Ur. 72. Abomements-f cbhtgungtit: Abonnements-Pre>? pränumerando: Vterteljährl. 3�0 Ml., monall. l.lvMr.. wöchentlich 2S Pfg. sret WS Hau». Einzelne Nummer 3 Pfg. Sonntag»- Nummer mit illustrtrter Sonntag»« Beilage„Tie Neu- Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Pr-iZlifte für lSS7 unter Er. 7437. Unter ilrcuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint taglich«ulier»oniag«. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgefpaltene ktolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für «erein»- und PersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitZmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen dt» 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 9 Uhr vornitttag» geöffnet. Vevlinev VolKsblatt. Fernsprecher: Amt I, Er. 1303, Telegramm-Adresse: „»ottaldemokrat verliu". Dentvalorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Wcdakliott: 8W. 19, Nenly-Str.che 2. Freitag, den 36. Marz ISDT'. Spedition: SW. 19, Mettty-Straße 3. Div Gr�anifnkion des AZsndmevKs. Dtc Negieruug hat Wort geHalle». Zur augesagte» Zeit ist der Entivurf eines Gesetzes, eine Novelle zur Geiverbc-Ordnung, er- schienen, die den Wünschen der zünftige» Handiverker enlspreckiend die Organisation des Handiverkerstandes bringe» soll.?lllerdings iras die von Nlirainoiitaiicii»nd Konservativen geführten Hand- werler forderten, ist nicht in Erfüllung gegangen und der so viel geschmähte preußische Entwurf mußte sich in» Bundes- rath noch eine ganz bedeutende Herabsetzung zünft- lerischer Gelüste gefallen lasse». Bleibt die Negierung bei der von offiziöser Seite ausgesprochenen Absicht, daß im Gesetz- entwnrf das Höchstmaß dessen, was geboten werden kann, enthalten ist, dann dürfte im Reichstag bei einem Znrnckgreisen auf den preußischen Entwurf und auf manche andere Wünsche der Innungen das Zustandekommen zweifelhaft sein, wie denn überhaupt die Durchverathung des Gesetzes in der gegenwärtigen Session sehr in Frage gestellt>vird. Im ganzen ist der Gesetzentwurf immerhin eine Konzession an die Zünftler und zwar»id)t die erste. Die sogenannte Mitlelstandsbewegnng ist für das Zentrum, die Nationaltiberalen, Antisemiten»nd Konservative» seit Jahren ein beliebtes Agitations- feld geworden, auf dem alle niöglichen Sonderinteresfen im lustigen Durcheinander wirbeln. Bald ivar es der unlautere Wettbewerb, der Hansirhandel, bald die Konsumvereine und die Börse, wogegen die Gesetzgebung mobil gemacht wurde, dann wieder ertönte der Ruf nach Innungen und Befähigungsnachiveis zur Rettung des Handwerker- standes. Und obwohl die Regierung und der Reichstag wiederholt die Gesetzgebung diesen Zwecken dienstbar machten, ist die ver- sprochene Heilswirkung ausgeblieben. Diese Art von Gesetz- gebrnig in u ß t e erfolglos bleiben, iveil sie nur die ül u s iv ü ch s« der wirthschaftlichen Zustände beseitigen wollte, aber nie die Wurzel des Uebels traf. Seit dem Einporivncheru der große» Bazare und Versandhäuser kämpft der kleine Geschäfts- inhaber«inen aussichtslose» Kampf gegen rafsinirte Re- klame, kaufmännisches Geschick und billigen Massenabsay der Waaren. Mit dem Emporwachsen kapitalkräftiger großer Fabriken und Aktiengesellschasten verschwindet der kleine Handwerksmeister, und an stelle der altgewohnte» Betriebsiveise tritt das kapitalistische Zusammenarbeiten von Hunderten und tansenden von fleißigen Händen, die es geschickt verstehe», einen großen Theil der Arbeit den nie rastenden Maschine» zn übertragen. Die selbständige Stellung des Handwerksmeisters ist fortwährend im Schwinden begriffe». Da, wo er nicht bereits zur HaiiSindustrie herabgesunken ist, befindet er sich in den Händen der großen Zwischenhändler; die direkte Verbindung mit dem Kousnmenten ist vollständig gelöst. Und den ivirthschastlichen Verfall dieser Mittel- schichten hat der politische Versall begleitet. Der ehemals liberal denkende, für die Demokratie begeisterte Klein- biirger sinkt zum Schleppenträger aller reaktionären und volteseindlichen Forderungen herab, nur um einer trügerischen Hoffnung nachzujagen, die ihm die Wiederanfrichlung des allen Zunstgebäudes verspricht, in dem er eine sichere Existenz zu finden wähnt. Seinen Wünschen nach der Richtung bietet der Gesetzentwurf ein weites Entgegenkommen. Aber die Enttäuschung wird nicht ausbleibe», denn es ist nicht denkbar. daß der Hand- werker in Konkurrenzfähigkeit den großkapitalistischen Betrieben, die seinen Ruin unausgesetzt betrieben haben, gleichgestellt werde» kann. An der Unmöglichkeit dieser Aufgabe scheitert jedes Projekt, das Handiverk vor der zersetzende» Wirkung der moderne» wirthschaftlichen Eniwickelung bewahren. Was den Gesetzentwurf selbst anbetrifft, so wollen wir uns nur mit«inigen der hauptsächlichsten Bestiminnnge» beschästigen. Die Grundlage der Organisalio» soll die Innung sein; nur ist der Zwang, der sich im preußischen Entunirf fand, nicht allgemein durchgeführt. Er»vird abhängig gemacht von der Zustimmung der Betheiligten selbst. Erklärt sich dle Majorität der Handwerker in einem Bezirk dafür, dann sind die übrigen ge- zwuugcn, gleichfalls der Innung beizutreten. Diese Bestimmung hat ihren Ursprung darin, daß in Süddeutschland die Innungen nur schivach vertrete» sind und nicht selten von den Gewerbe- vereine» a» Mitgliederzahl überflügelt werden. Auch hat das System der gemischte» Innungen, wie sie m Oesterreich üblich sind und wie sie im preußischen Entivurf durch die Handiverker-Ansschüss« gebildet werde» sollten, keine günstigen Resultate gezeitigt. Es werden also bei der Bildung der Zwangsorgaiiisalionen wesentlich die großen Städte in betracht komme», die im stände sind, die nölhige Grundlage für solche Orga- nisatione» abzugeben. Die kleinen Handioerksmeister aus dem Lande und in de» kleineren Provinzstädten werden, weil die Zahl ihrer Fachgenossen zn gering ist, von der Zwangsorganisation aus- geschlossen sein. Sie können sich, ebenso wie ihr- anderen Berufs- genossen, wo die Zustimmung zur Organisation nicht erlangt werden konnte, den schon jetzt bestehenden freien Innungen anschließen; sie genießen aber künstig nicht mehr die Rechte der jetzt bestehenden§§ 100 e und 100 f der Gewerbe-Ordnung(Recht der Lehrlingsausbildung und Heranziehung der NichtMitglieder zur Tragnng der Kosten für gewisse Einrichtungen der Innungen), lieber den Kreis der Mitglieder in der Zwangsorganisation bestimmt ß 100k, daß mit Ausnahme derjenigen, die«in Gewerbe fabrik- mäßig betreibe», alle diejenige» der Innung angehören, die ein „stehendes Gewerbe" selbständig ausüben. Handwerker, welche in landivirthschaftlichen oder gewerblichen Betrieben gegen Entgelt be- schästigt sind, gehören der Innung an. sofern sie der Regel nach Gesellen oder Lehrlinge haben. Inwieweit Hausgewerbetreibende der Innung anzugehören habe», wird mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde durch das Statut bestimmt. Ferner könzien Inhaber fabrikmäßiger Betriebe mit Zustimmung der Jnnungs- Versammlung Mitglieder werden.,„.. Recht sonderbar berührt es, daß m der Begründung der Vorlage auch nicht das geringste Material für die Beurtheilung der bisherigen Thätigkeit der Innungen ge- boten ist. So wird nur ganz nebenher bemerkt, daß in Preuße» rund 8000 Innungen bestehen; und weiter finden wir ein paar allgemein gehaltene Floskeln über die Thätig- keit derselben. Es mag ja zugegeben werden, daß leider über eine Organisation, die von der Gesetzgebung so reichliche Privilegien er- halte» hat, wie keine andere, das Material schwer zu haben ist, ja fast gänzlich fehlt. Aber für den Aufbau einer solchen Organisation sollte es doch eine Grund- bedingung sein, zuverlässiges Material über die Träger dieser künftigen Organisation zu beschaffen. Die Regierung halte die Mittel, das z» lhu», wenn sie wollte. Daß sie es nicht that, hat seine Gründe, denn nur ein flüchtiger Blick in das vorhandene dürftige Material zeigt die ganze Bedeutungslosigkeit dieser Organi- sationen. Da wo die Innungen von den geforderten und ihnen durch die Novelle zur Gewerbe- Ordnung vom 23.?lpril 1886 und 6. Juli 1887 gewährte» Rechten(ZZ 100o und f) Gebranch machten, trieben sie nicht selten Mißbrauch mit ihnen, sodaß die Gemeinde- behördc in Berlin bei einigen Innungen sich geuöthigt sah, die Auf- Hebung der verliehenen Rechte zn beantrage». Die Gesellen sollen durch eigene Wahl aus ihrer Mitte einen Gesellenausschuß»tldeu, der an der Jnnungsversammlung in seiner Gesammtheit theilnimmt und im Vorstand durch ein Mitglied ver- treten ist. In den Ausschüssen, welchen die Verwaltung der Herberge, des Arbeitsnachweises und ähnlicher Einrichtungen, für welche die Geselle» Aufwendungen zu machen haben, übertragen ist, muß von beiden Seiten eine gleichmäßige Zahl delcgirt werden, wobei den Meistern durch Ernennung eines Vorsitzenden das lieber- gewicht bewahrt bleibt. Die Innungen können nun am Ort Jnuungsausschüsse bilden, in denen je nach dem sänuntliche am Ort bestehende Innungen ver- treten sind. Ferner ist wie bisher die Organisation über das ganze Land durch Jnnnngsverbände gestattet. Nnter anderem sind diesen Organisationen anvertraut: Die lleberwachung und Beobachtung der für die Beschäftigung der Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter, de» Besuch der Fortbildungs- oder Fachschulen und die Regelung des Lehrlingswesens erlassene» Bestimmungen. Auch eine kleine sozialpolitische Aufgabe ist ihnen übertragen, die, ließe die Ver- tretung der Arbeiter einen größeren Einfluß zu, gewiß recht gut wirken könnte. Die Innungen sollen nämlich befugt sein, durch Be- anslragte die Befolgung der gesetzlichen»nd statutarischen Vor- schriften in de» zur Innung gehörigen Betrieben zu überwach e n nnd von der Einrichtung der Betriebsränme»nd der für die Unterkunst der Lehrlinge bestimmten Räume Kenntniß zu nehmen. Es genügt, wenn wir darauf hinweisen, wie eine solche Ueberwachnng der gesetzlichen Bestimmungen betreffend die Jnnehaltnug des zwölfstündigen Arbeitstages im Bäckereigewerbe von der Bäckerinnifiig ausgeübt werden könnte. Diese Aufgabe sollte man dem Gesellen ansschuß übertrage», der weit mehr die Gewähr bieten würde, daß eine regelmäßige und ge- wisscnhafte Kontrolle ausgeübt wird. Die Beauftragten dürften aber nicht nur von diesen Dingen Kenntniß nehmen, wie eS im Gesetz heißt, sonder» müßten jährlich einen Bericht erstatten, der manches interessante Material liefern könnte. Daß die Geselle»- Prüfung eingeführt wird, verdient kaum besonderer Er- wähnung. Die Organisation des Arbeits» Nachweises bei den mit solchen Zwangsmitteln ausgestatteten Organisationen bildet für die deutschen Gewerkschaften entschieden eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Man denke nur. rvas es heißt: Die Hand- habuug schwarzer L i st e n durch Institute, die in ganz Deutsch- land Fühlung habe», und in denen die Leitung sich thatsächlich in den Händen der M e i st e r befindet,— denn der Einfluß der Ge- sclle» reicht nicht aus, um Mißbrauch zn verhindern. Noch gefahr- drohender kann diese Einrichtung bei Streiks auftrete». Wenn in irgend einer Stadl die Arbeiter im Lohnkampfe stehe», wird es nicht schwer werden, sofort den gesammten Apparat der Zlrbeitsvermillluiig in alle» andere» Städten in Bewegung zusetzen, um Arbeitswillige in großer Zahl nach de» Streikorten zu be- fördern. Wird nicht die Sicherheit geschaffen, daß bei derartige» Kämpfen der Arbeitsnachweis eine neutrale Stellung einnimmt, so wird hier ein Institut errichtet, in welchem die Unternehmer ihrer ganzen arbeiterfeuidlichen Gesinnung in sehr wirkungsvoller Weise 'Ausdruck verleihen könne», und es wird ihnen zur Unterdrückung der Arbeiter eine mächtige Waffe in die Hand gegeben. Nicht minder bedenklich greift das Gesetz i» unser Kranken- k a s s e n w e s e u«in. Allerdings hat bisher schon die Innung das Recht besessen, für die i» ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter Kranken- knsse» zu errichten, aber sie hat bei der Schwäche ihrer Organi- sationen einen verhältnißmäßig geringe» Gebrauch von dieser Be- fugniß gemacht. Durch die Zwangsinnungen erlangt die Sache eine größere Bedeutung. Wir steuern damit dem ganz uitleidlichen Zu- stände zu, daß jeder Arbeitswechsel den Arbeiter in eine andere Krankenkasse bringt. Arbeitet er bei einem Unlernehmer, wo eine Fabriks-Krankcukasse errichtet ist, so»uiß er dieser angehören. Ist er im Fabrikbetrieb thätig, wird er in die O>ts-Kra»ke»kasse aufgenommen, nnd ist sei» Arbeitgeber Jnnungsnieister, dann muß er in die Jnnungsknsse eintreteii. Jeder Ortswechsel, z. B. von Berlin nach einem Vorort, jeder Uebertritt von einem Gewerbe zu einiui anderen, wie er bei ungelernlen Arbeitern vielfach vor- tonunt, hat de» Eintritt in eine andere Kasse zur Folge und damit den Verl» st der erworbenen Rechte in der bis- h e r i g e n Kasse. Die neue Kasse setzt ihn auf die Mindest- leistung. So kann der Arbeiter dadurch, daß er seine Arbeitsstätte wechseln mußte, im Krankheitssalle eine Unterstützung von nur 13 Wochen beziehen, während er in seiner alten Kasse unter Umstände» zu 62 Wochen Unterstützung berechtigt wäre. Und stirbt er, so erhalte» die Hinterbliebene» meist eine geringere Summe von Sterbegeldern. Das sind unsere viel gepriesene» Versicherungsgesetze, die, wenn es in diesem Wirrwarr weiter geht, auch den geduldigste» Menschen zur Ver- zweisluna bringen können, und für den Kranken mehr eine Plage als eine Wohlthat werden. Nun hat es zwar in dem Gesetzentwurf den Anschein, als ob bei der Gründung der Jnnungskassc» eine genaue Prüfung eintrete» solle, wie weit die Orls-Krankenkassen geschädigt werden. Es liegt aber auf der Hand, daß in einigen Gewerbe» die Errichtung der Jnnungskaffe die Lebensfähigkeit der Orts-Krankenkasse stark gefährden muß. Deshalb soll auch die obere Verwaltnngs- behörde die Gemeindebehörde und Aufsichtsbehörde bei Ertheilung der Genehmigung anhören. Man wird verwundert fragen, warum werden die Arbeiter nicht gefragt, die am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden? Warum nicht die Orts-Krankenkasse selbst? Weil man den Arbeiter nicht gern mit rathen läßt, ihm aber andererseits gern die Lasten über- trägt. Auch in der Verwaltung ist gegenüber der Orts-Krankenkassen eine Aendernng eingetreten. Zahlen die Meister die Hälfte der Kassen- beitrüge, dann wähle» sie den Vorsitzenden und die Hälfte der Vorstandsmitglieder. Wir sind überzeugt, die Mitglieder zahlen sehr gern dreiviertel der Beiträge»nd sicher» sich eine dem ent- sprechende Vertretung, weil sie den Werth der Selbstverwaltung kennen gelernt haben. In bezug a»f das L e h r l i n g s w e s e n stehen in dem Gesetz- enlivurf einige allgemeine Grundsätze. Der L e h r v e r t r a g soll schriftlich abgefaßt sei», die Lehrzeit nicht über 6 Jahre dauern, der Lehrling zum Besuch der Fachschule angehalten werden, und schließlich soll er die Prüsung ablegen. Alles sehr schöne Dinge, wenn sie gut befolgt werden, aber die Zünfller haben bisher mehr über diese Dinge geredet als gehandelt; und die Erfahrungen mit den Fach- genossenschasten in Oesterreich bürgen nns dafür, daß es auch bei uns in Zukunft beim alten bleiben wird. Selbst da, wo der gute Wille vorhanden ist. scheitert die Erfüllung dieser Aufgaben an den t h a t s ä ch l i ch e n Verhältnissen. Der Lehrling ist nicht selten für den Handwerksmeister eine billige Arbeitskraft, die möglichst ausgenutzt werden muß, und viele» dünkt der Fachschulunterricht als eine Entziehung der dem Betrieb gewidmeten Zeit. Die Ausbildung der Lehrlinge kann bei einem große» Theil der Handivcrksmeister, ob mit oder ohne Aussicht der Innung, nicht auf ein höheres Niveau gebracht werden, weil der Betrieb die ehemalige Vielseitigkeit eingebüßt hat, und die Konkurrenz zur An- fertigung von Spezialarlikelu zwingt. In solchen Betriebe» kann natür- lich eine wirkliche fachgemäße Ausbildung gar nicht durchgeführt werden, weil die Vorbedingungen dazu fehlen. Die Führung des Meistertitels, die künftig nur nach Ablegung einer Prüsung erlaubt werden soll, hat absolut keine Bedeutung. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Befähigungsnachweis. eine Forderung, die in der zünftlerische» Agitation, wie mau weiß, besonders stark betont wird, in dem. Gesetzentwurf fehlt. Heber all diesen Organisationen mit ihren Einrichtungen thront die H a n d w e r k s k a m m e r, die über die Befolgung der von ihr und dem Gesetz erlassenen Anordnungen wachen soll, und von der in allen das Handwerk betreffende» Fragen ei» Gutachten ein- gefordert werde» kann. Die Handwerkskammern erstreckten ihre Thätigkeit auf größere Bezirke»nd werden nicht nur von den Innungen, sondern auch außerhalb derselben stehende» Korporationen gewählt. Dem Dräugen der Zünftler nachgebend, ist die Fassung de? preußischen Entwurfes b e s e i t i g t, die eine Vertretung der Geselle» zuließ. Hiergegen muß um so entschiedener Verwahrung eingelegt werden, als diese Körperschaft zu Fragen Stellung zu nehmen hat, die für die Arbeiter von großer Be- deutuug sind. Die Geringschätzung der Arbeiter und ihre Zurücksetzung bei allen sozialpolitischen Gesetzen macht sich auch hier wieder geltend, denn die Vertretung der Arbeiter in den I»- »ungen schrumpst zu einer sehr einflußlosen Rolle zusammen. Er- langen die Organisationen eine gewisse Macht, so werden sie ihre Kräfte nicht gegen die den« Handwerker so gefährliche Konkurrenz der Großindustrie wende», wohl aber gegen die Arbeiter, wofür sich manche Gelegenheit bietet. Deshalb sind auch die Vertreter der Großindustrie so warme Befürwortrr dieser Organisationen, denn sie wissen nur zu gut: ihnen droht keine Gefahr, viel- mehr ist ein Nutzen für sie klar ersichtlich. Mühsam kämpft der Arbeiter für die Gründung und den Ausbau seiner Organisation, eingeengt von der Gesetz- gebung in seinem Streben und überaus peinlich von der Behörde überwacht, ob er nicht irgendwie gegen die vielen künstlich gezogeneu Schranken verstößt. Den Unternehmern gewährt man freie, ungehinderte Entfaltung der Organisationen, die Vertretung ihrer Interessen in Handelskammern und bemüht sich. eine neue Standes- und Interessenvertretung ins Lebe» zu ruse», während der Arbeiterklasse jede entsprechende Vertretung nach der Richtung fehlt. So lange diese Ungleichheit in Geltung ist, haben wir keine Zwangsorganisation zu erwarte», die den Be- dürfnissen der Arbeiterklasse gerecht ist, und für die»vir eiutreten können. ziolmsche AebevMxk. Berlin. 25. März 1897. Allzu scharf macht schartig— das hat der unglückliche Reichs-Scharsmacher nun auch erfahren. Aus unserem gestrigen Reichst agsbericht konnte der Leser schon ersehen, daß Admiral H o l l m a n n dem König der Scharfniacher, als dieser auch ihm eine Lektion in christlich-kapitalistischer Scharfmacherei er- theilen wollte, mit mehr als seemännischer Derbheit zurückivies und abschüttelte. Es ivar klar, daß irgend etwas sich bereits hiilter den Koulissen zugetragen hatte— sonst iväre der Ton des Admirals unerklärlich gewesen. Und dies wurde bestätigt durch die Wirkung der Worte Hollniann's. Der absolute König von Neunkirchen, und Jahre hindurch Diktator im sozialen Reich, dem solches im Reichstag noch nie vorgekommen, wurde krebsroth im Gesicht; er rang nach Athem und die Gefahr eines Schlagflusses lag augenscheinlich vor. „Hollmann geht!" sagten die einen im Reichstag, „Sonst hätte er das nicht gewagt."„Hollmann bleibt!"— sagten die anderen—„der Scharfmacher ist reingefallen! Und mir haben jetzt ein Nach gewitter." Und die anderen hatten recht. Die tölpelhafte „Kladderadatsch"-Scharfmacherei, durch welche die Niederlage der Reichsregierung verschärft und die Person des Kaisers zivecklos hereingezogen worden ist, hat, wie man serfährt und wie erwartet werden mußte, gerade in den Kreisen, die Herr Stumm mit seiner Aufdringlichkeit bedenkt, einen überaus peinlichen Eindruck gemacht und zu Meinungsäußernngen geführt, deren Reflex die gestrige Rede Hollniann's war. Der Krug geht solange zum Brunnen bis' er bricht, und Hochmuth kommt vor dem Fall. Womit nicht gesagt sein soll, daß Herr v. Stumm nicht gelegentlich ivieder ausstehen wird. Denn der Schlotjuuker ist dem neuen Reich ebenso nnentbehr- lich, wie der Krautjunker. Und eine Hand wäscht die andere. Konzert- Posse— oder solle» wir lieber sac;cn: Po sie»- Konzert? Wir meinen das„europäische Konzert". Kann es eine tollere Posse geben, als dieses Kon- zert? Man nehme nur die einfachen Thatsachen: auf Kreta gab es bis vor einigen Monaten Krawalle zwischen Mohamedanern und Christen. Die cnropäi- scheu Mächte wollen Ruhe und Ordnung schaffen. Sie ver- bieten dem Sultan etwas zu thnn, sie wollen es selber thnn und schicken ihre Schiffe an die jiüste von Kreta. Was ge- schicht? Die Griechen schicken eine Expedition nach Kreta, um die Krawallmacher z» unter stützen.' Das wird nicht ver- hindert; desto energischer werden die Türken verhindert, etwas zu thnn. Die Besorgung der Ruhe und Ordnung durch die Großinächte hat zur Wirkung gehabt, daß die ganze Insel jetzt in Aufruhr ist, ums sehr natürlich erscheint, wenn man bedenkt, daß das europäische Konzert die griechischen Truppen ans die Insel gelassen hat, den türkischen 5tüstenbesatzungen aber, die vor Begierde brennen, die Griechen ins Meer zu jagen, nicht erlaubt, ihre Festnngsliuicn zu überschreiten. Die homerischen„Kämpfe", von denen wir hören, finden statt gegen türkische Bauern, die allerdings bewaffnet sind. Jetzt heißt es, um der öffentlichen Meinung Europa'? zu imponiren, die Zahl der„Ans- ständischen" betrüge 40 000 Mann. Tie gesammte christliche Bevölkerung von Kreta ist unter 200 000 Mann— im gleichen Berhältniß könnte Berlin eine Armee von 360 000 Mann aufbringen. Auf eine Null mehr oder weniger ko»»nt es i» den griechischen Depeschen nicht an. Seit Sonntag ist die Blockade von Kreta erklärt. Das kleine Griechenland lacht. Und das große Europa thut, als ob es Angst hätte vor dem kleinen Griechenland; und mit ernsthafter Miene erörtert die Presse der Großmächte, wie ge- sährlich es wäre, wenn Griechenland fortfahre zu lachen, und den Krieg gegen die Türkei beginne. Das einzige Wunder ist, daß die großmächtigen Auguren das Lachen verbeißen können ob der skandalösen Skoniödie, die sie ausführen. Wer kann vor Griechenland wirkliche Angst haben? Was kann das schwache, bankrotte Griechenland thnn? Erklärt es an die Türkei den Krieg, so stehen in 8 Tagen die Türken in Athen. Das weiß das„europäische Konzert". Und jeder � Musikant in diesem Konzert weiß auch, daß die Gefahr der Lage nicht in Griechenland liegt � obgleich man so thut— und auch nicht in Montenegro, Serbien niid Bulgarien, sondern im europäischen Konzert selbst, das diese ganze Komödie aufführt, und aus dessen Mitte heraus die griechische Regierung zu der Komödie, die sie in der Komödie spielt, ermuntert worden ist und fortivährend ermuntert wird.