00000 Frethel Panjaže a Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 73-1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 13. September 1933 Chefredakteur: M. Braun Und wo immer müde Fechter Sinken im mutigen Strauß, Es kommen frische Geschlechter Und fechten es ehrlich aus. Eichendorff. Volkscrhebung gegen Völkerbund? Der Plan ciner umfassenden nationalsozialistischen Aktion an der Saar Aus Berlin wird heute gemeldet, daß der frühere preußische Minister Dr. Hirtsiefer in Schuhhaft genommen worden ist. Grund: Er hatte einen Zusammenstoß mit einem SA.- Mann. Das war sehr unvorsichtig. SA. und SS. find die Vorgesetzten des gesamten deutschen Zivilvolts, und jeder hat sich ihren Befehlen zu fügen. Ein schwarzer Marrist", auch wenn er einmal ein mächtiger Minister war, soll ohne hin froh sein, wenn er noch nicht im Konzentrationslager figt. Die früheren deutschen Zentrumsanhänger, der ganze polis tische Katholizismus, wenn es so etwas noch geben sollte, werden auch die neueste Ohrfeige mit Demut hinnehmen, Zentrum und chriftliche Gewerkschaften an der Saar nicht ansgenommen. in Der Landesverband der Windthorsbünde Danzig hat soeben seine Selbstauflösung beschlossen. So brechen auch dort die Bastionen des Zentrums zusammen, wo noch kein unmittelbarer Zwang vorliegt. Gleichzeitig hat fich„ Die Katholische Jugend", eine katholische Jugendorganisation, vom Zentrum durch eine öffentliche Erklärung Iosgesagt. Im Saargebiet wissen Zentrum und christliche Ge= werkschaften erst recht nicht mehr, was sie wollen. Die Zahl und der Einfluß derjenigen wachsen, die der Selbstvernich tung das Wort reben. So groß ist die Angst vor 1935. Offens fichtlich glaubt so mancher, sich seine Existenz, fein wadeliges Führerpöstchen in dieser und jener Organisation retten zu tönnen, wenn er fh rechtzeitig gleichschaltet. Wir scheinen in einer Zeit zu leben, die es vielen Leuten unmöglich macht, aus den Vorgängen rings um sich zu lernen. Es ist wirklich doch so, daß nicht wenige Zentrumsleute an der Saar den Versicherungen der Nationalsozialisten, von denen sie jetzt aus durchsichtigen Gründen noch umworben werden, ver= tranen. Daß sie bei einem Siege des politischen Barbarismus an der Saar nur dagegen geht der Kampf, nicht gegen Deutschland trotz aller Unterwürfigkeit hinausgeworfen würden, daran wollen diese Zentrumslente nicht glauben. Dabei zeigt sich immer mehr, daß die nationalsozialistische Führung dem Jahre 1935 durchaus nicht mit der Sieges ficherheit entgegensteht, die sie öffentlich schauspielert. Schon Herr von Papen, der außenpolitische commis voyageur des Reichskanzlers, hat sich seit Monaten alle Mühe gegeben, einen Weg zur Verhinderung der Abstimmung zu finden, und er setzt diese Bemühungen fort. Bei den Nationalsozialisten selbst werden SA.- Garnison Straßburg Hitler ,, beruhigt" die Franzosen Paris, 12. September.„ Echo de Paris" meldet: Sonntag morgen erlebte Rehl eine bezeichnende Kundgebung, deren Charakter zu unterstreichen wichtig genug ist. Auf dem nationalsozialistischen Kongreß in Nürnberg hat Adolf Hitler jeder neuen nationalsozialistischen Formation eine Fahne übergeben. So erhielt auch der 3. Sturm der 169. Standarte von Hitler seine Fahne. Die betreffende Abteilung liegt in Rehl, wo sie sich bereits mehrere Kundgebungen erlaubt hat. Sie war in Nürnberg durch 40 Mann vertreten, die erst Sonntag um 11 Uhr zurückgekehrt sind. Die Bevölkerung drängte sich auf dem Bahnhofsplatz, um die Hitlerleute zu empfangen und die neue Fahne zu begrüßen. Die Musik der 169. Standarte und ihr Kommandant Offer= mann, der im Zivilberuf Zolloberinspektor ist, waren ebenfalls da. Die Standarte, durch einen Militärmarsch begrüßt, wurde der Menge in feierlicher Weise vorgeführt. Fürwahr, eine sonderbare Standarte! Sie trägt statt des Namens Kehl unter dem Adler und dem Hakenkreuz ganz einfach das Wort Straßburg. Unter dem Namen unserer Stadt ist die Hitlerdevise eingestickt: Deutschland erwache"! Die Standarte, die den Namen Straßburg trägt, wurde unter Musikbegleitung durch die Straßen getragen und die Einwohner Kehls hatten die Häuser beflaggt. Die nationalsozialistische Herausforderung ist unverkennbar. Sie beweist klar, daß der dritte Sturm der 169. Stanbarte Straßburg und nicht Kehl zur Garnisonsstadt hat.Pläne gesponnen, an der Saar vollzogene Damit wir uns finden Tatsachen zu schaffen. Es liegt, wenn man die Hintergründe weiß, durchaus System in den Bemühungen, die Saarbevölkerung in eine An meine deutschen Arbeitsbrüder an Haß grenzende Ablehnung der Regierungskommission, dieser dem Völkerbund verantwortlichen Treuhänderin, hineinzuhezen. Man will Explosionen, allerdings streng legaler" Natur! Die Pläne entsprechen der politischen Verfassung der Nationalsozialisten. So erwägt seit einiger Zeit die nationals sozialistische Parteiführung mit Hilfe ihr höriger einflußreicher Zentrumsleute, das saarländische Mitglied der Regies rungskommission, Herrn Koßmann, zum Rücktritt zu bewegen. Man rechnet damit, daß sich ein Nachfolger für Roßmann nicht finden würde. Die politische Verwirrung General: soll durch die Erklärung des streits der gesamten Bevölkerung ges steigert werden. Man nimmt an, daß der allgemeine Terror das Wirtschaftsleben an der Saar nahezu zum Erliegen bringen würde. Die Aktion werde lange vor der Ab= stimmung der ganzen Weltben, einmütigen" Willen der Bevölkerung fund tun und, wie man glaubt, gewaltigen Eindruck in der Welt machen. Es ist dies nur einer der Pläne, die zur Zeit gefponnen werden. Es gibt auch welche, die dem vernünftigen Politiker noch verwegener erscheinen. Wir heben hervor, daß es sich hier nicht um Erwägungen von wilden Außenseitern handelt, sondern um Ueberlegungen zwischen„ Volksführern", die Ans spruch darauf erheben, ernst genommen zu werden. Die Richtigkeit unserer Veröffentlichung wird dementiert werden, wie die Annexionsrede des preußischen Staatsrates Simon am Niederwald bestritten worden ist. Die von uns ans Licht gezogenen Pläne find aber genau so echt, wie die verrückte Ansprache am Niederwald. Für die Geistesvers faffung dieser Leute find nicht wir verantwortlich, sondern diejenigen, die sich von ihnen führen lassen. An der Saar ist dauernde Wachsamkeit geboten, wenn nicht Unheil für Deutschland angerichtet werden soll, und zwar gerade von denen, die dem deutschen Volke zu dienen vor: geben. Ein deutscher Arbeiter schreibt uns mitten aus der Hölle des deutschen Faschismus einen Brief an Sozialdemokraten und Kommunisten. Wir drucken die Zuschrift ohne jede sachliche oder stilistische Aenderung ab. Jeder, auch wenn er diese oder jene Wendung ablehnt, wird den tiefen Ernst dieses Sammlungsrufes spüren. Schwer, furchtbar schwer lastet die Gegenwart auf Millionen blutender Arbeiterherzen. Ein unerträglicher Zus stand ist allein schon die Tatsache, daß dem sozialistischen Arbeiter fast jede Möglichkeit genommen ist, Agitation und Propaganda, die ihm sozusagen schon Lebensbedürfnis geworden sind, zu treiben. Dazu die unerhörten Qualen leiblicher und seelischer Folterungen. Wie ein gigantischer, von teuflischen Mächten geschleuderter Fels. block liegt es auf der deutschen Arbeiterschaft. Daß dieser Zustand nicht mehr lange zu ertragen ist, fühlt jeder klassenbewußte Arbeiter. Irgendwie, irgendwann muß der aufgespeicherte Haß sich Luft machen, gleich einer riesenhaften Mine von Dynamit. Wer ist da, der diese Mine, diese kolossale Menge von Energie sorgsam hütet, damit sie nicht zur Unzeit auffliege und die eigenen Genossen unter ihren Trümmern begräbt? Wer ist da, der den Kontakt in Händen hält, weit. schauend, im geeigneten Moment und mit seelischer Größe die springen läßt? Wir schauen weit umher, wir sehen noch kein Zeichen. Und doch, und doch muß irgendwo in diesem Herenkessel von Blut und Wahnsinn, Qual und Schmerz, die Seele des Rommenden, die Seele und der Impuls der heißersehnten Wiedergeburt der deutschen Arbeiterklasse wohnen. Jsts der Betrieb, sind es die Mauern des Kerkers oder der Stacheldraht des Konzentrationslagers, die ihn noch festhalten, den neuen Geist des neuen Geschehens? Lasset ihn frei, ihr Mauern! Gebt ihn heraus, den deutschen Lenin. Wir aber, die von der braunen Faust noch nicht zum Schafott Geschleppten, wir haben die Pflicht, den Boden vorzubereiten für die neue Saat. Nichts und niemand darf uns hindern, nachzuschürfen und die Fehler aufzudecken. denen wir es zu verdanken haben, daß wir heute beinahe zu Heloten geworden sind. Ob Kommunist oder Sozialdemokrat. Wir sind Fleisch von einem Fleische und Blut von einem Blute. Wir haben eine Die spanische Kabinettsbildung Seele:„ Karl Marg". Eine Ministerliste Schändlich und niederträchtig und unverantwortlich wäre es, im alten Geist des Auseinanderstrebens weiter Madrid, 12. Sept.( Havas.) Heute nacht wurde folgende zu verharren, sich stüßend auf Vorurteile aus einer häß Ministerliste als wahrscheinlich ausgegeben: 5 Radikale: Perroux als Ministerpräsident und Kriegsminister, Martinez Barrios als Innenminister, Kriegsminister, Martinez Barrios als Innenminister, Guerra del Rio als Arbeitsminister oder als Minister für öffentliche Arbeiten, Santer und Lara, die noch für tein Portefeuille bestimmt sind; 2 radikale Sozialisten: Feged als Landwirtschaftsminister und Domingo Barnes als Unterrichtsminister; 1. Mitglied der katalanischen Linken: Companys als Justizminister; 1 Vertreter der gallizischen Republikaner: de Mada riaga, bisher Botschafter in Paris, der das Außenministerium übernehmen soll; 1 Vertreter der früheren Partei Im Dienste der Republik": Rico Abello( für ein bestimmtes Portefeuille noch nicht vorgesehen); 1 Vertreter der linksstehenden Unabhängigen: Botella Asensi Das Verkehrsministerium soll dem Ministerium für Industrie und Handel abgetrennt und einem Föderalisten übertragen werden. Als neuer Botschafter in Paris wird der Unabhängige Alba genannt. ** Montag abend zogen einige hundert Mitglieder jung sozialistischer Verbände durch die Straßen von Madrid. Sie demonstrierten gegen den mit der Bildung des Kabinetts beauftragten radikalen Führer Lerraux. Die Polizei trieb die Manifestanten auseinander; mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. lichen Zeit. Wer sich zu schwach und zu alt fühlt, um noch einmal von vorne anzufangen, der mag zurückbleiben. Wer seinen ererbten 3ank- und Stänkergeist nicht abzustreifen imstande ist, soll sich hinter den Maßkrug sezen und weiter stänkern. An ihm hat die neue Zeit nichts verloren. Wir neuen, geläuterten Menschen müssen neue Wege gehen. Die alten Pfade sind ungangbar geworden. Wer aus den alten Lagern mit uns gehen kann und will, der soll uns im neuen Kleid willkommen sein. Unser Weg kann nur ein Ziel haben: den reinen Arbeiterstaat. Ohne Mischkulanz, ohne getarntes und verkapptes Bürgertum. Die erste unumgängliche Etappe ist die 3 usammenführung der Sozialisten beider Richtungen. Ohnedem ist jede Einzelhandlung mehr oder weniger wertlos. Dies ist wohl die schwierigste Aufgabe, aber auch die unerläßlichste. Die Arbeiterschaft darf sich dabei nicht daran stoßen, wenn es einzelnen Führern von der älteren Garnitur nicht möglich ist, mitzutun. Diese müssen abtreten im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung. Die deutschen Arbeiter in den Betrieben müssen jetzt schon, soweit sie es noch nicht getan waren, damit beginnen, Fühlung zu nehmen von einem zum andern, vom Sozialdemokraten zum Rommunisten und umgekehrt. Denn nur aus ihnen heraus kann, wenn überhaupt, die neue Bewegung entstehen. Unter den Arbeitern werden sich die früheren Gegenfsätze verhältnismäßig leicht und ohne große Reibungen ausgleichen lassen. Jedenfalls viel leichter, als wenn prinzipiell einseitig eingestellte und auf das„ Alte" eingeschworene„ Führer" mit robuster Hand eingreifen. Daß es der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft beider Richtungen gelingen wird, ihr gemeinsames Haus neu und herrlich einzurichten, ist in Anbetracht der gemachten Ere fahrungen wohl ohne Zweifel; denn käme es anders, dann müßte man ihr jedes Recht auf bessere Zeiten absprechen und ihnen ihr momentanes Schicksal als angemessen gönnen. Es ist auch mit Sicherheit anzunehmen, daß sich eine Einheitsfront wie in den Betrieben, so auch in den Ge fängnissen und Konzentrationslagern zwischen den kommunistischen und sozialdemokratischen Leidensgenossen herausbilden wird. Denn gerade diese, vom Schicksal so schwer Getroffenen werden ja mit aller Deutlichkeit eingesehen haben, daß es auf die alte Weise nicht weiter gehen kann. Leider sind uns grade diese unsere besten Rameraden entrissen und können uns momentan nicht Führer sein. Aber es wird die Zeit kommen, und sie muß kommen, da auch sie wieder, soweit fie seelisch nicht vollkommen gebrochen sind, mit festem Tritt in unseren Reihen, besser noch vor unseren Reihen, den Reihen des geschlossenen Proletariats, marschieren werden. Möge diese Zeit nicht mehr fern sein. Um sie so schnell als möglich herbeizuführen, ist es um so mehr unsere Pflicht, rasch und fest die Reihen zu schließen. Den Emigranten fällt in dieser Hinsicht eine be deutende Rolle zu. Ob Kommunist oder Sozialdemokrat! Jeder, dem es gelang, den Händen des Henkers zu entrinnen, muß, sei es, wo es sei, nur eine Pflicht kennen: Versöhnung, Zusammenführung des zerrissenen Proletariats. Jeder, der heute noch auf feinen proletarischen Bruder schimpft, ihn be. jubelt, ist ein Verbrecher, viel schlimmer als selbst der schlimmste SA. Mann. Er hätte den Strick verdient, dem er entronnen ist. Biel Gutes, unendlich viel Gutes könnte auch daraus entspringen, daß sich die zwei internationalen proletarischen Vereinigungen, die 2. und 3. Internationale, Mühe gäben, einander näherzukommen. Der Faschismus, deutscher wie italienischer und die anderen alle, verbinden sich, unterstützen sich gegenseitig, obwohl sie jeder für sich national bis auf die Knochen sind. Einzig der internationalen Arbeiterbewegung bleibt es vorbehalten, fich international zu nennen, aber alles andere als international zu sein. Soll die Vereinigung, zumindest aber die Verbrüberung dieser zwei gewaltigen Machtpositionen des Proletariats ewig nur frommer Wunsch bleiben? Mit welchem Elan und mit welchem Er. folg müßte die Arbeiterschaft der ganzen Welt, besonders aber die deutsche auftreten und wirken können, wenn dieser Wunsch von Millionen Arbeiterherzen verwirklicht mürbe! Gibt es heute, im Zeichen des Faschismus, überhaupt noch ein Argument, das gegen eine Verbindung von Amsterdam und Moskau vorgebracht werden könnte? Jene, die dies immer noch glauben, sollten sich ben Zylinderhut aufsehen und im Cutaway nach Canossa pilgern, damit recht viele Menschen sie als„ Unikümer" betrachten könnten. Sie sollten aber keinesfalls weiter hin Arbeiterpolitik machen dürfen. Die deutschen Arbeiter werden sich, das ist heute schon gewiß, in Zukunft für die Ehre, von solchen Politikern betreut" zu werden, höf lichst bedanken. In dieser Hinsicht muß auch die Presse der deutschen Emigration betrachtet werden. Es gibt immer noch Exemplare, die es sich nicht versagen können, hie und da wie ein bockiger Esel nach der bzw. jener Seite auszuschlagen. Die faschistische Preise unterläßt es, irgendeinen Raub genossen ihres Blutes, und mag er in Kamerun siten, auch nur mit einem Worte verächtlich zu machen. Es wäre sehr notwendig, daß dieses Beispiel von Soli darität auch von der deutschen Presse, die im Ausland er scheint, gehandhabt würde. Sozialdemokraten! Kommunisten! Ich bin gleich Euch Betriebsarbeiter. Gleich Euch schaue ich durch Zornes. 