Sinzig« unabhängige Tageszeitung Veutjchlands Nummer 99— 1. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 14. Oktober 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt: ^Belgien Mistel auf Seite 2 Oesteeeeid\ untec Alaun Seite 2 JUezef ooe dem Jleichstagspalast Seite 5 JComodie im JC0n2entcatianslag.ec Seite 6 Hitler erwam dit Kapltnla floa! Vnlcr dem Bruch der englisdi- französisch- amerihanlsdicn Einheitsfront Der französische Außenminister Paul-Boncour hat am Donnerstag dem französischen Ministerrat Bericht über Genf erstattet. Er konnte daraus hinweisen, daß eine eng- lisch-französisch-amerikanische Einheitsfront gegen Deutsch- lands Wiederaufrüstung besteht. Unsere gestrige Meldung, daß die Regierung der Vereinigten Staaten erst inoffiziell und dann mit großem Nachdruck offiziell die deutsche Reichs- regierung gewarnt hat, wirb jetzt bestätigt. Die französische Presse ist sehr befriedigt und läßt erkennen, daß ein konzentrierter Druck auf die deutsche Re- gierung ausgeübt wird. Die Kraft der englisch-französischen Einigung werde sich auswirken. Der ossiziöse„Petit Parisien" verweist sehr deutlich auf die entmili- tarisierte Rhcinlandzone. Die englische und die sranzösische Regierung seien darüber einig gewesen, daß die Locarno-Abmachungen über die entmili- tarisierte Rheinlandzone ihren neuen Wert er- halten mußten in dem Augenblicke, wo wichtige Be- sprechungen mit Teutschland begännen. Nach der neuen Bestätigung der Locarno-Abkommen und der englischen Zu- stimmung zur Einführung der von Frankreich vorgeschla- genen automatischen, effektiven und dauernden Rüstungs- kontrolle müsse man nun in Berlin wissen, daß im Falle einer Verletzung der entmilitari- sierten R h e i n l a n d z 0 n e die Verträge in Kraft treten würden. Tie Verständigung zwischen Frankreich und England sei also voll befriedigend und werde durch eine Verständigung mit den Vereinigten Staaten ergänzt. Während der deutsche Delegierte von Nadolny nach Ber- lin gefahren ist, um dem Kabinett über die Zuspitzung gegen Deutschland in Genf zu berichten, formulieren die Engläu- der in Genf schon den Text eines vorläufigen Konventionsentwurses, der von England, Frank- reich und den Vereinigten Staaten gemeinsam vorgelegt werden soll. Dieser Entwurf soll den Ablauf der Abrüstung in zwei Perioden einteilen, deren erste dem Umbau der europäische» Armeen in Milizarmeen von je 200 WO Mann dienen soll. Das würde für Frankreich eine Verringerung seiner Effektiven nnd eine Abkürzung seiner Dienstzeit bedeuten» würde aber am Stand seiner Bewassnnng und seines sonstigen Kriege materials nichts ändern. Für Deutschland hingegen würde es die Aus- lösung der Reichswehr, aber eine Verdoppelung seiner Streitkräfte darstellen, gleichzeitig jedoch auch einen wenn auch geringfügigen Zuwachs an Kriegsmaterial bedeuten, da 200 001) Mann einer umfangreicheren Ausrüstung be- dürfen als nur die Halste. Luftwaffe nnd schwere Bewaffnung sind in dieser Zeit ausgeschlossen. Die zweite Periode soll hauptsächlich der Abwicklung der Materialsrage dienen. In ihr soll Frankreich ldenn aus Frankreich kommt es ja hauptsächlich anj seine schwere Bewaffnung, die man ihm in der ersten Periode aus dem alten Stand belassen hatte, vernichten. Gleichzeitig soll Deutschland während dieser Zeit die sogenannten Defensivwassen erhalten, die ihm durch den Ber» lailler Bertrag verboten find, also Jagdflugzeuge, Tauk- abwehrkanonen, leichte Tanks usw„ so daß am Schlüsse der zweiten Periode eine tatsächliche Nivellierung des Rüstungs- stände» in Europa, also vornehmlich zwischen Deutschland und Frankreich erzielt wäre.» Frankreich besteht daraus, daß gleichzeitig mit dem Umbau ber Reichswehr in eine Milizarmee von 200 000 Mann die Wehrverbände verschwinden müssen, eine Be- ^ingung, der bisher Hitlerdcutschland sein„U» a n- îl e h m b a r" entgegengestellt hat. Ans jeden Fall bleibt Deutschlands„Diskriminierung" während einer längeren Probezeit. Ob diese vier Jahre oder weniger dauern soll, steht noch nicht fest. Deutichlands Gleichberechtigung soll erst nach dieser Probezeit praktisch Oewährt werden, wenn sich gezeigt hat» daß Teutschland in dieser Probezeit die Ber- träge strikte erfüllt. Forderungen, wie sie jetzt in der englisch-französischen- amerikanischen Einigung niedergelegt sind, hat die Hitler- Regierung bisher als vollkommen unerträglich Ï ü r das„dritte Reich" hingestellt. Daß von Nadolny °ber noch einmal zur Berichterstattung nach Berlin befohlen ist. beweist, daß die Reichsregierung ihr letztes Wort noch Nicht gesprochen hat. Zwar schreibt die nationalsozialistische Presse heute, daß nunmehr die ultima ratio der Tcutjchen bekannt gegeben werde. Wir halten aber die Hitlerregierung, zumal unter der Vormundschaft Mussolinis, für vorsichtig genug, daß sie einen gewissen Spielraum für weitere Verhandlungen läßt. Die offiziösen deutschen Ber- lautbarungen sind kleinlaut geworden. Sie trösten sich damit, daß sowohl in der Dauer der Probezeit, wie in der Sank- tionsfrgge noch keine Einigung zwischen England, Frank- reich und Nordamerika erzielt sei. Man darf annehmen, daß heute rn Berlin, wenn auch unter gewissen Krämpfen, der Rückzug ausderSackgasse eifrig erwogen wird. Tie Möglichkeit der glatten Kapitulation erscheint am Horizont. Schon wird die Legende eines neuen„Dolchstoßes" vorbe- reitet. Da die Marxisten in den Konzentrationslagern sitzen und daher diesmal die strahlende Siegsriedspolitik des glorreichen Reichskanzlers nicht schwärzen können, sind es die Engländer, die unter dem unheilvollen Einfluß der französisch-jüdischcn Freimaurer dem unschuldigen Hit- lerdentschland den Dolchstoß von hinten versetzen. Nur auf den Gedanken, daß die eigene Unfähigkeit und außenpolitische Plumpheit die Niederlage verschuldet haben könnte, kommen die Herren und ihre Mitläufer nie. So oder so. berettet sich für Teutschland eine schwere außenpolitische Niederlage vor. Die Verantwortung dafür lastet voll auf den Diktatoren, die ein nationales Unglück sind. ♦ Schritt Leöen Deutschland Paris, 18. Okt. Außenminister Paul-Boncour wird heute abend nach Genf zurückreisen. Die sranzösische Presse begrüßt im großen und ganzen die Mitteilung, daß der gestrige sranzösische Ministerrat die an- gebliche gemeinsame Erklärung, die von den drei Mächten England, Frankreich und Amerika vorbereitet worde« sc,, gutgeheißen habe. Diese Erklärung werde, wie die Blätter wissen wollen, die wesentlichen Grundsätze des neuen Ab- rüftungsabkommensentwurses präzisieren. Der Genfer Berichterstatter des„I 0 u r n a l" will ersah- rcn haben, daß die der allgemeinen Abrüstungskommission vorzulegende„gemeinsame" Erklärung nicht mehr als VI» Seiten, d. h. 12 Zeilen, umfasse und in drei Artikel ein- geteilt sei. Der erste dieser Artikel betrefsc die Opposition gegen jede Aufrüstung Deutschlands, der zweite die Frage der Probezeit nnd der dritte die Organisation der Kontrolle. Tie Aussührungsbestimmungen blieben allerdings«och zu präzisieren. Die allgemeinen Grundsätze, aus denen sich diese Erklä- rung angeblich aufbaue, werden im„Petit Journal" sol, gendermaßen umrissen: 1. Ausrechterhaltung der engen französisch-eng- lisch-amerikanischcn Solidarität? 2. Entschlossenheit der drei Regierungen, aus keinen Fall in eine Ausrüstung Deutschlands wäh- rend der Probezeit einzuwilligen, abgesehen von ge- wissen Rüstungsmaßnahmen, die die Umstellung der Reichs, wehr auf eine Miliz von 200 000 Manu notwendig macheu könne und die sich nur aus die im Bersaillcr Bertrag er- loubtcn Wasseu erstrecken dürfen wie Gewehre, Maschinen- gcwehre nnd leichte Geschütze. 8. Beibehaltung der vorgesehenen Frist sür die Probezeit. Sir John Simon habe dem sran- zösischen Standpunkt beigepflichtet, daß sie vier Jahre de« tragen solle. 4. Beibehaltung des automatischen ständige« Eharakters der Kontrolle, zwecks genauer Aus- sühruug des Abkommens. 5. Ausschub der Herabsetzung des schweren Kriegsmaterials und der Ermächtigung sür Deutschland, die Defensiv- waffen zu besitzen, die alsdann allen Signataren des Abkommens bewilligt werden würden, bis zum Ab- schluß der vierjährigen Probezeit, falls diese sich als wirksam herausstellen sollte. Viel bemerkt wird von der französischen Presse das Ber- halten der italienischen Delegation, die bei der Ausarbci- tung eines derartigen Entwurfs sich abseits gehalten hat. ..Venn marschiert würde..." Die Ansicht von Lloyd George London, 18. Okt. In der„TaiIn Mail" behandelt Lloyd George die zeitgemäße Frage, was werden soll, wenn die Abrüstungskonferenz zusammenbricht. In ein- dringlichen Worten fordert der vormalige Ministerpräsident zu gerechter und ehrlicher Handlungsweise gegenüber Deutschland a us., lFortsetzung siehe Seite 2 Am Aber die anderen sind wieder schuld:„das perfide Albion", das doppelzüngige Italien und — selbstverständlich!— das„vernegerte" Frankreich! Saarbrücken, 13. Oktober 1933. Die braune„Saar-Front", als deren Heraus- geber der neugebackene preußische Staatsrat und Nazi» Gauleiter Aloys Spaniol zeichnet, brachte am Don- nerstag auf der ersten Seite an der Spitze des Blattes folgende Ueberfchriflen: „England hat die Führung im Kamps gegen Deutsch, land übernommen— Umsall Italiens." Wir müssen gestehen: Zunächst trautem wir unseren Augen nicht, daß Aloys Spaniol es schon gemerkt haben sollte, daß Italien, das vielgeliebte, hoch- gepriesene, vorbildliche Italien, dem man Vorschuß, lorbeeren gleich waggonweise gezahlt hat, Deutschland wieder einmal geleimt hat— so wie es das früher schon mit dem Dreibund während des Weltkrieges tat. Auch damals war bekanntlich der Haupttreiber zur„Felonie" gegen Teutschland derselbe Benito Mussolini, der jetzt der Diktator Italiens ist und der nach den Worten der„Saar-Front" sich folgendermaßen verhält: „Die Italiener haben zweifellos ihre taktische Haltung geändert, da der Widerstand gegen Frankreich aus- gehört hat." Sie merken aber auch wirklich alles, diese National- sozialisten! Sie haben nur vergessen hinzuzusetzen, daß es sich um das faschistische Italien ihres Vorbildes Mussolini handelt, dem sie in Götzenanbetung das deutsche Südtirol ihrem Parteiegoismus geopfert haben! Und dann England! Man hat sich seitens des Naziotentums so viele Liebesmühe angetan, England gegen Frankreich auszuspielen. Man hat jede Aeuße- rung irgendeiner englischen Zeitung, die eben hitler- freundlich gedeutet werden konnte, durch Rundfunk und amtliche Korrespondenzbüros über das öv-Millionen-Volk ausgegossen. Man hat Lloyd George als den„Helfer Deutschlands" gefeiert— und dabei ganz vergessen, daß die Stärke dieses Staatsmannes feine geistige Beweglich- keit ist, die ihre Kehrseite in der Demagogie des Volks- redners hat. Man hat jede vereinzelte Aeußerung eines mehr oder weniger bekannten Engländers, aus der man Honig saugen zu können glaubte, wie ein Evangelium verkündet— nur die hochbedeutsame Rede des konservativen Führers Baldwin in Birmingham hat man im gleichgefchal- teten Lande der gleichgeschalteten Presse, kulis nicht verbreitet! Seither aber tauchen die Kriegsschlagworte wieder auf:„Gott strafe Eng- land!", und es kursiert wieder die billige Charakterisie- rung vom„perfiden Albion"! Aloys Spaniol sagt das seinen Kindern folgendermaßen:, „Es tritt immer deutlicher hervor, daß die englische Re- giernng die Führung im Kamps gegen Deutschland über» nommen hat", und. 0 Schreck! selbst Lord Rother m ere und Lord Beaoerbrook, die beiden Zeitungskönige der großen Auflagen und geringen Bedeutung, nehmen mehr und mehr gegen Berlin Stellung. Hitler hat sich rettungslos in eine außenpolitische Sack« gasse hineinmanövriert. Die Verlegenheit Italiens, das gemäß seinem„ssero egoismo" nie ernsthaft an eine Unterstützung der deutschen Aufrllstungswünsche gedacht hat und das nichts so sehr fürchten würde, als in die Nähe des Brenner und von Trieft einen aggressiven und schwer bewaffneten Nationalsozialismus zu bekommen— trotz aller Freund- schafts- und Gemeinsamkeitsbeteuerungen!— i st nicht gering. Nach vergeblichen Versuchen von A l 0 i s i und <3uöftäj zu Vermittlungen bei Herrn von Neurath ist Aloisi zur Entgegennahme neuer Instruktionen schleu- nigst nach Rom gefahren, wo Mussolini den Kurs der «Felonie" selbst gegen seine ihn sklavisch nachahmenden braunen deutschen Affen steuert:— Eslätztsichnicht länger verheimlichen, der Umfall Ita- liens ist perfekt! Unter Schändung des Ansehens von Karl Schurz hat der kleine, aber laute deutsche Propagandatöner Göbbels vor wenigen Tagen auf der Berliner Schurz« Gedenkfeier ein letztes Liebeswerben um die a m e r i« dänische Sympathie oersucht— aber er hat einen Korb bekommen! Die Amerikaner denken nicht daran, sich von Frankreich oder gar England zu trennen und sind über den braunen Wahnsinn in Mitteleuropa nicht wenig ungehalten. Die außenpolitische Iso- lierung Hitlers könnte nicht größer sein als sie heute i st. Schon verkündet die Nazipresse in der Rückzugs« Kanonade, daß„Deutschland keinesfalls einen zweiten Versailler Vertrag" unter- schreiben wird, aber zugleich erklärt man, daß Deutsch- land„verhandeln" wird: Wir haben am Beispiele D a n z i g s gesehen, zu welchem Verrat an deutschen Interessen der Nationalsozialismus bereit ist, wenn er sich für seine innerpolitische Machtbehaup- tung die außenpolitische Duldung erkaufen will. Er wird auch in Genf nicht kämpfen, sondern schachern— und schließlich mehr bezahlen, als jemals eine deutsche Regierung vor ihm! Nur wird man es dem deutschen Volke wiederum vor- zuenthalten wissen und unter lärmendem Rückzugs- gefecht die schwere Niederlage zu tarnen versuchen— hoffen wir, daß es die Trompeten der eigenen Revo- lution gegen Hitler sind, die Deutschlands Volk auf« wecken, und nicht nur die Trompeten des Strafgerichts der anderen. M. B, flOchfllngshommissar! Bei Stimmenthaltung Deutschlands Genf. 12. Oktober 1988. Der Völkerbundsrat hat heute nachmittag eine Anzahl von sloch auf seiner Tagesordnung stehenden Restfragen er- lebigt. In rascher Folge wurden zunächst die Berichte über die letzten Tagungen des Ftnanzkomitees, die sich mit der Finanzlage von Oesterreich, Bulgarien, Griechenland, Un- garn und Rumänien beschäftigten, angenommen. , Unter Stimmenthaltung des deutschen Ver- treters gelangt« der von dem portugiesischen Ratsmitglied erstattete Vericht über die Organisierung einer inter- nationalen Hilfe für die aus Deutschland kommenden jüdiichen und anderen Flüchtlingen zur Behandlung. In diesem Bericht wird der amtierende Ratspräsident beauf- tragt, im Namen des Bölkerbundsrates alsbald die Er- nennung des Oberkommissars im Benehmen mit dem Be- richterstatter und den Regierungen von Spanien, Frankreich. Großbritannien, Italien(!), den Niederlanden und der Tschechoslowakei vorzu- nehmen. Zur Beteiligung an dem zu schaffenden Verwaltungsrat sollen außer den bereits geannnten Ländern noch eingeladen werden: Polen, Belgien, die Schweiz, Däne- mark, Schweden, die