Pariser Ausgabe D Freiheit Einzige unabhängige deutsche Tageszeitung INSERATEN- ANNAHME für Frankreich( ausschileßlich Elsaß Lothringen): Publicité Metzl. Paris( 3e). 51, rue de Turbigo( Ecke rue Reaumur. Metro: Arts et Métiers). Telephon: Archives 84-95. 84-96, 84-97. B Nummer 84-1. Jahrgang Saarbrücken- Paris, Mittwoch, 27. Sept. 1933 Chefredakteur: M. Braun Infolge des Verbots durch die Saarregierung muß unser Blatt für eine Woche in Straßburg hergestellt werden. Dadurch sind gestern Verzögerungen in der Zustellung entstanden. Von heute ab werden unsere Bezieher die Zeitung wieder pünktlich erhalten. Torgler wird zum Ankläger Der deutsche Kommunistenführer monatelang Tag und Nacht gefesselt- Van der Lubbes gesundheitlicher Zusammenbruch D. F. Die klare und offene Rede Ernst Torglers vor dem Reichsgericht in Leipzig hat starken Eindruck gemacht. Selbst die halbamtlichen deutschen Berichte können das nicht ganz verwischen. Manches kommt bei dieser Berichterstattung wieder zu kurz. So die wahrheitsgemäße und keineswegs übertriebene Schilderung, die Torgler von seiner sehr vielseitigen Tätigkeit entworfen hat. Er war in der Tat parlamentarisch und auch im Lande rednerisch so beschäftigt, hatte mit so unendlich vielen Leuten über Tagespolitik und irgendwelche wirtschaftliche Interessen zu konferieren, daß ihm niemand ernstlich zutrauen kann, er habe sich auch noch führend an etwaigen Vorbereitungen zu revolutionären Aufständen beteiligen können. Solche Aktionen lagen dem Abgeordneten Torgler auch gar nicht. Er war ein sehr wohlanständiger und bei den bürgerlichen Parteien sehr wohlgelittener Abgeordneter. Das wüßte niemand beffer zu bezeugen, als der jetzige Reichspolizeiminister Dr. Frick, den man oft genug vor und hinter den Kulissen des Reichstags mit Ernst Torgler verhandeln sah. Von Göring und Reventlom und Stöhr und anderen Nationalsozialisten gilt dasselbe, und auch alle anderen führenden Abgeordneten der Rechten und der Mitte von dem Grafen von Westarp bis zu Brüning haben so manchmal vertraulich mit dem kommunistischen Abgeordneten konferiert, den jetzt eine verlogene und unsinnige Anklage mit einer Brandstiftung belasten will. - Die Anklage gegen Torgler ein einziger Schwindel sammen. Seine Antworten sind für die Presse nicht zu verstehen, man hört nur, was der Dolmetscher übersetzt. Eine Kontrolle, ob die Uebersetzung genau ist, hat niemand. Es scheint, daß van der Lubbe überhaupt keine zusammenhängende Säße spricht, sondern nur durch Kopfnicken oder Kopfschütteln oder durch Ja oder Nein oder Möglich antwortet. Einmal gibt er zu, sich als Kommu nist bezeichnet zu haben, dann bestreitet er es wieder oder bezeichnet es als möglich, und auf etwaige Schwägereien dieses kranken, haltlosen Menschen baut sich eine Anklage auf. Dieser zerrüttete Bursche, man muß es immer wiederholen, war der Anlaß, der ersehnte und gesuchte Anlaß, große deutsche Parteien und ihre Presse zu unterdrücken und ihr Eigentum zu stehlen. Mit Staunen erleben das die ausländischen Pressevertreter. " Während der Brandstifter" van der Lubbe vor dem Reichsgericht steht, ist der Reichspropagandaminister in Genf eingetroffen, Dort soll er für Deutschland moralische Eroberungen machen. Er wird es mit all seiner Lügenkunst versuchen, aber alle Bemühungen werden, von allem andern ganz abgesehen, zunichte werden durch das Justizdrama von Leipzig. Mögen in Deutschland selbst immer noch einige Millionen das glauben, was ihnen Regierung und Presse über den Reichstagsbrand vorgelogen haben. Außerhalb der Grenzen Deutschlands, überall, wo noch frei geredet und geschrieben werden darf, hat dieser Vagabund van der Lubbe nur noch Jnteresse als das durch Mittelsmänner gedungene Subjekt, das durch mächtige Ver brecher großen Stils mißbraucht worden ist. Torgler war nicht nur von Beruf, sondern auch von Neigung Parlamentarier. Das zeigte sich auch in seinem ersten Bortrag vor dem Reichsgericht und wird wohl im Laufe der Verhandlung noch deutlicher werden. Wie sehr hebt sich die Technik seiner Verteidigung von dem Bul garen Dimitroff ab. Der bulgarische revolutionäre Dimitroff, obwohl ihm nicht schlimmer mitgespielt worden ist, als dem deutschen Kommunisten Torgler, ist in fast jeder Antwort bewußt verlegend aggressiv, herausfordernd und sucht geradezu Zusammenstöße mit dem Präsidenten. Der Bulgare ist ein Mann, der in jedem Wort persönlich zugespigt seinen bis zum Haß gesteigerten Gegensatz zu diesem bürgerlichen Gericht herausschleudert. Ernst Torgler, der kommunistische Fraktionsführer, bewahrt auch in seiner jezigen schweren Situation die Disziplin und die geschliffene Rede des in vielen Debatten geschulten Parla 4.Verhandlungstag mentariers. Nirgendwo bei diesem Vortrag findet der Präsident Anlaß zum Eingreifen. Wo etwa die Grenze des Themas„ Persönlichkeit des Angeklagten" leicht überschritten wird, verständigen sich Angeklagter und Präsident durch ein paar verbindliche Worte. Es geht zu mie in einer Reichstagssitzung, solange im Parlament noch zivilisiert verhandelt wurde. Die deutsche Presse protestiert diesen Morgen energisch heitszustand van der Lubbe's veröffentlicht worden sind. Sein gegen die Nachrichten, welche im Ausland über den GesundBefinden, so behauptet sie, sei ausgezeichnet. Der Haupt: angeklagte habe sich gestern entschlossen zu essen... Dagegen berichtet der Pariser„ Temps": Ban der Lubbe erschien bei dem Berhör heute morgen bleicher und nieder: gedrückter als jemals. Er antwortet auf die Fragen des Präsidenten nicht. Es ist eben ein Parlamentarier, der hier spricht und kein Berufsrevolutionär. Damit setzen wir die Persön lichkeit Torglers nicht herab. Auch eine revolutionäre Partei birgt die verschiedensten Naturen in sich. Wäre Torgler ein mit jedem Gedanken und in jedem Nerv revolutionärer Mann, der sich über alle moralischen Bedenken hinwegseßt, würde er niemals einer Regierung, die aus entschlossenen Todfeinden des Kommunismus besteht, sich selbst in die Hände geliefert haben. Der Landgerichtsdirektor Parisius stellte der Beteuerung Torglers, er habe sich nur legal betätigt, einen revolutionären Zeitungsaufsaß des Abgeordneten entgegen. Wie sehr zeigt der Einwand, daß der Richter den kommunistischen Führer nicht verstanden hat oder nicht begreifen will Wenn Torgler schrieb, der Faschismus könne nicht nur mit dem Stimmzettel bekämpft werden, dachte er natürlich nicht an Brandstiftung im Reichstage, sondern an organisierte Massenkämpfe, die noch nicht einmal blutig zu sein brauchen. Zum ersten Male griff hier Dr. Sack zugunsten seines Klienten ein. Er verwies darauf, daß der Aufsatz Torglers im heißesten Wahlkampf geschrieben ist und auch nur im Zusammenhang, nicht durch Heraus reißen einer einzelnen Stelle verstanden werden könne. Nach Torglers Vernehmung soll nun durch ein erstes Verhör mit van der Lubbe der objektive Tatbestand geklärt werden. Es zeigt sich sofort, daß das mit diesem Angeklagten überhaupt nicht möglich ist. Sein Zustand ist so schlecht, daß ihm der Präsident gestattet, sigend auszufagen. Es sieht so aus, als finke van der Lubbe ganz zuDie Schwester Dimitroffs sagt aus Bald nach 10 Uhr erscheint der Gerichtshof im Saal, und Senatspräsident Dr. Bünger eröffnet die Verhandlung. Vor Eintritt in die Verhandlungen teilt R.-A. Dr. Teichert mit, daß die Schwester des Angeklagten Dimitroff in Leipzig eingetroffen sei und darum bittet, zur Verhandlung als Zuhörerin zugelassen zu werden. Sie solle ferner bezeugen, daß Dimitroff bis 1923 Mitglied verschiedener Körperschaften in Bulgarien war, ferner daß er im Jahre 1931/32 ihr geschrie= ben und auch in Moskau erzählt habe, womit er sich in Deutschland beschäftige, nämlich mit den Verhältnissen der bulgarischen kommunistischen Partei und mit der Sammlung von Literatur darüber sowie mit schriftstellerischen Arbeiten. Die Schwefter Dimitroffs wird in den Saal gerufen. Ober: reichsanwalt Dr. Werner wendet sich gegen die Bernehmung der Schwester Dimitroffs als Zengin, denn es könne ohne weiteres als wahr unterstellt werden, was der Ange: flagte über seine Tätigkeit mündlich und schriftlich mitge teilt habe.- Vorf.: Der Senat beschließt, die Schwester des Angeklagten Dimitroffs zu vernehmen, zumal sie als Zengin zur Stelle ist. Dimitroff begehrt auf Fräulein Dimitroff muß mit Hilfe des Dolmetschers vernommen werden. Die Zeugin gibt an, daß Dimitroff seit 1905 Generalsekretär des Arbeitersyndikates der fommunistischen Partei ist. Angeklagter Dimitroff ruft dazwischen: Die Uebersetzung ist nicht genau.- Vorsißender: Dimitroff, jetzt haben Sie zu schweigen. Wenn die Sache vorbei ist, sind Sie nach der Prozeßordnung berechtigt, Einwendungen zu machen. Als Dimitroff erneut Einwendungen macht, ruft der Vorsigende: Sie haben jetzt zu schweigen! Auf Fragen des Vorsitzenden erklärt die Zengin weiter, daß Dimitroff auch der bulgarischen kommunistischen Partei angehörte. Ebenso bestätigt sie, daß er Mitglied des Zentralkomitees der Partei war. Ferner sei Dimitroff feit 12 Jahren ununterbrochen Volksvertreter im bulgarischen Parlament gewesen. Der Vorsitzende erklärt, daß das ja alles nicht bestritten worden sei, und richtet dann die Frage an die Zeugin, ob und worüber ste mit ihrem Bruder Briefwechsel geführt habe. Der Dolmetscher erklärt, die Zengin bestätige, daß Dimitroff ihr geschrieben habe, er halte es für seine Pflicht, in Deutschland weiter für die bulgarische kommunistische Bewegung tätig zu sein, Uebersehungsarbeiten zu machen und Artikel zu schreiben, die sich mit der kommunistischen Arbeiterpartei Bulgariens beschäftigen. Angeklagter Dimi= troff ruft dazwischen:" Der Arbeiterflasse!" Borsigender: Dimitroff, es ist das letzte Mal, daß ich Sie jetzt daran erinnere, daß Sie nicht dazwischensprechen dürfen. Angeklagter Dimitroff: Die Uebersetzung ist nicht ganz genau gewesen. Ich frage die Zeugin, ob ich geschrieben habe, daß die internationale Presseforrespondenz wüchentlich einen bis drei Artikel über die bulgarischen Verhältnisse aus meiner Feder gebracht hat.- 3 eugin: Ja, das hat er mir geschrieben.- Angeklagter Dimitroff: Habe ich ihr nicht auch geschrieben, daß ich an einer Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung Bulgariens arbeite? Die 3eugin bestätigt das ebenso wie weitere Fragen des Angeklagten, ob er ihr nicht mitgeteilt habe, daß er die Gampagne zugunsten der Amnestie in Bulgarien durch seine Arbeiten und durch seine Reise nach Paris fördern wollte. R.-A. Dr. Teichert fragt dann noch, ob sie auch Popoff fenne und in Moskau gesehen habe. Die Zeugin bestätigt, daß sie mehrfach mit Popoff und auch mit seiner Frau zusammengekommen ist. Die Beugin selbst ist seit 1926 bis Mitte 1933 ununterbrochen in Moskau gewesen. Der Angeklagte Popoff läßt der Zeugin dann noch durch den Dolmetscher verschiedene Fragen vorlegen, die alle darauf hinauslaufen, daß die Zeugin ihn zu dieser oder jener Beit im Jahre 1932 da oder dort in Rußland getroffen haben sell. Die Zeugin bejaht alle die Fragen. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß die Zeugin vorher erklärte, sie könne sich der einzelnen Zusammenfünfte nicht erinnern, jetzt aber plötzlich auf jedes von Ponoff angegebene Datum zu bestätigen wisse. Der Oberreichsanwalt erklärt: Popoff stelle dauernd Suggeftivfragen. Richtig wäre es, wenn die Zeugin befragt würde, wo sie nach ihrer Erinne= rung Popoff getroffen habe. Der Vorsitzende ersucht den Dolmetscher, Popoff darauf aufmerksam zu machen, daß Suggestivfragen an einem deutschen Gericht nicht zulässig sind. Taneli wird vernommen Es beginnt dann die Vernehmung des letzten bulgarischen Angeklagten Taneff. Der 36jährige Schuhmacher Wassil Taneff ist in dem mazedonischen Städtchen Gevgeli geboren als Sohn eines Eisenarbeiters, der 1903 an dem Aufstand der mazedonischen Revolutionäre teilgenommen hat und 1906 im Kampfe gegen die Türken gefallen ist. Bei der Frage nach seinen Vorstrafen versucht Taneff immer wieder, längere politische Darlegungen zu machen. Der Vorsitzende unterbricht ihn und weist darauf hin, daß es jetzt nur darauf ankomme, die Personalien festzustellen. Darauf gibt Taneff an, daß er im Jahre 1925 wegen Zugehörigkeit zu der verbotenen kommunistischen Partei Bulgariens zu 12 Jahren Zuchthau& verurteilt worden sei. Davon habe er elf Monate abgesessen. dann sei die Amnestie in Kraft getreten. In seiner Abwesenheit sei er dann Anfang 1927 noch einmal zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er Mitglied des Reichskomitees ser kommunistischen Partei Bulgariens war. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er 1925 nicht an einem kommunistischen Aufstand in Bulgarien teilgenommen habe, antwortet Tareff, 1925 habe es in Bulgarien keinen kommunistischen Aufstand gegeben. Er habe also daran auch nicht teilgenommen. Damals feien allerdings etwa 20000 bulgarische Arbeiter niedergemeßelt worden. Das Gericht läßt eine Auskunft der Polizeidirektion Sofia verlesen. Danach hat Taness an den kommunistischen Unruhen im Jahre 1925 aktiv teilgenommen. Er war ferner Mitglied einer Geheimorganisation, nach deren Aufdeckung er die Grenze überschritt. Der politische Polizeidienst hat weiter erfahren, daß Taneff auch in Wien an fommunistischen Versammlungen teilgenommen hat. Taneff bestreitet, in Wien kommunistische Versammlungen besucht zu haben, und bestreitet ferner, Mitglied der Geheimorganisation gewesen zu sein. Taneff gibt auf die Frage des Vorsitzenden an, daß er Mitte Oftober 1926 in Moskau eingetroffen sei. Dort habe er von 1926-1927 in einer Schuhmacherei gearbeitet. Von 1928 bis 1931 sei er volitisch geschult worden. Mit der russischen kommunistischen Partei habe er in keiner Verbinduna gestanden. Die Schule sei eine rein bulgarische Emiarantenschule gewesen. Die Lehrer an der Schule waren ausschließlich bulgarische Gmigran= ten. Oftober 1931 fei er über Polen nach der Tschechoslowakei gefahren und in Prag habe er rom bulgarischen Konsulat einen regelrechten Paß bekommen. Nach der Pause wird die Vernehmung Taneffs fortgefest. Auf die Frage, welche Funktionen er im 3entralfomitee der fommunistischen Partei Bulgariens gehabt habe, erflärt der Angeklagte: Darüber will ich keine Auskunft ge= ben, um nicht etwa der bulgarischen Polizei Material in die Hände zu spielen. Auf Fragen teilt er weiter mit, daß er am 20. Oftober 1932 wieder in Moskau eingetroffen sei, wo er bis zum 22. Februar 1983 gewohnt habe. Dort habe ihn auch Popoff bis zu dessen Abreise wiederholt besucht. Am 24. Februar will Taneff in Berlin eingetroffen sein.- Vorsißender: Mit einem Paß, der zwar ihr richtiges Bild zeigte, aber den falschen Namen Deneff trug.