Sinzige uuadhiingige Tageszeitung ventjchlaods Nummer 74— 1. Jahrgang Saarbrücken,Donnerstag,den 14.September 1933 I Chefredakteur: M. Braun i Die Gewalt ist an und für sich das Mittel der Minderzahl; das Recht, das Gesetz das der Mehrzahl; und wo Gewalt nur notwendig ist, da ist sie ein Beweis, daß der, der zu ihr greift, nicht auf sein Recht allein baut, nicht die Mehrzahl des Volkes für sich hat V e n e d e y fladKhampl um die ttcidKwthr Ein Reidiswehrhauptmann über die politischen Strömungen im üeer AuS begreiflichen Gründen müssen wir den Weg, de« der nachstehend abgedruckte Brief eines Reichswehr» Hauptmanns zn einem unserer Mitarbeiter genommen hat, oerschweigen. Bielleicht könnte man fragen, warum wir den Brief nicht in Faksimile veröffentlichen. Das wäre zwecklos, weil der Brief chiffriert und daher nicht all» gemein lesbar ist. Bielleicht könnte man aus dem Faksimile auch Schlüsse auf die Herkunft des Brieses ziehen, was dem Schreiber verhängnisvoll werden und uns eine wichtige Informationsquelle verderben würde. Der Brief er- wähnt die Reichswehrkundgebung zu Gunsten des Reichs» kanzlers Hitler anläßlich der Manöver in Württemberg nicht. Er macht die Rede des Reichswehrministers aber noch verständlicher als sie ohnehin war: die Reichs» «ehr will lieber mit Hitler, als mit Göring zntnnhabeu. Sie hat sich in dem Machtkamps zwischen beiden für den Reichskanzler entschieden. Sehr be- merkenswert ist der Hinweis auf den obersten Stabschef Ernst R ö h m. Er ist der militärisch-organisatorische Kops der nationalsozialistischen Bewegung. An Militär- technischen Kenntnissen und an zähem systematischem Willen ist er Hitler weit überlegen, von dem Morphinisten Göring ganz zu schweigen. Hitler könnte sich von Göring» nie aber von Röhm trennen, wenn nicht das ganz« Instrument der SA. und SS., das Röhms Werk ist, zerbrechen soll. Daraus erklärt sich auch, daß Hitler seinen Stabschef Ernst Röhm nicht fallen lassen konnte, als die peinlichsten wahrheitsgemäßen Enthüllungen jahrelang die sozio- listische Presse beschäftigten. Die Kämpfe aus den Lommandohöhcn des Nationalsozialismus sind noch lange nicht entschieden. Röhms Schicksalslose aber sind in diesem Ftthrerstreit aussichtsreicher, als die große Oesfentlichkeit ahnt. Als der in den Vordergrund geschobene„Führer" in Nürnberg, fast 5 Stunden lang im Auto stehend, die Hand hob, um die Zehntausende des braunen Heeres zu grüßen, stand unbeweglich hinter ihm die schwere, massige Gestalt des Stabschefs Röhm. Hitler nahm die Hul- digungeu entgegen, aber die Marschkolonnen, die da vor, überzogen, waren von dem Willen Ernst Röhms geformt und geführt. Er scheint den Ruhm weniger zu lieben als die Macht, und das gibt ihm Krajt und große Aussichten für die Zukunft. Der Brief deS Reichswehrhauptmanns lautet: X., den 4. September 1033. Lieber alter Freund! I» der Hoffnung, daß es Dir weiter gut geht, will ich Dir umgehend Deine diversen Fragen ausführlich beant- Worten.... Du kannst Dir denken, daß gerade das Problem, für das Du Dich interessierst, uns in der Reichswehr ungeheuer be- schäftigt. Natürlich bin ich nicht in der Lage, Dir Mittei- langen zu machen, wie man in den höheren Kommandostellen die Sache sieht und behandelt, aber ich kann Dir die Stimmung innerhalb meiner Garnison— und so wirb sie im ganzen Heer sein— schildern. Darüberhinaus will ich auch die verschiedenen Ansichten zusammenfassen, die unter den Offizieren bis hinauf zum Oberst bestehen. Schon bei Beginn der nationalsozialistischen Revolution war die Reichswehr sehr verärgert. Bekanntlich war die Reichswehr immer zu 80 Prozent nationalistisch. Wenn man auch keiner bestimmten politischen Partei angehörte, so fühlte man sich doch den Deutschnationalen zugehörig. Bei jeder Revolution spielten doch die Soldaten eine bedeutsame Rolle. Warum bei dieser nicht. Weshalb ließ man die Reichs- wehr Gewehr bei Fuß stehen? In den Ofsizierskreisen wartete man auf den Ruf. Er blieb aus. Die SA. und SS. wollte allein Revolution machen. Die Reichswehr blieb neu- tral. Sehr ungern! Denn die Taten der SA. haben im ganzen Heer Abscheu hervorgerufen. Und wenn wir ein- gegriffen hätten, so wäre es ganz gewiß nicht zu einer natio- nalsozialistischen Revolution gekommen, sie wäre bei der nationalen stehen geblieben. Die Bestrebungen, die Reichswehr gleichzuschalten, stießen bei dem gesamten Offizierskorps und allen Mannschaften— ganz abgesehen von der Haltung der hohen Kommando- stellen— auf schärfste Zurückweisung. Das Gefühl, aus einem Soldat ein SA.-Mann zu werden, machte uns schaudern. Das Benehmen der SA. und SS. uns gegen- über, das der Mannschaften gegenüber unseren Mannschaften und da? der Führer gegenüber uns Offizieren war derart überheblich und flegelhaft, daß wir sehr oft dagegen ein- schreiten und uns Respekt verschaffen mußten. Teils durch energische Beschwerde», teils sofort durch die Faust und die Waffe. Das besserte nicht das Verhältnis der Reichswehr zu den Schutzformationen und zur Regierung Hitler, sondern verschlechterte es. Ja, es kam soweit, die Beschwerden höchster Offiziere wurden so zahlreich, daß es, als der Wchrminister sich weigerte, etwas zu unternehmen, zu dem Warnungs- schreiben der 23 aktiven Generäle an Hitler kam. Dazu kamen noch andere, wirtschaftliche Vorgänge, die den Gleichschaltungsbestrebungen entgegenstanden. Die frei- gewordenen Beamtenstellen sollten nach einem Erlaß Hitlers zu SO Prozent mit Nationalsozialisten besetzt werden. Unsere Militäranwärter, die ihre Dienstzeit hinter sich hatten, mußten sich dadurch außerordentlich benachteiligt fühlen. Denn ihr Anspruch war doch unzweifelhaft be- grttnbeter als der eines Nationalsozialisten. Die Chargen rebellierten. Und wieder mußten die Generale an die Front, nachdem der Wehrminister abermals versagte. Und wieder wich Hitler zurück. Innerhalb der Reichswehr wurden diese Borgänge als Siege empfunden und bei der nationalsozialistischen Partei als Niederlagen. Man gab sich nun besondere Mühe, den Apparat des Heeres in die Hand zu bekommen. Aktive Offiziere und Unteroffiziere wurden unter irgendeinem Borwand in Pension geschickt und an ihr« Stellen wurden SA.- und««.-Führer gesetzt. So versuchte man, zuerst die unteren Kommandostellen langsam in die Hände von»uver- lässigen Nationalsozialisten zu spielen. Und ähnlich ging man bei den Neurekrutierungen für Heer und Marine vor. Auch dieser Schachzug mißlang durch den Einspruch der Generalität, die die gesamte Reichswehr hinter sich wußte. Das Problem Reichswehr läßt die Nationalsozialisten nicht ruhen. Es kam der Erlaß der Grußpflicht mit den nationalsozialistischen Formationen und endlich die Be- mühungen, das Wehrministerium sich anzueignen. Hitler schien es am geeignetsten, den Führer der SA. und SS., den Stabschef Röhm zum Reichswehrminister zu machen. Dem widersetzte sich aber der preußische Ministerpräsident Göring ganz energisch. Er wollte sich seine ungeheure Macht, die er schon in Händen hat, nicht entwinden lassen, sondern sie noch verstärken. Und es begann das Spiel hinter den Kulissen. Der erste Vorstoß war, daß Göring es durch- setzte, zum General befördert zu werden, ein Vorgang, der in der Reichswehr infolge seiner Einzigartigkeit lebhaft be- sprachen und in den Offizierskreisen übel aufgenommen wurde. Besonders, weil man in dieser Beförderung eine Vorbereitung zur Uebernahme des Wehrministeriums durch Göring erblickte. Auch Hitler war sicher durch die Beförde- rung überrascht worden. Der Machtkampf zwischen Hitler und Göring wird nach allgemeiner Ansicht durch die Reichswehr entschieden werden. Und man ist heute schon so weit, daß man innerhalb der Reichswehr gesonnen ist, das kleinere Uebel, nämlich den Stabschef Röhm hinzunehmen. Allerdings gibt man sich dabei der vielleicht irrigen Ansicht hin, daß man mit Röhm genau so umspringen kann wie mit dem derzeitigen Minister von Blomberg. Inzwischen besteht innerhalb der Mannschaft und Offiziere trotzdem noch unbegrenztes Vertrauen zur Generalität, die sich bis jetzt so tapfer gewehrt hat, und meint, daß sie es verhindern könne, Göring oder Röhm an die Spitze der Wehrmacht gesetzt zu sehen. Schon spricht man allgemein davon, daß abermals eine große Aktion der Generäle bevor- steht, die darauf abzielt, Hitler klar zu machen, daß man auf dem Rücken der Wehrmacht keinerlei politische Machtkämpfe austragen darf und kann. Das Verhältnis der Reichswehr zur SA. und SS. hat sich trotz der Grußpflicht in der letzten Zeit weiter ver, schlechter». Bisher drang von den ständigen Zusammen- stößen zwischen Heeresangehörigen und SA.-Leutcn nichts, in die Oeffentlichkeit. Tatsache aber ist, daß sich solche Zwischenfälle mehren. Mit atemloser Spannung wird die Entwicklung der Dinge innerhalb der Reichswehr verfolgt. Im Kasino wie in den Mannschaftsquartieren gibt es nur einen Gesprächsstoff. Gelingt es Göring, Wehrminister zu werden, gelingt es Röhm? Oder gelingt es keinem von beiden? Ich kann Dir versichern, daß nach allgemeiner Ansicht auch heute noch 80 Prozent des Heeres und der Marine nationali- stisch, nicht nationalsozialistisch eingestellt sind. Von den rest- lichen 20 Prozent glaubt man 15 Prozent den National- sozialisten und S Prozent den früheren Liberalen zurechnen zu dürfen. In der Hoffnung, Dir die gegenwärtige Situation gemäß Deiner Fragen genau geschildert zu haben, grüße ich Dich vielmals. Die anderen Anfragen kann, darf und will ich nicht beantworten. Sonst, wie Du weißt, gerne bereit, Dir.... rubrer der Arbeitsfront ersdiossen Geheimnisvoller Tod des Orgonlsafionslelfers Muchow Am Sonntag war in Köln eine große Kundgebung der „Deutschen Arbeitsfront". Zu Ehren des ehemaligen italienischen Korporationsministerâ B o t t a t wurden die Kölner Arbeiter zu einer Massenkundgebung befohlen, und es wurden lange aber nichtssagende Reden über das immer noch ungeklärte Problem des ständischen Aufbaus in Deutsch- land gehalten. Die Massen gingen dann wieder an ihre schlechtbezahlte Arbeit oder zum Stempeln an das Arbeitsamt, die Herren Führer aber machten eine feuchtfröhliche Autotour den Rhein hinauf. In Bingen oder in Bacharach fand am Dienstag- nacht diese Rheinreise einen plötzlichen furchtbaren Ab- schluß: der Sturmbannführer M ehr lin g hat den Leiter des Organisationsamts der„deutschen Arbeitsfront" Muchow erschossen. Die widerspruchsvollen halbamtlichen Meldungen zeigen, daß hier ein geheimnisvolles Drama vorliegt, dessen Ursachen und dessen Verlaus vertuscht werden sollen. Die erste Wolffmeldung sprach nur von einem„Unglück" und gab als Schauplatz Bingen an. Ein Versehen in der Eile ist nicht möglich, da die Meldung erst mehrere Stunden nach dem Vorfall verbreitet worden ist. Sie lautet: Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront, Reinhold Muchow, der zu den führenden Männern der RSBO. gehört, ist heute mittag in Bingen am Rhein tödlich verunglückt. Offenbar hatte man inzwischen eingesehen, daß das „Unglück" zu viele Zeugen gehabt hat, um so abgetan werden zu können. Es kam eine weitere Meldung, die das Revolver- drama nach Bacharach verlegte, und zwar in folgender Erzählung: Zn dem tragischen Tode des Leiters des Organisations- amies der„deutschen Arbeitsfront", Reinhold Muchow, er, fahren wir noch folgendes: Muchow hatte sich mit einigen Freunden, darunter dem Sturmbannführer Mehrling, in der Pfalzgrasenschenke in Bacharach zum Abendbrot niedergelassen. Nach dem Abendbrot stand Mehrling, der Muchow gegenübersaß, ans, um sich zu verabschieden. Als er sein Koppel umschnallte, schlug der daran befindliche Revolver gegen den Tisch. Es löste sich ein Schub, der Muchow in den Leib traf. Mehrling riß, ehe ihn jemand hindern konnte, seinen Revolver heraus und jagte sich zwei Schüsse in de»» Kops. Er war sofort tot. Muchow wurde schwer verletzt in das Binger Krankenhaus geschafft, wo er heute morgen um 4 Uhr gestorben ist. Diese zweite Meldung ist so unglaubwürdig, wie die als verlogen preisgegebene erste. Es ist nicht anzunehmen, daß ein Sturmbannführer einen altmodischen Revolver mit sich schleppt, der sich entläd, wenn er gegen die Tischkante schlägt. Man wird überhaupt schwer ein solches Revolvermodell sich vorstellen können. Die Führer der NSDAP, sind mit modernen Revolvern ausgerüstet, bei denen eine Entladung auf die geschilderte Art ganz unmöglich ist, selbst wenn der Revolver ungesichert im Lederfutteral gewesen sein sollte. Jeder, der diese Waffen kennt, wird uns das bestätigen. Weiter: nach der halbamtlichen Meldung hat Muchow noch mehrere Stunden nach den Schüssen gelebt. Mehrling konnte also, wenn es sich wirklich nur um einen Unfall ge- handelt hätte, im ersten Augenblick gar nicht wissen, ob seine Schüsse lebensgefährlich oder gar tödlich waren. ES ist als» Wohin licht Oesterreich? Die französische Auffassung Paris, 13. Sept. . Le Temps schreibt: Die große vaterländische Kundgebung, die gestern in Wien stattgesunden Hat, und die dort gesprochene Rede des Bundes- kanzlers Dollfuß bedeuten ein politisches Ereignis ersten Ranges. Wohin geht Oesterreich? Das ist eine Frage, die man sich seit Monaten stellt, nicht ohne eine starke Beängstigung zu empfinden, denn die ganze Welt weiß, baß von dem Schicksal dieses Landes das Schicksal Mittel-Europas, ja man kann sagen, ganz Europas, abhängt. Ein Konflikt, bei dem es um die Unabhängigkeit Oesterreichs geht, müßte durch den Zwang der Verhältnisse zu einem europä- i s ch e n Kriege führen. Bundeskanzler Dollfuß hat durch seine Rebe von Montag auf diese Frage, die alle Geister beschäftigt, eine Antwort gegeben. Nachdem er das Ergebnis der Bemühungen seiner Regierung geschildert hatte, machte er genane Angaben über die von ihm geplante Politik, welche die Unabhängigkeit seines Landes sichern soll. Diese Politik wird bezeichnet durch die Formel einer auf eine breite nationale Front gestützten Autoriätätsregie- rung und einer politischen Reorganisation des Staates durch einen ständischen Aufbau. Man kann nicht umhin, bei diesem Punkt an das Beispiel des italienischen Faschis- mus und des deutschen Nationalsozialismus zu denken. Den- noch gibt es wichtige Unterschiede zwischen den, was Bundeskanzler Dollfuß verkündet, und den italienischen und deutschen Zuständen. Der Bundeskanzler hat eine Auffassung von der Staatsgewalt, die der österreichischen Seele und den unmittelbaren Notwendigkeiten des Landes sehr angepaßt ist. Die Lage, die er mutig zu meistern versucht, ist außer- ordentlich und erfordert außerordentliche Maßnahmen. Die Wiener Regierung ist gezwungen, dem Angriff des National- sozialismus unter umso schwierigeren Umständen zu wider- stehen, als Gemeinsamkeit der Sprache, der Kultur und der Sitten, die blutsmäßige Verwandt- schaft und die Idee des Deutschtums bis in die letzte Zeit in einzigartiger Weise die kühnen Pläne des Alldeutschtums gegen die Unabhängigkeit Oesterreichs begünstigten. Erst die Brutalität der Methoden des nationalsozialistischen Vor- gehens, die alle seine Handlungen kennzeichnet, haben den Oesterrcichern die Gefahr gezeigt, die für sie die Aussaugunq