löschen. Seine Aktiven übernimmt Albert Langen- Georg Müller. Also: Enteignung zugunsten einer Privatfirma. Die gleichgeschaltete Presse darf diesen Raub nur sehr verklausuliert mitteilen. mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen Die Zeitschrift Hammer" des Antisemiten Theodor Fritsch bringt die folgende Fantasie eines zweifellos nicht ganz Normalen:„ Die Zeichnung einer soeben in Holland neu herausgegebenen Briefmarke zu 12 Cent, das ist bezeichnenderweise das Auslandsporto, gibt den Davidstern wieder. In ihm sieht man Schwert( Krieg) und Taube( Frieden) dargestellt. Damit wird also zum Ausdruck gebracht: Wir( Juden), die Inhaber des Davidsternes, bestimmen über Krieg und Frieden. Wir kennen die Heßzzentrale Judas in den großen holländischen Städten aus den üblen Verleumdungsschriften zur Genüge, um schon daraus Schlüsse für die jüdische Macht in Holland ziehen zu können. Die Ausgabe dieser Marke, und soll es sich nur um das Auslandsporto handeln, scheint uns aber den Höhepunkt darzustellen" Frauen stäckt den Binnenmackt! nicht mehr schminken In Breslau ist geschminkten Frauen der Zutritt zu Veranstaltungen der Nationalsozialistischen Partei verboten. In Hannover setzten zwei Frauen der Frauenschaft durch, daß bei einer Modevorführung die vorführenden jungen Mädchen abgeschminkt wurden. Hoffentlich," fo schreibt die gleichgeschaltete Presse wörtlich dazu, findet solches Vorgehen Nachahmung, schon aus Gründen der Einfuhrverminderung, einer aktiven Handelsbilanz und damit Stärkung des Binnenmarktes, wenn man das Schminken nicht aus Kulturrücksichten unterlassen will." Amerikanische Literatur verboten! „ The literary Digest", Neuyork, eine der besten und be= fanntesten amerikanischen Literaturzeitschriften ist im„ dritten Reich" bis auf weiteres verboten.( Deutsches Kriminalpolizeiblatt Nr. 1627. DAS BUNTE BLATT NUMMER 71 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE DIENSTAG, DEN 12. SEPTEMBER 1933 Ein Ziesel stirbt Der heiße Sommertag brannte über der hügeligen Landschaft. Ein Mann lag am Feldrain. Er rührte sich nicht. Da war eben dicht vor ihm ein Tier in der Erde verschwunden. Man hätte es für ein Wiesel halten können, aber es war fräftiger, weniger schlank im Bau. Sein lockerer, grangelber Pelz glich der Ackererde. Da war es wieder. Und noch eins, zwei, drei. Jetzt war der Beobachter seiner Sache sicher: es waren Ziesel, Verwandte des Murmeltiers, die aber nicht wie jenes im Hochgebirge leben, sondern die freie, offene Steppe und das waldlose, sonnige Hügelland besiedeln. Aus dem Osten Europas bat sich der Ziesel immer weiter nach dem Westen über Schlesien, Mähren und Böhmen, Steiermart. Kärnten und Krain ausgebreitet. Das waren also alles Ziesellöcher, die dem Manne schon unterwegs aufgefallen waren. Wie in die Erde gestochen sehen sie aus. Es war ja auch das richtige Gelände hier, denn seinen reichlich metertiefen Bau legt der Ziesel mit Vorliebe unter trockenen, grafigen Wegböschungen und Feldrainen an. Im bebauten Felde selbst gräbt er sich nicht ein, hat es aber als Nahrungsgebiet gern in der Nähe, denn er nährt sich von zarten Wurzeln und Kräutern, Beeren, Sämereien und Getreidekörnern, von denen er, darin dem Hamster ähnlich, Borräte für den Winter einträgt. Spielend wie vergnügte braune Kobolde huschten die Tiere im Gelände herum, schnell wie auf kleinen Rädern. Bald setzte sich das eine, bald das andere aufrecht auf den kurz behaarten Stummelschwanz, um zu sichern. Das große, schwarzbraune Auge blickte klug und wachsam nach der verdächtigen Richtung. Regungslos wie ein kleiner, brauner Holzpflock, saß das Tier im Grase; nicht ein Härchen rührte fich an ihm. Plötzlich aber verschwanden blißschnell alle Tiere, buchstäblich von der Erde verschwunden, schneller als man sehen konnte. Ein junger Bauer tam den Feldweg entlang. Von Zeit zu Zeit bückte er sich; als er näher tam, sah der Mann, daß er sich an Ziesellöchern zu schaffen machte: er legte Schlingen. Ein kurzes Holz stedte er neben dem Loche fest in die Erde; an dem Holz war eine Spagatschlinge befestigt, die er sorgsam in die Rundung des Schlupfloches legte. " Die verdammten Erdhunde," sagte er, die Grießschel, gibts heuer massenhaft. Achte habe ich heute schon gefangen. Was die für Schaden im Getreide anrichten!" Na, so schlimm schien es wohl nicht zu sein, man sab in den Feldern nicht viel davon da und dort waren einige Halme abgebissen. Der Mann hoffte, die gescheiten Tiere würden den Bauer mit seiner lauten Stimme reden hören und nicht wieders kommen. Aber sie tamen wieder. Da eins und dort eins. Sie spielten im Grase. Plötzlich klatschte der Bauer derb in die Hände- weg wie der Blizz waren die Ziesel. Aber der Bauer sprang auf und lief auf eine Stelle aus ein Siefel hatte sich in der Schlinge gefangen. Dicht vor seinen Hinterbeinen hatte sie sich fest um den Leib zusammengezogen; es gab kein Entrinnen. „ Nu," sagte der Bauer, die reißen noch oft genug aus. Wenn sie sich im Loche noch umdrehen können, beißen sie den Spagat durch. Oder sie gehen mitsamt der Schlinge und dem Holz ab." Langsam, vorsichtig, damit der Spagat nicht reiße, zog der Bauer das Tier aus dem Loche. Es