Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 78— 1. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 19. Sept. 1933 Chefredakteur: M. Braun „Wie heißt das schlimmste Tier mit Namen?" So fragt ein König einen weisen Mann. Der Weise sprach:„Von wilden heißt's Tyrann und Schmeichler von den zahmen." Lessing. Sensation in London Verbindung van der Lübbes mit Rbhm und Dr. Bell festgestellt «Die Llebesllste"- Dr. Sacks Doppelrolle Im Londoner Reichstagsprozeß, über den wir heute «n zwei Stellen mit besonderer Ausführlichkeit berichten, wurde am Sonnabend die Verbindung van der Lübbes mit dem nächsten Gehilfen des deutschen Reichskanzlers. Stabschef R ö h m nachgewiesen. Van der Lübbe war ferner ein Vertrauter des Dr. Bell, des nationalsozialistischen Abenteurers, der vor einigen Monaten als einer der Hauptmitwisser in Oesterreich hart an der bayrischen Grenze erschossen wurde. Daß Rechtsanwalt Dr. Sack, den sich Torgler jetzt als Verteidiger„frei gewählt" hat. seinerzeit der Verteidiger des Dr. Bell gewesen ist, rundet das Bild ab. In London wird eines der größten Ver- brechen der Weltgeschichte geklärt, in Leipzig wird das- selbe Verbrechen vernebelt und vertuscht werden. Unser Deutschland geht in Schande. London, 16. Sept.(Jnpreß.) Die heutige Vormittags- sitzung im Londoner Gegenprozeß brachte einen der großen Höhepunkte der Verhandlung: einen neuen sensationellen Beweis dafür, daß van der Lübbe nicht nur mit dem Faschis- mus sympathisiert hat, sondern das direkte Werkzeug der nationalsozialistischen Rcichstagsbrandstifter gewesen ist. Van der Lübbe war auf seinen Reisen nach Deutschland durch homosexuelle und andere Beziehungen mit den höchsten Stellen der SA. in Verbindung gekommen. Es trat ein unbekannter Zeuge aus, dessen Namen den Mitgliedern der Juristischen Kommission genau bekannt ist, der aber mit Rücksicht auf seine in Deutschland lebenden Angehörigen seinen Namen nicht öffentlich nennen kann. Dieser Zeuge hat sich in den Jahren 1830 bis 1832 etwa fünfzehnmal mit Dr. Bell getroffen. Der Zeuge lernte Bell im Tscherwonzenprozeß kennen, wo Bell als ein Werkzeug der Fälscher angeklagt war. Der Abenteurer Bell wurde später außenpolitscher Mitarbeiter des Stabschefs Röhm. In dieser Eigenschaft traf ihn der Zeuge später mehrfach wieder und bekam dabei im Verlaus einer Unterredung die Liebesliste des Stabschefs Röhm zu Gesicht, aus der sich auch der als holländischer Name ausfallende Name van der Lübbes befand. Es gab eine große dramatische Szene in dieser Vormit- tagssitzung, als der berühmte französische Anwalt Moro Giafferi den Zeugen fragte, ob er mit seinem Ehrenwort für seine Erklärung einstehe. Darauf antwortete der Zeuge, daß er, obwohl er wisse, baß seine Aussage sein eigenes Leben und das Leben seiner Ange- hörigen in Deutschland bedrohe— selbst für den Fall einer Identifizierung seiner Person—, hier austrete und die Wahrheit sage. Er sage nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Wahrheit. Eine zweite Sensation gab es, als der Zeuge von dem amerikanischen Anwalt Hays gefragt wurde, wer im Tscher- wonzenprozeß der Verteidiger Bells gewesen sei, wer Bell an der Preisgabe seiner Auftraggeber in den hohen staat- lichen Stellen Deutschlands zu hindern versuchte. Der Zeuge verweigert zuerst die Nennung des Namens. Hays sagte dem Zeugen: War es nicht Dr. Sack? Jetzt bejahte der Zeuge. Hays fragte weiter: Ist dieser Dr. Sack, der damals das Interesse der staatlichen Stellen wahrnahm, identisch mit dem heutigen Verteidiger Torglers? Der Zeuge bejaht wieder, was bei den Journalisten und im gesamten Zuhörerraum die größte Bewegung hervor« rief. Aus allen seinen Erfahrungen schloß der Zeuge, der Bell als einen politischen Abenteurer von Rang charakterisierte, daß Bell nur wahrheitsgemäße Mitteilungen gemacht hat. Nach etwa zehn Zusammenkünften während des Tscher- wonzenprozesses hatte der Zeuge zwei Jahre lang Bell nicht gesehen. Im Januar 1832 erhielt er an eine vorher mit Bell vereinbarte Adresse ein Telegramm, in dem dieser um eine Zusammenkunst bat, die auch stattfand. Bell stellte sich jetzt als außenpolitischer Mitarbeiter Röhms vor und machte dem Zeugen Mitteilung über einen Mordanschlag, der von der Führung der Hitlerpartei gegen Röhm und ihn, vorbereitet sei. Bell bat den Zeugen um Material über die Konkurrenz- gründe in der nationalsozialistischen Führung, vor allem über den Fememörder Oberleutnant Schulz, der seinerzeit Kommandeur der schwarzen Reichswehr war und nach Bells Mitteilung die Aktion gegen Röhm organisierte. In diesem Zusammenhang fragte der Zeuge den Bell, der sich über die Undankbarkeit seiner früheren Austraggeber beklagte, ob er dasselbe nicht seitens Röhm befürchtete. Bell antwortete:„Diesmal habe ich mich ge- sichert" und zog ein gelbes Blatt Papier aus der Tasche mit den Worten:„Sehen Sie hier: das ist RöhmS L i e b e S l i st e." Der Zeuge fährt fort: Es war ein großes gelbes Blatt Papier, auf dem untereinander eine Reihe von Vornamen und zwei ausgeschriebene Namen standen. Beim Vornamen Ernst sagte mir Bell lachend, das sei kein Vorname, son- dern Graf Helldorfs Adjutant. Einer der aus- geschriebenen Namen war der eines deutschen Adligen, der zweite ein„M a r i n u s v a n d e r", von dessen Zunamen ich nur die Buchstaben„... ubbe" deutlich lesen konnte, während der Anfangsbuchstabe für mich unleserlich war. Hinter dem Namen war noch das Wort „Holland" eingefügt. Ich erinnere mich darum so deutlich daran, weil es ein ungewöhnlicher Name war und weil ich es wegen des Vornamens zuerst für ein Pseubo- nym hielt. Auf Grund der sensationellen Aussagen des Zeugen, die eine ungeheure Bewegung auslösten, folgt ein eingehendes Kreuzverhör, das Moro Giafferi mit den Worten beginnt: Ihre Aussage ist von äußerster Wichtigkeit, und wir müssen Sie darum aus Ihre Ehre und Gewissen fragen, ob Sie für diese Aussage mit Ihrem Ehrenwort einstehen. Zeuge: Ich kenne genau die Gefahr, und weiß, daß meine Aussage mein eigenes Leben und das Leben meiner Ange- hörigen bedroht, aber ich trete— selbst für den Fall der Identifizierung meiner Person— hier auf und sage die Wahrheit. Ich sage nicht mehr» aber auch nicht weniger als die Wahrheit. Moro Giafferi: Ist Helldorf, als dessen Adjutant Sie „Ernst", der auf Röhms Liebesliste stand, bezeichnet haben, ibentisch mit dem Grafen Helldorf, der in der Oberfohren- Denkschrift als einer der Anstifter des Reichstagsbrandes genannt wird? Frau Bakker Nort< Wie kam es, baß sich Bell an Sie wandte und Vertrauen zu Ihnen hatte? Zeuge: Da im Tscherwonzenprozcß der Anwalt Bells geraten hatte, die Namen der Hintermänner nicht zu nennen, Bell aber als Angeklagter alles Interesse hatte, sich zu sichern und sich als Werkzeug hinzustellen, war es für ihn nur zweckmäßig, die Namen dieser Hintermänner auf irgend eine Weise in die Oeffentlichkeit zu lancieren. H u i b t: Waren Sie der einzige Journalist, der mit Bell zusammenkam? Zeuge: In Berlin während des Tscherwonzenfälscher- Prozesses: ja,' während der Fememord-Affäre wandte sich Bell meines Wissens nach auch an den„Vorwärts", und zwei Wochen, nachdem er mir die Feme-Affäre entdeckt hatte, erschienen alle seine Mitteilungen in der sozialdemo- kratischen„M ü n ch e n e r P o st". Sie wurden später bewiesen und erhärtet in Prozessen, die zwar nicht gegen die Urheber, aber gegen die Werkzeuge der Feme angestrengt wurden und die mit Verurteilung zu Gefängnisstrafen endeten. Am läge vor dem Brand Nachdem dieser Zeuge entlassen war, wurde der frühere Parlamentsberichterstatter und politischer Reporter der „Vossischen Zeitung" P h i l i p p s b o r n als Zeuge zum Komplex Torgler vernommen. Der Zeuge kannte Abgeordnete aller Parteien und kannte auch Torgler gut, mit dem er vielfach Unterredungen hatte. Die Hauptunterhaltung hatte er am Tage vor dem Brand im Cafe Friediger in Berlin. Philippsborn schilderte diese wichtige Unterhaltung folgendermaßen: Ich hatte ein wichtiges Dokument erhalten über die Pläne der Nazis in der Wahlnacht. Ich habe Reichsbanner- führer darüber informiert und habe Torgler auch«m eine Unterredung gebeten. Sie dauerte von 4—S.45 Uhr. Ich legte Torgler das Doku- ment vor. Torgler erwiderte, nach unseren Informationen ist das alles sehr wahrscheinlich. Wir unterhielten uns bann über die Wahlaussichten der Kommunisten. Ich sagte ihm, in Journalistenkreisen flüstere man von einem Verbot der KPD. noch vor den Wahlen. Torgler erwiderte: „Das ist uns bekannt, aber mir werden der Negierung nicht den Gefallen tun, die Dummheit zu begehen, die sie von uns gehofft." Ich sagte:„In Journalistenkreisen spricht man von geplanten kommunistischen Teilaktionen." Torgler wies auf seine Rede im Preußischen Staatsrat hin. Diese Rede war allgemein als sehr ernst und gemäßigt, geradezu al? staatsmännisch bezeichnet worden. An diese Rede knüpfte Torgler an und sagte, es habe sich seitdem an seiner Hal- tung nichts geändert. Torgler erklärte dann noch wieder- holt:„Es wird keinerlei Einzelaktion von feiten der Kom- munisten geben." Ich hatte den Eindruck, daß es Torgler unbedingt ernst war. Ich habe darüber Aufzeichnungen ge- macht, die hoffentlich bald in Paris sein werben. Frage: Halten Sie es für denkbar, daß Torgler, wenn er den Reichstag in Brand stecken wollte, sich eines Aus- länders bedient hätte, ohne sich vorher bei der Kommunist!- sehen Partei des betreffenden Landes zu erkundigen? Philippsborn: Ich halte das für völlig aus- geschlossen»-*""—(Siehe auch«eile 3.) Ernst Torgler D. F. Im Jahre 1907 trat in die sozialistische Iugend- bewegung Berlins ein hochaufgeschossener 14jähriger Kaufmannslehrling ein: Ernst Torgler. Diese„Freie Jugendbewegung", wie sie sich nannte, war damals etwas Funkelnagelneues. Viel mehr Haß als Gunst begleitete ihre jungen Tage. Eigentlich war alles gegen sie: die Parteiführung und die Gewerkschaftsführung, die Polizei und die Gerichte, die Kirche und die Schule, die Meister und die Gesellen, die Kapitalisten und die Arbeiter. Man versuchte die Bewegung auszublasen und auszurotten, tot- zureden und totzuschweigen, zu schikanieren und zu ironi- sieren, zu ängstigen und zu strafen, sie zu verbieten und sie aufzulösen. Sogar das Reichsvereinsgesetz schlang einen neuen Paragrafen um diese Iugendvereine, um sie zu erwürgen. Die Burschen und Mädels aber, wanderten und sangen, lachten und tanzten und kämpften gegen Polizisten und Staatsanwälte mit einer listigen Zähig- keit, die viele von ihnen nie mehr verließ. Ueber das ganze Reich trugen diese jungen Sozialisten, allein auf sich gestellt, ihre Bewegung. Viele dieser Pioniere sind 20 Jahre später Politiker von Ruf, aber längst in zwei und drei Parteien: Sozialdemokraten und Kommunisten und Zwischengruppen. In Kampf und Ver- folgung gehärtete Brüderschaften zerbrachen. Im Ge- fängnis faß der eine, und der andere war Polizei- Präsident. Von der Ministerbank griff einer den Ge- fährten von einst in der linksten Oppositionsecke an, und wilde Beschimpfungen antworteten ihm. Der Kaufmannslehrling Ernst Torgler war inzwischen Gehilfe geworden und war in einem Berliner Konfektionshause ein gewandter Verkäufer. Während des Krieges war er zu den„Unabhängigen" und dann zu den Kommunisten gegangen. Im Jahre 1924 wählten sie ihn in den Reichstag. Die kommunistische Fraktion wurde damals von einem der Ehrgeizigsten aus jener Gruppe Iugendkämpfern von 1907 geführt, von dem Kölner Walter Stoecker. Der, um höflich zu bleiben, charakter- lich sehr biegsame Rheinländer hatte es verstanden, in allen Fährnissen kommunistischer Programmatik und Taktik immer gerade noch„linientreu" zu bleiben oder rechtzeitig zu werden. Es schien nicht so. als ob ihm einer aus