Sinzige unabhängige Tageszeitung ventschlands Nummer 102— 1. Jahrgang I Saarbrücken, Mittwoch, den 18. Oktober 1933| Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt: tisenfcessecundcJtUzAopf Seite 2 StUnmungsumsduvmç an dee Saae Seite 3 JeanzosischecQuecschmtt Seite 3 Jocglee stack entlastet Seite 7 Versailler Verlrad mll voller Sfren Die sdiwere Rechtslage gegen Deutschland nadi dem 14. Ohtober »SRangels einer allgemeinen A briist u n g S« convention ist und bleibt der B-rsailler Ber- àcag in seiner ganzen Strenge in Kraft." Für b»e Beurteilung der nach dem deutschen Streich entstandenen ^.age ist es nicht unwichtig, sich über den genauen Inhalt dieser von französischer Seite l„Le Temps" vom IS. Oktobers betroffenen Feststellung klar zu werden. Auster aller Bestimmungen des Bersailler Vertrages über die Deutschland zugestandene» Hceresstärke und Bewaff- »»»gen, die wir im einzelnen nicht aufzuzählen brauchen» oou unmittelbarer praktischer Bedeutung werden vor allem die Artikel 177, 178 und 218 des Vertrages sein. Die Bedeutung des Artikels 177 ergibt sich ohne weiteres aus seinem Wortlaut:„Die Unterrichtsanstalteu, Universitäten, Kriegervereine, Schützengilden» die Sport- und Wandervereine, überhaupt Bereinigungen jeder Art, ohne Rücksicht auf das Alter ihrer Mitglieder, dürfen fich mit keinen militärischen Dingen befassen. Es ist ihnen namentlich untersagt, ihre Mitglieder im Wafsenhandwerk oder im Gebranch von Kriegs- wafsen auszubilden oder znüben oder ausbilden »der üben z« lassen. Diese Bereine, Gesellschaften, Unterrichtsanstaltrn und Universitäten dürfen in keinerlei Verbindung w i t dem Krieg s ministerinm oder irgend- einer anderen militärischen Behörde stehe»." Der Artikel 178 ist weniger eindeutig, kann aber auch» wie der vorhergehende, aus die deutschen Organisationen und bestimmte Formen ihrer Betätigung angewandt werden. Er lantet nämlich: »Alle Mobilmachungsmahnahmen oder solche, die aus Mobilmachung hinzielen, sind untersagt. In keinem Falle dürfen bei Truppenteilen, Behörden oder Stäben Stämme für Ergäuznngssormatioue» vorhanden sein." Wenn von diesen beiden Artikeln bis jetzt offiziell kein Gebrauch gemacht«urde, so unterblieb ei» solches Vorgehen aus der Rücksicht auf die schwebenden Abrüstungsverhand- lungen. Dasselbe gilt für die Kontrolle deutscher Rüstungen und verschiedener Formen militärischer Betätigung in Deutsch- land. In seinem Artikel 21» gibt der Bersailler Bertrag Unterlage für jede Form der Kontrolle:„Solange der gegenwärtige' Bertrag in Kraft bleibt, verpslichtet fich Deutschland, jede Untersuchung zu dulden, die der Rat des Völkerbundes mit Mehrhcitsbeschlust für notwendig erachtet." Für den entsprechenden Beschluh ist also keine Einstimmigkeit des Bölkerbundsrates not- wendig. Von großer Bedeutung find weiter die Bestimmungen des Bertrages über die entmilitarisierte Zone sArt. 12 bis 11>. Nicht nur ist jede„Unterhaltung oder Ansammlung von Streitkräften" untersagt.„Das gleiche gilt"— nach dem Artikel 18—„für jedwede militärischen Uebungen und die Beibehaltung aller materiellen Bor- kehrungen für eine Mobilmachung." Und nach dem Artikel 11 gilt jeder Berstest gegen diese Bestimm«»che»„als eine feindselige Handlung gegen die Signatarmächte des gegen- wärtigen Vertrages und als Versuch einer Störung des Weltfriedens". Es wird in den letzten Tagen auch Artikel 1»1 erwähnt, in dem sich Deutschland verpslichtet hat,„daß dir in der au- gezogeueu Ueberficht festgesetzte Bewaffnung nicht über, schritten werden wird nnd daß es dem Völkerbünde zustehen soll, sie anderweit zu regeln". Deutschland„verpflichtet fich, die von dem Völkerbund in dieser Richtung getroffenen Entscheidungen genau zu besolgen". Zusammenfassend ergibt sich aus dieser Ueberstcht folgendes: 1. Der Bölkerbundsrat darf durch einen Mehrheitsbeschluß jede Form der Untersuchung deutscher Rüstungen anordnen. sArtikel 218.s 2. Der Bersailler Bertrag gibt ausdrücklich formuli.rte Unterlagen für ein Vorgehen g'^en die in Deutschland be- stehenden Verbände, gegen die gegenwärtigen Formen ihrer Betätigung sowie gegen die militärische Erziehung in den Schule.,, militärische Uebnngeu in den Arbeitslager»- usw., überhaupt gegen das gauze System der Militarisierung, das heute in Deutschland unzweifelhaft besteht. 8. Insofern genannte Uebungen auch in der entmilitari- sierten Zone stattsinden, kann„Versuch einer Störung des Weltsriedens" von der Seite Deutschlands festgestellt werden. Das Abenfeacr Deutschlands Unhell Die volle Verantwortung der barbarischen Diktatur Der Reichsaußenminister von Neurath hat am Montag die ausländische Presse über die Gründe und die Ziele der am Samstag getroffenen Entscheidungen der Reichsregie- rung unterrichtet. Nach der Reichskanzlerrede konnte er sach- lich Neues kaum bringen. Er verfocht den Standpunkt der deutschen Gleichberechtigung, unterstrich, baß Deutschland schon von Beginn der Konvention an die Waffen verlangt habe, die allen Ländern erlaubt seien und wies die ganze Verantwortung für das Scheitern der Konferenz der englischen Regierung zu. Wie schon in der Kanzlerrcde und seit mehreren Tagen in der gesamten gleichgeschalteten Presse wird Frankreich geschont, da man offensichtlich direkte Verhandlungen mit Frankreich anstrebt. Es wird der Hauptstoß gegen England gerichtet- Der Vortrag des ReichsaußenministerS war ungewollt eine Rechtfertigung der früheren Außenpolitik von Her» mann Müller an, dem Außenminister von Mg, über Stresemann, der den Eintritt in den Völkerbund er- reichte, bis zu B r ü n t n g, der die Gleichberechtigung in der Abrüstungsfrage vorbereitete. Freiherr von Neurath erinnerte daran, daß in der ersten amtlichen Kundgebung deS Bölkerbundsrates an die deutsche Regierung vom Dezember 1921 die folgenden Worte stehen: „Der Rat nimmt Kenntnis davon, daß die deutsche Regie- rung in Ansehung der Boraussetzungen, unter den Deutsch- land in den Völkerbund einzutreten wünscht, auf jede Ad- ficht verzichtet, für Deutschland besondere Vergünstigungen zu verlangen, daß sie aber erwartet, daß dieser Ein- tritt sich auf dem Küste der Gleichberechtigung vollzieht. Der Rat stellt fest, bast die zehn be- fragten Regierungen, b- h. d'e RatSmächte, über diese Voraussetzung völlig einig sind." Er hätte gleichzeitig zugestehen sollen, welch ein Fort- schritt in dieser Proklamation gegenüber der vollen Diskri- minierung und Diffamierung Deutschlands lag, i n d t e d a s deutsche Reich durch die Diktatur nun wieder zurückgestoßen worden ist. Die einstimmige Ausnahme Deutschlands war in der Tat die feierliche Zusage aller im Völkerbund vertretenen Re- gierungen zu der Ausfassung, daß sie von jetzt an in der Ab» rüstungsfrage auf der Grundlage der deutschen Gleichberech- tigung ausbauen würden. Alle Regierungen vor Hitler haben mit Erfolg diese Zu- sage zugunsten Deutschlands entwickelt. Am 11. Dezember 1V32 gelang es dann, die Gleichberechtigung Deutschlands auch wirklich durchzusetzen. Im März kam dann der Macdonald- Plan, der von Deutschland als Grundlage angenommen wurde. Die Welt war offenbar auch noch mehrere Wochen nach dem Amtsantritt Hitlers geneigt, an dieser Zusage fest- zuhalten. Wenn jetzt Freiherr von Neurath ebenso wie der Reichs- kanzler sich bitter beschweren, daß ein Umschwung cinge- treten ist, so haben sie die Schuld allein bei der deutschen Regierung zu suchen. Es liegt ja sonst gar kein Grund vor, warum die ganze Welt, Italien keineswegs ganz ausge- schlössen, ihren Standpunkt revidiert haben sollte. Die Herren in Berlin sollten nicht so tun, als wüßten sie nicht, worum es geht. Von den Höhen der Zivilisattön aus ge> sehen, stellt sich das deutsche Regierungssystem als ein Rück? fall in barbarische Zeitalter dar Die Welt sieht sichunbe- rechenbaren Urinstinktcn gegenüber denen sie die Verach- tung aller Verträge und jeden Vertrauensbruch zutraut. . Fortsetzung Seite 2 vr. II. Deutschland verläßt die Abrüstungskonferenz und den Völkerbund. In Frankreich spricht man von einem „T h e a t e r c o u p". Dieses Wort kennzeichnet vortrefflich die augenblickliche Wirkung deS deutschen Schritts, aber kei- neswegs seine Tragweite, welche zu begreifen dem Aus- lande schwer fällt. Man verbricht sich dort den Kopf über den Sinn des abenteuerlichen Entschlusses. WaS hofft Deutsch- land, fragt man sich, durch seine radikale Abkehr von der europäischen Friedenspolitik zu gewinnen? Seiner Ver- pslichtungen, wie sie ihm berVersaillerBertrag, insbesondere durch seine militärischen Bestimmungen, der L o- carno-Vertrag und der Briand-Kellogg-Pakt auferlegen, wird es nicht ledig. Auf der anderen Seite stei- gert es das allgemeine Mißtrauen gegen die Hitlerrcgicrung ins Ungcmessene. Die Ueberraschung, welche Hitlers neueste Großtat her- vorruft, wirb ausschließlich durch die Kühnheit und Unbe- denklichkeit der Entscheidung verursacht, welche biS an die äußerste Grenze des Möglichen geht, keineswegs aber durch die Absichten und Gesinnung, die auf solche Weise der Welt offenbart werden. Selbstverständlich bemühen sich die beut- scheu Stellen, die Brutalität ihrer Tat durch eine bc- sondere Sanftheit der Reden zu verdecken. Hitlers peinliche Anbiederung an Däladier in seiner Rede am Tams- tag sollte die Gefahr beseitigen(die übrigens in keiner Weise besteht», daß Frankreich die deutsche Plötzlichkeit und Rücksichtslosigkeit mit gleicher Münze heimzahlt. In den nächsten Wochen wird man noch ganz andere Dinge erleben. Die honigsüßen Reden und die. Verbeugungen in Berlin werden sich noch steigern, denn die wichtigste Ausgabe dieses Augenblicks ist, die schädliche Aufregung der Wels- Meinung möglichst zu beruhigen, damit diese sich der Trag- wette des deutschen Schritts nicht bewußt wird. Deshalb zeigt man sich nach allen.Seitcn verhandlungs- und verständigungsbereit, und die Lammfrommheit wird erst da eine Grenze finden, wo sie verbindlich und verpflichtend zu wer- den droht. Mit dieser bewährten Methode hofft man die nächste kritische Zeit zu überbrücken. Das Spätere wird sich schon finden, da die„Gegenseite" keines gemeinsamen ener- gischcn Entschlusses fähig erscheint. Diese Hoffnung kann—< aber muß nicht trügerisch sein. . Was in den kommenden Wochen auch immer geschehen mag, ob man verhandelt ober kämpft(zunächst natürlich mit Repressalien», nichts kann an der entscheidenden Bedeutung des deutschen Entschlusses etwas ändern. Hitler hat in der Außenpoliik nunmehr denselben Umsturz herbeigeführt, den er im JnncrN durch die Errichtung seiner Diktatur vollendete. Was er getan hat, ist nur die Verwirklichung seine« Programms, in dem der Völkerbund keinen Raum hat. Wenn irgendetwas den deutschen Nationalismus kennzcich- net, so ist es sein Glaube an die Macht. Der erste entscheidende Schritt, sich von einem außenpolitischen System zu befreien, das in einer„ltberalistischen" Ideologie wurzelt, ist getan. Die Debatte über die Fubenfrage in Genf hatte sattsam bewiesen, wie wenig Deutschland in eine Gesellschaft paßt, welche die Menschenrechte von 1789 zur Grundlage ihrer Gesittung macht. Sich von solchen Leuten richten zu lassen, ist für Hitler unerträglich. Europa erlebt eine Revolution und merkt eS nicht. Der Völkerbund steht am Scheidewege. Er kann seine politische Bedeutung nur befestigen, wenn er in einer absolut klaren Erkenntnis auf Deutschland verzichtet und sich aus dem Kerne der westeuropäischen Staatengesellschast wieber neu aufbaut. Das bedeutet allerdings ein Aufgeben seiner umfassenden, aber hohlen Ansprüche, denn er würde nicht mehr sein als ein gewöhnlicher Staatenbund mit naheliegenden, unmittelbaren Interessen. Hitler mußte sich von Genf auch deshalb trennen, weil dieses ihn mit der Abrüstungskonvention unmittelbar be- drohte. Die Militarisierung Deutschlands ist zu weit fort- geschritten, um eine internationale Kontrollkommission er- tragen zu können. Die wesentlichen Träger des National- svzialismus würben durch eine echte Abrüstung zerbrochen werden:„Pazifistisches Hitlertum" ist ein Widerspruch in sich selbst, und nur vollkommene Ignoranz kann den Friedens». reden des„Führers" Glauben schenken. Man würbe Hitler« Deutschland heute seine Seele rauben, wenn man ihm seine militärischen Einrichtungen verböte oder auch nur einengte. Hitler weih sein Volk hinter sich, das wird er der Welt „Eisenfresser und Hitzkopf Die englische Presse zu dem„traurigen Manöver" Fortsetzung von Seite 1 Die„Time s": »Hitler führt mehr und mehr in die auswärtige Politik Methoden ein, die ihm in der inneren Politik Deutschlands zum Erfolge verHolsen haben. Aber es ist die erste Pflicht der anderen Regierungen, ihm zu beweisen, daß die Hand- lungs m eise eines Eisenfressers und Sitz- k o p f s ihm in der Diplomatie keinen Gewinn bringen wird.