widerstrebte mit allen Kräften und suchte in den Bau zu entkommen. Es half ihm nichts nun war es draußen. Mit leisem, angstvollem Pfeifen strebte es dem Loche zu, versuchte, ein neues Loch zu graben. Die schwarzbraunen Augen funkelten in Todesangst. „ Ach- lassen Sie doch das Kerlchen laufen!" Der Bauer sah den Mann an und lachte über das kuriose Mitleid mit einem Grießschel. Was sie sind Ein Amerikaner= ein Whisky Zwei Amerikaner= zwei Whisky Drei Amerikaner= Temperenzlerverein. Ein Italiener= Mandoline 3wei Italiener: Combinacione Drei Jtaliener= Flucht. Ein Brasilianer= ein Caballero Zwei Brasilianer= zwei Caballeros Drei Brasilianer= drei Generale. Ein Engländer= Dummfopf Zwei Engländer Matchs Drei Engländer Kolonie. Lächeln Ein Japaner Zwei Japaner= Schweigen Drei Japaner= Rätsel. Ein Franzose= Intelligenz Zwei Franzosen= Politik Drei Franzosen= Unordnung. Ein Deutscher= Philosoph Zwei Deutsche= Verein Drei Deutsche= Korporalschaft. Er nahm ein Stück Holz und schlug dem Ziesel mehrmals auf die Nase. Ein paar hellrote Blutstropfen sickerten heraus. Das Tier spreizte die kleinen Beine von sich und starb. In diesem Augenblic war eine große Stille in der Welt. Die Bäume regten fein Blatt. Das Gras stand starr. Kein Wind war und kein Vogel sang. Ein Tier starb, von Menschenhand erschlagen, ein Ziesel. Und eine kleine Tierseele entschwebte durch den grüngoldenen Tag. Sie flüsterte:„ Du hast mich erschlagen. Alles erschlagt ihr in eurem Wahn, die Erde gehört nur euch. Wegen der paar Getreidekörner, von denen ich lebte. Du, Bauer, sagst, es seien zu viele und der Schaden sei groß. Viele! Was ist viel? Du siehst nur diese Körner, die ich dir wegnahm. Siehst du nicht die Verwüstung, die deinesgleichen treibt? Hast du noch nie davon gehört, daß man in Südamerika ganze Schiffladungen Weizen in die Kesselfeuerungen warf, weil man nicht wußte, wohin mit dem Ueberfluß? Man weiß es nicht, und in anderen Ländern hungern die Kinder! Ihr vernichtet ganze Ernten. In den australischen Plantagen werden Gummibäume umgehackt, weil sonst der Gummi zu billig wird. In Brasilien schüttet ihr alljährlich viele Millionen Sack Kaffee ins Meer. Das genügt noch nicht. Die Kaffeepflanzer haben jetzt ihrer Regierung vorgeschlagen, einige Millionen Kaffeebäume zu vernichten, um die Ernte zu verringern. Ihr vernichtet den Segen, den euch die Erde spendet. Ihr treibt Verwüstung und Millionen leiden Not. Uns aber erschlagt ihr, weil wir einige Aehren von eurem Ueberschuß nehmen. Ihr nennt euch vernunftbegabte Wesen. Wollt ihr nicht eure Vernunft gebrauchen, um eure Menschenwelt so einzurichten, daß euch nicht zum Fluche wird, was die Erde euch spendet? Aber zu wem spreche ich! Ihr seid Menschen. Ihr erschlagt euch gegenseitig, ihr bringt euch um, einer den andern, ein Volf das andere, mit tausendfältigen Martern. Und ich bitte für das Leben eines unschuldigen Tieres! Ihr schändet das Grab des Ermordeten und nennt seine Mörder Helden! Ihr seid keine Tiere- ihr seid Menschen!" Die Seele schwieg. Ein Wehrenfeld erschauerte. Der tote Ziesel lag auf dem Rücken. Man sah seinen rostfarbenen Bauch, die weiße Kehle. Die kleinen Beine, die so flink gewesen waren, hatte er im Sterben an den Leib hätte eine furchtbare Erkenntnis dem Tiere die Lippen vergezogen. Die großen, weißen Nagezähne lagen frei, als zerrt. Zwischen den weißen Zähnen glänzte frisches Blut... Manfred. Gedicht einer Fünfzehnjährigen Jugend, die viel safi und bitter wurde Sei artig, ehrlich, die Moral beachte! Das letztere am wichtigsten mir scheint ein Stoß gen diese, wenn er auch nur sachte, entehrt dich gleich, egal, wie dus gemeint. Ne, Bürgersfran werd' einmal, eine gute! und wähle brav die NSDAP. und ist dir mal verzweifelt sehr zu Mute, Gedenke Gott! Er löset alles Weh! Und benge deinen Sinn dem Mann, dem Deinen, Gehorche ihm aufs allerletzte Wort, er wird es immer sehr gut mit dir meinen, Tu nicht am ungebornen Kinde Mord! Gebare Kinder! Gott wird dich belohnen. soviel du kannst und wie es möglich ist. Wo später fie dann leben, schlafen, wohnen, das ist nicht deine Sache- ob im Mist? Beschäftige dich nicht mit„ roten" Dingen, denn dieses ist nun nichts für eine Frau, du mußt auch deine Kinder dazu bringen, Daß sie treudeutsch werden, wie du genau. Versorg den Haushalt und erzieh die Kinder, verdienen ist die Sache von dem Mann, erzieh sie so, daß später sie nicht minder den Staat als größtes heiligtum sehn an. Tu Gutes für die armen, frommen Leute, und spende ihnen hin und wieder was. Denn so, so ist es schließlich einmal heute, daß viele Menschen beißen in das Gras. Es gab auch immer Arme und auch Reiche, und das, das wird so immer, ewig sein, Es ist nicht schade um ne einz'ge Leiche, tein Mensch, tein Tier wird lange um ihn schrein. Auch das Auto lernt fliegen Alles muß fliegen lernen! Auch das Auto. Ein Berliner hat ein Gebrauchsmuster auf dieses erste Fliegende Automobil" erhalten. Man stelle sich vor: Ein allseitig ges schlossenes, tropfenförmiges Auto auf vier Rädern, die von einem üblichen Motor angetrieben werden. Die Kotflügel sind etwa größer als sonst und mit Traggas gefüllt, des gleichen sind am oberen Teil der Karosserie