60 000 Uniformierte marschieren in Wien Bundeskanzler Dollfus will den Faschismus auf eigene Art durchführen Am Montag fand in Wien eine große vaterländische Kundgebung statt. 60 000 Uniformierte der verschiedenen hinter der Bundesregierung stehenden Organisationen marschierten vor dem Bundeskanzler vorüber. In einer Ansprache wandte sich der Bundeskanzler Dr. Dollfuß gegen den Parlamentarismus, der niemals wiederkehren werde. Mit be= tonter Schärfe sprach Dollfuß gegen die marxistischmaterialistische Volksverführung" und gegen bie liberal tapitalistische Gesellschaftsord= nung". Das sind Schlagworte aus dem nationalsozialisti schen Agitationsschatz. Programmatisch erklärte Dollfuß: " Wir lehnen Gleichschalterei und Terror ab. Wir wollen einen sozialen, christlich deutschen Staat Desterreich aufständischer Grundlage, unter starter autoritärer Führung dieses Staates. Autorität heißt nicht Willtür, sondern geord: nete Macht, heißt Führung verantwortlicher, selbstloser, zn Opfern bereiter Männer. Ständischer Neuaufbau ist eine Aufgabe, die uns in diesen Wochen und Monaten gestellt ist. Wir denken dabei an ganz konkrete Aufgaben. Die sozialen Lasten der Betriebe müssen auf alle Schichten ver: teilt werden, da es nicht geht, daß sie nur von denen ge= tragen werden, die die Arbeiter beschäftigen. Durch einen Appell an die großen und fleinen Betriebe fann vielleicht ein Drittel der Arbeitslosen wieder in reelle Arbeit kom men. Dem Arbeiter wird kein Recht genommen, sondern ihm werden alle Rechte gegeben werden.... Manche vers stehen nicht, warum wir auf den Kampf, der uns über die Grenze hereingetragen wurde, nicht schärfer reagieren. Ich fann aber versichern, daß wir uns immer dessen bewußt sind, daß wir Deutsche sind. Wir befinden uns nur in der Abwehr und haben niemals angegriffen. Wir haben die Bereitschaft für eine 3nsams menarbeit immer betont." Alles in allem: Dollfuß will seinen eigenen klerikalen Faschismus in Desterreich durchführen. Klerikale und natio nalistische Massenvernebelung sollen zusammengehen, und die Führung soll bei den Christlich- Sozialen und den Heimwehren liegen. Die Nationalsozialisten sind herrlich eingeladen, mitzumachen. Nur die Alleinherrschaft sollen sie nicht bekommen. Darum aber ist es den Nationalsozialisten gerade zu tun, und sie können von diesem Siele nicht laffen, wenn sie sich in Desterreich nicht selbst aufgeben und ihre Politie des totalen faschistischen Staates auch in Deutschland kompromittieren wollen. Deshalb bedeutet die Rede des Bundeskanzlers keine Entspannung. Der Machtkampf um Desterreich wird ausgetragen werden müssen und dabei werden auch die Sozialdemokraten noch ein gewichtiges Wort mitzureden haben, für deren For derung auf Einberufung des Parlaments sich nicht weniger als 1200 000 Männer und Frauen öffentlich unter Namensunterschrift sich bekannt haben. Das Betteln nimmt zu " und Göring und Ley und die anderen Machthaber von der Ausrottung" des Marrismus reden. Milchverbrauch im Reiche Statistik der sinkenden Kaufkraft Ein Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten Seit einiger Zeit sind uns aus verschiedenen Teilen des Reichs, vor allem aus Mitteldeutschland, Berichte über die Sunahme des Bettelns zugegangen. Briefe aus dem sächſiſchen und dem thüringiſchen Induſtriegebiet berichten uns, daß Frauen und Kinder in den Häusern um Brot betteln. Das sei seit langem nicht mehr vorgekommen. Brotsuppen und Haferflocken ohne Milch sei für viele ein Hauptnahrungsmittel. Diese Berichte werden indirekt durch einen Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten bestätigt: Erfahrungsgemäß wird das Publikum häufig von bettelnden Personen getäuscht, da die Nachprüfung der Klagen u. dgl. m. dem Publikum unmöglich ist. Das Publikum ist daher wiederholt in geeigneter Weise darauf hinzuweisen, daß die Unterstützung von einzelnen Straßenbettlern nicht angebracht ist, sondern daß es sich statt dessen empfiehlt, die Beträge und Gaben, die bisher Bettlern verabreicht wurden, den anerkannten Einrichtungen der öffentlichen oder privaten Wohlfahrtspflege zu überweisen. Gleichzeitig wird ersucht, den Runderlaß über Bekämpfung des öffentlichen Bettelns vom 1. Juni 1933 mit aller Strenge durchzuführen. Wenn dieser Erlaß wirklich mit aller Strenge" burchgeführt wird, so sind ein Teil der jetzt Bettelnden dem Hungertod ausgeliefert. Es handelt sich oft um Leute, die wegen politischer Mißliebigkeit der Familienväter von jeder Unterstützung ausgeschlossen werden oder doch nur die allerniedrigsten Säße erhalten. Diese Leute aber werden auch aus den Ergebnissen privater Sammlungsorganisationen. nichts bekommen. Die nationalsozialistische Nache gilt ja nicht nur den marxistischen Arbeitern, sondern nicht minder deren Frauen und Kindern. So ist es gemeint, wenn Hitler tränen auf unsere einſt ſo ſtolze, jetzt zusammengebrochene Konkordat ratifiziert Bewegung. Gleich Euch ist mir das Herz vor Wut ge schwellt bis zum Bersten. Gleich Euch erwarte ich den Augenblick, da wir uns rächen. Suchen wir uns, damit wir uns finden! Natürlich! Kurt Dietram. Verkleidete Marxisten belästigen die Ausländer Der Stellvertreter des Führers", Rudolf Seß, gibt bekannt: Wie festgestellt wurde, haben verschiebentlich kommunistische und marristische Spigel versucht, Nationalsozialisten, inde besondere SA.- und SS.- Männer, zu Gewalttätig keiten gegenüber in Deutschland weilenden An 8= ländern zu veranlassen, um dadurch außenpolitische Schwierigkeiten hervorzurufen. Ich warne nachdrücklichst vor dieser Spigeltätigkeit. Jeber Nationalsozialist, welcher in irgendeiner Form der Arbeit der Provokateure Vors schub leistet, sei es auch nur durch Belästigung von als Gäfte in Deutschland weilenden Ausländern, hat schwerste Strafen einschließlich Ausschluß aus der Partei au ges wärtigen. Kommunisten und Marristen sind wohl auch in die Redak tion der„ Saar- Front", des Nazi- Blattes, eingedrungen und haben dort Auffäße in diesem Stil veröffentlicht: „ Frankreich hetzt auch weiter; mit haßbibbernden Lippen und blinder Wut, eine hysterische Megäre..." Kommunisten und Marxisten haben vermutlich auch den Judenboykott organisiert. Nein, aus der ganzen beschränkten, haßerfüllten und rohen Atmosphäre der Hitlerleute erwachsen die Verfolgungen von Ausländern in Deutschland. Hitler persönlich und Göbbels, Aber sofort neue Verhandlungen! Der Geschäftsträger der Deutschen Botschaft beim Sl. Stuhl hat sich in Vertretung des z. 3. in Urlaub befindlichen Deutschen Botschafters am Sonntagnachmittag zu Kardinalstaatssekretär Pacelli in den Vatikan begeben. Dort fand in der üblichen feierlichen Form der Austausch der Ratifikationsurkunden des zwischen dem Deutschen Reich und dem Hl. Stuhl abgeschlossenen Konkordates statt. Damit ist das am 20. Juli d. J. unterzeichnete Konkordat gemäß seinem Artikel 34 in Straft getreten. Hierüber wird amtlich mitgeteilt: " Das am 20. Juli unterzeichnete Konkordat zwischen dem Hl. Stuhl und dem Deutschen Reich ist am 10. September im Vatikan ratifiziert worden. Vor der Ratifikation hat der Reichsregierung auf eine Reihe von Punkten hingewiesen, Hl. Stuhl in mündlicher und schriftlicher Darlegung die die sich auf die Auslegung des Konkordates und seine vorläufige Handhabung beziehen. Sie betreffen vor allem den Bestand, die Betätigung und den Schuß der katholischen Organisationen sowie die Freiheit der deutschen Katholiken, auch in der katholischen Presse die Grundsäße der katholischen Glaubens- und Sittenlehre au verkünden und zu erläutern. Die Reichsregierung hat sich dem Hl. Stuhl gegenüber bereit erklärt, über die angeführten Materien baldigst zu ver handeln, um zu einem dem Wortlaut und dem Geiste des Konkordates entsprechenden gegenseitigen Einvernehmen zu gelangen." In sehr vorsichtigem Amtsstil wird hier angedeutet, daß der Vatikan Grund hat, mit der Auslegung gewisser Konkordatsbestimmungen in Hitler- Deutschland höchst un aufrieden zu sein. Er lernt auf diese Weise praktisch kennen, daß der Faschismus internationale Verträge gering schätzt, wenn sie nicht in sein System passen in Italien wie in Deutschland. die jahrelang gegen alle fremden Völker hezten, find für die Einstein in London Roheiten ihrer Anhänger verantwortlich. Hitlers Mein Kampf" predigt auf vielen Seiten die Vernichtung der Franzosen und Gö els hat sie im„ Angriff" immer wieder als die„ Affen Europa 3" bezeichnet. Die Doppelzüngigkeit der regierenden Männer zeigt sich auch wieder in dem Erlasse des Pg. Heß. Einen Tag werden die Berichte über Ausschreitungen gegen Ausländer als verlogene„ Greuelberichte" abgetan, und am anderen sieht man sich gezwungen, die„ Greuel" wohl zuzugeben, aber Kommunisten und Margisten dafür verantwortlich au machen. Die Belästigung von Ausländern muß schon weit um sich gegriffen haben, wenn die Führung der Nazis öffentlich warnt. Professor Einstein hat durch eine Presseerklärung bekannt gegeben, daß er nach England gereist ist, weil er in Belgien beständig von der Polizei bewacht wurde. Auf der einen Seite wollte er die belgische Polizei von einer schweren Verantwortung befreien, andererseits wollte er selbst die notwendige Ruhe für seine Arbeiten finden. Er hofft für einen Monat seine mathematischen Untersuchungen in England fortseßen zu können. Seinen Aufenthaltsort gibt er nicht bekannt. Später will er sich nach den Vereinigten Staaten begeben, wo er eine Vortragsreise zu unternehmen beabsichtigt. Bewaffnete Posten überwachen die Wohnung Professor Einsteins. Das Gerücht verstummt nicht, daß die Nationalsozialisten ihm nach dem Leben trachten. Staatliche Schußmaßnahmen bewirken im Reiche die Steigerung der Milcherzeugung. Namentlich fördert die Beschränkung der Erzeugung und künstliche Verteuerung von Margarine die verstärkte Buttererzeugung. Um so deutlicher enthüllt die Statistit, daß diese Produktionssteigerung in krassen Widerspruch zu einer weiter sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung steht. Darüber wird im amtlichen Organ Wirtschaft und Statistit"( Nr. 16) wie folgt berichtet: im Der Absatz von Frischmilch erreichte mit einem Anteil von 20,3 v. H. an der gesamten Milchanlieferung gegenüber 23,1 v. H. im Juni 1932 einen bisher noch nicht verzeichneten Tiefstand... Die im Vergleich zwischen Juni 1933 und Juni 1932 beobachteten Tendenzen kommen auch deutlich bei der Gegenüberstellung der Ergebnisse des 1. Halbjahres 1933 mit 1. Halbjahr 1982 zum Ausdruck. Die Steigerung der Milchanlieferung um 6,7 v. H. dürfte vor allem auf die bisher wohl noch unvermindert hohe Verfütterung von Delfuchen zurückzuführen sein. Dem gegenüber deutet der um 9,6 v. 5. zurückgegangene Absaß von Frischmilch auf die immer noch geringe Kauftraft der Bevölkerung hin. Das her mußten weit größere Mengen der angelieferten Milch als Werkmilch( Butter und Käse) verarbeitet werden. Die amtliche Ausdrucksweise ist nicht ganz genau: Der bloß auf die immer noch geringe", sondern auf die noch Rückgang des Milchverbrauches um 9,6 v. H. deutet nicht bedeutend geringer gewordene Kaufkraft der Bevölkerung hin. Die französischen Sozialisten Paris, 12. Sept. Der sozialistische Bezirksverband des De partements Gironde hat sich mit den sozialistischen Abgeordneten, die kürzlich in Angoulemes eine Rundgebung gegen die Doktrin der herrschenden sozialistischen Richtung unter Führung von Blum abgehalten hat, solidarisch erklärt und den Beschluß des Ständigen Verwaltungsausschusses der Sozialistischen Partei, die Teilnehmer an dieser Kundgebung vor den Nationalrat zu zitieren, als geeignet bezeichnet, die endgültige Spaltung innerhalb der Partei zu be schleunigen. Großer Mühlenbrand 15 000 Zentner Getreide vernichtet Baugen, 12. Sept. Bei einem Großfeuer in den Franken steinschen Mühlenwerken wurden sämtliche Mühlengebäude eingeäschert. Das Vieh( Pferde, Rinder und Schweine) konnte gerettet werden, desgleichen das gesamte nichtversicherte Mobiliar aus dem Wohngebäude. Der Maschinen- und Ges bäudeschaden, der durch Versicherung gedeckt ist, beläuft sich auf über 200 000 Reichsmark. Der Schaden an verbranntem und verdorbenem, nur zum Teil versicherten Getreide und Mehl, insgesamt ungefähr 15 000 Zentner, beträgt über 100 000 Reichsmark. Gegen 4 Uhr morgens erst war der Brand lo kalisiert. An dem Rettungswert hatten außer der Feuerwehr auch SA. und SS. hervorragenden Anteil. Das Neueste Unter der Beschuldigung, den verbotenen Rotfronts Kämpferbund in Dortmund wieder neu aufges zogen zu haben, wurden 30 Personen verhaftet. Bei einer Polizeiattion in Mainz gegen die verbotene Kommunistische Partei wurden 79 Personen fests genommen, Das Eicherheitsministerinm hat den deutschen Funkhörerbund aufgelöst und sein Vermögen bes schlagnahmt. Bei einem Wirbelsturm in der Gegend von Corbiere tamen vier Personen ums Leben. Hebräische Nazi- Inserate Der Wiener Abend" veröffentlicht eine Anzeige in hebrä ischer Sprache, die in der Palästina- Zeitschrift Sarefuah" ( Gesundheit) von der Kurverwaltung des Bades Wildungen aufgegeben worden ist. Die Nazis mißhandeln die Juden, boykottieren sie, verjagen sie und werben um ihren Besuch in deutschen Bädern. Eine feine Gesellschaft. Die Kämpfe an der Saar Eine Feststellung Max Brauns- Der Nazi- Terror wächst an Regierungskommission wird in der Schulfrage aktiv Ich stelle vor aller Oeffentlichkeit fest" Die Aeußerungen des Staatsrats Simon Saarbrücken, den 12. September 1933. Gegenüber einem Angriff der Nazipresse wegen meiner Veröffentlichung der aussehenerregenden annerionistischen Rede des Staatsrats Simon anläßlich der Kundgebungen am Niederwalddenkmal hafte ich in der Volksstimme" vom 1. 