Sinzige unabhängige Tageszeitung veutfchtauds ^j^gnicrl04—1. Jahrgang I Saarbrücken, Freitag, den 20. Oktober 1933[ Chefredakteur: M. B r• u n Aus dem Inhalt: Jxankceich lehnt ah Seite 2 fBcaunbuch und untecicdischec Qang Seite 3 Olfizietle JstfCation Seite 7 Dec JUichskanzlec lügt Seite 8 WrlefosdMlBBi dcnlsditr Jutted Hinter den nationalsozialistischen frledensreden l.' P- Wenn cS in Europa noch Vollstnnige geben sollte, e vor der Realität die Augen geflissentlich verschließen und oefit nicht wissen sollten, wohin der Weg Deutschlands ,.>— wenn es also vereinzelt^ noch solche Käuze gäbe, bann >en sie auf ein aufschlußreiches Buch verwiesen, das dieser im Verlag von Ludwig Boggenreiter, Potsdam, er- lytenen ist. Es heißt:„Deutscher Jungendienst" und ist eine »llettivarbeit. Seine Mitarbeiter sind u. a.: Generalmajor Gence, Major a. D. Giebeler, Oberstleut- a n t a. D. Haehnelt, Generalmajor a. D. Herrgott, .. e n e r a l m a j o r a. D. von Hoff, SA.-Truppsllhrer ferner Kleinow. O b e r st a. D. Pfleger, SS.-Sturmbann- rzt Dr. med. Hein Thiele, Generalmajor a. D. Vogt, »nn Studienreferendare, Turnlehrer usw. Auf der ersten Seite trägt das Buch einen Geleitspruch Reichspräsidenten. Er lautet:„Auch das Spiel der Zutschen Jungen von heute muß schon Dienst am Vaterlande Gezeichnet: von Hindenburg. Ehe der lehrhafte Teil des Buches beginnt, wendet man sich sait einer Ansprache an die deutsche» Jungen. Man erklärt '«en zunächst, daß, nachdem„Heer und Flotte siegreich gegen * feindliche Welt gekämpft hatte", Deutschland durch serrât der Feigen" zusammenbrach. Während tn Versailles die Feinde„beisammensaßen, um das Reich zu zer- chlagen". flammte jedoch der Widerstand der Mutigen auf, •e im Baltikum, in Oberschlesien, an der Ruhr kämpften u.id eher„vom deutscheu Volke nie vergessen werden können". 1033 wurde dann, allerdings vorerst„im Innern" das -alt« System weggefegt". Jetzt also gelte es zu zeigen, daß M«n als deutscher Junge sein Vaterland liebe:„Es genügt "'cht, sein Volk heiß zu lieben, es reicht nicht aus, sich im 'tausch der Begeisterung zu ihm zu bekennen. Es kommt arauf an, ihm mit dem ganzen Leben zu dienen." Und Gleichgültig, ob man noch zur Schule gehe oder schon in einer ^ehre sei:„Eure Fahrten, Lager und Wettkämpfe sollen euch >e Voraussetzungen des Kampfes im Gelände zur Selbst« "erstand Iichfett werden lassen."— Zum Bewußtsein, Q ft dieser Kampf tat Gelände etwas Selbstverständliches ist, ^lngt sie dann noch diesen feurigen Aufruf:„Erfaßt das Ziel eurer Seele und erstarkt körperlich zu wehrhaften gliedern eines wehrhaften Volkes!" Und noch ausschluß» Reicher:„Im Spiel schon sollt ihr lernen, was künftig ihr î'Nmal brauchen werdet." . Ehe sie aber das, was sie einmal brauchen werden, lernen "rsen. müssen sie noch in die Hand ihres Führers folgendes Gelöbnis ablegen: „Verpflichtung. Ich»erpflichte mich für Heimat, Volk und Reich. Ich will kein anderes Ziel kennen, als Freiheit, Größe und Ehre Deutschlands. Ich will dem Führer treu sein und ihm willig gehorchen, will zu jeder Stund« den Dienst tun, den er von mir fordert. Ich will brüderlich zu jedem meiner Kameraden sein, will du ihm stehen in Not und Gefahr. Mein« Ehre sei mir heilig, mein Wort unerschütterlich." Und dann wird der Gruppenführer unterwiesen, wie er ">ese Stunde des Gelöbnisses recht feierlich gestalten könne. Er habe die Gelobenden das Vaterlandslied und das Lied "er deutschen Erhebung singen und nachher die Gruppe— die Vereidigung hat grundsätzlich nur im Wald, womöglich auf "wem Felsen,„der weit ins Tal hinausragt", zu erfolgen— "llt hell klingenden Kampsliedern in die Stadt ziehen zu lllßen. Nachher erfolgt dann das Kommando:„Antreten borgen 19 Uhr im Heim. Wegtreten!" Ach wie gern möchte man wegtreten, aber man muß nun "°ch den Arbeitsplan ansehen, in dessen ersten Zeilen schon "as schöne deutsche Wort-„Zieljunge" sich einstellt, von dem "lan aber nicht weiß, ob es ein Junge ist, der zielt, oder einer, auf den die anderen zielen. Es steht zu befürchten, daß "r sowohl Zieljunge wie auch Zielscheibe wird sei« müssen. Es ist anzuneh°>en, daß dem noch zögernden Europäer, von "ent eingangs die Rede war, die einzelnen Kapttelüber- 'christen genügen werden. Die aber seien erbarmungslos "lttgeteilt: Ausrüstung. Stillgestanden. Rührt euch. Augen rechts. Augen geradeaus. Rechts um. Hinlegen. Auf. Im Gleich- schritt! Marsch! Ohne Tritt, marsch! Abteilung, Halt! Lauf« Ichritt, marsch, marsch! Exerzieren in Gruppen. Die geössnete Front. Der Zug. Die Abteilung und die Einheit. Der Marsch. Geländemarsch. Gedächtnismarsch. Gepäck« marsch. Marschordnung. Marschbelebnng. Geländedienst. Zurechtfinden im Gelände. Orientieren bei Tag nnd Rächt. Zurechtfinden mit dem Kompaß. Karten» lesen. Lkizzenzeichne«. Entsernnngschätzr». Das Schärfen der Sinne. GelLndekunde. Krieche«. Berstecken. Vom Tarnen. Tarn» spiele. Täuschen und Irreführe«. Scheinanlagen. Schein- Handlungen. Meldeweseu. Marschsicherung. Späher. Spähtrupp. Post««. Horchposte«. Radsahrdienst. Schneeschuhlausen. Waffersahrte«. Ge» länbedienst bei Nacht. Lagerübersall. Fahne erober». Be» fehl in eine Festung schmuggeln. Ei» Großkamps. Gefangene befreie«. Sturm aus eine Höhe. Zweifrontenkrieg. Durchbrach. Uebersall aus einen Hinterhalt. Franktireurspiel, Leibesübungen. Lause«. Trichterkampf. Baumftammwerseu. Schwimme«. Ransspiele. Jiu-Jitsu. Sagen. Zeltlager. Zeltba«. Bon Fest und Feier. Gefallenenehrung. Stunde der Nation. Logerkniffe und Handsertigkeite». Waldläuferwiffe«. Himmelskunde. Wetterkunde. Vom Kleinkaliberschießen. l„Wir Deutsche,«od) stark ge» hemmt in der EntwilAung unserer Wehrkrast, müssen dem Schieß-Sport besondere Aufmerksamkeit schenken"! Vom Nachrichtendienst. Pionierdieuft. Bon Kraftfahrzeuge». Flugsport. Luftschutz. Gasschutz. Bom Fotografiere« im Lager uu» im Gelände. Erste Hilfe. Heimleben. Muflk»nd Singen. sMustk: Signale für Ab» rücken, Zapfenstreich, Schiedsrichter»»), das Ganze halt!, Wecken, Gammeln, Sturmangriff, Alarm.j Prüsungävorschriste«. Ermüdend— nicht wahr? Aber wie darf der Leser ermüden, da der deutsche Junge bei der Ausführung all dessen nicht ermüden darf? Um aber dem Europäer auch noch die letzte Illusion zu rauben, schließt dieser Bericht mit einem Satz au» dem Waschzettel, den der Verlag dem Buch mitgegeben hat: „Es ist eine glückliche Form gewählt, das Werk in gleicher Weise für den Gebrauch de? LehrerS, des Jugendführers, wie des ältern Jungen wertvoll zu machen, um das grobe Ziel zu erreichen: Die gesamte deutsche Jugend bis zum letzten Jungen nach einem gültigen, einheitlichen Plan und in straffer zuchtvoller Form heranzubilden" Jetzt audi Norwegen Wehrsport Systematisch versucht man unter dem Schlagwort„Wehr- sport" all« Arten militärischer Ausbildung in die Massen zu tragen. Zu den beiden Verlagen, die Dienst- und Aus- bildungsreglements unter allerlei Titeln halb umsonst ver- breiten, dem Verlag„Offene Worte". Berlin, und dem Verlag für Wehrsport lMahltngj, Stuttgart, tritt nun die ehemals rein militär-wissenschastliche VerlagSanstalt E. S. M i t t l e r u. S o h n, Berlin. Sie bringt von Haupt- mann Oueckbörner ein Buch„Der wehrhaste Mann" smit 109 Bildern zu 1 Mark!). Von diesem Werk wird gerühmt, daß es in Anlehnung an die Geländesport-Rtchtlinien ver- saßt set. ES„vermittelt jedem zukünftigen Freiwilligen deS Reichsheeres für seinen späteren Dienst im Heere vorbe- rettend eine Menge von Kenntnissen". Außerdem werden folgende Bücher für Gelände- und Wehrsport heraus- gegeben: Manteuffel, Reiter-ABC. für Schützen, und Feld- dienst(legt besonderen Wert auf die G e s e ch t S a u S- b t l d u n g), DufatS, Nachrtchten-ABC. für Fernsprecher, Funker und Blinker und Hauptmann Wagner, SlassenauS- btldung der Schützenkompanie im Gelände.„Hier wirb," heißt eS im Prospekt,„erstmalig baS gesamte Gebiet der Ge- lände- und Gefechtsausbildung bis zur verstärkten Kompanie unter ausgesprochener Betonung der L« h r e r- und Führerausbildung behandelt." Das reinrassigste Germanenland für den Sozialismus, gegen den Faschismus Nach Dänemark und Schweden hat nunmehr auch Norwegen den Siegeszug des Sozialis- mus in Skandinavien bestätigt. Hitler hat bei keiner seiner Wahlen in Deutschland, selbst nicht der terrorisierten vom 5. März, prozentual die gleiche Zahl der Wähler des Landes hinter sich gebracht, wie der Sozialismus in jedem dieser nordischen Staaten. Dabei entscheiden sich diese„Arier", diese„Germanen", diese„Rassereinsten" der großen europäischen Ver- Mischung eindeutig sowohl gegen den Faschis- mu« wie gegen den Kommunismus. Beide er- halten im norwegischen Parlament keinen Sitz— und das trifft den Faschismus noch stärker als den Kommunis- mus. der in Norwegen nie so recht linientreu war und den Katastrophenparolen der Manuilski und Genossen von der Komintern sowieso nie viel zugetraut hat. Aber der Faschismus war in Norwegen durch den ehemaligen Kriegsminister der Bauernpartei Quisling als„nationale Front" mit offensichtlicher Begünstigung durch Teile der Konservati- ven wie der Bauernschaft herausgestellt worden. Den wei- teren Bundesgenossen bildete die schwer fühlbare Wirt- s ch a f t s k r i s e und jene auch anderswo bekannte Neidantipathie eines Teiles der Bourgeoisie gegen Löhne und Gewerkschaften. Inzwischen aber hatte der blutbesudelte Hitlerfaschismus in Deutschland gerade in den hochgebildeten nordischen Ländern dem faschistischen Ge- danken so sehr geschadet, daß er sich in Norwegen mit i.er Forderung nach der„alten nordischen Demokratie"(!) tarnte, den Antisemitismus ablehnte und nach dieser chemischen Reinigung nur noch die Arbeiterfeindlichkeit vom internationalen„Gedankengut" des Faschismus bei- behielt. Ein früher konservatives Blatt in Oslo,„Tidens Te g en", eine schlechtere«Daily Mail" und ein besseres „Wiener Journal", ging zum Faschismus über. Lokale Organisationen der konservativen Partei gingen Listenverbindungen mit ihnen ein. Teile der Bauern- Partei schalteten sich für Herrn Quisling ab und auch Herr Mowinkel, der augenblicklich noch regierende liberale Ministerpräsident, war trotz zweifellos ehr- licher persönlicher Gegnerschaft, wie sie noch die letzte Ratstagung in Genf bewiesen hat. in seiner eigenen Partei nicht scharf genug gegen den norwegischen Fajchis- mus aufgetreten— weshalb sie sämtlich: Konser- vative. Liberale und Bauernpartei, von den breiten Massen, die sowieso auf Grund der alten Hin- neigungzuEngland im Gegensatz zu Schweden füx deutschen„Import" weit weniger Sympathie aufbringen, in starkem Maße verlassen wurden, die ihnen obendrein auch die gemeinsame Schuld an dem ultrareaktio- nären Gewerkschaftsgesetz nicht vergessen hatten. Die norwegische Sozialdemokratie trat demgegenüber nach dem Muster der schwedischen und dänischen Bruderparteien mit einem ausgesprochen prak- tischen Gegenwartsprogramm in den Wahlkampf und ge- wann große neue Wählerschichten nicht zuletzt dadurch, daß sie sich uneingeschränktfürdieWahrung und die Erweiterung der demokratischen Rechte des Volkes einsetzte. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie jetzt an die Ver- wirklichung ihres Kampfprogrammes gegen die Krise und hoffentlich ebenso erfolgreich herangehen können, wie un- sere dänischen und schwedischen Parteifreunde. Den hitlerdeutschen Schwärmern für die nordische Rasse aber haben ihre Repräsentanten selbst eine neue schwere Ent» täufchung bereitet. m. b. Frankreich lehnt ab! Verhanclliingen nur Ober Genf Ablehnung! Paris, 19. Okt. Der Auswärtige Ausschuß der fran- zSstschen Kammer hat am Mittwoch nach mehrstündiger Ver» Handlung den Beschluß gesaßt, daß der Biererpakt nicht das geeignete Instrument sei, um Verhandlungen mit Deutschland fortzusetzen. „Franhrelch wird nicht zögern" Der„Temps" kommentiert nachträglich die Rede des Ministerpräsidenten Daladier mit sehr energischen Worten: Das sind Worte, die in Berlin und anderswo so verstanden werden müssen, wie sie gemeint sind. Kein Land stellt seine Ruhe und Kaltblütigkeit mehr unter Beweis als Frankreich angesichts der neuen Lage, die durch Hitler-Tcntschland ge- schassen wurde, weil keines seines Friedenswillens sicherer ist und zugleich der»rast und der Mittel, seine Sicherheit zu verteidigen, wenn sie bedroht sein sollte. Was morgen auch Deutschland unter Verletzung seiner internationalen Ver- pslichtungen tun könnte, das französische Volk wird niemals zügern, jedes aucls noch so grobe Op f erzubringen,» m seinLan du ndbie Würde setner Unabhängigkeit zu verteidigen. Wie wir am Vorabend der Zusammenkunft in Gens zum Ausdruck brachten, weigert sich Frankreich nicht, sich mit Teutschland zu verständigen, aber es ist der Ansicht, daß bei der gegen- wältigen Lage der Dinge eine Verständigung nur im Ein- vernehmen mit allen seinen Freunden und Verbündeten möglich ist im Rahmen jener internationalen Zusammenarbeit, deren Mittelpunkt Genf i st; Teutschland aber verschmähte die internationale Zusammenarbeit, weil es sich— sicherlich mit Grund— keiner Kontrolle unterwerfen will, und weil es sich weigert, seine militärähnlichen Truppen auszulösen. „Kritische Phase" Neuer Aufsatz der„Times" London, 19. Okt. Anknüpfend an die gestern vom Reichs- Präsidenten und dem neuen britischen Botschafter in Berl'n gehaltenen Ansprachen sagt„Times" in einem Artikel, die engltsch-deutschcn Beziehungen machten zur Zeit eine kritische Phase durch, und alles, was Aufklärung von Unklarheiten und Förderung ehrlicher Zusammen- arbeit verspreche, könne in England nur ehrlich begrübt werden. Niemand habe jemals die Aufrichtigkeit deS Präsidenten Hindenbnrg oder des Reichskanzlers Hitler an- gezweifelt. Der Reichskanzler verlange nach seiner eigenen Erklärung aber absolute Gleichheit der Rechtsstellung. Diplomatische und politische Gleichheit seien, so meint „Times", Deutschland bei seinem Eintritt in den Völker- bund zugestanden worden. Verwickelter liege ber Fall bei der Rttstungsglcichheit. Schon die Erörterung dieser Frage müsse unvermeidlich die Steger und die Besiegten deS Krieges voneinander trennen. Die« sei zweifellos der Grund für den dringenden Wunsch Hitlers, die Frage auS dem Weg« zu räumen. Anch England: ßddihehr nach Genf London, 19. Okt. Zur gestrigen Kabinettssitzung schreibt der parlamentarische Korrespondent der„Times" u. a.: Es wurde darauf hingewiesen, dab in manchen Kreisen die Neigung besteht, Sir John Simons Genfer Rede als Schil- derung der Politik der britischen Regierung allein hinzu- stellen. In Wirklichkeit ist sie eine Darstellung des freund- fchastlichen Meinungsaustausches zwischen Vertretern ver- schiedener Nationen. Es wird bedauert, bab eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Freiherrn v. Neurath und Sir John Simon entstanden ist. Die Negierung wünscht aber dringend, dab dadurch die Hauptfrage nicht verdunkelt werde: Die Gründe, aus denen Deutschland die Konferenz verlieb. Die Regierung ist deshalb bereit, die ihr verfüg- Paiadiers Budget Er verlangt Ausgleich um jeden Preis Paris, 19. Okt. Ministerpräsident Daladier erklärte gestern in den Wandelgängen der Kammer, daß das Budget von 1981 um jeden Preis ausgeglichen werden müste. Das französische Schatzamt könne von der Regierung nicht weiterhin in Ansvruch genommen werden, da es im kommenden Jahre mehr als 92 Milliarden Franken