Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuifchiands Nummer 96— 1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den II. Oktober 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Hcazeß im JUichstagsyebäude Seite 2 Die Jlegiecuny tut nichts Seite 3 JCatec nach den festen Seite 6 Onkel£aftusen Seite 7 FlntoniPeKManilcr Volhshanzler ohne Gehalt- Gemeinnutz geht vor Eigennutz Neben der Brutalität ist Heuchelei ein Hauptcharakterzug ter in Deutschland Regierenden. Ter Einropf-Sonntag ist ein Sinnbild dieser Heuchelei. Tie Männer oben werden den Massen als idealistische spartanisch lebende Helden dargestellt. Menschliches, allzumenschlichcs darf nicht bekannt werden. Als neulich in Bacharach schwer bezechte Nazisührer um einer Frau willen auseinander schössen und zwei von ihnen in der Weinschenke tot auf dem Platze blieben, wurde ein Unglücks- fall mit sentimentalem Selbstgericht konstruiert- Der eine, aus Eifersucht Erschossene, wurde in feierlichem Staatsbegräbnis beigesetzt, die Massen wurden als Trauerparadc kommandiert und der Bischof segnete diese große Lüge- Auf den Zinnen des großen Moraltempcls steht der Reichs- kanzler. Zu Lebzeiten schon unter die Götter versetzt, lebt er von des Himmels Tau. Bei seinem Amtsantritt hat er auf sein Gehalt verzichtet. Er sagte bescheiden, daß er von seinen Einkünften als Schriftsteller leben werde. Nicht bekannt gegeben wurde, daß der Reichskanzler keineswegs verzichtet auf die rund 200 000 Mark, die als A» f w a n d s c n t f ch ä- d i g u n g e n und Dispositionsfonds im Etat des Reichskanzlers stehen. Dazu find neuerdings 7200 Mark Reichstagsdiäien gekommen. Verschwiegen wurde, daß Hitler auch gewaltige Einkünfte als Z e i t u n g s v e r l e g e r be- zieht, daß er ein Gut in Oberbayern besitzt und ähnliche Ein- kommensquellen mehr. Was für ein Geschrei würde erhoben worden sein, wenn etwa Herman n Müller oder Stresemann oder Brüning als Reichskanzler ein Zeitnngsgcfchäft betrieben haben würden. Jeder würde mit Fingern auf sie gezeigt haben, daß die Position als Reichs- kanzler sich in Profit für den Zeitungsverlag auswirken müsse- Wie steht es mit Hitlers Schriststellerei? Ter arme Schrift- steller, Reichskanzler gcivordcn, brauchte keine Zeile mehrzu schreiben sondern es genügte für ihn, die Tan- tiemen der Neuauflagen seines längst erschienenen Buches »Mein Kamps" regelmäßig einzukassieren. England(ordert Entscheidung Die Zuspitzung in Genf Gens, den 10. Oktober 1938. Das Büro der Abrüstungskonferenz ist am Montag in Genf zusammengetreten. Tie Sitzung brachte im wesentlichen einen Bericht Hendersons. Allgemein ist die Heber- zeugung, daß die Konferenz sehr schweren B e l a st u n- gen entgegengeht. Man rechnet damit, daß in dieser und der kommenden Woche nur wenig öffentliche Sitzungen sein werden, damit Gelegenheit bleibt, über die Hauptschwierig- leiten unmittelbar zwischen den Vertretern der großen Mächte zu verhandeln. Tie Zeichen für die deutsche Politik stehen schlecht. Nicht vnr Frankreich, sondern auch alle kleineren europäischen Staaten sind beunruhigt. Man starrt geängstigt au» die ge- waltige moralische Aufrüstung Teutschlands und veriveist außerdem auf die technischen Vorbereitungen, die unter an- deren» deutlich daraus zu ersehen sind, daß Teutschland bei sonst sehr geschrumpfter Einfuhr nur die für RüstungSzwecke notwendigen Rohstoffe in sehr gesteigerten Mengen einführt. Alle diese fich bedroht fühlenden Völker verweisen daraus, daß die in Deutschland herrschende alldeutsche und mili- tariftische Ideologie zu einer expansiven Außenpolitik führen müsse. Mussolinis Vermittlerrolle hält man für gescheitert. Man ist allerdings überzeugt, daß direkte Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland in Gang kommen werden und sich auch kleine Zugeständnisse an Teutschlands Standpunkt erwirken lassen. Aber man bezweifelt, daß die französische Regierung so weit gehen kann, wie es die deutsche Reichs- Regierung verlangen muß, wen« sie einigermaßen vor ihren Wehrverbänden, um deren Schicksal ja mitgewürfelt wird, bestehen will. Die Ankunft des britischen Außenministers Simon wird »m Dienstag oder am Mittwoch erwartet. Er bringt die Er- gebnisse des britischen Kabincttsrat vom Montag niit, die hier als ein letztes Wort Englands betrachtet wer- ten. Tie englische Politik will verhindern, daß Teutschland, wenn es zum Zusammenbruch der Konferenz kommen sollte, tie Verantwortung dafür andern Mächten zuschieben kann. Man erwägt noch, in welcher Form man Deutschland ein erleichterndes Angebot machen könnte, etwa in der Abkttr- zung der vierjährigen Probezeit und in der Mög- lichkeit, daß Frankreich schon ivährcnd der Probeperiode eine gewisse quantitative Abrüstung durchführe und außerdem slyon jetzt erkläre, welche Abrüstungsmaßnahmen es nach Ablauf der Probezeit vornehmen werde. In den Hauptdifserenzen aber läßt England keinen Zweifel darüber, daß die Konferenz auf die geistige Verfassung der Welt'Rücksicht nehmen müsse. Tie englische Politik berücksichtigt, daß die Ereignisse in Teutschland eine starke Wandlung in der englischen öffent- lichen Meinung zur Abrüstungssrage verursacht haben Tas Reutcr-Büro bestätigt, daß die gesteigerte Beunruhi- gung der französischen Regierung und des französischen Vol- kcs in Bezug ans Sicherheit bei der britischen Regierung beachtet worden ist und die drohende Rede Baldwins im Einverständnis in it dem britischen Kabinett erfolgt ist. England hofft, bei aller Berücksichtigung der widerstreitenden Elemente, baß der Vorschlag für eine vor- herige Periode zur Herstellung von Vertrauen Annahme fin- den wird. Man glaubt auch, daß es möglich sein werde, ein Versprechen wesentlicher Abrüstung zu erreichen für den Fall, baß die Bewährungszeit gut funktioniert hat. Ter bri- tische Plan ist mit Frankreich, Italien, Deutschland, den Ver- einigten Staaten, Polen und anderen Staaten erörtert worden. Zwilchen England, den Bereinigten Staaten. Frankreich und Italien ist eine weitgehende Annäherung erfolgt. Ob Deutschland so weit entgegenkommen wird, wie es not- wendig ist, steht sehr dahin. England und Italien geben sich Mühe, Frankreich und Deutschland einander zu nähern. England ist entschlossen, nunmehr die Entscheidung herbei- zuführen. Es würde sich einer Vertagung der Vollkonferenz aus einem Grunde wie immer widersetzen. Ebenso wirb die britische Regierung der Umwandlung des Entwurfes einer Abrüstungskonvcntion in eine Rüstungskonvention nicht zu- stimmen. Wie mau weiß, haben sämtliche Schülerbibliothcken, alle Reichswehrstellen usw. das Buch anschaffen müssen, auch auf die Beamten wird gebrückt—, wehe dem Beamten, der über- führt wird, das Buch nicht ans seinem Amtstisch oder daheim liegen zu haben. So kann denn der Verlag zum 2. Oktober das Ericheinen des E i n m i l l i o n st e n Exemplars an- kündigen. Von dieser Million entfallen weit mehr als die Hälfte der angegebenen Exemplare, wahrscheinlich 700 000 bis 800000 auf die acht Monate Hitlerscher Reichskanzlerschaft. Es sind also im Wege der berühmten„Freiwilligkeit", mit der das„dritte Reich" von seinen Untertanen alles(Gewünschte erpreßt, i n jedem Monat zirka 100 000 Stück abgesetzt worden. Nun wissen mir zwar nicht, wieviel der Schriftsteller Hitler vom Exemplar erhält, aber so ganz wenig kann das nicht sein, denn dem allmächtigen Diktator wird der Verlag Ehr schon etwas andere Bedingungen machen als etwa einem Lyriker vom Münchener Schwabing. Rechnen wir jedoch einmal 50 Psg. Autorenhonorar pro Exemplar lwas wahrscheinlich weit hinter der Wirklichkeit zurückbleibts, so ergibt selbst nur diese Annahme bei einem monatlichen Verkauf von 100 000 Exem- plaren 30 000 Mark in einem einzigen Monat, d. h. mehr, als das ganze JahreSgehalt des Reichskanzlers beträgt, Au den bisher verkauften Millionen Exemplaren muß Hitler bereits ein schwerreicher Man« geworden sein. Nun kündet der Verlag noch fremdsprachige Ausgaben für das Ausland an—„Feindbund"geld riecht nicht!— das wird, wenn auch nicht soviel, noch Dollars, Pfunde und andere Ba- luren in die Kasse dieses verschämten Armen bringen. Mit z w ö l f s a ch e m Reichskanzlergehalt aus Tantieme»— da ließ sich leicht die Komödie des Verzichts auf das ein- fache Gehalt durchführen. Aber die alten Weiber beiderlei Geschlechtes in Teutschland heulen vor Rührung über den spartanisch armen Reichskanzler. Ignotas: Krieg oder frieden? Es wäre unnütz und gefährlich, den ganzen Ernst der gegenwärtigen Lage zu verschweigen: wir stehen mitten drin in einer außenpolitischen Krise, die ihrer Schärfe nach, nur mit der Krise von 1914 verglichen werden kann. Die Welt steht vor der Frage: Krieg oder Flieden? Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, noch sind die Versuche, das Fürchterlichste zu verhüten, nicht aufgegeben. Wir nähern uns aber dem kritischen Punkt, von welchem ab der Krieg für unvermeidlich gehalten wird. Und dann gibt es — wie alle geschichtlichen Erfahrungen lehren— keinen Halt mehr. Noch ist man— vielleicht!— nicht so weit, die Entwicklung in der Richtung zu jenem gefährlichen Punkt vollzog sich aber in den letzten Tagen in Riesenschritten. Am 6. Oktober wurde in London und Rom die deutsche Antwort auf die französisch-englisch-amerikanischen Vor» schlüge o.der, wie es in divlomatischer Sprache heißt.„An- regungen" mitgeteilt. Und diese Antwort war— inhalt« lich gleichviel in welcher Form und in welchem Tost es ge- schah— eine schroffe Ablehnung. Das ist selbst an sich eine außerordentlich wichtige Tatsache, ihre ganze Tragweite wird aber erst klar, wenn man den Zusammenhang kennt, in dem die deutsche Mitteilung erfolgte. Die deutsche Antwort wurde schon für einen früheren Ter- min in Aussicht gestellt, hat sich aber verzögert, so daß die schon angesagte Beratung des englischen Ministerrates vertagt werden mußte. Warum diese Verzögerung? Schwerlich läßt sich dafür eine andere Erklärung finden, als daß in Berlin um den Inhalt der deutschen Antwort ein heftiger Kampf ausgefochten wurde, der offenbar mitdemSiegderunverföhnlichen Richtung endete. Dazwischen geschah aber folgendes: Am Donnerstag hat die Konferenz der englischen Konservativen Partei in Birmingham einmütig eine Ent- schließung angenommen, in der die Verteidigung des Bri- tischen Reiches als unzureichend bezeichnet wurde. Diese Stellungnahme der Regierungspartei, die llb-r die überwältigende Mehrheit im Parlament verfügt, hat naturgemäß einen höchst alarmierenden Ein- druck gemacht. Faktisch haben die Konservativen eine Entschließung gegen die Abrüstung und für die Verstärkung der englischen Rüstungen ange- nommen, und der einzige Grund für diese Entschließung, der nicht ganz offen ausgesprochen war. konnte nur die Ueberzeugung sein, daß Deutschland aufrüste. Ter Kampfgedanke der von uns schon kurz besprochenen Baldwinschen Rede in Birmingham war. daß der Erfolg der Abrüstungskonferenz das einzige Mittel ist, die Ent- Wicklung zum neuen Krieg aufzuhalten, der nach seiner Ueberzeugung das Ende der Zivilisation bedeuten würde. Als„unreif und kindisch"(„erucle and childist") hat er die Auffassung bezeichnet, daß sich England von Europa zu- rückziehen und abseits stehen bleiben könnte. Die technische Entwicklung hat das endgültig unmöglich gemacht. Und an einer anderen Stelle seiner Rede hat Baldwin erwähnt, daß in der Welt Befürchtung vorhanden ist. daß England nicht genug Rücksicht auf seine, von den in verschiedenen Abkommen in der Nachkriegszeit übernommenen Ver- pflichtungen genommen hat. Baldwin erklärt, daß England zum Vertrag von Locarno steht und daß namentlich jener Verpflichtung Belgien gegenüber für es heilig ist. Wir verstehen die ganze Bedeutung dieser Erklärun- gen. wenn wir uns an die Vorwürfe erinnern, die gegen England nach dem Ausbruch des Weltkrieges gerichtet wurden. Hätte England, so sagte man. frühzeitig erklärt, daß es am Kriege gegen Deutschland teilnehmen wird, so wäre es überhaupt zu keinem Krieg gekommen. Nun hatjetztBaldwindasfürEnglandfeierlich erklärt und durch die namentliche Erwäh- nung von Belgien keinen Platz für eine andere Deutung sein er Rede gelassen. Seine Rede war die Antwort auf die deutschen„Erwägungen" und eine