- Taneff: Diesen Paß habe ich von bulgarischen Emigranten in Moskau befemmen. Vorsitzender: In der Voruntersuchung haben Sie zunächst behauptet, den Paß hätten Sie sich in Wien verschafft, während Sie doch tatsächlich garnicht in Wien gewesen sind. Taneff: Ich habe diese falschen Aftenangaben in der Voruntersuchung gemacht, weil ich danals den Weg verschweigen wollte, den ich eingeschlagen hatte. In Berlin bin ich von Popoff abgeholt worden. Lubbe schüttelt sich vor Lachen Es entspann sich dann eine längere Erörterung über den Paß des Angeklagten Taneff. Präsident Bünger stellt fest, daß Taneff wiederholt selbst gesagt habe, der Paß könne von ihm nicht anerkannt werden. Erst habe er behauptet, der Paß sei echt, was insofern nicht richtig sei, als er einen anderen Namen aufweise. Um so unerhörter sei es, wenn er dann später die Beschuldigung erhoben habe, daß der Paß während der Untersuchung gefälscht worden sei. Der Angetlagte an eff betont, daß er vor dem Untersuchungsrichter festgestellt habe, daß der Paß falsch sei. Als er dann den deutschen Stempel beim Grenzübertritt nicht fand, habe er ge= glaubt, daß der Paß geändert worden sei, während er im Gefängnis saß. Der Vorsitzende erklärt, daß er zugunsten des Angeklagten annehmen wolle, daß hier ein Mißverständis vorliege. R.-A. Dr. Seuffert fragt den Angeklagten Taneff, ob ez van der Lubbe früher schon gefannt habe. Taneff: Woher soll ich ihn kennen? Ich verstehe fein Wort Deutsch. Wie sollte ich überhaupt mit ihm zusammen tommen? R.-A. Dr. Teichert: Ich möchte feststellen, daß bei dieser Frage der Angeklagte van der Lubbe sich vor Lachen schüttelte. Auf die Frage des Oberreichsanwaltes nach dem Zweck ſetnes Berliner Aufenthaltes erklärt Taneff, er sei vom Zentralfomitee der bulgarischen Partei beauftragt gewesen, gemeinsam mit Popoff die Kampagne für die Amnestierung der bulgarischen Emigranten zu fördern. Berlin sei für diese Arbeit das geeignete Zentrum gewesen. Torgler erhebt sich Als Lester der Angeklagten wird nun der frühere kommu Gericht oder was sonst? Zusammenstöße „ Tag und Nacht gefesselt" Zur Bernehmung des bulgarischen Kommunisten Dimi troff tragen wir nach ausländischen Berichten kennzeichnende Aeußerungen des Bulgaren nach: Das Attentat auf den König und den Kathe= drale Brand bezeichnet Dimitroff als unüberlegte Taten von Terrorgruppen. Ich war zu jener Zeit in Mo3fau und fenne Einzelheiten nur aus der Presse." „ Das Attentat auf die Sofioter Kathedrale wurde doch von einem fommunistischen Geheim bund organisiert, wenigstens nach den uns vorliegenden Berichten," sagt der Präsident. Dimitroff bestreitet. Das Attentat sei von der Kommunistischen Partei verurteilt und wahrscheinlich von Gegnern der Partei organisiert worden. ,, Uebrigens hätte ich," erklärt Dimitroff auf eine Bemerfung, die seine Angaben inzwischen anzweifelt, die nötigen Beweismomente vorbringen können, wenn ich frei meinen Verteidiger hätte wählen können." Sie haben doch einen Verteidiger," erwidert der Präfident. Ja, aber feinen, in den ich Vertrauen habe! Er hätte mir die nötigen Dokumente nicht beschafft." Oberreichsanwalt Dr. Werner fragt den Angeklagten, ob er seinen Verteidiger überhaupt ersucht habe, dieses Material zu beschaffen. „ Nein, ich habe kein Vertrauen!" erwidert Dimitroff heftig. Präsident Bünger erklärt, daß die Anträge auf Zulassung der Verteidiger im Einklang mit den in Frage kommenden Paragrafen des deutschen Strafgesetzbuches erledigt wurden. Dimitroff zuckt mit den Achseln. " Ich bin ständig provoziert worden!" jagt Dimitroff. " Ich rüge diesen Ausdruck," erwidert der Präsident. " Die ganze Boruntersuchung war eine un geheuerlich feit," ruft Dimitroff. Ich weise diesen Ausdruck ebenso entschieden zurück," jagt der Präsident. Der Präsident mahnt ihn ein letztes Mal zur Ruhe. Dimitroff bittet, feine Aufregung zu entschuldigen.„ Sechs Monate size ich im Gefängnis, vier Monate war ich Tag und Nacht gefesselt und dabei bin ich voll= ständig unschuldig; darum bin ich aufgeregt." „ Ob Sie schuldig oder unschuldig sind, wollen wir nun untersuchen," erwidert der Präsident auf die Worte des Angeflagten, der wegen seines unbändigen Temperamentes starken Eindruck macht. * niftische Reichstagsabgeordnete Toraler vernommen. Er Gerechtigkeit gleichgeschaltet! erflärt u. a.: Ich möchte meine ersten Worte in diesem Prozeß mit der wahrheitsgemäßen Feststellung beginnen, daß ich völlig unschuldig bin, daß ich mit dieser verbrecherischen Reichstagsbrandstiftung nicht das allermindeste zu tun habe, weder mittelbar, noch unmittelbar. Aus diesem Bewußtsein meiner völligen Unschuld heraus und aus Empörung darüber, daß man mich und meine Partei mit dieser Brandstiftung in irgendeine Beziehung bringt, bin ich am Tage nach der Brandstiftung freiwillig ins Polizeipräsidium gefahren, um zu protestieren, daß man mich und meine Partei mit dieser Brandstiftung in irgendeine Beziehung bringt. Vorsitzender( unterbrechend): Was Sie eben sagten, geht schon auf die Tat ein. Es handelt sich jetzt aber um Feststellungen der Person. Angeklagter Torgler: Herr Präfident, ich habe fieben Monate unschuldig in Haft gesessen und muß doch die erste Gelegenheit bennzen, der Oeffentlichkeit und der Welt zu sagen, daß ich mit dieser Brandstiftung nichts zu tun habe. Sieben Monate bin ich im Untersuchungsgefäng nis gewesen, davon fünf Monate Tag und Nacht gefesselt. Ich habe das ansgehalten, weil ich wnßte, daß ich es un fchuldig erleibe, weil ich tommunistischer Funktionär bin und weil ich mit aller Tattraft und Begeisterung, der ich fähig bin, mich für die Interessen der werftätigen Bevölke= rung Deutschlands eingesetzt habe. Der Angeklagte schildert zunächst seinen äußeren Lebenslauf. Er sei als Sohn eines Arbeiters der städtischen Gasanstalt geboren. Er wäre gern Volksschullehrer geworden, wurde aber wegen der Armut seiner Eltern nach Beendigung der Gemeindeschule faufmännischer Lehrling in einem Herrenmodengeschäft. Im Dezember 1914 wurde er zum Militär eingezogen. Fünf Monate war er Armierungssoldat in Rusfisch- Polen. Später fam er als Infanterist an die Westfront. Bei Ausbruch der Revolution hat er als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Neuruppin gewirkt. 1924 wurde er dann in den Reichstag gewählt. Torgler schildert dann seinen polittschen Werdegang und führt u. a. aus: Ich möchte mit aller Betonung, auch mit einer gewissen Berech tigung und ohne Uebertreibung sagen, daß der Kampf für den Sozialismus zum Sinn und Inhalt meines Lebens ge= worden ist. Was ein Mensch an Idealismus aufbringen fann, das habe ich für die Sache der Arbeiterschaft aufge= bracht, und ich werde auch weiterhin nicht ruhen, mich für die Sache der deutschen Arbeiterklasse einzusetzen. Ich gebe zu, daß bei mir eine gewisse Beeinflussung durch meine Mutter vorlag. Meine Mutter ist seit 50 Jahren Sozialistin. Mit Bollendung des 18. Lebensjahres wurde ich Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. 1919 wurde ich Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, der ich bis zur Gründung der Kommunistischen Partet angehörte. Seit Tezember 1920 bin ich Mitglied der Kommunistischen Partei Zeutschlands. Im Herbit 1925 wurde ich Vorsitzender des Beamtenausschusses des Reichstags. In den letzten Jahren wurde ich Vorsitzender der kommunistischen Reichstagsfraktion. Dem Zentralfomitee der Kommunistischen Partei habe ich nicht angehört. war ich noch Mitglied des Preußischen Staatsrates unb 1929 Im letzten Jahre war ich Herausgeber des Mitteilungsblattes der fommunistischen Fraktion„ Der rote Wähler", fonst bin ich nicht als Herausgeber in die Erscheinung getreten. Landgerichtsdirektor Parrisius verliest dann den Schluß eines Artikels, den Torgler im Februar 1988 in diefer Zeitschrift veröffentlicht hat. Darin werden die Arbeiter anfaefordert, nicht abzuwarten, was der Stimmzettel am 5. März bringt, sondern durch die Tat gegen den„ faschistifchen Terror" vorzugehen. Der Angeflagte Toraler befennt fich als Verfaffer dieses Artikels, meint aber, auf diesen Artitel und seine Motive erst dann einzugehen, wenn der Präsident den Zeitpunkt vorschlage. Borfißender: Einstweilen wollen wir den Artikel auf sich beruhen lassen. Der Angeklagte Toraler weist auf meurere bei den Akten befindliche Briefe der Angehörigen van der Lubbes hin, in denen von einer fommunistischen Arbeiterpartei die Rede sei. der, wie Torgler behauptet, die Freunde van der Lubbes und sicherlich van der Lubbe selbst angehört haben. Diese tommunistischen Arbeiterparteien in den einzelnen Ländern, betont Torgler, seien fleine Gruppen von Lenten, die mit den Kommunistischen Parteien und mit der toma Wir lesen in der„ Post Scripta" der Haagschen Post" unter anderem: In Leipzig begann dieser Tage vor dem hohen deutschen Rat der Prozeß gegen die sogenannten Reichstagsbrandstifter. Es ist nicht zu hoffen, daß in Leipzig Rechi getan und gesprochen wird; denn in Deutschland ist auch die Gerechtigkeit gleichgeschaltet; d. h. Männer von Charakter, die nicht einer Meinung mit den Nationalsozialisten sind, werden aus Amt und Würden verjagt. Zweitens sind die deutschen Richter nicht mehr unabhängig und unabsetzbar. Drittens aber verlangt man heute von den deutschen Richtern und erreicht es auch, daß nicht das Recht den ersten Plaz einnimmt, sondern der nationalsozialistische Staat, die nationalsozialistische Regierung und die nationalsozialistischen Regierungspersonen. Das Recht tommt im Dritten Reich gulegt, fofern es überhaupt an die Reihe tommt. Es trifft sich außerdem sehr unglücklich, daß man turz vor diesem aussehenerregenden Prozeß den letzten Mann mit Charakter und Mut aus dem deutschen Justiz= dienst gejagt hat: Fischer. Er hatte sich geweigert, bei seiner Amtsausübung den Hitlergruß darzubringen, was alle anderen Richter tun. Deshalb wurde er, wie deutsche Presseberichte mitteilen, fofort in Schuzhaft genommen und noch an demselben Tage ins Konzentrationslager auf dem Heuberg eingeliefert. Nicht ausgeschlossen, daß er bald wieder zu Frau und Kindern zurückkehrt... in einem verschlossenen Sarg.... In einem Land, in dem solche Zustände herrschen, ohne daß auch nur ein Mensch dort oder jedenfalls das, was man dort so nennt, es wagt. zu protestieren, fann und darf man selbst von dem höchsten Rat faum Gerechtigkeit erwarten... Urteil schon gefällt! Wozu noch die Leipziger Komödie " Sie glauben doch selbst nicht, daß die Bolschewisten den Reichstag angezündet haben," erflärte eines Tages Professor Fuchs, ein Pastor in Eisenach, einer Frau, die dann als Zeugin in einem Verfahren gegen den Professor auftrat. Als die Frau ihn fragte, ob die Nationalsozialisten den Brand gelegt hätten, ich wieg der Professor. Wegen dieses Tatbestandes" hat ihn soeben ein Weimarer Gericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Fuchs war noch angeklagt, sich über angebliche Begleitumstände bei der Festnahme" des früheren Reichstagsabgeordneten Sollmann geäußert zu haben. Bekanntlich ist Sollmann nicht festgenommen wurden, sondern er wurde von braunen Banditen in seiner Wohnung überfallen und stundenlang gefoltert. Das Sondergericht hütete sich vor einer Beweisaufnahme, sprach aber den alten Professor und Pastor wegen Schweigens schuldig. In Leipzig wird noch Prozeß gemacht, aber in Weimar ist das Urteil schon gefällt. Leipzigs Arbeiter auf dem Posten Das Leipziger Polizeipräsidium beschwert sich in einer öffentlichen Verlautbarung darüber, daß in den letzten Tagen die oppositionelle Agitation an Umfang weiter zunimmt, und erklärt hierzu: Immer wieder versuchen staatsfeindliche Elemente, durch Verbreitung von Flugblättern Unruhe in die Bevölkerung an tragen und gegen die Staatsregierung aufzuwiegeln. Besonders wegen des Prozesses gegen die Reichstagsbrandstifter haben diese Elemente wie: der größere Tätigkeit entwickelt. Diesem Treiben ist nur dadurch wirksam entgegenzutreten, daß zukünftig jeder: mann zur Ergreifung solcher Flugblattverteiler beiträgt. Die Leipziger Polizei ist deswegen so nervös, weil es trob einem Riesenaufgebot von Schutzpolizei, die zum Teil auch aus andern Gebieten Sachsens herbeigeholt worden ist, und dem Einsatz von Geheimer Staatspolizei aus Preußen bisher nicht gelungen ist, die Verbreitung illegaler Flugblätter über den Prozeß zu verhindern. Am Tage der Prozeßeröffnung flebten in einer Anzahl Leipziger Vororte Plakate gegen die Gerichtskomödie an den Gartenzäunen und Hausmauern. In der Leipziger Innenstadt wurden während der Abendstunden unzählige Streuzettel aus fahrenden Autos und von den Dächern geworfen, die von den Passanten derart schnell aufgegriffen und in die Tasche gesteckt wurden, daß die Polizei und die SA.- Patrouillen fast immer zu spät kamen. Das Polizeipräsidium ersucht darum jetzt nochmals„ um regste Unterstüßung" und fündigt an, daß es in jedem Fall die„ besondere Aufmerksamkeit" der Bevölkerung durch Geldbelohnung anerkennen werde. Obwohl unmittelbar vor Be= ginn des Reichsgerichtsprozesses zahlreiche Hausdurchsuchungen stattgefunden haben und zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten zum Teil ins Polizeigefängnis, zum andern Teil in ein Konzentrationslager gebracht wurden, gehen die Protest fundgebungen der Leipziger Arbeiter unvermindert weiter. SS.- Mann Strosch vor das Reichsgericht Eine sensationelle Mitteilung zur Frage der Reichstagsbrandstiftung veröffentlicht der Prager Sozialdemo munistischen Internationale nicht das allermindeste zn tun hätten. Sie feien im Gegenteil mit ihrer anarchistischen Einstellung die schärfften Gegner der eigentlichen kommu nistischen Partei. Die Vernehmung der Angeklagten über ihre Person ist damit abgeschlossen. Um Lubbes Brandreden Das Gericht geht dann zur Behandlung des zweiten Teiles der Anklage, dem objektiven Sachverhalt, über. Der Vorsitzende wendet sich zunächst an den Angeklagten van der Lubbe und fragt ihn, ob es richtig sei, daß er am 22. Februar 1933 vor dem Neuköllner Wohlfahrtsamt geäußert habe, die Arbeiterschaft müsse jetzt mit einer Gegenfrat". Es ist das Protokoll eines Desterreichers, der am 28. März in Berlin verhaftet worden ist und mehrere Monate lang in der General- Pape- Straße in Haft war. Im Laufe der Haft, etwa Mitte Juli, wurde nachts ein SS.Mann in seine 3elle gebracht, der halb tot geprügelt war. Nach vier, fünf Tagen erzählte ihm der Mann, dessen Name Kurt Strosch lautet, folgendes über die Reich 8tagsbrandstiftung: Kurt Strosch gehörte zu der persönlichen Leibgarde' Görings. Am 27. Februar gegen 18 Uhr sind er und noch andere SS.- Männer in den unterirdischen Gang gebracht worden, der das Reichstagspräsidentenpalais mit dem Reichstag verbindet. Jeder Mann wurde mit Brennstofftuben und Metaspiritus ausgerüstet. Gegen 9 Uhr fam ein Mann aus der Richtung des Reichstages in den Gang, den Strosch für einen nationalsozialistischen Reichstags= abgeordneten hielt. Das war das Signal zum Aufbruch. Jeder ging an seinen vorher bestimmten Poften, um zuerst mit den Tuben die Brandherde zu besprigen. Dann wurden Fadeln an gezündet und mit ihnen die Brandherde in Brand gesetzt. Die Fackeln mußten wieder mitgenommen werden. Strosch hat später mit einem anderen SS.