zur Abdeckung einer Reibe von Verbindlichkeiten bereitstellen müsse. Unter diesen Betrag siele« 1» Milliarden für die Rückzahlung von Schatzanlcihen, die 1921 von dem dama» ligen Finanzminister Elemente! ausgegeben worden waren. Der Ausgleich deS Budgets sei um so notwendiger, als ber Staat sich eine gewisse Anleihemöglichkeit znr Finanzie» rung der verschicdenen Wirtschaftsprogramme vorbehalten müsse. Göbheis Genfer Pron*"* Der Pornograph Oltramare Man berichtet uns ans Genf: Kaum hat der deutsche Reichsreklamcchcf Dr. Wöbbels von Genf wieder heimgefunden zu den von ihm vor der Internationalen Presse im Hotel„Carlton" so sehr ge- rühmten„durchaus normalen und geordneten Zuständen" und schon wird auch in Genf, der Stadt des Völkerbundes und einiger 70 internationalen Büros, ein N a z i b l a t t in die Welt gesetzt. Der Zusammenhang ist damit gegeben, auch wenn man nicht wüßte, bab es in Genf eine kleine Nazi- ortsgruppe gibt, die, allen Ableugnungen zum Trotz, mit den Faschisten der„Union Nationale" rege Beziehungen unterhält Ab 1. oder 10. November soll also hier ein Morgen- blatt erscheinen, das die Sache ber„Nationalismen" auf den Schild hebt. Chefredakteur wird der sattsam bekannte Pornographh Geo Oltramare, der seinerzeitigc Gründer des„Ordre Politique National" lOPN.j. Diese faschistische Bewegung hat„der Chef", wie sich„Geo" von seinen Partisanen gerne nennen hörte, freilich vor einiger Zeit im Stiche gelassen, und sie steht heute uuter der Führung eines gewissen JulcS G r o b in bitterer, sehr persönlich gehässiger Fehde gegen ihn. baren Dokumente zu veröffentlichen, falls es wünschenswert ist. Andererseits ist sie entschlossen, nichts geschehen zu lassen, was zu einer Vermehrung der unfreundlichen Ge- fühle führen könnte, da sie wünscht, daß Deutschland jede Gelegenheit gegeben werden sollte, die Besprechungen wieder aufzunehmen, wenn und sobald es dies wünscht. Aus diesem Grunde dürften vor dem Wiederzusammcntritt der Abrüstungskonferenz voraussichtlich Besprechungen zwischen Grobbritannien und den Vereinigten Staaten stattfinden. Dies ist selbstverständlich kein feindseliger Schach- zug gegen Deutschland. Das Ziel würde sein, aussindig zu machen, ob es ein Mittel gibt, das Deutschland er möglichen würde,an den weiteren Ver h and- lnngenteilzunehmen. Soweit die britischen Minister in Frage kommen, wird nichts gesagt oder getan werden, was die Lage schwieriger machen könnte. „Morning Post" sagt, bei den Minister» habe die Ansicht geherrscht, daß über die künftigen Bemühungen um die Ab- . rüstnng nichts entschieden werden könne, bevor der deutsche Volksentscheid am 12. November erfolgt ist. Blidi auf Deutschland London, 18. Okt. sJnpreß.)„News Chronicle" veröffent- licht einen Artikel seines deutschen Korrespondenten, des bekannten englischen Journalisten A- I. Cu m m i n g s, über den Geisteszustand des„dritten Reiches".„Das Nazi- Deutschland," schreibt er,„betrachtet mit ungestörter Miene die Aussicht aus einen neuen Weltkrieg: für diesen Krieg bereitet es sich vor, für diesen Krieg will es gerüstet sein." Der Verfasser bemerkt, daß das Reich im Augenblick den Frieden wünscht, um seine Militärmacht wieder herzustellen, die Sympathien Italiens zu gewinnen, England von Frank- reich und Polen von Rußland zu lösen. Die beiden Punkt«, über die heute alle Deutschen sich einig seien, sei die Wieder- gewtnnung der früheren Kolonie Deutsch-Ost-Asrika und die Vernichtung des polnischen Korridors. Verstimmung in Itaf'en Rom, 19. Okt. Der Direktor des Giornalc d'Jtalia er- klärt in einem Artikel, Deutschlands Austritt aus der Ab- rttstungSkonferenz habe eine Lage geschaffen, deren Grund- elemente sich klärten, für die man aber noch keine Klarheit hinsichtlich ber Lösungsmöglichkeiten habe. Die gleichzeitigen Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten und deS englischen Außenministers stellten sich den Erklärungen der italienischen Regierung zur Seite und seien mit ihr in dem Willen solidarisch, bis zur Grenze des Möglichen nicht von der Politik der Zusammenarbeit und Abrüstung abzugeben. Man müsse vor allem wissen, wie weit Deutschland über die allgemeinen AuSsüh- rnngcn seines Willens zum Frieden und zur Zusammen- arbeit hinaus zu konkreten Taten bereit sei. Die Zusammen- arbeit schließe absolute und dogmatische Einste!- lung en auS. Welche politischen Elemente der Verstän- dingung sei Deutschland für die Wiederaufnahme einer aktiven solidarischen Politik Europas zu bieten bereit? Man müsse wissen, wie weit die deutsche Regierung ihre Handlnngssrei» heit und ihre verbindliche Anpassung an die Einstellung der anderen Mächte gegenüber der leidenschaftlichen nationalen Bewegung wahren könne, die durch die neuen Wahlen hervorgerufen werde. Die Lage bleibe also unbestimmt, wenn anch nicht be- unrnhigend. Italien sei stets zur Aktion bereit, wenn die Voraussetzungen für ihren Erfolg geschaffen würden. Man müsse aber daran erinnern, daß Italien wie die anderen Großmächte von den deutschen Beschlüssen überrascht worden set, die eine vollendete Tatsache ohne vorherige Ankündigung geschaffen hätten, eine Tatsache, die nieder mit den schwebenden Verhandlungen, noch mit der politischen Linie in Einklang stehe, die Italien bisher ein- gehalten habe, um zu einer im Interesse aller Staaten, ein- schließlich Deutschlands, gelegenen Verständigung bcizu- tiagen. Das Blatt greift dann gewisse Kombinattonen auf, die anch in der englischen Presse erörtert wurden, denn es schreibt: Solange keine substantiellen Klärungen erfolgten, seien die Vermutungen ausländischer Blätter über die zu- künftige und derzeitige Haltung Italiens voreilig und willkürlich. Es sei ein Augenblick der Erwartung und daher der Ungewißheit. Oltramare hat sich der„Union Nationale" angeschlossen, einer reaktionären Gruppe, die ans verschiedenen, von den eigenen Wählern desavouierten bürgerlichen Splitterparteien her- vorging. Es wird allgemein angenommen, daß diese voll- kommen versandete Partei bei den kommenden November- wählen für den Genfer Großrat noch ihre letzten, wenigen Vertreter einbüßen wird. Wie„Geo" in seinem eigenen politischen Witzblatt„Pilori" durchblicken läßt, wird er in seiner Tageszeitung nicht nur den Nazismus, sondern jede Art des Faschismus vertreten. Man geht aber kaum fehl, wenn man seine Geldquellen mit dem Besuche von Wöbbels in einen sehr direkten Zusammen- hang bringt. Auf alle Fälle rührt Herr Oltramare fleißig die Werbetrommel. Er behauptet, auf den Gedanken gekom- men zu sein, aus Genf, der Stadt der Nationen, die„Stadt der Nationalismen" zu machen. Diesen verblüffenden Ge- dankenblitz entwickelte er vor einigen Tagen in einem Bor- trage in der Salle Centrale. Wenn Herr Dr. Joseph Wöbbels meint, mit seinem Olt- ramare in Genf einen„Griff" getan zu haben, so kann ihm nur gesagt werden, daß er sich einer argen Täuschung hin- gibt. Einen ungeeigneteren und kompromittiertercn Chef- rcdakteur zu finden, wäre in ganz Genf schwierig gewesen. Oltramare ist zweifellos ein witziger Kopf und begabter Schriftsteller, dessen größte Bucherfolge freilich auf dem nicht gerade salonfähigen Gebiet der gepfefferten Pornographien liegen. fTein Buch„Ami-Corps" könnte selbst ergraute Hetären zu schamhaften Erröten bringen!! Als Politiker ist Oltramare nie ernst genommen worden! Außerdem ist zu- viel schon über seine Besprechungen mit führenden Nazi- Männer« in die Oesfentlichkeit gedrungen, um dem gense- rischen und internationalen Genfer Publikum nicht eindeutig klarzumachen,„wo Vartel, d. h. Geo, seinen Most holt". 17 deutsche Fliegerschulen lJnvreßj: In Quiddelbach bei Adenau in ber Eifel ist eine Fliegervorschule der Hitler-Jugend gegründet worden. Zur Zeit veranstaltet diese Schule eine Werbeausstellung, die zeigen soll, daß die Hitler-Jugend schon heute in der Lage ist. den gesamten deutschen Fliegernachwuchs auszubilden. Es gibt in Deutschland insgesamt 17 solcher Fliegervor- schulen, die den Hitler-Jungen dreimonatliche Kurse er- teilen. Die erste Wahlrede Berlin, 19. Oktober. Der Reichskanzler hat sich in einer neuen Rede, die er am Mittwoch auf der Führertagung der NSDAP, gehalten hat, zum erstenmal mit einer versöhnenden Geste an die Gegner seiner Partei und seiner Politik gewandt: „Auch unseren früheren innerpolitischen Gegnern würde« wir in Zeiten dieses Ringens der ganzen Nation entgegen« kommen und ihnen die Hand reichen, wenn sie beweisen, daß sie Bekenner der deutschen Ehre und Friedensliebe seien." Die Formulierung erinnert etwas peinlich an jenen Au»'- tritt im Weißen Saale des Berliner Schlosses, als der Kaiser zu Kriegsbeginn sein Wort sprach:„Ich kenne keine Parteien mehr. Nur noch Deutsche." Die Sozialdemokraten waren da- mals im Schloß nicht anwesend. Diesmal sitzen ihre Führer in den Konzentrationslagern oder kämpfen in der Emi- gration. Die sozialdemokratischen und kommunistischen Ar- better aber leben und hungern unter schwerster Bedrückung im Lande. Es ist niemand von links her sichtbar, ber die ausgestreckte Hand des Reichskanzlers ergreifen möchte. Wir sehen an dieser Hand die Spuren des Blutes unserer er- mordeten Brüder. Wir verweigern diese Hand, weil wir überzeugt sind, daß sie Deutschland in der Innen- und in der Außenpolitik ins Verderben führt. Der Reichskanzler mag ahnen, daß seine Schwierigkeiten denen Wilhelms>>- im August 1911 gleichen. Diesmal aber wird es keinen Burg- frieden und keine Kriegèkreditbewilligung geben. Der Reichskanzler mag sich durch eine unter Terror stehende Volksabstimmung einen Reichstag mit einigen hundert i fl< sagenden Diätenempfängern schaffen. Die sozialistische« Volksmassen haben damit nichts zu tun. Wir verteidige« Deutschland auf unsere Art. Wir sehen klar, baß für Deutsch' land auf die Dauer weder Frieden noch Aufstieg möglich ist- solange eine Klique mit ihren Söldnern das deutsche V«" fesselt und nach außen hin ächtet. Außenpolitisch war die Rede Hitlers aufs neue mis de« Anspruch der Gleichberechtigung für Deutschland in der Rüstungspolittk abgestellt. Es ist zweifellos, daß währe«« des Wahlkampfes neue außenpolitische Verhandlungen nicht in Gang kommen werden, weil der Reichskanzler für die Wahlbewegung die starke Geste braucht, daß er V«r- Handlungen nicht eher wieder aufnimmt, al« bis die sofortige Gleichberechtigung zue r' kannt ist. Nach dem 12. November mag sich das ändern. Mussolini beabsichtigt binnen kurzem einen offizielle« Schritt zu einer Einladung der vier oder fünf Hauptmächte nach Stresa. Er wird vermutlich die Einladung zu einem Zeitpunkt erlassen, der es der deutschen Reichsregterung er- möglich», die Antwort erst nach den Reichstagswahlen»« erteilen und die Einladung selbst im Wahlkampfe als eine« Erfolg der deutschen Außenpolitik zu verwerten. ver Reldiskonzfcr enlsrtinldigf s'di Berlin, 19. Oktober- Der amerikanische Botschafter hat, nachdem frühere Vor- stellungen ziemlich ergebnislos gewesen sind, dem Reich«' fanzier Hitler persönlich auseinandergesetzt, welm schlechten Eindruck die Mißhandlungen amerikanischer Staatsbürger in Deutschland auf die amerikanische Regte- rung und das amerikanische Volk gemacht haben. Der Reichskanzler hat sich wegen dieser Zwischenfälle entschuldigt und zugesagt, daß in Zukunft die Täter strenger bestraft werden als bisher. Der Botschafter hat nach seiner Unterredung amerika' Nischen Pressevertretern versichert, der Reichskanzler habe mit starker Betonung den Wunsch unterstrichen, den Friede« zu erhalten. Er sei von Abscheu gegen jeden Krieg erfüll« Der Botschafter äußerte sich dahin, baß die Reichsregieruns sich bemühen werbe, die Verhandlungen'n der Abrüstung^' frage mit der übrigen Welt wieder aufz»"''"-n. Pas Neueste Hamburg, 18. Okt. Der„Graf Zeppelin" hat die 6000 Kilometer lange Strecke in der neue» Rekordzeit von 68 I* Stunden zurückgelegt. Eine vom„Bund der Freunde deS neuen Dentschland"'« der amerikanischen Stadt Newark abgehaltene BersamM' lung wurde durch Werfen von Steinen und Stinkbomben fl*' stört. Die Versammlungsteilnehmer wurden angegriffen««' dabei zwölf Personen verletzt. Reichsminister Dr. Wöbbels hat als Reichspr«' pagandaleiter der NSDAP, die Führung deS bevor' stehenden Wahlkampfes übernommen. Der Generalsekretär der Faschistischen Partei Italie«? hat dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, de« Ehrendolch der Faschistischen Partei überreichen lasse«- Wegen gemeinschaftlichen Totschlags an dem SA.-Ma><« Geurten erhielten in Aache« vier Kommuni st<« Zuchthausstrafen von 10 bis 12 Jahren. Im Schieaan fKreis Neustadt in Schlesiens wurden eint 86>Lbrige Witwe und ihr« Tochter ans bestialische Weis« mordet. Der Tat verdächtig ist der Bräutigam der Tochter, der festgenommen wurde. Der Präsident von Argentinien Justo ist mit Gefolgt, aus Rio de Janeiro kommend, in Montevideo eingetroffen- wo er vom Präsidenten von Uruguay Terra und den SWf gliedern der uruguayischen Regierung empfangen wurde In einer aus diesem Anlaß ausgegebenen amtlichen teilung wird der Besuch als Bekräftigung der Freundscha" zwischen Argentinien und Uruguay bezeichnet. Der Senat von Cbile bat das Gesetz, durch baS die Ei«? fnhrzölle bis zum 81. Dezember 1981 um»0 Prozen' herausgesetzt werben, angenommen. Nach einer Aaenturmeldnng auS Washington soll die R? qierung der Vereintsten Staaten fetzt ernftli« daran denken, noch vor Ablauf dieses Jahres die diplo' ma tischen Beziehungen zu Sowjetrußlav' auizunehmen. Nach einer Meldung der Agentur Jndo-Pazifiq«« a«S Bangkok hat die siamesische Regierung de« König aufgefordert, nach der Hauptstadt zurttckz«' kehren. Die Regierung teilt mit, daß ihre Truppen die Ort' fchaft Dommuang wieder eingenommen hätten. Die A«i' ständischen sollen in die Flucht geschlagen sein. Man erklärst daß mehrere Führer der Rebellen Selbstmord begange« hätten. In der Hauptstadt herrsche völlige Ruhe. Verboten Loudon, 18 Ott lJnpreß.j Die große englische ZeitunS wordein Deutschland RS zum 20. Oktober verbot-« Das Draunbndi und der mrfcrirdisdie Gang Dem Angeklagten verweigert! .F- Die Verhandlungen im Saale des Hauptaus- Wusses des ehemaligen Deutschen Reichstages drängen all- Mahlich entscheidenden Fragen zu. Der Senat des Reichs- Gerichts hat sich entschließen müssen, vier als verdächtig genannte Nationalsozialisten in hohen Aemtern zu laden: Döring und GLbbels und die beiden blutbefleckten Feme- morder Heines und Schulz. Wie man sieht: klassische Zeugen. Wer wird daran zweifeln, daß|ie|ia,~ Posten Gewisien frei schwören können? Denn nie wird lemand auf den Gedanken gekommen sein, daß sie höchst persönlich die Brandstiftung angeordnet oder gar selbst vorgenommen hätten. Dieses grandiose Verbrechen ist natürlich sehr vorsichtig und wohlüberlegt eingefädelt und' Durchgeführt worden. Warten wir das Erscheinen der HîNen ab und auch die Art der Fragestellung. .Wird doch die Prozeßführung immer eindeutiger. Schon ^vmal ist nun im Laufe der Verhandlungen das »V r a u n b u ch" erwähnt worden. Viermal wurde es als ein lügenhaftes Machwerk erwiesen. Man sollte also an- nehmen, daß dieses mithin ganz ungefährliche Werk nicht nn Geheimschrank aufbewahrt zu werden brauchte. Zum Ruhme des nationalen totalen Staates mühte es erledigt und zerfetzt werden. Auch die angeklagten Kommunisten muhte man davon überzeugen, wie miserabel das doch stark kommunistisch beeinflußte Braunbuch ist. Aber man ,tr t sich wieder einmal. Es erhebt sich der Angeklagte Dimitroff und sagt ruhig, îv möchte auch einmal in das Braunbuch sehen. Eine ganz, selbstverständliche Forderung des Angeklagten, nachdem pas Braunbuch viermal und sicher nicht zum letzten Male >n die Beweiserhebung hineingezogen worden ist. Dimi- troff bittet, daß es auch ihm zugänglich gemacht werde und nicht nur der Anklagebehörde. Es wäre unverständlich, unglaublich und ungerecht, wenn man ihm «es Material, das er noch gar nicht kenne, vorenthalten würde. Der Vorsitzende erteilt ihm sofort eine Rüge, wei? er den Ausdruck„unglaublich" verwendet babe. Dimitim" ruft lebhaft:„Ich verlange als Angeklagter, daß Mir dieses Buch zugestellt wird; ich brauche es fur Meine Verteidigung!" Der Vorsitzende:„Wenn ^e sich nicht aehörig benehmen, dann wird Ihnen wieder °us zuteil werden, was Ihnen schon einmal zuteil ge- worden ist." Trotz dieser Drohung mit nochmaligem Hinauswurf er- sucht Dimitroff, diesmal in leiserem Ton, zum drittenmal um Zustellung des Buches. Der Oberreichsanwalt opponiert. Das„Braunbuch" sei ein Pamphlet, und er sehe u>cht ein. warum ihm eine weitere Verbreitung gegeben werden solle als unbedingt erforderlich, n ä m l i ch i n d i e v? n d d e r B e h ö r d e n. Verteidiger Dr. T e i ch e r t er- klärt dazu, er habe Dimitroff die Stellen des„Braun- duchés", die ihn interessieren können, schon Züiert. So geschehen vor dem deutschen Reichsgericht, das an- Leblich Recht finden und sprechen will. So gesckehen mit Zustimmung eines deutschen„Rechtsanwalts", der als Ver- leidiger für einen Angeklagten bestellt ist, um dessen Kopf es geht. Ueber den unterirdischen Gang vom Präsidentenhaus Dörings zum Reichstagsgebäude muß nun auch ats'n>"b'i^ Besprochen werden. Man darf nämlich nicht vergessen, daß unmittelbar nach dem Brande amtlich behauptet wuroc, me Täter seien durch den unterirdischen Gang in das -präsidentenhaus entkommen. Diese Veröffentlichung war schwerer Regiefehler, der aber nicht mehr aus der Welt £u schaffen ist. Mehrere Zeugen können nicht verschweigen, putz zahlreiche SA.