durch ein zentralisiertes Reich darstellt. Es ist völlig gewiß, daß die österreichischen Massen aller Parteien, sich mehr und mehr mit dem Anschluß befreundet hatten, den man als die einzige Möglichkeit der Rettung für das unglückliche Oester- reich hinstellte. Die nationalsozialistischen Zustände in Deutschland haben wenigstens die Wirkung gehabt, den Oesterreichern die Fllu- sionen zn nehmen und ihnen die Wohltat ihrer Unabhängig- keit znm Bewußtsein zu bringen, auch was es bedeutet, Herr seiner eigenen Angelegenheiten zu bleiben. Das große Verdienst von Dollfuß ist, in seinen Lnnds- leuten das Gefühl der Vaterlandsliebe wieder erweckt zu haben, ohne daS es keine wirkliche Nation gibt. Der Bundes- kanzler hat den Widerstand unter Umständen organisiert, unter denen sehr viele andere an seiner Stelle am Erfolge verzweifelt wären. Seine Regierung hatte nicht die Unterstützung einer fiche« reu parlamentarischen Mehrheit. Sie war gezwungen, gleich» zeitig die Agitation der Nazis und den sozialistischen Em- fluß zu bekämpfen. Sie unterlag auch der Notwendigkeit, von Tag zu Tag durch improvisierte Maßnahmen einer kritischen finanziellen und wirtschaftlichen Lage zu begegnen und die Krise eines durch vielfache Versuche enttäuschten Volkes zu l'ndern. Er hat die Nation aus der Verzweiflung retten müssen und sich als ein Staatsmann ersten Ranges erune- sen, der das Vertrauen rechtfertigt, das die Weltmeinung auf ihn setzt... Wie stellt er sich die weiteren Anstrengungen vor, welche die bisherigen ergänzen und krönen sollen, die bis heute sein Land von der Vormundschaft Hitlers errettet haben? Seine Rede von Montag gibt uns darüber Gewißheit. Er will weder gegen die Linke, noch gegen die Rechte regieren. Er weist jede Vorherrschaft einer Partei zurück, aber er glaubt, daß die Zeit des Liberalismus, wie die des Sozialls- inus vergangen ist. Er will, wie er sich ausdrückt, einen deutschen Staat Oesterreich, christlich und sozial auf ständischer Grundlage, unter Führung einer autoritären Regierung, nicht aber einer Willkürherrschaft. Er lehnt die Gleichschal» tung und den Terror ab) er will den marxistischen wie den braunen Sozialismus bekämpfen. Er verleugnet nicht den deutschen Charakter Oesterreichs, aber er möchte, daß fem Land seine Eigentümlichkeiten bewahrt. Schließlich hat er für die nächsten Tage fundamentale Entscheidungen angekündigt, um die nationale Front zn erweitern, den Klassenkampf z« unterdrücken und Oesterreich durch ein ständiges und autori- tares NegierungSsystem wieder auszubauen— unter Ausschluß jeder Parteipolitik, jeder Vorherrschaft und jeder Demagogie... Offenbar wird die bisherige parlamentarische Regierung in Wien nicht wiederauserstehen. Man steuert aus ganz neue Dinge zu. Jedenfalls versteht es Dollfuß, denjenigen den Wind aus den Segel» zu nehmen, die Oesterreich mit einer f arken Regierung beglücken wollen, unter der sie sich aller« ings nur eine nationalsozialistische oder faschistische Dikta- tnr vorstellen können. Er begründet eine autoritäre Regierung, die weder die Vorherrschaft einer Partei, noch die Willkür anerkennt. Das macht die Eigenart seiner Formulierung aus. Dollfuß ist der Mann, diese schwierige Aufgabe mit Erfolg zu lösen. Er steht offenbar unter dem Eindruck der italienischen Erfahrun- gen und ist besorgt, den katholischen und freiheitlichen Cha- rakter des österreichischen Volkes zu schützen, denn er erkennt klar alle Gefahren des deutschen Systems. Auf welche Art werden die Nationalsozialisten und die Sozialisten seiner Politik begegnen? Man wird es bald wissen. Was die Sozial- demokratie betrifft, die in Wien noch so mächtig ist, so scheint sie nur noch die Wahl zu haben zwischen dem An- schluß an die autoritäre Regierung, wie sie der Bundes- kanzler versteht, ober der Gefahr, durch eine mögliche Hitler- diktatur völlig ausgelöscht zu werden. Jedenfalls ist die entscheidende Stunde für Oesterreich gekommen, in der Kanz- ler Dollfuß soeben die Frage der inneren Politik unter Be- dingungen gestellt hat, die allergrößte Aufmerksamkeit ver- dienen. sehr unwahrscheinlich, daß Mehrling Selbstmord begangen haben soll, noch ehe ärztlich festgestellt worden war, ob es sich um eine schwere Verwundung handelte. Für jede ruhige und vernünftige Ueberlegung läßt sich daS „Unglück in der Weinschenke nur so erklären: Die Herren waren animiert und sind in Streit geraten. Zwischen dem Sturmbannführer Mehrling und dem Organisationsführer Muchow ist ein persönlicher oder politischer Streit ausge- krochen. Mehrling hat den Revolver herausgerissen und den Pg. Muchow vor den Augen Dr. Leys und des italienischen ExmintsterS Bottai erschossen. Die Zeugen der Tat sind sofort über den Sturmbann- führer hergefallen und haben ihn durch Revolverschttsse niedergemacht oder haben ihn sonstwie erschlagen. Mit diesen Vermutungen kommt man jedenfalls der Wahrheit wesent- lich näher, als mit den widerspruchsvollen halbamtlichen Berichten. Die in der Aufregung formulierten Berichte sind kopflos und erweisen sich durch ihren eigenen Inhalt als verlogen. So ist es ganz ausgeschlossen, daß Mehrling sich zwei Schüsse in den Kopf gejagt haben könnte. Wer einen Kopfschuß hat, ist erledigt und kann nicht einen zweiten Schuß sich in den Kopf jagen. Wahrscheinlich haben sich in der alten Weinschenke zu Bacharach zwei nationalsozia- listische Morde ereignet. Um es klar zu sagen: die beiden Nazifllhrer haben ganz im Stile ihrer Bewegung und ihres eigenen Lebens geendet. Reinhold Muchow war einer der Räuber des Gewerk- schaftsvermögcnS. Von ihm stammt der Plan zur Besetzung der Gewerkschaftshäuser. Er hat alles an Mord und Folter, an Kerker und Konzentrationslager zu verantworten, was damit zusammenhängt. Das Geschick hat ihm seinen Triumph nicht lange vergönnt. An der Bahre, auf der dieser von Bruderhand gemeuchelte Todfeind deutscher Arbeiter liegt, heucheln wir nicht. Sein Schicksal läßt uns so kalt, wie das setner Spießgesellen. „Schwlelefflieinrlcir [Wie man einen Zentrumsminister behandelt Am Dienstag wurde hier berichtet, der frühere preußische Zentrumsminister Hirtsiefer sei in„Schutzhast" genommen worden, weil er einen Zusammenstoß mit einem SA.-Mann gehabt habe. Nach dem nationalsozialistischen Gauorgan von Westfalen hat sich die„Verhaftung" wie folgt zugetragen: Schwielenheinrich, Minister a. D., war eine Zeitlang fort— weit weg im Saargebiet. So ganz gut scheint es ihm wohl dort unten nicht gefallen zu haben, oder aber er sehnte sich nach den gewohnten und für seinen Leibes- umfang so wichtigen Fleischtöpfen zurück— kurz und gut: Montag morgen war er wieder dal Auf dem Polizei- revier— um sich anzumelden! Große Freude über die Rückkehr Heinrich Hirtsiefers, der nicht danach aussah, als ob er inzwischen Hunger ge- litten hätte, denn sein Vouch hatte wohl eher zu- als ab- genommen. Um nun die Bevölkerung an der WiebersehenSfreude teilhaben zu lassen, wurde rasch ein kleiner Propagandazug für diesen beliebte st en aller Mini st er in Szene gesetzt. Dieser Zug bewegte sich dann während der Nachmittags- stunden durch die Straßen der Altstadt: Heinrich hatte zum Schutze gegen die Sonne einen Sonnenschirm auf- gespannt und trug auf seinem Bauche ein nettes Schild mit der Aufschrift:„Ich bin der.Hungerleider Hirtsiefer!" Das Geleit gaben SA.-Stnrmbannführer Wolters und SS.-Sturmbannfllhrer Schulz. Und wie die Essener sich freuten über dieses Wiedersehen mit Schwielenheinrichl Die Jugend auch, sie gab das Ehrengeleit ab. Jedenfalls— über Popularität braucht Heinrich sich nicht zu beklagen— Und nach diesem Zug durch die Gemeinde erst recht nicht. * DaS ist das neue Deutschland in Reink"ltur. Wo ist daS zivilisierte Land, in dem so ein Schauspiel möglich wäre? In der katholischen Presse des Saargebiets liest man davon nichts. Gelegentlich wird man sich aber entrüsten über «nsre—„Greuelmärchen". DaS Zentrum ist tot. Gut. Aber find alle ehrenhaften und wahrheitsliebenden Männer vom Zentrum mitgestorben? Und wo ist die Katholische Kirche, die einmal eovlesi» militans war? Die Reichstagsbrandprozesse Pr. Sack in London? Der Offizialverteidiger des kommunistischen Reichstags- abgeordneten Tor g ler, Rechtsanwalt Dr. Sack, der in Paris eingetroffen war und eine mehrstündige Unterredung mit dem Mitglied deS Internationalen UntersnchungSauS- fchuffes zur Aufklärung des Reichstagsbrandes, Senator Dr. Branting, hatte, hat den Wunsch ausgesprochen, den Berhanb- lungen des„Gegenprozesses" in London beiwohnen zu kön- ncn. Branting versprach, dem Internationalen Unter- suchungsausschuß diesen Wunsch weiterzugeben. Sack ist inzwischen nach Berlin zurückgereist. [Torgler ununterbrochen gefesselt Der„Manchester Guardian" bestätigt die von uns gebrachte Meldung, daß Torgler Tag und Nacht in Handschellen ge- halten wird. ♦ Wir erfahren Einzelheiten auS der Anklageschrift zum Reichstagsbrandprozeß, die erkennen lassen, daß es sich um ein Meisterwerk juristischer Dilettanten handelt. Es sei, heißt es, schwer zu erklären, wie die Verbrecher in das Haus des Reichstagspräsidenten Göring— das durch einen unterirdischen Gang mit dem Reichstag verbunden ist— hätten eindringen können, ohne daß das Personal Görings sie bemerkt hätte Deshalb stützt die Anklage sich auf eine andere Version: van der Lübbe sei professioneller Fassaden- kletterer, und es sei eine Leichtigkeit für ihn gewesen, an der Mauer des Reichstags hochzuklettern. Er hätte ein Fenster des Reichstags mit einem Fußtritt eintreten und auf diese Weise in das Innere gelangen können. Das Feuer habe er gelegt mit— einem Gasanzünder, wie er von den Haus- frauen verwandt werde. Die Anklage gegen wn kommunistischen Reichstagsabge- ordneten Torgler stützt sich darauf, daß er am Tage des Reichstagsbrandes nervös und in den Jahren 1921 bis 1925 im Dezernat der Berliner städtischen Feuerwehr tätig ge- wesen sei.(!) Werbt für die„Deutsche Freiheit"! ROsfnngsbegrenzong— RUsfungshonlrollc Frankreichs Standpunkt Paris, 13. Sept. Zum Abrüstungsproblem schreibt Er« Nouvelle: Frankreich hat folgende Lösung vorgeschlagen: Einerseits Beschränkung der Rüstungen auf dem gegen« wältigen Stand für eine noch festzusetzende Zeit, andererseits einer ständigen internationalen Rüstnngs- und Haushalts» kontrolle. Dieser Vorschlag zeigt wiederum unseren guten Willen und ist eindeutig. Es bleibt kein Platz zum Feilschen über ihn. Inwiefern kann er in der Tat eine wirklich pazi- fistische Regierung behindern? Man muß heute für oder gegen den Frieden sein nicht mehr in Worten, sondern in einer internationalen Handlung durch Annahme oder Ab- lehnung eines Kontrollsystems, das grundsätzlich gerecht ist und das man daraufhin untersuchen muß, ob seine An- wendung wirklich wirksam sein kann. Erankreidis Sieg In England In dem ersten Artikel einer Reihe von Untersuchungen, welche unter der Ueberschrift:„Frankreich, Italien und Großbritannien" erscheinen, setzt der„Manchester Guardian" auseinander, aus welchen Gründen heute in England mehr Sympathie für Frankreich herrscht, als es zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Kriege gegeben hat. Das liberale Blatt meint, daß die Erscheinung, die in den letzten Iahren für ein antifranzösisches Gefükl ge- halten wurde, einfach eine Kritik an den verschiedenen Kundgebungen einer Politik darstellte, die mit der briti- schen wenig übereinstimmte, und überdies von dem Wunsch herkam, für das Deutschland Stresemanns und Brünings eine Grundlage des Vertrauens zu schaffen. Der„Manchester Guardian" fährt dann fort: „Während es mjfglich war an den guten Glauben eines Mannes wie Brüning zu glauben, kann Hitlerdeutschland nichts anderes als Mißtrauen einflößen. Man erkennt heute überall, daß die Franzosen berechtigt sind, ein wirksames und solides System der Kontrolle und der Ueberwachung zu verlangen. Der Eindruck wird immer stärker, daß seit Beginn der Hitlerherrschaft wenigstens der aufgeklärteste Teil der britischen öffentlichen Meinung ein warmes Gefühl der Kameradschaft für Frankreich empfindet. Frankreich, dessen Kultur mit der englischen so eng verknüpft ist, stellt eine der letzten Bastionen der individuellen Freiheit und eine der letzten großen Demokratien der Welt dar. Ein Franzose von heute ist ein freier Mann. Ein Deutscher von heute ist ein Sklave ober ein Sklavenhalter. Seit der Bekehrung Deutschlands zum Hitlerismus, er- scheint Frankreich als der hauptsächlichste Vorkämpfer des Friedens. Gleichgültig, ob die französische Methode, am Ideal ge- messen, gut ober schlecht ist, sie bemüht sich ohne Zweifel, den Frieden in Europa zu erhalten. Auf welche Weise? Einsach, indem es Deutschland isoliert, das ein- zige Land Europas, das ernsthaft den Krieg will. BiS zu einem gewissen Punkt hat die französische Diplomatie Erfolg gehabt. Wenn abgeschlossene Verträge und natür- liche Antipathien etwas gelten, so ist die Gefahr einer gemeinsamen militärischen Aktion des nationalsozialisti- schen Deutschland und des kommunistischen Rußland— der Alpdruck der französischen Diplomatie seit Rapallo— tatsächlich beseitigt.... Den Frieden überall außerhalb Deutschlands sichern, das ist vielleicht die beste Definition der heutigen Außenpolitik Frankreichs. Im Osten hat sie Erfolg gehabt. Im Donauraum ist sie bis jetzt gescheitert. Und Italien, von dessen Unterstützung oder Nicht- Unterstützung Deutschlands der ganze europäische Friede abhängt, ist die große Unbekannte in dem Problem. Spaniens Politik Erklärungen des neuen Außenministers Paris, 13. Sept.(Havas). Der neue spanische Außenminister Albornoz, der sich gegenwärtig in Südamerika aufhält, er- klärte dem Vertreter der Havasagentur, daß er am 20. Sep- tember nach Spanien abreisen werde. Er glaubte, daß die letzte Krise die Regierung der spanischen Republik konsoli- biert habe. Nach seiner Ansicht dürsten die Sozialisten auch weiterhin sich loyal verhalten. Spanien werde das Werk deS Völkerbundes nach Kräften unterstützen und sich bemühen, eine Gruppe von liberalen Staaten unter Beteiligung einiger lateinamerikanischer Republiken zustanbezubringen. Außenminister Albornoz war bekanntlich Rektor der Mad- rider Universität und hatte bei der Ausarbeitung der republikanischen Verfassung eine besondere Rolle gespielt. Pas Neueste In einem Ort in der Umgebung von Toulouse starb gestern im Alter von 103 Jahren die unverheiratete Francois Castera. Seit zehn Jahren hatte sie das Augenlicht verloren. Prinz August Wilhelm ist zum Gruppenführer z. b. B. der Obersten SA.-Führuug befördert morde«. Dr.