gasgefüllte Trage flächen angebracht. Vorn und hinten befindet sich ie eine archimedische Schraube. Um mit diesem Monstrum nun in die Luft zu steigen, braucht man nur den Antrieb umzuschalten auf diese beiden Schrauben, und dank der gasgefüllten Trag räume geht es in die Höhe. Um die Wirkung noch weiter zu verbessern, sind sogar in den vier Rädern Propeller als Er satz für die Speichen vorgesehen. Flüchtlingsheim in Jerusalem Herr und Fräulein Doktor... Fräulein Dr. X., in Deutschland vielfach examinierte und berufsgeübte Sozialbeamtin, sitzt am Tisch und lernt hebräische Vokabeln. Morgen wird sie eine Stelle als Köchin antreten. Herr Dr. Y., ehemals Arzt in Magdeburg und Verwalter einer hervorragenden Praxis, sitzt am Tisch und lernt hebräische Vokabeln. In einer Woche wird er sich einen breiten Strohhut aufsetzen, die Turiah in die Hand nehmen und schwitzend zu erfassen versuchen, was man alles tun muß, um Orangen züchten zu können. zweihundert Meter weiter, im engen, dunstigen lärmerfüll ten Ghetto, die alten Juden singen und träumen. Die Gespräche der Heiminsassen sind von weit weniger Schwärmerei getragen; die Gedanken fragen, ob die Emp fehlungsbriefe, mit denen alle überreich gesegnet sind, etwas nußen werden; und ihre Zukunftsträume ersehnen die feste Anstellung mit vier, mit sechs oder gar mit zehn Pfund Monatsgehalt nun, in der mit dem Glanz von vielen biblischen Wundererzählungen überschimmerten Stadt Jeru salem geschieht im bitteren Jahr der internationalen Krise 1933 selbst dieses Wunder: immer wieder meldet einer mit 3. 3. sitzt am selben Tisch. Ich schreibe nicht„ Herr 3. 3.". strahlendem Gesicht, daß er Arbeit gefunden habe: als kaufImmerhin war er ein bekannter Schauspieler, eben schon „ der 3.", wie man im Volksmund sagte, der um so begeisterter von ihm sprach, wenn es ein Jungmädchenmund war. Auch 3. 3. lernt jetzt hebräische Vokabeln. In einem Jahr hefft er vom Rampenlicht der Habimah, dem ersten Theater Palästinas, beschienen zu sein. Damit wären also drei Insassen aus dem durch Privatinitiative und mit Hilfe privater Geld- und Sachspenden geschaffenen Jerusalemer Flüchtlingsheim für deutsche Emigranten vorgestellt, drei Insassen von vierundzwanzig, die hier Tag um Tag zu zählen sind, die in seinen weichen, sauberen Betten für 2 Piaster pro Nacht herrlich schlafen, die sich in seinen Wohnräumen häuslich einrichten und hier bisweilen bis zu vier Wochen Aufenthalt nehmen. Aber man fann nicht einmal sagen, daß die drei vorgestellten Heiminsassen in irgend einer Hinsicht typisch seien, denn im Jerusalemer Beth Haolim"( Haus der Einwanderer) findet sich, von einer liebenswürdigen Dame mütterlich betreut, noch einmal alles zusammen, was die Schiffe von aus Deutschland geflüchteter Menschenfracht hier seit Monaten ans Land spülen: Alt- und Neuzionisten, Kaufleute und Aerzte, Handwerker und Juristen, Stenotypistinnen und Literaten.. An dem Wort Flüchtlingsheim" haftet nicht der Begriff der Seltenheit. Es gab und gibt ihrer Tausende in der Welt; überall, wo Menschenmassen heimatlos wurden, streckten sich noch immer helfende Hände aus, öffneten sich noch immer gastfreundliche Häuser, um Obdachlose aufzunehmen- aber selten ist wohl ein Flüchtlingsheim so schön und so wenig nur zum flüchtigen Aufenthalt ladend wie dieses von einer wundervollen Atmosphäre des Optimismus erfüllte Jerusalemer: ein von Zypressen umstandenes, geräumiges, stets frisch durchkühltes, mit allen Annehmlichkeiten der Zivilisation ausgestattetes arabisches Haus, das so burgartig fest gebaut ist, daß man vermuten könnte, es habe schon zu Herodes Zeiten hier gestanden und es werde auch dann noch der Beit trogen, wenn der Meschiach wieder kommt, von dem, männischer Korrespondent oder als Schlosser, als Modistin oder Chauffeur, Stubenmädchen oder Krankenpfleger. Am Abend ihres ersten Arbeitstages berichten Korre spondent, Schlosser, Modistin, Chauffeur, Stubenmädchen und Krankenpfleger den andern, die das Glück noch suchen, wie " es" war: ob der Chef sich umgänglich gezeigt hat, wie die Mitarbeiter sich anstellen, ob man, sich mit ihnen verständigen kann, wie das Arbeitspensum bewältigt wurde. Das gibt Gespräche, wie man sie auch in Deutschland kennt, es ist ges wiß nichts Sensationelles in ihnen. Allerdings: Korrespon dent, Schlosser, Modistin, Chauffeur, Stubenmädchen und Krankenpfleger haben zwischen Maas und Mer.el meistens etwas ganz anderes getan aber fragen wir nicht mehr, was. Wenn sie selbst von Deutschland sprechen, und es ge schieht verständlicherweise sehr häufig, steuert das Gespräch zuerst auf das Schicksal ihrer Angehörigen, die sie zurücklassen mußten und um die sie sich sorgen... Hinter dem Bild des verlassenen Hauses erscheint das Ge mälde des Landes, das ihnen einmal Heimat gewesen ist Ein junger„ Chaluz", der in zwei Tagen wohl schon in Haifa auf dem Bau arbeiten wird, erzählt, wie er als„ fahrender Gesell" den Rhein entlang wanderte. In Köln berauschte ihn die Pracht des Doms, in Rüdesheim war der Wein so gut, in Bacharach das Stadtbild so romantisch; wieviel Lieder hat er gesungen; wie funkelte des Flusses Flut-. Sie hören dem Jungen aufmerksam zu- aber wie er den