- und SS.-Leute im Präsidentenhaus pus- und eingegangen sind. Der Obermaschinenmeister iugte aus. daß ihm und seinen Heizern sehr wohl entgehen K°nn. wenn der Gang zum Präsidentenhaus benutzt wird, ?nn sie hatten dort oben nichts zu tun. Der amtliche Be- £'cht vom Brandtage hatte also durchaus recht, wenn er pen unterirdischen Gang mit den Tätern in Verbindung orachte. Immer deutlicher wird, worauf der Verteidiger Dr. Sack, wahrscheinlich aber auch der Vorsitzende hinzielt: alle schuld soll auf den armen Teufel van der Lübbe abge- laden werden. Die Nationalsozialisten will man entlasten und für diesen Preis unter Umständen sogar die Kommu- wsten von der Beteiligung an der Brandstiftung frei- 'brechen. Man kann sie ja immer noch wegen Hochver- rats unschädlich machen. Der Zweck des großen Volksbetrugs, die Kommunisten und Sozialdemokraten mit der Brandstiftung zu belasten upd einen Grund zu ihrer Unterdrückung zu finden, ist ja langst erzielt. Das Gedächtnis der allzuvielen ist kurz, uud die andern sind inzwischen so verlumpt, daß sie auch ups große Verbrechen billigen, wenn es'»"'itischen öweck erreicht hat. « 19. Vertvan«lliflft» i ."etil«, 18. Oft. Zur heutigen Verhandlung find noch !; n' 8 c Re i ch s t a g s b e a m t e als Zeugen geladen. Auch s.er unterirdische Gang soll noch weiter erörtert werden. Die VfOflenvernehmung, soweit sie die Entdeckung und Löschung S.. Brandes sowie die Beobachtungen der Beamten des ^'elchstages betreffen, werden am Schluß der heutigen Ver- inn ung im wesentlichen beendet sein. Der Donnerstag '"U. wie in der vorigen Woche, sitzungsfrei bleiben. *3» Beginn der Verhandlung gibt Senatspräsident N u n g x r zunächst die Entscheidung des Senates über die ^eweisanträge des RA. Dr. Te ich ert bekannt- Es sollen £ 0»ahlreiche Zeugen aus Moskau darüber vernommen werden ob und wann und unter welchem Namen sie Poposf ?°er Tanefs in Moskau oder sonst in Rußland gesehen ^»ven. Diese Zeugen, so erklärt der Borsitzende, wären aus- j», sich zu ihrer Vernehmung vor dem Reichsgericht m Reschstagsqebäude zu stellen. Auch die Ladung deS frühe- Dezernenten für das Feuerlöschwesen«Ihren«, der ' w über gewisse Gerüchte im Zusammenhang mit den Lösch- en im Reichstage äußern soll, wird erfolgen. De» An- l«8 des Angeklagten Dimitroff auf Aushändigung d«S so- genannten Braun BucheS hat der Senat abgelehnt. Angeklagter Dimitroff springt auf und ruft: Ich bitte über das. was im Zusammenhang mit der Reichstagsbrand- stiftung im Braunbuch steht, durch meinen Verteidiger in- formiert zu werden.— RA. Dr. T e i ch e rt: Das ist ge- schehen und wird weiter geschehen.— Dimitroff: Nein, das war nicht der Fall. Ich bitte, das zu tun.— Bor- sitzender: Der Verteidiger hat versprochen, nach seinem Ermessen Ihnen das mitzuteilen, was mit den klar zitierten Teilen des Braunbuches im Zusammenhang steht. Ich nehme an, daß er das auch in Zukunft tun wird. — Dr. T e i ch e rt: Jawohl!— Dimitroff: Einzelheiten und Tatsachen möchte ich aber wissen.— Dr. T« i ch e r t: Tatsachen stehen ja bekanntlich im Braunbuch nicht drin. Der unterirdische Gang Der Borsitzende weist bann auf ausländische Presse- äußerungen hin, in denen immer wieder behauptet wird, man könne in den Reichstag verbotenes Material nur durch den unterirdischen Gang hineinbringen. Durch die Portale sei das wegen der Kontrolle der Pförtner nicht möglich. Der Vorsitzende fragt den bereits gestern vernommenen Reichs- tagspförtner Wocköck, ob ein Abgeordneter, der mit einer Mappe durch das Reichstagsportal kommt, kontrolliert wird. Der Zeuge verneint die Frage und erklärt weiter, daß auch die Fremden, die zusammen mit einem Abgeord- neten kommen, selbstverständlich nicht kontrolliert werden. Die„Schlußfolgerung des Vorsitzenden", daß durch Fremde in Begleitung eines Abgeordneten nach und nach erhebliche Mengen verbotenen Materials unbeanstandet in den Reichstag gebracht werden können, wird vom Zeugen bejaht. Auch der Oberreichsanwalt weist darauf hin. daß auch ständig Boten in den Reichstag kommen, die Material für die Abgeordneten bringen. Auch deren Taschen würden nicht kontrolliert. Als Zeuge wird bann der Nachtpförtner deS ReichstagSpräsidentenhauseSAdermann ver- nommen Er gibt an, daß seine Kontrollgänge etwa 15— SO Minuten in Anspruch nähmen. Er habe dabei verschiedene Konrolluhren zu stecken. Die letzte Kontrolluhr befinde sich im Keller an der Tür»um unterirdischen Gang. Diese Tür werde geivöhnlich schon durch das Maschinenpersonal ge- schlössen- Manchmal habe er sie auch beim ersten Kontrollgang offen gefunden und er Hase sie verschlossen. Auf Fragen des Vorsitzenden stellt der Zeuge fest, daß er am Brandtage von 8 Uhr bis zum Bekanntwerden des BrandeS in seiner Loge gesessen hat. Als der Nachtpförtner Mendt vom Brande Mitteilung machte, hat der Zeuge zunächst Geh.-Rat Galle benachrichtigt, dann das übrige Personal. Er hat auch beim preußischen Innenministerium, wo Minlsterpräsibent Göring war, an- gerufen und der Sekretärin Bescheid gegeben. DaS war zwischen 9.10 und 0.15 Uhr. Vors.' E S ist zu prüften, o b z u dieser Zeit jemand durch daS Präsidentenhaus hindurch in den Gang gelangt ist oder ob son st jemand in den Gang gelaufen ist.— Zeuge: E S i st nichts derartiges vorgekommen.— Vors.: Das geht auf Ihren Eid!— Der Zeuge verneint nochmals entschieden. Wenn sich jemand nicht ganz leise verhielt, war es in der Loge zu hören, wenn jemand im Gang war. Selbst wenn unten Licht geschaltet wurde, wurde das oben gehört. Vors.: Wen» nun sogar 10 oder mehr Mann durch den Gang gekommen sein sollen?— Zeuge: Ganz ausgeschlossen, einer würde mindestens daneben poltern.— Vors.: Sie haben früher einmal nachts Schritte in den, Gang gehört?— Zeuge: Ja, das war mehrmals zwischen II und 1 Uhr nacht», das letzte Mal etwa 10 Tage vor dem Brande. Das war eine Person und ich nahm an. daß jemand kontrolliere» wollte, ob wir nicht etwa schlafen.— Vors.: Ar. sich würden Sie, wenn der Brand nicht gewesen wäre, dabei nichts gesunden haben?— Zeuge: Nein, garnichts.— Vors.: In ausländischen Zeitungen ist gesagt worden, daß im Präsidentenhaus eine TS.- und SA.-Wache von 30 Mann gewesen sei.— Zeuge: Glattweg Schwindel.— Vors.: Das nehmen Sie aus Ihren Eid?— Zeuge: Jawohl, wenn der Ministerpräsident da war, waren höchstens zwei Mann mit ihm, der Chauffeur und fein Begleiter. Göring» Stabswache Vors.: ES ist weiter behauptet worden, daß in de» Kcllerräumcn. die an den Gang angrenzen. Material für die Brandstiftung aufgestapelt war.— Zeuge: Ich habe nie etwas Verdächtiges bemerkt.— RA. Dr. Seuffert: Wer kam denn da eigentlich in Frage, um Sie zu kontrollieren, als Sie nachts die Schritte in dem Gang hörten?— Ze u g«: Jemand von unseren Vorgesetzten vielleicht.— Dimitroff: Hat der Zeuge über seine Wahrnehmung jemand infor» micrt?— Zeuge: Ich habe es dem Hausinspcktor Tcra- nowitz gemeldet und eS ist auch Geh. Rat Galle bekannt ge- worden. Mir wurde daraus gesagt, ich sollte Obacht geben, ob wieder einmal so etwas vorkomme.— Dimitroff: Welche Maßnahmen sind im Zusammenhang mit dieser Wahrnehmung getroffen worden?— Zeuge: Ledtglich die strenge Beobachtung.— Dimitroff: Welcher Partei ge- hört der Zeuge an? jHeiterkeit im Zuhörerraum.— Di- mitross ruft: Diese Frage ist garnicht lächerlich.!— Zeuge: Ich habe bis Ende 1931 der SPD. angehört, dann bin ich zu einer rechtsstehenden Partei»Hergegangen-— Angeklagter T o r gl e r: War nicht«ine weitere Möglichkeit, in das Präsidentenhans zu gelangen, dadurch gegeben, daß man vom Reichstagsnser aus durch das Beamtenhaus hin- einkam. ohne daß Sie es kontrollieren konnten?— Zeuge «derma»»: Diese Möglichkeit bestand»war. aber wenn wir um 8 Uhr unseren Dienst antraten, gingen wir hinten zur Garagentür. Also konnte auch von hinten nie- mand in das Haus hinein, ohne daß wir eS beobachten konnten.— Angeklagter T o r g l e r: Ist«S richtig, daß fast täglich im Garten des Präsidentenhanses SA- oder SS.» Lente mit einem Hund herumtollten? Ich komme zu dieser Frage, weil wir von unserem Fraktionszimmcr aus direkt in den Garten hineinsehen und das beobachten konnten.— Zeuge: SA.-Leute kommen nicht in Frage- Der Herr Präsident ha» eine Stabsivache gehabt, und er hatte auch einen Hnnd. Da ist öfter ein SA.-Mann mit dem Hund in den Garten gegangen.— Angeklagter Torgler: Es waren aber meist mehrere, nicht einer.— Zeuge: Tagsüber bin ich nicht da. Ich konnte nur nachts meine Beobachtungen machen. Damit ist die Vernehmung dieses Zeugen zunächst abge- schlössen Die Mitglieder des Gerichts begeben sich nun unter Führung des BetriebsingenteurS Risse zur Jnaugen- i»einnähme in den unter tr d t s ch e n G a n g. Nach der Pause wirb der Zeuge«dermann nochmals wegen der sogenannten StabSwache befragt. Der Zeuge erklärt, daß der Reichs'agspräsident eine StabSwache von etwa sechs Man» gehabt habe. Wenn Ministerpräsident Göring jedoch nicht im Präsidentenhause gewesen sei, seien die Leute von der StabSwache auch nicht borthin gekommen. An dem Brandabend sei Ministerpräsident Göring nicht im Hause gewesen, also auch nicht die StabSwache. „Herren in Uniform" RA. Dr. Sack weist auf eine Londoner Aussage bei sozialdemokratischen Fraktionssekrctärs Dr. Hertz hin, in der dieser behauptet hatte, daß seit der Präsidentschaft Görings im Präsidcntenhausc stündig viele Herren in SA.» und SS.-Uniform ein- und ausgegangen feien. Ob diese SA.-Leute persönlich eine Wache im Präsidentenhaus darstellten, schien nur eine Frage der Bezeichnung zu sein.— Der Zeuge Adermann erklärt das Ganze für„eine Lüge". Es sei nie eine Wache von SA.° oder ST. ins Präsidentenhaus gekommen. Wenn „Herren in Uniform" gekommen seien, so habe eS sich um Besucher gehandelt. Die Frage des Angeklagten Dimitroff, ob es möglich sei, daß trotz der Bewachungs- maßnahmen fremde Personen unbemerkt durch den unter- irdischen Gang hindurchgehen konnten, verneint der Zeuge mit Entschiedenheit.— Als nächster Zeuge wird der Pfört- »er Müller vernommen, der am Brandtage von 8 biS 2 Uhr nachmittags den Dienst im Präsidentenhaus ver- sehen hat. Auf die Frage, ob im Präsidentenhans ständig eine SS.-Wache von 30 Mann geivescn sei, antwortet der Zeuge, das sei ausgeschlossen. SA.-Leute seien niemals im Präsidentenhaus gewesen. S S.- L e u t e nur dann, wen» Ministerpräsident Göring als Reichstags- Präsident Besprechungen abhielt. Auch de» Pförtner W u t st r a ck macht die gleichen Bekundungen. Ein SS.-Fiihrer als Görings Entlastungszeuge Hieraus wird als Zeuge der Drogist Weber vernommen, der als Führer eines SS.-Kommandos ständig zum Gefolge Görings gehört. Er bekundet, daß er am 27. Februar Dienst im Ministerium des Innern gehabt habe. Als der Minister- Präsident gegen 0.30 Uhr die Meldung vom Brande erhielt, habe er den Ministerpräsidenten sofort im Kraftwagen zum Reichstage gefahren. Am Reichstage habe Ihm Hauptmann Jakobi besohlen, zusammen mit drei Schupoivachtmeistcrn den Kcllergang zu durchsuchen. Er habe im Präsidentcnhaus die Schlüssel gefordert und sei mit den Beamten in den Gang gegangen. Der Zugang und auch die Tür im Reichs- tage seien ordnungsmäßig verschlossen gewesen. Ausfälliges sei nicht bemerkt ivorden.— RA. Dr. Sack iveist auf eine Behauptung in der ausländischen Presse hin, daß Minister- Präsident Göring an jenem Tage sozusagen beschästigungs- los im Ministerium gesessen und nur aus die Meldung vom Reichstagsbrand gewartet habe. Der Zeuge Weber bezeichnet diese Behaup'ung als vollkommen un,»treffend und erlogen. Ter Zeune Adermann erklärt aus Befraaen. daß vor dem Zeugen Weber niemand in den unterirdischen Gang ge- kommen sei. Er hätte auch Weber nicht hineingelassen, wenn nicht Polizeibeamte dabei gewesen wären. Tie Durchsuchung deS Ganges selbst babe etwa 7 bis 8 Minn'en gedauert. Sachverständiger Dr. Schatz erklärt ans Betragen, daß er versucht habe, auf Zehenspitzen den unterirdischen Gang zu passieren. Obwohl er sehr vorsjchZg gegangen sei, sei doch ein vernehmbares Geräusch festzustellen gewesen. Ein hellhöriger und hellsichtiger Zeuge Dann schildert der Ingenieur B o g un ausführlich seine Beobachtungen am Brandtage. Er erklärt u. a.: Als ich in die Nähe des Portals 2 kam, hörte ich ein Rasseln a n der T ü r, als wenn jemand eine Tür ausreißen will. Ich sah hinüber und bemerkte dort einen«Kann mir glattem Gesicht und dunklem Paletot, der aus der Tür heraussah. In dem Augenblick, vielleicht, weil er mich sah. stutzte er und blickte nach der Tiergartenstraße zu»wer Frauen, die ihm entgegenkamen. Ich glaubte zu bemerken, daß dio'e beiden Frauen eine Handbewegung machten, als wenn sie winkten. In dem gleichen Augenblick letzte der Mann zu einem Laus an. Er sprang die Treppe hinunter und lies in Richtung TiegeSallee. Tie Frauen drehten sich noch mehr- mals nach ihm um und auch der Mann sah, als er«n. dem Kandelaber an der Ecke ivar, noch einmal zurück Er ist dann verschwunden. Ich nahm zunächst an. daß es tin Sin« gestellter des Reichstages war. Wiederum siel mir auf, daß nichts beleuchtet war und die Tür nicht ver- schlössen wurde. Ich wußte, daß dort immer ein Polizist an der Ecke steht, und wollte diesem meine Wahrnehmung mit- teilen. Ich babe aber keinen Beamte» gesehen Ich bin dann in Richtung deS Generalstabsgebäudes gegangen. Dort standen ein Mann mit einer Lederjacke und eine Frau und sahen nach dem Reichstagsgebäude. Ich hörte noch, wie die Frau sagte:„Ach, komm man. es wirb schon iv e r d e n." Tonst war kein Mensch im ganzen Umkreis zu sehen. Als ich nach Nause kam, hörte ich im Rundfunk, daß das RetchstagSgebände brenne. Ich sagte mir gleich, daß dieser Mann, de» ich an dem Portal gesehen hatte, damit in Verbindung zu bringen-sei. Deshalb bin ich schnell mit dem Fahrrad zur Brandenburger-Tor-Wache gefahren, um dort Mitteilung davon zu machen.