Bereinigte» Staaten, Argentinien. Brasilien und Uruguay. Die interessierten privaten Organisationen sollen zur Beratung und Mitarbeit herangezogen werden, und zwar soll der Verwaltungsrat die Auswahl treffen. Der französische Vertreter stimmte dem Bericht ausdrücklich zu und sprach den Wunsch aus, daß die vorgesehenen Verhandlungen recht bald in Gang kommen. Ende des Saar-Zen(rums Opfertod ohne Selbstachtung » Saarbrücken, 12. Oktober. Der LandeSansschnß der Zentrnmspartei des Saar» gebietes hat in seiner heutigen Sitzung von den zwischen den Beauftragten der Zentrnmspartei und Herrn Staatsrat Spaniol getroffenen Vereinbarungen Kenntnis genommen. Der Landesparteiausschuß stimmte der Uebersührnng der Zentrumspartei in die„Deutsche Front" auf der Grundlage der getroffenen Vereinbarungen z«. Aufruf an ihre Wähler und Anhänger stellt die Partei fest, daß durch diesen Beschluß die ^ ê.u t r» m s p a rte i des Saargebietes als selbständige Partei zu bestehen aufgehört Für den Beschluß sei maßgebend gewesen der Wunsch, die einheitliche Zusammenfassung aller saardeutschen Volks» genossen zu ermöglichen. Die Zentrumspartei des Saar» urb'etes habe dadurch erneut bewiesen, daß ihre ganze Arbeit«M dem Vaterland gelte. Der Aufrns enthält einen Rückblick anf die Arbeit des Zentrums an der Saar, Dank und Anerkennung für die Führer und Anhänger, und schließt mit der Aufforderung, alle Kraft weiterhin der deutschen Sache durch Mitarbeit in der„Deutschen Front" zur Ver- sügnng zu stellen. * Damit ist nun endaültig das Zentrum aus dem politischen Leben des Saargebietes ausgeschieden. Die größte Partei HeS Saargebiets hat sich schimpflich der nationalsozialistischen Diktatur gebeugt. Pas Neuette >â'- Dtràr' Sn^Scttlldücn und DîdcûàGelâ fchaft in Paderborn Dr. Buchbinder sechs Monate, der Kaufmann Goldberg vier Monate Gesängnis. Auf der Steinhalde der Zeche„Nordstern" in Westfalen wurden zwei Personen beim K o h l e n s« ch c n von fich losenden Schlackenmassen verschüttet und dabei getötet. Der neue österreichisch- polnische Handelsvertrag ist unterzeichnet worden. Der österreichische Ministerrat hat die B e r l ä n g e r u n g â Ve r b o ts betreffend die Ausschreibung von Wahle« für die Landtage»«d Gemeindevertretungen beschlossen. Bei Arbeiten am Staudeich eines Bergsees bei Ber, game find sechs Arbeiter ins Wasser gestürzt; vier ertranken. wtb Berlin, 18. Okt. Der Reichspräsident hat seinen Aufenthalt auf Gut Neubeck beendet und ist heute früh wieder in der Reichshauptstabt eingetroffen. IFortsetzung von ber Ï. Seite „Wenn marschier! würde..." Die Ansicht von Lloyd George Im einzelnen führt Lloyd George aus: Der europäische Friede hängt heute mehr denn je von England ab. Wir dürfen nicht sagen: Wir können Daladier gut leiden und Hitler gefällt uns nicht, deshalb müssen wir elfteren unter- stützen. Unser Urteil gegenüber der deutschen Abrüstungs- fordernng darf auch nicht dadurch geändert werden, daß wir die deutschen Regierungsmethoden im Innern verurteilen. Der Fall liegt klar und einfach. Deutschland hat die demü- tigende Aufgabe seiner eigenen Entwaffnung vor mehr als 19 Jahren durchgeführt. Die Siegermächte haben seither ihre militärische Macht in jeder Richtung verstärkt. Das wehrlose Deutschland, all seinen Nachbarn aus Gnade und Ungnade preisgegeben, hat 19 Jahre lang die Mächte aufge- fordert, das eindeutige Versprechen, das ihm gegeben wor- den ist, zu erfüllen. Die Forderung ist mit kalter Vcrach- tung behandelt worden. Deutschland hat das Gefühl, daß es durch einen Trick wehrlos gemacht worden ist. Frankreich beabsichtigt, den Bertrag von Versailles ohne Zustimmung ber anderen durch weiteren Aufschub der Abrüstung außer Kraft zu setzen. Wenn Frankreich darauf beharrk, wirb el eines vorsätzlichen Bruches seines eigenen Vertrages schuldig sein. Deutschland wird darauf antworten: Ihr habt einen ber Hauptteile des Vertrages von Versailles zunichte ge- macht,- somit könnt Ihr nicht Klage führen, wenn wir ihn nicht länger als anwendbar betrachten. Nachdem der Völkerbund 19 Jahre getrödelt hat, während Frankreich, Polen und die Tschechoslowakei tatsächlich den Vertrag brachen, würde es unwürdig sein, wenn der Völker- bund jetzt auf die bloße Gefahr hin, daß Deutschland dem Beispiel der Mächte, die den Völkerbund beherrschen, folgen könnte, sich beeilen würde, für den Bertrag einzutreten. DaS heutige Deutschland ist nicht daS Deutschland von 192 3. Ein passiver Widerstand wie im Ruhrgebiet würde bei dem nationalistischen Geist von 1933 unmöglich sein. Wenn Frankreich, Polen und die Tschechoslowakei ihre großen Armeen losmarschieren lassen, dann werden die Braunhemden mit ihrer leichten AuS- rüstung vielleicht und wahrscheinlich nicht imstande sein, den Eindringlingen Halt zu gebieten. ES würbe eine militärische Besetzung mit Zwischenfällen und Vergeltungsmaßnahmen geben. Ter Einmarsch in Rußland hat dort den Bolschewis- mus gestärkt und ihm festen Halt gegeben. Dl« Mächte sind sicher nicht so blind, daß sie nicht den Sinn der plötzliche» außenpolitischen Aktivität Rußlands erkennen. Belgien rüstet auf TOO Millionen Franken Rdstungskredlt Paris, 18. Oktober. Der.Temps" schreibt: Der einstimmige Entschluß der belgischen Regierung, ge- faßt in einem Ministerrat unter dem Vorsitz des Königs Albert, vom Parlament die nötigen Kredite— ungefähr 799 Millionen Franken— zu verlangen, um die Verteidigung des Landes so zu organisieren, baß der g a n z e vaterländische Boden gegen einen möglichen Abgriff gedeckt sein würde, ist eine wichtige Tatsache für die Sicherung des Frie- b e n s im Westen. Die Belgier, deren friedlichen Gefühle unzweifelhaft sind, die sich aber der Erfahrung von 1914 er- innern und eS nicht riskieren wollen, ihr Land zum zweiten Mal besetzt zu sehen, verstehen, daß die durch das Httlertum in Deutschland geschaffenen Bedingungen und der ganze Eifer, der im Reich zu Gunsten der Aufrüstung entfaltet wird, sie zwingen, elementare Vorsichtsmaß- regeln zu treffen, um im Rahmen des Möglichen ihre Sicherheit aus eigener Kraft zu gewährleisten. Das ist eine Sorge, die seit Kriegsende immer einen weiten Raum in der belgischen Politik eingenommen hat, was von der Vater- lanbsliebe eines Volkes Zeugnis ablegt, das auf seine Un- abhängigkett berechtigter Weise stolz ist. Weil das belgische Volk ernsthaft friedliebend ist, weil eS von der Notwendigkeit einer engen internationalen Zu- sammenarbeit im Rahmen der allgemeinen Sicherheit über- zeugt ist, hat die Genfer Politik unter allen ihren Anhängern in Belgien den entschiedensten gefunden. Aber seine Friedens- liebe und seine Neigung zur Zusammenarbeit aller gut- gläubigen Nationen haben das belgische Volk nicht seinen Sinn für öieWirkltchkeit verlieren lassen, der einen Teil seines Charakters ausmacht. Und Tatsache ist zur Zeit, daß die Sicherheit noch nicht wirklich organisiert ist, daß schwere Nistken trotz der bestehenden Verträge drohen, daß schwere Gefahren auf Europa lasten, heraufbeschworen von einem Deutschland, das sich dem Nationalsozialismus hin- gegeben hat und dessen ganze Politik auf die Wieberherstel- lung seiner alten militärischen Macht gerichtet ist. Österreich unter Alarm Die Arbeiterschaft in höchster Unruhe Wien, 12. Oktober.(Jnsa.) Das von der Regierung Dollsuß-Fey gegen die„Arbeiter« Zeitung" verhängte Anstragnngsverbot hat unter der Arbeiterschaft eine derartige Erregung ausgelöst, daß sich die Regierung veranlaßt zu sehen glaubte, das Militär und die Polizeitrnppeu in der Nacht zum Dienstag in den Kasernen in Alarmbereitschaft zu halten» da sie die Prokla» mation des Generalstreiks befürchtete. Proteststreiks Am Dienstag früh wurde die Maßnahme gegen die„Ar- beiter-Zeitung" in allen Betrieben Wiens lebhaft diskutiert. Fast in sämtlichen Betrieben wurde die Arbeit aus Protest mit Verspätung ausgenommen. Ueberall wurden Betriebs- Versammlungen einberufen, die Delegationen bestellten, die im Verlause des Vormittags im Parteihaus der SP. vor- sprachen, um dort Protestresolutionen zur Weiterlcitung an die Regierung niederlegten. Nicht weniger als 129 Dele- gationen aus allen Groß- und vielen kleinen Betrieben trafen ein. Zahlreiche Delegationen forderte» die sofortige Proklamation des Generalstreiks. Im Gaswerk L-opoldan und in den Austro-Fiat-Werken ruhte die Arbeit während zwei Stunden, das Personal der großen Markthalle streikte während einer Stunde. Erneute Protestversammlungen in den Betrieben fanden am Dienstag nachmittag in den Betrieben und am Abend in den Straßen statt. Ueberall wurde die Forderung aus so» sortige Rückgängigmachung des AnStragungSverVoteS gegen die„Arbeiter-Zeitung" gefordert. An zahlreichen Orte« ka« es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Ueberall riefe» die Arbeiter in Gruppen:„Nieder mit dem Faschismus!" Für die„Arbeiter-Zeitung" hatte die Maßnahme ber Re« gierung den Erfolg, daß ihr am Dienstag Hunderte von neuen Abonnementsbestellungcn ans ganz Oesterreich zu» gingen. Weitere Zeitungsknebel Einige bürgerliche Blätter, die die Maßnahme gegen die „Arbeiter-Zeitung" kritisiert hatten, wurden zensuriert und der Presse verboten, die Maßnahme weiter zu kommentiere«. Wiens Zufahrten militärisch beseht Am Dienstag abend wurden die Donanbrücke»»nd Zu« sahrtsstraßen nach Wien alle militärisch besetzt. Polizei« abteilungen patroullieren ununterbrochen in den Straße« Wiens. Militär und Polizei find konsigniert. Die Regierung hat der Presse untersagt, irgend etwas über die militärische» Maßnahmen«nd Truppenverschiebungen zu veröffentlichen. Die Erregung der derart provozierten Arbeitermassen ist unvermindert groß. Nazis und Heimwehren schüren die Provokationen mit der Ausstreuung von allen möglichen Gerüchten. Dienstag abend wurde von dieser Seite»er» breitet, am Mittwoch früh würden große Arbeitermasseu auS der Provinz nach Wien marschieren. Nene zeugen im neidistagsprozeß 14. Verhandlungstag Berlin, 18. Okt. Nach eintägiger Unterbrechung wurde die Hauptverhandlung im Reichstagsbrandsttfterprozeß am Frei- tagvormittag im Reichstagsgebäude wieder aufgenommen. Der Augeklagte D i m i t r o f f ist auch zur heutigen Ber- Handlung noch nicht wieder zugelassen. Ter Vorsitzende erklärt nach Eröffnung der Verhandlung, die gestrige Augen- scheinnahmc habe zur Klärung von Widersprüchen zwischen Zeugenaussagen und auch zur Erläuterung der Zeugenaus- sagen beigetragen. Insbesondere, fuhr der Vorsitzende fort, haben Zeugen zum Teil in Abweichung von ihrer früheren Aussage, nicht bekunden können, daß es mehr als einer ge- wcsen«st, der eingestiegen ist, auch nicht, daß mehr als einer im Erdgeschoß hinter den Glassenstern entlanggelausen ist. Es konnte auch nicht bekundet«verben, daß dieser eine, der unten entlanggelausen ist, eine Fackel getragen hat. Die Be- sichtigung gestern hatte nur den Zweck, in die Ortsverhält- nisse und die Beleuchtungsverhältnisse für diejenigen, die die Tat abzuurteilen haben, einigermaßen Klarheit zu schaffen. Oberretchsanwalt Dr. W e r ne r behält sich vor, später darauf zurückzukommen, ob es wirklich als bereits feststehend angesehen werden kann, daß unten nur ein Mann ge- laufen ist. Der Verteidiger der drei bulgarischen Angeklag- ten, R.-A. Dr. T e i ch e r t überreichte bei Beginn der Ver- Handlung eine ganze Reihe von Beweisanträgen. So soll ein Krastdroschkenführer Thäl darüber vernommen werben, daß er am Freitag gegen 7 Uhr Dimitroff auf der Straße dein Reichstag gegenüber gesehen haben«vill, eine Zeugin Anna Meyer darüber, daß sie am Sonntag vor dem Brande Dimitroff nachmittags in einem Restaurant im bayerischen Zusntfznnä im kernen©sien Russische militärische Vorbereitungen C h a rbln, 18. Okt.(Renier.) Passagiere d«r tranSfibirt» scheu Eisenbahn berichten, daß alle 45 Minuten russische Trnp, penzüge nach Osten passiere« und daß die Truppen von Mandschuko fich in der Nähe von Hailar konzentriere». Das Viertel gesehen haben will. Die Gegenüberstellung dieser Zeugen, so erklärt der Verteidiger zur Begründung semer Anträge, soll dartun. daß eine Verwechslung der Person des Dimitroff nicht nur theoretisch möglich ist, sondern daß sie«n zwei Fällen sogar praktisch vorgekommen ist. Dr. Teichert beantragt weiter die Ladung zahlreicher Kellne.r des Restaurants Bayernhof und die Labung einer ganzen Reihe russischer Zeugen, die bekunden sollen, daß Popoff von Mitte Mai biS Ende Juli 1932 sich in Moskau und von Ansang August bis Mitte September in einem Sanatorium aui der Krim ausgehalten habe. Der Oberreichsanwalt erklärt, daß er einen Teil der Beweisanträge für unerheblich halte, daß aber ein ein- gehendes Studium notwendig sei und er sich deshalb seine Stellungnahme für Samstag vorbehalte. Als Zeuge wird dann noch kurz Polizeileutnant Lateit gehört, au den einer der Sachverständigen Fragen ivegen seiner Beobachtungen wegen Rauch, über die Art des Brennens der Vorhänge und den Brandgeruch richtet. Der nächste Zeuge ist der Polizeiivachtmeister Losikeit, der zusammen mit Lateit den Reichstag betreten hat Auch er erinnert sich daran, daß Lateit sofort den Befehl zum Groß- alarm, und zwar um 9.17 Uhr, gegeben hat. Er habe auch einen kurzen Augenblick den Plenarsaal angesehen. Hinter dein Präsidentenstuhl sei eine hohe Flamme gewesen, ebenso l:nks vom Stenograsentisch. Sonst habe nichts gebrannt: die Stuhlreihen der Abgeordneten seien deutlich erkennbar ge- wesen. Die Verhandlung dauert fort. Geschäftsleben in Charbin ruht völlig. Bankiers und Kanf» leute warten auf eine Entscheidung, die der jetzigen Unsicher« heit ein Ende mache« und ihnen zeige» wird, in welche» Richtung sich die Diuge entwickeln werden. D«r hiesige Sow» jetgeneralkonsul hat zum fünften Male ohne Ersolg beim Außenministerium Protest eingelegt«nd die Freilassung d<» Sowjetbeamte« der Eisenbahn»erlangt. Rflsfongsprodokflon steigt Mit dem Bericht über das vierte Geschäftsguartal, das die îrl"r 0" 1 Juli bis September umsaßt, liegt nunmehr der Aberblick über Produktion und Umsatz der Vereinigten Stahlwerke A.