Preis: 60 fr. Cts. Fretheil Nummer 88-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Sonntag- Montag, 1. Okt. 1933 Chefredakteur: M. Braun Deutschland fordert Miliz! Deutsch- französische Erklärungen Deutsche Vorschläge Schwere Gegensätze Paris, 30. Sept. Der„ Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß im Laufe des gestrigen Kabinettsrates Ministers präsident Daladier den festen Entschluß der französischen Regierung bekanntgegeben habe, sich an die vers fchiedenen Punkte zu halten, über die sich die 2. recht ernst erscheinen. Man spricht davon, daß die Gegenforde rungen, die Deutschland teilweise mit Unterstützung Italiens stellen wolle, auch für England unerfüllbar seien. Man hofft aber, daß die Beratungen der Außenminister mit ihren Regierungen den Weg zu Erleichterungen der schwierigen Lage öffnen werden. englische und die amerikanische Regierung Schriftliche Gegenvorschläge mit der französischen hinsichtlich der Ab= rüstung geeinigt hätten, Diese französische Meldung kennzeichnet, wie sehr sich Frankreich und Deutschland in der Abrüstungsfrage festgefahren haben. Am Donnerstag war die erste Fühlungnahme zwischen dem französischen Außenminister PaulBoncour und dem deutschen Reichsaußenminister von Neurath. Beide Minister sind unmittelbar nach diesem Gespräch in die Heimat zurückgereist, um sich neue InstrufAus dem Inhalt: van der Lubbe als Tausendkünstler Seite 3 Zu unserem Zeitungsverbot Seite 3 Die Deutsche Freiheit" hat sich in wenigen Wochen zu einer Zeitung von internationaler Bedeutung entwickelt. Wer sich über die wirklichen Zustände in Deutschland unterrichten will, greift zur ,, Deutschen Freiheit". Wer die politische Perspektive sucht, wird ihr ständiger Leser. Die wachsende Bedeutung findet am besten ihren Ausdruck in der Verbreitung des Blattes. In wenigen Wochen ist es gelungen, fast über den ganzen Erdball vorzudringen. Die „ Deutsche Freiheit" wird gelesen Deutschland, Aegypten, Argentinien, Belgien, Brasilien, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Mexiko, auf der Insel Mallorca, in Norwegen, Oesterreich, Rumänien, Palästina, Polen, Portugal, in der Schweiz, in Schweden, Spanien, Süd- Afrika, in der Tschechoslowakei, Türkei und in USA. Einzelexemplare gehen nach Bulgarien, China, Estland, Italien, Rußland. tionen zu holen. Schon daraus geht hervor, daß die Gegen gelegt find, und diese bei den verschiedenen Delegationen nicht Die österreichische Gefahr fäße beiderseits noch als unüberbrüd bar empfunden worden sind. Ein Teil der französischen Presse spricht sogar von einem Ultimatum Frankreichs an Deutsch I and. Diese Formulierung überspitzt die Tatsachen. Richtig ist, daß Paul- Boncour den französischen Standpunkt sehr ernst und sehr nachdrücklich dargelegt und erklärt hat, daß die französische Regierung unmöglich jetzt schon eine wesentliche Verminderung der französischen Rüstungen vornehmen könne, wenn nicht eine einjährige Probezeit festgelegt werde. Während dieser Probezeit müsse eine internationale, automatische und periodische Kontrolle der gegenseitigen Rüstungen aller Länder durchgeführt werden. Der deutsche Außenminister von Neurath erwiderte, die deutsche Regierung werde sich mit einer Rüstungskontrolle einverstanden erklären, wenn gleich zeitig die deutsche Forderung auf Gleichberechti gung anerkannt werde. Inzwischen hat der Reichsaußenminister von Neurath am Freitag schon an einer Kabinettsfizung teilgenommen. In einer halbamtlichen Meldung wird der deutsche Standpunkt zu den Schwierigkeiten wie folgt formuliert: Im Vordergrund steht die deutsche Forderung, daß dem Deutschen Reich die Gleichberechtigung hinsichtlich der Ver= teidigungswaffen bereits während der ersten Laufzeit der Konvention zugestanden werden müsse. Deutschland ver: langt die Abrüstung der schweren Waffen. Soweit die Abschaffung dieser Waffen nicht in einem gewissen Zeitraum erfolgt, besteht Deutschland darauf, daß die von den anderen Mächten zu ihrer Verteidigung für notwendig gehaltenen Waffen auch Deutschland zugestanden werden. Die Hauptdifferenz besteht im Augenblick darin, daß Frankreich und England diese Forderung in der ersten Periode te ver abzu schließenden Konvention nicht erfüllen wollen. Deutschland fieht in diesem Punkte keine Möglichkeit eines Nachgebens. Da Frankreich und mit ihm England und Amerika diese deutsche Forderung bisher ablehnen, und der franzöfifche Kabinettsrat sich von neuem festgelegt hat, ist ein Ausgleich bisher nicht zu erkennen. Es ist möglich, daß zunächst versucht wird, auf einer Konferenz der Mächte des Viererpaktes die Meinungsverschiedenheiten zu bereinigen. Die englische Presse läßt auf Grund der Telegramme ihrer Genfer Berichterstatter die Lage der Abrüstungsfrage als Paris, 30. September. Pertinax ichreibt im„ Echo de Paris": Man darf ohne weiteres annehmen, daß Paul- Boncour nur wenig von seinem Gesprächspartner( Herrn v. Neurath) erfahren hat, der ebenso gut wie er aus erster Hand über alles unterrichtet ift, was sich zwischen den ehemaligen Verbündeten abgespielt. hat. Da andererseits die französischen, englischen, amerikanischen Vorschläge nicht schriftlich niedernuwesentlich voneinander abweichen, und da schließlich sich ihre Verschiedenheit jegt stärker bemerkbar macht, als die gemeinsamen Gesichtspunkte, ist Herr v. Neurath keineswegs von der Rede betroffen oder überrascht worden, die ihm der kleine Rechtsanwalt gehalten hat. Er hat sehr höflich das Angebot zurückgewiefen und mit geteilt, daß er sich Samstag nach Berlin begeben würde, um mit dem Reichskanzler Hitler und seinen Kollegen zu be: raten. Wahrscheinlich haben die italienischen Delegierten ihn veranlaßt, diese Reise zu unternehmen. Sie sollen ihm übrigens auch geraten haben, nach Genf schriftliche Gegenvorschläge zurückzubringen. Wir werden also nächste oder vielleicht übernächste Woche die wahre Meinung der Reichsregierung über die schweben= den Fragen erfahren.... Hartnäckig verlangen die Deutschen die Verstärkung ihrer militärischen Kräfte, indem sie sich auf die Tatsachen beziehen, daß die Reichswehr verschwinden müsse, ohne die Probezeit von drei oder vier Jahren abzuwarten, ebenso wie die andern europäischen Armeen mit mehr oder weniger langer Dienstzeit. Dafür soll eine Art Miliz, in der die Mannschaften nicht länger als sechs oder sieben Monate dienen, geschaffen werden. Er sei gestattet, zu ver: muten, daß die Deutschen gleichzeitig bei den andern, vor allem in Frankreich, gewisse Herabsegungen und unmittel: bare Abschaffungen von Kriegsmaterial und vor allem der Bombenflugzeuge verlangen werden. Um diesen Preis würden sie eine Kontrolle annehmen, deren Mechanismus sie übrigens noch nicht vorgeschlagen haben. Eine englische Stimme 217 London, 30. Sept. In einer Versammlung des Natios nalen Friedensrates, in der Arthur Henderson eine Ansprache hielt, wurde eine Entschließung zur Abrüftungsfrage ange nommen, in der die Regierung aufgefordert wird, eine Konvention herbeizuführen, die wenigstens eine beträcht: liche fortschreitende Abrüstung herbeiführt. Der Rat sei davon überzeugt, daß die Möglichkeit, daß Deutschland wieder aufrüste, nur dann wirklich vermieden werden könne, wenn eine progressive und schnelle Verwirklichung der Gleich heit in der Abrüstung durchgeführt werde. Neun Tote in der Synagoge Die Katastrophe beim Versöhnungsfest Bukarest, 30. Sept. Bei einem durch Kurzschluß ents standenen Brand in einer Synagoge fanden neun Frauen den Tod. 36 Personen wurden schwer verlegt. Zu dem Unglück wird noch berichtet: Als infolge Kurzschlusses aus der elektrischen Leitung Flammen ausschlugen, schrie man„ euer“ und„ Rette sich, wer fann". Es brach eine furchtbare Panik aus. Die Frauen, die auf einer Holzgalerie dem Gottesdienst beiwohnten, begannen sich unter entsetzlichen Schreien von der Galerie her unterzu stürzen. Die Versuche Besonnener, der Panik Einhalt zu tun, waren vollkommen vergeblich. Man versuchte, #su rodila sich mit allen Mitteln den nächsten Ausgang zu erkämpfen, während die Frauen sich weiter von den Galerien in den Betraum hinunterwarfen. Die herbeigeeilten Feuerwehrleute und die Polizei konnten die Türen nicht öffnen, da sie nach innen schlossen und die Massen gegen die Türen drückte. Als man endlich die Ruhe wiederherstellte und feststellen konnte, daß es möglich war, den Brand im Keim zu ersticken, hatten bereits neun Frauen den Tod gefunden, 36 Personen waren schwer verlegt, 14 weitere hatten leichtere Brandwunden davongetragen. Die Synagoge bot ein Bild des Grauens und Entset 3. Der Gottesdienst galt dem Versöhnungsfest. Von Dr. Richard Kern Doppelt ist die österreichische Gefahr: eine schwere Ge fahr für den Frieden, wenn nicht heute, so doch in naher Zukunft. Die Neubildung der Regierung Dollfuß hat die Krise nicht gelöst, sondern verschärft. Das wird ohne weiteres verständlich, wenn man weiß, daß die Lösung nicht eine österreichische, nicht die von Kanzler Dollfuß vorbereitete und gewollte war. Die Lösung ist eine italienische, sie ist durch die direkte Intervention durch den italienischen Gesandten Auriti herbeigeführt worden. Wir sind darüber bis in die Einzelheiten informiert. Nach dem faschistischen Vorstoß des Fürsten Starhemberg, der unmittelbar nach seiner Rücksprache mit Mussolini erfolgt war und nach dem Gegerstoß des bisherigen Vizekanzlers Winkler, der im Namer des Landbundes gegen jeden Faschismus Stellung nahm, war die Situation des Kabinetts unhaltbar geworden. Dollfuß beabsichtigte die Umbildung des Kabinetts sowohl durch Ausschaltung des Landbundes, dessen Anhang im Volke schwach ist, als auch durch Entfernung des Vertrauensmanns der Heimwehr, Fe y. Dollfuß legte dabei gerade auf die Ausschiffung Fens das größte Gewicht, denn gen leitete das wichtige Sicherheitsministerium, das ihm die Möglichkeit von Butschen gab. Dollfuß wollte also ein Ministerium, das als Ministerium der von ihm neugebil deten vaterländischen Front erscheinen und unter offi ziellem Ausschluß aller Parteieinflüsse" den Kampf um die österreichische Selbständigkeit gegenüber den Nationalsozialisten fortführen sollte. In dieser Situation inter venierte Mittwoch, 20. September, in den Mittagstunden der italienische Gesandte. " Die Folgen der italienischen Einmischung waren dies Dollfuß erklärte plöglich, er könne Jen nicht ausschalten, die Heimwehren nicht aus der Regierung herauslassen, weil sie sonst, aller Verantwortung bar, putschen würden. Die Regierung wurde also ohne den antifaschistischen Landbund, aber mit den italofaschistischen Heimwehren gebildet. Der bisherige Heeresminister Vaugoin, zu gleich der Führer der christlich- sozialen Partei, ging gleich falls, weil er mit Fen nicht zusammenarbeiten wollte. Diese Lösung der Krise hat nicht nur bei den Landbündlern, sondern auch innerhalb der christlich sozialen Partei große Erbitterung hervorgerufen. Denn Dollfuß hat die Forderungen des Vertreters Mussolinis erfüllt, ohne die Christlich- Sozialen auch nur zu informieren. Diese sind über den verstärkten Einfluß der Heimwehren bestürzt, da sie wissen, daß ihnen auch bei der italienischen Form des Faschismus das Schicksal der Populari und des Zentrums bevorſtünde. Die Umbildung der Regierung bedeutet also innenpolitisch einen gefährlichen Ruck nach rechts. Die Heimwehr fordert immer wieder ein Vorgehen gegen die Sozialdemokratie, vor allem einen Vorstoß gegen Wien. Wie weit Dollfuß sich dieser Forderung fügen wird, ist augenblicklich noch nicht sicher zu übersehen. Auf alle Fälle bleibt aber nach den eigenen Ankündigungen von Dollfuß das Endziel der Regierung eine faschistische Verfassung: unbeschränkte Vollmachten für die Re gierung; Pluralwahlrecht und Seßhaftigkeitsklausel für den Nationalrat; Ausschaltung des Nationalrats von der Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung, für die ein Stände Kann Genf helfen? Genf, 30. September 1933.( Eig. Drahtb.) rat allein kompetent sein soll. Als dessen Grundlage Man erörtert Flüchtlings- und Judenfragen sollen Industries, Handels, Gewerbe- und Landwirt schaftskammern aus Unternehmern und Arbeitern gebildet werden. Die Arbeitervertreter sollen ernannt werden und zwar nach dem Prinzip, daß jede Gewerkschaftsgruppe gleichviel Vertreter erhalten solle. Dadurch wür den die freien Gewerkschaften, die in Oesterreich die überwältigende Mehrheit der Arbeiter repräsentieren, in die Minorität versetzt werden. Die Arbeiterkammern sollen aufgelöst und das Streikrecht beseitigt werden. Die Regierung scheint sich einzubilden, eine solche Verfaffung im Parlament beschließen lassen zu können. Die Sozialdemorkatie soll durch Verfolgungen mürbe gemacht werden, eventuell soll aber die Partei aufgelöst und ihre Abgeordneten aus dem Parlament ausgeschlossen werden. Als Vorbereitung in dieser Richtung ist durch den Minister Fey die Schaffung von Konzentrationslagern verordnet worden. Dem Ausland wird versichert, daß es sich um eine Maßnahme gegen die Nationalsozialisten handelt, in Wirklichkeit sind auch alle Vorkehrungen gegen die Ar. beiterschaft getroffen worden. Das Ausland, auch Frankreich, England und die Kleine Entente haben bisher den Ablauf der Ereignisse verhält nismäßig mit Ruhe aufgenommen. Es denkt nur daran, daß Hitler von Desterreich ferngehalten werden muß. Es übersieht aber, daß gerade die neueste Politik von Dollfuß diefes 3iel gefährdet. In den ganzen Grenzgebieten ist die städtische Bevölkerung praktisch in Nationalsozialisten und Sozialdemokraten geteilt. Das M In der gestrigen Vollsitzung der Völkerbundsversammlung legte der holländische Außenminister de Graeff seinen angekündigten Entschließungsentwurf zur Flüchtlingsfrage vor. Dieser hat folgenden Wortlaut: In den letzten Monaten hat eine große Anzahl deutscher Staatsangehöriger in verschiedenen Ländern Zuflucht gesucht. Der Aufenthalt in diesen Ländern ist in dem Maße, als die Unterstützungsmittel aus privaten Quellen erschöpft sind, ein wirtschaftliches, finanzielles und soziales Problem, das nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden kann. Die Völkerbundsversammlung ersucht daher den Rat, sobald wie möglich die Methoden zu prüfen, durch die eine prakfische Reglung zu diesem Zweck herbeigeführt werden kann, und die notwendigen Maßnahmen für die Ausführung aller Pläne zu ergreifen, die aus diesen Erwägungen hervorgehen können. Gemäß ihrer finanziellen Bestimmung beschließt die Völkerbundsversammlung, zu diesem Zweck einen besonderen Poften in das Budget für 1936 einzusehen." Der schwedische Außenminister Sandler gab von seiner Absicht Kenntnis, die Judenfrage unter dem