Bericht seiner Reise beendet hat, fügen sie nicht, bewegt von Sehnsucht und Sentimentalität, eigene Erinnerungen an die alte Heimat hinzu. Sie schweigen und beugen sich wieder über ihre hebräischen Bücher, um die alte neue Sprache zu lernen. Am fleißigsten flüstern Fräulein Doktor, Herr Dok tor und der Schauspieler die fremden Worten vor sich hin. Mars ist blind und des Gesichts beraubt, Er wühlet wie ein Schwein stets alles Unglück auf. Sophotle& 1324 f Die Stichwahl in Schaffhausen 3ürich, 10. Sept. Im Kanton Schaffhausen fand heute Papen der Eroberer Auf dem„ Tag des deutschen Volkstums" des VDA. hat Papen eine Rede gehalten, die in ihrem Wesentlichen folgenden Wortlaut hat: inf die Stichwahl für das zu besetzende Ständeratsmandat statt, Er klagt, daß über Oesterreich noch nicht das Hakenkreuz weht in der die relative Mehrheit zu entscheiden hatte. Wie zu erwarten war, siegte der freisinnige Kandidat Dr. Käser, der 5019 Stimmen erhielt gegen 4919 in der Hauptwahl. Auch die Kommunisten fonnten ihre Stimmen von 2987 auf 3279 erhöhen, während der Kandidat der Neuen Front, die mit der nationalsozialistischen Bewegung sympathisiert, Dr. Henne, 2946, d. h. die gleiche Stimmenzahl erhielt wie bei der Hauptwahl. Das Ergebnis brachte der„ Neuen Front" zwar nicht den Sieg, den auch niemand erwarten konnte, zeigt aber, daß die Neue Front" über einen festen Stamm verfügt. Man sollte die Bewegung nicht unterschätzen. Der Kriegsprofessor Neue deutsche Kriegswissenschaft Die„ Times" widmet dem jüngst erschienenen Buch des Professors Ewald Banse über die Kriegswissenschaft einen längeren Artikel. Professor Banse lehrt diese Disziplin an einer deutschen Universität. Er ist nicht der einzige seines Fachs; andere Ernennungen sind schließlich durchgefickert, obwohl die Presse den Befehl erhalten hat, sie nicht zu erwähnen. Banse hält den Krieg für unvermeidlich und will diese Ueberzeugung dem ganzen Volk einimpfen. Nichts ist einfacher als das: Dieses Buch ist nicht eine gelehrte Abhandlung über die Runft der Kriegsführung, wie sie Soldaten anwenden. Es ist vielmehr ein Leitfaden für Kinder, der bezweckt, den Geist des Volkes in militärische Bahnen zu lenken, denn fchließlich beschäftigt es sich normalerweise mit den Waffen, obwohl seine Eristenz letzten Endes durch die Unvermeidbarkeit des Krieges bedingt ist. Das Auge des deutschen Volkes muß sich gewöhnen, einen See nicht allein als eine Wassermasse zu betrachten, sondern auch als eine geographische Gegebenheit, die für militärische Bewegungen Bedeutung besitzt. Es handelt sich darum, auf die zynischste Weise der Welt die Vorliebe der Kinder für das Kriegsspiel und die Bleisoldaten auszunutzen. Man wird also das Kriegsspiel mit Hilfe von Schießund Geländeübungen organisieren. Ueberdies( und das ist nicht mehr die„ Times", sondern der Professor, der spricht): Die Methoden und die Absichten der neuen Wissenschaft follen einen unerschütterlichen Glauben an den hohen ethischen Wert und den tiefen Sinn des Arieges schaffen und im einzelnen Individuum die psychologische Bereitschaft zum Opfer für das Wohl der Nation und des Staates erzeugen. „ Es ist die Schicksalsfrage des deutschen Volkes geworden, führte der Vizekanzler aus, daß ein Drittel von ihm außerhalb der Reichsgrenzen lebt und daß kein noch so gewaltsamer Versuch jemals eine Uebereinstimmung von Staat und Volksgrenzen im mitteleuropäischen Ranm herbeizuführen vermöchte. Ich möchte heute wiederholen, daß die Aufgabe einer sinnvollen Neuordnung des mitteleuropäischen Raumes, welche die Geschichte den Staatsmännern von heute gestellt hat, nicht allein vom Wirtschaftstongreß oder internationalen Anleihekonsortien gelöst werden kann. Diese Neuordnung erfordert vielmehr ein Be tenntnis jener Staatsmänner, die immer das Wort von der Sicherung des Friedens im Munde führen, zu der Auffassung, von Tagung des Katholischen Soldatenbundes zu einer Rede, in der er u. a. ausführte: Es sind nicht alle Truppen hier in Wien, es sind viele hinausgegangen, um an den Grenzen Desterreichs Wache zu halten und um für die Aufrechterhal= tung der Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Wir grüßen die Kameraden von ganzem Herzen und sagen ihnen: wir beten zu Gott, daß es umsonst gewesen sein möge, daß sie hinausmußten. Dann geloben wir, so fuhr der Minister fort, aber auch, daß wir unsere Heimat vor jedem Einbruch zu schützen wiffen werden. Die Regierung hat gezeigt, daß sie Herr wird über alle, die sich gegen die Ordnung im Staate auflehnen wollen. Wenn es sein müßte, wird die Regierung noch zu weit strengeren Maßnahmen greifen. daß die Niederhaltung, Affimiliernus, ui. Das Braunbuch ist da saugung andersvölkischer Gruppen innerhalb der eigenen Grenzen niemals und für niemanden ein inner politischer Gewinn sein fanu. Die Balkanisierung Mitteleuropas, die uns die Pariser Vorortverträge gebracht hatten, ist ein Produkt des liberalen 19. Jahrhunderts, das der Nationalsozialismus hente im Begriff ist au überwinden. Wir können es der Welt gar nicht eindringlich genug sagen, daß wir Europa ein neues Ordnungsprinzip zeigen und daß wir entschlossen find, selbst nach diesem Prinzip zu handeln. Die