-G. im Geschäftsjahr 1032/38 vor. Darnach ist er Umsatz mit Fremden, also ohne die Umsätze innerhalb oes Konzerns, von 520,807 im Vorjahr auf 565,07 Mill. RM. »Lli e gen. Im einzelnen erhöhte sich der Inlands- ,'atz von 316,7 auf 376,1 Mill. RM., mährend der AuS- lands- Absatz noch leicht von 264,2 auf 195,6 Mill. RM. ückgin g. Zwar bleibt auch die gegenwärtige Ziffer weit hinter dem Rekordumsatz von 1028/20, der 1456 -vlill. RM. betragen hatte, zurück. Der Abstand dürfte jedoch zum guten Teil auf der inzwischen eingetretenen Verschlechterung der wertmäßigen Erlöse beruhen. Gesamterzeugnng der Vereinigten Stahlwerk« Je 1666 To. 1032/33 1031/32 1020/36 Kohle 15 830 14 285 25 722 Koks 4 276 8 867 0 338 Roheisen 2 868 2 606 5 207 Nohstahl 2 607 2 196 5 538 .Wie man Börsenkurse macht In der Zeitschrift»Die Koralle" fNr. 19) wird in einem Autiatz»Das Ende der Börsianer" erzählt:»Ein Mlln- wetter. Getreidehändler, der in diesen Tagen so leichtsinnig war, mit betonter Skepsis Stimmung zu machen sum später Daraufhin seine Abschlüsse vorzunehmen), ist nicht nur von oer Börse ausgeschlossen worden, sondern wird sich auch in längerer Schutzhaft überlegen, ob nicht eine vernünftige be- 'Leidene Handelstätigkeit einträglicher gewesen wäre." Die S-Uschnft»Koralle" erscheint bei— Ullstein, welches Haus ooch sonst nicht so unbekannt mit Börsengebräuchen und ^oorsenpraktiken ist. Die Zeitschrift war einmal unpolitisch. z<>le Geschicklichkeit der Nazipropaganda besteht darin, daß V ihre Eier in solche»unpolitische" Nester legt: diese Veitschristen werden gewöhnlich von ernsthafteren Leuten ntcht gelesen, der dort gedruckte Schwindel wird also nicht widerlegt und bleibt daher wirksam. Geweihter Handel in Braunschweig Dem Reichsstand des Deutschen Handels geht es schlecht. Um dem abzuhelfen, wird Anfang November eine Kund- vebung in Braunschweig stattfinden, auf der die Fahnen der >unf Spitzenorganisationen geweiht werben sollen. Die Mägen werben im Takt das Worst-Kessel-Lied knurren. ENOHIElf-LES-BAINS Kolonialwaren u WEINHANDLUNG mit Wohnung in vollem Be- *neb wegen Abreise zu ^»"kauten Langjährige Acut. Zahlungserleichter. 'OOOO Fr. Bargeld bei der Übergabe. H* r. des Thermes Enghlea Deutscher Zahnarzt Laboratorium— Goldkronen 100 Francs Sprechstunden: 1*9 Uhr. Sonntags 9*12 Uhr SQUARE DELORMEL. 5. Stiege Eingang durch die Passage 28, Av. d'Orléans (Telefon: Ségur 31—80) Täglich ausser Dienstag und Freitag Felonie Die Rechtsstelle für deutsche Flüchlinge in Paris bittet «m Veröffentlichung dieser Zuschritf: In Dunkergue besteht eine„Deutsche Arbeitsgemeinschaft fur die Erweiterung des Hafens in Dünkirchen", an der die Etrmen Polensky». Zöllner,, Wayß und Freytag und auch ritte französische Firma, Saintrapt u. Brice beteiligt sind, -vort ist eine groß« Anzahl von deutschen Arbeitern be- lchäftigt. Die meisten Angestellten und ein Teil der Ar- weiter der deutschen Firma haben eine nationalsozialistische 2selle gebildet, die von Oberingenieur F i ede rltn g ge- leitet wird. Diese Zelle hält regelmäßig Versammlungen ab, schmückt die Baubaracken mit Hakcnkreuzfahnen und be» witzelt alle Deutschen, die ihr nicht angehören. Uns ist der Fall eines Studenten der Architektur bekannt geworden, der als Praktikant von der Firma Wayß und Freylag in Dün- klrchen angestellt worden war. Nachdem er drei Wochen ge- arbeitet hatte, wurde ihm von Herrn Fieberling sein Paß abgelistet. Dieser schickte ihn an das französische Konsulat >n Trier, von wo er nach ein paar Tagen zurückkam— das vis März 1034 gültige Visum war ungültig gemacht und ritt Vermerk hincingesetzt, daß der Student jder wegen ludischer Abstammung in Deutschland nicht weiterstudiercn sann) in Frankreich nicht mehr arbeiten dürfe. Gleichzeitig wurde er fristlos entlassen. Herr Fieberling hatte an die 'Nrma nach Deutschland geschrieben, daß Herr X. Marxist lri und deshalb nicht weiter bei ihr arbeiten könne—, er bat gleichzeitg die Technische Hochschule in Berlin benach- richtigen lasten, so baß Herr X. nach Deutschland nicht mehr Zurückkehren kann. Achtung, Eltern! Mein lugendheim. bedeut. vergrößert, befindet sieb jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3" Grande Rae 20 Minuten vom Bahnhot St Lazare, Paris Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw. Überleitung in die franz. Schulen. Gymnastik, Sport.— Besondere Säuglings«Abteilung unter sachkundiger Aufsicht. FRAU DR. BERG 330 öesucfii? Intelligentes, sympathisches, besseres jüdisches /Dlädriien zur Führung der Wirtschaft bei alleinstehendem Herrn gesucht. 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Kein Tag vergeht, an dem nicht„Fach- schaftSleiter" der NSBO. gemaßregelt werben, keine Woche geht vorüber, in der nicht im Westen oder Osten, im Norden oder Süden Deutschlands Leiter nationalsozialistischer Be- triebszellen erbarmungslos in Konzentrationslager wandern. Waren bis vor etwa einem Monat bedenkliche Zersetzungs- erscheinungen innerhalb der SA. das Hauptthema national- sozialistischer Führerbesprechungen, so ist heute die Situation in der NSBO. kein minder wichtiger Anlaß zu Beratungen und Besprechungen, Aufrufen und Parteibefehlen. Heute kann man bereits sagen, daß der Geist innerhalb der NSBO. für die Bonzokratie der deutschen Regierungspartei zu einer Quelle größten Aergers und beträchtlicher Unbequemlichket- ten geworben ist. Welch' herrliche, von Triumph und Genugtuung erfüllte Tage erlebten die Leute von den Betriebszellen im April und Mai! Jahrelang waren sie in den Betrieben als Handlanger der Unternehmer, als getreueste Schutzgarben der Partei der Arbeitermörder verachtet worden, und plötzlich wurden sie durch die Gleichschaltung die Vorsitzenden der Bctriebsver- tretungen, in denen sie bis dahin trotz eifriger Förderung durch die Arbeitgeber nicht ein einziges Mandat hatten er- ringen können. Voll Siegesfreudc begannen die Funktionäre der NSBO. fröhlich und selbstbewußt zu„regieren" und Hand in Hand mit den Unternehmern warfen sie die altbewährten Vertrauensleute der Arbeiterschaft aus den Betrieben. Damit hatten sie in den ersten Wochen der„nationalen Er- Hebung" alle Hände voll zu tun. Dann kam aber der Augen- blick, da es galt, ihre Funktionen als Betriebsräte im lau- senden Gang der Geschäfte auszuüben. Leicht hatten sie es nicht: die Arbeiter und Angestellten hielten den Nazi einfach die Versprechungen aus der Zeit vor der Machtergreifung vor und verlangten Erfüllung! Doch die Hitler-Partei und ihre zufriedenen Bonzen in den Kreis- leitungen der NSBO. hatten die kleinen Amtsivalter in den Betrieben schon rechtzeitig gewarnt und ihnen gesagt: ES be- steht ein Unterschied zwischen den Zeiten der Opposition und denen der Regierung. Ihr dürft darum auf die Wünsche der Belegschaft nur nach sorgfältiger Prüfung eingehen. Die kleinen Leute von der N«BO. machten sich, wie vorge- schrieben, an die sorgfältige Prüfung der Belegschastsforbe- Rfldtgang der Ausfahr nadi Polen Die amtliche polnische Statistik veröffentlicht die Zahlen des polnischen Außenhandels im A u g u st mit den einzelnen Ländern, welche angesichts der jetzt geführten deutsch- polnischen Wirtschastsverhandlungen besondere Beachtung beanspruchen. Im August sank die deutsche Aussuhr nach Polen von 16 781 666 Zloty im Juli auf 9 075 666 Zloty. Die polnische Ausfuhr nach Deutschland hat sich von 11220 666 Zloty im Juli auf 11 922 666 Zloty im August erhöht. An der polnischen Gesamteinfuhr sank Deutsch- lands Anteil von 15 Prozent im vergangenen Juli auf 13,8 Prozent im August. An der polnischen Gesamtausfuhr stieg Deutschlands verhältnismäßiger Anteil von 13,7 Prozent im Juli auf 16,4 Prozent im August. In den ersten acht Monaten des lausenden Kalenderjahrs ist die deutsche Ausfuhr nach Polen von 113 445 666 Zloty in den Monaten Januar bis August 1032 auf 02 806 666 Zloty zurückgegangen. Die polnische Ausfuhr nach Deutschland betrug in den Monaten Januar bis August 1033 06 684 666 Zloty gegenüber 166 239 666 Zloty im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Dementsprechend ist auch der ver- hältnismäßige Anteil Deutschlands an der polnischen Gesamteinfuhr in den entsprechenden achtmonatigen Zeit- räumen von 10,0 Prozent auf 17,8 Prozent gesunken. Deutschlands Anteil an der polnischen Gesamtaussuhr als Abnehmer polnischer Waren stieg in den gleichen Zeit- räumen von 15,1 Prozent auf 16,4 Prozent. Deutsche Medikamente getarnt Um den Boykott zu brechen, haben deutsche chemisch« Firmen in Prag eine Vertretung geschaffen, die Fabrik Dr. I. Satek. Dort werden deutsche Präparate umgepackt als tschechische Erzeugnisse in den Handel gebracht. Wahrschein- lich sind nicht einmal die Kataloge der Firma Dr. I. Sätet in der Tschechoslowakei gedruckt. rungen unter dem Gesichtspunkt ihrer Führerverantwortlich- fett. Sie erkannten sie immer häufiger als durchaus berech- tigt an und identifizierten sich innerlich mit Dingen, die sie bisher ungeprüft als„Klassenkampsparolen" abgelehnt hat- ten. So regnete es denn Anordnungen und Erlässe, Ber- Haftungen und Hausdurchsuchungen, Verwarnungen von Ge- ueralbirektoren und Drohungen gegenüber den Aufsicht?» röten. Plötzlich drehte sich der Wind: Hitler sprach gegen di« »zweite Revolution", Eingriffe in das Wirtschaft?» leben wurden verboten, an die Stelle der Korrupttonsver» fahren gegen Unternehmer, zu denen das Material von den Betriebszellen geliefert worden war, kamen die Prozesse ge- gen die NSBO.-Amtswalter, für die die Unternehmerver- bände die Unterlagen lieferten. Der„Sozialismus" Hitlers bestand in einer Entmachtung nicht ber Scharf» macher, sondern gerade der getreueste« An« Hänger des„nationalen Sozialismus". Die Geheime Staatspolizei beginnt die Betriebs» zellen zu überwachen, Reichsminister F r i ck beschränkt die Agitationsmöglichkcitcn in den Staatsbetrieben, der Auf» gabenkreis der NSBO. wird immer geringer, eine General» reinigung ist den Unternehmern zugesagt worden. All das vermehrt die Unzufriedenheit. Das ist nun gerade der Punkt, wo die Arbeit insbesondere der sozialdemokratischen Betriebsarbeiter >insetzt, denn der Kurs der Sozialreaktion, die Lohn» k ü r z u n g e n, die erpreßten„Spenden", die Betternwtrt» schaft bei den notwendig werdenden Entlassungen, kurz die täglichen Erlebnisse im Betrieb sind fast noch überzeugender als illegale Flugblätter und Zeitungen. Daß die deutsche« Arbeiter trotz aller Unterdrückung und allen Terrormaß» r ahmen hier ihre Pflicht erfüllen und der NationalsozialiS- mus heute in den Betrieben schon längst nicht mehr im An- griff, sondern bereits wieder in ber Verteidigung liegt, daß seine eigenen Amtswalter innerlich unsicher und arbeit»- unlustig werden und marxistische Gedankengänge in ihre Be- wcisführung unbewußt und ungewollt Eingang finden, ist eine Gewähr dafür, daß dl? Zersctzungserscheinungen inner- halb der NSBO., deren Tempo natürlich niemand über- schätzen darf, weitergehen, nicht trotz, sondern heute schon infolge der Aktionen der Staatspolizei. Tacbgctchäft. Vertreter mit langjähriger Erfahrung, große Fachkenntnisse, mit intelligenter Kundschaft sacht Finanzisten Erstklassige Referenzen. Schriftliche Angebote an: Publicité METZL, 51, Ruo de Turbigo, Paris, Nr. 822. Keine Welzins mehr! Kaufzahlung durch Miete sofort beziehbar, Pavillons u. Häuser. Paris. Provinz. Vorort. Bauerleichterung Zuschriften an TABORD, 82, rue Jullien, VANVES Verengerter Markt „In einem stark verengerten Markt sich zurechtzufinden, ist nicht leichter, sondern schwieriger als in einem Markt höchster Blüte." Mit diesen Worten, die die Wirtschaft»- katastrophe der Nazi eingestehen, preist Prof. Dr. ÄerS- Hofen ein Buch über„Marktanalyse und Marktbeobachtung" in der Einleitung an. Preise dürfen nicht sinken Die Deutid,e Automobil-TreuHanbgesellschast hat die PreiS» gestaltung für neue und alte Automobile zu überwachen. Der Gesellschaft wird es zur Pflicht gemacht, gegen Preissenkun- gen einzuschreiten. Rußland» Handelsflotte Nachstehende Ausstellung gibt ein Bild über den Entwick- lungsgang der russischen Handelsflotte in den letzten Jahren: Jahr Fahrzeuge Brutto-Tonne» 1027 346 868«82 1028 354«76 810 1020 370 446 566 1036 884 532 600 1931 886 608 830 1932 440 685 144 I Man ersieht hieraus, daß sich der Tonnengehalt seit 1027 verdoppelt hat. In diesem Zuwachs sind sowohl die im AuS- lande als auch die in Rußland selber gebauten Schiffe ent- halten, als auch von Rußland gekaufte ausländische Fahr- zeuge. Wege» der Aufnahme von Inseraten und der Annahme von Abonnements in Belgien wende man sich schriftlich an die „Deutsche. Ausgabestelle: BRUXELLES XL 38, Rue d'Edimbourg Deutsche Bücher werden schnellstens zu Originalpreisen geliefert! 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DaS Opfer Isaacs, das Hitler in Teutschland verdaten hat, hier wird es gebracht... »Ich werde Ihnen dt« genaue« Zahlen geben," sagt Lambert. Der Strom der Flüchtlinge fließt stärker als je. Im Juli kamen 5800 zu uns, im Oktober waren es 925L Jetzt ist das Brüsseler Komit« geschlossen worden, da sind wieder 400 Neue angemeldet die ersten Tage brachten bereits 80. Aber nur noch cm Drittel der Flüchtlinge können wir versorgen. Die Mittel reichten nur für etwa 600 Familien mit 600 Kindern und 1600 einzeln Geflohene." »Und die Aussteuerung, die Polen?" »Im zweiten Quartal sind neue 2400 Opiar des Hitler- Terrors zu uns gekommen, davon nicht weniger als 1000 Polen, Staatenlose und Nichtdeutsche. Im gan^ep haben wir 31 400 Flüchtlinge eingeschrieben, davon aber nur 17 000 Deutsche. Ter Rest sind 7000 Polen, 6400 Staatenlose und 1100 Angehörige sonstiger Staaten." »Wie steht es mit der Unterbringung in den Kasernen, über die viel geredet wird?" »Die Lager sind frühere Hospitäler und Hckme, genau so, wie wenn französische Arbeiter über Marseille, Toul oder Toulon nach Korsika usw. geschickt werden, genau nach diesem Muster. Die Behauptungen in deutschen Hitler« blättern, daß es sich um Konzentrationslager handele, sind lächerlich. Wir haben die Familien im Hospital Andral am Boulevard Macdonald untergebracht, und sie haben es bort ganz wohnlich. Die vier Herbergen sind vom französischen Kriegsministerinm und vom Seine-Präfekten umsonst gestellt worden, auch ein Teil der Betten, der Lager- und Kücheneinrichtung wurde vom Staat gestiftet. Wir haben französische Kurse und Berufswerkstätten eingerichtet, in St. Maur auch Stunden der Körperschulung. Aber unsere Mittel gehen zur Neige: außerhalb der Baracken können wir nur noch eine Eßkarte täglich ausgeben." »Ist eine nennenswerte Unterbringung im Arbeitsprozeß möglich, und wie sind die Arbeitsbedingungen?" Wir müssen die Angebote nehmen wie sie kommen. Nach genauer Kontrolle haben wir 836 Leute untergebracht. An "erster Stelle 98 Mädchen für alles, dann 61 geeignete Kräfte als Gouvernanten, 17 Tippmädels, etwa ebensoviel Nähe- rinnen, Vertreter, Kellner. Einige Aussichten bestehen für besonders qualifizierte Facharbeiter und sür die Landwirt- schaft. Im Sommer haben wir 91 Landarbeiter verschickt. Wir haben Delegierte in der Provinz und verhandeln mit dem Arbeitsminifterium. Im übrigen haben wir die ganze Welt abgesucht. Die Hicem, die jüdische internationale Hilfs- organisation, hat auch in Brasilien, Chile und Uruguay vorgefühlt, leider ohne viel Erfolg. Zur Zeit laufen drin- gcnde Verhandlungen mit den britischen Kolonien und mit Washington, um die harten Einwanderungsbestimmungcn zu mildern. Sogar mit Persien und mit China stehen wir in Verhandlungen. 