Gesichtspunkt des Minderheitsrechts im politischen Ausschuß des Völkerbunds zur Sprache zu bringen. De Graeff begründete seinen Antrag damit, daß den Tausenden von deutschen Staatsangehörigen, die in die benachbarten Länder flüchteten, vom Völkerbund geholfen werden müsse. Die bisher aufgewandten Miffel reichen für die Versorgung der Flüchtlinge nicht aus. Eine Aktion müsse gleichmäßig und allgemein durchgeführt werden. ,, Seid einig, einig!" alpenländische Bürgertum in den Städten ist national Die Nazis gegen ,, schwarze Saarseparatisten!" sozialistisch, die Arbeiterschaft sozialdemokratisch. Auch in den Dörfern ist die jüngere Generation die älteren Bauern sind christlich- sozial voll Sympathien für die Nationalsozialisten. Im Falle von nationalistischen Unruhen, die durch Bandeneinfälle aus Bayern unterstüßt mürden, kann dieses Gebiet gar nicht anders als mit Hilfe der Arbeiterschaft verteidigt werden. Die Offiziere in diesen Gegenden wissen das auch ganz genau und haben es wiederholt den sozialdemokratischen Bertrauensmännern gesagt. Aber die Regierung kann natürlich nicht die Arbeiter zu einer aktiven Verteidigung heranziehen, wenn sie gleichzeitig den Kampf gegen den " Margismus" führen will. Aber noch mehr! Wenn Dollfuß wirklich auf Geheiß Mussolinis, dessen Instrument die Heimwehren sind, den Faschismus durchführen will, führt er Oesterreich Direkt in eine Katastrophe. Die österreichische Sozialdemokratie, in deren Lager über 40 Prozent der Bevölkerung stehen, hat bisher alle großen Kämpfe vermieden, um nicht den Nationalsozialisten die Gelegenheit zu dem vorbereiteten Angriff zu geben. Wenn aber in Wien ein Regierungskommissar eingesetzt, oder die Partei aufgelöst, oder die Gewerkschaften gleichgeschaltet, oder eine faschistische Verfassung durch Gewaltmaßnahmen gegen die Sozialdemokratie durchgesetzt werden soll, dann ist der Generalstreik mit allen Ron. sequenzen unvermeidlich. Nach den uns bekannten Beschlüssen von Partei und Gewerkschaften ist es sicher, daß die Sozialdemokratie ihre Position nicht kampflos räumen wird. Die Stimmung in der Arbeiterschaft, die eine Zeitlang infolge der Zurückhaltung der Parteiführung etwas refigniert war, ist in den letzten Wochen sicherlich sehr viel kampflustiger geworden. * Wohin kann und muß diese Entwicklung und damit kommen wir zum auswärtigen Aspekt der neuesten österreichischen Politik- führen? Der General Die Harmonie der deutschen Front an der Saar, die sich unter Hitlers Obhut zum Zwecke des Abstimmungskampfes 1935 gestellt hatte, ist durch einen plötzlichen Rauhreif gestört worden. Im Gegensatz zu verschiedenen Meldungen, die bereits von einer nationalsozialistischen Einheitspartei im Saargebiet zu berichten wußten, erklärt soeben die Saarländische Zentrumspartei, daß sie bei aller Bejahung der Deutschen Front" ihre Selbständigkeit nicht aufzugeben gedenke. Gleichzeitig wurde ein bemerkenswerter Führerwechsel vorgenommen, der bisherige Vorsitzende Dr. Steegmann trat zurück und an seine Stelle wurde der katholische Pfarrer Bungarten zum Vorsitzenden der Partei gewählt. Die Vermutung geht nicht fehl, daß man einen katholischen Priester deshalb mit diesem wichtigen Amte betraute, um ihn vor gewissen terroristischen Maßnahmen im Hakenkreuzzeichen zu schützen. Diese Meldungen haben aber im nationalsozialistischen Lager einen wahren Sturm heraufbeschworen. Die Hakenfreuz- Diftatoren sind so daran gewöhnt, daß alle bürgerlichen Parteien vor ihnen zusammenknicken, daß ihnen der Beschluß des Zentrums fast wie ein Ungehorsam gegen Hitlers Willen erscheint, und sie reagieren darauf mit wüsten Beschimpfungen des Zentrums. „ Schwarzer Saarfeparatismus?" so lautet ein Artikel des nationalsozialistischen„ Saarbrücker Abendblattes". Wörtlich wird gesagt, man fönne fich nicht denken, daß ein führender deutscher Geistlicher( gemeint ist der Bischof von Trier) es dulden wird, daß seine Untergebenen vollkommen entgegengesezte Wege einschlagen und fich offen dem kirchlichen und politischen Separatismus verschreiben... Nieder mit Krauß!" " Das Zentrum an der Saar geht wieder einmal feine eigene Wege. Was nügen uns alle Erklärungen, alle Loyas litätsbezeugungen, wenn man sich über die Tatsache nicht mehr hinwegseßen kann, daß zwischen dem äußersten rech ten Flügel und dem äußersten linken Flügel der„ deutschen Front" eine Kluft entstanden ist, die auch mit den schönsten Worten nicht überbrückt werden kann, weil Glaube und Vertrauen zerschlagen sind. Wir erklären ganz offen, daß wir den Entschluß der Zentrumspartei an der Saar als einen un geheuren Affront empfinden. An dieser Tatsache ändert auch der Wechsel in der Führung nichts." Dieser Angriff wird von der saarländischen Zentrumspartei fräftig erwidert. Die von dem Naziblatt erhobenen Vorwürfe, die als, größte Sch ma ch" empfunden wurden, weist eine Erklärung mit aller Entschiedenheit zurück". Das Zentrum wolle eine selbständige Partei bleiben, um somit der Rückgliederung einen Dienst zu erweisen... Vorläufig besteht die Tatsache, daß die deutsche Front" noch nicht einmal nach den einfachsten Anstands. regeln unter sich verkehren kann. Das ist für die Aktionseinigkeit fein sonderlich gutes Zeichen. Das Zentrum muß erkennen, daß es von den Nazis nur dann als national" anerkannt wird, wenn es selbstmord verübt. Saar und Sozialdemokratie Der Führer der Sozialdemokratie im Saargebiet Mag Braun und der Landesratsabgeordnete Lieser sind nach Genf gereist, um dort die deutsch- freiheitliche Auffassung in der Saarfrage zu vertreten. triebenen Apotheken von den Wohlfahrtslieferungen ausgeschlossen werden, deren nichtarische Inhaber nicht der Ausund deren Ausschaltung keine erhebliche Benachteiligung der betreffenden Patientenschaft mit sich bringen würde. streik wäre die Gelegenheit für Hitler, seine öster Kundgebungen in London gegen Nazischauspieler nahmebestimmung der Teilnahme am Weltkrieg genügen reichische Legion aus Bayern einfallen zu laffen. Aber Mussolini münscht kein nationalsozialistisches Desterreich, sondern ein italo- faschistisches. Würde er warten, bis die Nationalsozialisten in Desterreich stehen, so würde seine eigene dann unausbleibliche Inter vention unmittelbare Kriegsgefahr sein. Das kann natürlich nicht der Zweck der italienischen Politik sein. Dester reich ist aber für Mussolini eine unentbehrliche Schlüsselstellung. Er braucht die Verfügung über Desterreich, weil in Desterreich das Aufmarschgebiet gegen Jugoslawien liegt. Er braucht Desterreich, weil nur mit der Verfügung über Desterreich Italien stark genug ist, feinen Plan der Ordnung Mittel- und Südosteuropas durchzusetzen. Es kann andererseits keinen unheilbaren Konflikt in Deutschland wollen, weil Deutschland und das ist heute seine einzige Funktion in der internationalen Politik- das Mittel der italienischen Erpressung gegen Frankreich und EngIn London kam es Donnerstagabend zu Rundgebungen bei der Erstaufführung von Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang" mit Werner Krauß. Kurz nach Aufgehen des Vorhanges ergoß sich von der Galerie eine Flut von Flugblättern mit Schmähungen gegen Krauß und den Reichskanzler über das Parkett. Gleichzeitig brachen die Demonstranten in laute Rufe aus, so daß der Vorhang wieder herabgelassen werden mußte, während sich auf der Wie die Standesorganisation deutscher Apotheker dazu erfährt, werde in absehbarer Zeit nur noch denjenigen Nichtariern Besitz und Führung einer deutschen Apotheke erlaubt sein, die den Frontkriegerparagraphen für sich in Anspruch nehmen könnten. Galerie ein Kampf zwiſchen den Rubeſtörern und dem Publi- Das Neueste fum entwickelte. Inzwischen hatte die Direktion die Hilfe der Polizei erbeten, und die Ruheſtörer wurden mit Gewalt aus dem Theater entfernt, worauf das Spiel fortgesetzt wurde. Wie die Blätter melden, haben die lärmenden Demonſtrationen Krauß erschüttert und ein Blatt spricht bereits von der Absicht des Künstlers, sein Gastspiel abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren. In der Nacht zum 8. Oktober wird in Frankreich die Winterzeit eingeführt. Die Reichsführung des Winterhilfswerks meldet als vors läufiges Teilergebnis 15 Millionen 3entner Kar: toffeln und zwei Millionen Zentner Brots getreide. land barstellt. Alle seine Ziele aber kann Mussolini er Ausschluß jüdischer Apotheker in embelleringend zur Unterfügung des Kampfes reichen durch ein Kompromiß mit Hitler. Das Kompromiß würde freilich den Nationalsozialisten die geträumte Herrschaft über Desterreich nehmen. Desterreich würde italienische Einflußsphäre mit einer gemiffen Beteiligung Deutschlands. Dazu brauchen die Heimwehren nur eine Koalition mit den öster reichischen Nationalsozialisten unter ihrer, der Heimwehren Führung, einzugehen. Eine solche Koa lition ist möglich, da die Heimwehren durch die italienische Rückendeckung vor einer Ueberrennung durch die Nationalsozialisten gesichert wären. Die Opfer wären die Christlichsozialen und die Sozialdemokratie. Daß Hitler zu einer solchen Politik fähig wäre, ist klar, die Ereignisse in Danzig haben gezeigt, wie weit National sozialisten in früher für undenkbar gehaltenen nationalen Ronzeffionen gehen können. Und der Preis für Sitler wäre kein geringer. Er erhielte die Unterstützung in den großen, für ihn gerade jetzt außerordent lich bedeutsamen europäischen Fragen, vor allem in der Abrüstungsfrage, er würde von der außenpolitischen Isolierung befreit. Die Machtstellung des italienischen Faschismus wäre auf der anderen Seite außerordentlich gestärkt. Er verfügte über Deutschland, Defterreich, Ungarn und Bulgarien unbedingt und könnte hoffen, die Schiedsrichterrolle über Europa, die ihm der nationalsozialistische Sieg und die Schwäche der englischen Politik verschafft haben, auf die Dauer macht politisch zu unterbauen. Die Kriegsgefahr würde brohender und Europa in zwei Mächte gruppierungen wie vor 1914 geteilt, wobei bie unsichere Haltung Englands heute noch mehr als vor Auf Anfrage einer Stadtverwaltung legte der preußische Gemeindetag dem preußischen Minister des Innern die Frage vor, ob gegen die beabsichtigte Ausschließung der ienigen Apotheken, die im Besitz von Nichtariern sind, von der Lieferung für Wohlfahrtspatienten etwas einzuwenden sei, sofern die Arzneiversorgung dieser Wohlfahrtspatienten dadurch nicht beeinträchtigt werde. Der anfragenden Stadtverwaltung ist nunmehr mitgeteilt worden, daß der preußische Gemeindetag folgende Antwort erhalten hat: " Der baldige Ausschluß von Apotheken, die erwieseners maßen zugunsten von Nichtariern betrieben werden, beim Bezug von Arzneimitteln auf Rechnung der Stadtverwal tungen erscheint mir dringend notwendig und zulässig. Für die Herbeiführung einer einheitlichen Reglung im Reichsgebiet bleibe ich bemüht." Demzufolge werden voraussichtlich nunmehr in Preußen alle diejenigen nachweisbar zugunsten von Nichtariern be1914 die Gefahr für Frankreich und für den Frieden steigern würde. * Man sieht, wie entscheidend die anscheinend zunächst nur die innere Politik berührenden österreichischen Entwick lungen geworden sind. Wollen England und Frankreich in der Tat ihr ganzes Vertrauen noch auf Herrn Dollfuß setzen, nachdem diefer längst zu einem willenlosen Spielball in der Hand der Machtpolitik Mussolinis geworden ist? Vielleicht sehen sie doch noch rechtzeitig ein, daß, wer vom Faschismus ißt, daran stirbt! Der Reichsjugendführer hat einen Aufruf erlassen, der Reichsregierung gegen Hunger und Kälte aufgefordert wird. Dem„ Petit Parisien" wird wird aus Avesnes gemeldet, daß ein Flugzeugfotograf, der in privatem Auftrag ein Sanatorium aufnahm, bei seiner Arbeit aus dem Flugzeug fiel. Man fand seine völlig verstümmelte Leiche auf einem Feld. Wie dem„ Petit Parifien" aus Marseille berichtet wird, sind dort mehrere der Berliner Firma Goldschmidt n. Co. entwendete Gemälde aufgefunden worden. Der Dieb stahl wurde von Karl Männchen ausgeführt, und der Wert der gestohlenen Gemälde wird auf 74 000 Mark geschäßt. Auf Grund einer Anzeige bei der Polizei hat die Zollbehörde von Marseille die Gemälde entdeckt. Sie waren bereits für ein nach Galatha abgehendes Schiff aufgegeben. Die Ges mälde wurden beschlagnahmt, von Männchen fehlt jede Spur. Wie Havas aus Madrid berichtet, ist ein chinesisches Mädchen, das in einer Akrobatentruppe im 3irs fus auftrat, von einem 16 Meter hoch gespannten Seil abgestürzt. Es war sofort iot. Warschan, 29. Sept. Bei Radom ist ein Laboratos rium zur Erzeugung von rauchlosem Pulver in die Luft geflogen. Drei Arbeiter wurden getötet, 24 schwer verletzt. Warschau, 29. Sept. Vorgestern ist bei Kielce das Dorf Grzymala abgebrannt. Etwa 150 Wirtschaftsgebäude fielen den Flammen zum Opfer. Auch zahlreiches Vieh ist in den Flammen umgekommen. Bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Milis tär in Havanna wurden fünf Perfonen getötet und 16 vers legt. Die Kommunisten haben einen 24stündigen Streit pros flamiert. e it " B t + t B 21 h 854 S: it g unet t, 28 rt B m 28 e et ot จะ rt f De ir es t. 3# ft 8 De En is zu einem Zeitungsverbot Reichstagsprozeß in Leipzig D. F. Mit dieser Nummer erscheint die Deutsche Freiseit" auch wieder im Saargebiet. Das durch die Regierungskommission des Saargebiets ausgesprochene Verbot von einer Woche hat uns gezwungen, für diese Zeit im Betrieb der Freien Presse" zu Straßburg drucken zu lassen. So fonnten wir mit einem Tag Unterbrechung unsere gesamte Auslandsauflage herstellen und versenden. Eine gewisse Verzögerung war leider unvermeidlich. Wir danken unseren Beziehern und Käufern, daß sie etwas Geduld hatten. Die Telegramme und Telefonate, die uns von Bukarest bis Madrid bestürmten„ Wo bleibt die„ Deutsche Freiheit"?" waren uns eine Genugtuung und Ermunterung. Zeigen sie uns doch, wie sehr unser Blatt täglich von vielen Tausenden erwartet wird. Die Regierungskommission hat das Verbot wegen einer aus dem„ Neuen Vorwärts" entnommenen Karikatur aus gesprochen, die unbeanstandet in ganz Europa, übrigens ein schließlich des Saargebiets, verbreitet worden ist. Man hat in der Zeichnung eine Beleidigung des deutschen Reichspräfidenten erblickt. Es ist zwecklos darüber zu streiten. Karikaturen sind niemals rein sachlich. Ihre Absicht ist, überspitzt und einseitig betont die Charakterzüge bestimmter 3ustände und Menschen herauszuarbeiten. Das ist manchmal schmerzlich, zumal wenn der Zeichner seinen Stift schonungslos walten läßt. Eine Herabwürdigung der Person des greisen deutschen Staatsoberhauptes liegt uns ganz fern. Uns geht es nicht um den Menschen, sondern um das System, das unter seiner Regentschaft