Tragik der deutschen Geschichte, die sich wieder einmal darin manifeftiert, daß kurzsichtige deutsche Politiker den Sinn geschichtlicher Entwicklung nicht verstehen, hat es uns leider versagt, den heutigen Ehrentag Wiens zu einem gewaltigen Bekenntnis des gesamtdeutschen Volkstums zu machen, wie es zunächst auch in Wien geplant war. Wir bedauern das schmerzlich, aber wir wollen unseren Brüdern an der Donan doch sagen, daß wir im Herzen bei ihnen sind. Wir, die wir auf dem Wege zum neuen Reich drinnen und draußen sind, wissen, daß Grenzsteine oder Polizeimaßnahmen, daß Staatsegoismus und Staatszentralismus den deutschen Volksförper zwar äußerlich trennen, nie aber seinen Blutlauf abschnüren können. Volk will zu Volk eben weil diese Zeit den Frieden und den kulturellen Fortschritt will das ist die Aufgabe des neuen Jahrhunderts." Der Katholikentag Scharfe Rede Vaugoins Wien, 10. September. Landesverteidigungsminister Vangoin benutzte die Ges legenheit einer im Rahmen des Katholikentages abgehaltenen Oesterreich stellt zusammen... Nazi- ,, Putzscharen" Wien, 10. September. Zwei gegen den Nationalsozialismus gerichtete Aktionen der Regierung Dollfuß treffen zeitlich mit dem Beginn des Katholiken- Tages zusammen. Die eine ist die seit langem angekündigte und rechtzeitig erfolgte Herausgabe des ,, Braunbuch e s", über das am Vorabend des Beginns der Feierlichkeiten den Blättern entsprechende Auszüge zugeleitet wurden. Die zweite Aktion besteht in der Aufstellung von„ Pußscharen", die in Wien zum ersten Male zu Beginn des Katholikentages zur Zwangsarbeit herangezogen wurden und die die Naziverbrecher mit ihren eigenen Methoden schlagen. In verschiedenen Bezirken von Wien hatte man heute vormittag Nationalsozialisten mit der Polizei aus ihren Wohnungen geholt und zwang sie dazu, Wände, Mauern und Plakatsäulen, die schon seit längerer Zeit Aufschriften oder Hakenkreuzzeichen trugen, zu reinigen. Gegen mehrere Personen, die den Weisungen der Polizei nicht nachfamen, werden Haft- und Geldstrafen verhängt werden. Auch in einigen Orten in der nächsten Nähe von Wien wurden zahlreiche„ Putzscharen" zur Arbeit gezwungen. In der Provinz dauern die Maßnahmen gegen Nationalsozialisten unverändert an. Nazis und Paneuropa Man findet noch unzähliche Aussprüche in diesem Buch über die Schönheiten des baktereologischen Krieges und über die Wunder, die in einem feindlichen Ein Programm der Verrücktheit! Lager Flöhe als Typhusträger oder Ratten als Verbreiter der Best tun können. Die Sondergerichte Der„ Dortmunder Generalanzeiger" berichtet in einer Ausgabe über folgende Urteile des Sondergerichts: Die Montagfißung des Sondergerichts begann mit dem Fall des ehemaligen Bergmannes, jeßigen Händlers Karl Eltrug aus Haltern. Dieser hatte behauptet, daß heute erst recht Bonzen und Parteibuchbeamte oben säßen. Der Angetlagte wurde sehr milde beurteilt und zu drei Mo maten Gefängnis verurteilt. Dann trat der 37 Jahre alte Bergmann Hermann AltHülshorst in die Anklagebant. Er hatte auf offener Straße in Herne den Führer beschimpft. Dafür erhielt er acht Monate Gefängnis. Der 83jährige Arbeiter August Beulmann aus Unna gehört zu jenen seltenen Menschen, die selbst vor dem Richter noch zugeben, sich als eingefleischte SPD.- Männer noch nicht zur neuen Idee bekennen zu können. Er hat in der Wirtschaft Kramer in Unna Braun und Severing in Schuß ge= nommen und gemeint, daß Hitler und Göring wohl nach 14jähriger Regierungstätigkeit nicht mehr so reine Westen an hätten, wie die beiden anderen. Der Staatsanwalt be= antragte gegen den Angeklagten acht Monate Ge fängnis. Das Gericht verurteilte ihn nur zu fünf Mo naten Gefängnis. Jn Rüdesheim hat Pg." Simon den Anspruch des dritten Reiches" auf alle deutschen Gebiete außerhalb der Reichsgrenzen angemeldet und damit erneut gezeigt, daß die Friedensbeteuerungen Hitlers nicht ernst gemeint find. Schon lange vor Simon hat aber ein anderer würdiger Vertreter des Naziregimes, Herr Kube, Oberpräsident in Brandenburg und Vorsitzender der preußischen Landtagsfraktion, die gleichen Forderungen erhoben. In einem Antwortschreiben an den Grafen Coudenhove Calergi hat Kube die Forderungen schon vor der Machtergreifung der Nazis formuliert, unter denen die NSDAP. bereit sei, den Eintritt Deutschlands in einen europäischen Staatenbund gutzuheißen: 1. Sämtliche Deutschland aufgezwungene Verpflich= tungen des Schandvertrages von Ver= jailles werden aufgehoben. 2. der französische Staat verpflichtet sich, für seine von seinen weißen und farbigen Horden im Rheinland, im Ruhrgebiet, in Oberschlesien und sonst begangenen Schandtaten Reparationen an Deutschland zu zahlen. 3. Die deutschen Minderheiten in Polen, der Tschechoslowakei, Dänemark, Belgien, Am übelsten war der letzte Fall. Der Kaufmann Otto Der Landesbischof Mengede aus Herford- Kriegsteilnehmer und späterer Fabrikant, dessen Betrieb in Konkurs geriet- war zuTezt als Pfleger in einer Anstalt für Schwachsinnige von der Inneren Mission in der Nähe Bielefelds tätig. Dort hat er in ganz großem Stil gegen die Regierung gehezt. Zunächst behauptete er, Hitler habe das Reichstagsgebäude aus Angst vor einem Mißtrauensvotum von seiten des Plenums des Reichtags angesteckt. Dann hatte er eine an China erinnernde Ranggliederung in der Regierung propagiert: Der Reichspräsident sei der Mandarin, Hitler und Göring seien die Berlin, 7. Sept.