136 Fahrten nach Uebersee haben wir be- werkstelligt." »Sagen Sie mir bitte noch etwas über die Psychologie der Flüchtlinge. ES wird vielfach über den Ton und die Behandlung geklagt." »Unsere Leute haben es besonders gegen gewisse Elemente sehr schwer. Es ist begreiflich, wenn sie bei dem starken Andrang täglich von 7 Uhr bis abends nervös werden. Im allgemeinen habe ich die Erfahrung gemacht: je weniger der Flüchtling ein politischer Fall ist, desto weniger zeigt er Schweigsamkeit. Je mehr einer früher gebettelt hat, desto herausfordernder tritt er hier auf. Solche Leute sind es, die die Hilfe als ihr Recht betrachten. Was soll ich sagen: lieber will ich doch, wenn es sein mutz. 20 000 Menschen nur mit Kartoffeln ernähren als mit gar nichts. Wir suchen eben soviel wie möglich zu sparen, zu dehnen und zu leisten. Das Schicksal der Flüchtlinge liegt in der Hand der Flllcht- linge selbst. Wenn einer etwas Unrechtes tut, heißt es gleich: alle sind schuld, so ist es nun mal überall im Ausland. Das Gute erzählt man nicht, leider." »Und das Wichtigste: was sind Ihre Pläne für die Zukunft?" „Das Komitee hatte zunächst ein dreifaches Programm: 1. Rückwanderung eines Teils der Flücht- linge, besonders der aus Osteuropa Stam- wenden? 2. überseeische Auswanderung? L. Ansiedlung derjenigen Kräfte, die positiv die Produktionskräste Frankreichs heben können. Man nähert sich jetzt durch die Beschlüsse in Genf der einzig möglichen Lösung durch internationale Zusammenarbeit. Tie Verteilung der Flüchtlinge auf die Welt, etwa in der Art, daß Frankreich einen bestimmten Prozentsatz der Zehn- tausende behält, das ist das Richtige. Unser Siedlungsplan wird an maßgebenden Stellen besprochen. Am 29. Oktober findet in London eine Konferenz aller jüdischen Wohlsahrts- komitecs statt, bei der ebenfalls der Genfer Plan besprochen wird. Wir suchen inzwischen weitere Geldgeber, da der Moment jetzt psychologisch der richtige ist. Die wahre Hilfe für die Flüchtlinge, die ihren ahasverischen Weg gehen, können nicht die Wohlfahrt und Almosen sein, sondern Siedlung und produktive Arbeit. Das ist es, was das französische Nationalkomitee von Genf erwartet..." Doktor Wachtel Harn-, Blut, and Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9-12 u. 2-8 Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden tägl. von 5-7 Uhr. Kassenversicherte werden angenommen. SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de Glictiv— Metro Blanche Harnleiden, chronischer und frischer Tripper, Militärgicht, Cystitis, Prostata. 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Fahrtkosten hin und zurück 19 Franken. 7999 Schüler legten in Paris die Prüfung des Baccala«, reat sdie Abitnrientenprüsnngs ab. Die größte Spionageaffäre seit dem Kriege Tie Spionagegeschichte der„dicken" oder„schönen Sophie", die in St. Avoid einen Schuapsladen unterhielt, ist nach allem, was man hört, die fetteste Affäre dieser Art seit langem. Tie Seele von diesem dunklen Spiel war„Jupp", der Ehegemahl der neuen psündigeren Mata Hart— mit richtigem Namen Joseph Drosch, ein deutscher Hitlerspion aus dem Danziger Korridor, der sich seit fünf Jahren im Elsatz niedergelassen. Dieser Jupp ist ein großer, brutaler Kerl, der sich bei seinen Gästen durch mächtiges Trinken und Prahlen mit Geschichten-Erzählen als„großer An- geber" einführte und die dicke Sophie gut dirigierte. Mittlerweile standen dann verschwiegene Autos nächtlicher- weise vor dem Case Jupps. Jupp selbst ging, wenn irgend etivas zu erledigen war, im Heidi mit dem Motorrad über die Grenze. In Saar- brücken hatte er zahlreiche Freunde, die ihn liebevoll er- warteten. To geht das Jahrelang„wunderbar", bis doch die Polizei in St. Avoid Wind von der Geschichte bekam und Jupp, aber wohl mehr von wegen der Moral und dem Schmuggcl-Verdacht, vor knapp einem Jahr hochkantig hinausfenstertc. Jupp selbst ist daraufhin mit seinem Ans- weisungsbesehl in Richtung Grenze in Marsch, und Sophie blieb allein im Elsaß, während Jupp in Saarbrücken ihren Handel an geheimen Fäden leitete. Oft besuchte er sie kühn- lichst zu kurzen Stunden aus dem Motorrad, indem er über die Grenze paschte, wie das alter Hitlerbrauch. Die schöne Sophie setzte sich einstweilen mit dem früheren französischen Unteroffizier Alphonse Choppe in Serbin- bung. Dieser Mann von 26 Jahren, den sie umgarnte, war nach seiner Entlastung vom Militär im Sektor von Coume als Lagerches aus dem Bauplatz der Festungswerke be- schäftigt. Er stahl für sie drei geheime Pläne auf dem Büro. Mit diesen Beutestücken fuhr er mit dem Motorrad nach Saarbrücken, wo er die Ticke traf. Sie gingen zusammen zum deutschen Tpionagechef. Dieser ließ die Papiere erst prüfen, dann zahlte er 299 Mark in bar und 19 999 Franken in einem Scheck. Bald darauf kam er wieder und erhielt abermals 19 909 Franken für neue Blätter. Ties- mal sagte der Spionageches zu ihm:„Sehen Sie doch zu, ein tragbares Maschinengewehr zu erwischen, aber das Modell, das während der letzten Manöver verivendct wurde. Dafür zahle ich glatt 499 999 Franken." Der Herr Lagerverwalter machte sofort der schönen Sophie Mitteilung von dieser Aussicht aus viel Geld, die sie blendete. Beide machten sich sofort ans Werk. Sophie kaperte sich den jungen beritteneu Jäger Rene Plestau, Frei- willigen im 18. Regiment, der ihnen das Modell 1924 klaute und zusammen mit Sophie an der Grenze gefaßt wurde. Nach Mitteilungen in unterrichteten Kreisen ist diese Tpio- nagegeschichte die größte seit dem Waffenstillstände- Man spricht von zahlreichen Verhaftungen, die erfolgt sind, min- bestens von acht- Es handelt sich offenbar um eine ausge- dehnte Spionageorganisation längs der Grenze. Der Sitz der Spionageorganisalion befand sich— das ist wohl das Un- erhörteste— in einer Privatwohnung eines Gerichtsbeamten zu Saarbrücken. Die Aufdeckung der Affäre hat in Paris das größte Auf- sehen geweckt. Tie meisten Blätter haben Sonderkorrespon- deuten entsandt, der»Intransigeant" veröffentlicht Artikel in Serien. kl Schölt, elegant, die faszinierenden TAU-OR IL S lanzin mît«lion in Frankreich nur Im COBJSEUM DANCING A band» um 9 Uhr|^ Ry# koch.chouar, Der„niilerKomel" Wenn man im Pantheon-Viertel durch die Rue Väugirarb geht tnebenbei bemerkt: die jetzige Heimat Walter Mehringsj liegt in einiger Entfernung vom Luxembourg-Museum die Wirtschaft zum Kometen von 1811, eine ausgezeichnete Kneipe. Der 1811er, das war der Komet des Napoleon- Sohnes, des Königs von Rom, durch 191 Kanonenschüsse an- gekündigt, die längst vergangen sind. Uebrigens endet die Geschichte, wenn w>r nicht irren, daß Marie Luise sich damals in Braunau von ihrer Umgebung trennte, als sie dem Kaiser entgegenfuhr. Aus dem Kometen von 1811 ist nicht viel geworden— wird aus dem Sternschnuppen Hitlers von 1933 mehr iverden? Es müßte mit dem Teuiel zugehen, wenn nicht der Sternenregen vom Oktober 1933 von den Ttaatschristen als besondere Offenbarung Gottes an seinen Sohn Adolf ausgelegt würde. Nach Beobachtungen der Straßburger Sternwarte ist der Slernregen der schönste seit 1886 gewesen. Die Erscheinung Dr. Spécialiste 96, rue de Rlvolt— Métro: Chnielel RAD'KALE HEILUNG von BLUT., HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilang von Krampfadern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektri- zität. imptungsvertahren; Trypafle vine- Einspritzungen Blut- und Hatn-Untersuchungen, Sper- makutlur, Salvarsan. 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Schon vor dreizehn Jahren hatte der Eng- länder Denning Meteore von dem gleichen Ursprung vorausgesagt, aber niemand glaubte an einen Sternregen von solcher Ausdehnung. Auch von der Sternwarte in Lvon, wo zehntausend Sterne beobachtet wurden, wird das Ueber- schreiten der Bahn des Kometen Giacobini Zinner durch die Erde als Ursache angegeben. Man sieht. Adolf Hitler hat offenbar den Himmel gleichgeschaltet— wenn auch der Name Zinner vielleicht etivas jüdisch klingt. Der König von Rom hat die Herrschaft seines Kometen nicht lauge überdauert— wird es mit dem Sternenschwanz von 1933 anders gehen? ■BllstKfllUM Frau R. H. K., Wie«. Besten Tank! Wenn wir den Beitrag ab- lehnen, so nur deshalb, weil schon zwei österreichische Mitarbeiter dieses Thema behandelt haben. S. H., Zürich. Ihre Zuschrist wird gedruckt. Ter Fall„Frankfurter Zeitung" verdient eine besondere Bearbeitung. Tresdeu. Sie schicken uns einen Bericht über eine national» sozialistische Kukturtagung in Dresden, mit einem Bericht der „Dresdener Neuesten Nachrichten"(Nr. SSV). Darin heißt es:„Äreis- obmann Professor Dr. Israel erösfnet die Tagung und heißt die Teilnehmer willkommen. Adolf Hitler, der größte Erzieher der Deutschen, gebe das Relief sür diese Tagung. Nach allen Mühen und Beschwerden seien heute die Widerstände gebrochen, ameute seien alle Schichten des Volkes von dem Neuen ersaßt. Diese Tagung solle ein Markstein in der Geschichte der gesamten Lehrerschaft Sachsens seist."— Wieviel Atteste, so sragen wir, mutzte Professor Israel zum Nachweis seiner Reinrassigkeit beibringen? Immerhin: daß dieser sächsische Markstein im Namen Israels in die Dresdener Heide gesetzt wurde, verheißt ihm ein besonders langes Leben angesichts der Zähigkeit, die die Israeliten in der Geschichte er- weisen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Tud- weil«: sür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH» Saarbrücken 3, Echützenstratze 5. ^ Tschechisches Restaurant „£e foftol" Echte Wiener Küche // Americ- Bar 22, Avenue Niel, PARIS(17) Pilsener Bier Mäßige Preise Rendez-vous der Deutschen in Paris 418-52 Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt au« beraten ru werden 25, Bd. Bonn««Nouvelle, Paris(2), Tel. Louvre 22*93 Tél. Trinité 43*13 Métro: Pig a lie Deutsche Poliklinik Paris, 62,.Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konioltationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanato» riumsgebäude. Die aller» modernste Einrichtung c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten d) Zahnärztliche* Kabinett Zahn» und Mundchirurgie Ordination täglich von 9—12 and 2-8; Sonn- and Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr ALIMENTATION GENERALE CHAMPERRET I. PLACE DE LA PORTE CHAMPERRET, 1. Telephon Wagr. 01-61 FEINES KOLONIALWARENGESCHÄFT Weine und Liköre. Ausländische Spezialitäten Durch Spezialisten vorbereitete Vorspeisen und Speisen Erstklassige Qualität. MäßigePreise. Zustell u ng fre i H a us Prozeß vor dem Reidistogspalasf Die Angeklagten werden demonstrativ mit üandsdieilen geiesselt rorgeführt Berlin. 12. Okt. Für den?okaltermin am Reichs- tagsgebäude wurde das Rcichstagsgebäude in den frühen Abendstunden in weitem Umkreis durch ein gewaltiges Aufgebot von Schutzpolizei mit Karabinern abgesperrt. Hin- ter der großen Sperrkette batte sich schon in der Nachmittags- stunde ein zahlreiches Publikum angesammelt, das wenig- stens aus der Ferne dem Vorgang auf der Freitreppe bei- wohnen will. Kurz nach 8 Uhr erschien der Senat, diesmal in Zivil- kleidung, auk der großen Freitreppe. Die Angeklagten sind auf der Ramve zwischen je zwei Polizeibeamten aufgestellt. Der Vorsitzende ruft zunächst die Zeugen und Prozeßbetei- ligtcn aus. Als Zeugen sind anwesend der Student F l ö t e r, der Schriftsetzer Tüaler, die Polizeibeamten Buwert und P ö s ch e r, der Ingenieur B o g u h n und die Eheleute Kühl und Freudenberg. Ter Zeuge F l ö t e r zeigt zunächst den Platz, von dem aus er seine Beobachtungen gemacht hat und den Platz, an dem er dem Zeugen Buwert Mitteilung gemacht hat. Dann zeigt Buwert seinen Weg von dort bis zu dem Platz, von dem aus er beobachtet hatte. Ter Zeuge T h a l e r zeigt weiter den Platz, von dem aus er seine erste Beobachtung machte. Tann steigt ein Polizeibeamtcr durch das linke Re- staurationsienster in den Restaurationsranm ein, zunächst ohne Feuerbrand, dann mit einem Feuerbrand in der Hand. Ter Zeuge Thaler zeigt seinen Weg die Rampe herunter und wieder zurück bis zu dem Standort des Zeugen Buwert. Beide Zeugen gehen den Weg bei Beobachtung des Lichtschei- nes im Erdgeschoß von Fenster zu Zensier bis zum Schluß. Ein Polizeibeamter mit Feuerbrand in Kopfhöhe bewegt sich hinter den Milchglasicheiben des Erdgeschosses von links nach rechts von Fenster zu Fenster. Tie Zeugen Buwert und P ö s ch e r zeigen den Ort ihres Zusammentreffens,' ebenso weisen die Eheleute Kühl und Frendenberg den Standort an. von dem aus sie ihre Beobachtungen ge- macht haben. Ter Schluß des Lokaltermins gilt der Be- okachtung des Zeugen Bogubn, der den Platz angibt, von dem aus er einen Mann beim Verlasien des Portals ge- sehen haben will.— Tie Angeklagten, die zusammen mit dem Gericht nach den verschiedenen Standorten geführt wurden, trugen Handschellen, an denen sie von Beamten ge- führt wurden. DF. Die Angeklagten, wenn man von dem verlumpten, idiotischen oder sich idiotisch stellenden van der Lübbe absieht, gelten in der ganzen Welt als unschuldig. Daß man sie. insbesondere auch den angesehenen kommunistischen Fraktionsführer Torgler öffentlich gefesselt vor- führte, ist eine Provokation, die ihren Eindruck nicht verfehlen wird. Auch nicht auf die deutschen Arbeiter, die zwar unter furchtbarem Druck still sind, aber wachsamer und kritischer als viele ahnen. Tiefe Handschellen wirken wie ein Symbol der Rohheit und der Gemeinheit, von der die ganze sogenannte nationale Revolution in ihren Füh- rern und in ihren Knechten beherrscht wird. Ohnedem geht es anscheinend nicht. Diese Tatsachen werden zwar nicht in Akten geschrieben, aber sie werden auch nicht ver- gessen, und sie werden ungeschwächt im Gedächtnis leben, wenn die jetzt Gedemütigten und Gefesselten am Tage des kommenden Sieges sich erheben werden. Der ganze Lokaltermin scheint wertlos gewesen zu sein. Bedeutung hätte er erlangen können, wenn man den van der Lübbe einmal hätte vormachen lassen, wie er denn seine Kletterei vollführt haben will. Natürlich sind wir durchaus dafür, daß fein kostbares Leben geschützt worden wäre. Er hätte nicht abstürzen dürfen. Aber dagegen gibt es ja Vorsichtsmittel genug. Auch der Einwand, daß der. Mensch jetzt zu geschwächt ist, reicht nicht aus. Trotz seinem jetzigen Zustande hätte man wohl einigermaßen beur« teilen können, ob er überhaupt in der Lage gewesen ist. die behauptete Kletterpartie zu vollführen. Es wäre zum Beispiel auch möglich, daß die Kletterei nur vorgetäuscht worden ist von Leuten, die aus dem Gebäude heraus- stiegen, um dann Fensterscheiben einzuschlagen, damit es so aussehen sollte, als wäre man von außen eingedrungen. Aber vielleicht macht man einen zweiten Lokaltermin, denn das Gericht wird ja so gründlich vorgehen wie mög- Ii ch. •.Unverständlich bleibt"... Deutsche Richter sollen nicht zu milde sein! S8ir entnehmen diese Anssührnngcn dem amtlichen Richterorgan„Preußische Justiz" sNr. 10). Ein Kommen« ist bedürfen sie nicht. Es ist im Interesse von Staat und Volk unerträglich, ^cnn ein Angeklagter in einem Brief an Verwandte im Ausland schreibt, in den Revolutionsmonaten hätten Tau- sende ihr Leben lassen müssen, und als Greuelschwäyer lediglich 2 Monate Gefängnis erhält. Diese Strafe steht in derart schneidendem Gegensatz zur Schwere und Gefährlichkeit der Tat, die dem deutschen Ansehen im Ausland schwersten Schaden zufügen kann, daß sie durch keinerlei in der Person des Täters liegende Umstände, wie Unbestraftheit oder Lebensalter, zu rechtfertigen ist. Eben- sowenig steht es mit den Absichten des Gesetzgebers in Einklang, wenn ein vielfach rückfälliger Betrüger, der sich unter Mißbrauch des Hoheitsabzeichens der NSDAP, er- ueut des fortgesetzten Betruges schuldig macht, unter Zu- Billigung mildernder Umstände zu einer Gefängnis- strafe von 1 Jahr verurteilt wird, obwohl die nur bei Annahme mildernder Umstände für die leichtesten Fälle tu Betracht kommende Mhtdeststrafe bereits 6 Monate besagt und der Täter schon wegen Rückfallbetrugcs Zucht- hausstrafe verwirkt hätte. Unverständlich bleibt eine Strafe von 180 Reichs- wark»ür das Greuelmärchen, in einem Tammellager seien Gefangene wegen Nahrungsverweigerung an die Wand gestellt worden, um erschollen zu werden, das zum Erschießen abgeordnete Wachtpersonal habe aber den Be- fehl nicht befolgt. Sie ist offenbar ebenso ungeeignet, ab- schreckend zu wirken, wie wenn ein Angeklagter eine Geld- strafe von 200 NM. für seine Erzählung erhält, er habe selber ersehen, wie SA.