und der von ihm beschworenen Verfassung sich entwickelt hat. Es ist merkwürdig: die Geschichtsbücher lehren uns, daß es für Staats- und Heerführer schmeichelhaft ist, wenn sie verglichen werden mit Löwen und Bären, mit Adlern, Falfen, Geiern und Sperbern, mit Wölfen und Luchsen, mit Panthern und Tigern und anderem Raubzeug. Niemand empört sich darüber. Wenn indes ein Künstler den Kopf eines Staatsmannes mit einem Wesen in Verbindung bringt, das in Jahrtausenden der menschlichen Kultur geduldig, fleißig und genügsam hervorragende Dienste geleistet hat, finden sich viele Menschen peinlich berührt. Es ist schwer zu begreifen, aber es ist so. Van der Lubbe als Tausendkünstler Wer lügt? D. F. Van der Lubbe hat auf energische Vorhaltungen des Präsidenten die Brandstiftung im Reichstage„ gestanden". Das heißt, er hat ein kaum hörbares„ Ja“ ge flüstert. Neu ist das Geständnis nicht. Schon die erste amtliche Meldung über den Brand vom 27. Februar gab bekannt, daß van der Lubbe„ bei der ersten Vernehmung sofort ein Geständnis abgelegt hat. Neu ist die Art, wie in Leipzig Prozeß gemacht wird. Da der Angeklagte van der Lubbe hartnäckig schweigt, übernimmt der Präsident seine Stellvertretung und erläutert, wie van der Lubbe alles gemacht haben muß. Der fast blinde Bursche soll als Fassadenkletterer in den Reichstag eingedrungen und dort alles allein in Brand gesteckt haben. Nun gehört die Fassade, an der van der Lubbe seine Kletterkunststücke vollführt haben soll, zu den am hellsten beleuchteten Stellen Berlins. Mächtige Bogenlampen bestrahlen sie taghell. Schupos patrouillieren in unmittelbarer Nähe, und gegen 9 Uhr abends ist die Umgebung des Reichstagsgebäudes auch noch von Passanten belebt. Es müßte wunderbar zugegangen sein, wenn niemand die Klimmzüge van der Lubbes bemerkt haben sollte. Der amtliche preußische Pressedienst wußte es am 1. März viel besser als jetzt der Herr Präsident Bünger auf Grund der Untersuchungsprotokolle des Herrn Vogt. Damals wurde amtlich mitgeteilt, daß mindestens sieben Personen zur Herbeischaffung des Brandmaterials und mindestens 10 Personen zur Brandstiftung notwendig waren. Ganz zweifellos," so erklärte der amtliche Bericht weiter, seien die Brandstifter mit den Räumlichkeiten durch jahrelangen Verkehr vertraut gewesen. Es ist also rätselhaft, warum van der Lubbe die Wand hochgeklettert sein soll, wenn er eine Menge Helfershelfer im Gebäude gehabt in diesem Falle eine Begünstigung darstellen fönnten. Det Zeuge Bienge erklärt darauf, er habe keinen Grund, seine Aussage irgendwie zu berichtigen. Wenn andere etwas anderes gesagt haben, so müssen sie die Unwahrheit gesagt haben. Als Senatsbeschluß wird dann verkündet, daß Bienge wegen Verdachts der Teilnahme unvereidigt bleibe. Terror und KPD. Als nächster Zeuge wird dann der Angestellte Jänede vernommen. Er gibt zu, früher Mitglied der KPD. gewesen zu sein, im Juli 1932 aber wegen persönlicher Differenzen aus der Partei ausgeschieden zu sein. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß in der kommu nistischen Zelle deren Leiter er war, niemals die Frage des Terrors behandelt wurde; im Gegenteil seien die 3ellenmitglieder gegen den Terror ge= wesen. Es habe sich lediglich um eine marristische Schulung gehandelt. Die KPD., erklärt der Zeuge, wolle zwar den Umsturz, aber nicht durch Terror, sondern durch Wirtschaftsfämpfe. Der Zeuge gibt dann an, später wieder Verbindung mit der Partei gesucht zu haben. Der Vorsigende ersucht nun van der Lubbe, der wie gewöhnlich zusammengefunken auf seinem Stuhle hockt, aufzustehen, weil jetzt das Zusammentreffen des Zeugen Janecke mit van der Lubbe erörtert werden soll. Der Zeuge Janecke wendet sich zu van der Lubbe und ruft ihm laut zu: " Marinus, kennst Du mich denn nicht? Ich habe Dir doch zu essen gegeben." Der Angeklagte van der Lubbe hält den Kopf nach wie vor gesenkt und schweigt. Vorsigender( zum Zeugen): Hat sich van der Lubbe früher auch so verhalten? Janecke: Damals war er sehr lustig und gesprächig. Eine vornüber gebeugte Haltung hat er freilich auch damals schon gehabt. Vom Gespräch vor dem Wohlfahrtsamt hat der Zeuge Janecke nichts gehört. Er hat nur beobachtet, daß van der Lubbe in einem Kreis von mehreren Personen stand, und daß man sehr erregt sprach. Auf die Frage, ob van der Lubbe sich als Kommunist ausgegeben habe, erklärt der Zeuge, er habe gesagt, daß er im kommunistischen Sinne tätig sei und daß er etwas machen wolle. Wir haben ihn gefragt, ob er irgendwelche AusweisDas hat van der Lubbe verneint. Wir fragten ihn, was er überhaupt wolle und welche Richtung er denn vertrete. Darauf erwiderte van der Lubbe dann: an der Saar jedoch erfordert einige Bemerkungen. Die Fa hat. Nach demselben amtlichen Bericht vom 1. März papiere habe und ob er Mitglied der Partei sei. Eine Zentrumszeitung im Saargebiet hat das Verdienst für unser Verbot dem saarländischen katholischen Mitglied der Regierungskommission Herrn Minister Koßmann zugeschrieben. Nur als Chronisten nehmen wir davon Kenntnis. Das Verhalten der gleichgeschalteten deutschen Presse brikanten und Handwerker dieser Zeitungen sind auf uns sehr zornig, vielleicht auch nur neidisch. Es muß schwer sein und nervenaufreibend, täglich gegen seine Ueberzeugung schreiben und dann noch den Undank der nie zufriedenen Nationalsozialisten ernten zu müssen. Und noch schwieriger mag es sein, sich jetzt schon ein Zeugnis für Wohlverhalten zu sichern, falls die Segnungen des dritten Reichs" im Jahre 1935 doch noch über das Saargebiet hereinbrechen sollten. Was bleibt da anders übrig, als gegen die Marristen und ihre Presse zu arbeiten? Man muß doch beweisen, daß man mindestens ebenso antimarxistisch ist wie die Hakenfreuzkonkurrenz und noch unwissender über den Marrismus als diese, wenn es überhaupt menschenmöglich sein sollte. Welch ein Armutszeugnis stellt sich die nationalsozialistische und die ihr gleichgeschaltete Presse aus! Im ganzen Reiche ist die gesamte oppositionelle Presse unterdrückt. Allein in dem Reichsrest an der Saar, der kleiner ist als ein preukischer Regierungsbezirf, erscheint noch eine einzige unabhängige deutsche Tageszeitung. Wie leicht müßte es für die Uebermacht der andern sein, sich mit dieser„ Deutschen Freiheit" auseinanderzusehen, aber sie wagen es nicht, und sie fönnen es nicht. Vor und hinter den Kulissen fordern sie das Verbot unserer Zeitung. Mundtotmachen! Das ist das Einzige, was sie gegen den Sturm unserer Anklagen aufzubringen wissen, denn sie fühlen wohl, daß unser schonung loser Angriffswillen nicht aus den paar Emigranten", sondern aus den Millionen gefesselter, gefolterter, unterdrückter, beraubter Volksgenossen kommt. Dieser Wille aber ist nicht zu töten und wird sich immer wieder gegen eine Barbarei auflehnen, deren schändlicher Ausdruck das Erwürgen jeder Pressefreiheit im Reiche drüben ist. Auch das harte Verbot, das uns betroffen hat, hindert uns nicht gegenüber den Hilfs= diensten, die kommunistische Zeitungen den Gleichgeschalteten leisten, anzuerkennen, daß an der Saar immerhin noch ein Maß von Bewegungsfreiheit für die Presse herrscht, wie es drüben sich kaum noch jemand vorzustellen wagt. Wir sind wieder da und bleiben da. Den Zeitungslafaien des Herrn Hitler mag das unangenehm sein, aber es ist, und es bleibt so. Die Preßfreiheit, für die Generationen deutscher Menschen gestritten haben, soll auf deutschem Boden menigstens noch von einer Fahne leuchten. Wir sind stolz darauf, die Träger dieses Banners zu sein und werden ihm die Achtung erzwingen, die ihm zukommt. ist van der Lubbe, wie drei Augenzeugen bestätigt haben sollen, noch eine Stunde vor Ausbruch des Brandes mit den Reichstagsabgeordneten Zorgler und Koenen in den Gängen des Reichstags gesehen worden. Entweder hat der amtliche preußische Bericht gelogen, oder aber van der Lubbe ist, obwohl er es doch so bequem hatte, im Reichstagsgebäude zu bleiben, hinausgegangen, hatte, im Reichstagsgebäude zu bleiben, hinausgegangen, weil er durchaus die Fassade erklettern wollte. Sonderbare und lächerliche Widersprüche! Erinnern wir auch noch daran, daß nach dem amtlichen preußischen Bericht vom 28. Februar die Mittäter van der Lubbes durch die unter dem Reichstagsgebäude befindlichen Gänge für die Heizungsanlagen nach dem Wohngebäude des Reichstags. präsidenten entkommen konnten". So sagte nicht eine ausländische Hezmeldung, sondern der Bericht der amtlichen preußischen Pressestelle. Es könnte möglich sein, daß diese amtlichen Berichte sich nicht in den Prozeßakten befinden. Darum ist gut, diese amtlichen Meldungen in die Erinnerung zurückzurufen. 8. Verhandlungstag ( Fortsetzung aus Nr. 87) Ein Zeuge unvereidigt Troz zahlreicher ernsthafter Vorhalte bleibt der Zeuge Bienge dabei, den Zachow an dem in Frage kommenden Tage vor dem Wohlfahrtsamt überhaupt nicht gesehen zu haben. Auf Fragen des Angeklagten Dimitroff ſtellte der Vorsitzende fest, daß der Zeuge Bienge in Zusammenhang mit der Brandstiftung vom 10. März bis 12. Juni in Haft gewesen sei. Es habe sich jedoch nicht um eine gerichtliche Untersuchungshaft gehandelt. Die Frage des Rechtsanwalts Dr. Sack, ob er nur einmal mit van der Lubbe zusammengewesen sei, bejaht Bienge. Der Oberreich sanwalt beantragt, Bienge nicht zu vereidigen, weil er als Mitarbeiter, Anstifter oder Gehilfe in Frage kommen könnte. Der Oberreichsanwalt macht aber darauf aufmerksam, daß Bienge trotz der Nichtvereidigung sich der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung aussetze, weil unwahre Angaben zur Entlastung eines Angerlagren Das abenteuerliche Leben des van der Lubbe Im„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" widmet ein gewisfer reef van Leeuwen, der einige Zeit mit Marinus van der Lubbe in einer Familienpension gelebt hat, diesem einen großen Artikel, aus dem wir folgende Stellen wieder geben: " Sein politischer Hochmut ist sehr groß. Er drängt sich vor, indem er Fäuste und Elbogen gebraucht. Er hat es sich in den Kopf gesetzt, eine Rolle in der Bewegung der Arbeitslosen zu spielen. Für kurze Zeit hat er es verstanden, dahin zu gelangen, daß ganz Leyden ihn kennt und von ihm spricht. Ueberall, wo man eine fleine Gruppe diskutierender Arbeiter sieht, kann man mit Gewißheit seine Stimme lauter, als die der anderen tönen hören. Wenn es Unruhen auf der Straße gibt, so ist es van der Lubbe, der die ersten Prügel bezieht und schließlich ist es auch van der Lubbe, der zwischen zwei Polizisten zum Kommissariat gebracht wird. Ich habe ihn mehrmals auf der Straße sprechen hören. Niemals war die Rede von einer kommunistischen Politik, deren er sich bewußt gewesen wäre. Er hatte mehr die Ideen eines Asozialen, und sie waren sehr vertorren. Mehrmals habe ich feststellen können, daß er am Schlusse seiner Reden zu Folgerungen gelangte, welche den Ideen, denen er anhing, absolut entgegengesetzt waren. Warum bist du so dumm und schreist du so laut?" habe ich oft gedacht. Sein Gehaben und sein absoluter Mangel an Disziplin haben am Ende Konflikte zwischen ihm und der Parteileitung hervorrufen müssen. Da er außerdem seinen Einfluß auf die Arbeitslosen verlor, verließ er um 1931 herum die kommunistische Partei. Wahrscheinlich hat man die Absicht gehabt, ihn auszustoßen. Van der Lubbe ist keineswegs eine sportliche Größe. Wenn er von seinem Plan sprach, den Kanal zu durchschwimmen, glaubten wir, das wäre wieder eine seiner zahllosen Erfindungen. Aber van der Lubbe reist nach Calais. Eine ge= heimnisvolle Dame gibt ihm ein Boot und van der Lubbe versuchts. Aber er ist gezwungen, auf sein Unternehmen zu verzichten. Ungefähr 1928 beginnen die Reisen van der Lubbes nach Deutschland. Er bricht ohne einen Pfennig zu Fuß auf. Unterwegs hält er Autos an und bittet, mitgenommen zu werden. Trotz seines Aeußeren, das nicht sehr anziehend ist, scheint er keine großen Schwierigkeiten gehabt zu haben. Nach seiner Rückkehr erzählt er in Leyden mit offensichtlicher Befriedigung, daß seine Kapitalisten ihre Wagen haben anhalten lassen, um ihn, den Proletarier van der Lubbe, mitzunehmen. Van der Lubbe knüpft eine Freundschaft mit einem gewissen Holverda an, mit dem er sich anfangs 1981 entschließt, eine Reise um die Welt zu machen. Im letzten Augenblick verzichtet Holverda. Van der Lubbe bricht allein auf. Durch Deutschland, durch Polen und die Tschechoslowakei gelangte er bis zur Grenze Sowjetrußlands. An der russischen Grenze gab es Abenteuer, die mir aus dem Gedächtnis entschwunden sind. Van der Lubbe kann nicht nach Rußland einreisen, und er kehrt nach Holland zurück." Nach dieser Schilderung scheint van der Lubbe von typischer Ruhmsucht und echtem Größenwahn befallen zu sein. In Deutschland gibt es keine solche Partei, die meine Meinung vertritt. Es gibt nur eine Organisation, und das wäre im Sinne der AAU. Angeklagter Torgler: Es handelt sich um die Allgemeine Arbeiter- Union, eine fyndikalistische Organisation. Vorsitzender: Worin unterschied sich denn van der Lubbe von Ihnen in den Auffassungen? Zeuge: Darin, daß er feine Parteidisziplin hatte, daß er nicht nach den Führern sah, sondern im Gegenteil verlangte, daß man nicht mehr abwarten dürfe, sondern etwas machen müsse. Weiter bestätigt der Zeuge I anecke, daß van der Lubbe besonders die Ideen der Arbeiter- Union vertreten habe. Angeflagter Torgler: Der Zeuge Janecke hat ausgeführt, daß die Einstellung der Kommunistischen Partei gegen den Terror und für den politischen Massenkampf vorhanden war, daß er aber selbst nur bis Juli 1932 davon Kenntnis habe. Der Zeuge hat aber später wieder Anschluß gefunden. at der Zeuge von der zweiten Hälfte des Jahres 1932 und den beiden ersten Monaten dieses Jahrs den Einbrud gewonnen, daß sich in dieser Einstellung der Kommunistischen Partei zur Frage des Terrors irgend etwas geändert hat? Zeuge Janede: Auch in der letzten Zeit habe ich gehört, daß die Partei den Terror ablehnt. Wenn Ausfälle vor: tamen, so waren sie meiner Meinung nach meistens von Lenten verübt, die keine Schulung hatten. Landgerichtsdirektor Parrisius: Sie haben vorhin einen Unterschied zwischen der Partei und dem Kampfbund gegen den Faschismus gemacht. Wußten Sie, daß der Kampfbund gegen den Faschismus eine typisch kommunistische Organisation, gewissermaßen eine Unterorganisation der Partei war? Zeuge: Ja. Gerade in Neukölln ist aber der Beweis erbracht worden, daß dort Elemente im Kampfbund waren, die für den Terror eintraten. Verwahrung gegen Zuchthäusler und Spitzel Janecke verwahrt sich dann gegen den Vorwurf, daß ec den Plan eines Ueberfalles auf das Neuköllner Wohlfahrtsamt ausgeheckt habe. Tatsächlich sei in gewisser Hinze der Mann gewesen, der ihn und andere zu einem solchen Ueberamt ausgeheckt habe. Tatsächlich sei ein gewisser Hinge der wegen frimineller Verbrechen schon im Zuchthaus geseifen habe, vielleicht als Spiel gewirkt habe. Er, Janecke, sei zunächst verhaftet, aber bald entlassen worden. Das sei für ihn ein Glück gewesen, denn die Reichstagsbrandstiftung sei während seiner Haftzeit erfolgt. Wie immer Dimitroff versucht wieder, mehrere überflüffige" Fragen zu stellen, die der Vorsißende ablehnt. Dimitroff fragt dann den gestern vernommenen Zeugen Panfnin, ob er seiner deutschnationalen Parteileitung von dem Gespräch vor dem Neuköllner Wohlfahrtsamt Mitteilung gemacht habe. 3euge: Jawohl. Dimitroff: Wann? Vorsitzender: Damit ist die Sache erledigt. Der Zeuge hat die Frage bejaht. Dimitroff: das bezweifle ich ganz entschieden. Es tritt dann eine kurze Pause ein van der Lubbe kein Marxist Nach der Pause teilt der Vorsisende mit, daß der von Janecke erwähnte Hinze nachträglich für die nächste Woche als Zeuge geladen worden ist. Es wird dann der Kellner Starfer vernommen. Er gibt zu, bis etwa November Mitglied der KPD. gewesen zu sein. Ueber die kommunistischen Zellenabende erklärt er, daß dort besonders von den kommunistischen Zielen gesprochen worden sei, aber nicht von Gewaltanwendung. Das Gespräch am Wohlfahrtsamt hat der Zeuge nicht mitangehört. Er saß in dem Lokal von Schlaffte, als Janecke mit van der Lubbe eintrat. Van der Lubbe habe dann bei ihm gegessen und geschlafen und sei am nächsten Tage gegen Mittag wiedergekommen, um sich zu verabschieden. Nach diesem Zeitpunkt hat der Zeuge van der Lubbe nicht mehr gesehen. Er habe van der Lubbe zunächst für einen Kommunisten gehalten, aber aus politischen Gesprächen dann erkannt, daß van der Lubbe nicht Kommunist, ja nicht einmal Marrist gewesen sei, weil er eine politische Theorie ent: wickelt habe, die mit dem Margismus nicht vereinbar sei, 1 Auf eine Frage des Zeugen, in welcher Partei Lubbe seine Ansicht verwirklicht sehen würde, habe van der Lubbe damals geantwortet, eine solche Partei gäbe es nicht, aber am nächsten fomme seinem Jdeal noch die A A U.