der Fraktion, in die immer mehr Neulinge ein- rückten, gefährlich werden könnte. Da kam der 31jährige Abgeordnete Ernst Torgler. Er redete genau so fließend, genau so oberflächlich, genau so freudig und daher allmählich genau so oft wie der Fraktionsfllhrer Stoecker. Bald zeigte sich, daß Torgler ihm überlegen war. Schon rein physisch, was bei dem unerhört aufreibenden Beruf eines parlamentarischen Führers sehr bedeutsam ist. Das immer frische Auftreten, die unverbrauchte Stimme und ihre Kraft bedeuten viel. Torgler war aber auch fleißiger als sein Fraktionsführer oder verstand besser, über seine Zeit zu disponieren. Er hielt nicht nur politische Brandreden, er wurde auch ein sachlicher Mitarbeiter in den Ausschüssen, zumal in dem, der den Reichshaushalt berät und bis zum Ende„Haupt- ausschuß" genannt wurde. Ganz zuletzt, als der deutsche Parlamentarismus schon in der Agonie lag, wurde Torgler sogar Vorsitzender dieser wichtigsten Kommission des Deutschen Reichstags. Längst war seine führende Stellung in der kommunisti- schen Fraktion unbestritten. Stoecker fiel aus irgend- welchen Gründen in Ungnade. Er kehrte nicht mehr in den Reichstag zurück und Torgler trompete immer wieder von der Tribüne des Hohen Hauses. Mit jener etwas knabenhaften Freude am rednerischen Spiel, die not- wendig ist, um in einem Parlament zu glänzen. Wer darüber innerlich schon hinaus wuchs, ist mindestens für das Plenum einer Volksvertretung verdorben. Ernst Torgler wäre nie darüber hinaus gewachsen. Er lernte myc technisch, nicht geistig-seelisch dazu. Er wurde ein Parlamentsdebatter mit vielen Einzelkenntnissen ohne Vertiefung und großen Blick auf die Zusammen« hänge, aber er war doch manchmal sehr unbequem, wurde geschätzt und da und dort, wenn auch selten, ein wenig gefürchtet. Manchmal hatte man den Eindruck, als wüßte er es besser als manche Radaukommunisten und gehe nur nicht so richtig aus sich heraus, weil sonst die Linientreue hätte ins Wanken kommen können. War er überhaupt ein richtiger Kommunist? Wahrscheinlich unterschied er sich innerlich von manchen„linken" Sozialdemokraten !, 0•• T-^nfalls war er Nurparlamentarier und kein sr.• nnn und kein Verschwörer. Seine Geschäf- t T'' 2 ln den vielen Sälen und Zimmern des Reichs« Die deolsdi-lranzdslsdieSpannaml Der Schritt des französisches Botschafters in Paris Die Orenziand-Ansslelinng in Manchen Daladier gegen Neurath Paris» 18. Sept. Ministerpräsident Daladier wird, wie „Echo de Paris" ankündigt, an den ersten Sitzungen der Völkerbundsversammlnng teilnehmen. Er hält es für ange- bracht, persönlich dem Reichsaußenminister z» antworten» der die auswärtige Politik Deutschlands darzulegen und zu recht- sertigen beabsichtige. Dieser Beschluß Daladiers beweise, daß er die gegenwärtige Lage als sehr ernst ansehe. -» Wir haben darüber berichtet, daß der Reichskanzler auf dem Parteitag in Nürnberg auch eine SA.-Fahne aus Kehl mit der Inschrift„Straßburg" geweiht hat. Der französische Botschafter Francois Poncet hat in der Wilhelmstraße darauf hingewiesen, welche Empfindungen diese Aufschrift mit dem Namen einer jetzt französischen Stadt in Frankreich hervor- ruft. Die Reichsregierung hat befriedigende Erklärungen abgegeben. Wie man hört, soll die Inschrift auf der Fahne entfernt werden. Der Botschafter Frankreichs brachte auch zur Sprache, daß auf dem Berliner Schulsest am Sonntag, dem ll>. September, Saarländer als„Gefangene" von Leuten in französischer Sol- datenuniform eskortiert wurden. Die Berliner Regierung gab die Versicherung, daß so etwas nicht mehr vorkommen werbe. Nun läßt sich der Pariser Rempart über einen neuen Zwischenfall aus Straßburg berichten: Die elsässtsche Bevölkerung erwartet, baß die französische Regierung in der energischsten Weise in der Wilhelmstraße Einspruch erhebt wegen der unqualifizierten Herausforde- rung, deren der Reichskanzler sich schuldig gemacht hat, als er persönlich den baöischcn SA.-Leuten von Kehl eine Standarte übergab, auf welcher der Name„Straßburg" eingestickt war. Deutschland hat niemals eine andere Sprache als die der Festigkeit und der Energie verstanden. Sind wir nicht im- stand«, sie zu sprechen? Inzwischen weisen wir auf ein nachahmenswertes Beispiel hin. Es ist uns von dem italienischen Konsul in München gegeben worden. In dieser Stadt hatten die Studenten der Technischen Hoch- schule eine Ausstellung veranstaltet, die der sogenannten Grenzlandnot geweiht ist. Diese Ausstellung sollte darlegen, daß die von Deutschland verlorenen Gebiete sich wirtschaftlich tm Rückgang befinden und unter einem drückenden politischen Joch seufzen. Die Abteilungen für Eupen-Malmedn, für Schleswig, Danzig, für den Korridor und, wohlverstanden, für das Elsaß waren in einer Weise angeordnet, die auf die Besucher starken Eindruck machen mußte. Ter Stand Elsaß-Lothringen enthielt u. a. grafische Dar- stcllungen, die zeigten, daß unsere drei Departements seit ihrer Rückgliederung vom Ruin bedroht sind. Es gab auch ein großes Plakat, auf dem erzählt wurde, daß Frankreich planmäßig die Elsässer ihrer Rechte beraubt und die Bevölkerung mit Verleumdungen und Drohungen nie- derhält. Ein anderes Plakat sagte:„Das Stratzburger Münster ist deutsch, Elsaß-Lothringen ist d e u t s ch." Nicht weit vom Stand Elsaß-Lothringen, der eine beispiel- lose Herausforderung darstellt— in Anbetracht der Tatsache, daß die zivilen und militärischen Behörden die Ausstellung eröffnet hatten, befand sich der Stand, der dem von Italien annektierten Tirol geweiht war. Die Veranstalter, darf man annehmen, wollten durch gra- fische Darstellungen, durch Plakate und Bilder die Be- drängnis des italienisch gewordenen Gebietes zur An- schauung bringen. Aber, so berichten die„Straßburger Neuesten Nachrichten" in ihrer letzten Nummer, der italieni- sche Konsul in München stellte den Veranstaltern eine Frist von 24 Stunden, um diesen Stand verschwinden zu lassen. Die Veranstalter leisteten der Auf- forberung unmittelbar Folge. Dagegen ist der skandalös« Stand Elsaß-Lothringen allen Besuchern der Ausstellung zugänglich geblieben, ohne daß der Vertreter Frankreichs in München sich gerührt hätte. Die Ernennung des Propagandaministcrs Wöbbels zum Delegierten bei der nächsten Genfer Versammlung wird in Genf allgemein dahin gedeutet, batz Hitlerdeutschland in den Genfer Auseinandersetzungen einen entschiedenen Kampfwillen beweisen will. Dasselbe wird insbesondere in der Angelegenheit' der nationalen Minderheiten der Fall sein. Man hätte annehmen dürfen, daß Deutschland, nach den Ausschreitungen, deren Opfer die Juden geworden sind, und nach dem Eindruck, den dies in der Welt gemacht hat, nun darauf verzichtet, als Verteidiger der unter- drückten Minderheiten^» f zutreten, wie es sonst jedesmal in Genf getan ha? Rufen wir uns ins Ge- dächtnis zurück, daß alle deutschen Regierungen, seit dem Ein- tritt des Reiches in den Völkerbund, durch die Btinister Stresemann, Curtius, und Brüning, es als ihre Pflicht an- gesehen haben, stets eine Debatte über die Minderheiten zu veranlassen und neue Schutzmaßnahmen vorzuschlagen. Man erfährt, baß die Hitlerregierung weitentfcrntist.ihre traditionelle Haltung aufzugeben. Vielmehr will sie ihre Borgängerinnen überbieten und Dr. Göb- bels soll den besonderen Auftrag haben, die bekannten Grund- sätze des Reiches in dieser Angelegenheit zu vertreten. Oarvlns Kampfansage Der englische Stimmungsumschwunfc In der bekannten englischen Zeitschrift„Observer" ver» össentlicht Ehcfredaktenr Garvin einen auCehenerregenden, gegen Deutschland gerichteten Artikel. Im Hinblick ans die Pariser Abrüstungskonferenz verlangt er eine er- drückende Kombination der Mächte gegen De n t s ch l a n d. Er geht sogar so weit z« sagen, daß der russisch? Imperialismus eine geringe Gefahr für Europa sei, als das heutige Deutschland. Es sei der höchste Wunsch der leitenden deutschen Kreise» Zeit zu gewinnen und aus- ländische Kritik einzulullen, solange sie ihre Vorbereitungen für den kommenden Krieg betrieben. Schon seien einige unbedachte Gemüter geködert worden, das sei aber wahn» sinnig. In der heutigen Situation sei das Argument Frank» reichs unbesiegbar. Es werde, e S könne nicht ab» rüsten. Niemand könne weiter abrüsten, so» lange der Hitlerismus nicht ausgerottet, den höllischen K r i e g s i d e a l i s m u s«m des Kriegs willenzupredigen.> Garvin, ein besonders guter Kenner Deutschlands, spricht geläusig die deutsche Sprache. Er hat wegen seiner Kennt, nisse der deutschen Kultur die Goethemedaille gehabt und war einer der ersten größten englischen Journalisten, d«e gegen den Vcrsailler Bertrag Stellung nahmen. Der„Ob- server" ist ein Sonntagsblatt und wird nahezu von allen englischen Intellektuellen gelesen. Man hält ihn für das Sprachrohr einflußreichster Kreise der eng» tischen Regierung und nm so sensationeller muß sein Aussatz wirken. Um die ROsfangskonfroile Beginn der Vorbesprechungen in Paris Paris, 18. Sept. Der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Hauptmann Eden und der englische Botschafter in Paris Tyrrell find gestern hier eingetroffen. Die französisch- englischen Abrüstungsvorbesprechungcn beginnen heute vor- mittag. Die französische Presse läßt in ihren Vorbetrach- tungen durchblicken, daß noch andere Meinungsverschieben- heiten über die Einzelheiten der von Frankreich vvrgeschlage- neu Rüstungskontrolle bestehen. Gömbös in Paris Paris, 18. Sept. Das„Petit Journal" berichtet auf Grund von Informationen aus Budapest, daß der ungarische Außen- minister Kanya u. a. in Paris sondiert habe, ob der Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös der französi- scheu Regierung genehm wäre. In Pckris habe man sich zu- stimmend geäußert, so daß Gömbös, bevor er nach Sofia und Angora reise, in Paris mit Ministerpräsident Daladier und Außenminister Paul-Boncour zusammenkommen werde. tagsgebäudes und nicht in den Geheimzirkeln der KPD., die mancherlei in Revolutionsstrategie getrieben haben mögen. Wenn man am 27. Februar nachmittags irgend einen deutschen Parlamentarier gleich welcher Parteifarbe, irgendeinen hohen Beamten irgend eines Ministeriums, wenn man irgendwen gefragt hätte, der diesen Ernst Torgler kannte, ob es möglich wäre, daß dieser Mann nächst Nero der größte Brandstifter werden würde, hätte jeder den Fragesteller ausgelacht. Heute ist zwar die Meinung bei allen, einschließlich Oberreichsanwalt, noch dieselbe, aber man tut so, als bestehe wirklich und ernst- lich schwerer Verdacht gegen den Mann, der seit langen Monaten in Ketten liegt. Wäre das nicht, löge er aller- dings in einem Konzentrationslager oder wäre auf der Flucht erschossen. Nun wird er in einem der größten und schwersten politischen Prozesse der neueren Geschichte vor dem Reichsgericht stehen. Herr Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke, Sie kennen diesen Torgler aus dem Reichstag seit einer Reihe von Iahren? Sie sind— es ist uns ernst gemeint— ein scharfsinniger Jurist und, was mehr ist, ein reifer geistiger Mensch. Was werden Sie denken, was werden Sie empfinden, wenn der Angeklagte Torgler nach körperlichen und seelischen Martern vor seinen Rich- tern Platz nimmt? Sie wenigstens müßten ganz erfassen, daß hier eine schicksalsvolle Stunde viel mehr noch für Deutschland anhebt als für die Rechtskundigen in roten und schwarzen Roben, die ebenso wie die meisten Gottes- gelahrten vergessen haben, was ein alter und freilich Heid- nischer Denker forderte: komo homini sanetus! Heilig sei dem Menschen der Mensch! Kraft für Dich, Ernst Torgler! Kraft aus der Höhe, wie die Frommen sagen. Kraft aus den roten Tiefen sozialisti- scher Gläubigkeit, die zehntausendfach durch so viele Blut- zeugen