( Inpreß.) Der neue preußische LandesEischof, Wehrkreispfarrer Müller, erklärte in einem Interview: Das Wort„ Friede" bedeutet für die Kirche nicht den Gegensatz zum Krieg. Im Sinne der Religion bedeutet es vor allem Frieden mit Gott..." Und Krieg zwischen den Völkern. Bonzen, und was darunter fomme, müsse als Funktionäre Die Denkmalsseuche bezeichnet werden. Nebenher schimpfte er auch in unflätiger Weise auf Stabschef Röhm und Pfarrer Münchmeier und meinte, als man ihm eine nationalsozialistische Zeitung anbot:„ Wer Dreck anfaßt, besudelt sich." Der Staatsanwalt wollte ihn mit 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis bestraft wissen. Das Urteil lautete auf ein Jahr drei Monate Gefängnis. Vierzehn Morde? W. Arnold Forster, der organisatorische Leiter ber„ Nationalen Friedensgesellschaft, schreibt in der neuesten Nummer des„ Peace" über seinen kürzlichen Besuch in einem Konzentrationslager für politische Gefangene in Bayern: Ich habe Grund zu glauben, daß vierzehn Menschen in diesem Lager in furchtbarer Weise ermordet worden sind. Viele sind mißhandelt worden. Es ist wie im Mittelalter. Man erlaubte mir nicht, die Gefangenenzellen zu sehen. Männer und Jünglinge werden ohne Anklage und ohne Verhör gefangen gehalten und wissen nicht, wie lange ihre Haft dauert. Ich kann nicht den Ausdruck von Hoffnungslosig= teit auf den Gefichtern dieser unglücklichen Menschen beschreiben. Der mit Elektrizität geladene Stacheldraht, Auf einer Tagung von 200 Propagandaleitern aus SüdHannover- Braunschweig, Osthannover und und Weser- Ems wandte sich der Landesleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Schirmer, gegen den nationalen Kitsch und er= klärte, auch mit der Aufstellung von Gedenksteinen sei in den verschiedenen Dörfern und Städten gefündigt worden. Diese Denkmalsseuche, die das Volk ergriffen habe, müsse ausgebranntwerden. Wenn man schon baue, dann müsse es so gewaltig sein, daß jede Kritik sofort zerbreche. Man könne der Bewegung und ihrem Willen zum Aufbau in jeder Ortsgruppe, jeder Stadt und jedem Dorf kein besseres Denkmal setzen als dadurch, daß jeder Ort durch eine Urkunde festhalte, was in seiner Gemeinde unter der nationalsozialistischen Regierung zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit getan worden sei. Alle Dinge, die das kulturelle Leben unserer Zeit berührten, müßten aus der Sphäre des Biertisches und der spießbürgerlichen Behaglichkeit herausgerissen werden. Das ist eine vernünftige Rede. Die Nachfolger der Nazis werden ohnehin Schutt genug wegzuräumen haben. der das Lager absperrt, wird niemals aus dem Gedächtnis Die jüdische Frau dieser jungen Menschen verschwinden. Es ist ein Stacheldraht, der ganz Deutschland jetzt umspannt. Wenn das deutsche Volk nur einmal sehen könnte, was ich in jenem Lager sah, so würde es sicher nicht eine Woche länger diese Zustände dulden." und was einem passieren kann Rumänien, Italien(!) und Jugoslawien erhalten das Recht, sich durch Volksabstimmung zu Groß- Deutschland zu bekennen. 4. Deutsch- Defterreich, Elsaß- Lothringen, die deutsche Schweiz, Lichtenstein, Luxemburg, Danzig und das Memelland werden mit Deutschland wieder vereinigt. 5. Das niederdeutsche Flandern wird von den romanischen Wallonen getrennt und erhält das Recht, sich Holland anzuschließen. 6. Den Vorsitz in diesem europäischen Staatenbund übers nimmt das Bolk, das auf Grund seiner Zahl, seiner Geschichte und seiner Kultur allein den Anspruch darauf erheben kann: Deutschland. 7. Die Deutschland von den sogenannten„ Siegerstaaten" ( beffer Raubstaaten) abgepreßten Beträge werden zurückgezahlt. Es ist gut, auch diese Gedankengänge wieder in Erinnerung zu rufen. Sie decken sich voll und ganz mit den Reden aller Unterführer Hitlers. Das Friedensgestammel des„ Führers" ist eitel Lug und Trug und nur darauf berechnet, Zeit zu gewinnen und das Ausland zu täuschen. Wehe Europa, wenn es sich täuschen läßt! - Geschäftsleute der Rayonchef vom Kaufhaus Blumenthal, ein Herr Großhot aus der Wagemannstraße, ein Mann von 60 Jahren, polnischer Staatsangehörigkeit, und der Inhaber eines Möbelgeschäftes, Wetta, französis scher Staatsbürger und seit 20 Jahren in Wiesbaden ans fäffig unter Begleitung von bewaffneten SA.- und SS.Leuten durch die sämtlichen Straßen Wiesbadens geführt. Bei dem ersten Zug durch die Straßen am 30. August brach Wetta, der fein Jude ist, aber eine Jüdin zur Frau hat, bewußtloß zusammen. Er wurde von den SA.Lenten weggetragen. Am nächsten Tage, am 31. Auguft also, wurde er unter dem Gejohle des Mobs von seinen beiden Leidensgenossen in einem Schubkarren nochmals durch die Stadt gefahren. wie Übel Das aufgenordete Telefonalphabet Am 1. Oktober d. J. wird die neue Buchstaben= Bezeichnung im Fernsprechverkehr in Kraft treten, die im Einvernehmen mit der Reichspost für das ganze Reich Gültigkeit besitzt und von allen Behörden einheitlich durchgeführt wird. Die neuen Bezeichnungen sind für A Anton, für Ae Merger, für B Bruno, für C Cäsar, für Ch Charlotte, für D Dora, für E Emil, für F Fris, für G Gustav, für H Heinz, für I Jda, für J Jot, für K Kurfürst, für L Ludwig, für M Marie, für N Nordpol, für O Otto, für Oe Dese, für P Paula, für Q Quelle, für R Richard, für S Siegfried, für T Toni, für U Ulrich, für Ue Uebel, für V Viktor, für W Wilhelm, für X- Xantippe, für Y pern, für Z Set oder Beppelin. Aus Adam wurde Anton, aus David wurde Dora, aus aus= Nathan wurde Nordpol und Zacharias Zeppelin Wiesbaden, 4. Sept. 1933.