-J«g. Oskar S t ä b e l wurde zum Führer der deutschen Studentenschaft ernannt. Das Konzentrationslager Mißler bei Bremen ist aufgehoben worden. Der größte Teil der Schutzhästlinge wurde auf e i n e m S ch i s f untergebracht und ei» z w e i t e s Lager außerhalb Bremens eingerichtet. Die französischen Binnenschiffer haben eine« neuen Streik» beschluß gefaßt. Die niederländische Zweite Kammer hat den Gesetzentwurf zur Ausnahme des Uniformverbotes«n das Strafgesetzbuch genehmigt. Am Dienstag fand in Hamburg die 103»Jahrfeier des Rauhen Hauses, der Ausgangsstätte der evauge» tischen Inneren Mission statt. Ein Flugzeug der Linie Laibach-Susak geriet heute früh 6.83 Uhr bei starkem Nebel in die Baumkronen eines in der Nähe des Flugplatzes gelegenen Waldes. Der Pilot, der Mechaniker und sechs Insassen kamen dabei«ms Leben. Unter den Toten befindet sich ein Deutscher namens Georg König, die übrigen sind sämtlich südslawischer Staats, angehörigkeit. Krach in Brandenburg Da muß es ia fein und lieblich zugegangen sein Im„Brandenburger Anzeiger" lNr. 180) lesen wir folgen- den vielsagenden Artikel, den wir gerne so bringen, wie er in dem Blatte stand(auch mit der Zensurlücke): Fahnen sind zu grUßen I Kommunistisch« Provokateure am Werke Von der Kreisleitung Brandenburg der NSDAP, werden wir um die Veröffentlichung folgender Erklärung gebeten:/ Die B. B. G. war gestern mit einigen hundert Mann Gast unserer Stadt. Kommunistische Elemente, die bereits an den Vortagen am Arbeitsamt und Wohlfahrtsamt versucht hat- ten, aufzuwiegeln, unternahmen es, die Bevölkerung gegen die Berliner Gäste aufzuhetzen. Leider hatten fie in einigen Gegenden anläßlich des Ummarsche? Ersolg, und so kam es, daß die B. V. G.er, als den Fahnen nicht die nötige Ehr- crbietung und der Gruß gezollt wurde, einigen VolkSgenos- sen eine nachdrückliche Belehrung zuteil werden ließ. Die Unkenntnis vieler, die immer noch nicht wissen» daß die Fahnen mit dem deutschen Gruß zu ehren find, hatte bedauerlicherweise dazu geführt, daß manch einer eine recht unsanfte Behandlung erfuhr. Wir bedauern dies um so mehr, da es stch in diesem Falle um Volksgenossen handelte, deren nationales Wollen und deren nationale Gesinnung außer Zweifel steht. Wir bitten aus diesem Wege, diese unsanfte Belehrung, die wir aufs Schärfste mißbilligen, mit der ungeheuren Erregung der B. V. G.er zu entschuldigen. Die Angelegen- hcit erfährt noch eine Untersuchung, und diejenigen Volksgenossen, die im Uebereifer gehandelt haben, müssen die Folgen tragen. Die bedauerlichen Vorkommnisse bitten wir, weder der Re, wegnng noch der Gesamtfachschast der B. B. G. nachzutragen. N. S. D. A. P. Kreisleitung Brandenburg sHavel). (gez.) Heppner, stellv. Kreisleiter, m. d. L. b. * Bei dem gestrigen Umzug der Berliner Straßenbahner er» gaben sich leider wenig schöne Szenen. Zugegeben, baß eine ganze Anzahl Brandenburger Einwohner bedauerlicherweise offenbar noch nicht weiß, daß die Fahnen der NSDAP, als Hoheitszeichen unseres Staates durch Erheben der rech- t e n H a n d zum Deutschen Gruß zu ehren sind. So sah man Männer und namentlich auch jugendliche Gestalten einfach die Hände in den Hosentaschen behalten, ihre Pfeife weiter- Es scheint uns, daß der„Enipfang", den die Brandenburger den Berliner Pg. bereitet haben, die Bolksstimmung besser offenbart, als der Riesenrummel in Nürnberg. rauchen oder laut höhnende Bemerkungen machen. Diesö Volksgenossen erfuhren durch den Werkschaftsdienst der Straßenbahner mit Recht eine deutliche, oft handgreif- liche„Aufmunterung". Unter den also„Ermahnten" befanden sich leider auch einige Parteigenossen. Diese sollten eigentlich wis- fen, wie sie sich beim Borbeimarsch der Parteifahnen zu ver- halten haben. Bei dem raschen Zupacken der Straßenbahner ergaben sich hier und da aber zweifellos auch bedauerliche Mißgriffe. Insbesondere wurden ältere Leute, die ahnungslos aus den Bürgersteigen standen bzw. aus den Fenstern sahen, bedroht. Bei der Polizei ist eine Reihe von Anzeigen solcher Volks- genossen eingegangen, die sich zu Unrecht mißhandelt fühlten. Das gestrige Verhalten der Straßenbahner hatte im Hand- umdrehen zu den tollsten Gerüchten Veranlassung ge- geben, die naturgemäß von Heßern und kommunistischen Agi- tatoren sofort ansgegrissen und weitergetragen wurden. Die nationalsozialistische Bewegung ist allerdings zn fest in den Herzen der Deutschen verankert, als daß ihr durch solche unwahren Uebertreibungen Schaden zugefügt werden könnte! Jeder erweise in Zukunft de« Fahnen als den Symbolen der nationalen Erhebung seinen Gruß, und keinem wird ein Haar gekrümmt werden! Die Bewegung verlangt, daß man ihr Achtung und Anerkennung zollt, und wahrlich, sie hat es verdient! * Das Fest verlief am Nachmittag noch recht harmonisch. DaS Wetter hatte sich aufgeheitert, so daß der Volkshausgarten bald dicht gefüllt war. Unter Leitung der Parteigenossen B ö l ck e, S t i l l e r, Inspektor Wesener, Kaciala, Fach- grnppenleiter Seiler und Sturmführer Schmidt ent- wickelte sich bald reges Leben und Treiben. Neben allge- meinen Volksbelustigungen war auch für die Kinder gesorgt? unter Vorantritt der Musikkapelle wurde schließlich für die Kleinen sogar ein besonderer Umzug durch die Straßen ver- anstaltet. fZensurlttcke im Original.) Ganz besonders gut gefiel das B. V. G.-Orchester, baS unter Leitung von Pg. Gohlke spielte? es wurde vielfach der Wunsch ausgesprochen, diese über 00 Mann starke Kapelle recht bald wieder einmal in Brandenburg zu hören. Wilhelm Leusdiner Ein Appell an den Völkerbund Wiederholt haben wir in der„Deutschen Freiheit" das Schicksal Wilhelm Leuschners behandelt. Der frühere hessische Innenminister war führendes Mitglied der deutschen Delegation beim Internationalen Arbeits- amt und wurde bei der Ber-Ley—ung der Gewerkschaften gezwungen mit nach Genf zu fahren, wo es zu dem bekann- ten Zwischenfall kam. Weil er hier Leu nicht zu Willen war, ließ der Führer der„Arbeitsfront" ihn verhaften. Schon vor einigen Wochen meldeten wir, baß Leuschner ins Zuchthaus Rockenberg überführt worden sei. Jetzt meldet unser badischer Korrespondent: „Darmstadt, 12. September 1938. Leuschner befindet sich noch immer im Zuchthaus Rockenberg, und zwar neuerdings in verschärfter E i n z e l h a s t. Das Zuchthauspersonal, das mit Leuschner in Berührung kommt, wurde ausgewechselt. Die seit- herigen Beamten wurden durch ausgesuchte nationalsozia« listische Elemente ersetzt, selbst der Direktor des Zucht- bu uses wurde entfernt und durch einen absolut sicheren Parteigänger des neuen Regimes ersetzt. Ueber die Be- Handlung Leuschners kursieren die schlimmsten Gerüchte." Da der berüchtigte Verfasser des Boxheimer Dokuments, Dr. Best in Darmstadt, als Staatspolizeichef des Landes Hessen Herr über Leben und Tod der in hessischen Zucht- Häusern, Gefängnissen und Konzentrationslagern Inhaftier- ten ist, besteht in der Tat Veranlassung, wegen Leuschner die schlimmsten Befürchtungen zu hegen. Man braucht sich nur daran zu erinnern, daß Leuschner es war, der als damaliger hessischer Polizeiminister denselben Dr. Best als Urheber des Boxheimer Moröplanes entlarvte und daß derjenige, der die Polizei auf das Boxheimer Dokument zuerst aufmerksam machte, Dr. Schäfer, Offenbach, vor einigen Wochen aus Be- fehl Bests an einem Bahndamm bei Frankfurt nachts durch mehrere Revolverschttsse ermordet wurde. Wir rufen das Internationale Arbeitsamt» i wir rufen den Völkerbund, wir rusen das Gewissen der Weltöffentlichkeit und die Arbeiterinternationale zu einer sofortigen Aktion zur Befreiung Leuschners aus den Kerkerbanben des„dritten Reichs" und aus den Händen seines schlimmsten Feindes Dr. Best auf! Wer Ist politischer FlUchHing? Die Sozialdemokratische Flüchtlingshilfe in Prag erklärt in einem Rundschreiben an die Flüchtlingszentralen: Als politisch ernst gefährdet wird von den vereinigten Flüchtlings-Komitees in Prag nur der anerkannt, der in Deutschland schwere politische Prozesse zu erwarten hat und dessen Leben, Gesundheit und Freiheit bei einer Rückkehr nach Deutschland ernsthaft gefährdet ist. Flüchtlinge, die nur örtliche Rempeleien mit den Nazis hatten, aber nicht von der Geheimen Staatspolizei oder der Staatsanwaltschaft gesucht werden, können sich in den meisten Fällen auch in einem anderen Orte Deutschlands aufhalten. Bei allen leich- teren Fällen genügt auch eine zeitweise Ortsabwesenheit und— insbesondere bei lcdigen Genossen— eine vorüber- gehende Wanderschaft. Durchreisende Wandergenossen, die sich infolge der Ver- Hältnisse in Deutschland außerhalb Deutschlands ein Stück Welt ansehen wollen, können nicht die Unterstützung als Emigranten in Anspruch nehmen. In solchen Fällen muß die gewerkschaftliche Reiseunterstützung oder eine kleinere Unterstützung der Arbeitersürsorge, je nach den örtlichen und persönlichen Verhältnissen genügen. Selbsthilfe deutscher Flüchtlinge Tas Comité d'Informations et d'Aide aux Réfugiés allemands, 8, rue des Francs-Bourgeois à Strasbourg, Hat sich einer Idee zur Verfügung gestellt, die aus Kreisen der Emigranten und Réfugiés an das Komitee herangebracht wurde. 4 Es handelt sich um den Gedanken einer Selbsthilfe- organisation der deutschen Flüchtlinge. Es ist immer wieder aus Kreisen französischer Bürger, die sich des Hilfswerkes nt besonders großzügiger Weise angenommen haben. Er- staunen und Unmut darüber geäußert worden, daß die- jenigen Deutschen, die das Glück hatten, bei ihrer Ueber- siedlung nach Frankreich größere Mittel zu retten oder sofort neue Arbeits- und Existenzmöglichkeiten zu finden, stch in keiner Weise um ihre vom Glück weniger begünstigten Schicksalsgenossen kümmern. Es sollte nach Ansicht redlich denkender Kreise und auch nach unserer Ansicht Ehrenpflicht der Glücklicheren sein, die schwere Last, die den einheimischen Fürsorgestellen durch die Versorgung und Betreuung der teilweise vollkommen cxistenzlosen Flüchtlinge entsteht, zu ihrem Teil angemessen zu erleichtern und an dem Hilfswerk mitzuarbeiten. Es handelt sich hier nicht so sehr um einen Akt freiwilliger Wohltätigkeit, wie um eine unabweisbare Pflicht. Das ganze Ansehen der deutschen Flüchtlinge wird beein- trächtigt durch diese scheinbare Gleichgültigkeit der eigenen Landsleute? jeder deutsche Flüchtling muß sich darüber klar sein. Die neu zu schaffende Selbsthilfeorganisation will nun all diejenigen zusammenfassen, die in Erkenntnis der bisher gemachten Fehler, an dem Ausbau einer produktiven Selbst- Hilfeorganisation der deutschen Flüchtlinge tatkräftig mit- wirken wollen. Wer die bezeichneten Ziele fördern will, und die unab- weisbare Menschcnpslicht erfüllen will, möge seine Adresse dem oben bezeichneten Komitee bekannt geben. Unzureichende Eignung- aber besonders wertvoll! Der deutsche ReichSminister des Innern hat in einer Ver- fügung Richtlinien über die Versetzung von Beamten in den einstweiligen Ruhestand erlassen. Er erörtert hierbei die Tat- sache, daß in der letzten Zeit häufig nationalsozialistische Be- amte„wegen unzureichender Eignung" in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden sind. Dazu erklärt er: Das Merkmal der unzureichenden Eignung wird in der Regel auf solche Wartestandsbeamte nicht zutreffen, die nach ihrer Gesinnung dem national- sozialistischen Staat als besonders wertvoll erscheinen müssen. Das heißt in dürren Worten: Ein nationalsozialistischer Beamter ist für den Dienst im„dritten Reiche" auf keinen Fall ungeeignet— mag er auch sonst noch so unfähig sein, 44 Fahre Zuchthaus! Für vier Kommunisten Das Hanseatische Sondergericht in Hamburg verhandelte gegen eine' Gruppe von sieben ehemaligen Kommunisten wegen Teilnahme bei der Verabredung eines Spreng- stoffattentates. das am 1. März erfolgen sollte. Die Angeklagten waren auch am Abend vorher bei dem Ueber- fall auf ein NT.-Lokal beteiligt, bei dem der Polizeibeamte Kopka erschossen wurde. Vier Angeklagte wurden am 22. Juli zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Das Sonderge- richt verurteilte unter Einbeziehung der am 22. Juli ver- hängten Strafen den Angeklagten Wieck ström zu 14 Jahren, die Angeklagten Dose und F l u m m zu je 12 Jahren und den Angeklagten Hans Jabs zu sechs Jahren Zuchthaus. Kommunlsfenführer ermordet Wer ist es? Die Telegrafen-Union meldet aus Warschau: Vor zwei Wochen wurde aus einem Nebenfluß der Weich- sel bei Warschau eine Leiche geborgen, deren Identität nicht gleich festgestellt werden konnte. Nun stellt es sich heraus, daß es sich um einen führenden deutschen Kommunisten handelt, der vor kurzem illegalnachPolenkamund größere Geldsummen, wie vermutet wird einen Teil der kommunistischen Parteikasse, bei sich führte. Man nimmt an, daß es sich«m einen Raubmord handelt. Der Name des Ermordeten wird noch geheim gehalten. AbsdiiedshrlefdesRevolufionärs Einer, der zu sterben wußte Einer der vier in Hamburg hingerichteten Kommunisten hat vor der Exekution an seine Kinder folgenden Brief ge- schrieben:„Altona, 31. Juli 1033, Gerichtsstraße 3... Liebe Kinder, wenn Ihr diesen Brief erhaltet, dann ist Euer Papa nicht mehr, dann wurde er laut dem Urteil erledigt, also werden wir uns nicht mehr sehen. Aber wenn Ihr größer seid und Weltgeschichte studiert habt, dann werdet Ihr be- greisen, was Euer Papa war, warum er kämpfte und starb. Ihr werdet begreifen, warum er so und nicht anders han- beln konnte. Lebt wohl und werdet Kämpfer. Es grüßt Euch Papa." Kamerad Blsdiol Zur Beisetzung Dr. Schreibers Berlin, 11. Sept. sJnpreh.) Der rl-rhv»„a>e Bischof Schreiber, der nach Abschluß des Prsußenkonkordats vor einigen Jahren sich in Berlin niederließ, ist nach kurzer Gleichschaltung von Polizei in Stärke von 120 Mann und einer starken Abteilung des Reichswehr-Jnfanteriercgi- mentes Nr. 10 zu Grabe getragen worden. Die Reichswehr- kapelle spielte:„Ich halt' einen Kameraden..." Halbamtlich war bekanntgegeben worden, daß keine strafrechtliche Ver- folgung stattfinden werde, wenn der Leichenzug in den Straßen nicht hitlertsch gegrüßt werde. Vergebliche Mühe tmSBUSSM vw GOES HOB BIUUtt.A Die hundert Marh des FOhrers Aus der Zeit, da die„Bonzen" herrschten Ein Leser schreibt uns: In der Dienstagnummer der„Deutschen Freiheit" vom „9. August las ich die rührselige— der„Tremonia" entnommene— Geschichte, in der erzählt wird, wie Adolf Hitler, der gute, leutselige Landesvater, dem Führer eines katholi- schen Jugend-Ferienlagers in den bayerischen Bergen 190 Mark schenkte. Unwillkürlich mußte ich mich dabei an einen Borsall erinnern, der mir auS meiner Arbeit als Leiter eines Kinderfreunde-Ferienlagers passierte. Wir rüsteten für ein großes Zeltlager, das die Kinder- freundeabordnungcn verschiedener Länder für einige Wochen in ernster sozialistischer Schulungsarbeit, aber auch zu frohem Spiel und guter Erholung an der See aus den Städten herausführen sollte. Weil wir unseren Kleinen einen Vor- geschmack von den Dingen geben wollten, die sie im groben Ferienlager erwarten durften, schufen mir«in kleineres Zeltlager in der Nähe unserer Stadt, das für acht Tage jene Kinder aufnahm, die für das große Lager vorgemerkt waren. Sie sollten hier das Zeltlagerleben kennen lernen. Unser Probelager war acht Tage lang die Sensation für das kleine Dorf, in dessen Nähe wir unsere Zelte aufge- schlagen hatten, und blieb acht Tage lang das Wanderziel vieler Parteigenossen, aber auch behördlicher Vertreter aus der Stadt. An einem Sonntag stellte sich„hoher Besuch" ein. Es kam eine Abordnung der sozialdemokratischen Land- tagssraktion, mehrere Stadträte, sogar der Oberbürgermeister ließ sich sehen. Wir veranstalteten einen festlichen Empfang für unsere