dieser Monate den Henkersknechten regierender Schufte getrotzt hat! Noch haben uns die Kirchenläufer zu beweisen, daß auch nur hundert von ihnen aus Glauben und Trotz so der Folter Stand zu halten, so dem Todes- grauen entgegen zu gehen wagen wie hunderttausend unserer Kameraden, Deine Ernst Torgler und meine. Keiner von uns wird Dich richten, wenn Du in Ketten und Tortur zerbrochen fein solltest, aber wir wollen es nicht glauben. Die Welt, und hier paßt dies große Wort, blickt auf Dich, wenn Du in Leipzig zur Verteidigung und zur Anklage Dich erhebst. Unerhört gewaltig und rück- fichtslos ist der Apparat, der Dich und mit Dir Kom- munisten und Sozialisten erdrücken soll. Es darf ihm nicht gelingen, und selbst wenn es ihm gelänge, würden sich Wahrheit und Gerechtigkeit dennoch wieder erheben gegen die Schandbuben, die von Nation und Freiheit reden, wo Brandstifter und Räuber, Schinder und Söldner, Speku- lanten und Gekaufte den naiven Idealismus einer unklar sehnenden jungen Generation mißbrauchen. Verbrecher, um deren Kopf es geht, wagen alles. Menschenleben gelten in diesem Deutschland nichts, und wer einen Kommunisten ausrottet, erhält sogar das aller- höchste Lob des deutschen Reichskanzlers. Das ist viel Versuchung für die hohen Richter des höchsten deutschen Gerichts. Immerhin: zwischen jetzt und ihrem Urteils- sspruch steht der Prozeß und der Kampf, wenn nicht im Gerichtssaal, so doch in der Oeffentlichkeit des gesamten Erdballs. Es ist alles möglich in diesem Ringen um die Wahrheit, sogar das Unmögliche., Das Schicksal hat Ernst Torgler berufen, Inmitten des Giftstroms der Gegenrevolution zu stehen. Selbst wenn die Reichsrichter— ihr Ruhm wäre nicht auszudenken— ähn freisprechen sollten, bedeutete es für ihn nicht die Freiheit, sondern Gefangenschaft in irgendwelcher neuen Form. Das wird er wohl wissen, und vielleicht hat die Schwere dieser Last ihn mehr wachsen lassen, als vor Monaten noch möglich schien. Man feiert jetzt diesen Hitler, der einmal ein paar Monate Kavaliershaft hatte, als er unbestritten zu Recht verurteilt war. Noch find Millionen Deutsche blind, aber sie werden sehend werden amd werden zu unterscheiden wissen zwischen Helden- spielern und heldenhaften Märtyrern. Es kommt hier nicht darauf an. ob Ernst Torgler einer der großen Führer ist. Er ist es so. wenig wie Adolf Hitler. Ent- scheidend ist, daß eine trotz allem kurzsichtige Staats- führung ihre Verbrechen durch die kalte Rache an ihren Widersachern zu krönen sich vermißt und darum diesen Ernst Torgler in die lichtesten Höhen des Märtyrertums erhebt. Das mit vielem andern wird Riesenkräfte ent- wickeln, die in der kommenden revolutionären Erhebung Rechenschaft fordern werden. Brand loderte am Beginne des„dritten Reiches". In Blut und Feuer wird es untergehen, und die Geschichte wird feierlich ihr Amen sprechen. *** JEin tapferer Junge Kurt Torgler, der ISjährige Sohn des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Ernst Torgler, der seinen Vater im Gefängnis besuchen konnte, ist in London angekommen, um dem Untersuchungsausschuß des Gegenprozesses seine Beob- Achtungen mitzuteilen. Pas Newestte Ein riesiger Brand hat in der Nacht znm Sonntag den Ort Wallenfels bei Kronach heimgesucht. Dem rasenden Element sielen insgesamt 28 Scheunen znm Opfer. Der Schaden ist, da die Scheunen bereits Erntegut bargen, außerordentlich groß. Es steht außer Zweifel, baß das Feuer durch Brandstiftung entstanden ist, da die Flammen z» gleicher Zeit an drei verschiedenen Stellen aus» loderten. Am Sonntagnachmittag stürzte in Planen ein Segel, slug zeug mit dem Piloten Oskar Heinzel ab, der dabei tödlich»erletzt wurde. Der Dampfer„Malm ö", der den Berkehr zwischen Malmö und Kopenhagen aufrechterhält, stieß Sonntagnacht beim Einlaufen in den Malmöer Hafen mit einem nor« wegischen Dampfer zusammen. Beide Schisse wurden stark beschädigt und etwa 50 Passagiere wurden verletzt. In einer Pressekonferenz erklärte der österreichische Vizekanzler Winkler, daß er dem Bundes- kanzler Dollsuh Gefolgschaft gelobt habe. Doch werde der Kanzler zu erklären haben, ob er sich skr die Demokratie oder für den Faschismus entscheide. In letzterem Falle könne Vizekanzler Winkler nicht länger in der Regierung bleibe«. Mai üölz In Rußland ertrunken Der bekannte deutsche Kommunist Max Hölz ist, wie aus Moskau berichtet wird, bei einer Bootsfahrt auf dem Oka-Fluß ertrunken. Dieser Name erweckt vielseitige Er- innerungen an die kommunistischen Erhebungen nach der Umwälzung von 1018. Ein ursprünglich unpolitischer Mensch entwickelte unter dem Kriegserlebnis ekstatische Führereigenschasten, die sich zuerst im März 1020, nach dem Zusammenbruch des Kapp-Putschcs, im kommunistischen Aufstande im Vogtland, sehr intensiv und sehr gewalttärig entfalteten. Im März 1021 wurde er Leiter des kommu- nistischen AufstandeS in Mitteldeutschland. Nach seiner Trauerrede hielt der Bischof von Brandenburg, Hossenselder. Die beiden Toten seien SA.- Männerge- wesen in dieser Zeit, aber sie seien auch Saat- lörner Gottes gewesen, der sie eingesenkt habe in den Acker der deutschen Zeit. Der Führer der„deutschen Arbeitssrout", Staatsrat Dr. Ley, ries den beiden Toten Worte des Gedeukens nach. Symbolhaft sei cs, daß der Sarg Muchows in de« Haus« stehe, um das er gekämpft und gerungen habe. Di« Namen der beiden Toten seien unauslöschlich eingeschrieben in die Geschichte der Bewegung. Die groß« Zahl der Trauergäste, unter ihnen 8000 RSBO.» Mitglicdcr und 3000 SA.-Männer, geleiteten dann die sterblichen Uebcrrest« in feierlichem Tranerzng« durch dichtes Menschen- spalier zum luisenstädtischeu Friedhos, wo die Särge der Erde übergeben wurden." „Säemänner Gotte s"! So etwas ist in diesem Deutschland möglich! Und nun ermesse man, wieviel Ein- salt dazu gehört, einer solchen Regierung und ihren Knechtesi noch^etwas zu glauben, oder wieviel Böswillig- Keit dazu gehört, so zu tun, als glaube man es. Wie über diese nationalsozialistische ganz ordinäre Mord- und Selbstmordgeschichte alle Welt angelogen wurde, obwohl der Reichskanzler und Führer der NSDAP, natürlich voll- kommen unterrichtet ist, so werden die hunderttausend- fachen nationalsozialistischen Schandtaten auf Befehl des Reichskanzlers und mit Hilfe seiner Spießgesellen ver- tuscht und umgeladen. Die Lehre wird jeder vernünftige Mensch aus der Be- richterstattung über Bacharach ziehen: Der Hitlerre- gierung. ihren Charakteren wie Ley und ihren hörigen Kreaturen in der deutschen Presse ist kein Wort"zu glauben. Leipzig für Judengeld— Bor uns liegt folgender Brief an eine Firma in Belgien: Ihre Postkarte vom 20. August erhielten wir leider erst nach Schluß der Leipziger Herbstmesse, so daß eine recht- zeitige Beantwortung nicht mehr möglich war. Da Sie aber Pelze einkaufen wollen, machen wir Sie darauf aufmerksam, daß die Pelzmessen und Pelzauktionen nicht mit den Früh- jahrs- und Herbstmessen zeitlich zusammenfallen. Während der eben zu Ende gegangenen Herbstmesse war eine außer- ordentlich große Anzahl jüdischer Einkäufer in Leipzig, darunter sicherlich auch einige Geschäftsfreunde von Ihnen, und diese können Ihnen wohl am sichersten bestätigen, baß Sie während Ihres Aufenthaltes in Deutschland keinerlei Diskriminierungen irgendwelcher Art ausgesetzt sein we r Mit vorzüglicher Hochachtung Leipziger Meßamt Körperschaft des öffentlichen Rechts, Literarische Abteilung, gez. Stegemann. Entfernung eines jüdischen Denkmals Der Stadtrat in Erlangen hat einen nationalsozia- listischen Antrag angenommen, wvnach dach im Jahre 1875 aus dem Luitpolüplatz für den jüdischen Universitätsprofes- sor Dr. med. Jakob Herz errichtete Denkmal sofort entfernt werden soll. - V**)« können jederzeit vollkommen unbesorgt hierher Ihre Geschäfte tätigen. Kölner Kurzberichte Vor einiger Zeit brachte die„Deutsche Freiheit" eine« Bericht über die militärischen Ucbungen, den sich Kölner Postbeamten unterwerfen müssen. Zu den vierwöchentlichen Uebnngen, die in der Hacketäuer-Kaserne in Köln-Mülheim stattfinden, haben wir noch folgende Einzelheiten festgestellt: die Ausbildung der Postbeamten erfolgt in der ersten Woche im Karabinerschieben. Die zweite ist dem Umgang mit Maschinenpistole und Handgranaten gewidmet. Die dritte Woche umfaßt die Bedienung de-- leichten und schweren Maschinengewehres. Die vierte Woche ist der allgemeinen militärischen Ausbildung jKartenlescn, Winkerdienst, Exerzieren usw.j vorbehalten. Die seit fünf Jahren stilliegende Maschinenfabrik „Stahlwerk" in Köln-Mülheim ist wiederum i" Betrieb genommen worden. Hergestellt werden schwere Rohre, deren Verwendungszweck den Arbeitern unbekannt ist und verheimlicht wird. Die Facharbeiter erklären, es könne sich hierbei nur um Geschützrohre handeln. Aus dem SA.-Tturm Köln-Kalk schickt man die zuver- lässigsten Leute in das Arbeitsdienstlager Senne- feld. Dort genießen sie für einige Wochen eine rein n»l>- tärische Führerausbildung mit Schießübungen am Ma- schinengewehr und mit Karabiner. Außerdem wird ein Kursus im Handgranatenwerfen eingelegt. » In der Köln-Kalker Humboldkolonie fand am 27. August eine Fahnenweihe der NSBO. statt. Die Feier mußte um 10 Uhr abgebrochen werden, da zwischen SS. und SA., die sich auf der Feier befanden, eine wüste Schlägerei entstanden war. Bezeichnend waren Rufe der SA.-Leute:„Die marxistischen Bonzen waren schlimm, aber die, die wir heute haben, sind 100 Prozent schlimmer". * Fast alle Hausbesitzer im Kölner rechtsrheinischen Stadtteil hat man gezwungen, Hakenkreuzfähnchen, die die SA. ihnen ins Haus brachte, zu kaufen. Die SA. schimpfte- daß zu wenig geflaggt würde, aber das würde jetzt„radikal anders". Wer sich weigerte, eine Fahne zu kaufen, wurde notiert und es wurden ihm Repressalien angedroht. Ein zur Entlassung gekommener Metallarbeiter,&cr 3° Jahre dem„Deutschen Metallarbeiterverband" angehört- hatte seinen Unternehmer vor das Arbeitsgericht zitiert. Der Metallarbeiter wurde in der Verhandlung von einem NSBO.-Vertreter assistiert. Als der Ausgang des Prozesses für den Syndikus des Unternehmers kritisch fl" werden begann, machte dieser dem NSBO.-Vertreter Vor- würfe,„weil er diesen Mann, den Metallarbeiter, vertrete, der doch nur wegen seiner staatsfeindlichen Gesinnung ent- lassen worden wäre". Auf diese unbewiesene Behauptung hi" legte der NSBO.-Vertreter sein Mandat nieder. Der ütieftter fällte daraufhin eine abweisende Entscheidung und der Ar- beiter hatte das Nachsehen. Moral: Es genügt, wenn der Unternehmer die Entlassung mit dem Grunde der staato- feindlichen Gesinnung motiviert, ohne ein Beweis dafür liefern zu müssen, und der Arbeiter ist im Augenblick rechtlos gemacht. « Eine der gesürchtesten Ausbeuter der Kölner Wäsche- Näherinnen ist die Firma Brügelmann, deren große Werkanlage in Köln-Deutz steht. Im übrigen ist der Kölner Nazt-Oberbürgcrmeister Dr. Riesen, der Schwiegersohn des Inhabers vom Hause Brügelmann. Selbstverständlich besteht für den Oberbürgermeister die Pflicht, alle städtische» LieferungS-Aufträge für Krankenhäuser und Arbeitsdienst- lager seinem Schwiegervater zu llberwêisen und die Liefe- rung für die SA. zu vermitteln. Bei der Firma Brügelmann sand nun in der vorigen Woche eine Betriebsversammlung statt, zu der die NSBO. eingeladen hatte. Nach einer inhaltslosen Rede kam der NSBO.-Mann auf des Pudels Kern. Er wollte in dieser Versammlung vor allem die Frage der Verbandskassiernng regeln. Der Wochcnlohn für die Näherinnen betrage durchschnittlich 13 Mark. Davon müsse pro Woche eine Mark an den Verband abgeführt werden. Hierüber bei der Belegschaft heftigster Widerstand. Man wars der NSBO. rücksichtslos Erpressung vor, wenn sie von 15 Mark Wochenlohn noch eine Mark verlange. Das seien bei sechzig Mark Monatseinkommen vier Mark. Da in der empörten Stimmung fast alle Belegschafts- Mitglieder die Versammlung verlassen wollten, ließ die NSBO.