9. 1933 eine Erklärung veröffentlicht, in der ich jeden Teilnehmer an der geschlossenen Veranstaltung, Staatsrat Simon eingeschlossen, für einen gemeinen Lügner und Verleumder erklärte, falls sie die Unrichtigkeit meiner Meldung behaupten würden. Ich drohte gerichtliche Klarstellung und Vernehmung der Befeiligten unter Eid an. Ich stelle nunmehr vor aller Oeffentlichkeit feft, daß keiner der Beteiligten, auch Staatsrat Simon nicht, meine Behauptungen bestritten hat. Zwölf Tage find seit der Veröffentlichung meiner Erklärung verstrichen, ohne daß jemand gewagt hätte, den Weg gerichtlicher Klärung zu beschreiten und mir nachzuweisen, daß ich eine unrichtige Meldung zum Nachteil Deutschlands gebracht hätte. Abschließend darf ich also nochmals feststellen, daß Staatsrat Simon jene Aeußerungen über die wahr haft verbrecherischen Ziele der Außen< politik des dritten Reiches" getan hat: Der Nationalsozialismus und das dritte Reich" mit dem Volkskanzler als Führer werden also nicht eher ruhen, als bis das Ziel eines Großdeutschland von neun3ig Millionen erreicht ist. Die Eroberung der Saar wird nur der Auftakt zu weiteren Erfolgen nach Westen hin sein. ElsaßLothringen, Oesterreich, Luxemburg, Teile von Belgien und die Niederlande gewesen und deutsche find deutsch gewesen und deutsche Eigenart ist dort zu Hause. Soweif deutsches Blut in den Adern rollt und deutsche Zunge reicht, muß auch das große, neue Deutschland reichen." Es gibt froßz Papen nur ein Mittel zur Verwirklichung dieses Zieles: Krieg, blutiger, alles vernichtender Krieg! Diesen Wahnsinn zu bannen, ist Pflicht jedes M. Braun. Deutschen. Zu dieser unzweideutigen Erklärung ist noch eine Ergänzung erforderlich. Von Teilnehmern an der fraglichen Konferenz aus dem Reiche ist der„ Deutschen Freiheit" ausdrücklich bestätigt worden, daß der Nazi- Staatsrat die fraglichen Aeußerungen wörtlich getan hat. Eine Kontrolle am Saaleingang hatte überhaupt nicht stattgefunden. So kam es, daß Simon auch von Lenten angehört wurde, die keine uns mittelbaren Beziehungen zur Presse haben. Es steht unver: rückbar fest, daß ein prominentes und autorisiertes Mitglied der Nazi- Partei, ihr erster Amtswalter im Saargebiet, die Parole zu„ weiteren Erfolgen nach Westen" ausgegeben hat. Nazi- Autos erscheinen Die Polizei aber Wie der Terror- Krieg an der Saar verläuft verhaftet nur Kommunisten, die hinterher vom Schnellgericht zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt werden! Die Auswirkung der nationalsozialistischen Hezreden anläßlich der sogenannten„ Saarkundgebung" am Niederwalddenkmal und des Parteitages der„ Kriminellen" in Nürnberg machen sich mit jedem Tage mehr bemerkbar. Aus dem ganzen Saargebiet häufen sich die Meldungen über Terroraktionen der braunen Mordbanditen gegenüber denen, die nicht mit fliegenden Fahnen in das braune Heerlager übergelaufen sind und auch heute noch Verständnis für wahre Demokratie und Freiheit haben. Besonders tun sich in dieser Beziehung die Nationalsozialisten von Püttlingen hervor. In einer der letzten Nächte wurden in der Nähe der Schlebach zirka 50 scharfe Schüsse abgegeben. Wie man allgemein hört, soll es sich hierbei um eine national: sozialistische Schießübung gehandelt haben. Der: artige Schießübungen haben schon des öfteren stattgefunden. Ein weiterer Beweis für unsere Annahme, daß man Püttlingen zu einem besonderen Stützpunkt ausbauen will, find die wöchentlich drei bis viermal statt: findenden Uebungen der im Saargebiet ver= botenen A.- und SS.- Mannschaften. Zu diesen Uebungen rückt man in geschlossenen Formationen, unter Abfingung der bekannten nationalsozialistischen Heglieder zu und von den Uebungsplägen. Den gesamten bisherigen Terrorakten der Püttlinger Nazis setzte ein Vorfall, der sich am Samstag, 9. Seps tember, vor dem Volkshaus in Püttlingen abgespielt hat, die Krone auf. Um chronologisch zu bleiben, berichten wir, daß bei Dunkelwerden ein Trupp auswärtiger, allem Anschein nach nicht gleichgeschalteter Leute durch Püttlingen 300 Ben nannten brannen Haus soll es, nachdem man von den Gaffen Gästen des braunen Hauses und von den vor der Tür des braunen Hauses stehenden Nationalsozialisten diesen Durchziehenden mehrfach, Heil Hitler!" zurief, zu einem harmlosen Zwischenfall gekommen sein. Dieses veranlaßte die Nationalsozialisten, ihren Organisationsapparat in Tätigkeit zu setzen. Kaum eine Stunde nach dem Vorfall am braunen Hause tam ein Auto aus der Richtung Völklingen. Dieses Auto war besezt mit auswärtigen, zum Teil uniformierten SA.- Leuten. Vor dem Schloßhotel hielt das Auto an. Die SA.- Leute for= mierten sich und gingen schnurstraks auf das schräg gegen: überliegende Volkshaus zu. Es unterliegt feinem Zweifel und wir stellen ausdrücklich an dieser Stelle fest, daß die SA.- Leute beabsichtigten, in das Volkshaus einzudringen. Von dem Sohne des Verwalters des Volkshauses wurden die SA.- Leute auf die eventuellen Folgen ihrer Handlungsweise aufmerksam gemacht und man kam von dem Borhaben, in das Volkshaus einzudringen, ab. Es mag für die Aufgabe des Vorhabens durch die SA.- Leute mit entscheidend gewesen sein, daß das Wirtslokal des Volkshauses dicht mit Gästen besetzt war. Wäre das Gegenteil der Fall gewesen und in dem Wirtslofal nur einige Gäste anwesend gewesen, die Folgen wären kaum abzusehen. Die SA.- Leute kamen also von ihrem Vorhaben ab- griffen aber die vor dem Volkshause stehenden Personen tätlich an, sfießen sie gegen die Wand und warfen sie von dem Bürgersteig. Darauf marschierten sie ungefähr hundert Meter in die am Volkshaus vorbeiführende Köllner Straße. Nach einigen Minuten tamen sie zurück. rempelten erneut verschiedene Personen an und hierbei fam es zu folgendem Vorfall: Der Sohn des Verwalters des Volkshauses, Johann Altmeyer, der mit einem seiner Kollegen vor dem Volkshaus stand, bezeichnete seinem Kollegen gegenüber das Vorgehen der SA.- Lente als Provokation. Dies muß der die Universität besuchende Paul Zegter, Sohn des Lehrers Terter, in der hiesigen Marktstraße wohnhaft, gehört haben. Da die SA.- Leute fremd waren, muß man annehmen, daß Terter der Führer dieser Lente war. Ohne weiteres ging er zu dem Sohn des Ver: walters des Volkshauses und schlug ihn mit mehreren Faustschlägen nieder. Hierbei wurden Altmeyer mehrere 3ähne ausge: schlagen und der Obertiefer verlegt. Auch erlitt er durch den Sturz auf den Bordstein mehrere Prellungen, so daß er bewußtlos vom Plaze getragen werden mußte. Bor weiteren Mißhandlungen wurde Altmeyer durch den Zugriff eines Landjägers, der Texter festnahm, geschützt. Der be: treffende Landjäger nahm Terter einige Meter weit mit und ließ ihn dann, unserer Ansicht nach ohne einmal seinen Namen fest: zustellen, wieder laufen. Terter ist Natio: nalsoziali ft. Begreiflicherweise hatten alle diese Vorgänge eine Menge Neugieriger angelockt. In den frühen Morgenstunden des Sonntags entfalteten die Püttlinger Polizei- und Landjägerorgane eine fieberhafte Tätigkeit. Eine Reihe führender Kommunisten wurden aus den Betten geholt und vorläufig im Rathaus festgesetzt. Gegen 10 Uhr morgens wurden dieselben durch einen Ueberfallwagen der Saarbrücker Polizei abgeholt und dem Schnellrichter vorDanziger Zwischenfall Sie machen sich die ganze Welt zu Feinden! Die Jacht„ Halima" des polnischen Gdinger Jachtklubs geriet in Seenot und mußte den Hafen Pillau als Nothafen anlaufen, wobei sie von den Nazis in uner= Hörtester Weise belästigt wurde. Die Nazis suchen sich jetzt damit herauszureden, daß sie " Spionageverdacht" gehabt hätten und daß sie deshalb eine Durchsuchung und Paßkontrolle vorgenommen und die polnische Jacht durch den Nazi- Wasserschutz bis zum Hafenausgang begleitet" hätten. Es ist mit diesen Naziwanzen überall dasfelbe Lied: Sie belästigen die ganze Welt, fallen all ihren Nachbarn auf die Nerven und wundern sich dann noch, wenn Europa wie ein Mann gegen sie aufsteht! Es wird nicht lange mehr dauern, dann wird Pilsudski einen Befehl geben und dann wird die ganze Nazi- Rasselbande sich ins letzte Mauseloch verkriechen! Die Marristen können dann wieder in Ordnung bringen, was diese Hakenkreuzinsekten ange= richtet haben! Verwarnung einer katholischen Zeitschrift Wie die Pressestelle beim badischen Staatsministerium mitteilt, ist die in Freiburg erscheinende vom Deutschen Karitas- Verband herausgegebene Zeitschrift„ Caritas“ wegen eines Artikels„ Etwas über die Liebe" schärfstens verwarnt worden. Die Ausführungen enthielten eine erhebliche Kritik an den Maßnahmen der Regierung, die zwischen den Zeilen als unbillig und ungerecht dargestellt würden. Für den Wiederholungsfall wird ein mehrmonatiges Verbot der Zeitschrift angekündigt. geführt. Zu diesen Verhandlungen vor dem Schnellrichter wurden von der Püttlinger Polizei zirka zwanzig Nationalsozialisten, also direkte Gegner der Verhafteten, und nur zwei Zeugen, von denen eine gewisse Objektivität zu er warten war, mitgenommen. Schreckensurtcil! Gegen Kommunisten! Bereits in den Abendstunden des Sonntags war das Urteil des Schnellgerichts Saarbrücken zu erfahren. Demnach wurden verurteilt: Karrenbauer Johann zu 9 Monaten Gefängnis, Dörr Richard zu 6 Monaten Gefängnis, Dörr Peter zu 6 Monaten Gefängnis, Kleinbauer Johann zu 3 Monaten Gefängnis, Scharl Jakob zu 3 Monaten Gefängnis, Breuer Josef zu 3 Monaten Gefängnis, Fecht Josef zu 3 Monaten Gefängnis. Insgesamt wurden also 33 Monate Gefäng nis verhängt. Das ist kein Klassenurteil mehr, sondern ein Schrecken surteil, zumal durch eine große Anzahl von Zeugen nachgewiesen werden kann, daß sechs der Verurteilten an den ihnen zur Last gelegten Straftaten nicht beteiligt sein können, aus dem einfachen Grunde, weil sie sich gar nicht am Tatort befunden haben! Dreizehn Nazizeugen beschworen aber vor Gericht, ohne mit der Wimper zu zucken, das Gegenteil. Somit mußte es zu dem ungeheuren Urteil kommen, das jeden rechtlich denkenden Menschen empören muß. Die Verurteilung erfolgte wegen Landfriedensbruchs. Der vom Vorsitzenden und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft als schwer verletzt bezeichnete Nationalsozialist befand sich mit einer Schutklappe vor dem Auge im Ge= richtssaal. Troß seiner schweren Verlegung" schien er sich äußerst wohl zu befinden, was besonders bei der Urteilsverkündung zum Ausbruch kam. Der rechtlich denkenden Bevölkerung von Püttlingen bemächtigte sich angesichts dieses Urteils eine große Erregung. Eine Mitgliederversammlung der SPD., die am Abend im Volkshause tagte, nahm einstimmig eine Entschließung an, worin die Aufhebung des Urteils und die so= fortige Haftentlassung der Verurteilten beantragt wird. Das Kartell der freien Gewerkschaften und die ihm angeschlossenen Organisationen nahmen in einer außerordentlichen Konferenz zu dem Urteil Stellung und brachten das Ergebnis der Sißung in einem Schriftsaß noch am gleichen Tage der Regierungskommission zur Kenntnis. In dem Schreiben find 35 Zengen namhaft gemacht worden, die bereit sind, vor Gericht und unter Eid die Angaben der 13 Nazizeugen zu widerlegen und zu entkräften. Außerdem wird von den Angehörigen der Verurteilten eine Anzeige gegen die Nazizeugen wegen Mein= eids erstattet werden. Auf den Ausgang dieser ganzen Angelegenheit könnte man gespannt sein. Der Schul- Terror Eingriff der Regierungskommission Der stellvertretende Präsident der Regierungskommission des Saargebietes, Minister von Ehrnrooth, hat der Presse des Saargebietes eine amtliche Rundgebung zur Veröffentlichung zugehen lassen, in der unter Berufung auf die fraglichen Artikel der Regierungsverordnungen das Verbot eines Schul- Flugblattes gegen die französische Schule mitgeteilt wird: " Dieses Flugblatt enthält Drohungen, welche die Eltern in der Wahl der Schule für ihre Kinder beein flussen sollen. Der Text des Flugblattes ist unverein bar mit dem Recht der freien Wahl der Schule, so wie dieses durch die in Kraft befindlichen Geseze und Ver= ordnungen gewährleistet ist.“ Gegen den Besuch französischer Schulen hatte in jüngster Zeit eine heftige Nazi- Agitation eingesetzt. Das tote Zentrum ,, Die traurige Feigheit" Robert d'Harcourt, Professor am Katholischen Institut zu Paris beklagt in einem Artikel der„ Revue des Deux Mondes" in ernsten und bitteren Worten den unrühmlichen Tod des deutschen Zentrums.