— Ueber die Blockade Kreta's und die Situation auf der Insel liegen folgende Depeschen vor: Die griechische Regierung hat deschlvssen, an die Mächte eine Nole zu richten, in welcher gegen die Blockade Kreta's protestirt und die Verantworlung für die Folgen, welche die Blockade- Maßregel haben könnte, abgelehnt werden soll. Ueber da? Borgehcn des österreichischen Torpedokanonenbootes „Satellit" meldet das„5k. K'. Telar.-Korresp.-Bureau" ans Kanea: Der „Satellit" hielt an. der Südküste Kreta's den mit Munition und Ledens- mittel» beladencn griechischen Postdniiipfer„Hera"wegen Blockadebrnches an. An Bord der„Hera" befanden sich der ehemalige Präsident der griechischen Kaiiiiiier Romas und der griechische Deputate Ro- monos. Der„Satellit" fand bei dem Kap Grabnsa ein griechisches Trabakel, dessen Bemannung gänzlich erschöpft war nnd weder Proviant noch Wasser hatte. Beide Schiffe wurden nach der Snda- Bai gebracht. Romas nnd Romanos wurden mit ausnehmender Höflichkeit behandelt und nach einer Besprechung der Admirale auf griechisches Gebiet gebracht. Abgesandte der fremden Admirale haben sich i» die verschiedenen Distrikte Kreta's begeben, um den Aufständischen Ausklärungen in betreff der Autonomie zu geben. Ueberall erklärten die Kreter, daß sie dieses Regime ablehnen und nur die Vereinigung mit Griechen- land annehmen würde». Da die Besatzung des Blockhauses von Malaxa an Wasser- Mangel leidet, wurde in der letzten Nacht ein erneuter Versuch gemacht, dieses Fort wieder mit Lebensmitteln zu versorgen. Den Ausständischen, welche eine» Angriff auf Kissamo vorbereiten, ging von feiten der Geschwaderchefs eine ähnliche Warnung zu, wie den Kretern bei Malaxa. Rnßlaud rüstet. Nach einer Meldung des„Standard" aus Konstanlinopel vom gestrigen Tage habe der Bali von Erzerum am letzten Sonnabend an die türkische Regierung telegraphirt, daß zwei Divisionen der russischen Armee in der Provinz Kars die türkische Grenze beseht hätten. Von dem russischen Generalkonsul sei die Erklärung abgegeben worden, daß 'die Truppen den Auftrag hätte», die russische Grenze gegen die Ein- fchleppnng der Pest(??!!) zu schützen. Der Bali habe in seiner Depesche an die Regierung hinzugefügt, er erachte diese Erklärung für ungenügend und erbitte den Befehl zu Gegenmaßregeln.— • ** Deutsches Reich. — Die Einnahmen d e s R e i ch S weisen für die ersten elf Monate des laufenden Etatsjahres bei zwei Posten ein un- günstiges Erg ebn iß auf, bei der Maischbottich- und B r a n n t w e i n- M a t e r i a l st e>! e r und bei den Reichs- Stempelabgaben. Die„B. P. N." führen hierüber aus: Die erstere Steuer hat gegen den gleichen Zeitraum des Vor- jahres 2 Millionen weniger gebracht, und es ist anzunehmen, daß im letzten Monate das Ergebniß sich nicht wesentlich anders ge- stalten wird. Es ist danach ziemlich sicher, daß die in, Etat für 1896/37 mit 17,9 Millionen angesetzte Steuer einen beträchtlichen Ausfall und zwar von etwa 4 Millionen bringen wird, die von der Reichskasse zu tragen sind. Man hat allerdings schon im Etat für 1837/33 den Einnahme-Anschlag der Branntwein- Materialsteuer etwas herabgesetzt, sodaß für die Zukunft nicht ganz so große Ausfälle zu erwarten sein werden. Der zweite Einnahme-Ausfall wird von den Einzelstaaten getragen werden müssen, denn die Reichs-Slempelabgaben gehöre» zu den Einnahme», die den Bundesstaaten überwiese» werden. In den ersten eis Monaten des laufenden Etalsjahres sind an Reichs-Stempelabgabe» 43,1 Millionen oder 6,4 Millionen weniger, als im gleichen Zeit- tatfin des Vorjahres vereinnahmt. Das ungünstige Ergebniß ist fast gänzlich de», Rückgang der Börsensteuer zuzuschreiben. Nach den bisherigen Eingängen darf auf«ine Einnahme aus den Stempel- abgaben für das Volljahr von etwa 47 Millionen gerechnet werden. Der Aussall wird sich nicht ganz so hoch stellen, wie gegen das Vorjahr, weil der Etatsanschlag für 1896/97 sich nur auf Lt Millionen beläuft. Demnach wird auf eine» Ausfall von etwa gleicher Höhe wie bei der Branntweinmaterialsteuer, also von 4 Millionen, gerechnet werden müssen. — Die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Bergwerke». Auf grnnd des Z 189 a der Gewerbe-Ordnung hat der Bundesrath beschlossen: Die Beschäflignng von Arbeiterinnen ans Steinkohlenbergwerken und ans Zink- und Bleierzbergwerken im Regierungsbezirk Oppeln enit den bei I. Ziffer 1 der Bestimmungen über die Beschäftigung vo» Arbeiterinnen aiif Steinkohlenbergwerken, Zink- und Bleierz- bergwerken und auf Kokereien im Regierungsbezirk Oppeln aufge- lührten Arbeiten wird unter den bei I. Ziffer 2 bis 5 daselbst bezeich- «eleu Bedingungen zur Nachtzeit und a», Sonnabend sowie an Vor- übende» der Festtage auch nach 6Vt Uhr nachmittags in Abänderung der Nr. IV Absatz 2 daselbst weiter bis zu», I. April 1393 nach- gelassen. Tie„ach§ 139a der Gewerbe-Ordnung erlassenen Aussührungs- bestimmnugen des Bnndesralhs besage»:„Zur Beschäftigung in Tag- und Nachlschichten bei solchen Arbeiten(in betracht kommt die Bedienimg der Förderwagen, der Transport der Erze zu», Zweck der Um- und Verladung,'Anfahren der Kohlen zu den Oefen ec.) dürfen Arbeiterinnen vom 1. Oktober 1893 ab nicht mehr neu an- genommen werden." Ist diese Bestimmimg genau innegehalten, so muß die Zahl der Arbeiterinnen, die in diesen Betrieben beschäftigt sind, sich ver- mindert haben und bei der überaus günstige» Geschäftslage i», Bergbau war es gewiß sehr g»I möglich, die Arbeiterinnen mmniehr gänzlich von der Nachtarbeit zu befreien. Wenn der Bundesrath zu dieser Folgerung nicht gekommen ist, dann ist das nur erklärlich durch das'große' Entgegenkommen, welches von jeher de» Gruben- barone» zu theil wurde. — Bei der Reichstags- Er sah ivahl in Torgau erhielten Busscnins(Rp.) 5225, Knörcke(f,s. Bp.) 8476 und Müller(Bon.) 1807 Stimmen.— 32 Ortschaften fehle» noch. Bei der letzten Hanplwahl erhielten der Kandidat der frei- konservativen Partei 8223, der der sreimmigen Volkspartei 5212, der sozialdemokratische Kandidat 2242 Stimmen. Schon jetzt, wo das Resultat nicht vollständig vorliegt, ist der sehr starke Stimme»- rückgang des Parteigenossen des Herrn v. Stunim festzustellen. Die Scharfmacherpolitik gesälll dem Volke ebenso wenig, wie dem Parlament.— — Ei» Richter, ans den m a n sich verlasse» kann. Der oberste preußische Richter, Kamniergerichts- Präsident Drenkinann, hat nach de»,„Verl. Tagebl." bei der Hundertjahrfeier inmitten der Mitglieder des obersten preußischen Gerichtshofes einen Trinkspruch ausgebracht, i» welchem er Kaiser Wilhelm I. feierte, weil er, wo es die Erreichung eines großen Zieles galt, sich sogar über V e r f a s s u n g s b e d e u k e„ hinwegsetzte. Hat Herr Drenkinann vor den versammelten Richtern nichts anderes a» Kaiser Wilhelm zu rühme» gewußt?— — Eine Enquete über die M e d i z i n a l r e f o r m soll vom 3. Mai ab>»> Knltnsministeriurn abgehalten werden. Die Hauptfrage ist, ob für die so dringend»öthige Medizinalresorm die erforderlichen Geldmitlel flüssig gemacht werden. Darin liegt allein die Schwierigkeit. Für Panzerplatte» und Schnellfeuergeschütze lassen sich bekanntlich bei den Finanzminipern Gelder leichter locker machen.— — Der Großhandel, die Großindustrie und die Rhederei sollen die Kosien der Flottenvermehrmig trage», so fordern agrarische Blätter. Wenn die Vorlage angenommen würde, hätten wir gegen diese Deckung nichts eilizuwenden. Warum aber soll der Großgrundbesitz ausgeschlossen werde» vo» dieser so ehren- vollen Aufgabe?— — Die Branweiler Anstalt, die durch die Enthüllungen ihreS gchciumißvollen Treibens und ihrer besondere» Erziehungsmittel in, Prozeß gegen unseren Parleigenossen, Redakteur Hofrichter in Köln, in den weitesten Kreisen bekannt wurde, hat auf Vorschlag des Ausschusses vom Provinzial-Laudtag der Rhein- Provinz eine Abänderung ihrer Hansordnung erhalten. Diese neue Hausordnung beseitigt die Anwendung von Mnndknebcl, Mundbinde ec., läßt aber immer noch eine Reihe sehr strenger Disziplinarstrafen zn. Dazu gehört Entziehung des Bcttlagers, Kost- schmälcruiig, Fesselung durch Bein- nnd Handschellen, Zwangs- jacke. Arreststrafen und einige andere„humane" Erziehuiigsinittel. Bedenkt man, daß die Ha»sord>iuiig angewendet wird gegen Leute, die geistesschwach, epileptisch und vor allen, ar», sind, so hat man einen Begriff davon, wie der„Knltnrfortschritt" in Preußen aussieht.— — An die Zeiten der Leibeigenschaft wird man nnwillkürlich durch nachstehende» Prozeß erinnert: Eine baufällige Holzbrücke hatte der Rittergutsbesitzer Graf E t r a ch ,v i tz zu Groß-Reichenai, i», Kreise Saga» massiv herstellen laffen. Diese im Gutsbezirl liegende Brücke ivollte der Herr Graf aber nicht allein bezahlen; die Gemeinde sollte ihm vielmehr hierzu eine größere Beihilfe leisten. Freiwillig war diese Beihilfe nicht zu erlangen und deshalb verklagte der Herr Graf die Gemeinde beim K r e i s a n s s ch n ß in Sagau, da»ach seiner Ansicht«in Urbaril»» vom 12. Januar 1737— über Urbarie» kann man in der„Schlesischen Milliarde" von Wolf manch Erbauliches lesen—, das das Verhältniß„der Grundherren zu ihren Unterthanen" regele,„och jetzt z» recht bestehe. Das Urbarium des Herrn Grafen handelt unter anderen, von de» Gemeindedienste», welche bei An- lagen und Nutznnge», Fuhren, Botenlaufen, Baarzahlnng für ab- gelöste Schloßwache», Bewachung vo» Rekruten»»d Delinquenten an de» Gutsherr» zu leisten sind. Insbesondere sind bei de» öffent- lichen Anlagen, wie Brücken- nnd Wegebanten, der Gnisherrschaft Hand- und Spanndienste zu leisten, und zwar sollen die Bauern die Fuhren, die kleinen Leute die Handdienste liefern. Das Urbarium bestimmt auch,„daß solches von»,»» an bis zu ewigen Zeiten sein und bleiben solle". Wider alles Erivarten erkannte der K r e i s a u s s ch u ß in Saga», daß Beklagte schuldig sei, 150 M. an de» Kläger zu zahlen. Hiebet beruhigte sich die Gemeinde nicht, sondern sie wandte sich an de» Bezirksausschuß in Liegnitz und machte in ihrer Benisung geltend, daß das Urbarium keinen öffentlich rechtlichen Verpflichtiingsgrnnd mehr darstelle; da die i» demselben enthaltenen Verpflichtniigen bereits in den 50er und 60er Jahren abgelöst seien. Der Bezirksaiisschnß gab den» auch der Bernfung Folge, wies den Kläger, Grafen Strachwitz. mit seiner Klage ab und verurlheilte ihn zu de» Kosten beider Instanzen.— — Der König der Belgier hat bekanntlich de» Redakteur des„Proletarier aus dem Eulengebirge" wegen Beleidigung ver- klagt. Die Anklageschrift ist den. Angeschuldigten bereits zugestellt worden.— Leipzig, 24. März. Wie berichtet wird, sollen diejenigen Ratio n allibcralen, die Gegner der Verschlechte- rung des Wahlrechts waren, entschlossen sei», bei den im Herbst bevorstehenden Landtagswahlen nur solche Kandidaten zu unterstützen, die sich gegen das neue Wahlrecht erklären.— — Zeugnißzwan gsversahren. Gegen die Redakteure Vierheilig und Ruppel vom demokratischen„Nürnberger Anzeiger" war wegen eines Berichts über eine Soldatenmißhandlung das Zengnißzwangsverfahren eingeleitet worden. Wegen Verweigerung des Zeugnisses wurden beide vo», Schöffengericht zu 10O M. Geldstrafe eventuell 10 Tagen Haft vernrtheilt. Di« Verurtheilten haben die Berufung an die Straskammer ergriffe».— Tarmftadt, 25. März. Die zweite Kammer genehmigte den Verkauf der hessischen Saline„Theodor Schall" an die Stadt Kreuznach zum Preise von 1 100 000 M.— — In Karlsruhe findet am 4. April ein s ü d w e st- deutscher Haudwerkertag zur Besprechung der Hand- werkervorlage statt.— Oesterreich. — Bei den Reichsraths wählen wählte der niederöster- reichische Großgrundbesitz gestern 6 Liberale und 2 Konservative. Die Wahle» sind damit abgeschlossen. Von den 425 Gewählten entsallen etwa aus die Polen 63, darunter 6 Anhänger Stojalowski's, auf die Volkspartei 3, auf die Czechen 63, darunter 59 Jungczechen. anf die Italiener 19. die Slovenen 16, die serbischen Kroaten 13, die Rnthenen 11, die Rumänen 6. die Deulsch-Liberalen 46, die Deutsch-Nationalen 46, darunter 4 Anhänger Schönerer's, auf die katholisch-konservativen Deutschen 41, die Christlichsozialen 28, den liberalen Großgrundbesitz 23, de» konservativen Grobgrundbesitz 21, die Mittelpartei des Großgrundbesitzes 8, die Sozialdemokraten 14 und die Sozialpolitik«« 2. Gegen den i», 5. Wiener Wahlkreise ans der allgemeinen Kurie gewählten christlich-sozialen Abgeordneten M i t l e r m a q e r erhoben die Sozialdemokraten die Anseduldigniig, er halte als Kellner einen Diebstahl begangen. Jetzt veröffentlicht, wie wir der„Voss. Ztg." entnehmen, die Partei der Christlich-Sozialen eine Erklär,„ig, der zufolge Mittermayer nicht als zu dieser Partei gehörig betrachtet wird, in so lange er nicht die Unwahrheit der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen gerichtlich nachweist, was ihm, wie die Lucger und Konsorten wohl wisse», nicht gelingen kann. Eine Vertrauensmänner- Versammlung der deutschen Volks- parte! Nieder-Oestcrreichs beschloß, die Abgeordnete», somie die Leitung dieser Partei aufzufordern, alle Beziehungen zu der christlich. sozialen Partei abzubrechen, da diese die klerikalen Bestrebungen unterstützt. Bei den antisemitischen Wahlkrawallen in der Leopoldstadt wurden siebennndzwanzig Personen, meistens junge Bursche», verhaftet und»enn davon den, Landesgericht wegen Gewaltlhätigkeit ein- geliefert. Die Wiener Blätter melden, als Präsident des Herrenhauses sei Fürst Alfred Windischgrätz, als erster Vizepräsident Karl Auersperg, als zweiter Georg Czartoryski ansersehen, ferner seien zu Mitgliedern des Hauses ernannt: Chlumecky, Küeuburg, Beer, Schaarschmid, von der ehemaligen deutschen Linken, der Universilätsprofessor Grünhnt, die Czeschen Rieger «iid der Kreuzherrn-Ordeiisgeneral Horak, die Pole» Zalesky und Borkowsky, ferner Hohenwart, der Großindustrielle Arthur Krnpp, Baron Johann Liebig, Senatspräsident Mylius und Obersthosmeister Liechtenstein. Die von den Wählern ausgemusterten werden so als lebens- längliche Gesetzgeber ins Herrenhaus gebracht. Das Ansehen des Herrenhauses wird dadurch nicht gesteigert.— Prag, 25. März.(„Magdeb. Ztg.") Der Königgrätzer Bischof hielt vorgestern in der Kirche z» Chrudi», eine Predigt, in der er sagte, daß die Sozialdemokratie auf das Niveau der Thiers herab- sinke. Darauf unterbrach ein anwesender czechischer Sozialdemokrat den Bischof. Tie Kirchenbesucher»ahme» den Sozialdemokraten fest, er wurde de», Kreisgericht eingeliefert. Schweiz. — D i e Bundesversammlung wählte im vierten Wahl- gange an stelle des zurückgetretenen Oberst Frey den Regieriingsrath Dr. Brenner-Basel(radikal) mit 96 Stimme» zun, B u„ des- rath; der liberale Negieruugsrath Speiser-Bascl erhall 3l Stimmen. Sodann wurde in, zweite» Wahlgange der Sekretär des Justiz- Departements Dr. Weber mit 95 Stimmen zum Bnndesrichler gewählt, gegen den Nationalrath Bühler- Chur, welcher 76 Stimmen erhielt.— Frankreich. Paris, 24. März.(Eig. Ber.) Noch ist Madagaskar nicht pazifizirt nnd die Hochfinanz hat bereits den französischen Stencrzahtern die alte Madagaskar-Schuld anfgewälzt. Die Kammer hat gestern den Regierungsentwurf betr. die Konzession der von der jriihere» Madagaskar-Siegierung aufgenommenen sechsprozentigen Anleihe in eine dreiprozentige votirt, damit zugleich die neue illnlcihe unter die Garantie des französischen Staates stellend. Die 5koste„ der Konversion stellen sich auf zirka 16 Millionen, die Re- gierung benutzte aber die gute Gelegenheit, um von der Kammer die Bewilligung einer Anleihe von 30 Millionen zu erlangen. Der „Ueberschuß" vo» 14 Millionen soll für verschiedene öffentliche Arbeite», Wege, Verwalliingsgebände ec. verwendet werde». Daß die mit so schweren Opfern an Blut und Geld er- oberte Kolonie die Kosten der Anleihe nicht decken kann, ist selbstverständlich. Die einzige sichere Einnahmequelle der Insel bilden die Zölle. Die innere» Steuern liefern infolge des ständigen Knegsznftandes beinahe nichts. Das Budget des ver- ssossenen Jahres weist ei» Defizit von 1 600 000 Franks auf. Außerdem sind weitere Nachtragskredite von über 10 Millionen un- umgänglich für die Unlerhaltnngskoste» der Okknpationslruppen. Die bisherige» Ergebnisse der„zivilisatorischen" Mission auf Madagaskar wurden vom Genossen D e v i I l e beleuchtet. Trotz des Kammerbeschlnsses vom Juni 1836 auf Abschaffung der Sklaverei, besteht diese in Wirklichkeit fort. Die Bewegungsfreiheit der aus dem Papiere befreile» Sklaven wurde von General Gallieni durch ein drakonisches Vagabundendekret unmöglich gemacht. Jeder Ar- heiter, der während eines Monats ohne Beschäftigung bleibt, wird als Vagabund mit drei- bis sechsmonatlichem Gefängniß und mit Zwangsarbeit in de» staatlichen Werkstätten von dreifacher Dauer be- straft. Koloiiialmiiiister Lebon bezeichnete diese Organisation der Sklaverei als eine„provisorische Polizeimaßregel". Er sagt« aber nicht, wie lange das Provisoriun, dauern wird. Ein V„ d g e t- K o» f l i k t zwischen Senat und Kammer steht bevor. Seit der Kapitulation des radikalen Kabinets vor de», Senate ist diese», der Kamm gewaltig geschwollen. In der soeben beendeten Berathung des Budgets für 1897 hat der Senat aus reinem Uebermuth einen„»bedeutenden Posten um 20 000 Frs. gegenüber den, von der Kammer votirten Betrage erhöht, nnd zwar gerade nachdem der Erhöhungsantrag vom Antrag- steller selber zurückgezogen war mit Rücksicht darauf, daß die Kammer bisher nie eine Krediterhöhung seitens des Senats geduldet hat. Durch dieses Votum wollte der Senat ausdrücklich seine Gleich- berechtigung auch in Bndgetsragen geltend mache». Nun hat aber die sonst regierungs- nnd folglich senatssreundliche Bndgelkommission der Kammer die 20 000 Frs. wieder gestrichen, und die Kammer wird zweifelsohne diesem Beschlüsse zustimme». Das Budget-Vor- recht der Kammer stützt sich, von den allgemeinen Grundsätzen des Verfasjungsrechts abgesehen, auf die ausdrückliche Bestimmung der französischen Verfassung, wonach das Budget, i», Unterschied von allen andere» Gesetze», znerst vo» der Kammer votirt iverden muß. Drei bisher unter der dritten Republick vorgenommene Budget- Konflikte endeten mit der Kapitulation des Senats. Diesmal dürste die Sache infolge der angedeuteten Umstände weniger glatt ver- lausen. — Das allgemeine Interesse ist jetzt in Parti ans den Arton-Prozeß gerichtet, hinter welchem all«? andere zurücktritt. Der gestrige Tag bracht« eine U e b e rr a f ch„„ g in» sofern, als der republikanische Senator von Guadeloupe, I s a a c, beim Untersuchungsrichter Le Poitevin«ine freiwillige Audienz hatte. Dies war i» folgender Weise begründet. Am 30. April 1833 wurde eine Vorlage, welche die Panama-Gesellschasl zur Emisflon einer Anleihe ermächtigte, von der Kaminer bewilligt und dem Senat überwiesen. Herr Jsaac war damals Sekretär derjenigen Kom- missio» des Senats, die den vo» Herrn Bozörian verfaßten Bericht z» gunsten dieses Gesetzes annahm. Dieser Umstand bracht« Herrn Jsaac eine Reihe von Verdächtigungen ein und er bat deShalb a», vergangenen 22. März den Uiitersuchuiigsrichter um eine Unterredung, die gestern Nachmittag 2 Uhr im Justiz- palast in Gegenwart Arlon's stattfand. Herr Jsaac erzählte hierüber selbst eine», Berichterstatter, daß Arton, als er das Kabinet des Herrn Le Poitevin betrat, wo letzterer bereits anwesend war, äußerte:„Daß wir doch fortwährend gestört»verde». Wir können garnicht mehr arbeiten." Hieraus ging hervor, daß Arton Jsaac nicht kannte. Der Untersuchungsrichter wies demselben»un das Checktonto Arton's, worin er mit einer Summe von 10 000 Franks verzeichnet stand. Arton erklärte, daß in, Jahre 1883„ein Herr" zu ihm gekommen