-Bertretung die Türen abschließen. Als sie sah, daß sie mit ihrer ursprünglichen Forderung nicht durchdringen konnte, ermäßigte sie den Beitrag auf die Hälfte. Aber auch hierzu war die Belegschaft nur dadurch zu bestimmen, daß man im Weigerungssalle mit Entlassung drohte. * Die Aufforderung der illegalen sozialistischen Führung in Köln an die in der Konsumgenossenschaft„Hoffnung" organisierten Arbeiterfamilien, in der„Hoffnung" nichts mehr zu kaufen, wenn von den Nazis Entlassungen unserer Genossen ausgesprochen würden, hat schon bedeutsame Er- folge gezeigt. Da große Teile der bisherigen Kundschaft ausblieben, sind einige schon ausgesprochene Entlassungen rückgängig gemacht worden. Außerdem suchen jetzt SA.-Leute die Arbeiterfamilien aus, um sie zu veranlassen, wieder in der„Hoffnung" zu kaufen, zum Teil mit negativem Erfolg. Einige Verkäuferinnen beklagen sich heftig über die unsitt- lichen Annäherungsversuche der Nazis. Vor einigen Tagen wurde von einem solchen Burschen, der den Werber für die „Hoffnung" spielt, sogar ein Vergewaltigungsversuch an einer Verkäuferin gemacht. « Ein Vertreter der NSBO., deren Geschäftsräume sich in einer der schönsten Villen Kölns in der Göbenstraße be- finden, ist mit 25 000 Reichsmark Verbandsgeldern ge- flüchtet. Begreiflicherweise wird diese Defraudation ge- flissentlich geheim gehalten. * Die Firma Gottfried Hagen, die bekannte Kölner Gummisädenfabrik, hat angekündigt, daß ab 1. September die Fabrikpensionäre keine Unterstützungen mehr ausbezahlt bekommen- * 40 Lehrer der ehemaligen freien Schule sind ent» .assen morden. « Aus dem rechtSrheinschen SA.-Sturm sind, wie wir jetzt von einem TA.-Truppenführer erfahren, vor einigen Wochen 50 SA.-Leute auf österreichisches Gebiet gebracht worden, um dort im faschistischen Sinne zu wirken. S)eut§che ftimmen Sie vecdieaw iftt JlfUcksal lüie sich dec^Buchhandel helfen will Dem Buchhandel gehts von Tag zu Tag s chlc ch ter. Da find ein paar findige Buchhändler auf den Gedanken ge- kommen, sich so zu helfen, daß sie aus ihr Ladenschild kurzer- Hand schrieben:„Nationalsozialistische Buch- Handlung" oder daß sie neben den Besitzernamen das Monogramm der Mordbande setzten, die heute über Deutsch- land herrscht. Ueber Einschreiten des Kampfbundes für Deutsche Kultur mußten die Ladenschilder wieder gesäubert werden. Der Börsenverein der Buchhändler hat mit dem Verband der Deutschen Hochschulen, dem Verein Deutscher Biblis- thckare und der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Ver- leger ein Abkommen getroffen, das dem Aboiincntcnschivund der wissenschaftlichen Zeitschristen Einhalt tun soll. Die Zeit- schriften müssen im Umfang kleiner und dadurch billiger werden. Es wird durch das Abkommen verfügt:„Daß die nach Umfang und Preis aufgeblähten Zeitschriften, beson- ders auf medizinischem und naturwissenschaftlichem Gebiet, von 1334 ab gegen den Stand von 1333 um mindestens zwanzig Prozent hinsichtlich Umfang und Preis eingeschränkt wer- den". Wer dagegen verstößt, vergeht sich, heißts ausdrücklich im Abkommen, gegen die Satzung des Vörsenvereinö. Hochschullehrer und Börsenverein„stimmen in der Ausfassung überein. daß durch kritische Begrenzung des In- halts" der innere Wert der Zeitschristen gehoben wird. Das ist von der Freiheit der deutschen Wissen- schaft geblieben. Auch sonst will sich der Buchhandel durch weitere dilettan- tische Mätzchen vor dem endgültigen Tod helfen. Er setzt Preise aus. Folgende Probleme sollen gelöst werden:„A. Die Zusammenarbeit der Buchhändler am Ort, B. Der planmäßige Einsatz des Schaufensters bei der Werbung, E. Die neue deutsche Volksbücherstube." Am Wettbewerb darf sich jedermann beteiligen. Es winkt ein erster Preis von S3, ein zweiter von 33, ein dritter von 20 Mark. Aber das hilft nichts. Die Buchhändler jammern. Zum Beispiel so:„Die Hoffnung vieler Kollegen ist in jedem Jahre der Dezember. Wenn man den Warenhäusern die Buchabteilungen läßt, ist das unverantwortlich und für jeden denkenden Menschen unfaßbar." Und ein Herr Rem- nich aus Mannheim, der sonst neben seinen Namen bis vor kurzem noch das Banditenmonogramm setzte, rät den Buch- Händlern, nicht zu warten, bis die Kundschaft in den Laden komme, sondern sie zu H a u s e aufzusuchen. Aber— im Reich kauft niemand den gleich- geschalteten Mist, und im Ausland? Ueberall hat das französisch- Buch den Nutzen! Während in Wien bis zum März kaum tschechische und ungarische Bucher in Aus- lagen zu sehen waren, wird es bald so sein, daß die Einsuhr fremdsprachiger Bücher die Einsuhr deutscher übertreffen wird. Der Buchhandel verdient sein Schicksall Dec qepcellte Zahlhellnet Ein gleichgeschaltetes Trauerspiel in drei Szenen Wie wir mitteilten, ist der Kellner Scholz vom Leipziger Sondergericht zu füni Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er behauptet hatte, Hitler habe in einem Wiener Lokal, in dem er, Scholz, den heutigen Reichskanzler ständig bedient habe, leine Seche geprellt. Scholz war bereit, den W a h r h e l t s- beweis anzutreten! I. Restaurant in Wien 2. Der einsame Gast, der Kellner... „Zahlen der Herr?" „Aber nein, lieber Freund! Schreiben Sie an! Schreiben Sie ruhig an! Es muß Ihnen eine Ehre sein, für mich anschreiben zu dürWi!"^ „Ich weiß nicht, iverter Herr—. Ich bin kein Krösus. Schließlich müssen Sie auch bezahlen, was Sie verzehrt haben!" „Und das nennen Sie Volksgemeinschaft, Sie zahl- kellnerischer Untermensch? Wegen einer so lumpigen Zeche einen so zukunftstrüchtigen Gast auch»ur eine Minute auf- zuhalten? Ich zahle, gut. Aber nur mit einem Wechsel aus meine Zukunft. Was macht es denn?" „Sie hatten: Einen Rostbraten, ein Schnitzel, eine Portion gebratene Ente, Beuschel mit Knödeln, Hitlerschniarren, äh, wollte sagen, Kaiserschmarren, Sachertorte mit Schlagobers, Melange, fünf Virginias..." „Eine wahrhaft spartanische Zeche! Nur ein Genie kann eS über sich bringen, so einfach zu speisen—" „Macht siebenunddreißig Kronen, iverter Herr..." „Eine Kleinigkeit für mich. Aber bezahlen kann ich nicht." „Sie können nicht bezahlen?" „Nein, Volksgenosse. Legen Sie für mich aus. Sie erfüllen damit eine historische Mission. Ich werde eS Ihnen tausend- fach belohnen. Ein Mann, kein Wort. Wenn Sie sich weigern, werde ich Sie dereinst zerschmettern. Hugh!" „Haben Sie ein Pfand?" „Ein Pfand? Nein! Aber ich werde Ihnen ein Autogramm geben." „Ein Autogramm?" „Von eigner Hand, jawohl! Da staunen Sie, nicht wahr? So viel Großzügigkeit hätten Sie gar nicht erwartet! Aber genug der Worte. Ick erbitte den Geschäftsführer!" Der Kellner, mit einem wütenden Blick:„Den sollen Sie schneller haben, als Ihnen lieb ist. Sie Zechpreller!"(Ab.) II. Der Kellner kommt mit dem Geschäftsführer zurück und findet den Platz leer. Der Gast ist verschwunden. Der Kellner, in großer Erregung:„So ein Schweinehund! Jetzt ist er durchgegangen! Siebennnddreißig Kronen ist er mir schuldig. Eben war er doch noch hier—. Du lieber Die lüaficheit übet All=Juda oder das Herbstgeschäft des deutschen Buchhandels Der löblich bekannte„Führer"-Biograph und noch löb- lichere Herausgeber des weltberühmten Kulturwerkes „Juden sehen Dich an", Herr Dr. Johannes von Leers, zeigt soeben durch seinen Verlag im„Börsenblatt für den Deut- schen Buchhandel" vom 7. September sein neues Werk an: Das Herbftgcschäst für den deutschen Buchhandell Soeben erscheint: Dr. Johann von Leers 14 Jahre Juden-Republik. Dr. von Leers zeigt uns hier, anknüpfend an die Pro- tokolle der Weisen von Zion, wie die über alle Länder zer- streut wohnende jüdische Nation den Krieg gegen Deutschland vorbereitet, erklärt, geführt und schließlich durch den Verrat der schwarz-roten Parteien gewonnen hat.— Der geheime Gegner Deutschlands wird hier mit erschütternden Beweisen entlarvt. Es wird ihm die schützende Tarnkappe abgerissen, so daß er nicht nur als Feind Deutschlands, sondern als d e r W e l t- feind erkannt wird. Auch der harmloseste Euro- päer muß jetzt merken, daß die Rassensrage der Schlüssel zur Weltgeschichte ist. Es wird uns erzählt, wie Juda, ge- stützt auf seine Presse und Geldmacht, die einzelnen Rati- onen wie Schachbrettfiguren gegeneinander gesetzt und ausgespielt hat. Die tieferen Ursachen des Weltkrieges, in den die Nationen gestolpert sind, und den heutigen Wirt- schastskrieg gegen alle Nationen erkennen wir. Wir pro- testieren heute gegen Versailles. B e r s a'i l l e s ist aber dasWerkJuda. Juda war die Hauptfigur, die Sieger- mächte spielten nur die Siebenrolle.— Wenn wir dieses Buch gelesen haben, sind wir nicht mehr erstaunt darüber, daß es heute dreißig Millionen Arbeitslose gibt, und vor dem 30. Januar 1333 Europa vor dem Abgrund stand, der in den Bolschewis- mus führt. In Demut beugen wir die Knie vor der göttlichen Vorsehung, die uns einen Adolf Hitler schenkte, der vor 18 Jahren den Riescnkampf gegen die jüdische Weltmacht in Deutschland ausnahm und siegreich beendete.— Vivat Gloria! Mensch— das alles kriegst man für 2,85 M. Weltgeschichte, Rassentheorie, Wirtschaftspolitik, Gebetbuch und Humoristika. Und ganz bescheiden nebenbei den Srcin der Weisen, das Wissen um alles Verborgene. Der Dr. Johann von Leer ein Kubiksormat! Himmel, jetzt werbe ich armer Kerl die Riesenzcche bezahlen müssen." Der Geschäftsführer:„Aber da liegt doch ein Zettel. Was ist denn das?" Liest laut vor: „Bestätigung. In 22 Jahren, Ende August 1338, wird dieser Schulbzettcl über 37 Kronen von mir in Freiberg in Sachsen mit den notwendigen Dankesbekundungen eingelöst werden. Gegeben, Wien im August 1311. Adolf Hitler." III. Sondergericht in Freiberg in Sachsen. Das Gericht, der Wiener Zahlkellner Scholz. „Angeklagter, nehmen Sie die Hände an die Hosennaht! Sie haben die grenzenlose marxistische Schamlosigkeit be- sesien, unseren abgöttisch verehrten, allgemein anerkannten Führer, den Tatsachen gemäß, einer, wie ich schon feststellen konnte, längst verjährten Zechprellerei zu beschuldigen. Ich lehne es ab, auf diese ungeheuerliche Lüge einzugehen und erkläre Ihnen, daß die Staatsräson und meine mir selbst unerklärliche Abneigung gegen das Idyll der Konzentra- tionslager mich dazu zwingt, Sie zu verurteilen. Haben Sie onßer diesem Ihrem Geständnis noch etwas von Belang- losigkeit mitzuteilen—?" „Hoher Gerichtshof, ich will den Wahrheitsbeweis an- treten! Ich habe daS Beweisstück in der Hand! Hier(er schwingt einen Zettel in der Luft) hat er mir selbst seine Schuld bestätigt!" „Wahrheitsbeweise werden nicht angenommen. Gefangene nicht gemacht! Unsere Justiz hat ihre besonderen Methoden — auch ich bin nur ein Mensch und muß an meine Familie denken! Gestehen Sie, was ich von Ihnen verlange, oder ich übergebe Ihre irdischen Reste der SA." „Ich protestiere!" »Ihr Geständnis wird zur Kenntnis genommen. Danken Sie Gott für Ihre gute Eingebung! Da Sie zu bereuen scheinen, sehe ich aus raumtechnischen Gründen— die Zucht- Häuser sind allzu überfüllt— von einer Zuchthausstrafe ab. Fünf Monate Gefängnis, verschärft durch tägliche zwei- ständige Lektüre von Hitlers„Krampf". Abtreten—I" Der Kellner, schreiend:„Das ist sein Dank!" M o n n o c. iüas man sich zuflüstert Göring kommt ses trifft dies demnächst wirklich ein) in die Hölle und trifft den alten Nero. Er tippt ihm aus die Schulter und sagt:„Ich bin Göring." Nero sieht ihn ver- ständnislos an: Göring von neuem:„Ich bin Göring, der weltbekannte Reichstagsbrandstister." Daraus Nero:„Klag- licher Schüler und Plagiator! Ich habe ganz Rom ange- steckt." Bas Han-Qectnanentum sVor mehr als 2ö Jahren geschrieben) Das ist die Nasse der Germanen! Graf Gobinca» hat sie erdacht, Und Ehamberlai» hat ihr zn Ahnen Die Beste» aller Zeit gemacht. Germanen sind die Slawen, Kelten,— Wenn etwas Großes sie vollbracht: Germanen sind das Salz der Welten, Und find die Leuchten in der Nacht. Der Heiland! Die Apostel!