„ Es war uns beschieden in diesen lezzten Tagen, die traurige Feigheit erleben zu müssen, die nicht einmal wagte, den Leichnam eines Freundes zum Friedhof zu begleiten. In der ganzen katholischen Presse, die vom Zentrum gelebt hatte, kein Nachruf, keine geziemende Beileidsäußerung. Ja wir haben schlimmeres erlebt als das Schweigen. Wir sahen, wie Steine gegen den Grabhügel gewor fen wurden. Das tote Zentrum wurde von katholischen Journalisten beleidigt, die ihm ihre Existenz verdanken, und die zu seinen Lebzeiten ihm nicht genug Blumen minden konnten." Harcourt stellt in Vergleich zu diesem Versagen Worte, die der jüdische Schriftsteller Martin Buber über die Juden= verfolgungen gesprochen hat. Die Verfolgungen sind ihm die Grundlage der Größe Israels. Nicht die Resignation, sondern die aktive Entgegennahme der Erniedrigungen und der Unsicherheit, das sich Stützen auf sie! „ Es ist," so sagt der katholische Verfasser, melancholisch, daß die moralische Größe bei dem Juden und nicht bei dem Katholiken zu finden ist." ..Spion Beim heiligen Rock Ein Einwohner aus Metz, der zum Hl. Rock pilgerte, wurde in Trier von Angehörigen der SA. festgenommen und meh rere Stunden in saft gehalten. Angeblich soll der Mann " Spionage" getrieben haben. Der französische Konsul in Trier wird die Angelegenheit untersuchen. Salomon in Dortmund Seltsame Entscheidungen über Doppelverdienerei Reine Sorge: Es wird hier kein Jude namens Galo. mon denunziert, der etwa beim Judenboykott in Dort mund übersehen worden ist. Sondern diese Zeilen sollen die salomonischen Entscheidungen ins richtige Licht rücken, die der Direktor des Dortmunder Arbeitsamtes in Sachen„ Doppelverdienst" fällt. Die Ausrottung der Doppelverdienerei gehört ja zu den Mitteln der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffung", wobei allerdings oft in ganz willkürlicher Weise Menschen ihre Arbeit weggenommen wird, um irgendwelchen Günstlingen der braunen Bonzen zugewiesen zu werden. So gelten z. B. beim Arbeitsamt Dortmund erwachsene arbeitende Töchter, deren Vater Arbeit hat, als„ Doppelverdiener"! Der Direktor dieses Arbeitsamtes teilt nun in dem Naziblatt, der„ Roten Erde", mit, wie er einige Zweifelsfälle entschieden habe. Wir geben hier zwei seiner Entscheidungen wieder, weil sie ein Bild liefern, wie heutzutage irgend so ein Nazi- Bonze in der allerwillkürlichsten Art mit den Menschen umspringt. In einem Falle übten Ehemann und Frau eine schriftstellerische Tätigkeit aus. Der Ehemann hatte daneben einen Hauptberuf. Entscheidung: sie dürfen weiter schriftstellern, müssen aber die Hälfte ihres Honorars in den Fonds für nationale Arbeit spenden! Also: statt Eindämmung der Doppelverdienerei eine Erpressung für die Staatskasse. Es wird weiter doppelverdient und der Staat schaltet sich als glücklicher Mitverdiener ein. Noch krasser liegt der zweite Fall. Da betreibt die Frau eines Beamten eine Damenschneiderei mit vier Gehilfinnen. Verbietet man ihr das, so würden erwägt der Direktor die vier Angestellten arbeitslos werden. Also erlaubt er der Beamtenfrau, ihren Betrieb fortzusehen, falls sie noch zwei meitere Gehilfinnen einstellt! Die Doppelverdienerei bleibt, obendrein muß die Frau ihren Betrieb vergrößern. Natürlich weiß diese, daß ihr Betrieb zugrunde geht, wenn sie für die beiden ihr aufgezwungenen Kräfte keine Arbeit beschafft. Was bleibt ihr also übrig? Sie muß versuchen, und sei es durch rücksichts Io festes Unterbieten der Konkurrenz, ihren Auftragsbestand um ein Drittel zu erhöhen, d. h. sie wird amtlich zur Schmußkonkurrenz gegen das übrige Schneidergewerbe gezwungen. So rettet der Nazi- Staat das bedrohte Handwerk vor der Konkurrenz doppelverdienender Beamtenfrauen! O weiser Salomon vom Arbeitsamt Dortmund! Werkzeug Ausfuhr Weiter verschlechtert In der Werkzeugindustrie des Remscheider Bezirks hat sich die Beschäftigungslage im August im ganzen gesehen wenig verändert. Teilweise sprechen die Berichte von einer leichten Besserung des Inlands= abfazes, die aber durch die weitere Verschlech terung der Ausfuhr infolge der bekannten Schwierigkeiten ausgeglichen wurde. Den großenteils nur geringen Betriebseinschränkungen, die einzelne Firmen vornehmen mußten, stehen Befferungen im Beschäftigungsgrad anderer Werkzeugbetriebe gegenüber, so daß die Arbeitslage im Durchschnitt gegenüber dem Vormonat kaum verändert ist. Nach Berichten aus der Belberter und sonstigen mittel und niederbergischen Schloß- und Beschlagindustrie konnte auch in diesem Gewerbezweig die Beschäftigung im Durch schnitt aufrecht erhalten, teilweise sogar noch etwas erhöht werden. Die saisonmäßige Belebung für Automobilschlösser hat wieder nachgelassen. Von allen Seiten kommen lebhafte Klagen über die zu= nehmenden Schwierigkeiten des Ausfuhr= geschäfts, u. a. den steigenden Wettbewerb der italienischen Schloßindustrie auf den orientalischen Absatzmärkten. Niedrigster Börsenindex Der internationale Börseninder ist in der Zeit vom 29. Juli bis 2. September 1933 von 44 Prozent auf 44,7 Prozent gestiegen( gemessen am Stande von 100 Prozent im Jahre 1927). In der gleichen Zeit ist der Inder der Berliner Börse von 30,8 auf 27,4 Prozent gefallen. Berlin hat den 207 000 Arbeitslose weniger? Das amtliche Gaukelspiel mit der Erwerbslosenstatistik Arbeitslosigkeit im Deutschen Reich wird besonders betont, Im letzten Siegesbericht über den Kampf gegen die daß„ neben den landwirtschaftlichen Bezirken auch einige industrielle und dichtbesiedelte Gebiete eine überdurchschnitt fiche Abnahme" aufzuweisen haben, wie z. B. We stfalen. Zu diesem besonderen Erfolg in Westfalen macht der Prälungen, die im deutlichen Widerspruch zum Tenor sonstiger sident des Landesarbeitsamtes Westfalen einige Mitteioffiziellen Auslassungen stehen und die von uns immer vertretene Auffassung über die Bedeutung der Abnahme der nämlich folgendes fest:„ Der Rückgang der Arbeitslosigkeit Arbeitslosenziffer bestätigen. Der genannte Präsident stellt ist um so höher zu bewerten, als er zum überwiegenden Teil d. h. auf vermehrte Auftragseingänge zurücknicht auf eine fonjuntturelle Besserung, zuführen sein dürfte, sondern auf die planmäßigen Bemühungen einer rationelleren Verteilung der Arbeit." Also werden die Berichte über die konjunkturelle Besse= rung offiziell dementiert. Es sei besonders hoch zu be= turelle Besserung herabzudrücken. Um eigene Verdienste herwerten, daß es gelingt, die Arbeitslosenzahl ohne konjunkder großen Siege über die Arbeitslosigkeit. Insofern es sich vorzuheben, verrät der Herr Präsident den wahren Sinn um die Verteilung der vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten unter eine größere Anzahl der Arbeitskräfte handelt, ist es eine vernünftige sozialpolitische Maßnahme, die von den freien Gewerkschaften seit Jahren verlangt, aber von den berühmten Wirtschaftsführern" vereitelt wurde. Das ist aber eben eine rein sozialpolitische und keine konjunkturpolitische Maßnahme, also eine Maßnahme, deren Wert in der Erleichterung des Schicksals eines Teiles von langjährigen Erwerbslosen, nicht aber in der Förderung der wirtschaftlichen Belebung besteht. Nun liefert uns die amtliche Statistik einen einwandfreien Beweis dafür, daß die gefeierten Erfolge nicht nur durch die ,, rationellere Verteilung der Arbeit", sondern in einem, vielleicht noch stärkeren Maße dadurch erreicht wurden, daß erstens aus politischen Gründen die Leute entlassen und nicht erstens aus politischen Gründen die Leute entlassen und nicht mehr als Erwerbslose( Arbeitsuchende) geführt werden, und 15 Prozent, bei Stahlsand bis 80 Prozent, bei Isolierrohren 40-70 Prozent, bei Dachpappe bis 100 Prozent. Wegen einer Reihe dieser Preiserhöhungen schweben Beschwerden beim Reichswirtschaftsministerium. Daß solche Preiserhöhungen die weiter verarbei tende Industrie und auch die Verbraucher sehr stark belasten, ist klar. Es ist die Frage, inwieweit der Markt nicht zu vergessen auch der Auslandsmarkt solche Preis aufbesserungen überhaupt tragen kann. Bei allem Verständnis für Preisaufbesserungen ist heute Maßhalten ganz besonders notwendig. * spondenz" hat die Ernährungskosten berechnet, die einer Berlin, 7. Sept.( Jnpreß.) Die Finanzpolitische KorreFamilie mit einem monatlichen Einkommen von 80 bis 100 Mark entstehen. Im November und Dezember 1982 be= trugen sie pro Tag 1,40 Mart, im August 1932: 1,48 Mart. Hitler hat sie im Monat Juli 1933 auf 1,58 Mart gesteigert. Immer wieder Osthilfe Nochmalige Entschuldung der Großagrarier Der Reichsgrundbesikerverband" hat einen Aufruf erlaffen, in dem zugegeben wird, daß die Siedlung 1933 einen beträchtlichen Rückschlag erlitten hat". Was schlägt der Verband als Gegenmaßnahme vor? Daß verschuldete Güter von den tausenden von Morgen Land so viel verkaufen, wie zur Schaffung einer Hofstelle" notwendig ist. Dadurch würde erreicht werden erstens: daß der Eindruck progressiver SiedTung erweckt wird, zweitens: daß die immer noch bestehenden Agrarierschulden verschwinden, ohne daß die großen Güter merkbar angetastet werden und drittens: daß das Gerede über entschädigungslose Abgabe von Land" endgültig verschwindet. niedrigsten Inder der gesamten internationalen Börse, Abwärts niedriger sogar als Prag, Wien, Zürich, Amsterdam und Brüssel. 59 Millionen Mark Lohnsenkung Berlin, 11. Sept.( Inpreß.) Nach amtlichen Angaben ist die gesamte Lohnsumme in Hitlerdeutschland von 934 Millionen Der Hausbesitz auch unzufrieden Reichsmart im Monat Januar 1933 auf 875 Millionen im Laut Mitteilung des Reichspressedienstes deutschen Hausbefizzes kommen aus allen Teilen des Reiches Berichte, die ,, insgesamt eine einzige große Klage darstellen". Als„ be= sondere Tragik" wird bezeichnet, daß das Gesez, das dem mittelständischen Einzelhandel Hilfe bringen soll. in Wahrheit große Teile des ebenfalls mittelständischen Hausbe fizzes wirtschaftlich schwer schädige. Eine Verlängerung des Gesetzes über den 1. November hinaus sei einfach untragbar". Eng beieinander wohnen die Programme, doch hart im Raume stoßen die Gesetze. Die Teuerungswe'le 50-100prozentige Preiserhöhung nicht selten Die Kölnische Zeitung"( Nummer 491) schreibt: Aus einer uns von zuverlässiger Seite vorgelegten Liste von Preiserhöhungen ergibt sich, daß eine 50-100prozentige Heraufsetzung der Preise nicht selten ist. Der Außenstehende kann die Berechtigung solcher Heraussetzungen nicht ohne weiteres beurteilen, weil die Verhältnisse in den Einzelfällen sehr verschieden Itegen fönnen. Auffallend bleiben solche starken Preiserhöhungen aber jedenfalls. Wir führen aus der uns vorgelegten Liste nur diejenigen Erzeugnisse an, bei denen die Preiserhöhung bis 50 Prozent und mehr beträgt. So wird bei Stahlformguß die Erhöhung bis 100 Prozent angegeben, bei geschmiedeten Stäben und Wellen bis 50 Prozent, bei gezogenen Edelstählen, besonders Silberstahl bis 120 Prozent. bei faltgewalztem Bandeisen his 30 Prozent, bei nahtlos gezogenen Präzisionsstahlrohren bis 100 Prozent, bei Kupferrohren bis 72 Prozent, bei Asbest bis 100 Prozent, bei Weichgummierzeugnissen ( ab Dezember 1982) bis 100 Prozent, ab Juli um weitere Monat Juli 1933 gefallen. Im Durchschnitt betrug der Monatslohn pro Kopf der beschäftigten Arbeiter: im Januar 81,31 Mart, im Juni 63,88 Mark. Dem Arbeiter gehts beffer- mit mehr als 20 Prozent mit mehr als 20 Prozent Lohnsenkung. Zumal bei steigenden Preisen! Chemnitzer Textilindustrie Die Industrie- und Handelsfammer zu Chemnis glaubt für den Tertilmaschinenbau in den Herbstmonaten einen Aufschwung erwarten au sollen, da die Textilwarenfabriken zum größten Teil gut, sogar sehr gut be schäftigt sind. Der regere Eingang an Nachfragen nach Werkzeugmaschinen aus dem Inland hielt nach dem Augustbericht der Kammer an, dagegen ließ die Auftragserteilung noch zu wünschen übrig. Im Auslandsgeschäft halten die Ausfuhrschwierigteiten weiter an. Für Büromaschinen war im Inland geschäft eine geringe Steigerung des Absabes möglich. In Fahrrädern hat sich durch Kontingentierung der Einfuhr in einzelnen Staaten das Ausfuhrgeschäft weiterhin schwieriger gestaltet. In der Baumwollspinnerei war der Verkauf von Baumwollgarnen ruhiger als im Juli. Auf die Beschäftigung in den Spinnereien hat sich das Nachlassen der Verkäufe nicht ausgewirkt. In der Zweizylinderspinnerei ist der Absatz noch immer unbefriedigend. Die Zwirnerei ist etwa au amei Drittel beschäftigt. In der Strumpfindustrie hat der Auftragseingang etwas nachgelassen, was zum Teil in der vorgerückten Jahreszeit begründet ist. Im Vergleich mit dem Vorjahr ist immerhin eine kleine Besserung des Auftragsbestandes zu verzeichnen. In der Tritotagenindustrie haben die für den Sommer erhofften Nachorders etmas enttäuscht. In der Stoffhandschuhindustrie haben sich die Berhältnisse gegen den Vormonat verilechtert. Die Stodung des deutschen Geschäfts dürfte auf die Unsicherheit zurückzuführen sein, die die am 2. August in Kraft getretene daß zweitens gewisse Gruppen überhaupt nicht mehr durch Arbeitslosenzahl seit Ende Mai bis Ende Juli um 576 000 die Statistik erfaßt werden. Es ist nämlich die gesamte zurückgegangen, während die Beschäftigtenzahl in der gleichen Zeit nur um 252 000 zugenommen hat! Wie ist aber eine wirklich starke Zunahme der Beschäfso kurzes Gedächtnis, wie z. B. die Frankfurter Zeitung", tigten seit Ende Januar zu erklären? Nun haben wir kein die seiner Zeit selbst die Erklärung für die niedrige Zahl der Beschäftigten am Ende Januar nach der Krankenkassenordentlich statistik brachte: es war nämlich die Zeit einer außer Einige starken Grippeepidemie. Hunderttausende wurden damals frant gemeldet und in der Statistik der Krankenkassen nicht als Beschäftigte gezählt. Dazu noch eine nationalsozialistische Stimme. Die Zeitschrift„ Die deutsche Volkswirtschaft" wendet sich gegen manche Methoden der Bekämpfung des Doppelverdienertums"." Wir lehnen," schreibt diese nationalsozia listische Zeitschrift, eine solche unechte Art der Verminderung der Arbeitslosigkeit ab. Es Arbeitsbeschaffung mitzuwirken, als die Arbeit anders zu sollte vielmehr die Aufgabe der Arbeitsämter sein, an der keit würde zum Schluß dahin führen, daß zwar die alten verteilen. Diese Art der Bekämpfung der Arbeitslosig Arbeitslosen in Arbeit und Brot sind, daß jedoch neue millionen an ihre Stelle getreten sind.... Im übrigen verbittet es sich die junge Generation, von der Bürokratie von der Arbeit und damit vom Aufstieg ausgeschlossen zu sein. Und wenn sämtliche Söhne einer Familie verdienen, wäre es falsch, auch nur einen vor der Arbeit auszuschließen: denn jeder von ihnen soll weiterstreben, etwas leisten, eine Familie gründen und für das Bolt schaffen." 