« Der„D» i I y T e 1 e g r a p h" meint, bah die Aussichten der Friedenspolitik in Europa keineswegs gefährdet sind und keine Ursache besteht, sich maßlos zu beunruhigen:„Die Lage bleibt genau so, wie sie vorher gewesen ist.« Die„M orningPos t", die die Meinung der unbedingten Konservativen wiederholt, bezeugt ihre Befriedigung über die Ereignisse in Genf: „Wenn eS wahr ist, wie wir glauben, daß die Rüstungen nicht die Ursachen dcS Kriege? sind, so hat uns dieses traurige deutsche Manöver vielleicht einen Borteil gebracht, da es Verhandlungen ein Ende machte, die uns sehr viel kosteten und uns nur Katzenjammer bereitet haben.« Die„News C r o n i c 1 e": „Die Haltung Hitlers wirb wahrscheinlich die britische Regierung nur in der Meinung bestärken, baß Deutschland nicht ausrüsten darf.« Der„Daily Mai 1": „Die Haltung beS Kanzlers, der die Abkehr Deutschlands von der Abrüstungskonferenz beschlossen hat, ändert nicht viel an der Lage des Reichs. Im Gegenteil: Ter Entschluß Deutschlands, auch den Völkerbund zu verlassen, hat eine besondere Wirkung hervorgebracht. Wenn er ausgeführt wird— zwei Jahre Kündigungsfrist sind theoretisch, gemäß dem ersten Artikel des Vertrages, notwendig, damit eine solche Entscheidung wirksam wird—, bann wird sich der Völkerbund in einer sehr schwierigen Lage befinden. Die neue Lage öffnet die Aussicht auf eine Menge Wahrscheinlich- keiten, denen man mit Ruhe entgegensehen muß. Unsere Regierung muß besonder? besorgt sein, mit der öffentlichen Meinung in Großbritannien und mit den Empfindungen der Dominions in Fühlung zu bleiben. Nicht in der Tat des Kanzler« Hitler ist die augenblickliche Gefahr zu suchen, sondern in der Tatsache, daß sein Entschluß die anderen Mächte dazu drängen kann, sehr folgenreiche Maßnahmen»» ergreifen.« Oer„Daily H e r a 1 d" sagt,„baß man jetzt mehr als jemals zum Völkerbund Vertrauen beweisen müsse, und daß Großbritannien die Pflicht habe, ihn zu unterstützen und die Verpflichtungen aus dem Pakt zu erfüllen. Indessen versichert er, daß es not- wendig sei, sich vor einer Rückkehr der Politik der Blind- nisse zu hüten.« Der„Manchester Guardian" beglückwünscht sich, daß Frankreich Beweise der größten Kalt- bltttigkeit gäbe und er erwähnt es als eine interessante Idee, daß eine Lösung der bestehenden Schwierigkeiten in einer direkten Fühlungnahme zwischen Frankreich und Teutschland gesunden werden könne. Oer„D a i 1 y Expre ß" möchte, daß Großbritannien die sich gerade bietende Ge- legenheit ergreise, um sich von seinen Verpflichtungen aus dem Locarnv-Vertrag zu befreien, denn das sei seiner An- stcht nach die wesentliche Frage, welche die deutschen Eni- schlösse für da» britische Publikum auswürfe. Dem verladt Die kurze Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz Genf, 16. Oktober. Henderson schlug vor, daß der HauptauSschnß am Donner»- tag, dem 26. Oktober, nachmittags wieder zusammentreten und daß am Tage vorher eine Sitzung de? Büros stattfinden solle. Dieser Borschlag wurde ohne Aussprache angenommen, und Henderson schloß die Sitzung mit den Worten an die Delegierten:„Ich hoffe, daß Sie alle mit Instruktionen von Ihren Regierungen zum Abschluß einer Konvention wieder- kommen.« »» Selbstmord" Der Leiter der Stauereigenosseuschaft„Stauerei Einheit«, Jan Tcmplin, einer der bekanntesten Hafenarbeiter Ham- burgs, hat tm Gefängnis Fuhlsbüttel„Selbstmord" verübt. Braunhemd nicht pfändbar (Jnvreß): In der„Preußischen Justiz« erklärt ein Richter des„dritten Reiches«, Landgcrtchtsbirektor Staub, daß es sich beim Braunhemd nm Kleidungsstücke handelt, die für den Bedarf des Schuldners unentbehrlich und deshalb nicht pfändbar find. durch ein gewaltiges Plebiszit beweise». Vielleicht haben ihm die fanatisierten Massen noch nie so zugejubelt, wie in diesem Augenblick. Am Samstag hat der deutsche Freiheit»« kämpf erst wirklich begonnen, denn der Krieg an das außen» politische System des Liberalismus ist nun erklärt. Wenn es nun nicht zu Gefechten und zu Schlachten kommt und man sicher sein darf, daß es dazu nicht kommen wird, so liegt das ausschließlich an dem Charakter jener„alten, vermorschten und müden Systemleute«, die in London und Pari? die Zu» gel halten. Man weiß sie>n Berlin einzuschätzen, da man ihre Politik aus innerdeutschen Erfahrungen beurteilen zu kön- nen vermeint. Aber da» ist etn verhängnisvoller Irrtum, denn hinter diesen Männern, die Gefangene einer unzcit- gemäßen Ideologie sein mögen, stehen Völker, die ihre Le- bcnsinteressen wie ihre geistigen Güter Verteidiger wollen. Das revolutionär.« Tempo der nationalsozialistischen Außen- Politik wird mit größter Wahrscheinlichkeit Kräfte entfesseln, über die sich niemand mehr täuschen kann, wenn erst der „Pestkordon« um das„dritte Reich« gezogen ist. Dann wird auch der kleine Mann die erstickende Wirkung die- ses WelthasseS zu spüren bekommen. Die Schlacht in Deutschland hat Hitler zwar gewonnen, aber der schwerere Kamps steht ihm bevor, „TUealrallsdicr Sdirlfl" London, 17. Okt. Die gestern von Rcichsanßenminister Freiherr v. Neurath vor der ausländischen Presie abge- gebene Erklärung findet allgemein große Beachtung. Daily Herald überschreibt seine Meldung: Deutsch- land klagt Sir John Simon der Verdrehung von Tatsachen an, hofft aber noch immer auf eine Abrüstungstonvertion. Der Berliner Korrespondent des News Chronicle spricht von einer kraftvollen Verteidigung des deutschen Schrittes. Daily Erpreß bemerkt u. a., die gegen Sir John Simon erhobenen Beschuldigungen erforderten sofortige Zu- rückweisung oder Aufklärung des evtl. Mißverständnisses. Daily Mail benutzt die Gelegenheit, für die B e r- größer ung der britischen Lust st rettmacht e i n z ut r e t c n. Die Times, die bei ihrem, wenn auch in Verhältnis- mäßig beherrschter Sprache gehaltenen Angriffen auf Teutschland in der Londoner Presse an der Spitze steht, spricht von dem„theatralischen Schritt Deutsch- land s« und von der Gewohnheit von Diktatoren, die Aufmerksamkeit ihres Volkes auf auswärtige Aben- teuer abzulenken. Das Blatt ist der Meinung, es müsse untersucht werden, welche„kollektive Aktion« möglich wäre, um Teutschland klar zu machen, einen wie schweren Fehler eS mit dem Schritt von Sonnabend begangen habe. ..Italien am Kreuzweg" Die„Basler Nationalzeitung« sNr. 480) schreibt: Im Palazzo Venczia war man seit etlichen Tagen sehr genau über die Absicht der deutschen Machthaber, die Lage zu forcieren und aus dem Völkerbund tm entscheidenden Moment mit möglichst eklatanter Inszenierung auszutreten, unterrichtet. Vorstellungen, Hinweise auf die unausbleib- lichen Folgen und alle Vermittlungsangebote Mussolinis blieben wirkungslos, genau so wirkungslos, wie beim Ver- such, den einseitig vom Tritten Reich ausgehenden Konflikt mit Oesterreich abzustellen. Die Erinnerung an diese Tat- fache und die scheinbar unpassende Zusammenstellung vom slott weiterarbeitenden Münchener Hetzradio und dem be- rechneten Austritt aus dem Völkerbund, der sich nicht gegen ein kleine? Land, sondern gegen die Welt überhaupt richtet, ist nötig, um die kritische Lage des faschistischen Italiens besser würdigen zu können. Mussolini wird die Geister, die er zur bequemen Hilfeleistung beschworen, nicht los und kein„in die Ecke, Besen, Besen seib's gewesen«, will da noch helfen. Dies ist die Tatsache, die erwiesene, sichtbare und greifbare Tatsache. Man muß nur die Menschen heute in Italien reden hören— man darf wieder in Italien reden und noch dazu laut!—, man muß sie sehen, man muß die Zettungen zu lesen verstehen, die sich zwischen dem Ja und dem Nein nonchalant durchzuwinden suchen— ohne jeden Erfolg übrigens—, um zu merken, daß Mussolini bciFortführungderhakenkreu»freundlichen Politik das Volk nicht mehr hinter sich hätte. Aber da in dieser verworrenen Zeit Tatsachen nicht allein entscheiden, bleiben für die künstige Einstellung Italiens zur Stunde noch andere Faktoren ausschlaggebend. Denn wenn auch etn rascher Frontwechsel für die italienische Politik sicherlich keine unüberwindliche Schwierigkeit bedeuten würde, so hat sich Rom in diesem Fall doch zu weit engagiert. Der Faschismus ist politisch, wirtschaftlich und parteimäßig mit dem Deutschland Hitlers so fest verbunden, daß er gar nicht mehr in der Lage ist, aus eigenen Kräften eine Schwenkung durchzuführen. Nun soll Italien vermitteln. Es will, denn eS muß seinen Viererpakt retten, nachdem es nicht verhindern wollte, daß gegen den Völkerbund etn Dolchstoß von hinten geführt wurde. Um baS zu erreichen, muß eS den gegangenen Weg zurückgehen. ReichstaasproseB 18. Vcrhandlnngsiag Zeugen zugunsten Dimitroffs Der Oberreich San malt nimmt Stellung zu den Be- weisanträgen, die RA. Dr. Teichert für die bulgarischen Angeklagten gestellt hat. Zu den gewünschten Zcugcnvcr- nehmungen, die ergeben sollen, daß sich Dimitroff mit Fräu- lein Annt Krüger nicht verlobt hat, erklärt der Obcrreichs- anwalt, daß er persönlich auf diese Angelegen- heitketnenWertlcge, gegendie Ver nehm ung aber keine Bedenken habe. Soweit dann Zeugen vernommen werben sollen darüber, daß sie geglaubt haben, Dimitroff gesehen zu haben, tatsächlich aber einem Irrtum erlegen sind, beantrage er Ablehnung: denn das könne ohne weiteres als richtig uiUerstellt werden. Ebenso be- antragt er die Ablehnung der Vernehmung deö Schlaf- w a g e n s ch a f f n c r s, da ebenfalls unterstellt werden könne, daß Dimitroff in der Nacht vom 27. zum 23. Februar von München nach Berlin gefahren ist. Abzulehnen seien auch weitere Anträge, durch die bc- wiesen werden soll, daß eine Verwechslung anderer Menschen mit Dimitroff praktisch vorgekommen ist. D a s könne a l 3 wahr u n t e r st e l l t. w e r d e n, beeinträchtige aber in keiner Weise die Glaubwürdigkeit derjenigen Zeugen, die Dimitroff wirklich erkannt haben. Zu dem Antrag auf Ladung des Rcchtsbeistandes der komm. Fraktion. Felix Halle, bemerkt der Anklagevertreter Halle habe Deutsch- land verlassen. Sein gegenwärtiger Aufenthalt sei der Be- Hörde unbekannt. Der Kinokontrolleur Heinrich werde als Altbizenge für Popoff und Taneff vernommen werden, ebenso Frau Gertrud Baumgart, die Popoff und Taneff im Kino gesehen habe. RA. Teichert tritt verschiedentlich der Auffassung des OberretchsanwalteS entgegen, worauf schließlich der Bor- sitzende erklärte, daß der Beschluß des Senates über die Bciveisanträge morgen verkündet werden wird. Es wird nunmehr der Postschaffner Otto, der damals die Briefkastenleerung im Reichstage besorgte, alS Zeuge vernommen. Der Zeuge schildert seine Beobachtungen bei der 0-Uhr-Leerung: er sei kurz vor 8.46 Uhr zum Portal S gekommen und Hab« den Pförtner gefragt, ob noch jemand anwesend sei. Der Pförtner verneinte und sagte, Torglcr sei eben gegangen. Der Zeuge set dann durch die Wandel- Halle zum Portal 2 gegangen, wo er einen kleinen Kasten geleert habe, und sei von dort zum Postamt in der Wandel- Halle gegangen, um auch dort den Kasten nachzufehen. Durch Portal 5 habe er dann den Reichstag verlassen. ES sei vollständig dunkel in der Wandelhalle ge- wesen. Geräusche oder Ger ü che habe er nicht wahrgenommen. Wenn er sich recht erinnere, habe mindestens der eine Flügel der großen GlaStllr zum Plcnar- saal offengestanden. Die Verhandlung dauert fort. Deutschlands Unheil Hinzu tritt die moralische und technische Auf« r ü st u n g, an der niemand außerhalb Teutschlands zweifelt, und für die aus Deutschland selbst durch die jetzigen Macht- haber und ihre Organe Material genug geliefert wird. Jede Außenpolitik, die Teutschland dienen will, muß darauf gerichtet sein, den Versaillcr Vertrag immer mehr zu revidieren und ihn schließlich durch ein wirklich fried- ltcheS Vertragswerk zu ersetzen. Dieses Ziel aber kann eine deutsche Außenpolitik nur erreichen, wenn sie unier der öffentlichen Kontrolle ihres eigenen Landes steht und von einem realen Pazifismus nach außen getragen wird. Das jetzige deutsche Regierungssystem ist unverantwortlich nach innen und bei allen Friedensreden kriegerisch nach außen. Darum hat es Deutschland in die Isolierung geführt und wird es in den Abgrund stürzen, wenn die Entwicklung nicht durch die Beseitigung dieses Systems unterbrochen wird. Der Außenminister der Tschechoslovakei, Benesch, der seine Worte zu wägen pflegt, hat unmittelbar nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund gesagt,„dies sei ein Akt psychologisch wie im Weltkrieg, als Teutschland den U-Boot- krieg begann. Es sei die letzte Phase im Kampfe dcS Hitle» rismus gegen den Völkerbund.