— Juden?— O nein! Germanen reinster Art;— Semiten pflegen Wechslerbndcn, Germanen Menschenliebe zart. Homer und Moses, Colon, Dante: Germanen sind's von Gott gesandt: Dock Loyola und seine Bande Sind Ruten ans des Teufels Hand. Fälscht so der Hochmut die Geschichte Und krönt der Weißen Herrentum, Dann kommt ihr Gelben, zum Gerichte Und lehrt die Ehrl st en Menschentum. Robert Seidel. Schlechte Jlasse Kommt an meine Kasse! Laßt euch abschrecken! Den Hamburger Kinos geht eS schlecht. Kein Mensch will die Filme sehen, die noch erlaubt sind, niemand den Schund, den deutscher Nazigeist, beherrscht von Antikultur und Ge- schmacklosigkeit, hervorbringen kann. Die Kinobcsitzer jam- mern. Denn auf dem Index stehen die zugkräftigsten Film- schauspieler, unter anderen auch Fritz K o r t n c r und Elisabeth B c r g n e r— weil nicht rasserein. Aber den Kinos muß geholfen werden. Und mit einem Male laufen Bcrgncr-Filme und K^rtner-Filme in den Hamburger Kinos, die jetzt gesteckt voll sind. Wie das möglich ist, sra< man sich? Haben die Herren aus einmal Respekt vor der Kunst bekommen? Oder wie, andernfalls, rechfertigcn sie diesen Fußfall ihrer Prinzi- pien vor dem Kassenerfvlg? Die Tlachkuc Oeffentliche Verkündigung der Hinrichtungen München. lJnpreß.) Der„Völkische Beobachter" fordert die„öffentliche Verkündigung der vollzogenen Hinrichtun- gen". Das sei geeignet, abschreckend zu wirken. Die deutsche Oeffentlichkeit habe von der Fülle der Hinrichtungen, die in der letzten Zeit stattfanden, mit Befriedigung Kenntnis ge- nommcn. Wörtlich wird erklärt, daß in zahlreichen Fällen „vorzeitig entlassene oder allzu mild bestrafte Verbrecher einer Nachkur" unterzogen werden müßten. Van Jlaquet bis Marthel Die amtlich genehmigten!Bühnenuxecke Der Volkschaft-Berlag versendet in diesen Tagen folgende neuen Bühnenwerke an die deutschen Theater: Leo W e i s m a n t e l, Totenfeier sur die Gefallenen des Krieges? Franz Theodor C s o k o r, Das Thüringer Spiel von den zehn Jungfrauen: Rudolf Henz, Die Heimkehr des Erst- geborenen: Franz S ch a u w e ck e r. Die Entscheidung; Hans Franck, Kleist? Bcrthold H. Withalm, Golgatha im Reich? Alfons Paquet, Freiherr vom Stein? Georg Ren dl, Das Spiel vom Tod. Für die„Tpielgcmeinschaften für nationale Festgestaltung" hat der Volkschast-Verlag an- genommen: Kurt Eggers, Das Spiel von Job dem Deut- schen und Max B a r t h e l. Das Spiel vom deutschen Ar- beitsmann. Dec tote Junht „Oft hilft aber auch aller Scharssinn des Genealogen nichts mehr; das ist bann der„tote Punkt", der sich irgendwo einmal in jeder Familicnsorschung zeigt, der Schlußpunkt, an dem die Historie sich für immer ausschiveigt." lAus dem Artikel„Um Ahnentafel und Stammbaum" in Nr. 326 B der„Weser-Zeitung", Bremen.) 9(itlecs 1elefon=Alphabet Das neue Telesonalphabet, das alle semitischen Namen durch reinrassige oder unverfängliche ersetzte, hat, wie wir erfahren, im nationalsozialistischen Lager lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Man fordert ein Alphabet, das im stärksten Maße Ausdruck des neuen Deutschlands, seines Geistes und seiner Taten sein soll. Einer der neuen Bor- schlüge sieht so aus: A= Arier. B= Bolschewismus, E- Cäsar, Ch- Christ, D— Dachau, E= Ermordung, F— Faschismus, G= Gleichschaltung, H— Heil Hitler, I=Ü Inflation, 3= Inde, K— Konzentrationslager, L— Lübbe, M— Marxist, N= Nationalsozialismus, O— Orden, Oe= Oesterreich, P= Pazifist, O= Quadrille, R— Reichstagsbrand, S= Sieg Heil, T= Todesurteil, U= Unfruchtbarmachung. B= Volksgemeinschaft, W= Wessel, H= Xanthippe,$)= Upsilon, Z— Zuhälter. DAS MUM NUMMER 78!- 1. JAHRGANG TÄGLICHE U N T E R H A LT U N G S= B E I L AG E DIENSTAG, DEN 19. SEPTEMBER 1933 fin unverücßlidkesCrlebni i Cuod,ißc< ™~!8a nt>U* da In Der recht monotone Vergnügungskalender des Bades O. wies eine angenehme private Bereicherung auf. Ein Hypnotiseur war eingetroffen, ein Mann von be- deutendem Ruf, von dessen Talenten sich die Fachleute staunenerregende Dinge erzählten. Er wohnte im„Majestic", hatte ausgesprochene Groß- mannsallüren, sparte nicht mit sürstlichen Trinkgeldern und galt, schon der vorher bezeichnenden Umstände wegen als ungeheuer reich. Sonst lebte er exklusiv zurückgezogen, eine Diskretion des Lebenswandels, die den Reiz seiner Persönlichkeit bei den neugierigen Kurgästen nur erhöhen konnte. Es wäre wohl nie zu dem«hypnotischen Galaabend mit neuartigen Experimenten"' gekommen, wenn nicht der Manager des Hypnotiseurs, ein kleiner, sehr beweglicher Herr, der auch in der Sommerfrische nicht die Hand von Geschäften lassen konnte, die Sache arrangiert hätte. So stieg denn der denkwürdige Abend, der die einschlä- fernden musikalischen Exerzitien der Kurkapelle aufs ange- nehmste unterbrach, bei gepfefferten Eintrittspreisen im bichtgefüllten großen Kurhaussaal. Als der Hypnotiseur, der einen ungemein klangvollen Namen trug, erschien, ging ein Raunen ehrfürchtigen Staunens durch die Reihen. Der be- beutende Mann sah allerdings auch bedeutend genug aus. In einem asketischen Gesicht, dem eine tiefe, fast krankhafte Blässe das Gepräge gab, leuchteten zwei dunkelbraune Augen in düsterem, unheimlich suggestivem Glanz. «Meine Damen und Herren—'* begann der Hypnotiseur > mit einem tiefen, unverkennbar fremdländischen Ton- fall,„ich weiß, daß ich einem verwöhnten Badepublikum nicht die üblichen Experimente der landläufigen Hypnose vorsetzen darf. Ich habe heute abend weit mehr vor! Ich will nämlich zum ersten Male ein Experiment ausprobieren, dessen Meisterung mir erst in diesen Tagen unter schwersten Mühen gelungen ist. Nichts fällt dem Menschen in den Schoß—. Hören Sie bitte gut zu: Mein Experiment beabsichtigt, Ihre Seelentemperatur zu einer noch nie dagewesenen Höhe emporzutreiben und in Ihnen«in Glllcksgefühl von unaussprechlicher Intensität zu erzeugen. Diese grandiose Steigerung Ihres Gefühllebens wird, so hoffe ich, für Sie alle ein unvergeßliches Erlebnis fein! Konzentrieren Sie sich bitte auf das Wort«Mais- Mischung"'. Jawohl,„Maismischung". Denken Sie unaus- gesetzt an dies prosaische Wort, das eigentlich ein Doppel- wort ist, mag es Ihnen auch noch so sinnlos erscheinen—." In atemloser Stille, fiebernd vor Erwartung, saßen die Kurgäste da. «Bitte das Licht auslöschen!" rief der Hypnotiseur. Da» Experiment begann. Es war so dunkel im Raum, baß man nicht die Hand vor den Augen sehen konnte. Durch den Saal tönten unablässig wandernde Schritte: es war der Hypnotiseur, der durch die Stuhlreihen ging, um seinem Experiment Nachbruck zu verleihen. Einige Teilnehmer an der Seance, meistens Frauen, wim- werten leise vor Aufregung. Minuten wurden zu Ewigkeiten. Immer noch er- klang der ruhelos wandernde Schritt des bedeutenden Manne«. Eine stickige Welle von Atem und Schweiß zog durch den Saal. Plötzlich brach die Wanderung des Hypnotiseurs ab. Wei- tere fünf Minuten verstrichen. Im Saale machte sich eine leise Unruhe bemerkbar. „Pscht!" zischten die Eifrigen, was wiederum unterdrücktes Kichern hervorrief. Nach einer Viertelstunde rief einer«Licht"',„MaiS- Mischung" schrie ein anderer. Die elektrischen Lampen flammten auf. Alles sah sich blöd blinzelnd an. Wo war der Hypnotiseur? Der Hypnotiseur war ver- schwunden und mit ihm sein Manager. Allgemeine Ver- blllffung, die sich zur Panik steigerte, als eine ältere Dame hysterisch schrie:«Mein Perlenkollier ist gestohlen!" „Und mir die Brieftasche!" brüllte ein Herr gleichsam als Echo. Entsetzen packte die Kurgäste. Die Damen nestelten verstört am Hals herum, die Herren griffen nach ihren Brusttaschen. Unter unbeschreiblichem Lärm zählte man 54 abhanden gekommene Portefeuille und 21 fehlende Perlenkolliers. Polizei erschien und wurde von einem Schwärm fassungS- loser Menschen umringt. Inzwischen suchten ein paar beherzte Männer das ganze Kurhans nach dem fingerfertigen Hypnotiseur und seinem Manager ab. Vergeblich—, der Vogel war schon ausgeflogen. «Ja," sagte der Polizeikommissar,„wir haben es leider auch zu spät erfahren. Der Hypnotiseur ist ein berüchtigter Taschendieb und der«Manager" sein Komplice. Was aber das„Experiment" angeht,— eS ist nicht bei Ihnen gestattet worden." „Aber in einem hat er recht gehabt" murmelte ein Bestohlener in bitterer Selbstironie,„dieser Abend wirb gewiß uns allen ein unvergeßliches Erlebnis bleiben!" Ja. wenn äffe{Ritfkie r... Vor den Schranken eines Oxforder Gerichtes stand ein siebzehnjähriger junger Mann, der einen Selbstmordversuch gemacht hatte und abgeurteilt werden sollte. Nach dem Motiv seiner Tat gefragt, antwortete er stockend:„Seit Monaten finde ich keine Arbeit mehr und deshalb..." Daraufhin brach der Richter die Verhandlung ab und lud den Jungen zum T e e in seine Wohnung, um mit ihm seine Lebenslage zu besprechen. Da der Nichter aus den Erzählungen des Jungen erkannte, daß es sich hier um das grausame Schicksal eines Strebsamen handelte, der arbeiten wollte, aber nicht konnte, besorgte er ihm durch seine Fürsprache eine Stellung und vertagte den Prozeß auf ein halbes Jahr... das tfffkwvatbennest als Jparbasse Einige Schulbuben wollten dieser Tage in einem elsäs- fischen Ort Spatzen aus Schwalbennestern verjagen. Dabei machten sie eine merkwürdige Feststellung. Als sie nämlich mit einer Stange gegen das Nest stießen, fiel eine Reihe von Zwei- und Dreimarkstücken daraus zu Boden. Nanu, Schwalben sind doch keine Elstern?— Steht die Zoologie Kopf?!— Nein, ein alter Bauer hatte sich die Nester als Sparkassen gewählt und hier sein Silbergeld„diebessicher" aufbewahrt. Er kam indes mit dem bloßen Schreck davon, denn die Buben gaben ihm sein Eigentum zurück. So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlingen, wo die Ochsen die Hymne singen: Da ist der Esel Minister geworden, da grasen ans der Wiese Herden von Orden, da speist man gebratene Titel. So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlingen, wo die Ochsen die Hymne fingen: Da geht der Marder als Pfaffe herum, und macht die Gänse und Hühner dumm das Kamel ist da Deputierter! So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlinge», wo die Ochsen die Hymne fingen: Da ist den Bögeln das Singen»erboten, Der Esel» der liefert ihnen die Noten, und danach dürfen sie piepe«. So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlinge«, wo die Ochsen die Hymne singen: Da hat der Löwe alleine Verstand, die Lerchen» die find aus dem Reich verbannt, die Faultiere fitzen im Staatsrat. So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlingen, wo die Ochsen die Hymne fingen: Da hungern die Schaf' und lassen fich scheren und erzeigen ihren Hütern viel Ehren» den Wölfen und den Hyänen. So geht es in Schnützelputzsingen, wo die Schnecken Bücher verschlinge«, wo die Ochsen die Hymne fingen: Ich wüßte der Dinge noch viel z« sagen, die in Schnützelputzsingen sich zugetragen, gar lächerlich über die Maßen! Adolf Glaßbrenuer, Sachen nicht verlernen Ein Hörfehler Nach dem Abendbrot schritt der Herr Staatsanwalt an der Seite seines Gastes durch seine Privatgemächer, stolz von der Architektur und dem eigenen Stil der Zimmer plaudernd. Vor einem großen Oelgemälde blieben beide stehen. „Sehen Sie," sagte der Staatsanwalt,«hier ist mein liebstes Bild,— die Göttin der Gerechtigkeit: Nemesis!" „O,— vielen Dank, Herr Staatsanwalt!" sagte der Gast und ergriff mit beiden Händen die Rechte des Gastgebers. „Ich nehme es gern! Ich lasse es gleich morgen früh ab- holen!"