sei. welcher vorgegeben habe, er, Jsaac, interessire sich zn gunsten einer Zeitung für die Panama- Angelegenheit. Daher gab Arton de», Herrn für Jsaac 10 000 Fr., obwohl er denselben nicht kannte. Arton war indeß nicht das Opfer eines Schwindlers ge- worden. Der betreffende Herr, der die 10 000 Fr. für Herr» Jsaac erhielt, ist der Redakteur am„Evöneinent", früherer Redakteur an der„France" und am„National", Jrense B l a n c. Der Unter- snchnngsrichter beauftragte infolge dessen gestern einen Polizei- kommissär mit der Vornahme einer Haussuchung in der Wohnung des Herrn Vlanc. Offiziell verlautet über deren Ergebniß noch nichts, doch haben vi- Zeitungen Herr» Blanc sofort interviewt und über de» Znsammenhang erfahren, daß Arton im Jahre 1888 zu ihm kam und ihm 10 000 Fr. für die Reklame in der„Libertö Coloniale" anbot, deren Chefredakteur damals Herr Jsaac war und an der Herr Blanc ebenfalls als Siedakteur angestellt war. Letzlerer nahm die Summe a»»nter der Bedingung, daß Herr Jsaac, der sich in die verlagsang, legenheilen der„Sibcvte Eotoiilale" nicht mischte, hiervon nichts erführe. Weiter weiß man noch nichts. Doch bedürfen die Erklärungen des Herrn Blanc, wie ersichtlich, noch näherer Erklärung. Herr Le Poitevin verwendete deshalb den ganzen gestrigen Tag darauf, sich eine Meinung in der Angelegenheit Jfaac-Blanc zu bilden und ge- denkt, verschiedens Zeugen zu vernehmen, so daß man hierüder jedenfalls bald vergewissert sein wird. Es steht eine Konfronlirung Blanc's und Jsaac's mit Arton bevor. Ueber den Gang des Arton- Prozesses im allgenieinen melden die Blätter, daß die aktiven Par- lamentarier zunächst, dann die früheren Mitglieder des Parlaments und schließlich die Angehörigen der verstorbenen Senatoren und Deputirte» verhört werden sollen. Die Regierung soll tvünsche», daß die Gesuche um Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung bei dem Präsidenten des Parlaments nicht eher ein- gereicht werden, als der Untersuchungsrichter die möglichst gründliche Ueberzengnng von der Schuld der in Anklagezustand zu ver« setzende» Parlamentarier gewonnen hat, sodaß keine Einstellung des Versahrens oder Freisprechungen zu gewärtigen sind. Aus diesem Grunde ist bis jetzt nur von der gerichtlichen Ver- folgung von etwa a ch t P a r l a m e n t a r i e r n die Rede. Die „Lanterne"«heilt mit, daß Charles de Lesseps, der de» besten Aufschluß über die Angelegenheiten des Panama geben könne, nach Paris zu kommen beabsichtige, um persönlich in die Arton- Untersuchung einzugreifen und Licht in dieselbe zu bringen. Sollte sich dies bewahrheilen, so dürfte sich der Arton-Prozeß noch interessanter ge- stallen. Ter Deputirte Clovis Hugues wird heute von dem Untersuchungs- richter Poitevin vernommen werden, weil sein Name sich im Check- buche Artou's besindet. Clovis Hugues behauptet, der ehemalige Deputirte Saint Martin habe seinen Namen mißbraucht und von Arton 3000 Frcs. erhalten. Saint Martin lebt derzeit als Advokat in Aviguon. Der Richter Le Poitevin, der mit der neuen Untersuchung der Panama-Angelegenheit beauftragt ist, hat gegen den frühere» Depli- lirte» von Aviano», St. Martin, einen Verhaftsbefehl erlassen. Wie aus Paris verlautet, werden außer Naquet auch der radikale Abgeordnete Camille Pelletan und mehrere andere auf der Liste der Angeklagten im neuen Panamaprozesse figuriren.— — Ueber Frankreichs Vordringet« in Zentral- Afrika wird aus Paris telegraphirt: Im Ministerrath« theilte der Kolonialminisier Lebon mit, daß durch die Erfolge der von Quagadougon(?) ausgegangenen Mission Vonlet und der von Dahome aus ins Innere aufgebrochenen Mission Band die Landschaft Gurma unter das Protektorat Frankreichs gestellt sei; in Sati sei ein Posten errichtet, und so der endgiltige direkte Zusammen- hang zwischen Dahonie und dem sranzösische» Sudan hergestellt worden. — Zur Verbannung der Königin von Mada- p a s ka r meldet das Reuter'sche Bureau auS Port Louis: Nach hierher gelangten Meldungen aus Madagaskar ist die Verbannung der Königin Ranavalo nach Rsunion wegen einer Verschwörung gegen das Leben des Generals Gallieni erfolgt. Die Untersuchung ist in Tananarivo eröffnet. Mehrer« Verhaftungen sollen bevor- stehen. Bei der Dilrchsuchung des Palastes wurden 700 000 Franks vorgefunden und verschiedene geheime Schriftstücke über Einmischung von Ausländern in den Aufstand entdeckt.— Italien. —- Die Ergebnisse der Wahlen dürsten nach den neuesten Nachrichten folgende sein: 320 Ministerielle, 75 von der konstitutionelleil Opposition, 17 Radikale, lö Sozialisten, 63 Stich- wählen; von 30 Wahlkreisen ist das Resultat noch ungewiß. Das Auwachsen der sozialistischen Stimmen ist bemerkenswerth. In Mailand wurde Tiirati mit 2590(1895; 1820) Stimmen geivählt, die sozialistischen Kandidaten der anderen siinf Mailänder Kreise erhielten ebenfalls ganz respektable Etimmenzahle». C i c c o t t i, der 992(1895: 358) Stimmen erlangte, wird mit einem Ministeriellen, der es auf nur 970 brachte, in die Stichwahl komme». Da die Republikaner voraus- sichtlich für ihn stimmen werden. durste sein« Wahl ziemlich gesichert sein. Ferri erhielt in Gonzaga 2117 (1895: 1574) Stimmen gegen 1667, die aus de» Ministeriellen ent- sielen. In Carpi wurde B e r t e s i mit 1044 von 1900 abgegebenen) Stimmen, in Pesearolo Bissolati mit 2030 (1898:1135) Stimmen geivählt. Andrea Costa wurde in B» d r i o(nicht Jmola, wie wir infolge eines Telegrammfehlers angegeben Nlit 1836(l395: 1565), der Eisenbahnbeamte Nofri i» Turin IV mit 1884(1895: 1098) und M o r g a r i in T u r i n II(nicht Budrio) mit 1081(1895: 475) Stimmen gewählt. Sehr günstig stehe» noch die Stichwahlen in Turin III, P o r t o- M a u r i c i o»nd Alessandria.— In Ron« erhielteil unsere Kandidaten 1100 Stimmen. »Weder die Konservativen, noch die Crispiner, noch die Demo- krate», so bemerkt der„Avanti",„haben bei diese» Wahlen irgend welche Sitze gewonnen, nur das klassenbeivnßt« Proletarial hat Fort- schritte gemacht, die Sozialisten haben alle Ursache, mit den Er- gebnissen der Wahl zufrieden zu sein. — B a r b a t o ist trotz seiner Erklärung gegen die griechische Regierung nach Kre ta gegangen, wo er glücklich angelangt sei» soll; C i p r i a» i soll bei einer Freischaar»n Thessalien, a» der türkischen Grenze, stehen. Asien. — Zlir Einführung der Goldwährung in Japan wird aus Nokohama telegraphirt: Das Haus der Pairs nahm die Vorlage betr. Einführung der Goldwährung an.— Amerika. Kubanisches. Der„New- Aor! Herald* meldet einen großen Sieg der Insurgenten bei Sant Jago de Euba.— Parlamenksvifches. Der Bnudcsrath hat in seiner heutige» Sitzung die Gesetz- enlivnrse wegen Feststellung eines Nachtrages zum Reichshanshalts- Etat für 1897/98 und wegen Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres den betreffenden Ausschüsse» »iberwiese» und seine Zustimmung ertheilt dem Ausschußberichte über die Beschlüsse des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen zu dem Gesetzentwurf betr. die Erhebung von Abgaben behuss Deckung der Ausgaben der Handelskammern, und ferner den Ausschuß- berichten über den Gesetzentwurf für Elsaß- Lothringen betr. die Verzinsung der Gelder der Sparkassen und Hilfsgenossenschafle», sowie über die Beschlüsse des Landesansschnfses zu dem Gesetzentwurf wegen Feststellung des Laudeshaushalts-Elats von Elsaß- Lothringen fiir 1397/98._ Im sozialdemokratischen Verein zu Erfurt hielt Redakteur H ü l t e am Sonnabend eine» Vortrag über die Theilnahme der Erfurter an der 1848 er Revolution. Die Bewegung nahm ihren Ausaug am 14. März 1343 niit einem Bierkrawall, indem eine Menge Volk vor die Häuser einiger Brauereibesitzer zog und dort demon- stririe. Sie erreichte ihren Höhepunkt in dem Barrikadenkampf an der Ecke des Anger und der Auguststraße(Bahnhof- straße) im November 1843. Das Erfurter Militär, verstärkt durch die Langensalzaer Kürassiere, feuerte mit Kanonen auf die Barri- lade, auf welcher der Führer derselben, in der einen Hand das schwarz-rolh-goldene Banner, alsbald zerschmettert zu Boden sank. Diese Revolution, planlos und mit unzureichende» Krästen begonnen, wurde nach kurzem Widerstand-unterdrückt. Heute haben die Arbeiter Erfurts ein erfolgreicheres Mittel, um ihre freiheitlichen Interessen zur Geltung zu bringen. Das ist die organisirte Propaganda durch Wort und Schrift und der Stimmzettel. Tie Frankfurter FrirdhofSaffäre kam am Dienstag in der dortigen Stadtverordneten- Versammlung zur Besprechung. Die Stadtverordneten S o n n e m a» n, Dr. Geiger und Dr. Neu- kirch traten gegen die ungleich« Behandlung der politischen Parteien bei Begräbnissen sehr entschieden auf. Herr Sonne-' m a n n führte u. a. aus:„Der Vorgang auf dem Friedhos war höchst bedauerlich, er hat in der ganzen Stadt das unangenehmste Aufsehen erregt. Unter dem Sozialistengesetz ist leider einmal ein ähnlicher Mißgriff seitens der Polizei begangen worden, jetzt. hätte man eine Wiederholung nicht mehr erwartet. In der Stadtverordnete»- Versammlung herrscht Ueber- einstimmung, daß solche Zwangsmaßregeln nur verbittern «lnb die sozialen Gegensätze verschärfen und daß in diesem Fall nicht die geringste Veranlassung vorlag. Ich bin selbst ans dem Friedhof gewesen, da ich gleichzeitig zu einer anderen Becrdi- gung kam, und habe gesehen, daß die Leute, die den Zug bei der Frau Trompeter bildete», die m u st e r h a f t c st e Ordnung hielte». Für ein p o l i z e i l i ch e s E i n g r e i f e n lag nicht die g e r i n st e Veranlassung vor. Soviel an uns liegt, müssen wir uns doch verwahren gegen eine solche ungleiche BeHand- lung nnserer Mitbürger»nd besonders an einem Ort, wo Friede und Gleichheit vor allem herrschen sollten." Oberbürgermeister A d i ck e s bemerkte gegenüber dein in der Presse erhobenen Vorwurf, daß die Stadtvertretnng die Angelegen- heit nicht energisch genug behandle:„Zwei Dinge müssen anseinander- geHallen werden: 1. das Verhalten der Polizei-Organe ans dem Friedhof. Die Beschwerde darüber war an das Polizeipräsidium zu richten; als wir uns dorthin wandten, wurde konstatirt, daß noch keine Beschwerde vorlag, 2. die Verhandlungen mit dem königl. Polizei- präsidinm, um solche Vorkommnisse künftig unmöglich zu machen. Des- halb sind wir darüber in Beziehung getreten, damit so klare Instruktionen gegeben werden, daß derartiges nicht mehr vorkommt. Es ist kon- staute Judikat»«-, daß geschieden wird zwischen gewöhnlichen und ungewöhlichen Begräbnissen. Die letztere» müssen polizeilich an- gemeldet werde», und ist die Polizei bei diesen zu besonderen Maß- regeln berechtigt. Was gewöhnliche und tvas ungewöhnliche sind, kann natürlich im einzelnen zweifelhaft sein und es besteht das größte Interesse, daß möglichste Klarheit darüber herrscht.. Ich glaube, die Verhandlungen in dieser Beziehung werde» zu einem befriedigenden Re- sultat führen. Der Polizeipräsident hat bereits anerkannt, daß es gestattet ist. Kränze mit Widmungen niederzulegen, auch mit r o t h e n Farben, hat also die alle, seit Jahren bestehende Praxis vorläufig anerkannt. Wegen des weiteren danern die Unterhandlungen noch fort. Sie können daraus ersehen, daß wir alle Schritte gethan haben, die in unseren Kräften stehen." Im weiteren theilte der Oberbürgermeister A d i ck e S noch niit, daß den Stadtverordneten über den Ausgang der Angelegenheit selbstverständlich Bericht erstattet werden würde. Maifeier. Die Agitationskom Mission der Gast- «virthsgehilsen Deutschlands, Sitz Berlin, fordert alle ans dem Boden der moderne» Arbeiterbewegung stehenden Gastwirthsgehilfen-Vereine auf, das Arbeiter-Maifest möglichst auf einen Tag und zwar auf de» 4. Mai zn verlegen. Diese Verlegung ist bedingt dadurch, daß die Gastwirthsbediensteten durch die Eigenartigkeit ihres Berufs verhindert sind, die Feier am 1. Mai selbst zu begehen. AuS der Schweiz. Bei einer gemeinsamen Sitzung der Komitees des schiveizerischen Arbeiterbundes, der sozialdemokratischen Partei und der Presse wurde vereinbart, daß die Redakteure Seidel und Moor kein Wort mehr gegeneinander schreibe» dürfen. Seidel und Moor erklären sich damit einverstanden. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Re- dakteur der„Neuen Welt", Genosse Edgar Steiger in Leipzig und der Schriftsteller Louis S a l o m o n, Verfasser der Novelle„Der Nazarener", gegen ihre wegen Gotteslästerung erfolgte Verurthcilung zu 4 Monaten 2 Wochen und 4 Monaten Eefängniß eingelegt hatten. Ferner verwarf das Reichsgericht die Revision des Redakteurs T h i e l h o r n vom„V o l k s w i l l e n" in Ha»- nover, der wegen Majestätsbcleidiguna zu 2 Monaten Gefänaniß verurlheilt ist. Das erste vom Reichsgericht ausgehoben« Urtheil hatte auf Freisprechung gelautet. Die Uage tu AZttinbuvg. Die Kohlenarbeiter, Schiffsmaler, Getreide-Arbeiter, Schiffs- reiniger, Kesselreiniger, Speicherarbeiter, Maschinisten und die Arbeiter vom Staatsqnai und Amerikaquai hielten, wie uns berichtet wird, Mittwoch Abend ebinsalls Mitglieder- Versamm- lungen ab, wo die Aussperrung der Kohlenarbeiter aus der Tagesordnung stand. In allen Versammlungen nahm man entschieden Partei für die Kohlen- Scbauerleute und machte Front gegen das Verhalten der Behörden. Mehrere Redner sprachen sich dahin aus, daß man sich von den mit so vielem Elan ins Werk gesetzten Erhebungen der Senatskommisston gar nichts zu versprechen habe. Die Unternehmer kümmerten sich nicht darum. Das zeige die frivole Aussperrung der Kohlen- Schanerleute durch die Importeure. Schließlich«vurde überall die schon in gestriger Nummer des„Vorwärts" mitgelheilte Resolution angenommen und beschlossen, daß man die auf nächste» Sonntag einberuseue kombinirte Versammlung aller Hafenarbeiter abwarten und dann weitere Beschlüsse zwecks Unterstützung der Ausgesperrten fassen wollte. I» der thatsächlichen Lage der Ausgesperrten hat sich in de» letzten Tagen nichts geändert. Bewilligt hat keiner der Importeure mehr, und mit Umgehung der Stauer lassen sie jetzt durch Vize zum großen Theil mit„Arbeitswilligen" arbeiten. Natürlich geht die Arbeit nur sehr langsam vor sich, und Unglücksfälle sind wieder an der Tagesordnung. Di« Senalskommission hat noch nichts von sich hören lassen und in der Erkenntniß ihrer Machtlosigkeit den Importeuren gegen- über dürfte sie auch wohl kaum nochmals ein« Vermittlung versuchen. ES würde doch nicht? nützen. Die Importeure könnten wohl nach- geben, daS„fällt ihnen aber gar nicht ein". GemerKMafkliitzes. Berlin und Umgebung. Achtung, Steinbildhaner Berlins l Zur Unlerstühnng der ausgesperrten Steinarbeiter in Neuendorf bei Pirna, Riesa und Straßburg wird unter den Steinbildhauern eine Listensammlung vorgenommen. Listen sind vom Freitag ab Annenstraße 16 zu haben. Gelder für die Ausgesperrten nimmt entgegen der. Vertrauensmann der Bildhauer Berlins. G. W i n k l e r. Das Rixdorfcr Gewerkschaftskartell beschloß, am Morgen deS 1. Mai eine Gewerkschafts- Versammlung abzuhalten. Jedem Arbeiter, der den I. Mai durch Arbeilsruhe zu feiern in der Lage ist, wird es zur Pflicht gemacht, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Am 4. April soll eine Frauen- Versammlung stattfinden, in welcher die Statuten deS in Aussicht genommenen Frauenvereins berathen werden. DentscheS Reich. Die Zahl der Kündigungen, die von der kgl. Eisenbahn- direktion Altona wegen Betheiligung von Mitgliedern ihres Per- sonals an einer Versammlung des Eisenbahncrverbandes vorgenommen worden sind, beträgt, wie das Hamb. Echo" erfuhr, mindestens 16. Von den Gekündigten seien zwei ze 22 Jahre, einer 20, vier zwischen 12 und 20 Jahren, fünf 10 Jahre und zwei je 4 Jahre im Dienste der Altonaer Direktion thätig gewesen. Eruige der Gekündigten sollen der Versamnilung übrigens gar nicht beigeivohnl haben. sondern sind, ivie sie annehme», von den in die Versammlung geschickten Aufpassern fälschlich denunzirt worden. Die Textilarbeiter Schlesiens halten zu Ostern m L i« g» i tz «inen Kongreß ab. DieArbeiter des StaatSgüter-BahuhofS in Frankfurt a.M. stellten in einer Versammlung folgende Forderungen auf: Ab- schaffnng des Akkordsystems, Bezahlung eines Mindestlohnes von 35 Pf. für die Stunde. Schließung der Abfertigungs« stelle abendS 7 Uhr, Regelung der EonutagSarbeit. In Solingen stehen feit acht Tagen die Messerschlagerei« Arbeiter der Firma Gebr. Hartkopf im Streik. Es waren,«vie berichtet wird, zwei Kameraden deshalb entlassen worden, iveil 41 Arbeiter der Firma der Gewerkschaft beigetreten sind. Als Ant- wort daraus legte das Personal der Firma das für Solingen giltige Preisverzeichniß vor, was aber die Firma ablehnte. Daraus wurde die Arbeit eingestellt. Die Stuckateure Dresdens hatten den Meistern einen Lohn- tarif vorgelegt. Die Meister verwarfen diesen und legten den Ge- Hilfen selber einen Tarif vor, der am 1. April in kraft treten und drei Jahre lang gelten soll. Eine gut besuchte Versammlung der Stuckateure lehnte den Meistcrtarif in namentlicher Abstimmung mtt großer Mehrheit ab und beschloß zur Durchführung des Gehilsen- tariss zu geeigneter Zeit die Arbeit niederzulegen. Die Böttcher haben ihre Forderungen in zwei der größten Werkstellen bewilligt bekommen. In vier Betrieben wird noch gestreikt. In Chemnitz hat der Verein zur Förderung der Gewerkschafts. bewegung durch eine Statistik festgestellt, daß dort und in der Um- gegend von 50090 beschästigten Arbeitern nur 3422 einer Gewerk- schaft angehören. Ueber den Streik der Leipziger Tapezirer wird un? von dort berichtet: Heute Donnerstag sind nur noch 20 Mann aus« ständig, da die Nachfrage nach Arbeitskräften infolge der Satson zur Zeit stark ist. Die Gehilsenforderungen sind bis jetzt von der Innung(83 Meister) und von 46 Nichtinnungsmeistern, die zusammen 280 Gesellen beschäftigen, bewilligt. Die größte Firma F. A. Schutz aber, bei»velcher 18 Mann die Arbeit nur wegen der Nichtbewilll- gung des Punktes: Abschaffung der Akkordarbeit niederlegten, zeigt sich zum Nachgeben nicht bereit, sondern will den Kampf gegen die Abschaffung der Akkordarbeit, welches Verlangen von der Innung unter st ützt»v i r d, bis aufs Messer führen. Gestern hat die Firma schon gegen ihre bisherigen Arbeiter die Kontrakt- bruchs-Klage beim Gewerbegericht eingereicht. In Offenbach hat der Vorsitzende des Gewerbegerichts, Herr W o l f f, den Versuch gemacht, durch ein Schreiben an den Vorsitzenden der Schuhsabrikanten- Organisation den Streik beizulegen. In dem Schreiben sind eine Reihe Vor- schlage zur Einigung gemacht, mit dem Bemerken, daß «venn die Einigung erfolge, die Arbeit an« 24. März wieder auf- genominen«verde» solle. Die Fabrikantenorganisation hat ans daS Schreiben erwidert, daß die von Herrn Wolff gemachte» Vorschläge „nicht«» allen Theilen angenommen«verde» könnten, weil bei den mit den Arbeiterausschüssen der einzelnen Fabriken erreichten Ver- Handlungen bereits die Grenze des Möglichen erreicht" sei. Die Fabrikanten erklärten«veiter, daß sie ihre„den Arbeitern gemach len Vorschläge auch heute aufrecht erhalten" und«venn die streikenden Arbeiter diese Vorschläge uicht annähmen, so würden, laut Beschluß der Fabrikantenversammlung, alle weiteren Verhandlungen als z>vecklos abgelehnt«verden. Wie«venig Neigung die Fabrikanten zuin rieben haben, zeigt sich»och darin, daß sie die Streikenden benn eiverbegericht aus Zahlung von je 13,20 M. Schadenersatz verklagt habe»,«vas bei zirka 400 Streikenden 5280 M. ausmacht. In Erlange» hat der Streit der Spinnerei-Arbeite« rinnen mit der Niederlage derselben geendet. 40 Arbeiterinnen sind»och zu unterstützen. Zn der Miinchener Notiz in Nr. 67 des„Vorivärts", wonach eine öffentliche Handlungsgehilfen-Versammlung i» München„ein- stimmig Protest erhoben hat gegen die«vider das Koalitionsrecht der Arbeiter verstoßende» Statuten der von der M a l z k a f f e e- F i r n« a Kathreiner für ihre Angestellten gegründeten Pensionskasse" ersucht uns die Firma„Kathreiner's Malzkaffee-Fabriken G. m. b. H." berichtigend mitzutheile», daß diese Firma„eine Pensionsanstalt für ihre Angestellten bisher«veder gegründet hat noch vorerst zu gründen beabsichtigt, infolge dessen auch z» einem Protest gegen ein solches Institut keinen Anlaß geben konnte". Das Gewerbegericht in Strasburg i. E. hat es,«vie die „Franks. Ztg." meldet, abgelehnt, betreffs der Differenzen zwischen den Steinhauern und den, Baugeiverkverein als Einigungsamt zu fungiren, weil da? elsaß-lothrin- zische Gesetz vom 23. März 1880 eine solche Thätigkeit des Ge»verbegerichts nicht vor- gesehen hat. Das Reichsgefetz über die Ge- «verbegerichte gilt aber in den„Reichslande«»" nicht. Die Politik der deutschen Regierung in den Reichslanden führt, «vie man sieht, zu Zuständen, die ganz unhaltbar sind. Dennoch rührt sich in den maßgebenden Kreisen in Berlin keine Hand, uin de» Elsaß-Lothringern das ihnen als deutschen Stammesgenosfen ge- bührende Recht zu geben. Ausland. Vom Etsenbahnerstreik der schweizerischen Nordostbah» erzählt der„Berner Bund" folgende Episode: In der Nacht, als der Streit begann, wurden in Zürich von der Betriebsleitung Depeschen an das gesaminte Personal des Netzes verschickt mit der Androhung, daß.