- Mann, der zur Leibwache Görings gehörte, über die Sache gesprochen. Darauf sind die beiden verhaftet worden. Die Einlieferung in die GeneralBape- Straße erfolgte nachts von Angehörigen der Leibwache Görings, die nicht ortskundig waren, und so ist es zu erklären, daß Strosch in die Zelle des verhafteten Desterreichers gebracht und nicht tfoliert wurde. Strosch und der andere SS.- Mann sollen die beiden letzten SS.- Männer sein, die Mitte Inli von den acht Reichs: tagsbrandstiftern noch gelebt haben! Was mit den anderen geschehen sei, wußte Strosch nicht. Diese Angaben mögen auf den ersten Blick wenig wahrscheinlich erscheinen. Das Reichsgericht hat jedenfalls die Pflicht, sie genaueft zu überprüfen. Es vernehme den SS. Mann Strosch als Zeugen! Man wird ja sehen, ob es sich in so ein riskantes Unternehmen einlassen wird. 1 aktion einsetzen, es sei dazu noch nicht zu spät. Der Angeflagte gibt an, sich in ähnlicher Weise geäußert zu haben. Vorsitzender: Sie sollen weiter gesagt haben, man müsie öffentliche Gebäude anstecken, damit das Volk aufgerüttelt würde und den Anfang der Revolution erkennen fönne. Van der Lubbe äußert sich zu diesen Fragen wieder in derselben zögernden und widerspruchsvollen Weise wie am ersten Verhandlungstage. Er gibt schließlich zu, daß in seiner Gegenwart von der Notwendigkeit gesprochen worden fei, öffentliche Gebäude anzuzünden. Dagegen bestreitet er, daß bei dieser Gelegenheit gesagt worden sei, der Reichstag müsse in Brand gesezt werden. Die Jnbrandsegung öffentlicher Gebäude habe nicht er selbst empfohlen, aber im Laufe des Gespräches sei davon geredet worden. Der Voriißende stellt fest, daß die heutigen Bekundungen van der Lubbes sich im großen und ganzen mit dem Im französischen Urteil Der Temp 8" schreibt: Paris, 23. September. Der Präsident sucht die zögernde, unzusammenhängende und oft paradore Art van der Lubbes zu erklären, die alle bestürzt hat, die der gestrigen Verhandlung beigewohnt haben. Der Sachverständige kann für diese Erscheinung keine bestimmte Erklärung geben. Er beschränkt sich darauf zu sagen, daß die Ermüdung durch eine lange Haft van der Lubbe vielleicht verhindert, laut zu sprechen; er gibt auch eine durch die Haft verursachte Erschöpfung und einen allgemeinen Erregungszustand des Angeklagten zu. Der Generalstaatsanwalt stellt dann fest, daß van der Lubbe seit mehreren Wochen fast nichts mehr ist und niemals Appetit hat. Der Sachverständigefügthinzu, daß van der Lubbe wiederholt während seiner Haft getan habe, als ob er für den Prozeß wenig Interesse habe. Er fönne sich so eine Art zu lachen- unter Umständen, die an sich alles andere als lächerlich seien erklären. Uebrigens hat van der Lubbe während der Sizung dieses Morgens r ieder mehrmals gelacht... Seit Beginn des Prozesses ist man best ürzt über die zahlreichen Widersprüche in den Aussagen van der Lubbes. Wenn man fragt: Haben Sie dies oder jenes getan?", be= ginnt er im allgemeinen mit ein" zu antworten. Wenn der Präsident weiter in ihn dringt, antwortet er schließlich" Ja", meistens in einer ausweichenden Form mit beigefügtem vielleicht" oder„ beinahe". Man erinnert ihn z. B., daß er in einer öffentlichen Versammlung, die letztes Jahr im Haag abgehalten worden ist, erflärt habe, man müsse gegen den Willen der Kommunistischen Partei Terrorakte begehen. Zuerst leugnet er es, um schließlich zuzugestehen, daß er diese Wendung gebraucht habe... .. Die deutsche Presse kennzeichnet van der Lubbe als ein gefährliches Individuum, als einen geborenen Mörder, dessen Antlitz das Stigma des Verbrechens trage. Aber er macht mehr den Eindruck eines Mannes, de m alles flare Bewußtsein fehlt, eines förperlich wie geistig in gleicher Weise Schwachen. Er erklärt, er könne sich nicht erinnern, gibt unzusammenhängende Antworten, sagt, er wisse es nicht", und scheint feineswegs ein Agitator und Verschwörer von großer Wirfung zu sein. Naziüberfall auf Russen- Club Protest des Sowjet- Botschafters Berlin, 23. Sept.( Insa.) Am Mittwoch fand in den Räumen der Sowjets kolonie in Berlin ein Abend statt, dem der Sowjetbot: schafter in Deutschland, Chintschuk, beiwohnte. um ein Uhr nachts, nachdem der russische Botschafter den Klub verlassen hatte, erschienen in den Räumen des Klubs fünf SA.- Leute in Begleitung eines Polizisten. Sie stießen den Pförtner zurück und drangen in den Vorraum des Klubs ein. Zwei von ihnen besetzten den Ausgang, ließen niemand hinaus. Viele Mitglieder des Klubs der Sowjet: folonie wurden zum Teil schwer mißhandelt. Als eine Polizeistreife erschien, verließen die Nazis das Haus fluchtartig. Der Sowjetbotschafter in Berlin regte gegen diesen nenen provokatorischen Ueberfall Protest ein. Das hindert die„ Leipziger Nachrichten" nicht, zu schreiben: Danziger Zentrum ,, Er ist wie ein Tiger auf dem Sprung." Diese Zeitung setzt uns auseinander, daß man ihm die blaue Bluse der Sträflinge aus Furcht, er könne flüchten, gelassen habe, während die anderen Angeklagten Zivilfleider tragen. Das große Leipziger Blatt erklärt, daß nicht das Interesse an dem Prozeß die Anwesenheit der 80 ausländischen Journalisten veranlaßt habe, sondern das Mißtrauen gegen das neue Reich. Indessen werde der Prozeß das ungeheure Ausmaß der Gefahr, welche die ganze abendländische Kultur bedrohte, zeigen. Der Prozeß werde in der Tat ein Geschenk Deutschlands an alle Nationen sein, die einen Ordnungsstaat aufrechterhalten wollen. Göbbels„ Reichskulturkammer" 99 Der autoritäre Staat kommt über den Geist! In der Wirtschaft ist der sogenannte berufsständische Aufbau zunächst zurückgestellt worden. Alle Versuche, das nationalsozialistische Programm, soweit überhaupt eins vorhanden war, nach dieser Richtung hin durchzusehen, sind an den harten Widerständen derer zerschellt, die sich in ihrer privatkapitalistischen Sphäre nicht von zentralen Instanzen hinetnreden lassen wollten. Nur noch bei feierlichen Anlässen wird das berufsständische Ideal blankgeputzt und den Hörern als erstrebtes Ziel vorgestellt. Nun haben sich die Berufsständler um so heftiger auf die mehrlose Kultur" gestürzt. Hier gab es feine willensmächtigen Organisationen, hier fonnte organisiert und zusammengefaßt werden. Viele sind nur zu froh, wenn sie vom Staate unter seine Obhut ge= nommen werden. Das gilt natürlich nur für die Gleichgeschalteten. Die andern, die im Reiche des Geistes und der Runst jede amtliche Beeinflussung und staatliche Dirigierung ablehnen, sind längst ausgeschieden, ohne Stellung, ohne Aufträge und ohne Freunde, falls sie überhaupt noch in Hitlerdeutschland wetlen. Das neue Reichskulturkammergefeß steht das fagt für seinen Charakter genug unter Leitung des Ministeriums für Propaganda und Voltsaufklä rung. In der Begründung wird gesagt, daß auch die geistige Führung, genau wie die politische, einheitlich im Sinne des autoritären Staates zusammengefaßt werden muß. Der Staat hat die Pflicht, Presse, Rundfunk, Film und Kunst in den Dienst der kulturellen Entwidlung im Sinne bes nationalsoziali= sttschen Staates sujeßen. Das neue Gesetz sieht vor; 1. eine Reichs- Schrifttumskammer, 2. eine Reichspressekammer, 8. eine Reichsrundfunkkammer, 4. eine Reichstheaterkammer, 5. eine Reichsmusikkammer, 6. eine Reichskammer der bildenden Künste. Alle diese Körperschaften sollen zu einer ReichsfulturfamBrief aus Newyork Ein Leser schreibt uns: In einem Bericht erwähnte ich, daß eine hier in Neuyork bestehende Nazi- Vereinigung, die gem nach Hitlers Machtergreifung sich breit machte, ein Werbebüro einrichtete und offen Propaganda trieb, um die hier lebenden Deutschen zum Nationalsozialismus zu befehren, aufgeflogen ist. Die gesamte Neuyorker Presse fann sich in das Verdienst teilen, es bewerkstelligt zu haben, daß die Nazi- Helden ihre Werbebüro auf der Ostseite, 92. Straße, aufgeben, ihre Tätigkeit einstellen mußten und es nicht mehr wagten, im braunen Hemd oder mit Hakenkreuzabzeichen zu erscheinen. Die Taktik der gesamten Presse war dieselbe. Man schrieb keine scharfen Artikel, man griff die Vereinigung nicht an. Im Gegenteil, in jeder Zeitung konnte man humoristsche Aufsäße, lustige Geschichten über die braunen Hemdenmaße finden, die ein jeder mit schmunzelndem Behagen las. Die verzweifelten Anstrengungen der Hitlerburschen, die Oeffentlichkeit davon zu überzeugen, daß ihre Vereinigung ernst zu nehmen sei, wobei sie viele lustige Bocksprünge aufführten, trug nur noch mehr zur Heiterfeit bei. Als nun die Hemdenmaße, überall, wo sie sich sehen ließen, mit gutmütigem Spott begrüßt wurden und man zu ihnen sprach wie der große Bruder zu seinem kleinen, der das erstemal lange Hosen trägt und die Welt überzeugen will, daß er nun ein wirklicher Mann ist, da war es vorbei. Lautlos, ohne Aufsehen zu erregen, verschwand das Werbebüro und mit ihm die Hitlerjugend. Lange 3eit hat man nichts mehr von ihnen gehört. Jetzt sind sie wieder aufgetaucht unter neuem Firmenschild Bund der Freunde des neuen Deutschland", geben eine Halbmonatsschrift heraus mit dem Titel„ Deutscher Beobachter", unabhängige Zeitung für " Fortschritt und Kultur". Als Herausgeber und Schriftleiter unterzeichnet ein Friedrich Heiß, 143-06-91. Avenue, Damaica- Neuyork- City. Der Inhalt der Zeitung ist zugeschnitten auf diejenigen, die nie alle werden. Hier sind einige Ueberschriften der Ausgabe vom 15. August:„ Der Nationalsozialismus weist der Welt den Weg."" Erfreuliche Einsicht in England."-„ Ein ehrliches Urteil eines Kanadiers." Deutschland als Vorbild." Die englische Arbeiterschaft bewundert Hitler." An einer Stelle des„ Weltblattes" wird den staunenden mer vereinigt werden, die unter der Aufsicht des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda steht. Dieses Gesetz läßt feinen Zweifel mehr übrig. Es will autoritäre Führung, das Kommando über den Geist, wenn auch Herr Göbbels das Gegenteil versichert. Mit verächtlicher Geste wird der angebliche liberalistisch- individualistische Standpunkt als überwunden" bezeichnet. Diese Bemerkung genügt, um das Wesen dieser Reichskulturkammer hinreichend zu kennzeichnen. Es gibt keine Kunst, keinen Geist, feine Dichtung, feine Presse, feinen Film mehr, die ihren eigenen freien Gesetzen, der schöpferischen Kraft und des Willens zur Auseinandersetzung mit den sozialen, politischen und kulturellen Problemen mehr folgen kann. Es gibt nur noch eine Göbbels- Kunst und eine Göbbels- Presse im Sinne des autoritären, lies nationalsozialistischen Staates. Wer sich nicht fügt, wird von seiner Kammer" ausgeschlossen und gehört zu den armen Wichten, die sich in Kürze begraben lassen können. Wird Göring eingeengt? Meldung über einen„, Kleinen Führerrat" Nach Berliner Meldungen soll Hindenburgs 86. Geburtstag, der 2. Oktober, durch eine besondere Regierungsreform gefeiert werden. Es soll die Absicht bestehen, in einem Kleinen Führerrat die gesamte Regierungsgewalt au fongentrteren. Ihm sollen außer Hitler v. Neurath, v. Blom. berg und Retchswirtschaftsminister Schmitt angehören. Da Göring in diesem Zusammenhang nicht genannt wird, so wird vermutet, daß dieser kleine Führerrat bewußt eine Einengung seiner Machtbefugnisse durchseßen soll. Auch Göbbels soll bei dem kleinen Führerrat ausgeschlossen sein. Ob der wiederholt gemeldete Gegensatz zwischen Hitler und Göring dabei eine Rolle spielt, ist schwer zu durchschauen. Die Ehren, die Göring in jüngster Zeit auf sich selbst konzentriert hat, haben einen starken Widerspruch in gewissen nationalsozialistischen Zirkeln hervorgerufen. Refern verkündet, daß die Nachfrage nach dem Organ für Fortschritt und Kultur" derartig groß ist, daß die Schriftleitung sich gezwungen sieht, ab 1. Oktober die Zeitung wöchentlich erscheinen zu lassen. Man sieht, der Nationalsozialismus marschiert: es geht mit Riesenschritten vorwärts. Nach echter naztdeutscher Weise kämpft man auch wieder für „ Deutsche Kultur". Wenn irgend ein unpolitischer deutscher Gesangverein, Sportverein außerhalb der Stadt ein Sommerfest hat, finden sich regelmäßig Hitlerburschen mit Hakenkreuzfahnen ein, um dadurch zu beweisen, daß dies ein deutsches" Fest set. Wenn die entrüsteten Mitglieder und Gäste fich diese Einmischung verbitten, werden die Strolche frech, beschimpfen jeden, der nichts von ihrer Vereinsfahne wissen will, als Vaterlandsverräter und Deutschenfeind und drohen, die Namen der Mitglieder dem deutschen Konsulat mitzuteilen, der werde Sorge tragen, daß die Namen nach Deutschland berichtet werden, und wenn sie wieder einmal ihre alte Heimat besuchten, ihnen dort ein gebührender Empsang bevorstehe. Wenn dann der Geduldsfaden reißt und die Ruhestörer gewaltsam entfernt werden müssen, ziehen die „ Kulturkämpfer", ihre blutrünstigen Kampflieder grölend und mit den Rufen Deutsch- Amerika, erwache!" Heil Von den Nationalsozialisten terrorisiert Danzig, 23. Sept. 1933( Eig. Ber.) Der Danziger katholische Prälat Sawaki, der einzige dem Zentrum noch verbliebene Senator in der Danziger Res gierung, hat sein Amt niedergelegt und die Danziger Zen= trumspartei hat ihren Austritt aus der Danziger Regierungskoalition erklärt. Die Danziger Zentrumspartei erläßt zu diesem ihrem Schritt eine sehr aufschlußreiche Erklärung, aus der hervors geht, daß dieser Schritt des Zentrums durch die Gewaltmaßnahmen der Nationalsozialisten gegen die Zentrumsfraktion hervorgerufen worden ist. Die Nationalsozialisten hatten vom Zentrum verlangt, daß es sich selbst auflöse, und hatten aus Schikane gegen die Zentrumspartei den aus dem Danziger Zentrum ausgeschiedenen Senator Dr. Wiers cinfti- Reiser zum Senator gegen die Stimmen des Zentrums mit ihrer eigenen Stimmenmehrheit wieder: gewählt. Das Danziger Zentrum hat die Selbstvers nichtung abgelehnt und ist aus der Regier rung ausgeschieden. Das hitleramtliche Wolff- Büro meldet: " Die Danziger Regierung wird von dem Beschluß des Zentrums in feiner Weise bes rührt, da die NSDAP, allein im Volkstag über die absolute Mehrheit verfügt." Aber sowohl in der innen wie in der außenpolitis schen Wirklichkeit dürften sich bald die Folgen der restlosen Naziisolierung in Danzig, einem Lande, das unter der Oberaufsicht des Völkerbundes steht, und deffen Wirtschafts- und Außenpolitik engstens mit dem katholischen Polen zusammenhängt, schon bald zeigen. Dem Danziger Zentrum schadet zwar diese Lehre nichts, hat es doch entgegen der Haltung der mannhafteren Deutschnationalen für alle Maßnahmen gegen die Marris ften in Danzig gestimmt, aber der zuletzt Lachende dürfte wahrscheinlich Polen sein. Zentrumsabgeordneter Karl Diez in Schutzhaft RadolfszeII, 23. Sept. In Verfolg der Ans schuldigungen, die im Zusammenhang mit dem Kauf des Grundstückes des Reichstagsabgeordneten Karl Diez( Str.) durch die Spitalverwaltung im Jahre 1929 gegen diesen er: hoben wurden, ist Diez nunmehr in Schuhhaft genommen worden. Im Zusammenhang damit ist auch der frühere Bürgermeister Schroff, der die Schiebungen begünstigt haben foll, festgenommen worden. Diez ist ein Mann in den sechziger Jahren. Er war der Begleiter Erzbergers auf deffen Todesgang und ist von den Mördern durch einen Schuß in den Arm verwundet worden. Das Neueste Wie Havas aus La Paz berichtet, hat die Regierung bie diplomatischen Vertretungen im Ausland angewiesen, die jenigen Bolivianer im Ausland nach der Heimat zu= rückzubeordern, die der jetzt unter die Fahnen gerufenen Altersklasse angehören, und zwar einschließlich der im Aus= land weilenden bolivianischen Beamten und Studenten. Eine Havasmeldung aus Havanna, die über die Vers schärfung der Lage berichtet, schließt mit der Bemerkung, daß einflußreiche Rubaner der Ansicht seien, daß das einzige Mittel, um eine amerikanische Intervention zu vermeiden, darin bestehen würde, eine Art faschistischer Diktatur eins zuführen. Die französische Postverwaltung hat die Aus: gabe neuer Briefmarken beschlossen, und zwar wird in der zweiten Hälfte des Monats November eine Victors Hugo- Briefmarte im Werte von 1,25 Franken und im De: zember eine 75- Gts.