Gäste. Die Jugend zeigte ihnen im Spiel, aber auch bei ernster Arbeit, wie sie sich in guter Gemeinschaft und Kameradschaft sich bemühte, sozialistisches Gebankengut in die Praxis umzusetzen. Es wurden Ansprachen gehalten und über uns und unsere Arbeit ein Sack voll guter Wünsche ausgeschüttet. Zum Schluß ließen wir die Genossen aus der Stadt auch an unserem gemeinsamen Mittagsmahl teil- nehmen. Die Stunde des Abschieds rückte näher. Viele Freunde hatten schon das Lager verlassen. Ganz zum Schluß verab- schiedete sich einer unserer beliebtesten Landtagsabgeordneten von mir. Er nahm mich beiseite, drückte mir einen 59-Mark- Schein in die Hand, rief mir— der ich etwas verdutzt da- stand— noch ein herzliches„Freundschaft" zu und nahm seinen Weg hinunter zum Dorf. Eine ganze Weile bctra^tete ich den Geldschein. Ich wußte, dieser Genosse verdiente als Buchdrucker nicht viel mehr als jeder andere Arbeiter auch. Seine Landtagsdiäten waren gering. Etwa zweihundert Mark im Monat. Da er seine Auslagen für die Parteiarbeit alle selbst bestritt, konnte er davon wohl kaum etwas erübrigen. Fünfzig Mark, das war mehr als ein Wochenlohn. Ein freudig gebrachtes Opfer für eine Bewegung, deren lokaler Kassenbestand kaum durch eine dreistellige Zahl ausgedrückt wurde. Das war vi„l, was uns der Genosse schenkte. Viel für uns, viel aber auch für ihn. Als ich einige Tage später wieder in die Stadt zurückkam, versuchte ich, unserem Redakteur klar zu machen, daß man darüber unbedingt etwas in der Zeitung schreiben müsse. Da kam ich aber bös an. Man warf mich nicht gerade hinaus, aber man bedeutete mir, daß über solche Dinge in der Zeitung nicht geredet werde. Nun schenkte Adolf Hitler, heute bestimmt mehrfacher Millionär, einem katholischen Jugendführer 199 Mark. Alle Zeitungen in Deutschland berichteten darüber. Der gleichge- schaltete Zeitungsleser staunt ehrfürchtig das Bild seines leutseligen„Bolkskanzlers" an. Mein Buchdrucker und sozialdemokratischer Lanbtagsabge- ordneter aber büßt im Konzentrationslager seine marxistische Gesinnung und die vrlliche Nazizeitung nennt ihn einen „Bonzen". Absturz In der Ausfuhr von Spielwaren nach Amerika ». Die deutsche Spiel Warenausfuhr nach den B e t« einigten Staaten zeigt im lausenden Jahr eine äußerst unbefriedigende Entwicklung. Die sonst stets in den Monaten Juni und Juli schon in vollem Gang befindlichen Borbereitungen für das- Weihnachtsgeschäft, das einen saisonmäßigen Höhepunkt im Spielwarenabsatz darstellt, haben in diesem Jahr überhaupt erst im Juli und auch dann nur in bescheidenem Umfang eingesetzt. Folgende Tabelle, in der die diesjährige Ausfuhr von Spielwaren und Christbaumschmuck nach Amerika mit den an sich ichon ungünstigen Vorjahrsergebnissen verglichen ist, läßt den Niedergang des amerikanischen Geschäfts der deutschen spiel- zcugindustrie deutlich in Erscheinung treten. Ausfuhr nach USA. in Doppelzentner: Mai 1931: 3352 1932: 1191 1933: 879 Juni 1931: 9999 1932: 2891 1933: 785 Juli 1931: 8973 1932: 55 91 193 3: 2 127 7 Monate 1931:25168 1932:21842 1933: 11 962 Die Schrumpfung des amerikanischen Geschäfts fällt für die deutsche Spielwarenindustrie um so mehr ins Ge- wicht, als sie im lausenden Jahr auch in Großbrttan- n i e n, dem neben den Vereinigten Staaten wichtigsten Er- portmarkt, einen ivenig befriedigenden Absatz zu verzeichnen hat. Die Aussuhr nach England war in den ersten sieben Monaten mit insgesamt 14 851 dz um 5921 dz oder 25 Prozent geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Aussuhr nach H o l l a n d, das in der Rangordnung der Aus- landmärkte an dritter Stelle steht, ist dagegen im Vergleich zum Vorjahre„nur" um 8 Prozent von 19 615 auf 9783 dz zurückgegangen, wobei noch erwähnt sei, daß sie in allerletzter Zeit den Vorjahrsumfang sogar etwas über- schreiten konnte. Vereinzelt hat die Spielwarcnausfuhr Deutschlands im laufenden Jahr allerdings auch Steigerun- gen aufzuweisen, so beispielsweise namentlich bei Frank- reich von 3934 auf 5135 dz, bei Argentinien von 1673 auf 2796 dz und bei I t a l i e n von 1359 auf 1788 dz. „Unbefriedigend" Nach den Feststellungen beS ReichSbundS der deutschen Metall waren-Jn bu st rte, Berlin, muß die Lage in der Metallwarenindustrie im A u g u st nach wie vor als„uneinheitlich" bezeichnet werden. Die Erzcugungs- und Absatzverhältnisse bewegten sich im allgemeinen in der Höhe des Vormonats, leichte Erhöhungen der Auftragsein- gänge bei einigen Firmen werben durch Zurückhaltung der die Leipziger Messe abwartenden Interessenten an andrer Stelle wieder ausgeglichen. Einzelne Werke konnten zwar in begrenztem Umfang zu Neueinstellungen und Erhöhungen der Arbeitszeit schreiten, im Durchschnitt dürfte sich aber die Zahl der beschäftigten Personen nicht wesentlich verändert haben. Die Preisverhältnisse sind weiter unbefrie- digend und haben teilweise durch Anziehen der Rohstoff- preise eine weitere Verschlechterung erfahren. Sinkender Selbst die amtlichen deutschen Dieser Tage ist der Bierteljahresbericht des Instituts für Konjunkturforschung erschienen. Wenn man alle Hoffnungen und Aussichten, mit denen jongliert wird, beiseite läßt, kommt man zu dem Ergebnis, daß nur die Rüstungs- industrie» einen entscheidenden Auftrieb erfahren haben. Nicht verbergen kann der Bericht, baß die Kaufkraft der Bevölkerung keineswegs gestiegen, sondern weiter gesunken ist. Das straft alle die„Siege" in der Arbeitsschlacht Lüge. Die Senkung des Verbrauchs ist ein untrügliches Zeichen für die Verschärfung der Wirtschaftskrise. Im einzelnen besagt der Bericht: Ein Gesamtüberblick über die deutsche Landwirtschaft zeigt, daß sich die Lage zunächst nur wenig verändert hat. Ge- sunkenen Getreidepreisen stehen erhöhte Erlöse für Vieh und insbesondere tierische Produkte gegenüber. Die A u s s i ch- ten dagegen haben sich infolge weitreichender Regicrungs- maßnahmen entscheidend gebessert. Besonderes Gewicht legt das Institut auf die Feststellung, daß der Ausgleich zwischen Ackerbau und Viehzucht energisch in An- griff genommen worden ist. Aus i n d u st r i e l l e m Gebiet ist bemerkenswert, daß der jahreszeitliche Rückgang im Steinkohlenbergbau diesmal früher zum Stillstand gekommen ist, und der jahres- zeitliche Wiederanstieg im Braunkohlenbergbau früher ein- gesetzt hat als in den letzten Jahren. Die Steigerung des Vrennstofsabsatzes über dem Vorjahresstand beruht zum guten Teil auf Lagerauffüllung des Platz- Handels, der u. a. den bisher unentschiedenen Kampf zwischen dem Aachener und dem Ruhrsyndikat benutzte, um sich billig mit Hansbrandkoks einzudecken. Infolge dieser Lagereindeckungen wäre es auch denkbar, baß die im Oktober und November zu erwartende Saison st etgerung des Hausbrandabsatzes sich diesmal schwächer ausprägen wird als sonst. Symptomatisch für die Lage der eisenschaffenden Industrie ist die Tatsache, daß sich die Inlands- Versorgung mit Eisen von Januar bis Juli um 3 8 Proz. erhöht hat. Sie war um die Jahresmitte mindestens ebenso groß wie vor Ausbruch der Kreditkrisc 1931. Zunahme des Vertrauens, Steuerfreiheit für Ersatzinvesti- tionen und andere Momente ließen den inländischen Auftragseingang der Maschinenindustrie, Holländische Hitlerias Wintersorgen „HetBolk" schreibt u. a.: „Gegen Hunger und Kälte wird der neue Nationalismus in Deutschland wahrscheinlich nicht lange stand halten. Es ist in Deutschland noch kein Winter dagewesen, in dem nicht hier oder da etwas passierte und in dem nicht irgendwelche Unruhe unter der Bevölkerung herrschte. Jetzt aber ist bif Anzahl der Leute, die Unruhe stiften können, viel größer als früher. Gelegenheiten werden sich genug bieten. Und ob die SA. überall noch bereit sein wirb, die Autorität Hitlers den Arbeitslosen gegenüber zu verteidigen, ist eine große Frage, um die sich die SA.-Leitung auch nicht wenig Sorgen macht."(Wir glauben, daß„Het Volk" die Entwicklung zu einfach sieht. Red. d.„Freiheit".) Einschüchterungspolitik Wir entnehmen„H e t V a d e r l a n d"(den Haag): „Fast jede Woche arrangieren die Nazis die eine oder andere Festlichkeit für das Publikum, sei es bei einer Pferde- ausstellung, einem Radrennen und dergleichen. Die Eintritts- karten sind bei den Parteibüros gegen Bezahlung zu er- halten, so auch die Lose für die Lotterie zur Arbeits- beschaffung. Und es ist sehr gewagt, sich zu weigern, eine Ein- trittskarte zu kaufen. Oesfcntliche Aufzüge beruhen auf dem- selben„freiwilligen" System. Düsseldorf veranstaltete kürz- lich eine große Kundgebung der NSBO. Eine bestimmte An- zahl von Mitgliedern aus der Umgebung von Düsseldorf er- hielten den Befehl, freiwillig daran teilzunehmen. Das taten sie auch. Die Nazipresse hat einen Absatz wie noch nie irgendwo ein Parteiblatt. Auch das wurde durch dasselbe freiwillige System erreicht. Es kommt ein Nazi in voller Uniform und redet auf die Leute ein, sich auf das nationalsozialistische Segen..Schwundgeld" Der Beauftragte des„Führers" für Wirtschaftslagen, Wilhelm K eppler wendet sich gegen die Pläne einer unkontrollierten Gelb- und Kreditschöpfung, so gegen das sogenannte Schwundgeldsystem, die vielleicht hier und da ge- wisse Anfangserfolge aufweisen könnten, auf die Dauer aber mit dem Neubau des Geld- und Bankwesens sowie mit der Kreditpolitik der Neichsbank unvereinbar seien. Im neuen Staat bedürfe es solcher wilden Geldschöpsungsverfuche nicht mehr. Richtig: das„dritte Reich" macht seine eigene Inflation. „Schlagwort Marxismus" „Was man nicht definieren kann, das sieht man als Marxismus an" Vor uns liegt folgender Passus einer Rede: „Bei dieser Gelegenehit möchte ich mich auch einmal mit dem Schlagwort Marxismus auseinandersetzen. Man kann nicht einfach alles mit M a rxis- mus abtun! Wenn man so manche Leute reden hört, dann fällt einem das Wort ein: Was man nicht de- sinteren kann, das sieht man als Marxis- mus an! Tarifverträge an sich aber sind z. B. genau so wenig Marxismus wie Konsumvereine oder Genossen- schalten! Alle diese Institutionen sind erst durch des Juden Geist marxistisch gemacht worden! Die Kollektivverträge sind keineswegs verwerflich. Gerade sie waren imstande, in Krisenzeiten und in Konjunkturzeiteü Schwankungen auszugleichen, die verderblich gewesen wären für die Wirtschast, wie für den Arbeiter. Stellen Tie sich einmal vor, wie der Leiter der I. G. Farbenindustrie in Lever- kusen mit 14 999 Menschen je einen Tondervertrag machen sollte. Er würde schon durch die Praxis dazu kommen, 19 Mann, dann 199 und dann noch mehr mit denselben Be- Verbrauch Berichte lauten sehr gedampft der im Juni 1932 nur 24,8 Prozent des Standes von 1923 erreicht hatte, auf 47,4 Prozent im Juni d. I. ansteigen. Gleichzeitig sank freilich der ausländische Auftragseingang des Maschinenbaues von ol a u s 3 3,3 Prozent, so daß sich der gesamte Auftrags- eingang nur von 35,4 auf 41,7 Prozent erholen konnte. Die Exportaussichten der Maschinenindustrie werden un- gun st ig beurteilt. In der B a n w i r t s ch a s t waren Anfang August ebenso viel Arbeiter beschäftigt wie 1931. Trotz des Tiesstandes der gewerblichen Bautätigkeit hat sich die leichte Belebung im Hochbau, insbesondere im Woh- nungsbau fortgesetzt. Der Tiefbau konnte durch den Fort- gang der Arbeitsbeschaffung seinen Beschästigungö- grad nachhaltig steigern. Jnsdesondere hier wird bis zum Herbst miteinemAnstieagerechnet. Von dem alten I-Milliarden-Prograyim dürfte zur Zeit kaum die Hälfte erlebigt sein, und im Juni sind weitere Mittel von 1 Mil- liarde RM. für Arbeitsdeschafsungszwecke bereitgestellt worden. Ucberdies werden durch die Schaffung der Auto- bahnen, für die 2 Milliarden vorgesehen sind, etwa 399 999 Arbeiter für füüf Jahre beschäftigt werden. Aus dem großem Gebiet der Verbrauchswirtschaft hat die T e x t i l p r o d u k t i o n den Stand vom Frühsommer 1931 erreicht und die Baumwollspinnerei sogar ihre Höchstleistung von 1927 überschritten. Allerdings ist die Productions- steigerung stärker als die Zunahme des Einzel- Handelsabsatzes. Sie dürfte also zum guten Teil auf Lagereindeckungen beruhen, die durch die 12prozentige Verteuerung der Textilrohstoffe ausgelöst sein mag. Im Einzelhandel hat sich zwar die finanzielle Lage der Betriebe fortschreitend konsolidiert, die Umsätze lagen aber im zweiten Quartal noch um 7,2 Prozent für das ganze erste Halbjahr sogar noch um 11 Prozent unter dem V o r j a h r e s st a n d. Im Bekleidungs- und Möbelhandel haben freilich auch die Mengenumsätze etwas zugenommen. Wenn diese beiden Gruppen sich günsti- ger entwickelt haben als der Lebensmittelhandel, so ist zu beachten, baß die B e d a r f s st a u u n g sich in den größeren Gegenständen des elastischen Bedarfs stärker ausgewirkt hat, als im täglichen Nahrungsbedarf. Item: für den täglichen NahrungSbcdarf bleibt immer weniger verfügbar. Auf deutsch: man darbt und hungert. Stimmen Blatt zu abonnieren. Sie sollen ihre Zeitung, die sie schon jahrelang abonniert haben, abbestellen und dafür ein Abonnement auf die Nazizeitung nehmen.„Nein, ich behalte, was ich habe. Ich bin daran gewöhnt." Hieraus der Uni- formierte:„Denkt dran, daß ihr in dieser Straße die einzigen seid, die nicht darauf abonniert sind. Ich komme in drei Tagen zurück, dann werdet ihr wohl zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß es für euch besser ist, wenn ihr euch auf diese Zeitung abonniert." Auf dieselhe Manier werden die Ladenbesitzer gezwungen, in den Naziblättern zu annoncieren. Panis? Circenses! Die Post Scripta der Haagschen schreibt zu dem Parteifesttag in Nürnberg u. a. folgendes: Das Fest hat nach der letzten Schätzung ungefähr zehn Million enMark gekostet.„Das arme Deutschland" ver- steht, Feste zu feiern. Schier kein Tag geht vorbei, seit Hitler am Ruder ist, ohne daß die gewaltigsten und kostspieligsten Feste stattfinden. CircenseS im Ueberfluß. Aber panis..? Wen die Götter... Es ist zur Genüge bekannt, wie Hitler die Seinen ver- mehrt. Goethe hat das einmal so schön gesagt:„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Im Hauptartikel der Haagschen Po st wird hierzu folgendes bemerkt: „Was gewinnt Hitler nun, wenn er seine Schar auf diese Weise vergrößert? Wird Deutschland weniger isoliert da- stehen, wenn in allen Gesandtschaften offiziell Nazis sitzen und wenn von Neurath im Außcnministerium, von Hoesch in London und Roland Köster in Paris Platz gemacht haben für Vertrauensleute von Rosenberg? Wen die Götter strafen wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Das ist eine alte Wahrheit..." dingungen zusammenzufassen. Ich warne davor, alle diese Dinge als Marxismus anzusehen. So sprach man am 19. September in Köln. Was ist los? Hat ein marxistischer Gewerkschaftsbonze noch einmal das Wort ergreifen dürfen, der sich durch einen kleinen antisemitischen Ausfall tarnte. Nein, der Abschnitt entstammt einem Bericht über eine Rede des Präsidenten der deutchen Arbeitsfront Dr. Ley.