«ver«norgen nicht prompt auf feinem Posten sich einfinde, sofort als entlasse» gelte. Der Nachtdienst thuendi Bahntelegraphist hatte eine geivaltige Arbeit. Es«var drei Minuten vor 12 Uhr. Die vorliegende» Depeschen«varen beivälligt, da trat der Vorgefetzte mit einem neuen Büschel Enllassungsdekreten zum Telegraphen:„Die Depeschen sind sofort zn spediren." Ruhig ordnete der illugestellle den Text vor dem Apparat, legte die Hand auf den Drücker...»nd zog die Uhr.„Mein Herr, der Zeiger zeigt 12 Uhr, mit Mitternacht beginnt der Streik. Ich bedaner!, keine Depeschen mehr weitergeben zu können," sprach's, erhob sich und verließ ohne weiteres das Telegraphenbureau. AnS Kopenhagen wird von bürgerlicher Seite telegraphirt: Nachdem die VermittelungSversuche des Kopenhagener Fabrikantenvereins der Eisenindustrie in dem Lohnstreit zwischen dem Verein der Fabrikanten der Eisenindustrie in der Provinz »lnd den Arbeitern gescheitert sind,«vird der hiesige Verein in der heute Abend stattfindenden Hallptversammlung beantragen, die Sperre über die Ardeiter sämmtlicher Kopenhagener Maschinen- fabriken zu verhängen. Somit sind s ä in m t l i ch e 4000 Maschine narbeiter Dänemarks von der Sperre betroffen. Französische Streiks im Februar 18S7. Das Arbeitsamt zählte im Februar 26 Streiks gegenüber 16 Streiks im Januar l. I. und 36 Streiks in« Februar des vorigen Jahres. Die Durchschnitts- zahl der Streiks iin Februar betrug in den letzten vier Jahre» LI. Die für 25 Streits bekannte Zahl der Streikenden stellt sich diesmal aus 2599 gegenüber 3517 iin Februar des Vorjahres. Die fallende Tendenz der Streikbewegung dauert aber fort, eine Folge der anhaltenden Niedergedrücktheit de? Arbeits- Marktes.— 12 Streiks kommen auf die Textilindustrie, 4 auf die Metallindustrie. je 2 auf Kohlengruben und Buch- druckereien und je 1 Streik auf 6 andere Geiverbe. Von de» 26 Streiks kamen im Nord-Departement allein 10 vor, die indessen je»ur«ine einzelne Unternehmung betrafen. Im Seinc-Departement waren zivei unbedeutende Streiks mit insgesammt 40 Streikenden zu verzeichnen.— Ursache der Streiks«var in 10 Fällen Forde- ruug einer Lohnerhöhung, in 3 Fällen Lohnherabsetzung, in 2 Fällen andere Lohnkonflikte, in 6 Fällen Personalsrngen, in 2 Fällen Bußen, in je einen» Falle Forderung der Beibehaltung des Zeitlohnes, Werkstätten- Ordnung und Forderung der Abschaffung des Lohnabzuges für Versichcrungs- kosten.— Die Dauer der 13 im Februar beendeten Streiks betrug in 8 Fällen 9 Tage; in je«inen, Falle 7, 6 und 4 Tage; in je zivci Fällen 5 und 2 Tage; in 8 Fällen 1 Tag. Hierzu kommen noch drei im Januar begonnene Streik?, die je 43, 21 und 20 Tage dauerten.— Ausgang der 21 im Februar beendeten Streiks: 3 Erfolge, 5 Ausgleiche und 13 Mißerfolge.— Das EinigungSgesetz trat viermal i» Wirkung, dreimal ans Anregung der Arbeiter, einmal aus beiderseitiges Uebereinkounnen. Aber nur in zwei Fällen nahmen die Unternehmer die Ver» »littelung des Friedensrichters an, der beide Mnle de» Streikenden recht gab. Zl»S London wird telegraphirt, das, der Handelsrichter eingewilligt hat, bei den Difserenzen zwischen dem Geimkverein der Maschinenbauer und den Maschinensabrikanten an» Clyde, in Glas gow und Belfast als Schiedsrichter zu fungiren. Soziales. Der allgenicine Verband der ans Selbsthilfe beruheudeu ocntschen Erlverbs-»nd Wirthschafts- Genossenschaften n-ill auf Kosten der betheiligten Handelskainnier» in Anlehnung an die Untersuchungen, die der„Verein für Sozialpolitik" über„die Lage des Handwerks" angestellt und veröffentlicht hat, Untersuchungen über die Lage des itleinhandels anstelle». Als Kleinhnndelszweipe sollen in betracht konnnen der Kolonial-, Material- und Delikatcst- Waarenhandel; die Manufaktur-, Woll- und Weißwaaren-, sowie Tapisseriegeschäfte; der Handel mit Tuche» und Konseklions- artikeln, die Galanterie-, Papierwaaren- und ähnliche Geschäfte, der Eisen-Kürzwaarenhandel m a. m. Ebenso soll eine anf Thalsachen beruhende objektive Untersuchung über Konsnmvereine, über die ver- schiedeneu Forme» des Wandergewerbes, über Bersnudthänser und Waareumagazine, sowie über Waaren- und Wanderaultionc» ver« anlabt werden. Die Gesainintheil der Arbeiten soll im ersten Theil die Zergliederung des Klein- und Zwischenhandels, in ihrem zweiten Theil die Ursache der thalsächlichen oder angeiiominenen krankhaften Erscheinungen klarstellen. In Fürth haben sich die beiden städlischen Kollegien in Be- Ziehung auf die S o n» t a g s r u h e i» E» g r o s- n n d B a n k- geschäften dahin geeinigt, daß in den Monaten Mai, Juni, Juli und August die vollständige Sonntagsruhe einznsühren ist. In de» übrigen 8 Monaten dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonntagen von 10 bis V212 Uhr vormittags beschäftigt werden. — Der bisher als sozialdemokratischer Vertreter angesehene und als solcher gewählte Gemeindebevollmächligte Dr. Morgenstern gab im Genieindekollegium eine Erklärung ab, ivonach er nie einer Partei als Mitglied beigetrete» sei. Seine Abstinunung i» Beziehung auf die Sonntagsruhe entspreche seiner Anschauung. Den Emanzi- pationskampf der Arbeiter erkenne er als eine Kultirrbewegung an und unterstütze dieselbe, er behalte sich jedoch in alle» Fragen eine unabhängige Stellung vor.— Dr. Morgenstern halte gegen die vom Fnrlher Magistrat beschlossene vollständige Sonntagsruhe ge- stimmt und war dieserhalb in der Parteipresse sachlich lritisirl worden. Frankreichs Bebölkernngsbewegnilg. Das Ministerium des Inner» halte ans der letzten Volkszählung vom 29. März 1896 im Vergleich urit derjenigen von 1891 einen rein französischen Bevölkerungszuwachs von 249 33-t Personen heransgerechnet. Die soeben veröffentlichte Statistik der Bevölkerungsbewegung für 1895, im Vergleich mit der der voraufgegangenen vier Jahre, eine Statistik, die mit ganz anders zuverlässigem Material arbeilet, zeigt, daß selbst dieser bescheidene Zuwachs in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Folgende Tabelle soll das veranschaulichen: Ueberschuß der Geburten Todesfälle Geburten Todesfälle 10 505 20 041 1891 866 377 376 882— 1892 855 847 875 883— 1893 874 672 867 526 7 146— 1894 855 383 815 620 39 768— 1395 834 173 851 986— 17 813 Summa 4236 457 4 287 902 46 914 48 359 Macht für das Jahrfünft eine» Ueberschuß d e r Todesfälle über die Geburten von 1445. Der Bevölkerungszuivachs des letzten Jahrfünfts rührt also ganz undfgar von der ausländischen Einwanderung her, die obendrein noch das Defizit von 1445 zu decken hatte. Der englische ZlrbeitSmarkt hat nach den Meldungen, welche das Arbeitsamt(Labour-Deparlenient) in der„Labour-Gazelte" ver- öffentlicht, auch im Monat Februar eine steigende Tendenz gezeigt. Die Zahl der Arbeitslosen betrug bei den 115 Ge- werkschafte», welche im Februar Berichte an das Arbeits- amt einsandten, und die über eine Milgliederzahl von zusammen 451 544 verfügten, 13 302 oder 3.0 pCt. geg.» 3,3 pCt. im Monat Januar d. I. und 3,3 pCt. im Februar 1896. Ii» Februar 1396 waten 106 Gewerkschafte» mit 409 102 Mit- gliedern an de» Erhebungen betheiligt. Neue!k o n s l i k l e zwischen Arbeit und Kapital wurden ge- meldet 66, bei denen 23 671 Arbeiter betheiligt waren, gegen 48 Konflikte mit 16 615 Arbeitern im vorhergehenden Monat und 73 mit 17 000 im Februar 1896. Von 52 neue» und alten Differenzen mit 23 379 Arbeitern, welche in dem Berichtsmonat als beigelegt an- gemeldet sind, endeten 13 mit 6044 Arbeitern erfolgreich für diese, 13 mit 7733 Personen erfolglos; 13 Differenzen, bei denen 3477 betheiligt ivaren, endeten durch Vergleich: der den übrigen drei ist der Ausgang noch unbekannt. An den Veränderungen der Lohnhöhe waren 50 000 Personen betheiligt, die, mit Ausnahme von 300, alle eine Lohnerhöhung erreichten. Nur bei 4000 Personen war die Erhöhung durch Streik erzwungen worden, der Ziest erhielt sie durch Vermittelung, Verhandlungen, Schiedsspruch u. f. iv. Pauperismus. An einem bestimmten Tage der zweiten Woche im Monat Februar erhielte» in 35 Genicindebezirken 343130 Personen A r m e n- U n l e r st ü tz u n g. Das macht 219 anf 10 000 Einivohner oder 3 weniger, als im gleichen Monat des Vorjahres. Tie Fortschritte der russische» Bergiudustrie find, wie der „Hamb. Corresp."»ach den„Moslowslija Wjcdomosti" mitt heilt, in den letzte» Jahren sehr beinerkensiverlh. Die Begünstigung der einheimischen Gußeisenindustrie hat überraschende Resultate nach sich gezogen. 1893 betrug die Quantität des prodnzirten Gußeisens 87 Millionen Pud. Zwei Jahre später war eine Stelycrnng von 18 Millionen Pud zu verzeichne». Die südrussischen Fabriken haben diejenigen vom Ural um 1 Million Pud überflügelt. Der Süden und besonders das Gouvernement Jekaterinoslaiv ist ein durchweg bergindustrielles Gebiet geworden. Die reichen Bergiverke des Ural haben trotz aller ausläudischen Konkurrenz die Preise nicht ermäßigt. Im ganzen hat jedoch seit dem Abschluß des deutsch-russtsche» Vertrages der Import deutschen Eisens auf russischen Märkten erheblich zugenoinmeii, und selbst das schlesische Eisen ist schon bis in das Innerste Rußlands ge- drungen. Die Eisenlager in Warschau und Odessa sind mit aus- ländischer Waare überfüllt. Schon sanken die russischen Eisen- preise von 1 Rbl. 65 Kop. auf 1 Rbl. 40 Kop., als im vorigen Herbste so viele Ordres bei den westrussischeu Fabriken einliefe», daß die Preise wieder steigen konnten. Die ausländische Zufuhr hat eher zu als abgenomme». Warnung vor Austvandernug«ach Südamerika. Unser argentinisches Parteiorgan, der„Vorwärts" in B u e n o s- Aires, bringt folgende beachtenswerthe Schilderung über die Be- Handlung eingewanderter Arbeiter:„Die Zuckerfabrikanlen in der Provinz Tucuma beklage» sich über die ihnen zugesandten Emigranten. Dieselben taugten für keinerlei Arbeit. Was aus diesen Leuten dann wird, die in jene» entlegenen Provinzen keine Beschäftigung finden können, darum kümmert sich die Eiuivanderungsbehörde nicht im geringsten. Gerade»ach jenen Gegenden sendet diese Behörde i»U Vorliebe Einwanderer, nur um sich dieselben vom Halse zu, schaffen. Die in letzter Zeit so häufig g-wordenen Klagen welche von auf diese Weise ins Elend gerathenen Leuten erhoben worden sind, hat die Einwandererbehörde auf den famosen Einfall gebracht, die»ach den entlegenen Gegenden gehe nde» Einwanderer ein Dokument unterschreibe» zu lassen, worin sie erklären, aus eigenes Verlangen dahingegangen zu fein. Das wird iveiter keine» Anstand haben,»l»d die Behörde» schü/Mi, bannt einfach jede Verantwortung von sich ab, was natürlich viel einfacher und bcguemer ist, als sich die Unterbringung der Einwanderer unter erträglichen Verhältnissen angelegen sein zu lassen." Gerilchks-Leitung. Wegen Aureiznug zu Gcwaltthätigkcitcn hatte sich gestern der Tifchlergeselle Weychta vor der 9. Strafkammer des Land gerichls I zu verantivorlen. Der Angeklagte zeichnete als ver nntwortlicher Redakteur des hier in polnischer Sprache erscheinende» Partei-Organs„Gazeta Robotnicza". Unter Anklage stand ein Ge dicht, ivelches das Blatt als Neujahrsgruß an seine Leser veröffeut licht hatte. Ter Angeklagte wurde zu einem Monat Ge- f ä n g n iß verurthcill. Vor dem uenciugeweihten„Naiioual-Teukmal" spielte sich am Vormittage des 8. Februar ein Austritt ab, welcher gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Ter aus der Untersuchungshaft vorgeführte Arbeiter Oskar Krause war der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines gemeingefährlichen Verbrechens beschuldigt(Z 126 Str-G.-B.). Au dem geuaiiiiten Tage wurden Theile des Denkmals an Ort und Stelle abgeladen. Zu den Zuschauern geHörle auch der Angeklagte. Derselbe fing plötzlich an, sich über Kaiser Wilhelm l. auszulassen und rief angeblich laut, er werde das ganze Denkmal mittels Dynainit in die Lust sprengen. Ein Schutzmann verdastele ihn. Krause entschuldigte sich im gestrigen Termin mit Trunkenheit, die Zeugen bekundeten indessen übereinstimmend, daß er im vollen Besitze seiner Geisteskräfte gewesen sei. Der Staatsanwalt hielt den angezogene» Paragraphen für völlig zutreffend, bei der„Gemeingesührlichkeil" und der„Niedrigkeit der Gesiunung", welche der Angeklagte au de» Tag gelegt habe, beantrage er gegen denselben neun Monate Gefäuguiß. Der Gerichtshof berielh längere Zeit, kam aber zu dem Ergcbniß, daß der von der Staatsanwallschast angezogene Paragraph„leider" nicht an- wendbar sei.' Das Reichsgericht habe entschieden, daß das angedrohte Verbrechen für eine nahe liegende Zeit in Aussicht gestellt werden müsse und dies fehle in der Aeußcrung des Angeklagten. Es sei nicht anzunehmen, daß jemand ans dem Publikum dem Angeklagten das Wollen und das Können zum Vollbringen der angedrohten Thal zutraute und des- halb könne dessen Aeußerung nur unter dem Gesichtspunkte des groben Unfnns be- und vcruitheilt werden.„Natürlich" sei dieser- halb auf das höchste zulässige Strafmaß— 6 Wochen Haft— erkannt worden. Ter Vorname„Karl" eine Beleidigung. Diese wunderliche Thalsache wurde von der 139. Abtheilung des Amtsgerichts I fest- gestellt, vor welcher sich der Droschkenkuischcr Wilhelm Silber zu verantworte» hatte. Der angeblich Beleidigte, der Schutzmann Karl Wille, erfreut sich in Droschkenkulscherkreisen der iveitgeheudsten 11n- belieblheit wegen der Schueidigkeit, mit welcher er etwaige lieber- lretungeu zur Anzeige bringt; er soll denn auch, nach seiner Be- kundui.g, alle Augenblicke durch Nachrufen von Schimpfworten ge- kränkt werden. Am 20. Januar dieses Jahres soll nun der An- geklagte, Silber, während Wille bei � seiner Droschke vorbeiging, ein höhnisches Gesicht gemacht, mit der Hand gewinkt »nd„Karl" gerufen haben. Durch letztere» Ausdruck fühlte sich der Beamte beleidigt und erstattete Strafanzeige. Er halte in der Thal die Genngthunng, daß auch der Gerichthof in den„Karl"- Rufen eine Beleidigung erblickte und daher den Angeklagten zu 6 M. Geldstrafe verurtheilte. Prozeß Koscheinanu. Am nächsten Montag beginnt am Schwurgericht des Landgerichts Berlin I eine neue Tagung unter Vorsitz des Landgerichts-Direktors R i e ck. Außer anderen größeren Sachen wird, wie schon erwähnt worden, am 6. April und folgende Tage die Strafsache wider Ko schein an» und Genosse» zur Verhandlung komme». Bei derselben handelt es sich be- kanntlich um das„Altcutat", welches Ende Juni 1895 a» dem Polizei-Oberst K r a u s e mittels einer demselben zugedachten„Höllen- Maschine" versucht worden ist. Auf der Anklage bauk werden zu er- scheinen haben der Mechaniker Paul K o s ch e m a n n, der Metall- arbeitcr Max Westphal, die geschiedene Frau des W e st p h a l, Elise geborene Wingert, der Schuhmacher Wil- Helm Weber und die Händlerin Josephine Gürtler geb. Snegowsky. Kofchemann und Westphal stehen unter der Anklage des versuchten Mordes und des Verbrechens gegen das Sprengstoff- Gesetz; Frau Westphal und Weber werden be- schuldigt, trotz ihrer Kenntniß von dem geplanten Verbrechen eine Anzeige bei der Behörde unterlassen zu haben, Frau Gürtler endlich hat sich wegen Beihilfe und wegen Majestäts- beleidigung zu verantworten.— Wie noch erinnerlich sein dürste, lies am 30. Juni eine an den Polizei-Oberste» adressirte Kiste aus Fürstenivalde ein, die in dem Packel-Postamt in der Oranienbuigcrstraße Verdacht erregte, weil eine benzinartige Flüssig- keit heraustropste und man das Ticken einer Uhr hörte. Als man die Kiste ganz behutsam geöffnet batte, fand man dann eine„Höllenmaschine". Koschrniaun wird nun als Verferligcr der„Höllenmaschine" an- gesehen, und da er Anarchist ist, so meint der Staatsanwalt, daß es sich hier um einen anarchistischen Anschlag handelte. Da sämmtliche Angeklagte ihre Schuld bestreiten und es vielfach auf Rekognitionen ankommen wird, dürfte die Verhandlung eine sehr umfangreiche werde». Es werden gegen 100 Zeugen zu vernehmen sein. Ter Verleger und Redakteur Gocksch vom antisemitische« „Deutschen Volksblatt" in Breslau wurde in den erste» Jnstauzen zu einer Gelt strafe vernrtheilt, weil er in seiner Zeitung einen Aus- ruf veröffentlicht hatte, in welchem der Vorsitzende des hessischen Landesverbandes vom niitteldsulschen Bauernbund zu sreiivilligen Beiträgen für die Wahlagitation aufforderte. In einem Schlußsatz zu dem Ausruf wurde gesagt, daß auch die Geschäftsstelle des Blattes Beiträge entgegemiähine. I» der Veröffeutlichung er- blickten Schöffengericht und Landgericht die Veranstaltung einer öffentlichen Kollekte, die der behördlichen Erlaubniß bedurft hätte. Mit seiner Revision hatte Gocksch beim K a m m e r g e r i ch t Erfolg. Er wurde am 25. März vom Strafsenat unter folgender Begründung frei- gesprochen: De» Begriff der öffentlichen Kollekte habe der Vorderrichtcr nicht verkannt, denn eine solche liege vor. Jedoch gehe er fehl, wenn er G o ck s ch die Veranstaltung einer solchen vorwerfe. Den Aufrus habe ja der Vorsitzende des genannten Verbandes erlassen, dieser sei also der Veranstalter der Kollekle. Gocksch sei erst später bei der Angelegenheit in Thätigkcit getreten, bei ihm könne man darum höchstens von einer Beihilfe spreche»; die sei indessen in diesem Falle nicht strafbar., Zu erwägen wäre noch, ob etwa G. die Kollekte„ausgeführt" habe. Ter von ihm dem Ausruf angefügte Zusatz spreche an und für sich nicht dafür, und im übrigen fehle jeder Anhalt für die Annahme, daß sich der Ülugeschuldigle mit dem Verbandsvorsitzcndeu wegen eines solchen Zusatzes ins Ei»- vernehmen gesetzt habe. Auch schließe der Begriff der„Ausführung einer öffentlichen Kollekte'fdas Zusammenkommen von Geldern in sich. Daß auf den Aufruf Gelder in der Geschäftsstelle des Angeklagten einliefe», sei aber nicht festgestellt worden. Somit sei er auch nicht strafbar wegen der Ausführung einer nicht genehmigten öffentlichen Kollekte. Für das Merkbuch des Herr» Eisenbahn Ministers. Z» welchen unheilvollen Konsequenzen der Beamtcumangcl im Eisen- bahiidienste führt und in welcher Weise dadurch Leben und Gesundheit ungezählter Menschen in Gefahr gebracht wird, das zeigte mit mahnender Deutlichkeil ein Strafprozeß wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahnzuges nud fahrlässiger Körperverletzung, welcher am Mittwoch vor dem Landgericht in Stendal verhandelt wurde. Anf der Station Gar belegen ereignete sich in der Nacht vom 3. zum 4. November v. I. ein schwerer Unfall. Der ausfahrende Gitter- zng 823 gerieth infolge falscher Weichenstellung statt auf das Ge- leise Nr. 2 auf das Geleise Nr. 1, und zwar in demselben Mo- nient, in welchem auf dem ersten Geleise der von Stendal ein- laufende Persouenziig Nr. 14 heranbraiiste. Trotz rechtzeitigen- Bremsens geriethen beide Züge heftig aneinander, beide Lokomotiven und eine'.Meiige von Wagen wurden theils zertrümmert, theils schwer beschädigt und snnf Menschen erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Die Eisenbahn-Direktion Magdeburg untersuchte die Sache und stellte fest, daß der Stalioiisassistent L a m m e das Signal zur Abfahrt gegeben hatte, ohne sich vorher vorschristsniäßig zu über- zeugen, ob die Weiche richtig gestellt sei. Ferner ivurde festgestellt, daß ver Lokomotivführer Kling aus Oebisfelde de» Güterzug geführt und die falsche Weichenstellung unbeachtet gelassen hatte. Auf grund dieser bahiitechnischeii Feststelliiiig wurde Anklage gegen die beiden Beamten erhoben. In der Verhandlnng wurde»nn von vornherein festgestellt, daß bis zum I. April 1896 auf Slatio» Gardelegeu des Nachts stets zwei Asststeiitcn Dienst lhaten, der eine im inneren, der andere im äußeren Dienst. Nach der Umgestaltung der Eisenbahn- Direklionen wurde e i n Assistent für ausreichend erachtet, dem man nur uiigeiiügende Hilfskräfte zur Seite stellte. Die i» Garde- legen stationirten Assistenten wandten sich dieser Maßregel wegen beschwerdeführend an die Direktion, die aber die Beschwerde unbeachtet lieb, ivorauf die Besch ivcrdeführer jede Ver- a n t>v o r t u ii g für e t w a i g e U n f ä l l e a b l e h n t e n. Diese Erledigung einer durchaus begründeten Beschwerde vom grüne» Tische aus wurde von den Bertheidigeru, Rechisauwalt Stande in Stendal»nd Slindikiis des Vereins Berliner Lokomoliv- führer, Schriftsteller I. Frankel, als Hauptursache des Unfalles be- zeichnet. Es ergab sich serner, daß die betreffende Nacht sckr stürmisch und neblig war. Der Angeklagte Lamme will sich vom Bahnsteige ans von der richtige» Stellmig der Weiche überzeugt haben. Sei die Weiche nicht in der richtigen Stellung gewesen— was er brslrcile— so könne er nur durch den Nebel getäuscht worden sei». Persönlich bis zur Weiche hinauszugehe», sei ihm unmöglich ge- ivesen, da er noch von verschiedenen andere» Stellen inAnspruch genommen war. Der Angeklagte Kling gab an, daß er bei der Abfahrt die Ztilinderbähue öffnen und überflüssigen Dampf aussirönien lassen mußte. Dainps und Rauch seien vom Nebel zur Erde grdiückt worden nud hätten ihm jede Aussicht versperrt. In der vierstündigen Ber- Handlung gewann es den Anschein, als habe der Hilfs-Weichensleller Schulz, der vor Gericht de» Eindruck eines höchst kopflosen Menschen machle, die Weiche im entscheidenden Augenblick, vielleicht infolge einer Berwirrung, herumgeworfen»nd ans der richtigen in eine falsche Stellmig gebracht. Eisenbahndirektor Peter(jab sei» Gutachten dahin ab, daß Lawine schuldig sei, den» er hätte sich aus nächster Nähe von dem Stande der Weiche überzeugen müssen. Dem Kling könne er eine Vernachlässigung seiner Pflicht nicht nachweisen. Der Gegen- sachverständige, Betriebskoiilrolleur Oppendorf, begutachtete da- gegen, daß an dem Unfälle lediglich die übelangebrachte Sparsamkeit bei der A n st e l l n n g von Beamten schuld sei. Der Staatsanwalt beantragte trotz dieser Gut- achte» vier bezw. drei Wochen Gefängiiiß. Nach sehr warmer Vertheidignug von feiten beider Verlheidiger erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung der Angeklagten, dieses Urtheil mit dem Ausdruck der Ueberzengung motivirend, daß Assistent Lamme bei Prüfung der Weickenstellung ganz richtig gesehe» habe und den Lokomoliosührer nicht die mindeste Schuld treffe. Für Milchhändler durfte eine Eittscheidmig des Kammeigerichts sehr iitteressiren, die der Strafsenat kürzlich gefällt bat. Bei einer Frau Vanselow, die einen kleinen Milchhandel betreibt, entnahm der inspizircnde Gensdarin eine Milchprobe. Der Milchprober zeigte de» erforderliche» Fettgehalt an. Dem Gendarm schien aber die Milch wegen ihrer bläulichen Färbung verdächtig und er ließ sie deshalb chemisch untersuchen. Da stellte sich denn heraus, daß sie thalsächlich mit Wasser versetzt war. Frau Vanselow wurde darauf« hin angeklagt, indem mau ihr vorwarf, versälschte Milch seilgehallen z» haben.