-Leute auf offener Straße einen Mann rausam mißhandelt und aus seinem Körper Fleischstücke crauSgeschnitten hätten. Leitstern jeder Auslegung muß kür den Richter und Staatsanwalt der Gedankengang sein, der den Gesetzgeber dum Erlaß des Gesetzes gezwungen hat. Ein Richter, der bei einer bestimmten Tat, die nach der erkennbaren Absicht des Gesetzes von der Strasdrobnng umfaßt sein soll, denen Anwendbarkeit mit der Begründung verneint, der Wort- laut sei nicht unzweifelhaft, die Zweifel seien aber Zugunsten des Angeklagten zu werten, ver- letzt die Pflichten seines Amtes. Gewiß heißt es bei der Tatsachenscststellung auch fürderhin: in dubio pro Bei der Rechtsanwendung steht aber vor diesem Satz öer Gedanke be 8 Schutzes von Volk und Staat gegen den Rechtsbrecher. Nimmt der Richter sich öiese Gedanken zur Richtschnur, so kann ihm die Entschei- bung nicht schwer fallen, ohne daß von der verpönten Ana- «>gie dabei irgendwelche Rede ist. Celseln! Die„Kölnische Zeitung" meldet auZ M.-Gladbach: Da die Herstellung und Verbreitung von kommu- Aistischen Hetzschriften auch im Gladbach-Rheydter Bezirk in der letzten Zeit stark zugenommen hat, war vom Polizeipräsidenten Grunert vor kurzem eine Warnung veröffentlicht worden, baß er bei Fortsetzung dieses hochver- räterischen Treibens als Gegenmaßnahme Kommuni st en, bi« bereit» in Schutzhaft gesessen haben, erneut der S ch u tz h a s t zuführen werde. Diese Warnung ist nicht be- achtet worden,' wiederum wurden 10 Hetzschristenverteiler festgenommen, gegen die sofort ein Strafverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat eingeleitet wurde. In Durchführung der angedrohten Gegenmaßnahmen hat der Polizeipräsident außerdem vier als fanatische Kom- muni st en bekannte Personen dingfest gemacht undineinKonzentrationslagereingewieseu. Deutsche Justiz fJnpreß.) Ter ehemalige Referendar am Bremer Land- gericht, Klaus Buecking. wurde zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er Totenlisten aufstellte und auf der Schreib- Maschine vervielfältigte, in denen Getötete, getrennt nach Parteien, denen sie angehörten, zusammengestellt waren. vie..Prangerfafeln" Ter Chef der bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Esser, wendet sich in einer Bekanntmachung gegen die söge- nannten„P r a n g e r t a s e l n", auf denen in einzelnen Zeitungen Bayerns mißliebige Persönlichkeiten öffentlich ge- brandmarkt werde» sollen.„Derartige Angriffe gegen Einzel- Personen", heißt es in der Bekanntmachung,„sind nicht Auf-, gäbe einer Presse, die verantwortungsbewußt am Aufbau de» neuen Deutschland mitarbeiten will." Das ist eine Mahnung, auf die Hitlers Freund Streicher in Nürnberg pfeifen wirb. Er braucht eine Zeitung mit Schweinereien, weil er damit gute Geschäfte macht. Er kennt sein Nazi-Spießerpublikum. Der erste Fehler Harbens war. daß er die sexuelle Vera»- lagung der Höflinge ausnutzte, um sie zu stürze». Er muhte aus der Geschichte wissen, daß es ebenso gute homosexuelle, und heterosexuelle Staatsmänner und Herrscher gegeben hat, daß die Eigenschaften, die in dieser Beziehung maßgebend sind swie sie jemand einmal ausdrückte) nicht unter, sondern über dem Nabel liegen. Als ich einmal bei einem preußischen Juftizrat eine Audi- enz hatte, um mit ihm über die zukünftige Gestaltung der Sexualgesetzgebung zu konferieren, fragte mich ein anwesen- der Ministerialrat, ob ich denn nicht auch der Meinung wäre, daß homosexuelle Menschen widernatürlich seien, da sie doch ihren Naturzweck— den der Ktndererzeugung— verfehlten. Ich erwiderte, daß die Begriffe widernatürlich, übernatürlich und unnatürlich Zeichen mangelnder Naturerkenntnis seien., „Wer, glauben Tie— fragte ich— hat in Ihrem Sinne dem preußischen Staate mehr genützt, Friedrich II., der kinderlos und höchstwahrscheinlich sexuell anormal war, oder Wil- helm Ii., der auf dem Gebiete der Fortpflanzung nichts zu wünschen übrig ließ'?" Schwerwiegender aber als dieser Trugschluß war Hardens zweiter Irrtum. Es traf keineswegs zu, daß Bülows Einfluß' auf den Kaiser ein besserer war als der Eulenburgs: im Gegenteil, Eulenburgs Politik, die in dem damaligen Marok- ko-Konslikt auf eine Verständigung mit Frankreich hinzielte — Deutschland läßt den Franzosen in Marokko völlig sreie Hand, wenn Frankreich endgültig auf Elsaß-Lothringen ver- zichtet— mar richtiger als das imperialistische Vorgehen Bülows, der mit dem„Platz an der Tonne", den Deutschland haben müsse und ähnlichen Redewendungen den Kaiser noch Heeres- und flottenfreudtger, aber auch noch isolierter machte, als er schon vorher war. Das Doppelspiel, das Bülow dabei trieb, dürfte schwerlich in der Geschichte seinesgleichen haben. Das verraten seine Memoiren, in denen er aus dem Grabe so viele Personen bespeit, die er im Leben anscheinend verhimmelte,' das ver- raten auch seine Briefe an Eulenburg, die dessen Familie veröffentlicht hat, um sein zwiespältiges Verhalten zu kenn- zeichnen. Ton, Form und Inhalt dieser Briefe sind typisch für die dunstige Atmosphäre, in deren Verschwommenheit sich die Ueberschwänglichkeiten jener Zeit abspielten. So heißt es tu einem Briese Bülows an Euleuburg: „Sich äußerlich in manchem unähnlich, sind wir innerlich doch mahrhast wahlverwandt... Du bist vielleicht mehr ger- manisch-hellenisch wie der zweite Teil des Faust, ich mehr preußisch-römisch: Du mehr ritterlich, ich mehr militärisch. Aber wenn Dein Scheitel Deine Stirne berührt, so wurzeln Deine Sohlen doch auf der wohlgerundeten Erde: wenn ich am Boden hafte, so reicht mein Blick doch zu den Wolken und Sternen. Du mit Deinem unendlich feinen Gefühl, ein schöner Edelfalke in einem von Füchsen, Borstentieren und Wildgänsen erfüllten Wald. Die ewige Macht, die Dich leitet, erhalte Dich, mein Philipp!" Weshalb ist es wichtig, auch heute noch auf diese ganzen Vorgänge zurückzukommen? Nicht nur aus historischen Grün- den, sondern um sich ins Gedächtnis zurückzurufen, von wie persönliche» Eifersüchteleien und Schwärmereien oft das Leben der Nation abhängt. Das aus dery oft nur allzu be- rechtigtev Minderwertigkeitsgefühl geborene GeltungS- bedürfniS Einzelner hat ganze Völker und Staaten ver- »tchtet. Vor iflnfnndiwanzig Jahren ,»»!*.<«.«.* Es ist jetzt gerade ein Bierteljahrhunöert her, daß vor den Berliner Gerichten eine Reihe von Prozessen begann, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus größtes Aufsehen erreg- ten. Tie Weltpresse zog sie mit dicken Schlagzeilen und mora- Äscher Entrüstung als Skandalprozesse aus gegen bekannte Persönlichkeiten von Rang und Stand, in Wirklichkeit aber bandelte es sich um viel mehr als um eine Tagessensatton. Tie skandalös an die Oesfentlichkeit gezogenen Sexualintimi- tüten waren nämlich nicht etwa der„Zweck der Uebung" als solcher, sondern nur ein Mittel zum Zweck, ein geschickt be- vntzteS. gemeinsame», aber nie versagendes Kampfmittel, um ^nen Gegner zu beseitigen, an den man sonst so schwer heran- kommen kann. Im Enddeffekt bedeutete der Verlauf und Ausgang der da- tüaligen Prozesse nicht? mehr und nichts weniger als einen Bieg Richtung, die schließlich in die Geschehnisse des Welt- kriegeS ausmündete. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß, wenn in dem Intrigenspiel der beiden Höf- tiüge Wilhelms II., Fürst Philipp Eulenburg und Fürst Bernhard Bülow, nicht Bülow, sondern Eulenberg gesiegt hätte, der als der persönliche Freund des französischen Ge- soudschaftKättacheS Lecomte Träger der Berföhnungs- und Friedenspolitik mit Frankreichs war, daß in diesem Falle die Weltgeschichte eine andere Entwicklung genommen und der Weltkrieg höchstwahrscheinlich nicht stattgefunden hätte. 9ch selbst war zu diesen Prozessen als Sachverständiger zu- Booßen worden, dem die ebenso schwierige wie unangenehme Ausgabe gestellt war, auf Grund seiner sexualwissenschaftlichen Spezialkenntnisse ein objektives und unparteiisches Urteil darüber abzugeben, ob die Beweisaufnahme die Wahrheit der î'ardenschen Behauptung erbracht hätte, daß die Tafelrunde Fürsten Eulenberg auf seinem Schloß in Liebenberg zum Teil aus Homosexuellen bestünde. Maximilian Harden, der anfangs Schauspieler gewesen ^or und dann als äußerst gewandter Journalist die ,Lu- kunft" herausgab, auf deren Erscheinen jede Woche Hundert- îousende mit höchster Spannung warteten, hatte diese Be- bauptung ausgestellt, um aus ihr zu folgern, daß dieser, dem î°'ser sehr nahestehende Kreis— Phili war der intimste freund Wilhelms, mit dem er aus Du und Du stand— in- 'olge der Veranlagung seiner Teilnehmer auf den Monarchen klnen verderblichen Einfluß ausübe s,^amarilla"). .Ich erinnere mich, wie eines TogcS die Fürstin Eulenburg. tttte sehr gescheite Dame aus Schweden, in einer Pause der wochenlang dauernden Verhandlung zu mir sagte:„Auf weinen Mann schlägt man und den Kaiser meint man," Sie * ra f damit den Nagel auf den Kops, obwohl alle Beteiligten taten, als hätten sie nur die Absicht, den Kaiser von schäd- Uchen Elementen zu befreien, die sich an ihn herangedrängt hatten. . Trotzdem Eulenburg und Bülow umfangreiche Memoiren Unterlassen haben und eine große Reihe zeitgenössischer Driften erschienen sind, in denen auf diese Prozesse aussühr- Bezug genommen wird— so erst neuerdings unter dem „Die graue Eminenz" eine Biographie des Herrn ?^'edrich August von Holstein, einer der seltsamsten und sin- ^k'ten Erscheinungen der Wilhelminischen Aera— bin ich . r Meinung, daß noch immer ein dichter Vorhang über w'en. für die Borgeschichte de« Weltkriege» so entscheidenden Vorgängen schwebt und die letzten Zusammenhänge noch lange nicht geklärt sind. Nun sind schon fast alle tot, die in diesem Drama eine Rolle spielten, und deren Name vor fünfundzwanzig Jahren in aller Munde war, tot die beiden Hauptakteure Fürst Eulen- bürg und sein Gegenspieler, der sich bei Lebzeiten stets schlau im Hintergrund haltende Fürst Bülow lerst seine Memoiren entschleiern sein Bild), tot Harden, der sich als Held des Tages vorkam und als solcher gefeiert wurde, in Wirklich- keit aber doch nur ein großer und nicht einmal guter Schau- spieler war, tot Hardens berühmter und jetzt auch schon ver- gessener Verteidiger Justizrat Bernstein aus München, mehr Dichter als Jurist, tot Hardens Drahtzieher und Gewährs- männcr, vor allem Holstein, der die Kleinlichkeiten aller durchschaute und dem es einen teuflichen Spaß machte, alle gegen einander auszuspielen, tot auch Professor Schweninger, Bismarcks Leibarzt, der als Zuträger Hardens aus zwei Quellen schöpfte. Die eine war seine Gemahlin, eine geborene Gräfin Moltke, die mit ihm„durchgegangene" Gattin des Malers Lenbach und Kusine jener anderen Gräfin Moltke, die mit Cuno Moltke, dem Stadtkommandanten von Berlin ver- heiratet war: sie hat sich bei ihrer Base bitter beklagt, daß ihr Mann mehr für Phili schwärme als für sie, und die Base hat richtig herausgefühlt, daß dieser Fall ihren Mann als Arzt interessieren müßte. Die zweite Quelle Schweninger's war der mit Recht ver- bitterte Btsmarcksche Kreis, dessen Leibjournalist Harden war. Bismarck hat als einer der ersten erkannt, in welchen Abgrund die Jntrigenpolitik führen mußte, die sich, nachdem er„wie ein Dienstbote" von Wilhelm II. fortgejagt war, um den kaiserlichen Hof etabliert hatte. Der Schatten Bismarcks reckte sich hoch hinter Eulenburg und Bülow empor. Bismarck war sich darüber klar, und wußte aus eigener Erfahrung, daß es letzten Endes doch nicht so sehr aus die Höflinge ankam, als auf den Herrscher selbst, der seine Schwächen durch Schneidigkeit überkompensierte und sich in guten und bösen Tagen hinter sein Gottesgnadentum verschanzte— eine sehr bequeme, aber leider auch sehr gefährliche Taktik und Politik. Längst tot ist auch der Generalstaatsanwalt Jsenbiel, der wie„Roland der Riese" daherschritt und für Eulenburgs „Unschuld" seine Hand ins Feuer legte, um sie einige Monate später sachte herauszuziehen, als er sich gezwungen sah, gegen seinen Schützling Meineidsklage zu erheben. Nie werde ich den gequälten, martervollen Gesichtsausdruck in Eulenburgs Zügen vergessen, als Jsenbiel ihn auf Justiz- rat Bernsteins Betreiben schwören ließ, ob. er sich in seinem Leben homosexuell betätigt habe oder nicht. Als er nach einigen Sekunden, die wie Minuten schienen, die Wort« herausschleuderte„Ich weiß nichts von solchen Schweine- reien", sagte der Generalstaatsanwalt triumphierend:„Na also!", aber jeder andere im Saale fühlte: hier ist jemand in eine Falle gegangen, r Harden hat in dieser ganzen Angelegenheit zwei verhäng- nisvolle Fehler begangen, wobei wir ihm zugute halten kön- nen, daß er sie nicht aus purer Eitelkeil beging, wie mancher, sondern daß er sich tatsächlich irrigerweise für den Retter des Vaterlandes hielt. Er meinte den Kaiser und schlug aus Eulenburg, aber er schlug auf den Falschen, es wäre richtiger gewesen, er hätte Bülow getroste». Jensens der reste Von Feuerwerk wurden sie nicht satt In bet früher christlichen, jetzt Papenschen„Germania" Mr. 277) lesen wir: DaS Schwurgericht Berlin verurteilte den 78 Jahre alten invaliden Tischler Eduard Pr. wegen Totschlag- Versuchs an seiner Ehefrau zu einem Jahr Gefängnis. Auf der Jährt zum Gericht las man von dem Ende eineS GlternpaareS, das aus Gram um einen verdorbenen Sohn aus dem Leben geflüchtet war? im Schwurgerichtssaal sah und hörte man als Angeklagten einen verhärmten, dürftigen Greis, der versucht hatte, sich mit seiner durch einen Schlag- anfall gelähmten Frau aus dem Leben zu stehlen. „73 Jahre bin ich alt/ berichtet stockend der An- geklagte,„bis 6 8 habe ich gearbeitet. Dann bekam ich zuerst 88,50, zuletzt nur 82,50 alt!. Invalidenrente, dazu 12Mk. Sozialrente. Im Monat. Miete kostete 55 Mark im Monat. Also fehlten noch 10 Mark. Ab- vermietet hatte ich einen Raum für 18 Mark und eine Schlaf- stelle für 3.50 Mark. Ich bin dazu