Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 80— 1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 21. Sept. 1933 Chefredakteur: M. Braun Man vernichtete die Griechen durch Griechen. Nun zerstört man die Deutschen durch Deutsche. Es finden sich Niederträchtige genug. Doch vielleicht ist nur in der Zerstörung Hoffnung. Seume. Der Wdlsfn gegen DeolMhM Die Dlodiade der dealsdien Wirlsdiafl durdi die Sdiold der Hasardeure des„dritten Kelches Deutsches Sdifdisal London» SV. Sept. Ans einer Konserenz, die in Cam- bridge stattfand, erklärte Sir Arthur Samuel, Mitglied des Unterhauses und ehemaliger Staatssekretär der Finanzen: „Es ist unwahrscheinlich, daß Deutschland nach den Ersah- rungen, die wir mit dem Transser-Moratorium gemacht haben, noch Zeit unseres Lebens Geld in England, Frank- reich oder den Bereinigten Staaten aufnehmen kann. Deutschland muß seinen eigenen Hilfsquellen «ud seinem Schicksal überlassen werden." Die Einkreisung Der Weltboykott gegen Deutschland setzt sich allmählich überall mit einer starken Vehemenz durch. Es ist ein Irrtum, wenn behauptet wird, daß die Boykottstimmung abgeflaut ist. Gewiß, die Wirkungen sind nicht sofort zu spüren. Weder im Ausland noch gar in Deutschland selbst. Die Zeitungen im Reich dürfen nichts davon schreiben, daß der 1. April, der Judenboykott, Deutschland für S Milliarden Aus- laudsaufträgegekostethat: sie dürsen ihren Lesern nicht mitteilen, daß es keinen Pelzhandcl in Leipzig mehr gibt, daß innerhalb von 14 Tagen der ganze Handel von Rußland und Kanada über Paris und London geleitet wurde und der Umsatzentgang für den Lammfellhandel 7SV000 Pfund, für den Edelpelzhandel fast 8 Millionen Pfund be- trägt, daß Hamburg kein Welthafen mehr ist, weil das Aus- land keine deutschen Spediteure mehr in Anspruch nimmt, sondern lieber über Gdingen transportiert, daß S Millionen Registertonnen auf Transporte warten und die Passagier- dampf« zu 60 Prozent eingestellt sind, daß ausländische Frachten nicht mehr der deutschen Reichsbahn anvertraut werden, wodurch im Monat Mai schon 17,5 Millionen Mark Frachtausfall entstanden, daß die deutsche Industrie heute über viele st o r n i e r t e Auslandsaufträge verfügt, daß sie das restliche Rohmaterial aufarbeitet und die Fertigfabrikate zu Schleuderpreisen im Ausland anbietet, daß die inner- deutsche Kaufkraft infolge des sinkenden Lohnniveaus ständig abnimmt und daß von manchen nicht einmal mehr die Kar- toffeln und die Mehlsuppe, die infolge der Lebensmittel- Autarkie in Teutschland Mehrheitökost wurden, gekauft wer- den können. Die Anstrengungen, die man in Teutschland macht, um Devisen hereinzubekommen und sich durch sie die notwendigen Rohstoffe zu beschaffen, sind fantastisch. Die Schleuderpreise sollen die ausländischen Kunden locken. Hamburger«pcdl- teure bieten heute schon E i s e n b a h n t a r i s e an, die eben- so billig wie die Wassertarife sind. Die noch Vorhände- nen Fertigfabrikate kann man durchschnittlich nm 30 Prozent unter dem Weltmarktpreis kaufen. Wie lange? Bis sich das Ausland gegen das Dumping wehrt oder Zieste aufnimmt. Und dann? Man muß sich persönlich davon überzeugt haben, wie tief schon der Boykott de«tscher Waren und Arbeit bis in das kleinste Nest eindringt, um zu wissen, welch furchtbarer Schlag gegen das Deutschland von heute gestthrt wird. Ob in Spanien oder Griechenland, in Ungarn oder Rumä- nien, von Frankreich. England und Amerika ganz zu schwei- gen. in Polen, Jugoslawien oder der Tschechoslowakei, über- all ist von der Bevölkerung mit dem Boykott begonnen wor- den. Es gibt Kinder, die sich scheuten, einen Bleistift deutschen Fabrikats zu kaufen. Ich habe es in einem kleinen Ort der Slowakei erlebt, daß die Leute für viele Artikel lieber mehr bezahlen, als die billigeren deutschen Waren zu nehmen, daß man nicht nur nichts kauft, was deutschen Ursprungs ist, sondern daß man sich auch weigert, die eigenen Produkte an Deutsche zu verkaufen. Man will nichts mit einem Land zu tun haben, das alles, was es an Geist und an Kultur be- saß, ausstößt und es durch Ungeist, Roheit und Brutalität, mit einem nationalen Mäntelchen umhüllt, ersetzt. Auch mit gefälschten Export- und Arbeitslosenzisfern läßt sich die wirt- fchaftliche Katastrophe nicht aufhalten. Dabei spielt die W ä h- rungsfrage, die innere Inflation, die geringste Rolle Sie ist nur Begleiterscheinung, die zu Preiserhöhun- gen im Inland führt, ohne daß mit den Löhnen Schritt ge- halten werben kann. Die zweite W-ltblockade, die jetzt gegen Deutschland ge- führt wird, hat eine abermalige Unabhängigmachung von vielen deutschen Produkten, die bisher das Ausland im- portieren mußte, zur Folge. So macht sich Amerika von den JG.-Farben unabhängig. So erstehen in der Tschechoslowakei Bleistiftfabriken. In Budapest, Wien und Prag beginnt man mit der Film- Produktion in erhöhtem Maße, da deutsche Filme vom Publikum sabotiert werden. Landwirtschaftliche Maschinen- fabriken und Elektrizitätswerke baut man in Spanien und Rumänien. Die Lünderbehörden unterstützen die Neu- schafsungen eigener Industrien, helfen, den deutschen Handel nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell zu schneiden. Schon einmal hat man In Deutschland erlebt, was es heißt, auf sich allein angewiesen zu sein. Man weiß noch genau, wie der Hanger wütete, wie die Ersatzwaren nicht genügten» die allernotwendigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei war die wirtschaftliche Lage damals noch um vieles besser als heute. Keine Millionenheere von Ar- beitslosen standen herum. Die Fabriken arbeiteten noch mit Hochdruck. Nun wird Deutschland vom Ausland zur Autarkie ge- zwungen werden. Man verzichtet auf den Export nach Deutschland freiwillig. Herr Hitler und seine Freunde können sich zu diesem„Erfolg" gratulieren. Er bringt die Gefahr des Untergangs des Reiches, das sie vorgeben, so heiß zu lieben. DaS betrogene Volk aber wird vielleicht zu spät erkennen, baß es auf Schwindler hereingefallen ist. Wenn Herr Hitler denkt, durch Beschäftigung d' deutschen Rüstungsindustrie der autarkischen Wirtschaft Auftrieb ver- leihen zu können, so wird er bald eines Besseren belehrt werden. Mit welchem Geld will er Rohstoffe kaufen? Die innere Inflation bedeutet doch nur ein Hinguszögern des Zusammenbruchs, und das Ausland nimmt vorläufig nur deshalb keine Kenntnis vom Notendruck, weil es hofft, seine in Deutschland investierten Gelder doch irgendwie noch retten zu können. Es ist osfensichtlich, baß die verantwortlichen Stellen in Deutschland wieder einmal die ganze Welt in die Schranken fordern. Diesmal nicht mit den Waffen in der Hand, sondern mit der bedeutend gefährlicheren Waffe der Wirtschaft. Hasardeure können kein gewagteres Spiel treiben, als es jetzt die Hitler, Göbbels, Göring und Konsorten tun. Be- laden mit der Verantwortung für ein 60-Millionen-Volk, das sie in wenigen Wochen in der Welt unmöglich machten, wollen sie ihren Willen um jeden Preis durchsetzen. Sie haben den Boykott gegen Zivilisation upd Kultur in Szene gesetzt, nun müssen sie den Boykott für Zivilisation und Kultur über sich ergehen