(Z 367 Nr. 7 des Strafgesetzbuchs.) Das Schöffengericht und das Landgericht II verurtheillen sie; die Strafkammer er« inäßigte die Strafe von 40 ans 5 M. Das Gericht nahm an, daß Frau Vanselow ans jede» Fall fahrlässig gehandelt habe und dafür büßen müsse. Auf die von Rechtsauwalt Herzseld eingelegte Revision hob das Kainmergericht die Vorentscheidung auf und wies die Sache zu anderweiter Entscheidung an das Landgericht I. Nicht jeder Wasserzusatz genüge, den s 367,7 anzuwenden. Dazu wäre nothivendig, daß die Milch in ihrem Wesen verschlechtert sei. Da der Milchprober»och den vollen Gehalt der Milch an- zeigte, sei auch nicht ersichtlich, wieso eine Fahrlässigkeit der Frau vorliege. Die Sabbathorduung gegen die Sozialdemokratie. Gegen eine Sabbathorduung aus dem Jahre 1822 sollten sich»ine Anzahl Genosse» ans Hannover dadurch vergange» haben, daß sie an einem Sonnlage in verschiedenen Ortschaften sozialdemokra- tische Druckschriften verbreitet hatten. Diese alte hannoversche Sabbathorduung bestimmt in ihrem Artikel IV> daß alles und jedes, was einer würdigen Sonn- und Festtagsfeier znwieder ist, bei Strafe verboten sei. Vom Schöffengericht und vom Landgericht wurde» die Angeklagten„Heintze und Genossen" freigesprochen. Die Straskammer legte entscheidendes Gewicht darauf, daß während des Gottesdienstes leine Schriften vertheilt worden waren, und daß sich die Leute ruhig und anständig benahmen. Diese Thatsacheu erklärte aber die Staatsanwaltschaft für»ebensächlich und legte mit der Begründung die Revision ei», es komme lediglich daraus n». ob die Verlheiluug sozialdemokratischer Schriften an einem Sonntage die Andächtige» und Fromme» in ihrem Empfinden verletzte oder nicht. Der Strafsenat des K a in in e r- gerichls schloß sich in seiner Sitznug vom 25. März den Gründen des Staatsanivalls an, hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu neuer Entscheidung an ein anderes Landgericht. Der Vorsitzende führte aus, daß zur Bestrafung der Angeklagten die Feststelliiiig genügen würde, daß Leute durch die Vertheilung der Druckschriften an einem Sonntage in ihrem religiösen Gefühl ver- letzt worden seien. Wie wird sich eine spätere Generation über die kuriosen Mittel wunder», welche die preußische Rechlsprechnng gegen die Sozialdemokratie anivandle. Depeschen und letzte Dacheichken. Wcißenfcls, 25. März.(B. H.) Wegen Hefligen Auftrete»? der Influenza ist henle das hiesige Seminar geschlossen worden. Frankfurt a. M., 25. März.(B. H.) Die„Frankfurter Ztg." meldet aus Kanea: Der für vorige Nacht angekündigte Versuch, das Fort Rialaxa zu verproviantiren, ist mißlungen. An den Abhängen von Malaxa fanden heftige Kämpfe statt. Die Türke», deren Ver« lnst 17 Todte beträgt, sind aus dem Fort abgezogen. Das in der Sndabai liegende Kriegsschiff beschießt Malaxa, wo sich die Griechen festgesetzt haben. Das Bombardement ist jedoch erfolglos, da die Granaten zu lief einschlagen.— Nach einer spateren Meldung bombardirten heute Nachmittag europäische Kriegsschiffe die Höhe des Forts Malaxa. 5lölu, 25. März.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet ans Kanea: Heute unternahmen die Griechen einen Angriss anf die türkischen Vorposten, besonders lebhaft auf das Blockhans Malaxa, welches bombardirt und von der kleinen türkischen Besatzung nach Verlust von 20 Tobten nnd Verwundeten endlich geräumt wurde. Um 3 Uhr begannen die fremde» Kriegs- schiffe aus der Sndabai die Griechen zn bombardiren. Es ivnrden annähernd 100 Schuß abgegeben. Das Blockhaus Malaxa wurde ganz zertrümmert und die Griechen würben anscheinend zum Rückzug gezwungen. Die Käwpfe um Malaxa dauern trotz der Warnung der Admirale fort. London, 25. März.(W. T. B.) Unterhaus. Der Parlaments, »ntersekretär des Answärligen Eurzon erklärt, der britisch« Bot- schastcr in Konstantiiiopel sei angewiesen worden, keine Gelegen» heit zn versäumen, lim anf die Zurückziehung der türkischen Truppe,, aus Kreta zn dringen. Ein solche? Verfahren würde durch di» Zilrückbernfniig der griechischen Truppen sehr erleichtert werden. Madrid, 25. März.(W. T. B.) Eine amtliche Depesche ans Mauila meldet, daß Jnins durch die spanischcn Truppen geiiominen sei und daß die spanische Flagge auf den Forts gehißt wurde. Cavite Viejo sei durch das spanische Geschwader in Brand ge» schössen worden._ V�äüüvört�er'Redatteiir- August Jacobe») i» Berlin. Für den JnseratentheU verantivorNich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu l Vritage u. UnterhaUunesblat«. Nr. 72. 14. ZchMg. Ifjlop Vommunales. Stadtverorduete» Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag. 2a. März, nachmittags 5 Uhr. Die Etatsberathung wird fortgesetzt. Ueber die Spezialetats„Verwaltung der Bureau- Dienst- yebäude(Rathhaus) und der außerhalb derselben belegenen Bureanx".„Geschäftsbedürfnisse und Prozeßkosten"(wozu der Etat der Gemeinde-Krankenversicherung für 1897 als Anhang gehört),„Dienstpensionen, Wittwenpensionen, Waisengelder. sowie außerordentlich bewilligte Pensionen, Unterstützungen und Er- ziehnngsgelder",„Polizeikosten im allgemeinen(Ortspolizei), Feuer- lösch- und Telegraphenwesen",„Straßenbeleuchtung",„Straßen- reinignug und Besprengung",„Gemeinde-Friedhöse" und.Zivil- standsämler" berichtet Stadtv. K a l i s ch. Am Etat für Geschäftsbedürfnisse sind beim Kapitel„Ver- niess ungsamt" für Anfertigung und Vervollständigung von Plänen, für Messungen u. s. w. 125 000 M., 25 000 M. mehr als im Vor- jähre, angesetzt. Der Ausschuß hat das Plus gestrichen. Stadtv. Sladthagen kommt bei diesem Etat auf die Art der amtlichen Publikationen der Stadt zurück. Außer dem„Gemeinde- blatt", dein einzigen amtlichen Pnblikationsorgan des Magistrats, brächten auch die„Vossische Zeitung" und die„National-Zeitung" diese Publikationen unentgeltlich, wie letztere auch jedem anderen Blatte zur Verfügung stände». Auch der Lokal- iilnzeiger" bringe diese Publikationen, bezeichne sich aber ausdrücklich als amtliches Publikations- Organ des Magistrats. Das sei fast als unlauterer Wettbewerb zu qualifiziren; der „Lokal-Anzeiger" habe kein Recht, mit dieser wnhrheitsividrigen Be- zeichnnng Reklame für sich zu machen. Der Magistrat solle darauf hinwirken, diesen Mißstand zu beseitigen, eventuell gerichtlich ein- schreiten. Wolle der„Lokal-Anzeiger" dann nichts mehr ausnehmen, so möge man es ruhig dabei bewende» lassen. Skadtrath B o r ch a r d t: Ich höre davon zum ersten Male. Der Magistrat wird unzweifelhaft die gewünschten Schritte thun. (Beifall.) Der Etat wird nach dem Ausschußvorschlage festgesetzt. Beim Etat der„S t r a b e n r e i n i g u n g" u. s. w. ist vom Ausschuß beschlossen worden, daß der Tagelohn für 2/8 der ständigen Arbeiter ans 3.25 M.. für>/s auf 3,50 M. festgesetzt werden soll. Bezüglich der Versuchsklasse soll es bei 2,75 M. verbleibe». Die Versammlung tritt dem Ausschußantrage bei und genehnngt im übrigen sämmtliche vorerwähnte Etats ohne Debatte nach de» Ausschnßvolschläge». Um 3 Uhr schreitet die Versammlung zur Neuwahl eines S t a d t b a u r a t h s für den Tiefbau an stelle des zurücktretende» Herrn Hobrecht. Es läuft dazu der von der Versammlung mit Heiterkeit aufgenommene Antrag ein, daß der Stadtbaurath seine» Wohnsitz in Berlin nehmen müsse. Im ersten Wahlgange werden 103 Zettel abgegegen. Vom Aus- schusse sind 4 Herren zur Auswahl gestellt. Es erhalten Stimmen Stadt- baurath Krause- Stettin 44, Sladtbanrath Genzmer-Halle 15, Bau- inspeklor im Bautenministerium Balzer 24, Regierungs-Baumeister a. D. Krieger-Königsberg 23, Hobrecht 2. Nach den Bestimmungen der Geschästsordnung kommen die 4 Erstgenannten auf die engere Wahl. Bei dieser entfallen aus Krause 71, Balzer 24, Genzmer 11, Krieger 5. Stadtbaurath K r a u s e-Stetlin ist sonnt zum besoldeten Stadtbaurath auf 12 Jahre gewählt. Nach Erledigung der Wahl fährt die Versammlung in der Etat- bcralhung fort. Am Etat der Gas- und Wasserwerke ist seitens des Aus- schnsses nichts geändert worden. Der bestehende Tarif für Wasser und Wassermesser soll auch für 1897/98 i» Geltung bleiben. Znin Etat der K a n a l i s a t i o n s- und Wasserwerke liegt eine Petition vor. tu welcher der Bund der Berliner Grundbesitzer-Vereine mit der diesen Zwillingsbrüder» unserer Agrarier eigenen bekannten Bescheidenheit eine Abänderung der betressenden Orlsstatuten und Regulative dahin fordert, daß künftig l. die Amortisationsrate und die Ausgaben für Verzinsung der Rieselfelder aus den allgemeinen Mitteln des Stadthaushalts gedeckt werden; 2. der zur Deckung der Verwaltungs- und Unterhaltungs- losten, der Zinsen und Amortisationsbeträge der Kanalisations- werk«, wie der Verwaltungs- und Unterhaltungskosten der Riesel- selber erforderliche Zuschuß in der Weise aufgebracht wird, daß � s durch die Entwässerungsabgabe der Hausbesitzer, 2lb aus de» Mittel» des Stadlhaushalts gedeckt werden; 3. die Ueberschüsse der Verwaltung der städtischen Wasser- werke auf die von de» Hausbesitzern zu leistend« Enlwässerungs- abgab« in Anrechnung gebracht werden; 4. eine unentgeltliche Lieferung von Wasser für öffentliche Zwecke nicht mehr stattfindet, die Kosten des Wasserverbrauchs für diese Zivecke vielmehr ans den Mitteln des Stadthaushalts zu be- streiten sind. Der Etatsausschuß ist über die Petition zur Tagesordnung übergegangen. Vom Verein Berliner Wohnungsmiether ist«ine Gegenpetilion eingereicht. Die Versammlung beschließt ohne Debatte nach den Ausschuß- antrüge» und genehmigt auch den Etat des Vieh markt es, des Schlachthofs und der F l e i s ch s ch a u. Die Schlachtgebühr für Schwein« soll von 80 Pf. auf 1 M. erhöht iverden; im übrigen bleibt der bestehende Schlacht- und NntersuchnngSgebühren- Tarif für 1397/98 unverändert. Auch der Etat der Markthallen- Verwaltung wird»»verändert beivilligt. Ueber die Etats für die Kanalisationswerke und Riesel- selber berichtet Stadtv. Bruns. Stadtv. Dr. Zadel: Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ans unseren Rieselfeldern ist von jeher Gegenstand sorgsamer Be- obachtnng»nd auch Gegenstand von Angriffen gewesen. Die Zahl der Erkrankungen an Typhus u. s. w., welche das statistische Amt meldete, war bis 1895 gering; da schnellte sie plötzlich ans das doppelte hinauf. Die Ausklärung für diese auffällige Thalsache kam durch eine» Dr. Schweizer in Teltow; es wurde nachgewiesen, daß die bisherigen Statistiken ganz ungenau waren, da die Drainage-Arbeitcr, die freien Arbeiter, die den freien Hilfskasse» angehören u. s. w., sich der Statistik entzogen hätte», desgleichen die i» die Krankenhäuser gehenden, also die schwer Erkrankten. Line gemeinsame Sitzung der Deputation für Statistik niit der Kanalisations-Deputation zur Erörterung der Frage wurde ange- regt, ist aber bisher nicht erfolgt. Die Sache kann doch nicht be- grabe» werden. Verhält es sich in der That so, wie unser statistisches 'Amt annimmt, dann sollte von den Meldtinge» durch Meldekarten überhaupt Abstand genommen und der bezüglich« Etatsposten ge- strichelt iverden. Und was gedenkt der Magistrat zu thun, um nach außen die erforderliche Aufklärung über die Unznverlässigkeit der bisherigen Zahlen zu geben? Die vortheilhaften Schlüsse, welche aus diesen günstigen Zahlen in der Oeffentlichkeit und in der Wissenschaft gezogen wurden, haben sich doch als unhaltbar erwiesen. Stadtv. Vi rchow: Da die Sachen wesentlich durch meine Sand gehen, so kann ich auf diese Frage antworten. Die große chivierigkeit liegt in der Feststellung der Zahl der Bevölkerung. von der die statistische Berechnung ausgehen soll. Zur orlsanwesende» Bevölkerung gehören»ach der einen Methode diejenigen nicht, welche täglich dorthin kommen und täglich wieder weggehe» Gewisse Unsicherheiten waren inlmer vorhanden, eine ganz genaue Unterlage hat sich nicht schaffen lassen. Das war übrigens schon lange bekannt. Man sollte diese Dinge nicht nach dem Prozentsatz, sondern nach der absoluten Zahl der Fälle betrachten. Außer den paar Fälle» von Typhus, die übrigens iitS.FtMick" nicht auf den Rieselfelder», sondern in Pankow vorkamen, ist nichts festgestellt. Jene Leute sollten allerdings Rieselwasser getrunken haben. Wir haben dringende Warnungen erlassen, dieses Wasser zu trinken. obwohl wir nicht überzeugt waren, daß es der Typhuserreger war. Die Verwaltung kann doch nicht verantwortlich gemacht werden für die sonderbare Manier der Leute, Rieselwasser zu trinken.(Heiterkeit.) Dasselbe gilt von allen anderen Krankheiten, von Schwindsucht und Tuberkulose. Letztere kommen auf unseren Riefelfeldern auch nicht irgendwie exzeptionell häufig vor. Die Verwaltung verfährt jeden- falls mit der äußersten Vorsicht. Die von dem Vorredner vermißte Konferenz hat thatsächlich stattgefunden, die leitenden Persönlich- keilen sind zusammengekommen. Die Kanalisationsdeputation hat versprochen, allen Anforderungen des statistische» Bureaus zu entsprechen, so weit es irgend möglich ist; die Meldekarten sollen noch genauer spezialisirt werden. Der Versuch, sämmtliche Krankheitsfälle zur Meldung zu bringen, ist mißlungen. Die Aerzte, welche nicht unsere Gutsärzte sind, weigern sich ganz direkt nuter Bezugnahme aus ihre Verpflichtung zur Diskretion, die Meldungen zu machen. Wir wollen nun wenigstens über die Jnfektions-Krankheitsfälle vollständiges Material sammeln lassen; ob es gelingen wird, steht dahin. Was Herr Zadel vorgetragen hat, sind Verdächtigungen, welche keinen Halt haben, wenn er sie auch in gutem Glauben ausgesprochen hat. Herr Zadel liebt es ja, die Verwaltnng möglichst schlecht zu machen. Stadtv. Zadel: Der Vorredner hält mir eine Menge Dinge entgegen, über die ich gar nicht gesprochen habe; er bat einfach eine Rede pro äomo gehalten. Thalsächlich hat Herr Virchow zu- gegeben, daß die bisherigen Zahlen sehr ungenau waren (Widerspruch). Gerade das Statistische Amt hat die Sache aufgedeckt und zwar, nachdem ein außenstehender Arzt darauf aufmerksam gemacht hatte. Nicht die auf den Riesel- feldern Wohnenden, sondern die dort Arbeitende», die täglich auf den Rieselanlagen beschäftigt und auch am meisten der Ver- suchung ausgesetzt sind, Drainwasser zu trinken, sind die am ehesten Gefährdeten. Die Ungenauigkeit der Zahlen wird zugegeben, und trotzdem hat Herr Virchow den Muth, von Verdächligungen zu reden, die jeder ratio entbehren! Ich überlasse das Urtheil der Außenwelt. Der Etat wird genehmigt, ebenso derjenige der Hauplkasse der städtischen Werke nnd der für den Hochbau. Die städtische Kanalisations- Verwaltung reicht mit ihren Bureauränmen nicht mehr aus, ebenso brauchen die Zentral- Verwaltungen der Gas-»nd Wasserwerke in dem städtischen Ver- waltungsgebäude in der Klosterstraße mehr Raum. Deshalb soll die Kanalisations-Verwaltung ganz aus diesem Gebäude heraus- genommen werden. Sie selbst und mit ihr die im Geschäfts- gang noch eng verbundene Abtheilung II der Straßenbau-Polizei- Verwaltung(Kanalisation) sollen in zwei Etagen des Heilige Geist- ftraße 13/14 und Burgstraße 17/18 Unterkunst finden, die für den Preis von jährlich 40 500 M. aus zehn Jahre vermiethbar sind. Stadtv. D e t e r bemängelt die Höhe des Miethspreises und findet es nicht in der Ordnung, daß sich der Vermiether nur bis zum 27. März gebunden hat; er beantragt Kommissionsberathung. Stadtv. I a c o b i weist auf die ungemeine Zunahme der Miethsräume sür Verwaltungszwecke hin und hält den Bau eines eigenen städtischen Verwaltungsgebäudes für dringlich. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 10 Personen. Schluß gegen 8 Uhr. In der gestrige» letzte» Satzung deS GtatSansschnsses der Stadtverordneten- Versammlung wurden die besonders gesorderteu Mittel zur R e g u l i r u» g und Pflasterung des Holsteiner Ufers zwischen Brücken- Allee»nd Claudiusstraße, des östlichen Dammes der W a r s ch a u e r st r a ß e zwischen den Straßen 10—12, der K a tz b a ch st r a ß e von der Kreuzbergstraße bis zur Kolonnen- ftraße bewilligt. Ebenso wurden die Umpflasterung der Saat- winkler Chaussee und die Pflasterung des Boxhagener Weges zwischen Ringhahn»nd Ostbahn genehmigt. Beim Etat über verschiedene Einnahmen nnd Ausgaben sind die vom Magistrat vorgeschlagenen Bewilligungen von Beihilfe» an Vereine und Institute vom Ausschüsse genehmigt worden, mit Ausnahme der- jenigen an das M a g d a l en en st i f t, die mit 1200 M. gestrichen ivnrde. Bezüglich des H a u p t v e r e i n s für K n a b e n- H a n d- arbeit, sür den 1800 M. Beihilfe im Etat vorgesehen sind, ist das Ersuchen an den Magistrat gerichtet worden, zu erwägen, ob dem Verein nicht 3000 M. bewilligt werden können. Zu dem Etat des G e w e r b e g e r i ch t s ist der Versammlung empfohlen worden, den Magistrat zu ersuchen, die Zeit zur Ent- gegcnnahme von Klagen an das Gewerbegericht zu eriveiter». Ab- gelehnt wurde dagegen der weitergehende Antrag, zu diesem Zwecke zwei Abendstunden in jeder Woche einzurichten. Bei der U in s a tz- st euer wurden die durch die Etalsberathnng erzielten Abstriche im Betrage von 26 000 M. in Abgang gebracht und der Etat mit einer Einnahme von 2 394 000 Mark genehmigt. Die G e- Iii e i» d e- G r» n d st e u e r wurde mit 16 356 000 Mark, die Geiv erbe st euer mit 7 020 000 Mark und die G e- m e i n d e- E i n k o in m e n st e u e r mit 22 300 000 Mark nach den Vorschlägen des Magistrats und endlich die S t a d t h a u p t- lasse mit 88 094 481 M. festgestellt. Gleichzeitig hat der Ausschuß beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, die Gemeinde- Grundsteuer nach 150 v. H. deS staatlichen Normalsteuersolls, das sind 5,8 v. H. des Nutzertrages der steuerpflichtigen Grundstücke, die Gewerbesteuer ebenfalls nach 150 v. H. des Staatsstener- solls und die G e m e i n d e- E i n k o m m e n st e u e r nach 100 v. H. deS NormalsollS für das Etatsjahr 1897/93 zu erheben. Die Arniendirektion, Abtheilnng sür das Arbeitshaus, hat beschlossen, dem Magistrat z» empsehlen, sür die neu errichtete Ober- inspektor-Stelle des'Arbeitshauses de» Magistratssekretär Pieper zu wählen._ Pokale-s. Die Leiter beztv. die Einbcrufcr von öffcutlichc» sowie Vereinöversammlungeu werden darauf hingewiesen, daß ihnen in den nächsten Tagen unter der Adresse der betreffenden Lokal- inhaber Flugblätter bezw. Zirkulare zugehen iverden, die, falls der Wirth die Aushändigung vergessen sollte, von diesem einzufordern wären. Tie städtischen Volks-Badeanstalteu machen den Privat- Badeanstalten eine so wirksame Konkurrenz, daß einige von diesen bereits das Feld haben räumen müssen. Um diesem Wett- bewerb zu begegnen, agitiren die Privatanstalls-Besitzer seit langem nicht etwa sür eine Erhöhung, sondern im Gegentheil sür eine weitere Herabsetzung der Bäderpreise in den städtischen Anstalten. Sie gehen dabei von der Erwägung aus, daß die städtischen An- stalten nicht nur von solchen Personen benutzt werden, die sich in den theureren Privatanstalten nur gelegentlich oder vielleicht nie ein Bad leisten könnten, sondern auch manchen zu sich herüberziehen, der früher ständiger Besucher der Privatanstalten war, aber mehr und mehr dahinterkommt, daß mau auch in Volks-Bade- anstalten ganz gut— und sogar besser— baden kann, ohne seiner „Standesehre" etwas zu vergeben. Die Privatanstalls-Besitzer wünschen daher außer den Bädern I. Klasse,(die wirklich über- flüssig sind) auch die Wannenbäder ans den städtischen Anstalten beseitigt zu sehe», damit es hier nnr noch ganz billige Bäder giebt. Sie möchten so die Volks-Badennstallen wieder zu dem machen, als was die meisten sie sich ursprünglich dachten: zu Anstallen nur für das„niedere" Volk, für die Nu- bemitteltsten; denn(so denken sie) in eine Anstalt zu gehe», in der man nur noch für 10 Pf. baden kann, so weit wird die„Vor- urtheilslosigkeit" bei vielen denn doch noch nicht reichen. Es wieder- jmtsg. 