gekommen, weil ich so alt und so schwach war, und weil ich die ganze Arbeit machen mußte, seitdem meine Frau am 11. Oktober letzten Jahres einen Schlaganfall erlitt und gelähmt blieb. Ich muhte sie früh waschen, ihr die Haare machen, sie anziehen. Dann mußte ich Kaffee kochen, die Betten machen, abwaschen, einholen. Ich wurde immer weniger, ich wog nur noch 78 Pfund. Oftmals mnßte ich mich bei der Arbeit hinsetzen. Und dann kamen mir die Tränen, ohne daß ich eS wollte. Da kam der 14. Juni in diesem Jahre? ich katt« meine Frau besorgt und ins Bett gebracht. Dann war ich noch mal runtergegangen. Weil ich wieder mal nicht ein noch aus wußte. Ich habe ein paar Schnäpse getrunken. Zu 10 Pfg. Biel kann ich mir nicht leisten. Wegen des Geldes und weil ich magenkrank bin. Ich sagte zu mir selbst: du machst Kurz- schluß heute! AlS ich nach oben kam, sagte ich zu meiner Frau: Ich halte es nicht mehr aus? ich falle direkt um bei der Arbeit? wir wollen Kurzschluß machen! Meine Frau sagte: Meinetwegen! Ich schloß baS Fenster, drehte den Gashahn in der Küche auf, zog mich aus, legte mich nieder und wartete auf den Tod. Mit einem Male hörte ich meine Frau murmeln. Aber ich verstand noch nichts, dann aber hörte ich sie sagen: Ach, wir wollen doch lieber leben! Da habe ich geantwortet:„Metnet- wegen! Aber als ich mich anschickte, auszustehen. daS Fenster zu öffnen und den Gashahn abzudrehen, da war schon mein Untermieter nach Hause gekommen, hatte das GaS gerochen, die Fenster aufgemacht und das Gas ab- gestellt/ , So de? Bericht beS 78 Jahre alten ArbeitSinvaliben Eduard Pr. vor dem Schwurgericht, der am 14. Juni dieses Jahre« versucht hatte, seine gelähmte Frau und sich selbst aus dem Leben zu flüchten. Der Anklagevertreter hatte in der Tat des alten Mannes den Versuch gesehen, sich der Frau, die für ihn eine Last geworden war, zu entledigen. Er hatte wegen versuchten Mordes drei Jahre Zuchthaus beantragt. Da« Geschworenengericht aber glaubte die ihrer Schlicht- nett erschütternde Darstellung de« traurigen Helden dieser AlltagStragödie als wahrscheinlich annehmen zu sollen. Für die arme, gelähmte Frau ist gesorgt. Der 78jährige geht— erschütternd ist eS, seine Worte wiederzugeben— gern i n S Gefängnis,wo er sauber und warm zu woh- nen.vor Hunger geschützt zu sein hofft! Wie Schutzhaifllnge sterben Im Mat b. I. wurden ohne jeden Grund aus dem Stadt- teil Rheinau Mannheim) drei Männer, alle drei Brüder, Familtenväter, als Schutzhaftgefangene nach dem Heuberg verbracht. Ihr einziges„Verbrechen" hatte darin bestan- den» bah sie treue Sozialdemokraten waren. Nach einigen Wochen auf dem Heuberg wurde der älteste der Brüder, ehemaliger Frontkämpfer von 14—13, Inhaber des E. K. 1 und 2 und mehrmals verwundet gewesen, krank. Obwohl er, sonst ein kräftiger Mann, einige Male bei der Arbeit zusammenbrach, ließ man ihn nicht ruhen, sondern jagte rhu wieder und wieder an die Arbeit. Der Lagerarzt be- gnttgte sich, den Kranken ohne gründliche Untersuchung als ??^rtakranr Mückschlag eines Kriegsleidens) zu behan- dein. Nach neun Wochen endlich war der Kranke„kuriert". Mit 41/, Grad Fieber und zum Skelett abgemagert wurde er In da« Krankenhaus nach Sigmaringen eingeliefert, wo »er Arzt, der den Kranken mit Kopfschlltteln empfing, eine doppelseitige Lungenentzündung im fortgeschrittensten Sta- dium feststellte. Der tüchtige Herr Lagerarzt hatte das noch garnicht bemerkt... Und auf den Papieren, die man mit dem Kranken ins Krankenhaus schickte, war vermerkt, daß dieser„gesund" und„arbeitsfähig" aus dem Konzentrations- lager Heuberg entlassen worden sei.... Nach zweitägigem Aufenthalt im Krankenhaus, wo man sich vergebens um ihn bemühte, hatte der Kranke ausgelit- ten. Er starb. Nach Meinung des Chefarztes wäre er zu rette« gewesen, wenn man ihn eine Woche früher eingelie- sert hätte. Aber da hatte der Lagerarzt wohl noch Überlegt, wie tt beat„Marxisten" das Kranksein verleiden könne. Eine Ueberführung der Leiche nach Mannheim wurde nicht gestattet.(DU Herrschaften wußten, warum.) Dagegen durfte der Tote in seinem Heimatort, einem Dorf im All- gä«, beigesetzt werben. Allerdings fand sich auch hier eine ^.rauergemeinde zusammen, so grob, wie sie noch nie in dem Ort versammelt gewesen war. Selbst aus entlegenen Bauernhöfen kamen die Leute, um dem vom Faschismus Gemordeten die letzte Ehre zu erweisen. Und die Freunde und Kampfgenossen des Toten wissen, auch diese? Opfer, als da« Karl Steiler von Rheinau fiel, wird einst gerächt werben. Den einen der drei Brüder lieben sie verenden wie ein Stück Vieh, die Herren von der neuen deutschen Kultur. Den anderen beiden Brüdern aber verwehrte die Lager- leitung vom Heuberg nicht nur die Teilnahme an der Be- stattung ihres Bruders, sondern, wie wir weiter erfahren, liegt der eine Rruder des Toten mit einem Rtppenbruch, der andere mit einem Leistenbruch darnieder. Welche„sanfte Gewalt" diese Leiben verursachte, kann sich jeder denken! „Greuel"-NadirIdifen?- Nein... DaS Mannheimer Naziorgan, das„Hakenkreuzbanner", leistet sich seit einiger Zeit das„Vergnügen", alltäglich in einer Sonderrubrtk, betitelt„Judenliebchen Nr", die Namen und Adressen von solchen Frauen und Mädchen zu veröffentlichen, die in irgendwelchen Beziehungen zu jüdi- schen Männern stehen. Flüchtige Bekanntschaften werden hier genau so„angeprangert" wie selbst Verlöbnisse usw. Nicht genug damit, erhalten die Frauen und Mädchen in den Betrieben, wo sie beschäftigt sind, Drohbriefe, in denen der NSBO.-BetriebSrat ihnen die Entlassung androht,„falls sie nicht" usw., andere werden brieflich als„Hure",«Juden- dirne" und ähnlich beschimpft, wobei ihnen Auspeitschen und andere Torturen in Aussicht gestellt werden. Eines der un- glücklichen Mädel hat bereits Selbstmord verübt— die Hetze aber geht weiter.- Um die„Lttgenhetze" der„Greuelmeldungen" zu brand- marken, brachte dieselbe Zeitung vor kurzem einen in der Auslandspresse erschienenen Artikel zum Abdruck, in dem die Hein Beanilernielir als12000Mark Eine vergessene Parole der Nazibonzen Ab und zu muß man den Rechenstift zur Hand nehmen, um die Naziparole:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" an den Tatsachen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Dies- mal soll das Thema der hohen Gehälter, das einst m der Agitation eine solche Rolle spielte, an einigen Zahlen- beispielen erläutert werden. Reichskanzler Hitler, der entgegen der bisherigen An- preisung deS GpartanertumS inmitten der Wirtschaft?» ftthrer gegen die verdammte Bedürfnislosigkeit zu Felde zog und damit abermals eine Waffe auS dem marxisti- schen Arsenal entlehnte, steht seine neue Wirtschafts- philosophie mindestens in einer Volksgruppe verwirklicht: Bei den Führern des nationalsozialistischen„dritten Reiches"! Also rechnen wir: SS erhält General GS ring: als ReichStagSpräfident vierfache Diäten.. SS 600 Mk. als Preuß. Ministerpräsident(nach Vornahm« aller Beamtenabzüge)......... 24 000 Mk. Auswandsentschädigungen a) als Minister» Präsident, b) als Reichsminister» c) als Preußischer Minister des Innern,,,. 24 000 Mk. als Mitglied des Staatsrats...... 18 000 Mk. 93 600 Mk. Dazu freie Wohnung. Vielleicht auch noch Bezüge als General?! 72 000 Mk. von seinen Einkünften sind steuerfrei! ES erhält Herr Kerrl, vor einem Jahr noch mittlerer Beamter mit etwa 5000 Mk. Jahresgehalt: AIS LandtagSpräsident vierfache Diäten... SS 600 Mk. als Preuß. Justizminister(nach Vornahme der Abzüge) SS 000 Mk. Aufwandsentschädigung 8000 Mk. als Mitglied des Staatsrat«. 12 000 Mk. 75 600 Mk. Dazu freie Wohnung: 56 000 Mk. sind steuerfrei! ES erhalten preußischer Minister R u st und Reichsminister Darrel Als Minister 22 000 UM. als Mitglieder des Staatsrat«...... IL 000 Mk. als Abgeordnete der Parlamente,»,», 0 400 Mk. Auswandsentschädigung..,«,,,»« 8000 Mk. 50 400 Mk. Dazu für Darre noch 8000 Mk.— 58 400 Mk., da er al« Reichs- und preuß. Minister doppelt« Aufwandsentschädigung hat. Freie Wohnung! Es erhalten Oberprästbenten wie Kuve, Koch, Löhs«, Brückner u. a.: Als Oberpräsidenten Gehalt und Wohnung«, geld(nach Vornahme der Abzüge).... 18000 Mk. als Mitglieder des Staatsrats IL 000 Mk. als Abgeordnete des Reichstags oder Landtags 8 400 Mk. Auswandsentschädigung als leitender Beamter 3 000 Mk. 41400 Mk. Dazu Kube 8000 Mk.— 44 400 Mk. als Aufwandsentschädt- gung für zwei Provinzenil Dazu noch die Bezüge als Gau- letter der NSDAP. Das mag genügen. Erwähnt sei noch, daß die Reich«- statthafter Reichsministergehalt bekommen und damit Be- züge, wie sie in den Ländern außer Preußen und Bayer» früher kein Beamter, auch nicht der Ministerpräsident de» Landes, erhalten hat. Die Reichsstatthalter stehen sich mit ihrem Gehalt und ihren Diäten auf 33 000 Mk., soweit sie Gauleiter der NSDAP., auch für preußische Gebietsteile, und damit Mitglieder des Staatsrats sind, auf 45 000 Mk.ll Im vtelverlästerten„System" hat kein hoher Staat«- beamier auch nur annähernd solche Bezüge erreicht. Dt« hohen Würdenträger des„dritten Reiches" beziehen teil, weise das Doppelte und Dreifache ihrer Amtsvorgänger. Sie beschimpften diese als Blutsauger und sperren sie, wo sie ihrer habhaft werden können, in die Konzentrattonslager. Sie selbst aber pressen jeder einzelne 50000 bis 100 000 Mk. aus einem Volke heraus, das schlimmer darbt denn je, und verhöhnen ihre Opfer täglich mit der heuchlerischen Phrase des Nationalsozialismus:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" Komödie Im Konzentrationslager Wenn Besuch kommt „SS steht jedem Ausländer frei, deutsche Sonzentrations- lager zu besuchen» um sich ei« Bild zu machen, daß hier alles andere als Grausamkeit und Brutalität obwalten." So sprach der Reichslügenminister G ö b b e l s in Genf. Da- zu schreibt uns ein Genosse, der noch heute an seinem Körper Spuren blutiger Mißhandlungen trägt, der aber als AuS- länder auS der Gefangenschaft entlassen wurde, folgendes: „Ich wurde am 24. Mai in Leipzig von SA.-Leuten ver- hastet, weil ich ein hektografiertes Flugblatt bei mir hatte. Man brachte mich zur SA.-Wache ins Volkshaus, wo ich furchtbar mit dem Gummiknüppel geschlagen wurde. AlS ich dagegen protestierte, erklärte der Scharführer Richter:„Den Hund möchte ich am liebsten erschießen!" Nach dieser Exekution im Bolkshaus mußte ich mehrere Stunden lang mit erhobenen Händen trotz furchtbarer Schmerzen gegen die Wand gekehrt stramm stehen. Alsdann kam ich nach dem Polizeipräsidium zur Vernehmung. Ich mußte(als Ausländer! Red. d. N. V.) den deutschen Gruß „Heil Hitler!" erwidern. Nach der Vernehmung kam meine Ueberführung ins Lager Colditz. Dort sind außer den„politischen" auch zahlreiche kriminelle Verbrecher, da Colditz früher eine Landeskorrek- tionsanstalt war. Die Verpflegung war unter aller Kritik. Morgens zwei Stück trockenes Brot und eine Wasserbrühe, Kaffee genannt, mittags ein Göbbelssches„Eintopfgericht", aus harten Linsen und Bohnen bestehend. Abends wieder „Kaffee" und zwei Stück Brot. Dafür müssen die zahlungs- fähigen Häftlinge täglich noch 2 Mark bezahlen! Morgen» 5.30 Uhr Kommandoruf:„Aufstehen" von den verfaulten Strohsäcken, dann muß jeder Lagerinsasse sich beim Lager- führer melden mit der Bitte, sich waschen zu dürfen. Von 7.45 bis 8 Uhr Gesangstunde mit dem Lied:„Haken- kreuzfahnen wehen über Deutschland". Abends um 8.80 Uhr muß sich das ganze Lager auf dem Hof aufstellen, und zwar unter einem brennenden Hakenkreuz, und dann wirb gemeinsam das Lied:„Deutschland, Deutsch- land über alles" gesungen. Wer nicht singt, wird mit dem Gummiknüppel bearbeitet. Dann heißt es„Kehrt" und wer keine vorschriftsmäßige Kehrtwendung ausführt, wirb ebenfalls schwer geschlagen. Bei Tage werden die Inhaftierten zum größten Teil mit Landarbeiten beschäftigt. Eines Tage? meldete sich eine ausländische Journa» liftengruppe zur Besichtigung des Lagers an. Am Tage vor der Besichtigung war großes Aufräumen, Einteilung der Arbeit und Auswahl derjenigen, die Rebe und Zerstörung der Synagoge in Mannheim beschrieben war. Jedermann könne sich überzeugen, daß an der Mannheimer Synagoge in F 3 nicht die kleinste Beschädigung vorgekom- .-^merkte das Naziblatt dazu.— Es verschwieg aber wohlweislich daß es sich bei der zerstörten Synagoge um m».?»^• befindliches jüdisches Gotteshans handelte... Nicht weit von Weinheim a. d. B. liegt im Odenwald ein kleines Dorf, Rimbach. Dort erschienen in der Nacht vom 30. zum 81. August d. I. mit einem Lastwagen eine größere Anzahl SA.-Lcute, teilweise mit der Armbinde der„Hilfö- Polizei versehen. Ein bort ansässiger Mann, Kriegsbeschä- digter(ichivere Schädelverletzung) und Sozialdemokrat, wurde ebenso wie ein indischer Geschäftsmann aus dem Bett geholt und von der Mordvande in den Wald geschleppt. Mit vorgehaltener»"stole und unter stetigen Drohungen, sie beide totzuschießen, wurden die beiden wehrlosen Männer derart misthandelt, baß sie über und über mit Striemen be- deckt waren. Dem Juden drohte man, entkleidet, wie beide Opfer waren, dabei immer wieder an, ihm die Geschlechts- teile abzuschneiden! Nachdem sich die Bestien lange genug an den Qualen der Gepeinigten geweidet hatten, ließen sie die Unglücklichen wieder laufen. Sie selber verschwanden, wie sie gekommen waren, in Nacht und Nebel. Wahrschein, lich zu weiteren„Heldentaten". Antwort stehen sollten. Alles wurde auf« beste vorbereitet und durchgesprochen und den Leuten gesagt: „Weh Euch, wenn einer es wagen sollte» die Di««« anders zu schildern, wie Ihr Auftrag habt, dann könnt Ihr Eure Knochen im Lager zusammenlesen." Die zerschlagenen Lagerinsassen wur- den aufs Land abkommandiert. Darunter befanden sich zwei Juden namens Meyer und Strauß, die infolge von Schlägen aus das Ohr das Gehör vollständig verloren hatten. Zum Frage- und Antwortspiel wurden zehn Mann ausgesucht, die als Speichellecker bekannt waren und die Gewähr boten, daß nichts Ungünstiges über das Lager an die Außenwelt kom- men würde. Aus die Frage einer der Journalisten, wie e» den Inhaftierten im Lager gefalle, erfolgte prompt die Ant- wort der vorher dazu Bestimmten: „Bei uns ist alles in bester Ordnung, wir habe« nicht« auszusetzen." Die anderen mußten schweigen. Wehe dem, der e« gewagt hätte, das zu sagen, was der Wahrheit entsprach. So sind die Verhältnisse in Colditz und Sachsenberg, in denen allein 2400 Menschen ihrer Freiheit und Ehre be- raubt sind und bestialisch gemartert werden. Wenn Göbbels die ausländischen Journalisten auf» fordert, die deutschen Gefangenenlager zu besuchen, so tut er es in der Absicht» sie zu betrügen» wie sie in Colditz und Sachse,lberg betrogen morde» sind. (Aus dem„Neuen Vorwärts".», Hordt In den Konzentrationslagern Wir entnehmen„Het Volk": „Schrecklich war es auch, die alten Leute von über sechzig sehen zu müssen.