« » „Synagoge der Gaunerei" Für den Wahnwitz, der die nationalsozialistisch ver- blendeten Massen beseelt, ist folgende Stelle aus einem Auf- satz der„Saarfront«(Nummer 202) bezeichnend: Mag der Torso de» Völkerbundes weiter zusammen- fitzen und Gemeinheiten aushecken. Er bleibt damit doch nur ein Trümmerstück, ein teurer Apparat und das Grab einer großen Hoffnung,«in Schacherplatz für die Rüstungs- industriellen der Welt, eine Synagoge der Gaunerei. Wir aber gehen ins Morgenrot. Ade Völkerbund, ade„Europa«! Das ist dieselbe Stimmung wie im August 1914:„Hier werden noch Kriegserklärungen entgegen- genommen.« Das Ende wird dieser Verrücktheit ent- sprechen. Die Kosten zahlt leider das deutsche Volk. Hitler und seine Spießgesellen aber werden wie Wilhelm ihre Millionen im Auslande in Sicherheit bringen, wenn das Volk nicht besser aufpaßt. ES spricht manches dafür, daß es dies tut. Vorst«» Tardleus Für erhöhte Rüstungen und eine Regierung ohne Abhängigkeit von Sozialisten Paris, 17. Okt. In der„Liberie« schreibt Andre Tardicu unter der Ueberschrtft„Deutschland im alten Geleise«: Die meisten Zeitungen, innerhalb wie außerhalb Frank- reichs, haben den deutschen Schritt vom Samstag durch AuS- drücke gekennzeichnet, die ich für ungenau halte. Die einen habe» von einer„Bombe«, einem„Donner- schlag« und von„Bestürzung« gesprochen- Tie anderen haben sich beglückwünscht, daß die bisherige Politik Deutschland gezwungen hätte, sich zu demaskieren und die Lage zu klären. Weder das Erstaunen noch die Befriedigung scheinen mir angebracht zu sein. Deutschland fährt im alten Geleise: eine neue Station, das ist alles. Im Frühjahr 1932 hatte die ReichSregierung gedroht, die Konferenz zu verlassen. Im Juli hat sie sich tatsächlich zurück- gezogen. Indem sie sich bitten ließ zurückzukehren, erlangte sie die beklagenswerte Erklärung vom 11. Dezember, welche die Gleichberechtigung als einen Grundsatz der Konferenz an- erkannte, und gewann so die erste Partie. Sie hat diesen Er- folg einer Erpressung nicht vergessen... Deutschland erklärt weiterhin seine Ueberzeugung, daß eS 1914 angegriffen und dann das Opfer haßerfüllter Steger geworden sei... Stelle» wir fest, daß die deutsche Wiederausrüstung an einem Punkt angekommen sein muß, wo sie nicht mehr ver- borgen bleiben kann. Befreit von den Verpflichtungen Genfs, rechnet das Reich damit, sein Beginnen ungehindert fortsetzen zu können. Vergessen wir auch nicht, daß die nicht behobenen wirt- schastlichen Schwierigkeiten, mit denen Hitler zu kämpfen hat, ihn sicherlich das Bedürfnis verspüren ließen,«ine außenpolitische Ablenkung zu suchen, welche die Unzufrieden- hett in Begeisterung verwandelt. So erklärt sich eine lange vorbereitete Entscheidung, in der sich eine militärische Absicht mit den inneren Sorgen des Regiments treffen... Deutschland wird auf jede Weise seine Rüstungen fort- setzen— ohne jeden Zweisel, Deutschland wird, ohne Rück- ficht auf das Recht, der Ansicht sein, daß eS sich, als eS Genf verließ, vom Versaillcr Bertrag befreit hat. Was werden die Wächte tun?... Eo ist unzweifelhaft, daß Deutschland juristisch durch den Vertrag von Versailles, durch seine militärischen Klauseln, durch die Klauseln der Entmilitarisier»«« des Rheinlands, gebunden bleibt. Wird man sie geltend machen? Und wenn man sich dann einer Weigerung aussetzt, waS soll dann geschehen? DaS ist das ganze Problem. ES ist ein politisches Problem, ein psychologische» Problem,— eine Frage des Willens und eine Frage der Mittel-.. Die Abrüstungskonferenz schließen, ohne weitere Erklä- rnngen abzugeben, das hieße Deutschland zuviel Ehre er- weisen. Sie fortzusetzen bis zum Abschluß einer Konventton, die für die deutsche Unterschrift offen bleibe, brächte eine andere Gefahr mit sich... Man würbe das Publikum auch täuschen, wenn man ihm nicht ausdrücklich erklärte, daß eine Parteiregierung, welch« die Stimmen der Sozialisten nicht entbehren kann, der Autorität und des Vermögen? ermangelt, um eine derartige Angelegenheit zu behandeln, wie gut ihr Wille auch immer sein möge. Jedenfalls muß man am Vorabend der Finanzbebatt« hoffen, daß es nun Schluß ist mit den Ab- strichen am Etat der nationalen Verteidi- g ung. Die Zukunft verpflichtet zu anderen Interessen. Seit heute müssen wir ihnen Rechnung tragen. Paul Honcour Paris, 17. Okt. Außenminister Paul-Boncour ist heute früh in Paris eingetroffen, um dem Ministerrat eingehenden Bericht über die Lage in Genf nach dem Beschluß Deutsch- lands, sich von der Abrüstungskonferenz und dem Völker- bund zurückzuziehen, zu erstatten. Der Ministerrat wird auch Kenntnis von der Erklärung nehmen, die- wie man allgemein annimmt— Ministerpräsident Da lädier 5> e u Jif" btt Kammer zu dem Beschluß Deutschlands abgegeben dürfte. Sîimmungsumschwung an der Saar Max Braun spricht in gewaltiger Kundgebung Die saarländische Sozialdemokratie hatte am Montag- abend eine gewaltige Kundgebung tn Saar- brücken. Der Saal der Arbeiterwohlfahrt war nicht nur überfüllt. Viele Hunderte drängten sich in der grofien Bor- halle und viel mehr mußten umkehren, weil nicht einmal ein Stehplatz für sie vorhanden war. Es mußte eine Parallelversammlung durchgeführt werden. Die Proklamation Max Brauns wurde mit stttr- Wischer Begeisterung aufgenommen. Aber nicht das Erleb- nis dieser Kundgebung ist es, die den d e u t l i ch e n S t i m- wungsumschwung der Bevölkerung bezeugt. In allen Volkskreisen ist der Widerstand gegen den Hitler- Terror im Wachsen. Seit dem Austritt Hitler-Deutschlands aus dem Völkerbund dokumentiert sich beutlicher als bis- her, daß der Freiheitskampf an der Saar und ein Kampf gegen das„dritte Reich" möglich ist, wenn man ihn im Geiste deutsch-französischcr Verständigung und im wahren deutschen Volksinteresse vollenden will. vie Kundgebung Saarbrücken, den 17. Oktober 1938. Der Abend wurde von einem Orchester arbeitsloser Musi- kcr stimmungsvoll eingeleitet als Auftakt zur Trauer- seter für die Opfer des Faschismus in Deutsch- land. Ihm schloß sich ein wirkungsvoller Chor der Arbeiter- jugend und eine ausgezeichnet zu Gehör gebrachte Rezita- tion des Genossen E r n st Braun an, der auch die ernst- würdige und mahnend-kämpferische Gedenkrede auf die Gefallenen des Freiheitskampfes hielt. Dann leitete TheoMaretmit einer Herweghschen Frei- beitSrezitation den 2. Teil ein und kündigte anschließend die Rede deS Führers an. Unter brausendem Jubel der Ver- sammlung erschien Max Braun, ber Schutzbund salutierte und dann erscholl ein tosendeS »Freiheit" durch den Saal: Freiheitskämpfer ber Saar! Adolf Hitler, noch immer als des Reiches Kanzler zugleich desReiches Verderbe r, hat mit einem geräuschvollen Theatercoup die hochdramattsche Szene von Genf tn stärkstem Knalleffekt, mit Donnerschlag und Blitz aus heiterem Him- mel und tenoralcm Abgang deS„Helden" in die Kulisse die internationalen Verhandlungen verlassen,— sicher, daß seine primitiven Abcntcurereffekte die Furcht und den Schrecken der Welt erwecken würden: Aber der Vorhang ist nicht ge- fallen, der Beifall kam nur dünn aus den Reihen der eige- nen braunen Akteure—, aber das Weltpubltkum sah bei offe- »er Szene hinter die Kulissen einer Schmierenkomö- d t e, deren größte Abgeschmacktheit die groteske Notzüchti- gung des eigenen Volkes durch einen„W a h l g a n g" in der terroristischsten Despotie aller Zeiten und Länderl Zugleich bewiesen die Gegenspieler auf der anderen Seite durch ihre kaltblütige Ruhe, daß sie die Grotesk- Tragödie und die Grotesk-Komödie an der Spree absolut durchschauten. Man kann unentschieden lassen, ob dieser Hitlerconp mehr eine letzte Spekulation aus die Vertiefung der Un- einigkciten im anderen Lager oder aber der knallig ans- gemachte Wendepunkt zum Abmarsch in die verbrecherische Zerstörung des Reiches war: In beiden Fällen ist es nur baS V a b a n q« e- S p i e l»on Hasa- denren! Doch muß man sich klar darüber sein: AlS Hitler die Tür in Gens ins Schloß warf, schloß er zugleich die bis- , herige 14jährige Periode deutscher Außenpolitik der Ver» ständigung, des Friedens und der internationalen Ein- ordnnng ab, um sie durch die Politik des Faust» rechts zu ersetzen. Es ist jetzt nicht nnr die friedliche Be- freiungs- und Glcichberechtigungspolitik Deutschlands aus den Wegen des internationalen Rechts und der politischen Aussöhnung zu Ende, eö wird jetzt nicht nur«ine angeb» lichc Befreiung?:-litik mit anderen Mitteln gemacht— sondern auch m it anderen Zielen! Der junker» lich-schwerindustriell-militaristische ncndeutsche I m p e r i a, liSmns kopiert Japan so wie der Httlerts» mus bisher Italien kopiert hat. Das einzige, was von der bisherigen deutschen Verstän- bigungspolitik noch geblieben ist, sind die gleichen Vo- kabeln von Fricbensbercitschaft und gegenseitiger An- erkennung— die Taten aber unterscheiden sich wie die Handgranate in ber Faust des Militaristen vom Oelzweig t» der Hand des FriedcnSengels. DaS gilt insbesondere auch von der Hitler-Rundfnnkrede vom verflossenen Samstag mit ihrer widerlichen Speichelleckerei gegenüber Frankreich, ihrem plumpen TrennungSversuch zwischen England und Frankreich und ihrem immer wieder aufgewärmten Kohl vom Kommunismus, der einmal für„tot" erklärt, das an- bcre Mal aber als der Feind der Welt bezeichnet wird. Und am meisten schämt man sich als Deutscher, wenn man Herrn Hitler immer wieder erklären hört, daß seine ganze Auf- t^'stnng angeblich nur dem Zweck deS innenpolitischen Gebrauchs gegen den totgesagten Marxismus, gegen das noch vorhandene halbe Prozent Juden und gegen die wenigen anderen Gleichschaltungswtberstrebenden dient. Hitlers außenpolitischer Bankrott ist restlos: Er ist an den tiefsten Ausgangs» Punkt aller deutschen RachkriegSbemühun» gen zurückgekehrt: Zum Bersailler Ber» trag! Die große Strecke mühevollsten Weges in 14 Iah- reu z«r bereits weit vorgetriebenen Auslockcrnng seiner Fesseln ist ausgelöscht. Hitler ist in kürzester Frist an den Ausgangspunkt zurückgegangen und ist im Begriffe, gleich bei 1014 und seinem Völkergemetzel wieder anzufangen. Das wäre das Ende des deutschen Reiches und zugleich die schwerste Belastungsprobe europäischer Kultur und Zivilisation!— Als Herr Hitler in Genf die Türe zuknallte und vor seinen Hakcnkreuzspirßcrn den starken Mann mimte, schlug er zu» gleich das Rückgliederungstor der Saar ins Hitlerrcich zu! "N den letzten 809 Jahren seiner Geschichte ist das deutsche Eaargebiet breimal durch die Machtansprüche deS westlichen Imperialismus von Deutschland abgetrennt worden: Unter Ludwig XIV., Napoleon I. und 1919 unter Clemenceau. Am 14. Oktober 1988 aber wurde die Saar zum 4. Male vo» Deutschland abgetrennt— aber diesmal einzig und allein durch die Schuld der wahnwitzigen und verbreche- rischrn Abenteuerpolitik des Hitlerismns! Er wird In die Saargeschichte eingehen als ein größerer Feind dieses deutschen Gebietsteils, denn alle schwächlichen Potentaten und unfähigen Monarchen, die dieses Gebiet entweder durch ihre Uneinigkeit ober durch ihre Unzulänglichkeit verloren gehen ließen. Seit dem 14. Oktober 1988 sind wir restlos aus uns selbst gestellt. Solange dieses Blut- und Henkerrcgime Deutschland vergewaltigt, ist an eine Rückkehr des Saargebietes nicht zu denken. Mit der Einleitung einer neuen Aera europäischer Politik der Unsicherheit, der bewußten, wenn auch getarnten Herausstellung der alten«Erbfeindschaft", sind wir in eine neue Aera saarländischer Politik eingetreten und der neue Abschnitt saarländischer Geschichte, der vom 14. Oktober 1933 ebenso wie vom 39. Januar dieses Jahres ab datiert, ver- langt von uns eine verstärkte Besinnung auf unsere saar- politischen Hauptaufgaben. Wir wollen die Saar frei er- halten, frei auch als ein Au S fallt or gegen die Knechtschaft nach Osten hin. Wir wollen von ihr abwen- den die Katastrophen und die Gcsahr des Untergangs der zunehmenden Schwierigkeiten im sogenannten„dritten Reiche". Wir wollen kein zweites Elsaß-Lothringen-Schicksal in einem Krieg um sie heraufbeschwören Helsen, wie ihn die Rundfunkrede Hitlers indirekt androhte,— wenn wir uns auch klar darüber sind, w o wir stehen würben, wenn ein Wafsengang unvermeidlich sein würde. Und wir wollen den Boden des Rechts und den des Vertrages in einer Fortsetzung der bisherigen Verständigungspolitik behaupten. Der Redner geht dann auf die Genfer Besprechungen mit dem Völkerbundssekretariat, mit Paul-Bon- cour und benübrtgenDelegattonen näher ein und äußert sich eingehend zur vertragsmäßig vorgesehenen Unbc- einflußbarkett ber Abstimmung und den daneben mehr in den Vordergrund tretenden, aus der europäischen Situation sich ergebenden vordringlicheren außenpolitischen Aspekten, unter die die Saar gestellt ist, um dann fortzufahren: Unser deutsches Herz schlägt für Freiheit, Gleichbcrech- tlgung, Menschenrechte, Gerechtigkeit, Wahrheit und Sozia- liSmuS. Wir sehen uns vor eine ganz neue Aufgabe an der Saar gestellt, die eö klar zu erkennen gilt und deren Umfang und Größe von uns neue Formen der Organisa- ttonen, der Methode und der Propaganda ver- langt. ES handelt sich nicht mehr nur um AbstimmungSvor- bereitungen, sondern unter Einflußnahme zur Gestaltung ber Tinge im gegebenen Raum unter gegebenen Ereignissen und Bedingungen. Diese Ausgabe sehen aber heißt ihre Bewäl« tigung in neuer Zusammensassung der Kräste in Angriss neh- men. Deshalb und weil ich der restlosen Zustimmung meiner Genossen sicher, der Solidarität meiner Schutzbundkameraben gewiß und des gläubigen Vertrauens unserer Jugend über- zeugt bin» deshalb rufe ich in diesen denkwürdigen Tagen saardeutschcr Geschichte sie alle aus, sich zusammen zu sinden in der Freiheitsfront der Saar! sStürmische, immer wieder- holte Zustimmung.) Niemand darf abseits stehen, wo cS gilt, unsere heiligsten Rechte und höchsten Ideale zu verteidigen. Wer entschlossen ist, mit unS den einzigen Weg zu gehen, auf dem die Saar frei«nd deutsch erhalten werbe« kann» der stoß« zu unserer FreiheitSsrontl Unser Kampfgcbet ist der Freiheitsschrei, unser Choral sind die.FreiheitSlieder der Besten ber Nation, unsere Parole heißt: Auf den Tag! und unsere Losung: Freiheit im Sozialismus! lTosender Beifall.) Dieser unserer Freiheitsfront soll unser Herzblut gehören, für sie erheben wir uns von unseren Sitzen mit dem drei- maligcn Rufe: Freiheit, Freiheit, Freiheit!