(«Neue I. Z.".) Grüne Jugend „Dieser Papagei ist hundert Jahre alt, mein Herr!" „Hm, für dieses Alter ist er aber noch reichlich grün!" („Neue I. Z.".) Gerettet „Meine sämtlichen Hühner sind diese Nacht von Ein» blechern abgeschlachtet worden!" „Und ihr scharfer Wachthund, der immer im Stall liegt?" „Der lebt noch!"(„Fliegende Blätter".) Koniamara ROMAN VON l O N A Z 1 O S I L O N E Wenn ihn jemand fragte: „Und jetzt, wo uns der Impresario das Wasser stehlen will, sollen wir nicht verhandeln?" Seine Antwort blieb immer die gleiche: »Legt ihm Feuer in die Gerberei und er wird euch be» dingungslos das Wasser zurückgeben: wenn er eure War- nung nicht versteht, legt ihm Feuer in seine Holzlager. Und wenn ihm das nicht genügt, sprengt ihm mit einer Mine die Ziegelbrennerei in die Luft. Und wenn er ein Idiot ist und immer noch nicht kapiert, brennt ihm nachts, wenn er mit Donna Rosalia schläft, die Villa nieder... Nur so werdet ihr das Wasser wieder bekommen. Wenn ihr es nicht tut, wirb der Tag kommen, an dem der Impresario euch eure Töchter wegnimmt und sie auf dem Markt verkauft. Und er wird gut daran tun. Warum denn nicht?... Was sind sie schon wert, eure Töchter?..." Dies war Berardo Violas bittere Lebensauffassung. Aber er folgerte so, weil er kein Land besaß, und das mußte ihm innerlich stark zusetzen. Er dachte wie einer, der nichts zu verlieren hat. Die Lage der übrigen Casoni aber war anders. BerardoS Absicht, auszuwandern und nachher seine Ver- suche in den verschiedensten Berufen als Taglöhner, Holz- fäller, Kohlenbrenner, als Maurer-Handlanger zeigten deutlich, daß er im Grunde mit seiner Lage unzufrieden war. Ohne eigene Erbe, daher geringer als die anderen Cafoni, hatte er kein Recht, zu verlangen, baß diese sich seiner Mei- nung anschlössen. So stieg die Verwirrung jedesmal, wenn er sich in unsere Angelegenheit mischte: kein vernünftiger Mensch hörte ihn an, nicht einmal, um ihm zu widersprechen,, Generale Baldissera ausgenommen, der zwar immer entgegengesetzter Ansicht war, aber als Schuster überflüssige Unterhaltungen liebte. Durch seine extravaganten Reden und mehr noch durch sein Beispiel hatte Berardo die Ansichten der gesamten fontamaresischcn Jugend gewandelt. Bisher hatte man in Fontamara niemals soviel Jugend- liche beisammen gesehen. Früher zogen die jungen Männer — kaum hatten sie das IS. Jahr vollendet— auf der Suche nach Arbeit los: der eine ging nach Latium, der andere nach Apulien, der Dritte nach Amerika: viele ließen auf vier, sechs, ja sogar auf zehn Jahre eine Braut zurück und hei- rateten sie nach der Rückkehr, andere heirateten am Tage vor der Abreise und blieben nach der ersten Liebesnacht vier, sechs, ja zehn Jahre fort und bei der Rückkehr stand dann ein heranwachsendes Kind vor ihnen, ja, es konnten sogar mehrere Kinder verschiedenen Alters sein. Aber das Aus- wanderungsverbot hatte die Reisen der jungen Leute un- möglich gemacht und so waren sie gezwungen, in Fontamara zu bleiben, wo die Arbeit für alle rar geworden war. Die Unmöglichkeit auszuwandern, hieß für sie die Unmöglichkeit soviel zu verdienen und zu sparen, daß sie wie ihre Väter kleine Grundbesitzer bleiben konnten, daß sie das winzige väterliche, von Schulden und Hypotheken angefressene Kapital erhalten, daß sie die nötigen Meliorationen durchführen und den Boden nach weniger primitiven Methoden kultivieren konnten. Es hieß, daß sie den toten oder alten Esel nicht durch einen jungen ersetzen, kein Schwein, keine zwei Ziegen, kein Ehebett erwerben konnten. Aber da sie jung waren, jammerten und klagten sie nicht und zeigten nicht einmal durch Worte, ob sie sich über die Härte ihres Schicksals klar waren. An den häufigen freien Tagen versammelten sie sich, stellten unter dem Einfluß dessen, der älter, aber weniger vernünftig war, sinnlose Dinge an und planten noch sinn- losere. Das Erstaunlichste war, daß Berardo, ein gesunder, robu- buster, junger, fast Mjähriger Mann, der weder Vater noch Mutter hatte, sich die häuslichen Dienste von der fast SWjäh» rigen Großmutter besorgen ließ, keine Anstalten zum Hei- raten machte. Früher war zwischen ihm und Elvira, der Färberin, Zuneigung erkennbar gewesen, und er hätte auch keine bessere Frau finden können. Aber nach dem Verlust feines Landes brach Berardo die Beziehungen ohne Erklä- rung ab. Fragte man ihn um Neuigkeiten über Elvira, brachte man ihn am sichersten in Wut. An den langen, arbeits- losen Winterabenden, an denen die Alten trinken und die Jungen lieben, diskutierte Berardo mit dem Generale Baldissera bis tief in die Nacht hinein über den Unterschied zwischen Städtern und Bauern, und über die drei Rechte, das Pfaffenrecht, das Herrenrecht und das Gewohnheitsrecht. Er schlug dabei mit der Faust so auf den Lisch, daß die ganze Wirtschaft der Sorcanera bebte: aber das ließ den alten Generale, Anhänger einer„ewigen Ordnung", vollkommen kalt. So hätte man glauben können, daß Berardo keinerlei An- spruch mehr auf Elvira machte: aber eines Tages, als sich die Nachricht verbreitete, sie sei vom Straßenwärter Filippo dem Schönen zur Frau begehrt worden, benahm sich Berardo wie ein wild gewordener Stier. Er rannte in Filippos Haus, fand ihn nicht, hörte aber, baß er im Steinbruch sei, stürmte dorthin und fand ihn beim Kieshaufen beschäftigt. Ohne ihn auch nur zu fragen, ob er wirklich um Elvira geworben habe, packte er ihn, schleuderte ihn wie einen Fetzen an die zehnmal auf den Kieshaufen, bis endlich Arbeiter dem Aermsten zu Hilfe kamen. Seit dieser Geschichte hatte sich kein neuer Bewerber um Elvira bemüht, aber Berardo seinerseits fuhr fort, sie zu meiden. Als ich eines Abends aus dem Fucino zurückkam, versucht« ich ihn zum Sprechen zu bringen. „Elvira dürste die 25 bereits hinter sich haben," sagte ich, „und das ist für unsere Gegend, wo die Mädchen doch vor 20 heiraten, schon zu viel. Ueberdies ist ihr Vater gelähmt uitd kann ihr weder beim Weben noch beim Färben helfen. Aber von allem anderen abgesehen, muß Elvira heiraten» denn sie braucht Hilfe fürs Haus..." Berardo rührte sich nicht. „Wenn du dich nicht entschließt, sie zu heiraten," schloß ich, „hat sie das Recht, einen anderen zu nehmen." Auf einmal wurde Berardo wild. In einem Ton, der keinen Widerspruch duldete, sagte er nur:„Laß das!" Am nächsten Morgen, als ich mit ihm wie gewöhnlich i» den Fucino gehen wollte, wartete ich vergeblich auf ihn. Ich ging zu ihm, um zu sehen, ob er noch schlafe. Ich fand nur die Alte, ganz aufgeregt« (Sortsetznng folgt! Sepp Will: Ilm die dentsdien Gewerkschaften „flaupisdiub der Märzgefallenen"/ Opposition in der NSBO. Beginn der zweiten Relnlgnngswelle/ Militarisierung/ Unterwerfung der NSBO. unter die Arbeitsfront Otto Wels Die Gewerkschaftsarbeit unter der Führung von Herrn Ley hatte seit dem 2. Mai in der Hauptsache in der Neint- gung der Verbände von den sozialistischen Funktionären be- standen. Im Mai und Juni waren die Parolen nicht immer einheitlich. Hier und dort wurde sogar ein einzelner frei- gewerkschaftlicher Bevollmächtigter noch als Kommissar be- stellt, und es war zu sehen, daß die neuen Herren zu ihrer eigenen Einarbeitung zunächst noch einige der alten Gewerk- schaftsangestellten bei sich behielten. In sehr vereinzelten Fällen mögen auch manche Funktionäre mit ausgebildeter Konjunkturnase den Versuch gemacht haben, sich ausfallend deutlich gleichzuschalten. Mit dem 1. Juli ist die Reinigung restlos durchgeführt worden. Als letzter Vorwand zur frist- losen Entlassung des bisherigen Gewerkschaftspersonals und seiner Ersetzung durch braune Postenjäger mußten d i e Köpenicker Provokation herhalten. Sie brachten, wie es in der neuen Gewerkschaftssprache heißt, den„Haupt- schub der Märzgefallenen". Die neue G e w e r k s ch a st s b ü r o k r a t i e zählt bereits 20000 Seelen, auch ein Beitrag zur Abnahme der deutschen Arbeitslosen- ziffer. Eine Uebersicht der früheren Be- 'rufe der neuen Herren ze'igt, daß fast kein «früherer Arbeiter zu finden ist Dagegen haben neben Beamten, Intellektuellen, ' Syndicis vorwiegend Kaufleute, also Mit- .glieder des früheren Deutfchnationalen Handlungsgehtlfenverbandes, die gemalt- sam freigemachten Stellen besetzt. Nach Köpenick hieß es in einem Rundschreiben:„Die Gewerk- schaftsführer haben jetzt bewiesen, daß sie aus der Seite des Bolschewismus stehen. Die Antwort der Verbände und Mit- glieder kann nur sein: Fort mit diesen Leuten." In einer besonderen Anweisung der Arbeitsfront an die Arbeits- gerichte und an das Arbeitsministertum wurde verlangt, daß alle Klagen auf Wahrung der dienstvertraglichcn Rechte ab- zulehnen sind. Auch den christlichen Funktionären sind Ab- findungen jeder Art abgesprochen morden. Ter letzte Akt dieser brutalen Reinigung siel zeitlich zusammen mit oppositionellen Regungen in den Nazibetriebszellcn und der feierlichen Erklärung Hitlers von der Beendigung der nationalen Revolution, der eine zweite Revolution nicht folgen dürfe. Der neue Reorganisationsplan ist jetzt fertig und wird verbreitet. Beschließende Körperschaften irgend welcher Art gibt es nicht mehr. Zentral, bezirklich und örtlich regieren kleine Ausschüsse, bestehend aus: Leiter, Stellvertreter. Ftnanzwart, Organisationswart und Pressewart. Auch diese Ausschüsse sind nur ausführende Organe und können keiner- lei Beschlüsse fassen. Die Gehälter und vor allem die Spesen sind gegenüber früher standesgemäß er- höht worden. Die sogenannten ehrenamt- liche Tätigkeit wirb vielfach weit höher be- wertet, als vor dem 2. Mai die höchsten 4 Gewerkschaftsgehälter bemessen waren. Elegante Autos stehen heute reihenweise vor den Gciverkschastsbüros, um die neuen Vertreter der Proletarier zu befördern. Die Reorganisation sieht vor allem neue Organisations- begriffe vor, die zur Militarisierung der Verbände unerläß- lich erscheinen. Dazu gehören: Autoritärer Führerwille, Uebersichtlichkeit, Gehorsam, Vcrantwortungsprinzip und Schlagkraft. Die Gewerkschaften der Arbeiter sind in 1ö Ver- bände gegliedert. Neben großen Planskizzen und neuem Büromaterial sind natürlich auch schleunigst neue Ab- zeichen eingeführt worden. Die schlimmsten Feinde der Ar- beiter sind in die Spitzen berufen worden und so mancher deklassierte Bürgerliche ist heute Gewerkschaftsführer ge- worden Er ist jetzt berufen, den Arbeitern„das rein materielle Denken abzugewöhnen, das der Marxismus groß gezüchtet hat". Die Unternehmer dürfen auch weiterhin materiell denken. Man hat sogar das Wort„Zahlstelle" aus dem Gewerkschaftslexikon im„dritten Reich" gestrichen, um so das letzte Atom materiellen Denkens zu beseitigen. Die Bei- träge müssen natürlich weiter gezahlt werden. Der Mitgliederschwund auS der ersten Zeit hat ausgehört. Man hat an den Arbeitsstätten und Baustellen bekannt ge- ..lernt erbbiologisch denken!" „Das Wohlfahrtsamt, eine Brutstätte der Minderwertigkeit" Das Reichsministerium für Volks„aufklärung" sGöbbels) läßt einen schwulstigen Aufruf los, worin die Bevölkerung aufgefordert wird,„erbbiologisch" zu denken. Wie das gemacht werden soll, werden die wenigsten wissen, zumal es ihnen der Ausruf auch nicht verrät. Aber vielleicht erfahren sie es durch ein Hörspiel im Rundfunk, das von der gleichgeschalteten Presse mit diesen Worten angekündigt wird: Dr Konrad Dürre, der bekannte Borkämpfer für prak- tische Rasscnhygieue, hat auf Anregung des Aufklärungs- amtes für Bcvölkerungspolitik und Rassenpflege einen Akt seines Schauspiels„Am E r b st r o m des Volkes" zu einem Hörspiel umgearbeitet, das unter dem Titel „Erbkrank— Erbgesund" zur Sendung gelangt. Die Handlung spielt vor der Uebcrnahme der Regierung durch Adolf Hitler in einem Wohlfahrtsstaat. Es wird darin gegeißelt die Marxist is ch e I r