(In den Konzentrationslagern). Hatte einer eine Tracht Holz ein paar hundert Meter weit zu tragen, so muhte das im Laufschritt geschehen. Treppauf, treppab alle» im Laufschritt. Da war ein alter Mann, ein Pazifist, dessen Gesundheitszustand schon zu wünschen übrig ließ, als er ein- geliefert wurde. Man sah, wie der Mann jeden Tag elender wurde. Er bekam außerdem als besonders gefährlicher Mar- xist noch die schlechtesten Arbeiten und mußte Extradienst machen. Schließlich fiel er mehr, als er lief. Er wird es wohl nicht mehr lange machen." „Het Volk" veröffentlicht den Namen nicht, um den Häft- lingen nicht noch mehr zu schaden. Oer letzte jüdische Anwalt suspendiert Die„Frankfurter Zeitung" meldet: „Marburg dürste die einzige Stadt sein, in der es über- Haupt keinen einzigen jüdischen Rechtsanwalt mehr gibt. Es war nach Durchführung der neuen Gesichtspunkte zunächst noch ein jüdischer Rechtsanwalt im Amte geblieben. Dieser Anwalt ist jetzt durch vorläufige SuSpendierung von der weiteren Wahrnehmung seines ÄmteS ausgeschlossen worden. 3. Klasse hört mehr Radio als 2. Klasse! Die französische TtaatSbahn hat eine interessante Fest- stelluna gemacht: In den Schnell- und Eilzügen ihres NetzeS wird die Einrichtung, während der Fahrt Rundfunk zu hören, von den Fahrgästen der 8. Klaffe stärker in Anspruch genommen als von denen der 2. und 1. Klasse. 4 0 vis 50 Prozent aller Reisenden der 3. Klasse hört Rund- funk, in der 2. und 1. Klasse nur 20 bis 25 Prozent. Dabei ist der Preisunterschied für die Benutzung des Radio im Zuge zwischen den Klassen nur gering: Die 3. Klasse zahlt 5 Franken, die 2. Klasse 8 Fr., die 1. Klasse 10 Fr.(Ge- schaftsreisende,«riegsverletzte u. a. zahlen sogar nur 8 Fr.)« L Sfeutseàe Stimmen Feuîlletonbeîlage der„Deutschen Freiheit"* Samstag, den 14. Oktober 1933* Ereignisse und Geschichten •ölC eJCctzhllltdC Sioyàottcut gegen deutsche« Die„Reichsstelle zur Förderung des beutschen Schrifttums" erlabt im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel eine Mitteilung über literarische„Emi- grantenzeitschristen" und ihre Mitarbeiter. Sie lautet: Es ist allgemein bekannt, daß das Ausland noch weithin über die Zustände im neuen Deutschland falsch unterrichtet und daher nur zu leicht geneigt ist, den durch jene Zeit- schrtsten verbreiteten Entstellungen Glauben zu schenken. In der oben angedeuteten Mitteilung der Neichsstelle wird Bezug genommen auf die im Faust-Verlage in Prag er- scheinenden„Neuen deutschen Blätter", auf den marxistischen „Wiener Bücherwurm" und auf die von Klaus Mann in Amsterdam herausgegebene„Sammlung", die zu ihren Mitarbeitern nach Ausweis des Prospektes auch Thomas Mann und Nene Schickele zählt. Es wäre verhängnisvoll, über dies« Dinge mit einem Achselzucken hinwegzugehen. Sie sind nicht so harmlos. wie sie sich vom Inland aus ansehen, und eine nachlässige Vogelstraußbetrachtung dieses Problems der literarischen Emigrantenzeitungen könnte sich eines Tages bitter rächen. Diese Emigrantenzeitungen versuchen ganz bewußt, eine Lügenblockabe um das neue Deutschland zu errichten. Wir wissen vom Weltkrieg her, welche entsetz- lichen Wirkungen eine derartige Blockade eines schönen Tages haben kann. Wir wissen, baß das Ausland heute noch dum groben Teil so verblendet und so ununterrichtet ist über das wahre Gesicht des neuen Deutschland, daß die lügen- haften Darstellungen, wie sie durch die genannten und anderen Emigrantenzeitungen verbreitet werben, draußen allenthalben Gehör finden. Wir fordern alle die, die als Träger und Mittler des geistigen Lebens in Deutschland tätig sind, im Hinblick auf die literarischen Emigrantenzett- schritten, insbesondere den deutschen Verlag und den deutschen Buchhandel auf, sich in die Abwehrsront gegen den geistigen Krieg, der draußen gegen unS entfesselt wird, einzureihen. ES müßte für jeden deutschen Verleger eine Selbstverständlichkeit sein, daß er keine Bücher verlegt von Autoren, die sich zur Mitarbeit an den charakterisierten Zeitschriften bekennen. Es müßte für jeden deutschen Buchhändler eine Selbstverständ- lichkeit sein, daß er keine Bücher verbreitet von Autoren, die im Ausland geistige Kriegshetze gegen Deutschland betreiben. Und eS müßte ttir jeden deutschen Leser und darüber hinaus für jeden, der heute, ohne selbst deutscher Reichsangehöriger »u sein, die Gastfreundschaft des beutschen Volkes in An- spruch nimmt, eine Selbstverständlichkeit sein, baß er keine Bücher kauft und lie st von Autoren, die unser Volk aus niederträchtiger Eigen- ntttzigkeit täglich aufs schändlich st e herab- setzen und schmähen. * Das ist die unverhüllte Boykottandrohung, gewürzt durch Beschimpfung und Verfemung. Hinter dem Aufruf steht der Haß der braunen Schreiber gegen diejenigen, die sich die Freiheit ihres Schaffens nicht schänden ließen unter persön- lichem und materiellem Druck: deren Bücher man ächtete und verbrannte und die sich im Hitler-Deutschland beschimpfen lassen mußten als Verräter und Schädlinge. Viele entgingen nur durch einen glücklichen Zufall dem Konzentrationslager. Weil sie jetzt den deutschen Geist und die deutsche Kunst gegen die Hitler-Barbarei verteidigen, wird ihnen ihr Deutschtum abgesprochen. Weil sie die Wahr- hett nicht unterdrücken, eröffnen sie eine„Lügenblockabe gegen Deutschland". Weil sie weiter atmen, leben und schaffen wollen, werben die braunen Hetzhunde auf ihre Spur gejagt. Aber es hilft den nationalsozialistischen Machthaber» nichts. Die klügsten Köpfe und die besten Federn sind fort! Ge- blieben sind die Johste und die Kolbenhcyer mit einem Schwanz konjunkturwitternder Trabanten ohne die Legiti- mation der Könnerschaft. Damit ihre Bücher gekauft werden, wird daher ein Boykottfeldzug organisiert, mit Terror und Galgen für das Lesepublikum des besseren Geschmacks. Eine geschäftliche Sache, hervorgerufen durch den Jammer der Buchhändler, deren Läden immer einsamer werden, drapiert sie sich als vaterländische Angelegenheit und wagt es noch, von der„niederträchtigen Eigennützigkeit" der Vertriebenen zu sprechen. Es wird nichts helfen. Die„Emigrantenzeit- schriften" wachsen an Qualität, Umfang und Lesern. Alles, was im Auslande deutsch spricht und deutsch versteht, sieht hier das Abbild deutschen Wesens, das seine Usurpatoren erniedrigt haben. La schlecht geht es ihnen! Die Kosten des Braunanstrichs Der Borstand der Deutschen Buchhändler- gilde, dessen einzelne Mitglieder bisher neben ihren Namen das Monogramm der Banditen setzten, die heute das Reich regieren, und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortimenter bemühen sich bei den Verlegern durchzusetzen, „bei der diesjährigen Oktober Abrechnung mit einem verständnisvollen Stillhalten des Verlages rechnen zu dürfen, da sich andernfalls die Zusammenbrüche in schnell st er Folge mehren müßten". Keine Branche hat sich so ganz und gar braun angestrichen wie der Buchhandel, nun zahlt er die Kosten des Anstrichs. !Eüchec:,,Qutscheine" Der Boykott beutscher, das heißt gleichgeschalteter Bücher im Ausland hat so stark eingesetzt, daß baS RetchSinnen- Ministerium alle möglichen Instanzen zu einer Besprechung zusammentrommelte. Auf dieser kürzlich stattgefundenen Besprechung wurden„einschneidende Maßnahmen" be- sprachen und beschlossen. Mitgeteilt werden sie nicht. Die Besprechung ergab, daß die zwangsweise Umfangreduzierung der wissenschaftlichen Zeitschriften, über die in der„Deutschen Freiheit" bereits berichtet wurde, ein direkter Erfolg des Boykotts ist. Inzwischen gehts dem Buchhandel immer schlechter. Sein neuestes Rettungsrezept heißt„Bücher-Gut- scheine": statt jemanden ein Buch zu schenken, kauft man den Gutschein, der dem Besitzer die freie Wahl ermöglicht. Auch das wird dem Buchhandel nicht helfen. Jlainaltec Ganz rasseecht Im Buchhändlerbörfenblatt stellt der bekannte Kitschsabrt- kaut Erwin H. Rainalter fest, daß er kein Halbjud« oder Jude, sondern ein„reiner" Arier sei: Arter ist der Herr wohl, aber ob er„rein", d. h. sauber ist, das ist die Frage. Der Herr verdankt seine Wiener Position als Redakteur einer jüdischen Zeitung Stefan Zweig. Das hinderte ihn nicht in einen Naziliteraturverein einzutreten, als die Kon- junktur günstig schien- Er trat aber sofort wieder aus. als sein jüdischer Chefredakteur es verlangt«. So sehen heute deutsche Dichter auS. 3Com 3Ceiai Vampic in Ungnade test gefeiect- jetzt„ ancüchig" In jeder deutschen Buchhandlung liegt an hervorragen- der Stelle der Horst-Wcssel-Roman von Hans Heinz Ewers. In seinem bunten Einband lockt er dke Käufer an. Er hat die amtliche Approbation der national- sozialistischen Parteileitung: bat doch der„Führer" selbst dem mit ihm befreundeten HanS Heinz EwerS den offi- Bellen Auftrag zu diesem Buch erteilt. Jetzt ist alles auSI Plötzlich läßt die nationalsozialistische Presse den Vielgepriesenen fallen— auf das Signal des Herrn GöbbelS. Ewers ist nämlich der Textbuchverfasser des inkriminierten Horst-Wessel-Ftlms, und nun tobt die Meute seiner bisherigen Freunde. Der„Dortmunder General-Anzeiger" schreibt: Vollends erledigt war dieser Film für unS, als die Gesellschaft bekannt gab, daß der Verfasser anrüchiger Romane aus der Borkriegszeit. Hans Heinz Ewers, bei der Abfassung des Drehbuches mitgewirkt habe. War es schon aus völkischen Grundprinzipien her» aus nicht vertretbar, daß ein HanS Heinz Ewers sich des Horst-Wessel-Stoffes in einem Roman bemächtigte, der- selbe Hans Heinz Ewers, der sich noch im Jahre 1920 zu- sammen mit Lehmann-Rußbüldt, Toller, Ossietzki und anderen bolschewistischen Zivilisations- l t t e r a t e n für die Abschaffung des 8 175 des Strafgesetzbuches einsetzte, so hielten wir es für ebenso unmöglich, daß der Verfasser des„Vampyr", der„Alraune" und des Geisterseher" diese unendlich kämpferische und herrliche Figur eines Horst Wessel im Film gestalten durfte. Die„Saar-Front" wagt sich sogar mit einer Kritik an gewissen Parteiinstanzen hervor: „Dieser Mythos unserer Bewegung würbe durch jede filmische Darstellung des Menschen Wessel zerstört wer- den. Wir sind deshalb dankbar, daß die Aufführung des FilmS unmöglich gemacht wurde. Ein Hans Heinz EwerS, der in seiner Vergangenheit schmierige Bücher ge- schrieben hat, lieferte das Drehbuch Es fragt sich nur, ob man das alles nicht eher wußte, ob es nötig war, daß sich alle Welt erst mit diesem Fall beschäftigte, und ob der große Einsatz vieler Mittel und vieler williger Parteigenossen und großer Unterstützung vieler Partei st ellen richtig war." Nun sitzt HanS Heinz Vampir zwischen den Stühlen. Die Nazis werfen ihn hinaus und die geistreichen Jüdinnen, mit denen er früher gern an Teetischen parlierte, leben als Emigranten in Paris. Ein unsägliches Gefühl des Ver- lassenseinS muß ihn und sein Monokel beschleichen, da» schon bis zu den höchsten nationalsozialistischen Ehrenstellen mit weitreichenden Berdienstmöglichkeiten emporgeblitzt war. Das Qeheunnis enthüllt! Der Regisseur des Horst-Wessel-Films— Jude! Aus Zürich wird uns geschrieben: In Göbbels„Angriff" heißt es zum Verbot deS Horst-Wessel-Ftlms u- a.:„Der Film sei ein Versager, weil sich Leute an diesen gigantischen Stoff herangewagt hätten, denen die Welt Horst Wessels fremd gewesen sei und fremd bleiben mußte". Wer mag damit gemeint sein? Nun, der Regisseur dieses Films, Wenzler, ist doch Jude, was die Nazis wohl bisher nicht gewußt haben.< Dann allerdings— Darum war der Film, der vorher mit größtem Reklameaufwand gepriesen wurde, aus einmal so miserabel! Laß mich in deine Arme fliehen, Gewalt! Laß mich zu deinen Füßen niedersinken! De« Speichel, der von deinem Mund, Gewalt, herniederrinut, laß mich beseligt trinken. Die Peitsche, die in deinen Händen knallt, die Peitsche laß mich küssen und verehren! Und deinen Auswurf laß mich, oh Gewalt, bei Tische im Familienkreis verzehren. Denn d« bist ewig, groß und gut, Gewalt. Schmuck eingekleidet hältst d» deine Würger. Verrückt ist, wer mit dir zusammenprallt! Ich aber beuge mich, ein kleiner Bürger. Boll Demut neige ich das Knie, Gewalt. Ich liebe dich— nun schlag aus meinen Rücke»! «chlag, daß es durch Europa hallt! Ich werde mich noch tiefer bücke«. Gott bist du und mein letzter fester Halt; ich faulte sonst z« wesenlosen Dingen. Drisch mit der Fanst ans meine« Kops, Gewalt! Ich will dir noch ein Hallelujah singen. bin ein deutscher Mann, noch gar nicht alt— Ich sag es nur, daß du uns nicht Eunuchen in deinen stillen Stunden nennst. Gewalt. Und nun— nun komm, uns wieder zn besuche«... Stefan Hey«. Dec£enz ist da — und übt Kinderzucht Der deutsche Universitätsprofessor Lenz schlägt ein« „Soztalisierung der Kinderaufzucht" vor, die aber keineswegs eine Kollektivisierung sein soll, sondern in einem Ausgleich der Familienlasten besteht. Die Mittel für diesen Ausgleich fehlen. Daher wird folgender Ausweg vorgeschlagen: Von den 12 Millionen erwerbstätiger Frauen werden sechs Mil- lioncn— gerade die Zahl der Arbeitslosen, sagt Lenz— aus dem Erwerbsleben gezogen und unter sie die Beträge für die Arbeitslosenhilfe von 4 Milliarden verteilt. Jede ver- heiratete Frau, die in die Familie zurückkehrt und jede ledige Frau, die ihren Arbeitsplatz aufgibt und heiratet, er- hält 30 Mark monatlich, letztere zunächst auf drei Jahre unter der Bedingung, daß sie nach Ablauf dieser Zeit ein Kind hat. Nach fünf Jahren muß sie zwei Kinder haben. Nach diesem Plan müßte in a ch t Jahren die Arbeitslosigkeit durch diesen Plan überwunden sein! Sehe aufschCupeeich Tanz, vom Herrn Bürgermeister beaufsichtigt In Hotel Esplanade fand, so lesen wir in der„Vossische« Zeitung", eine aufschlußreiche Tanzschau statt. Die Tanz- schulen Antoine, Waldmann, v. Suckow-DreSden und Wigand-Elbing zeigten, was man in diesem Winter tanzen wird. Der„Deutschländer" hat sehr gut gefallen, ebenso die schnellen und langsamen Foxtrotts. Neu waren auch für daS Publikum der Marschtanz, ein Gleit- und langsamer Walzer. Wie immer sah man gerne den vornehmen ruhigen Tango. Den großen Erfolg aber erzielte der Paso Doblo, und auch der gute alte„Rheinländer" kam wieder einmal zum Vor- schein. Es waren eine Reihe interessierter Persönlichkeiten erschienen, unter ihnen auch der kommissarische Bürger- Meister Dr. M a r etzky. Die Hauskapelle Ba"nabaS v. Geczy hat sich schon ganz auf die neue Art der Tänze und der Tanzweisen umgestellt und erntete besondere» Beifall. ZeU=7lotizm „Ilms 2onntnftc»j" beißt ein Gesellschaftsspiel, das der„Schlager des Jahre»" ist.