lassen, nun müssen sie mit ihrer „Autarkie" und ihrem Terror einen Verzweiflungskampf kämpfen, dessen furchtbare Kosten leider vom deutschen Volke getragen werden. Keine Steuersenkung! Der hochkapitalistische Generalrat der Wirtschast ist in Berlin zusammengetreten. Das Reichskabinett hat ihm Bor, schlüge über wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen unterbreitet, die offensichtlich auf neue Massenbe» l a st u n g e n hinauslaufen. Die nationalsozialistische Presse hat bis in die letzten Tage von Steuersenkungen, namentlich für die Hauszinsstener fantasiert. Nun wird amtlich erklärt» daß alle Meldungen über„Steuer- senkunge« und dergleichen in vollem Um« fange unrichtig sind." Es feie« aber„Steuer, k o r r e k t« r e n" nicht ausgeschlossen. Diese„Korrekturen" können natürlich auch nach oben gehen. Der Hauptzweck des Gesamtplanes sei Arbeitsbeschaffung, organische Zinssenkung und grundsätzliche Sanierung der Gemeindefinanzen. Vor- sichtig wird hinzugefügt, natürlich könne„nicht von heute ans morgen" Acnderung geschaffen werden. Alles in allem: Die in der Agitation immer angepriesene« Wunderrczepte fehlen. Das Regime bedeutet Einschränkungen und Belastungen auf der ganzen Linie, ohne daß auch nur der Schimmer von Aussicht auf Besserung vorhanden wäre. 5o setzen sie ans! Die Wirtschaftsberater des„Volkskanzlers" Der in Berlin zusammentretende„Generalrat der Wirt, schast", der Deutschland dem nationalen Sozialismus ent» gegenführen soll, ist wie folgt zusammengesetzt: S Großindustrielle» davon S Vertreter industrieller Roh- stossmonopole» 4 Rankiers, 2 Großagrariern und dem Herrn Ley, dem„Führer der deutschen Arbeitsfront", der bis vor mehreren Jahren in dem größten Chemietrust Deutschlands» der JG.» Farben-Jndustrie, tätig war und bei seinem Austritt hoch abgesunden wurde. Die Großindustriellen verteilen sich aus 2 Vertreter des Stahloereins» 1 Vertreter des Krnpp-Konzerns, 1 Vertreter der Maximilianshütte sPfalzf 1 Vertreter des Siemens-Konzerns» 1 Vertreter des Kalikapitals, 1 Vertreter des ReedereikapitalS, 2 Vertreter des verarbeitenden Industriekapitals. Unter de» 16 Mitgliedern befinden sich: der Bankier und Staatskommissar Reinhart mit»8 AussichtsratSposten der Schwerindustrielle Thyssen„ 81„ der Schmerindustrielle Bögler„26„ der Bankier von Finck„18„ der Elektro-Großindustrielle Siemens„11„ und schließlich Herr Krupp von Bohle« und Halbach, der Kanonentönig Deutschlands. Das„Krebsgeschwiir Die Zersetzung in Hessen- Wilde Drohungen „Der Polizeidirektor von Offenbach teilt mit:„In den letzten Tagen wnrden in Offenbach von unverantwortlicher Seite Gerüchte über angebliche Vorgänge in Hessen vee» breitet, die in ihrer Aufmachung frei erfunden sind und geeignet sind, eine Beunruhigung hervorzurufen. Ich mache daraus aufmerksam, daß ich rücksichtslos und ohne An» sehen der Person, ihres Alters, ihres Ge- schlechts und ihrer Stellung im öffentlichen Leben gegen diejenigen vorgehen werde, die derartige Ge, rüchte weiterverbreiten. Ich werde nicht dulden, daß sich das Krebsgeschwür ein er zersetzenden Ge- rüchte m acherei, die von feindlicher Seite ausgeht und von denjenigen, die ohne Stänkereien nicht leben zu können glauben, weiterverbreitet werden, ausbreitet. Personen, die anch nur im entferntesten an der Weitergabe solcher Ge- rüchte sich beteiligen, werden, selbst, wenn diese Personen den Zusatz machen sollten, daß sie selbst nicht an diese Ge- rüchte glaubten, sofort festgenommen und in das K o n z e n, trationslager übergeführt werde«. Auch aus lang- jährige Parteiangehörigkeit oder die Bekleidung einer Amtswalterstelle wird in diesem Falle von mir keine Rücksicht genommen werden, da alle Partei» genossen oder Amtswalter, welche sich an diesen Schwätzereien beteiligen, beweisen, daß sie trotz ihrer lang- jährigen Parteizugehörigkeit und trotz ihrer Amtswalter» tätigkeit noch nicht die nötige Reise besitzen, sonst müßten sie die Schädlichkeit derartiger Schwätzereien für die Bewegung erkennen: solche Schwätzer bedürfen daher dringend der Er» ziehung durch das Konzentrationslager." Die Pressestelle der Polizeidirektion gibt hierzu bekannt, daß bereits gestern auf Anordnung des Herrn Polizei, direktors eine der Personen, die sich an solchen Schwätzereieu beteiligte, der Helmut M ü l l m e r st a d t, der seit 1981 Mit» glied der NSDAP, ist, verhastet wurde. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Diese aufgeregte Kundgebung bestätigt die Zuverlässigkeit der Berichte, die wir aus besonderer Quelle über Hesse» veröffentlichen konnten. Filr Rüstungskontrolle! lebhafte Beratungen- Annaherungen und Gegensätze Paris amiltdi Paris, 20. Sept. In einer Havasanslassung wird er- klärt, dab der amerikanische Standpunkt in der Kontrollsrage durch die gestrigen Verhandlungen mit Norman Davis keine Aendernng erfahren habe» daß er aber dem französischen Standpunkt ziemlich nahestehe»nd daß nnr Meinungsver- schiedenheiten über die Durchführungsbestimmungen bestlln- den. Die französischen Forderungen auf Kontrollgleichheit und Sanktionen stieben anf die entschiedene Ablehnung. Nor- man Davis werde Ende der Woche nach Gens reisen. Er ge- denke, sich dort mit dem italienischen und dem deutschen De- legationsführer z« besprechen. ver Eindruck in London Paris, 20. Sept. Der„Temp s" schreibt: Die ersten französisch-britischen Besprechungen, die am Montag in Paris stattgefunden haben, sind hier ziemlich gün- stig aufgenommen worden. Man erwartete nicht eine sofor- tige Einigung, aber während einige die Lage als gespannt ansehen, beurteilen andere die Ausfichten auf eine Verständigung als durchaus ernsthaft, nur bedürfte sie einiger Zeit. Unterstaatssekretär Eden kommt Dienstag nach London, um die britische Regierung über die Lage auf dem laufenden zu halten, und man sagt, daß die Darlegungen, die man ihm am Montag auf dem Quai d'Orsay mitgeteilt hat, auf ihn einen sichtbaren Eindruck gemacht haben. Es ist die Rede von einem Ministerrat, der sich am Mittwoch in der Downing- Street versammeln wird, um ausschließlich über die Ab- rüstungsfrage zu beraten. Die Klarheit und der Freimut, mit denen am Montag die französische Politik vertreten wurde, hat die englischen" Regierungskreise wie die öffentliche Meinung fühlbar be- eindruckt. Die Idee einer Vermittlerrolle der englischen Re- gierung im Hinblick auf eine Versöhnung der französischen und der deutschen These über die Abrüstung, eine Idee, die im Augenblick der Rückkehr Macdonalds nach London auftauchte, hat viel an Boden verloren. An ihre Stelle tritt der Gebanke eines Kompromisses zwischen dem englischen Standpunkt, der sich auf den britischen Abrüstungs- plan stützt, und dem französischen Standpunkt, der die Ver- tagung jeder Abrüstung verlangt, bis die Probezeit einer internationalen und wirksamen Kontrolle abgelaufen ist. Die britische öffentliche Meinung ist sich fast einig in der An- erkennung des Standpunkts, daß die Abrüstung, die vielleicht zu Beginn der Konferenz und selbst noch, nachdem der bri- tische Plan auftauchte, annehmbar war, praktisch unmöglich geworden ist angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung. Diese Meinung findet sich in fast allen Zeitungen, selbst in solchen, die bisher für eine Abrüstung nm jeden Preis ein- traten. Sie findet sich in dem„Times" und im„Daily Tele- graph"", ebenso wie in der liberalen„News Chronicle". Die„M o rning P o st", das konservative Blatt, erklärt wieder, daß alle Diskussionen über die Abrüstung müßig seien und schlägt sogar vor, die englische Flotte zu ver- mehren. In allgemeinen Wendungen gibt man der Hoff- nung Ausdruck, daß es immerhin gelingen könne, ein Weit- rüsten zu vermeiden, wenn man die Rüstungen auf ihren gegenwärtigen Umfang begrenze. Schließlich ergeht sich das Organ der Arbeiterpartei, der „Daily Herald", der weiterhin die These der sofor- tigen und unbedingten Abrüstung aufrechterhält, in folgenden Betrachtungen: „Die gestern gemachten französischen Vorschläge führen geradewegs zu einem Scheitern der Konferenz. Sie be- zeichnen tatsächlich die endgültige Aufgabe jedes Ver- suchs, für eine längere Zeitdauer die Rüstungen zu ver- mindern. Sie verwandelten die Abrüstungskonferenz in ein Instrument, das keinen anderen Zweck hat, als die militärischen Klauseln des Vertrages von Versailles zu verschärfen." Das Blatt macht sogar die Randbemerkung, daß Frank- reich drohe, die Konferenz zum Scheitern zu bringen. französisch-italienische Annäherung Paris, 20. Sept. Pertinax macht in einem Nachsatz zu seinem heutigen Leitartikel folgende interessante Mitteilung: „In später Stunde erfahre» wir, dab die Annäherung der französischen und italienischen These in der Ab- rüstungsfrage dadurch möglich geworden sein soll, daß Italien seine Meinung über den Punkt geändert hat, der die„Prototypen" sMnstertypenj der dem Deutschen Reich durch den Vertrag von Versailles verbotenen Waffen betrifft. Italien soll nicht mehr daraus bestehen, für Deutschland das Recht zu fordern, diese„Prototypen" zu besitzen." General von Metzsch In einem am Dienstag gehaltenen Rundfunkvortrag sagte der Generalleutnant von Metzsch u. a.: „... Wir sind weder sähig noch gewillt»«ns in daS Wettrüsten einzuschalten, das jetzt unter den hochgerttstetcn Mächten wieder einsetzt. Aber wir sind ent» schlössen» der vertragswidrigen Unsicher» heit endlich ein Ende zn machen, zu der uns das frankophile Europa«nd seine gerüste» ten Freunde verdammen wollen. Die Gefahr von Genf liegt nicht in der vermeintlichen Schnldfrage am Scheitern, mit der uns selbstverständlich die Konserenz gegebenenfalls zu bedrohen versuchen wird. Die Gefahr liegt einzig und allein in der tatsächlichen Rttstungslage, mit der die Umwelt unter dem Schutz von Gens unsere Existenz je länger um so mehr bedroht. Es ist nicht Deutschlands Schuld, wenn es sich derGefahr vonGcns aus eine andere Weise erwehren muß, als ihm lieb wäre." Kontrolle zur Beschränkung der Entwicklung der Militär- strettmacht eines Landes, aber nicht etwa in dem Sinne, als ob man ein Land endgültig und vollständig zur Ohnmacht zwingen könne. Gewiß hänge die Wirksamkeit einer Kon- trolle von dem guten Willen des Landes ab, wo sie vor- genommen werben solle- Die Kontrolle werde außerordent- lich schwierig in einem Staat, der es darauf anlege, alles zu verstecken. Die politische Entwicklung in Deutschland werde die Kon- trolle natürlich nicht erleichtern, aber im Gegensatz z» der im Friedensvertrag vorgeschriebenen Kontrolle würde ein freiwilliges Abkommen über die Einführung der Kontrolle den Vorzug haben, daß ein Verstoß hiergegen die Miß- billigung der gesamten ösfcntlichen Meinung der Welt her- aufbeschwöre» würde, was für das Land, das sich auf es« solches Abenteuer einlasse, eine offenkundige Gefahr sei. Eine Kontrolle müsse natürlich an Ort und Stelle vorge- kommen werden, und zwar ständig. Darunter verstehe er nicht, daß sie Tag und Nacht vorgenommen werben solle, aber nicht lediglich auf ein Beschwerde hin, sondern die Kontroll- kommission, die in Genf sitzen würbe, müßte jederzeit das Recht haben, eine Kontrollhanblung vorzunehmen. Wenn man erst auf Verfehlungen warte, würde man Gefahr lausen, mit der Kontrolle zu spät zu kommen. Der Beschluß, in einem Lande, das verdächtig sei, eine Kontrolle vorzunehmen, würde unter den letztgenannten Umständen auch als eine Sanktion aufgefaßt werden, die die öffentliche Meinung des betreffenden Landes wahrscheinlich nicht hinnehmen würde. General Rollet erläutert dann, wie die frühere Inter- alliierte Kontrollkommission fuktionterte, und erklärte, daß auch jetzt drei Kontrollgebiete in Frage kämen, nämlich Ist- Bestünde, Rüstungen und Befestigungen. Was die Befestigungen betreffe, so sei wenig zu verstecken. Die Rüstungskontrolle sei verhältnismäßig einfach für die vor- handenen Vorräte, aber hier müsse man die industrielle Leistungsfähigkeit eines Landes mit in Rechnung stellen. Am bedeutsamsten und auch schwierigsten sei die Kontrolle der Ist-Bestände, und hier müsse man die budgetären Ausgabe« genau nachprüfen. Schließlich äußert sich General Rollet«b«r den Wert der Kontrolle als Garantie. Er bezeichnet sie als eine Ga- rantie. aber nicht als eine absolute Garantie. Gegenwärtig sei die Kontrolle vielleicht die einzige Garantie, die geeignet sei, eine Lösung des Problems der Beschränkung der Rüstungen mit sich zu bringen. Er wünsche diese Lösung sehr. Ein Krieg auf der Basis desjenigen, den man beinahe fünf Jahre lang führte, würde den Ruin der gesamten europäischen Zivilisation zur sicheren Folge haben. Daher müsse die Abrüstungskonferenz zum Ziele führen. Die vollkommen absolute Garantie, die schon jetzt eine große Abrüstung erlauben würde, wäre die Einführung d er internationalen Streitmacht, die die französische Regierung so oft gefordert habe. Audi die TOrkei! Paris, 20. Sept. Nach einer im„Matin" veröffentlichten Meldung der Agentur Sud-Est soll die türkische Völker- bundsbelegation nach Nachrichten aus Ankara die Absicht hoben, während der nächsten Tagung die Genehmigung zur Erhöhung der türkischen Militärstreitkräfte nach österreichi- schem Beispiel zu beantragen. Die Vertreter der Türkei wür- den zur Unterstützung ihrer These heranziehen, daß die jetzi- gen türkischen Streikräfte nicht ausreichen, um gegen den Kommunismus zu kämpfen, der in der ganzen Türkei gegen» wärtig große Fortschritte zu verzeichnen habe. » „Times" meldet aus Tokio: Die elf Kadetten, die der Mittäterschaft bei der Ermordung des Ministerpräsidenten Jnukai im Mai 1932 und anderer Terrorakte beschuldigt waren, wurden zu je vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorsitzende des Kriegsgerichts hob bei der Urteilsverkün- dung hervor, daß die Beweggründe der Angeklagten nicht unehrenhaft gewesen seien. Aber die Verletzung der mill, tärischen Vorschriften sei ein schweres Vergehen. * In der Stadt N e u y o r k befinden sich zur Zeit 80 000 Ar» bciter im Ausstand. Oer RtidislagsproieO in London Generai Nolle! Paris, 20. Sept. Der„Excelsior" veröffentlicht ein langes Interview des ehemaligen Leiters der Interalliierten Kon- trollkommission, des französischen Generals Rollet, der sich sozusagen als Sachverständiger über die gegenwärtigen