(Westd. Beob. Nr. 226). So gründlich bauen die Nazis um. nachdem sie selber Riesenbonzen geworden sind. Die Mittelständler werden freilich nicht so rasch um- lernen, wie der Revolutionsgewinner Dr. Ley. Die großen Unternehmer aber werden gerne bestätigen, daß die Ge- werkschaften mit Marxismus nichts mehr zu tun haben, wenn die Tarifverträge auf Elendslöhne abgeschlossen werden. Flu deutscher..»ssetag" Infolge des Exportrückgangs steht die bayrische Käse- fabrication vor einer Katastrophe. In den Magazinen liegen weit über IM 999 Meterzentner Käse. Man weiß nicht, was damit geschehen soll. 69 9M Meterzentner sind bereits so weich geworden, baß sie vernichtet werden müssen, falls sie nicht in höchstens 14 Tagen dem Konsum zugeführt werden können. Man plant jetzt die Organisierung eines„Käse- tages", um die riesigen Käsemengen wenigstens zu eine» ermäßigten Preis abstoßen zu können. Schwedischer Boykott Der schwedische Gewerkschaftsbund, mit einer Mitglieder- zahl von 6M9M, hat sich dem Beschluß deS Internationalen Gewerkschaftsbundes angeschloffen, wonach sämtliche deutschen Waren i» Schweden boykottiert werden. ®eut§cÊke it im m en Hilmstecne stcahCm... WlU Icaunen JUipillen und entspiediendem ChacakUc Ttlax Jieinhacdt Di« Lieblinge der Leinwand, die im»dritten Reichs kraft ihrer arischen Großmutter verbleiben konnten, wetteisern heut« miteinander, den SA.» und SS.-Gewaltigen zu Dienst du sein. Wenn heute irgendwo in der Welt Gustav Fröhlich von der Filmwand strahlt, wenn Johannes Riemann seine Kunst sehen läßt, wenn Oskar Sima brilliert, wenn die Dorsch in Gleichen macht oder die Renate Müller als irgendein kleines Büromädchen entzückt, dann soll man nicht vergessen— nie vergessen, welch menschlich-schäbige An- Passungsfähigkeit sie entwickelten. ♦ Gust av Fröhlich! Er war einmal ein ganz armer Frtseurgehilfe, wurde Schauspieler und schließlich sogar ein Filmstar. Dieser Gustav Fröhlich heiratete im„zweiten Reich" die große Sängerin Gitta A l p a r, die Tochter eine? ungarischen Rabbiners. Dem Gustav war die Rasse seiner Frau vollkommen gleichgültig, sie war berühmt und verdiente furchtbar viel Geld. Bis zum Einbruch HitlerK in Deutschland war die Ehe sehr glücklich. Als aber die Juden- Verfolgungen begannen, da wurde Herr Fröhlich erst ge- wahr, daß die Alpar ja eine Jüdin war. Und mit so etwas konnte man als prominenter Filmkünstler im„dritten Reich" doch nicht verheiratet sein. So ließ sich der treu- teutsche Künstler scheiden. Das Opfer brachte er nicht umsonst. Dafür bekam er um so mehr Engagements, i* Oder wir stellen Ihnen Herrn Oskar Sima vor. Er war«in wackerer Mann im ehemaligen Deutschland. Hielt fest zu den Leuten» die ihn bei sich filmen ließen, obwohl es hauptsächlich Juden waren, und tat sehr kameradschaftlich zu den Kollegen. Heute ist Sima einer der wütendsten Hetzer in der nationalsozialistischen Partei, ein Mann, der seine ehemaligen Freunde und Kollegen denunziert, der ihnen den letzten Verdienst stiehlt und der dafür arbeitet, daß die unangenehme Konkurrenz restlos Deutschland ver- lassen muß. Dutzende Schauspieler haben Sima Verfolgungen und Arbeitslosigkeit zu verdanken. Zu der Serie Sima gehören eine ganze Anzahl von ,Film„prominenten", unter denen aber Johannes Rie- mann und Harry Gondi die schlimmsten sind. Mit riesigen Hakenkreuzen geschmückt lausen sie in Berlin herum und beteiligen sich eifrig an der Ausmerzung der wenigen guten Schauspieler, die noch in Deutschland verblieben sind. Ja, sie sind sogar Spezialisten für Rasseforschung geworden. Denn sie beschäftigen sich vornehmlich damit, festzustellen, wer von den Filmkünstlern eine nichtarische Großmutter gehabt hat. * Eigentlich noch ärger wie die Herren treiben es die weib- ! lichen Stars. Käthe Dorsch, die große Künstlerin, war ' in ihrer Jugend in Nürnberg, als es dort noch keinen Streicher gab, fast ausschließlich in jüdischen Kreisen zu Hause. Heute sehen wir die Dorsch an der Seite des preußischen Ministerpräsidenten und General-Brandstifter Göring. Man weiß, daß sie unzählige kleine und große Schauspielerinnen um ihr Brot gebracht hat. Käthe H a a ck tut es ihr gleich, die sogar zu falschen Anzeigen greift, auf Grund derer Künstlerinnen verhaftet wurden. Auch Tont van Ejck hat vergessen, daß sie einmal von einem Herrn namens Felix Bressart vom Hungertod er- rettet wurde, daß sie ohne seine Hilfe schon längst in kühler Erb« ruhen würde. Obwohl sie gleichzeitig mit der Geburt ihres Kindes, ihre Berehelichung anzeigte, was dem heute vorgeschriebenen Typ einer deutschen Frau gar nicht ent- spricht, gilt sie heute als der Typ der nationalsozialistischen Frau. * Das schlimmste Stückchen hat sich aber die„Privatsekre- tärin Renate Müller geleistet. Die Geschichte klingt so unglaublich, daß man sie nicht für wahr halten würde, wäre sie nicht schwarz auf weiß dokumentarisch belegt. Der ehemalige Polizeipräsident Weiß besaß in Dahlem eine Villa. Da er sie nicht bewohnte, vermietet er sie vor ein paar Jahren an Renate Müller. Er verlangte einen Mietpreis von 750 Mark pro Monat, und das erschien der Filmkünstlerin so billig, baß sie gleich einen festen Vertrag auf vier Jahre machen wollte. Dr. Weiß lehnte das ab und schloß nur einen Vertrag aus zwei Jahre. Solange das „zweite Reich" existierte, ging alles in Ordnung. Renate Müller zahlte ihre Miete und war glücklich, für so billiges «ine schöne Behausung zu besitzen. Als die wirtschaftlichen Verhältnisse sich verschlechterten, ging Weiß mit seiner Mietforderung herunter und er- mäßigte den monatlichen Zins auf 500 Mark, worüber Renate Müller natürlich hocherfreut war. Sie bezahlte ihre Miete auch weiter, als Hitler die Zügel der Regierung in die Hände bekam und Dr. Weiß sich so schnell wie möglich ins Ausland begeben mußte. Bis vor einigen Wochen Dr. Weiß von der Filmkünstlerin Renate Müller einen Brief erhielt. Der bekannte Film- star schrieb, daß sie infolge der veränderten Verhältnisse in Deutschland an Herrn Dr. Weiß eine Monatsmiete von 500 Mark nicht mehr bezahlen könne. Sie glaube, baß eine solche von 250 Mark vollkommen genüge. Sicher würde es dem Herrn Polizeivizepräsibenten viel lieber sein, die 250 Mark zu erhalten, als daß sie die Miete von eventl. 500 Mk. der Geheimen Staatspolizei überweisen würde. Da sie deshalb auf sein Einver- ständnis auf ihren„Borschlag" rechne, habe sie die 250 Mark ihm sofort überwiesen. Eigentlich dürfe sie das auch nicht tun, da Dr. Weiß ja ein im Ausland lebender Deutscher sei, an den Zahlungen zu leisten sie gar nicht verpflichtet sei, aber sie wolle von diesem Recht nicht Gebrauch machen, obwohl es ihre Pflicht gegenüber dem neuen Deutschland ge- biete. WaS konnte Herr Weiß dagegen tun? In Wirklichkeit nichts. Aber er antwortete dem Filmstar, dessen Filme ja nicht nur in Deutschland lausen, mit viel zu großer Höf- lichkeit. Er schrieb ihr, daß er trotz der Drohungen mit ihrem„Borschlag" nicht einverstanden sei. Er habe ihren Brief in Marienbad und Karlsbad einigen bekannten Kollegen und Kolleginnen von ihr zu lesen gegeben. Diese hätten alle einstimmig geäußert, daß dieser Brief nicht von Renate Müller stammen könne. Er müsse zumindest ihr vordiktiert worden sein. Er bitte sie deshalb, sich die Kopie ihres Briefes noch einmal durchzulesen und ihm dann ent- sprechende Ausklärung zukommen zu lassen. Eine Antwort erfolgte nicht mehr. Inzwischen be- kam auch Herr Weiß die 250 Mark nicht mehr. Vielleicht braucht Renate Müller nun gar nichts mehr zu bezahlen. Vielleicht„schenkt" ihr der preußische Staat für ihre ruhmreiche Tat nunmehr die ganz« gestohlene Villa. Herr Göring ist ja groß im Verschenken von Güter» und Grundstücken, die ihm nicht gehören. Filmbesucher in aller Welti Das sind Deine Lieblinge! Hoffentlich gewesen! Details mm Julm Izattkceich Aoykattiect deutsch* Produktion Der bisherige Prodnktionschef der Ufa, Erich Pommer, hat soeben in Amerika«inen Bertrag ge- schlössen und wird in Zukunft alle seine Filme für Rechnung der Fox-Film-Gesellschaft in Paris drehen. Lilian Harvey kommt extra für diese Produktion von Hollywood in die französischen Ateliers. Als erstes Werk dieser neuen Epoche dreht Fritz Lang in Joinville den„Liliom" von Molnar mit Charles Boyer in der Hauptrolle. Natürlich bedeutet diese Verlagerung des europäischen Filmzentrums eine außerordentliche Konkurrenz für die in den Fesseln der Göbbelschen Film-Zensur dahinsiechenden Usa-Gesellschast. Diese Umgruppierung wird die Bewegung zum Boykott der gleichgeschalteten SA.-Film« in Frank- reich wesentlich verstärken. Die Alliance Cinématographique Européenne, die französische Monopolvrrtretung Hugen- bergs, wird aus die Dauer niemand davon überzeugen können, daß sie vom Ungeist des„dritten Reiches" ganz un- abhängig ist auch dann nicht, wenn ihre Ufa-Filme in Paris mit französischen Schauspielern und sogar unter Teil- nähme von Juden gedreht werden. Die Militär-Märsche vom „York" und vom„Morgenrot", die die Ufa m Paris spielen läßt, sprechen eine eindeutige Sprache, und die zu erwartende Rcuproduktion ist bekanntlich noch schlimmer. Kortner, Vollenberg, Elisabeth Bergner, die Massary, Richard Tauber, die größten und stärksten Kräfte, werden aus Berlin ver- trieben. Klemperer wird abgefetzt, in Johannesberg wird der„Horst-Wessel-Film" gedreht,— da ist keine Gemeinschaft mehr möglich. ScheinCelm Dahinter die Acaune Pleite In den offiziellen Kunstberichten deS„dritten Reiches" herrscht eitel Sonnenschein. Wenn man ihnen glauben darf, erneuert sich die Kunst, sind die Theater überlaufen, jubelt das erwachte Publikum den gleichgeschalteten Bühnenhelben brünstig zu. Aber manchmal, wenn der Zensor schläft ober ein Redakteur unter der Hitze leidet, gerät in die Spalten der braunen Blätter plötzlich ein Stückchen Wahrheit. Und diese Wahrheit sieht so aus: .Berliner Herold", 28. August: „Sicher ist leider, daß aus mangelnder Initiative, fehlendem Kapital und nicht vorhandenen produktiven Direktoren-Temperamenten in den Berliner Privat- theatern zu Saisonbeginn mindestens fünfzig Pro- z e n t weniger Schauspieler, Musiker, Bühnenarbeiter und Autoren beschäftigt werden als im Vorjahre." „Bofstfche Zeitung", 18. August: Unter der Ueberfchrift„Warum ist der Film so schlecht?" Sind es die Schauspieler? Ist es der Regisseur? Tatsache ist jedenfalls, daß die zahlreichen Uraufführungen der letzten Wochen dem Film keine neuen Freunde gewonnen haben... Der schlechte Kinobesuch deutet an, daß das Barometer auf Sturm steht." Die deutsche Kunst wird solange gleichgeschaltet, erneuert und aufgenordet werden, bis nichts mehr von ihr übrig ist. Ein Erfolg nach altem ärztlichem Rezept:„Operation ge- lungen, Patient tot." Die Flucht ins Ausland Deutsche arische Filmschaffende, die in letzter Zeit im Ausland(Wien, Prag, Paris, Budapest) Filmverträge ab- geschlossen haben, werden in einem Berliner Bericht der „Kölnischen Zeitung" als Landesverräter bezeichnet. Es verdiene, so heißt es wörtlich, schärfste Verurteilung, daß deutsche Künstler zur Tarnung oder„Verschönerung" von Emigrantenfilmen sich verpflichten ließen. Wer die kul- turelle Ausbauarbeit des„dritten Reiches" derart sabotiert, habe in Zukunft auf Beschäftigung innerhalb Deutschlands nicht mehr zu rechnen. Die scharfe Attacke der«Kölnischen Zeitung" stammt aus der Feder eines Herrn K. H. R u p p e l. der das links- liberalistische.Zeittheater" ehedem exaltiert bewunderte. Sechziq. Jahce alt Als der große Regisseur Max Reinhardt daS Jubiläum seiner 25 Jahre dauernden Direktion des Berliner Deut- schen Theaters und als er vor zehn Jahren seinen 50. Gc- burtstag feierte, wurde er besonders in seiner Wahlheimat- stadt Berlin als ein Erneuerer, ein Zauberer des Deut- schen Theaters gefeiert. Zwei Universitäten ernannten ihn zum Ehrendoktor, Regierung und Stadt dankten ihm und überschütteten ihn mit Ehren. Heute ist er aus Deutschland vertrieben, einer seiner unbedeutendsten Nachfolger nahm die Verpflichtung aus sich, Neinhardt nicht mehr an seinem, das heißt Reinhardt gehörigen Theater tätig sein zu lassen, er ist einer der vielen, aus die Nazideutschland leichthin vcr- zichtet. Die übertriebenen und oft genug höchst eigennützigen Huldigungen können ebensowenig wie die wirkungslosen Schmähungen die Bedeutung Max Reinhardts für die Theatergeschichte Deutschlands und der Welt vernebeln. Er hat— wer kann es zu leugnen wagen?— das Theater wahrhaftig erneuert. Als er auf den Platz trat, der dutch ihn kür das Kultur- und Theaterleben immer wichtiger wurde, war das Theater in einer Periode krasser Realistik und nüchterner Alltäglichkeit verblaßt. AlleS war zur Rou- tine geworben, die Natürlichkeit und das Pathos, die Art. wie man Zeitgenössisches und Klassisches aufführte. Da be- gann die Aera Max Reinhardts, und eS schien von ihr ein Zauber und eine Neubelebung auszugehen. ES war nicht die Aeußerlichkeit prunkvoller Inszenierung, sondern viel- mehr die Durchdringung von Wort und Gebärde mit einem neuen Geist, die jetzt Wunder schuf. Max Reinhardt insze- nierte Shakespeare und Ibsen, den„Sommernachtstraum", den„Faust" und KonversatipnSstiicke. Dank ihm erschien alles neuartig, vom Hauch der Epoche durchströmt, anregend und denkwürdig. Dabei hat er eine Unzahl von Schau- sptelern großgezogen, entdeckt ober sie zum Bewußtsein ihrer eigenen Fähigkeiten gebracht. Es darf nicht verkannt werden, daß die Tätigkeit Rein- Hardts gewiß auch Fehler, ja sogar Schäden hatte. Sein bedeutendster und bedauerlichster Fehler ist, daß er, dieser gewaltige Anreger, die Dichtung während der vielen Jahre seiner Theaterherrschaft kaum angeregt hat. Wie sehr er aus der Bühne und mit Schauspielern experimentierte, mit Autoren hat er, soweit man zurückdenken kann, kein Ex- périment versucht. Ein anderer Fehler von ihm sind, so kurios dies klingen kann, seine Nachahmer, die bloß das Aeußerliche seines Genies ersaßt haben, und Regie, Insze- nierung, Stimmungsmache und ähnliches mehr vor daS dichterische Werk schoben und dieses selbst zur Nebensache herabdrückten. Aber die Geschichte der deutschen Kultur wird, wenn sie Licht und Schatten abwägt, dennoch Max Rein- Hardt zu ihren bedeutendsten Gestalten rechnen. Max Reinhardt ist Oesterreicher, in Baden bei Wien ge- boren, in Wien hat er den Unterricht als Schauspieler ge- nossen, hier als Charakterspieler den ersten Ruhm geerntet. In Berlin freilich, am Deutschen Theater, fand er erst das richtige Betätigungsfeld. Hier war er zuerst einer der Pro- minenten der deutschen Schauspielkunst, dann der groß« Direktor und der große Regisseur, dessen Ruhm über die Welt strahlt. Ttlax Adalbert In München ist der Komiker Max Abalbert an einer Ntereneiterung und einer Lungenentzündung gestorben. Adalbert hieß mit seinem bürgerlichen Namen Max Krampf und wurde 1885 in Danzig geboren. Er stammte aus einer preußischen Osfizierssamilie,' als er sich noch als Gymnasiast in Berlin entschloß, zur Bühne zu geben, wurde er von seiner Familie verstoßen. Seine schauspielerische Lausbahn begann in Lübeck und St. Gallen. Er erntete aber so wenig Erfolg, daß er entlassen wurde und, an seinem Talent zweifelnd, einen Selbstmordversuch unternahm. Die Direk- toren hatten Max Adalbert, der ein gebvrner Komiker war, tragische Rollen in klassischen Stücken anvertraut,' er mußte den Mortimer, den Melchthal, den Tempelherrn spielen. Erst Barnowsky erkannte in Adalbert den Charakter- komiker und gab ihm die Rolle des Berliner Reisenben in „Erster Klasse" von Thoma. Nun wurde der Schauspieler Adalbert erst entdeckt, der große Charakterdarsteller, der rappelköpfige, verraunzte Familientyrannen, pedantische Beamte, schnoddrige Berliner Volkstypen aus der Bühne lebensvoll, aus scharfer Be- obachtung der Wirtlichkeit nachgcstaltete. Fritz Friedmann- Frederich hat ein paar Schwänke für Adalbert geschrieben, „Klubleute",„Mayers".