— Vorsitzender: Wie war es mit dem Schließen des Portals?— Zeuge: Die Tür ging zu, und zwar mit einem doppelten Schlag. Eni Zuschli-ck» habe ich nickt gehört. Wir haben damals mit der Polizei Versuche mit der Tür angestellt. Wenn man die Tür von draußen zuzieht, hört man den doppelten Schlag nicht. Wenn man sie aber von drinnen zuschiebt, hört man einen dovoelten Schlag. Als ich, fuhr der Zeuge sort. Poposf bei der Gegen- ttberstellung sah. stutzte ich. denn ich glaubte sofort den Mann miederzuerkennen. Ich statte gleich den Gindruck, d---» Haltung. Bewegung und Fußstellung ähnlich wa..... Auch der Hut war der gleiche. Widersprüche und Unstimmigkeiten Es entspinnt sich dann eine längere Erörtern»- Iii 1" gewisse Widersprüche, die sich l» den Aussagen des Z:.igen»ei seinen verschiedenen Vernehmungen finden. R.-A. Tei chert beantragt: Polizeileutnant La tri t zu fragen, was der Zeuge am Abend des Brandtages über die Be- kleidung des Mannes von Portal ll gesagt hat. Weiter beantragt er, den Zeugen Thaler darüber zu ver- nehmen, ob er nicht bei seinen Bemühungen, eine Anzeige zu erstatten, an Portal II gerüttelt hat und dann weitergelaufen ist, um einen Polizeibeamten zu suchen Der Oberreichs- anmalt weist darauf hin, daß Thaler diese Frage bereits verneint hat. «luch in den Zeitangaben deS Zeugen bestehen Unstimmig- feiten, wahrscheinlich hat sich der Vorgang am Portal ll etwa S Minuten nach 0 Uhr abends abgespielt. Der Angeklagte Poposf erklärt, daß er vor seiner Ver- Haftung ganz anders ausgesehen habe als am Tage der Gegenüberstellung mit dem Zeuge». In den drei Wochen seiner Halt habe er sehr unter Grippe und furcht- baren Magenschmerzen gelitten. Er habe in dieser kurzen Zeit 5—8 Kilogramm an Körpergewicht ver- loren. Poposf weist weiter daraus hin, daß der Zeuge Bogun über seine Kopsbedeckung fünf einander wider- sprechende Aussagen gemacht habe,«lus die Frage deS Vorsitzenden, ob der Zeuge Bvguu nach diesen Vorhalten „Volksverrat" nimmt zu Täglich Schreckensurteile Oer Sendergerichte Der nationalsozialistische„Dortmunder General-An- zetger" berichtet:.^ Von Woche zu Woche nehmen die Sondergerichtsversahren zu, tn denen schwere Freiheitsstrafen für den Bolksverrat verhängt werden, der in einer gegen die Regierung der nationalen Erhebung und ihre ausübenden Organe gertch- teten Hetze und Verleumdung zu erblicken ist. Da gewisse Elemente offenbar trotz oder vielleicht gerade wegen der sichtbaren gewaltigen Erfolge der nationalsozta- listischen Regierung mit ihrer heimlichen Wühlarbeit nicht aushören wollen, erscheint eine ernste Warnung am Platze zu sein, denn die Strafen werden in Zukunft noch er- heblich zunehmen. Zur Belehrung sei hinzugefügt, daß Trunkenheit nicht im m invest en st ras- mildernd wirkt, denn gerade in diesem Zustand verrät der Mensch seine wahre Gesinnung und eS ist völlig gleich- gültig, ob ein nüchterner oder ein betrunkener Mensch in gemeinster Weise das Ansehen der Regierung und der hinter ihr stehenden Verbände schädigt. Bisher gelang es noch keinem Angeklagten, den 8 dl StGB, für sich wegen des Grades seiner Trunkenheit(völlige Bewußtlosigkeit) vor dem Sondergericht in Anspruch zu nehmen. « Die Jüdin Frieda Schnellcnberg und ein gewisser Joses Dankwart saßen nebeneinander auf der An- klagebank des Iondergerichts. Zu vier Personen waren sie nach dem Vortrag von Dr. Ley in einer Wirtschaft des Nor- dens eingekehrt. Frau Schnellenberg war über ein gegen die Juden gerichtetes Gedicht aufgebracht gewesen und hatte ein Gespräch über die Judensrage begonnen. SK behauptete, Polizeipräsident Schepmann habe seine Wohnung von einem jüdischen Spezialisten tapezieren lassen und die Rolle Ta- pete habe ganze 45 Mark gekostet. Wie dieser National- sozialist handele, beweise außerdem das Nichteinstellen einer Hilfskraft in seinem Haushalt, denn Frau Schepmann mache alles allein. Dankwart hatte sich bewogen gefühlt, diese Behauptungen weiterzutragen und hinzuzufügen, daß aus der einen Seite gehungert werde und die Prominenten der NSDAP. unerhörten Luxus trieben. Er versuchte, einen Vergleich zwischen d Heute und der untergegangenen Zeit anzustellt», der» gunsten der Marxisten ausfiel:— ähnlich sollte stw Jüdin geäußert haben.— Beide wurde zu l e" e Monate» Gefängnis verurteilt wegen Vergehe' gegen die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz Regierung der nationalen Erhebung gegen heimtückische griffe in Tateinheit mit übler Nachrede g e g«» iibcr dem Polizeipräsidenten Schepmann. (Es ist anscheinend nicht einmal erreicht worden, die Be' hauptungen zu widerlegen. Red. d. D. F.) Der 30jährige, mehrmals wegen Eigentumsdelikten W'- bestrafte Bergmann Karl Emil Rausch aus^enn war früher einmal eingeschriebenes Mitglied der«4•' hatte dann in der Roten Hilfe mitgewirkt und trat auch v und wieder als Redner in kommunistischen Versammlung auf: er nannte es„Herausforderung zur Diskussion uo einen kommunistischen Mord". Nach seiner Entlassung a der Schutzhaft hatte er in den Monaten Juli und Aug»' verschiedene antideutsche Behauptungen ausgestellt. Er sag'- daß Rußland schon die Namen der deutschen Flieger habe, o einst von getarnten Junkers-Flugzeugen aus über Verl' die Hetzschriften auf Veranlassung der Regierung abgeworic hätten. Er wollte sogar, vor Gericht gestellt, beweisen, d"" nicht die Kommunisten den Reichstag angesteckt hätten bewies es nicht). Er versicherte weiter, daß die letzten Retam tagsivahlen den Kommunisten 11 Millionen Stimmen<<<■' bracht hätte»,»nd daß 5 Millionen unterschlagen seien. Angeklagte hatte auch versucht, in das NTKK. bzw.>n!" Motorstasfel des Stahlhelms zu kommen, um— wie er vc.- sicherte— nachher, wenn es rundginge, auf die Führer um? die eigenen Kameraden, nicht aber auf die Gegner zu schienen. Als ihn der Staatsanwalt einen üblen k o m m u n t st>° schen Hetzer nannte, brauste er auf und schlug mit der Faust schwer auf die Brüstung der Anklagebank, wodurch er sich eine ernste Verwarnung des Vorsitzenden zuzog. Da- Gericht erkannte gegen ihn antragsgemäß auf die gcietzu" zulässige Höchststrafe v o ir 2 Jahren Gefängnis. seine Aussage zu ändern oder zu ergänzen habe, antwortet dieser mit nein. Der Vorsitzende teilt dann mit, daß der Zeuge Thaler nochmals vernommen werden wird. P o p o s s wirft dem Zeugen Bognn vor, daßerdie Un Wahrheit in bezug auf seine Person gesagt habe, welche Aeußerung der Vorsitzende rügt. Popoff be- teuert dann nochmals seine Unschuld. Der Angeklagte Dimitroff stellt dann wieder feine gewöhnliche Frage stach der Parteizugehörigkeit des Zeugen Bognn. Bognn ant- wortet, er habe bis 1927 der Deutschnationalen Betriebsgruppe bei Siemens angehört, der Partei aber nicht. Die Sitzung wird darauf geschlossen. Die nächste Ver- Handlung findet am Freitag statt. Der Donnerstag bleibt sttzungsfret. Es finden an diesem Tage auch keinerlei Lokal- termine statt. Verhaftungen beim Lokaltermin fJnpreß): Es wird nachträglich bekannt, daß unter den nach vielen Tausenden zählenden Zuschauern bei dem Lokal- trrmin am Donnerstag zahlreiche Verhaftungen vorgenom- men worden sind, weil es zu Sympathieäußeruugen für Torgler und die beiden anwesenden bulgarischen Angeklagten kam. Neurath muß eingreifen Die Geheime Staatspolizei hat die Absicht gehabt, eine Reihe ausländischer Pressevertreter, die dem Reichstagsbrandprozeß beiwohnen, auszuweisen. Auf Ein- greifen des deutschen Außenministers von Neurath ist die Ausweisung zunächst zurückgestellt worden. „lasflz" an der Saar Max Braun erhält 14 Tage Gefängnis Am 16. Oktober verurteilte das Schöffengericht Saar- brücken den Vorsitzenden der Sozialdemokratifche» Partei des Saargebietes. Max Ava un sowie den Parteisekretär Karl Mößtnger zu je zwei Wochen Gefängnis, außerdem zwei weitere sozialdemokratische Funktionäre zu je sieben Tagen Gefängnis. Diesem Urteil liegt folgender Tatbestand zugrunde: Im Mai dieses Jahres wurden im Taargebiet Flug- blatter verteilt, die den Funktionären mit einem Begleit- schreiben zugestellt worden waren. In diesem Bealett- schreiben wurde aufgefordert, die Verteilung der Flug- blätter„so aufzuziehen, daß Überschreitungen der polizeilichen Vorschriften vermieden werbe n". Zur Erläuterung weist das Rundschreiben darauf hin, daß nach Anordnung der Regierungskommission die Verteilung von Flugblättern auf öffentlichen Straßen und Plätzen der Genehmigung bedürfe, daß dagegen das Hineintragen von Flugblättern tn die Woh- nungen ohne Genehmigung statthaft sei. Dieses Schreiben ist vom 12. Mai datiert und die Verteiler waren angewiesen, die Flugblätter unverzüglich zur Verteilung zu bringen. Am 22. Mai, also zehn Tage nach der Abfassung des Rund- schretbens, veröffentlichte die Regierungskommission eine neue Verordnung, wonach auch die Verbreitung der Flugblätter tn die Wohnungen der Genehmigung bedurfte. Der größte Teil der Flugblätter war bis zu diesem Termin längst ausgetragen. Und weder dem Partei- Vorsitzenden noch dem Parteisekretär war bekannt, daß einige Verteiler au-6 nach dem 22. Mai noch Flugblätter verteilten. Am 29. Mai jedoch wurde der Funktionär Ntx polizeilich festgestellt und zusammen mit dem Ortsgrnppenleiter, dem Parteivorsitzenden und dem Parteisekretär zur Vcrant- wortung gezogen. Der AmtSanwalt war auf Grund dieses Tatbestandes d Auffassung, daß Braun und M ö ß i n g c r freizusprechen seien, während die beiden anderen Angeklagten gegen die Berord- nung vom 29. Mai verstoßen hätten. Das Gericht jedoch stellte sich auf den Standpunkt, daß alle Angeklagten sich schuldig gemacht hätten und zu verurteilen seiend Braun und Möbinger— das ginge aus dem Rundfchreiben hervor — hätten die Verordnung genau gekannt. Dieser„grobe Unfug der Volksverhetzung" müsse unterbunden werden. Braun und Mößinger erhielten je zwei Wochen Gesängnis, die beiden anderen Angeklagten je eine Woche. Strafauf- schub wurde nicht zugebilligt, obwohl keiner der Angeklagten vorbestraft war. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die gleichgeschaltete Justiz an der Saar mit diesem Urteilsspruch einen politischen Gegner treffen wollte. Und es bleibt abzuwarten, ob nicht die Bernfungsinstanz dieses gänzlich unhaltbare Urteil auf- hebt. ßoniamara ROMAN VON! Q N A Z I O S I L O N E »Ja, lebst du denn auf dem Mond?" antwortete Raffaele gereizt. Hast du alles Unrecht vergessen, das der Impresario uns angetan hat? Weißt du nicht, daß cS keinen andern Weg mehr gibt zu unserm Recht? Weißt du nicht, daß wir im Winter nur Steine haben werden statt Brot?" Berardo ließ ihn reden. Daun fragte er Baldissera nicht minder gelassen und scheinbar harmlos: „Warum wendet sich Donna Zizzola an San Antonio, wenn sie den Impresario haßt? Hat diese Frau denn keinen Mann?... Und wenn San Antonio die Gefühle Donna Zizzolas teilt, warum wendet er sich damit an die Fonta- maresen? Hat denn der keine Engel an der Hand?" Immer im gleichen Ton wandte er sich dann an Scarpone: „Wenn du die Fabriken dem Impresario anzündest, glaubst du. daß wir dann im Winter von Asche leben können? Glaubst du. daß die Fontamarcsen davon eine» Vorteil haben, wenn die Arbeiter der Zementsabrik, der Ziegelei und der Gerberei arbeitslos werden?" Schließlich wechselte er den Ton und sagte offen seine Meinung: „Da» geht mich alles nichts an. Unsere Lage ist wahrlich dreckig Jeder hat sich um seine eigenen Angelegenheiten zu scheren. Früher habe ich mich um zu viel Dinge ge- kümmert die mich nichts angingen Und jetzt habe ich mit dreißig Jahren nichts anderes als das Strohlager, aus dem ich schlafe... Ich bin heute kein Jüngling mehr und habe an meine eigenen Angelegenheiten zu denken. Darum, laßt mich in Ruh!" „Nicht wir lassen dich nicht tn Ruh Der Impresario läßt un» nicht tu Ruh," schlug Scarpone zurück. „Gut getagt!" lobte Baldissera„Niemand war mehr für Frieden und Ordnung al» ich Aber jetzt gibt es weder Ordnung noch Frieden, weder Regierung noch Gerechtigkeit, noch Gesetz..> Jetzt ist nicht die Zeit für eigene Ange- Brüsseler Sensaflon Seit ungefähr einer Woche kann man in der Rue du Pont Neuf ein geschäftige» und aufgeregtes Tretben beobachten. Eine große Anzahl von Polizisten flankiert beide Häuser- reihen dieser uralten Straße. Man wird ausgesordert, weiterzugehen, jeder Passant wird mit bedeutungsvollen Blicken von den Polizisten visiert. Dauernd strömt civs' große Schlange von Menschen in diese Straße und alle schauen an einem Hanse hinauf. WaS ist los? Licbesdrama? Es scheint wirklich so etwas Aehnliches zu sein. Aber nein, es sind ja „bloß" die Nazis Jawohl die Nazis, allerdings flämische und unter dem Spitznamen„Dinasos" lDietsch National- sozialistcn) bekannt. Seit einer Woche haben sie Brüssel mit einer Art Kaserne beglückt. Noch ist sie nicht offiziell eröffnet, es ist vorläufig noch ein privater Raum, aber gleich am ersten Abend nach dem Einzug, fand eine riesige Demon- stratton von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen diese neueste braune Invasion statt. Es sammelten sich ungefähr IG009 Menschen an, die eine drohende Haltung annahmen. Man wollte sogar versuchen das Hans anzuzünden, um da- mit diesen Krebsschaden mit Stumpf und Stiel auszubren- nen. Die Polizei griff ein. Eine Welle von kolossaler Er- regung durchwogte die erbitterten Massen. Ein allzumuiiges flämisches Braunhemd wagte sich aus dem„Maison verte" heraus. Der verheißungsvolle Jüngling liegt augenblicklich noch im Hospital. Man erzählt, daß er nach seiner„Ab- reibung" tum mit aktuellen Worten zu reden» in einen vor- betfahrenden Tram springen wollte, ihn aber der Schaffner mit einem unzivcidculigen Fußtritt in die rauhe Wirklich- keit versetzte. Die Erbitterung hat seitdem nicht nachgelassen. Am dritten Abend kam es wieder zu Ausschreitungen, Die Arbeiterschaft Brüssels ist aus der Wacht. Nun steht Tag für Tag und Nacht für Nacht viel Polizei zum Schutze dieser „Bürger" vor ihrem Lokal. Und jeden Abend gibt es Aus- schreitungen. Der„Soir", rechtsbürgerliches Blatt, bedauert die Stellung der Polizei, die„solche Elemente unterstützen" muß. Hoffen wir, daß die Arbeiterschaft der Polizei diese Sorge abnimmt, indem sie, genau wie in Malline» und Gand(dort wurde das Haus niedergebrannt), diese braune Nachäfferei samt ihrer Anhängerschaft zum Teufel jagt. Delcasa. legenheitcn... Jetzt gibt es eben keinen Frieden... Wenn die Wächter des Gesetzes bei Nacht kommen und un- sere Frauen schänden, kannst du dann sagen, keine dieser Frauen gehört mir? Wenn die Wächter des Gesetzes dir Land und Wasser wegnehmen, dich n'cht arbeiten lassen, konnst du da sagen, das geht mich nichts an?" Berardo hörte kopfschüttelnd zu. Diese Einwände kannte er alle Er hatte sie tausendmal selbst im Gespräch mit Ge- nerale Baldissera vorgebracht. Aber nun war er kein Jüng- ling mehr. Er war nicht mehr allein. Er konnte sein Leben und seine persönliche Freiheit nicht mehr gedankenlos aufs Spiel setzen- Er mußte anders denken. Seit der mit Elvira verbrachten Nacht dachte er anders. Als das ganze Dorf endlich so dachte wie er. hatte Berardo seine Denkart und Meinung geändert. „Hört" sagte er,„ich will noch deutlicher sein: ich habe abfolut keine Lust, für euer Wasser und euer Land aus die Galeere zu gclien. Ich muß mich um meine eigenen Ange- legenheitcn kümmern!" Scarpone und Baldissera standen auf und gingen- Zu den auf der Straße wartenden Burschen sagte Scar- pone so laut, daß wir es auch noch hören mußten: „Berardo hat Angst!" Für die Jugend von Fontamara war Berardo ein Gott. Unter seiner Führung wären sie in den Tod gegangen. Ohne ihn. das war leicht vorauszusehen, würde nichts werden. Während des ganzen Gesprächs war Elvira auf ihrem Strohlager gelegen und schien noch durchsichtiger als sonst. Ohne die Augen von Berardo zu wenden, war sie dem Zwist zuerst mit Neugier, al» zweifle lie an seinem Ernst, dann mit Staunen und als kein Zweifel mehr möglich war, mit Angst und Sorge gefolgt, ohne daß sie es gewagt hätte, ihn zu unterbrechen und ihm in Gegenwart anderer zu wider- spreche». Aber nachdem Scarpone und Baldissera weg- gegangen waren, konnte sie sich nicht mehr enthalten, vor- wurfsvoll zu sagen: „Wenn du dich meinetwegen jetzt so benimmst, so denk« daran, daß ich vor einigen Jahren schon anfing, dir gut zu sein und gerade weil du umgekehrt dachtest..." Al» er merkt«, daß selbst Elvira gegen ihn war, konnte Berardo sein« Wut nicht ganz verbergen und war schon da..Melir Udif!" Nicht in die Köpfe, sondern in die Schaufenster Bon der Leitung der Werbeaktion der Elektrosront geht folgende Aussorderung an die Presse: „Wenn die Ladenbesitzer mit Ausnahme weniger HaM't' straßen sich ehrlich fragen, ob die elektrische Anlage ihre» Ge- schästes ist, wie sie sein sollte, müssen sie mit„Nein!" an.