( Eig. Ber.) gerechnet von Rasseforschern durchdacht und überlegt, Sier macht sich eine ernente Heze gegen jüdische Mitbürger bemerkbar. Am 30. und 81. Auguft wurden drei Wiesbadener üwie Uebel. D400 Torglers Verteidiger in Paris Das Londoner Komitee Breitscheid, Dr. Hertz und Georg Bernhard treten im Gegenprozeß auf Der Verteidiger Torglers, Rechtsanwalt Dr. Sad, ist Freitag, den 8. September, nachmittags in Paris eingetroffen, um sich mit Dr. Branting vom Internationalen Unters suchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes in Verbindung zu setzen. Die beiden Herren hatten am gleichen Abend eine mehrstündige Unterredung. Breitscheid im Gegenprozeß London, 10. Sept. Für Mittwoch der nächsten Woche wird bie Ankunft des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes in London erwartet. Wir erfahren, daß die Vertreter der Presse und eine kleine Anzahl promis nenter Persönlichkeiten den Verhandlungen beiwohnen werden. Rudolf Breitscheid, der frühere Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, wird sich nach London begeben, um dem Untersuchungsausschuß einen Bericht über die innere Organisation des deutschen Reichstags zu geben. Anwesend sein werden ebenfalls der sozialdemo fratische Abgeordnete Her B, früherer Sekretär der Reichstagsfraktion und der frühere Chefredakteur der„ Vossia schen Zeitung" und demokratische Abgeordnete, Professor Georg Bernhard. Tag und Nacht gefesselt! Das ist die ,, menschenwürdige Behandlung" Der schwedische Rechtsanwalt Dr. Branting hat dem Oberreichsanwalt mitgeteilt, daß er nur dann in der Lage sei, ihm das dem„ Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes" vorliegende Material zur Verfügung zu stellen, wenn eine Reihe selbstverständlicher Vorbedingungen erfüllt würden. Unter diesen Bedingungen befand sich u. a. auch die der menschenwürdigen Behandlung der Angeflagten". Der Oberreichsanwalt hat in seiner Antwort erklärt, daß die der Brandstiftung Beschuldigten selbstverständlich gewohnheitsgemäß gut behandelt würden. Im übrigen behauptet Herr Werner, daß sich Rechtsanwalt Branting auf böswillige Tendenzmeldungen der ausländischen Presse stütze. Wie bekannt, waren die Bedingungen Brantings hauptsächlich von der Kenntnis der Tatsache diktiert, daß die Untersuchungsgefangenen Tag und Nacht gefesselt waren. Dies bezeichnete der Oberreichsanwalt offenbar als„ Tenbenzmeldung zu unlauteren Zwecken". Jetzt liegt uns aus dem Untersuchungsgefängnis heraus erneut die Bestätigung vor, daß die Gefangenen tatsächlich durch fünf Monate hindurch Tag und Nacht gefesselt gehalten worden sind. Es handelt sich um einen von der Gefängniszensur gelesenen, also ausdrücklich als der Wahrheit entsprechend bezeichneten Brief des bulgarischen Politikers Georgi Dimitroff an Romain Rolland. Ihnen für Ihre entschlossene Auftretung zur Verteidigung meiner Unschuld auszusprechen. Ich habe schon auch meinen offiziellen Verteidiger, Herrn Dr. Paul Teichert( Leipzig, Otto- Schille- Straße 2) ersucht, meinen Dank Ihnen zu vermitteln und gleichzeitig die konfrete Begründung der Beschuldigungen, die durch die Anflageschrift gegen mich erhoben worden sind, Ihnen mitteilen zu wollen. Die von mir beantragten Wahlverteidiger: bulgarischen Rechtsanwalt Herrn Detscheff und französischen Rechtsanwälte Herren Giafferi, Campinchi und Torres wurden von dem Reichsgericht abgelehnt. Die Motivierung bei Detscheff ist: weil der Rechtsanwalt der deutschen Sprache nicht mächtig ist"; bei den französischen Rechtsanwälten:„ auch abgesehen davon, daß nicht feststeht, ob die Rechtsanwälte der deutschen Sprache mächtig sind, und ob das Einverständnis des deutschen Verteidigers zur gemeinschaftlichen Ver,, Es besteht ernsteste Ursache"... Das in London gebildete Verteidigungskomitee für den Reistagsprozeß", dem sich eine Reihe Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens u. a. Frances, Counteß of Warwick, Dr. Somerville Hastings, Rev. James Barr, Prof. H. Levy, angeschlossen haben, sagt in einem Gründungsmanifest: " In der Untersuchung im Reichstagsprozeß hat man es den Angeklagten unmöglich gemacht, ihre eigene Verteidigung zu wählen. In jedem Falle in dem Anwälte verteidigen wollten, wurden Maßnahmen ergriffen, die sie zwangen, zurückzutreten. Im Gegensaz dazu hat die deutsche Regierung mitgeteilt:„ Da die Gefangenen keine Verteidiger benannt haben, hat dies der Gerichtshof in Leipzig für sie getan." Es besteht ernsteste Ursache für die Be fürchtung, daß die Angeklagten zum Tode verurteilt werden." Das Verteidigungskomitee macht es sich zur Aufgabe, die Zu lassung einer Verteidigung der Gefangenen durch bedeutende ausländische Anwälte zu erreichen