Kon- trollmögltchkeiten und über die Kontrolle als SicherheitS- faktor äußert. Einleitend bejaht Rollet die Wirksamkeit einer Elena Dlmilrowno Ober ihren Bruder Es erscheint nach der Vernehmung des kommunistischen Fraktionssekretärs Kühne die Schwester Dimitroffs, Elena Dimitrowa. Ihre Aussage, die in einer überzeugenden Form vorgetragen wurde, machte auf die Journalisten und Zu- Hörer einey sehr starken Eindruck. Sir Stafford Cripps forderte sie auf, einen kurzen Uebcrblick der Entwicklung ihres Bruders zu geben. Dimitrowa: Nach dem Aufstand der bulgarischen Ar- better und Bauern im Herbst 1023, die sich gegen die saschisti- sche Machtergreifung richtete, mußte er in die Emigration gehen, weil er nicht mehr in Bulgarien arbeiten konnte. Cripps fragte, ob Dimitrosf etwas mit dem Sofioter Attentat auf die Kathedrale zu tun hatte. Di m it row, a verneint, daß Dimitroff und die anderen Angeklagten irgend etwas damit zu tun hatten. Das Atten- tat auf die Sofioter Kathedrale sei eine faschistische Provo- kation gewesen. Sie verweise auf die Broschüre, die ihr Bruder 2'/- Monate vor dem Kathedralc-Attcntat gegen den individuellen Terror geschrieben hat. Sie zittert bann einen Artikel Dimitroffs, der sich gleichfalls gegen den individu- ellen Terror wendet und der kurze Zeit vor dem Sofioter Attentat erschien. Dimitrowa betont nochmals, daß weder ihr Bruder noch Popoff und Taneff etwas mit dem Kathedrale-Attentat zu tun hatten. Trotzdem die Faschisten jeden Vorwand suchten, um Dimitroff einzukerkern, konnte man weder ihn noch seine Freunde wegen des Kathedrale-Attentats anklagen und ver- urteilen. Cripps: War Ihr Bruder Angeklagter wegen des Attentats? Dimitrowa: Nein. Cripps: Kannten Sie Taneff persönlich? Dimitrowa: Ja, einige Jahre lang. Er ist Kommunist. CrtppS: Wie steht er zum individuellen Terror? Dimitrowa: Genau wie Dimitroff. CrippS: Spricht Taneff deutsch? Hatte er etwas mit dem Attentat aus die Sofioter Kathedrale zu tun? Dimitrowa: Taneff spricht nicht deutsch und hatte auch nichts mit dem Attentat zu tun. Es ist nicht denkbar, daß er in irgendwelcher Verbindung— erklärt Dimitrowa weiter— mit der KPD. und ihrer Arbeit stand. Dimitrowa betont nochmals, baß niemals Dimitroffs Namen in Verbindung mit dem Sofioter Attentat in Bulgarien genannt worden ist. Sogar die bulgarischen Faschisten haben ihn niemals des- wegen angeklagt. Sie habe zum ersten Male in deutschen Zeitungen gelesen, daß die drei Verhafteten damit in Ver- bindung gebracht wurden. Dimitrowa erzählt, daß einer ihrer Brüder 192ö in einem bulgarischen Gefängnis er- mordet worden sei. Ihre alte Mutter in Bulgarien fürchte jetzt, ihren zweiten Sohn zu verlieren. Auf eine Frage Bergerys verweist sie auf ein Inter- view im„Manchester Guardian", in dem der ehemalige bul- garische Lanbwirtschaftsminister Todoroff sagte, baß er, ob- gleich er ein politischer Gegner Dimitroffs sei, ihn für einen sehr anständigen Menschen halte, der nicht fähig sei, eine solch« Tat, wie die Reichstagsbrandstiftung, zu begehen. nie politlsdie Persönlichkeit Dlmtlrofis Als nächster Zeuge wurde Zwijitsch, ein Kroate aus Jugoslawien, aufgerufen. Er kennt Dimitroff seit 1023 und war bis 3 Stunden vor dem Reichstagsbrand in München mit ihm zusammen. Zwijitsch schildert die politische Persönlichkeit Dimitroffs, der Mitglied der Exekutive der Kommunistischen Interna- tionale und der Roten Gewerkschaits-Jnternationale sowie der Exekutive der Anti-Jmperialistischen Liga war. Dimi- troff wurde zum Theoretiker und politischen Führer in den Kämpfen der Arbeiter, Bauern und nationalrevolutionären Minderheiten in allen Balkanländern. Er ist beliebt und ge- schätzt von den Werktätigen des Balkans, für deren gemein- same Kämpfe er eintrat und geachtet in den Reihen seiner politischen Gegner. Cripps: Glauben Sie, daß Dimitrosf den individuellen Terror billigen würbe? Zwijitsch: Das Charakteristischste für Dimitroff ist sein unzerstörbarer Glaube an den Sieg des Massenkampfes. Es gibt selten eine Persönlichkeit, die so viele Beispiele des Kampfes gegen den idividuellen Terror gegeben hat wie Dimitroff. Zwijitsch liefert dafür viele Beweise auS der praktischen Tätigkeit Dimitroffs und nennt zahlreiche Ar- tikel aus Dimitroffs Feder. Dimitroffs Alibi Nachdem er Dimitroff als scharfen politischen Gegner der politischen Provokationen gezeichnet hatte, erzählte Zwijitsch, daß er Ende Januar mit Dimitroff in Wien zusammen war. Vom 10. bis 18. Februar nahm er mit Dimitroff an einer gemeinsamen Konferenz der Kommunistischen Partei Jta- liens und Jugoslawiens, auf der die italienisch-jugoslawische Spannung besprochen wurde, in München teil. Damals war Dimitroff bei einem Zahnarzt Brachwitz am Karlsplatz in München in Zahnbehandlung. Dimitroff befand sich dann wieder vom 9. bis 13. Februar in Wien. Am 20. Februar morgens traf er mit dem Zug aus Berlin zu einer neuen jugoslawischen Konferenz ein, die am 27. Februar in München stattfand. Am 2 0. und 27. Februar war Zwijitsch un- unterbrochen mit Dimitroff zusammen. Zwi» jitsch gibt genau die Namen des Hotels und der verschiedenen Cafes an, in denen er sich gemeinsam mit Dimitroff in jenen Tagen aufhielt. Dimitroff war wieder in Behandlung des Zahnarztes. Im Cafe am Dom stellte er Dimitroff eine Amerikanerin Pauline Harvey vor, die sich bereit er» klärt hat, Dimitroffs Alibi vor dem Leipziger Reichsgericht zu bezeugen. D' e Beratungen in München waren am 2 7. Februar, abends zwischen 0 und 7 Uhr, beendet, undetwaeineStundevordemReichs- tagsbrand, um 8 Uhr abends, ist Dimitroff von München nach Berlin abgereist. Als sich Dimitroff wenige Stunden von München entfernt auf der Äahn befand, meldete das Radio den Reichstagsbrand. Das Verhör Auf eine Frage antwortete der Zeuge, daß sich Dimitroff in Berlin mit der Frage der Arbeiterbewegung auf dem Balkan befaßte, daß er weder Mitglied der KPD. war, noch in irgend welcher aktiven Verbindung mit ihr stand. Es sei deshalb undenkbar, daß er sich irgendwann einmal öffentlich mit Torgler in einem Lokal getroffen haben könne. Hays: Was hat Dimitroff nach dem Reichstagsbrand getan? Zeuge: Er wollte seine Arbeiten über den Balkan in Berlin fortsetzen, obwohl ihm Freunde geraten haben, wegen der Razzien Deutschland zu verlassen. Erst aus den ZeitungS- Meldungen vom 20. März war ersichtlich, baß man ihn, Popoff und Taneff mit dem Reichstagsbrand in Verbin- dung brachte. Es ist undenkbar, daß— wenn man Dimitroff für un- schuldig hält— Popoff und Taneff schuldig sein können. Tie waren Dimitroffs politische Schüler und fast täglich mit ihm zusammen, hatten dieselben langjährigen politischen Er- fahrungen und waren schärfste Gegner des individuellen Terrors. AbsdiluOs Am Montagabend gegen 0 Uhr verkündete der Vorsitzende des Londoner Gegenprozesses Cripps den vorläufigen Ab- schluß der Beweisaufnahme in öffentlicher Untersuchung über den 27. Februar 1933. Die Mitglieder des Unter- suchungs-Ausschusses werben nun die Beweisaufnahme über- prüfen. Am Mittwochabend wird der Urteilsspruch deS Ge- genprozesses der Weltöffentlichkeit übergeben werden. Görings Blutgesetz gefallen