( Allgemeine Arbeiter- Union). Landgerichtsdirettor Parrisius weist darauf hin, daß der Zeuge in seinen früheren Vernehmungen nichts darüber befundet habe, daß van der Lubbe sich zur Arbeiter- Union bekenne. Es fällt mir weiter auf, erklärte Parrisius, daß Ihre Aussagen in dieser Beziehung fast wörtlich mit der Aussage Janeckes übereinstimmen. Der Zeuge Starter bestreitet jedoch, in der Pause sich mit Janecke über dessen Vernehmung unterhalten zu haben. Starfer habe zu Janecke lediglich gesagt, er sei ziemlich laut gewesen, man habe ihn bis draußen gehört. Auf eine Frage von Parrisius gibt der Zeuge zu, etwa viermal je eine Nacht als Kellner der Mitropa in Hoek van Holland gewesen zu sein. Parrisius: Nach meinen Informationen sollen Sie 2-3 Jahre in Holland gewesen sein, zeitweise auch als Kellner der Bahnhofswirtschaft in Leyden. Der Zeuge bestreitet das. Die Frage, ob er noch mit holländischen Kommunisten in Verbindung stehe, verneint Starter. Auf die Frage, warum er über seinen Aufenthalt in Holland bisher nichts gesagt habe, erklärt der Zeuge, er habe das nicht für wichtig gehalten und er sei auch nie danach gefragt worden. Die Frage des RA. Dr. Sack, ob van der Lubbe gesagt habe, daß er in Holland Mitglied der AAU sei, verneint der Zeuge. van der Lubbe ,, gesteht" Das Gericht entläßt jeßt auch die übrigen für heute ge= Tadenen Zeugen, und der Vorsitzende teilt mit, er wolle heute noch den Angeklagten van der Lubbe darüber vernehmen, wie er den Reichstagsbrand ausgeführt habe. Der Vorsitzende fordert den Angeklagten auf, frank und frei zu erzählen, wie er es gemacht habe. Van der Lubbe schweigt und hält den Kopf gesenkt. Es entspinnt sich dann ein längeres Frage- und Antwortspiel zwischen dem Vorsitzenden und van der Lubbe, bei dem der Angeklagte entweder gar keine oder widersprechende Auskunft gibt. Schließlich fragt der Vorsitzende: Haben Sie das Reichs: tagsgebände angesteckt? Van der Lubbe sagt ganz leise: Ja. Wann haben Sie den Entschluß dazu gefaßt, fragt der Vorsitzende weiter. Van der Lubbe: Kann ich nicht jagen. Borsigender: Sie sollen uns fließend erzählen, wie es gewesen ist. Wenn ein Angeklagter die Aussage verweigert, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als entsprechend zu verfahren. Der Vorsitzende unterbricht dann die Verhandlung durch eine kurze Pause, in der zwei große Karten aufgehängt werden, auf denen man die Grundrisse des Erdgeschosses und des Hauptgeschosses des Reichstagsgebäudes sieht. Der Vorsitzende ist allwissend Der Vorsißen de schildert auf Grund der in der Voruntersuchung gemachten Angaben des Angeklagten den Weg, den van der Lubbe genommen hat. An der Karte markiert ein Gerichtsangestellter mit einem langen Stab den jeweils vom Vorsitzenden bezeichneten Punkt. Sie sind also, so führt der Vorsitzende aus, nachdem Sie kurz vor 9 Uhr am Reichstag angekommen waren, rechts von der großen Auffahrt nach Uebersteigung des Geländers an der Außenseite des Gebäudes emporgeklettert und sind nach Ueberwindung der Brüstung des Fensters auf dem Balkon vor dem ersten Fenster des Restaurationsraumes im Hauptgeschoß angelangt. Im weiteren Verlauf der Sigung gibt Im Zelchen des Devisenmangels Neudeutscher Autarkie- Wahn Industrie wichtigsten Rohstoffeinfuhr immer knapper werden, Während die Devisen zur Bezahlung der für die deutsche obwohl nach den Angaben der deutschen AußenhandelsStatistik, wenn sie zuverlässig wäre, eine solche Devisenschen Volkswirtschaft eine eigenartige Entwicklung an, die in knappheit unverständlich sein müßte, bahnt sich in der deutmehr als einer Hinsicht an die Zeit des Weltkrieges erinnert. Ganz offensichtlich wird der überhaupt noch zur Verfügung stehende Devisenfonds immer stärfer zur Rohstoffbeschaffung für die deutsche Rüstungsindustrie reserviert. Auf der anderen Seite behilft man sich mit Ersatzmaterialien, die nicht nur eine halbwegs normale Versorgung der deutschen Bevölkerung selbst, sondern vor allem auch den deutschen dertigwarenerport in Frage stellen. Typisch hierfür sind die Verhältnisse in der Textilindustrie, wo man schon längst den Baumwoll- Import bis aufs äußerste gedrosselt hat und die Verarbeitung von Wolle propagiert, wobei man in erster Reihe an die Verwendung der sehr viel teureren und schlechteren deutschen Inlands= wolle denkt. Da diese aber, von allen Kalkulationsfragen ganz abgesehen, weder qualitativ noch quantitativ ausreicht, wird jetzt unter dem Schlagworte eines General- Angriffes auf die deutschen Kleiderschränke" die Verwendung von Kunstwolle, also von einem Material propagiert, das aus der Neuverarbeitung getragener Kleider usw. entstehen soll. Ueber Brauchbarkeit und Lebensdauer der Kunstwolle ist kaum ein Wort zu ver= lieren. Es wird übrigens von der deutschen Propaganda selbst zugegeben, daß diese Kunstwolle sich viel teurer stellt als erstklassige, aus dem Auslande eingeführte, überseeische Wollsorten. Der Verarbeitungsprozeß der getragenen Kleider zu Kunstwolle ist hauptsächlich dem Arbeitsdienst übertragen und man motiviert die, Fehlkalkulation bei der Preisgestaltung einfach damit, daß es ja eine der Hauptaufgaben des Arbeitsdienstes sei, auch zeitraubende und privatwirtschaftlich fostspielige Arbeiten zu leisten, wenn sie nur volkswirtschaftlich erwünscht" find, also Devisen sparen. Ein interessantes Kapitel ist auch die Entwicklung der deutschen Einfuhr von Rohmetallen. Auf der einen Seite läßt sich nämlich feststellen, daß gewisse für die Rüstungsindustrie hochwichtige Metalle, wie beson ders Kupfer und Eisen, in geradezu ungeheuren Posten eingeführt werden. Nach französischen Feststellungen beträgt die Verschiffung von Eisen- und Kupfererzen über die deutschen Häfen in den ersten fünf Monaten des Jahres 1933 schon 61 000 Tonnen, während im ganzen Jabre 1932 nur 48 700 Tonnen verschifft wurden. Im ganzen Jahre 1931 wurden von Deutschland aus Holland nur 27 000 Tonnen altes Eisen zur Stahlerzeugung eingeführt. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres betrug diese Einfuhr nach Deutschland aber schon 83 300 Tonnen. Berücksichtigt man hierbei, daß die Metallpreise in diesem Jahre ganz enorm gestiegen sind, und daß dief große Erhöhung der Weltmarktpreise unter normalen Verhältnissen sowie mit Rücksicht auf die deutsche Devisenknappheit stark zur Drosselung der Erzund Metalleinfuhr aus dem Auslande beitragen müßte, so wird man sich über die gewaltige Bedeutung dieser Zahlen leicht klar werden. Wie sehr auf der anderen Seite die Einfuhr von Artibeln, die nur in geringem Grade oder überhaupt nicht der Rüftungsindustrie dienen, im Zeichen des Devisenmangels, der verschärften deutschen Ablaßtrise und der steigenden Rohstoffpreise zurüdgeht, fei auf dem Gebiete der Metalls einfuhr am Rohblei dargetan. Die deutsche Rohbleieinfuhr betrug in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres 23 276 t, also nur etwa 1500 t weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 1931, Für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres hat sich aber die reichsdeutsche Bleieinfuhr auf 12 143 t, also ungefähr auf die Hälfte gesenkt. Auch bei der deutschen Zinkeinfuhr ergibt sich der immerhin sehr erhebliche Rückgang auf knapp 35 000 t gegenüber fast 51 000 t von Januar bis Mai des Vorjahres. In diesen wie in ähnlichen Fällen wird der Rückgang der deutschen Rohstoffimporte allerdings so erklärt, daß die Tätigkeit der deutschen Hütten erhöht worden ist und daß man mehr Bleierze eingeführt habe. Die Ziffern der Erzeinfuhr geben hierfür feinen ausreichenden Anhalt, und man wird daher wohl zu der ja übrigens auch viel näher liegenden Erklärung greifen müssen, daß hier, wie in vielen ähn= lichen Fällen, die Verschlechterung der Wirtschaftslage und die Devisenknappheit die eigentliche Ursache der verringerten Rohstoffeinfuhr darstellt. Durch zahllose Einzelheiten kann man das Bild der„ Neudeutschen Autarkie- Wirtschaft", die hier entsteht und deren Hauptaufgabe es ganz offensichtlich ist, die Versorgung der Bevölkerung zugunsten derjenigen der Rüstungsindustrie immer weiter einzuschränken, vervollständigen. Hierher gehört zum Beispiel die bezeichnende Tatsache, daß in zahreichen deutschen Großstädten nach zuverlässigen Melmittelgeschäfte Prämien für den Absatz von Sacharin aus dungen der letzten Wochen den Verkäuferinnen der Lebensgesetzt werden, weil man die vorhandenen Zuckerbestände für die Herstellung von Sprengstoffen reserviert. Man wird diese Entwicklung in der nächsten Zeit nicht aufmerksam ge= nug verfolgen können. Deutschland versucht augenblicklich unter Ueberspringung auch der höchsten Schutzollgrenzen des Auslandes den Boykott für seine Fertigwaren dadurch zu brechen, daß man die vorhandenen großen Bestände auf dem Wege des Dumpings zu Preisen, die bis zu 30 Prozent unter denen des Weltmarktes liegen, ausverkauft. An die Herstellung neuer Exportwaren ist mit Rücksicht auf die Devisenlage und die Preisgestaltung auf absehbare Zeit nicht zu denken. Die erzielten Valuta- Erlöse werden aber weder zur Beschaffung neuer Rohstoffe für die Exportindustrie benötigt, noch zur besseren Bersorgung des Konsums am Binnenmarkt verwandt. Man braucht sie vielmehr so gut wie ausschließlich für die Rüstungsindustrie und das Wirtschaftsbild des ganzen Landes, das immer deutlicher dem einer belagerten Festung gleicht, dürfte sich wahrscheinlich schon in naher Zukunft weiter in einer Weise entwickeln, die für die Weltwirtschaft von unheilvoller Bedeutung sein Jan Severin. Wankender Glaube- sinkende Kurse Sann der Vorfüßende ein ganz ausführliches Bild des fo- Die Kapitalisten sind skeptisch genannten Brandweges. Der Vorsitzende schließt: Sie haben am Schluß Ihrer Vernehmung angegeben, daß Sie glauben, zur Durchführung der ganzen Brandlegung etwa 10 bis 20 Minuten gebraucht zu haben. Die Proben, die daraufhin unternommen wurden, haben die Möglichkeit bestätigt, daß man in dieser Zeit den Brandweg machen und die Brandstiftung ausführen kann. Das wollte ich heute zur Klarstellung des Brandweges dem Angeklagten vorhalten. Er ist diesen Vorhaltungen gefolgt und hat ihre Richtigkeit bestätigt. Die nächste Sigung findet am kommenden Mittwoch um 9.30 Uhr statt. Wirtschaft und Arierparagraph Zu der Frage, ob eine Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen Firmen in der Wirtschaft zu machen ist, spricht sich der Reichswirtschaftsminister, wie der Parlamentsdienst der TU meldet, in einem Erlaß folgendermaßen aus. Eine Unterscheidung zwischen arischen und nichtarischen oder nicht rein arischen Firmen innerhalb der Wirtschaft, insbesondere bei dem Eingehen geschäftlicher Beziehungen, halte ich nicht für durchführbar. Eine solche Unterscheidung mit dem Zwecke einer Boykottierung nichtarischer Firmen müßte notwendig zu erheblichen Störungen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues führen, da ungünstige Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt durch Betriebseinschränkungen der von dem Boykott betroffe= nen Firmen und nachteilige Folgen für die Lieferungen dieser Firmen und deren Arbeitnehmer unvermeidbar wären. Im übrigen bin ich ebenso wie der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda der Auffassung, daß keine Beranlassung besteht, gegen eine Firma vorzugehen, solange ihre Inhaber nicht gegen gesetzliche Vorschriften oder gegen die Grundsäße der kaufmännischen Ehre verstoßen. So spricht der Minister. Im Lande aber geht der Judenboykott luftig weiter. Wie er wirkt, zeigt u. a. folgender Bericht: " Die seit 35 Jahren bestehende jüdische Herrenkonfektionsfirma Gebr. Manes in Berlin, die kürzlich einen Teil ihrer Filialgeschäfte im Reich veräußerte, hat, wie„ Der Kon= fektionär" erfährt, ihre 3ahlungen eingestellt. Der Ber kauf der Filialen ist zu dem Zwecke erfolgt, um die Möglichkeit zu schaffen, den jetzt am Verfahren beteiligten Gläubigern eine höhere Quote zu bieten. Verursacht ist die Zahlungseinstellung durch enormen Umiabrückgang. Es ist gegenwärtig noch nicht zu übersehen, welche Werte aus dem erheblichen Grundbesitz herauszuwirtschaften sind, da er sehr belastet ist. Mit den weiteren Vergleichsverhandlungen ist Wirtschaftsprüfer Arthur Bredt beauftragt. In den näch sten Tagen ist eine Besprechung mit den Großgläubigern beabsichtigt." Leipziger Messe Die Deutsche Holzblasinstrumenten- Fabrik Oscar Adler u. Co. in Markneukirchen erklärt ihrer Kundschaft:„ Die Messespesen stehen