und die Oeffentlichkeit lanfend durch Herausgabe von Bulletins über den Stand des Prozesses zu unterrichten. teidigung vorliegt, ift für ihre Zulassung neben dem be- Reden wie in Leipzig... stellten Verteidiger kein Anlaß ersichtlich". Die Hauptverhandlung ist endlich auf den 21. September bestimmt worden. Da ich mit dem Reichstagsbrandstifter gar nichts zu tun gehabt habe, so warte ich mit voller Ruhe und Zuversicht auf die Hauptverhandlung, deren Ergebnis- dem Sachverhalt nach zu meiner Freilassung führen soll. Meine Behandlung im Gefängnis außer streng isolierter Einzelhaft sowie die Handfesselung, die während fünf Monate( seit 4. April d. J.) mich Tag und Nacht gequält hat und seit heutigem Tag durch den Beschluß des Reichsgerichts aufgehoben worden ist, ist sonst menschlich. Van der Lubbe Rechtsanwalt Pauwels verteidigt In der ganzen deutschen Presse wird in großen Aufmachung ein Interview veröffentlicht, das ein Vertreter des Amsterdamer" Telegraaf" mit dem Bruder van der Lubbes gehabt hat. Der Bruder, ein Anarchist, behauptet, es sei aus-, geschlossen, daß van der Lubbe ein Opfer von Provokateuren geworden sei; vielmehr habe er als wahrer Revolutionär gehandelt. In dieser Erklärung sieht die deutsche Presse eine erwünschte Hilfe für die Anklage- Konstruktion des Oberreichsanwaltes. Demgegenüber ist erwiesen durch zahlreiche notariell beglaubigte Urkunden und Zeugenaussagen, daß van der Lubbe sich seit Jahren in schärfster antifommunistischer Weise betätigt und mehrfach Sympathien für den Faschismus bezeugt hat. Bei den Vernehmungen, die der Untersuchungsausschuß in der vergangenen Woche in Amster= dam vornahm, wurden auch zahlreiche Bekannte und Freunde van der Lubbes erneut vernommen, die das bisher vorliegende Material des Untersuchungsausschusses einwandfrei bestätigen. Brief Dimitroffs an Romain Rolland der Familie van der Lubbe dazu aufgefordert zu ſein, zur ,, Seit fünf Monaten werde ich gequält!" Nachstehend geben wir den Wortlaut des erschütternden Briefes von Dimitroff an Romain Rolland: An den Herrn Romain Rolland Lieber Herr Rolland! Luzern Ich fühle mich verpflichtet, meinen aufrichtigen Dant Der holländische Rechtsanwalt Bauwels, der sich ohne von Verteidigung des Marinus van der Lubbe gedrängt hatte, hat durch sein sonderbares Verhalten die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich gelenkt. Kürzlich behauptete er, er müsse von der Verteidigung zurücktreten, da er nichts mit der unter kommunistischem Einfluß stehenden Familie van der Lubbes zu tun haben wolle. Neuerdings erklärt er sich wieder zur unpolitischen" Verteidigung des Angeklagten bereit. Die holländische Presse diskutiert diesen Zickzackkurs der Entschlüsse des Rechtsanwaltes lebhaft. Festgottesdienst nach deutschem Ritus. Orgel. Chor PREDIGTEN IN DEUTSCHER SPRACHE Rauschhaschonoh und Faum kippur 1933 im würdigen Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré, Paris 8 am 20., 21., 22., 29. und 30. September 1933 Karten gültig für alle 7 Gottesdienste 25,- bis 100,- Fr. Vorverkauf bei: Durand& Co., 4, Place de la Madeleine. La Boite à Musique, 133, Boulevard Raspail. Maison de France, 101, Avenue des Champs Elysées und im Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré Deutsche lassernd sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8 ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60.10 Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den tranz. 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Freilich werden wir Ihrem Wunsche, die Deutsche Freiheit" von der ersten bis zur letzten Zeile nur und allein gegen die Nazis abzustimmen, nicht entsprechen. Wir haben das Ziel, mehr und mehr ein Blatt zu werden, daß die Leser über alle wesentlichen Ereignisse des poli tischen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens unterrichtet. Von einer Schonung der Schwerindustrie und des Großgrundbesizes kann gar nicht die Rede sein. Helveticus. Ihren Brief haben wir erhalten. Die Veröffent lichung erfolgt wunschgewäß nicht. Weiteres Material erwünscht. Ein Festgottesdienst jüdischer Emigranten in Paris findet am kommenden jüdischen Neujahrs- und Versöhnungsfest20., 21., 22., 29. und 30. September- im Salle Pleyel, 252 Faubg. St. Honore, Paris 8, statt. Der Madrigal ch or unter Leitung von Hanns W. David hat den gesanglichen Teil übernommen, Herr Kapellmeister Würzburger wird die Orgelbeglei tung ausführen, die Kantoren werden nach deutschem Ritus amtieren, sämtliche Predigten werden in deutscher Sprache ges halten werden.( Siehe Inserat.). Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pig in Dud weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3. Schüßenstraße 5. Deutsche Freiheit" Abonnementspreise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien ( Eupen- Malmedy) Holland Dänemark im EinzelMonat verkauf fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. 12,- 0,60 12,- 0,60 15, 0,70 15,- 0,85 belg. Fr. 12, 0,50 fl. 1,20 0,10 Kr. 3,20 0,20 Kr. 2,60 0,20 Schweiz schw. Fr. 2,40 0,20 Oesterreich Schilling 7,50 0,30 Tschechoslowakei Kr. 30, 1,20 England sh 4, 3 d Fr. 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