Warnung an Deutschland, wie sie nicht eindring- licher sein könnte. Die Lage ist zu ernst, um mit verschleierten Formeln zu arbeiten. Der Gegenstand des Streites muß offen und ein- deutig formuliert werden. Frankreich. England und Ame- rika haben sich darin geeinigt, daß die wirksame Abrüstung erst dann möglich, wennmangegendieillegalen Rüstungen Deutschlands gesichert ist. Das ist de? eigentliche Sinn der Forderung nach der Kontrolle der Rüstungen und nach der Prüfungszeit, die der Abrüstung vorangehen soll. Namentlich Frankreich(aber auch die andern Länder) betrachten die deutschen militärischen Per- bände(SS. und SA) und das ganze System der Militari- sierung aller Lebensformen als eine außerordentlich ge- fährliche Art der Aufrüstung(„moralische Aufrüstung"). Zwischen den für die Welt abgegebenen Erklärungen der Hitler-Regierung und ihren Handlungen wird der denkbar größte Widerspruch empfunden. Daher die oben erwähnten Forderungen. Werden sie von Deutschland abgelehnt, so ist da» Scheitern der Abrüstungskonferenz mit den von Bald- win geschilderten Folgerungen unvermeidlich. Ungeheuerliche Verantwortung lastet auf den Regierun- gen, die jetzt die Abrüstungsverhandlungen führen. Jeder Entschluß kann unübersehbare Konsequenzen für das Schicksal der Völker haben. Die Entschlüsse sind aber not- wendig geworden. Jede Vertagung der Entscheidung, jede Ausflucht in die vieldeutigen Formulierungen droht jetzt die Gefahren zu vergrößern und die Entwicklung zum neuen Krieg unaufhaltsam zu machen. Unendlich schwierig gestaltet sich aber das ganze Problem dadurch, daß sein eigentlicher Kern in der Verbindung der militärischen Ak- tivität mit dem innenpolitischen Machtsystem des National- fozialismus liegt. Von Deutschland wird im Grunde nichts anderes verlangt, als daß es seine Politik und sein ganzes Leben mit dem Geiste des Friedens und der Toleranz er- füllt. Ist das eine„Einmischung in die inneren Angelegen- heiten", wie es in Deutschland jetzt dargestellt wird? Nein, wenn es sich dabei um die einzige zuverlässige Garantie des Friedens handelt, kann das nationalsozialistisch regierte Deutschland dieser Forderung entsprechen! Würde das nicht für Hitler und seine Partei den Verzicht auf die Grundlagen ihrer Macht bedeuten? Schon diese Fragen, zeigen uns deutlich genug, zu welchem verworrenen Knoten das Abrüstungsproblem jetzt geworden ist. Von der Art, wie dieser Knoten gelöst oder zerschnitten wird, hängt jetzt die Schicksalsfrage Europas ab: Krieg oder Frieden? Pas Heueste Di«„Tägliche Rundschau", die am 8. Juli aus drei Monate verboten wurde, hat— wie der Verlag mitteilt— nunmehr ihr Erscheinen eingestellt. Unabhängige Zettungen können sich im Hitlerzuchthaus nicht halten. » Lei einer Feie» der Katholiken von Karlsruhe bekannte sich Erzbischof Dr. Groeber-Freiburg restlos zu der neuen Regierung und zum neuen Reich. » I» der Kunstwollsabrik Bogel». Schnurman« in Karlsruhe entstand vermutlich durch Kurzschluß Feuer, das das Hauptgebäude, die Maschinenanlagen und die Lager ver» nichtete. Sechs Personen wurden durch einstürzend« Mauern »erletzt. » Im Ort Pequot(Minnesota) ist«ine Mutter mit ihre» sechs Kindern beim Brande ihres HanseS in den Klammen »«gekommen. vie Osfchlnabahn Vor einem japanischen Schritt in Moskau Tokio» 10. Okt.(Reuter). Das Außenmiuifterium hat beschlossen, bei der Sowjetregiernng gegen die Berösfent- lichung von Nachrichten, wonach Japan sich mit der Absicht trage, die Ost chinabahn mit Beschlag zu bele- gen, Beschwerde einzulegen oder Moskau vor der Ber- ossentlichung derartiger Nachrichten zu warnen. In einer Zeitung wird die Schließung des Büros der Telegrasen- Agentur der U. d. S. S. R. in Tokio empsohleu, da diese Agentur solche Behauptungen aus Moskau»erbreitet hatte, und augeregt, die Verhandlungen über die Oftchinabahn ab- zubrechen, falls die Sowjetregierung sich nicht entschuldigt oder ihre Behauptungen nicht zurückzieht. vie entscheidenden Streitfragen Ans Hendersons Rede Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, hat in seinem Bericht vor dem Büro der Abrüstungskonferenz die schwebenden Fragen in zwei Gruppen eingeteilt. Als ver- hältnismäßig leicht bezeichnete er eine Verständigung über folgende Punkte: 1. Allgemeiner Verzicht aus Gewaltanwendung? 2. Definition des Angreifers? S. Kontrolle? 4. Vereinheitlichung der kontinentale« europäischen Heere hinsichtlich der ausgebildeten Reserven, der Heeres- stärken und der Kolonialtruppen? K. Die Rüstungskontrolle durch Offenlegung der Haus- halte? 0. Bombenangriffe aus der Luft? 7. Die baldige Schaffung einer ständigen Abrüstungs- kommisfion? 8. Flottenfrage. Die Gruppe der schwierigen Fragen umfaßt nach den Erklärungen Hendersons folgende Punkte: 1. Die Dauer der ersten Abrüstungskonvention? 2. Die Größe der Tanks und des Kalibers der Artillerie; 5. Die Verringerung des Landkriegsmaterials durch Zer« störung? 4. Massenherstellung und»Handel? 5. Heeres- und Mariuelustschissahrt? 6. Sanktionen im Falle der Verletzung der Konvention. Hinsichtlich der Dauer der Konvention bestünden zwei Auffassungen. Einige Länder hätten sich deutlich für eine fünfjährige Konvention ausgesprochen, während ber die Zerstörung des verbotenen Materials und die Gleich- berechtigung stufenweise durchgeführt würden. Andere Länder hätten eine achtjährige Konvention vorgeschlagen, die in zwei vierjährige Perioden eingeteilt würde, deren erste kurz als Versuchsperiode bezeichnet werden könnte. Wenn die zu schaffende ständige Abrüstungskommission ent- scheide, baß das Kontrollsystem wirksam gewesen sei, sollen die in der Konvention enthaltenen Abrüstungsmaßnahmen während ber zweiten Periode durchgeführt werden. Hender- son legte grobes Gewicht auf die Erläuterung der Aufgaben. Es wurde beschlossen, am kommenden Samstag noch eine Bürositzung abzuhalten und den Hauptauöschuß aus Montag, den 16. Oktober, einzuberufen. Ilm die Wehrverbände Genf, 10. Okt. Sehr beachtet wirb hier, die Polemik d«S halbamtlichen deutschen Sonti-BüroS gegen eine Bemerkung in der Rede DaladierS, die als Forderung einer Auflösung der militärischen Verbände»erstanden wirb. Das Conti- Büro erklärt, daß die deutschen Wehrverbände keinen mili, tärischen Charakter trügen und verweist auf entsprechende Deklarationen des Stabschef Röhm. Die Aeußerungen die» ses Putschisten«ud Abenteurers werden hier natürlich alles andere als glaubwürdig eingeschätzt. Frankreich und mit ihm zahlreiche andere Staaten erblicken in den braunen und grauen Sturmtruppen militärische Organisationen. Deutsch- land kann nicht erwarten, daß man die Umwandlung der Reichswehr in eine Miliz von etwa 200 000 Mann zugesteht und gleichzeitig auf die Auflösung der SA., der SS. und der sonstigen Wehrverbände verzichtet. Beinahe allgemein ist hier die Ansicht, daß diese Verbände nur den einen Zweck haben, die ganze deutsch« Jugend militärisch aus den höch» stcn Grad von Leistungsfähigkeit zu bringen und sie zu einem gewaltigen Kriegsgeist zu erziehen. Wenn Deutschland aus diese Bewertung der Wehrverbände nicht Rückficht nehmen wird, muß es die Konferenz zum scheitern bringen. Franzäslsdie Stimmen Paris, 10. Okt. Die Kommentare ber deutschen Presse und die Stellungnahme des Conti-Nachrich ten» Büros zur Rede Daladicrs werden von der französische» Presse ausführlich wiedergegeben. Aus der Ankündigung, daß man deutscherseits vielleicht aus die Rede antworten werde, möchten gewisse französische Kreise den Schluß ziehen, daß die deutsche Diplomatie zu einer direkte« Aussprache über das dornige AbrüstungS» problem gelangen wolle. In gewissen englischen Kreisen, die enge Beziehungen zu» Regierung unterhalten— so berichtet der Sonderkorrespon» dent des„Petit Pari si en"—, lasse man durchblicken, daß die Frage der Probezcitdauer Gegenstand einer Ver» Handlung sein könnte, wenn die Konserenz ihre Arbeite» wieder ausnehme. Der Außenpolitiker des„Echo de Paris" erblickt i« den Ausführungen Hendersons und in der Beratung der englischen Regierung den Wunsch, die Unterzeichnung eines Abrüstungsabkommens zu beschleunigen. Henderson bringe jetzt zur Kenntnis» daß noch vor Ratifizierung des Ab« rüstungsvertrags eine Abrüstungskommisfion eingesetzt werden solle, die wie eine ständige Abrüstungskonferenz auf» treten würde. Was die Sanktionen anlange, sei von keine« neue» Verpflichtungen die Rede. Dagegen spreche man von Maßnahmen, die zweifellos bedeuteten, daß eine bedeutende Verlagerung der militärischen Macht zugunsten Deutschlands und zum Schaden Frankreichs vorgenommen werden solle. Der Genfer Berichterstatter des„Journal" schreibt: Es ist klar, daß die Herabsetzung der französischen Streitkräfte an sich ein Bruch des Gleichgewichtes zugunsten Deutsch- lands darstellt. Das Blatt betont weiter, daß die die deut» schen Ofsenstvkräste schwächende Umwandlung weitgehend das durch die Reform des französischen Militärorganismus gefährdete Gleichgewicht wieder herstellen würde, natürlich unter einer Bedingung, nämlich daß die ganze Angelegen- heit von Ansang an streng kontrolliert werde und das Ganze mit der Prüfung beginne, wie es mit Deutschland in Bezug aus die Militärklauseln des Bersailler Vertrags stehe. „Petit Journal" und„Matin" versuchen schon jetzt, die Schuld au einem negative« Genfer Ergebnis Deutsch- land auszubürden, das nicht erkennen wolle, daß Frankreich die„äußerste Grenze" seiner Zugeständnisse erreicht Hab«. „Europa gegen Nazi-Terror Englische Stimmen zur Lage In Geni „Sunday Times" schreibt: Frankreich ist heute die einzige große Macht der Alten Welt, die noch von liberalem Geist er- füllt ist. Es verdient unsere ganze Aufmerksamkeit— und sei es auch nur aus diesem Grunde. Aber würde eS gegenüber Deutschland nicht richtig sein, wenn wir es unzweideutig wissen ließen, welche Handlungs- weise von seiner Seite ihm unsere Freundschaft bewahren bzw. rauben würde?... Nach einer solchen Erklärung kann man sich gut das unmittelbar sich einstellende Gefühl der Er- leichterung in Europa und die Aenderung der Politik in Deutschland vorstellen, die neue Wege einschlagen würde, die Prozeß hn Reidistagsgebände Jetzt haben die Zeugen das Wort!" Berlin, 10. Okt. Die ganze Umgebung des Reichstags- gebäudes war heute von starken Polizeiposten mit Karabinern umgeben. Absperrungen wurden zunächst nicht vorgenommen, so daß sich in der Nähe der Portale ein größeres Publikum ansammeln'konnte, das, da es wegen des beschränkten Raumes nicht zugelassen werden kann, wenig- stens die Ankunft des Gerichtes, der Prozeßbeteiligten und der Angeklagten beobachten wollte. Schon um 8 Uhr morgens begann der Zustrom zum Reichstagsgebäude. Sämtliche Por- tale waren von Polizei und Reichstagsbeamten stark besetzt, um eine genaue Kartenkontrolle durchzuführen. In beson- deren Räumen, die alle zugelassenen Personen nach Eintritt in daS Gebäude zunächst passieren müssen, wird von einem größeren Aufgebot von Beamten eine strenge Durchsuchung nach Massen vorgenommen. Der Saal ist in der Zwischenzeit nach den Wünschen des Reichsgerichtes zu einem Gerichtssaal umgebaut worden. Auf einem erhöhten Podium ist der Tisch für das Gericht aufgestellt worden. Auf den Fluren ist wieder ein beson- dereS Postamt mit rund 40 Telefonzellen untergebracht, das den gewaltigen internationalen Presseverkehr abzuwickeln hat. Auch für die Zuhörer ist der Raum in Berlin etwas größer alS in Leipzig. Zu jeder Verhandlung können etwa ILO Zuhörer zugelassen werden. Zur ersten Verhandlung in Berlin hat sich auch der Tonfilm wieder eingesunden. Zu diesem Zweck sind im Saal gewaltige Jupiterlam- pen ausgebaut. Daneben erfolgt für den Rundfunk wie in Leipzig ein? lautend? Anknahme des Prozesses auf Schall- platten. Der Beginn der Verhgndlung verzögert sich zu- nächst etwas. Unter den Sachverständigen hat auch Med.