„Müllers", mit denen der Künstler auch in Wien gastierte. Er war ein Berliner Komiker, er schuf mit sein-> trockenen Humor den Berliner Klein- bürger von gestern, den eigensinnigen Philister, den Stamm- tischspießer der wilhelminischen Epoche und den großspreche- rischen Kommerzmenschen von heute meisterhast nach. Er hat zumeist zänkische unverträgliche Wirrköpfe gespielt, die aber im Grunde ihres Herzens gutmütige und harmlose Kerle waren: hinter der Maske der Menschenfeindschast ver- barg sich Menschenliebe, unter dem Panzer der Unfreundlich- reit, Grobheit und Härte schlug ein warmes lebendiges Herz. Einer seiner größten Erfolge war in dem Schwank„Das Ekel" der mit seiner Familie und der Welt zerfallene, gegen die Staatsordnung rebellierende Kleinbürger: diese Rolle hat er auch in seinem ersten Tonfilm gespielt. Die Ausgaben, die der Film Max Adalbert stellte, waren dieses groben Komikers nicht immer würbig. In der Ver- silmung des„Hauptmann von Köpenick" aber fand er eine Rolle, in der er seine große Kunst tragischer und komischer Menschengestaltung voll entfalten konnte. Leider hat man ihn seither im Film nur noch selten gesehen: die Filmdirektoren des„dritten Reiches" hatten für einen Schau- spieler, der«s wagte, die allheilige Uniform zu verhöhnen, keine Verwendung mehr. BUMÏ NUMMER 74|!= 1. JAHRGANG TÄGLICHE UNTERHALTUNGSBEILAGE DONNERSTAG. DEN 14. SEPTEMBER 1933 Wunder der Cfiirur^ie Stau mit dem(Toten/topf Eines der erbarmungswürdigsten Wesen war die Tochter des amerikanischen Wirkwarenfabrikanten Röhn. Esther Nohn war einmal eine blendende Schönheit gewesen. Beim Waschen von Handschuhen hantierte sie so unglücklich mit Benzin, baß ihr Haar in Flammen geriet. Das Feuer hatte auch ihr Gesicht verbrannt. Als die Brandwunden geheilt waren, glich Esther Röhns Gesicht einem Totenkopf. Sie war von diesem Tag an begreiflicherweise für die Welt ge- storben und zeigte sich vor den Gästen des Hauses nur mehr in einem dichten Schleier. In einer Aerzteversammlung in St. Louis wurde nun dieser Tage Miß Esther mit einem vollständig neuen Gesicht gezeigt. Wie Esther Nohn zu diesem neuen Gesicht kam, ist ein kleiner Roman. Einer ihrer Jugendfreunde war ein Bildhauer namens Kokschin. Diesem Mann tat Esther so leid, daß er auf Mittel und Wege sann, ihr zu helfen. Er überredete Esther, sich einem bekannten Chirurgen anzuvertrauen. Der Chirurg versprach sich aber von einer Operation keinen Erfolg. Kokschin setzte sich mit einem jungen Operateur ins Einvernehmen, der nach gründ- lichen Vorbereitungen die Operation wagte. Durch geschickte Uebertragungen von Hautstücken aus den Oberschenkeln, ferner durch eigenartige Massagen erhielt Esther bald ein neues Gesicht. Wie aus St. Louis berichtet wird, zeigen ihre neuen Züge Schönheit und Ebenmaß. Die Narben machen sich angeblich nur als feine Fältchen bemerkbar, die vollständig unauffällig sind. Mit der Operation ist nicht nur Esther Röhn, sondern auch dem jungen Chirurgen geholfen. Er ist über Nacht zur Berühmtheit gelangt. ®ei foidat mit dem /kalben Sesidkt Auf ein anderes Kunstwerk der Gestchtsplastik kann Dr. F. D a m r a u blicken. Er befaßte sich seit Jahren mit einem Soldaten, dem im Weltkrieg der untere Teil des Gesichtes abgeschossen worden war. Er fertigte dem Mann einen Unter- kiefer aus Vulkanit an und befestigte ihn an den Stumpf- enden der übrig gebliebenen Knochenreste. Aus dem Wangen- fleisch wurde ihm ein Mund fabriziert und die Kopfhaut des Soldaten mußte dazu herhalten, das künstliche Kinn zu be- decken. Die Kopfhaut wieber wurde aus den Schenkeln er- setzt. Der Arzt hatte dem Mann ein normales Gesicht ge- geben, und sogar die Narben sind unsichtbar, da der Haar- wuchs der Kopfhaut diese kleinen Schönheitsfehler verdeckt. Der 9/ötist mit dew Zetke Ueber einen anderen tragischen Fall berichtet der Arzt Professor Dr. Nosther. Ein Musiker, der eine Zeitlang in einem Orchester Neuyorks tätig war, hatte im Krieg beide Daumen verloren. Er war also als Musiker erlebigt, denn er konnte sein Instrument nicht mehr in der richtigen Lage halten. Versuche mit Prothesen nützten nichts. Vor einigen Jahren machte ihm Professor Dr. Nosther den Vor- schlag, sich einer problematischen Operation zu unterziehen. Der Arzt wollte ihm die Daumen durch die beiden großen Zehen ersetzten. Der Musiker stimmte zu, und die zwei Wochen währende Operation gelang. Seine beiden Zehen ersetzen nun vollständig die Daumen. Sie sind sogar beweg- lich, denn die Operation verband nicht nur die Arterien und Venen mit der Hand, sondern auch die Sehnen der Zehen mit jenen des Unterarmes. Die unförmige Jlase Auf tragische Art kam die kleine Stenotypistin des Bank- Hauses Clark u. Co. in Kansas City zu einem form- vollendeten Näschen. Eine amerikanische Gangsterbande brach am hellen Tag in das Bankhaus ein, um die Tresors auszurauben. Sie wurde jedoch von Polizisten überrascht. Einer der Banditen schützte sich vor dem Feuer der Poli- zisten, indem er hinter der Stenotypistin Deckung suchte. Da- bei wurde dem armen Mädel die halbe Nase weg- geschossen. Mary Denver, so heißt die Stenotypistin, wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein Chirurg erbarmte sich des armen Wesens und operierte ihr eine neue Nase zu- recht. Scheinbar stand dieses neue Näschen der Stenotypistin besser zu Gesicht als das alte. Einer der Bankbirektoren verliebte sich nämlich in sie, und die Hochzeit hat sie mit dem Schrecken des Ueberfalles und dessen Folgen schnell ve.söhnt. Jfieater-Anekdoten Bei der Uraufführung von Georg Kaisers„Von Morgens bis Mitternachts" an der Wiener Volksbühne kam es zu einem großen Theaterskandal. Pallenberg spielte den Kassierer und rettete schließlich durch seine große Schauspiel- kunst das Stück vor dem Ausgepfiffenwerden. Hans Ziegler, der die Regie führte, war auf das Publikum nicht gut zu sprechen.„Gelacht haben diese T..., aber das wundert mich gar nicht, bei einer der letzten Aufführungen von Familie Schimek hat einer bei der traurigsten Stelle geweint.—„Sie irren sich," mengt sich Paul Barnay ins Gespräch,„der hat über Pallenberg— Tränen gelacht." * Die Wiener Volksbühne hatte 1917 ihr Heim im Kolosseum. Es war Krieg. Große Kohlennot. Premiere von Gabriela Zapolskas Drama„Sibirien". Im Zuschauerraum saß das Publikum in Mänteln und fror. Auf der Bühne klapperten die Schauspieler mit den Zähnen. Nach dem zweiten Akt kommt Direktor Arthur Rundt zu Kortner, der die Haupt- rolle des Generals spielt:„Nun, wie sind Sie zufrieden, Kortner?"—„Ich? Der Beifall gilt ausschließlich Ihrer Inszenierung. Nicht einmal Reinhardt macht Ihnen diese natürlich sibirische Kälte nach..." * Uraufführung von„Sendung SemaelS" an der neuen Wiener Bühne. Die Bergner spielt die Hosenrolle des drei- zehnjährigen Moritz Scharf. Atemlose Spannung im Publi- kum. Ein Feuerwehrmann, der hinter der Szene Dienst macht, verfolgt interessiert jede Bewegung der Bergner. Schließlich sagt er zu dem auf seinen Auftritt wartenden Jensen:„Wissen S', wann i net bestimmt wissen möcht, baß dös ein Mann ist, man siehts ja an den Hosen, möcht ich glauben, dös is ein Madel..." * Ein Theaterdirektor ist erkrankt.„Denkt Euch, er hatte heute abend 37,5."—„Fieber oder Abenbeinnahme?", fragt ein besonders Interessierter. sMTP.j Was es alles giß' n JC'JUlantiQue" Der abgebrannte französische Dampfer „L'Atlantique" ist herrenlos geworden. Die von der französischen Marineverwaltung für Räumung des Trocken- docks in Cherbourg gesetzte Frist ist abgelaufen, ohne daß jemand das Schiff abgeholt hat. Die Südatlantische Reederei hat das Eigentum aufgegeben, um die volle Versicherungs- summe zu erhalten. Die Versicherungsgesellschaften wollen das Schiff nur zur Reparatur übernehmen. Da aber das Handelsgericht in Cherbourg entschieden hat,„L'Atlantique" könne nicht repariert werden, verlangt die Reederei die Versicherungssumme. Das Schiff war mit 27 Millionen Mark versichert, hauptsächlich bei Lloyd in London. Die Reparatur hätte etwa IS Millionen Mark gekostet. Trotz mancher Katastrophen gehört das Reisen auf dem Ozean in modernen Dampfern zur sichersten Transportart. Es gab einmal eine Zeit, wo man Segelschiffe für sicherer hielt. In einem kürzlich veröffentlichten Brief schrieb Dickens 1842 nach der Ankunft in Neuyork:„Sobald ich an Land war, habe ich geschworen, nicht auf einem Dampfer zurückzu- kehren, nachdem ich auf der Ueberfahrt viele Gefahren be- obachtet hatte, denen gerade diese Dämonen unterworfen sind. Ich wundere mich nur, wie sie überhaupt bei schlechtem Wetter herüberkommen. Anstatt oben auf den Wellen zu reiten, wie richtige Schiffe, drängen sie sich durch die Wellen durch und sind die ganze Zeit unter Wasser... Oh, diese Dampfer sind die verfluchteste Erfindung auf dem ganzen weiten Ozean!" Das£i gegen die J Ceinrvand fienc vor einem 911m Bei der Uraufführung des Bavaria-FilmS „Das hätzliche Mädchen" in Berlin kam es zu einem Zwischenfall. Als am Schluß des Films — wie üblich bei Uraufführungen— die Hauptdarsteller, deren Erscheinen in großen Plakaten am Theater angezeigt war, auf der Bühne sich sehen ließen, ver- stärkte sich zunächst der Beifall: dann wurde vom Rang des Theaters ein Ei auf die Bühne geworfen, das den inneren Vorhang beschmutzte. In diesem Augenblick ver- schwanden die Hauptbarsteller, während ein großer Teil des Publikums weiterklatschte. AlS dann der Vorhang wieder aufging, wurde ein zweites Ei vom Rang heruntergeworfen und eine Stimme ließ sich im Theater hören, die die Zu- schauer mit„deutsche Männer und Frauen" anredete und sie aufforderte, in Zukunft sich nur deutsche Filmdarsteller an- zusehen. Es sei eine Schande, daß deutsche Männer und Frauen einem jüdischen Schauspieler Beifall erwiesen. In einer gewissen Unruhe leerte sich das Theater. Zur Abfahrt der Hauptdarsteller hatte sich wieder eine größere Anzahl ihrer Anhänger eingefunden, die demonstrativ Beifall klatschten. Wie ein Berliner Blatt zu diesen Vorfällen von der Bavaria-Film-AG. erfährt, stammt dieser Film noch aus einer älteren Produktion, er war aber von der Regierung genehmigt und unbeanstandet geblieben. Gleichzeitig teilt die Gesellschaft mit, daß die Hauptdarstellerin Dolly Haas arischer Abstammung sei... »OMAN VON 10 N A Z l O 81L 0NB »Jetzt haben sie ihn zum Podesta gemacht," fuhr Donna Zizzola fort.„Die neue Regierung hat ihn zum Podesta ge- macht... Die neue Regierung ist in den Händen einer Räuberbande. Sie nennen sich Bankiers und Patrioten, aber es sind wahre Briganten ohne Respekt vor altem, ererbtem Besitz... In den vierundzwanzig Stunden, seitdem dieser Räuber Podesta ist, sind schon die Schreibmaschinen aus dem Rathaus verschwunden... In einem Monat werden Türen und Fenster auch fehlen. Die Kehrichtmänner werden zwar von der Gemeinde entlohnt, aber seit heute Morgen arbeiten sie als Handlanger in der Ziogelbrennerei des- Impresario. Die Straßenwärter, die von allen bezahlt werden, arbeiten an dem Graben, der das Wasser zu den uns geraubten Län- dcreien führen soll... Der Gerichtsbote Jnnocenzo La Legge ist Diener bei der Frau des Impresario geworden: heute morgen bin ich ihm begegnet, wie er mit gesenktem Kopf wie ein Hund mit einem großen Korb voll Gemüse hinter seiner neuen Herrin herschlich. Und das ist erst der Ansang. Im gleichen Tempo wird dieser Räuber uns alle ausplün- dern..." Von dieser ganzen Hetzrede blieb uns nur ein Eindruck haften: Auch für die bisher Besitzenden war der Tag der Vergeltung gekommen. Nach dem Sprichwort: „Wer das Schaf gefressen hat, muß auch die Wolle kacken." Somit waren wir wieder unterwegs zur Villa des Po- bcsta. Bon zu vielem Laufen taten mir schon die Beine weh, «nie am Karfreitag, wenn man die Leidensstationen Christi auf den Knien hinaufrutscht. Meine nackten Füße brannten. Unterivegs stießen wir auf Autinio Zappa, einen Ziegen- birten von Fontamara, der auch den Impresario suchte. Als er nämlich mit seinen Ziegen auf dem Tratturo gewesen war, am ein Landjäger und»nachte ihm klar, daß er sich zu trollen abe,«veil der Tratturo jetzt dem Impresario gehöre.*) „Der Tratturo gehört dem Impresario?" fragte der Hirt. „Dann gehört ihm wohl auch die Luft?.." Wir kannten Antonio Zappa als einen ziemlich unver*) Tratturo— Sit den Schafen gehörende Straße, die sich durch die Abruzzen zieht nünftigen Burschen, in diesem Falle aber war er iin Recht. Wahrscheinlich hatte ihn der Landjäger nur gefoppt, denn die Tratturi waren immer für alle dageivesen. Nach dem Kleidermarkt im Mai kommen alljährlich fast eine Million Schafe auf unsere Berge und verbringen hier den Sommer bis in den Oktober. Sie sagen, dies sei schon vor Christi Ge- burt so geivesen. Seitdem folgten sich so viele Ereignisse: Kriege, Ueberfälle, Päpste und Könige, aber die Tratturi blieben stets im Besitz aller. „Der Impresario ist verrückt, wenn er glaubt, einen Trat- turo anrühren zu können," sagten»vir.„Wenn er aber nicht verrückt ist, dann hat sich der Landjäger vielleicht nur über uns lustig geinacht..." Die Dienerin am Villentor des Podesta ivar ganz ver- zweifelt. „Der Podesta ist immer noch nicht da... Tie Herrschaften essen schon seit einer halben Stunde und er, die Hauptperson, kommt immer noch nicht..." Ter Geruch von Töpfen und Pfannen drang bis zu uns. Tie Magd berichtete den Verlauf des Festes mit vielen Einzelheiten. Don Circostanza hatte eine schöne Rede ge- halten. Dann sprach sie mit Hingebung vom Essen. Sie sprach von Ziviebelchen, Saucechen, Pilzchen, Kartöffelchen, Geruch- lein und Tüftlein. Das Festesien mußte fast vorüber sein, denn«nan merkte schon die Wirkung des Weines. Die Stimme Don Circo- stanzas übertönte die aller anderen. Durch die offenen Fenster drang der Lärm der Gespräche zu uns herunter. Auf einmal entspann sich ein heftiger Disput über den Allmächtigen. Don Abbacchio und der Apotheker verteidig- ten entgegengesetzte Ansichten. Man frug Don Circostanza um seine Meinung. „Der Allmächtige?" schrie er.