„Ums Sonnenkreuz verkauft sich selbst am Besten. Ein Exemplar im Fenster lockt den Kitufer, dafür sorgt der Herr» ltche künstlerisch hochwertige Spielplan und die traditionsgemäße, stir deutsche Waren sprichwörtlich solide und dauerhafte AuSfüh« rung." Auf dem Spielplan sind abgebildet: Wotan, Kriterien» rex. Bismarck und der Osaf. ♦ Unter dem Titel„Der Führer" Ist ein Kalender für 1M4 erschienen. Die Banditen-RetchSleitung bat ihn genehmigt. Man kann also 52 mal ein Stück vom Führer abreißen und damit machen, was man will. 1SS4 ist der„Führer" dann zu Ende. Verboten wurde fAktenzeichen 11 D 294/160) Kurt von Reibnttz« „Im Dreieck Schleicher, Hitler, Hindenburg". Die Beschlagnahme von Erich Wulfsen:„Der Sexualverbrecher" wurde ausgehoben. l„Reich»anzeiger" Nr. 281.) « Der„Papierhändler" lReichSverban» deutscher Papier- und Schretbwarenhändleri mahnt seine Mitglieder zur Vorsicht. Di« ReichsmicknmauS und der Polizeipräsident von Berlin hätten mit- geteilt, e» würden alle Briefpapiere, Postkarten usw., die mit den „nationalen Symbolen" geziert seien, verboten werden. Der preußische Kultusminister Ruft verfügt die Anschaffung de»„F r o n t b u ch e«", einer kriegshetzerischen Schrift de» Franz Schauwecker, allen staatliche« und Volksbüchereien und weist da» Aentralblatt für die gesamte UnterrichtSverwaltuiH in Preußen an, den Mist zu rezensieren. * Ruft verfügt neuerlich fAktenzeichen U II T Nr. S7K7), daß In den Abschlußklassen aller Schulen Vererbungslehre und Rasten- künde unterrichtet zu werden hat. Bei den Abschlußprüfungen fl«>* diese Stoffe pflichtgemäße« Prllfungsgebiet. vi» auf die Fichte-Hochschule find in Leipzig all« volk»»tldun»« institut« g e s ch l« s se n worden, vâS □□EEMam JAHRGANG TÄGLICHE UN TE R H ALT UN GS-KEIL AGE i SAMSTAG, DEN 14. OKTOBER 1933 John(Butt Konservativ Ein junger Deutscher, zur Ausbildung in London, findet in Mr. Underwood einen zuverlässigen Führer und klugen Be» rater. Einige Tage vor der berühmten Oxford-Cambridge- Regatta macht er seinem Schützling überzeugend klar, daß unbedingt Cambridge gewinnen muß. Er kennt die Fähigkeit jedes einzelnen der Mannschaften, nennt deren Körper« gewichte und beweist Cambridges sicheren Sieg. Der junge Ausländer sieht das ein:„Ich weiß beim Buch- mâcher nicht so recht Bescheid; wollen Sie daher bitte Ihre Wette aus Cambridge um zehn Schilling für mich erhöhen!" Mr. Underwood lächelt etwas verlegen:„Sicherlich, Sir. »vill ich Ihr« Wette besorgen. Aber ich— ich setze auf Oxford!" „Aber, Mr. Underwood— Sie haben mir doch eben erklärt, ja bewiesen, daß nur Cambridge Sieger sein kann!" „Wird es auch— gar nicht daran zu zweifeln. Aber sie ver- stehen— mein ganzes Leben habe ich auf Oxford gesetzt, all my life. Und auch diesmal wette ich Oxford." Cambridge gewann. Ver beste Ire Drei irische Farmer sind sehr stolz darauf, daß der sonst so hochmütige englische Landlord sie höflich gegrüßt hat. Da fie sich nicht einig werden können, wem von den dreien der Gruß galt, tragen sie den Fall ihrem Stammesältesten vor. Der entscheidet: der Gruß hat dem gegolten, der der beste .Ire ist, also den größten Starrsinn besitzt. Der erste Ire rühmt sich:„Mit hundert Hammeln bin ich auf den Markt gezogen, und keinen weniger wollte ich ver- kaufen. Auf 80 wurde mir ein guter Preis geboten, aber ich schlug ihn aus. Später hätte ich sogar 99 loswerden können, aber ich lehnte ab und trieb meine hundert Hammel wieder t» den Stall zurück. „Das ist allerdings Starrsinn!', sagte der Richter. Der Zweite erzählte:„NachtS um drei Uhr kam ich von unserm Ernteball nach Hause. Da ich meinen Schlüssel ver- gessen hatte, klopfte ich, bis meine Frau an die verschlossene Türe kam. Sie fragte:„Wer ist da?" Ich antwortete:„Ich." Die Frau:„Wer ist Ich?" Ich:„Ich." „Und so ging eS, hin und her, vier Stunden lang, bis mein Junge heraus kam, um zur Schule zu gehen." „Das ist freilich noch größerer Starrsinn!" meinte der Richter.„Und nun du, O'Flagan." „Ich hatte fürchterliche Zahnschmerzen und ging zum Zahnarzt. Der klopfte an den ersten Zahn:„Ist es dieser, der Ihnen weh tut?"—„Das weiß ich nicht, aber Sie, der Arzt, müssen es wissen!" Da zog er mir den Zahn aus. Dann klopfte er an den »weiten Zahn und fragte wieder. Aber ich gab dieselbe Ant- wort. Und so zog er mir alle 32 Zähne aus!" Der Richter zögerte nicht:„Dich, O'Flagan, dich hat der Graf gegrüßt!" «Gesichtswinkel Sir John P., früher Sattlermeister, dann größter Leder» Fabrikant Londons, hatte die höchste Sprosse bürgerlichen * 0 M AN VON 1 0 NAZ l O 8 1 L O N E In guten Zeiten geht es dem Priester wirklich gut. Er liest die Messe, die Tridui, die Novena. er taust, firmt, gibt die letzte Oelung, begleitet auf den Friedhof und so geht alles in guten Zeiten wirklich gut. Aber wenn Hunger im Lande ist, wovon soll dann der Priester leben? In solchen Zeiten gab es auch für die Cafoni nur einen Susweg: den Kamps aller gegen alle. Man fand in Fontamara kaum noch zwei Familien, die friedlich miteinander verkehren konnten. Die lächerlichsten Vorwände genügten, um die heftigsten Kämpfe zu entfesseln. Diese begannen während des Tages unter den Frauen, den Kindern und loderten abends bei der Heimkehr der Männer wieder auf. Einmal handelte es sich um ein entliehenes Stückchen Hefe, ein andermal um einen Backstein, oder um «in Faß, oder um ein Stück Eisen, ein Stück Holz, eine Henne oder um ein wenig Stroh. ' In solchen Zeiten bot sich zehnmal am Tag Gelegenheit »um Streiten. Aber für uns blieb der Anlaß aller Anlässe doch immer das Wasser. Die Straßenwärter hatten schnell das neue Bachbett ge- graben und am Tag der Wasserteilung waren alle daran interessierten Cafoni auf dem Posten. An der Stelle, wo das Wasser sich teilen sollte, hatte man zwei hölzerne Schleusen angebracht. Diese hatten die Ausgabe, die Waffermenge, die weiterhin in das alte Bett fließen, und jene, die auf die Seite des Impresario abzweigen sollte, zu regulieren. Das heißt also, daß die Entscheidung über die zwei geheimnisvollen Dreiviertel fallen sollte. Aus der Kreisstadt waren rund hundert Carabinieri ge- kommen, die sich auf der Straße postierten. Von diesen kam «ine Patrouille auf uns zu und drängte uns vom Bach ab, zu den Reben hin. Weil mir noch nie so viele Carabinieri ge- sehen hatten, lieben wir uns das gefallen. Kur» darauf erschienen zwei Gruppen faschistischer Miliz und schließlich die großen Herrschafte«: der Impresario, der jCusfige JSneftdoten aus fngland Vertrauens erklommen: die City hatte ihn zum Lord Mayor erwählt.— Während des üblichen großen Banketts in der Guildhall, an dem das ganze offizielle England teilnimmt, stand der neue Oberbürgermeister auf und begann seine Rede mit den Worten:„Dies ist der stolzeste Augenblick meines Lebens."— Darüber ging bei der Zigarre die Unter- Haltung noch weiter. Jeder der großen Männer und Würden- träger wußte zu erzählen, wann und bei welcher Gelegenheit er den stolzesten Augenblick seines Lebens genossen habe. Nur der alte Devonshire, Säule des Empire, Herzog und Minister, Gewinner des Derby, hatte bisher noch ge- schwiegen.„Meine Herren," sagte er dann,„ich habe viel, viel erlebt. Aber der stolzeste Augenblick meines Lebens war sicherlich der, in dem mein Zuchtochse den ersten Preis aus der landwirtschaftlichen Ausstellung bekam!" Ver Schirmdieb Auf dem Anschlagbrett eines sehr vornehmen Londoner Klubs machte ein Mitglied bekannt:„Ter Adlige, der meinen Regenschirm sortgenommen hat. soll ihn sofort zurückgeben." Wegen dieser eigenartigen und kränkenden Bemerkung wird er zur Rede gestellt. „Sie sind im Irrtum," ist seine Antwort.„Sehen Tie sich doch die Statuten an; nur Adlige und Gentlemen können bei uns Mitglied sein. Und Gentlemen stehlen keine Regen- schirme." Line Inschrift lSchloß Mennington, Norfolk) „Was ist schlimmer als eine Tigerin?"— Ein Dämon. „Was ist schlimmer als ein Dämon?"— Ein Weib. »WaS ist schlimmer als ein Weib?"— Nichts. !Jutanbamons&iutfk In London ist der 40jährige Edward Wo r r idge von einem Auto überfahren worden und im Krankenhaus ge- starben. Dieser an sich alltägliche Fall gewinnt dadurch an Bedeutung, daß Worridge ein Teilnehmer jener Expedition war, die Tutankamons Grab freilegte. Bon den Expe- ditionsteilnehmern ist schon eine ganze Reihe eines außer- gewöhnlichen oder unnatürlichen Todes gestorben, und durch diesen neuen Todessall erhält der unsinnige Aberglaube von dem Fluch des ägyptischen Königs wieder neue Nahrung. Gefiiitte J£o ft hüben mit—(fabaft Einem belgischen Zollwächter am User der L y s fiel es auf, daß in gewissen Abständen riesige gelbe Kohlrüben den Strom herabgeschwommen kamen. Er machte Meldung, man forschte nach und entdeckte, daß die Rüben ausgehöhlt waren und in wasserdichtem Papier ein Kilogramm Tabak ent- hielten. Nun sucht man die Leute, die in Frankreich die Kohl- rttben aus die Reise geschickt hatten, und diejenigen, die in Belgien die seltenen Fische„angeln" sollten. Vorläufig noch ohne Erfolg. Helmut im Jierhst Kleinstadt und Dorf und Gartengeheg» Nebel dustig im Wiesengruud, goldbraunes Laub auf waldstillem Weg, Herbsttage reich und von Farben bunt. Kahlbraune Aecker, von Nehren leer, taieu und Krähen im Stoppelfeld, erne und Nähe von Einsamkeit schwer, schweigender Himmel und schweigende Welt. Tanndnnkle Berge, geliebt und vertraut, Wege zu Höhe und talweiter Sicht, Heimat, so weit das Auge schaut, unter des Herbstes durchsilbertem Licht. Deutschland, o Heimat, Sehnsucht und Glück, wo wir auch wandern, wir tragen dich mit; einst gehn wir alle die Wege zurück, die unser Fuß in der Fremde beschritt. Max Barth. Welche ZFirma ist bankrott Von Wilhelm v- Hebra Der Grieche Agion, welcher viele ägyptische Aktien besitzt, hört Gerüchte, daß eine große ägyptische Aktiengesellschaft dem Bankrott nahe sei, hat wohl«eine Vermutungen, weiß aber nichts Bestimmtes, kann den genauen Namen nicht in Erfahrung bringen, geht zu seinem Freund Pnrgvs, der ebenfalls Grieche ist und ebenfalls viele ägyptische Aktien besitzt, und fragt ihn, ob er Näheres wisse. „Ja," erwiderte Pyrgos. „Welche Aktiengesellschaft ist es?" „Das sage ich nicht." „Warum?" „Weil ich die Aktien verkaufen will, solange sie noch hoch stehen." „DaS will ich auch." „Wenn es zu viele wollen, dann stehen die Aktien nicht mehr hoch." „Du würdest mir durch die Nennung des NamenS einen großen Freundschaftsdienst erweisen" „Es würde aber vielleicht ein Schaden für mich sein-" „Tu tust es also uichi?" „Nein" „Willst du mir einen kleineren Dienst erweisen?" „Das weiß ich noch nicht." „Ich schreibe zehn Firmennamen auf und du wirst mir sagen, ob die bankrotte Firma darunter ist." „Gut- Das will ich tun." Agion schreibt die Namen auf. Pyrgos sagt:„Tie bankrotte Firma ist darunter-" „Daun weiß ich, welche es ist." „Wieso?" „Weil unter den zehn Firmennamen nur einer wirklich exestiert." „Das hast du sein gemacht." „Ja." „Willst du mein Kompagnon werdtn?" „Ja." So entstand die Firma„Pyrgos und Agion", deren I«' haber die größte Hochachtung füreinander hatten und zu be- trächtlichem Reichtum gelangten. Die griechischen Tchulbehörden beabsichtigen, die Geschichte von Pyrgos und Agion in das Lehrbuch für Handelsschulen aufzunehmen, weil sie ein so schönes Beispiel dafür sei, wie Kaufleute denken und handeln sollen. Notar, Don Cireostanza,„Der Denker," Don Cueeavaseio, Don Pompino, Don Tarandella, der Kanonikus Don Abbae- chio, Don Pelino im schwarzen Hemd, andere Herren, die wir nicht kannten und hinter allen Filippo der Schöne und Inno- cenzo La Legge. Don Cireostanza kam straks auf uns zu, gab, allen die Hand und empfahl uns, zu unserm eigenen Besten, Ver- trauen zu ihm zu haben. Tann wurde beschlossen, wir hätten eine Kommission älterer Leute zu ernennen, die bei der Teilung des Wassers zugegen sein sollten. In der Kommission waren Pontius Pilatus, Jacobo Losurdo und ich. Den anderen Cafoni wurde erlaubt, sich ans der Hauptstraße hinter einem Cordon Carabinieri auszustellen. Nachdem das geschehen war, las der Notar den wegen Teilung des Baches zwischen der Bevölkerung von Fonta- mara und dem Impresario vollzogenen Vergleich vor. „Der Vergleich ist äußerst klar... Dreiviertel des Wassers werden in das neue, von der Gemeinde gemachte Bachbett ge- leitet und die Dreiviertel, die dann noch übrig bleiben, wer- den weiterhin im alten Graben fließen." „Halt, so ist das nicht!" protestierte Pontius Pilatus sofort. „Der Vertrag sagt Dreiviertel und Dreiviertel. Nichts an- deres. Also halb und halb... das heißt Dreiviertel für uns und Dreiviertel für den Impresario. Jedem gleich viel..." „Nein, mein!" begann Jacobo Losurdo zu schreien. «Der Vergleich ist nicht so. Der Vergleich besagt, daß mir die Dreiviertel des Wassers bekommen und daß der Rest, wenn es überhaupt einen gibt, an den Impresario geht. Da es aber nur wenig Wasser ist, kann womöglich gar kein Rest bleiben." „Dreiviertel und Dreiviertel, das ist eine Erfindung des Teufels," sagte ich.„So etwas verrücktes ist noch nicht dage- wesen... Tatsache ist. daß das Wasser Fontamara gehört und bei Fontamara bleiben muß." Durch unser Gefuchtel und Geschrei begriffen die hinter den Carabinieri auf der Straße stehenden Cafoni, daß die Teilung des Wassers zu unfern Ungunsten vollzogen«verde» sollte und begannen Krach zu schlagen. Besonders Rassaele Tcarpone, von seiner Gruppe kopsloser Burschen sekundiert, heulte wie ein Besessener. „Da die Fontamaresen eine herausfordernde Haltung ein- nehmen und die Mitglieder der«eltetzen-Kommiffi,«»icht einmal unter sich einig sind," erklärte plötzlich der Jmpre- sario,„mache ich von meinem Recht als Gemeindevorstand Gebranch und ernenne hiermit den Cacaliere Pelino, Haupt- mann der faschistischen Miliz, und Ton Cireostanza zu de» Vertretern von Fontamara." Sogleich stürzten sich sechs Karabiniere auf uns und führte« uns aus die Hauptstraße zu den andern Fontamaresen, wäh- rend Don Cireostanza uns nachrief: „Habt Vertrauen in mich! Bleibt ruhig!" Hinter dem Cordon der Carabinieri konnte man nur>«»- deutlich verfolgen, was sich am Bache zutrug. Im Grunde war uns diese Wendung nicht unangenehm, weil wir den andern Cafoni gegenüber gar keine Verantwortung mehr hatten. Es war besser, daß unsere Verteidigung einem gebil- deten Mann wie Don Cireostanza anvertraut war. Zuerst näherte sich der Notar dem Bach, dann ein Architekt, dann vier Ttraßenarbciter mit ihren Schaufeln. Wir bcobach- tetcn, wie Don Pelino und Don Cireostanza mehrmals mit dein Architekten diskutierten. Die Straßenböschung, die grobe Zahl Carabinieri und Autoritäten, die um die beiden Schleusen versammelt waren, hinderten uns, die endliche Teilung der berühmten zwei Dreiviertel zu sehen. Aber ungesähr hundert Meter weiter hinten, wo das alte Bachbett zwischen dem Obstgarten vo« Giacinto Barletta und Papasisto eine Biegung machte, konn- ten wir deutlich feststellen, in welchem Maße unser Wasser weniger wurde und wieviel davon überhaupt noch übrig blieb. To waren unser aller Augen dorthin gerichtet und ver- suchten, dort zu erraten, was die Obrigkeit und unsere Ber- treter in unserer nächsten Nähe, einige Schritte von uns ent- fernt, entschieden hatten. Rafsaele Scarpone meldete als Erster, daß der Wasserstand abnehme. Obwohl keiner von uns angenommen hatte, daß die Wassermenge sich gleich bleiben würde, so begannen wir doch alle beim Anblick des sich langsam senkenden Wasser- spiegels zu schreien und gegen den Impresario und die ehren- werte Gesellschaft zu fluchen. Langsam siel das Nivea« unseres Wassers bis auf die Hälfte des Grabens, aber auch hier machte es nicht Halt... „Diebe! Diebe! Diebe!" jchrien wir. fyortsetzung folgt.!