26. Ml! 1897. holt sich hier ein Vorgang, der auch auf verschiedenen anderen Gebieten zu beobachten ist,— wir erinnern z. B. an die billigen Speisehäuser, an die Sonntag-Nachmittags-Vorstellen u. s. w. Sagt man, dies oder das sei zu theuer für die Unbemittelten, so wird es zunächst bestritten. Wird die Sache aber hinterher (nicht aus Interesse sür die Unbemittelten, sondern aus Spe- kulatiou) doch billiger gemacht, so gehen nicht nur die Un- bemittelten, sondern bald auch viele von denen hin, die es nicht so sehr nöthig hätten. Gegen diesen Uebelstand könnte das von den Badeanstalts- Besitzern empfohlene Mittel, nur allerbilligste Bäder abzugeben, vorläufig in der Thnt noch Helsen—, aber eben auch nur vorläufig, das heißt nnr so lange, bis man sich auch daran gewöhnt und das„Vorurtheil" überwunden hätte. Der völlige Ruin der Privatanstalten, den die Be- sitzer durch dieses Mittel, wenn nicht abzuwenden. so doch hinaus- zuschieben hoffen, wäre kaum zu beklagen. Das Badewesen ist eine sür das Gemeinwohl so wichtige Angelegenheit, daß man es zu allererst der Privatspeknlation entwinden sollte. Die in solchen Fragen oft gehörte Behauptung, die Stadt könne nicht so billig wie� der Privatunternehmer arbeiten, wird in der Badeanstalts-Frage durch die Besitzer selber widerlegt. Sie sagen, sie könnten sich wegen der hohen Spesen ihrer Privatbetriebe der Stadt gegenüber nicht behaupten. Das wird stimmen; denn sie müssen ja noch einen hohen Unternehmergewinn herauswirlhschaflen. Prozeutpatriotischcs Gezeter. Die„Norddeutsche Allgemeine" druckt ein Elaborat der„Kons. Korrespondenz" ab, in dem die leidige Thatsache, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft Berlins dem patriotischen Tamtam der letzten Tage kühl bis ans Herz hinan gegenüber gestanden hat, ans die folgende Weise erklärt wird: „Uns ist von einigen Seiten mitgelheilt, daß nur der gewalt- thätige Terrorismus der Sozialdeniokratie die Belheiligung auch der Arbeiter an der Ausschmückung und Illumination ihrer Wohnungen gehindert hat. An einzelnen Stellen hatten Gewerbetreibende bereits Fahnen hinaus- gesteckt und Vorkehrungen zur Beleuchtung der Fenster getroffen; da kamen aber Vertrauensniänner der Sozialdeniokratie und drohte» mit Entziehung der ganzen Arbciterkundschaft, wenn nicht sofort abgerüstet werde. Die Geschäftsleute haben sich leider gefügt. Ferner ist seitens der sozialdemokratischen Geheimpolizei ganz streng vigilirt worden, daß nicht etwa„Genossen", deren man in Sachen des Patriotismus noch nicht ganz sicher zu sein meinte, sich an der Hunderljahr-Feier aktiv— wenigstens nicht durch Fahnenschmuck und Illumination— betheiligten. Dieser Terrorismus hat leider Erfolg gehabt. Solchen Gewaltthätigkeiten gegenüber, deren sich der einzelne Arbeiter nicht erwehren kann, muß aufs neue gefragt werden, ob dagegen etwa„geistige Waffen" tanglich sei sollen. Aus die Agitatoren und Beamten der Sozialdemokratie„geistig" ein- wirken zu wollen, wäre vergebens, denn diese stehen in vollster Ab- hängigkeit, weil in„Lohn und Brot" der Parteiführer. Es muß vielniehr alles aufgeboten werden, um die Arbeiterschaft und die von dieser sich nährenden kleinen Gewerbetreibenden vor dem ungeheuren Terrorismus, den die kleine Schaar von Männern, die nicht werth ist, den Namen Deutscher zu führen, ungehindert und straflos aus- übt, zu schützen. Wissen diese Leute erst, daß nnd wo sie einen festen nnd in keinem Falle versagenden Rückhalt gegen die terroristische» Anfechtungen der Sozialdemokratie haben, so werden sie diesen Schutz aufzusuchen, in solchen Fällen, wie den oben geschil- derlei,, gewist nicht zögern."— Daß die Arbeiterseinde in ihrem Aerger doch immer wieder die alten Ladenhüter austischen! Den Ordnungs- Helden selber ist keine Infamie zu ehrlos, wenn es gilt, die Arbeiter zu knebeln und zu peinigen, und nun wollen sie den Leuten ein- bilden, daß die eisige Kälte, init der das Proletariat dem Rninmel der letzten Tage gegenüber gestanden hat, nicht die Folge ihres Ordnungs-Terrorismus sei, sondern den Gewaltthätigkeiten der„Agi- taloren" auf Rechnung gestellt werden müsse. Die Prozentpatrioten wollen der Welt doch nicht im Ernst glauben machen, daß sie nicht so gut wie andere Menschen daS eine wissen: daß es nämlich einfach ein Akt der S e l b st k a st r i r u n g gewesen wäre, hätte die klnssenbewußle Arbeiterschaft nach allen Schmähuiigeii, die auf sie und ihre politische Vertretung in älterer nnd neuerer Zeit herabgehagelt sind, sich zur Mitbelheilignng am bourgeoisen Zentenar» jubel hergeben. Da müßten die deutschen Proletarier ja ebenso wasch- lappig sein, wie das deutsche Bürgerthnm, und das sind sie, wenn auch sehr zum Aerger verschiedener Leute, nun denn doch nicht! Was wollen die Arbeiterseinde im übrigen noch mit dem „festen Ziückhall" besagen, der den fiktiven Opfern des sozialdemo- lratischen Terrorismus verschafft werden müsse? Mehr als bisher kann die Staatsanwaltschaft doch wahrlich kaum angespannt werden. Die Auschannug, dast Wilhelm I. ei» Heiliger sei, soll, wie es scheint, zu einem recht prosilabel angelegten Schwindel ans- genutzt werden. Das nachstehende Zirkular, das eine Dame in der Potsdamerstraße an zahlungsfähige Leute ans der Gesellschaft derer, die nicht alle werden, versendete, legt Zeugniß davon ab, daß bereits ein schwunghafter R e l i q u i e u h a n d e l im Gange ist. Die Dame vermeldet: Euer Hochgeboren beehre ich mich hierdurch ganz ergebenst au- zuzeigen, daß ich im Besitze mehrerer Reliquien„Weiland Seiner Majestät Wilhelms des Großen" bin und zwar 1. Haar« locken Weiland Seiner Majestät: 1000 Mark. 2. Trauer- s l o r, welchen Seine Majestät stets beim Besuch des Mausoleums in Charlottenburg trug: 300 Mark. 8. Hut, getragen vor 25 Jahren in Ems: 500 Mark. 4. Ein paar Handschuh mit ausgestopftem Zeigefinger, welche Weiland Seine Majestät bei der Jagd getragen hat: 500 Mark. 5. Taschentuch der Königin Louise, welches Ihre Majestät eigenhändig gestickt hat: 700 Mark. Vorbezeichnete Sachen sind Originale nnd mit dem Kaiserlichen Jnsiegel beglaubigt. Ungern trenne ich mich von diesen theuren Gegenständen und nur die äugen- blickliche Roth zwingt mich. Euer Hochgeboren dieselben unter den ansgezeichnelen Preisen zum Verkauf anzubieten. Auch bin ich be- reit, eventuell einzelne Stücke abzugebe». Mit vorzüglicher Hochachtung" (solgt Unterschrift und Adresse). Ob die Reliquien auch Wunder wirken, meldet die Ver- käuferin nicht. Die hohe Wahrscheinlichkeit spricht aber für diese Annahme, wenn man die wunderbare Herkunft einer der angepriesenen Sachen in betracht zieht. Das zum Verkauf ausgebotene Taschen- tuch hat die Königin Louise vor 75 Jahren, also im Jahre 1322 eigenhändig gestickt, trotzdem sie bereits im Jahre 1310 verstorben war. Die Zenteuarfeier hat auch der lieben Berliner Jugend wiederum reiche und willkommene Gelegenheit geboten, ihrer Radau» lnst genüge zu leisten»nd mit Fenerwerkskörpern aller Art einen Spektakel zn verüben, wie man ihn sonst nur bei glorreichen Sedan- seiern zn hören gewöhnt ist. Mit welcher Leichtfertigkeit bei dieser letzten Gelegenheit von Kindern beim Abbrennen der Fcuerwerkskörper verfahren wurde, davon konnte man in allen Straßen sich ausreichend überzeugen. Schwärmer, Frösche und andere sich fortbewegende und funkensprühende Feueriverkskörper»msansten, von unkundigen Händen entzündet und dirigirt, oft Straßenpassanteli, dieselben einer stetigen Gefahr aussetzend und auch Verletzungen derselben verursachend. Nicht minder gesährlich erwiesen sich die brennenden Hölzer, die aus Fenstern und von Ballonen herab zur höheren Weihe des Tages auf die Straße hinab, unbekümmert um die Straßenpassanten, gc- schleudert wurden. Ganze Stöße Papier wurden ans offener Straße entzündet nnd ein Freudengeheul ertönte, wenn die Flammen hoch aufloderten. Warum sollte die liebe Jugend nicht auch ihr bischen Amüsement haben? Die„Tägliche Rnndschan" bezweifelt die Richtigkeit der am Dienstag von uns gebrachten Meldung, wonach die Polizei für letzten Sonntag die Arbeitspause vou 11 bis 1 Uhr mit der Pe- srundnng angeordnet habe, daß der Kaiser um diese Zeit ein» Ausfahrt mache und sich vieslcicht durch den Anblick der am Tage des Herrn arbeitenden Handwerker unangeuehm bsrtihrt fühle» leimte. Wenn das Blatt unsere MiUheilnng bestätigt finden will, so braucht es nur bei irgend einem der in der Nähe des Schlosses beschäftigt gewesenen Unternehmer Erkundigungen einzuziehen. Nachdem die offizielle Zenteuarfeier vor einem kleineren Kreise Auserwähller mit militärischer Akkuratesse als Nalioualsest prograuimmäßig sich abgespielt hat, soll nunmehr auch der Bürger- schast Berlins Gelegenheit gegeben werde», in patriotischer Andacht die Stätten zn bewundern, welche den Schauplatz fürstlichen Ge- pränges bildeten. Zu diesem BeHufe soll Berlin seines Fest- schmuckes noch nicht entkleidet werden, die„Feftstrahe" vielmehr noch bis zum Montage iu ihrer Zenleuarpracht er- halten bleibe», damit auch die Steuerzahler, aus deren Kosten die Ausschmückung stattgesmiden hat, wenigstens in den Genuß der Be« trachtnug der„verputzten" öl) 000 M. gefetzt werden, nota bene die Verlangen nach einer solchen Augenweide haben. Eine solche Belohnung hat das«freie Bürgerthnm" für seine überquellende Loualität und seinen reglementmäßigen Patriolismus wohl verdient. Möchte mit der Nachficht auch die Einsicht kommen. Und noch ein Wilhelmsdeukmal, Dem Landrath Stuben- rauch ist folgendes Telegramm des Zivilkabinets des Kaisers zu- gegaugeu:„Dem Kreise Teltow ist die Erlaubniß zur Erbauung eines Kaiser Wilhelmthnrmes aus dem Vorsprnng des Karlsberges im Grunewald durch allerhöchsten Erlaß ertheilt. v. Lncanus."— Welche» Zweck der Thurm haben soll, weiß man nicht. Vielleicht sollen Nörgler darin eingesperrt werden. „Apfklsiueu-Vrde»" hat der Berliner Volkswitz, dem nichts heilig ist, der„Verl. Ztg." zufolge die neue Erinnerungsmedaille getauft. Eine weitere Folge deS NuSbleibeus der Amnestie wird, wie uns berichtet wird, die Ueberfüllung der Gesängiiisse sein. Das Volk hat mit Sicherheit darauf gerechnet, daß mit der Zenteuarfeier entsprechend ihrer Vedentnug ein allaem»lUer Gnadenerlaß verbunden sei» würde. Seit Monaten haben diejenige», die wegen irgend eines Vergehens zu einer Gestmgnißstrase von Tage», Wochen oder einigen Monaten vcrurtheilt worden sind, alle Mittel in Bewegung gesetzt, um die Staatsauwallschasteu zur Bewilligung eines Strafausschnbes zu vermögen und die Staatsanwaltschaften haben sich durchweg recht entgegenkommend gezeigt, immer mit Nücksicht auf die erwartete Amnestie. Da diese nicht erfolgt ist, läßt steh der sofortige Straf- antritt gar nicht mehr vermeide». Dazu kommt noch die große Zahl derer, welche in der letzten Zeit vor dem Feste ihre Berufung oder Revision gegen ergauaeue Nrtheile znrückgejogeu haben. Diese längere Zeit angestaureu Vollstreckungen müssen nunmehr eine uiiabwendbare Ueberfüllung der Gefängnisse herbeiführen. Welche patriotischen Unteruehmcr zahlen de» Arbeiter» nicht den schuldige» Lohn für die ihnen aufgezwungenen Feiertage? Die Firma Siemens u. H a l s k e hat ihre» sannnt- lichen Arbeiter» und Arbeiterinnen statt des für den Hanptzentenar- fetertag schuldigen Lohnes einen„Festbeilrag" in Höhe von drei Mark überreichen lasse». Anfänglich war das Arbeitspersonal der Meinung, daß die Firma zu den drei Mark auch nock den schuldige» Lohn zahlen würde; gestern jedoch wurden die Arbeiter darüber belehrt, daß es mit de» drei Marl sein Bewenden habe. Ein geringer Vortheil erwächst ans der Zahlung des Festbeitrages nur den schlecht enllohnten weiblichen Arbeitskräften, die Männer haben zu Ehre» des gewesenen Kaisers eine» mehr oder minder be- trächtlichen Lohuausfall zu erleide». Die Firma Siemens u. Halske galt bisher immer noch für«ine derjenigen wenige» Geschäste, die ihre Arbeiter halbwegs anständig behandeln. A» der Spitze der Geschästsleilmig steht jetzt ein Reservelieutenant»amens Schicke. Eine sehr befremdlich» Beschwerde bringe» einige vierzig S t u ck a t e n r e vor, die in der verflossenen Woche beim Bau der Obelisken in der F e st st r a ß e beschäftigt worden sind. Die Arbeiter hatten die ganze Woche hindurch bis in die zehnte Stunde und in der Nacht zum Freitag die ganze Nacht hindurch gearbeitet. Als sie am Sonnabend ihren Tagelohn forderten, wurde ihnen von dem Unternebmer I u n k e r s d o r s bedeutet, daß noch kein Geld da sei; sie möchten am Montag wiederkommen. Aber auch an diesem Haupt- Jubeltage wurde de» Arbeitern nur eine Abschlagszahlung in Höh» vou zehn bis zwanzig Mark gegeben; den Rest schuldet die Firma allen Arbeitern, mit Ausnahme derjenigen, die in den letzten Tagen Feier- abend erhalten haben, noch heute. Die Stuckateure find auch noch vollständig in» Unklaren darüber, ob der Unternehmer ihnen für de» Montag, an»velchem sie gleichfalls wider Willen seier» mußte», den schuldigen Lohn auszahlen»vird. Herr Junk-rsdorf erklärte den Stuckateure» am Sonnabend, daß er nicht zahlungsfähig sei, iveil der Hauptunternehnier der Arbeite» für die Feststraße, Professor Geiger, ihn» noch kein Geld gegeben habe. Ein Gerichts-Berichterstatter meldet der Presse: AnderSpitze derjenigen Arbeitgeber, ivelche ihre Arbeiter gezivnngen haben, am 22. März zn feiern, ohne Schadenersatz zu leiste», steht das Justiz- in i n i st e r i u>u. Die angestellten Beamte» und Diätare hatten zivar frei und erlitten keinerlei Einbuße an Gehalt und Diäte», die Kanzleigehilfen bezw. Lohnschreiber dagegen, denen feste Bezüge nicht zustehen, und die nur die Boge» bezahlt bekommen, die sie schreibe». die»vurden zun» Feiern unter Verlust eines Tagesverdienstes ge- zwimgen. Roch ein Duellant aus Anlaß der Zeutenarfeier begnadigt. Es wird berichtet: Der Gntsbesttzer und Reserve- l i e u t e n a i> t Ritter auf Gregan, der in Blatz eine längere Festungshaft verbüßte, zn der er vom Militärgericht verurtheilt worden war, ist begnadigt worden. Ritter hatte am 20. Januar 1806 ein P i st o I e ii d u e l l mit Gerichtsassessor W o l l st e i n in Nakel, wobei letzterer einen Schaß in die rechte Seite erhielt und nach zehn Tagen in der Klinik des Professors v. Bergmann-Berlin starb. Ei» neues Sammelobjctt ist der„Berl. Ztg." zufolge von den ärmsten unserer Händler entdeckt worden, nämlich: Büsten des alten Kaisers Wilhelm, die in diesen Tagen zn vielen Hunderten über- fiüssig geworden sind. Es hat sich nämlich ein Unternehmer gefunveii, der diese Büsten für 20 Pseunige das Stück aufkaust. Ein derartiger„Sammler" hatte zirka 2S dieser Büsten ans feinem Wagen, und seine Frau und»r quälten sich ab, diese Gips. führe fortzubringen. Die jüdischen Stttdcnteuverbiudunge» an den deutsche» Universitäten haben, wie hiesige Blätter melden, einei» lkartellkonvenl mit dem Grundsatze, u n b e d i» g t e G e n u g t h n u n g zn gebe», gegründet. Läppische Kinderei! Bluthunde. Uns wird berichtet: Mieths-Eintreiher bieten ihre Dienste gegenwärtig den Hauswirthen an. In den Fällen, wo diese genöthigl sind, einen Miether, welcher noch Miethe schuldet, ziehen lassen zn müssen, ohne sich a» dessen Wirlhschastssachen pfänden zn können, weil diese nur aus gesetzlich nicht pfändbaren Gegenständen be- steheii.bieteu sich die Miethöeintreiber a»; sie lassen sich bie Mielhsforde- rung abtreten, klagen dieselbe aus und bedingen sich gewöhnlich einen Prozent-Antheil vou den» beigetriebenen Betrage aas. Ist die Forderung ausgeklagt, dann pfändet der Gerichtsvollzieher garnicht selten die Sachen, di» der Wirth für nicht pfändbar hielt und die Leute zahlen dann. Die Hauswirthe verzichten lieber auf das Zurückbehaltungsrecht, da in einigen Fälle» wegen Zurückbehallung nicht pfändbarer Sachen erhebliche Entschädiaiiagsansprüche geltend Semacht und durchgesetzt sind. Bon den Mielhseintreiber» aber aben einige wegen ihrer Erfolge bei den Hauswirthen einen guten Ruf. Vom Apothckenwucher. Das Polizeipräsidium giebt bekannt: „Es ist in Berlin während der letzten Jahre wiederholt vorgelommeii. daß bei Apothelenverkäufeil für die Aerzichtleistung des Verkäufers auf die Apothekengerechligkeit außergewöhnlich hohe Summen bezahlt worden sind. Wie sich mehrfach herausgestellt hat. ist dies lediglich in der Annahme geschehe», daß das Absatzgebiet der belreffenden Apotheken keine Eiiischraulung durch eine Neukonzessiouirnng erfahren würde: eine Annahme, die sich nachträglich keineswegs immer als zutreffend erwiesen hat, Älnläßlich der in jüngster Zeit erfolgten Neuanlagen von Apotheken in Berlin und Gharlottenburg haben hiernach solche Apotheken» besitzer, dje sich dadnrch in»ihrem lGeschäftsnmsatze beeinträchtigt glaubten, fast ausnahmslos ihre Widersprüche damit begründet, daß sie ihre Apotheken erst vor kurzem zu einem sehr hohen Preise ge- kaust hätten, und infolge deffen nicht in der Lage sein wurden, ihre Familie standesgemäß zn erhalten und gleichzeitig den Ver- psiichtungen ihren Gläubigern gegenüber nachzukommen, insofern dle beabsichtigte Neukonzessionirung zur Durchführung gelange. Der Polizeipräsident macht deshalb darauf aufmerksam, daß bei der Nenanlags von Apotheken derartige Einwände von Apotheken- besitzern ans Berücksichtigung nicht rechnen können. Es muß viel- mehr den Käufern von Anotheken überlassen bleiben, sich gegen spätere, ihnen durch Konzessionirnngen möglicherweise erniachsende Einbuße dadnrch zu sichern, daß sie gleich beim Kaufe einer Apotheke diesen Umstand init in ihre Berechnung einbeziehen tl»d für die Verzichlleistung ans eine Apothekengerechtigkeit nicht Preise be- zahlen, die nach sorgfältiger Prüfung aller hier in betracht kommenden Verhältnisse als viel zu hoch angesehen werden würden." Die geschilderten Prailiken beweifen abermals die Nothweudigieit der Verstaatlichung des Apolhekemvesens. Ist es nicht skandalös, daß Institute, die ihrem eigentlichen Zweck nach der kranken Menschheit Hilfe zu bringe» bestimmt sind, unter der göttlichen Weltordnung vornehmlich ans ihre Eigenschaft als Schacher- und Sluswncherlings- objekle hin gesehätzt werden? Einen Belrugspeesuch gegen di« Taemstädtee Bank hat dem„B. T." zufolge die 22jährige Tochter eines Polizeibeamteii begangen, inhem sie versuchte, auf eine Quittung der Möbelfabrik von Klavier u, Co., Dranienburgerstr. 27, Geld einzukassiren. Der Kassirer schöpf!» Verdacht und rief eine» Mitinhaber der Firma, namens Levy herbei. Als dieser Herr de» Kassenraun» betrat, erschrak das junge Mädchen heftig, erhob sich rasch und suchte den Ausgang zu gewinne», wurde aber von dem Kaffsndiener. der sie nicht ans den Augen gelassen hatte, festgehalten. Herr Levy rekognoszirte das junge Mädchen sofort als die 22 jährige Grethe K., die Tochter eines im aktiven Dienst stehende» Polizei- beaniien, die vor drei Jahren in seinem Komptoir beschäftigt ge- wesen war unv während ihrer dortigen Thäijgkeil öfter nach der Darmftädter Bank geschickt wurde, um Geld zn erhebe», so daß sie mit dem üblichen Geschäftsgang vertraut war. Bei ihrer Ver- hastung, die sofort erfolgte, gab sie an, das Quittungsformnlar bei ihrer Entlaffnng vor drei Jahren bereits gestempelt und entwendet zu haben. Ans Fnrcht bor dem Examen hat sich gestern. Donnerstag, Morgen hier der Referendar Paul Klaatsch erschossen. Der 36jährige Mann bewohnte seit»inem Jahre bei einein Fräulein W. in der Sieglitzerstraße 92 ein möblirtes Zimmer. In der letzten Zeit hörte nia» ihn vielfach die Besorg»iß äußern, daß er die große Staatsprüfung, die er am 20. April ablege» sollte, nicht bestehen werde. Gester» Morgen um 9 Uhr ließ er sich wie gewöhnlich den Kaffee bringen. Eine halbe Stunde später hörten Frl. W- und ihr Tienstmädchen, sowie die Bewohner der anderen Zimmer bei Klaatsch eine» Schaß fallen. Man eilte in das Zimmer hinein und fand den jungen Mann mit einem Schliß in der rechten Schläfe als Leiche aus dem Sopha liegen. Den Revolver hielt er noch i» der rechten Hand. Zwei iiußcrst gefährliche Brände machten i» der Nacht zu gestern der Feuerwehr zn schafien. Um 11 Uhr brannte in der Sophienstr. 8 das Lager der Farbe»- nnb Lacksabril von C. Kraut» Hammer in Reinickendorf und NN» 12 Uhr ein Lumpen- und Pappen- lager in der Chansseestr. 95/96. Dort wurde bei den Löschungs- arbeiten der Feuermanu Halbach schwer verletzt, der sich in ärztliche Behandlung begebe» mußte. Abermals ist ein Arbeiterkind todtgefahren worden. Am Mittwoch Abend um 6»/4 Uhr gerieth das am J. Jnni 1892 geborene Töchterchen des Webers Rudolf Schmidt ans der Andreas- straße 7 vor dem Hanse Andreasstr. 72 unter einen von dem Kutscher Franz Petzold aus der Skalitzerstrab« gesährts» Arbeitswagen und fiel so unglücklich hin, daß ihm ein Vorder-»»d ein Hinterrad über den Leib ging. Unglücksfälle im Straßenberkehr. Von einem Wagen der Straßenbahn der Linie Behrenstraße— Treptow wurden vorgestern Nachmittag vor dem Hause Britzerstraße 23 die Kinder Ida und Fr:da Beetz Übersahren und leicht verletzt. Nach Zeugenaussagen trifft die Kinder selbst die Schuld an dem Unfall, da sie kurz vor dem Herannahen der Bahn die Straße zu überschreiten versuchten. — Borgestern Nachmittag siel der Knabe Georg Kala vor dem Grund- stück Echöneberger Ufer Nr. 1 beim Spielen in den Landwehrkanal. Der Steueimann Friedrich Mischke fuhr sofort init einem Hand- kahn an Ort und Stell« und zog das Kind, welches keinen Schaden davongetragen hatte, ans dem Wasser heraus. Vor dem Hause Andreasstr. 