-Rt. Dr. Schütz, der in Lein-ig zu den Verhandlungen wegen des Gesundheitszustandes van der Lübbes zugezogen wurde, Platz genommen. Um 10.18 Uhr flammen die Jupiterlampen auf. Die An- geklagten werden in den Saal geführt. Sie nehmen, jeder von einem Schutzpolizisten flankiert, auf der eigen« ein- gebauten Anklagebank hinter ihren Verteidigern Platz. Die Haltung des Angeklagten van der Lübbe ist un- verändert.erhältdenLopftiefgesenkt. Gegen halb 11 Uhr flammen erneut die Lampen auf. Der Senat betritt unter Führung des Senatspräsibenten B ü n g e r den Saal. Er eröffnet sofort die weitere Haupt- Verhandlung und erklärt: Das bisherige Verfahren diente dazu, die Angeklagten über die umfangreiche Anklageichriit zu hören und dabei die sachlichen Streitpunkte so weit klar- zustellen, daß die Beweisausnahme über die einzelnen Zu- sammenhänge erfolgen kann. Jetzt haben die Zeugen das Wort. Mögen sie sich ihrer hohen und verantwortungsvollen Aufgabe bewußt sein. Der in meinem Anfangswort in Leipzig erwähnten Unabhängigkeit ber Richter und Freiheit deö AnwaltSstanbes entspricht die Freiheit und Unabhängig- keit der Zeugen. Nur ihrem Gott und ihrem Ge- wissen sollen sie sich verantwortlich fühlen. Allein bei einer solchen Einstellung der- jenigen,dietnbieserwichtigen,bedeutsamen Sache berufen sind, Zeugnis abzulegen, kann die Rechtspflege das fein, was sie sein soll: ein Spiegel ber Wahrheit! Der Vorsitzende ruft dann, wie am ersten Titzunstage in Leipzig, die Angeklagten der Reihe nach aus und ebenso ihre Verteidiger. AlS er nach dem Ausruf der drei Bulgaren er- klärt, baß RA. Dr. T ei chert der Offizialverteidiger dieser Angeklagten sei. ruft Angeklagter D im i troff dazwischen: Ich verteidige mich allein! Unter den vom Vor- sitzenden weiter aufgerufenen Sachverständigen befindet sich diesmal auch als Sachverständiger für die Brandschäden der Berliner Branddirektor Dr. tng- Wagner und Prof. Josse von ber Technischen Hochschule. Als erster Zeuge wird am heutigen Verhandlungstage der Student Hans Flöter vernommen. geeignet wären, den Frieden zu sichern.... Ist nicht ber Augenblick gekommen, Bündnisse zu schließen, zwar nicht für oder gegen diese oder jene Nation, sondern zum Schutze bestimmter Ideen.^, Die allgemeine Abrüstung erscheint hoffnungslos. Wir wagen es nicht mehr, weiter abzurüsten, wie wir es bisher getan haben. Aber diejenigen, die sich über Grundsatze einigen können, können sich auch verbünden, um diese zu verteidigen und ihnen Achtung zu verschaffen. Wenn alle Welt weiß, um wen und was es sich handelt, wird niemand es wagen, sie altzugreifen. * Im„Observer" schreibt Garvin. Englands an- gesehenster Journalist und bis zum Ausbruch des„dritten Reichs" deutschfreundlich: Der wahre Grund des französischen und englischen Wider- stands gegen den deutschen Anspruch aus symbolische Auf- rüstung oder auf„Musterwasfen" verbotener Typen ,st der, daß es unmöglich sein würde, die deutsche Rüstung zu kon- trollieren oder zu überwachen, wenn man dieser Forderung nachgäbe. Es ist möglich, zu sehen, ob die notwendigen An- lagen für die Herstellung gewisser Waffen bestehen. Aber wenn man eine solche Anlage für die Herstellung von Mustern erlaubte, wäre es unmöglich, den wirklichen Um- fang der Produktion zu entdecken und festzustellen. Man hat den Deutschen gesagt, sie litten an einem Minder- wertigkeitskomplex. Der Hitlerismus nimmt sich vor, einen Ueberlegenheitskomplex von unbegrenztem Ausmaß zu erwecken, indem er die eigene Rasse unauf- hörlich rühmt und systematisch die Geschichte fälscht. Man versichert ihnen, daß sie den letzten Krieg gewonnen haben und daß sie unter der Herrschaft des Nationalismus den nächsten gewinnen werden. Diese liebliche L e h r e u n- gemessener Ichsucht bringt eine groteske Entstellung der Tatsachen mit sich. Längst bevor sie es in Versailles er- fuhren, hauen die Deutschen mit ihren praktischen und mora- lichen Berechnungen Schiffbruch erlitten. Warum? Vor allem, weil sie an sich geglaubt und ihre„Ueberlegenheit" übertrieben hatten. Und das ist derselbe Fehler, welchen die Nazis sie wiederholen lassen. Die Nazis haben mit einem Schlage alle Meinuugsver» schiedenheiten, die England und Frankreich trennen konn- ten, ausgelöscht und die amerikanische Sympathie in kalt« Wachsamkeit verwandelt. Das faschistische Italien wird ihnen unter solchen Umständen »jemals folgen. Tie haben sich sogar die Sowjetunion ent- fremdet. Sie werden sich hüten müssen, an die alemannisch« Schweiz zu rühren. Auf dieser allgemeinen Bewegungen ber Abwehr und Ab- kehr beruht die wahre Stärke, dieHoffnung desFrie« d e n s. Das nationalsozialistische Deutschland ist entschlossen, offen ober geheim(oder auf beide Weisen gleichzeitig) auszurüsten, was auch immer in Genf kommen möge. Aber man wirb ihm niemals erlauben, seine Gegner zu trennen. Niemals wird Europa bereit sein, sich dem Naziterror auf Gnade oder Ungnade auszuliefern. Die Regierung(al nichts Das Volk fühlt bereits das Ende, das da kommen mos" »» Das Mitglied der NSDAP.. Wilhelm Gohr, D a n z t g, Jopengasse 52, hat unter dem Titel„Politische Unzulänglich- leiten" eine Denkschrift veröffentlicht, die das Zitat trägt: „Für eine gute Regierung spricht die Tat. Für eine schlechte Regierung muh der Propagandaminister sprechen." Die Denkschrift wurde adressiert an„Seine Exzellenz Ge- neralseldmarschall von Hiudenburg," je eine Abschritt dem Herrn Reichskanzler, dem Herrn Reichssinanzminister, dem Herrn Wirtschastominister, dem Herrn Ministerpräsidenten von Preusten. Gohr wurde auf Veranlassung des Propa- gandaministers am 2. September verhastet, jedoch am 12. September, anscheinend auf den Einspruch einflußreicher Freunde, wieder entlassen. Hindenburg hat sich für die Ueber- sendung der Denkschrift schriftlich bedankt und empfohlen, ste an sämtliche deutsche Reichsminister, Landesminister', Reichsstatthalter und Reichsführerstellen der NSDAP, zu übersenden. Gohr, der im Jahre 1931 eine Broschüre„Mensch oder Maschine" veröffentlichte, erklärt in seiner Denkschrift, die in Deutschland geheimgehalten wird:„Der Nationalsozialis- mus versucht deutsche Belange nach römischem Rezept zu regeln... Ein Führer, der kopiert, ist kein Führer. In diesem Kopieren zeigt sich die Armseligkeit der nationalen Revolution... Hier kann sich nur deutsche Gründlichkeit auswirken und nicht Regisseurtalente." Gohr zitiert die drei Sätze aus dem Programm Hitlers:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz!",„Brechung der Zinsknechtschaft!",„Verwirk- lichung der Volksgemeinschaft!" und sagt zu dem Vorhaben der Nazis, die„Wirtschaftsverfassung" durch die Wirtschaft selbst ausarbeiten zu lassen:„In diesem Grundsatz osseubart sich die ganze Unfähigkeit der nationalen Wirtschastsführer. Tie beweisen damit, daß sie weder einen Weg aus der Krise zeigen können, noch imstande sind, logisch zu denken. Ein sonderbares Führerprinzip entwickelt sich hier." Gohr geht so weit, offen auszusprechen:„Plagiat und Rhe- torik ist das A und O des Nationalsozialismus" und die Fxage zu stellen:„Armes deutsches Volk, wo wirst Du bei dieser unzulänglichen Regierung enden?" Die Gleichschal- tung wird als Irrtum bezeichnet,„wenn man glaubt, durch die Gleichschaltung aller Organisationen den Klassenkampf zu beenden." Tie Arbeitsbeschaffung sei„Verlegenheits- arbeit"... Der Nationalsozialismus hat bis jetzt„nur den Belangen der nutznießenden Stände, der Großkapitalisten und Intellektuellen Rechnung getragen." Die Stellungnahme des Wirtschaftsministcrs zu der For- derung der Landwirtschast auf Zinsherabsetzung„offenbart eine Einstellung, wie sie unsozialer von keinem internatio- nalen Kapitalisten übertrossen werden kann." „Die nationale Regierung hat nicht das geringste getan» «m das Massenelend zu lindern, alle Maßnahmen, die ge- trosscn wurden, wurden zur Sicherung des besitzenden Standes getroffen. Den Banken, der Industrie uni», dem landwirtschaftlichen Großbesitz wird durch Millionenkredite geHolsen. Menschen, die durch Eide an die internationale kapitalistische Weltanschauung gebunden waren und daher gezwungen waren, diesen Gedankengängen zu dienen, haben ausschlaggebende Positionen inne." „Die Arbeitsbeschaffung scheint wohl in einem Riesensiasko zu enden" und„dadurch, daß jeder Parteifunktionär Anspruch auf die Staatsversicherung erhebt, sind Zustände eingerissen, die zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß geben." „Die wirtschaftliche und finanzpolitische Unfähigkeit der nationalen Regierung, die Entwicklung der Tinge vorauszu- sehen, muß den Zusammenbruch des deutschen Volks restlos besiegeln..." „Das Volk ist zn viel betrogen worden und läßt sich durch die Verlegcnheitserperimente der nationalen Regierung nicht mehr täuschen, es fühlt bereits das Ende, das da kommen muß." Gohr. Mitglied der NSDAP., selbständiger Textilwaren- Händler in Tanzig, wirst schließlich den Herren des„dritten Reiches" das Menetekel an die Wand, wenn er ruft: „Oder muß das Volk noch einmal aufgerufen werden, soll es noch einmal rufen:„Deutschland erwache, erwache aus der Hitlerschen Huvnose!?" „Oder muß das Volk sich erst auf den Barrikaden sei» Recht zum Leben erkämpfen?" Begräbnis des nors(-Wessel-films SBtr haben gestern berichtet, daß das Propaganda- Ministerium den viel gepriesenen Horst-Wessel- F t l m, der am Montag unter vielseitigem braunem Gepränge seine Uraussührung erleben sollte, plötzlich verboten hat. Der„Angrifs" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit dem Verbot des Horst-Weffel-Films. Das Blatt sagt, der Film, für den die alte Berliner SA.-Garde sich willig in den Dienst gestellt hatte und für den Dr. Handstängl. ein Künstler von außerordentlichem Range, die musikalische Illustration besorgte, sei trotz alledem ein Versager geworden, weil sich Leute an diesen gigantischen Stosf herangewagt hätten, denen die Welt Horst Wessels sremd gewesen sei und sremd bleiben mußte. „Den Mythos Horst Wessels kann man nur mit tieser Gläubigkeit, mit brennendem Herzen und beseelt „vomGeiste der S A." künstlerisch gestalten und lebendig machen. Dann gehört selbstverständlich ein außerordentliches Können dazu. Wir konnten uns überzeugen, daß das Dreh, buch des Films bereits schlecht war. Es ließ auch nicht einen Funken von dem Geist verspüren, der Horst Wessel und seine Kameraden beseelte. Dann der Regisseur Wcnzler. Als Wenzlcr den Horst-Wesscl-Stosf in Angriff nahm, gab er zunächst die Absicht bekannt, einen unrühmlichst bekannten Asphaltliteratcn mit der Abfassung des Drehbuches zu be- tränen. Im Atelier selbst konnten wir uns bald überzeugen, wie hilflos Wenzler dem gewaltigen Stoss gegenüberstand. Später zeigten uns dann einige bereits fertiggestellte Bild- streifen die herannahende Katastrophe. Der„An- griff" war daher— zum mindesten in Berlin— die einzige deutsche Zeitung, die dem Film niemals Vorschußlorbeeren gespendet hat. Wir sind stolz daraus. Eine Kritik aber, die sich durch den Namen des Führors im Munde einiger ge« schäftstüchtiger Leute derart blüsscn ließ, daß sie nach einer Vorbesichtigung des Films sich nicht scheute, die überschwcng- lichsten Lobhudeleien vom Stapel zu lassen, diese Kritik der ehemals liberals st isch-demokratischc» Presse hat sich selbst gerichtet." Das geschieht der„liberalistisch-demokratischen" Presse recht. Allerdings verschweigt der„Angriff", daß auch die ganze Nazipresse den Schwulst des Lobes verbreitete. Nur ein einziges Beispiel! Unter der lieber- schrift:„Der Bannerträger der Befreiung" schreibt der na- tionalsozialistische„Mainzer Anzeiger" Nr. 233 zum Bei- spiel:„Noch ist der Film nicht da für alle. Er wur.be ge- wissermaßen nur als Generalprobe einem kleinen Kreis ge- zeigt. War's ein Zufall, daß wir ihn sahen? Sollten wir nur eine Echoprobe sein?" Wir sprechen weiter über die SA.-Formationen, die ans kleinen Anfängen in dem Film aufsteigen und deren Einzug durchs Brandenburger Tor den grandiosen Abschluß dieses deutschen Schicksals bilden, und der unbefangene Beobachter betont es, wie sehr dieses Werk dem Ausland die Augen öffnen wird, daß der Feind ganz Ivo- a n d e r s st e h t. als man immer vermutet hat und heute noch immer glaubhast machen will, und welche geschichtliche Auf- gäbe die SA. im Schicksal Europas in einem Augenblick er- füllt hat, wo über die alte Welt die Sturmflut des asiatischen Bolschewismus hereinzubrechen drohte. So greift der Film weit hinaus über die Tragik des einzelnen und wird zu einemDokument, indemdicSendungDeutsch- landsgewaltigund für alleZeiten verewigt ist. Rasseverratsgesetz naht? Die Pläne des preuBlschen Justizministers Kerrl ..Ho di verrai!' Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands, Sitz Prag, erläßt folgende Erklärung: Am 22. Juli beantragte der preußische Ministerpräsident G ö r i n g beim Reichskabinett den Erlaß eines Gesetzes, das di« Hersteller hochverräterischer Druckschristen im Ausland »ud ihre Verbreiter im Inland mit dem Tode bedroht. Das Reichskabinett hat diesen Antrag, den die ganze Welt als das Produkt eines kranken Despotenhirns mit Abscheu zu- rückwies, am 4. Oktober zum Beschluß erhoben. Dieser Beschluß ist ein Beweis dafür, daß die gcgenwär- tigeu Machthaber den wachsenden Schwierigkeiten des kom- Menden Winters mit tieser Unruhe entgegensehen, und daß ste vor der Wahrheit eine panische Aug st empfinden. Um ihr Eindringen zu verhindern, schrecken sie vor keinem Verbrechen zurück. Niemand kann in Deutschland wegen Hoch- verrats zu Recht verurteilt werden, es seien denn die gegenwärtigen Machthaber selbst. Sie hoben unter der betrügerischen Vorspiegelung, eine so- zialdemokratisch- kommunistische Einheitssront habe den Reichstagsbrand angestiftet, einen gewalttätigen Uebersall aus die Sozialdemokratische Partei unternommen, die da- mals in der Verteidigung der bestehenden Verfassung ihre Hauptaufgabe erblickte. Sie haben tausende und abertan- send« deutscher Volksgenossen aus keinem anderen Grunde, als weil sie treu zur Verfassung standen, ermorden, soltern und in die Konzentrationslager sperren lassen. Sie haben die Verfassung, die sie beschworen hatten, nicht nur gebrochen, sondern bis ans den letzten Rest vernichtet nnd dem Volke alle Rechte geraubt, selbst diejenigen, die schon in der Mo- narchie sein sicherer Besitz waren. Ja, sie haben den obersten Grundsatz jedes Rechtsstaats, die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, ausgehoben nnd aus Deutschland eine De, spotie gemacht, wie die Welt seit Jahrhunderten keine mehr kannte. Hochverrat begeht, wer die Bersassung gewaltsam zu än- dern versucht. Wo ist die Rersassnng des Deut» schen Reiches» die gewaltsam geändert wer- den könnte? Es gibt keine feste Rechtsnorm mehr, nach der das deutsche Volk regiert wird, sondern nur noch eine Herrschast der Willkür und des Verbrechens. Die nationalsozialistische Partei spricht sich selber das Recht z«, ihre Gegner dnrch Meuchelmord z« erledigen. Sie hat in zahllosen Fällen, zuletzt durch das Attentat aus den österreichischen Bundeskanzler Dollsuß, von diesem angcmaß- ten Recht Gebrauch gemacht. Der Beschluß des Reichs- kabinetts, der den Antrag Göring zum Gesetz erhebt, ist weiter nichts als ein Versuch, den Mord am p o l i t i« scheu Gegner durch Mißbrauch der Justiz zu legalisiere«. Wer sich an diesem Versuch beteiligt, ist in den Augen aller rechtlich denkenden Menschen ein g e» meiner Mörder und wird, sobald in Deutschland wie- der geordnete Rechtszuftänd« eingekehrt sind, als solcher be- handelt werden. Mit ihren Blutgesetzen werden die Despoten die notwen- dig« Entwicklung nicht aufhalten. Durch Ueberfteigerung von Willkür und Gewalt werden sie nur schneller den Tag her- beiführen, an dem sich daS deutsche Volk von der namen- losen Schande dieser Berbrecherherrschast besreie« wird. Prag, den 8. Oktober lS»3. Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sSitz Prag.) Marsdt. marsdi. Philosophen! Auch die Weisheit wird gleichgeschaltet Die Basler„National-Zeitung"«Nr. 464) läßt sich aus Berlin schreiben: „Aul seine Theologen schon kann sich Adolf Hitler ver- lassen, jetzt auf seine Juristen und neuerdings auch aus seine Philosophen. Der gegenwärtig in Magdeburg tagende Kongreß der Deutschen Philosophischen Gesellschaft steht wohl ziemlich ohne Beispiel da. Wohl seit Platos Tagen wurden Philosophie und Staat nicht mehr dermaßen indenti- fiziert, wie sie einander jetzt in Magedburg gleichgestellt werden, nein gleichgestellt ist falsch, von gegenseitigem Sich- durchdringen ist nicht die Rede, subordiniert muß es heißen, denn auch die deutschen Philosophen, soweit sie von ihm leben «und von wem anders könnten sie sonst leben?) kommandiert von nun an marsch, marsch der Staat. Eine ruhmreiche Tra- dition, die den deutschen Namen über die ganze Erde er- strahlen ließ, ist damit vorläufig versenkt. Als Vertreter des preußischen Ministers für Wissenschast, Kunst und Volks- bildung gab Ministerialrat A ch e l i s den versammelten Philosophen dieses zu verstehen: Es sei wohl nicht mehr mög- lich, den Geist der Zeit in Philosophie zu fassen.„Auf jeden Fall wird die neue Hochschule nicht aus dem Geist der Philo- fophie erwachsen, sondern aus dem Geist der SA. und der entschlossenen Studentenschaft!" Und die Philosophen nahmen die Degradierung schweigend hin und keiner protestierte, kein Mirabeau ihres Fachs stand auf und donnerte dem Vertreter der Staatspräpotenz entgegen:„Hinaus mit Ihnen, Tic haben hier nichts zu suchen!" Oder ein Tchopen- Hauer, der Herrn Achelis antwortete,' die dreihundertvier- undsechzig Schimpfwörter des deutschen Sprachschatzes hätten nicht gereicht! Welch großartige und einzigartige Ge- legenheit wurde versäumt, welche Ehrenrettung für eine geistige Schicht, die weit herum die Waffen streckt, ohne aus- zumucksen, und selbst daran schuld ist, daß man sie mißachtet." Das Jagdschloß in der Sdiorfheide Der Bewohner eine» Försterhauses in der Schorfheide bekam eines Tages den Befehl, innerhalb acht Tagen das Haus zu räumen. Es begannen sofort die Bauarbeiten. Ein Riesenkomplex wird abgesperrt. Selbst durch einen See geht der Stacheldräht. Niemand darf in die Nähe des Bauplatzes. Es ist eine besondere Wache eingerichtet. Ein SA.-Mann ist als Nachtwächter und als Sonntagswächter angestellt. Herr Göring kommt sehr oft mit dem Auto angefahren, um sich persönlich von der Arbeit zu überzeugen. Er also ist der„Bauherr". Der Staat bezahlt ja alles. Warum soll Göring nicht bauen? Die Räume werden fürstlich einge- l'chtet. Sogar Baderaum mit fließendem Wasser.«Woher mag man die Leitung gelegt haben? Vielleicht extra für diesen Zweck ein Wasserwerk gebaut?) Ein großer Empfangs- räum mit Fußboden, dessen Fließen aneinandergereihte Hakenkreuze bilden. Auch ein Arbeitsraum ist vorgesehen. Tie Hauptsache barin scheint aber ein alter Kamin zu sein, der wieder— wie anno dazumal— mit Holz in offener Feuerung geheizt werben soll. Selbstverständlich hat man atcr neben der Spielerei mit Altertum allen Komfort vor- gesehen. Und dieses Pracluliaus will Herr Göring an seinen Busenfreund Hitler verschenken! Ein Weihnachtsgeschenk? Als Winterhilfe? Ja— diese Bonzen verstehen zu lebe»! Verhol der..Passemtschnng" Der preußische Justizministcr Kerrl hat, wie schon er, wähnt, der Reichsregierung eine Denkschrift zur Strasrechtsresorm übergeben, in welcher«. a. ein besonderes Kapitel dem Schutz der Rasse gewidmet ist. Neben dem Vorschlag eines Verbotes für Mischehen wird auch eine Strasvorschrift gegen jede geschlechtliche Ver- Mischung zwischen Deutschen nnd Fremdrassigcn gefordert. Strafbar sein solle« beide Teile. Der formulierte Leitsatz lautet: „Wer es unternimmt, durch Vermischung eines Deutschen mit einem Angehörigen fremder Blutsgemeinschasten oder Rassen, deren Fernhaltung von der deutschen Blutsgemein- schalt durch Gesetz angeordnet worden ist, zur rassischen Ver- schlechterung und Zersetzung des deutschen Volkes beizu- tragen, macht sich des R a s s e v e r r a t s schuldig. Rasseverrat liegt auch dann vor, wenn die Vermischung unter Verwendung von die Empfängnis verhütenden Mitteln begangen wird. Als besonders schwere Fälle sind auch anzusehen, wenn 1. der Rasseverrat unter arglistiger Berschweigung der Zu- geHörigkeit zur fremden Rasse oder Blutsgemeinschaft oder mittels einer Täuschung hierüber begangen ist, 2. der Rasseoerrat in der Ehe begangen ist, und der eine Eheteil unter arglistiger Verschweigung der Zugehörigkeit des andern Ehcteils zur fremden Rasse oder Blutsgemein- ichait oder mittelst einer Täuschung hierüber zur Eingehung der Ehe verleitet worden ist. Als Nebenstrafe kann in besonders schweren Fällen aus Entziehung des Staatsbürgekrechts erkannt werden." Die Entscheidung, ob derartige Bestimmungen gesetzlich eingeführt werden, gehören, wie die Denkschrift selbst deutlich macht, zur Kompetenz des ReichskabinettS. Zur etwaigen Ausführung der Vorschläge wären zwei verschie- dene gesetzgeberische Maßnahmen erforderlich: einmal ein Verbot der Mischehen«ein Verbot, dem keine rückwirkende Kraft zukäme), zweitens der Erlaß der zitierten Slrafbe- stimmung. Von den Behörden selbst wird jedoch teilweise be- reits jetzt insofern im Sinne des preußischen Vorschlages ver- fahren, als Beziehungen zwischen Ariern und Nichtaricrn als unzulässig bezeichnet werden. In O s s e n b a ch wurde nach amtlicher Mitteilung der Po- lizei neuerdings wieder ein Nichtarier aus solchem Grunde in Schutzhast genommen, um ihn vor der Erregung der Be- völkerung zu schützen: das beteiligte Mädchen wurde eben- falls in Schutzhaft genommen, aber wieder entlassen. Tie Pressestelle der Polizeidirektion veröffentlicht aus diesem An- lab eine warnende Mitteilung, in der es u. a. heißt: „Ter Fall.... gibt Anlaß, mit aller Deutlichkeit daraus hinzuweisen, daß in der heutigen Zeit der Verkehr einesJuden mit deutschen Mädchen eine Her- aussorderung der deutschen Bevölkerung ist. Der Herr Polizeipräsident macht daraus aufmerksam, daß er, in Anbetracht des Umstanbes, daß das Gesetz, welches den intimen Verkehr zwischen Juden und Deutschstämmigen als Rassenschändung verbietet und streng unter Strafe stellt, un- m i t t e l b a r b e v o r st e h t, mit der gebotenen Schärfe gegen diejenigen Inden und„deutschen" Mädchen einschreiten wird, die durch ein derartig schamloses, das Volkstum gefährdetes Verhalten die Bevölkerung provozieren und so die öffentlich« Ruhe und Ordnung stören." I Ilja Ehrenburg: Sisyphusarbeit Eine Geschichte von Weizen, Kühen und Schweinen Aus Holland ist ein Land der Tradition und des Fortschritts. ES ist gewöhnt, mit der See zu ringen, und es will nicht auf vergangener Größe ausruhen- So entstand der Plan zur Trockenlegung der Zuidersee. Es wurde genau ausgerechnet, um wieviel Hektar das Festland zunehmen und um wieviel die Zahl der Heringe abnehmen würde. Die Sache schien vorteilhaft und die Menschen gingen aufs Meer hinaus. Zur AuStrocknung des Meeres wurden ungewöhnliche Maschinen herangeschafsl. Das sind jedoch nicht die Maschinen, um de- rentwtllen ich dieses Märchen zu schreiben beschloß. Die Fischer erhielten Abfindungen. Gedankenvoll sogen sie an ihren Pfeifen- Sie vertauschten die Segelboote mit Traktoren. Sie vergaßen die Matjesheringe und begannen die außerordentlichen Eigenschaften des holländischen Wei- zens zu erörtern, der zu Ehren der Königin den Namen „Wilhelmine" erhalten hat. Die Fischerstöchter vertauschten in Anbetracht des beschleunigten Tempos der Geschichte die Hauben mit Amsterdamer Hüten- Der Filmregisseur Jvens. derselbe, der den Film von den Magnitogorsk« Komsomolzen gedreht hat. wurde eingeladen, den Sieg des Men- scheu über die Natur festzuhalten: das Meer ward in sound- svwtel Tausend Hektar vorzüglichen Ackerlandes verwandelt. Alles hatten sie vorausgesehen: den Kostenaufwand für die Arbeiten, das Pathos der Leinwand und sogar den Schutz der nationalen Hauben. Vor ihnen lagen Aktenfaszikel mit Heerhaufen von Zahlen- Indessen, an einem grauen, nebligen Tag kam zu den bisherigen Zahlen eine neue: in den Getreidespeichern der Welt lagerten 660 Millionen Bushel Weizen— Weizen, der faulte, denn er war unver- käuflich. Korn ist keine Haube, es fürchtet nicht die Launen der Mode, es wird von allen und jederzeit gebraucht. Aber die Menschen erwiesen sich dümmer als die Maschinen: sie hatten sich verrechnet. Jedes Jahr säten sie immer mehr und mehr Weizen aus— in Kanada, i« Argentinien, in Australien. Die Vorräte stiegen, die Preise fielen, die Farmer standen vor dem Ruin. Auf dem ersten Stück trockengelegten Meeres hielt ein hol- ländischer Pastor einen Gottesdienst ab: möge es reiche Ernte tragen. Jenseits des Ozeans segneten andere Pastoren das Feuer. Sie waren keine Feueranbeter, sie segneten das Feuer nur darum, weil es zuviel Weizen in der Welt gab, und weil man ihn vernichten