- Briefmarke, die den ermordeten Präfidenten Doumer, und eine 30- Sts.- Marke, die Aristide Briand zeigt, ausgegeben werden. In dem Grenzort Schweighofen bei Landau brach gestern abend in dem Anwesen eines Landwirtes Feuer aus, das auch auf das Nachbargrundstück übergriff. Zwei Scheunen und ein Wohnhaus wurden ein Raub der Flammen. Das Vieh konnte gerettet werden. Der Gesamtschaden beläuft sich anf ungefähr 50 000 RM. Das Wolff- Büro behauptet, die Staatsanwaltschaft der lolländischen Stadt Almeno habe gegen den deutschen Kommunistenführer Münzenberg einen Haft: befehl erlassen wegen angeblich unerlaubter Automobil: einfuhr nach Holland. Hitler!", von dannen. Ihren grinsenden Gesichtern fiebt Im gestohlenen Helm! man an, daß sie das stolze Bewußtsein in sich tragen, der Welt wieder einmal den Weg gewiesen zu haben. Auch Auch ein Dementi Auf Röhms„ Liebesliste", die im Londoner Gegenprozeß direkte Beziehungen zwischen dem Reichstagsbrandstifter van der Lubbe und dem Stabschef der SA., Röhm, bewies, befand sich auch der frühere Adjutant Helldorfs, der jetzige SA.- Führer von Berlin, Staatsrat Ernst. Dieser Staatsrat wählt eine Form des Dementis, die selbst in dem von Reklametricks überschwemmten NaziDeutschland als eigenartig genannt zu werden verdient: Herr Staatsrat Ernst hat sich plötzlich verheiratet. Trauzeuge ist: Stabschef Röhm. Man schreibt uns: In Magdeburg- Neustadt besaßen die Roten Falken" ein wunderschönes Heim, das man aus Geldern, die bei den Arbeitern gesammelt wurden, erbaut hat. Dieses Heim wurde den Arbeitern von der Trabanten Hitlers gestohlen. Vor einigen Tagen fand die Uebergabe dieses gestohlenen Heimes durch den Magdeburger Ortsgruppenführer der Nazipartei, Gödike, an die NS.- Frauenschaft statt. Nach einem Bericht, den die„ Magdeburgische Zeitung" vom 12. September über die Uebergabe dieses gestohlenen Heimes bringt, dankte Gödike den„ Spendern" des Heimes. Die Ortsgrupenleiterin der NS- Frauenschaft übernahm das Heim, indem sie betonte, die NS.- Frauenschaft werde das Geschenk zu würdigen wissen." Erst stiehlt man das Eigentum der Arbeiterschaft, dann bedankt man sich bei den Spendern. Die Frauenschaftsführerin erklärt, man werde das Geschenk zu würdigen wissen. Wahrlich, es geht nichts über die Moral des dritten Reiches".- Diesen Weibern wird es auch noch heimgezahlt. Hitleriournal in Paris ( Inpreß.) Die„ Neue Parijer Zeitung", die seit Jahren vorwiegend als Inseratenblatt existierte. ist unter dem Einfluß des deutschen Propagandaministeriums gebracht worden. Das Blatt wurde bisher von dem Wiener Generalkonsul Dr. Paul Cohn- Hohenau finanziell unterstützt. Nunmehr hat Göbbels die Absicht, einen großen Plan der Propaganda in seinem neuen Auslandsjournal zu verwirklichen. Er bat Hitler, seine persönliche Unterstützung dadurch zu geben, daß er in den neuen Verwaltungsrat der Zeitung eintrete. Hitler hat zugesagt. Nun sißt Hitler im Verwaltungsrat mit dem Juden Cohn, der weder eine artsche Großmutter, noch eine arische Mutter besitzt. Für holländische Grenzregulierung Die Zeitschrift für Geopolitik"( 9) verlangt eine Regulierung der sogenannten Maasgrenze, denn:„ Die deutschholländische Grenze paßt sich dem Bodenrelif in feiner Weise an. Bei der Ziehung der Maasgrenze handelt es sich um diplomatische Kunststücke, die weder in geographischer oder wirtschaftlicher oder auch in geschichtlicher Hinsicht irgendwelche Berechtigung in sich trugen. Dieser Aufsatz in der " Zeitschrift für Geopolitik", die von dem Generalmajor Dr. Karl Haushofer herausgegeben wird, verdient größte Aufmerksamkeit. Teutschheit Katholische Stimme aus Amerika Wir lesen die nachstehenden Ausführungen in Nr. 8488 des, Wanderer" vom 7. September 1988. Das Blatt erscheint in St. Paul( Minnesota USA.) und nennt fich ältestes fatholisches Wochenblatt im Westen". Es ist ein bemerkenswerter Beitrag zur Frage: wie es das Ausland sieht, und wie vor allem Katholiken über Hitler- Deutschland denken, die sich nicht demütig gleichzuschalten hatten. „ Schon als Abklatsch des Faschismus wohnt dem Nationalfozialismus mit seiner fanatisch betonten Teutschheit ein Stück Unwahrhaftigkeit inne. Aber wir fleben nicht an Aeußerlichkeiten und würden das gesuchte Theatralische der Bewegung, auch wenn wir es nicht lieben können, an sich nicht verabscheuen und seinetwegen allein den Nationalsozialismus nicht verdammen. Aber wir erleben hier das Schauspiel einer bewußten VerungItmpfung des eigenen Voltes, im Namen angeblich dieses gleichen Volkes, wie sie die Geschichte kaum jemals erlebt hat. Auf den italienischen Faschismus kann man sich dabei nicht berufen. Nach nationalsozialistischer Lehre war alles, was vor 1983 nicht auf Hitler und das Hakenkreuz schwor, feiges, ehrloses Pack und erst, als die fünfzehn Millionen deutscher Wähler, die früher anderen Parteien Gefolgschaft leisteten, Heil Hitler! schreien lernten da war Deutschlands Ehre wiederhergestellt, ba war der angebliche Verrat des deutschen Boltes an seinem Heere- entweder tatsächlich geübt oder tölpelhaft geduldet- gefühnt, da war die angeblich abgrund tiefe Ehrlosigkeit und Knechtseligkeit und Korruption beseitigt. Noch mit feiner Silbe wurde je von einem natio= nalsozialistischen Führer ehrlich der Männer gedacht, die alles einfesten, als das wilhelminische Deutschland zerbrach, bte dem Bolschewismus ein Halt geboten, die Deutschland im Ausland wieder Vertrauen errangen, die Deutschland vor der Welt wieder zu Ehren brachten. Die Mörder eines Rathenau, eines Erzberger sind im neuen Deutschland rehabilitiert; die einem Brüning in den schwierigsten diplomatischen Kämpfen in die Arme fielen, find ehrenwerte Deutsche; die Nazis, die noch vor wenigen Jahren nur nach Hunderten zählten, sind die Blüte der Nation. Alle andern waren Lumpen, und das deutsche Bolt in seiner Gesamtheit, das sich von ihnen betören ließ, nicht viel besser- bis sein Damastus anbrach und es feine 3rrwege erkannte. Jetzt sind die Edelmenschen in der Mehrheit und die Verräter und die Lumpen und Juden und Judengenossen in der Minderheit und die Welt genießt das wundersame Schauspiel der Wiedergeburt eines großen Volkes und seines Aufstiegs zu glänzenden Höhen." Der skandinavische Markt Eine nationalsozialistische Quelle stellt feft, daß DeutschTand durch die schlechte Handelspolitik des britten Reiches" im Begriffe ist, nahezu den ganzen skandinavischen Marft an England zu verlieren. Dieser Vorgang erhellt am besten aus der Entwicklung des Kohlenmarktes.- Englische Kohle wird in Standinavien bevorzugt behandelt; die deutsche Agrarpolitik hat die skandinavischen Länder geradezu in die Arme des englischen Handels getrieben. Die Kündigung des deutsch- schwedischen Handelsvertrages vom 15. Februar 1938 hat diese Entwicklung beschleunigt. Es liegen uns zwei nationalsozialistische Wirtschaftspublikationen vor, die den Erfolg Englands bestätigen; beide sind für Deutschland überaus pessimistisch und empfehlen als Heilmittel den Binnenmarkt. Der Binnenmarkt aber verliert durch die täglich steigende Teuerung und durch das gleichzeitige Sinken der Löhne ständig an auftraft. Rückgang des Radioexports Das letzte Heft der Deutschen Volkswirtschaft" verweist auf den starken Rückgang des Radioerports und auf die Notwendigkeit für die Radioindustrie, den Binnenmarkt zu er faijen. Die nationalsozialistische Zeitschrift veröffentlicht folgende Tabelle, die den Rückgang des Exports illustriert: 1. Halbjahr 1931 1. Halbjahr 1982 1. Halbjahr 1938 1000 MM dz 1000 R. 17 319 18 463 12 879 dz bz 18 440 1000 RM. 35 796 35 284 Wenn man diese ohnehin schon schlechten Zahlen mit den Berichten nichtoffizieller Fachblätter in Vergleich setzt, dann muß man die Zahlen für das 1. Halbjahr 1983 noch als zu eut bezweifeln. Nazi für Warenhäuser Im letzten Heft der Deutschen Volkswirtschaft"( Nr. 11) tritt Dr. Heuser- Berlin für die Warenhäuser ein, indem er ihre Einkaufsorganisation rühmt. Er schlägt nun vor, dem Einzelhandel eine gleiche Einkaufsorganisation zu geben, um so die Warenhäuser zu bekämpfen. Da sei die natürliche Lösung der Warenhausfrage. Bon Zerstörung oder Verbot der Warenhäuser ist nicht mehr die Rede. In Wirflichkeit hat der deutsche Einzelhandel natürlich eine ganze Reihe von Einkaufsorganisationen seit vielen Jahren, ohne daß ihm diese Einrichtungen geholfen hätten. Das Nazigeschrei über die Warenhäuser enthüllt sich immer deutlicher era Schminder Österreichs Weg in den Faschismus Wien, 22. September. Die Umbildung der Regierung Dollfuß bedeutet einen großen Schritt zum Faschismus. Die unsinnige Rede des jungen Starhemberg gegen die Wiener„ Bolschewiken", womit er die mehr als 60prozentige Majorität der Wiener sozialdemokratischen Bevölkerung und die 42prozentige der Sozialdemokraten in der österreichischen Republik meinte, hatte einen Empörungsschrei der Arbeiter zur Ant. wort. In den Betrieben und bei den Stempelstellen, auf Vertrauensmännerversammlungen und Gewerkschaftskonferenzen wurde dem„ Führer" deutlich gesagt:„ Wir wehren die Nazi nicht ab, um dem Heimwehrfaschismus Platz zu machen." Die Kampfstimmung der Arbeiterschaft machte dem Vizekanzler Winkler, dem Vertreter des bäuerlichen Landbundes in der Regierung, Mut. Auf einer Tagung in Graz fand er scharfe Worte gegen den Faschis mus; seiner Rede folgte ein aufrechtes Wort des christlich sozialen Gewerkschaftsführers Leopold Kunschak( dessen Blatt, die„ Christlichsoziale Arbeiterzeitung", eben in Deutschland verboten wurde) für die Demokratie. Ein paar Tage lang sah es so aus, als würde der Heimwehrfaschismus zurückgedrängt werden. Dazu kam noch ein bezeichnender Vorfall hinter den Kulissen: Der Vertreter der Heimwehren in der Regierung, Major Fey, verlangte die Einberufung eines starken Heim wehrkontingents als Hilfspolizei. Dieser Wunsch stieß auf den Widerstand zweier chriftlichsozialen Minister, des Justizministers Schuschnigg und des Landesverteidigungs ministers Vaugoin. Fey wurde geschlagen und Baugoin berief 5000 Reservisten ein, die als Sozialdemokraten ( denn früher wurden sie deshalb aus dem Heeresverband entlassen) ein verläßlicher Schutz gegen Nazi und Heimentlassen) ein verläßlicher Schuß gegen Nazi und Heimwehr erscheinen mußten. Baugoin ging nun an die In; spizierung der Grenzländer; in Salzburg, das durch die Nazi besonders bedroht ist, versicherte er sich bei der Abwehr der braunen Pest der Arbeiterbewegung, die nicht einmal dort eine Schwächung erfahren hat. Dann begab sich Baugoin, der gleichzeitig Obmann der christlichsozialen Partei ist, nach Wien zurück. Er berief seine Fraktion ein und es schien, es werde ihm gelingen, die christlichsoziale Partei gegen die Heimwehr zu mobili sieren und ein erträgliches Verhältnis zu den Sozialdemo: kraten herzustellen. Aber der Bundeskanzler Dollfuß versetzte dem Obmann seiner eigenen Partei einen Fuß tritt: er erschien nicht einmal in dieser Fraktionssizung und machte sich noch am gleichen Tage daran, sein Kabinett umzubilden. Der antifaschistische Bizekanzler Winkler mußte ebenso gehen wie der christlichsoziale Parteiobmann Baugoin. Zum Bizekanzler und Innenminister machte er den Major Fey und zum Landesverteidigungsminister den schwarzgelben Monarchisten Prinzen Schönburg- Hartenstein, der sich bereits im Weltkrieg als Generaloberst reblich blamiert hatte. 74 Diese zwei Personen, der Major Fey und der Prinz, Schönburg- Hartenstein, sind für die neue Regierung charakteristisch. Sie bedeuten: die Arbeiterbewegung, die bisher der Schutzwall gegen die Nazi mar, soll niederge. schlagen werden. Schon vor der Umbildung der Regierung plante Fen eine Auflösung der Sozialistischen Arbeiter Jugend. Diesen Plan wird er nun verwirklichen wollen. Er denkt zweifellos weiter, er plant, systematisch nach dem deutschen Muster den Margismus„ auszurotten". Der Prinz Schönburg- Hartenstein ist der Vertreter der Exkaiserin Zita und des kleinen Otto Habsburg in der Regierung der österreichischen Republik. Zum ersten Male seit 1918 gibt es eine österreichische Regierung, in der ein dezidierter und offener Monarchist sitzt. Dollfuß hat sich zwar fürs Ausland, aber immer noch nicht fürs Inland entschieden, welchem Faschismus er schließlich zuzustimmen gedenkt. Die Brücken zu Hitler sind noch immer nicht ganz abgebrochen. Vor zwei Tagen hat sich der zum Schein aus der NSBO. ausgeschlossene Dr. Walter Riehl nach Berlin begeben, um mit Hitler über einen deutsch- österreichischen Frieden zu verhandeln. Es verlautet, daß sich dem Heimwehrmajor und dem Generalobersten drei Naziminister zugesellen werden. Die neue Regierung Dollfuß stößt bei ihren Christlichsozialen auf einen zahmen Widerstand. Die Vertreter der Bundesländer, namentlich Kärntens und Oberösterreichs, find gegen den Faschismus; denn in den Bundesländern ist es so, daß die Christlichsozialen täglich ihre Anhänger an die Nazi verlieren, während die Sozialdemokraten nicht nur ihren Stand behaupten, sondern z. B. in Nieders österreich neue Mitglieder gewinnen. Wer in den Län dern lebt, kennt diese Dinge genau, daher sind die chrift lichsozialen Politiker aus den Bundesländern für ein 3usammengehen mit den Sozialdemokraten, denn sie wissen, daß jeder Faschismus ihre eigene Partei, das heißt den politischen Ratholizismus, umbringt. Dollfuß und die Heimwehrführer sind machtberauscht. Sie betrügen sich selbst und werden vielleicht schon in den nächsten Tagen den nächsten Tagen vielleicht erst in ein paar Wochen -in einer Situation sein, die sie nicht mehr zu meistern vermögen. Inzwischen werden Konzentrationslager gebaut. Eines bei Wiener- Neustadt, eines bei Heggeshalom; beide also an der ungarischen Grenze; klug wie man ist, will man durch die geographische Lage den Sozialdemo kraten die Flucht erschweren. Was in Desterreich für Freiheit und Demokratie, gegen Faschismus und Bergewaltigung geschieht, das geschieht über das kleine Land hinaus für die Freiheit Europas und gegen den Faschismus. Wenn Europa diese Grunderkennt. nis einfieht und den österreichischen Freiheitskämpfern nur einen Bruchteil der Hilfe angedeihen läßt, die es für den schwarzen Faschismus und seine Repräsentanten Dollfuß, Fen und Starhemberg übrig hatte, dann muß unfer Kampf gut ausgehen. Die Mißhandlung der Ausländer in Deutschland Itallen ist klager Der Neuen Züricher Zeitung"( Nr. 1707) schreibt man aus Italien: wwww Schweizer Herrn. Um vier Uhr befand er sich auf dem Hohen. zollerndamm, als ein SA.