(Lang- anhaltender, brausender Beifall.) Dann sang die ganze Versammlung mit erhobener Freî- hettöfaust die Internationale— während draußen auf ber Freitreppe M a x B r a u n zu den noch geduldig Harrenden, die nicht im Saale Platz finden konnten, zum zweiten Male spricht. Auch hier wurde der Führer der saarländischen Sozial- bemokratte mit brausendem Beifall begrüßt. rranziteisdier Quersdinifl Die Sllrnmung des französischen Volkes Im Urteil der Presse Flucht aus der innenpolitischen Krise in das außenpolitische Abenteuer „Man werfe einen Blick auf die Situation Deutschlands. Der Leipziger Prozeß entwickelt sich für die Nazis direkt katastrophal. Die Wirtschaftslage an der Schwelle des Win- ters ist ungeheuer schwer. Die Moral der nationalsozia- listischen Truppen ist erschüttert. Hestige Gegensätze kommen selbst innerhalb des braunen Generalstabs zutage. Göring ist verschwunden. Die Agitation der illegale» proletarischen Organisationen wächst. Die Unzufriedenheit der breiten Volksschichten beginnt allmählich überall deutlich zu werden. Unter diesen Bedingungen konnte ber Rückzug auf dem Ge- biete ber Außenpolitik für die Nazis fatal werden: zwischen zwei Gefahren: der Erschütterung im Innern und der Er- schtttterung nach außen hat Hitler das letztere gewählt." („Populaire".) Oie Komödie des Plebiszits „Und nun will der Führer einen Eindruck auf das Aus- land durch die doppelte Komödie erreichen: durch die Volks- abftimmnng über die Regierungspolitik und die Rcichstags- mahlen. Aber man sieht nicht, welchen Gewinn er aus dieser Manifestation zu ziehen beabsichtigt. Das deutsche Volk, das dem Völkerbund so viel zu verdanken bat, wird durch das Verlassen des Völkerbundes nichts gewinnen können. Wird die allgemeine Abrüstungskonvention unmöglich, dann bleiben die Bestimmungen des Versailler Vertrages in Kraft."(„Quotidien".) Frankreichs großer Erfolg „Man sieht heute schon baS Ergebnis unserer An» strcngungen und unserer Opfer. Sie haben um unser Land enger, als in irgendeinem Augenblick nach dem Krieg nicht nur unsere Freunde Belgien, Polen und die Kleine Entente gesammelt, nicht nur England, sondern auch die Vereinigten Staaten, Italien, Holland, die skandinavischen Länder, Ivo Deutschland noch vor kurzem Sympathien ge- noß, und selbst die ehemaligen Verbündeten des Reiches, wie Oesterreich und die Türkei. Heute, dank ber drohenden Haltung Deutschlands, geht die ganze Welt mit Frankreich." („Petit Parisien") Oas Berliner Volk ist beunruhigt Der Berliner Korrespondent von„Matin" berichtet: „Das Verlassen der Abrüstungskonferenz, der Austritt auS dem Völkerbund, die Rcichstagöauflösung und die Volksabstimmung fallen auf die öffentliche Meinung wie ein Keulenschlag herunter. Vielleicht zum- erstenmal seit dem Machtantritt Hitlers ist das Publikum durch seine Maß» nahmen irre gemacht worden und flüchtet in die einzig ge» stattete Haltung, das Schweigen. Dieses Volk kennt vom Kriege her, was die Isolierung bedeutet und ist beunruhigt durch die Lage Deutschlands. Es fühlt, daß diese Regierung, die alS eine Regierung der Werktätigen gelten möchte, als Preisträger im WirtschaftSaufbau, heute den Kampf gegen die ganze Welt aufnimmt, und zwar nicht wegen einer öko- nomischen, sondern wegen einer militärischen Prestigesrage. Die Regierung, die das Huhn im Topf versprochen hat, will sich in einer Angelegenheit deS Schwertes sehr gefährlich festlegen. ES ist nicht die Haltung eine? Opfers in der ab- wehrenden Stellung, die die Volksmassen von Hitler er- wartet haben, sondern die des beglückenden TriumphatorS." Göbbels' Niederlage DaS Ergebnis der Genier Debatte für Deutschland be- deutet u. a. auch den persönlichen Mißerfolg von Göbbels. Der junge Propagandamintster. der tn sich die diplomatischen Fähigkeiten verspürt, ist nach Genf gegangen, um zu ver- sühren, um zu manövrieren und praktischen Erfolg zu er- zielen. Er wollte alS der Mann deS Friedens gegenüber dem kriegerischen Frankreich gelten. DaS Ziel setner Manöver war, sich die Unterstützung der Angelsachsen zu sichern. Da- nach war die ganze Orchestrierung, die seiner Ankunft in Genf vorging, gerichtet, auch seine Rede am Nicderwalddenk- mal am Rhein. Er ist aber in eine Tackgasse hineingeraten, und mit ihm der gesamte radikale Flügel ber NaziS. Antwort an Hitlers„friedliche" Bundfunkrede „Bewahren wir kaltes Blut und erkennen wir das ManS- ver. Hitler will uns von unseren Freunden und Verbün- deten trennen, die Bande lösen zwischen unS und England, die Bündnisse tn Zentraleuropa auflockern. DaS Spiel ist z» leicht und zu grob. Angesichts dieses Deutschlands allein bleiben? Nein, danke schön!"(„Intransigeant") Oer Viererpakt ist tot „Will jetzt die deutsche Regierung die Behandlung ber NüstungSfrage auf einen ihr bequemeren Boden verlegen, etwa den des V i e r e r p a k t e s? Aber das wäre eine falsche Rechnung. In Wirklichkeit ist der Viererpakt noch gar nicht ratifiziert. Noch mehr: Dieser Pakt ist im Rahmen des Völkerbundes abgeschlossen und er enthält alle Ver- pflichtungen der Vertragspartner, die sich ans dem Völker- bundspakt ergeben."(„Petit Parisien") „Tie Minister der Kleinen Entente behaupten, daß es das Ende deS Biererpakte» ist. Beinahe all« diese Delegierten sind mit ber Kleinen Entente der Meinung, daß, wenn der Viererpakt noch bis kurzem unschätzbare Verdienste erweisen konnte, indem er Italien in diesen schweren Tagen gestattete, auf unserer Seite zu bleiben, so ist es jetzt völlig ausge- schlössen, an die internen Verhandlungen in seinem Rahmen zu denken."(„L'Oeuvre"). Hitlers Flucht vor der Rüstungskontrolle „Bereit? seit Monaten rüstet Deutschland auf. bereits seit Monaten ist es für Teutschland unmöglich, sich einer wirk- samen Rüstungskontrolle zu unterwerfen. Wenn eine inter- nationale Kommission sich heute nach Deutschland begeben würde, so würden die Vertreter des Völkerbundes feststellen, daß Deutschland bereits heute eine Armee von einer Mtl- lion Mann hat."(„Excelsior"). Wettrüsten beginnt „P a r i s- S o i r": Wenn das Reich sein? Handlung?- freiheit zurückhaben will, so doch nur, um sich zu bewaffnen. Wenn Deutschland aufrüstet, müßte man der größte Dumm- köpf sein, wenn man das Gegenteil täte. Deutsch- land hat vor der Geschichte eine furchtbare Verantwortung auf sich geladen. Illusionen zu Ende „fi e Journal": Entweder bedeutet der deutsche Schritt ein außen- und innenpolitisches Manöver, einen Er- prcssungsversuch oder es ist ein Akt des Wahnsinns. In jedem Fall hat das Hitler-Reich die MaSke abgeworfen. Alle Illusionen sind zu Ende. SA. in der Reichswehr Der Berliner Korrespondent des„M anchester Guar- d i a n" erfährt aus glaubwürdiger Quelle, daß die Mit- glieder der SA für eine kurze Periode in den Reichswehr- dienst übernommen werden sollen. Nach den Informationen des Korrespondenten soll es sich um 14 Tage handeln. Die Absicht sei nicht so sehr, der SA. militärischen Schliff zu geben, den sie in anderer Weise bereits bekomme, sondern sie in engste Berührung mit den Truppen und Offizieren der Reichswehr zu bringen, weil in einem zukünftigen Krieg die SA. in die Formationen ber Reichswehr eingefügt wer- den sollen. „Friseuse" gesucht I Enthüllungen über Naziprobaganda in Amerika Der„Daily Worker", das offizielle Organ der kommunistischen Partei in den Vereinigten Staaten, veröffentlicht einen Brief, den der Sekretär der nationalsozialistischen Organisation Neuyorks, der„Gesellschaft der Freunde des Neuen Deutschland", an Herrn Uschlah in Berlin, Aleranderplatz, gerichtet hat. Der Brief ist auf ein Blatt mit dem Aufdruck„Freunde des Neuen Deutschland, Bundesleitung USA., versehen und wird durch die Be- merkung eingeleitet:„Auf Befehl: Hans Spanknöbel, Führer der nationalen Gruppe. Streng vertraulich." Die tnter- essanteste Stelle des Dokuments geben wir hier wegen ihres dokumentarischen Wertes wieder:- „Die Entwicklung der besonderen Gruppe kann nicht so schnell verwirklicht werden, wie Sie es wünschen, denn die Bedingungen sind hier schwieriger, als Sie annehmen. Wir werben überwacht und müssen sehr vorsichtig sein. Dr. Spanner bittet dringlich, die deutschen Vertreter der „General Electric" zu überwachen, denn möglicherweise haben sie die Absicht zu spionieren. Schicken Tie uns eine junge Frau, die deutsch und russisch völlig beherrscht und absolut sicher ist, damit sie den Platz unseres Agenten in der„Amtorg" sder Sowjefhandels- Vertretung in den Vereinigten Staaten) einnehmen kann. Lassen Sie sie als Friseuse mit der„Bremen" oder der „Europa" kommen, um die Aufmerksamkeit deS Einwanderungsamts abzulenken. Für van der Lübbe kann ich hier keine Stelle finden. Es dürste besser sein, ihn über Bord zu werfen, wenn man ihn aus Deutschland heraus- bringt. Wen nehmen Sie an seiner Stelle? Lassen Sie mich wissen, wie weit wir mit dem Buche von Hitler sind. Wir müssen viele Exemplare gratis verteilen, das wird großen Erfolg haben. Es ist ein Kinderspiel, aus den Amerikanern ausgezeichnet« Antisemiten zu machen." Der„Daily Worker" erklärt, daß er dieses Dokument von einem Mitglied der nationalsozialistischen Organisation Neuyorks erhalten hat, das ihm schon andere Dokumente gebracht hat, auf Grund deren drei Artikel des„Daily Worker" erschienen. Dieser fügt hinzu, daß keine der in diesen Artikeln genannten Persönlichkeiten widersprochen hat. Nichts wurde dementiert. » Der„Manchester Guardian" läßt sich aus Neuyork be- richten: Die Negierung der Vereinigten Staaten hat mit offiziellen Untersuchungen der Tätigkeit der deutschen Ratio- nalsozialisten in ihrem Lande begonnen. Die Untersuchung wird von Mitgliedern des Einwandcrungskomitecs des Unterhauses veranstaltet, an dessen Spitze Samuel Dick- stein steht. Es ist bereits der unumstößliche Beweis er- bracht, daß die Nazis im Lande eine Menge Menschen da- mit beschäftigten, die Lehre Hitlers zu verbreiten und daß sie große Summen für diesen Zweck aufwenden. Herr Dick- stein stellt in einem öffentlichen Bericht fest, daß vor kurzem 300 Personen mit besonderen diplomatischen Vorrechten als Beamte und Angestellte der deutschen Konsulate in die Ver- einigten Staaten gekommen sind, und fügt hinzu, daß„dies eine lächerlich grobe Anzahl zur Führung der ordentlichen Geschäfte der deutschen Konsulate in den Vereinigten Staaten ist". Einer der Hauptzeugen bei dieser Untersuchung wird Herr Bernhard Nidder sein, ein reicher Verleger mehrerer Zeitungen, von denen die Neuyorker„Staatszeitung" in deutscher Sprache erscheint. Herr Nidder erklärt, daß er vor kurzem von einem Manne namens Heinz Spanknöbel besucht wurde, der Beglaubigungsschreiben der deutschen Regierung vorwies, die ihn zum Führer der Nazipropaganda in den Vereinigten Staaten erklärten. Spanknöbel versuchte, Herrn Nidder zu überreden, in seiner Zeitung„weniger pro- semitische Artikel und mehr Hitlerfrcundliches" zu bringen, woraus Herr Nidder, wie er sagt, den Naziagenten aus seinem Hause wies. Die deutsche Propaganda ist in den Vereinigten Staaten von so außerordentlicher Bedeutung wegen der großen deutschamerikanischen Bevölkerung im Lande. Allein in der Stadt Neuyork gibt es eine viertel Million Menschen, die in Deutschland geboren sind und im ganzen Lande 16(50 000. Deutsch-amerikanische Gesellschaften haben früher eine wichtige Rolle in der amerikanischen Politik gespielt und hatten in einigen Städten wie St. Louis, Milwaukee und Cincinnati fast die Uebermacht. Diese Gesellschaften sind vor kurzem durch die Hitlerherrschast fast ganz ausgelöst worden. Aber die Mehrzahl ihrer Mitglieder unterstützen die Nazis. Herr Nidder erklärt, daß dies geschieht, weil den Mitgliedern gesagt wurde, daß, wenn sie sich zu den National- sozialisten feindlich einstellten, gegen ihre Angehörigen in Deutschland Repressalien ergriffen würden. Die kommunistische Zeitung in Neuyork, der„Daily Worker", beschreibt die Methoden, durch die nachweislich Naziagenten nach den Bereinigten Staaten unter Verletzung des Einwanderungsgesetzes mit Hilfe der Kapitäne deutscher Schiffe gebracht wurden. Hitlers Autobiografie„Mein Kampf" wird jetzt in den Vereinigten Staaten unter dem Titel„My Battle" veröffentlicht Dr. Charles Beard, der amerikanische Historiker, stellte fest, daß das Buch für die amerikanische Leser stark gekürzt und verändert worden sei, um ein viel gemäßigteres, folglich zu günstiges Bild von Hitlers Jöeen zu verbreiten? die Verleger behaupten dagegen, daß die Kürzung nur aus sachlichen Gründen geschehen ist, und daß die Gedanken uu- verfälscht wiedergegeben seien. Pas Neueste Bei Almonear in Spanien schlug ein mit Zement be, ladenes Lastauto um. Von sechs Arbeitern, die den Wagen begleiteten, wurden drei getütet und drei schwer verletzt. In Mülhausen tagte am Montag das internationale Baum- wollkomitee. Das Fernbleiben der deutschen Vertreter wurde !