mußte. Wenn die hochgelehrten Oekonomen sagen, es gibt zuviel Weizen aus der Welt, darf man das nicht wörtlich nehmen. Für all die Millionen„überschüssiger" Buihel fänden sich hinreichend gesunde Zähne und leere Bauche- Wie schnell auch die Getreidevorräte in den SiloS gewachsen sein mochten, noch schnell« wuchs die Zahl der Arbeitslosen- Krümmten sich vor Hunger unübersehbare Chinesenmassen. Doch dies gehört ins Gebiet der Ethnographie ober der Se»- timents- Die Getreidebörse notierte den Weizenkurs. Die Banken verkrachten. Die Farmer machten finstere Gesichter. Auf einer internationalen Konferenz in der Stadt Rom be- gannen dt« Vertreter von 46 Staaten mit der Beratung eine« Projekte»„zur organisierten Vernichtung des Weizens. Eosin ist ein roter Farbstoff. Die Staatsmänner kamen aus den Gedanken, den Weizen mit Hilfe von Eosin zu de- naturieren. Sie wollten die Getretdepreise stützen: mochte da» liebe Vieh Weizen fressen! Ans dem denaturiert« Korn begann man Futter für die Kühe herzustellen- Das war eine herrliche Kulturerrungenschaft, aber die Geschichte vom Eosin ist erst das Beiwerk zum Märchen, das Märchen selbst kommt noch. Die Kühe der ganzen Welt fingen an, den schönen Weizen —„Manitoba" ober„Barlett"— zu fressen. Sie fraßen Weizen und gaben Milch- Die Menschen machten aus der Milch Butter. Außerdem aßen die Menschen Beefsteaks und Rostbeefs- Ein glücklicher Ausweg schien gefunden, wenn nicht für die Küche, so doch für die Menschen.. Doch wieber mischten sich die Zahlen ins Spiel, und nun bin ich genötigt, bei der verborgenen Natur dies« Zahlen zu verweilen. Es gibt dir Zahlen der Statistik. Sie werden von Fach- leuten studiert. Sie beeinflussen die eine oder die andere Entscheidung. Sie sind notwendig für Planwirtschaft. Sic erklären und dienen— es sind zahm« Zahlen- Dann gibt eS aber Zahlen, die Raubtieren gleichen. In Monte Carlo z. B. erscheint eine Zeitung, die weder Telegramme noch Ar- tikel, noch Chroniken der Ereignisse enthält. Diese überaus merkwürdige Zeitung ist nur mit einem angefüllt: mit langen Zahlensänlen. Schwachsinnige Spieler lesen diese Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite durch— in ihr stehen die am Vortag gefallenen Roulettezahlen. Diese Zahle» bedeuten nichts, außer Erinnerungen an frühere Verluste- Aber die Spieler werben trotzdem nicht müde, den geheimen Sinn dieser Zahlen zu finden. Die Spieler ge- hören in ärztliche Behandlung, aber was soll man von jeuer Welt des Weizen» und der Kohle, des Kupfers und der Butter, der Baumwolle und des Leders sagen, wo angeblich nüchterne und urteilsfähige Mensche» vor einem Hausen ebenso unfaßbarer und fataler Zahlen zittern und den Kopf verlieren? So stürzte eine weitere Zahl auf sie herab: r» gibt zuviel Vieh, zuviel Kühe, Stiere. Kälber. Die Dänen bauten einst Weizen. Rechtzeitig ließen lie da- von ab, d« sie begriffen, daß sie mit Amerika doch nicht Schritt halten konnten. In Amerika gab«S beliebig viel jungfräuliche» Land, bi« Dänen hingegen lebten auf kleinen Inseln. Reichtum konnten sie sich nur durch ausdauernde Arbeit und hohe Kultur erwerben. Sie begannen Hornvieh und Schweine zu züchten- Sie schafften eS: in einer grausamen und wild bewegten Welt schien Dänemark eine glückliche Ausnahme,«ine idyllische kleine Insel, ein weißes Häuschen unter Ahornen. Di« Bauern tranken Cocktails und fuhren Auto. Man durste erwarten, daß sie bald zum Champagner übergehen und sich kleine Flugzeuge zulegen würden Ins Spiel m'schten sich die Zahlen: die Krise brach au». Wie bisher dickte sich der fette Rahm, wie bisher warfen die kinderliebenden Schweine jedes ein Dutzend zarter Ferkel, wie bisher verhieß da» Todesgebrüll aus den Schlachthöfen saftig« BeesteakS. Nicht das Vieh versagte, es versagten die Menschen: die anderen Länder hörten auf, den Dänen ihre erstklassigen Erzeugnisse abzukaufen. Nirgends hatten die Kühe es so gut wie in Dänemark. Das ist überhaupt ein angenehmes Land: die Leute bort sind gast- freundlich, die Häuser sauber und da» Grün so zart, das man einen beliebigen Meierhos für das biblisch« Eden halten könnte- Auch den Leuten in Dänemark ging eS gut, aber ein besonders schönes Leben hatten die Kühe. Ich war vor vier Jahren in Dänemark und beneidete im Grunde meines Her- zens mehr alS einmal diese schwermütigen Geschöpfe. Sie lebten in prachtvollen Ställen mit fließendem Wasser— kal- tem und warmen— ergingen sich im Sommer aus Weiden, frisch wie Garienrasen. waren von Achtung und Liebe um- geben. Jede Kuh hatte ihr eigenes Buch, darin wurden alle Ereignisse ihres KuhdaseinS aufgezeichnet- Man wählte ihr würdige Liebhaber. Wenn sie zur unrechten Zeit muhte oder auch nur ein bißchen weniger fraß, als ihr oblag, stürzten die besorgten Besitzer sogleich ans Telefon— und aus dem nächsten Städtchen kam. wichtig rvie ein Professor, der Tier» arzt angefahren. Jetzt bemüht man den Tierarzt viel seltener: lohnen sich— bei den Butter- und Fleischpreisen— die Behanbungskosten? Ja, lohnt sich heute überhaupt noch die Aufzucht dieser Schönen die so rätselhaft im Preise sinken? England. Deutschland, Frankreich, sie alle haben die Buttereinsuhr eingeschränkt. Die Butter ist stark im Preis gefallen. Unlängst noch floß aus dem Euter der Kuh flüssige» Gold, jetzt fließt daraus am ehesten Wasser. Gewiß, handelt es sich um eine gut milchende Kuh, so lohnt sich ihre Pflege- Schlimm aber ist es, wenn der Eiser der Kuh erlahmt— dann treibt man sie nicht mehr aus die biblischen Weiden, sondern zur Schlachtbank- Biel ïchlimmer al» mit der Butter steht eS mit dem Fleisch. Abnehmer für dänisches Fleisch war hauptsächlich Deutsch- land. Den ersten Stoß gob der Aussuhr nach Deutschland die Arbeitslosenzahl. Millionen Deutsche gingen vom Fleisch zur Kartoffel über. Hierauf griffen hochpolitische Probleme in das Schicksal des Rindfleisches ein: die Nationalsozialisten erklärten das dänische Schleswig sei eigentlich deutsch. In Schleswig wird Schlachtvieh gezüchtet- Die Deutschen kauften kein Fleisch mehr: sie gedachten, wenn nicht da» Herz, so die Tasche Schleswigs zu treffen. Aus einmal war die Grenze gesperrt. Die Wirtschaftler meldeten sehr wichtig eine Ueber- Produktion an Fleisch. Die Dänen wurden mutlo»: was sollten sie mit diesen überschüssigen Kühen ansangen? Schon waren sie braus und dran, Büchsenfleisch zu fabri- zieren, da stellte Argentinien sich ihnen in den Weg- In diesem Argentinien gibt es von allem zuviel: zuviel Weizen, zuviel Wolle, zuveil Fleisch. Argentinien verkauft sein Büchsenfleisch zu einem Preis, der knapp die Kosten für die Büchse» übersteigt. Die Dänen fanden für ihre Konserven keine Abnehmer. Was also sollten sie mit den Kühen anfangen? In einer kleinen Stadt der Insel Laaland sah ich die letzte Errungenschaft der kapitalistischen Zivilisation. Landwirte führten gesunde, junge Kühe zum Schlachthof. Es waren die weltberühmten schwarzbraunen Kühe Dänemarks. An der Schaffung dieser bemerkenswerten Rasse hatte mehr als ein Menschengeschlecht gearbeitet. Wieviel« Bauern Glück hätten diese„Braunen" noch sein können? Man trieb sie zur Schlachtbank, und der Aufnahmcbeamte vermerkte kurz: „Zur Vernichtung." Die Fleischpreise fielen von Tag zu Tag. Um den Sturz anfznhalten, begann der Staat da? Vieh zu vernichten- Zu- erst wurden die kranken Tiere vernichtet. Dies ließe sich noch mit der Jörge um die Gesundheit der Bevölkerung erklären. Hierauf kamen die schwachen und alten Kühe an die Reihe— da» geschah angeblich zur Hebung der Qualität dcS Fleische«. Jetzt vernichtet man die jungen und kerngesunden Kühe, und jetzt ist man mit den Erklärungen am Ende- Die Zeitungen schweigen. Die Veterinäre in den Schlachthäusern schweigen. Die Landwirte schweigen. Woche für Woche werden in Däne- mark fünftausend Kopf Hornvieh vertilgt. Sechs Prozent der Kadaver werden zur Fabrikation von Seile und anderen technischen Produkten verwandt. Der Rest wird verbrannt— verbrannt das Suppenfleisch der Armen, der Braten der Familie, verbrannt, weil eS, wenn man den verehrungswürdigen Wirtschaftlern glauben soll, in der verelendeten, darbenden Welt zuviel Fleisch gibt. In der Stadt Naksov jedoch hat man ein Verfahren zur „vernünftigen Verwertung des Fleisches" ersonnen. Es wird nicht vernichtet, sondern für hohe Zwecke verarbeitet. Dort ivar es, wo ich die Maschine erblickte, die mich in so tiefes Er- staunen versetzte. Diese Maschin« verwandelt unter Donnern und Krachen Fleisch und Knochen in eine Masse. Die Masse wird gekockt, gepreßt, und statt der Tierrümps« liegen erd- farbene Kuchen da: Schweinefntter? So wäre denn der Aus- weg anS der Krise gefunden: man vernichte die Kühe, um mit ihnen die Schweine zu füttern? Die Löluna dieses Produktionsrätsel ist einlach: England kaust noch Schweinefleisch. Dir englischen Hausfrauen ver- langen noch Bacon, und die dänischen Schweine sind er» schaffen, erzogen und vorbereitet für dies eine: auf den Früh- stllckstisch der Engländer zu kommen. Früher wurden in Dänemark scheckige Schweine gezüchtet. Ihr Fleisch und ihr Speck sind nicht schlechter als das Fleisch und der Speck der weißen Schweine. Aber die Engländer sind spleenig« Leute, sie verwerfen die scheckigen Schweine, scheckige Schweine sind heute Parias, sie kosten nur halb soviel wie weiße. Beinahe jede Woche schränkt England die Menge der ein- zuführenden Schweine ein. Bacon bleibt Bacon, und alle Engländer wissen, daß es in der ganzen Welt keinen besseren Bacon gibt als den dänischen. Aber auch die Dominions blei- ben Dominions. Man hat nicht nur auf die Zartheit des Specks, sondern auch aus die Ansprüche Neuseelands zu sehen. Vielleicht wird schon bald die englische Grenze ebenso für dänische Schweine gesperrt sein wie die deutsche Grenze für dänische Rinder. Und dann? Dann wird man als nächstes diese Schweine vernichten, dt» einstweilen noch sorglos daS Fleisch der vernichteten Kühe verschlingen., Da ist er, der tragische Reigen der kapitalistischen Welt! Sie trocknen Meere aus, um Weizen zu säen. Hieraus ver- Nichten sie den Weizen: sie machen daraus Kutter für die Kühe. Hierauf vernichten sie die Kühe und machen aus den Kühen Schweinefutter. Gewiß ist schon ein findiger Kops am Werk, ein Projekt zur rationellen Verwertung der Schweine auszuarbeiten, mit deren Vernichtung die Dänen morgen beginnen werben. Schon grübeln die Landwirte, wodurch sie Kühe und Schweine ersetzen könnten. Ihre Zähigkeit, ihre Arbeits- freude sind unausrottbar. Sie wenden sich nunmehr dem Ostbau zu und pflanzen Aepfel und Birnen. Sie werden dir Früchte ins Ausland verkaufen. Vorläufig sind es erst Bäume. Sie werden von Insekten überfallen, und gegen Insekten kann man kämpfen. Aber der Tag ist nicht fern, da tolle Zahlen über sie herfallen werden, die den Zahlen der Roulette gleichen, und dann wird man diese kostbaren Gärten abholzen müssen. Nirgends ist die Wirkung der stumpfen, zertrümmernden Kraft des Kapitalismus eine so jähe wie in diesem kleinen, wohlgeordneten Land Dänemark. Hier ist jeder Zoll Boden gepflegt wie ein Blumenbeet. Die Menschen hier sind ge- wohnt von früh bis spät zu arbeiten. Hier ähnelt ein Schweinestall eine Klinik, und die Arbeit des einfachen Bauern ist eng verknüpft mit den letzten Errungenschaften der Wissenschaft. Diese» Land hat die Fata Morgana eines allgemeinen Wohlstandes erlebt. Natürlich ist auch heute daS Leben dort vollkommener und leichter als in Deutschland oder England. Aber die Dänen haben gesehn, biS zu welchem Grade ihr Schicksal mit dem Schicksal der ganzen Welt ver- bunben ist. Die Wogen überfluten die glückliche kleine Insel. Bisher haben die Dänen weder den Hunger noch da» Elend kennen gelrnt, aber sie haben schon etwa? Bittereres erfahren müssen: die Bergeblichkeit der Arbeit. Das Schauspiel der vernichteten Kühe ist für jeden Men- schen unerträglich. Ich sah die schmerzliche Grimasse im Ge- ficht de« städtischen Veterinärs. Ich sah die finsteren Mienen der Arbeiter, die die rätselhafte Maschine bedienten. Da» ist nicht bloß 6 itervcrtilgnng. das ist BanbaliSmu». Allen Blicken sichtbar ist die Schändlichkeit jener Scheiterhaufen, auf denen heute tollgewordene deutsche Faschisten Bücher ver- nickten. Aber auf die verbrannten Tierriimpie