in gar keinem Verhältnis zu den erzielten Erfolgen. Aus diesem Grunde werden wir auch zu dieser Herbstmesse nicht ausstellen." Im Monat Juli hat die Klavierindustrie insgesamt für 6000 Mark exportiert. Diese 3ahl ist so flein, daß Vergleichszahlen gar nicht mehr angegeben werden. Die deutsche Instrumentenindustrie steht vor einer Katastrophe. Die Herolde des dritten Reiches" hatten feierlich verkündet, daß der bloße Glaube an Hitler Wunder wirken würde, und daß dem enormen Aufschwung der Seelen der Aufschwung der Wirtschaft folgen würde. Ein ziemlich zuverlässiges Barometer für die Höhe des Vertrauens der deutschen Unternehmer in die Wunder wirkende Kraft der Hitlerschen Arbeitsbeschaffung sind die Kurse der Wertpapiere. Da ergibt sich denn, daß die Aktienkurse in Deutschland ständig sinken, während auf den großen Welt börsen die Kurve der Aftienfurse im Steigen ist. In der Zeit vom 12. August bis zum 9. September stieg der Aktienindeg in London von 67,5 auf 68, in Amsterdam von 34,7 auf 88,9, in Neuyork von 58,8 auf 59,8, in Zürich von 47,8 auf 48,7, dagegen sank der Aktieninder zur gleichen Zeit in Berlin von 29,4 auf 25,3. Der Aftieninder insgesamt sank von rund 68 Anfang August auf rund 65 Anfang September. Einige Berliner Banken haben wegen völliger Stockung des Börsengeschäfts ihren Betrieb eingestellt. Man muß auch berücksichtigen, daß die Großbanken von der Reichsregierung gezwungen werden, auf der Börse zu intervenieren, d. h. Aftien, die vom allzu tiefen Sturz bedroht waren, aufzufeufen. Die amtlichen Börsenkurse sind frisiert: ohne die den Banken aufgezwungene Intervention, die die ohnehin spärlichen Wirtschaftskredite noch weiter verkürzt, wäre der Fall der Kurse noch heftiger. Im letzten Wochenbericht der Berliner Handelsgesellschaft, einer der Berliner Großbanken, wird diese auffallende Erscheinung zu erklären versucht. Die Bank kann ihre Meinung nicht offen aussprechen und überläßt es deshalb ihren Kunden, zwischen den Zeilen zu lesen. Immerhin ist die Umdie schreibung deutlich genug. Es heißt in dem Bericht: " Die Wirtschaftsumstellung hat aus persönlichen oder sachlichen Anlässen das Angebot am Effektenmarkt gesteigert." Mit anderen Worten: anstatt angeregt durch den erhofften Wirtschaftsaufschwung mehr Aktien zu kaufen, haben die Kapitalisten sich nach Kräften bemüht, die Wertpapiere, die sie bereits hatten, loszuwerden. Weiter heißt es: ,, Nun wird vermutlich jener Teil der Kapitalbildung, der fich über die Unternehmung vollzieht, noch erheblich durch Haushaltsausgleich auf dem Papier Die Zeitschrift Reich und Länder", Monatsschrift für die Entwicklung der Verfassung, Verwaltung und Finanzen in Deutschland( Seft 9), ein durch und durch gleichgeschaltetes Blatt, bringt eine Betrachtung über die Haushaltpläne der deutschen Länder für 1933, Mit Genugtuung wird festgestellt, daß in den meisten Ländern der Etat nicht beraten, sondern auf Grund von Ermächtigungsgeseßen diftiert wurde. Dennoch ist das Ergebnis der Diktatur nicht günstig. Das gleich. geschaltete Blatt sagt:„ Troß allen Bemühungen ist aber der Haushaltausgleich in einzelnen Fällen überhaupt nich 1. in anderen nurformell gelungen. Wie oben schon näher ausgeführt wurde, haben zahlreiche Länder wieder die Ergebnisse eines Globalabstrichs zur Deckung heranziehen müssen, dessen Durchführung natürlich um so schwieriger wird, je sparsamer der Haushalt an sich schon aufgestellt ist. die Notwendigkeiten der Wirtschaftsanpassung beansprucht, auch ist möglich, daß die organisierte Arbeitsbeschaffung dann und wann noch Reibungsverluste verursacht." Die Art der Hitlerschen Arbeitsbeschaffung wirft also auf das Anlage suchende Kapital nicht ermunternd, sondern abSchreckend. Die Unternehmer glauben also nicht an den von Hitler versprochenen Antieg, weil sie den tatsächlichen Abstieg allzu deutlich vor Augen sohen. Im allgemeinen pflegt das Sinken der Aktienkurse vom Steigen der Rententurse begleitet zu sein. Die Kapi talisten, denen die Anlage der Aktien zu riskant erscheint, wandern zu den mit fester Verzinsung und Garantien der öffentlichen Hand ausgestatteten Anleihepapieren ab. Dies mal jedoch sind die Kurse der Rentenpapiere nicht nur nicht gestiegen, sondern gleichfalls gesunken. Das Kursniveau der festverzinslichen sechsprozentigen Wertpapiere fiel von 79 Anfang August auf 77,9 Anfang September. Auch dafür gibt der Bericht der Berliner Handelsgesellschaft eine Erklärung: " Bugegeben ist, daß das im Mittelpunkt der Rentenmarferörterungen stehende kommunale Schuldenproblem durch psychologische Antriebe allein nicht gelöst werden fann." Die hoffnungslose Pleite der Kommunalfinanzen schreckt elso die Kapitalisten vor dem Ankauf von Anleihepapieres zurück. Sie fürchten, daß sie die Leidtragenden des finanziellen Bankrotts der Kommunen sein werden, wie es die Anleihegläubiger einer Reihe deutscher Großstädte bereits gemorden sind. Die Bemerkung der Berliner Handelsgesellshaft ist aber auch eine schallende Ohrfeige für das HitlerRegime, für die die gleichgeschaltete Leitung dieser einst, verjudeten" Bank eigentlich mindestens das Konzentrationslager verdient hätte. Denn sie besagt, daß es auf die Dau nicht damit getan in, den Mangel an wirklichen Leistunge mit Reklamegeschrei zu übertönen oder mit Feuerwerk en Mercato überblenden. Andere Länder haben Einnahmereste aus früheren Jahren herangezogen." Also von den berühmten Jahren der Korruption, Schmach und Schande leben jetzt die deutschen Landesregierungen. Ansonsten wird man auch hier mieder auf die Zukunft verwiesen! Im allgemeinen aber werden erst die Haushaltpläne für 1934(!) deutlich den Einfluß der neuen Staatsführung zeigen können, so daß die diesjährigen Etats nur unter dem Gesichtspunkt des Uebergangs zu einer neuen Entwicklung gewertet werden können." Einen so langen Uebergang hat der vormärzliche Hitler allerdings nicht prophezeit. Vom deutschen Holzmarkt Wörtlich aus einem Bericht zitiert, den wir nicht näher nennen, um ihn nicht der Zensur preiszugeben:„ Der Absaz stockt. Während Fichtenstammholz sich noch einigermaßen im Absatz gehalten hat, ist der Absas für Kiefernstammholz auf die Hälfte zurückgegangen. Fichte schneidet in der Bewertung besser ab als Riefer. Im Laubrundholz ist das Geschäft recht klein geworden." Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit“* Sonntag, den 1. Oktober 1933* Ereignisse und Geschichten Der Reichsbischof Das Ende einer Kirche Organisatorisch gesehen, ist der rasche Zusammenschluß der deutschen evangelischen Landeskirchen zur Reichskirche eine Glanzleistung. Sachlich bedeutet die Art, wie er sich vollzog, das schimpfliche Ende des lezten Restes von Christentum in dieser Kirche. Als vor über 400 Jahren die deutschen Fürsten und Herren, alten wie neuen Glaubens, festlich zusammensaßen, um die teuflische Marterung der gefangenen aufständischen Bauern als köstliches Schauspiel zu genießen, da handelten sie im Sinne Luthers, der in seiner Schrift wider die aufrühre rischen Bauern zu predigen", die Obrigkeiten zu jeder Art Gewalt und Greueln aufgestachelt hatte. So büßten die Bauern, daß fie Luthers Lehre von der christlichen Freiheit und seiner ersten bauernfreundlichen Schrift getraut, daß fie unter Berufung auf das Evangelium Menschenrecht und be= scheidenen Lohn ihrer harten Arbeit gefordert hatten. Die Kirche, die Luther als Empörer gegen Rom und Verbündeter firchengutlüsterner weltlicher Herren ins Leben rief, war von Anfang an unfrei, ein Stück fürstlicher Verwaltung, der die Lehre vom unbedingten Gehorsam auf weltlichem Gebiet ebenso tief eingeprägt war wie der Haß gegen die„ Hure Vernunft"( Luther) auf geistlichem. Die römische Kirche wollte den Staat beherrschen- die lutherische wurde ein Werkzeug der Obrigkeit, der zahllosen FürstenPäpstlein, die es in Deutschland gab. So hat sie jede Freveltat der herrschenden Schichten gutgeheißen: Bauernlegen und Totmarterung von Jagdfrevlern, Spießrutenlaufen der Soldaten und Eroberungskriege waren ihr Ausfluß göttlichen Willens. Jeden Versuch zum Schuße der niedergetretenen Volksrechte brandmarkte sie als Auflehnung gegen den Willen Gottes. Ausnahmegesetz und Brotzoll wurden ge= segnet, die internationale christliche Friedenspredigt umge= fälscht in eine national- militaristisch verengte, die in Gefallenenfeiern Stimmung machte für neuen Krieg. So kam es, daß nicht nur die theoretischen Freidenker mit der Kirche brachen, daß alle frei und sozial Gesinnten aus ihr flüchteten. Der letzte Versuch eines religiösen Sozialismus wurde von der Kirche niedergetrampelt. Sie predigten den Armen und speisten mit den Reichen. Nun hat diese Entwicklung ihr Ende erreicht. In Wittenberg, wo neulich Hitler als zweiter Luther gepriesen wurde ( mit mehr Recht, als jene, die ihn damit zu ehren dachten, einsahen), ist ein Militärbeamter, der Wehrfreispfarrer Müller, als Reichsbischof verkündet worden. Natürlich einstimmig, wie heute alles ge= schieht, nachdem man den etwas sozialeren Bodelschwingh zur Strecke gebracht und seine Freunde hinausgedrängt hatte. Nur das Feuerwerk hat dieser Naziparade gefehlt. Der neue Reichsbischof suchte es durch Gedankenbliße zu ersetzen. Wie er vor kurzem die christliche Friedenspredigt auf den " Frieden mit Gott"( und Krieg mit seinen Geschöpfen!) verengert hatte, suchte er jetzt die göttliche Schöpfung aller Menschen mit dem größenwahnsinnigen UebermenschenAriertum in Einklang zu bringen. Die Gefangenen " 3wei Rassen gibts die eine wird mit Sporen, mit Sätteln wird die andere geboren." Das ist nun das Ende der deutschen evangelischen Kirche. Sie findet fein Wort gegen die Unterdrückung vieler Millionen Deutscher, gegen die boshafte Zutodmarterung von Zehntausenden. Der Geist der Propheten, die freilich Juden waren, ist in ihr erstorben. Es lohnt von nun an nicht mehr, von ihr zu reden. Es ist ein Stück Nazitum mehr. Wenn der Hitler- Göße in Staub zerfällt, wird man auch seine Baals- Pfaffen auf den Düngerhausen der Geschichte werfen! Sistoricus. Mussolini- Protestant! Dee Eckstein beachte es an den Jag e... Zu welchen Verstiegenheiten heute die Apologeten des Faschismus in Deutschland gelangen, dafür ist ein Aufsatz von Richard Eckstein in der September- Nummer der Zeitwende" ein bemerkenswertes Beispiel. Es heißt darin: Wir empfinden die Wirtschaftsverfassung des„ korporativen Staates" als protestantisch und luthe risch. Der Protestantismus lutherischer Prägung verzichtet ja bewußt auf ein Wirtschaftsprogramm und auf eine wirtschaftliche Ideologie und Utopie. Der einzige Frage an den Leser i Ob sich Gott die Erde so gedacht hat, als er sie aus lauter Nichts gebant, als er Tier und Mensch ans Lehm gemacht hat, frage ich Sie, lieber Leser, laut. Mächtiger Hand erschuf er Park und Wiese, formte er die Ufer blauer Seen; dachte er hierbei schon an die Krise, und daß Tausende jetzt stempeln gehn? Ob sich Gott die Erde so gedacht hat, als sein Geist den Kreislauf ihr ersann? Ob er es mit Absicht so gemacht hat, daß es mancher nicht ertragen kann? Schuf er auch des Stahlwerts Kapitäne und den Mörder, der uns niederhaut, da er Wölfe schuf und die Hyäne, frage ich Sie, lieber Leser, laut. Ob sich Gott die Erde so gedacht hat, die nun munter um die Sonne rollt, die er einst aus lauter Nichts gemacht hat, mit Maschinen, Feldern, Erzen, Gold? Ob er uns vielleicht nicht gar verlacht hat, als er dieses Wahnsinnswerk geschaut, das der Mensch aus dieser Welt gemacht hat, frage ich Sie, lieber Leser, laut. Grundſay, den Luther für die Wirtschaftsbeziehungen auf Die Deitte Reichspost stellt, ist der der Billigkeit, der Angemessenheit von Leistung und Lohn. Alles andere überläßt er der 3wedmäßigkeit und der freien, aus den Notwendigkeiten und Möglichkeiten sich entwickelnden Gestaltung. Alle anderen geistigen Bewegungen das Schwärmertum, der Katholi zismus, auch das Reformiertentum, erst recht aber der Marxismus und am deutlichsten der Bolschewismus haben einen von vornherein fest liegenden Plan der Wirtschafts- und Sozialgestaltung. Sie alle leben in der Fiktion, daß es eine bestmögliche Wirtschaft gebe, eine Art Reich Gottes in der Wirtschaft, das nach einem besonderen Rezept verwirklicht werden könnte. Diese Ideologen haben letztlich zu der heillosen Verwir rung der Wirtschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts geführt. Mussolini, der katholische Italiener, hat zum erstenmal ob bewußt oder unbewußt, wissen wir nichteine Wirtschafts- und Arbeitsverfassung im Sinne des deutschen Reformators geschaffen." Jeder Saß ein tiefsinniger Unsinn. Wer den Ratholizismus kennt, der weiß, daß gerade ihm ein von vornherein festgelegter Wirtschafts- und Gesellschaftsplan fehlt. Weit stärker hat sich der Protestantismus mit bestimmter Wirtschaftsaufstellung vermählt. An der Schwelle der modernen Gesellschaft steht neben dem Kapitalismus der Calvinismus. Dieser Eckstein bemüht sich vergeblich, als architektonische Zierde der Wissenschaft Geltung zu erlangen. Aber noch viel hübscher ist sein Vergleich: Mussolini gleich Luther, Man hätte ihn gleich zum deutschen Reichs= bischof wählen sollen, statt den Umweg über Wehrkreispfarrer Müller zu wählen. Ohne Anklage in den Keckern Hitler- Deutschlands! Kurt Hiller In dieser Zeit, da Tausende und aber Tausende der besten Köpfe Deutschlands in den Konzentrationslagern eines Göring einem furchtbaren Schicksal entgegensehen, ist es sehr schwer, seine Stimme zugunsten eines einzigen zu erheben. durch die fürchterliche Ungewißheit, in die man sein Schicksal hüllt, man will ihn zerbrechen, ohne ihn verurteilt zu haben.. ( Aus dem Aufruf".) Im Falle Kurt Siller& muß es geschehen! Dieſer lautere Das sind heut Lehrerversammlungen Schriftsteller, feiner Organisation Mitglied, Feind jeglichen Kompromisses, sitzt seit dem 14. Juli 1933, da er von neuem verhaftet wurde, in der von SA.