- warten. Die Bedeutung einer intensiveren AuSnutzu»' unserer Elektrizitätswerke ist von berufener Seite in diese Tagen ausführlich gewürdigt ivorden. Der Kaufmann n»-- auch ermessen können, wie wichtig eine sorgfältige Instand- setzung und Erhaltung der elektrischen Anlage ist. Jeder Ladenbesitzer sollte jetzt zeigen, daß er aus der Ze>' des Kampfes gegen die Kettenläden gelernt hat. Immer wieder muß er vor seinen Laden treten— grade jetzt, den» bald kommen die langen Winterabende!— und sich fragen- Ist mein Firmenschild auch gut und leicht z» lesen? Ist die Ware im S ch a u fe n st e r so a u s g e' stellt, daß sie vorteilhaft und verlock end wirkt. S i n d d i e S ch a u k ä st e n hell genug? Sieb' d e r P a s s a n l a u ch F i r m a und G c s ch ü i t s z w c i 9- wenn ci abendsvorübergeht? Ist der Laden in««" wirklich hell und heiter oder ist es ein romantisch dämmern- deS Geivölbe? Und wie würde eS mit einem Ventilator gegt" das Vereisen der Scheiben oder mit einer elektrisch bewegte« Schaufensterreklame sein?" KnrMdif ans Nürnberg Der städtische Unterstützungssatz für Wohlfahrtscmpsänger ist seit Anfang Oktober um 25 Prozent gekürzt worden. Studiendirektor Möhring, der Leiter der städtische» Volksbildungskurse und früherer demokratischer Stadtrat, hat sich erhängt. In seiner Zelle im Nürnberger Untersuchungsgefängnis wurde ein junger Kommunist tot aufgefunden. Er bcsand sich tn Haft, weil bei ihm illegale Flugschriften gesunde" wurden- bei, ein grobes Wort zu sagen, aber er ging lieber ohne Gruß ivcg. Es mochte Mitternacht sein, als ich wieder nach Hause kam „ES mag kommen, was kommen will," sagte ich zu meinem Sohn,„versuch du wenigstens zu schlafen, denn du mußt vor Tagesanbruch fort" Jeder von uns versuchte zu schlafen oder tat so- Aber niemand brachte es fertig To waren alle drei noch wach, als.gegen zwei Uhr plötzlich die Kirchenglocke läutete. De'' erste und der zweite Schlag waren stark und deutlich, die nächsten wie das Echo des ersten. „Hast du gehört?" fragte meine Frau aufgeschreckt- „Es wird die Madonna sein", antwortet« ich.„Laß uns schlafen." Trotzdem horchten wir alle drei mit verhaltenem Atem- aber wir hörten nich:s mehr. Es mochte eine halbe Stunde vergangen sein, al» wir neuerdings zwei oder drei Schläge oernahmen, schwächer als die ersten „Hast du gehört?" fragte angstvoll meine Frau von neuem- „Es wird die Madonna sein," antwortete ich,„Laß uns schlafen." Aber die Luft war still unb es konnte der Wind nicht sei»- Noch nie hatte der Bergwind unsere Glocken zum Läute» gebrach». Bald daraus gab die Glocke noch einen kaum hörbaren Ton. „ES wird ein Käuzchen sein," tagte ich, um etwa» zu sagen. „Kann ein Käuzchen die Glocke läuten?" „Wenn es kein Käuzchen ist, wird es ein Marder sein/ antwortete ich- „Wie kommt ein Marder in den Turm?" „Wenn es kein Marder ist, muß es die Hexe sein," war meine letzte Weisheit. In dieser Nacht haben nur wenige Fantomaresen ge- schlafen. Und alle, von den seltsamen Glockenschlägen wack- gehalten führten wahrscheinlich die gle'chen Gespräche und hatten die gleichen Vermutungen- Aber jeder wollte sich nur um die eigenen Angelegenheiten kümmern und keiner stand auf. um nachzusehen, was auf dem Kirchturm lo» war. Wa» nun folgt, wirb mein Sohn berichten. lFortsetzung folgt.) deutete fUmmern ^èuilletonbeîlage der„Deutschen Freiheit"* Freitag, den 20. Oktober 1935* Ereignisse und Geschichten Stehen neudeutsche Zitate Das eiste Tleut ^d eins aus dec Schweiz dazu ^' r baben manche Professoren davongejagt Nationalsozialismus will nicht die Freiheit der . Utzung vernichten. Wir haben manche Pro- dedavongejagt, weil sie durch die Freiheit ich- mit der Freiheit der Beschimpfung den deiu- à, Mensche» verwechselt hoben. Die««.-Manner haben l'rn,- a'' e öeutsche Kultur getan als mancher Hochichui- s'* 1' Heute vollzieht sich nicht nur eine Wiedergeburt Dl,^°utschiums. sondern eine Wiedergeburt der Antike. ^unst ist jn großen Zeiten eine elementare Leben m.* n gewesen. Das Kunstwerk ist die lebendig dar ^stellte Religion." Alfred Rosenberg auf einer Kundgebung des Kampfbundes für deutsche Kultur in München (14. Oktober). ^•manische Heilkunde Realismus in der Gestaltung fordert als objektive "Mialtutij die liebevolle Hingabe an die Form des dar- 'stellenden Gegenstandes^ es ivird jo die Gefahr euu.> .^steigerten Subjektivismus, der eher kulturhemmcnd als Utursördcrnd wirkt, vermieden. Andererseits ist die dura) ,J persönliche, fantasievolle Durchdringung des Dar- ^ pellenden als die zweite, höchst individuelle Komponente "»Itlerijchen Schassen» eine Selbstverständlichkeit) aber eben st auf dieser objektiven Grundlage! Der Abfall von J t|e» Maß, d. h. die U e b e r b e t o n u n g des 1.!' e n n u f Ko st en des andern der beiden er- »zehnten, sich gegenseitig befruchtenden ,^'nzipten führt zwangsläufig zu Huper- Pphien— entweder zu manischem Naturalismus oder ""verkrampftem Expressionismus. ,.^îe Formung muß weiterhin eine deutsche sein! Was >es heißt, erhellt aus einer kurzen Untersuchung de? Volke ^ßrakters, wie er in der Sprache als der naturgegebene» ^-uelle aller Kultur sichtbar wird: es dominiert hier durch- ,"s das strukturelle Element, sozusagen das Knochengerüst, »l der Ueberzahl der Konsonautenhäufungen. „Germania", 14. Oktober. er neue Schultyp Festlich„nd unter Beteiligung vieler Behörden und yrengäste wurde in der Bremer Straße in Moabit die erste " lßktonalpolittsche Schule", die, wenn sie vollkommen aus- umbaut ist, den Namen„Hermann Göring" tragen wird, er- l'iinet. Diese neuen nattonalpolitischen Schulen sollen nach Unö nach die Berufsschulen ersetze». Die ersten Typen, die Man aufbauen wird, werden Segelflugzeugbau-Schulen, ^iedlcr-Schulen und Geländesport-Schulen sein. Staats- ^niniissar Dr. Meinshausen übergab die Schule mit einer Festansprache den 760 Schülern, die hier aus den verschie» °e«en, verstreut gewesenen Kursen zusammengefaßt wor- °en sind. „Vossische Zeitung", IS. Oktober. Wir wollen Wehrrecht! >^lber Jugend ist stets Vorwärtsdrängen. Jugend will >»»n»er höher hinauf, kennt keine unerklimmbare Stufe und arum wird sie auch immer fordern, wenn sie gesund ist. ^ir haben einst gefordert: «ollen Wehr und Waffen und wollen Dienst für Volk und Land. Wir wollen Opfer«nd wollen Wehrrecht. Und wir wollen das feldgraue Kleid des Soldaten tragen! Wir wollen Einigkeit und Freiheit und Brüderlichkeit ppkerrinandrr. Wir wollen nicht, daß einer für immer die lvtacht in Händen hält ohne Rücksicht auf das Volk. Wir wollen dagegen an unserer Spitze einen Führer, dem das ^»lk freiwillig und freudig die Macht in die Hände legt nnd ° c* bereit ist, diese Macht wieder zurückzugeben, wenn eS Dee iüdische, Qtetd Gepriesen von den Tlazis „Wieder hat sich der Tod die besten Krieger für Walhall auserkoren. Hatte der Krieg bisher zwei Heldendichtrr ge- kommen: Hermann LönS und Gorch Fock. Jetzt ivar ihnen f«»n Geringerer in den Tod gefolgt als Walter Flexi »Und setzet ihr nicht baS Leben ein..." Am 13. Oktober landeten wir sein Regiment: am IS. bereits wurde Flex durch Bauchschuß verwundet, uckd am 16. war er leinen Verletzungen erlegen. „Die Kugel war in einem tück'schen Zug querüber unterm Leibgurt hingeglitten— tief wie von Messern war der Leib zerschnitten." Ungebeugter Kampfes- und SiegeSwille waren steter Aus- brück seiner Gedichte und Schriften. „Kam'rab. die Hand am Schwerte bete— sonst nicht! Herr, gib uns Kraft und Härte und Büchscnlicht!" 1667 in Eisenach geboren, eilte Walter Flex 10l4 im 26. Lebensjahre freiwillig ins Feld, wollte nicht mehr Haus- Uhrer sein. Seine Vaterlandsliebe war groß, schon während seiner Studentenzeit in Erlangen wurde sie gestärkt. Zur Füsanterie, zur Kerntruppc. hatte eö ihn gedrängt. Mit Regiment 50 lag er tn den Argonnen. Hier gab er im »Volk ln Eisen" seine ersten Kriegögedtchte heraus. Anfangs dem Staate von Nutzen ist. Denn wir wissen es mit unser« Führern, daß nicht das Volk für die Führer, sondern daß der Führer für das Volk da ist. „Westdeutscher Beobachter", 26. September. Die Reiter auf dem Bodensee Großer Preis der nationalsozialistischen Erhebung Die Ausschreibungen sür das in der Zeit vom 26. Januar bis 4. Februar in der Messehalle am Kaiserdamm stattsin- dende Internationale Berliner Reitturnier sind nun- mehr endgültig festgelegt worden. Erfreulicherweise wer- den sich die gegebenen Preise aus der Höhe der letzten Jahre halten. Hauptereignis des Turniers ist der Große Preis der nationalsozialistischen Erhebung, sür den die hohe Summe von 30000 Mark festgesetzt worden ist. Selbstvcr- ständlich wird die beste Klasse der deutschen Reiter und Pferde für diese Prüfung genannt werden. Darüber hin- aus wird die ganze Elite Europas zu diesem großen Eretg- Iiis erwartet. „Kölnische Zeitung", 13. Oktober. Heil Hitler— mit Abwehr Wir deuten den Gruß als Warnung und Abwehr für alle, die das Unheil entweder wissentlich brachten, oder das Heil zu bringen nicht fähig waren. Denn die offene Hand ist willens, im Augenblick zur r ä ch e n d e n Faust zu werden, sollte ihr einer begegnen, der das Heil der Gemein- . schaft verflucht. Ob Schwur oder Segen, ob Warnung oder Wehr: Der Deutsche Gruß ist als Geste nichts, als Wille aber alles. Denn der Heilruf birgt eine rätselvolle Macht, die sich von der Sehnsucht gläubig schaffender Menschen beschwören läßt, nie aber von der Eitelkeit solcher Leute, die das Heben der Hand modern finden. Heinz Steg» weit(„Westdeutscher Beobachter", IS. Oktober). Raikenhayn hat es gewußt Frankreichs Blut war überreichlich geflossen in dickem Jahre 1016. Bor Verdun und in den Schlachtfeldern an der Somme. Aber es war nicht umsonst geflossen. Deutschland schwankte! Der letzte Stoß gegen den germanischen Koloß stand bevor. Mit Nivelle als neuem Obersten Befehlshaber war der entscheidende Angriff Pflicht, Hoffnung und Wille Frank- reichs. Die Ereignisse des Jahres 1017 traten im Kopf dieses neuen Manne« über die Schwelle der Geschichte. Jenes Jahres 1017, da auf den Schlachtfeldern von Frank- reichs Niederbruch an der Aifne und in der Champagne der völlige moralische und physische Zusammen- bruch Frankreichs offenbar werden sollte, so wie General von Falkenhayn es voraus- gesehen und gewollt hatte. Hermann Ztese-Brühls:„Der einsame Feldherr"(FrundSberg-Berlag). Nicht gerade schmeichelhaft Nicht gerade schmeichelhaft sür die deutschen Universitäten mar die Bemerkung, daß die neue Hochschule aus der Kampf- bereitschaft der SA. und der opferwilligen Studentenschaft erwachsen werde. Nachdem der«Aufbruch der Nation", die „Ncuschöpfung des deutschen Menschen", die aus den „Kräften des Bobens und des Blutes" ge- nährte deutsche Philosophie und die„V ö l- tische Wissenschaft" gebührend gewürdigt worden waren, ging man an die eigentliche Arbeit. Vorher erklangen noch das Deutsc^and- und das Horst-Wessel-Lied. Bericht vom deutschen Phtlosophen-Tag in Magdeburg („Neue Zürcher Zeitung", 14. Oktober). 1915 wurde er Offizier. Im Regiment 136 kämpfte er im Osten bis im Sommer 1017. An der Eroberung Rigas nahm er teil nnd anschließend an der Oesel-Unternehmung. Hier sollte er mit uns kämpfen, wir vom Martnelandungskorps und die Feldgrauen. Hier ereilte ihn sein Los, ein Schuß am Schlüsse eines Gefechtes. Auf dem Kirchhof de« Dorfes Peude auf Oesel ruht sein Leib. Der Geist Walter Flex' wird immer leben, soll Symbol denen sein, die an Deutschlands Zukunft glauben". » Diesen begeisterten Artikel über den Kriegsfreiwilligen Walter Flex finden wir im nationalsozialistischen Be- obachter(15. Oktober). Leider wirb verschwiegen, daß dieser tapfere Jüngling mütterlicherseits ein Spröß- ling des Stamme« Makkabi ist. Hier hat also der „Rassevcrrat" ein überraschendes Resultat erzielt: ein Sym- bol für Deutschlands Zukunftsglauben. » Oie jüdische Mama Ein Saarländer erzählt in der gleichgeschalteten Presse: „Bei voller Besinnung bis znm Ende, sprach Flex nur über. die Kompagnie, da» Regiment, den Vormarsch. Am andern Morgen besuchte ihn unser Bekannter. Flex sprach nicht mehr viel. Nur um eine« bat er: Seine Mutter, die er ab- göttlich liebte, sollte Nachricht von der Verwundung haben. Er bat den Kameraden, seiner Mutter eine Karte zu 'chreiben und ihr mitzuteilen, daß er eine leichte Hand- 'erivundung rlitten habe und deshalb nicht'chreiben könne Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Aber ehe M" Karte die Mutter im Thüringerland erreichte, hatte ihr ein Telegramm bereits die Kunde von seinem Tod gebracht." Sie sind nicht vor dem braunen Mob gekrochen, Als er die heil'ge Schrift mit Füßen trat. Sie haben frei ein deutsches Wort gesprochen. Da« Wort hieß: Rein! Das Wort war eine Tat. Das sind zweitausend deutsche Theologen, Die ihr Gewissen zum Bekennen zwang. Sie haben nicht den Rücken krumm gebogen, Sie standen fest in stolzem Wahrheitsdrang.