schauend, er- innerte ich mich an die Scheiterhausen der Bücher: die menschliche Arbeit geht zugrunde, und niemand, der weiß, wa» Arbeit ist, kann ohne Erregung diesem stumpfsinnigen, fürchterlichen Werk zusehen. Es liegt in der Vernichtung de? Fleisches noch etwas anderes, ebenso beschämende?. Ich will jetzt nicht von den Hungergespenstern reden, die ich in den Straßen Berlin? und Manchesters sah. Ich erinnere nur an die benachbarten ver- hältnismäßig intakt gebliebenen Länder. In Schweden, im Gebiet der Forstindustrie, sah ich tausende Arbeitslos«, die nur zwei oder dreimal im Jahr Fleisch aßen. Ich sah in Kramsors Arbeiter der Zelluloiefabriken, die sich von Kar- tofseln, Heringen und Hafergrütze ernähren— Fleisch ist un- erschwinglich. Ich sah in Trondhjem feiernde Matrosen und Lastträger— sie mußten die Hand ausstrecken und um einig« Oer« für Brot bitten. Sie essen niemals Fleisch. Ich weiß gut, was Hunger ist, und eß war für mich schrecklich, auf da» Fleisch zu schauen, baß vor meinen Angen sachkundig nnd ge- wisscnhaft vernichtet wurde. Das Schiff, das mich von Dänemark nach Frankreich brachte, war mit alten Gäulen beladen. Die Armen von Pa- riS werden daS trockne, zähe Pferdefleisch kauen. E« existieren Schutzzölle. Es existiert eine„Fleischpolitik". Es existieren Zahlen. Eine alte Schindmähre aber kann man nach Frank- reich ausführen, und sie kostet in Dänemark mehr alS drei junge Kühe. Das ist wie Fiebertraum. DaS ist jedoch jene Oekonomie, nti* der sie n°ch immer die Welt zu retten ver» suchen. VermSLen d^cst'ovn-limt Elender ver»S« Der heutige„ReichSanzeiger" veröffentlicht eine Bekannt- machung. wonach auf Grund des Gesetzes über die Sin- ziehung kommunistischen Vermögens und der einschlägigen Verordnungen daS gesamte Eigentum deS Bankiers Hugo Simon in Berlin, Landgrafenstraße 17, zurzeit im Ausland«, eingezogen wird. Ansang des Jahres 1919 war Simon für kurz« Zeit, al» unabhängiger Sozialdemokrat, preußischer Finanzmintfter. AlS Bankier war er bisher Mitarbeiter des Bankhauses Bett, Simon u. Co. Bei der BeschlagnahnzL handelt eS sich im wesentlichen um das Gut Seelow in der Mark. Seit dem Jahr« 1919 ist Simon politisch nicht mehr hervor- getreten. Die Beschlagnahm« ist also«in Racheakt für«in« politische Tätigkeit, die 14 Jahre zurückliegt. Kurz vor dem l. Oktober wurden die Häuser Berlin» be- klebt mit einem Zettel: Auch du hißt am 1. Oktober die Hakenkreuzfahne, sonst bist du ein Feind der na- ttonalsozialistischen Regierung. Die in Deutsch- land bestehende Angst vor der Barbarei der RaziS hat un- zohltoe Menschen gezwungen, sich eine Fahne zu kaufen. Am«onnabenb waren in den Geschäften, auch in den jü- bischen Warenhäusern, die„überzeugten Nazis" feste am Fabncneinkausl S o wird„Begeisterung" geschaffen. Aber Herr Göbbels schwindelt den Journalisten in Genf vor, daß es in Deutschland keinen Terror gebe! Wer weiß, wa» e» bebeutet, als StaatSfeind erklärt zu werden, kann die Ge- meinheit dieser Fahncnaktion erkennen. StaatSfeind heißt: Keine Arbeit, kein Unterstützungsanspruch! vie AEG. berichtet, eS sei unter dem Einfluß der Arbeitsbeschaffung ein« gewisse Belebung im Inlands gefchäst eingetreten, die die Neueinstellung von einigen tausend Ar- beitern gestattete, jedoch seien die Preise weiter gesunken. n S) eut m àe ftimmen Feuîlletonbeîlage der„Deutschen Freiheit"* Mittwoch, den 11, Gktober 1933* Ereignisse und Geschichten ^Begegnung © er tj ort Hauptmann hat dieser Tage eine seltsame Begegnung erlebt, Er ging in den Dünen von Hiddensee spazieren und strebte träumerisch einer Bank zu. als ein Mensch, wie auS dem seewärts treibenden Nebel gewachsen, vor ihm stand. Ein breiter Hut saß dem anderen tief im Gesicht, die beginnende Dämmerung hüllte ihn in Grau. To lagte er stumm und schlank aus den Dünen und versperrte vtrt Weg. Wer sind Sie? Was wollen Sie? fragte der greise Dichter verdutzt. « Der andere(mit unheimlichem Lachens: Wer ich bin, mühtest Du eigentlich wissen. Ich bin derselbe wie früher. Du,»u welcher Mumie bist Du vertrocknet? Einst hast Tu die „Weber" gedichtet, hast den„Florian Geyer" geschrieben— jetzt huldigst Du Mussolini, schreibst Prologe für faschistische Feiern, verbrüderst Dich aus Hiddensee mit Hitlers braunen Sadisten, stimmt daS? Hauptmann(Betroffen): Wie kommen Sie zu dieser Fragerei? Die Leute waren sehr nett zu mir warum sollte ich ihnen frinb sein? Der Dichter umsaht alle mit der gleichen Liebe, ob sie recht? stehen oder links. Gottes Sonne scheint ja auch über Gerechte und Ungerechte... Derandcre:Du salbaderst wie ein Pfaffe, ich aber spreche von dem, was Du einst gelehrt. Die besten Deiner Werke„stehen links". Die „Weber" fordern Menschlichkeit und Freiheit, Dein„Florian Geyer" wirst der Despotie und Unterdrückung den Fehdehandschuh ins Gesicht und stirbt dafür. 1919 hast Du in Breslau eine Rede steigen lassen— für Republik und Demokratie, für die Errungen- schaft des November. Hast Du daS alles vergessen? Hauptmann: Inzwischen sind U> Jahr« vergangen. Ist'S meine Schuld, wenn die Demokratie nicht hielt, was sie versprach? Auch daS Hakenkreuz will die Welt erlösen— warten wir ab... Der Dichter steht über den Zinnen der Partei... Der andere: Aber er steht nicht über den Zinnen der M e n s ch- ltchkeitl Glatt bist Du wie ein Aal, doch setzt habe ich Dich und keine philosophische Dialektik rettet Dich. Du warst im Ausland, hast aus- ländische Zeitungen gelesen. Weiht D» nichts von den Konzentrations- lagern, von den sinnlosen, sadistischen Demütigungen jener, die einer fried- lichen Gesinnung lebten, von erschla- genen Männern und Frauen, von den Mädchen, die einer jüdischen Freundschaft wegen durch deutsche Strassen Spießruten lankcn muhten, von dem Greuelsumpf der Hitler— G»r,ng? Hauptmann fstammelndl: Un» ldltger Blutwahn gepeinigter, l«i- vender Kreatur... . Der andere: Lass Deine abgedroschene Philosophie, alter Heuchler! Was tatest Du gegen den Blutwah»? -Wichts! Hast Du nicht gelesen, wir hämisch die Nazipresse "wer Deinen Selbstmord berichtete? Schämst Du Dich nicht? «as tatest Du für Deine geächteten, geschundenen, verjagten Freunde? Hauptmann: Meine Freunde? Der andere: Ah, Du weiss! plötzlich auch von ihnen utchts mehr. Demokraten, Sozialisten und Juden waren Deine Freunde. Ein Konrad Hönisch hat Dir und Deinem Schaffen in Freundschaft ein Buch gewidmet, «lfred A err hat in guten und bösen Tagen Dein Werk gefördert und verteidigt. S. Fischer hat Dir den Weg oerettet. Arno Holz lehrte Dich einst literarisch laufen, »henkte Dir Geist von seinem Geiste! Er hungerte, Du aber wurdest reich und hattest nichts für ihn! Reichtum und »rfvlg haben Deine Seele verödet. Du hieltest, Millionär geworden, auk einen hohen Tarif,' jedes Auftreten, jedes ne leichte Absatzminderung infolge des Aufhörens der Sommerrabatte meldete, hat der September einen Still- It a n d in dieser Bewegung gebracht. Die Lage des inländischen Erzbergbaus wirb sich weiterhin bessern, da die Uebernahmeverpflichtungen der Hüttenwerke für das letzte -Vierteljahr auf Grundlage der stark erhöhten Rohstahlerzeu- gung noch größer wird. Außerdem haben sich die Werke an Rhein und Ruhr verpflichten müssen, jährlich 15 000 Tonnen Schmalkaldener Erze zu beziehen. Die Lage der K a l i- u n d Erdölindustrie ist günstig geblieben. Der Beschästi- gungsgrad der Großeisenindustrie hat stellenweise »och nennenswert zugenommen, vor allem in Oberschlesien. Dort.hob sich die Erzeugung in den Stahl- und Warmwalz- werken um etwa 70 Prozent über den Stand des September Die Lage der Maschtnenindustrie ist nach wie vor uneinheitlich. Die Landmaschineninbustrie ist noch stark be- schäftigt. Im Waggonbau war keine AuftragScrhöhung zu melden. Die A u t o i n d u st r i e ist nach wie vor sehr gut beschäftig und rechnet mit dem Anhalten ihrer Konjunktur Uber den Winter hinaus. In der Werkzeugindustrie hat die Besserung der Absatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Arbeitsbeschaffung angehalten,' sie bietet aber bisher keinen Ausgleich für die starken Ausfälle im Auslandsge- schäft. In der elektrotechnischen Industrie hat im Be- richtsmonat eine leichte Besserung stattgefunden. Die chemische Industrie meldet eine ruhige Geschäftslage. In her T e x t i l i n d u st r i e haben die Aufträge meist et- was abgenommen. In der Lederindustrie sind me Preise für Rohmaterial wieder etwas zurückge- gangen. Im Holzhandel und in der Holzindustrie kann man noch von einer befriedigenden Be- sch S ft i g u n g sprechen. Die Holzpreise haben um etwa 10 Prozent angezogen. In der M ö b e l i n d u st r i e ist die erwartete Belebung noch ausgeblieben. Die lange Zeit schlechte Lage der Papierindustrie wird nunmehr als n i ch t u n g ü n st i g bezeichnet. In der G l a s- industrie hat sich das Jnlandgeschäft etwas gebessert. Auch bei der P o r z e l l a n i n d u st r i e war eine geringe Erhöhungen der Bestellungen festzustellen. Der Beschästi- gungSgrad im Hochbau ist etwas zurückgegangen. Der Indu- striebau ruht nahezu völlig. Günstiger hat sich wiederum die 7-age im Tiefbau gestaltet, gm der Fleischwaren- industrie ist der Absatz besser geworden. Die Lage des Einzelhandels ist uneinheitlich. Im Getreidehandel und bei der Mühleninbustrie brachte der Monat September eine Umstellung, die durch die Fest- preise für Brotgetreide hervorgerufen ist. Im Futter- Mittelhände! belebte sich daö Geschäft in manchen Gegenden. Der jahreszeitlich bedingte niedrige Wasserstand auf den deutschen Strömen zwang die Schiffahrt zu stärkerer Inanspruchnahme von Kahnraum. Obgleich dadurch mehr Schiffer Verdienst hatten, ist deren Lage noch recht un- günstig. Eine Belebung zeigte sich um die Monatsmitte auch an den deutschen Börsen. Infolge der RegierungS- maßnahmen belebte sich insbesondere der Rentenmarkt. Der Geldmarkt zeigte keine besondere Anspannung. Erst gegen Monatsende wurde die Reichsbank etwas stärker be- ansprucht. Wenn auch in einzelnen Industriezweigen sich mne kleine Belebung der Aussuhr zeigte, die in einer bessern Außenhandelsbilanz zum Ausdruck kam/so ist doch die AuS- fuhrmöglichkekt bei den meisten Zweigen der deutschen In- öustri« nach wie vor schlecht. Packs Bekanntlich hat der Marxismus nur Verbrechen began- gen. Zu seinen Hauptverbrechen gehört auch die Schaffung von Wohnstätten. Die Nazis haben diese Siedlungsbauten ekenso wie das sonstige Arbeitereigentum gestohlen. Jetzt schreiben ste über die von den Marxisten geschaffenen Bau- ten, daß ste„wirklich zeitgemäße Heimstätten* sind. Vor dem Diebstahl aber waren es Bonzenpaläste, Bon- zrnalleen, Bonzenburgen. Nachdem uns die Spitzbuben das Eigentum gestohlen haben, preisen sie es als ihr Werk. Pack! Werbt für die„Deutsche Freiheit"! Onkel Lahusen Der Dreh Im Bremer Presen seienden Bremen, 10. Oktober. Im Prozeß gegen die Brüder Lahusen trat die Straf- kammer heute in die Erörterung der den Angeklagten vor- geworfenen handelsrechtlichen Untreue ein. Den Angeklagten wird unberechtigte Entnahme von Aktien und durch Konten- Übertragungen bewerkstelligte Entziehung von Mitteln aus der Nordwolle in Höhe von rund 10 Millionen Gulden gleich 17/5 Millionen RM. vorgeworfen, und zwar verteilt sich dieser Betrag mit 11,7 Mill, aus G. C. Lahusen und mit 5,8 Mill, auf Heinz Lahusen. Außerdem erblickt die Anklage in Tantiemeüberweisungen im Jahre 1920 von gegen eine Million an G. C. Lahusen und von über 900 000 RM. an Heinz Lahusen zu einem Zeitpunkt, wo ein Verlustabschluß bei der Nordwolle zu erwarten war, die Verschaffung nn- berechtigter Vermögensvorteile. G. C. Lahusen hat sich außerdem 000 900 Gulden überweisen lassen. Vor Eintritt in die Verhandlung teilte der Vorsitzende mit, daß dem Gericht von den Angeklagten Ende der ver- gangenen Woche eine genaue Ausstellung über diese Entnahmen zugegangen sei. Diese enthielten z. T. vollkommen neue Be- hauptungen, von denen die Angeklagten bisher kein Wort gesagt hätten. Anscheinend wollten ste die Entnahmen jetzt unumwunden einräumen. Der Angeklagte G. C. Lahusen er- klärte sein damaliges Schweigen vor dem Untersuchungs- richter daraus, baß er seiner Zeit rasch zu einer Hauptver- Handlung habe kommen wollen. Nach seiner Darstellung habe »Olingen.erspart' 