Das mit soviel Aufsehen angekündigte Göringsche Anti« terror-Gesetz, welches für die geringsten politischen Delikte die Todesstrafe vorsah, wird von Hitler wegen des Ein- sprnches der Reichsinstanzen nicht unterzeichnet werden. * Die Höhe der schwebenden Schuld des Dentsche« Reiches betrug am 31. August d. I. 2019,4 Millionen RM. gegen 2008 Millionen RM. am 31. Juli d. I. Der Umlauf an Steuergutscheinen belies sich zum gleichen Zeitpunkt ans 911,0 Millionen RM. gegen 817,8 Millionen RM. am 31. Juli. Denkschrift iiber Saar-Terror Die Saar-Sozialdemokratie an den Völkerbundsrat Der Gong nadi Genf Saarbrücken, 20. September 1933. Wir hören noch den wüsten Lärm, den die Nazi- presse auch an der Saar früher anstimmte, wenn vom Völkerbund die Rede war. Damals war der Gang nach Genf„Landesverrat". Aber nur damals— feit- dem hat sich das grundlegend geändert! Am Montag, dem 11. September 1933, schrieb selbst das offizielle Saar- Nazi-Blatt, die„Saar-Front", hoffnungsvoll über das Mekka der Nationen:„Dieser Umstand und das Ver- trauen auf die Einsicht der übrigen an dem Abrüstung?- problem interessierten Mächte gibt Deutschland auch heute noch das Recht, den Verhandlungen in Genf nicht ohne Hoffnung entgegenzusehen." Das ist nach der früheren wie stets phrasenhaften Terminologie des Nationalsozialismus glatter Landesverrat aber f o ändern sich die Zeiten! Wir verwundern uns darüber ebensowenig, wie über den immer noch nicht erfolgten Austritt Hitler-Deutfch» lands aus dem Völkerbund feit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus(dessen Weg zur Macht, das darf nie vergessen werden, über das Hintertürchen des Reichspräsidentenpalais führte!). Wir wußten immer, daß der Nationalsozialismus noch zu ganz anderen Felonie-Stückchen fähig ist, als zu der alltäglich gewor- denen Tatsache, seit vierzehn Iahren in agitatorischer und demagogischer Skrupellosigkeit verkündete Programm- punkte im Augenblick der Aufgabe der obstruktionellen Opposition auf dem Dunghaufen der gebrochenen Ver- sprechungen, Eide, Schwüre und feierlichster Versiche- rungen zurückzulassen. Also ist der Gang nach Genf auch für die National- sozialisten sacrosankt— soweit sie ihn s e l b st unter- nehmen. Für uns Marxisten bleibt er selbstverständlich „nationale Unzuverlässigkeit". Das wird uns allerdings ebensowenig stören, wie ein evtl. neues Gezeter kommu- nistifcher Führer über angeblichen„Klassenverrat"— trotz Herrn Litwinoffs ununterbrochener Genf-Besuche und Nichtangrifss- und Freundschaftspakte mit kapitalistischen Staaten(die übrigens einen semer größten außenpoli- tischen Erfolge darstellen und für die er Herrn Hitler noch feinen Dank abzustatten hat!) Unser Gang nach Gens war notwendig ge- worden. Es ließe sich heute bereits ein anständiges Braunbuch über die Summe der Terrormaßnahmen -gegen die Freiheit der Saar schreiben— aber das Furcht- barste läßt sich überhaupt im Rahmen einer Petition gar nicht dartun: Die ungeheuren seelischen Qualen und Folterungen, denen die einfachen nichtgleichgeschalteten Leute des Saarkampfes alltäglich und allstündlich seitens der außerordentlichen Macht- und Gewaltmittel des National- fozialismus ausgesetzt sind. Man muß es selbst mit- erlebt haben, wenn ein solch braver Soldat der Freiheit die Quälereien und Leiden, die sortgesetzten Nadelstiche und Diffamierungen mit zornerstickter Stimme dem Manne seines Vertrauens, zitternd vor Wut und Empörung, widergibt! Man muß dabei gewesen sein, wie solch kampferprobten Funktionären des Sozialismus und der freien Gewerkschaften die Tränen der Erbitte- rung vor soviel schreiender Ungerechtigkeit und Häufung der Aechtungs- und Verfemungsverfuche in die Augen treten— man vergißt das nie wieder und begreift, wie ein einziger Schrei nach Sühne die Herzen erhärtet! Wir müssen uns frei von überschweng« lichen Hoffnungen auf den Völkerbund. Wir kennen ihn zu genau als die Quersumme, als die Diagonale, als das Kompromiß einer Reihe von Kräften, die im diplomatischen Spiel miteinander ringen und ab- wägen. Wix wissen, daß Gott und der Saarbrücken, den 20. September 1933. Tie Sozialdemokratische Partei des Saar» g e b i e t e s hat durch ihren Landesvorstaud eine Eingabe an den Bölkerbnndsrat gerichtet, in welcher sie sich vor allem über den Terror, de» Boykott, die 8er» s e m« n g und die A e ch t»« g der nichtgleich» geschalteten Presse des Saargebietes, insbe- sondere der„B o l k s st i m m e" und der„Deutschen Freiheit", beschwert. Ausgehend von 8 81 Abs. 1 des Saar statuts, der dem Völkerbundsrat die Wahrung einer freie« und unbeeinflustten Meinungsbildung an der Saar als Ausgabe stellt, weist die Denkschrift daraus hin, daß von einer unbeeinflustten Meinungsfreiheit an der Saar nur dann die Rede sein kann, wenn bereits der heutige politische Meinungskamps unbehindert und ohne Terror vor sich gehen kann. Wörtlich sagt dann die Denkschrift: „Wenige Monate erst währt das nationalsozialistische Regime in Deutschland, aber der dadurch hcransbeschwo» rene Kampf gegen die Andersdenkenden an der Saar hat bereits erschreckende Formen angenommen. Die freiheitliche Presse wird boykottiert, der einzelne terro» rifiert. Eine Welle des Hasses und der brutalen Versol, gung hat eingesetzt, auf die einzelnen, insbesondere in bezng ans die Presse, aufmerksam zu machen Sinn und Zweck der Eingabe ist." Es folgt dann eine Schilderung der Boykott- und Aech« tungsmastnahmen gegen die„B o l k s st i m m e" und die „Deutsche Freiheit", angefangen bei den Wirtschaft- lichen Boykott- und Aechtnngömastnahmen kommunaler Behörden(Stadt Saarbrücken und andere) und auf» hörend bei den Mastnahmen selbst gegen die ein- zelnen Bezieher der Blätter. Räch Auszählung und Belegung der einzelnen terroristischen usw. Mastnahmen stellt dann die Denkschrift ausdrücklich fest, dast trotz dieser ungeheuerlichen Eingrisse in die Pressefreiheit die gleichgeschaltete, von Hitler abhängige Presse an der Saar nicht nur niemals dagegen Stellung genommen, sondern zum Teil den Terror durch ausdrückliche Zustimmung verschärst hat und dast weder derBerein deutscherZeitungs» Verleger an der Saar, noch der Verein der Saar» presse, beides gleichgeschaltete Organisationen, sich gegen diese Beschränkung der Pressefreiheit durch ihre eigenen Gesinnungsgenossen gewandt haben. Die Denkschrift verbreitet sich dann noch über die D i s s a» m i e r u n g s m a st n a h m e n der n a t i o n a l s o z i a l i» ft i s ch e n Seite gegen die politischen und ge- werkschastlichen Führer des nichtgleich- geschalteten Teiles der S a arbevölkerung und stellt fest, dast sie in der Lage ist, durch ein noch detail- lierteres Material den lückenlosen Nachweis zu erbringen, dast die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit an der Saar gerade von der Seite her beeinträchtigt werden, die als Ablenkungsmanöver gegenüber ihrem beständig steigenden Terror„Haltet den Dieb!" schreit. „Demgegenüber", so schliestt die Denkschrift, „stehen wir lediglich in der Abwehr. Wir erklären feierlichst, dast wir nie daran ge- dacht haben,irgend jemanden wegen seiner Stellungnahme in der