— Doch wo bleibt ihr, des deutschen Wissens Pfleger, Die oft die Pfarrer nur von oben sah'». Der strengen Wissensch as t. getreue Heger, Was trieb euch fort von kühner'Wahrheit Bahn!' Euch Philosophen, die ihr Geistesmächte In tiefster Seele Grund zu fassen glaubt, Run seid ihr roher Triebe seile Knechte, Die Logik tot, die Ethik schmutzbestaub». Historiker, die ihr der Völker Werden Zum Bund darinnen Menschheit wachsen sah't, Dem Unsinn folgt ihr nun als laute Herden, Fern jener Leuchte, die der Wahrheit naht. Und ihr, Juristen, habt Ihr alle Ehre Verloren vor der Peitsche rohem Droh n? Dem Meineid huldigt ihr und ohne Wehre Beugt ihr den Nacken vor der Mörder Thron. Ihr A er, te gar, zum Helsen nur berufen, Einst mit der Menschlichkeit in schönem Bnno, Nun stampft ihr selbst mit blntbespritzten Husen Mitleid und Wahrheit in den schmutz'gen Grund. Der Technik Männer, sonst die kecken Streiter Im Kamps mit Rot und enge» Stumpfsinns Macht. Dem Mordgeschäst nun haltet ihr die Leiter, Bereitet nur die blnt'ge Massenschlacht. So steht ihr, deutschen Wissens eitle Träger, Verachtet in der Menschheit weitem Reich. Die Besten trieb man sort, die armen Schacher, Die blieben, schaltet ihre Schande gleich. Doch euch, ihr zweitausend Theologen, Bleibt eine Ehre, die zur Zukunft weist. Ihr spracht die Wahrheit, als sie alle logen. v*ir hieltet Treu der Menschheit heil'gem Geist! Florian Geyer. Die Schicksatsqelahcten Der deutsche Schriftsteller K u r t H i l l e r befindet sich, wie ein geflüchteter Mithäfrling in der„Wahrheit" bekanutgivt, mit ungefähr 1*) Gefangenen in der ehemaligen Militär-- ariestanstalt der Garnison Berlin aus dem Tempelhoier Feld. „Ein Drittel der Häftlinge," schreibt der Gewährsmann,„be- steht aus Juden, von denen kaum ein Drittel ohne schwere Verletzungen ist... Wer beim Laufschritt etwas zurück- bleibt, erhält Fußtritte, wer nicht schnell genug ist, kommt zur Strafe in den Keller. Dabei wird hinzugefügt, daß dort Stahlruten tanzen." Ferner nennt„Das blaue Heft" in einem Artikel Namen deutscher Schriftsteller, die von den Herren des„dritten Reiches" in Gefängnissen oder Konzeniratiotislagein festge- Milien und von den Morbgarden der SA. und SS. bewacht werden: Karl von Osfietzki, Axel Eg gebrecht, Erich Mühsam, Otto linger, Klaus Neukrantz, Ludwig R e n n, Hermann D u n ck e r, Max H o d a n n, Paul von Schönaich. Die folgenden Schriftsteller sind aus Gesängnissen oder Konzentrationslagern entkommen: Egon Erwin Kisch, Otto L e h m a n n- R ü ß b it l d t, Felix Halle, Heinz L i e p m a n n. « Wir fügen hinzu, daß vor einigen Wochen General Schönaich, der bekannte Paziftstenführer, aus dem Ge- fängnts entlassen wurde. Deutsche Qteichschattunqs=llehunqen Um die seelische Gleichschaltung der deutschen Untertanen herbeizuführen, werden von jetzt ab an den deutschen Radio- stationen morgen» von 7 bis 7.16 Uhr die sogenannten „Gleichschalte-Freiübungen" eingeführt. Das geht so: Achtung! Ansprüche abwärts senkt! Brotkorb höher hebt! Hoffnungen herunter schraubt! Rechtsbegrtffe beugt! Einkommen streckt! Köpfe rollt! Entwicklung nach rückwärts dreht! Europa vor den Kopf stoßt! An die Versprechungen der Regierung glaubt! Gesunder Menschenverstand wegtreten! Zur Kräftigung des Zahnfleisches kann während der Uebungen mit den Zähnen geknirscht werben. „Nebelspalter"(Nr. 41). Was man sich zufCüstcct Die beiden Armeen Ein aus Deutschland zurückgekehrter Ausländer erklärt, daß Deutschland zwei Armeen besäße 1. die R e t ch s w e h r, 2. die H e i l»- A r m e e(SA. und SS.i. * Im Reich begegnen sich zivei Arbeiter und begrüßen sich mit sichtbarer Ironie gegenseitig mit dem Hitlergruß. Hier- >ei erhebt einer der Arbeiter anstatt der rechten die linke und und wird deshalb von seinem Kollegen gefragt: „Warum erhebst Du denn die linke Hand?" Antwort:„Wir haben leider keine Rechte mehr!" = Pariser Berichte Pariser Slraßenhalender Pariser Pfkeater 9lm 11. November wird in Pacv-snr-Eure ein Denkmal '.— famedi. Im Tl. Ccloftre 1993 Wer irill tien in Par". still od tätig an Mriöser Sache mit ca 2u Mille l-i baialllgeaT Schnell entschlossene Keile I- tanten schreiben Pohl. Metal, 51, rae Torbigo No. 849. nuit Doktor Wachtel Harn*, Blut« und Hauihtankhellen 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9-12 u. 2-8 Uhr; Sonntags vormit'ags Nane, Hala Ohren: Spi echstunden tiigl. von 5-7 Uhr. Kassenversicherte werden angenommen. !« 1«^ î d e Brian» von Ministerpräsident Daladier in Anwesenheit der Regierung, vieler Parlamentarier und des diplomatischen Korps enthüllt werden. Der von der französischen Regierung eingebrachte Gesetzent, f 2 r! If* wirtschaftlichen und sozialen Förderung des Landes fuhrt die Arbeiten aus, die aus Grund der früheren Regie- rungsprogramme noch durchzuführen bleiben, und enthält außerdem einen Plan besonders auszuführender Arbeiten. Gesamtbetrag der in den Fahren 1934 bis 1987 auszu. führenden Plane ist mit 24 586 000 000 Franken veranschlagt» wovon 18 7881199 099 Franken als völlig neues Programm zu gelten haben. Concerts-Pasdeloup. 17 h. Th. des Champs Elysées Chef d'Orchestre Louis Hassel. Sol. Ginette Neveu(viol.). Opera. 8 h Faust. Comedie-Francaise. 8 h 30 L'Arleslerwe. Opera-Comlque. 8 h Carmen. 0 deon. 8 h 30 Le Poussin, Tempête sur les Côtes. Trocadero. 8 h Lakmé. Gaite-Lyrique. 8 h i5 Le Pays du Sourire(Op. Front Lehar). Th. Montparnasse. 9 h Crime et Châtiment(Dosto- jew sky). Th. de Paris. 8 ft 45 Tovarttch. Valéry und Keyserling reden Im Garten deS Palais Royal zu Paris, das von Büch»«« besungen wurde, steht ein Denkmal von<£_omille^v Ul'IUUUCU luwiutt VV« tr c 1AI CVttt MoU li U s, der auf einem umgeworfenen Stuhl spricht. Palais Royal selbst ist das Institut für geistige Zusammen arbeit des Völkerbundes. in dem aeaenwärtig ein Kongre» über die Zukunft Europas tagt. Paul Valéry, der be- Dollsuß hat durch Vermittlung der Wiener französischen r-esandtschaft einen Dankbries an den Pariser Stadtrat ge- richtet, der ihm im Namen der Pariser Glück gewünscht hatte. Im spanischen Hafen Santander hat sich ein junger ? eserteur ans Toulon namens Andre Pierrat unter der Selbstbeschuldigung gemeldet, der viel gesuchte„falsche Matrose" und der Mörder des Nachtlokalbesitzers Dufrenne 8« î«iit. Die Pariser Polizei hält diese Angade jedoch für fälschlich. Im 22. Cctobrm 1999 Ju einer Wohnung in Saint-Leu-la»Foret wurde unter seltsamen Umständen eine alleinstehende Frau von 41 Fahren in der Küche erdrosselt ausgesunden. Verdächtig ist eine schwarzgekleidete, große Frau mit rotem Gesicht, die mit einer Taxe in die Nähe des Verbrechens suhr. Schöne 3 Zimmer m. Bad bill. Miete abzugeb. Bedingung die sehr hübschen Möbel zu kaufen Dringend zwecks Abreise von 10-12 Uhr 12, rue Le Chapelais(17) Concierge. 5acis- Vegetarisches'Restaurant „£'Aucoce" 15, rue Blondel, Ecke von Bd. Sébastopol, Métro: Réaumur, Strasbourg St. Denis k schliche, gesunde und immer variierende Küche.— Mahlzeit prix fix 6,75; bei 10 Tickets 6,25. btw; Zu aechtieten Möbl. Zimmer Concerts-Pasdeloup. 16 h 30 Th. des Champs Elysées. Chef d'Orch. L. Hasselmans, solistes Madeleine Pnazera(pian.), Charles Panzera(chant.). C oncer t s- P oui et. 17 h 30 Th. Sarah Bernhard Chef d'Orchestre Cloez. Opera. Keine Vorstellung. Comedie-Francaise. 2 h 30 Les Corbeaux, 8 h 30 L'Arleslenne. O p. C o mi que. 2 h 30 Louise; 8 h 30 L'Italienne à Alger (gala Ital.) Ode on. 8 h 30 La Colombe poignardée l'Heure Espagnole. 8 h Lakmé. Trocadero. 2 h Les Mousquetaires au couvent; 8 h Lakmé. Gaite Lyrique. 8 h 45 Le Pays du Sourire(Op. Franz Lehar). Th. Montparnasse. 9 h Crime et Châtiment(Dosto- Jewsky). Th. de Pari8. 8 h 45 Tovaritch UVCl UlC OULUUIl V U4UVUX? luyi. V"«*-^7 e* 4 s.- y i" a t rühmte französische Dichter, und Graf K e y s e r l i n g. deutsche ästhetische Philosoph, sprachen über den europäische Geist. M. d e M o n z i e. der französische Unterrichtsmimster verteidigte die Gedankenfreiheit, das geistige Erbe der Wet. Nach einem Neuyorker Bericht hat das Bundesamt»rt- zeigen erhalten aus verschiedenen Teilen des Landes, daß ge wisie deutsche Importeure und amerikanische Kausieute o> Klebezettel und Ursprungsbezeichnungen aus den deutlwe Waren entfernen. Sie wollen die Güter aus diese Weise dew antideutschen Boykott entziehen. Die Anzeigen stützen sich out Verletzung des Tarisgesetzes von 1930. Die Untersuchung hat nachgewiesen, daß die Klagen be- rechtigt waren. Besondere Schwindelgeschichten wurden ort der Einfuhr von deutschen Handschuhen festgestellt. Die IM porteure wechselten einen Teil der Ware, die die deutsche ur sprungsbezeichnung trug, gegen amerikanische Ware au»- Manchmal trugen die Handschuhe auch nur einen Klebezett» statt des vorgeschriebenen Ausdrucks. Mehrere Verhaftungen wegen dieser Angelegenheit stehen bevor. Die amerikanische Federation of Labour, die zwei M»- lionen Gewerkschaftsmitglieder zählt, beschloß, wie weiter aus Neunork gekabelt wird, den Boykott aller deutschen Güter und darüber hinaus den Boykott auch aller anderen Waren, die aus Ländern kommen, in denen die freie gewerl- schaftliche Betätigung unterbunden ist! Küche mit Gas und Elek» trizität zum Preise v. 120— 300 Fr. monatlich. 219, Rae Bercy, M«ro Lyon I—2 Zimmer unmöbliert. 88»—2600 Fr. pro Jahr. 58, Rae Crozatier und 126, Av. Choisy, Paria Pasdeloup- K snzerfe Théâ'f de» Ch. Elysées Wohnungen 1, 2, 3 Z m nier, db 2000 Fr. Charles und Heizung einbegriffen. PARIS Concierge. 5, rue François Pinton lim rranhre'ihi r naiureiorm Samstag, dan 2t. Oktober, nachmittags 5 Uhr Festival der französischen Mulik• Fräulein Gl natta Navau(Violine) wird„Die Boheme" von Chausson „Zigeuner", Ravel•„Fantastische Symphonie", Berlioz•„Zauberlehrling", Dükes, vorspielen Sonntag, dan Î7.Oktober, nachmittags 4.30 Uhr Herr Karl Panzara wird Melodien von Duparc Frendc, Berlioz versingen• Frau Magdalana Panzara-Balllot wird die Ballade Fauré«Klavier und Orchaster) vorspielen• I. Symphonie von Beethoven• Ungarischer Marsch, Berlioz• Ors' Apennins, Paris. Konzerte Poulef (Théâtra Sarah-Bomb*'«! 1! WWW Sonntag, dan 11. Oktober, nachm. SM t""' dir glar» von G. C I o 6 i Faust, Symphom* von Llszt. Koniort, ml-bemol, von llsit-»är Orchostor und Klavlar(LEON KABTl"*' „Dlvlmtos du Ityx" von Gluck und„I'*®* sanco" von Borlioz(gosungan von d. Opa'' 1' skngarln dar Opéra-Com.Barnada.ta Oolpra'J Dar rômlsdia Karnaval von larllox(OuV.I CrûanisatOT verdient viel Geld durch Uebernahme einer umwälzenden Erfindung auf«lern automatischen Gebiet. Kein großes Kapital erforderlich. Es sind noch einige Länder zu vergeben. Interessenten wenden sich an Af. Bernstein ANTWERPEN, Grandplace 6. Herriot bei den Kindern Herriot, der Bürgermeister von Lyon, der von seiner Krankheit genesen ist, hat sich zur Erholung aus die Halbinsel Wiens bei b'Hyeres begeben, Ivo ein Kinderheim der Kleinen von Lyon ist. Inmitten dieser Fugend will der grobe Staats- mann wieder gesunden. Er wird dv'°t auch in Ruhe sein Werk ü! er„Rußland 1938" und„Die Geschichte von Lyon im Ib. Jahrhundert" vollenden. rankreich und die Flüchtlinge Der Genfer Plan der Verteilung der deutschen Flüchtlinge if die einzelnen Länder und der internationalen Zu- immenarbeit ist im französischen Justizministerium in der rsten Sitzung der Sonderkommission be- indelt worden unter dem Vorsitz von M. Penaneier. Der eanzösische Innenminister nahm an den Beratungen teil. Nene Emtlranfenbl der Der Auto-Salon in Paris eröffnet DaS Publikum besichtigt einen riesigen Lastwagen, der so aufgestellt wurde, daß jede Einzelheit zu erkennen war. In Paris wurde wiederum der sogenannte Äluto-Talon eröffnet, der die Neukonstruktionen fast aller europäischen Autofabriken zeigt. Auf den großen Boulevards, wo der große Gorilla mit der blonden Frau im Abendkleid als Reklame über dem Kiuö hockt, liegt ein großer Palast, in dessen Baud) Motorschiltt fahren.. Man kann sich auf dieser Wasserbahn drehen uns kurbeln. Die Stimmungslosigkeit aller Rummelplätze um- gibt deine trostlose, mechanische Freude. Vorne ist ein Würstchenmann, der seine Würstchen, die Sandwiches. Salate und Früchte ein bißchen wohlfeiler als die anderen abgibt. Mittags kommt seine Frau und brät Koteletten und Spiegeleier. Darum kommen auch die kleinen Verkäuferinnen, mittags, wenn sie Pause haben und unie» auf den Volksbelustigungen reiten, vor das Zelt und plaudern. Dieser Würstchenverkäufer ist ein Deutscher.„Nachts gegen 1 Uhr bin ich zu Hause," sagte er,„morgens um 9,' muß ich jeden zweiten, dritten Tag in die Hallen, einkaufen- An den anderen Tagen hole ich morgens elsässer Wurstware» vom Ostbahnhoi ab. Ein schweres Geschäft, in Berlin war ich Tabakvertreter, Schweizer Stumpen und Zigaretten, aber als es Morgenrot mit Adolf wurde, wollten sie mir nichts mehr abkaufen. Einige wohl noch, aber ich wollte nicht als Bürger zweiter Klasse gelten... Wenigstens Hab ich jetzt einen Benzin-Kocher. erst mit dem einfachen Spiritus- Apparat, daö ging nicht. Das Gelb haben mir die Kunden vorgestreckt. Ich bin aus Neukölln, Herr. Wenn Tie mal probieren wollen, bloß 2 Franken mit Kartoffelsalat für die gute Elsässer Ware." Aus den Tiofflagern, den Schießfeldern, den Musikschnüren und Imbissen dieses nächtlichen Boulevardkellers steigen überall die Schatten der Vergangenheit: ein Puderdosen- stand, den hält einer vom Friedrichshain. und ein befreunde!« vertriebener Arzt aus der Eharitee sitzt daneben, ein Kunst- maler, der die Provinzsranzosen, Araber und Kokotten ab- malt, unten ein Jurist, ich glaube mit Strümpfen und Wolle, und ein anderer, der war ja wohl Rechtsanwalt, mit Rasier- klingen und Hautwasser. Und dabei immer die Wasserboote, die sich um einen schwarzen Punkt drehen. Ich sehe hinter ihnen die Ge- fangenen von Moabit um den Garten laufen, es ist jetzt schon Herbst, die vier Blumen aus dem schwarzen Erdreich, die gelb waren, sind ausgeblüht. Oben, wenn wir nach dem Turin schauen, weht das Hakenkreuz aus rotem Grund als Fest- sahne. Der Wärter sagt:„Immer drei Schritte Abstand. Nicht reden. Wenn einer redet, lasse ich den Spaziergang abbrechen." Rutsch, gehen die Wasserbahnen. r— 7 lkn. il Mil' L. DEUTSCHES ZAHNÄRZTLICHES INSTITUT 22, RUE DE DOUAI. Miiro« Blanche, Pigalle. 20, Rae des Maronifes, MA fro» Minilmonfanf Tel. TrinifA 50*27• Sprechstunden t 9*12, 2*8 Uhr Zahn* u. Mundkrankh., Röntgen, Elektrotherapie, Prothesen, Kronen. Brücken in Gold, Platin u. Porzellan N Ë U H ä IT: PORZELLAN.KRONEN UND BRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HER7VRANKE MI îSIGE PR. ISt. UNTERäUCftUkG U. BER41U4G KOSTENLO» KALI NA II, rue Marbsuf Telefon: Balzac 20.25 Früher der bekannteste Wiener Schnei, dermeister in St. Petersburg, später in Berlin, jetzt in Paris. Antlfastfilsmns In Bordeoui Die italienischen Antifaschisten der Liga für Menschenrechte hielten in Bordeaux ihren Kongreß ab, an dem mehrere frühere Parlamentarier, der von den Liparischen Inseln ge- flüchtete Professor Rosali und der bekannte Anti-Mussolini« Schriftsteller de Ambris teilnahmen. Bei einer von der französischen Liga veranstalteten Kund- gebung in der Alhambra sprachen u. a. Viktor Bäsch für dl« französische und H. von Gerlach für die deutsche Liga. Offizielle Inflation Die « e rlin, den 18. Oktober IM«. Am Mittwoch ha« daS Reichskabinett eine Novelle znm Reichsbankgesetz verabschiedet. Gegenstand dieser Novelle ist einmal die Beseitigung des Generalrates, zum anderen die Ermächtigung stir die Reichsbank. offene Marktpolitik ,n betreiben. Die Ernennung und die Abberufung d-S RcichSbankpräfidenten ist in Zukunst in die Hand des Staatsober, Hauptes gelegt. Entsprechendes gilt auch sür die Mitglieder deS ReichsbankbirektoriumS. Die bisherig« vesugut« de» GeneralrateS, unter besonderen Umständen zuzugestehen, dast die«Vpr»,entig« Deckung d-r Reichs- noten unterschritten werden kann, ist dahin abgeändert worden, dast diese DeckungSLndernng dnrch einen»der. einstimmenden Beschluß des Direktoriums und des Zentralausschusses der ReichSbank vorgenommen werden kann. Weiter find die Bindungen an gewisse Diskontsätze und die Rotenfteuer, die praktisch längst dnrchlöchert find, de. ieitigt worden. Das Wichtigste in dem neuen Gesetz find die Bestimmungen«der die»ssene Marktpolitik. Di- durch»auf am offenen Markt erworbenen sestverziuSlicheu Wertpapiere werden als dankmästtge R». tendcckung zugelassen. Damit soll der Reichsbankleitung in dir Hand gegeben werden, die erforderlichen Reträge, die nach währungspolitischen Grundsätzen»«lässig find, selbst zu bestimmen. Zugleich werden auch dt« Lombardfordcrungen der Reichsbank als Rotendeckung zugelassen. D'c Nofenpretse wird ah'l» s i; ■if r ,Ü"' 1' der Reichsbank finanziert, E>» DecknngSbedlirs. sür 1934 von über t Milliarde»«nier Richtberüitfichtignng ** heimlichen Mehransgabc« kennt ebenfalls»nr»och«i»« DecknngSovell«, dl« R»t«»presse. D-mit ist»«»«»- "«cht. was Dr..Richard«er» kürziich in«ine« ,, i I a tz unserer Zeit»»«.