„Ganz klar, der Allmächtige ist ein Eigenschaftslvort." Alle waren einig und der Friede war hergestellt. Dann hörte man die betrunkene Stimme Don Abbacchios wieder: „Im Namen des Brotes, der Salami und des Weißweins, Amen!" Eine Lachsalve quittierte diesen Geistesblitz des geistlichen Herrn. Eine neue Pause trat ein. Dann sang Don Abbacchio mit seiner kirchlichsten Stiinme: „Item missa est..." Das war das Zeichen zum Aufheben der Tafel. Die Fest- tcilnehmer begannen aus allerlei Gründen im Garten zu erscheine»:. Zuerst kam Kanonikus Don Abbacchio, fett, aufgedunsen, mit einem durch Arterien geblähten Hals, mit pfauenhaft aufgeblasenem Gesicht, halbgeschlossenen Augen und dem Ausdruck eines seligen Schweines. Er war so betrunken, daß er kaum stehen konnte. Er begann sein Wasser an einem Baum abzuschlagen und lehnte, um nicht zu fallen, seinen Kopf gegen den Stamm, die offenen Hosen waren uns zu- gekehrt. Dan» sahen»vir Advokat Don Pomprmio herunterkommen, aus den Hauptmann der Carabinieri gestützt, der sich, um die Wahrheit zu sagen, zur Erledigung anderer Geschäfte auf die Rückseite des Hauses führen ließ. Dann kamen der Apotheker, der Steuereinnehmer, der Postmeister, der Notar und alle vier erledigten hinter einem Backsteinhaufen ihre Notdurst. Dann kam Advokat Don Ciccone mit einem Burschen, der ihn am Arm hielt. Er begann sich an dem Baum, den Don Abbacchio vorne beivässert hatte, hinten zu übergebe»^ und der Junge hielt ihm dabei mit der freien Hand die Stirn. So konnten»vir die uns von der Magd gerühmten Dinge am Fuße des Baumes liegen sehen, die Maccarönchen, die Saucechen, die Ziviebelchen, die Pilzchen, die Kartöffelchen, die Salätchen mit ihren Düftchen und Gcschmäcklein. Dann erschien ein alter Rathausbeamter,„der Student" genannt,»veil er sich im Alter von zivanzig Jahren auf der Universität eingeschrieben hatte, mit sechzig sich aber immer noch auf die Examina vorbereitete. Auch er ging hinter dem Hause seinen Geschäften nach. Dann kam Rechtsanwalt Cuccavaschio, klein, dick, mit Kuhaugen, eine»« Pserdegebiß und erleichterte sich seiner- seits hinter den Backsteinen. Dann kam Advokat Tarandella, auch der„Skalpierte" ge- nannt, weil er iveber Haare auf dem Kopf, noch Augen- brauen, Wimpern, Schnurrbart und Barthaare hatte. Wir ivaren gespannt, ob ihm auch an anderer Stelle die Haare fehlten, aber er ging seine Dinge hinter dem Hause erledi- gen. Dann kam„der Denker", der, ehe er hinter dem Stein- Haufen verschivand, im Garten auf- und abirrte und dabei an wer weiß«vas dachte.„Der Denker" mar weinselig und »vir sahen ihn hinter den Backsteinen auf seiner eigenen Feuchtigkeit in die Knie sinken. Während er wohl über den Modus sich zu erheben nachsann, meldete die neben uns Posten stehende Magd die Ankunft des Impresario. lSvrtsetzung folgt) Die„reinrassigen" Aerzte Briefe ohne Kommentar Hamburg, im Juli 1333. Ärztlicher Verein Hamburg. Der Borstand des ärztlichen Vereins in Hamburg teilt seinen Mitgliedern folgendes mit: Bon dem bevollmächtigten Beauftragten des ReichSkom- miffarS bei den ärztlichen Spitzenverbänden, Herrn Dr. med. W. Holzmann, ist dem Vereinsvorstand die Forderung auf- erlegt, folgende Bestimmungen in die Vereinsgesetze aufzu- nehmen: 1. Nur Arier können ordentliche Mitglieder sein, Nichtarier können außerordentliche Mitglieder bleiben? 2. in Vorträgen und Aussprache-Bemerkungen dürfen nur ordentliche Mitglieder das Wort ergreisen? 8. in den Mitgliederversammlungen haben nur ordentliche Mitglieder Stimmrecht. Der Vorstand fühlte sich an die bestehenden Gesetze des Verein» gebunden, nach denen eine derartige Statuten- äuberung nicht möglich ist, und hat daher geschloffen seine Aemter zur Verfügung gestellt. Für die Uebergangszeit hat der Borstand die Herren Treplin, Scholz und Reyer mit der Leitung der Vereins- geschäfte betraut. Der Vorstaub, gez.: Kümell, Marr, Treplin, Scholz, Neye. * 'Hamburgische Aerztekammer. Der Vorstand der Hamburgischen Aerztekammer schreibt unS: „Vom Montag, 4. bis Donnerstag, 7. September, liegen im Geschäftszimmer der Hamburgischen Aerztekammer, Besenbinderhof 41, Zimmer 87g, in der Zeit von 11 bis IS Uhr die Korrekturbogen zum Aerzteverzeichnis im An- hang des Fernsprechbuches aus. Da in diesem Verzeichnis erstmalig ein Hinweis auf die Raffenzugehörigkeit erfolgt, liegt es im eigenen Interesse sämtlicher in Hamburg prak- tizierender Aerzte, sich durch Einsichtnahme in diese Bogen davon zu überzeugen, daß sie an richtiger Stelle stehen. Dr. Holzmann, Vorsitzender. Der Bor st and des Hartmannbundes, Landes- verband Hamburg hat in seiner Sitzung am Freitag, dem 4. August 1383, die Verordnung des Reichskommissars der Aerztlichen Spitzenverbände über die Zusammenarbeit von Aerzten bei Vertretung, bei Ueberweisungen und bei Konsilien auch für den Landesverband Hamburg für gültig erklärt(stehe„Deutsches Aerzteblatt" Nr. ö vom 29. Juli 1983). Indem der Vorstand diese Verordnung hiermit nochmals der Hamburger Aerzteschaft zur Kenntnis bringt, verpflich- tet er sie zur strikten Befolgung. Es ist verboten: 1. daß deutschstämmige und fremdrassige Aerzte einander vertreten? 2. daß deutschstämmige Aerzte Ueberweisungen an fremd- rassige Aerzte vornehmen oder Ueberweisungen von ihnen annehmen? 8. daß deutschstämmige Aerzte fremdrassige zu Konsilien zu- ziehen ober sich von ihnen zuziehen lassen. Bei Verstoß gegen dieses Verbot wird eine Konvention«!- strafe in eineinhalbfacher Höhe des durch den Verstoß crwor- benen Honorars erhoben und an die Spende für die Opfer der Arbeit oder eine entsprechende Einrichtung abgeführt. Die Höhe des Honorars kann gegebenenfalls durch den Vor- stand geschätzt werden. Einspruch hiergegen ist ausgeschlossen. Sollen besondere örtliche Verhältnisse im Interesse des Kranken Ausnahmen nötig machen, so ist ein begründeter Antrag an den Vorstand zu stellen. In Dringlichkeitsfällen kann dieser Antrag nachgeholt werden. Der betreffende Arzt übernimmt für sein Handeln die volle Verantwortung." Nldifarlsdie Professoren 1. Der Herzspezialift Groedel entlassen Wie verlautet, hat Prof. G r o e d e l. der nicht arischer Ab- stammung ist, seine Entlassung als Direktor der Krah- Hos-Stiftung in Bad Nauheim erhalten. Diese Stiftung erfolgte durch Berufung von Prof. Groedel selbst zum Stu- dium der Herzkrankheiten durch die Witwe des amerika- Nischen Millionärs Krahhof, als Ausdruck der Anerkennung der Tätigkeit Prof. Groedels. Es verlautet, daß der amerika- Nische Philantrop Oberländer, der nach Deutschland schon sehr viel Gelb zu wohltätigen Zwecken gab, sich persönlich bei Hitler verwandte, damit Groedel der Stiftung erhalten blieb? sein Bemühen sei jedoch völlig negativ geblieben. 2. Professor Frankel In H e i d e l b e r g ist Prof. F r ä n k e l von der Leitung des„Mittelstandssanatoriums" und des„Tuberkulosehauses Rohrbach" entlassen worden, trotzdem beide Institute einzig und allein durch die intensiven Bemühungen Fränkels, des bekannten Tuberkuloseforschers und Herzspezialisten, ins Leben gerufen wurden. Dagegen hat man noch nicht gehört, daß die Nazis es für notwendig und anständig gesunden haben, das Geld, mit dem die Heidelberger Universität neu gebaut wurde und das zu 30 Prozent von amerikanischen Juden stammt, zurückzuzahlen... ». Geh. Rat Embden Geh. Rat Prof. Embden, der Physiologe der Universität Frankfurt, ein getaufter Jude, hatte es fertig gebracht, um den neuen Machthabern zu gefallen ünd seine Stellung zu halten, zu Beginn des Semesters eine Rede zu halten, die nur so von Ergebenheit triefte und mit„Heil Hitler" schloß. ES nützte nichts: mitten im Semester wurde auch sein Kolleg auf höheren Befehl boykottiert? Embken nahm sich diesen Boykott so zu Herzen, daß er kurz darauf starb... Gott und die Rasse Der Primas von Schweden Der lutherische Primas von Schweben, Mgr. Eiben, Erz- bischof von Upsala, befindet sich augenblicklich zur Luther- feier in Deutschland. Telegramme, die die Stockholmer Presse veröffentlicht, berichten, daß der Erzbischof sich in einer An- spräche in der schwedischen Schule in Berlin dahin aus- gesprochen hat, daß Gott keine Unterschiede zwischen den Völkern und den Rassen mache. nifler gegen reines Rossevolk Eine gule misdiung 1st werlvoller Eine Leserin schreibt uns: Ich erlaube mir, Sie besonders auf merksam zu machen auf die rassenphilosophische Rede Hitlers vom 3. September, nachmittags, in Nürnberg.(Vgl.„Franks. Ztg." Nr. 037). Da sagte er u. a. folgendes:... Es bildeten sich jene Gemeinwesen, die durch das Zusammenschmie- den verschiedenerRassen das Wesen der Organisation begründeten. Diese aber erfordert Unterordnung des Willens und der Tätigkeit vieler unter den Willen und die Tatkraft immer eines Einzelnen. In eben dem Maße aber, in dem die Menschen die staunenerregenden Ergebnisse dieser Zu- sammenballung ihrer Fähigkeit und Arbeitskraft entdecken, erkennen sie nicht nur die Zweckmäßigkeit, sondern auch die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens. U n d s o t st n i ch t dort eine arische Kultur von Größe und Be- beutung entstanden, wo Arier rein und auS- schließlich unter sich lebten, sondern überall dort,wo sie mit anders geartetenRassen eine lebendige Verbindung eingingen... Mit dem Zusammentreffen verschieden zu wertender Menschen wird auch das Ergebnis ihrer Leistungen verschieden sein, b. h. die qualitativ höher stehende Rasse wird mehr zum- Gesamt- Das Ende einer Stndentenbewegong Die katholischen Verbände gleichgeschaltet— Preisgabe eigener Meinung und Freiheit Wie die„Germania" mitteilt, sind die auf dem Aachener Studententag eingeleiteten Verhandlungen zivischen dem KB. fKartellverband der katholischen Studentcnvereine Deutschlands) und dem RKDB.(Ring katholischer deutscher Burschenschaft), die insgesamt ungefähr 123 Korporationen an allen Hochschulen des deutschen Sprachgebietes zählen, am 3. September in Frankfurt a. M. durch den Zusammen- schluß der beiden Verbände zur „Katholischen Burschenschast" abgeschlossen worden. Der neue Verband lehnt die„miß- verstandenen Korporationsideale aus bürgerlichem Zeit- alter" schärfstens ab und bekennt sich zur politischen Schulung und wahrhaften Erziehung des deutschen Studenten. In einem Aufruf heißt es über diesen Zusammenschluß u. a.: „In Erinnerung an die Urburschenschaft, durchdrungen vom Wollen der Jugend, getragen von der alles in Geist und Tat einigenden nattonalsozialisti- schen Bewegung und unter Wahrung ihrer besten Ueberlicferungen haben sich der Kartellverband der katho- tischen Studentenvereine Teutschlands lKV.) und der Ring katholischer deutscher Burschenschaften(RKDB.) zur „Katholischen Burschenschaft" zusammengeschlossen." * Die katholischen Stubcntenverbände waren eine mächtige, festgeschloffene Organisation, deren Einfluß sehr weit reichte. Sie hoben sich in allen grundsätzlichen Fragen stark vom Nationalsozialismus ab und entwickelten eine eigene Ideologie katholischen Stubententums. Damit ist es nun vorbei. Die neue„Katholische Burschen- schaft" hat sich nicht nur formell gleichgeschaltet. Sie bekennt sich auch in„Ge ist und Tat" zur nationalsozialistischen Bewegung. Das bedeutet den moralischen Bankrott und das Begräbnis der Freiheit, die einstmals Burschenschaster aus ihre Fahnen schrieben. Der umgekehrte rail In verschiedenen Städten haben die Nazis junge Mädchen gestäupt und an den Schandpfahl gestellt, weil sie mit Juden verlobt waren. Der umgekehrte Fall sieht so aus: Der Baron B o h r a n b von Diesenhausen, nationalsozialistisches Gesandt- schaftsmitglied bei den baltischen Staaten hat in Reval seine Verlobte Marga Wenzel, ein 17jähriges Mädchen jüdischer Abstammung durch Gift getötet. Nachdem fuhr der Baron mit dem Auto, in dem die Tote lag, gegen einen Baum, wobei er selber Verletzungen erlitt und es zunächst so aussah, als sei auch das junge Mädchen an den Verletzungen des Unfalls verstorben. Die Obduktion ergab jedoch das Vorhandensein von Gift im Körper der Ge« töteten. In ihrer Hand entdeckte man einen Zettel, auf dem stand:„Vergifte mich, bitte, ich halte es nicht mehr aus." Die Polizei nimmt jedoch an, daß der B a r o n diesen Zettel geschrieben und sich seiner Braut entledigt hat, weil er ihr die Ehe versprochen hatte, als strammer National- sozialist aber keineswegs gesonnen war, sich durch eine legitime Verbindung mit einer Jüdin die Karriere zu ver- derben. Wir nehmen an, daß die Methode dieses Ehrenmannes, seine„niederrassige" Verbindung zu lösen, von den Autori- täten des„dritten Reiches" durchaus gutgeheißen wirb. »» o Den Joden geschieht nichts Die Stadtverwaltung von Nördlingen veröffentlicht fol- genden Beschluß:„Der Zutritt zu den Stadt, und Volks- bäbern des Sportplatzes ist Juden verboten". Verdientes Schicksal Die gleichgeschaltete Presse stirbt Aus dem Ullsteinkonzern erhalten wir durch einen Ge- währsmann die zuverlässige Nachricht, daß die ehedem größte deutsche Zeitung mit einer Auflage von 000 000, die berliner Morgenpost", aus«ine Auflage von 200 000 zurück- gegangen 4st. Die„Kölnische Zeitung" und das ihr angeschlossene Lokal- blatt. der„Stadt-Anzeiger", besitzen— nach genauesten In- „formationen— nur noch 30 Prozent ihrer früheren Leser. Auf Grund dieses Verfalls hat der Verlag der„Kölnischen Zeitung", M. Dumont-Schauberg. Fusionsverhandlungen mit dem Kölner Naziorgan, dem„Westdeutschen Beobachter" ausgenommen. ergebnis der gemeinsamen Arbeit beisteuern, als die quali« tativ schlechtere... Damit aber wird die Verwaltung des Arbeitsertrages zwangsläufig einer Aufteilung verfallen, die von der Berücksichtigung der Leistung ausgeht... Der Gedanke des Privateigentums ist daher un- zertrenn!ich verbunden mit der Ueberzeugung einer verschiedenartigen und verschieden- wertigen Leistungsfähigkeit der Menschen und damit wieder mit der Verschiebenartigkeit und-wertig- keit der Menschen selbst." Sonderbar ist es, daß Hitler sich hier geradezu gegen ein reines Raffevolk ausspricht, anscheinend zu dem Zwecke, um die Berechtigung des Führertums gegenüber dem Ge- führten und die Berechtigung des Privateigentums zu be- gründen. Anscheinend darf die ntchtarische Mitrasse, wenn sie willkommen und geduldet sein will, nur ein« mtnderbe- gabte sein als die arische? falls sie gleich oder höher begabt ist. wie z. B. die semitische, muß sie als unterwertige„Köter- raffe" ausgestoßen werden. Ich glaube, so erklärt sich diese erstaunlich anmutend« Philosophie. Wissen Sie? Man schreibt uns aus dem Reiche: Wissen Sie, daß in einem Dorfe in der Pfalz ein arbeitsloser Familienvater, der sich unberechtigt ein paar Gurken an- geeignet hatte, von'SA.-Leuten durch die Straßen deS Ortes geführt wurde mit einem Schild um den Hals:„Ich habe gestohlen"? daß die NSBO.-Fachschaft der Kellner diese aufforderte, aus die Gespräche der Gaststättenbesucher achtzugeben und Verdächtige sofort zu melden? daß in einem Mannheimer Betrieb ein Mann mit der Be- gründung entlassen wurde:„Sie haben 20 Jahre hier ge- arbeitet, jetzt wird es Zeit, baß ein anderer dran kommt"? baß Kinder, die von einer NS.-Frauenschaft in Feriez geschickt waren, mit dem Lied:«Siegreich wolln wir Frank- reich schlagen..." durch die Straßen zogen. Bekanntlich hat Adolf Hitler am 17. Mai im Reichstag und neuerdings wieder in Nürnberg erklärt, daß kein Volk so sehr den Frieden liebt, wie das deutsche Volk? daß einem Schutzhäftling auf dem Heuberg nicht gestattet wurde, sein todkrankes Kind noch einmal zu sehen, noch an seiner Beerdigung teilzunehmen? daß ebenfalls auf dem Heuberg ein Schutzhäftling, der wehreremale Tobsuchtsanfälle erlitt, Selbstmord verübte, als ihm mitgeteilt wurde, daß seine Frau gestorben war, ohne daß er sie noch ein letztes Mal hatte sehen können? daß Oberstein-Jbar, die deutsche Edelsteinzentrale, von Er- werbslosen frei gemeldet wurde. In Wirklichkeit sind allein 300 Diamantschleifer dort arbeitslos. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt einige teufend? daß die nach außen hin zwar kümmerlich geleimten, aber nie ganz behobenen Spannungen zwischen Stahlhelm und SA. sich wieder verstärkten, weil der für September an- gesetzte Stahlhelmtag in Hannover abgesagt wurde? daß bei der Reichspost und Reichsbahn alle dort beschäf- tigten ehemals gedienten Leute ausgefordert wurden, s?ch für mehrwöchentliche Uebungen bei der Polizei bereitzuhalten: baß in den Arbeitsämtern ehemalige Frontkämpfer sich melden mußten unter Angabe ihrer Kriegsteilnehmerschast, Ehrenzeichen usw. Wozu, weiß kein Mensch? daß in einem Geheimbefehl für die SA. der Pfalz diese angewiesen wurde, sich zu bewaffnen. 5 Jahre Gei&ngnis Neudeutsche Rechtsprechung Besonderes Aufsehen erregt in England ein kürzlich in der„Times" veröffentlichter Fall, der in mehr als einer Hin- ficht die'deutschen Zustände und vyr allem die eigenartigen Grundsätze der neudeutschen Rechtspflege charakterisiert. Seit etwa sechs Wochen sitzt im Berliner Untersuchungsgefängnis von Moabit ein siebenundfünfzigjähriger jüdischer Kauf- mann, der einmal wesentlich bessere Tage gesehen hat. Die Anklage lautet auf Betrug, weil der Betreffende mit falschen Münzen aus öffentlichen Automaten Briefmarken und Postkarten herausgezogen hat. Einem zu seiner Beobachtung in die Gefängniszelle gesetzten Spitzel soll der Beschuldigte nun angeblich erklärt haben, es gäbe heute keinen anderen Weg mehr für einen Juden in Deutschland als den, den Staat zu schädigen, wo er eö nur irgend könne. Er habe es auf diese Weise getan. Der Staatsanwalt beantragte in der kürzlich stattgefundenen Verhandlung eine Strafe von fünf Jahren Gefängnis, und zwar mit der Begründung, baß der Angeklagte nach dem alttestamentarischen Grundsatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn" gehandelt habe. Der Staat wolle und könne nur ebenso handeln und darum sei die höchste Strafe, die überhaupt zulässig sei, angebracht. Das Gericht erkannte tatsächlich auf fünf Jahre Gefängnis. Natter and Sahn hingerichtet Torgau, 12. September. Im Hofe des hiesigen Strafgcfängnis wurde heute früh der 21 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiter Walter Ließ und seine 40jährige Mutter Christine durch Enthaupten hin- gerichtet. Beide hatten Ansang des vorigen Jahres den Bater im Bett überfallen und ermordet. Der damals 14- jährige zweite Sohn des Ermordeten war Augenzeuge der Tat und mußte auf Geheiß der Mörder helfen, den Toten am Scheunentor aufzuhängen, um einen Selbstmord vor- zutäuschen. Eine unvorsichtig« Bemerkung des Mörder» führte zur Entdeckung des Mordes. Max Alsberg Die Tragödie eines großen deutschen Juristen Am Dienstag mittag hat in einem Sanatorium in Sama- den in der Schweiz der bekannte Berliner Rechtsanwalt und Universitätsprofessor Max Alsberg Selbstmord verübt. Diese Meldung wird auf Grund einer polizeiamtlichen Mit- teilung aus Samaden von der schweizerischen Depeschen- agentur verbreitet? die deutschen Meldungen sprechen nur davon, daß er„gestorben" sei. Man darf annehmen, daß die zaghafte Form, in der man den Tob Alsbergs feststellt, e nem Rest von Scham darüber zu verdanken ist. daß wieber einer aus der Reihe bedeutender deutscher Persönlichkeiten unter dem Druck der Feme und der Existenzvernichtung durch Hitler-Deutschland Abschied von einem tätigen und er- ftlgreichen Leben nahm. Max Alsberg wurde 1877 in Bonn geboren. Schon in jungen Jahren machte er sich durch eine Reihe von her- vorragenden Schriften, die sich mit Grundfragen der Rechtspflege beschäftigten, in den Kreisen seiner Fach- kollegen, aber auch in der Wissenschaft einen sehr guten Namen. Bis in seine Lebensjahre hinein war der unermttd- lich regsame Mann neben seiner Praxis als Rechtsanwalt in Strafsachen und in Hanbelsstrasprozessen schriftstellerisch tätig. 1930 erschien sein Buch„Weltbild des Strafrichters". Etwa zur gleichen Zeit verfaßte er mit Otto Ernst Hesse das Drama„Voruntersuchung", daß zwei Jahre hindurch zu den erfolgreichsten und am häufigsten aufgeführten Theaterstücken gehörte. Am bekanntesten ist er jedoch in der deutschen Oesfentlich- keit als Anwalt in großen politischen und in Strafprozessen geworden, die durch die Persönlichkeit der Kläger und der Angeklagten stärkste Beachtung fanden. Im Helfferisch-Erzberger-Prozeß, im Stinnes- Prozeß, in den Verhandlungen Katzenellenbogen— Schult- heiß und Caro-Petschek hat er wie in zahlreichen andern Fällen das Niveau des Prozesses durch hervorragende forensische Leistungen hoch über die Alltäglichkeit erhoben. Wo immer Alsberg plädierte— immer versammelten sich zahl- reiche Juristen, um ihn zu hören. Politisch stand Alsberg ziemlich weit rechts. Umso mehr hat es ihn getroffen, daß er von der„Nationalen Revolution" sofort von der Berliner Universität verjagt wurde, deren Honorarprofessor er auf Grund seiner wissenschaftlichen ^cistungen seit 1931 war. Gleichzeitig war auch seine An- waltspraxis zu Ende. Ein tätiger und vielseitig gebildeter Mensch war plötzlich ohne Wirkungskreis, nur weil er Jude war. In die vorderste Reihe der deutschen Juristen traten nun Leute wie Freisler, deren juristische Berufung sich im wesentlichen ans eine Reihe von Vorstrafen im Dienste der nationalsozialistischen Verleumdung stützen konnten. Materielle Not hat Alsberg nicht in den Tod getrieben. Sein Selbstmord, über den Einzelheiten noch nicht bekannt sind, Steuerschraube angezogen Bürgersteuer verlängert und verschärft Berlin, 13. Sept. Das Rcichskabinett hat am Dienstag beschlossen, die Bürger st euer auch auf das Jahr 193 4 auszudehnen. Da aber erwogen wird, die Bürgersteuer in die Einkommensteuer einzugliedern, wurde die Verlängerung der Bttrgersteuer nur auf das Kalenderjahr, nicht auf das Etatsjahr 1934 aus- gedehnt. Bei der Bürgersteuer wird die allgemeine Steuer- sreigrenze in Zukunft um 20 Prozent erhöht werden. Bisher waren von der Bürgersteuer alle nicht Wahlberechtigten befreit. Diese Bestimmung wurde nunmehr beseitigt, so daß also auch Minderjährige mit eigenem Einkom- men und die Angehörigen der Reichswehr bürger- steuerpflichtig sind. Angenommen wurde ferner ein Gesetz, das verbietet, Tabakerzeugnisse unter den auf der Steuerbanderole ver- zeichneten Preisen zu verkaufen. Eine ausführliche Beratung fand sodann über agrar» politische Maßnahmen statt, die in der Hauptsache dazu dienen werden, angemessene Preise für die neue Ernte sicherzustellen. Die Bürgersteuer war nur als vorübergehende Notsteuer gedacht. Nun wird sie eine dauernde Belastung werden und sogar die Minderjährigen, also Lehrlinge und junge Arbeiter erfassen. Die andere Hauptsorge der Regierung gilt einer Ver- teuerung der Agrarprodukte. Von Lohnerhöhung aber ver- lautet nichts. „trete Dahn dem Untüchtigen" Zu diesem neulich bei uns behandelten Thema äußert sich ein gleichgeschaltetes Blatt, die schwerindustrielle„Berg- werks-Zeitung" lvom 10. Septembers: „So wahr es ist, baß heute Millionen Volksgenossen ohne ihre Schuld das furchtbare Los der Arbeitslosigkeit tragen müssen, auf der anderen Seite darf man nicht ver- kennen, daß der Tüchtige, der überdurchschnittlich Begabte, der Fleißige und Strebsame von jeher Neider hatte unter denen, die diese Eigenschaften nicht besaßen. In der heutigen Zeit, ivo Not und Erbitterung über unverschuldetes Elend hinzukommen ist es menschlich begreiflich, daß die Scheel- sucht erst recht ins Kraut schießt. Gemeinnutz geht vor Eigennutz, das heißt gewiß: Wer das Glück hat, in Arbeit zu sein, muß nach Kräften Opfer bringen zugunsten der leidenden Volksgenossen! Das heißt aber auch, daß der tüchtige Mann geschützt werden muß vor einer Mißgunst, die ihn anprangern möchte, nur weil er etwas kann. Der Eigennutz darf zum Schaden des Gemeinnutzes nicht so weit gehen, daß der Unbegabte und Untüchtige die Staatsge- walt anruft, um sich auf Kosten der letzten Endes doch auch rassenmäßig wertvolleren Elemente einen Platz zu sichern, den er aus eigener Kraft niemals hätte erringen können." Der tüchtige Mann muß geschützt werben. Dieser Rat allein spricht Bände. Das gleichgeschaltete Blatt versucht seine Klagen durch die Berufung auf die„rassenmäßig wertvollen Elemente" schmackhaft zu machen. Wir haben das nicht nötig und haben in unserem Artikel aufgezeigt, daß die Zustände, die auch von der kapitalistischen Seite als untragbar em- pfunden werden, eine notwendige Folge des heutigen bik- tatorischen Systems sind. ist als reine Verzweiflungstat zu werten, wie bei so vielen, die auf der Verlustliste des„Wiedererwachten Deutschlands stehen. Rudolf Flosse Dem Pariser„Temps", dessen Nachrichten sich stets durch Zuverlässigkeit auszeichnen, wird eine neue braune Schreckenstat aus Berlin berichtet. Vor etwa zwei Wochen wurde Rudolf M o s s e, ein Neffe des Gründers des be- kannten Berlagshauses, plötzlich verhaftet. Nach einer Haft von zehn Tagen, wurde seiner Familie ein verlöteter Sarg nach Hause gebracht, in dem sich die Leiche Mosses befand. Der Getötete hatte ein Alter von 43 Jahren erreicht. Er stand als Oberleutnant im Felde während des Weltkrieges, besaß das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und die bayrische Verdienstmedaille. Er ist nicht weniger als fünfmal verwundet worden. Soweit die Meldung des„Temps". Hoffentlich gelingt es bald, daß Dunkel um diese braune Mordtat zu lichten. Im Charakter und im Wesen hub sich Rudolf Mosse wesentlich von seinen Verwandten gleichen Namens ab, deren Namen bei der Gleichschaltung des Verlagshauses häufig und nicht immer rühmlich genannt wurden. Bis zur Stunde hat keine deutsche Zeitung eine Nachricht über seinen Tod veröffentlicht. Professor Förster Professor Forster an der Universität Greifswald, ein be- kannter Spezialist für Nervenkrankheit hat, wie der„Temps" meldet, Selbstmord verübt. Forster gehörte zu jenen deutschen Gelehrten, die wegen mangelnder Reinrassigkeit von ihren Lehrstühlen und aus den Kliniken entfernt wurden. Der Selbstmord Forsters ist vermutlich eine reine Verzweiflungs- tat. Siennes ermordet? „Jnpreß" meldet: Hauptmann a. D. Stennes, der mit Otto Strasser vor einigen Jahren die NSDAP, verließ, ist in Berlin ver- hostet, drei Tage entsetzlich gefoltert und schließlich ermordet worden. BRIEFKASTEN Dr. B. T., Lodz. Ob wir auch bereit seien, für unsere schweres Vorwürfe gegen die jetzige Rcichsregierung und ihre Kumpane vor Gericht gerade zu stehen? Ach, wie gerne! Leider tut und kein Reichskanzler und kein Minister den Gefallen, uns vor Gericht zu ziehen, obwohl ihnen im Saargebiet innerlich gleichgeschaltete Rich- ter genug zur Verfügung ständen. Anonym. In unserem Hause können Sie Kriegsteilnehmer und Kriegsorden hinreichend finden. Die Orden sind nachweislich ver- liehen, nicht etwa erschwindelt wie die EK. I Hitlers und des Nazi- stutthalters Kaufmann. Dr. F., Bukarest. Ihr Brief erreichte uns sehr verspätet. In- zwischen hat sich der Absatz der„Deutschen Freiheit" in Rumänien sehr gehoben. Wir nehmen an, daß Ihr« Freunde nun regelmäßig beliefert werden. S. Czernowitz. E» freut und, daß Sie durch dortige Zeitungen aus unser Blatt aufmerksam geworden sind. Di« Verbreitung in Rumä- nien nimmt zu. M. B., Paris. Der Vorfall ist zu nichtssagend, als daß wir uns damit beschäftigen könnten. Ihre Schilderung wirkt übrigens nicht überzeugend. Lausanne. So geistvolle Komplimente lesen wir gerne. Wir hoffen, daß die„Deutsche Freiheit'' sich mehr und mehr verdientes Lob und das Vertrauen aller Antifaschisten erwerben wird. St. Wir haben den Namen für ein Pseudonym gehalten. So kann man sich irren. Hätten wir gewußt, daß Sie ein weibliches Wesen sind, wären wir noch höflicher gewesen. Nichts liegt uns serner als Dünkel. Wir sind sehr bescheidene Jünglinge, leider allerdings schon etwas angejahrt. Nur sind wir gegenüber den Manuskripten recht kritisch, sogar gegenüber unseren eigenen. Manchmal lehnen wir uns selber ab. Ein wertvoller Beitrag von Ihnen ist neulich in den„Deutschen Stimmen" erschienen. Belege-Exemplar gehen Ihnen zu.„Mit Flüchtlingsgruß" ist gut: wir wünschen Ihnen und uns, daß Sie bald wieder anders grüßen können. T. T., Sosia. Saarbrücken ist eine rein deutsche Stadt. Man spricht nur deutsch. Ter Anschluß an Frankreich wird von keiner Seite projektiert. Wenn die Abstimmung im Jahre 19SS zu einem Problem geworden ist, so nur wegen der Verfolgung großer deutscher Minderheiten durch die tollen Nazis.— Grüßen Sie den alten Sakasoff von uns, den„bulgarischen Bebel". Zürich 2. Besten Dank. Wir hatten von der gewaltsamen Jagd aus Juden in Berlin, um sie für den Horst-Wessel-Film gänzlich naturgetreu zu verwenden, schon gehört, aber es fehlte uns eine größere Nachricht. Nun haben wir sie. Auch diese Schande national- sozialistischer Propaganda darf der Welt nicht vorbehalten bleiben. Wir möchten nur wünschen, daß die ganze Welt diesen Film sehen kann, damit sie erkennt, wie dringend sie der Genesung am deutschen Wesen bedarf. P. T., Brüssel.„Allwissend bin Ich nicht." Auch für uns gilt daS Goethewort.— Ein Lexikon kann Ihnen der Briefkasten nicht er- setzen. Eine Frage hätten wir beanwortet. Ein Dutzend Fragen auf einmal sind etwas viel. T. W., Marseille. Kops hoch und aushalten! Denken Sie an unser« Kameraden i m Hitlerland. Tie hungern auch und haben außerdem die Polizei aus dem Halse. Lieber aus Stroh schlafen, als auf Daunen und keine Nacht wissen, ob nicht die SA. in die Wohnung eindringt. F. R., Paris. Ihre Einsendung„Die französischen Katholiken" kam zu spät. Wir hatten das Thema schon ausführlich behandelt. Bergen, Norwegen. To weit nordwärts ist die„Deutsche Freiheit" gedrungen? Wir freuen uns über Ihre Freude. Freiheit! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schützenstraße 5. StestQoüesdimsfr nach deutschem Ritus. Orgel. Chor PREDIGTEN IN DEUTSCHER SPRACHE Jlausdihaschanoh tmd Jaunt kippuc 1933 im würdigen Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré, Paris 8 xuh 20., 21., 22., 29. und 30. Septemiec 1933 Karten gültig für alle 7 Gottesdienste 25,— bis 100,— Fr. Vorverkauf bei: Durand& Co., 4, Place de la Madeleine. La Boite à Musique, 133, Boulevard Raspail. Agence Cook, 118, Avenue des Champs Elysées und im Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoié Wissen ist Macht! Lesen Sie Mars-Kautslcy Lohnarbeit und Kapital Die historische Au) Sozialdemokrat Kapital i Aufgabe der atie... I brosch. 1,00 Fr. brosch. Marx der Denker a. K/impf er brosch. Sozialismus 1,00 Fr. 6,10 Fr. Bauer Kapitalismus und nach dem Weitkriege. brosch. 10,00 Fr. Zachimmer Die Oberwindung des Kapitalismus geb. 15,00 Fr. Mar* Kapital geb. 18,00 Fr. Bebel, Aus meinem Leben.. geb. 22,50 Fr. Mehring. Karl Marx: Geschichte seines Lebens geb. 29,30 Fr. Cunow, Die Marxsche Geschichts-, Oesellschafts- u. Staatstheorie geb. 30,00 Fr. 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