rieh r e von der Gleich- heit aller Menschen und die Wohlfahrtsämter M überwundenen marxistlsch-liberalistifchen Systems als Brutstätten erblicher Minderwertigkeiten. Demgegenüber wird die erbgesunde, kinderreiche Familie als Trägerin völkischer Zukunft dargestellt. Also- Allein auf die Paarung kommt es an. und wenn Man planmäßig nordische Langsmädel züchtet, so spart geben, daß die Neuaufnahmefrist mit einem bestimmten Tag abläuft und dann eine Sperre folgen wird. Die Sorge um Arbeit hat dann wieder einen Mitgltederzustrom gebracht. Manche Verbände, wie z. B. der Technikerverband, sind heute stärker als früher. Der Banarbeiterverband zählt über 300 000 Mitglieder, ohne daß selbstverständlich die Arbeits- losenquote etwa geringer wäre als vor dem 2. Mai. Eine sehr rege Propaganda für den Eintritt in die Gewerk- schaften betreiben u. a. die Kommunisten, die jetzt im Gegen- satz zur früheren Haltung der RGO. die große Bedeutung der Gewerkschaften anerkennen und geradezu den Beitritt be- fehlen. Der neue Gewerkschastsplan wäre somit auf dem Papier vollends und es fehlt auch nicht an großen Demonstrationen, zu denen die Mitgliedschaften zwangsweise geführt werden. Es ist aber den neuen Machthaber» auch nicht entgangen, daß in den eigenen Reihen eine wachsende Enttäuschung über den Verrat des sozialen Teils des Hitler-Programms Platz gegriffen hat. Die Opposition b.r Nazi-Proletarier in den Betrieben droht sich sogar in den Betrieben mit den Resten der Marxisten zu verbinden. Die zunehmende Wirtschaft- liche Verelendung steigert täglich diese Gährung im eigenen Lager der Nazis und es ist naheliegend, daß die Nazi- Betriebszellen(NSBO.) zum Sprachrohr der oppositionellen Strömungen werden müssen. Das alles weist darauf hin, daß der psycho- logischeUmschwungderenttäuschtenMassen nicht ausbleiben wird. Es iväre indes ver- fehlt zu glauben, daß die Opposition der NSBO. auch schon den Ansatz von Wider st and gegen das Regime bringen könnte. Die Re- gicrung hat vielmehr eine zweite Aktton gegen die drohende Gewerkschaftskrise ein- geleitet, dienicht m inderscharfdurchgeführt werden wird alsdie vom 2. Vi ai. Die Reinigung der Nazibetriebszellen hat bereits begon- nen und erinnert stark an die Rossonikrise in Italien, die auch damals eine durchgreifende Neubesetzung der betrieb- lichen Vertrauensleute gebracht hat. Die fortwährenden Verhaftungen von nationalsozialistischen Betriebsfunk- tionären zeigen bereits, baß, wenn die Tysscn und Genossen es wünschen, auch gegenüber den eigen«» Pg.'s keinerlei Schonung geübt wird. Diese Oppositionsgruppen sollen gleich dem Marxismus vernichtet werden. Darüber hinaus aber hat jetzt Dr. Ley eine grundsätzliche Ncureglung der Befugnisse und eine scharfe Abgrenzung zwischen der Arbeitsfront und den NSVO.-Stellen verfügt. Die NSBO. soll nur noch die rein politische Propaganda in den Betrieben betreiben, dagegen sind ihr alle gewerk- schaftlichen Befugnisse aberkannt worden. Auch die be- sondere Beitragserhebung wird ausgehoben. Die Betriebs-- zelle darf also nicht mehr den Charakter einer betrieblichen Organisation haben, sondern wirb nur geduldet, so- weit sie sich auf die Tätigkeit einer Parteiwerbestellc betätigt. Alle Eingriffe in die Betriebswirtschaft sind ihr streng verboten. Man kann annehmen, daß damit die Be- triebszellen überhaupt in Kürze aufhören werden, die kapitalistischen Unterneh- mungen weiter zu beunruhigen. Uebrig bleibt nur die Arbeitsfront, die keine Ge- werkschaftsorganisation um der Arbeiter- -willen darstellt, sondern lediglich ein staat- liches Organ, zu dem die Arbeiter und An- ge st eilten in Form von Beiträgen eine Son- der steuertet st en. Diese Entwicklung innerhalb der faschistischen Gewerk- schaftsfront bestätigt die an dieser Stelle schon mehrfach aus- gesprochene Meinung, daß es im gegenwärtigen Stadium des Faschismus in Deutschland einen unpolitischen rein ge- werkschaftlichen Befreiungskampf nicht geben kann. Das große Ringen um die Wiedergewinnung gewerkschaftlicher Bewegungsfreiheit ist unlösbar verbunden mit dem sozio- listischen Entscheidungskampf der politischen Kräfte der Ar- beiterklasse. Revolution gegen Hitler ist Kampf um Sozialismus. man die gesamten Auzaaben für Sozialpolitik! Die Rassen- schwärmerei enthüllt sich als das antisoziale Prinzip i n R e i n k u l t u r. Wir behaupten: soziale Fürsorge für Schwangere und für Säuglinge, gesunde Wohnungen, ausreichende Ernährung, Erziehung in Licht und Luft sowie L ö h n e. die ein kulturgemätzes Dasein ermöglichen, — all das ist für die Gesundheit und die Hochwertigkeit der Bevölkerung hundertmal wichtiger und entscheidender als Zuchtungsvermerke nach ganz willkürlicher gerissener Bewertungen, deren Erfolg um so fragwürdiger ist, als die Gesetze der Vererbung noch keineswegs erforscht sind. Das Wohlfahrtsamt war keine„Brutstätte erblicher Minderwertigkeit", sondern es hat Millionen Boll- wertige davor bewahrt, in Verkümme- rung und Minderwertigkeit hinabzu- sinken. Freilich hat das Geld gekostet, Geld, für das zum großen Teil die Besitzenden aufkommen mußten, solange in der Demokratie die Arbeiterklasse Einfluß auf die Gesetzgebung hatte. Dieses Geld will der Kapitalismus jetzt, nachdem seine nationalsozialistischen Soldknechte ihm den Sieg erfochten haben, einsparen, einsparen durch„Rassezucht", die nichts kostet, die aber auch kein weiteres Resultat zufügen wird, als daß am Proletariat all die Verkümmerungserschei- nungen wieder eintreten werden, die nicht in erster Linie ein Produkt schlechter Zucht, sondern ein Produkt unerträglicher und unsozialer wirtschaftlicher Verhältnisse sind! Dieser Tage ist der sozialdemokratische Parteivorsitzendö Otto Wels 60 Jahre alt geworden. Die„Deutsche Freiheit" grüßt aus diesem Anlasse den Mann, dessen ganzes Leben ein Kampf für die Freiheit unseres Volkes gewesen ist. Seit Monaten lebt er im Exil, und jüngst hat er die höchste Auszeichnung erhalten, die Hitlerdeutschland zu vergeben hat: es wurde ihm die preußische Staatsangehörigkeit aber- kannt und ihm so vor der Welt bestätigt, daß er keinerlei Gemeinschaft mit den Göring und seinen Kumpanen hat. Für Deutschland und das deutsche Arbeitsvolk wird Otto Wels auch in der Verbannung kämpfen. Sein Wille ist unge- krochen, und seine Zuversicht unerschütterlich. Wir wissen, daß es nicht die Schuld von Otto Wels ist, wenn in den entscheidenden Tagen dieses Jahres manches versäumt wurde. Er ist nie dem Kampfe ausgewichen, auch dann nicht, wenn die Aussichten auf den Sieg recht ungewiß waren. Unvergessen bleibt die Stunde, als er sich im März-Reichs- tag inmitten der bewaffneten SA. und SS. gegen den sich allmächtig dttnkcndcn Reichskanzler erhob und fest und würdig die sozialdemokratischen Massen Deutschlands ver- trat. Mancher seiner vorlauten Kritiker würde die Nerven- kraft nicht zur Verfügung haben, die damals zu einer Kampf- rede notwendig war. Die„Deutsche Freiheit" wünscht dem nun 00jährigen Freund in Prag, daß sein Kampsruf bald als Siegesruf durch Deutschlands Straßen hallen möge: Freiheit! vi Jahre Zadifhaus Schreckensurteile in Bonn Wegen des„Feneriibersalts auf Nationalsozialisten" in S i e g b u r g in der Nacht zum Iii. Februar, wobei der SS.-Mann Müller getötet wurde, erhielten sechs Angeklagte Zuchthaus st rasen von 8 bis 12 Jahren. Nach dieser Meldung eines Nachrichtenbüros darf man die Gesamtzahl der verhängten Zuchthausjahre aus mindestens 60 beziffern. Was ist in jener Nacht in Siegburg geschehen'? Es waren, so schreibt man uns aus dem Rheinlande, die erregten Wochen des letzten Reichstagswahlkampses. Täglich stand in den Nazizeitungen, Braun und Severing hätten 2 Millionen Mark ge stöhlen. Da drehte eines Tages die sozialdemokratische„Rheinische Zeitung" in Köln den Spieß um und berichtete über die Schiebungen der Nazis Lahusen unter der Ueberschrift„Nazis stehlen i K M i l l t o n e n M a r k." Am Volkshaus in Sicgburg hing, wie jeden Tag, die Zeitung aus. Nazis drangen in das Haus ein und entfernten widerrechtlich das Blatt. Ein Gewerkschaftssekretär erneuerte den Aushang. Es kam die Polizei, und da es ohnehin in- zwischen dunkel geworden war, entfernten die Sozialdcmo- kraten um des lieben Friedens willen die Zeitung. Das Volkshaus wurde am späten Abend mit einer Wache von 10 Mann belegt, wie es damals allgemein für Partei- und Ge- werkschaftshäuser üblich war. Nationalsozialisten sammelten sich, je mehr die Nacht vorrückte, immer wieder vor dem Hause. Schließlich warfen sie mit Steinen auf das Haus und schössen. Fenster gingen in Trümmer. Die Wirtin rief Polizei zur Hilfe, aber sie kam nicht. Als die Angriffe stürmischer wurden, feuerte schließlich einer der Verteidiger aus die Nationalsozialisten. Er soll den SS.-Mann Müller tödlich verletzt haben. Die erste Verhandlung wurde nicht zu Ende geführt, weil der Gerichtsvorsitzende, ein Mann unter vielen Feiglingen, erklärte, unter dem Terror der SA. nicht weiter verhandeln zu können. Eine neue Verhandlung wurde angesetzt mit einem neuen Präsidenten, der jeden Tag von der Bericht- erstattung der nationalsozialistischen Presse gerühmt wurde. Obwohl Entlastungszcuginnen beeideten, gesehen zu haben, daß die Nationalsozialisten zuerst schössen, obwohl ein Schieß- sachverständiger die These vertrat, daß der getötete SS.» Mann von hinten erschossen worden sei, also durch einen Fehlschuß seiner eigenen Kameraden, erfolgte nun dieses Urteil. Es mußte verhängt werden. Die SA. und die SS. forderten ihre Rache. Nun haben sie diese Rache. Sechs An- geklagte werden für lange im Zuchthaus begraben, aber die ganze Stadt weiß, wo die wirkliche Schuld liegt, und für ewig wird sich das Nechtsgefühl nicht ertöten lassen. Nach einem späteren Bericht sind über die verurteilten sechs Angeklagten insgesamt 01 I a h r e Zuchthaus verhängt worden. Die zehn freigesprochenen Angeklagten wurden auf Antrag des Staatsanwaltes sofort in Schutzhaft genom- men. Man vergegenwärtige sich, was das für die Rechts- zustände in diesem Deutschland bedeutet. Wie selbst dieses Gericht feststellen mußte, sitzen diese Angeklagten nun seit sieben Monaten unschuldig in Haft. Man spricht sie frei und verhaftet sie sofort wieder für unabsehbare Zeit. So will es die SA., so geschieht es. Und eine Regierung mit solcher Justiz und solcher Vcrwaltungswillkür beklagt sich über „Greuelmärchen". Es scheint in Deutschland bei vielen das Gefühl dafür verloren gegangen zu sein, bah die Wirtschaft- liche Vernichtung von 10 unschuldigen Menschen, ihre un- absehbare Trennung von ihrer Familie, ihre unbegrenzte Haft und die Tatsache, baß es keinerlei Bcschwerbeverfahren gegen solche Zustände gibt, in der ganzen Welt als barbarische Greuel wirken müssen. vie sdiwedisdie Sozialdemokratie Die Mitgltederzahl der sozialdemokratischen Partei Schwe- denâ zeigt für Ende 1032 ein weiteres Wachstum in allen Teilen des Landes. Am 1. Januar 1033 zählte die Partei die größte Mitgliederzahl in ihrer Geschichte, nämlich 312 703 Mitglieder, die sich auf 10S7 Lokalorganisationcn verteilen. Tie Zunahme betrug also für 1032 16 201 Mitglieder und 220 Lokalorganisationcn. Das größte Wachstum zeigt Stockholm(2631 neue Mit- gliedert und der Bezirk Skane(2637 neue Mitglieder und 27 neue Gruppen). Gerade in diesem Bezirk haben die schwedi- scheu Nazis ihre größten Bemühungen unternommen und war daher der Abwehrkampf der Sozialisten am schärfsten. Dieser Bezirk ist auch absolut der stärkste Partcibczirk, er umsaßt 62 612 Mitglieder. Stockholm steht mit S6S05, an zweiter Stelle. Erfreuliche Fortschritte waren aber auch in Bezirken zu verzeichnen, die bisher organisatorisch nicht sehr weit ent- wickelt waren. Bon der Gesamtmitglieberzahl der