- Zug vorbeimarschierte. Rüegg als eben zugereifter Ausländer nahm weder den Hut ab er trug eine Basfenmüze. noch führte er den Hitlergruß aus. Ein den Zug begleitender SS.- Mann schlug ihn mit der Faust ins Gesicht, so daß er zu Boden stürzte. Er erhob sich rasch und stellte seinen Angreifer zur Rede, worauf der ganze SA- Zug hielt und vier bis fünf Mann über das Gitter stiegen und sich auf Rüegg stürzten. Dieser wurde nun mit Faustschlägen und Fußtritten, wie er zu Protokoll gab, so schwer mißhandelt, daß er ein Sanatorium aufsuchen und sich einer Operation unterziehen mußte. Er ist nun wieder hergestellt, aber noch nicht arbeitsfähig. Die Berichte über die in Deutschland erfolgte Mißhandlung von Schweizern, die, gestützt auf den Erlaß des stellvertreten den Leiters der Nationalsozialistischen Partei, den Hitlergruß unterlassen, werden von jenen Italienern, die aus der ausländischen Presse von diesen Vorkommnissen etwas erfahren, mit großem Staunen und Kopfschütteln vermerkt. Die italienischen Zeitungen bewahren natürlich solchen Vorkomm nissen gegenüber taktvolles Schweigen; denn die Beziehun gen zwischen den beiden faschistisch" regterten Staaten be dingen eine gewisse Rücksichtnahme. Trotzdem erscheint es antgebracht, festzustellen, daß sich die deutschen Nationalsozialisten in dieser Grußangelegenheit wirklich päpstlicher als der Papst benehmen. Nicht einmal in den Tagen der faschistischen Revolution und später bei politischen Zwischenfällen, die eine Aufregung der faschistischen Maffen bewirkten, sind in Italien Ausländer wegen Nichtanwendung der faschistischen Gruß form belästigt, geschweige denn mißhandelt worden. Es tam vor, daß bet faschistischen Umzügen Buschauern der Hut vom Kopf heruntergeholt wurde, wobei einige Büffe abzufallen pflegten; der römische Gruß aber wird auch im Jahre XI der faschistischen Herrschaft vom Ausländer nicht einmal im Berfehr mit den Parteibehörden gefordert. Es bestehen zwar allgemeine Vorschriften, denen aber, was die Ausländer betrifft, auch allgemein gültige und allgemein respektierte Ausnahmebestimmungen gegenüberstehen. Das Verhalten dem Ausländer gegenüber wird in solchen Fällen durch die italienische gentilezza" bestimmt. Vielen Faschisten ist der römische Gruß des Ausländers sogar verdächtig, weil sie dahinter eine veinliche Liebedienerei vermuten. Ein Faschist, der von diesen Er wundert sich 3wischenfällen in Deutschland hörte, bemerkte trocken:„ Wenn gewisse Dinge methodisch werden, entarten sie ins Groteske." Wie die„ Basler Nachrichten" berichten, handelt es sich bei dem in Berlin von SA.- Leuten mißhandelten Schweizer um einen Friedrich Rüegg, der unter dem Künstlernamen Surville in Paris lebt und vor einigen Tagen erst nach Berlin gekommen war, um Artikel über die Tätigkeit des Nationalsozialismus in Film und Rundfunk zu schreiben. Er befand sich in Begleitung einer Schweizer Dame und eines Rohstahlerzeugung steigt Die Robstahlerzeugung im deutschen Zollgebiet belief sich im August 1983( 27 Arbeitstage) auf 706 308 To. gegen 640 992 To. im Juli 1983( 26 Arbeitstage). Arbeitstäglich wurden im August durchschnittlich 26 160 To. hergestellt, d. h. 6,1 Prozent mehr als im Juli 1988 oder 69,2 Proz. mehr als im September 1982, der den tiefsten Punkt der Rohstahlerzeugung seit 1929 darstellte. Die Herstellung an Walzwerk- ertiaerzewaniffen fm deutschen Besonders gravierend- heißt es ferner im Bericht des genannten Basler Blattes werde der Fall durch den Umstand, daß die Begleiter Nüeggs die SA.- Leute darauf aufmerksam machten, daß Rüegg ein Ausländer sei. Nach dem Erlaß des Stellvertreters des Führers, Heß, fann von Ausländern nicht verlangt werden, daß sie den Hitlergruß leisten. Dieser Erlaß, der erst vor kurzer Zeit herausgekommen ist, dürfte wohl allen Formationen bekannt sein. Die deutsche Regierung hat versprochen, die schuldigen SA.- Leute ausfindig zu machen und der Bestrafung zuzuführen.„ Die bittere Fronte an der ganzen Sache ist, daß Friedrich Rüegg ein be geisterter Anhänger der faschistischen und der nationalfozialistischen Idee ist und speziell deshalb nach Berlin gekommen ist, um sich über die Idee zu orientieren und darüber zu schreiben." hb. Jn Tondern, im dänischen Nordschleswig gelegen, veranstalteten die Nationalsozialisten einen Umzug mit 150 Mann. Die marschierenden Streiter wurden von der Arbeiterbevölkerung ausgelacht. Da sprang ein Reichsdeutscher SA.- Mann aus dem Zuge heraus und mißhandelte einen dänischen Staatsbürger schwer. Der Täter wurde sofort cr griffen und ins Gefängnis gesteckt. Als ihn die Polizei feft nahm, war er außerordentlich verwundert, und entrüstet, da er doch nicht anders gehandelt habe, als das in Deutschland üblich sei. Die Beamten antworteten auf seine Entrüftung lächelnd, er habe Bech gehabt, die Kultur des dritten Reiches" sei bis Dänemark noch nicht gedrungen. Zollgebiet belief sich im Auguft 1983( 27 Arbeitstage) auf 511 311 To. gegen 470 087 To im Vormonat( 26 Arbeitstage). Die durchschnittliche arbeitstägliche Herstellung betrug 18 987 Tonnen gegen 18 078 To. im Juli 1983, d. b. 4,8 Prozent oder 87,5 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres, der den tiefsten Punkt in der Herstellung an Walzwert Fertigerzeugnissen darstellt. Außerdem wurden im August 1988 45 318 To.„ Halbzeug zum Absatz bestimmt" hergestellt, im Yuli 201 Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit" Sonntag, den 23. September 1933* * Goethe hat alles gewußt Menschenkunde des ,, dritten Reiches" im Tiecepos ,, Reineke Fuchs" Einen Hitler wollten sie haben Ich erinnerte mich der Frösche, deren Gequafe Bis zu den Ohren des Herrn im Himmel endlich gelangte, Einen König wollten sie haben und wollten im Zwange Leben, nachdem sie der Freiheit in allen Landen genossen. Da erhörte fie Gott und sandte den Storch, der beständig Sie verfolget und haßt und keinen Frieden gewähret. Ohne Gnade behandelt er sie; nun flagen die Toren, Aber leider zu spät; denn nun bezwingt sie der König. Die Gemeinschaft der Diebe Raubt der König ja selbst so gut als einer, wir wissen's; Was er selber nicht nimmt, das läßt er Bären und Wölfe Holen und glaubt, es geschähe mit Recht. Da findet sich keiner, Der fich getraut, ihm die Wahrheit zu sagen- so weit hinein ist es Böse fein Beichtiger, fein Kaplan; sie schweigen! Warum das? Sie genießen es mit, und wär's nur ein Rock zu gewinnen. Komme dann einer und flage! Der haschte mit gleichem Gewinne Nach der Luft, er tötet die Zeit und beschäftige besser Sich mit neuem Erwerb. Denn fort ist fort und was einmal Dir ein Mächtiger nimmt, das hast du be= sessen. Der Klage Gibt man wenig Gehör und sie ermüdet am Ende. Unser Herr ist der Löwe, und alles an sich zu reißen, Sält er seiner Würde gemäß. Er nennt uns gewöhnlich Seine Leute. Fürwahr, das unsre, scheint es, gehört ihm. ,, Berufs"-Beamte Darf ich reden, mein Oheim? Der eble König, er liebt sich Ganz besonders Beute, die bringen und die nach der Weise, Die er fingt, zu tanzen versteh'n. Man sieht es zu deutlich. Daß der Wolf und der Bär zum Rate wieder gelangen, Schadet noch manchem. Sie stehlen und rauben; es liebt sie der König; Jeglicher steht es und schweigt; er denft, an die Reihe zu fommen. ... Kleine Diebe hängt man so weg, es haben die großen Starken Vorsprung, mögen das Land und die Schlösser ver walten. Gleichgeschaltete ,, Demokratie" Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es läßt ein jeder Alles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen. Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge. Afterreden, Lug und Verrat und Diebstahl, und falscher Eidschwur, Rauben und Morden, man hört nichts anders erzählen, Falsche Propheten und Heuchler betrügen schändlich die Menschen. Außenpolitik Doch im Nate fehle gar oft die nötige Klugheit; Denn sie pflegen zu sehr auf thre Stärke zu troben Kommt man ins Feld und naht sich dem Werke, da hinft es gewaltig. Mutiger kann man nichts sehn, als sie zu Hause sich zeigen; Draußen liegen sie gern im Hinterhalt. Sezt es dann einmal Tüchtige Schläge, so nimmt man fie mit, so gut als ein andrer. Den Arrivierten Die allergierigsten Schälfe. Werden erhoben und Nuk und Gewinn bedenkt man alleine; Recht und Weisheit stehen zurück. Es werden die Diener Große Herren; das muß der Arme gewöhn= lich entgelten. Hat ein solcher Macht und Gewalt, so schlägt er nur blindlings Unter die Leute, gedentet nicht mehr, woher er gekommen; Seinen Vorteil gedenkt er aus allem Spiele zu nehmen. Unter den Großen finden sich viele von diesem Gelichter. Keine Bitte hören sie je, wozu nicht die Gabe Gleich sich reichlich gesellt, und wenn sie die Leute bescheiden, Heißt es: Bringt nur und bringt, zum Ersten, Zweiten und Dritten! Den Gleichgeschalteten Sie tamen in Scharen zum Sieger ge= laufen, Alle Verwandten, der Dachs und der Affe und Otter und Biber. Seine Freunde waren nun auch der Marder, die Wiese!, Hermelin und Eichhorn, und viele, die ihn befeindet, Seinen Namen zuvor nicht nennen mochten, sie liefen Alle zu ihm... ... Es tat ihm Jeglicher schön, sie schmeichelten ihm und fonnten nicht enden. Ereignisse und Geschichten nicht lebe ich! Nicht leb' ich! Nein! Den Geist der Dumpfheit quält, es macht ihn wirr der Kampf um Nichtigkeiten. dem Leben fehlt der Sinn in diesen Zeiten, da ihm die Freiheit, o die Freiheit fehlt. Steht einer auf und spricht, von ihr beseelt, wird man ans Furcht ihm nackten Hohn bereiten, nur das Gelächter wird den Mann geleiten, der von der Freiheit hochgerect erzählt. Was hilft es mir, von toten Helden sprechen, die ich als Licht in diese Nacht mir stellte, o Freiheit, die der Götter Hauch umflicht. O lebte ich, da man Tyrannen fällte, mit Euch, Rom und Athen, und müßte nicht der Dichter sein, dem sie die Flügel brechen! Gioine Carducci ( Aus dem Italienischen von Fritz Brügel.) Isaaks Opferung ,, Undeutsche Gottesauffassung!" Der Regierungspräsident von Schleswig hat verboten, die Erzählung von der nicht zustande gekommenen Opferung saats weiterhin im Religionsunterricht zu verwenden, da die darin zum Ausdruck kommende Gottesvorstellung undeutsch sei. Die Geschichte ist bekanntlich sinnbildlich zu nehmen für die Beseitigung des Menschenopfers, das die Juden, ebenso wie die meisten anderen Völker( die Germanen z. B. mehr als ein Jahrtausend länger) geübt hatten. Wir verstehen, daß die neudeutsche Gottesauffassung des britten Reiches", aut dessen wichtigsten Sulthandlungen Menschenopfer in gran Samster Form gehören, an dieser milderen Gottesauffassung ,, Die nationale Revolution ist beendet" Jenen Hunden vergleich' ich sie wohl, die pflegten in Menge Vor der Küche zu steh'n und hofften, es werbe wohl ihrer Auch der günstige och mit einigen Knochen Anstoß nimmt und darum mit solchem jüdischen Humanis gedenken. Einen ihrer Gesellen erblickten die wartenden Hunde. Der ein Stück gefottenes Fleisch dem Roche genommen Und nicht eilig genug zu seinem Unglück davonsprang Denn es begoß ihn der Koch mit heißem Wasser von hinten Und verbrüht' ihm den Schwanz; doch ließ er die Beute nicht fallen, Mengte sich unter die andern; sie aber sprachen zusammen: „ Seht, wie diesen der Koch vor allen andern begünstigt! Seht, welch föstliches Stüd er ihm gab!" Und jener versezte: ,, Wenig begreift Ihr davon, Ihr lobt und preift mich von vorne, Bo es euch freilich gefällt, das köstliche Fleisch zu erbliden; Aber bescht mich von hinten und preist mich glücklich, wofern Ihr Eure Meinung nicht ändert!" Da fie ihn aber besahen, War er schrecklich verbrannt; es fielen die Haare herunter, und die Haut verschrumpft ihm am Leib. Ein Grauen befiel sie, Niemand wollte zur Küche; sie liefen und ließen ihn stehen. Den künftigen Rächern .. Denn solltet ihr diesmal Diesen Verräter verschonen, gerechte Rache verzögern, Euerm Frieden und eurem Geleite nicht Nachdruck verschaffen, Vieles würde darüber gesprochen; es würd' euch mißfallen. Denn man sagt: Der ist schuldig der Tat, der zu strafen Gewalt hat Und nicht strafet... Echte Heldengröße! ,, Und dann fiel die Peitsche zuckend auf die Schultern des Juden.. In dem Kölner Blatt der Nationalsozialisten, dem„ Westdeutschen Beobachter"( 7. September 1988), lesen wir diese fleine Geschichte„ Aus dem Hohen Atlas": In Beni Mellal hatten die Regionäre nachts einem Juden ein Schweingestohlen. Sie waren aber dabei verpfiffen worden, und schon am nächsten Morgen stand der Jude vor dem Kommandanten und forderte die Rückgabe feines Schweines und die Bestrafung der Diebe. Der Kom pandant schaute den Juben einmal von oben bis unten an; dann sagte er:„ Schwein gestohlen? Legionäre stehlen nicht, aber fomm mit, du sollst dich selbst überzeugen. Wehe dir, wenn du das Schwein nicht bei uns findest." Der Jude hätte in diesem Augenblick gern Schwein Schwein sein lassen, wenn ihm das noch möglich gewesen wäre, aber der Kommandant hatte ihn fest beim Aermel und in der andern Hand die Reitpeitsche. Da wußte der Jude ungefäbr, was es geschlagen hatte. Der Kommandant führte den Anfläger in die Mannschaftsfiche, wo der Koch mit einem Löffel in einem großen Topf rührte. Es konnte nicht zweifelhaft seines roch nach Schweinefleisch und aus dem Topf ragte sogar noch ein Bein von dem gestohlenen Tier heraus, das der Koch aber mit einer geschickten Bewegung in die Brühe stieß, sobald er jah, wer da in Begleitung des Kommandanten erschien. " Was fochen Sie da?" herrschte der Kommandant den Koch mit strenger Miene an. " Fleisch von einem fapitalen Hammel," erwiderte der Koch in dienstlicher Haltung. Jest rief der Kommandant einen Sergeanten herbei, der in der Nähe stand und die one mit angehört hatte. „ Schau mal in den Topf. Was für Fleisch wird da gekocht?" Der Sergeant beugte sich über den Topf und schaute hinein. Während er sich das Lachen verbiß, wollte sich auch der Jude vorbeugen und sich von dem Inhalt des Topfes überzeugen. Schwapp, hatte er die Gabel des Kochs auf der Nase und prallte mit einem Schrei zurück, während ihm die beiße Brühe seines Schweines über das Gesicht lief. Jetzt sagte der Sergeant: Fleisch vom Hammel ist in dem Topf." tätsschwindel" gründlich aufräumt. Aber die Sache hat auch noch eine politische Seite. Es ist dies wohl der erste Fall der Einmischung einer politischen Behörde in den Religionsunterricht. Die fatholische „ Saarbrücker Landeszeitung", die sich gelegentlich noch einmal auf Nebengebieten fleine Seitensprünge aus dem Gitter der Gleichschaltung gestattet, meint dazu, die katholische Kirche habe feine Veranlassung, dieser Anweisung zu folgen und auf diese biblische Erzählung zu verzichten. Warten wir einmal ab, ob ein katholischer Religionslehrer diesen Mut aufbringen, und was ihm in diesem Fall geschehen wird. Und was die Kirche dann tun wird. Die braune Hofetikette Verwechselt nicht die Grüße! Der Chef des Stabes der SA. und SS. hat eine Verfügung über die Grußpflicht innerhalb der S. erlassen, in der u. a. folgende Bestimmungen festgelegt find: Es ist zu unterscheiden zwischen dem Deutschen Grüß und dem SA.