«ah» frei der I« t l«- als di««diektin««edingnn«»er Infi«. •" bezeichnete. Kern fährt dann fort: Man weiß aber au» der Geschichte der Inflation, daß»wischen ? f* Herstellung der obsektiven Bedingungen und dem Eintreten Wirkungen der Jnslation— Jluchl in die Sachwerte. Preis- neigerungen, Sinken de» Reallohn», Entwertung der seltner,tn«- 'chen Papiere- ein mehr oder minder langer Zeitraum vergehl. dem bas Bertrauen in die Währung noch nicht oder wenig erschüttert ist. da» neugeschasfene Geld noch nicht zum Ankauf rn Waren verwendet, sondern zum Teil noch in die Banken und Barkassen flieht, zum Teil auch»um Ankauf von Wertpapiere» »"wendet wird. Diesen Zeitraum zu verlängern, zugleich aber auch, um die technischen Vorbereitungen für dt« Jnslation 'ch°n fetzt, wo e» noch weniger ausfällig ist, zu treffen, da» ist der der Aenberung in der Verfassung der ReichSbank, °ie die obige Eonti.Meldnng mitteilt. Schacht verlangt sür die ReichSbank da» Recht, in Zukunft langfristig«, festverzin». Das Land des Hungers ,.?' e Statistik der S t e rbefälle im Deutschen Reich im ? Vierteljahr 1988 zeigt ein erschreckendes Bild der Ver» 'endung. Die Gesamtzahl der Sterbefälle war im ersten ^lrrteljahr dieses Jahres um 82 009 größer als in dem ent» senden Zeitraum des Vorjahres. Diese Zunahme der ^ayl der Sterbefälle darf mit Recht zum großen Teil als Auswirkung der Grippeepidemie betrachtet werden. Run ist ^ Zweifelsohne eine Folge der geschwächten Widerstandskraft e» Organismus, wenn in diesem Jahre die Grippeepidemie ^ verheerender als in früheren Jahren sich auswirkte. ES d»^."uwentlich in diesem Jahre eine beträchtliche Zunahme l*^krbefälle an Herzkrankheiten und an« l t« r S» ' w w ä ch e verzeichnet, die im Zusammenhang mit der Grippeepidemie stehen. lQ~. ,n e beträchtliche Erhöhung erfuhr im ersten Bierteljahr auch die Säuglingssterblichkeit. Es starben Kinder im Alter von unter einem Jahr mehr als in der "Alchen Zeit des Vorjahres, während die Verminderung der neugeborenen Kinder rechnungsmäßig eine Abnahme der TraugltngSsterbefäli« um rund 1200 erwarten ließ. Die rela» lve Sterblichkeit der Säuglinge war daher mit 9,1 Sterbe» 'ntle je 100 Lebendgeborene um 0,7 aus 100 höher als im "sien Vierteljahr 1982. q^hystsche Erschöpfung, wie sie uns in diesen zahlen begegnet, ist leider eine natürliche Folge der Krise f 11' ihrer Arbeitslosigkeit und dem katastrophalen Rückgang st».Arbeitseinkommens. Die Verbrauchcrstatistiken, soweit ^-.bekanntgeworden sind, zeigen uns, daß trotz der angeb» wen Wirtschaftsbelebung die Unterernährung der Bevölke» ung im Laufe de? Jahres eher zu» als abgenommen hat. betrug zum Beispiel der Fleischverbrauch im zweiten ierteljahr 1938 11,81 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung ?.8en 12,38 Kilogramm im ersten Vierteljahr 1988 und J-'l Kilogramm im zweiten Vierteljahr 1982. Werden die Änderungen in der Alterszusammensetzung der Bevölke- mit berücksichtigt, so ergibt sich je Kops des Fleischvoll- erbrauchers im zweiten Vierteljahr 1988 ein Fleischver- rauch von 15,40 Kilogramm gegen 16,08 Kilogramm im »weiten Vierteljahr 1982. Auch der Absah der Frischmilch war in allen Monate» dieses Jahres viel geringer al» im ^orjahre, so im Juli um rund ein Zehntel gegenüber Juli 1982. Warenhäuser noch immer notleidend Umsätze der Waren- und Kaufhäuser hielten sich cyLrL cn îm.Ucberblick" veröffentlichten Ermittlungen deS 'instituts für Konjunkturforschung auch im August erheb- t\ h unter dem Vorjahrsstanb, wenngleich sich der Umsatz- ."?9ang gegenüber den vorhergehenden Monaten etwas nujgefangen zu haben scheint. Die Umsatzstatistik wird zum Male in neuer Form veröffentlicht. Die Ergebnisse >ui Warenhäuser und Kaufhäuser werden nämlich netrennt ermittelt. Von der begrifflichen Abgrenzung »Wischen Warenhaus und Kaufhaus wurde dabei dem Ge- wyaeber gefolgt, der als Warenhäuser jene Betriebe an- lieht, die Lebensmittel führen, während alle anderen alS .^u'häuser gelten. Der Bericht de«„Ucberblick" meint, daß Ziolge dieser Aufgliederung die Bewegung der Umsätze und Unischichtungen, die sich im Laufe dieses Jahres voll- »»nen haben, genauer verfolgt werden können. Danach Ggen die Warenhausumsähe im August um 19,3 h'uli 24) Prozent, die Kaushausumsätze 18,4(Juli 18,8) Prozent unter dem Vorjahre. Demgegenüber waren die Umsätze des gesamten Einzelhandels im August j.ur 2 Prozent niedriger als im Vorjahre. Im einzelnen !" der Umsatzrückgang nach wie vor am st ä r k st e n bei Lebens m tttelabteilungen, nämlich 27,6 138,1) Prozent. Die LebenSmtttelfachgefchäfte 1«i? dagegen im August nur 8 Prozent weniger alS Mi Vorjahre um. Bemerkenswert ist eine Besserung in den ^auSrat- und M ü b e l a b t e i l u n g e n, die vielleicht Ast den Ehestandsdarlehen in Verbindung zu bringen ist, ^iese Abteilungen setzten bei den Warenhäusern nur 16,8 Dozent weniger, bei den Kaufhäusern sogar 6.4 Prozent A°hr um alS im Vorjahre, Allerdings lagen die Umsätze ist* Möbellachgelchäste int August sogar um 16,2 Prozent s oer dem Vorjahrsstand. liche Anleihen von Reich, Ländern und Gemeinden ankaufen zu dürfen, das heißt, fie in neugedrnckte Noten umzuwandeln. Mit einer ähnlichen Bestimmung hat die technische Vörie- reitung zur Inflation im Krieg« angefangen. Tie ReichSbank erhielt Ansang August 1914 die vefugnl», tn Zukunft nicht nur Handelswechsel, sondern auch Reichswechsel an- zukaufen und-»» dieser winzigen Aendrrung de» ReichSbank- statut» tst die rtesenhafie Inflation geworden.»» ist einfach««- friedigung de» yinanzbedars» statt durch Steuern oder durch«cht« Anleihen durch die Rotenpress«— echteste, klassische Form der Jnslation! E» ist dabei auch gleich, ob die angekauften Anleihen«»»drück, (ich al» Grundlage sür die Rotendeckung gesetzlich bestimmt wer- den oder nicht. Denn da dl» ReichSbank sich an die alt« Deckung»- Vorschrift— 40 Prozent In Gold und Devisen— nicht mehr ge- Hunden hält, besteht für die Notenausgabe ohnetle« keine Schrank«. Di« wahr« Bedeutung wird da« Ankaufsrechi der ReichSbank erst gewinnen, wenn die Not de» Reiche» durch die Belastung der kommenden Etat» aus da« Hbchste gestiegen sein wir». Dann wird dies« Bestimmung benutzt werden, nicht um alte Anleihe» au» dem Besitz de» Publikum» zu kaufen, sondern dem Reich neue „Anleihen", da» heißt aber neue« von der Reichedank geschaffene» Geld zu geben— dann werden die bereits gegebenen objektive» Borau»- setzangen und di« jetzt geschossenen technischen Voraussetzungen dazu führen, daß die Jnslation sichtbare und wirksame Tatsache wird! Hochsaison in Grana'zhndern Man schreibt uns: Die Firma Schlösser u. Feilbach in Schlcbusch-Monfurt hat einen großen Auftrag in Granat- zlindern erhalten und war so erfreulicherweise in der Lage, zweihundert Arbeitern neu Beschäftigung zu geben.— Von einer Ausrüstung Deutschland» tst natürlich nicht die Red«. IN StiDFRANKRCICD! Intellektueller, Mediziner oder geb. Kaufmann, die über Kapital verfügen, können sich an absolut sicherem, einwandfreiem, gewinnbringendem Unternehmen beteiligen. Ganz solide, angenehme und gesunde Lebansaxlstanx in schönster Alpengegend Frankreichs. Für r.-vous in PARIS. Schreiben unt. Nr. 603 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. „Absperrung des Auslandes" Im Bericht der Schwan B l e! st i s t s a b r I k AG., Nürnberg, wurde über daS Geschäftsjahr 1982/88(80. Juni) dieser im Familienbesitz befindlichen Gesellschaft ge- sagt, daß der Jnlandsumsatz neuerdings eine erfreuliche Belebung zeigt. Leider wird auch ein gesünderer beutscher Markt höchsten» ein Viertel der Jnlanderzeugung auf- nehmen können. Eine Umstellung der Bleistiftindustrte, die ausschließlich mit Spezialmascytnen arbeite, auf andre Waren tst unmöglich. Die zunehmende Absperrung be S Auslands bedeutet daher zwangsläufig eine weitere Schrumpfung der Industrie, die bekanntlich schon Stillegungen vornahm. Inland: Rückschlag, Export: völlig bedeutungslos Leipzig, 17. Okt.(Jnpreß.) Die Ammendorser Papier- fabrik, deren Geschäftsjahr mit Verlust abschließt, schreibt in ihrem Bericht, die Bemühungen um organisierte Pro- dukttonSeinschränkung und PreiSbebnng feien erfolglos gewesen. Auf eine merkliche Absatzbelebung zur Lager- aufsüllung um die Jahreswende sei wieder ein erheb- licher Rückschlag erfolgt. DaS Auslandsgeschäft sei zu völ- liger Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Dresdner(»ardinen Die Dresdner Gardinen- und Spitzen-Manufaktur AG., das größte Unternehmen keines Faches In Europa, berichtet über das am 81. 6. beendete Geschäftsjahr, daß die mengen- mäßige Umsatzschrumpiung annähernd zum Still st and kam und auch der Preisrückgang gegen Ende der Berichtsperiode durch eine stetige, teilweise langsam steigende Index abgelöst wurde. Die Ausfuhr ging ge» genüber 1929 80. also in rund drei Krtsenjahren, um 66 Pro- zcnt zurück. Linkende Kaufkraft Gebr. Stollwerk AG. in Köln berichten: Die im zweiten Teil des Geschäftsjahrs eingetretene Besserung der allge- meinen Verhältnisse bewirkte, daß, wenn auch unter ver- schärften! Wettbewerb, der Absatz der Erzeugnisse der Ge- selllchast lebhafter geworden tst. Mengenmäßig konnte der Umsatz fast auf der<^»he de» Vorjahrs gehalten werden. Wertmäßig ist eine Verringerung eingetreten, da weite Teile der Abnehmerschaft von der bessern Ware zur billiger« Ware übergegangen find. Die Entwicklung des Umsatzes bei den Vertriebsaescllschastcn hielt fich im allgemeinen in gleicher Linie wie bei dem Hauptunternehmen: lediglich bei der Deutschen Automaten-Gesellschaft ergab fich eine stär- ker« Verringerung des Umsatzes. vas nennt sich.VolKsabstlmmnntf" Ohne Duldung einer anderen Meinung! Im ReichSgesetzblaöt wirb eine Verordnung zur Durchs führung der Volksabstimmung über den Aufruf der Reichs- regierung an daS deutsche Volk veröffentlicht: Paragraph 8 der Verordnung gibt nähere Auskünste über den Stimmzettel. Er hat das Format 12 mal 9 Zentimeter und besteht auö grünem Papier. Er enthält folgenden Aus- druck: Billigt das dentsche Volk die ihm im Ausruf her Reichs- regierung vom 14< Oktober 1988 vorgesetzte Politik der Reichsrcgiernng und ist es bereit, diese als d«n Ausdruck seiner eigenen Auffassung und seines eignen Willens z» erklär«« und sich feierlich zu ihr zn bekennen? Unter diesem Ausdruck befinden sich zwei große quadratisch« Felder, von denen eines mit Ja, das andere mit Nein über- schrieben tst. Zur Art der Stimmabgabe bestimmt Paragraph 4: Di« Stimmabgabe erfolgt in der Weise, daß der Sttmmberech- tigte, der die zur Abstimmung gestellte Frage bejahen will, unter dem vorgedruckten Wort„Ja", der Stimmberechtigte, der sie verneinen will, unter dem vorgedruckten Wort „N e i n" tn den dafür vorgesehenen Kreis ein Kreuz setzt. In Paragraph 6 wird ausgeführt: Der Stimmzettel wird in demselben Umschlag abgegeben, tn dem auch der Stimmzettel zur Reichstag»wähl abge- gebenwird. Amllhhe BcTäflgang „Es gibt nur eine Partei" Das halbamtliche Conti-Btiro teilt mit: Dnrch die Presse find über das Verfahren zum BolkSent» scheid und der Reichstagöwahl Meldungen gegangen, die nicht ganz richtig find. Es war erklärt worden, daß bei beide» Abstimmungen mit Ja oder Nein abgestimmt werden sollte. Demgegenüber mnß daraus hingewiesen werden, daß die Methode bei der Reichstagswahl sie gleich« bleibt wie bisher. Bekanntlich ist durck Erlaß deS Reichsmintfterinms de» Innern die Neubildung von Parteien ver- boten und unter Strafe gestellt. Daraus läßt fich ohne weiteres erkennuen. daß ans dem Stimmzettel stir die Reichstagswahl nur eine Partei stehen wird: Die Nationalsozialistische Deutsch« Arbeiter» partei. ..Sa wahr mir Göll helle!' Auch ein Eid Berlin, 17. Okt. Die Reichsregierung Hat ein Gesetz über die Ablegung brö Eides der Reichsminister und der Mit- glicder der Landesregierungen beschlossen. Dieses Gesetz Hat folgenden Wortlaut: 8 1. 8 8, Abs. 1 des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Neichsmlnister(Neichsmintster- gesetz vom 27. 3. 1930) erhält folgende Fassung: Die Reicks- minister leisten bei Uebernahme ihres Amtes vor otm Reichspräsidenten folgenden Eid: »Ich schwöre, ich werde meine Kraft sür da» Wohl deS deutsche« Volkes»nd Baterlandes einsetzen, Berfassnug und Gesetze wahren, die mir obliegenden Pflichte« treu und gewissenhaft erfüllen nnd meine Geschäfte unparteiisch und gerecht gegen jedermann führen, so wahr mir Gott helfe." 8 2. Die Mitglieder der Landesregierungen keiften bei Uebernahme ihres AmteS vor dem Reichsstatthalter, in Preußen vor dem Reichskanzler, denselben Eid. Va sieht das deutsche Tolh? Die Basler„National-Zeitung" läßt sich aus Berlin bc» richten: Diese„teilweise läppischen" Massen sind andererseits teil- weise gar nicht so läppisch. Man muß nur immer wieder staunen, wie groß gerade im einfachen Volk lvtel mehr al» im Bürgerlum!) die Menge derer ist, die sich Sehnerven und Trommelfell durch das Bombardement einer Propaganda ohne Beispiel weder schwächen noch durchlöchern ließen, sondern im Gegenteil festblteben: ivte zahlreich die Aufrech- ten und Unentwegte» sind, die ihren alten Idealen und Ueberzeugungen die Treue bewahrten und wie häufig die- jentgen, welchen man kein r für ein u vormachen kann und denen man eher den Arm ausrenkte, als daß sie ihn»um „deutschen Gruß" erhöben. Das Leben ist im großen und ganzen teurer geworden, die Einkommen werden immer kleiner.„Demut weint und Hochmut lacht", heute w!e einst, heute sogar mehr als einst. Die Bonzen haben nur das Par- tcibuch gewechselt. Die neuesten offiziellen Arbeitslosen- ziffern vermelden pro September abermal» ein Minug: 150 000! Sechs Millionen Arbeitslose im Februar, 3 860«« jetzt! Aber die Einnahmen aus der Lohnsteuer betrugen, laut Zahlenangaben des RetchSftnanzmIntsterium», nur noch 69.6 Millionen gegen 60,9 Millionen im September 1982. Und trotzdem 2,2 Millionen Arbeitende mehr? Aber man täusche sich nicht- Die Mehrheit für das Regime am kommen- den 12. November wird eine gewalltge sein.