Abstimmungsfrage usw. zu disfamieren und zu ächten. Es wird von uns als selbstverständlich hingenommen, dast gewisse Bevölkerungskreise eine von unserer politischen Meinung abweichende Stellung einnehmen. Wir kennen keine Totalitätsansprüche a us politischem Ge- biet und bekämpfen sie. Dagegen hat der vom Hitler- regime proklamierte Totalitätsansprnch des deutschen Staates auch das Saargebiet ergriffen und bedroht jeden, der eine andere Meinung vertritt, mit der Vernichtung." Die Denkschrift schliestt dann mit dem Hinweis darauf, dast der Saar noch massivere Angrisse des nationalsozialistischen Terrors bevorstehen, als sie Oesterreich bis jetzt mit durchgemacht hat, was dem VölkerbundSrat besondere Wahrung seiner sich aus dem Saarstatut ergebenden Pflichten an der Saar auferlegt. Neue Kopfprämie auf Hax Braun Die Hitler-Schergen arbeiten überall Saarbrücken, 29. September. In Nr. 230 der Forbacher„Neuesten Nachrichten" wird folgender Tatbestand sestgestellt: Dem Auslandsdeutschen Jean Kiesser aus Apach in Lothringen wurden von dem preußischen Gendarm Oberg ans Tünsdorf(Regierungsbezirk Trier), dem Lehrer Spaden aus Büsch dors und dem Lehrer Etgcs aus Tünsdorf sechstausend Mark Prämie versprochen, wenn er bei der„Ermittlung" des sozialdemokratischen SaarsührerS Max«raun sich betätigen wolle. Kiesser stammt aus der Heimat dieser hitlerdeutschen Beamten, geriet ober schließlich mit ihnen in Aus» einandcrsetzungen und der Hitler-Gendarm versuchte, ihn noch ans französischem Boden zu verhasten! Es gelang aber dem betreffenden Kiesser, sich loszumachen und die Angelegenheit zur Anzeige zu bringen. Die Forbacher „Neuesten Nachrichten" kündigen für ihre nächste Nnmmcr Näheres über den Vorfall an. Die beamteten Hitler-Helden haben sich auch sonst sehr„anständig" ausgeführt, sowohl mit ihren Bc- schimpsungen der Lothringer wie mit ihrem Versuch, das Fahrrad des betreffenden Kiesser mit über die Grenze zu schleppen. Die Forbacher„Neuesten Nachrichten" beschließen ihren Artikel mit solgender Rc- merkung:„Dast es sich hierbei um systematisch arbeitende Hitler-Schergen handelt, unterliegt keinem Zweifel mehr... Die gesamte Bevölkerung hiesiger Gegend ist lebhaft empört über diese Frechheit." Völkerbund dem am meisten helfen, der sich s e l b st h i l s t! Wir geben uns darüber keinen Illusionen hin, welch immerhin zweitrangige Rolle die Saar- frage bei den diesmaligen Genfer Fragen(Abrüstung und Oesterreich) noch spielen wird— — aber werden nicht einen Augenblick locker lassen, das Gewissen des Völkerbundes in seiner Saarfrage hellhörig zu machen und die öffentliche Weltmeinung für die Freiheit eines deutschen Volksteiles zu erwärmen, der das Glück hat, noch außerhalb der schreckhaften Geschehnisse des Haken- Kreuzzuchthauses, genannt„drittes Reich", z u sein und der n i ch t s w e i t e r w i l l, als daß er n i ch t den Henkern und Massenschlächtern eines Systems aus- geliefert wird, die nicht nur unser geliebtes Vater- land vergewaltigen, sondern Verbrechen auf Verbrechen häufen und gegen die das Weltgericht von London ein Verdammungsurteil aus- gesprochen hat, das allein genügen müßte, um den Aufstand Europas gegen den absurden Ge- d a n k e n zu mobilisieren, es könnten noch andere als die innerhalb der heutigen Hitlergrenzen lebenden Deutschen diesen Amokläufern ausgeliefert m K r h i> rt! M. B Zeitungsschreiber Herausforderung zu einem Greuelprozeß In einer der täglichen Schimpfereien, die die„Saar- brücker Zeitung" gegen uns veröffentlicht» zeiht uns das Blatt der Lüge. Wir und mit uns taufende Gefolterte und Reraubte suchen schon lange nach einer Gelegenheit, durch eidliche Aussagen vor Gericht nachzuweisen, was in Deutschland vorgegangen ist und sich noch ereignet. Wir erklären zu den Anwürfen der„Saarbrücker Zeitung": Die Redaktion der„Saarbrücker Zeitung", die eben erst ihre Lügenhaftigkeit durch die Veröffentlichung gefälschter Berichte über den Sanf-Mord Mehrling-Muchow bewiesen hat, unterschlägt alle Berichte über politische Folterungen und politische Morde im Reiche. Die Herren find bewnstt Knechte eines Systems, dessen Anhänger mit dem Blute von taufenden Volksgenossen besudelt find. Jeder anständige«n- abhängige Journalist hat die Pflicht, um Deutschlands willen gegen die Schändung der deutschen Nation durch die Ans- schreitungen der SA. und der SS. sich z» wehren. Die„Saarbrücker Zeitung" gibt vor, überzeugt zu sein, dast es im Reiche weder politische Folterungen noch Mord noch Raub im Zuge der sogenannten nationalen Revolution ge- geben hat. Wir werfen ihr vor, dast sie das wider besseres Wissen in genauer Kenntnis furchtbarer Ausschreitungen be- hauptet. Wird uns nun die„Saarbrücker Zeitung" vor Ge- richt ziehen, damit wir hundert Zengen für die Hitlerschande und für die Verlogenheit der„Saarbrücker Zeitung" aus- marschieren lassen können? Wir erwarten Antwort nnd hos- sen, dast sie lauten wird: Die Klage gegen die„Deutsche Freiheit" ist eingereicht. Nazis in Danzig Juden dürfen nicht belästigt werden Zu der Unterzeichnung des Danzig-polnischen Hafenproto- kolls gibt die Pressestelle des Danziger Senats eine Mit- teilung aus, in der darauf hingewiesen wird, daß die pol- Nische Regierung die Verpflichtung übernommen hat, eine Verminderung des gegenwärtig über den Danziger Hafen gehenden Verkehrs zu verhindern. Dem Danziger Hafen soll in Zukunft ferner nach Möglichkeit eine gleiche Beteiligung am seewärtigen Verkehr gewährt werden. In der Zeit vom 1. Oktober 1033 bis 30. September 1031 müssen bestimmte Mengen gewisser in einer besonderen Liste ent- haltenen Waren im Danziger Hasen umgeschlagen werden. Tritt bei dem Verkehr dieser Waren eine Verminderung ein, die nicht durch Zunahme einer anderen Ware ausge- glichen wird, so werden die beiden Regierungen über die Möglichkeit(!) eines Ausgleichs verhandeln. Beide Regie- rungen werden innerhalb ihrer Zuständigkeit nnd ihres finanziellen Leistungsvermögens Mastnahmen zur Senkung der Umschlagskosten im Danziger Hasen treffen, um den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Hinterlandes zu ent- sprechen, um dem Danziger Hafen zu ermöglichen, dem Wett- bewerb anderer Häfen zu begegnen. Eine paritätische Kom- Mission wird vierteljährlich über die Verkehrsentwicklung berichten. Die Danziger Regierung, so heißt es in dem Kommunique, weist erneut daraus hin, dast die jüdischen«aufleute im Danziger Hasen bei ihrer geschäftlichen Betätigung volle Freiheit haben und dast diese Freiheit nicht angetastet oder beschränkt werden wird. Oesterreldi gegen Emigranten Die Regierung Dollfutz führt offiziell einen erbitterten Kampf gegen die Hitlerregierung. Das hindert sie aber nicht, zugleich in einer höchst merkwürdigen Weise gegen die Opfer des Hitlerregimes Stellung zu nehmen. Die in Prag ansässigen Flüchtlingskomitees haben in letzter Zeit«ine Anzahl von Flüchtlingen, die nach der Schweiz, nach Frankreich bzw. Jugoslawien gehen wollten, mit Reisegeld bis Linz und einem Empfehlungsschreiben an das dortige Komitee ausgestattet, um auf diese Weise eine Verbilliguug der Ausgaben herbeizuführen, da in Prag sich