- Gruß. Während der Deutsche Gruß in einem Erheben der rechten Hand in beliebiger Ausführung besteht, also mehr einen allgemein fameradschaftlichen Gruß darstellt, wird der SA. Gruß nach den Bestimmungen der A. Dienstvorschrift durch ein Anlegen der linfen Hand an das Koppel und Heben des ausgestreckten rechten Armes durchgeführt. Der S A. Gruß ist zu erweisen: allen ranghöheren Führern der SA. und und SS., des in die SA. eingegliederten Wehrstahlhelms sowie gegenüber den Offi zieren der Reichswehr und der Landes- und Schuspolizei. Der kameradschaftliche Deutsche Gruß ist zu wechseln awischen allen im Range gleichgestellten Angehörigen der SA. und SS. untereinander sowie mit den eine entsprechende Dienststellung einnehmenden Angehörigen der Reichswehr, der Polizeien, mit den Angehörigen des Stahlhelms, des Deutschen Luftsportverbandes, der Hitlerjugend, des Bahnschußes sowie mit der gesamten Parteigenossenschaft, spfern sie durch vorschriftsmäßige Bekleidung als solche erkenntlich ist. Wieviele Tage haben die Zeremonienmeister des„ britten Reichs" nötig gehabt, um diese Gruß- und Rangordnung auszuarbeiten? Aber vielleicht tun wir den Herrschaften mit dic fer respektlosen Frage unrecht. Denn diese sorgfältige Ab stufung der Grußpflicht, der Grußart und der Organisationen, die in Genuß bevorzugter Handbewegungen und Bekleidungsstücke gelangen sollen, gehört vermutlich zu den vom„ Rolf3fanzler" so erfolgreich eingeleiteten Kampf gegen Hunger und Kälte. Siehst du, bu Schweinehund," grinite der Komman. Wozu studieren Juden? dant. Hab ich es doch gewußt, daß meine Regionäre keine Tiebe sind. Jetzt mach, daß du fortkommit, sonst laß ich dich frummschnallen, du Anträger, wolltest dir wohl gar bei uns eine Sau verdienen. Da nimm das mit nach Hause und unterstehe dich nicht, noch einmal einen Legionär eines Diebstahls zu zeihen." Damit fiel die Reitpeitiche zuckend auf die Schultern des Juden, der sich heulend entfernte." " In dem Bestreben, auf die entscheidenden Posten zu gelangen, haben sich die Juden in Deutschland zur Pflicht gemacht, die Rechte zu studieren, um das Reut zu fnechten, sie haben sich der Medizin gewidmet, um die Gesundheit des deutschen Volkes zu untergraben, ia,[ te ließen sich taufen, um als Pastoren dem Bat die Religion au rauben."... Pg. Schröder in Dortmun Ein waderer und würdiger Held, dieser Kommandant. Wie er durch Schlauheit und Reitpeitsche einen armen Juden Fruchtlose Zwangsanstalt besiegte. Diese Geschichte verdient Aufnahme in den neuen Lefebüchern zweds Erziehung der deutschen Jugend zur heroischen Weltanschauung. Vielleicht schreibt Adolf Hitler eine Einleitung dazu, wie man durch germanische Tapferfeit und Selbstüberwindung den bekannten„ inneren Schweinehund" im Menschen erfolgreich abtöten fann. Schlechtes verbietest du leicht, boch gegen bes Genins werks Sind ohnmächtig und schwach Scherge, Minister, Despot Während du glaubst das Genie zu beherrschen, beherrichest du höchstens Bloß des Genies Leichnam, welchen die Seele verließ. August Graf von Platen. Ergebnis der Verhandlungen in der Voruntersuchung decken. Dem Angeklagten werden dann zahlreiche Aeußerungen vorgehalten, die er in Gesprächen gemacht haben soll. So hatte er zu dem Zeugen Janice, einem Zeitungshändler, Völkerbund ist beisammen geäußert, die Deutschen wüßten nicht, was sie machten, und Ein südafrikanischer Prädident die Kommunistische Partei arbeite nicht durchgreifend genug Auch in der Wohnung Starfers, wo van der Lubbe übernachtet hat, ist es zu unterhaltungen gekommen, in deren Verlauf van der Lubbe sagte, daß er Angehöriger der Kommunistischen Partei sei, jedoch mit der jegigen Führung der Partei nicht einverstanden sei, da diese zu flan arbeite. Van der Lubbe bestätigt alle diese Aeußerungen durch ein kurzes Ja oder durch Kopfnicen. Das gilt auch von weiteren Aeußerungen wie: Man müsse Revolution machen, er wolle Erwerbslose zusammenbringen, um die Revolution vorwärtszutreiben, jeder müsse sich selbst Führer sein und nicht erst die Befehle der Parteileitung abwarten, er wolle bis zum 5. März in Berlin bleiben, und wenn bis dahin nichts geschehen sei, wieder nach Holland zurückkehren. Dem Wohlfahrtspfleger gegenüber hat er geäußert, man müsse äußerst radikale Maßnahmen ergreifen. Am gleichen Nachmittag hat sich van der Lubbe einen SA.- Aufmarsch in Neukölln angesehen und auch dabei geäußert, man müsse etwas machen. Van der Lubbe bestätigt alle diese Aeußerungen. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden bestätigt der Angeklagte van der Lubbe, daß er am Donnerstag, 23. Februar, von der Post Geld abgeholt und dann die Absicht gehabt habe, eine im Sportpalast stattfindende fommunistische Versammlung au besuchen. Diese Versammlung sei aber aufgelöst worden. Am Freitag, 24., also am Tage vor der Brandstiftung, hat Lubbe sich mit einigen jungen Leuten darüber unterhalten, daß etwas unternommen werden müsse, um die Arbeiterbewegung vorwärtszutreiben. Die Frage des Vorsitzenden, ob er sich an diesem Tage mit dem Gedanken beschäftigt habe, gegen die Nationalsozialisten etwas zu unternehmen, verneint der Angeklagte. Gegen halb 3 Uhr vertagt der Vorsitzende die Weitervernehmung des Angeklagten van der Lubbe auf Dienstag vormittag. Der Raubstaat Das Kölner Parteivermögen gestohlen Wie der Parlamentsdienst der Telegrafen- Union melbet, hat der Regierungspräsident in Köln durch eine Bekanntmachung an Stelle einer Zustellung die Einziehung einer großen Reihe von Vermögensgegenständen verfügt, die Eigentum margistischer Organisationen, insbe Genf, 25. September. Am Montag trat die 14. Bölferbundstagung zusammen. Sie wurde eröffnet vom norwegischen Ministerpräsident Mowinkel. In der geheimen Abstimmung wurde zum diesmaligen Präsidenten Tewater, der Vertreter Südafrikas in London, mit Stimmenmehrheit gewählt. 58 Staaten sind durch beglaubigte Delegierte vertreten. Japan, das seinen Austritt angefündigt hat, sowie Argentinien und Hondoras haben keine Delegierte entsandt. Die Eröffnungsrede Mowindels stellte mit Bebanern fest, daß sich die Lage des Völkerbundes seit der letzten Ver: jammlung nicht verbessert habe. Noch schlimmer als das Versagen im oftastatischen Konflikt seien die Enttäuschungen in Europa. Die Idee und die Möglichkeit eines Krieges schwebten wie ein Gespenst über seiner Zukunft. Mowindel erinnerte zum Schluß an Stresemann& legte Rede vor der Völkerbundsversammlung am 9. September 1929, Man empfand diese Erinnerung allgemein als einen Stich gegen Göbbels, der noch kurz vor feiner Abreise nach Genf in Frankfurt das Andenken Stresemans geschmäht hatte. Zu Vizepräsidenten wurden der deutsche Außenminister v. Renrath, der franzöfifche Ministerpräsident Daladier, der englische Außenminister Simon und Mussolinis Kabinetts: chef Aloisi gewählt. Dienstagnachmittag soll die allgemeine Aussprache beginnen. Am erften Tage fanden die üblichen Aussprache beginnen. Am ersten Tage fanden die üblichen Rusammenfünfte statt, auch Dollfuß ist da, ebenso der Präsident des Danziger Senats, der Nationalsozialist Rauschning. Französische Stimmen Paris, 26. Sept. Den Auftakt der Völkerbundstagung nimmt die französische Presse hente früh als einen Erfolg der franzöfifchen Delegation in Anspruch. In einer offiziösen Auslaffung der Savasagentur aus Genf wird mit Befriedigung die Tatsache, daß Frankreich für seine Wahl zum Vizepräsidenten vier Stimmen mehr erlangt habe Zürich sondere der SPD. und der KPD. gewesen sind. Es handelt Ein großer sozialdemokratischer Sleg fich um Schreibmaschinen, einen Personenkraftwagen, Vervielfältigungsapparate, Musits instrumente, 3immer= und Büroeinrichtungsgegenstände der verschiedensten Art, Filmvorführungs- und Funfgeräte. Die Gegenstände gehörten teils den Kölner Ortsgruppen der SPD. und der KPD., teils der Mittelrheinischen Druckerei- und Verlagsanstalt Köln- Deuß, dem Reichsbanner in Köln, der Musifvereinigung Freiheit" in Köln- Mülheim, der Kölner Ortsgruppe des Verbandes„ Opfer des Krieges und der Arbeit", der Volkshilfe mit Bestattungsfürsorge in Köln und dem Einheitsverband für proletarische Sexualreform und Mutterschus, Ortsgruppe Köln. Wie Wilhelm II. Zürich, den 25. September 1988.( Eig. Ber.) Am vergangenen Sonntag, dem 24. September, fanden in Zürich die Staatsratswahlen statt. Bei den legten Wahlen vor fünfeinhalb Jahren eroberte die Sozialdemo fratie zum ersten Male die absolute Majorität. In der Zwischenzeit wurde Zürich um acht Vororte er: weitert und die jetzt notwendig gewordenen Neuwahlen er gaben wiederum eine absolute sozialdemokratische Majorität auch für das inzwischen bedeutend vergrößerte Zürich. Ges wählt wurden genan wie vor fünfeinhalb Jahren fünf sozial: demokratische und vier bürgerliche Staatsräte. Der sozial: demokratische Staatspräsident Dr. Klöti wurde mit 40 850 Stimmen wiebergewählt, während sein Gegenfandidat Dr. Briener, ben das Gesamts bürgertum mit Einschluß der Faschiften aufgestellt hatte, nur 80 335 Stimmen erhielt. Der Sieg der Sozialdemo: tratie ist überwältigend. Die Reichswehr hat weiter einen Allerhöchsten driftlichsozialen Selfershelfer: Bon den vier gewählten Kriegsherrn Zur Ausgestaltung des Staatsaftes a um Ernte dankfest auf dem Bückeberg wird auch die Reichswehr, und zwar vor allem aus den benachbarten Garnisonen, teilnehmen. Die Pioniere haben die Aufgabe, zwei Pontonbrücken über die Weser zu schlagen, um die vorhandenen Brüdenübergänge während des An- und Abmarschs zu entlasten. Das gesamte Reiterregiment 13 wird den Führer von Hameln bis zum Bückeberg geleiten. Die Infanterie wird Ehrenfompanien stellen und die Artillerie Salutschießen. Mehrere Militärkapellen werden zur musikalischen Untermalung der Rundgebung und zum großen Zapfenstreich zusammengezogen. Die Familie Hindenburg, deren Chef Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches ist, tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Dies ist um so mehr zu verstehen, als daß durch neue Staatsschenfungen vergrößerte geschenfte und steuerfreie Gut Neudeck gewiß die Arbeitskraft des jüngeren Herrn von Hindenburg sehr in Anspruch nimmt, während der Herr Reichspräsident selbst bei seinem hohen Alter naturgemäß einer gewissen Schonung bedarf. Raub an Hinterbliebenen Für die politischen ,, Sünden" der Väter Berlin, 24. Sept. Wie schon mitgeteilt, ist durch die vom Reichskabinett beschlossene dritte Aenderung des Gesezes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verfügt worden, daß der Arierparagraph nicht für solche weiblichen Beamten gilt, deren Ehemänner im Weltkriege gefallen sind. Außer dieser Milderung für Kriegerwitwen nichtarischer Abstammung hat das Berufsbeamtengesetz noch zwei weitere nichtige Bestimmungen erhalten. Nach dem§ 2 Absatz 1 sind Beamte, die seit dem 9. November 1918 in das Beamtenverhältnis eingetreten sind, ohne die für ihre Laufbahn vorgeschriebene oder übliche Vorbildung oder sonstige Eignung zu besitzen, aus dem Dienst zu entlassen. Nunmehr hat § 2 noch folgenden ergänzenden Absatz erhalten: " Den Hinterbliebenen von Personen der im Absatz 1 bezeichneten Art, die vor dem Inkraftreten dieses Gesezes gesterben sind, sind die Hinterbliebenenbezüge zu entzieben. Im Falle der Bedürftigkeit kann ihnen eine Rente bis au sechzig Prozent des Betrages bewilligt werden, der dem verstorbenen Beamten als Rente hätte bewilligt werden können." Von dieser Bestimmung werden also die Hinterbliebenen von solchen Personen betroffen, die auf Grund des Gesebes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums jetzt ihre Entlassung aus dem Reichsdienst erhalten hätten. Außerdem hat auch der§ 4 eine wichtige Aenderung erfahren. Er besaat in der ursprünglichen Fassung, daß Beamite, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, aus dem Dienst entiaffen werden können. Er hat nunmehr folgenden neuen Abja 2 erhalten: Die Vorschriften des Absatzes 1 finden auf Beamte, die bereits vor dem Infrafttreten diefes Gefeßes in den Ruhestand getreten sind, entsprechende Anwendung, indem an die Stelle der Entlassung die Entziehung des Ruhegehaltes tritt." Um so größer ist die Niederlage der Faschiften und ihrer bürgerlichen Kandidaten fallen zwei an die Freisin nigen und zwei an die Demofraten während die Christlichsozialen und die faschistischen Frontisten ohne jede Vertretung bleiben! Der große Sieg der Züricher Sozialdemokratie reicht an Bedeutung weit über die Schweizer Grenze hinaus. Es ist in der ganzen Welt Mode geworden, den Niedergang des internationalen Sozialismus zu prophezeien. Das Züricher Beispiel zeigt, daß gegen den Faschismus auch in deutschsprachigen Gebieten gerade durch die Sozialdemokratie fräftige Wellen aufgeworfen werden können, wenn sie so lebendig und entschieden wirksam ist, wie in der größten Stadt der Schweiz. Dieser Sieg hat um so größere Bedeutung, als die Züricher Sozialdemokratie seit langen Jahren als Mehrheitspartei für die Kommunalpolitik und ihre Führung die entscheidende Verantwortung getragen hatte. Dadurch ergaben sich Belastungen, die von den Gegnern kräftig ausgenutzt wurden. Als deren jüngster trat seit einigen Monaten der schweizer Faschismus auf, der von einem Teil des Bürgertums gestützt wurde und nicht unerhebliche Werbemittel aus Deutschland erhalten hatte. Alles hat nichts geholfen. Die Züricher Sozialdemokratie dat in der ältesten europäischen Demokratie eine glänzende Rechtfertigung erhalten. Das Neueste Im Hinblick auf die Gerüchte einer bevorstehenden Küns digung des deutsch französischen Handels= vertrages von 1927 als franzöfifche Gegenmaßnahme gegen die neuen deutschen Bestimmungen zum Schuße des deutschen Außenhandels schreibt die Journee Industrielle" hente lediglich, daß die franzöfifche Regierung die Einleitung von Verhandlungen vorgeschlagen habe, und daß, falls Deutschland diese Verhandlungen schlechthin ablehne, eine Kündigung des Handelsvertrages un= vermeidlich sein würde. Wien, 25. Sept. Die amtliche Wiener Zeitung" bringt eine Berordnung des Bundeskanzlers über die„ Vers haltung sicherheitsgefährdender Perfonen zum Aufenthalt in einem bestimmten Orte oder Gebiete". Berlin. Der Firma Hembenmaß", Berlin, die acht Filialen betreibt, ist im Juli d. I. der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs untersagt worden. Die Be schwerdestelle beim Polizeipräsidium hat das Berbot bes ftätigt. Sofern die Firma