72/73 wurde abends die vierjährige Tochter des Andreas- straße 7 wohnende» Webers Schmidt durch einen mil Hobelbänken beladen«» Arbeitswagen überfahren»nid innerlich so schwer verletzt, daß der Tod bald darauf eintrat. Nach Angabe der Zeug«» soll den Kutscher infofern die Schuld an dem Unfall« treffen, als er übermäßig schnell fuhr. Eine jämmerliche Denunziation leistet sich das„Berliner Fremdenblqtt". Das Organ des sonst überaus harmlose» Herrn vr. zur. Rnssak entrüstet sich nämlich darüber, daß das Schiller- Theater die einzige Bühne war. welche es verständiger Weise verschmähte, sich durch holperige Prolog-Nelmerelen an dem Zentenar- jubel zu betheiligen. Ja, noch schlimnier: Eine Satire(?) ans den ?ldel und Ofsizierstand: Max Kretzer's„Millionenbaner" sei am Berliner Schiller-Thealer zur Gedenkfeier Kaiser Wilhelms des Großen, des Begründers des Deutschen Reiches, gegeben worden! Weite Volksschichten werden darin einig sein, daß das Ansehen des„Schiller-Theaters" durch solche„Verbreche,»", vahrlich nur gehoben werde» kam»! I»« Schiller-Theater kommt Sonntag nachmittags das Wicherllsche Lustsplel„Ein Schritt nou» Wege" zur Aufführung. Sonntag Abend geht Anzengruber's Bolksstnik„Der Pfarrer von Kirchfeld" in Szene. Heute und morgen finden Wiederholungen von„Maria Stuart" statt. Der Zirkus Busch»vird in einiger Zeit nach München übersiedeln. Stus de«» Nachbarorte». Charlottenburg Den Parteigenossen»nd-Genossinnen hier- mit zur Nachricht, daß an» Sonntag, den 28. März, abends 6 Uhr, im Lokal« von B r« d l o»v. Augsburgerstr. 78,«ine öffentliche Versammlung skr Männer und Frauen stallstiidet. Ans der Tagesordnung steht ein Bortrag der Frau M e s ch. Nach der Ver- samiiiluna: Gemnlhliches Beisanimensei». Um zahlreiche Belheiligung ersucht die Bertra»tenSperson Frau Schröder. Hans- und Bankschlächter sollen einer RegiernngSverfngniig zufolge hinfort nicht mehr als Trichinenbeschmier angestellt werve». Gegeu die scharfe» eiserne» Svitzen,»velche vor vielen Schaufenstern von GeschäflSlokalen angebracht sind, um nameiititch das Hinsetzen von Kindern auf die Schaufeiislcr-Brllstnnge» zn ver- hindern, ist jetzt iu RIxdors der dortige AmtSvorsteher eingeschritten, indem er angeordnet hat, daß diese eisernen Spitzen sofort zu e»t- fernen oder durch darauf zn befestigende Leisten unschädlich zn machen sind,»veil sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bilde» und nicht nur Beschädigungen von Kleidern, sondern auch Körperverletzungen herbeiführe»« können Auch in Berlin,»vic in den übrigen Vororte», sind vor viele» Schaufenstern solche eiserne Spitzen oder ähnliche gefährliche„Schutzmittel" zn finden, und es »väre deshalb sehr angebracht, daß auch hier die Polizeibehörde» die Beseitigung oder Unschädlichmachung der Spitze», oder dergleichen anordneten. Eine wunderliche Demonstratio» habe» einige Spandau er Stadtverordnete beaauge».'Auf Antrag der sozialdemokratische» Stadtverordneten»var die Errichtung eines städtische» ArbeilsnachiveiseL von de» Kommunalbehörden in Erivägung gezogen»vorden, und der Stadtralh Martins hatte zum verflossene,» Freitag im Rathhause eine Sitzitna von Interessenten anberaumt, zu der u. a. auch die Bei- sitzer des Geiverdegerichts eingeladen»varen. Dies»var aus un- ersichtlichen Gründe» einem Theil der ordiningstreuen Stadtverordnete» nicht recht, lind die Herren drohten, daß sie die Sitzung verlassen»vürden, »venn man nicht die eingeladene» Gewerbegerichts-Beisitzex von den Verhandlungen ausschlösse. Stadtrath Martins hatte ans diese Zumuthung nur die einzig richtige Antivort an die belreffenden Stadtverordnete», dqß sie ja den Sitzungssaal verlassen könnten, wenn es ihnen nicht passe, niit de» Männern vom Gewerbegcricht genieinsan» zn tagen. Und die Ordnungsstützen, die ihrer Mehrzahl »ach den Titel Reservelieutenant führe», verließen i» der Thal die Sitzung. Die Verhandlung über den auf der Tagesordnung stehenden Gegen- stand, die darauf ruhig ihre» Fortgang nahm, lehrte zur Evidenz, daß es ganz ausgezeichnet ohne die Demonstranten ging. Die An- »vesende» erklärten sich fast einstimmig mit den» Antrag anf Er- richlung eines städtischen Arbeitsnachiveises einverstanden. Stadtralh Martins aber»vurde an, nächsten Tage vom sreisinuigen„Anzeiger" unanständig angerempelt. Für die Angler und sonstigen die Flußfifcherei betreibenden Personen»vird von den Aufsichtsbehörden zur öffentliche» Kenulniß gebracht, daß für alle nicht geschloffenen Gewässer der Provinz mährend der Zeit vom 10. April bis zun» 9. Juni eine verstärkte »vöchenlliche Schonzeit ffatlfindet, derart, daß die Fischerei mir an drei Tagen jeder in der Schonzeit fallenden Woche, und zwar von Montag bis Donnerstag, betrieben werden darf. Während der Dauer dieser Schonzeit— also von Donnerstag bis Montag ist jeder Betrieb der Fischerei verboten. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche ist anf dem Dominium Paretz bei Pytsdan» amtlich festgestellt»Vörden. Man hat daher die Orls- und Feldmark Paretz gegen den Durchtrieb von Wiederkäuern und Schweine» gesperrt. VeesÄmurlungett. Die Parteigenossen des 3. Berliner ReichStagS-Wahl- kreifcs hielten am Mittivoch im„Meßpalast", Alexanduiieiistraße, eine gutbesuchle Versaninilung ab,»n der Genosse Dnpont einen interessante»» Bortrag über„Vorgänge in der Stadtverorduete»-Ver- sainmlung" hielt. In der Diskussto» bemertl« Börner, daß bedauerlicher Weise noch viele Parteigenosse», darunter auch Ver- trauenspersonen und Abgeordnet«, es unterließ«»», von dem Recht der Naturalisation Gebranch zu machen und so ihres Stimmrechts bei kommunale»» Wahlen verlustig gehen. Fritz bemerkte, daß es ihm trotz eifrigem Bemühen nicht gelang sich zu natilralisire»; am Schlüsse seiner Aussührunge» polemisirt er gegen die Neugründung der„Freien Volksbühne", indem durch solche Vereinigungen der politische» Beivegniig die Kräfle entzöge»»verde». Die Genossen B ö r ,» e r, Kenipf, Pönitz und Kahle traten de» letzten'Ausführungen des Genossen Fritz entgegen, bedeutend, daß die„Voiksbübne"»vohl ideal« Zwecke verfolge und gleichfalls agitatorisch»virke,»vährend Hoch sich den Ansichten Fritz' anpaßt. Pastor Reichart»internünnit es, dem Referenten. der die Blsinarckpolitjk unter Wilhelm l. streift«, zu entgegnen, indem er den allen Kaiser als Arbeilerfrennd feiert und verlangt, daß selbst Sozialdemokraten Achtung haben»nögen vor de» Fürsten de? Landes. Weiler habe Referent die Sozialreso»»»»nit Wilhelm kl. in Verbindung gebracht, sich aber, jedenfalls ans Angst vor dem Strafgesetz, nicht deutlich genug misgtzdrückt. Er als Theologe sei überzeugt, daß der Kaiser»oohl sozial zu denke» und zu handeln versteh«,»vi« ja dt» Februar- Erlasse und der Empfang von Arbeiter- Deputationen beiveise». Endlich vertritt Redner di« Konststprial-Verordnung von» 16. Jahrhundert, auf grnnd»velcher hie Stadt Berlin Gelder für Kirchenbauten auS- ziliverfci» habe. Der Vorsitzende K r ä k e r ersucht die Versammelten, anf die'Ausführungen des Porredners nur mit größter Vorsicht zu «nl, vorteil, welches durch Genosse Dnpont in trefflicher Weise geschah, des öftere» durch Beifall unterbrochen, ttnter Bereins- angelegenheiten bemängelt König, daß»na» im Eaal das elektrische Licht durch»«»»zulängliches Gaslicht ersetzte, weiter für das Glas Bier 25 Pf. zahlen müsse, welches Quantum im'Restaurant desselben Hauses nur 30 Pf. koste. Gleichzeitig sprach Redner seine Verivuuderung über das Vorgehe» des überivachenden Beamte» ans, der das Tagen der Versammlung von dem Entfer'ien ziveier Petroleumlampen anf zive» Tische»«wegen Feuersgesahr" abhängig machte. König erwartet, daß die Lokalkommission zu den gerügten Mißständen Stellung nimmt. Der Verein„BortvärtS"<6. Wahlkreis) hatte für Dienstag Abend im„Biktoria-Salon", Perlebergerstraße, ein« Versammlung einberufen, die mhällnißniäßig schwach besucht»var, warm» man von dem Vortrage des Genossen Dr. Joel Abstand»ahm und nur den geschäftlichen Theil erledigte. Der Vorsitzende Genosse A r o n d s« e unterbreitete, daß die Generalversammlung am 6. April in Li a b e' s Salon stattfindet und sind Anträge zu dieser in seiner Wohnniig, Voyenstr. 9, einzureichen. Gesunden»vurde am Stislungssest eine Broschüre, gleichfalls ist ei» Gegenstand ver- loren gegangen; abzuholen ist erster« de» ihn», gleichfalls ersucht er nm Abgab« betreffende» Gegenstandes. Die löbliche Polizei schien anderiveilig stark in Anspruch genommen zu sei», sie ließ die„Ilm- stnrzlcr" unter sich. Eine gut besuchte öffentliche Beesammlnng der Putzer. die anr Mittivoch bei Jodl, Andreasstraße, tagte, beschäftigte sich mit den Lohn- und Arbeitsverhältnisse», der gegenivärligen Bau- periode. Nach dem Bericht des Lohnkommissionsmitgliedes Diel ri ch »vird»och vielfach unter dein festgesetzten Tarif gearbeitet, obivohl die Thatsache konstatirt»verden kau», daß doch«m allgemeinen der Preis annähernd bezahlt»vird»»d das Bestreben unter den Putzern vorhanden ist, die Errungenschasten der vorjährigen Loh»be»veg»»g ansrecht zu erhalten Besonders bei den Jnnenpntzern find i» der letzten Zeil die»ninderiverthigen Preise überall ausgebessert ivorde», ohne daß es einer Arbeitsniederlegung bedurft Halle. Allerdings»verde« bei der Nomiruug des Preises die Rohr- und Rabitzmände nicht genügend in betracht gezogen, wie sich anderseits auch Schivierigkeilen bei der Taxirung der Arbeit durch die Eigeiiariigkeil der Architektur g,lte„d machen. An der Bewegung belhelliglen sich bisher 940 Putzer»veuigstens iiispiveit, als sie Beiträge zun» Streikfonds«ntrichten. Die Zahl»vird aber voraussichtlich biß Sonnabend anf 1200 steigen« sodaß die durchschnittliche Belheiligung»vi» in, vorigen Jahre vor- Händen ist. Der Redner berichtet sodann noch über Arbeits- niederlegungen der Fassadenputzer i»»>vei Fälle»,»vodnrch eine Erhöhung des Lohnes erzielt»vurde und spricht de» Wunsch aus, daß diejenigen Putzer, die vielleicht durch lange Arbeitslosigkeit veranlaßt»vurde», bei Putzmeistern Arbeit anzunehmen und demzufolge der Beivegung fernstehen,»venigstens versuchen sollen, nnter sich einheitliche Preise zu erlange» und die Uebelstände bei den verschiedene» Pntzmeister»»,»vie Ralenzahlungen und läiitzere Arbeitszeit. zn beseitige». In der hierauf folgenden Diskussto». an der sich S i n» a n o>v s k i, N e u m a n». Richter. G r o t h- mann. König, Vogel und andere bcth-iligtci,.»vurde die gegeinvärtige Beivegung als lau bezeichnet, die keines- »vegs den gefaßlen Beschlüssen entspricht und nickt dazu angetha» ist, die gestellten Forderungen allgemein zur Durchführung zu bringe»- Insbesondere wurde den Fassadeputzern der Vorivurf gemacht, daß sie nicht energisch genug für den angenommenen Tarif eintreten n»o zu diesem Ziveck die jetzt günstige Konjunktur ausnütze«. Von mehreren Redueri» wurde aufgefordert, die einzelnen Kolonnen so »veit wie möglich zn vergrößern und die Arbeitslosen einzustellen, um zn verhüte». daß dieselbe» gej'vungen»verden, unter ander» »veitige» Bedingungen Arbeit anjilnehnie». Nach längerer Debatte, in der auch die Neukonstituirung der Lohnkommission angeregt »vurde. gelangte ei» Antrag zur Annahme,»vonach sich die Versammlung verpflichtet, mit allen Mittel» für die In» ehaltung des Tarifs auf allen Bauten zti wirken und dafür zu sorgen, daß die Arbeitslosen untergebracht»verden. Des»veil«»«» wurde ausgefordert, der Kommissw« Mittheilung zu mache», in, vie« iom durch die Zenteuarfeier die Putzer zur Arbeitsruhe gezwungen wurden und ob eine entsprechende Entschädigung hierfür erfolgt ist. Zum Schlüsse ersuchte der Bnunrbeiter B a i e r, die Agitation seiner Kollegen dadurch zu nuterstlitzen. daß es sich die Versqmmelten an« gelegen sein lassen, die Bauarbeiter auf die Nothwendigkett der Or- ganifation ausmerkfa», zu machen. Eine Metallarbeiter- Acrsamuiluiig» zu der»anientlich die Bor>jg'schen Arbeiler eingeladen waren, lagte am Mittivoch, etwa 7W Personen stark, in Ahrens' Brauerei. Ter Referent Rüther beleuchtete zunächst die Lage der Melallindustrie in> allgenieine», und kam dann auf die Veihältiiisse in den Borsig'schen Werken zu sprechen, die ihm in verschiedeilen Beziehlingen Slnlaß zur Kritik gabeip Unter anderiii ses es das Kolonnensystem, worunter die Arbeiter zu leiden hätten, indem der Kolonnenführer ivohl einen guten, seine Mitarbeiter aber iiur eine» recht uiiniuialen Lohn verdiente». Für Hilssaxbeiter betrage der S!»»de»lohn 2-1-27 Pf. Ilm nun den Wochenverdienst auf eine halbwegs erträgliche Höhe zu. bringe», würd» häufig Neberstnnden gemacht. Eine 12 bis Ichlniidige Arbeitszeit sei Usus, oft würde auch 14— 1b Stunden täglich gearbeitet. Tie sqniläre» Zustände in der Fabrik gebe» gleich- falls itinlaß zu Klageii. Die Aborte, nach dem Tonnensystein ein- gerichtet, wurden im Winter, nni das Eiiisriere» der Toiine» zu hindern, niiltels Koak-lörben geheizt, wodurch der Dunst für die die Orte benutzenden Arbeiter geradezu unerträglich ivcrde. Als kürzlich ein Arbeiter verunglückte, habe fich herausgestellt, daß i» der Fabrik nicht einuial ordentliches Verbandszeug vorhanden war, so daß dem Verunglückten erst»ach einer Stunde im Krankeuhause Moabit die erste Hilfe zu theil wurde. Die Waschvorrichtungen i» der Dreherei und Gießerei sollen auch recht mangelhaft sei». Ais«in Unrecht werde es empfunden, daß für schadhaften Guß sogar die Schinelzer »»d Putzer, die nicht den geringsten Einfluß aus das Mißlingen der Gußarbeiten hätten, haftbar gemacht würden. Die Strasabzüge betragen jivar in der Regel nur 10 Pf. für jede» Fall, doch sei es auch vorgekommen, daß einem Arbeiter, der seine Werkzeugmaschine nicht ordnungsgemäß geputzt hatte, eine Mark abgezogen wurde, was gegen die Gewerbe-Ordnung verstoße, die als höchst« Strafe nur ein Viertel des Tagesverdienstes zulasse. Seit kurze», bestehe zwar in der Fabrik ein Arbeiterausschuß, doch habe noch niemand von deffen Wirksamkeit etwas bemerkt. ES könnte in der Borsig'schen Fabrik manches besser sein, rven» die daselbst beschästigten Arbeiter, nament- lich die ältere», mehr Solidaritätsbewußlsein bekunde» würden. Redner wies zum Schluß auf den Nutze» der Organisation hin und forderte zum Eintritt in dieselbe aus; nicht, lliu zu streike», sondern um ohne Kampf bessere Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu erringen. Die Aussührnngen des Redners wurde» mit großem Beifall und lebhafter Zustimmung aufgenon»»«» und von mehreren Diskussioilsrednern bestätigt und in mancher Hinsicht ergänzt. Cs wurde unter anderm bemerkt, daß in mancheii Fällen bis »2 Stunden die Woche gearbeitelet ivürde. Auch das Vorhalten des Direktors den Arbeitern gegenüber gab zu mehrsachen Klagen Ver- anlaffnng. Weiter hob man hervor, daß zwar anz Montag zu Ehren der Zentenarseicr die Arbeit ruhen mußte, daß nm» aber»och nicht bestimmt wisse, ob den Arbeiter» eine Bezahlung für diese auf- gezivuugene Feier zii theil«verde. Eine im Sinne des Referats ge< haltene Resolution fand einftiiiunige Annahme. Frirhrichsbct'g. Im hiesigen A r b e i t e r- B i l d ll n g s- Verein sprach am 16. d. PI. Genosse G r» m p» über:„Hmnaiutät »nd Todesstrafe". Am Lll. April findet im selben Lokal, Dorsstr. 2, die Generalversaminlung des Vereins statt, in welcher die Vorstands- ivahl vorgenommeii ivird. Die Friedrichshageuct' Genosse» veranstalteteu ihre März- s e i e r am Sonnabend, den 20. März, im dortigen„Gesellschafts- haus". Genosse Wagner legte in wirkungsvoller Weise die ge- schichtliche Entwickelung dar, die zur Revolution von 1848»nd schließlich zur Enlstehung der Sozialbemokratie geführt hat. Eine von Geiiosien Sonnen bürg«ingebrachte Resolution, in welcher die Stellung des Proletariats zur Nätjskier gelennjiichnet ist, fand einstimmige Annahme. Friebrichsfelbe. Der A r b e i t e x- B i k d n n g s- V- r e t n hielt am 21. März seine regelmäßige Versammlung ab, in welcher Herr Dr. Weyl über die„Heilkraft des Wassers" sprach. In der daraufsolgende» ausgedehnten Diskussion beantwortete der Referent die an ihn gerichteten Fragen eingehend. Nach Erledigung ver« schiedener örtlicher Angelegenheiten erfolgte der Schluß der Ver- santinlung. Zivb»it«t'-K,id»»g»sch»I«. grettag Abend s Uhr bis io!j Uhr: Südost- Schul«, Waldemars» aßr u: Vlalur-Sil«n»tniß tAntite und moderne Ralur- beirachluno. Problei» der Wellbildung Im Rlierlk»»». griechische Wcteheii und blbtische Ueberlieserung. Die Entthronung der Erde aus ihrer bevornigleg Stellung tu« Welleuall. Mechauisitsche Aulfassung und czperiinentelle Forschung. Tie Sinreihuug de« Menschen tu dgs Raturgauze sLaniars- Dqrwtns. Tai Seelenproblei». Aioiniiniu» und MaiertglismuS. Srenzen der Natur-ErkenntntK.) Herr Tr. C. Foel.— Nord-Schule,«runnenftr. es: Siede-llebung(Die Ivichsigsien technischen Sruudsätze sür die Kunst des öffentliche» RediNS. Lehre rnnn Ausbau eines Vortrages.) Herr Heinrich Schulz. ?ie k«s»I,aU« d»r A» briter diildungoschul«. Bruuuenstr. id. ist Ivochen- lags von 8—9 Udr, Sauulags von«-9 Uhr, unenigelllich sür tedermann geäst»«: die Seschästs stelle der Schule N., Bruuuenstrabe 98, die den Vereins, vorständen zur verinilleluug von Vorträge» mlssenschaslliche» Eharallers zur Verfügung fleht, Ist ebeusaüs von 8-9 Uhr„achminags geästnet. ftft- und Dioüutirtilnd». Freitag. Ausllärung, abend« 9 Uhr, gßebastianstr. 79 bei Ferger. Arhriter-Kgngerbniid Kerlin» und ZI»,geg«»d. Vorsthender Ad. Neu- mann, Paseivatserslrahe a.— Alle Nenderungen im Vereinskalender ftnd zu richten an Fried. Karlunt, Manteuffelstr. 49, 0. 9 Tl. Freitag. Uebungistunde abends 9— II Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Eo l le g ta, Adalbertitr. 9t het Roll.—«aiser'scher Männerchor, Schivedlerstr. 9S'9t de, Werna».— R 0 r d, veleranenftr. 19 bei Schulz.— Unverzqgl I. Melchiorftr.>8 det Steh- mann.— Treu und Etnlgkell, Nlxdors, Beraftraße 94 bei Wühler.— Buchbinder-Männerchor. Köpnickerilr. 89 bei Schöning.— Vereinte Saugesbrüder MoabtlS, Puillihsir. I» bei I Pfnrr.— Matenzivetg, Liederlafet der Slellinacher, Rossnlhglerstraße b? bel Babiel.— Maiglöclchen, Lindowerstrabe 98 bei Sachs.—«emurhlichleit(Puher). s-gdelür. sv bei Krüger.— F r 0 b- H 0 s s n u n g(West), Pallasstrgbe Rr.>8 bei A. Faller.— Morgenroih II, Stzarloltenbnrg. Bisinarckftraße 7z bei Kraus«.— Tnpographia. Beuthstraße 90 bei Eohn.— Seorgina, Sörliher- strabs 89 bei Bogel.— Lorbeer zweig, Schönhauser Allee>88 het Ramloiv.— B 0 r 10 ä r l« III, Friedrichsselde, Lichtenberger Prsnzen-Allse 8. — Rhetngold, Weittslr. II bei Fcindt.— Rosenthaler Vorstadt, Ufedoinftr. LS bei Olböter.— Melodra, Rixdors, B-rgsir.>89 bei Thomas. — Iris, Rannrinftrahe SS bei Streit.— Branden b u r g e r Manner- Sesa»gveret», Brandenburg a. H., Bergftr. S, Mengerl�s Volksggrlen.— Li b e r»8, Wrangelftr 84 bei Redai'z.— B r ü d e r s ch a s t lHausdtener). Alt« Jalobnr. sz/o« bei E. Lamprechi.— Ltebes-Echo, Reichenbergerilrabe 119 bei Köppen.— Freie Liebertasel, Siranbbergerstr. 8 bei Wwe. Röll.— S! 0 r d w a ch t, Ehausteeftraße 79 bei Meißner.— Freie Sänger II, Schmargendorf, Warnemünberstrahe,„Wirlhshaus Schmargendorf".— Sgngerlreis lNen-Weibensee). Langhgggiw.eeb. N-üdenberger.— Arion I, Wiltenberge, Tburnistrab« 98 in der Zentrathalle.— Sorgensres, Admtrat- üraße>8 0 bei Möhring.— Rosalia, BUnnenür. 48 bei Tomatlcheck.— Weiße Rose III, Rirdcrs, Karlsgarlen- und Wißniannftraßen-Elte bei Bode.— — Bteber'icher Männcrchor, Liniensiraße ss.— Gefelligleit, Hennigsdorf, Böhniert's lhaslhaus.— Eintracht IN, Sberswalde. Elsen- bahnslraße 88 bei Hageivnld.— Syrene, Rosenlhalerstr. K7 bel Badlel.— K l i» g IN ü l l e z'scher M ä n n« r ch 0 r, Weißensee, König-Ehaussee b«! Brenner!. — V ö l l er fr üh l t n g(Sluckateure), O>ant»tts:r los det Ersiser.— Neue Zeit, Rcmmlerllr. L8 tdde Swinemiinderstr.) bei Schmidt.— Ltedertranz, Brandenburg a. H., Bsrgstr. 6(Mengerl's Bollsgarte»).— Freiheilsglocke», Wörthcr-ftr. 39 bei Buchholz.— Oberoy, Oranienstr. 191 bei Wohllebe. Knnd»er gesellige» Arbeiterverr«,»» Kerlin»„ad ztnigea«»». Alle guschrisle» sind zu seude» an P. Senl, Tresbenerstr. 107/109. Freitag: Musik- verein Hossnung-Oft,«roße Frpntsurlerstraße 10s bei Eold.— Lotlerie- llub Fortuna, Eörliherftraße 80 bei vtewert.— Seseltlge«eretntgung „L t« g n l d e r S ch>0» t i", Reichenbergcrstr. 8ij bei Fink.— Skatllub Einig- (eil, Wollinerstr. 4L bei Zugoivstt.— Berein sür B 0 l k« t h ü m l t ch e Kunst, Blmnenftr. 89 bei Reich.— Verein der Tanzmetfter Annenstr. 18. Arbeiter- htaucherbund Kerlino und Zlingegeud. Aenderunge» im Vereinskalender find zu richten a» Hermann Brau»sch,veig, DrcSdenerstr. so, 9. Hos. Freitag. Südost, Wienerftr. 8Z bei Feiste.— Blaue Wolle, Wedding- straßs 9 bei Ignatius. Gesang-. Sur»- und gesellig« Uereine. Freitag. Athletenverein Felsensest, Krautftr. 8 bei Böncher.— Tanzlrhrerveretn s 0 l i d a r t» ä t, Annensir. 10.— Musttveret» Tüsch, Uebungssiunde jeden Freitag, Bereinssttzung jeden Dienstag nach dein I. Langestr. Ivo bei Nebelin.— karihau«'scher lhefangverein, Landsberger Allee 18« bei Eöhel.— Turnverein Sesu»»- drunnen. Abend« von— loij Uhr: l. Männeradlheilung Panllir. 9— ro. Arbeiter Turnerbund. Freitag! Turnverein F t ch l e, Berlin. Abends von s— tvUhr:«. Männer- Abtheilung Slaliherstraße 88-88. 4. Männer- abiheilung Slephanstraß« 8. 8. Männerablbellung Äckerstraße 87.«. Männer- abtheilung Slallschreiberstrgße 84. t. LehrUngsablheUung grtedenftraße 87. 8. LehrUngsablheiiung Boickhslraße et. 1. Tamenabtheilung Mariannen- Ufer t».