207 000 Arbeitslose weniger!" lauten die Siegesberichte über die zweite Augusthälfte. Wir wissen jetzt, was davon zu halten ist: das ist eine unechte Art der Verminderung der Arbeitslosigkeit". In der Statistik fehlt jetzt die Zahl derjenigen, die in der Berichtszeit arbeitslos geworden sind, nicht aber als arbeitslos gezählt werden. Garnzollerhöhung mit sich gebracht hat. Die Strickhandschuhfabriken sind mit Aufträgen bis Ende November versehen. Man rechnet mit einer Fortdauer des jebigen Beschäf tigungsgrads bis Weihnachten. Der Auftragseingang in der Stridereiindustrie hat sich weiter gebessert. erteilten kleinen Aufträge ermöglichen aber faum eine rentable Betriebsgestaltung. Der Geschäftsgang in der Textilveredlungsindustrie ist gegenüber dem Vormonat etwas zurüdgegangen. Die Preisverhältnisse sind die denkbar ungünstig sten, so daß Maßnahmen für eine Aenderung dringend notwendig sind. In der Kartonnagen- und Prägeindustrie ist eine fleine Belebung sowohl im Inland- als auch im Auslandsgeschäft eingetreten. In der erzgebirgischen Spiel- und Holzwarenindustrie hat der Auftragseingang weiter zugenommen, wie das alljährlich um die Zeit der Saison au warten ist. Eisenexport besonders flau er= Am Hamburger Eisenerportmarkt herrschte im August die saisonübliche Geschäftsflaute, die in diesem Jahr infolge der Valuta- Risifen besonders start war. Das Geschäft mit Ostasien lag gänzlich vernachlässigt; seit Sommeranfang haben chinesische Aufträge gefehlt, und festist auch Japan als Käufer vollkommen ausgefallen. Mexiko- Export bedroht Wie die deutsche Handelskammer in Mexiko mitteilt, fordern infolge der Dollarentwertung jetzt viele deutsche Expor teure, die bisher in amerikanischer Währung fafturiert hatten, Zahlung in Goldmark. Der Erport Deutschlands nach Merifo werde dadurch zu einem sehr hohen Prozentsaz unmöglich gemacht und von dem nordamerikanischen Erporteur an sich gerissen. Es sind der Kammer bereits Fälle bekannt, in denen große Aufträge aus Deutschland bestellter Waren annuliert wurden. ,, Abschwächung" Die Geschäftslage der Textilbefleidungsindustrie in dem München- Gladbach- Rheydter Bezirk hat sich im August, wie der Bericht der Industrie- und Handelskammer ergibt, im Verhältnis zum Vormonat wenig verändert. In der Baumwollspinnerei trat infolge geringer Verkaufstätigkeit ein leichtes Abflauen der Preise ein. Der Anfang August endlich eingetretene Bollschutz für Feingarne begann sich für die Feingarnspinnereien im Laufe des Monats belebend auszuwirken. In der Baumwollweberei und in der Tuchindustrie trat die üblich saisonmäßige Abschwäch ung ein, zumal die Ausfuhr sehr zu wün schen übrig ließ. Die Textilveredelungsindustrie verzeichnete einen stabilen Beschäftigungsgrad. Schweiz gegen deutsche E'nfThr Das Eidgenössische Wirtschaftsdepartement verschickt ein vertrauliches Rundschreiben, dem wir entnehmen: Es ist Ihnen zur Genüge befannt, daß unser wirtschaftliches Verhältnis zu Deutschland mit Bezug auf Waren-, Fremden- und Kapitalverkehr durchaus unhaltbar geworden ist." Neue Verhandlungen seien geplant. Aber:„ Wir möchten richt verfehlen, Sie ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß die bevorstehenden Berhandlungen negativ verlaufen könnten. In diesem Fall wird der Bundesrat auch vor den allerschwersten Abwehrmaßnahmen nicht zurückschrecken. Es besteht somit feinerlei Garantie irgendwelcher Art, daß ab 1. Oftober 1983 deutsche Kohle noch eingeführt werden kann. Wir ersuchen Sie, Ihre Mitglieder vor Abschlüssen zu warnen. Wer heute deutsche Waren zur Lieferung ab 1. Oktober kauft, tut dies ausschließlich auf eigenes Risiko, und es wird gar keine Rede davon sein können, daß allfällige Abwehrmaßnahmen aufgehoben oder auch nur gemildert werden könnten, weil Ware bestellt oder unterwegs sein sollte." Wir erfahren, daß der Schweizer Bundesrat beschlossen hat, gegen den deutschen Kohlenimport die schärfsten Maßnahmen zu treffen und die Einfuhr ab 1. Oktober gänzlich zu verbieten, wenn die mit Deutschland aufzunehmenden Berhandlungen zu feinem befriedigenden Resultat führen. Zugleich würde das Verbot auf eine Reihe anderer Produkte ausgedehnt werden. Aufträge, die nach Deutschland bereits erteilt sein würden, müßten storniert werden, soweit sie bis zum 1. Oftober nicht erledigt seien. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit"* Mittwoch, 13. September 1933* Ereignisse und Geschichten Wenn i ne miese Note krieg, fliegt der Lehrer ins Konzentrationslager! Aw JCK BIN N' RASSENREINES NAZI- LIEBCHEN 55555 Juden kommen nich' in Frage! Elisabeth am Spinnrocken Tante Frieda ist wieder lebendig.. Neuerdings ist unter den Förderern des erwachten Kochtopfes Frau Elisabeth Braun in Front getreten, die fittliche Gleichschalterin der deutschen Mädchenlager. Einstweilen geht sie, wie sie im Leibblatt des vormaligen Königs Stinnes den höheren Töchtern verkünden läßt, in allen Mädchenlagern, die in den deutschen Gauen verstreut liegen, an die Arbeit, um die„ offenen Lager" und die nicht von der deutschen Frauenfront" unterhaltenen Amazonen in ihre„ Obhut" zu nehmen. Vor allem sollen die„ oft ganz verbogenen Großstadtmädels" zu Hausfrauen erzogen werden, aber nicht im gestrig- städtischen", sondern im morgig- ländlichen" Sinne. Zu diesem Zwecke erhält jedes Lager Spinnrad und Web stuhl, damit die unfittlichen Damenstrümpfe und die Spielen auftreten. Tischgebete sollen eingeführt werden, Zigaretten dagegen sind verboten. So wäre denn die richtige geistige Vermählung mit dem Size des Rase= amtes der SS., dem sogenannten Hengstgestüt auf der Burg bet Lippe- Detmold geschaffen. Diese, wie man sieht, ganz nach Art der alten PensionatsGoldelsen gehaltene Tusnelda- Erziehung am Spinnrad ist eher dem„ Daheim" und den Tante- Frieda Ge= schichten als einer Revolution abgelauscht und macht den gefunden Gedanken der modernen Frauenerziehung nur lächerlich. Leider wird der weibliche Arbeitszwang dieser Komödie nachfolgen. vermutlich marxistische Wäsche aus der Mode kommen, und Todesstrafe für ,, Verführung" dann sollen die Jungfrauen sich öfter an Erntefeften, Schüßenfesten, wahrscheinlich auch Manöverbällen als echte Büromädels sollen auf diese Kriegerbräute beteiligen. Weise wieder mütterlich" werden und dabei für ihre Kinder, das heißt für die ihnen gnädigst überlassenen Sprößlinge der gnädigen Frauen, sorgen dürfen, indem sie ihnen Kreppfleider" und dergleichen anfertigen, natürlich im Geiste der Welterneuerer ohne Zehrgeld. Ferner sollen sie auf den Freilichtbühnen jedes Lagers, vermutlich im Schmucke der alten Germaninnen, in Tänzen und Die„ Germania", das Blatt des Herrn von Papen, druckt den wesentlichen Teil eines Artikels, der im Deutschen Aerzteblatt" von einem Dr. Gmelin veröffentlicht wurde. Zunächst wird verlangt, daß ein Gesetz den Verkauf von Ge burtenverhütungsmitteln verbietet. Präventivmittel sollen nur auf ärztliche. Verordnung hin abgegeben werden. Aber das Schlimmste ist natürlich die„ Verführung" einer Jungfrau. Das soll den Tod koften, mindestens Raftration. Ist der politische Mord..." Fragen in der Hitler- Schule Einen netten Einblick in den Schulbetrieb des dritten Reiche 8" gewinnt man, wenn man in der „ Zeitschrift für deutsche Bildung" blättert. Da findet man unter anderm auch einen„ Aufsatzplan" für die deutschen Mittelschulen. Die Themen sind sorgfältig ausgewählt und dem Leben entnommen: Gibt es berechtigten Lurus? Läßt sich der Klassenbetrug entschuldigen oder gar rechtfertigen? Kann ein Gang durch die Fabrik unsere Kenntnis vom Los des Arbeiters wesentlich bereichern? Man sieht, daß das Risiko eines Schülers im heutigen Ist Sugehörigkeit zu einer Linkspartei als Zeichen Deutschland nicht gering ist. Wenn er bei der Beantwortung mangelnder Vaterlandsliebe zu deuten? Rann ein Aristokrat Republikaner sein? Ift Zugehörigkeit zu einer Rechtspartei als Zeichen nationaler Gesinnung zu werten? Ist der politische Mord anders zu be= merten als ein anderer? Ist Reichsein ein Unrecht? Ein nützliches Geschenk Hitlers Nilpferdpeitsche In der Deutschen Ostfront", dem amtlichen Organ oberschlesischer Staatsbehörden, erschien folgender amtlicher Nilpferdpeitschenbericht: Der Flieger Brüdner schenkte dem Kämpfer Hitler in den ersten Jahren der Parteireden eine aus Afrifa mitgebrachte Nilpferdpeitsche, damit Hitler nicht ganz unbewehrt zu den Versammlungen zu gehen brauchte. Der Führer hat sich seitdem so an die Peitsche gewöhnt, daß er ohne diesen fleinen Sicherheitsfaktor faum noch ausgeht... Kürzlich trafen neue Nilpferdpeitschen aus Afrifa ein..." Mit denen dann wehrlose Gefangene unter unsäglichen Qualen geprügelt wurden. Reichswalzer untersagt In einer Filmwochenschau wird gegenwärtig als neuer Tanz ein sogenannter Reichs malzer" vorgeführt. Diese Bezeichnung Reichswalzer" ist nunmehr, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, untersagt worden, weil sonst der Eindruck entstehen könnte, als werde dieser Tanz von Reichs wegen gefördert. * Es bleibt unflar, warum der„ Reichswalzer" feine amtliche Gunst erfahren soll. Wir vermuten, daß bereits dem neuen„ Gleichschrittler" die offizielle Liebe des„ dritten Reichs" gehört. Vielleicht hat der Reichswalzer Schritte, die aus der Reihe tanzen und individuelles Gepräge besigen. diefer verfänglichen Fragen seine fünf gleichgeschalteten Sinne nicht beisammenhält, kann es ihm passieren, daß er von der Schulbant weg ins Konzentrationslager gebracht wird. Oder es geschieht mit dem Lehrer, falls er nicht die Auffassung lehren sollte:„ Ein Linksparteiler ist in jedem Fall ein Vaterlandsverräter." Auch in Wien Die Zeit will wieder groß werden Die Wiener Polizeiforrespondenz Wilhelm meldet: „ Die am allgemeinen deutschen Katholikentag teilnehmenden nichtaktiven Militärpersonen, die auf Grund ihres Ansuchens bereits den Uniformausweis erbalten haben, können in folgender Ausgangsadjustierung erscheinen: Kappe, Waffenrock mit Volldekorationen ohne Bänder der Großkreuze, schwarze Salonhose oder hechtgraue Lampaßhose, Kavallerieoffiziere auch rote Reithose mit Reitstiefeln und Sporen, schwarze Stiefeletten oder Schnürschuhe ohne Kappenverzierung, eventuell Sporen; zuständige Seitenwaffe, weiße Handschuhe, eventuell Mantel. Die Angehörigen der ehemaligen Kriegsmarine in der ehemals festgelegten Ausgangsadjustierung mit dunkler Hose." Es ist mit dem Nationalhaß ein eigenes Ding. Auf den untersten Stufen der Kultur wird man ihn immer am stärkſten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht, m ein Glück od r eine Wehr feines Nachbarvolfes nachempfindet, ala märe es dem eigenen begegnet. Goethe. Der Fall Hauptmann Von den Webeen" zu Adolf Hitler. Wenn Burschen ohne Bedeutung wie Ewers und Bronnen dem Hakenkreuz ihre Reverenz erweisen, wenn von allen Seiten charakterschwaches Volk zusammenläuft, um an der fetten Tafel bes Raubgesindels mitzufressen, dann sind das landläufige Stücke aus der Geschichte der menschlichen Armseligkeit, die dem Menschenkenner nichts Neues sagen und für unser Geistesleben ohne Bedeutung sind. Es wäre ja ein Wunder, wenn die moralische Verjauchung, dte das Bürgertum im Volke der Kant und Fichte ergriffen hat, grade den Stand der Literaten, der sich großenteils nie durch besondere Charakterfestigkeit ausgezeichnet hat, verschont hätte. Ein anderes aber ist es mit Gerhart Hauptmann. Wir haben lange gewußt, daß er keine Kampfnatur ist. In all seinen meisterhaften Charakterzeichnungen hat er kaum einen fernhaften Mann hingestellt, der ein Leben hindurch zäh den Kampf um eine Idee führte. Viel eher die schwankenden Gestalten, wie der Glockengießer Heinrich oder Gabriel Schilling, die im Streit zwischen Schwäche und Pflicht allemal auf die schwache Seite fallen. Aber dennoch kannten und ehrten wir ihn als einen Mann, der nicht nur durch hohe Begabung, der auch durch seine Gesinnung auf der Höhe der Menschheit stand, der mit Recht als bahnweisender Bannerträger der neuen Dichtung, als einer der vornehm= sten Vertreter deutschen Geistes in der Welt anerkannt war. Nicht als zeitlich Erster, aber als Eindringlichster und Wirksamster hat er der deutschen naturalistischen Dichtung Leserschaft und Bühne erobert. Der Naturalismus bedeutet für die Entwicklung nicht nur der Kunst, sondern auch der sittlichen Gesinnung eine Uebergangs- und Erziehungsstufe, die wir aus der Entwicklung unseres Geisteslebens gar nicht mehr wegdenken können. Das war mehr als eine der immer wechselnden literarischen Richtungen und Moden, das war planvolle Anwendung der umwälzenden naturwissenschaftlichen Methode auf Dichtkunst, Menschenschilderung. Gegen den schöngeistigen Historizismus mit allerhand gemüts vollen" Schnurrpfeifereien, der damals alles beherrschte, trat da ein ernster und schwerer Geist, entschlossen, demt Volke die Wahrheit unverschönert vor Augen zu stellen. So war es kein Zufall, daß die Arbeiterbewegung ihn als Bundesgenossen erkannte, ihre Kulturarbeit mit dem Streben der neuen Dichtung in enge Verbindung brachte. Im Herbst 1890 wurde die Berliner Volksbühne mit Hauptmanns ,, Webern" eröffnet. " Die janze Richtung paßt uns nicht," erklärte der Berliner Polizeipräsident dem Anwalt, der bei ihm für die Zulassung des für die Bühne verbotenen Stückes eintrat. Als sie am Oberverwaltungsgericht durchgesezt war, kündigte Wilbelm II. seine Loge wegen des rebellischen Profetenstücks. Für die Arbeiterschaft aber und alle ernst sozial Gesinnten war die Aufführung ein wahres Erlebnis, ein Fingerzeig aus trüber Not in eine bessere Zukunft. Sie betrachteten den Verfasser als ihren Dichter. So wurde Hauptmann, vielleicht mehr, als er selbst geahnt und gewollt hatte, ein Bannerträger zwar nicht des kämpfenden, aber doch eines echten gefühlsmäßigen Sozia= lismus. Uns packte die