- Leuten betrauten" ehemaligen Militärarrestanstalt auf dem Tempelhofer Felde. Dieses Gefangenenhaus war als solches bis vor kurzem ( vielleicht heute noch!) nicht einmal der Berliner Polizei bekannt. Die internationalen humanitären Verbände haben die Pflicht tenseits jeder politischen Stellungnahme zum Werke Kurt Hillers. alles zu versuchen, was auch nur zu einem Schimmer der Hoffnung auf die Befreiung Kurt Hillers berechtigt. General von Schönaich Ende März umzingelte Polizei Reinfeld in Holstein, das Gut des Generalmajors von Schönaich, und schleppte den mehr als 60 Jahre alten Mann in das Gefängnis, Alle Bemühungen, Schönaich aus der Haft zu befreien, sind bisher fehlgeschlagen. Schönaich, der ehemalige Soldat, wandelte sich zum Pazifisten. Durch die Schriften Friedrich Wilhelm Försters, mit dem ihn heute noch Freundschaft verbindet, kam er zur Deutschen Liga für Menschenrechte, dessen eifrigster Mitarbeiter er wurde. Walter Tschuppik Dieser angesehene Publizist tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft wird seit vielen Monaten in Schußhaft gehalten und der nackten Verzweiflung überantwortet, ohne bisher auch nur den Grund seiner Berhaftung erfahren zu haben und ohne vor ein ordentliches Gericht gestellt worden zu sein. Der Redakteur Walter Tschuppifaus Prag, jest in München, hat nichts getan, was nach geltenden Gesezen zur Zeit der Tat strafbar gewesen wäre. Man hat ihm auch nicht eine zeitlich begrenzte Strafe auferlegt, sondern peinigt ihn Kenntnisse nicht mehr wichtig In der Obersteiner Turnhalle fand, so lesen wir in der gleichgeschalteten Presse, eine große Kundgebung des Birkenfelder NS.- Lehrerbundes statt. Als Hauptredner sprach Prof. Wenzel Slader s Der deutsche Reichspoftminister hat einen Erlaß über die Militarisierung des Postpersonals herausgegeben, Endlich werden die schlappen deutschen Briefträger eine zackige Haltung befommen. Nach den Postanweisungen pon Reichswehroffizieren müssen sie nun nicht nur expedieren, sondern auch ererzieren. Das Ganze ist natürlich eine Drucksache, der sich kein Beamter entziehen kann. Beim Einlangen eines Postzuges wird Vergatterung ge blasen. Nun gehts mit klingendem Spiel zum Amt. Die Briefträger der Staatsautorität stehen bereits ausgerichtet da. Nachdem der Postoffizier die Front abgeschritten hat, werden die Briefe verteilt. Verdächtige Postfachen kommen zuerst zum Oberbrieföffner. Die Briefträger werden zum Zustelldienst abkommandiert und gehen im Stechschritt, jeder einzelne unter Führung eines Postforporals und begleitet von einem Posthornisten, in ihr Revier. Das Herannahen der Patrouille wird den Empfängern durch das Trompetensignal „ Trara, die Post ist da!" angekündigt. Auf den Befehl " Präsentiert den Brief!" wird die Post mit egaft militärtschen Bewegungen übergeben. Aehnlich vollzieht sich das Ausheben. Bei jedem Briefkasten steht ein Wachtposten, der der anrückenden Entleerungsmannschaft in einem furzen Rapport die Anzahl der seit der letzten Aushebung eingeworfenen Briefe sowie allfällige verdächtige Beobachtungen meldet. Solche Mitteilungen führen dann dazu, daß die Boten neben der Post auch marxistische Zirkel ausheben. Selbstverständlich werden auch bei der Post nur eingeschriebene Mitglieder der NSDAP. refommandiert. Gut vorgebildet Karo. Oder: Wie wird man Rundfunkintendant? Der bisherige fanfmännische Leiter des Norddeutschen Rundfunks, Direktor Gustav Grupe, ist toms missarisch zum Intendanten der Norddeutschen Rund f... f- GmbH. ernannt worden. Intendant Grupe stammt aus Koppenbrügge. Nach Besuch der Oberrealschule trat er 1914 von der Schule aus als Kriegsfreiwilliger ein und nahm bis 1918 am Kriege teil. Er wurde dann Bankbeamter und später Rendant am Thalia Theater. Restlos stellte er sich als Nationalsozialist in den Dienst der Partelaufgaben; jetzt ist er Gauinspetteur der Gau inspektion IV, Hamburg. Sth a de- Wörrsdorf über Aufbau und fünftige Notizen zur Zeit Gestaltung des Schulwesens im neuen Deutschland. Die neue Schule unterscheide sich von der bisherigen dadurch, daß sie nicht nur Lehrplan, sondern auch ein Lehrzielt habe. Vorläufig seien für den Aufbau nur rohe Richtlinien vorhanden, und alle schöpferischen Menschen müßten den Weg bahnen helfen zur endgültigen Ausgestaltung. Den übrigen aber falle die Kleinarbeit des Erziehungswesens zu. Der fünftige Unterricht wird nicht mehr lediglich Vernunterricht sein, nicht mehr auf die unbedingte Eintrichterung von Kenntnissen bas Hauptaugenmerf richten, sondern sich gänzlich neu gestalten unter allmählichem Fortfall der Einteilung in Fächer. Er wird künftig aus vier Grundbetätigungen bestehen, eier, Spiel, Lehrgang und Arbeit. Wochenanfang und Wochenende, ebenso Tagesanfang und Tagesende sollen Feiern bilden, wenn auch nur kurze Minuten lang. Der Lehrgang dient der Vermittlung von Kenntnissen. Diesem Gebiet wird nicht mehr mie seither ein Vorrang eingeräumt. Die Kenntnisse waren vielfach nur Selbstzweck und für das Leben nußloser Ballast, mit dem der in die Welt tretende Schüler meist nicht viel an ingen konnte. Die interessanten Ausführungen wurden mit starkem Beifall aufgenommen und es schloß sich eine rege Aussprache an. Der Orchesterverein spielte noch den Marsch„ Adlerflug" von Blankenhurg und nach einem Sieg- Heil auf Reichspräsident und Reichskanzler schloß die Versammlung mit dem Absingen des Deutschland- und Horst- Wessel- Liedes... Der Insel- Verlag hat die Schriften Martin Bubers, mit denen er bis in Hitlers Zeiten gute Geschäfte machte, abgestoßer und dem rein jüdischen Schockenverlag Berlin überlassen. * Der Theologe Friedrich Gogarten, der sich eine Zeitlang abseits hielt, gibt nun in einer eben erschienenen Schrift die erste theologisch begründete Deutung der These der Deutscher Christen". * Erich Czech Jochberg veröffentlicht eine„ Deutsche Ge schichte nationalsozialistisch gesehen". Der nationalsozialistische Seher stammt aus der Familie des berühmten tschechischen Dichters Svatopluk Ce ch. Das charakteristische Häkchen des Familiennamena hat er zu einem 3 aufgenordet. * Die Gleichheit vor dem Gesez wird nun auch in der Theorie aufgehoben:„ Eine völkische Strafzumessungslehre wird die Täter also nach ihrem Wert unterscheiden, den sie nach dem Leistungsprinzip als Glieb unseres Volkes für das Bolt besigen. Als härtestes Schicksal nächst der Todesstrafe trifft den Täter die Ausstoßung aus unserer Volksgemeinschaft, die Verbannung" ( Prof. Dr. Heinrich Drost, Zeitschrift für Politit, 5.) Tuberkulose gleichgeschaltet. Das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose ist gleichgeschaltet worden. Es heißt nun„ Reichs- Tuberkulose- Ausschuß" und ist einem Ministerialbeamten Dr. Bartels Berlin unterstellt. DAS BUNTE BLATT NUMMER 88= 1. JAHRGANG TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Die Hinrichtung " Das ist ja entfeßlich," sagte der als Hilfsbeamter bei der Staatsanwaltschaft tätige junge Assessor und strich mit nervös zitternder Hand über das aufgeblätterte Aftenstück. Kümmerliche Indizien, nichts als fümmerliche Indizien. Und dazu diese Prozeßatmosphäre. Wissen Sie denn überhaupt, ob da nicht vier Unschuldige hingerichtet werden?" " Sie scheinen schlechte Nerven zu haben, Herr Kollege," fagte der Oberstaatsanwalt Richter fühl und sah den grübelnden Affeffor ein wenig beluftigt an. Sie passen wirklich schlecht in unsere Zeit. Sie sind unvorsichtig, mein Lieber! Bei mir macht das ja nichts aus, aber hüten Sie sich vor Spigeln. Da fißt einer schneller in der Tinte, als er es fe geträumt hat! Staatsräson, bester Assessor! Abschreckung des Untermenschentums! „ Wieder vier..." murmelte ein Hafenarbeiter und zerbrach einen Löffelstiel in der harten, verarbeiteten Hand. „ Heute und morgen, und wie lange noch?" Wird alles beglichen, wird alles beglichen, Hein...", sagte der Kollege und zog vier Kreidestriche über die bierfeuchte Tischplatte,„ auch die vier..." SONNTAG, DEN 1. OKTOBER 1933 ein Der berüfimte Zeitungssammler In Paris starb hochbetagt. Henri Gibell, Mann, der als Sammler von Erst- Nummern von Zei< tungen und Zeitschriften bekannt war und dafür ein Vermögen opferte. Gibell hat nicht nur neu erscheinende Zettungen gesammelt, sondern auch die Nummer 1" von Zeitungen besessen, die vor 50, 60, ja 100 Jahren gegründet nurden. Seine Sammlung umfaßte nicht weniger als 2742 „ erste Nummern". Pariser, Londoner, Berliner, Wiener, Budapester, Belgrader, Neuvorfer Blätter sind ebenso vertreten, wie Blätter der Schweiz, Polens, Rußlands, Chinas, Schrill und abgehackt begann das elektrische Klavier mit Japans. 16 arabische Zeitungsnummern 1 sind sicher eine der letzten staatsbefohlenen Walze: Die Straße frei den braunen Bataillonen... Pierre. Was haben die armen Teufel ſchon zu verlieren? Ein paar„ Die Liga des Jodes" Stempelgroschen. Und was sich nicht gleichschalten läßt, muß eben ausgerottet werden. Finde ich ganz in der Ordnung. Unsereiner hat es doch auch gekonnt. Charakterproßereien kann sich nur ein Todeskandidat leisten! Machen Sie die Akten zu, Mensch, und kommen Sie in die Kantine. Wollen die Sache mit einem Kognat begraben!" Pos!" schrie eine vor Erregung heisere Stimme. Ein erstickter Schret flatterte auf. Die Hinrichtungszeugen, die, streng nach Vorschrift, in Zylinder und schwarzem Anzug angetreten waren, zudten leise zusammen und sahen mit ge= quältem Gesichtsausdruck zur Seite. Ein Gurgeln zerbrach in der schauerlichen Dede des Gefängnishofes." Der erste", flüsterte der Rendant Ottmer und bog sich ein wenig zurück, als wollte er Luft schöpfen. Diese Size frißt einem die Lunge weg!" " Nicht schlapp machen", meinte der Staatsanwalt gleichmütig, wobei er gelangweilt in die Sonne blinzelte, beim weiten" geht es schon besser. Wir werden uns alle daran gewöhnen müssen!" Der erste war mit geschlossenen Augen dem Henker unter das Beil gegangen; fast ohnmächtig, ein verendetes Menschentier, so lag er bereits im Netz des Todes, als der Scharfrichter zum Schlage ausholte. Der zweite schrie, als wolle er die stumpf gewordene Welt mit der Glut seiner Todesangst zum Erwachen bringen. Die Zylinder der ehrbaren Zeugen zitterten, der Henker spuckte unwillig aus und der Staatsanwalt biß sich, von einer heißen Blutwelle, die von unten aufschoß, jäh gepackt, auf die Lippen. Den dritten schleppten sie an wie einen Sad; er war ein Bündel Zusammenbruch das der verordnete Mord mühelos auseinanderspaltete. Der vierte kam ruhig herbet, ein angespanntes Gesicht, voll Bewußtsein, voll menschlicher, opferbereiter Größe. Wieder greift der Henker zum Beil.„ Es lebe die NevoIution!" flammt es durch die Luft, ein Signal, eine Fanfare. Die Stimme bricht durch den Dunst von Blut, Verzweiflung und Angstschweiß. Eine Stimme der Offenbarung, frei von Ketten, eine Stimme der kommenden Welt. Und dann fällt das Beil. In den rauchdunstigen Kneipen, in den Hafendestillen und Eisdielen saßen die Menschen zusammen und flüsterten. Fontamara 24 ROMAN VON IGNAZIO SILONE Was mich betrifft, so versuchte ich mich Generale Baldiffera zu nähern; er galt als der Gebildetste unter uns, weil er in seiner Jugend in Neapel gewesen war. Ich wollte mich von ihm über die richtige Antwort belehren lassen, aber er lächelte mich nur mitleidig an, wie einer, der alles weiß, aber es nicht verraten will. „ Wer soll leben?" fragte ihn der Mann des Gesetzes. Der alte Schuster lüftete den Hut und schrie: „ Es lebe die Rönigin Margherita!" Die Wirkung war ganz anders, als Baldiffera sie erwartet hatte. Die Soldaten brachen in ein schallendes Gelächter aus und das Männchen belehrte ihn: ,, Die ist tot... Königin Margherita ist tot." Ist gestorben?" fragte Baldissera entsetzt. Nicht möglich!" „ Schreib, Verfassungstreuer'," sagte der Kleine zum schönen Philippo. Baldissera zog sich, über diese Häufung unerklärlicher Ereignisse den Kopf schüttelnd, zurück. Auf ihn folgte Antonio Zappa, der von Berardo beeinflußt ,,, Nieder mit den Dieben!" schrie, damit aber den allgemeinen Widerspruch der Schwarzhemden hervorrief. „ Schreib, Arnachist," bedeutete der Dicke dem Schönen. Zappa ging und Antonio Spaventa kam. „ Nieder mit den Vagabunden!" und löste damit unter den Schwarzhemden ein wildes Geheul aus. Und auch er erhielt den Stempel„ Anarchist". „ Wer soll leben?" fragte der Dicke Luigi della Croce. Aber auch er war Berardo- Schüler und konnte nicht es lebe" sagen, sondern nur nieder". Daher antwortete er: „ Nieder mit den Steuern!" Und diesmal protestierten selbst die Faschisten nicht. Auch della Croce wurde zum„ Arnachisten" gestempelt. Größeren Eindruck machte Raffaele Scarpone, der dem Vertreter des Gesezes fast in die Fresse schrie: Nieder, dein Lohngeber!" In London wurde soeben„ Die Liga des Todes" gegründet. Das ist weder eine geheimnisvolle Bruderschaft noch der Sammelpunkt verbrecherischer Elemente. Unter diesem Namen finden sich vielmehr Artisten zusammen, die den Berühmtheiten des Films die Wagnisse halsbrecherischer Kunststücke abnehmen. Den Stamm dieses merkwürdigen Verbandes der Filmakrobaten bilden fünf junge, verwegene und tollkühne Darsteller, die aus dem Spiel mit der Lebensgefahr einen Beruf gemacht haben. Sie führen die gefährlichsten Tricks aus, die von den Filmgrößen nie gewagt würden. Der Vorsitzende der Liga ist Red Kavanagh, der als Held des Dirt track" bekannt ist. Er ist der einzig Ueberlebende einer Truppe von sechs Akrobaten, die einer nach dem anderen bei ihren kühnen Schaustellungen den Tod gefunden haben. Seine Kollegen nennen ihn den Roten Teufel". Er hat oft genug den Tod herausgefordert und die Narben seines Körpers bewahren mehr als eine Erinnerung an lebensgefährliche Abenteuer. Vor etwa zwei Jahren stieg Kavanagh mit dem deutschen Flieger Miller zu einem Kunstflug auf. Dabei stürzte der Apparat zu Boden. Während Miller den Sturz mit dem Leben bezahlen mußte, kam Kavanagh mit fünf gebrochenen Rippen davon. Zur Zeit bereitet der„ Rote Teufel" eine neue Variante vor. Er will von dem Verdeck eines Automobils auf den Flügel eines in geringer Höhe schwebenden Flugzeuges überspringen und, während sich die Maschine in die Höhe schraubt, Akrobatenkunststüde vorführen. In der„ Liga des Todes" ist noch Wingdam, die„ Schwinge", der in den Ateliers von Hollywood berühmt wurde. Er ist stets bereit, auch das gefährlichste Wagnis auf sich zu nehmen, vorausgesetzt, daß es sich in der Luft abspielt. Der Dritte im Bunde, Roy Sherman, beschränkt sich auf Automobilund Motorradfatastrophen. Mit heiler Haut aus aufregenden und gefährlichen Zusammenstößen davonzukommen, ist sein Beruf. Spezialisiert hat er sich auf Zusammenstöße zwischen Pferde- und Ochsenfuhrwerken mit Eisenbahnzügen. Long Longinotto hat sich als Spezialist für Abstürze einen Namen gemacht. Der Sturz aus dem Flugzeug, Stürze von Stuhl und Tisch sind ihm sozusagen Lebensbedürfnis. Das fünfte Mitglied dieses seltsamen Bundes endlich ist Pepper Flet scher, ein Zirkusartist, der auch als Filmdarsteller seiner Kunst treu geblieben ist und zu Pferde die kühnsten Bravourstücke vollführt. Er ist ein begehrter Darsteller bei Außenaufnahmen. Das Männchen wollte ihn sofort festnehmen lassen, aber Raffaele war klug genug gewesen, erst zu sprechen, nachdem er dem Viered entronnen war. Er verschwand mit zwei Sprüngen hinter der Kirche. Niemand sah ihn wieder. Mit Jacobo Losurdo begann die Reihe der Vorsichtigen von neuem: „ Alle sollen leben!" schrie er und es war schwer, sich eine weisere Antwort vorzustellen. Aber auch sie gefiel nicht. „ Schreib," sagte der Kleine zum Gehilfen, Liberaler!" „ Es lebe die Regierung," schrie Giovanni Oliva in bester Absicht. Welche Regierung?" fragte Philippo der Schöne. Oliva hatte niemals gewußt, daß verschiedene Regierungen egistierten. Aber aus Höflichkeit rief er: Die legitime Regierung." „ Schreib Gauner'," wandte sich der Kleine um. Pontius Pilatus wollte ganz schlau sein und als er dranfam, schrie auch er: „ Es lebe die Regierung!" Welche Regierung denn?" fragte Philippo. „ Die illegitime Regierung." „ Schreib," diftierte der Dickbäuchige,„ Taugenichts." So war es niemand bisher gelungen, etwas Befriedigendes zu finden. Nach und nach wurde für uns, die wir noch geprüft werden sollten, beim Anwachsen der abgelehnten Antworten die Auswahl immer kleiner. Aber die einzig entscheidende, völlig ungelöste Frage war, ob man bei einer falschen Antwort etwas zahlen müsse. Nur Berardo bewies, daß ihn das nicht beschäftigte und er fuhr fort, seine jungen Freunde im Sinne des„ Abasso" und nicht des„ Evviva" zu beeinflussen. ,, Nieder mit den Banken," schrie Venerdi Santo. Welche Bank?" fragte Philippo. „ Es gibt nur eine und die gibt ausschließlich dem Imprefario Geld," antwortete Vennerdi, der mit der Bank gut Bescheid wußte. ,, Schreib Kommunist." Als Kommunist wurde auch Casparone bezeichnet, weil er antwortete: ,, Nieder mit Torlonia!" Kuriosität. Gibell war vor 30 Jahren Reporter einer ame= rikanischen Provinzzeitung. In seiner Heimatstadt Paris eröffnete er dann ein Inferatenbüro. Seit acht Jahren lebte er als Rentier. Die Schule Die Lehrerin erkundigt sich am zweiten Schultag:„ Na, Karli, wie gefällts dir denn in der Schule?"