das größte Flüchtliugszentrum befindet und die Mittel hierfür kaum noch beschafft werden können. Die Flüchtlingskomitecs glaub- ten umsomehr, auf das Entgegenkommen der österreichischen Behörden rechnen zu können, als österreichische Staatsange- hörige, die wegen der politischen Spannung zwischen Deutsch- land und Oesterreich aus Deutschland ausgewiesen, sich in Prag aufhielten, von den Flüchtlingskomitees in entgegen- kommender Weise wochen-, zum Teil monatelang unterstützt worden sind. Abor die österreichische Regierung hat dieses Entgegenkommen privater Organisationen dadurch entgolten, daß sie auch den Flüchtlingen, die mit ordnungsgemäßen Reisepässen ausgestattet waren, die Einreise verweigert hat und diese zum Teil nach Prag zurückkamen, zum Teil ver- suchten, illegal durch Oesterreich zu kommen. flbonn erf die Deutsche Freiheit Reichsnährstand" Experimente zur Markt- Und die Verbraucher? . Seit zwei Monaten ist Herr Darre Reichsernährungsmini- ster. Irgendwo im deutschen Westen haben ihm die Bauern bereits ein steinernes Denkmal gesetzt, aber an praktischen Leistungen hat er ihnen bisher nicht viel mehr gegeben als das Verbot der falschen Operette vom„fidelen Bauer". Alles klebrige waren Reden, nichts als Reden, daß nun die große Stunde der deutschen Vauernbefreiung gekommen sei. Jetzt hat Darre in einer Pressekonferenz in Berlin Mit- Ölungen über seine„Vorarbeiten" zur Durchführung des ständischen Aufbaues in der Landwirtschast gemacht. Es soll ein„Reichsnährstand" geschaffen werden, der auf einem umfangreichen neuen Organisationsapparat beruhen soll. An der Spitze steht ein Reichsbauernführer und daneben wirb ein„Stabsamt" geschaffen. Diesem Stabsamt wiederum wirb ein„ReichSbauernrat" beigegeben. Hinzu treten verschiedene Verwaltungskörper mit mehreren Haupt- und Nebenabteilungen. Es ist nicht ganz leicht, sich durch den Wirrwarr von„Reichsbauerntag",„Lanbesbaucrnschaf- ten, Landesbauernräten",„Landcsbauerntagen" und„Kreis- bauernichastcn" hindurchzuwinbcn, die alle auf dem Führer- prinzip unter Bestätigung durch Darre aufgebaut werden sollen. Nicht minder unklar ist die Begründung. Hier kehren alle nationalsozialistischen Klischeeworte wieder. Die Bauern stnk die„Blutguelle des beutsö'en Volkes",' der Landwirt dürfe nicht mehr Untcrnebmer im geschäftlichen Sinne sein, sondern„Ernährer", der für seine Arbeit auskömmliche, gc- rechte Preise erhalten solle. Im zweiten Teil des Gesetzes über den ständischen Aufbau ti-s Bauernstandes sind Maßnahmen zur Markt- und Preisregulierung für landwirtschakt- liche Erzeugnisse zusammengefaßt worden. Es werben zunächst von Oktober 1933 bis Juni 1934 Festpreise für Weizen und Roggen geschaffen. Die Preise reichen bei Roggen von 147,- bis 165,— Mark, bei Weizen von 182,— bis 195,— Mark, wobei die Preise im Osten, Westen und Süden noch besonders ausgerichtet wer- den sollen. Mit diesen Maßnabmen soll, wie Herr Darre sagt, ein entscheidender Schritt zur„Befreiung des Bauern von der Marktabhängigkeit und zur Herauslösung der Bauern- wirtichast aus der kapitalistischen Wirtschaft" erfolgen. Gleich- zeitig will man das Tpekulantentum bekämpfen, indem man zunächst das Termingeschäft für Weizen und Roggen, das an den beiden Börsen Berlin und Breslau erlaubt mar, mit sofortiger Wirkung verbietet. » Wer schülzl die Verbraucher? Die von Darre festgelegten Getreidepreise sind, wie ein Vergleich ergibt, nicht höher als die gegenwärtig im allge- meinen geltenden und zu erwartenden Marktpreise. Der lei- und Preisregulierung- tende Gedanke dieser Maßnahme liegt darin, die Bauern dazu zu bringen, in diesem Herbst nicht mehr Getreide anzu- bauen, als im Herbst 1932. Herr Darre nennt das„Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle". Diese Politik ist jedoch ganz auf die Interessen der Groß- gctreideproduktion des o st elbischen Groß- grundbesitzertums zugeschnitten und der für sie nütz- lichen Preisgestaltung. Gibt es Festpreise für Roggen undWei- zen, so werden ganz automatisch auch die P r e i s e für andere landwirtschaftliche Produkte auf dem Markt fixiert werden müssen. Vor allem im deutschen We- sten spielt für das Kleinbauerntum der Getreideanbau eine viel geringere Rolle als Vieh- und Milchwirtschaft und höher qualifizierte landwirtschaftliche Erzeugung. Wie aber steht es mit den Verbrauchern, die zuletzt die vorgeschriebenen Preise bezahlen müssen? Schon jetzt geht das Lohneinkom- men erheblich zrriick. Arbeitsstreckung und eine Serie von früher unbekannten Abgaben verringern es mehr und mehr. Gleichzeitig aber sinkt auch die Kaufkraft des Lohnes infolge der Verteuerung grundlegender Lebensmittel wie Fette usw. Kurz, die Schaffung von auskömmlichen Preisen für die Er- zcuger muß jede verantwortungsbewußte Regierung vor das Problem stellen, auch auskömmliche Löhne für die Arbeiterschaft zu sichern. Aber soweit reichen vermutlich die Befugnisse des Herrn Darre nicht. König über Löhne und Tarife sind Herr Thyssen und seine Synbici. Für sie ist die Stunde da, in der sich die Unterstützung des Nationalsozialismus rentieren muß. Die Gewerkschaften sind vernichtet, die Widerstandskraft der Ar- beiterklasse ist nahezu erloschen. Der Darresche„Reichsnähr- stand" wird, falls er die Bauern„nährt", eine Besserung der Ernährung und eine Steigerung der Lebenshaltung des ge- samten deutschen Volkes bestimmt nicht erreichen. Hohe Gelreideprelse Der Vorstand der Frankfurter Börse, Abteilung Getreide, teilt in einem Anschlag an der Börse folgendes mit:„Der Vorstand hält sich für verpflichtet, alle beteiligten Kreise, also Mühlen, Genossenschaften und Handel ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, baß nach der Neuordnung Brotgetreide im Großhandel unter den amtlich no- tierten Preisen sowobl innerhalb wie außer- halb der Börse nicht verkaust, gekauft und nicht angeboten werden soll. Es gilt dies auch für Geschäfte aus entfernten Gebieten. Im Falle von Zuwider- Handlungen haben die Beteiligten mit sehr unangenehmen Folgen zu rechnen." «Dem luden geschieht nichts" Er muß nur auswandern! In Hamburg besteht ein Institut für Schiffs- und Tropenkrankhciten. Aerzte werden hier in beson- deren Kursen für die Aufgaben geschult, die sich aus der Praxis bei der Behandlung von Seuchen aus exotischen Krankheiten ergeben. Ein beutscher Arzt wandte sich vor zwei Monaten an die Leitung des Instituts mit einer Rückfrage über die Besuchs» bedingungen. Er erhielt folgendes Schreiben: Institut für Schiffs- und Tropcnkrankheiten. Betr. Kuröanfrage. Hamburg 4, den... Juli 1938. Bernharb-Hocht-Ttraße 74. Fernsprecher: 421321. Zum Nr.. schreiben vom Auf Ihr gefälliges Schreiben vom... Mai b. I.— daS aus besonderen Gründen leider erst heute beantwortet werden kann— teile ich Ihnen ergebenst mit, daß der nächste Kursus über exotische Pathologie und medizinische Parasitologic hier in der Zeit vom 2. Oktober bis 16. De- zcmber d. I. abgehalten wirb. Das Kurshonorar beträgt 250 RM. Ein Prospekt ist beigefügt. Ein Arbeitsplatz am Institut kann nicht so ohne weiteres zur Verfügung gestellt werden, sondern bedarf der vor- herigen Genehmigung der hamburgischen Gesundheitsbe- Hörde. Sie müßten dann evtl. ein entsprechendes Gesuch schreiben. .103 VON Inda!" Ausgenommen die jüdischen Banken Der Nationalsozialistische Lehrerbund. Kreis Neidenburg, veranstaltete einen antisemitischen Propagandamonat in 89 Dörfern des Kreises. 