Gesinnung, die in seinen Stücken lebte: das Mitgefühl mit der leidenden Kreatur wie Rose Bernd, das Opfer frömmelnder gesellschaftlicher Erbarmungslosigkeit, wie Hannele, der verlassene Bastard des Herrn Amtsvorstehers, das einem bösartigen Säufer zum Totquälen überlassen ist, in all den vielen Dramen und Erzählungen von leidenden, manchmal erlösten, manchmal untergehenden Opfern gesellschaftlicher Sünden und inuerer Zerrissenheit. Aber auch herzhaft lachen konnten wir, wenn er in seinem„ Biberpela" die Schwachköpfigkeit des aufgeblähten Junkers zu Schanden werden ließ. Und die mannhafte Tapferkeit des ritterlichen Führers der Bauernrebellen, Florian Geners, riß auch die mit, die vom Aufbau des Stückes nicht restlos befriedigt waren. Mehr und mehr löste sich dieser gesinnungsmäßige Zusammenhang mit seinem zunehmenden Alter, in dem er immer mehr den über den Dingen schwebenden Genius, den Allerweltsnationaldichter zu spielen suchte. Und nun hat er sein ruhmloses Ende gefunden. Hauptmann hat sich gleichgeschaltet! Nun huldigt er denen, die hungernden Webern die schüßende Organisation zertrümmert, die mühselig zusammengesparten Gelder gestohlen, das Stück Margarinebrot vom Munde geschlagen haben. Die armen Kindern den Bater martern und der Mutter die Hungergroschen schwererdienter Unterstüßung vorenthalten. Die aus der sozialen Volksbühne eine rassische Verdummungs-, eine militaristische Verrohungsanstalt machen, die wüsten und stumpfsinnigen Amtswaltern schrankenlose Gewalt über denkende Menschen verleihen. Vor nicht vielen Jahren ließ er sich von Friedrich Ebert und Konrad Hänisch als geistiger Vertreter demokratisch- sozialen Geistes feiern; noch vor zwei Jahren hat er der Berliner Volksbühne zu ihrem vierzigjährigen Bestehen die Festrede gehalten, heute frißt er den Göbbels und Göring aus der Hand, die mit ihrem Unrat die Republik besudeln. Ein trauriges Ende! Man spricht so gern von weiblicher Schwäche. Nun, wir stellen diesem Manne" eine Frau gegenüber, die nach Gegenstand und Kunstrichtung viel innere Berwandtschaft mit ihm gehabt hat: Käte Roll wit. Treu und unbeirrt steht sie heute, wo sie immer stand: im Lager des leidenden Volkes, im Kampfe für Menschengüte und Menschheitsfrieden. Ob ihn nicht doch ein Gefühl der Erniederung erfassen wird, wenn er dieser Frau gedenkt und so manches anderen, der den Träumen seiner Jugend die Trene bewahrt hat? Die schöne Villa in Agnetendorf wird nun nicht von Nazihorden verwüstet werden. Das Standbild des großen deut schen Volksdichters Gerhart Hauptmann aber ist morsch von. Sockel gesunker, lorian Genex DAS BUNTE BLATT NUMMER 73= 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE MITTWOCH, DEN 13. SEPTEMBER 1933 Sefinsuchit in Kouadiott was es alles gibt Von Klaus Klaussen Purpurrot glitt der Sonnenball zum Horizont hinab. Rasch mußte die Dämmerung einfallen, um sofort in finstere Nacht überzugehen. " Wir dürften in zehn Minuten das kleine Fort Nouachott erreicht haben!" meinte der Pilot. Die Sanddünen der Sahara warfen immer breitere Schatten und zerschnitten die Wüsteneinsamkeit und ihr trostIoses Einerlei in groteske Würfelfombinationen. Striche jagten unter dem Flugzeug über den Sand: es waren Gazellen. " Dort!" Der Pilot deutete auf einen fleinen Befestigungsturm. Langsam senkte sich das Flugzeug und wippte wenige Augenblicke über den Sand, um knapp vor einer massiven Biegelmauer, von Schießscharten durchlöchert, zu stoppen. Der Ruf eines Wachtpostens gellt durch die einfallende Tropennacht. Postflugzeug. Wir fliegen nach Dakar," ruft der Pilot aus voller Kehle. Da will der Posten bereits das Gewehr in Anschlag bringen, als ein Mann hinter ihm befiehlt: Passiert!" Wir gehen auf das kleine Fort zu. Uns entgegen tritt ein mittelgroßer Mann. Er ist Korporal der französischen Kolonialarmee und meldet sich als Kommandant des Forts Nouachott. Mit glänzenden Augen betrachtet er uns, als stünde er einem Wunder gegenüber. Dann führt er uns in das kleine Fort. Hier, Messieurs!" Er lädt uns ein, in seinem Zimmer Plaz zu nehmen. Ein Eisenbett, ein kleiner Tisch und ein Sessel. So lebt der Kommandant. Seit sechs Jahren, Messieurs." Er ist Kommandant über fünfzehn Senegalesen. Auf dem Tisch liegen französische Zeitungen. Sie sind über sechs Monate alt. Jedes halbe Jahr kommt eine Karawane, Messieurs. Sie bringt Munition, Lebensmittel, Post und Zeitungen. Sonst verirrt sich niemand hierher. Doch, Messieurs..." Er framt in einer Ecke herum. Dann holt er eine Flasche hervor und stellt sie wie ein Heiligtum auf den Tisch. Sie ist halbgefüllt. Und einen Becher stellt er daneben. Ich habe nur einen, Messieurs, excusez!" Er will uns bewirten. Da holen wir unsere Vorräte und fredenzen ihm. Mit glänzenden Augen, mit zitternden Händen greift er nach dem Rognatglas, nach den Fischkonserven. Und dann erblickt er Zeitungen. Tags vorher find sie in Marseille erschienen. „ Messieurs!" " Ich bin aus Vamperelles. Südlich von Lyon, Messieurs. Eine Kirche steht am Hauptplatz. Und daneben ist ein Gasthaus. Da habe ich immer Karten gespielt. Dort habe ich auch Anette kennengelernt. Sie soll einen Schuster geheiratet haben. Ja, Messieurs!" Er schweigt und sieht in die Wüste hinaus. Dann spuckt er in großem Bogen aus. Er muß oft so stehen, in die Wüste sehen, an Anette aus Vamperelles denken und im Bogen ausspucken. Zu einer größeren Geste kann der Hagere Korporal von Nouachott nicht ausholen. Es wäre auch zwecklos. „ Und was gibt es in der Welt draußen?" Wir erzählen. Er lauscht. Er trinkt jedes Wort. Nach jeder Nachricht muß er nachdenken; er registriert sie scheinbar. Er will sie niemals vergessen. Dann zieht er ein zerfetztes Notizbuch heraus und krizelt etwas hinein. " Damit ich es nicht vergesse, Messieurs. Es jeden Morgen durchlesen kann." Wir liegen in seiner Kammer und schlafen. Als wir morgens erwachen, sitt er im Hof und liest in den Zeitungen. „ Die Menschen heiraten und sterben. Die Menschen sind glücklich: fie gehen durch Straßen, fie reichen einander die Hände. Sie füssen einander und Hassen einander. Ich habe hier in Nouachott niemanden, den ich hassen könnte!" sagt er dann ganz still. Wir gehen zum Flugzeug hinaus. Wann sind Sie heute in Dakar, Messieurs?" fragt der Korporal. " In sechs Stunden, Korporal." " Ich brauche dazu neun Monate. Aber da – ich habe einen Brief, Messieurs! Wollten Sie ihn mitnehmen?" Wir nehmen den Brief. Die Adresse lautet:„ Mademoiselle Anette Lajour, Vamperelles pres de Lyon." Ich will nämlich bloß die Gewißheit haben, ob..." Dann schweigt er. Er zweifelt noch immer an Anettes Glück mit einem Schuster. Die Propeller gehen an. „ Merci, Messieurs!" Stramm steht er neben dem Flugzeug und wirft die Hand zur Kappe empor. Tränen liegen in seinen Augen und sein Schnauzbart zittert. Unter uns die Wüste. Der kleine Turm von Nouachott verschwindet. Durch das Glas ist ein Punkt auf ihm zu sehen: der kleine Korporal blickt uns nach. Sechs Stunden später werfen wir den Brief des Kommandanten des Forts Nouachott in den Postkasten in Dakar. Die Marke dieses Briefes dürfte Anette Lajour in Bamperelles pres de Lyon jetzt am meisten interessieren. Er reißt sie wie ein Raubtier an sich und verkramt sie bet Sommers Ende den andern Schäßen in der Ecke. Wir blicken von der Ringmauer aus in die Wüste. Hoch wölbt sich der Sternenhimmel über die graufigschöne Einsamkeit. Wir sind erschüttert. „ Ich werde wahnsinnig werden, Messieurs. Ich sehe keinen Menschen, mit dem ich sprechen könnte. In meiner Muttersprache. Ich habe seit sechs Jahren keine Frau gesehen. Kein Kind. Nicht einmal einen Hund. Ich bin eben Soldat, Korporal!" Er brüllt den letzten Satz in die Nacht, wirft sich ir die Brust, schlägt auf seine Auszeichnungen als wollte er eine Stüße in seiner Verzweiflung suchen. Fontamara 8 ROMAN VON IGNAZIO SILONE In Fontamara sprach man viel von dieser seltsamen Geschichte, die man vertuscht hatte. Aus eigener Erfahrung und vom Hörensagen wußten wir, daß eine Bank dazu da ist, Geld aufzuheben, oder es von Amerika nach Italien zu schicken oder es in fremdes Geld umzuwechseln. Aber was hatte die Bank mit Geschäften zu tun? Wie konnte sie sich für Schweinezucht, Häuserbau, Gerbereien und Ziegelbrennereien interessieren?.... Nach der Ansicht der Carabinieri war die Macht des Impresario unbegrenzt. Er war die Bank, er hatte eine Bankrotenfabrik zu seiner Verfügung. Die eingeborenen Geschäftsleute begannen vor ihm zu zittern. Trotzdem gelang es uns nicht, zu begreifen, wie er sich bis zum Posten eines Sindaco oder Podesta- was für uns das gleiche war hatte aufschwingen können. Frauen fegten den Hof der Villa; kaum hatten sie uns gesehen, so liefen sie um Rosalia, das Weib des Impresario zu holen. Wie eine Furie trat diese auf. Sie war eine bereits bejahrte, städtisch gekleidete Frau mit einem Raubvogelkopf auf einem langen, dürren Gestell. ,, Weg mit euch!... Weg!... Weg!...", schrie sie uns an.„ Was wollt ihr hier? Sind wir nicht einmal Herr in unserem eigenen Haus?... Wißt ihr nicht, daß wir heute feiern?... In einer Stunde fängt das Ernennungsfest an. Euch hat meines Wissens niemand eingeladen!... Macht, daß ihr fortkommt. Mein Mann ist nicht zu Hause und wenn er fommt, hat er feine Zeit für euch... Geht in die Ziegelfabrit, wenn ihr ihn unbedingt sprechen wollt." Die Carabinieri zeigten uns den Weg dorthin und ließen uns dann allein laufen. Nach vielerlei Umwegen erreichten wir die Brennerei. Bir fanden dort an die zwanzig Arbeiter und einige Fuhreute, die Ziegelsteine schleppten. Aber der Impresario war richt da. Kurz vorher sei er dagewesen und jetzt wieder fortgegangen, sagte man uns. Vielleicht sei er in die elektrische Sägerei, aber wohl auch dort schon weg. Es wäre besser gewesen, ihn in der Sägerei zu suchen. Aber es sei weit dorthin... Ein kühler Wind greift in das kranse Haar Der sommerlichen Birke, die sich wiegt. Ein früher Herbsttag hebt sein Ange klar Ueber den Garten, der in Träumen liegt Und immer noch auf neue Rosen harrt, Dieweil die Astern schon in Sternen stehn Und mit dem Lächeln, dem fich Wissen paart Die ersten welken Blätter sinken sehn. Der verlorene Silot In Most ar ereignete sich ein ungewöhnlicher Vorfall, der fich anläßlich des Flugwettbewerbes um den Pokal des Königs Alerander abspielte. Es erschien plötzlich ein Flugzeug, das entgegen den Bestimmungen des Wettbewerbes geradezu halsbrecherische Kunststücke ausführte. Der Apparat hob sich einmal steil in die Luft, um dann ebenso plötzlich auf die Erde niederzustürzen, so daß es den Zuschauern fast den Atem raubte und sie bereits glaubten, das Flugzeug sei zerschellt. Diese tollkühne Akrobatik dauerte über eine Stunde. Dann landete das Flugzeug. Dabei stellte es sich heraus, daß, der Pilot fehlte. Aus dem Flugs zeug wurde nur der Beobachter, der Leutnant Panitsch, halb ohnmächtig geborgen. Als er sich erholt hatte, erzählte er, daß der Pilot aus dem Apparat geschleudert sei, als sich das Flugzeug den Bergen von Mostar genähert hatte. Trotzdem Panitsch noch nie ein Flugzeug gesteuert hatte, kletterte er zum Pilotensiz. Durch seine unsicheren Lenkversuche taumelte er mit der Maschine durch die Luft, so daß der Eindruc wahnsinniger Kunststüde entstehen konnte. Schließlich gelang ihm die Landung durch einen glücklichen Zufall. Im übrigen ergaben die Nachforschungen nach dem abgestürzten Piloten, daß auch er mit dem Leben davongekommen war. Der umgeschnallte Fallschirm hatte sich beim Sturz automatisch geöffnet und ihn wohlbehalten zur Erde gebracht. Römische Amphitheater bei Lyon Auf dem Fourviere- Berg bei Lyon wurden die Reste eines riesigen römischen Amphitheaters entdeckt, das Schäßungsweise etwa 20 000 Zuschauer gefaßt haben muß. Chefingenieur Lapeyre, der die Ausgrabungsarbeiten leitet, vermutet, daß in diesem Amphitheater, das noch größer ist als die von Nimes und Arles, die Märtyrer von Lyon im Jahre 177 getötet worden sind. Einfach gestofilen! Die Pressestelle des Berliner Polizeipräsidiums teilt mit: Der Politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums ist es gelungen, eine dem ehemaligen fommunistischen Abgeordneten Remmele gehörende Steingrotte, die aus wertvollem Uralgestein zusammengesetzt ist, ausfindig zu machen und zu beschlagnahmen. Diese Steingrotte erwähnt Remmele selbst in einem seiner Bücher. Er hat sie seinerzeit von Rußland als Geschenk erhalten. Die Steingrotte befand sich in einer Wohnung im Westen Berlins, in der Remmele sich vermutlich oft unangemeldet aufgehalten hat. Sofiweinewettstreit mit Gesang Der Männergesangverein„ Eintracht" in Hü kscheiderbaum bei Lüdenscheid hat für den September einen Gesangwettstreit geplant. Aus Anlaß dieses Wettstreits haben die Veranstalter mehrere fette Schweine und ein Rind als Preise ausgesetzt. Der Erfolg war, daß 24 Gesangvereine ihre Teilnahme angemeldet haben Schweine mit GeMartha Groffe. sang: in holder„ Eintracht". Wir wußten nicht wohin gehen und blieben unschlüssig mit ten auf der Straße stehen, mitten in der dick verstaubten Straße. Es war drückend heiß. Der Staub setzte sich uns in die Augen. Wir waren kaum zu erkennen mit unseren schmuzigen, grauen Haaren, mit Zähnen, Mund und Brust voller Staub. Hunger und Durst hatten uns erschöpft. „ Du bist an allem schuld!... Verfluchte Person!... Verfluchte..." fing Lisabetta Limona an gegen die Sorcanera zu feifen. Das war das Signal zum Generalangriff. Die Frau von Pontius Pilatus hatte es auf mich abgesehen: " Du hast mich hierher geschleppt... Ich wollte ja nicht gehen, hatte zu Hause genug zu tun, hab überhaupt keine Zeit zu verlieren; es paßt mir auch nicht, in den Straßen der Stadt hoffärtig herumzustehen!" Giuditta Scarpone und die Tochter des Cannarozzo rissen fich bei den Haaren und lagen schließlich zusammen auf der Erde. Maria Grazia kam dieser zu Hilfe, aber die Recchiuta stürzte sich auf jene und schließlich landeten alle vier auf der Straße in einer Staubwolfe. Zum Glück war das Geschrei stärker als die