«art beachtet. Gegenstand der Beratung bildete vor allem die apanische Konkurrenz. Eine einstimmig angenommene Eni- schließung verlangt, daß man sich aus Grund neuer Fest, stelluug^n bemühen solle, eine Lösung der gegenwärtigen schwierigen Lage durch gegenseitige Zugeständnisse herbei, zuführen. In B e l s a st wurden bei einer Razzia auf Mitglieder der irische« republikanische« Armee 35 P«r- sonen verhaftet. Sie solle« aus Irland ausgewiesen werden. Die arabische Bevölkerung Jerusalems veranstaltete eine Demonstration gegen jüdische Einwanderung nach Palästina. Durch ein Gasexplosion find in dem Pariser Stadtviertel Les Gobelins zwei Lebensmittelgeschäfte völlig zerstört worden. Man nimmt an, daß die Explosion aus die Uuvor- sichtigkeit eines Arbeiters zurückzuführen ist, der bei Repa- raturarbeiten ein Gaszusuhrrohr beschädigt zu haben scheint. Durch in die Kellerränme ausströmendes Gas wurde die Explosion verursacht. Insgesamt sind 30 Personen verletzt worden, von denen 80 mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus übergeführt werden mußten. Kabinettskrise in sodiawien Wie verlautet, hat der Ministerpräsident beschloffen, dem König die Demission des gesamten Kabinetts anzubieten. AlS Ursache der Regierungskrise werden Meinungsver- schiedenheiten zwischen dem Ministerpräsidenten und der Mehrzahl der Minister einerseits und dem Finanzminister andererseits in der Frage der vom Ministerpräsidenten an- geforderten außerordentlichen Kredite für Notstandsarbetten nnd für die Konsolidierung der landwirtschaftlichen Schul- den angeführt. Verdienst oder Beteiligung geboten durch ernsthafte Firma, benötigt zirka 50000— Fr. auch Reichsmark in Deutschland. Angebote unter Nr. 100 an die„Deutsche Freiheit", Saarbrücken, erbeten. BRIEFKASTEN Frau El ara TO. kl. Wir kennen die Adresse des Herrn Silber- wann nicht, der uns, bezeugt durch Spuren an leinem Körper, den Bericht über die Vorgänge im Oranienburger Konzentrationslager gegeben hat. Er reiste weiter: wir wigen nicht wohin. Schweizer. Wir haben einem schweizer Bürger solch ein reiche» Vokabularium an Schimpfwörtern nicht zugetraut. Ihre Poit- karte hat allerdings auch eine gute Seite: die andere nämlich mit der schönen Ansicht von Fleurier. Wir haben sie mit Sehnsucht betrachtet und bitten Sie, uns noch mehr davon zu schicken. Ta dürsen Sie uns gern noch mehr beschimpfen und Christus gegen uns„Heyer" anrufen. Der„Scheiterhaufen". Der Verlag Allert De Lange, Tamrak 02, Amsterdam, hat eine Reihe Werke deutscher Autoren er- worden. Es werden im Laufe der nächsten Zeit erscheinen Werke von Georg Bernhard, Bert Brecht, Max Brod, Georg Hermann, Giua Kaus, Hermann Kesten, Egon Erwin Ktsch, Theodor Pltvier, Alfred Polgar, Joseph Roth, Adrienne Thomas, Karl Tschuppik, Christa Winsloe. öffnet, und aus diesem Anlaß brachten die Zeitungen große Sondernummern, die sich mit diesem Ereignis beschäftigten und prominente Männer des braunen Deutschland mit tief- sinnigen Betrachtungen über die Erneuerung der deutschen Kultur zum Wort kommen ließen. Darunter auch den Reichsstatthalter in Hessen, Herr Sprenger. Der Intellektualismus ist, das weiß in Hessen jedermann, nicht seine Art. Er pflegt derb und rücksichtslos mit seinen Mitmenschen umzugehen, besonders mit Juden und mit Marxisten. Leider auch mit der deutschen Sprache! Aus seinem„Grußwort zum Jubiläum" möchten wir diese Sätze, die auch vom neuen Staatsminister Jung mit unterzeichnet wurden, festhalten: Deutschland, Deutschland und nichts anderes als Deutschland! Wenn man die Geschichte der Stadt Mainz von ihrer Entstehung an verfolgt, dann kommt man zu der reichen Erkenntnis» daß wir hier an einer Stätte stehen, die sich vor allem politisch, wirtschaftlich, aber auch für das deutsche Kulturleben als ein Bollwerk deutschen Lebenswillens im Westen unseres großen Vaterlandes bewährt hat. An großen, h i e r s e l b st sich kreuzenden Heerstraßen gelegen, am sagenumwobenen Rhein mit seinen von jeher heißum- kämpften Ufern, inmitten eines vielbesungenen Reben- kranzes, erfüllt von dem Wirken eineS kernhaften, leicht beweglichen, lebensfrohen Menschenschlages mußte Mainz neben seiner sonstigen Bedeutung auch eine Hochburg kul- turellen Lebens werden. Es hat mitgebaut und starke Balken und Strebepfeiler eingezogen in das Kultur- gebäude unseres Volkes— es hat in Erfüllung dieser historischen, durch Land, Volk und Geschichte bedingten Auf- gäbe auch folgerecht verteidigt, hat auch auf dem Gebiete unseres geistigen und künstlerischen Volkslebens seinen Mann gestanden, gleich wie eS im Völkerringen m i t verbissenen Zähnen und zäher Ausdauer allezeit schwerste Zeiten Überwand. Reich war auch seine Kraft im Leven der Kunst. Schöpfend an? einem reichen Seelenleben, das immer wieder seine Nahrung fand im größten Leid und höchster, durch Temperament und Wein genährter Ire» de, getrieben durch schnelle Entschlossenheit, konnte das übersprudelnde Wollen Werke schaffen, die auS ihrer Masse heraus von Leistungen überragt wurden, wie das goldene Mainz von seinem eigenen Dome. Der Mainzer Dom, der entstand auS von Temperament und Wein genährter Freude, hat schon viel Stürme ausgehalten. Wenn auch Hierselbst jetzt Herr Sprenger wirkt. 2. JCexenmeistet Sdiicachini Führer der Hitler-Jugend ist B a l d u r v. S ch i r a ch. Noch nicht SS Jahre alt, verfügt Balbur, der Strahlende, über eine nahezu unbeschränkte Befehlsgewalt über junge Menschen, deren Enthusiasmus mißbraucht und verbogen wird. Aber Baldur ist nicht nur Führer, nicht nur Soldat. In stiller Stube, wenn er Koppel und Revolver abgelegt hat, läßt er sich von der Muse küssen. Dann dichtet er Sprechchvre und Lieder in unaufhörlicher Reihe. Da Befehle eben Be- fehle sind, werden sie überall, wo braune Jugend zusammen- kommt, gesprochen oder gesungen. Und dann steht das Pro- gramm etwa so aus: Abend der Jugend veranstaltet vom Oberbann I Köln der Hitler-Jugend in Ber» Hindling mit dem Kampsbund für deutsch« Kultur Heute abend 26 Uhr in der Großen Messehalle c»8 Anlaß ber deutschen Kulturrvoche am Rhein Verantwortlicher Leiter der H.-J.: Stabsführer Bornemann. Aufsührungs- letter der Sprcchchörc und deS Weihesestspiels: Pg. G ö b b e l S. Musikalischer Leiter: Pg. Assessor Schmitt Programm: Fahneneinmarsch Wenn alle untreu werden(Gemeinsames Lied) Sprechchor»Das neue Geschlecht" von Baldur v. Schlrach Begrüßung durch den KsdS. Minister Rust spricht Aufführung des Wethefestspiel»»DaS Heiligtum" vom Führer des Kölner Kampsbundes Theodor Seidenfaden Volk ans Gewehr(Gemeinsames Lied) »Boll ans Gewehr", Sprechchor von Bald. v. Gchirach E S dröhnen Trommeln durch da» Land, Lied der Spielschar, Text von Baldur v. Schlrach Der Reichsiugcndführer Baldur von Schirach spricht Hitlerjunge Ouex, Lied Text von Baldur v. Schlrach Tie Einen und die Andern, Sprechchor von Bald. v. Schlrach Wir sind de» Geyer» schwarze Haufen, Lied der Singschar Ihr sollt brennen, nicht wie Asketen. Chorwerk von Baldur v. Schirach FahnenauSmarsch»Westdeutscher Beobachter" In einer Rede sagte Baldur von Schirach jüngst:»Ihr deutschen JnngcnS! JA warne Euch vor jüdischer Hast und BetrtebSsamkeitl" Dieser brennende ASket trommelt, lchie't und rede» ein ganzes Programm hin- durch und gibt seinen Hörern zugleich ein Exempel arischer Bescheidenheit und Selbstbeschränkung. Man wundert"ch, daß er dabei noch Zeit findet, für»seine Leute" zu fortan. Seine Schwester R o s a l i n d e hat er als erste Sängerin bei ber Staatsoper untergebracht. Was braucht sie viel Stimme? Hinter ihr stehen die 17 Millionen Stimmen der Nationalsozialisten. Sein Papa ist seit Be- ginn dieser Spielzeit Intendant des Wiesbadener Staatstheaters. Welch ein Arsenal von Meistersingern hat das Geschlecht derer von Schirach gezeugt! Auf dem Kölner Programm findet man auch den Namen des Pg. G ö b b e l S. Er ist ein Bruder des Herrn Propa- gandaministers. Ein schöneres nordisches Weihefestspiel wird weit und breit nicht zu finden sein. Die„Maden£mu MetaU 2t. Ç. Wells übet Deutschland Die Londoner»Times" berichten: Bet einem Essen, das zu Ehren seines Geburtstages in London veranstaltet wurde, hielt H. G. WellS, Englands gefeierter Schriftsteller, eine Ansprache, die in ber gesamten englischen Press« viel be- achtet wurde. Nach einem Rückblick auf die Bücher- Verbrennungen in Deutschland führte WellS aus, baß gerade jetzt in weiten Teilen der Welt eine wahre Epidemie der Intoleranz ausgebrochen sei. ES sei wirk- lich leicht für einen außergewöhnlich erfolgreichen und ver- wöhnten Schriftsteller mit radikalen Ideen, wie er selbst, in humorvoller Weise über die Bücherverbrennungen zu plaudern. ES sei aber eine ganz andere Sache für seine Schrtftstellerkollegen in Rußland oder in Italien oder in Deutschland. Bor allem tn Deutschland. Ein über- zeugter radikaler Autor treibe heute tn Deutschland ein sehr abenteuerliches und gefährliches Geschäft. Er würbe ver- frlgt, mißhandelt und verleumdet. Er werde getroffen über seine Familie und seine Freunde. Mit Sicherhett würde ihm sein Eigentum genommen. Er könne grausam und bestialisch getötet werden. Dies seien keine Zweifelsfragen. Sie seien erwiesen bis aus da» Tüpfelchen über dem i. Laßt nicht zu die Propagierung und Inanspruchnahme aller Kraft für eine einzige Rasse— eine bezaubernde Raste, aber eine lasterhaft und unheilbar nationalistische Raste—, die Verblendung der Wahrheit über das Geschehen in Deutschland. DaS deutsche Tun wäre kein Pogroin. Juden machten den meisten Krach, aber es wären nicht nur Juden, die gelitten haben. ES wären alle Arten von Deutschen in ber gleichen Lage. Ihm scheine es mehr wie sonst alles eine Rebellion ber„Blöden Lttmmels" („Clumsy Lout") gegen die Zivilisation zu sein. ES sei die Revolution der blöden LlimmelS gegen Denken, gegen ge- sunden Menschenverstand und gegen Bücher. Wohin es Deutschland führe. Wiste niemand. Aber es wäre nicht allein tn Deutschland, wo die große Toleranz, mit welcher das Jahrhundert begann, zum Verschwinden gebracht wurde. Das geschehe überall tn der Welt. Der»B l S d e L ü m m e l" tolle überall umher, protzend mit seinen idiotischen Symbolen, seinen idiotischen Grüßen, brütend über seinen geistes- schwachen Grausamketten. Sind wir sicher in England? Persönlich, sagte WellS, fühle er sich gar nicht sicher sür die nächsten IV Jahre. Es könne sein, daß die Lunch-Gesellschaften für Literaten von heute ersetzt werden durch Lynch-Gesellschaften, noch bevor die zehn Jahre um sind. Aber einer Sache sei er sicher— auf die Tauer werden Bücher siegen und der„Blöde Lümmel" wird kurz an die Leine genommen werben. mindestens 150 JCilontetet Jugendwandern als Wehrsport Auch das Jugenbwandern wird systematisch in die mili- tärische Erziehung, die für keusche Ohren Wehrsport ge- nannt wird, eingebaut. Die Wander- und Jugendherberge- Bewegung ist der Hitler-Jugend ausgeliefert worden. Ueber die Aufgabe der HJ. heißt es nun im letzten Heft der »Jugendherberge", Zeitschrift für Jugendherbergen und Jugendwandern:»Die Wanderung muß im Arbeitsplan