-„ Ganz gut, Fräulein, aber man verpakt sich halt den ganzen Vormittag damit!" Der Herr Katechet hat mit salbungsvollen Worten die Herrlichkeit des Himmels geschildert und fragt nun die Klasse:„ Wer von euch will also in den Himmel kommen?" Alle melden sich, bis auf den kleinen Gustl.- ,, Aber Gustl, warum willst du denn nicht in den Himmel?" Weil mir meine Mutter befohlen hat, nach der Schule gleich nach Hause zu kommen!" falsch. Und warum, Berglhuber?"- Weil sie ja noch da Lehrer:„ Wenn ich sage:„ Ich habe fortgegangen," so ist das sind, Herr Lehrer." Nur Eigenschaftswörter können gesteigert werden," sagt der Lehrer,„ Zum Beispiel: schön, schöner, am schönsten." -Da meldet sich der Pepi Vogelsinger stürmisch: Bitte, „ ZahlHerr Lehrer, auch Zahlwörter kann man steigern!" wörter? Nein, das kann man nicht!" O ja, bitte zum Beispiel: drei, dreier, am dreißigsten." In der Schule wird eine Weihnachtsfeier vorbereitet. Der Gesanglehrer probt mit den Kindern:„ Die erste Strophe des Liedes singt der Chor ganz allein; bei der zweiten muß dann die ganze Schule einfallen. In der Religionsstunde.„ Nun Kinder, was müssen wir tun, bevor uns vergeben werden kann?"" Wir müssen zus nächst sündigen!" „ Was sind Nomaden, Elfriede?" Nomaden sind Leute, die sich nur kurze Zeit an einem gewissen Ort aufhalten." Du bist unglaublich oberflächlich," schimpft die Frau Lehrerin mit der kleinen Paula,„ ich kenne niemand, bei dem die Oberflächlichkeit so tief sitzt, wie bei dir!" * Die Bedeutung der Sprichwörter wird erläutert. Der Lehrer fragt den Huber: Kannst du mir ein Beispiel dafür nennen, daß Ehrlichkeit am längsten währt?"-„ Ja, Herr Lehrer. Wenn ich die Rechenaufgabe abschreibe, bin ich in ein paar Minuten fertig; wenn ich sie aber allein mache, dauert es viel länger!" Während dieser letzten Fragen und Antworten war am andern Ende des Plazes Maria Vincenza, Berardos Großmutter erschienen, die wir kurz vorher bei Maria Grazia hatten eintreten sehen. Berardo? Wo ist Berardo?" schrie die Alte.„ Was diese Halunken in unseren Häusern getrieben haben! ... Was sie unsern Frauen angetan haben!... Und die Männer? Wo bleiben denn die Männer? Berardo..." Berardo begriff sofort. oder tat wenigstens so und stand mit einem Satz neben dem jetzt schlotternden Philippo. Er packte ihn beim Kragen und fragte: Wo ist Elvira?... Was hast du mit Elvira gemacht?" Die alte Maria Vincenza war inzwischen bis zur Kirchenschwelle gelangt und jammerte, jest auf den Knien, von neuem: „ Madonna, beschirme uns, hilf uns, rette uns Sie war mit ihrem Flehen noch nicht fertig, als ein Ton der großen Glocke die Augen aller auf den Turm lenkte. Dort gewahrten wir etwas, wie den Schatten einer Gestalt, einer hohen Frau. Benommen hielten wir den Atem an. Die Vision verschwand. " Die Madonna! Die Madonna!" schrie Philippo der Schöne entsetzt auf. Die Madonna!" begannen die andern zu wiederholen. Das Viereck löfte sich auf. Die Schwarzhemden rannten fluchtartig zu ihren Kamions am Ausgang des Dorfes. Wir hörten von Ferne das Rattern der Motore. Dann sahen wir die Autos mit ihren Scheinwerfern in großer Geschwindigkeit den Hügel hinunterfahren. Es gelang uns nicht, ihre Zahl festzustellen. Es war eine endlose Kette. Am Fuß des Hügels aber, in der letzten Kurve vor der Hauptstraße, blieben sie mit einem Ruck stecken. Es dauerte eine gute halbe Stunde. „ Warum haben sie Halt gemacht?... Wollen sie am Ende umkehren?" fragte ich Berardo. " Raffaele Scarpone weiß, warum sie nicht weiterfahren," antwortete er lachend. Als die Autos endlich fortratterten, war es tiefe Nacht gePaulummo dagegen galt als„ Sozialist" für die Antwort: worden. " Hoch die Armen!" ( Fortsetzung folgt.) Brief vom Hunsrück Der Hunsrück war seit langen Jahren ein außerordentlich gutes Rekrutierungsgebiet für die Nazis. Die ärmlichen Verhältnisse, die nur noch mit denen im schlesischen und sächsischen Erzgebirge vergleichbar sind, machten die Agitation leicht, die ausgehungerten Menschen wurden leicht das Opfer jeder Heilsbotschaft". Es ist deshalb nicht uninteressant, zu erfahren, wie nach einigen Monaten Naziherrschaft die Wirfung der„ praktischen Bauern- und Bürgerhilfe" in den Kreisen der Hoffnungsfrohen beurteilt wird: Die Kleinbauern Die erwartete Preissteigerung bei den hauptsächlichsten Erzeugnissen ist ausgeblieben. Hafer, der voriges Jahr noch mit 8 Mt. und 9 Mk. verkauft werden konnte, wird dieses Jahr bei einer guten Durchschnittsernte mit 5 RM. ge= handelt. Die Kartoffelernte ist schlecht, der Preis auf der Basis des vorigjährigen geblieben. Für Milchprodukte ist faum noch ein Absatz zu finden. Die seitherigen Abnehmer, Arbeiter und kleiner Mittelstand, sind nicht mehr imstande, die Preise zu zahlen. Die Viehpreise sind so gedrückt, wie nie vorher. Das Pfund Schweinefleisch Lebendgewicht wird jetzt mit 38 Pfennig bezahlt, der Normalpreis bewegte sich stets zwischen 56 und 60 Pfennig. Unter diesen Umständen ist die Begeisterung gewichen. Die Meinung der Bauern ist:„ Wir gehen mit Sang und Klang unter!" Die Arme wollen beim Hitlergruß nicht mehr recht in die Höhe. Troßdem ist natürlich an eine irgendwie geartete offene Proteststellung nicht zu denken. Es wagt feiner etwas zu sagen, weil man Denunziation und Behördendruck fürchtet. An einigen Stellen persuchen die katholischen Geistlichen meistens junge Kapläne die renitenten Elemente zu sammeln und in vorsichtiger Weise zu beeinflussen. Größere Wirkungen sind jedoch von diesen örtlichen Unternehmungen nicht zu erwarten. Die Kleinbürger Die Stimmung wird am besten gekennzeichnet durch die Bemerkung eines Bäckermeisters:„ Es wird immer schlechter. Was sollen die armen Leute bloß machen? Ich sehe das wohl am besten und sehe, wie die Verelendung immer größer wird. Familien mit einigen Kindern, die seither die Woche noch vier und fünf sechspfündige Brote holen tamen, haben jetzt nur noch Mittel für zwei, höchstens drei. Die Kinder sehen entsetzlich verhungert aus. Und was soll dann aus uns werden? Wir sind doch abhängig von dem Verbrauch der fleinen Leute. Ich muß, wenn es nicht schnell besser wird, in einigen Wochen die Bude zumachen." Aehnlich reden sie alle, die Bäcker, die Mezger, die Krämer, die Wirte. Namentlich die Wirte, deren Umsatz in erschreckendem Umfange zurückgegangen ist. Die Arbeiter Fast restlose Zugehörigkeit zur NSBO. Auch der Hunsrück ift fast frei von Arbeitslosigkeit, frei nach ostpreußischem Muster. Man fann sagen, in jedem Falle wird der Arbeitsfose unter Druck zur Arbeit gezwungen, wobei keinerlei Rücksicht auf Verdienst und Verpflichtung genommen wird. Die Verheirateten mußten in der Erntezeit Arbeit bei den Bauern aufnehmen, das Arbeitsamt zahlte die Unterstützung weiter, der Bauer liefert die Verpflegung, allerdings nur für den Arbeitenden, nicht für die Familie. Wer sich weigerte, wurde aus der Unterstützung ausgeschieden. Die Unverheirateten wurden aus der Unterstüßung gebracht und den Bauern zur Arbeitsleistung überwiesen. Eine Verpflichtung zu Barlohnzahlung bestand nicht; in den meisten Fällen wurde nur Behausung und Verpflegung gewährt. Gegenwärtig befindet sich auf dem ganzen Hunsrück wohl kaum noch ein lediger Mann in der Unterstüßung. Verdienstmögfichkeiten bestehen nicht. Bettelei und Felddiebstahl haben einen niegeahnten Umfang angenommen. Die Stimmung ist gedrückt. Hier und da wagt man wieder ein offenes Wort. Widerstandswille besteht aber noch nicht. Die Jugend Nach wie vor Hitler und Uniform begeistert. Irgendwelche Anzeichen für einen Umschwung oder eine Umkehr lassen sich nicht feststellen. ,, Eigentum bewiesen" Denen, die behaupteten, Eigentum sei Diebstahl, haben wir die Notwendigkeit des Eigentums bewiesen." So Göbbels im Sportpalast. Allerdings, nur auf einem seltsamen Wege: indem man den Sozialdemokraten, Kommunisten, Arbeitersportlern, Freidenkern usw. ihr Eigentum- gestohlen hat! Die werden nun aber von der Heiligkeit des Eigentums überzeugt sein! Pariser Spaziergang Rohe Meerschweinchen und zarte Märchen Nach unserem teuren Shaw, dem lächelnden Dichter der Fren, ist die Raffe der Angelsachsen nicht durch die Generationen von Mischehen seit Wilhelm dem Eroberer, sondern durch das Klima entstanden. Andere führen die erblichen Eigenschaften dagegen auf den Großvater zurück. Natürlich gibt es auch so etwas wie Schicksal und Blut; Herr von Moro- Giafferi, der berühmte Anwalt aus Korsika, hat zum Beispiel neulich, gegen Hitler gewandt, ausgerufen, daß er einer Rasse entstammt, die ihre Toten räche. Damit hat er auch viel Beifall bei den Juden gefunden. Soweit in Ordnung; der Hauptunterschied zwischen den Völkern liegt aber doch nicht bei dem Großvater, sondern bei der Muttersprache und der mütterlichen Küche. Die Monate ohne R( das gibts bei Deutschen wie Franzosen) sind vorbei, und in Paris liegen Langusten, Schildkröten, Muscheln und Austern auf den Tischen. Die Austern sind hier wahrhaft Kaviar fürs Volk, das ganze Duzend kostet bloß 4 Fr. oder noch weniger und wird eifrig gefnackt..Es gibt auch die berühmten Weinbergschnecken und dazu, nicht zu vergessen, die Weinernte. Zu den„ Quetches" aus dem Elsaß und den saftigen Früchten aus dem Süden gesellen sich, neuerdings sehr in Mode, die blauen ungedörrten Feigen, eine Hauptfreude der Engländer. Die Franzosen halten sich mehr an die Meerschweinchen, die roh gegessen werden. Wer an diesen pikanten Dingen Anstoß nimmt, lese ein Männerwort in Hitlers Hauptblatt. Da steht drin, daß das Sprichwort„ Wie die Schnecke in der Butter" noch heute in Deutschland verbreitet ist, womit der Beweis erbracht wurde, daß unsere Vorfahren, Luther und Florian Geyer usw., Schnecken aßen. Wahrscheinlich stand sich das deutsche Volt dabei sogar beffer, als heute unter den Bismarc- Heringen und Hitler- Nudeln. Aber, wird jemand entsetzt fragen, kann es etwas undeutscheres geben als rohe Meerschweinchen? Liebe Leute, beruhigt Euch, fann es etwas Deutscheres geben als die alten Märchen, die jetzt zur Dämmerstunde in den Dörfern erzählt werden? Aber so schön und manchmal grausam sie Eintopfgericht- mehr nicht! Jetzt ist die große, befreiende Tat endlich vollbracht, denn einzig der Kartoffelsalat gibt dem totalen, dem neudeutscher Anseh'n und Macht. Staat Alle vier Wochen übt jeder Berzicht, das walte Gott! Selbst Thyssens essen des Mittags ganz schlicht ein gleichgeschaltetes Eintopfgericht ohne Kompott. Auch Göring hungert, der arme Tropf und spart sein Geld Vierzig Zimmer nur ein Topf. Ganz Deutschland steht vor Begeiste= rung Kopf: feht, welch ein Held! Am Abend ist alles wieder wie's war, wer hat, der hat, tower nichts hat, gilt als rote Gefahr, doch das Erlebnis war wunderbar. , Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Darum wollen wir den Kaviarserr Göbbels findet: und das Himbeereis aus einem Topf fressen! Heil Goebbels!" Hunger macht fatt. Schande deutscher Richter Wer Wer die Wahrheit sagt, wird eingesperrt Der nachstehende Greuelbericht" entstammt dem nationalsozialistischen Westdeutschen Beobachter" in Köln vom 28. September. Wir drucken ihn ohne jede Ergänzung, ohne jeden Kommentar ab. Er ist fennzeichnend für die Rechtsbegriffe in Deutschland. In Lövenich, Kreis Erkelenz, war der 24jährige Korbmacher Heinrich Giesen als übler Kommunistenhäuptling bestens bekannt. Wegen verbotenen Waffenbesitzes wurde er in Schutzhaft genommen und in die Jülicher Zitadelle eingeliefert, wo man aus dem Stromer rein äußerlich wieder einen einigermaßen anständigen Menschen machte und den Halbverhungerten auch wieder langsam zurechtfütterte. Als er dann nach seiner Entlassung nach kurzer Zeit wiederum eingeliefert und deswegen zur Rede gestellt wurde, benahm er sich recht flegelhaft, was ihm seitens des sich doch gerade der Sturmführer bei der früheren InhaftSturmführers der SA. eine kurze Abreibung eintrug. Hatte nahme des Schüßlings besonders angenommen und war er darum um so mehr erbost, daß dieser nun schon wieder erschten und auch noch obendrein freche Redensarten führte. Als dann der Häftling nach furzer Zeit wieder entlassen wurde, ging er in die Wohnung der 29jährigen Ehefrau Ida Zwaagstra in Lövenich, mit der er ein Verhältnis unter hielt und erzählte ihr, daß er in der Zitadelle in der maßlosesten Weise mißhandelt worden sei. Ohne jede Beranlassung fet er ins Gesicht geschlagen worden, und außerdem habe man ihn noch gegen den Magen getreten. Troßdem aber der Arzt tagtäglich die Zitadelle für die Häftlinge aufsuchte, hatte sich der angeblich Mißhandelte während seiner Haftdauer niemals bei dem Arzt gemeldet und auch nach seiner Entlassung feinen Arzt aufgesucht. Das hielt ihn aber nicht ab, sich als zu den zu Unrecht Geschundenen hinzustellen, was seine Liebste dann zum Anlaß nahm, dieses Märchen weiter zu kolportieren. Deswegen standen beide jetzt