250 Millionen Die Nazipresse meldet: Solingen. Die Stadtverwaltung hat mit ihren sämt- lichen Gläubigern Verhandlungen wegen einer Senkung der Zinssätze, Aussetzung der Tilgung usw. auf- genommen, die zum Teil bereits erfolgreich waren. Freitag nachmittag hat nun eine dringende, nichtöffentliche Stadt- verordnetensitzung stattgefunden, die sich mit einem wei- teren Falle dieser Art beschäftigte. Es handelte sich um die Ablösung einer Anleihe von 550 000 Mark, für die bis- her noch ein Effektivzinssatz von 7,9 Prozent gezahlt wer- den mußte. Die Gläubigerin hat sich mit der Rückzahlung einverstanden erklärt unter Gewährung eines Kapital Nachlasses von 40 Prozent. Dadurch spart die Stadt allein an der Kapitalsumme einen Betrag von 220 000 Mk. Außerdem tritt eine jährliche Ztnserspar- nis von 22 000 Mark ein, da das zur Abdeckung der Anleihe erforderliche neue Darlehen wesentlich niedriger zu ver- zinsen ist. Eine sonderbare Art des„Sparen«", wenn der Schuldner seinen Gläubigern für 100 Mark nur 00 Mark zurückzahlt. In früheren liberalistifchen Zeiten nannte man«so etwas eine Pleite. Wenn demnächst die Inflation kommt, werben die Schuld- ner noch viel mehr„ersparen*, und die Gläubiger gucken in den Mond. rast l Million Der 0. Ausschuß der Völkerbundsversammlung beschäf- tigte sich mit dem Bericht des Internationalen Nansen- Amtes für Flüchtlingsfragen". Aus dem Bericht geht her- vor, daß gegenwärtig in Europa, im Nahen Orient und in Ehina insgesamt 934000Flüchtlinge leben, von denen 149 000 vollkommen arbeitslos sind und 55 000, darunter Kriegsinvaliben und Kinder, keinerlei Möglichkeit zum Leben haben. Durch Vermittlung des Ransen-Amtes sind im letzten Jahre fast 78 000 Flüchtlinge u n t e r st ü tz t worden- Diese Unterstützung geschah durch Vermittlung von Pässen und Visen, Rechtsbeistand, Verhinderung von Ausweisung, Ar- beitSvermtttlung und direkte finanzielle Unterstützung. Der Bericht stellt fest, baß die Arbeit des AmteS durch den be- trächtlichen Rückgang von Subventionen, von Geldern, welche verschiedene Regierungen zur Verfügung es sich bei den Entnahmen um die Umwandlung von Bezüge« die ihm bei der Nordwolle zugestanden hätten, und die teil« weise Umwandlung anderer Bezüge, die er in Holland er- halten habe, gehandelt. ES sei jeweils auf einen Teil der Bezüge in Deutschland verzichtet und über den Weg einer Kapitalisierung dafür eine Abfindung in Holland gewährt worden. Die Einbeziehung stiller Reserven in die Tantiemen- rrrechnung sei ans den damaligen Ansstchtsratsvorsttzenden Reichs« g er ich ts rat a. D. Lahusen seinem Onkel der An, geklagten, der im April 1927 gestorben ist) zurückzuführen. Der Vorsitzende nahm Veranlassung, wiederholt in außerordentlich scharfen Worten besonders dem Angeklagten G. C. Lahusen vorzuhalten, daß er bis heute von dieser Berein- barung mit seinem Onkel nichts gesagt habe.— Auf weitere verschiedene Vorhalte wird erneut festgestellt, daß schriftliche Abmachungen über die Ansprüche in Holland nicht vorliegen und der einzige, mit dem die Vereinbarung getroffen war, gestorben ist. Damit scheinen ja die Förderer und Gelbgeber der nationalsozialistischen Bewegung Deutschlands nunmehr zur Freude der Nazis den„richtigen Onkel* gefunden zu haben, auf den man die Anklage abkippen kann. Daß er tot ist, kam wohl allen gelegen, die den ganzen Lahusenprozeß als ein« unangenehme Angelegenheit für das nationalsozialistische Deutschland empfanden. stellten, sonne durch den fast völligen Ausfall der Unter- stützungsbeiträge von privater Seite, von philanthropischen Einrichtungen usw. wesentlich erschwert worden ist. Sodann teilt der Bericht mit, baß daS Nansen-Amt einen Abkommensentwurf zum Schutz der Fliicht- linge ausgearbeitet habe, der in einer am 20. Oktober d. I. zusammentretenden Konferenz beraten werden soll- DaS Abkommen sieht für die Flüchtlinge vor, ste in den Genuß der bürgerlichen Rechte zu setzen, ihnen Sicherheit, Nieder» lassungs- und Arbeitsrecht zu geben, sie zu Schulen und Uni» versiläten zuzulassen und ihnen den Gebrauch der Titels „Flüchtling* im Sinne der zwischenstaatlichen Vereinbar»»- gen vom 12. Mai 1920 und vom 80. Juni 1923 über die Gül- ttgkeit der Nansen-Pässe zu gestatten. Emigronfenkommlssar des VOlkerbnnds? Im Unterausschuß der Wirtschaftskommission der Völker- bundsverfammlung wurde heute vormittag über die Frage der Einsetzung eines Kommissars für die aus Deutschland abge« wanderten Inden und anderen Flüchtlinge beraten. Es han- Helte sich darum, ob dieser Kommissar ein Organ deS Völkerbundes oder eine autonome Einrich» t u n g werden soll. Der deutsche Vertreter hielt an dem Standpunkt fest, daß Deutschland die Einsetzung eines auto- nomen Kommissars, der insbesondere nicht an den Völker- bund zu berichten hätte, nicht hindern würde. Von französischer und anderer Seite wurde der Versuch er- neuert, den Flttchtlingskommiffar in eine möglichst enge Ver- bindung mit dem Völkerbund zu bringen. Die Verhandlun- gen sollen heute nachmittag fortgesetzt werden. Vielseitiger Mann (Jnpreß.j ES ist interessant festzustellen, welche Titel Göring besitzt: er ist Preußischer Ministerpräsident, Präsi- dent des Preußischen Staatsrates, Preußischer Innen- minister, Reichsluftfahrtminister, Präsident des Reichstags, General der Infanterie in der Reichswehr, Preußischer Polizeigeneral, Hauptmann a. D. der kaiserlichen Armee und letzter Kommandeur der roten Richthofen-Stasfel, sowie Nazi-Sturmtruppführer. Die Titel des Morphinisten-GeneralS und Brandstifters, die ihm die Welt verlieh, sind von der deutschen Regierung noch nicht anerkannt worden. * O M AN VON l 0 N AZ1 O S 1L 0 N E Berardo Viola wandte schließlich ein:„Warum verteilen eigentlich die Cabinieri solche Machwerke? Warum läßt die Regierung des Prinzen Torlonia und der Banken solche Schriften zu? Warum will sie sich als Cafoni-Regierung verkleiden?... Warum will sie die Cafoni im Namen der Cafoni plündern und morden?... Da merkten wir zum erstenmal, daß sich die Regierung als eine Cafoni-Regierung ausgab, obwohl gerade ste die Cafoni dem Hunger ausgeliefert hatte. »Jede Regierung ist immer gegen die Armen gewesen*, versuchte der Held der Porta Pia zu erklären.„Aber die jetzige ist eine ganz besondere Regierung... Sie ist zwar gegen die Armen, aber aus eine besondere Art... Unter denen, die ihr Blut bei der Schaffung der neuen Regierung vergossen haben, waren viele Arme- Ich spreche nicht von mir und Leuten meiner Sorte, obwohl man nicht sagen kann, daß wir gerade reich gewesen wären. Aber ich spreche von den Be- amten, den Eisenbahn- und Tramangestellten, den Hand- langern, die unter den ersten Faschisten ivaren... Ich spreche von den Angehörigen der Miliz, von denen die meisten auch keine Millionäre sind, sondern arme Cafoni. Ohne sie könnte sich daS heutige Regime nicht lange halten,' es hat sie drin- Send nötig. Je mehr die Regierung die Interessen de» Prinzen Torlonia und der Banken vertritt, umsomehr braucht sie das Volk, umsomehr muß ste glauben machen, die Regierung der Cafoni und aller Arbeiter zu sein.* Das, was der Held von Porta Pia sagte, war nicht sehr klar. Aber seit einiger Zeit schon war nichts mehr ganz klar. Der Impresario raubte nach rechts und raubte nach links, da» war klar Aber er tat eö im Namen deS Gesetze» und da» war weniger klar. Die Miliz war nach Fontamara gekommen, hatte verschie- dene Frauen vergewaltigt, auch daS war klar. Aber sie hatte es im Namen des Gesetzes und in Gegenwart des Polizei- kommissarS getan und das war weniger klar- In Avezzano hatte man die Pacht für die kleinen Pächter erhöht und die der großen verringert, auch das war klar- Aber den Vorschlag hatte der Vertreter der kleinen gemacht und daS war weniger klar- Die sogenannten Faschisten hatten mehrfach unbescholtene Leute verprügelt, verwundet und auch getötet, nur weil sie den Impresario störten und das war klar. Aber die Täter und Mörder waren jedesmal dafür von der Regierung belohnt worden, und das war weniger klar- Man kann wohl sagen, daß— wenn man eS im Einzelnen prüfte— alles Unheil, das aus uns niederprasselte, keines» wegs neu war und eS finden sich dafür viele Betspiele in der Geschichte. Aber die Art, wie eS über uns kam, war neu und unheimlich. Wir begriffen überhaupt nichts mehr. Das wenige Korn, daS von der künftigen Ernte in Fonta- mara bleiben solle, war noch grün, schon im Mai vom Im- presario aufgekauft worden. Wir wunderten uns sehr, daß der sonst so vorsichtige Mann eS wagte. Getreibe im Mpi zu tf'stm, wo noch niemand den Marktpreis ahnen konnte. Aber wir hatten Geld nötig und so verkauften wir; das gleiche taten auch die Cafoni der benachbarten Dörfer. Wäh- rend der Ernte löste sich das Rätsel: die Regierung erließ ein Gesetz zu Gunsten des einheimischen Korn» und sein Preis stieg für den Doppelzentner von 120 auf 170 Lire. Offensicht- lich hatte der Impresario schon im Mai von dem bevor- stehenden Gesetz gewußt, und so verdiente er aus einen Schlag an jedem Doppelzentner unsere» Korns, noch ehe eö ge- erntet war, 50 Lire. Tumit hatte er den Gewinn unserer Arbeit in seine Tasche gesteckt. Den ganzen Gewinn des PlügenS, des Säens, des Eggen«, des JätenS. des Ernten«, de» Dreschens: der ganze Gewinn eines arbeitsreichen Jahres war in seine Tasche ge- flössen. Die Cafoni pflügten, säten, jäteten, hackten, ernteten, droschen, und wenn dann alles fertig war, kam der Jmpre- sario und verdiente. Es kam die Bank und verdiente. Konnte man sich dagegen wehren? Nicht einmal daS konnte man Alles war gesetzlich, äußerst gesetzlich. Nur unser Protest wäre ungesetzlich gewesen. Seit einiger Zeit war überhaupt aller Raub an den Cafoni gesetzlich Wenn die alten Gesetze dazu nicht ausreichten, wurden neue gemacht. Berardo Viola. Raffaele Scarpon« und ich hatten bei Don Circostanza noch ein Guthaben für eine Neupflanzung in seinem alten Weinberg hinter dem Kirchhof, der letztes Jahr bei einer Ueberschwemmung zur Hälfte vernichtet worden war. An einem Sonntag Vormittag gingen wir in da« Hau» de» Volksfreundes, um unser Guthaben einzuziehen. Don Circostanza gab uns die Hand und umarmte jede» einzeln, obwohl er noch nicht betrunken war. „Wie viele Tage bin ich euch schuldig?" fragte er. Berardo Viola hatte fünfzehn Tage gut, Raffaele Scar» ponc und ich je zwölf: für einen gebildeten Mann, wie Don Circostanza. war das keine schwere Rechnung. Der Volksfreund aber machte ein düsteres Gesicht und schwieg einige Minuten. Er ging zwei- bis dreimal in seinem Studierzimmer hin und her, sah zum Fenster hinaus, hielt das Ohr an das Türschloß, um sich zu vergewissern, ob nie- mand horchte. Dann kam er näher und flüsterte mit vor Er- regung zitternder Stimme: „Es ist furchtbar..- Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie uns die Regierung verfolgt- Jeden Tag erfindet sie ein neue» Gesetz gegen uns. Wir sind weder Herr über uns, noch über unser Geld" Das machte uns großen Eindruck. Sollte die Regierung an» fangen, auch die Vornehmen zu verfolgen? „Ein Wort von Euch und alle Cafoni stehen auf wie ei» Mann!* gab Berardo zur Antwort. „Nein, nein! Darum handelt es sich nicht,* sagte Don Circostanza entsetzt.„Aber um eine noch viel fatalere Sache. Hier habt ihr drei Lohntüten, die ich für euch hergerichtet habe... Für jeden eine mit dem verabredeten Lohn.* Wirklich lagen drei Papiertüten auf dem Tisch. „Alles war bereit, wie es verabredet war, kein Centesimo fehlte. DaS glaubt ihr mir doch?" „Wir glauben es," antworteten wir alle drei. Da gab er wieder jedem die Hand und umarmt«««» wieder.