der HJ. regelmäßig, vielleicht sogar wöchentlich auftreten. Die Ausführung mutz wechseln zwischen Marschübung einer großen geschlossenen Schar aus staubiger Landstraße und zwischen stimmungsreicher Wanderung." Um die Jugendlichen zu erfassen, die n t ch t in der HJ. sind, hat das Retchskuratorium für Jugend- ertllchttgung in Verbindung mit Herrn Rust Richtlinien für den Geländesport(lies militärische Erziehung) an Knabenschulen erlassen. Diese Richtlinien bedeuten die richtiggehende militärische Marschausbilbung und schreiben als Abschluß der Jahreöausbildung einen Gepäckmarsch vor. Auch die»Jungturner" sind in das Erztehungssystem zum Soldaten eingebaut. Für sie wird das„Pslichtturnsahr" eingeführt, bas M i n d e st Marschleistungen von ISO Kilometer im Jahr vorsteht. Und das alle» für Knaben! An einen deutschen Jceund Von Henri Guilbeaux Wo bist du, den ich gekannt, geliebt? Bist gefangen,— verwundet, tot? Nahmst du Teil an gewaltigen Schlachten? Oder lebst du vereinsamt in einer Stadt, auf dem Lande? Wie sind deine Gedanke gespannt? Wie hast widerstanden du dem furchtbare« Zyklon, der das alte Europa erschüttert? Ah! mein Freund, wie drückend sind doch diese fahlen Tagt, diese Tage, die feile Zeitungen vergeblich betresten wolle« (mit Ruhm. * Wo bist d«, den ich gekannt, geliebt?....» Slch, die Sträuße sinnvoller Träume, die wir brüderlich (gewunden, dt« Plänegarben, die wir geformt, entschlossen gebunden! Unsere verwickelten, dichten Wünsche, gleich verschlungene« sKletterrosen! Unsere gerade«, prächtigen Entschlüsse, deren Rot das breite sFriebensfeld besteckt! Wie fern ist doch diese Landschaft! Wie fern! » Stillschweigend hatten den Bund unsere treue« Hand« (geschlossen? wie hast du doch die Helle, den Schwung und die Harmonie smeiner Sträuße der Jl« de France bewundert, und ich die gedrängten, hohen, dunklen Tannen deines (Landes geliebt! Dir war unser Leben lieb,«nsre Kunst, nnsre schlanke. (jugendliche Kühnheit, mich freute DentschlanbS Lyrik, Musik, sein gastliches Gemüt. Abwechselnd haben die Blumen und Früchte unserer Lände» (wir gepflückt und genossen. Haben oft zusammen vom Wege Wurzeln und Nessel« (entfernt, Wurzeln und Nesseln, die plötzlich allüberall dichter und (häßlicher sproßte». Wund sind die Zweige unserer Hoffnung. Vernichtet die Knospen unseres Glauben» durch«in« (gräßliche, unbarmherzige Qual. Doch, wo bist du. o mein Freund? Wo bist d«. den ich gekannt, geliebt? (Uebertragung von Hermynia zur Mühlen. AuS»Kam«" rüden der Menschheit. Dichtungen zur Weltrevolution", her- ausgegeben von Ludwig Rubiner. Verlag Kiepenheuer, 1919.) ra ts mied weitet veeboten Verboten wurden folgende Bücher: Alexander ThomaS „Deutschland— Freiwild?", Berlin. Offene Worte.(Dieser Verlag ist e'..: getarnter Naziverlag, ber mit Gtaatsbeihilfe arbeitet: der verbotene Roman ist ein kriegshetzerisches Buch, daS auch nach dem Verbot ruhig wetter verbreitet wird. Das Verbot ist eine Tarnung: ebenso wurden unlängst die österreichische getarnte Nazizeitung„Michel" und die Präger Nazizeitung„Bohemia" verboten. Das ist nordische List.) Das Verbot trägt daS Aktenzeichen II D 294/172. Wetters: Magnus Hirschfeld:„Sexualität und Kriminalität s„Reichsanzeiger" Nr. 282). Folgende Zettungen wurden verboten:„Frimorgn"(Riga),„La Journée Parisienne (PartS),„Die Neue Zeit"(Bern),„Free voice os the Amalgamated Food Workers"(Neuyork),„Kärtner Tag« blatt"(Klagenfurt),„Nova doba"(Pilsen),„Cesky Dennik (Pilsen),„Seeländer Volksstimme"(Biel, Schweiz),„Soli- darität"(Zürich).„Die Antikriegs-Aktion"(Paris). („Deutsches Kriminalpolizeiblatt" 1667, 1669, 1670.) „Det Jod det tdith Cauell" Die Nazis legen Wert darauf, sich heute noch zu fede« Gemeinheit oder Dummheit vergangener Zeiten zu bc- kennen. Als 1915 der deutsche Gouverneur von Belgien die englische Krankenschwester Edith Eavell erschießen ließ, geriet die ganze Welt in Erregung. Heute nun läßt der „Vorhut"-Verlag ein Buch über den Fall Eavell tn Riesen- aufläge verbreiten, um„die ungeheuerlichsten Greuellügen über diesen Fall" barzustellen. Gerade diesen Fall der Welt wieder tn Erinnerung bringen wollen, ist wohl ein Beweis für die Dummheit und Kopflosigkeit ber Naztpropaganda. Wozu studiecen Juden? „In dem Bestreben, aus die entscheidenden Posten zu ge« langen, haben sich die Juden in Deutschland zur Pflicht g e m a ch l, dte Rechte zu studieren, um das Recht zu knechten, sie haben sich der Medizin gewidmet, um die Gesundheit de» deutschen Volkes zu untergraben, ja sie ließen sich taufen, um als P a stören dem Volk die R elt« gtonzurauben."... Pg. S ch r ö b e r in Dortmund- Qoethe hutzbeiniq und beaunâuçiç Der bayerische Minister ohne Portefeuille. Ester, ent« hüllte in Urfeld eine Büste Goethes und Goethe selbst ol» einen Dichter„internationalen Geistes" fremd s e i n e n« Volke, unbeteiligt an der nationalen Befreiung inner« halb setner Epoche. Die Welt beQcüßt es „Kein Volk rassisch so erwacht" Unter dem Titel:„Wir und die letzten Goten" vevötfert'« licht ber Oberprästbent Kube, Gauleiter ber Kurmart, is der„Hessischen LanbeS-Zettung" einen Artikel, in dem e* heißt:„Die Welt begrctft langsam, waS Hitler-Deutschlastb bedeutet... Kein Volk der Welt kann unS das nachmache"' well kein Volk der Welt rassisch so erwacht ist wie da» deutsche.. Torgier stark entlastet Relchstagspersonal sagt gegen die Anklage aus Keller and unterirdiscker Gang *17. Verhandlungstag Fortsetzung aus Nummer 101. Der Lotenmeister«agi aus Klê erster Zeuge nrtrö Sann der Botenmeister beim Rerchstag, Pro.döhl. vernommen. Der Zeuge schildert die Ankunft der Feuerwehr und die Durchsuchung der einzelnen Geschosse. An der Treppe zum Restaurant habe er ein Häufchen hellbraunes Pulver gefunden, das glimmte. Gleich- zeitig habe er bemerkt, daß das Fenster eingedrückt war. Blut und Tuchsehen habe er aber an den Glassplittern nicht »esehen. Bei der Durchsuchung der unteren Räume zu- lammen mit Leutnant Latett hätten sie eine Mütze, ein Stück Seife und einen Binder gefunden. Leutnant Lateit, fuhr der Zeuge fort, war durch Portal 2 gekommen, das ich vorher geöffnet hatte. An dem Portal hatte ich einen Wacht- Meister postiert, der aber nachher plötzlich ver- Ich wunden war- Auf die Frage des Borsitzenden, welcher Wachtmeister das gewesen sei, erwiderte der Zeuge, das könne er nicht mehr sagen. Der Zeuge teilt weiter mit, daß der Schlüssel zum Portal 1 plötzlich nicht mehr da war. Offenbar habe die Feuerwehr wegen des starken Luftzugs das Portal wieder geschlossen. Nach einiger Zeit habe auch ein Feuerwehrmann den Schlüssel wieder zurückgebracht.— Vors.: Wie stellen Sie sich zu der Aus- sage des Zeugen Bogul, baß an jenem Abend ein Mann ans dem Portal 2 gelaufen ist. nachdem diese« Portal vorher schon verschlossen war?— Zeuge Prodöhl: Ich habe da- von gehört, aber ich kann mir nicht denken, daß der Pförtner, ein langjähriger Beamter, das Portal offen gelassen haben svll. Ich würde es für unmöglich halten, daß jemand das verschlossene Portal geöffnet haben könnte.— Vors: Konnte bei den Führungen des Publikums durch den Reichstag sich nicht jemand„verkrümeln" und im Reichstag bleiben?— Zeuge: Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, wenn eine besonders große Personcnzahl an einer Führung teilnimmt. Die Kontrolle beschränkt sich auf die Zahl der Teilnehmer. An sitzungsfreten Tagen wurden die Namen der Besucher nicht eingetragen, wenn es sich um eine solche Führung hau- delte. Durchaus übliches Verfahren Der Oberreichsanwalt weist daraus hin, daß der Zeuge eine ziemlich große Anzahl von Beamten unter sich habe. Er fragt, ob der Zeuge Prodöhl am 27. Februar eine größere oder kleinere Anzahl seiner Beamten über daS übliche Maß hinaus beurlaubt habe.— Der Zeuge erklärt mit Rachdruck, daß er nicht einen einzigen Beamten beurlaubt babe. Eine solche Behauptung sei eine ganz infame Lüge.— Auf die Frage deS RctchöanwaltS Parrifius, ob er bei der Durchsuchung TA.- oder ST.-Mannschaften angetroffen habe, antwortet der Zeuge entschieden mit nein. Aus Fragen des RA. Dr. Sack gibt der Zeuge an, daß jeder Besucher, der zu einem Abgeordneten wolle, einen Zettel ausfüllen müsse, der auch eine genaue Zeitangabe enthalte. Der Be- sucher wird dann vom Retchötagsbeamten nach oben gebracht. 3« diesem Zusammenhang entspinnt sich eine längere Er- .vrterung über die in den Räumen der kommunistischen 'Fraktion gefundenen Blankoauswcise für den Eintritt in das ReichStagSgebäude. Die Ausweise trugen die Unterschrist deines kommunistischen Abgeordneten, waren aber sonst be- züglich des Besuchstages und des Besuchers nicht ausgefüllt. Der Zeuge bezeichnet dies als ein durchaus übliches und zulässiges Verfahren. Auf weitere Fragen bestätigt der Zeuge, daß Abgeordnete jeden beliebigen Be- svcher ohne weitere Kontrolle in den Reichstag hinein- bringen konnten. Für den Besucher war dann der Abgeordnete verantwortlich. Hierauf tritt eine Pause ein. Der brennende Vorhang Nach der Pause wird der Tapezierer Borchart als Zeuge vernommen über die Frage, ob ein Stückchen Vor- hang, das bei dem brennenden Mantel van der Lübbes in der Wandelhalle gefunden wurde, identisch ist mit dem Vorhang, der hinter dem Stenografentisch angebracht war. Der Zeuge bestätigt das und erklärt, baß es sich um einen «ichten Vorhang, ein rotes Tuch, gehandelt habe, daS sehr "icht brannte, zumal es auch schon alt und etwas mürbe war. Es wird dann festgestellt, daß auf jeder Seite des Stenografentisches zwei Vorhänge waren, je zwei Meter lang und ein Meter breit. Aus der Aussage van der Lübbe« wird zitiert, daß er einen der Vorhänge abgerissen hat, in Brand steckte und dann damit durch den Saal lief. Van der Lübbe schweigt Der folgende Zeuge, Amtsgehilfe Hermann Schmal, sagt aus, er habe am Brandtage gegen 2 Uhr nachmittags am Reichstage in der Nähe des Portals IV einen jungen Mann beobachtet, der ihm wegen seines verwahrlosten Acußcren verdächtig erschien. Er habe sich diesen Mann äenau angesehen, und als bann die Zeitungen das Bild van vcr Lübbes veröffentlichten, habe er sofort erkannt, daß dieser Mensch der Verdächtige am Reichstage gewesen war. — Der Vorsitzende fordert van der Lübbe auf, sich zu erheben. Nach anfänglichem Zögern steht van der Lübbe auf. Der Zeuge Schmal erklärt: Das ist der Mannl— Vorsitzender: van der Lübbe, sind Sie am Brand- wge gegen 2 Uhr am Reichstage gewesen?— Van der ^ u b b e schweigt hartnäckig.— Vorsitzender: Er be- wahrt dasselbe Verhalten, das er die ganze letzte Zeit über llkzeigt hat. Ich kann also nur daran erinnern, daß er bei der Vernehmung in Leipzig ausdrücklich gesagt hat, er sei damals schon um 2 Uhr vor dem Reichstage gewesen. Das vat er auch in der Boruntersuchung gesagt. »,Das habe ich nicht ausgesagt" b erreich S anw alt: Der Zeuge Schmal hat in der Vorunterfnchnng auch gesagt, er habe den Abgeordneten ^ vrgler um diese Zeit an der Straßenbahnhaltestelle gesehen. Zeuge Schmal bejaht das, erklärt aber, er könne nicht destimmt sagen, ob das Samstags ober Montags war.— Vorsitzender: Ist Ihnen gleich unklar gewesen, ob es Samstags oder Montags war?— Zeuge: Zuerst habe ich den Montag für wahrscheinlicher gehalten. Er könne jetzt dter mit Bestimmtheit darüber nichts sagen.— Reichs- d« walt Parrisius: van der Lübbe hat zunächst be- vauptet, erst gegen 5 Uhr erstmalig am Reichstag gewesen »u sein. Erst nachdem der Zeuge Schmal festgestellt hatte, daß 1 ihn schon um 2 Uhr gesehen hat, hat van der Lübbe das zugegeben. Aus dieser Tatsache könnte man die Schluß- wlgerung ziehen, daß der Angeklagte zunächst das Bestreben schabt hat, seine Anwesenheit zwischen 2 und 5 Uhr nach- Zütags am Reichstagsqebäude zu verheimlichen.— RA. Dr. ^ack: In dem Protokoll vor dem Untersuchungsrichter ist dvn einem Zusammentressen der Angeschuldigten Torgler und van der Lübbe die Rede. Haben Tie so ausgesagt? Zeuge: Das habe ich nicht ansqesagt: denn ich bin ja damals in die Straßenbahn eingestiegen und habe weiter gar nichts gesehen. Sie hatten ja nicht einmal gesehen, wohin van der Lübbe gegangen war. Das steht auf der einen Seite des Protokolls. Auf der anderen Seite wird dann von dem Zusammentrefsen gesprochen. Darüber können Sie doch gar nichts sagen.— Zeuge: Nein.