in zuverlässige Sände( d. h. in die Räuberhände der Nazis!) übergeführt wird, ist die Möglichkeit nicht völlig ausgeschloffen, bak Schließung am 1. Oftober abgesehen wird. der Wie dem„ Journal" ans Perpignan gemeldet wird, hat der Präfekt beschlossen, die im Hinblick auf die Wahlen nach Andorra verlegten Gendarmeriestreitkräfte nach und nach Aurüdzuziehen. Eine erste Abteilung von zehn Manu jei nach Frankreich zurüdgezogen worden. Wie savas aus Nizza berichtet, ist dort der älteste russische za ristische General v. Hademann im Alter von 101 Jahren gestorben. Bei der legten Ortantatastrophe in Meriko follen 5000 Personen ums Leben gekommen sein. Vorgeplänkel als Italien, als ein schmeichelhafter Fingerzeig hingenoms men. Die Rede Mowinckels betrachte die französische Dele: gation als eine Nechtfertigung der Außenpolitit, die Franks reich in den legten Monaten eingeschlagen habe. Durch diese Rede werde die weitere Debatte sich nicht in doktrinären Einzelheiten verlieren, und auch nicht über aktuelle Fragen mit Stillschweigen hinweggehen. Nach der Nede Mowindels werde man ein Stillschweigen auch nicht verstehen. Bom Journal" wird auf die privaten Unterredungen und die Vermittlungstätigkeit besonders der italienischen Delegation hingewiesen und erklärt, daß der Eindruck, den der franzöfifche Außenminister Paul- Boncour von dieser ,, Annäherungarbeit" habe, günstig bleibe, Der nach Genf entsandte Berichterstatter des Matin" hat den Eindnd gewonnen, die Völkerbundsversammlung habe den Wunsch, daß die Großmächte ihr eine Lösung der österreichischen und der Abrüstungsfrage vorkanen mögen, denn ohne eine Reglung dieser Fragen brauche man im nächsten Jahre gar nicht erst aufammenzukommen. " Petit Parifien" weist auf die längere Unterredung des französischen Außenministers Paul- Boncour mit den italienischen Delegierten Suwitsch und Aloisi hin, die der österreichischen und der Abrüftungsfrage gegolten habe. Das Blatt erwartet von dieser Unterredung wenn nicht rasche Fortschritte, so doch immerhin wichtige Hinweise bezüglich der deutschen Reaktionen. Man habe das Gefühl, daß die deutschen Vertreter einen lebhaften Widerstand leisten werden, sowohl hinsichtlich der bei dem franzöfifcheenglisch- amerikanischen Grundsätze über Meinungsaustausch antagegetretenen Rüftungskontrolle, Bewährungsfrist und Sanktionen wie anch hinsichtlich der schon jetzt vorzunehmenden Aufbeckung der deutschen Gegenvorschläge, die die deutsche Delegation offen: bar an irgendeinem anderen Tage den französischen Vor= schlägen entgegenzustellen beabsichtige. Rußland Ein Konflikt droht Japan In Moskau hat die Verhaftung mehrerer russischer Ans geftellter ber Oftchinesischen Bahn eine neue, sehr scharfe Note an Japan ausgelöst. Die Note betont, daß Rußland Japan für diesen nenen Zwischenfall verantwort: lich mache, trotzdem die Haftbefehle von den Mandschntuos Behörden ausgestellt worden sind. Weiter bezeichnet die Note die Berhaftung als illegal und fordert die Freilassung der Verhafteten, sowie angemessene Entschädigung. Die offiziöse 38 weftija" weist hin auf die vorgeschrittene Jahreszeit und die Unmöglichkeit von militärischen Operationen in Sibirien erklärlich wird, da sie sonst den Frieben im Fernen Often ernstlich gefährden würde. Das Blatt erklärt, baß die Sowiets Beweise dafür hätten, daß Japan jeden Schritt der Mandschuhuobehörden bestimme mit dem Ziel, die offchinesische Bahn zu beschlagnahmen, nachdem die ruffischen Angestellten genügend terrorisiert worden seien. Schließlich erinnert die sweftija" die japanische Res gierung an ihre beim Einmarsch in die nörbliche Man: dichurei abgegebenen Versprechungen, die ruffischen Inters essen zu respektieren und betont, daß die Sowjets darauf bestehen würden, daß diese Versprechen auf das strikteste eingehalten würden. Politiker zu kaufen „ Enge Beziehungen zu allerersten Kreisen" Seit Hindenburg sein steuerfreies Gut,$ ttler und Göring ihre bayrischen Landsiße und alle bedeutenden Parteigenossen ihre gutbesolbeten Posten erhalten haben, ist bekanntlich die fapitalistische Korruption endgültig beseitigt. Da wundert man sich aber doch, wenn man auf einmal im Berliner Tageblatt" vom 5. September folgendes Inserat findet: Politiker Oberingenieur, 40 J., fath., derzeitige enge Beziehungen zu allerersten Kreisen, sucht industrielle oder wirtschaft!. Vertrauensstellung. Off. unt. Nr. G. 67 089 bef. Rudolf Moffe, Berlin- Neuföln, Berliner Straße 76. 77. Eine hübschere Verbindung von Politik und Geschäft läßt sich gar nicht vorstellen. Ein„ Politiker" bietet sich mit seinen engen Beziehungen zu allerersten Kreisen öffentlich aus durch Rudolf Mosse! War es dazu notwendig, das dritte Reich" zu gründen. Ins Gefängnis Wer den Mund auftut, gefährdet den Staat In Deutschland erzählt man sich, daß nächstens alle Zahnizte ihre Praxis niederlegen würden, weil im„ dritten Reiche" niemand mehr wagt, den Mund aufzutun. Das fann man verstehen, denn jeder Deutsche steht, sobald er den Mund öffnet, mit einem Fuße im Gefängnis. So teilt zum Beispiel die Pressestelle des schlesischen Oberpräsidiums mit: In verschiedenen der im vorigen Herbst aufgelöften und nicht wieber hergestellten schlesischen Landkreise werden offenbar fyftematische Gerüchte in die Welt gesetzt, die von einer Wiederherstellung auch dieser Kreise wissen wollen... Die Verbeiter derart unverantwort: licher Gerüchte mögen sich vor Augen halten, daß sie sich der Gefahr aussehen, zum Schnk von Bolk und Staat in Polizeihaft genommen zu werden." Kann sich der in Freiheit das heißt nicht in Deutschland lebende Mensch ein harmloseres Gespräch denken als eines über die etwaige Wiederherstellung aufgelöster Landfreise? Am dritten Reich" müssen Volk und Staat" vor dem Unglücklichen geschützt werden, der es wagt, dieses Thema anzuschneiden! Normale Vente können hier nicht mehr mit hier sind Spezialisten für Verfolgungswahn zuständig. Verboten wurden in Deutschland Christlichsoziale Arbeiterzeitung". Wien( Regierungsblatt),„ Le Matin", Paris; Le Journal", Paris; Journal de Haguenau( Hagenau); Tageblatt der Stadt Winterthur; Heraldo de Madrid";" Jungen in Not" von Lampel, Verlag Kiepenheuer Berlin( Deutsches Kriminalpolizeiblatt Nr. 1649, 1650). DAS BUNTE BLATT NUMMER 83 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Landesverräter... Hans Baumer findet in seinem Briefkasten wieder mal schreist du...?! Du...?! Wer hat die Separatisten ein Nazi- Flugblatt. Die ersten Zeilen springen ihn an: „ Der Sozialdemokrat Baumer lebt noch. Vergeßt nicht, Baumer ist einer der gefährlichsten Landesverräter Rheinlands..." Seine Frau fommt hinzu, nimmt ihm das Blatt aus der Hand und zerreißt es. Schon wieder bin ich Landesverräter," sagt er, und Bitternis fließt in sein Lächeln. Weil vor zehn Jahren unter meiner Führung die Separatisten aus dem Rheinland verjagt worden sind, weil ich die Arbeiterschaft unserer Bewegung gegen die Separatisten zum Kampf geführt habe, deshalb bin ich für die Braunen heut Landesverräter..." So danken sie es dir," sagt die Frau." Ich mußte es damals tun. Diese Separatisten stritten nicht für eine Idee: französische kapitalistisch interessierte Kreise hatten sie bestochen; Lumpen und Verbrecher waren es zu einem großen Teil. Und unsere Pflicht war es, gegen sie zu stehn." Die Frau fühlt, der Mann ist im Recht, und sie bleibt still. Dann aber mahnt sie:„ Und heute mußt du vor denen fliehen, die sich brüsten, allein gute Deutsche zu sein. Geh aus dem Haus, Mann, eh' es zu spät ist. Geh zu Frizz, da bist du am sichersten. Die SA. hat die Macht. Früher fonnten wir über solche Flugblätter lachen und rasch zur Tagesordnung übergehn. Aber jetzt-" Ich weiß," sagt Hans Baumer, und doch bleibe ich hier, Frau... 44 Er blieb in seiner Wohnung, der Arbeitersekretär Hans Baumer. Und zwei Stunden später fuhr eine SA.- Bande vor sein Haus. Sechs Burschen schleppten ihn in ein Auto. Die Frau flehte sie an. Jene lachten, demolierten Möbel, schmissen Bücher aus dem Fenster, Iteßen mancherlei in die eigene Tasche wandern. Ueber der Stadt lag ein klarer Frühlingsabend. Langsam fuhren sie, im Sprechchor Landesverräter!" brüllend. Leute auf der Straße sahen sich das Schauspiel amüsiert an. Arbeiter gingen vorbet, schauten fort, ballten die Faust in der Tasche. Im vornehmen Bürgerviertel steht das Hitlerhaus. Dorthin brachten sie Hans Baumer. Sie prügelten ihn in den Keller. Sie warfen ihn zu Boden und traten ihn mit Füßen. Sie fommandierten:„ Das Horst- Wessel- Lied singen, du Schwein!" Unter dem Gegröl Achtzehnjähriger muß sich der alte Kämpfer Hans Baumer an die Kellerwand stellen. Vor ihm in einer Reihe die faschistischen Helden. In ungezügeltem Sadismus spielen die Kerle mit ihrem Opfer. Dies ist ihre Taktik: entehren und schänden... Aus tiefer Qual schreit Hans Baumer auf:" Erschießt mich doch!" Onein, sie erschießen thn nicht, noch nicht. Noch ist das Spiel nicht beendet. Hans Baumer vermag nicht mehr klar zu sehen. Alles um ihn verwirrt sich und sinkt in schweren Nebel. Mit letter Anstrengung versucht er, seine Beiniger zu erkennen. Wie aus drückendem Traum reißt er die Augen auf und richtet den Blick auf jene, die sich grenzenlos zu vergnügen scheinen. An einem schon älteren Mann bleibt der Blick haften. Dieser Mann hat scheinbar die organisatorische Leitung und bestimmt mit großem Talent Art und bestmögliche Anwendung der Foltermethoden. Er brüllt seine Burschen an:„ Nan an den Lumpen Baumer! Versucht mal, ob thr tüchtig spucken könnt!" Hans Baumer versteht nicht, was jener da mit gieriger Stimme brüllt. Aber seine Augen können sich nicht von ihm abwenden. Jenem fällt es endlich auf. Was guckst du mich so an, Dreckschwein, du?!" fnarrt er. Da lösen sich Worte aus Baumers Kehle. Sie purzeln übereinander, jagen sich aus seinem Mund:„ Landesverräter Sontamara 18 ROMAN VON IGNAZIO SILONE Beim Fahren mußten je dret abwechselnd die Fahne halten, und das war feine Kleinigkeit. Unser Wimpel glich weniger einer Fahne als einem Segel, das im Sturm um den Mastbaum schlägt. Es mußte weithin auffallen. Jeden falls sahen wir die überraschten Gebärden der Cafoni, die gruppenweise in den Feldern arbeiteten und Frauen, die niederknieten und sich befreuzten. Beim Einfahren in das erste Dorf forderte uns der Chauffeur auf: " Singt das Lied!" " Welches Lied?" fragten wir. ,, Beim Passieren jeden Ortes sollen die Bauern begeistert die Nationalhymne singen! lautet meine Instruktion," antwortete der Lenker des Autos. Wir fannten aber keine Nationalhymne und waren außerdem viel zu beschäftigt, die Fahne des San Rocco hochzuhalten. Auf der Hauptstraße begegneten wir andern mit Gafoni beladenen Kamions, zahlreichen zweirädrigen Herrschaftswagen, Automobilen, Motorrädern und Fahrrädern, die auch alle in der Nichtung gegen Avezzano fuhren. Ueberall erregte unser weiß- blauer Riesenwimpel zuerst Staunen und dann endloses Gelächter. Die Fahnen der anderen waren schwarz, nicht größer als ein Taschentuch und Hatten in der Mitte einen Schädel zwischen vier Knochen, wie man das an Telegrafenstangen sieht mit der Aufschrift: Achtung, Todesgefahr. Die unsere brachte uns gleich beim Einfahren in Avezzano in Verlegenheit. Mitten in der Straße stießen wir auf eine Gruppe junger Leute im schwarzen Hemd, die auf uns wartete und uns sofort aufforderte, das Banner wegzubringen. Weil wir kein anderes Abzeichen hatten, lehnten wir das ab. Nun wurde das Kamion gestoppt und die jungen Leute versuchten, uns den Wimpe mit Gewalt zu entreißen. Aber wir, unterwegs schon durch die, höhnischen Witze von allen Seiten gereizt, gerieten in Wut und so kam es, daß etliche der schwarzen Hemden geführt vor zehn Jahren, wer wollte Rheinland losreißen, wer...? Gegen wen habe ich damals um Deutschlands willen fämpfen müssen..?! Gegen dich! Und du schreist Landesverräter...?!" Hans Baumer wankt einen Schritt vorwärts, auf ienen zu. Die andern stehn da mit dummen Glohaugen. Sie wundern sich, daß ihr Führer sich nicht vom Platz rührt. Reiner jagt ein Wort. Sie wissen nicht, was sich denn so plößlich gewandelt hat. Dumpf ahnen sie Zusammenhänge, ahnen nun, wer sie führt, wer ihnen den Befehl gegeben, Baumer zu beschimpfen, zu prügeln, zu schänden. Der ehemalige Separatistenhäuptling kämpft für Deutschlands Ehre. Der ehemalige Separatistenhäuptling steht Hans Baumer gegenüber, wie vor zehn Jahren... Sie hören die Worte Baumers:" Gegen uns hast du damals die Separatisten geführt, gegen unsere Arbeiterschaft, gegen Deutschland..! Und Landesverräter begeiferst du mich...?!" Die Hitlerföldner hören das wilde Kreischen ihres Führers", der wie toll mit den Händen herumfuchtelt. Er schreit sie an:„ Ihr verweigert mir den Gehorsam?" Sie antworten nicht. Hans Baumer und der Separatistenhäuptling stehen sich gegenüber. Baumer versucht, seine Rechte zu erheben. Blut tröpfelt zu Boden. Unermeßlicher Schmerz verbrennt ihn. Die Burschen sehen ihren Führer den Revolver aus der Tasche ziehen, und Sekunden später knallt es. Hans Baumer fällt zusammen. Der Führer lacht kurz auf. Dann sagt er, wieder beruhigt zu seinen Leuten: Ihr habt mir eben den Gehorsam verweigert, Jungs. Ich wills mal gut sein lassen. Daß mir das aber nicht wieder passiert, verstanden?" Jene gloßen dumm, sagen nicht ja, sagen nicht nein... Und zum Schluß fügt der Mann hinzu:„ Schafft das da jetzt fort. Jns Leichenschauhaus! Auf der Flucht erschossen..." EndSONNTAG, DEN 24 SEPTEMBER 1933 Auch für ifin kein Slatz Der Traum des Negers Ein Neger tritt in eine Kirche in Neuyork und bittet den Küster, ihm einen ständigen Sitzplatz anzuweisen, wie ihn die anderen weißen Kirchenbesucher hätten. Der Küster:" Unmöglich! Die Kirchenbesucher würden Anstoß nehmen, neben Ihnen zu sitzen!" Doch der Schwarze läßt sich durch diese Ablehnung nicht abschrecken, er trägt sein Anliegen dem Pfarrer vor. Dieser erwidert:„ In die Kirche fönnen Sie ja fommen, so oft Ste wollen, aber einen Sitzplatz fann ich Ihnen nicht anweisen, die Gemeinde würde Anstoß nehmen." Der Neger geht traurig fort, doch nach kaum acht Tagen spricht er schon wieder bei dem Pfarrer vor. Der empfängt ihn etwas ungnädig und ungeduldig mit den Worten:„ Was wollen Sie denn schon wieder? Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich Ihnen feinen Platz geben kann in meiner Kirche." Der Neger erwidert demütig:„ Ich wollte Ihnen nur sagen, Herr Pfarrer, daß ich auf den Platz verzichte. Ich habe in der vergangenen Woche zu Gott gebetet und Gott gefragt, was ich tun sollte. Da ist Gott mir erschienen und hat mir gesagt, ich solle ruhig auf den Platz verzichten, denn auch für ihn sei in dieser Kirche schon seit langer Zeit kein Platz mehr übrig." Zehntausend fund für Schach Zur Förderung der Schachspieles unter der Jugend durch Veranstaltung regelmäßiger Wettkämpfe hat der englische Brauer Sir William Dupree ein Legat in Höhe von zehntausend Pfund ausgesetzt. In seinem Testament erklärte Dupree, der sich aus kleinsten Anfängen zum Millionär emporgearbeitet hatte, daß er seine Erfolge im Leben dem Schachspiel verdanke, bei dem er Geduld und Voraussicht gelernt habe. lich rühren sich die Burschen, bemühen sich, den zerfesten Lachen nicht verfernen Leichnam des Hans Baumer fortzubringen. Der Mann steckt sich behaglich eine Zigarre an und belehrt seine Leute:„ Seht euch das Stück Vich gut an, Jungs. So enden Landes= verräter!" Dann sieht er auf seine Uhr. Es ist etwas spät geworden. Seine Braut erwartet ihn sicher schon im Deutschen Haus. Und weil der Mann, obwohl nicht mehr ganz jung, vollkommener Kavalier ist, beeilt er sich. Allzeit hat er für preußische Pünktlichkeit und Disziplin geschwärmt, yor zehn Jahren bei seinen Separatisten- Trupps und jetzt bei seinen SA.- Formationen... Hans Hassel. An die Empfindsamen Weichheit ist gut an ihrem Ort, Aber sie ist kein Losungswort, Kein Schild, feine Klinge und kein Griff; Kein Panzer, fein Steuer für dein Schiff. Du ruderst mit ihr vergebens. Kraft ist die Parole des Lebens: Kraft im Zuge des Strebens, Krast im Wagen, Kraft im Schlagen, Kraft im Behagen, Kraft im Entsagen, Kraft im Ertragen, Kraft bei des Bruders Not und Leid Im stillen Werke der Menschlichkeit. . Friedrich Theodor Vischer( Lyrische Gänge") im Staub der Straße grau wurden. Eine brüllende Menge sammelte sich rund um unser Auto. Viele Schwarzhemden waren darunter, aber auch vie's Cafoni aus den Nachbardörfern, die uns erkannten und uns mit Geschrei begrüßten. Wir standen auf dem Kamion, still um die Fahne geschart, entschlossen, feine weiteren Beleidigungen zuzulassen. Plötzlich sahen wir die dicke, schwitzende und schnaubende Gestalt des Kanonikus Don Abbacchio mit einigen höheren Carabinieri in der Menge auftauchen und feiner von uns zweifelte, daß er als Priester die Verteidigung San Roccos übernehmen würde. Das Gegenteil geschah.„ Glaubt ihr, wir haben hier Fastnacht?" begann Don Abbacchio gegen uns loszulegen. Sicht eure Einigung zwischen Kirche und Staat so aus...: Wann werdet ihr Fontamaresen endlich mit diesen Provokationen und Pöbeleien aufhören?" Ohne zu mudsen, überließen wir den Schwarzhemden unseren Wimpel. Wenn ein Pfarrer San Rocco verriet, warum sollten dann wir ihm die Treue halten, noch dazu mit dem Risiko, unsere Rechte auf den Fucino zu schmälern? Man führte uns auf den Hauptplatz von Avezzano und mies uns hinter dem Gerichtsgebäude eine schattige Ecke an. An anderen Gebäuden lehnten andere Gruppen von Cafoni. Zwischen den einzelnen Haufen waren Patrouillen. Garabinieri- Stafetten per Rad fuhren über den Platz. Kaum war ein neues Auto angekommen, die Cafoni ausgestiegen, so wurden sie von den Carabinieri an eine für sie bestimmte Stelle geführt, aber immer so, daß sie von den anderen getrennt blieben. Ein Offizier ritt auf einem schönen schwarzen Pferd hin und her. Gleich darauf erschien eine Stafette und gab der Patrouille einen Befehl. Von jeder Patrouille löste sich ein Carabinieri und überbrachte uns den Befehl. Er lautete: ,, Es ist gestattet, sich auf die Erde zu setzen." Wir setzen uns hin. Nach einer Stunde ritt eine Staffette vorbei. An einer Ecke erschien eine Gruppe höherer Beamter. Die Carabinieri befahlen: „ Aufstehen, aufstehen!... Laut schreien: Es leben die Podesta! Die ehrlichen Beamten!... Es leben die Beamten, die nicht stehlen!" Wir sprangen auf die Füße und schrien laut: „ Es leben die Podesta! Die ehrlichen Beamten! Schadenfroh „ Sie haben Ihr Portemonnaie verloren?" „ Ja gestern." Haben Sie sich sehr geärgert?" " Ich weniger. Aber sicher der, der es gefunden hat." („ Neue J. 3.") Der fleine Chemifer „ Also, Kinder, merkt ench: Edelmetalle rosten nicht! Nennt mir welche!" Gold!" „ Richtig!" Silber!" ,, Richtig weiter?" Da rust ein Knirps von der letzten Bank:„ Alte Liebe. Herr Lehrer!" ( Deutsche Wochenzeitung für die Niederlande") Die Anspruchslose ,, Also, Gerti, der junge Herr Zucker ist wirklich ein reizender Gesellschafter! Du glaubst gar nicht, wie unterhaltend er reden kann!" " So? Wovon spricht er denn?" " Bon mir!" Die Erklärung ( Ric et Rac") „ Mein seit zehn Jahren verschollener Neffe wollen Sie sein? Sie sehen ganz anders aus, Sie Schwindler!" ,, Ganz richtig, Onkel! Ich war doch damals weggegangen, um ein anderer zu werden." Es leben die Beamten, die nicht stehlen!..." Unter den Beamten, die nicht stehlen", war der Impresario der einzige, den wir erkannten. Nachdem die nicht stehlenden Beamten sich entfernt hatten, konnten wir uns mit Erlaubnis der Carabinieri wieder auf die Erde setzen. Nach einigen Minuten verursachte eine neue Staffette eine noch lebhaftere Bewegung: „ Aufstehen!... Aufstehen!..." riefen uns die Carabinieri zu.„ Noch lauter rufen: Es lebe der Präfekt!" Wir sprangen auf die Füße und schrien lauter:" Es lebe der Präfekt!" Der Präfekt fuhr in einem feinen Auto an uns vorüber Dann setten wir uns mit Erlaubnis der Carabinieri auf die Erde. Kaum hingesetzt, ließen uns die Carabiniert wieder aufstehen: „ Schreit, so laut ihr fönnt: Es lebe der Minister!" Im gleichen Augenblick erschien ein großes, von vier Radfahrern begleitetes Automobil, fuhr wie ein Blizz über die Straße und wir schrien so laut als irgend möglich: „ Es lebe der Minister! Er lebe!..." Dann setzten wir uns mit Erlaubnis der Carabinieri wieder hin. Die Patrouillen lösten sich ab, sie wollten essen. Auch wir öffneten unsere Säcke und verzehrten unser Brot. Gegen zwei lihr wiederholte sich das Spiel: uerst fuhr der Minister zurück, dann der Präfeft, dann die Beamten,„ die nicht stehlen". Jedesmal mußten wir aufstehen, schreien und begeistert sein. Zum Schluß hieß es: Jezt seid ihr frei!... Ihr könnt gehen!..." Das aber mußten uns die Carabinieri zweimal sagen. „ Das Fest ist aus!. Ihr könnt nach Hause gehen oder Avezzano ansehen. Aber ihr habt nur eine Stunde Zeit. Dann müßt ihr weg sein..." „ Und der Minister? Und die Frage des Fucino?" fragten wir. Aber niemand hörte mehr zu. Schließlich fonnten wir nicht ohne irgendeinen Beschluß und ohne irgend etwas begriffen zu haben wieder heimgehen. " Folgt mir," sagte Berardo, der sich in Avezzano ausfannte. Wir famen an das Portal cines über und über mit Fahnen bedeckten Palastes. ( Fortsetzung folgt.) Jesus Christus Er hätte in seiner Kirche nichts werden können Der Landes firchenrat der Thüringer Evangelischen Kirche hat jetzt ein Gesetz beschlossen, demzufolge als Pfarrer oder Hilfspfarrer bzw. als Kirchenbeamter nur berufen werden darf, wer die Gewähr bietet, daß er rückhaltlos für den nationalen Staat eintritt und sein Amt sp führen wird, wie es die Verpflichtung der Kirche gegenüber Volk und Staat erfordere. Nicht berufen werden darf, wer nicht artscher Abstammung oder wer mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet ist. Zu dem Gesetz ist weiter vorgesehen, daß Geistliche oder Kirchenbeamte, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, in den Ruhestand versetzt oder sofern sie noch nicht unwiderruflich angestellt sind, entlassen werden können. Ein firchItcher Amtsträger arischer Abstammung, der sich mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet, muß entlassen werden. ,, Vor einigen hundert Jahren" Staffel, 22. Sept.( Inpreß.) Ein jüdischer Bürger, der Anfang August dieses Jahres ein deutschstämmiges" Mädchen Hetratete, von der Kasseler SS. daraufhin in der üblichen Weise belästigt wurde, wandte sich mit einer Beschwerde au das Polizeipräsidium und erhielt folgende Antwort: " Der Polizeipräsident in Kassel, Kassel, Polizeipräsidium, Röntgstraße 81. An Herrn.... .Kassel, den 16. August 1988. Betreffend Beschwerde vom 12. August 1988 I Ad. Es handelt sich hierbei um einen berechtigten Ausbruch von Volkswut darüber, daß ein deutsch- stämmiges Mädchen noch heutigen Tages mit einem Fremdrassigen vertehrt. Daß der Zorn gerade der SS.- Männer über Ihr Verhalten, ein deutsch stämmiges Mädchen u ehelichen, besonders hervorgerufen ist, halte ich für selbstverständlich. Derartige Vorkommnisse zeugen von einem gesunden Volksinstinkt, und ich vermag daher keine strafbare Handlung zu erblicken. Vor einigen hundert Jahren wurden von den rafsebewußten Juden die Mädchen ihres Boltes gesteinigt, die sich mit Christen( Fremdblütigen) einlteßen. gea.: von Pfeffer. beglaubigt: unleserlich. Polizeisekretär. Der Brief, der Judenpogrome amtlich billigt, wird ohne Wissen des Abressanten veröffentlicht. Hitler und Weißenberg Zwei Seelen und eine Pfuscherei Das Weiterbestehen der Sette des Käsepropheten Weißen berg ist von der Regierung davon abhängig gemacht worden, daß er ein Arbeitsbtenstlager etnrichtet. Das Lager befindet sich in der Nähe von Boffen( bet Berlin). Die Arbeitsdienstler mitssen milttärisch egersteren und den Gottesdienst" des Scharlatans Weißenberg besuchen. Der erste Gottesdienst" war recht unheimlich; Weißenberg versuchte, die ganze Belegschaft an hypnottfteren. In seinem Rager wird nicht nur der Hitler- Gruß, sondern auch der Weißenberg- Gruß" an gewandt. Notruf Wie die gleichgeschaltete Presse wieder terrorisiert wird Ueberall im Retche dankt die Nagtpreffe den bürgerlichen Bettungen für ihre charakterlose Gleichschaltung durch terro rifierten Konkurrenzkampf bis zum äußersten. Kennzeich nend ist folgender Notruf der Braunschweigischen Landeszettung": An unsere Leser! Trot zahlreicher Warnungen maßgebender amtlicher Stellen und Führer der NSDAP. versuchen gerade jetzt wieder eigennüßige Werber, unsere Leser durch Ankündigen wirtschaftlicher Nachteile, ja sogar durch Drohungen, durch Verächtlichmachung unserer Bettung, durch Lüge, daß wir ein jüdisches Unternehmen seien oder demnächst eingingen, zur Abbestellung unseres Blattes und zum Bezug einer anderen Zeitung zu zwingen. Die NSDAP. Iehnt folche Methode der Leserwerbung unter Druck auf das energischste ab. Die Partei und die amtlichen Stellen erklären, daß sie ein derartiges, die Bewegung schädigendes Vorgehen aufs schärfste brandmarken und rücksichtslos bekämpfen. Laffen Ste fich also durch Werber, auch wenn sie in irgendeiner Uniform erscheinen sollten, was ihnen sogar verboten ist, und auch, wenn sie mit Namen führender Männer der Partei operieren, nicht einschüchtern. Wetsen Sie darauf hin, daß das von Ihnen gelesene Blatt ganz hinter der Regierung steht und nur von national eingestellten Kräften geleitet wird, ein Abonnent der Braunschweigischen Landeszeitung" also t vollem Recht für sich in Anspruch nehmen fanx, hinter der nationalsozialistischen Bewegung und der nationalsozialistischen Regierung zu stehen. Verlangen Sie von Werbern, die mit den gekennzeichneten unlauteren Methoden arbeiten, den Namen, und meisen sie diese auf das Unzulässige ihres Verhaltens hin. Wir danken unseren Lesern und Freunden für die bemahrte Treue und bitten, auch Freundes- und Bekannten-, Freisen im Interesse der Bewegung von diesem Schreiben Kenntnis zu geben. Braunschweigische Landeszeitung" Verlag. Nur scheinbar rücken die Führer von den terroristerten Werbemethoden ab. In Wirklichkeit ist die Vernichtung der Konkurrenzpresse allgemeines Parteiziel. Mitleid braucht man mit der bürgerlichen Presse nicht zu haben. Der deutsche Steuerzahler 1933 Die ungünstige Lage der deutschen Steuerzahler kommt deutlich zum Ausdruck bei der Festsetzung des steuerfreien Existenzminimums. Es liegt mit 720 Mark wesentlich unter dem in anderen Ländern festgelegten Sat, der auf Mark umgerechnet beträgt: in Frankreich 1852, Großbritannien 1782, Italien 1343, Oesterreich 2006, USA. 3773. Entsprechend liegt cs bei der Berücksichtigung des Familienstandes( Soziale Praris Nr. 37). Das Gesicht des neuen Deutschland General Mackensen Es mehren sich... Hohenzollern- Auwi h. b. Die Wahrheit läßt sich nicht unterdrücken. Und wenn man allen Menschen den Mund verbände. Und wenn man sogar in ganz Deutschland solche Bekanntmachungen erließe, wie sie fest der Nazilandrat Pg. Dr. Sievers im Flensburger Kreisblatt erlassen hat. Wir drucken sie hier ab: Warnung! Es mehren sich die Fälle, in welchen seitens auch nicht marristisch eingestellter Kreise Verdächtigungen gegen Amtsund Gemeindevorsteher und sonstige behördliche Stellen erhoben werden. Ich mache aus diesem Anlaß ausdrücklich darauf aufmerksam, daß ich für die Folge gegen haltlose zwungen sehe. Wehrkreispfarrer Müller Das läßt tief blicken In der Deutschen Metallarbeiterzeitung"( Nummer 87) steht diese Bekanntmachung! Wir machen die Mitglieder des DMV. darauf aufmerksam, daß sie sich des Betruges schuldig machen, wenn sie trop Arbeit Erwerbslosen- Beitragsmarken kleben lassen. Zuwiderhandlungen werden nicht nur mit dem sofortigen Ausschluß aus dem Verband geahndet, sondern es wird auf Grund des § 268 des RStGB. rücksichtslos vorgegangen. Der Verbandsleiter: Ja z osch. Verdächtigungen mit aller Schärfe vorzugehen mich ge Werbt für die ,, Deutsche Freiheit"! Flensburg, den 4. September 1933. Dr. Siever 8, Landrat." Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Charles Runkler, Strasbourg. Druck und Verlag: Imprimerie Populaire, Strasbourg. Faumkippur Gottesdienst nach deutschem Ritus. Orgel. Chor PREDIGTEN IN DEUTSCHER SPRACHE im Saal Pleyel, 252, Rue Faubourg St. Honoré, Paris 8e Freitag, den 29. September, 18.45 Uhr, Predigt 19 Uhe Sonnabend, den 30. September, 8.30 Uhr, Predigt und Seelenfeier 10 Uhr, Neilapredigt 17.45 Uhe Karten von 25,- Fr. an. Alleiniger Vorverkauf täglich von 11 bis 5 Uhr im Saal Pleyel, 252, Rue Faubourg St. Honoré, Paris 8e Achtung, Eltern! Ich habe mein Jugendheim aus Deutschland nach St. Cloud bei Paris, 59, Rue des Tennerolles Telefon Val d'Or 0278 verlegt. Reizendes Landhaus, schöner Garten, Privatunter. richt, Berufsausbildung, Sport, Gymnastik. Anmeldungen bald möglichst FRAU DR. BERG Brüssel Kinder:( Schüler) Pension erstkl. Berliner Re ferenz. Unterricht: Französisch, Hols ländisch, Sport. Lehrstellen werden vermitt. Pensionspreis 75,- RM. monatlich einschil. Frau Dr. Lies Gold. mann, Bruxelles, r, d, l'Enseignement 15/17. ACHTUNG! SCHWEIZ! Bestellungen, Anfragen, Zuschriften für die Schweiz per Adresse Postfach 996, Basel 1, Postscheckkonto Zürich VIII 8713 2 Wo spelst man gut und billig in Brüssel Restaurant à la Fourchette 22, rue St, Michel, 22. 1. Querstraße rechts vom Platz Brouckère. Diners u. Soupers à 6,00, 8,00 u. 10,00 Frs. Flüchtlinge aus Deutschland erhalten 5% Rabatt auf alle Speisen. Geöffnet von 12 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Beratungsstelle 9 ( französisches Unternehmen) PARIS 9° 49, rue Pigalle vermittelt Beteiligungen, Associa tionen, Gründung v. Gesellschaften, befaßt sich mit allen Angelegenheit. Man spricht deutsch Aktiver TEILHABER gesucht v. großer Möbelfabrik in Frankreich, EinJage 200 bis 250 000 Francs. Schöne Lebensposition. Rentable Kapitalanlage. Unternehmen seit über 100 Jahren gegründet, erfreut sich des besten Rules. Großer Umsatz wird stets erziehlt. 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