Schläge, die jede austeilte und bekam. Besonders die Sorcanera, zwischen der Frau von Michele Zompa und der Limona eingefeilt, schrie wie am Spieß, obwohl sie nur ein paar Haare lassen mußte und die neue Schürze in Feßen ging. Die Balgerei konnte erst mit Hilfe der Ziegeleiarbeiter beendet werden. „ Es war ganz verkehrt, dieser Here zu folgen," sagte Limona, auf Marietta weisend, als endlich Ruhe eintrat. „ Der Jmpresario kann gar nichts mit der Verlegung des Baches zu tun haben! Warum sind wir überhaupt hierher gekommen?" ,, Gehen wir einfach zu Don Carlo Magna," schlug jetzt die Frau von Michele 3ompa vor. " Der Bach wird doch seinem Land zugeführt. Möglich, daß es sich um eine Schweinerei von ihm handelt..." In zwei oder drei feindliche Gruppen geteilt, kamen wir in bewohnte Gegenden zurück. Wir steuerten auf das Haus von Don Carlo Magna zu. Die gleiche Magd öffnete wie immer. Wir stellten die gleiche Frage. ,, können wir einen Augenblick mit Don Carlo sprechen?" Wir erhielten die übliche Antwort: „ Don Carlo?... Magna( ißt). Warum sprecht ihr nicht mit der Signora?" In diesem Augenblick erschien die Herrin, die uns kannte. Donna Zizzola empfing uns, als hätte sie uns erwartet. Sie ließ uns in die große Küche treten. Schinken, Salami, Würste, Schweinsschwarten, gebündelte Vogelbeeren, Knoblauch und Zwiebeln hingen von der Decke herunter. Donna Zizzola war immer altmodisch angezogen, die schwarze Haube auf dem Kopf und den schwarzen Rock bis zur Erde hinunter. Wenn sie sprach, flang es weinerlich, denn ohne Lamento ging es nicht. Was die Geschäfte anbetrifft, so sind bei uns die Frauen genau so auf dem laufenden wie die Männer. In Erbschafts- und Befihangelegenheiten gibt ihre Meinung fast immer den Ausschlag. Sie sind es, die den Familienbesitz verteidigen, die mit Untergebenen verhandeln, die Löhne auszahlen, die den Preis der Waren bestimmen. Erbittert verteidigen sie die Erhaltung ihres ländlichen Heiratsgutes und bringen wenigstens einen Teil des vom Manne Eingebrachten vor seinen Spekulationen und Schulden in Sicherheit. Was Don Carlo Magna betrifft, war es allen klar, daß er als Luftikus, Spieler, Fresser und Trinker bekannt ohne die Frau längst seinen ganzen Besitz durchgebracht hätte. Die von der Magd immer wiederholte Antwort war eine von der Herrin erfundene List, um die Geschäfte des Ehemannes zu kontrollieren... Während wir nun die Geschichte vom Bach erzählten, wurde Donna Zizzola zum Umfallen blaß. In ihrem verhärmten Gesicht arbeiteten die Kiefer, sie wollte sich die Tränen verbeißen. „ Dieser Räuber!... Dieser Räuber!..." murmelte sie halblaut vor sich hin. Aber das bezog sich nicht auf ihren Mann. Es bezog sich auf den Impresario. „ Er ist ein wahrer Räuber," sagte sie.„ Das ist doch gesetzwidrig! Wenn der noch einige Jahre hier ist, wird er uns alle bei lebendigem Leib auffressen, mitsamt unsern Häusern, unserm Land, unsern Wäldern und unsern Bergen. Der wird alles sprengen... Mit seiner Teufelsbank wird er uns an den Bettelstab bringen... und zum Schluß werden sie uns auch noch das Almosen verweigern..." So erfuhren wir, daß die berühmten Ländereien des Don Carlo Magna, zu denen der Bach von Fontamara geleitet werden sollte, seit einer Woche vom Impresario zu niedrigem Preis erworben worden waren, um, in bewässerten Boden verwandelt, au viel höherem Preis weiterverkauft zu werden. Fortfebung folgt Gleichgeschaltet! GASSCHUTZ MUSTER STALL தி 5 Juden Eintritt verboten! Aus deutschen Briefen Wörtlicher Abdruck Ihren lieben Brief haben wir erhalten und freuen uns, Die fliegende Nation daß es Euch beiden so leidlich geht. Bei uns ja aud), bis Unsere Zukunft legt in der Luft H. auf Kleinigkeiten, denn gegen alle anderen ist unser Kummer bis dahin noch winzig. Ach was ist in unserer Zeit so alles anders geworden. Dem armen P. geht es miserabel; er hätte schon längst mal geschrieben, aber er muß für alle feinen Buckel hinhalten. Konto( Sparkasse) alles beschlag nahmt, Verbands- Unterstützung abgelehnt, wenns Glück gut ist, muß er auch noch aus seiner Wohnung und warum alles? Schreibt bitte nicht an ihn, auch nicht an 5. und vorläufig auch nicht an uns beide, momentan recht heiß, ich schreibe dann erst wieder, wenn hier alles wieder im Geleise ist. Ach und wißt Ihr, was aus Eurer Wohnung geworden ist? Asyl für Obdachlose.( Der Schreiber dieses mußte flüchten und seine Wohnung im Stiche lassen. Red.) Die L. von Br. hat sich doch mit N. verheiratet und die haben jetzt da mit den SA. die Untertunft. R. ist bei W. auch raus, wohnt jetzt bei seinen Eltern. Von H. K. haben wir noch nichts wieder gehört.( H. K. wurde in ein Konzentrationslager gebracht.)- Heute wieder mal einen Ausschnitt, wir sammeln alles und schicken, aber bitte jetzt vorläufig nicht schreiben. Alles O...( Oranienburg) Hoffentlich kommen diese Zeilen an, daß der Beförderungsweg nicht versagt. Mit O. H. ist es auch toll, die Eltern siten beim Bau und die besten jungen Kräfte müssen weg( Arbeitsdienstlager zur militärischen Ausbil dung). Alles ist so verzagt, auch die Eltern vom Amt. Die jungen Mädels sind noch alle in der K. beschäftigt, nur die B. und P. raus, auch H.( Geschäftsführer der Ortskrankenkasse) ist vollständig ohne Mittel, ein fleines Mädel ist angekommen, seine und auch ihre Verwandtschaft alles aus der Arbeit gekommen, alles ohne Beschäftigung, auch er ist furchtbar reingeriffen, ja es geht einem immer schlechter wie dem anderen. Nun seid beide so recht von Herzen gegrüßt und Euch alles Gute wünschend Eure I. Also bitte, Ihr wißt nun Bescheid nicht schreiben. * Das Geburtstagpäckchen( Schreiber dieses hatte eine Anzahl Nummern der Deutschen Freiheit" als Päckchen nach Deutschland geschickt) ist gut angekommen und mit einem Heißhunger haben sich unsere Freunde und Jungens darüber hergemacht. Am liebsten möchten sie alle Woche Geburtstag haben, hoffentlich flappt alles.- Hier macht es wirklich keinem mehr Spaß, fortwährend lebt man in Angst, ins Konzentrationslager abgeholt zu werden, denn trotz ihrer Macht haben die Herren eine Angst bzw. müssen sie für ihre SA. und SS. Beschäftigung suchen, damit diese jungen Leute feine Zeit finden zum Nachdenken. In B., was Ihr ja auch Also kennt, scheint es auch nicht zur Ruhe zu kommen. Ihr seht, daß ich noch kein„ nationaler" Mann bin. Vielleicht brauchen die noch einmal die„ Bonzen". Um das Geld der Gewerkschaften schneller klein zu kriegen find jett an Stelle von einem Bonzen deren drei, die allerdings vor Langeweile nicht wissen, was sie machen sollen...- Also bis dahin in treuer Freundschaft Euer Vier Stunden Todesangst P. DG. Jmmer ärgere Folterungen denken sich die Folterknechte des Sadisten Görings aus. Wird ein der politischen Betätigung verdächtiger Arbeiter von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, wird er erst zur politischen Vorvernehmung besonderen SA.- Folterabteilungen übergeben. Die politische Vorvernehmung hat den Zweck, auf jeden Fall von dem Verhafteten Geständnisse herauszubringen und den Verrat von Adressen und der Betätigung anderer zu erpressen. Das geschieht auf folgende Weise: Einem Arbeiter, dessen Namen uns bekannt ist, hat man in der üblichen Weise furchtbar geprügelt, dann hat man ihn vier Stunden lang mit dem Gesicht zur Wand stehen lassen und während der ganzen Zeit haben SA.- Männer ihm unterhalb der Schulterblätter den Lauf zweier schwerer Maschinenpistolen auf den Leib gedrückt und ihm fortgesetzt gedroht, daß sie abdrücken würden, wenn er nicht die gewünschten Aussagen macht. Die SA.- Männer haben sich dabei fortwährend abgelöst, der Verhaftete mußte unter dieser fortgesetten Todesbedrohung vier Stunden stehen, ohne sich zu rühren. Auf diese furchtbare Weise werden„ Geständnisfe" erzwungen. Die solcher Handlungen fähig sind, sind nicht Menschen, sondern Bestien. 5 Jahre Gefängnis' Vom Berliner Schnellgericht wurde heute ein vierund. fünfzigjähriger Pacer wegen„ Beschimpfung des Nürnberger Reichsparteitages" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Was der Mann eigentlich gesagt hat, wird aber nicht mitgeteilt. In den herrlichen Zeiten, die uns Wilhelm II. entgegengeführt hat, lag Deutschlands Zukunft auf dem Wasser. Später kam dann der Weltkrieg, und unsere Zukunft fiel ins Wasser. In den herrlichen Zeiten, die uns Hitler, beginnend mit dem Reichstagsbrand, entgegenführt, liegt Deutschlands Zukunft in der Luft. Nicht nur, weil Luftschlösser die Tage der Deutschen vergolden, sondern weil im Zukunftskrieg die Luftflotte für Hitler und Göring das sein wird, was für Wilhelm II. seine Marine war. Das Ende wird sein, daß Deutschland in die Luft geht. Wer das Unglück verhindern will, ist ein Landesverräter, ebenso wie jeder, der von 1890 bis 1914 vor dem Weltkrieg und vor Deutschlands Schicksal im Weltbrand warnte, ein Schwarzseher war. Deutschland ist zur Zeit in einer wahren Luftzeugpsychose. Schutz gegen Luftangriffe ist die große Mode. Alt und jung werden mobilisiert und für den Luftschutz gedrillt. Aber auch die Flugzeuge und das Fliegen selbst werden zu einem beliebten Unterrichtsstoff. Bor uns liegt folgendes Rundschreiben: An alle deutschen Schulen! Durch Erlasse des Reichskommissars für Luftfahrt, Herrn Reichsminister Göring, sowie Aufrufe der Reichsregierung, ist dringend darauf hingewiesen worden, der deutschen Jugend ganz besonders den Luftfahrtgedanken näher zu bringen. „ Das deutsche Volk muß eine fliegende Nation werden, denn nur einem fliegenden Wolke gehört die Zukunft." Wer sich diesem Ziele widersetzt, oder auch nur ohne Verständnis dafür tatenlos beiseitesteht und es anderen überlassen will, versündigt sich an der deutschen Jugend und muß auch die Folgen dafür tragen. Es muß eine der vornehmsten Aufgaben deutscher Jugenderzieher sein, an dem großen Werte mitzuarbeiten, die Tatkraft der Jugend in die rechte Bahn zu lenken. Flugbegeisterte Jugend von heute bedeutet flugverständige Bürger von morgen. Auch zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit muß jeder beitragen, der weiter sieht, als der Tag erkennen läßt. Nicht jeder kann große Aufträge erteilen, aber einen kleinen Teil zur Belebung kann jedermann beitragen. Viel Wenig machen auch ein Viel. Wer sich abseits stellt, straft sich selbst, sind wir in der Volksgemeinschaft doch alle auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Ein Appell an Millionen einzelner gerichtet, kann am ehesten Millionen Arbeit geben. Krieg den Impfgegnern... und andern Sekten Vom Thüringischen Innenministerium sind im Lande Thüringen alle Impfgegnervereine sowie der ImpfgegnerThüringen alle Impfgegnervereine sowie der ImpfgegnerAerztebund aufgelöst und verboten worden. Das Vermögen dieser Organisationen wurde beschlagnahmt. Der Waldenburger Polizeipräsident hat die führenden Mitglieder eines sogenannten Iub3 der Gleichgesinnten" in Schutzhaft nehmen lassen und in einem Aufruf an die Bevölkerung verkündet, daß diese Per senen so lange in Schußhaft bleiben werden, bis die von ihnen ins Leben gerufene Sefte ihre Tätigkeit eingestellt habe. Die Anhänger dieser Sette pflegen bei ihren Busammenkünften spiritistisches Ritual und gaben vor, das Reich Gottes zu suchen. Ihre Anhänger mußten sich einem wochenlangen strengen Fasten unterziehen, durften nur vegetarisch leben, und es war ihnen untersagt, ein Rasiermesser zu benußen. Selbst die Kinder blieben von diesen Vorschriften nicht verschont und die Säuglinge wurden im zartesten Alter der Milch entwöhnt. Da die Sekte immer stärkeren Zulauf hatte und in eine öffentliche Plage ausartete, sah sich der Polizeipräsident au dieser Maßnahme veranlaßt. Wahrscheinlich hat man es vor allem auf das Vermögen der Sekte abgesehen. Sonst sollte man annehmen, daß es auf einen Spleen mehr oder weniger in Deutschland nicht mehr ankommt. Die besten Kenntnisse auf dem Gebiete der Luftfahrt können unserer Jugend durch Flugzeugmodelle zum Selbstbauen vermittelt werden, wie sie an tausenden deutscher Schulen in weit über Hunderttausend Exemplaren schon verwandt werden. 3 ahlreiche Anerkennungen und Gutachten aus allen Teilen Deutschlands, von Schuldirektoren und Lehrern, sowie die begeisterten Schreiben der Kinder selbst, bürgen für die Zweckmäßigkeit und zeigen, mit welcher Freude und welchem Erfolg dieses neue Unterrichtsmittel von Lehrer und Kindern aufgenommen worden ist. Das neue Modell„ Silberfalke" mit stärkerem Motor und neuem Propeller wird noch zum Notzeitpreis von 70 Pfg. p. Stück geliefert. Alle Werkstoffpackungen sind sonst wesentlich teurer. Zusendung erfolgt ab 10 Stück porto und verpackungsfrei, der Einfachheit halber gegen Voreinsendung des Betrages auf Postscheck- Konto Erfurt Nr. 11 032 oder per Nachnahme, falls nicht anders gewünscht. Ab 25 Stück erhält jede Schule ein fertigzusammengebautes Modell als Vorbild beigefügt. Sammelbestellungen geschahen bisher so, daß die Schulleitungen dieses Schreiben bei den Herren Lehrern umlaufen und die beiliegenden kleinen Zettel an die Schüler verteilen ließen. Jeder Deutsche helfe zum Wiederaufstieg des Vaterlandes! Mit deutschem Fliegergruß Heil Hitler! Hugo Wegner, Naumburg- Saale- Scherbitzberg Flugzeugmodellbau Leiter der Abt. Modellbau und Jugend im DLV., Ortsgruppe Naumburg Postscheckkonto: Erfurt Nr. 11 032. Die Firma führt Dutzende Anerkennungsschreiben an. Natürlich handelt es sich hier„ Mit deutschem Fliegergruß und Heil Hitler!" zunächst um ein gewöhnliches Geschäft. Bom erzieherischen Standpunkt aus aber sollte man meinen, daß die Schulen dringlichere Aufgaben hätten als das allgemeine Spiel mit Flugzeugmodellen. Judenkinder ohne Gasschutz Berlin.