vor dem Sondergericht. Die Beweisaufnahme ergab aber, daß der Angeklagte die erhaltene Abreibung in der gröblichsten Weise übertrieben und entstellt hatte. Festgestellt wurde auch, daß er durch sein freches und herausforderndes Benehmen die alleinige Schuld daran trug, daß ihm ein paar überzogen worden waren. Gegen ihn beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten und gegen die Angeklagte nur 3 Monate, weil sie aus Schwaz haftigkeit nur mehr grob fahrlässig gehandelt hatte. sind, sie sind doch nicht deutschen, sondern feltischen Ursprungs: Aschenbrödel und der kleine Däumling, Rotkäppchen und Schneewittchen, und sogar das Dornröschen, das der Prinz erweckt. Sie alle sind erst deutsch geworden durch die Brüder Grimm und durch die beste deutsche Eigenschaft, die es gibt: die Kulturvermittlung. Französische und deutsche Feste Der Städtebauer Haußmann( sprich: O- ßmann) ist der Elsässer, der in Paris die gewaltigen Boulevards durchgebrochen hat. Auf dem ihm zu Ehren genannten breiten Straßenzuge in der Nähe der Oper ist gegenwärtig Herbstmarkt, die sogenannte Quinzaine, mit Volfsrednern, Wurst und Tuchen, und man kann dort wirklich das französische Volksleben anders kennen lernen als in Göbbelsebubs Leitartikeln. Man müßte überhaupt mal einen Vergleich der deutschen Rummeltage mit den französischen Märkten, den Straßen- Athleten, den Spaßmachern, den Hoffängern schreiben. Auch ein Vergleich des französischen GuignolTheaters, in dem die Kinder„ Le voila" schreien, mit dem deutschen Kasperle- Theater, in dem man die Kinder zum Beten für Hitler abrichtet, ist ganz interessant. Unter den neueren deutschen Rummelfesten aber verbirgt sich nicht etwa eine alte Volkskultur, sondern neuer, hohler Massen- Mechanismus. Das Fest des deutschen Bauern" hat nichts mit dem alten Erntedankfest und dem volkstümlichen Weizenhahn" zu tun, sondern ist eine Neuauflage der Agrarier- Aufmärsche zum Zirkus Busch und der grünen Woche mit der üblichen Friedrichstraßen- Bekanntschaft. Der Nürnberger Hauptschlager war nichts als eines der üblichen Bratenfeste mit Bundesschießen oder Kriegervereinen, und mit Recht wurde dort der selige Sedanstag, an dem sich vormals der Pauker in Reserveleutnants- Uniform besoff und alte Bratenröcke einen ausgaben, zum Feiertag erhoben. Jetzt fehlt nur noch die Kaisers- Geburtstags- Feier, das Ordenskapitel und der Presseball, dann ist das erste Programm des Vierjahresplans erfüllt. Der Emigrantengarten Im halben, lohenden Herbst vor den Toren von Paris hängen wilde hohe Tomatenbüsche vor einer Mauer. Ein Stück Wind und Landschaft weht herein, der Abend flammt Munin. Unter Berücksichtigung der besondern Umstände bat Rechtsanwalt Dr. Steiner um eine weit mildere Bestrafung, was auch insofern Erfolg hatte, daß das Gericht gegen den Angeklagten nur eine Strafe von 6 Monaten Gefängnis festsetzte und gegen die Angeklagte auf nur 2 Wochen Gefängnis erkannte. Der arme Levy Was hätte er anders tun sollen? A zwontwi Unter der Ueberschrift Lügen über Oranienburg" meldet die SA.hörige Presse: In einem kürzlich von der„ Times" veröffentlichten Aufsatz über das Konzentrationslager Oranienburg war u. a. pon angeblichen Mißhandlungen die Rede gewesen. Dr. Ludwig Levy, der in dem Aufsatz namentlich erwähnt worden war, stellt heute in einem Brief fest, daß er wäh= rend der ganzen Dauer seiner Inhaftierung vom 26. 6. bis 25. 7. d. J. niemals eine Mißhandlung von politischen Gefangen beobachtet habe, daß er selbst niemals im mindesten mißhandelt worden sei und daß ihm selbst.niemals das Frühstück oder der Empfang von Besuch verweigert worden wäre. Die Behandlung sei im Gegenteil durchaus gut und sogar höflich gewesen. Man stelle sich vor, was mit dem armen Herrn Levy passiert wäre, wenn er die Wahrheit gesagt hätte. Die deutsche Lügenpresse weiß natürlich nichts davon, daß Tausende Mißhandelte schriftlich bestätigen mußten, es set ihnen nichts geschehen, ehe sie nach den Folterungen aus den Braunen Häusern entlassen wurden. Zahlreiche Mißhandelte wurden verurteilt oder an ihrem Vermögen geschädigt, oder an ihren Verwandten wurde Rache genommen, wenn sie wahrheitsgemäß erzählten, was ihnen geschehen ist. Groß ist auch die Zahl derjenigen, die wegen Verbreitung von Greuelnachrichten verurteilt wurden, nur weil sie die Wahrheit über gewisse 3wischenfälle" weitergegeben hatten. Immer wieder erreichen uns briefliche und mündliche Bitten von Angehörigen, wir möchten nichts mehr über Konzentrationslager veröffentlichen, da dafür an den Häftlingen Rache genommen werde. um die Silhouette des Gaswerks, Kinder spielen das Herbstspiel von der„ Allerschönsten": C'est la reine La plus belle, und die Mädchen- Stimmen zittern wie Vogel- Laute in der tühleren Luft. Hinter dem Tor im Gemüsegarten steckt ein starker Kerl einen Spaten in die hochgewühlten Stauden. Das ist ein früherer„ Grüner", der hier die Saat pflanzt und nicht bloß diese auch eine andere, die jenseits der Vogesen aufgeht. Neben ihm geht ein Ruhrfumpel, eine alte Reichsbanner- Ordonnanz, mit der Schaufel mächtig unter Tag. Ein verflossener bayerischer Fürsorger schmeißt mit Serrgottsakrament das Unkraut in die Ecke. Der rheinische Hausfoch, ein weiterer Illegaler, mit den starken Fäusten eines Maschinenschlossers, brißelt gleichgeschaltete Erbsensuppe in der Küche. Der fünfte im Bunde, ein Teibhaftiger Philosophie- Doktor und Sprachen- Gelehrter, ist ausgeflogen. Wahrscheinlich will er neuen Proviant holen. Vielleicht macht er einen Besuch beim Schutzpatron Anatole France, dessen " Revolution der Engel" mit dem im Garten die Flöte blasenden Nectaire viel Aehnlichkeit mit diesem Garten der Vertriebenen hat. Dies ist das Märchenhaus mit Fliesen, Getäfel, Gasfronen und Badewannen, das ein löblicher allgemeiner Wohltäter, angebohrt von unserem trefflichen Freunde im Internationalen Gewerkschaftsbund, den deutschen Sozia listen als Verwaltungsheim gegeben hat. Wahrscheinlich in der Nähe soll auch das neue Mateotti- Lager von Flüchtlingen bezogen werden. Ueber den leeren Weinflaschen im früheren Keller des Herrn Gasdirektors staunen sich schon die Stühle im Arbeitsraum, mit vierzig Zeitungen, die unter Kreuzband ankommen. Im Speisesaal liegt offen das Wirtschaftsbuch, damit in der neuen Genossenschaft, die den„ mit Stumpf und Stiel ausgerotteten" Sozialismus mindestens mit Stil wieder einführen will, keine Bonzenwirtschaft entsteht. Hoffentlich ist es nun auch bald so weit, daß das neue Mateotti- Lager mit Oefen, Herd und warmen Betten be= zogen werden kann, damit so mancher schwergeprüfte Flüchtling das hier immerhin aus Weizen bestehende Brot der Verbannung essen kann. Baptiste. Der Journalistenkonflikt mit Rußland Eine deutsche Note Und Litwinows Antwort Berlin, 30. September 1933. Das Auswärtige Amt hat an die Botschaft der USSR. in Berlin eine Verbalnote gerichtet, in der die Behandlung der sowjetrussischen Journalisten und ihre Verhaftung darauf zurückgeführt wird, daß kommunistische und sozialistische Pressevertreter zum Reichstagsbrandprozeß nicht zugelassen werden. Dem Botschafter der Sowjetunion sei dieses bereits am 20. bekanntgegeben worden und dieser habe gegen die Nichtzulassung Protest erhoben. Herrn Bespalo und Frau Keith, den beiden verhafteten und ausgewiesenen Journa listen, wird unterstellt, daß sie von der Tatsache der Nichtzulassung unterrichtet gewesen seien und sie ständen unter dem Verdacht, auf„ ungeseßlichem Wege" die Teilnahme am Reichstagsbrandprozeß erreichen zu wollen. Mit ihrer Berichterstattung ist man auch unzufrieden. Sie hätten den Tatbestand der Beweisaufnahme entstellt wiedergegeben: Das habe zu ihrer Festnahme geführt, aber nach einigen Stunden sein sie wieder freigelassen worden. Der Polizeipräsident von Leipzig ebenso wie die Reichsregierung hätten ihr Bedauern ausgesprochen. Eingehende Ermittlungen feien eingeleitet, von deren Ergebnis dem Botschafter der Sowjetunion Mitteilung gemacht werde. Die Verbalnote sucht dann die Behandlung der beiden russischen Journalisten damit zu begründen, daß auch die deutschen Berichterstatter in der Sowjetunion fein freies Bewegungsrecht hätten. Die bereits seit Monaten in Aussicht gestellte Abberufung der Frau Keith sei auch nicht erfolgt. Zum Schlusse heißt es in dieser Meldung: ,, Auf Grund dieses ganzen Sachverhaltes vermag das Auswärtige Amt eine Berechtigung für die von der Regie: rung der USSR. getroffene Maßnahme nicht anzuerkennen. Die Repressalie gegen die deutschen Pressevertreter in Mos: tau kann keine Begründung finden in einem Vorfall, für den die Berliner Sowjetforrespondenten selbst die Verantwortung tragen. Die Ausweisung der deutschen Pressevertreter ans der Sowjetunion ist auch aus pressepolitischen Gründen gänz= lich unverständlich und stellt für die freundschaftlichen Be ziehungen der beiden Länder eine schwere Belastung dar, für die die Regierung der USSR. die alleinige Verant= wortung trägt." Litwinows Antwort Moskau, 30. September.( Insa.) Der deutsche Geschäftsträger in Moskau hat der Sowjetregierung eine Note überreicht, in der die deutsche Regierung gegen die Ausweisung der deutschen Journalisten aus dem Gebiet der Sowjetunion protestiert. In der Antwortnote des Volkskommissars des Aeußeren, Litwinoff, die dem deutschen Geschäftsträger zugestellt wurde, heißt es, daß „ die Maßnahme, die zu der deutschen Note Veranlassung gegeben hat, durch die systematische Verfolgung der Sowjetpressevertreter und eine ganze Reihe ver= legender Handlungen seitens der deutschen Behörden her: vorgerufen wurde. Diese Handlungen schufen für die Sowjetjournalisten in Deutschland ein besonderes Regime und besondere Verhältnisse, womit ihnen die Möglichkeit genommen wurde, ihre Funktionen auszuüben." Litwinoff zählt dann die lange Reihe unbegründeter VerHaftungen, Haussuchungen und Schmähungen auf, denen die Sowjetjournalisten in Deutschland ausgesetzt waren. Die deutschen Behörden, heißt es weiter, haben bereits seit März den Weg der unterschiedlichen Behandlung der Pressevertreter der Sowjetunion einerseits und der Journalisten der übrigen Länder anderer= seits, betreten, indem sie den sowjetrussischen Journa listen den Zutritt zur Reichstagseröffnung untersagten. Diese unterschiedliche Behandlung äußerte sich auch in der Nichtzulassung der Sowjetjournalisten zum Leipziger Prozeß, der von großer gesellschaftlicher Bedeutung und für die Sowjetunion zumindest nicht weniger interessant ist als für andere Länder. Gegen diese herabseßende unters schiedliche Behandlung, wie auch gegen andere feindselige Handlungen gegenüber den Sowjetpressevertretern habe die Sowjetbotschaft in Berlin zahlreiche Proteste eingelegt. Das deutsche Außenministerium versprach zwar, Maßnahmen zu treffen, die Zwischenfälle beizulegen. Nichts: destoweniger wurden diese Handlungen nicht nur nicht eingestellt, sondern nahmen immer verlezendere Formen an, wobei der Sowjetregierung kein einziger Fall bekannt wurde, in dem schuldige Personen oder Behörden wegen „ Undiszipliniertheit", auf die sich das deutsche Außenministerium in solchen Fällen immer zu berufen pflegte, irgend= wie bestraft wurden. Was Ihre Hinweise auf bestehende sowjetrussisch- deutsche Abkommen anbelangt heißt es in der Note der Sowjet: regierung- so dürfen, wenn die oben aufgezählten Handlungen deutscher Behörden mit diesem Abkommen verein: bar sind, auch die notgedrungenen Gegenmaßnahmen der Sowjetregierung nicht etwa als ihnen zuwiderlaufend gelten. Die Note hebt ferner noch hervor, daß die Maßnahmen der Sowjetregierung durch Handlungen deutscher Regie rungsbehörden aufgezwungen worden sind, denen die volle Verantwortung für die geschaffene Lage zufällt. Aus dem Notenwechsel ist ersichtlich, daß der deutsch russische Konflikt um die Journalistenausweisung schieben sich gegenseitig Schuld und Verantwortung zu. weitere Kreise zu ziehen beginnt. Beide Regierungen Hitler- Deutschland läßt russische Journalisten nicht zu, die Pressevertreter erst gar nicht herein. Noch niemals ihm unbequem werden. Sowjetrußland läßt derartige hat ein sozialdemokratischer Publizist die Einreiseerlaubnis für Sowjetrußland erhalten. Kurz, es steckt hüben wie drüben in diesem Notenwechsel ein Pharisäertum. BRIEFKASTEN Katholik Locarno. Sie sind keineswegs der einzige Katholik, der uns durch Beifall ermuntert. Daß Ihnen nicht alles an unserem Blatte gefällt, begreifen wir. Aber gefallen Ihnen die gleichgeschalteten katholischen Zeitungen? Die sind bestimmt unchristlicher als wir. Wir werden uns auch in Zukunft Mühe geben, ernste christliche Menschen nicht zu verlegen. London Reichsgericht. Ueber den„ Gegenprozeß" und zum Leipziger Prozeß sind uns sehr viele Auffäße, Glossen und Gedichte zugegangen. Wir danken allen Verfassern, können aber natürlich nur einige der Beiträge verwenden. Rue de Lausanne. Sie sind der Meinung, daß in unserem ersten Bericht über den Leipziger Prozeß zwei Komma gefehlt haben. So ergänzt, würde die Stelle lauten: Senatspräsident Bünger erklärt darauf: Ich stelle gegenüber Nachrichten, daß die Erklärung des Angeklagten künstlich herbeigeführt worden sei, unter einem gewissen Zwang, fest, daß nach den eigenen Erklärungen des Angeklagten dies nicht der Fall ist, sondern daß es sich um eine freie Erklärung des Angeklagten handelt, der gesagt hat, er wolle überhaupt nicht verteidigt sein." Adressen von Emigranten geben wir grundsätzlich nur bekannt, wenn wir den Anfragenden als vertrauenswürdig kennen. In den meisten Fällen wäre uns aber die Auskunft auch schon deshalb unmöglich, weil wir die Adresse nicht wissen. November- Reisen nach Moskau. Wie alljährlich, lassen die sowjetrussischen Fremdenverkehrsbehörden auch diesmal anschließend an die Sommer- Reisesaison Ende Oktober und Anfang November be= sondere Reise ermäßigungen eintreten. In dieser Zeit können Besichtigungsreisen nach Moskau und anderen Großstädten der Sowjetunion von Sowjetgrenze bis Sowjetgrenze mit einem mehrtägigen Aufenthalt in einer oder mehreren Städten einschl. Reisespesen, Verpflegung und aller Nebenkosten schon von 126, Reichsmart an unternehmen. Auskünfte und Reiseprogramme erhältlich durch: Sportverlag Eggersdorfer, Saarbrücken 3, Passagestraße 7. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dude weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schüßenstraße 5. 1900 WOHNUNGS- EINRICHTUNGEN FABRIK- ANLAGEN B BLIOTHEKEN UND STUCKGUTER Speditiert regelmäßig, preiswert und rasch STERN EXPRESS 31, RUE DE PÉTROGRAD- PARIS 8e ( Nähe Place Clichy und St. Lazare). 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