— Arbettep-Turnverein(Adlershos) von sZj— loii Uhr abend» in«öpenilt, Rudowerstr. b»t Scheer.— Freie Turnerschaft, Rirdorf- Britz, I. Lehrltngs-Ablh. von 8?;— lois Uhr Rirdorf,«nesebeckstr. bei Wierstng. S Arbeiter Ktenogra», Heu verein«Ktail»", Lindenslr. lo» im Restaurant ritz Zubeil. Uebungistunde«— tt Uhr abends. Unterrichtsstunde jederzeit äste eriviinscht. Berliner Arb,iter»»rtret,r- Perei» tagt jeden Dienstag nach dein ersten im Monat bei BuSte, Erenadierstr. 83, abends sjj Uhr. Unentgeltlicher Rath wird erlheilt: Am Portz«» Berlin»! FürUnsall-, JnvallditälS- und Atters- Bersiche- rung, abends von?— 0 Uhr l W. Buch holz, Hussttenstraße so, v. Z Tr. U. D a e h n e, Demminerstr. os, v. s Tr. K. E u t h e i t, Wtesenstr. 99», von s-o Uhr abends. F. Pielchel, Wartenftr. 88, v. s Tr, E. SimanowSkt, Sarlenfts. 78, Portal 2, 2 Tr. M. E tu h Im an», vderbergerstr. 87, 4 Tr., von o-s Uhr abends. R. Tamm, Hussttenstraße L, von g— s Uhr abend«. 51. Voigt, Wiesenstrabe 41—42. E. Warnst, kolbergerstraise 7, von s-7Uhr abends.— Nur für JnvaUdttäls- und Atterevernchsrung: F. Blume, Strelitzcrstr. 89. P. Reima nn, Bellermannstr. 8». F. Trapp, Schulstr. 8«, von 7—s Uhr abends. Ii» Harb-«sten: Nur für Jnvaliditäts- und Bltersverstcherung: SO. Mol)«, Schönhauser Allee 82. Am tzjften: Nur sür Jnvqliditäls- und PllerSverstcherung: E.Bader, Er. Franlsurlerstr. 84. v. 4 Tr. Am Kiid- Glien: Für Unfall-. Invalidität«- und Altersverstchtrung: S ch a l t h 0 s s, Michaeltirchstr. 18. Im Süd«»: Für Unfall-, ÄnvaltdUäts- und Alteriverstcherung: F.Stügel- maier, Eriminstraße so.— Nur sür Jnvaltditäts- und SItterSverstcherung! P. keiser, Eaniphausenstr. 8. Im Sud-Westen: Nur sür Unsallversicherung:«. Hänel, Solmsftr. 44. Im slord-ßvcjtcn: Stur iür Unfqllversichcrung: I. Kraule, WilSnacker- strasie I». N. Stephan. Lesstngslr.»4. Am Z-ntrnui: 9)Kt sür Unfallversicherung: E. Lössler, Klosterstr. 0t Bei sämmtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochenlags von 7—9 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstügs, FreitqgS und So un abends, abends von 7—8 Uhr statt. M. Wenn Sie Parteigenvsie sind, wissen Sie wohl, daß Sie sich an die Preßkommisssioil mit Ihrer Beschwerde zu wenden haben. M. R. Losch». Schworinstag ist der zur Erledigung der Anträge der parlaincniarischeii Parteien festgesetzte Wochentag. Der Tag ist so gc- nannt nach dem bez. Antrage des preußischen Landtagsabgeordneten Grasen M. v. Schwerin. Fr- K., Reinickentzorferstraße. Theile» Sie uns, sobald Sie sicheres wissen, genau mit, ob die Firma ihren Verpflichtungen nach- gekontmen ist. Unter den Linden. Sie müssen uns Ihren Namen nennen. K. K. IIS. Wenden Sie sich an Herrn Joh. Timm, Alte Jakob- straße 13/10, vom 4 Tr.__ WliicningSiibcisicht Horn 25. Miit'z 1807._ Wetter-Prognose für Freitag, de» 2«. März 1807. Eiti wenig kühler, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit einzelnen Regenschauern und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. VI. Wahlkreis Wuhllustr VorstM). Sonntag, den 28. März, abends tt Ilhr, Im f.okale von lKttmchel, kgchUnhuanci1 Allee Xo. 28: Oeffentliche Versammlung füv AMiinnvv und Frauen. T a g e s- O r d n u 11 g: 1 Vortrag von De. ldVleeledeeit über:„Die erste Hilfe bei Unglkuksfällen". 2. Dislussio».— Nachdein: Gemiithlicheä Beisammen- sein. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 219/12 Des»'Vei'ei'EneNbiMnnn. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin). Hent«, Freitag, abends L'/e Uhr, bei voh», Beuthftr. 20/21» Sitzung der Ortsverwaltling.«s/i pr* Moabit, im Sonnabend, 27. März, abends 8i/, Uhr, Beusselftr. 0 bei Fischer: Vevfe nrmluns. Vortrag. Nach dem Vortrag: DM" Geselliges Beisammensein. Branche der Einsetzer. Sonntags, den 28. lührz, voriiilttag* 11 Uhr, im Uokal des Herrn Grosse, Annenstr. 10: MM" Uersammwng. Tagcs-Ordnung: Unser Vertrauensmäuner-Shsiem. Ausnahme neuer Mitglieder.— Um zahlreichen Besuch bittet Die Ortsperwaltung. Kaufieute! HamUungsgehilfen! Handlungsgehliniinen! Heute, Freitag, 26. März, abends 9 Uhr, Gr. öffentliche Versammlung Im grossenHaale des Grand llötel Alexanderplatü ijSg-(Eingang: Neue Königstraße)."Whz Tagesordnung: 1. Die bürgerlichen Parteien und die Handlungsgehilfen. Ref.: ReichötagS-Abgeordneter Dl*, LUigenaU. 2. Diskussion. Die freisinnigen und gntisemitilche» Kaufleute und Handlungs- gehilfen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen worden. Genossen l Kollegen und Kolleginnen! Ericheint alle, Mann für Mann, in dieser Versammlung I Jeder hat Zutritt. 90/12 _ Der Bertrauenömann: H. Vesser. Sonntag Waai'Si'Z de» 28. März d. I., vormittags 10V, Uhr. im Lokal des Herrn Henke, Raunynstrastc Nr. 27: Mttglikiitr-WMtr-VersmmlllNg der Filiale Berlin Il.Zentralverbaild deutsch.Maurer Tages-Ordnung: 1 Vortraa des Kollegen E. Gruppier über!„Organisations- bestrebunaen" 2 Diskussion. 3. Aewerlschaftliches. 136/16 Die«olleaen vom Osten und Süd-Osten sind hierzu ganz be- sonders eingeladen. Srte Lokalverwaltung. Arbeiter-Bildungsschule. Sonntac, den 28. Marz, abends 7l/o Uhr, in Cohn's Festshlen(gr. Saal), Beuthstr. 20: V ersammlung. Vertrags(Referent wird in der Annonce am Sonntag bekannt gegeben). 5/16 Kaobdem: Geselliges Beisammensein mit Tnnz, zu dem nur noch Mitglieder mit ihren Angehörigen Zutritt haben. SM- Eintritt 10 Pf."TSQ WM- Stellmacher!-3Si Am Sonntag, den 28. März, nachmittags 1»/, Uhr, im l okale der Aritiinhallen, Koinmandantenstr. 20: Geffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: I. Berichterstattimg des Eewerkschastsdelegirten. 2. Abrechnung und Berichterstattung der Agitationskommisflon. 3. Gewerkschaftliches. 1b9/10 _____ Die Agitations- Kommission. Die Fortseünng der ordentlichen Genera!-Versammlung der Mitglieder der alttil Sterbekajse der Mslhwllbeil- Arbeiter md verwandtell Verilssgellesjen findet statt am«onntags, 28. Marx 1807, vormittags 10 Uhr ":hen Gl ................ lob—------ DaS Quittungsbuch der Sterbekasie im Enzrlisehen Garten, Alexanderstr. 2?e.(oberer Saal.) leaitimirt. lllbh Berlin, den 24. März 199?. Der Borstand. P. Bergmann, Waldemarstr. 3. �rmwdaUen Hoinnian«lantenstr. 20, vollständig; renovlrt, empf. Cäln und Vereinsalnimer OnlC jeder Grösse zu k'estlloh- keiten und Versammlungen.* Statt jeder besonderen Meld»i»>l' Am 24. d. M.. mittags N/, Uhr, eul- schlief nach langem, schweren Leiben meine liebe Frau, unsere gute Mutier, Schwester, Schwiegermutter, Tante und Schwägerin ÜmstUne Finke, Liers. Im Namen der trauernden Familie. Andrea« Finke, Gartenstr. 160. Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 4r/, Uhr, von der Leichenhalle des St. Golgatha- Kirchhofes, Barsuhsiraße, statt. 1120b Vödes- Anselgse. Allen Freunde» und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser werther Kollege, der Tischler Ott». nach kurzem Kranlenlager an der Lungenentzündung verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 28. März, um 2t/, Uhr, vom Urban- Krankenhaus»ach dem Jerusalemer Kirchhof in Rudorf statt. lUÖb Die Kollegen der Werkstatt Dräfel. Zcschcl �cMung! Achtung! Ach chnilch VersmullW mit hmw aller in d. chirnrgUen Branche beschästigten Bernssgenessen am Sonntag, de» 28. März er, abends OV- Uhr, bei Hoffmaau, «kngtischer Garte»), Alexanderstr. 27e. TageS- Ordnung: 1.„Moderne Ehe". Reserent Genosse Adalf Hoss- mann. 2. Diekussion. 3. Verschiedenes. 48/12 Mp- Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz."MG Um zahlreiches und pünttliches Erscheinen bittet Der Bertrauensmanu. Acktnng! Achtuns! Färber, 5lppreteure, Dekateure sowie alle in der Brauche beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. AM- Sonntag, den 28. März 1807, nachmittags 2 Uhr, bei Wllke, Andreasstraste 26. Grosse öffentliche Versammlung. Tagesordnung: X. Vortrag des Genossen F r i tz K n t e r. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Eintritt 10 Vf.— Um zahlreichen Besuch wird dringend gebeten. Die Kollegen der Seiben-, Wolle- u. Baumwoll-Färbereien werden ganz besonders dazu eingeladen. Der Vertrauensmann. R-eimelienclerf. Am Sonntag, de» 28. März 1807. nachmittags S'/, Uhr, im Restaurant.Seepark". Markstr. 1—2: O3i,o4|c Vovsnntntlttttg fit« Frnuett und Miinner. TageS-Ordnuna: 1. Bortrag von Fräulein Ottilie Haader über:„Die Frau als Erzieherin der Jugend". 2. Diskussion. 3. BerschiedeneS.— Sntree 10 Ps. Um zahlreiches Erscheinen bittet 220/20 Die«inberuserin. Brauerei-Hilfsarbeiter! anr Sonntag, den 28. Httrz, nachmittags 2 Uhr, im„E nglisohon Garte n", Alexander-Strasse 27 c, Große öffentliche MMttiWfsarbrltkr-VkrsmmllW. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. Reserent wird m der Versammlung bekannt gemacht. 2. Dislussion. 3. Bericht deS GewerkschastS-Delegirlen und Neuwahl desselben. 4. Verschiedenes. 41/13 Es ist Pflicht eincS jeden Brauerei-Hilfsarbeiters, in dieser Versamm- lung pünktlich zn erscheine»._ Die Vergleichs Kommiiiion. Allitms! Im 8oaatatx. „Konserthaus s 12 Uhr, _______ Sanssouci'", Kottbnserstras: Große öffentliche Versammlung der Schloffer, Maschinenbauer u. Berufsgenossen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Reichstags-Abgeordneten An gast Hehel. 2. Dtslussion. 3. Wahl eines 2. Bertraucnsmannes der Schlosser für den Norden. 4. Die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Firma Förster As Runge. 6. Verschiedenes. 118/18 Pflicht aller Kollegen ist es, in der Versammlung zu sein. Ganz be« sonders sind die Arbeiter der Finna Förster äs Runge eingeladen. Faul«aast, Vertrauensmann der Schlosser Berlins, _ NO., Höchstestraße 4.__ SüST" Cöpenick. Sonntag, 28. d. Mts.. nachm. 2 Ilhr, in Gebr. Seheer's Wllhelmsgarten, Gr. öffentl. Versammlung aller tu der Textil-Judustrie beschäftigte« Arbeiter «nd Arbeiterinnen Cöpenicks n. Umgegend. Tages-Ordnung: I.Vortrag. Referent: Kollege Kotzkr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht jedes Arbeiters und jeder Arbeiterin, in dieser Versamm- lung zu erscheinen; hauptsächlich die der Firma W. Spindler. vor Finberafer, Für den Inhalt der Inserate «vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuug Th-eakev. Freitag, den 2ö, März. Opernhaus. Undine. Schauspielhaus. Die Jungfrau von Orleans. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Kinder der Bühne. Lessing. Der Veilchenfresser. Neues. Aiacre 117. Westen. RciftReiftingen. Residenz. Associss. Linden. Der Karneval in Rom. Thalia. Frau Liciltenant. Schiller. Maria Stuart. Zentral. Ein fidcler Abend. Bolks. Signor Piffarello. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Liane, die zweite Frau. Aleranderplali. Die Tanzfrieda. Ostend. Kurmärker und Picarde Chassepot und Ziindnadel. Nach bü Jahren oder: Kaiser Wilhelm der Große. America». Lmnpe-Gastspiel: Die Räuber auf Maria-Culm. | Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Apollo. Spezialitäten. Deile-Alliante-Theater Volks-Norstelluim unter Regie von.Lnlli,« Sonntag, den 28. März, nachm. 3 Uhr; Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Frcybnrg; der Herreu Heinrich Schulz und Wilhelm Rnff. Zum letzten Male: Die Ziulflsültil ddu Lrlms. Romanttschc Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Martha Frey. Agnes Sorel: Therese Frcybnrg. König: Richard JiirgaS. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Rufs. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind aus den kunstgewerblicheil Werk- stätten von P. Hildebrand. Eintrittskarten ä 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. Sckillvv-TheÄkev (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Sonnabend, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Thalia-Theater. (vormals Adolph Erust- Theater). Mir- Letzte Woche l"96 »Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirsche! Musik von G. Serpette und V. Roger. Anfang 71/2 Uhr. Morgen und folgende Tage: Frau Lieutenant. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Znm 50. Male: Ein fideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mannstädt. Musik von Julius Einödshofer. Anfang V-« Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein fideler Abend. Schluß der diesjährigen Poffen- Saison Sonntag, den 18. April er. Kiedrilh Wilhelmst. Thtater. Liane, die zweite Frau. Charaktergcmälde in 6 Aufzügen nach dem gleichitaniigcn M a r l i t t'schen Gartenlauben-Roman für die Bühne bearbeitet von H. R. M e r l s e. Anfang 8 Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Liaue, die zweite Frau. Sonntag, nachuiittags 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Liane, die zweite trau.— Abends 8 Uhr:»Der rompeter von Säkkingen." Montag zum ersten Male: Im Maler- Atelier. Charakterbild in 4 Akten von Gust. Heinr. Schneideck. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr au der Theater- lasse zu haben. Außerdem im Jn- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Ronieick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengenfeld, Markgrasenstr. bO. AlexMerM-Theattt. Kleine Preise. Heute und die folgenden Tage: Gastspiel des Frl. Stöcker-Goltz und des urkomischen Bend ix. Die Tanzfrida. Berliner Poffe niit Ge- sang und Tanz in 3 Akten(4 Bildem) von Heinrich Wilker. Musik v. Alb. Wicher.— Anfang 8 Uhr. Sämmtliche ausgegebenen Bons be- halten ihre Giltigkeit. Sormtag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen f reisen: Die siebe» Raben. Großes aubermärchen in 6 Akten v. Balten- Bäckers. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- kaffe zu haben. Vonnittags 11—1 Uhr und abends von'/z7 Uhr an._ Concordia Variete-Theater Itrunnenstr. 134. Täglich:<*ros«e Theater- und Spezi alltalten-VorBtellnng;. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Troupe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Nichter, Tyrolicnne. Neu Dong and little Adolfi, Tanzduettist eu. Neu! Ein geplagter Dichter. Posse. Anfang Wochentags 7t/z Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets habe» Giltigkeit._ Verantwortlicher Redakteur: llrania Tauben- Strasse Ur«Dlil, Ko. 48-4». Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorn:, ab. Eintritt 30 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Jnvalidenstr. 57/62 Lehrter Stadtbahn- Hof. Täglich von 7r/z Uhr abends ab SV Pf. Im Theater- Saale täglich 3 Uhr abendö Vorträge, mit Experi- inenten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesauschläge. Sterntvartez Passage- Panopticum. Mädchen ans Sarnoa. Castan's Panopticurn. Pygmäen ie kleinsten Die beiden indischen. die kleinsten Meuscheu der Welt! Dameu-Wcttschwimme». Ostend-T heater. Gr. Frankfurterstr.132. Dir. C. Weift. Zum besten armer Kinder im Bezirk der 80. Schul- Kommission. Prolog. Wilhelm der Große. Tongemälde von R. Eilenberg. Kurmärker und Pikarde. Chassepot u. Ziindnadel. Nach ööJahrcn. Sang an Aegir.— Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zu hoch hinaus. Abends 7� Uhr: Die Leibrente. Frl. Falke als Gast. Volks-Theater 31. Reichenberger- Strafte 31. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. 8ipor Piflarello. Posse mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen und S. Haber. Musik von G. Michaelis. Die neuen Kouplets und GcsangStexte von R. Brodck, komp. von R. Thiele. Äilfanr*?eod,et"nßg 8 Sonntag Uhr. Berliner Possen-Theater Münzstrassc 17. (Eingang Königsgrabcn.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskel. Baruch und Sohn. Der Lumpenball. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Kasseneräffnung 7 Uhr. Entree 3v Pf. sm- Avis! Sonnabend, 27. März er,: Benefiz für Max Aschinger und Siegbert Meissner. Zur Aufführung gelangt: ttoinnivk»eine und Im Theaterburea«. Welt- Restaurant Variete- und Spczialltllten- Theater. DreSdcnerstrafte 07. Berlin, wie'sbMtlllldkrcht! Bilder auS dem Volksleben v. E l y. Der letzte Fang. Operette von R n n a e- L a n d w e h r. Im vorderen Saal täglich: Tyroler-Konzert Alois Ebner. Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 0 Uhr. Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf Der Krieg auf Kreta Neuester Schlager von Siegwart tienthes in Raufmatm's Yaritte als Sultan der Türkei. Arc US reitag. Italmhof mirse. Nur noch kurze Zeit k-Mß de» 2«. März 1807. abends"'f. Uhr: Gräfte humoristische Borstellung. Nach Sibiriez». Außerdem: 100 Kloivns, inännl. und iveibl. Die amerikan. Freunde, höchst km». Episode. Mr. Daniels als Schnellphotograph. Mr. Goleman mit seinen dress. Hunden und Katzen. 4 arab. Schimmelhengste als Schaukel- pserde, dress. und vorgef. vom Dir. Busch. Alligator, ostpr. Hengst, dress. u ger. v. HerrnFoottit-Burghardt. Morgen: Nach Sibirien. Sonntag: 2 Varstelinngen. Nachmittags 4 Uhr: ngs- Kschcus. ISHl -- i"—«Iii Abends Uhr: Nach trien. Circus Renz Karlstrassc. (Jubiläums-Saison 1806/07.) Freitag, den 26. März 1807, abends 7V2 Uhr: Extra-Vorstellnng. Durchschlagender Erfolg. Ans der Mappe eines Rieseilgebirgs-Ptjililtasttil. Außerdem die hervorrag. Nummern des Repertoirs. Mazud u. Atharguel, arab. Hengste in Freiheit dressirt und vorgef. von Herrn Hugo Herzog. Eine Schul- quadrille, gerittten von 8 Herren. Sonnabend, den 27. März 1897: Wiederholung der Extra-Vorstellnng. Ans der Mappe eines Riesen- gebirgs- Phantasten. Feen-Palast, Burg- strafte 22. Direktion Winkler& FrObel. Georgette Dnval mit ihrer Damen Schön hetts-Gallerie. Die allbeliebtc» Duettisten ZW- Hülm«. W aide. Inda» Jagd-Abenteuer. Neue Bilder der sensationellen Eebenden Photographien. Anfang 7V, Uhr. Sonntags 6V, Uhr Entree 30 Pf. bis 1 Mark 50 Pf. Aicazar Variete-Theater I. Ranges. Dresdeuerstr. 52/53(Citu-Paffage) Anuenstrafte 12/13. Wich: Großes goniftt und Eitra-Yorstellung. Nur Kunfilererfien Ranges. Achtung! Freitag, de» 26. März 1807: Grosse Benefiz-Vorstellung für den Kapellmeister Martin Stein. Billets 4 30 u. 50 Pf. sind schon jetzt zu haben. Nach der Vorstellung: Ean»ilien- Tanzkrünzchen. Eintrittspreise und Anfang der Vor- 'tcllung wie bekannt. Die Direktion. Yllltoria-Rrauerel Eiitzoiv- Strasse 111,112. JW Heute"Mg sowie jeden Freitag u. Montag: Stettiner Sänger (Mehsel.Pietro. Britto». Steidl. Krone, Röhl und Schräder). Steidl mit seiner neuesten Sensatiousnummer Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(siehe Plakate). Apollo-Vlieater. Täglich Auftreten der s Sintere Lorrison Bibb u. Bobb* The Kezias. Brothers Hugosset. Mr. Wodson* Little Bobby ) etc. et Rinetograph| mit dem Sensal etc. lebende Photographien ensationsbilde: Endlich allein! Kasseneröffnung SV, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Maimarken Maikarten (Eintrittskarten) in bekannter geschmackvoller AuS- fiihrung wie bisher liefert 13448* Conrad Müller, Schkeuditz-Leipzig. Muster und Preislisten gratis. Verwaltmig der Koelianstalt Städt. SeUaclitliof Täglich(SonntagS vorm. von 7 bis 9 Uhr) Berkanf von:* Gekochtem Rindfieisch i 30 und 35 Pf. per Pfund. Gek. Schmeinefieisch ö. 40 Pf per Pfund.* Achtung! Achtung! Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. wöchentl. 1 M, wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreinigen, Nervtödten bei Bestellung umsonst. ßllstlkat Lausitzerplatz 2, Elsasser- U UtRei, ffr. 12, Steglitzerstr. 71 1. Die Stroh- und Filzhut-Fabrik v. V.A.?oscIl>c» empfiehlt ein gr. Lager v. Stroh- hüten für Damen, Herren u. Kinder, garnirt und un- garnirt zu an- erkannt billigen Preisen; auch Trauerhüte in grüßt. Auswahl. I. Geschäft: Liitzowstraße 30, Magdeburgerplatz. Femsprecher Amt 9 Nr. 6341.. II. Geschäft: Lützowstr. 39, 2. Haus von der Genthinerstraße. Fernsprecher- Amt 6 Nr. 815. Im zweiten Laden Lützowstraße 39: Wäsche und Woll- waaren, Leinen- u. Bauniwollwaaren, Betlsedern u. Betten. Gegründet 1891. am 8 ophastoffe auch DM- VO�le'�a in Rips, Damast. Crepe. Phantasie. Gobelin nnd Plüsch spottbillig! ' Proben franko! äiiftrlilt'VSSi'g" EmilLefevre,~ z. Kur garant. rein aus frischen Früchten n. Vorschr. d. Reichs- Ges.-Ämtes k Fl. I, 2 u. 3 M. exkl. tägl. frische Fülluna, ärztl. empf. gegen Gicht, Rheuma, Gallen- u. Blasensteine, wirkt wohlth. auf Magen u. Darm n. dürste in keiner Familie fehlen. UM- Verl. Sie ausdrücklich Tfültistzli's Citronensaft mit Plombenverschl. II. T. in folg. Niederlagen: Drogerie, Hackescher Markt 2, Chausice- straßc 60, Badstraßc 23, Schön- hauser Allee 177 o, Gr. Frank- furterstr. 59, Alt-Moabit 122 und Thurmstr. 77, sowie bei Herrn C. Ritzmann, Kottbuscr- straße 19, E. Petzold, Ncander- st raste Nr. 33, H. Fiddickc, Lindcnsiraße 104, R. OUhrs, Zossenerstr.20,>V. Tschepel. @tciniitc(11099 Xibrecht's Salon, Mcmelersrr. 67. 99328» Vergebe meinen Saal auch Sonn- tags an Vereine und Gesellschaften Sonnabende noch frei. Restanratenre erhalten die neuesten Musikautomaten billig bei Aug. Kessler. 10966 Lansitzerstrafte Nr. 52. Platin Linke Chausseestr. 49/50 zahlt heute, ebenso wie früher, die hoch sten Preise. s11l7b Wer Stoff Hot. fertige Anzug, feinste Futtersachen, für 20 M. Hcymann. Chausseestr. 26. Fürsten- 1121b Schlaistelle zu vermiethcn straße 15, v. 2 Tr. Micklitz. ülrbeitsiillil'kt. Schlosserlehrliug verlaugt Wasser- thorstr. 30.___ Goldleisten. Tüchtige Grnndirer finden bei hohem Verdienst dauernde Beschäftigung Köpnickerstr. 109 a. 11220 aiitfliif« Iacvbey in Berlin. Für den Juseratentheil veranltvortlich: Tb.«vlorke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.