22 Redner hatten sich freiwillig ge- meldet, um diesen„Aufklärungsfeldzug" zu unternehmen. Ueber 15 006 Besucher werden von Naziseite genannt, daS seien 75 Prozent der Bevölkerung. Die gleichgeschaltete„Allenstciner Zeitung" schreibt dazu, daß die Aufklärung äußerst not tat: denn es sei doch erst vielen dadurch ein Licht aufgegangen, wie jüdische Habgier, Gemeinheit und Lüge das deutsche Volk in den Abgrund ge- bracht haben. Der Jude sei s/cmdrassig und könne deshalb nie deutsch fühlen und nie deutsch handeln. Ueberall habe sich der einmütige Wille gezeigt: Los von Judas„Unser Geld gehört nur in deutsche Häuser". Und Hitlers Geld in jüdische Bankhäuser. Denn nur die Kleinen hängt man... Die Anleihe der deutschen Reichspost in Höhe von 156 Millionen kann bei folgenden jüdischen Banken gezeichnet werden: S. Bleichröder, Lazard, Speyer-Elliffen, Mendelsohn & Co., Jacob S. H. Stern, Simon Hirschland, Loncoln. Menny. Oppenheimer, M. M. Warburg& Co., A. Levy. Der Antisemitismus wird abgestoppt— vor den jüdischen Banken. Nichtarische Aerzte haben den beifolgen- den Revers zu unterzeichnen. Falls Tie an diesem Kursus teilzunehmen wünschen, kann Ihre Anmeldung schon jetzt erfolgen, jedoch nach Möglich- keit spätestens 14 Tage vor Beginn des Kursus. Hochachtungsvoll Der B e r w a l t u n g s o b e r i n sp e k t o r gez.: sUnterschrifts. Diesem Brief war ein Revers folgenden Inhalts beigefügt: Ich»erpslichte mich, nach Abschluß des Kurses im In- stitut für Schiffs- und Tropenkrankheiten anSzuwan, der» und meine im Kursus gesammelte« Kenntnisse»« r im Auslände zn verwerten. Dieser Revers spricht für sich selbst. Jüdische Aerzte dürfen sich gegen entsprechende Bezahlung ausbilden lassen. Aber sie werden, wenn sie ihre Kenntnisse verwerten wollen, zur Auswanderung ins Ausland gezwungen. Sie sollen auf deutschem Boden oder auf deutschen Schissen arischen Kollege» keine Konkurrenz machen. Wie nannte Herr v. Neurath jüngst das Vorgehen der Hitler-Regierung gegen die Juden?„Wiederherstellung von Recht und Gesetz", so sagte er wörtlich. Wie dieses Exempel zeigt. Wo bleib! der Rassenwarl? Her mit den arischen Bedürfnishäuschen! In Nr. 255 des„Duisburg-Hamborner Anzeigers" schreibt eine Leserin: „Ich glaube bestimmt im Sinne vieler Mitschwestern zu handeln, wenn ich hiermit den Wnnsch äußere, daß von feiten der Stadtverwaltung dafür Sorge getragen wird, uns Duisburg-Hamborner Frauen, die wir doch zu einem großen Teil auf Erwerbslosen- oder Fürsorge- Unterstützung angewiesen sind, die Benutzung der städ- tischen Bedürfnisanstalten gebührenfrei zu gestatten. Bei einer Benutzungsgebühr von 5 bzw. 10 Psg. müßte meines Erachtens wenigstens ein freies Klosett zur Verfügung stehen. In Nachbarstädten ist dies schon seit Jahren üb- lich. Es mutet geradezu komisch an, wenn man an be- lebten und verkehrsreichen Tagen immer wieder beob- achten muß. wie die Frauen, weil sie nicht mal eine Ge- bühr von 5 Pfennig zahlen können, in zum Teil meist jüdischen Geschäften geradezu Schlange stehen, um dort die freie Benutzung vorzu- nehmen. Es muß in diesem Sinne unbedingt eine Ab- Hilfe geschaffen werden." Wir wundern uns, baß die schöne Einsenderin nur für Gebührenfreiheit eintritt. Scheidung nach Ariern und Nicht- ariern ist auch hier das Gebot der Stunde! Daß den Juden alle Mittel recht sind, um blonde Ger- maninnen anzulocken, zeigt sich an diesen„Schlangen" wie- der einmal. Heirat für luden verboten Wie wir erfahren, ist ein Gesetz in Vorbereitung, bai den Juden verbietet, sich in Sachsen zu verheiraten. Mussolini und Hlflerla Diplomaticus schreibt in der„Haagschen Post" u.. M. Feldis. Air möchten Ihnen weder zu- noch abraten, nach Frankreich zu gehen. Auch in Frankreich ist nicht leicht ArbeitSge» lcgenheit zu finden. L.«ch.. Mch». Brief erhalten. OS der baverifche Sozialistenführer Erhard Auer in Freiheit gesetzt worden ist, wisten wir nicht. Auch über das Schicksal von Sd. ist uns nichts bekannt. Zollikon. Herzlichen Dank für Brief und Beigaben. Wir möchten Ihnen gern ausführlich antworten, weil wir uns mit Ihnen im Urteil über den Marxismus weitgehend verbunden fühlen, aber leider fehlt uns genaue Adresse. Sie können sie unbesorgt schicken, wenn Sie Ihren Brief via France dirigieren. R. 2p., Zürich. Es empfiehlt sich, Briefe an uns„Via France" zu adressieren. Die Neugierde der Geheimen Staatspolizei ist be- grciflicherweise groß.— Es handelt« sich nicht darum, ob der Papst daS Konkordat überhaupt nicht unterschreiben wollte, sondern um die Frage, ob eS vorher noch ergänzt werden sollte.— Der Spruch von Gottfried Keller ist uns gut bekannt. Mallorcä. Unser Verlag wird dafür Sorge tragen, daß auch dort die„Deutsche Freiheit" regelmäßig zu habe» sein wird. Alexandrien. Dank für die Anregung. Wir nehmen an, daß unser Blatt nun regelmäßig zugestellt wird. An mehrere. Wir haben in einer einleitenden Notiz zu der Auf- stellung 4M Morde sofort darauf hingewiesen, daß die Liste unvoll- ständig Ist. ES sind uns bisher noch SS weitere Morde gemeldet wvr- den. Wir selbst zweifeln nicht daran, daß die Todesopfer der nach Hitlers Lügen„unblutigen" Revolution jetzt schon in die Tausende gehen. Erst später wird man den Blursumps ganz ermessen können. Wir hoffen, daß das deutsche Volk die Täter und die intellektuellen Urheber gut im Gedächtnis behalten wird, aber auch die vieles Zei- tungsfchreiber, Pfarrer, Professoren usw., die das alles vertuschen und beschönigen, nicht zu vergessen die Sorte Richter, die Blut- urteile gegen die Besiegten fällt, obwohl sie genau weiß, was In Deutschland vorgeht. DaS sind Sünden wider den heilige» Geist der Nation, die nie vergeben werden dürfen. V. M., Meudon. Ihre Mitteilung bestätigt Beobachtungen von anderer Seite. Da wir aber Grund zu der Annahme haben, daß die Veröffentlichung jetzt der gesamten Emigration und ihren Ber- wandten in der Heimat schaden könnte, wollen wir sie einstweilen unterlassen. A. K., Zürich. Sie schreiben uns, daß die Insassen einiger deut- schen Autos, alS sie eine Ansammlung von mehreren tausend Ur- Schweizern passierten, glaubten„Heil Hitler" grüßen zu müssen und sehr erstaunt waren, als die Schweizer durch Psiffe und viele Rufe reagierten„Haut ab!" Sie dürfen sich über die Dreistigkeit unserer deutschen Landsleute nicht wundern. Wahrscheinlich haben sie in der gleichgeschalteten Presse nur gelesen, Hitler-Deutschland eil« in der Welt von Sieg zu Sieg. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz ln Dud- wciler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken S, Schützenftraße s. DIM PATENTE | Schutzmarken§ M in allen Staaten sachkundig, schnell u. zu A zeitgemäßen Preisen ohne Nachgebühren M f= durch Patentanwaltsbureau 1 Ollice de Brevets d'Invention 1 A 10, Rue Pauquet, PARIS 16, Tél. 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