(Warum sollten wir ihm nicht glaube»? Wenn wir ihm nicht glaubten, wem sonst?) (Fortsetzung folgt.) Pariser SfraOenhalender Auf der Avenue de l'Opera in der Lichtstadt Paris wurde neues indirektes elektrisches Straßenlicht geschaffen, das die Straße wie am Tage erhellt- Der Kongreß für Sicherheit der Straßen hat einen Antrag angenommen, daß der Führerschein für schwere Wagen nur an Zwanzigjährige gegeben werden darf und daß vom Aller von 43 Jahren an ärztliche Untersuchiingen stattfinden. Ter„Topf auf dem Feuer" für die Alten verteilte Essen an 500 Leute ans dem Boulevard Diderot, das Hilfskomite des 10. Arrondissements Lebensmittel an 700 Personen und Fa- Milien in einem Kindergarten auf dem Ouai de Balmy. Nächsten Sonntag große Kundgebung gegen den Faschismus und zur Rettung der Unschuldigen des Leipziger Prozesses in Livry-Gargan. Zwei fange Kallener Schicksale von Antifaschisten In Paris haben zwei j» n g e I t a l i e n e r einen Ueber- fall auf ein Edclsteingeschäst in der Rue Ronale unlernom- men, im Herzen der Stadl, wo die reichsten Leute kaufen- Sie stahlen Brillanten, sie schössen, flohen, wurden gefaßt- Ter eine war Bildhauer, Kunstschüler und Akademiker von Neapel, der andere Schriftsteller, der mit Auszeichnung sein Examen in Philosophie bestand. Beide flohen vor Mussolini, waren Antifaschisten und— erlebten die Enttäuschun- gen des Réfugiés. Der Bildhauer, Morziello, wurde (Kipsarbeiter beim großen Tempel von Angkor auf der Kolo- nialausstellung in Bincennes, dann Casekellner. Schließlich ging er nach Italien zurück, kam aber wieder über die Grenze und versuchte sich vergeblich im Spiel in Monte Carlo. Der andere, Ficco, veröffentlichte einen Artikel in der guten Zeit- schrift„Europe" des Berlages Rieder, reichte ein Stück beim Theater der Pitoeffs ein, das diese ans Gründen, die mit dem künstlerischen Werte des Dramas nichts zu tun haben, ablehnten. Am 28. März kommandierten beide in dem Edelsteinladen mit Revolvern im Anschlag:„Hoch die Hände." In dem Laden haben sie wie Banditen gehaust und Gewalttaten begangen, obwohl der Inhaber um sein Leben bettelte. Der Richter sagte zu dem Räuberstück:„Tun Sie das in den Abruzzen oder in Calabrien, aber nicht in Paris!" Ein Polizeikom- missar, der'sie vernommen hatte, bat um Mitleid, es seien Ab- geglittene, Gescheiterte. Als Zeuge wurde der Schriftsteller Jean-Richard Bloch ver- uommen, dem der Angeklagte Ficco ein Schauspiel geschickt hatte. Bloch sagte, das Schauspiel enthalte Jugendsehler, aber es sei nicht ohne Talent geschrieben- Der Autor habe er- ivarten können, daß die Literatur ihm Brotverdienst werde. Der ebenfalls vernommene Schriftsteller Bildrae sagte Aehn- licheS. Ter Staatsanwalt beantragte lebenslängliches Zuchthaus- Der Bildhauer erhielt 7 Jahre, der Schriftsteller 0 Jahre Zuchthaus, beide 20 Jahre Ausenthaltsverbot- Ein hartes Urteil, das zwei Menschen, die ausgezogen sind, die Freiheit zu schirmen, im Bagno vernichtet! Emigrantenlos...! Ter furchtbare Fall, der an den Jta- lienern geschehen ist, zeigt, wie dringend eine menschenwür- dige Unterstübung der politischen Emigranten im Arbeits- prozeß und ihre Verteilung auf die hilfsbereiten Gastländer ist.— Jean ans dem Elsas Ober die Emigranten In der Zeitung„La Flandre Libre", die in Gent erscheint, st-'-t ein Sonntags-Leiiartikel über die Emigrantensrage. Ein Bublizist unter dem Namen Jean d'Alsace teil: mit, daß die Handelskammern in Straßburg, Colmar und Metz Beschlüsse gegen den Handel der Emigranten gefaßt hätten, Ter Artikel folgert:„Sicher ist Frankreich liberal, ritterlich und mit- leidig, aber allein die, die dessen wahrhaft würdig sind— die politifchen Flüchtlinge— dürfen dessen genießen. Wir können ebensowenig den Ukrainern, die Hungersnot leiden, Asyl geben, wie den von den Nazis boykottierten Juden" Madame Plgnet Ein weiblicher Bâtonnier.... In der Stadt Roche-sur-Aon ist mit der Wiederausnahme der Sitzungen zum erstenmal ein französischer weiblicher An- ivalt als Bâtonnier, d. h. als Führer der Anwaltsliste, ge- wählt worden. Da» ist nach französischem Justizbrauch eine neue sehr wichtige Rolle. Der neue Maitre, Madame Pignet, gesteht freimütig, 44 Jahre alt zu sein: sie ist die Witwe eines «Gymnasiallehrers und hat einen Sohn von 18 Jahren, der die Rechte studiert- Tie Stadt Rochc-sur-Pon. in der dieser Fortschritt des Frauenrechts zu verzeichnen ist, bat eine ganz interessante Vergangenheit. Tie liegt in der ehemals gegen die Republik aufsässigen Vendee und wurde v.on Napoleon gegründet- Während der zwei Kaiserreiche hieß sie Napoleon Benbee, während der vorübergehenden Rückkehr der Könige Bourbon- Vendee. Wie viele Deutsche wissen übrigens, daß Saarlouis im Saargebiet die Gründung eines französischen Königs und die Heimat des Marschalls Ney ist? Marlene Dietrich— Sternberg Marlene Dietrich wird nach einer Meldung von„Paris Soir" ihren nächsten Film in Hollywood, wo sie erwartet wird, wieder unter Josef von Sternberg drehen. Sie wird in einem Film aus dem Liebeslebcn der Kaiserin Katharina U, die Hauptrolle spielen. Monsieur Chiappe Achtung, Elfern F Mein jugendheim, bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3- Grande Rae 20 Minuten vom Bahnhot St Lazare, Paris Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw. Überleitung in die franz. Schulen. Gymnastik, Sport.— Besondere Säuglings« Abteilung unter sachkundiger Aufsicht 320 FRAU DR. BERG f Tschechisches Restaurant^ Das Braunbudl „£e fofcol" Echte Wiener Küche // Americ- Bar 22, Avenue Niel, PARIS(17) Pilsener Bier Mäßige Preise Rendez-vous der Deutschen in Paris *48— M Autounfall des Polizeipräsidenten Unter den Beamten der Präiektur auf der Seine-Jnsel, aber auch unter den dichten Reihen von Deutschen, die dort täglich ihr rosa Scheine ausfüllen, die vier Fotos abgeben, den Franzosen durch ihre konsonantischen Namen schwere Aus- gaben stellen und auf das Récépissé warten, wurde mit Be- stürzung die Kunde ausgenommen, daß der Polizeipräsident von Paris, Chiappe, das Opfer eines Autounfalles geworden ist.«glücklicherweise erlitt Herr Chiappe keine schwere Ver- letzung, aber heftige Schnittwunden am Kops und Knie. Nach Anlegung eines Verbandes konnte der Polizeipräsident seine Wohnung aufsuchen. Chiappe, wie viele seiner Schutzmänner geborener Korse, ist eine der markantesten und modernsten Persönlichkeiten von Paris, ein wirklicher Mensch der Ideen seiner Zeit, dessen Name in aller Munde ist- Ein Teil seiner Beliebtheit hat sich sogar noch nachträglich auf seinen ehemaligen Berliner Kol- legen übertragen, der vielleicht gar nicht weiß, daß abends nach dem Tozialistenkongrcß in der Nähe der Mutualité die Hausfrauen und die Mädchen tuschelten:„Wissen Sie schon, der Chiappe von Berlin ist da."(Ach, hätten fie s gesagt, so lange er im Amte war!) Die Deutschen haben in Paris Gelegenheit, den„slic" kennen zu lernen—«man darf ihn wohl so nennen?!—, den richtigen Pariser Schutzmann. Der Pariser macht, spottlustig wie er ist, viele Witze über die Polizei. Wer aber den aus- gezeichneten, höflichen, zurückhaltenden, anständig-seinen Dienst versehenden Pariser Straßenbcamten an der Straßen- ecke stehen sieht und ihn mit den Beamten des Hakenkreuzes vergleicht, kann nur Respekt vor der Pariser Polizei haben. ver Storm aof den Dôme Zum Nazi-Sturm auf den Pariser Tome stellen wir fest, daß uns eine Undeutlichkeit der Schrift einen Streich gespielt hat. Wir wollten nicht sagen, daß politisch erfahrene Emi-. aranten diesen Kaffeehäusern fernbleiben, sondern nur, daß sie diesen Kasseeschlachten fern bleiben. Also das Geschäft wollen wir-niemandem verderben. Himmlisches Feuerwerk Der größte Sternschnuppenfall seit 100 Jahren Paris» 10. Okt. In verschiedenen Gegenden Frankreichs und auch über Paris konnte man gestern zwischen 19 und 21 Uhr das seltene Phänomen eines Sternschnuppenregens be- obachten, der stellenweise einem Feuerwerk glich. Auch aus Belgien werden ähnliche Erscheinungen gemeldet. In fach- mäunischen Kreisen bringt man diese Erscheinungen in Ver- bindung mit einem westlich von Schottland gemeldete» Zyklon. Auch im Saargebiet wurde die Erscheinung stundenlang be- obachtet. Manche Sternschnuppen halten die Lichlkraft von starken Raketen. ♦ Das Observatorium a u s bemKleinen Feld- borg berichtet: Eine Erscheinung von außerordentlicher Art wurde kurz nach 19 Uhr beobachtet. Es herrschte bis 19.10 Uhr Nebel aus der Höhe. Mi! einemmale klärte es sich auf und der Himmel stand offen über dem Gebirge. Was die Beamten des Obser- vatoriums jetzt sahen, mar ein Naturschauspiel, das sie noch nicht erlebt hatten. Bald nach vollständigem Bei monatlichen Beschwerden unci hellen nur„Dragées Hygfe" Stärke\: RM 5,—, II: RM 8.- Prospekt gegen Rück« porto. Postt. 187 St. Louis(France) 280 Forderungs« einziehung in Deutschland Handelsvertretung Dr. jor. Karl Goldmann ehem. dtsch. Rechtsanwalt BRÜSSEL r.d. l'Enseignement 15—17 Rückporto. 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Einzelne Sternschnuppen entwickelten die Helligkeit von Sternen zweiter Größe, andere waren kleiner, wieder andere fuhren mit Schweisep nieder- Ganz abgesehen davon, daß es sich um keinen der häufigen Sternschnuppenfälle oder Tternschneuzen handelt, die in der Zeit vom 9- bis 14- August und vom 12. bis 14. November in jedem Jahre einzutreten pflegen, stellt ihre Dichtigkeit etwas ganz außergewöhnliches dar. Auch bei den großen Fällen im August und September fallen im Mitlei normalerweise nur zehn Sternschnuppen. Im übrigen beschränkte sich die Er- scheinung nicht auf die oben angegebenen Minuten, sondern setzte sich noch lange Zeit sort. Wie der Direktor der Frank- furter Sternwarte Prof. Dr. K. W- Meißner mitteilt, scheint der erst sür November erwartete Sternschnuppen- schwärm sich etwas verfrüht zu haben. Prof. Meißner nimmt an, daß es die in der bisher regelmäßigen Periode von 88 bis 34 Jahren wiederkehrende Erscheinung ist, die Humboldt und Bompland schon in der Nacht zum 12. No- vember des Jahres 1799 in Venezuela beobachtet und später beschrieben haben. Von 20 Uhr ab war es gar nicht mehr möglich, mit Zahlen zu arbeiten- Auf die Minute kamen weit über 100 Sternschnuppen, wobei die Helligkeit einzelner be- sonders auffallend ivar. An dem Phänomen nahm der ganze Himmel Anteil, wenn auch der Hauptschivarm aus der Rich- lung der Milchstraße seinen Zug zu nehmen schien. BBIEEKflSTIW „Deutsche Allgemeine Zeitung". Dieses Blatt hat sen Mut, ein Gedicht von Karl Brög er„Aus der Arbeit" abzudrucken. Eine Strophe lautet: Da droben traten die Leute befreit in de» linde», hellen Abend hinaus: sie gingen froh und leicht nach Haus und freute» sich auf die freie Zeit. Zu denen, die befreit in den Abend traten» gehört der Tichter dieser Verse leider selbst nicht. Er sitzt nämlich seit Monaten in Tacha u. Tort hin hat ihn SA. aus Nürnberg nach schweren Miß- Handlungen geschleppt. Tic Redakteure dieser aU-gcmeincn Zeitung wissen das und gehen ganz froh und leicht nach Haus« in dem Ge- danken, dem Ruf ihrer Arbeit ehrenvoll gefolgt zu sein. R. Strasiburg. Sie übersenden uns zwei Nummern der„Neuen Straßburger Zeitung", die ellenlang gegen die Kommunisten schreibt. Ter Einfachheit halber, schaltet sie uns mit den Kommunisten gleich. Tas Blatt erzählt seinen Lesern». a., wir hätten geschrieben, wenn der Reichstagsbrand nicht gekommen wäre, hätte alles in Deutsch- land eine andre Entwicklung genommen. Natürlich ist solcher Un- sinn in unseren Spalten nie vertreten worden. Wenn die National- sozialistcn nicht den Reichstag angezündet hätten, würden sie eine andre Schandtat als Provokation verübt habe» und gekaufte Sub- jcktc und politische Trottel würden diese andere Schandtat jetzt genau so den Marxisten zur Last legen. Tr.». B.» Riga. Post von dort erreicht uns regelmäßig innerhalb 48 Stunden. H. F., Kopenhagen. Ter vertrauliche Bericht über die national- sozialistische Bewegung in Dänemark ist sehr instruktiv. Weiter« Berichte sind erwünscht. Tie Verwertung wird gelegentlich in Ihrem Sinne erfolgen. Dr. P., Wien. Tie Rcgierungskommission des Saargebicis beliebt aus 3 Mitgliedern: einem Brite», einem Franzosen, einem Finnen, einem Jugoslawen und einem Saarländer. S. 2., Luzeru. Sie fragen, warum man so wenig von dem Reichs- iuucnminiiter Dr. Frick höre. Vermutlich, weil das Reichsinnen» Ministerium noch immer die„Dame ohne Unterleib ist, wie cS Radbruch einmal nannte, da S Ministerium ohne Exekutive. Uebri- gens ist Tr. Frick im Grunde stets nur ein höherer Bürokrat, ein Berwaltungsschustcr gewesen. Wahrscheinlich brütet er mit seinen Räten über den Plänen der kommenden ständischen Verfassung. Für den Gcsamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dub- weil«: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken g, »Schützenstraße 5. 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