— Der Oberreichsanwalt stellt fest, daß daS Protokoll durchaus nicht dahin zu verstehen ist, daß eine Begegnung Torglers und van der Lübbes stattgefunden hat, sondern es handelt sich nur um die Begegnung deS Zeugen einmal mit van der Lübbe und dann mit Torgler. Lei Führungen im Reichstage Der nächste Zeuge, AmtSgehilfe Wenig, sagt aus, er habe bei einer ReichStagsführung 8 hts 14 Tage vor dem Brande den Angeklagten van der Lübbe gesehen. Der Zeuge HilfsamtSgehtlfe Holdack, erklärt ebenfalls, daß er van der Lübbe vor dem Brande bei einer Führung im Reichstage gesehen habe. Mit Bestimmtheit könne er es allerdings nicht behaupten- Die Zeugen Schmal, Wenig und Holdack bekunden dann übereinstimmend, daß sie ihren Dienst wie immer versehen hätten, daß thnen nichts von Beurlaubungen außer den paar Krankheitsfällen be- kannt sei, und baß sie auch nichts davon gehört hätten. Der nächste Zeuge ist der Verwaltungsassistent G e r t ck e, der sett zwei Jahren mit den Führungen durch den Reichs- tag beschäftigt ist. Er erklärt auf Befragen, daß der Auf- enthalt im Plenarsaal 20 bis 26 Minuten betrug. Daß jemand zurllckblieb, bezeichnet er als unmöglich. Die Führungen umfaßten an manchen Tagen 800, 400, auch 600 Personen. Bestimmt könne er es nicht sagen, aber er glaube, daß van der Lübbe einmal bei einer Führung dabei- gewesen sei. Der Angeklagte van der Lübbe muß sich dann auf- richten, der Zeuge tritt dicht an ihn heran, beobachtet ihn und sagt: Ja, er kommt mir bekannt vor!— Auf eine weitere Frage erklärt der Zeuge, bei den Führungen hätten die Besucher immerhin die Möglichkeit gehabt, sich auch in den Umgängen umzusehen- Der letzte Rundgang Hierauf wird als Zeuge der Werks it hier Rudolf Scholz vernommen, der seit vielen Jahren im Reichstag als Beleuchter tätig ist. Er gibt an, er habe am Brandlage wie an allen übrigen Tagen um 8.10 Uhr seinen Koutroll- gang durch den Reichstag angetreten. Am Portal 2 sei ihm gegen 8 Uhr gesagt worden, baß soeben die Garderobe des Abgeordneten Torgler nach oben gebracht worden sei. Der Zeuge schildert dann den Verlaus sernes Rundganges. Um 8.25 Uhr habe er in den Plenarsaal hineingeschaut. Irgend etwas Ausfälliges sei dort nicht bemerkbar gewesen. Der Reichstag sei um diese Zeit so still, daß auch das kleinst« Ge- räusch deutlich vernehmbar sei. Um 8 80 Uhr sei er an dem Frakttonszimmer der Kommunisten vorbeigekommen und er könne mit aller Bestimmtheit sagen, daß um diese Zeit die Oberlichtscheibe zum Dachgeschoß noch ganz gewesen sei. Die zerbrochene Scheibe habe er erst am Tage nach dem Brande gesehen. Die Scherben seien da aber schon weggeschafft worden. Torgler und Koenen verlassen das Haus Der Zeuge ist, nachdem er seinen Rundgang am 27. abend« beendet hatte, in den Keller zurückgekehrt, um seine Sachen zu holen und das Haus zu verlassen. Etwa 8.38 Uhr abends will er dem Pförtner am Portal 5 die Schlüssel abgegeben haben- Als er noch einen Augenblick mit dem Pförtner W e n d t sprach, kamen Torgler, Könen und die Sekretärin. D«r Zeuge nahm Torgler die Schlüssel ab, Torgler und Könen sagten beide„Guten Abend!" und verließe« da« Haus. Der Zeuge er'nnert sich genau an die Zeit.— Vorsitzender: Sind die beiden schnell hinausgegangen? Zeuge: Nein im gewöhnlichen Schritt— Oberreichsanwalt: Sie hatten, als Sie das erstemal bei dem Nachtpförtner Wendt waren, gefragt, ob noch Ab- geordnete im Hause seien- Wendt hat das verneint und also nicht gewußt, daß der Abgeordnete Torgler noch im Hause war? Zeuge: Das konnte er nicht wissen, da Portal 2 die Schlüssel noch nicht abgegeben hatte.— Dr- Sack: Torgler sagt, er habe einen von beiden gesprochen, weil da eine Zeitung auf dem Tisch lag.— Zeuge: Das kann nicht sein, denn Torgler ist überhaupt nicht in die Portierloge ge» kommen.— Dr. Sack: Als Sie um 20.10 Uhr Ihren Rund- gang antraten, haben Sie da irgendwelche Benzin- oder anderen Geruch wahrgenommen?— Zeuge: Nein.— Keller und unterirdischer Gang Dr. Sack: Sie haben Ihre Diensträume im Keller. Dan« müßten Sie wissen, ob in der Nacht vor dem Brande in diesem Keller Veränderungen vorgenommen worden sind. Das könnte Ihnen doch nicht entgangen sein, wenn man dort Kisten mit Brandmaterial hingestellt hätte?— Zeuge: Das müßte in der Zeit geschehen sein, wo ich auf meinem Rundgang war.— Dr- Sack: Ist es möglich, daß bis zum 27. Februar dort Kisten oder andere geheimnisvolle Pakete untergestellt worden sind.— Zeuge: Das ist unmöglich.— Oberreichsanwalt: Haben Sie jeden Tag sämtliche Kellerräume durchlaufe»?— Zeuge: Nein!— Ober» retchsanwali: Also konnten Sie doch nicht wissen, ob nicht irgendwo in einer Ecke des Kellers Kisten standen?— Zeuge: Nein!— Oberreichsanwalt: Sind sämtliche Zugänge zu den Kellern stets verschlossen?— Zeug«: Ja- wohl!— O b e r r e i ch s a n w a l t: In dem Keller mündet doch auch der sogenannte unterirdische Gang. Wie ist er ver- schlössen?— Zeuge: Er ist regelmäßig verschlossen mit einem richtigen Schloß- Man kann ihn öffnen mit dem allgemeinen K e l l e r s ch l ü s s e l, den die im Keller tätigen Angestellten haben.— Auf die Frage des An- geklagten Dimitroff, welcher Partei er angehöre, ant- wartet der Zeuge, er habe noch nie einer Partei angehört und auch mit keiner bestimmten Partei sympathisiert.— Der Vorsitzende vertagt darauf die weitere Verhand- lun« auf Dienstag. Der Zeuge Dermoid Kohrwane MdB. Unter den drei nationalsozialistischen Reichstagsabgeord- neten, die als Belastungszeugen gegen Torgler genamir sind, befindet sich auch ein gewisser Herr Kahrwane. Er will mit anderen zusammen Torgler und van der Lübbe im Reichs- tag gesehen haben. Er ist bereit, das unter Eid auszusagen. Er wird also gewissermaßen einer der Kronzeugen der An- klage fein, die bisher so kläglich Schiffbruch erlitten hat. Das Verteidigungskomitee für den Reichstagsbrandprozeß ha» Gelegenheit genommen, sich für Herrn Kahrivane zu interessieren- Das Ergebnis der Erkundungen ist mehr als geeignet, die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen, bevor er noch ein Wort gesagt hat, zu erschüttern. Herr Kahrwane war Mitglied der KPD. Doch vor vielen Jahren schon erschien ihm die KPD. alS„viel zu zahm". Er schloß sich deshalb 1025 der Gruppe Ivan Katz an, die damals von der kommunistischen Parteileitung ausgeschlossen wurde. Nunmehr entpuppt sich Herr Kahrwane als ein Terrorist. Er beteiligte sich führend an einem regelrechten Sturm aus die der KPD. gehörende„Niederschlesische Arbeiterzeitung". Diesem Sturm fiel zunächst die Kasse der Zeitung und außer- dem das Mobiliar zum Opfer. Sein damaliger Plan, mit diesem individuellen Geivaltakt sich an die Leitung der Zeitung zu fetzen, mißlang. Es spricht für die Charakterstärke deS Herrn Kahrwane, baß er sich nach dem Scheitern seiner Pläne im linken Lager» um sein Glück zu korrigieren, den Nazis zuwandte. Dort endlich hatte er Erfolg! Es gibt kein Pferderennen, das den „deutschen Arbeiter" Kahrwane nicht am Totalisator sieht. Seine sonstigen Kenntnisse und Erfahrungen sammelt er in ausgiebigen Reisen in Bier- und Alkoholläden mit seinen neuen Freunden. So erwirbt er sich endlich die geistige und moralische Qualifikation, um Abgeordneter in der NSDAP, zu werden. Seitdem ist Schweigen um ihn- Jetzt endlich ist er wieder da. Er, der wegen politischen BandttiSmus aus einer Arbeiterorganisation ausgeschlossen wurde, soll be- zeugen, Torgler mit van der Lübbe gesehen zu haben. So will er, der Terrorist, die Beteiligung Torglers an einem Akt individuellen Terrors nachweisen. Sabotage der ärztlichen Untersuchung van der Lübbes! Nach der Wiederaufnahme der Reichsgerichtsverhanblun- gen in Berlin mar festzustellen, daß van der Lübbe weiter seine Rolle spielt? ausfallend war aber, daß er noch blasser und schlechter aussah, als zuvor- Während zur Durchführung eines ordentlichen Prozesses und zur Ermittlung der materiellen Wahrheit e« unier allen Umständen notwendig wäre, baß das ärztliche Gut- achten deS Amtsarztes Bonhöffer durch ein objektives Gut- achten auf Grund einer eingehenden Untersuchung auSlän- bischer Sachverständiger ergänzt wirb, hält es der Verleibt- ger van der Lübbes„für unter seiner hohen Anwaltswürde", dem Verteidigungskomitee auf seinen Borschlag, die hervor- ragenden schweizer Experten zu hören, zu antworten. Dimitroff hat bereits öffentlich erklärt,„ich verteidige mich selber" und damit das Verhalten seines Offizialverteidigers charakterisiert- Während aber Dimitroff seine Verteidigung selbst in unerhörter Weise nicht in die Hand nehmen kann, ist es Pflicht der Öffentlichkeit, da einzugreifen, wo ein willenloses Werkzeug für einen Justizmord mißbraucht werden soll. Darum ivieberholt das Verteidigungskomitee den Appell: Internationale Sachverständige für van der Lübbe! Die deutsche Fresse entdeckt... Die tolle Verlegenheit der deutschen Presse über das klägliche Ergebnis der Anklage im Leipziger Reichstagsbrand- prozeß führt zu geradezu grotesken Ergebnissen: Der„Dortmunder Generalanzeiger" vom S. Oktober schreibt in einem dem Prozeß gewidmeten Artikel:„Am Wendepunkt" unter anderm: „Jedem, der den Verlauf der Leipziger Verhandlungen aufmerksam verfolgt hat, wird es nicht entgangen sein, daß der letzte Abschnitt eine für die Angeklagten unglln- stige Wendung bracht«. Langsam, aber sicher hat sich der Schleier, der die Beziehungen zwischen den Angeklagten und der Kommunistischen Partei verbergen sollte, gelich- tet und die Konturen der politischen Hintergründe und die Beziehungen der Angeklagten zu den offiziellen Stellen der Kommune haben sich immer deutlicher herausgearbeitet. Die Wendung verdient besonder« hin- sichtlich beö Angeklagten Torgler Beachtung." Eine wahrhaft sensationelle Entdeckung! Ernst Torgler, der übrigens, wie er selbst sagt, nicht Mitglied de« Zentral- komttees der Kommunistischen Partei gewesen ist, hat als Führer der Kommunistischen Reichstagsfraktion Bezieh»«- gen„zu den offiziellen Stellen der Kommune" gehabt. Kläglicher kam? das Ergebnis der IStägtgen Verhandlung im Leipziger Prozeß nicht eingestanden werden. vnel vom»Nein In preß meldet: In Frechen bei Köln wurden die antifaschistischen Arbeiter Josef Schmidt und Toni Engelmann von SA- erlnorbet. Die aus demselben Ort stammende« Arbeiter Mühlenbach und Neuenpaß sind von SA. derart gefoltert lvorden, daß an ihrem Aufkommen gezivetfelt wird. Zwischen Aachen und Geilenkirchen wurde im Verlauf einer Razzia ein politisch indifferenter Arbeiter von SA. erschossen. In den letzten Tagen wurden in Köln-Ehrenfeld und Köln-Bicke ndorf 200 Antifaschisten verhaftet, in der Gemeinde Porz bei Köln 150, in Neulvied 22, in A a ch e n 15. Bor kurzem meldete die Nazipresse, daß die gesamte Füh- rung der KPD- im Bezirk Mittelrhein verhastet und un- schädlich gemacht sei. 24 Stunden später lourde die neue Ausgabe der dort regelmäßig illegal erscheinenden„Sozia- listlschen Republik" in einer Auflage von 2000 Stück ver- kaust. ES ist bezeichnend, baß die Zahl der„auf frischer Tat" Ver- hafteten immer geringer wirb, obschon die antifaschistische Arbeit sich fortgesetzt verstärkt- DaS liegt daran, daß sich ein richtiger Kollektivismus der Konspiraiion entwickelt hat. Die Arbeiter helfen den Flugblatt- und ZettungSver- teilern, warnen sie vor bestimmten Spitzeln, geben neue Adressen von Sympathiesierenden. decken die Agitatoren. Ja, in mehreren Orten des Miitclrhcins haben sich an der vor- letzten und letzten Flugblattverteilung einige SA.-Leute in Uniform beteiligt. Im Konzentrationslager Dachau Der Sonderkorrespondent des Pariser.Excelsior", der das Konzentrationslager Dachau besuchte, nennt einige Namen von Inhaftierten: Rosenfelber, ehemaliger Staats- anwalt von Nürnberg, Roßhaupter und Unterleitner, ehe- malige bayerische Minister soivie die früheren Abgeordnet«» Edelmann und Wernthaler. Pariser Berichte Pariser Sfraßenhalender Das ninferzimmer Im Ausstellungsort an der Porte de Versailles wurde eine Leder-Ausstellung eröffnet, aus der ein Pariser Schuster einen 2,40 Meter lange» Damenschuh ausgestellt hat. An- und Verkauf zentralauropSischar und sOdamtrlkanl- scher Devisen. Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles 2 P. Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-48 BIS 45 Willy Relsenherz 15 Tage für den„guten deutschen Soldaten" Die jüngste Mama von Frankreich Im Orte Catillon an der Oise hat, unter Vorantritt von zwei Musikern vor dem Hochzcitszug, mit abendlichem Tanz rm Krug und unter Anwesenheit zahlreicher Pariser Bericht- erstatter die Hochzeit von Adrtenne Telamarre, der jüngsten Mama von Frankreich, stattgesunden. Das Mädel ist erst am X). Oktober akkurat dreizehn Jahre alt geworden und Mutter eines strammen Jungen von viereinhalb Monaten, der am Tage der Hochzeit getauft wurde. Ter Bräutigam und junge Ehemann, Henri Pinteaur, ein Siebzehnjähriger, sieht pfiffig und aufgeweckt aus. Die Braut macht einen völlig er- wachsenen Eindruck. Die Eheerlaubnis wurde vom Präsidenten der Republik und unter der Bedingung dem Bürgermeister erteilt, dag die Neuvermählten bei den Eltern wohnen bleiben. Falls aber die Hitler-Blätter die Absicht haben, eine neue Fehde wegen dieses Ausnahmefalls gegen Frankreich zu richten— so mögen sie sich auch an den Papst wenden, der dem Orts- pfarrer die Genehmigung zu der kirchlichen Trauung erteilte. Die Heiratsschule : Tie Ecole Eentrale ist eine Pariser Ingenieurschule, in die man im Alter von 17 Jahren zu dreijährigem Studium eiutrcten kann. In dieser Schule sind jetzt Fresken ein- geweiht worden, und bei der Gelegenheit hat man erfahren, baß die Schule auch sehr gut die Ehe-Patente bearbeitet. Bon 82 weiblichen Kandidaten, die im letzten Jahrzehnt ihr Examen machten, haben 26 geheiratet, davon über 20 frühere Eentraliens und Mitschüler, und 4 weitere sind verlobt. Sicherlich eine gute Technik! îUCha III, m«ln« KUIdarUbrik mckrar* ilalljlg«, strebsam« deutsch« Emigrantinnen und«Inen jungen Mann«der Junges Mädchen(euch ältere Freu) weld*« perfekt deutsch und französisch(Schrift und Sprache) beherrschen all Dactylo Angebote mit Angaben d. letzten Beschäftigung an W OSKAR LEVY, SAINT DIZIER HT. MARNE 274, Av. Republik— Telefon 222 WWMWMMW'""" Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT jhemalicer Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden 25, Bd. Bona«»Nouvelle, Paris(2), T«L Leavre 22-93 Das Braunbuch sofort lieferbar. Preis geheftet einschließlich Porto m F rankreich 19,50 rr. Nach dem Ausland: geheftet einschließlich Porto 22,00 Fr. M beninnen v..Milles. Diskussions« Grundlage zu den S» reit«ragen des Sozialismus in unserer Epoche. Preis\ii Fr. Porto: Frankreich 25Cte, Anstand90Cts. Nur gegen Vorein» sendung des Betrages. librairie Populaire STRASBOURG 2, rue Sedillot bei der Bourse Das Spionage-Cafe der„schönen Sophie" Die Pariser Polizei ist zwei neuen„Emils" in der Affäre Violette aus der Spur. Der eine ist ein Industrieller, der, wie sick bestätigte, mit Biolette eine Loge für die Oper„Faust" mietete. Auch die von Biolette angegebene Auto-Rummer stimmte. Hunde müssen vom 15. Oktober an bis 15. Januar auf der Mairie angemeldet werden. * Das Telesonamt Littre wurde elektrisiert. DaS ganze linke User hat jetzt automatischen Fernsprechbetried. Statt Linie 3 fährt jetzt ein Autobus 5'6n Place Blanche- Ration» statt Linie 34 ein Autobus 34/D. G. Aonieres fPlace Voltaire)— Gare d'Aufterlitz. ♦ Der Pariser Bankier Gentilaer wurde wegen Unter» schlagungen von 800 000 Fr. verhaftet. Sein Sohn ist flüchtig. Das Spionage-Cafe der„dicken Sophie" in St. Avoid beschäftigte, nach weiteren französischen Meldungen, mit Bor- liebe hübsche junge Mädchen, um die Reiter in der benach- karten Kaserne des 18. Regiments, Jäger zu Pferde, zu ver- führen. Im eigentlichen Gastzimmer dieses eigenartigen „Cafe des Sports" ging es ziemlich sittsam zu, aber es gab noch ein Hinterzimmer und Räume im oberen Stock. „Jupp", der Ehemann von Sophie Trost, wurde eines Tages von einem Einwohner von St. Avold wegen heim- licher Bordellhaltung und Verführung Minderjähriger an- gezeigt, worauf man ihn aus dem Lande wies. Er wird als Äushälter, Spiclhalter, Kuppler und Kokshändler bezeichnet. Festgestellt wurde, daß bei den Fortsarbeiten auf dem Bau- platz, deren Leitung Sophies Vertrauter Choppe hatte, ver- kleidete deutsche Offiziere arbeiteten. Bei dieser Gelegen- hcit erklärt„Paris Soir", daß Frankreich aus gleichen Gründen vor dem Kriege Pläne der Verteidigung von Metz besaß, die besser waren, als die Karten des deutschen Gene- ralstabs. Der Jupp-Kreis in Saarbrücken Ter deutsche Ingenieur Weber, der als Mithelfer bei dem mißglückten Diebstahl des Modells 1924 aus der St. Avolder Kaserne verhaftet wurde, ist, wie weiter gemeldet wird, nächt- licher Weile von Saarbrücken in der Tare eines gewissen Keller abgefahren. Er besaß einen Grenzpassserschein und be- gab ssch nach Teterchen, traf bort Choppe nicht mehr an, der mehrere Stunden vorher verhaftet war. Die französischen Gendarmen nahmen hier Weber in Empfang. Er wird als Montage-Jngenieur bei der Firma Feinwert Bernard(???) in Saarbrücken bezeichnet. Bor dem Sonderkommissar für Spionage und vor dem Untersuchungsrichter in Metz erklärte Weber, er habe im Auftrage eines gewissen Lander, eines deutschen Spionage- Agenten im Saargebiet, gehandelt. Die moselanischc Bevölkerung ist, wie gemeldet wird, über die Vorkommnisse aufs äußerste erregt. NerkwOrdlge Dinge Bon dem„guten deutschen Soldaten" Willy Reisenherz, der sich während des Krieges in Escautpont in der Valencienner Spitzengegend so beliebt gemacht hat, werden immer neue Herzenszüge berichtet. Reisenherz, der als preußischer In- fanterist 1915 nach Escautpont kam, wurde als Waldhüter im Walde von Raismes beschäftigt, den keine französische Zivil- person betreten durste. Aber Willy führte doch nächtlicher Weile arme Leute ins Holz, lieh sie Reisig suchen und schützte sie vor Kälte. Andere bewahrte er vor der Verschleppung in die üblen preußischen Strakbataillone. Auch ein alter Gallier, der in Ostpreußen kriegsgesangen war und dort zwei Jahre Handsessel trug, weil er Kriegsarbcit verweigerte und der dann flüchtete, lobte Willy. Alle sagten, die Zerwürfnisse, die Willy vor Gericht führten, seien die Schuld der Frau. Es sei begreiflich, daß Willy aus Wut über sie ein Loch in die Planke geschossen habe. Die Richter, die inzwischen noch zwei Hauptzeugen vcr- nommen haben, waren denn auch milde und verknacksten ihn uur zu 15 Tagen für seine Schießerei und 190 Fr. Geld- strafe,— was wetten, daß die seine Freunde bezahlen?— Deutscher Schneidermeister, seit Jahren in Paris an« sässig und mit eingeführter Kundschaft, sucht Teilhaber (Fachmann) mit etwas Kapital zwecks Vergrößerung seines Geschäftsbetriebs.— Angebote erbeten an Publicité Metel, Paris, 51, rue de Turbigo. Die Zahl der nodit'lnge In Paris Dt« Zahl von 814M, die bei uns angegeben war, ist nicht die Gesamtzahl der bei dem Komitee in der Rue de la Durance eingeschriebenen Flüchtlinge, sondern die Gesamt- zahl der dort eingeschriebenen Besuche. Von dieser Zahl sind« 7 990 Deutsche, 14 999 N i ch t d e u t s ch e. Die Ziffern geben also nicht die Fluktuation. Das Mißverständ- nis entstand dadurch, baß im Französischen„Visiteurs anciennement inscerits"(statt„Visites") angegeben mar. Bis Juli kamen zum französischen Nationalkomitee 5899 Flüchtlinge, bis zum 1. Oktober 9251. Das ist aber natürlich nur ein T e i l der in Paris befindlichen Gesamtzahl der Flüchtlinge. Noch unterstützt werden zur Zeit etwa 3999. Ein junges Mädchen bei Metz erschlagen Metz. 16. Oktober. Auf einem Bauernhof bei Voulan, der nach einer früheren Ammoniak-Fabrtk genannt ist, wurde die 23jährige Tochter des Bauern, Marie Weiße, morgens mit eine, Art er- schlagen. Der Täter ist ein deutscher Knecht, der für einen Halbverrückten gehalten wird. Er erwartete das Mädchen morgens im Waschhaus, wo sie das Schmeinefutter anrührte. Gendarmen und Bevölkerung entdeckten den Mörder, der geflüchtet war, auf dem Felde hinter einer Hecke. Er stammelte, daß er das junge Mädchen getötet habe,'weil sie ihn wegen seiner Arbeit neckte und ihn vom Hos vertreiben wollte. Als man ihm sagte, daß sie tot sei, weinte er wie ein Kind. Der Täter heißt Franz Glcifges und stammt aus Licscr bei Trier. Welche Sprachen lernt die Pariserin Nach Mitteilungen eines sehr bekannten Sprachlehrer- instituts lernen heute 59 Prozent der Französinnen, die die Lehrgänge besuchen, Englisch, aber bereits 25 Prozent Deutsch. An dritter Stelle steht Spanisch mit 19 Prozent. Tio letzten 15 Prozent verteilen sich meist auf Italienisch, Russisch und Portugiesisch. Es wird erklärt, daß ein Pariser Tippmädel, die auch Eng- lisch klappern kann, ohne weiteres von 1999 Fr. im Monat auf 1590 landet. Mit Deutsch, als dritter Sprache, kann sie ins Hotelfach aufrücken, mit Spanisch in den Aussuhrhandel. Die Angaben beweisen, welche große Bedeutung das Deutsche- trotz aller Schäden durch Hitler— heute noch im praktischen Pariser Leben hat. Deutschen wird durch tätige Beteiii« gung an altem französischen Unter« nehmen bei absoluter Sicherstellung der Einlage glänzende Existenz geboten. Erforderliches Kapital ca. 10000,— bis 15 000,— RM. Zuschriften: C O M T A N T 247/265, Rue Vivienne 17, PARIS Zwischenfall mit Max Reinhardt Ein Sonderberichterstatter des„Paris Soir" hat fest- gestellt, daß Trost, der Mann der„schönen Sophie", im Braunen Hause zu Saarbrücken verkehrte. Er ging bei den Nazis ein und aus. Der Berichterstatter beschreibt das ganze Nazi-System im Saargebiet und beschuldigt einen Richter vom Land- gericht Saarbrücken(?), besten Namen er noch nicht nennen will, der Spionageches zu sein. In der Privat- wohnung dieses Richters sei das Hauptquartier der deutschen Spionage in Saarbrücken. Der Richter empfange in seiner Wohnung die Berliner Agenten, die sich mit den örtlichen Führern treffen. Man halte hier Rat und tausche Dokumente aus. Kurz, alle Spionageverhandlungen fänden hier statt. Der Artikel, der in Form eines Gesprächs gehalten ist, schließt: „Aber ist es uns denn nicht möglich, uns bei der Re- giernngskommiision der Saar zu beschweren? Kann denn der Völkerbund nicht selbst etwas tun?" Mein Mann setzte ein enttäuschtes Lächeln aus und zuckte vielsagend die Schultern. „Keine Beweise. Man würde mit Entrüstung protestieren, man würde Verleumdung schreien, man würde einen Zwischenfall hervorrufen, der sich schließlich gegen uns selbst wenden würbe.. Nach einer Mitteilung im„Intransigeant" hat sich«« Abend nach seiner Ankunft in Paris ein sehr peinlicher Zwischenfall mit Max Reinhardt zugetragen. Der große Theaterführer, der mit besonderen Ehren in Paris empfangen war, speiste abends mit Freunden in einem kleinen Restaurant im lateinischen Viertel. Drei junge Leute am Nebentisch sprachen während der Mahlzeit von„lästigen Ausländern". Reinhardt und seine Freunde gaben darauf nicht acht. Aber nachher mußten sie feststellen, daß an ihrem Wagen der Kühler beschädigt, zwei Reifen geplatzt und sonstige Beschädigungen vorgenommen waren. Das Blatt bringt zum Ausdruck, daß Reinhardt, der große Künstler, ein von Hitler vertriebener österreichischer Staats- angehöriger ist, der Zuflucht in Frankreich suche. Niemand dürfe das vergessen. Waisen des erwachenden Deutschland in Warschau Nach einer Fonrnier-Meldung auS Warschau trafen dort 49 Kinder deutscher Juden ein, deren Eltern durch die Nazis ermordet, verschleppt oder eingekerkert wurden. Die Kinder werden auf verschiedene Waisenhäuser unter der O)hut des ärztlichen Hilfswerks des jüdischen Zentralkomitees verteilt. Pariser Jiino-Programm 13. Als 10. CM ober 1933 Agriculteurs(8, rue d'Athènes). La Maternelle(nach Léon Fraplés Roman). \ktualltdten-Kino L'Auto(31, Bd. des Italiens). Ununterbrochen von 10 Uhr bis Mitternacht. Pariser Moden. Match Fieseier— Detroyat. jonaparte(Place St. Sulpice). La Maternelle(nach Léon Fraplés Roman). Cinéma des Champs-Elysées(118, Champs Elysées). Jennie Gerhardt(Sylvia Sidney), amerik. Fas' sung, franz. Untertitel. Ciné-Opéra(32 A. de l'Opéra). La Maoternelle(nach Léon Fraplés Roman). Ciné- Plage Mar be ut(34, rue Marbeuf). Platinum blonde(Jean Harlow), tranzös. Untertitel. E r mi ta ge- Club des Ursulines(72, Champs- Elysées). Cavalcade(engl. Originalfassung, franz. Untertitel). Lord Bgron(122, Champs-Elysées). Privatleben Heim rlchs Vlll.(Ch. Laughton), engl. Originalfassung, franz. Untertitel. Madeleine. Léchant du NU. Paramount. Un Soir de Réveillon(Meg Lemonnler). Parnasse Studio(11, rue J.-Chaplain). Destojewskü (Sowjetfilm), La Terre a soif. Raspail 210. Prospérité(Marie Dressier), Originalfassung, franz. Untertitel. Studio Caumartln. Back Street, franz. Untertitel. Studio Etoile(14, rue Troyon). Liebelei(nach Arthur Schnitzler) mit Magda Schneider.(Deutsche Originalfassung.) Ununterbrochen von 14 Uhr 30 bis 19 Uhr; abends um 21 Uhr. Studio Diamant(Place Saint-Augustin). Die 13 Koffer des Herrn O. F.(A. Granovsky), deutsch.„Das Leben, wenn man 18 Jahre alt ist". Studio 28(10, rue Tholozé). La Foire aux illusions(State- fair) Originalfassung, französische Untertitel. Ursulines(10, rue des Ursulines). The Phantom President, amerikanische Originalfassung, franz. Untertitel; L'Homme à la barbiche, Washington Palace(14, rue Magellan). 42nd Street, franz. Untertitel; ab Mont. 16. Okt. Once in a lifetime. Washington Club(14, rue Magellan). Dienstag. Donnerstag, Samstag und Sonntag, 3 Uhr und S Uhr 30: Grand Slam(Lot. Young), franz. Untertitel. Achtung, Eltern f Mein lugendheim, bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3'" Grande Rae 20 Minuten vom Bahnhot St Lazare, Pari* Große Villa mit riesigem Park, fliehendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw. Überleitung in die franz. Schulen Gymnastik, Sport.— Besondere Säuglings-Abteilung unter sachkundiger Aufsicht FRAU DR. BERG 330