( Inpreß.) Amtlich wird gemeldet, daß in den Schulen bei den Gasschußübungen jüdische Kinder ausgeschlossen werden. Da Gasschußübungen nicht als Zeitvertreib, sondern als Vorbereitungen für den Ernstfall betrachtet werden, so hat die amtliche Verfügung nur den einen bestialischen Sinn: Judenkinder im Falle eines Gasangriffs unvorbereitet zu finden und jämmerlich umkommen zu Lassen. Sinkende Geburtenziffer 99 , Volkstod" Berlin. Die Notwendigkeit durchgreifender Maßnahmen, wie sie von der Regierung zur Abwendung des drohenden Volkstodes geplant sind, wird durch die soeben veröffentlichte preußische Statistik über Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle erneut unter Beweis gestellt. Wieder ist die Geburtenziffer erheblich gesunken. Im 1. Vierteljahr 1933 wurden in Preußen 157 079 Kinder geboren, was eine Senkung von 5 Prozent gegen das erste Vierteljahr 1932 entspricht. Es starben 142 531 Personen, das sind 16 Prozent mehr als im Vergleichsjahr 1932. Der Geburtenüberschuß sank somit um 6,65 Prozent gegen das erste Quartal. Im ersten Vierteljahr 1983 wur den in Preußen 59 555 Ehen geschloffen( 6 Prozent weniger als 1932). * Der Magistrat der Stadt Heide hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Maßnahmen gegenüber denjenigen unsozialen Hausbesizern zu ergreifen seien, die eine unfreunds liche Haltung gegenüber kinderreichen Familien einnehmen. Der Magistrat betrachtet ein derartiges Verhalten als Sabotage am nationalen Aufbau und hat an Hausbesitzer, die fich weigern, ihre Wohnungen an finderreiche Familien zu vermieten, eine letzte Warnung ergehen lassen. Es wurde in schweren Fällen Schuzhaft und Konzentrations= lager für die unsozialen Hausbesizer angekündigt. Otto Burgemeister. Amsterdam: Flämische Nationalisten H322A3 гала als Söldner des dritten Reiches" Daß die Errichtung des dritten Reiches" mit allen wider wärtigen Begleiterscheinungen einer unmenschlichen Unterdrückungspolitik nur die vorbereitende Phase der Fortsetzung des Weltkrieges ist, zeigt nichts so deutlich wie die Abhängigkeit des flämischen Nationalismus von der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie. So sorgsam man auch die Verbindungswege, die vom Zentrum der deutschen Kriegsindustrie über dessen Verbindungsmänner in Rotterdam nach Antwerpen und Gent laufen, durch einen Phrasennebel zu verschleiern getrachtet hat, so zeichnen sich doch deren Umrisse in den letzten Monaten immer deutlicher ab, und es sind wie Dr. Borms teilweise die gleichen Männer, die sich schon in den Kriegsjahren in Flandern hinter die Eroberungspolitik des Generalobersten von Bissing und seines Nachfolgers gestellt haben. Dinaso oder Dietsche Nationalsolidaristen Die gegenwärtige flämische Nationalbewegung ist in zwei Strömungen gespalten, von denen die Dietschen Nationalsolidaristen oder abgekürzt Dinaso unter Leitung von Ward Hermans wesentlich aktiver find, während die Frontpartei unter Leitung von Herman Vos, dem Herausgeber der Antwerpener Tageszeitung„ Schelde", nach einem zeitweilig sehr starken Zustrom vor einigen Jahren langsam zu verfallen scheint. Die Dinaso sind ausgesprochene Nationalsozialisten im deutschen Sinne des Wortes, führen das Hakenkreuz als Symbol und fingen einen flämischen Tert des Horst- WeffelLiedes. Sie sind scharfe Antisemiten und erbitterte Gegner alles dessen, was marristisch ist. Da die flämische Sozialdemokratie in Städten wie Gent und Antwerpen über sehr starke Bollwerke verfügt, terrorisieren die Dinaso vorläufig die Landbevölkerung in unglaublicher Weise. Als dietsche Nationalsolidaristen erstreben sie die natio nale Solidarität aller Dietschen, was mit anderen Worten ein Großniederland bedeutet, da DietschLand der alte historische Name für das burgundische Großniederland einschließlich Belgien und Französisch- Flandern ift. Das Ziel ist damit deutlich umschrieben: der belgische Staat soll von innen heraus gewaltsam zersprengt werden. Dieses Ziel wird noch deutlicher, wenn man die Person von Ward Hermans unter die Lupe nimmt. Ward Hermans war nach seinem eigenen Eingeständnis im„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" vom 18. März 1929 diejenige Person, die Herrn van Beuningen, dem Vertreter des RheinischWestfälischen Kohlensyndikates in Rotterdam, im Januar 1929 die gefälschten Utrechter Dokumente übergab. Unabhängig von dem Umstande, ob Frank Heine, der damals Ward Hermans die Dokumente in die Hände spielte, ein Spizel des deutschen Spionagechefs im Rheinland Hauser war oder nicht, steht mithin fest, daß schon damals sehr gute Beziehungen zwischen der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie und den Spigen der flämischen Bewegung bestanden. Ward Hermans unterhält aber auch freundschaftliche Beziehungen zur Niederländischen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, den sogenannten Schwarzhemden des Dr. Haighton im Haag, und deren Zusammenhang mit Herrn George van Beuningen ist durch deren früheres Vorstandsmitglied J. G. A. van 3iist ausdrücklich festgestellt worden. Die deutsche Schwerindustrie ist mithin an der Dinaso- Bewegung interessiert, die damit als ein deutsches Machwerk entlarvt ist. 99 Dr. Borms Als Vermittler zwischen den Dinaso und der Frontpartei tritt neuerdings Dr. Borms wieder auf, der bereits dem von den Deutschen während des Weltkrieges eingesetzten Rat von Flandern angehörte und unter dessen Auspizien kürzlich ein neuer Rat von Flandern zu= standegekommen ist. Dr. Borms, der wegen seiner Beziehungen zur Leitung der deutschen Besetzung in Belgien seinerzeit zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, aber Ende 1929 begnadigt wurde, proklamiert jetzt den offenen Aufstand gegen die Regierung in Brüssel. So erklärte er auf einer Versammlung in Jabbeke bei Ostende am 13. August d. I., daß von der Yzer- Ebene aus das Signal zur Befreiung Flanderns gegeben werden solle und daß er bereit sei, für die Befreiung sein Blut zu vergießen. Hier gab er gleichzeitig offiziell die Wiedererrichtung des Rates von Flandern bekannt, bewahrte aber strengstes Stillschweigen über die Zusammensetzung dieser Körperschaft. Wenn man erwägt, daß der in Santpoort ( Nordholland) erscheinende„ Dietsche Gedachte" in seiner Mainummer 1933 dem Rate von Flandern die Aufgabe zu= schrieb, die flämische Bevölkerung zum Steuerstreif und Schulstreif, sowie zur Verweigerung des Heeresdienstes im Kriegsfalle zu veranlassen, während doch die Dinaso sowohl wie die Fronter alles eher als Pazifisten sind, dann wird offenkundig, daß der neue Rat von Flandern ein nationalistisch revolutionäres Element im Interesse der imperialistischen Politik des ,, dritten Reiches" ist. Die Geschichtslegende der flämischen Nationalisten Gleich ihren deutschen Freunden sind diese flämischen Nationalisten groß in der Verfälschung geschichtlicher Tatsachen. Ihr Historiker ist ein gewisser Vital Haesaert, der die auf Sprachgemeinschaft beruhenden gleichen literarischen Interessen mit Niederland, wie sie sich seit 1880 herausgebildet hatten, in eine politische Vorfriegsbewegung mit der Forderung der Anerkennung der flämischen Nationalität verfälscht. Der antibelgische Charakter der Darstellung Haesaerts wird sehr deutlich, wenn er behauptet, daß die flämische Jugend für den belgischen Staat nur Kanonenfutter gewesen sei. An der Yzerfront hätten zu 80 Prozent und stellenweise zu 90 Prozent Flamen gestanden. Nun sind in jedem modernen Kriege Soldaten schwerlich etwas anderes als Kanonenfutter; bei objektiver Betrachtung aber kommt man zu der Feststellung, daß auch die belgischen Wallonen, die in anderen Frontabschnitten standen, im Weltkriege entsetzliche Verluste aufzuweisen hatten. Begreiflicherweise dirigierte der belgische Heerführer gerade die Flamen an die zerfront, weil sie hier ihren eigenen Boden verteidigten. Nebenbei bemerkt ist auch Haesaert keineswegs ein Pazifist und grundsätzlicher Kriegsgegner; er würde gar nichts dagegen einzuwenden haben, wenn die Flamen in dem bewaffneten Streit um ihre Unabhängigkeit zu 100 Prozent unter gegnerischen Kanonen verbluteten. Diese Legendenbildung hat lediglich den Zweck, den deutschen Hintergrund der ganzen Bewegung zu verdecken. Das dritte Reich" enthüllt sich mehr und mehr als der Erbe der unseligen Annexionspolitik des Weltkrieges; Niederland und Belgien sind heute der Schauplatz, auf dem es diese Politik in Westeuropa vorbereitet. Nur die rücksichtsloseste Aufdeckung aller Fäden kann dieses Spiel noch rechtzeitig vereiteln. Das Hakenkreuzfähnchen In der Schweiz sehr unbeliebt Die„ National- Zeitung" in Basel berichtet: Wenn deutsche Autofahrer mit dem Hakenkreuzfähnchen an ihrem Wagen an die Schweizer Grenze kommen, werden sie von unsern Grenzwächtern dahin aufgeklärt, daß das Führen dieses auf so viele Leute und durchaus nicht nur Juden und Marristen, herausfordernd wirkenden Emblems wohl gesetzlich zulässig, unsere Polizei jedoch nicht überall und jederzeit in der Lage sei, es zu beschützen. Deshalb rate man den Autofahrern, in der Schweiz das Hakenkreuz lieber nicht zu führen. Es gibt denn auch genug Vernünftige, die solchen Rat befolgen, während andere finden:„ nun gerade recht!" In der irrtümlichen Annahme, für ihre Idee Propaganda zu machen und in der Meinung, nur auf diese Weise ihre Würde als Untertanen des dritten Reiches" im Ausland gebührend zu behaupten, hissen sie ihr Fähnchen und müssen dann häufig erleben, daß es von frecher Hand abgerissen wird. Wir mißbilligen solche hakenkreuzfeindliche Demonstrationen, können aber nicht umbin, die Autofahrer selbst als mitverantwortlich dafür zu bezeichnen. Ein deutsches Auto hielt vor dem Münster, und während der eine Fahrer die Kirche besichtigte, hißte der andere das Hakenkreuz. Zu seinem Unglück war der Platz durch die Scharen unserer Gymnasiasten belebt, die beim Anblick des Fähnchens ein nicht mißverstehendes Gejohle anstimmten. Ein erwachsener Passant riß das Fähnchen ab, was von einem erneuten, diesmal zustimmenden Gejohle der Schuljugend quittiert wurde. Die Autofahrer fuhren ohne Hakenfreuz weiter und werden vermutlich zu Hause erzählen, die Echweizer Bevölkerung sei durchaus hitlerfreundlich und narte auf ihre Befreiung, nur die Schuljugend sei durch die Judenpresse aufgeheßt und irregeleitet. Wie viel klüger wäre es doch, wie die Meisten und entschieden Gescheiteres machen, die Ratschläge unserer Zollbeamten zu befolgen und solche unliebsamen Zwischenfälle zu vermeiden. BRIEFKASTEN H. H., Barcelona. Ihre Mitteilungen über die Deutschland schädigenden Wirkungen des Hitlerismus sind eine Bestätigung dessen, was sie außenpolitisch stets bei uns lesen können. In Deutschland ist die„ Deutsche Freiheit" verboten. An einen regel mäßigen Bezug in Deutschland ist nicht zu denken. „ Neues Tagebuch". Durch ein Versehen haben wir neulich den Ihnen entnommenen Aufsatz„ Auch das wäre möglich von Archibald von Douglas mit einer unrichtigen und irreführenden Quellenangabe ausgestattet. Das tut uns doppelt leid, weil wir jede Ihrer Nummern mit aufrichtiger Freude begrüßen und fast jeder Ihrer Artikel ein ausgezeichneter Beitrag im Kampfe gegen den Faschismus ist. Wir bitten um Entschuldigung. Es wird nicht wieder vorkommen. Paris. Es fällt uns nicht ein, jedem Beitrag im„ Braunbuch" zu zustimmen. Natürlich wissen wir, daß seine Hintermänner Kommunisten sind; und die Kommunisten müssen nun einmal mit allem Parteiagitation machen. Wir wissen, daß das ursprüngliche Manusfript mit Heßereien gegen die Sozialdemokratie nur so gespickt war. Dann hat man die schlimmsten Ausfälle fortgelassen, wahrscheinlich cber nur aus Geschäftsgründen. Sieht man von dem rein Agitatorischen ab, so bleibt das Buch eine wichtige Dokumentensammlung. Bet stärkerer Konzentration würde das Buch noch besser wirken. Es festet übrigens nicht 18 Mark, sondern 18 französische Franken. Die Nachfrage ist immer noch stark. W. in E. 1. Leider sind uns Adressen österreichischer und deutschschweizerischer Filmgesellschaften nicht bekannt. Sollten wir aufgrund dieser Notiz solche erhalten, so werden wir sie Ihnen gern weitergeben. 2. Von einem Verbot der Deutschen Freiheit" in Rußland ist uns nichts bekannt. Wir glauben auch nicht daran. Mit der„ Prawda" stehen wir im Austauschverkehr. Lyon. Wir empfehlen Ihnen die im Verlag„ La Republique" in Straßburg erschienenen Broschüre Assasins". Sie ist in Französisch geschrieben und behandelt die Barbareien der deutschen Nazis. H. W., Eupen. Sie übersanden uns das„ Grenz- Echo" und weisen darauf hin, daß der Inhalt eines Aufsatzes über Horst Wessel, der„ Deutschen Freiheit" entnommen ist. Das freut uns. Noch schöner wäre es freilich, wenn das Blatt seine Quelle genannt hätte. Uebri gens freut sich der Verfasser, ein junger Emigrant, schon auf das Nachdruckhonorar. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pizz in Duds weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schüßenstraße 5. Festgottesdienst nach deutschem Ritus. Orgel Chor PREDIGTEN IN DEUTSCHER SPRACHE Rauschhaschonoh und Faum kippur 1933 im würdigen Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré, Paris 8 am 20., 21., 22., 29. und 30. September 1933 Karten gültig für alle 7 Gottesdienste 25,- bis 100,- Fr. Vorverkauf bei: Durand& Co., 4, Place de la Madeleine. La Boite à Musique, 133, Boulevard Raspail. Maison de France, 101, Avenue des Champs Elysées und im Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré An- und Verkauf Zentraleuropäischer und Südamerikanischer Devisen, Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles& P. Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS VIII TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 Ungarischer Csárda Auberge Hongroise 76, Rue Mazarine, Paris 6é Métro Odéon Wiener, Ungarische Küche Französische Spezialitäten Prix fix Menü 8.- francs einschl. Getränk. Auch a la Carte Ungarische Weine Musik jeden Abend Man spricht deutsch Wo speist man gut und billig in Brüssel Restaurant à la Fourchette 22, rue St. Michel, 22. 1. Querstraße rechts vom Platz Brouckère. Diners u. Soupers à 6,00, 8,00 u. 10,00 Frs Flüchtlinge aus Deutschland erhalten 5% Rabatt aut alle Speisen. Geöffnet von 12 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Deutschem Drucker bereit seine Einrichtung( kleine, ganz moderne autom. 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