Partei waren am 1. Januar 1033 42 ISö Frauen. Die Zahl der arbeitslosen Par, teimitglieder betrug 83270. Hinter dem Rflcken des Hohen Völkerbundskommissars Brauner Terror in Danzig Konzentrationslager- Hunderte von Sdiutzhäf Hingen- Und der Völkerbund? p E Unter den Augen des Völkerbundskommissars Rössing fTänemarkj konnte die Naziregierung Rauschuiug in Danzig mit Hilfe ihrer Gerichte und ihrer braunen Armee die Danziger Gewerkschaften, Arbeiterbank und sozialdemo- kratische„Volksstimme" enteignen. War das schon ein klarer Vruch der internationalen Verträge, auf denen die unmög» liche Konstruktion des heutigen Danzig beruht, so sind die persönlichen Verfolgungen der Danziger Bevölkerung, soweit sie sich nicht zu den Nazis bekennt, eine dauernde Verletzung der Autorität des Hohen Kommissars und damit des Völkerbundes und der Signatarstaaten des Statuts der„freien Stadt". Weil dem so ist. werden in Danzig nur die grossen Ver» brechen an der Arbetterbevölkerung vor der Nase des Hohen Kommissars begangen, der sie als„innere Angelegenheiten der Selbstverwaltung" hinnimmt, während die meisten grau- sameu„kleinen" Fälle geistigen und körperlichen Terrors zartfühlend bei Rössings Abwesenheit aus Dienstreisen durchgeführt werden. Kommt er dann wieder nach Tanzig urück, dann kräht kein Hahn mehr nach den ohne Urteil 'ingekerkerten, nach den furchtbar Misshaudelten— und das Weltgewtsseu kann ruhig weiter schlafen. Die„großen" Fälle der gesetzwidrigen Verhaftungen, wie z. B. der Volks- tagsabgeordneten Artur Brill und Eduard Schmidt, sind durch öffentliche Verhandlungen bekannt. Daß aber Hunderte von Arbeitern und Funktionären der Arbeiterbewegung in den Gefängnissen fitzen, dass sie genau wie in Deutschland geschunden und geprügelt werden, das muss ebenfalls laut und hartnäckig der Welt und den Re, giernngen im Bölkerbundsrat in die Ohren geschrien werden! Nimmt man einzig die Woche vom 22. bis 20. August als Stichprobe, so ergibt sich folgende„Schuhhast"°Liste: Gewerk- schaftssekretär Karl Töpfer wegen Veröffentlichung von„An- griffen auf die nationalsozialistische Bewegung" in der Zeit- schrift„Gewerkschastskampf": Arbeiter Bernharb Steinhart aus Zoppot wegen Zuruf„Heil Moskau" an SA.-Leute, Monteur Wille Reindanz Monteur Hans Luskowski, Schlosser Heinrich Liedtke wegen Singen des Horst-Wessel- Liebes mit anderem Text,' Maurer Franz Tuske wegen „staatsgefährlicher Aeußerungen" in einer Wirtschaft? Schlosser Paul Hoffmann, weil er im Verdacht(!) steht.„Hetzschriften verteilt zu haben? Kriminalassistent Körner, Schutz- hast um vier Wochen verlängert wegen Fortbestehens der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Ter Polizeibericht vom 28. August meldet allein 30 Verhaftungen ohne Angabe von Namen, darunter 21 in Schutzhast, wovon wieder 12 wegen Vergehens gegen das Pressegesetz. Zu diesen 20 Ein- gekerkerten in einer Woche, die aber nur einen Teil der wirk- lichen erfolgten Verhaftungen darstellen, kommen in der gleichen Zeit noch zahlreiche Fälle wie diese: Am 23. August wurde in Schidlitz ein sozialdemokratischer Arbeiter abends ans der Strasse von einem Trupp von 30 SA.-Leuten angehalten, verprügelt und in Schutzhaft ver- schleppt. Am 28. August riegelte eine Kolonne von 10 SA.- Leuten abends 10 Uhr eine Strasse ab und nahm Haussuchung bei einem SP.-Funktionär vor, der entsetzlich zugerichtet wurde. Die Aktion wurde bis 1.30 Uhr nachts ausgedehnt, ohne dass Polizei dagegen einschritt. Es handelt sich dabei um eine alltägliche Erscheinung, da die SA. sich längst für Haussuchungen mit den stets erfolgten schweren Mißhandlungen alle Polizeigewalt angeeignet hat. wogegen die Polizei ab- solut machtlos ist. Aus Angst vor angedrohten Repressalien verweigern die Betroffenen stets jede nähere Auskunft. Die durchweg neu eingesetzten Amtsvorsteher wurden am 28. August durch Senatsvizepräsident Greiser vereidigt als „Amtsvorsteher eines nationalsozialistischen Staates". Wört- lich führte Greiser aus:„Ihre Aufgabe ist es, auf dem Laude für Ausrottung der alten Idee zu sorgen. In einem halben Jahre darf es auf dem Lande diese alten Ideen und Marxis- mus nicht mehr geben. Ich sanktioniere in dieser Richtung alle Ihre Massnahmen!" Und nun soll der Wechsel im Hohen Kommissariat zum letzten Schritt der völligen Gleichschaltung ausgenutzt werden: Die Naziregierung hat aus dem Festungsgelände Weichsel» münde alle Einrichtungen getroffen für die Unterbringung von„Schutzhäftlingen" in Form eines enormen Konzen- trationslagers, das mehrere Tausend Personen fassen kann. Das Lager soll sofort nach der Abreise des jetzigen Hohen Kommissars in Benutzung genommen werden, damit auch diese schwerste Vertragsverletzung als vollendete Tatsache vom neuen Kommissar bei dessen Ankunft stillschweigend an- erkannt werde. Die Wahl des peuen Kommissa^rs, die auf der Tagesordnung des Völkerbundsrates im September steht, muß von den Siguatarstaaten des Danziger Statuts su. a. England und Frankreich als ständige RatS- Mitglieder) unbedingt zum Anlaß genommen werden, um reale Garantien gegen den Terror im Völkerbundsstaat Danzig zu schaffen- Auch muß aus der Zahl der augcnblick- lich genannten 8 Kandidaten unbedingt eine starke Person» lichkeit mit der Nationalität einer Grossmacht zum Hohen Kommissar gewählt werden, die der gequälten Bevölkerung Danzigs einen sicheren Schutz gegen jeden Terror bieten kann. BRIEFKASTEN ?»pe» Sie schreiben uns:„Besonders wohltuend habe ich es empfunden, daß ich vorige Woche bei einer Reise nach Lstende und England fast überall die„Deutsche Freiheit" lausen konnte. Auf Schiff und Eisenbahn kann man die interessantesten Bekannt- schaften machen, wenn man offen die„Freiheit" mit sich führt."— Ihr Aussatz wird erscheinen. Gruß an Eupen-Malmedy! Wir fühlen uns unseren Freunden dort eng verbunden. Dias Ecke. Ihre kleinen Geschichten werden wir mit kleinen Acnderungen gerne bringen. St. Gallen, jetzt Paris. Der lange Brief Ist angekommen. Wir werden eine» Teil davon verwenden. T., Straßburg. Wir haben gelesen, daß Herr I. uns in einigen Zeitungen zu der„Emigrantenpressc" zählt, die jeden Tag iHosf- vungen auf den baldigen Sturz der Hitlerregierung erweckt. Oft genug stand bei uns das Gegenteil. Wir nehmen nicht an, daß unsere Leser aus jeder SA.-Meuterei schon den lintergang des „dritten Reiches" schließen. Wir bereiten uns und andere auf lange Kämpfe vor. Umsobcsser, wenn es anders kommen sollte. H. B., AnverS. Die„Deutsche Freiheit" kostet für Schweden für ei» viertel Jahr 7,80 Kr., dazu Porto 5,10 Kr., zusammen 12,90 Kr. Gruß. Luxemburg. Ernst Heilmann hat juristische Bildung(Referendar». Da ihm als Juden und Sozialisten die juristisch« Lausbahn im Kaiserlichen Deutschland verschlossen wurde, widmete er sich de« Journalismus. Er wurde einer der besten sozialistischen Redakteure und Parlamcntsberichterstatter. Politisch stand er in der Partei immer„rechts". Im Kriege trat er, auch durch die eigene Tat, sür die Landesverteidigung ein. In den Parlamenten war er ein von den Nazis gefürchtet« Debatter. Luzer«. Sie teilen uns mit: Letzte Woche, im Zug Zürich-Luzern, las Herr E. aus Zürich die„Freiheit". Ihnen gegenüber saß ein Herr, der den„Vülk. Beobachter" hervornahm. Kurz vor Luzern sagte der Httler-Freund zu E.:„Wollen Sie nicht einmal meine Zeitung lesen?" E. antwortete:„Ich finde ja doch nicht barin, was ich suche?"„Ra„ was suchen Sie denn?" E. antwortete:„Die Todesanzeige von Hitler!" Einige Schweizer, die die Antwort hörten, sagten: bravo, dem hänt Sies gut gä..." Der Nazi war dann schnell sort. N. G., Norwegen. Sie brauchen sich wegen kleiner grammathischer Fehler im Deutschen nicht zu entschuldigen. Ihr«rief war sehr gut zu lesen. Di- Hauptsache ist, daß Sie unser Blatt lesen können und es Ihnen so gut gefällt. Wir verfolgen die Politik der nordi- schcn Demokratie aufmerksam. Ihre Länder haben das Glück, nicht im Herzstück des von Kriegs, und Nachkriegsunhetl verwüsteten Europas zu liegen. Darum sind sie gesund geblieben. Ihr Brief schließt:„Heil! Nicht Hitler, sondern der deutschen Demokratie Heil!" Amen. W., Bern. Sie fragen nach der Zusammensetzung deî Banken- enqucte-Ausschusses. Er sieht so aus: Vom Bankenkonsortium der Reichsbank Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Reichsbankvizepräsident Treyse, Geh. Finanzrat Dr. Friedrich, Staatssekretär Reinhardt, Staatssekretär Posse und Reichskommissar für das Bankgewerbe Dr Ernst, serner Beauftragte des Reichskanzlers sür Wirtschaft»- fragen, Keppler, Staatssekretär Feder, Präsident des Statistischen Rcichsamts Dr. Reichardt, Ministerialdirektor Dr.«lien lDresdent. Regierender Bürgermeister Krogmann lvamburgj, Handelskammerpräsident und Treuhänder der Arbeit Dr. Luer lJranksurt a. M.t, Tomänenpächter Herbert Backe(Berlin), Generaldirektor Dr. Bögler lDortmundj. Bon revolutionärem Geist, wie Sie sehen, keine Spur. H. W., Liverpool. Sie übersenden uns mit einem Begleitbrief einen Aufsatz in der„Kölnischen Zeitung", der den Tod des einstigen Separatistenfllhrers Teckers in Aachen behandelt. Er ist im Exil gestorben. Die„Kölnische Zeitung" rühmt die Bevölkerung, die damals— 1923— Aachen von dem Terror der Separatisten befreit hat. Das Blatt wagt in der Feigheit seiner Gleichschaltung nicht daran zu erinnern, daß dieser Kampf gegen die Separatisten von den Gewerkschaften und ihren„Bonzen" geführt worden ist. Das, nicht die heutigen Nazis, war„die Bevölkerung", an die von der„Kölnischen Zettung" rühmend erinnert wird. Und nun? Sie, die Sie vor 10 Jahren ihr Leben sür Deutschland einsetzten, wie vorher vier Jahre im Krieg, leben im Elend der Emigration, und ein Teil Jhrek Mitkämpfer ist im Konzentrationslager! Sie hoben ei» Tanktelegramm von Stresemann? Ach, der kann froh sein, daß er rechtzeitig gestorben ist. Dem wäre es, um in der Sprache des neuen Deutschland zu reden,„dreckig" ergangen. Der Herr Reichskanzler hätte sich dann wohl vor die zerschlagene und zertrampelte Leiche gestellt und hätte achselzuckend gesagt:„Schick- sal!" Tie„Kölnische Zeitung" aber, einst SIresemanns Fanfaren» bläserin, hätte das alles gut und recht und deutsch gefunden. Dennoch, alter Freund, dennoch 38. E. Paris Für die Uebersendung des Drillzettel«„Jeder SA.» Mann muß wissen" danken wir Ihnen. Glossieren wir ihn im Augenblick nicht: wir legen ihn als Material zurück. Br. E. E. Brüssel. Nach unseren bisherigen Ersahrungen möchten wir den Ausruf nicht veröffentlichen. Wir können von hier aus nicht beurteilen, wer zu solchen Lrganisationsbemühungen„be- rufen" und wer„unberuscn" ist. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH.. Saarbrücken 3, Schützenstraße 5. îestçaUesdimst' nach deutschem Ritus. Orgel. Chor PREDIGTEN IN DEUTSCHER SPRACHE Jlauscfihaschonoh und Jauut ftippuc 1933 im würdigen Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré, Paris 8 am 20., 21., 22., 29. und 30. Septemtec 1933 Karten gültig für alle 7 Gottesdienste 25,— bis 100,— Fr. Vorverkauf bei: Durand S. Co., 4, Place de la Madeleine. La Boite à Muiique, 133, Boulevard Raspail. Agence Cook, 118, Avenue des Champs Elysies und im Saal Pleyel, 252, Faubourg St. Honoré Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STSPM-IEXDggSS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8 (Nike Plan Cliehy) Téléphoo: Europe60.10 ICabeUdretM: Sternes.Pari, Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1—3 mal wöchentlich nach Paris-Riviera und den Iranz. Provinz-Städten; dadurch ermäßigte Fracht Lagerung Verpackung Versicherung Agenturen in allen Stödten Deutschlands und Zentral-Europas Beste Reterenzen von deutschen Industriellen, journalisten, Anwälten u. 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