„Billigt das deutsche Volk die ihm tm Ausrus der Reichöreglerung vom 14. Oktober vorgelegte Politik und ist e» bereit, diefc als den Ausdruck seiner eigenen Ausfassung und seines eigenen Willens zu erklären und sich feierlich zu ihr zu bekennen?" Die Regierung ist ihrer Sache sicher, sonst würde sie sich aus ein Plebiszit gar nicht einlassen. Für die Zahl der Milli- onen, die am 12. November gegen Hitler stimmen, werden die Finger einer einzigen Hand genügen. Denn zu sehr spüren auch Gegner des Regimes, daß die Zeit, da der ein- zrlne einem Gesamtschicksal entrinnen konnte, vorüber tst. Das„dritte Reich" tst. verschuldet oder nicht, des deutschen Volkes Schicksal. Oesreire'dilsdie Sozloidemohr le „Mit den notwendigen Waffen gegen den Faschismus" Das Ergebnis der Beratungen deS sozialdemokratischen ParteitaaeS war die Annahme eines Beschlusses, daß aus dem Parteiprogramm der Punkt gestrichen wirb, der den Anschluß Deutsch-Oc st erreich» an das Deutsche Reich fordert. Weiter wirb„erklärt" daß cö die Sozialdemokratie in einer Zeit, in der große Teile des österreichischen Bürgertums der Wcrbekraft de» deutschen Nationalsozialismus erlegen find, im Kampf um die Unabhängigkeit Oesterreichs nicht ablehne, den Staat für die Dauer unmittelbarer Gefabr mit den notwendigen Waffen geaen den Faschismus auszustatten, wenn diele Ausnahme die Rechte der demokratischen arbeitenden Volksgenossen nicht aufhebe. Die„Sozialdemokratische Korrespondenz", die einen Be- rieht über den Parteitag veröffentlichte, wurde beschlagnahmt. Der Reichskanzler lügt Dokumente gegen eine Schwindelrede „In keinem Lande der Welt werden Person und Eigentum mehr respektiert als in Deutschland." Reichskanzler Hitler am 14. Oktober 1983. O Jsaklein, o Jsaklein, Tu scheinst ein großer Ochs zu sein, Meck, meck, meck, hepp, hepp, hepp, Du bist ein dummer Judcndcpp, Hepp, hepp, hepp, meck, meck, m meck, Dem„Stürmer", herausgegeben von IuliusStrei- cher, einem der intimsten Freunde des deutschen Reichs- Kanzlers, entnehmen wir diese Gemeinheiten: Bald hockst mit Deiner ganzen Tipp im Dreck. Ein alter bayer. 7öjährtger Nationalsozialist. Die im letzten„Stürmer" an den Pranger gestellte Else M a n g e r Nürnberg, Regensburger Straße 144/11, erzählte einem Schriftleiter des„Stürmer" unter Tränen, daß es nicht ihre Schuld sei, wenn sie einigemale aus der Straße und in Lokalen mit dem Juden Arnstein gesehen wurde. Der Jude oerfolge sie auf Schritt und Tritt,' wo er sie sehe, lause er ,hr nach und sei nicht loszukriegen. Sie wolle mit dem aufdringlichen geilen Juden nichts zu tun haben. Wir gaben dem Mädel den guten Rat, sie solle, wenn der krumme Jude sie wieder belästigt, den nächsten besten TA.-Mann zu Hilfe rufen. Der wird dafür sorgen, daß dem Juden die Lust, deutsche blonde Mädchen anzugeilen, für immer vergeht. Wir trauen der Else M a n g e r so viel Energie zu, daß sie dem Juden, wenn er sich wieder an sie heranpirscht, eine in sein lüsternes Jubengesicht baut, daß ihm die Funken vor den Augen tanzen. Es hat übrigens den Anschein, als ob der Jude A r n st e i n aus Zirndorf Sehnsucht hat, Dachau kennen zu lernen. 1. Keinem Juden darf die Ausreiseerlaubnis mehr ge° geben werden. Ein Jude, der ins Ausland trachtet, tut dies nur, um bort die gemeinste Heye gegen Deutschland zu be- treiben. 3. Man zahle den geflüchteten Juden von ihrem noch in Teutschland liegenden Vermögen monatlich den Betrag aus, den in Deutschland ein Wohlsahrtsunterstützungsempfänger erhält. Dann ist ihr Mütchen rasch gekühlt. 3. Bei den großen Reisebüros und bei den Banken kann nian die zur Eintragung der zu überweisenden Beträge ein- gesandten Pässe der Juden einer gar nicht streng genügen Kontrolle unterziehen. Ein ganz artvergcsseneS Frauenzimmer ist die 27jährige, kedige Näherin Grete Kuch, Nürnberg, Ostcndstraße. Kuch unterhält seit Jahren mit dem Juden Fritz Regen- steiner ans Augsburg, früher in Nürnberg wohnhaft, ein intimes Verhältnis. In nächster Zeit will diese Judenschicks ihre Tätigkeit nach Zittau i. S. verlegen. Sie wird sich dort nicht lange halten können. In Zittau sind Jnbendirncn genau so verhaßt wie in Nürnberg. Die Friseuse Berta Loos, Nürnberg, SchopperShof- strahe 41, geht seit 6 Jahren mit dem Futterstoffreisenden und Juden Stumps von der Judensirma Diebach in der Horst-Wcssel-Ttraßc. Ein Jude genügt diesem Frauen- zimmer gar nicht. Darum hat sie sich noch einen zweiten zahlungskräftigen Juden beigelegt. Mit dem besucht sie „bessere" Lokale. Hoffentlich lassen sich deutsche Frauen von einem Weibsbild, das andauernd mit Juden herumzigeunert, nicht länger mehr bedienen. Am meisten sind jene Mädchen zu bedauern, die gezwun- gen sind, bei Juden das Brot zu suchen. Sie werden nicht nur ausgenützt als Arbeiterinnen, sie müssen sich auch noch bereitfinden, die Sinnengier jüdischer Dienstherren zu be- friedigen. Und wenn sie sich dann dazu bereitfinden, so sind dabei die Triebkräfte meist in der Not zu finden und in der Sorge, die Verbienstmöglichkeit bei Weigerung zu verlieren. In solcher Lage befinden sich insbesondere die deutschen Mädchen, die in Warenhäusern Anstellung finden. „Der Jude Walter Licberg. Lcssingstraße 18, der Sohn eines der Mitarbeiter der Metallwerke Lteberg u. Co., Bettenhausen, hat ein Verhältnis mit einem Christenmädel Jandy aus der Nhlandstraße. Die Mutter des Mädchen? unternimmt nichts aegen da? Verhältnis, sondern duldet es. Das„Christen"-Mädchen stellt sich aus den Standpunkt, daß auch die Regierung ihnen das Verhältnis nicht ver- bieten könne. Ilm der Bevölkerung diese sauberen Leutchen zu zeigen und ihnen das Verwerfliche ihrer Gesinnung klar zu machen, führten SS.-Pioniere den Juden, sein Verhältnis und die Mutter durch die Straßen Kassels." Der Treffpunkt der frechsten Judenbuben von Nürnberg 1st das Cafe Sperber am Zeltisplatz. Besitzer des Hauses und des CaseS ist der ins Ausland geflüchtete Tal- mudjude Wälder. Er hat das Cafe an ein Frl. Don- hausei verpachtet. Diese fühlt sich unter dem Juden- geschmeiß, das täglich in ihrem Cafe zusammenkommt, recht wohl. Es ist Zeit, daß die Judenherbcrge am Zeltisplay verschwindet. DaS Wort„ch r i st l i ch" hat eine konfessionelle, eine reli- giöse Bedeutung. Die Bezeichnung„christliche" Mädchen vermag irre zu führen. lToll z. B. ein Judenmädchen, das katholisch oder protestantisch getauft ist. ebenfalls in die Ru- brik der„christlichen" Mädchen eingereiht werden?) Zur 11n- tcrsche'dung in rassischen Dingen sollte künftighin nur noch von Juden und Nichtjuden oder von Juden und D e» t sl ch e n gesprochen werden. lDenn Juden sind ja keine Deutschen und können cS dem Blute und damit auch der Ge- sinnung nach nie werden!). Demgemäß sollte in Nos-, ei- berichten«ich* von„christlichen" Mädchen, sondern von deutschen Mädchen die Rede sein. Die Flurpolizisten Dehme und Großhauser er- tappten die Kontoristin Betty Habermann, Nürnberg, Denisstraße 12. und den Händler und Juden Abraham R übe nste in, Nürnberg, Eberbarbshofstraße 12, an der Höfener Unterführung beim intimen Verkehr. Ruben- st e> n riß sich los und flüchtete. Die Dirne Habermann wurde zur Wache gebracht Sie ist unverzüglich in das Frauenlager Aichach einzuliefern. Der Jude Rubenstein gehört sofort nach Dachau. Die in einer der letzten„Ttürmer"-Nummern an den Pranger gestellte Käthe K e m p f hat ihre Verlobung mit dem Juden Mar Kirschbaum gelöst. Eine Schwester der Kemps ist nicht in Reichenhall, sondern in Magdeburg mit dem Juden Martin Nußbaum oerheiratet. Lieber Stürmer! Eine Frau im hiesigen Ort ist am: aoch, 10. August lt)88, in Neustadt an der Saale zum Einkauf gewesen. Bet der Hitze wollte sie eine Tasse Kaffee trinken im Cafe Boost. Wie sie sich nun die Herrschasten besah, die anwesend waren, waren es lauter Inden und mitten unter ihnen ein Deutscher, der Fleischer m cifter Peter Vogt, der mit den Juden Torok spielte. Vielleicht gibt es in Neustadt noch Leute, die dem Peter Vogt den Rat geben, sich nach Palästina zu verziehen. Dort paßt er hin. „In Behringersdorf lebte der Konsul R e i z e n st e I n. Er war der Bruder des Hopfenjudcn Reizen stein in Nürn- berg, also auch ein Jude. Konsiilsude Reizenstein hatte eine Nichtjüdin zur Frau. Aus dieser Ehe ging ein Mädchen hervor, das also neben dem deutschen Blutsteil der Mutter auch den jüdischen Teil vom Vater erhielt. Diese Frau ist damit ein Juden- bastard. Heiratet sie einen Deutschen, dann erhalten die Kinder auch von dem in ihren Adern befindlichen Juden- blut ihren Anteil. Diese Kinder sind dann wiederum Juden- bastarde. Nun erfahren wir, daß derDirektoreinesgroßen Lichtspieltheaters die judenblütige Tochter des Juden Reizen st ein heiraten will. Tut er dies, dann stellt er sich damit außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft und hat die daraus sich ergebenden Folgen zu verantworten.* Der Judcnmctzger Huchbcrger in der Breiten Gasse hat vor einiger Zeit die hebräischen Buchstaben von seinem Fenster entkernen lassen. Nun ist sein Geschäft g e- tarnt, und prompt sollen darauf die deutschen Volksge- nossen herein und kaufen bei ihm ihre Wurst und ihr F'o'-'ch. Wir stellen fest, der Mcygerladen Huchberger in der Breiten Gasse ist eine jüdische Angelegenheit, und wer dort kauit, ist ein Volksverräter. Ausgabe vom 28. September 1938. Zwangssteuer als„Winterhilfswerk" Der Gau-Propagandaleiter von Berlin erklärte in einer Rede:„Durch neue, scharf einschneidende Erlasse wird jeder bei der Vollendung des Winterh'lsswcrks erfaßt werden. Wer es boykottiert, hat in Deutschland nichts mehr zu schaffen-" LE POULOU» POULOU 116. CHAMPS-ELYSÉES- PARIS Dir. Rolf Thisenhauscn I CING □□BDI CABARET Täglich: Nachmittags 4.30 Uhr Abends 8.30 Uhr Zeitgemäße Preise— Pilsner Urquell Tel. Balz. 48-15 bis 15 B«IEFKAST£N 8. R.. Pari». Tanke für Ihren hübschen Scherz. Er wir» scheinen. Else M. Th.«er». Ter Herr H. E. Zinser. Bern. Ehalet„Alpe"- ruh", Viktoriaplay, ist ja cin gewaltiger Bibelforscher. Er Hai au» dem Propheten Tantel herausgelesen, day der schon das dritte Reich mit Hitlers Kanzlerschaft vorausgesagt hat. Man sieht wieder einmal: ohne die Juden geht es nicht! Wenn Herr Zinser den alten Daniel richtig auslegt, ist eben doch die ganze Hitlerei im Urgrund eine jüdische Mache. Da mithin der Judenboykoit mitsamt de« Streicher und dem Göbbels schon etliche tausend Jahre voraus- gelagt waren, haben es sich die Juden selbst zuzuschreiben, wenn sie sich nicht rechtzeitig vvrfahen. Wie uns Herr Zinser den Pro- pheten Daniel begreiflich macht, ist die Hitlerei am 27. Dezember lßzg zu Ende Ausgerechnet am Weihnachtsabend! Das kann ja eine schöne Bescherung werden.— Daniel und Rebukadnezar bätten sich wohl auch nicht träumen lassen, daß sie einmal in Flugblättern im schönen Bern für die Hitlerei bemüht würden. Schicken Sie da» Flugblatt an Göbbels. Der wird es wohl verwerten können. Dvrtmund. Sie schicken unS die Nummer des„Dortmunder Generalanzeigers", den die Nationalsozialisten annektiert Hab SM und streichen aus dem Leitartikel eines Dr. Pf. folgende Stelle an: „Es war kein geringeres Blatt als der„Angriff" des jetzigen ReichsministerS Dr. Göbbels, der unseres Wigcn» zum ersten Mal diese Presse als„Journaille" bezeichnete, ein glänzend formuliertes Wort, das bis zum 30. Januar 1933 den Nagel auf den Kopf traf und den Betroffenen peinlich in den Obren klang. Man komme uns nicht mit der kümmerlichen Ausrede, es habe sehr viele Ausnahmen gegeben."— Dieser Herr Dr. Pf. scheint schon durchs Examen gekommen zu sein. Wenn er nicht gerade Astronomie studiert hat, mühte er wi„en, daß das Herrn Göbbels zugeschriebene Wort„Journaille" in zahlreichen politischen Schriften de« 19. Jabr- Hunderts in genau dem gleichen Sinne zu finden ist: daß als» Herr Göbbels ein Wort a»S einem Jahrhundert g e st o h l e n bat, das er wegen setner liberaliftisch-marxtstischen Tendenzen verachtet. Wer allerdings den„Angriff" unter feiner Leitung kannte, der hat ein tiefes Verständnis dafür, warum Herr Göbbels diese« Wort so sympathisch fand. Basel. Ihr Brief kam gleichzeitig mit der Zuschrift eine« Pro- scssvrS der Theologie zu uns, die wir inzwischen an der Spi?e der„Deutschen Freiheit" veröffentlicht haben. Darin finden Sie alles.> Zürich-Göschene».— Sie schlagen uns eine neue Verfilmung von „Wilhelm Tell" mit Starbesetzung vor: Wilhelm Tell Adolf Hitler Hedwig, seine Frau Ernst Röhm Tells Sohn Dr. Göbbels Herrn Rosenberg konnte man seine« jüdischen Namens wegen dl« Rolle de» Kuhhirten nicht geben, aber sämtliche Mitwirkenden las- sen sich die Haare blond färben, um arischer auszusehen. Soweit Ihre Vorschläge. Aber was hielten Sie davon, wenn wir Adolf den Gehler spielen liehen und die Rolle des Tell in die Hand «nes herzhaften und opferbereiten Freiheitskämpfers legten? Mehrere Anfragen. Der frühere ReichStagSpräsident Paul L ö b e ist nicht mehr im Konzentrationslager. Er befindet sich im Gefängnis. Es ist nicht angebracht, zu veröffentlichen, wo. Löbe ist in Ein- zelhaft, nimmt aber an den täglichen gemeinsamen„Spaziergängen" der übrigen Gefangenen, auch der Kriminellen, teil. Er wird llbri- gcnö von allen Gefangenen, auch den kommunistischen, mit Achtung b-handelt. Eine Aussicht auf baldige Freiheit besteht anscheinend für Löhe nicht. F. A. Cernantl. Die Einsendung wird veröffentlicht. Deleasa, Brüssel Der Bericht wird erscheinen. A» mehrere. Unser Verlag lehnt weitere Austausche^emplare ab. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud« weiter: für Inserate: Dtto Kuhn in Taarbrüeken Rotationsdruck und Ve> log: Verlag der VolkSstimme GmbH.. Saarbrücken A Schützenstrahe d. Internationale DattlOIf«Schule gegründet durch die„New Education Fellowship" .'«geschlossen der„Internationalen Organisation tür Neue Erziehung" Montessori)Kinderhaas und Elementarklasse (Kinder von 3 bis 8 Jahren) Doläonplan: Selbstverwaltung Sprachen: spanisch, deutsch, englisch, französisch Werkarbeit: Tischlerei, Druckerei Musik und Gymnastik Handelsschule Bachillerato(Abitur) INTERNAT. NURSERY. EXTERNAT ARZTLICHE MITARBEITER Im schönsten Stadtteil von Barcelona gelegen! Direktor .). RICARDO CRESPO y CRESPO gx. Int. des St. Christopher Training College, Letchworth(England) Mitgründer der spanischen Sektion der Liga für Neue Erziehung Auskunft und Anmeldung Sekv"riat Colegio International Damon 'enida Tibidabo 12, BARCELONA(Spanien) 'IThr 6 Meinen werten Gästen gebe ich hierdurch bekannt, daß ich mein Lokal von der 33, Rue du Damier nach der 31, Rae des Croisades BRUXELLES.NORD verlege. ERÖFFNUNG Samstag, 21. Okt. 1933 Das neue Lokal ist bedeutend vergrößert, Gute ungarische, deutsche und Wiener Küche. Ungarische und französische Weine. Um weiteren Zuspruch bittet Restaurant„Hungaria" Inhaber MAX GRÜNWALD 31, Rue des Croisades, Bruxelles-Nord Man spricht deutsch! Tél. Trinité 45-13 Métro Pi galle Deutsche Poliklinik Paris, 62. Rue di la Rochefoucauld *) Allgemeine b) Chirurgie c) Geburtshilfliche(I) Zahnärztliche« Konsultationen Zweiitikleg» S»n«to. Klinik Kabinett nuiniR.bäude. Die-lier. Vierstöckige- Gebïude, mit 9 Spezialisten modernste Hinrichtung Zimmer mit 1 bis 4 Betten Zahn» und Mundchirurgir Ordination täglich von 9-12 and 2-8; Sonn* and Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr Das Braunbuch brosdilart und Lainan In fransftsisef»Spradta Preis 18,00 Francs sofort liofarbar Das Braunbuch in klainar Aufmachung (inhaltlich wie des or. Buch) Preis 10,00 frans. 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