Don Tate mob you tellsic Freihei Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 107-1. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 24. Oktober 1933 Chefredakteur: M. Braun at W Daladier vor dem Stucz? Seite 2 Sachverständige im Reichstagsprozeß Seite 2 Von Göcing bis ,, Schwindelhintze" Seite 3 Vor der deutschen Währungskeise Seite 4 Litwinow bei Roosevelt c Seite 5 Parole zum 12. November Dennoch ein erster deutscher Massenprotest Nein! Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands( Sizz Prag) sendet uns folgende Erklärung: Wir sehen in dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und dem Verlassen der Abrüstungskonferenz das offene Eingeständnis des völligen Bankrotts ber Hitlerschen Außenpolitik. Wenn Deutschland vollkommen isoliert ist, so ist das nicht die Schuld seiner Emigranten, sondern die Folge seiner Gewaltpolitik und jener geistigen und materiellen Aufrüftung, die die Erfolge der früheren Verständigungspolitik zerstört haben. Die Neuwahl des Reichstags und die Volksbefragung entspringen nicht dem ehrlichen Willen, das deutsche Volk zur Mitbestimmung seines Schicksals heranzuziehen. Unter terroristischem Drud soll ihm die Zustimmung zur Aufs rüftung abgepreßt werden. Im Hitler- Deutschland gibt es nur eine Partei, Meinungsfreiheit, Freiheit der Ab: stimmung, existieren nicht. Unter diesen Umständen wird die Abstimmung am 12. November niemals die wahre Stimmung des Voltes zum Ausdruck bringen. Deshalb fordert der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf, am 12. November der nationalsozialistischen Partei und ihrem Führer die Gefolgschaft zu versagen und mit Rein" au stimmen. D. F. Die deutschen Regierungsmänner und ihre Preßlakaien reden und schreiben von einem„ Wahlkampf". Gegen wen im Lande? Alle Gegner der Regierung sind so gefesselt, daß von einer Wahlbewegung nur sehr einseitig gesprochen werden kann. Radio, Presse, Bersammlungen, Flugschriften, alle Möglichkeiten eines Einwirkens auf Volkmassen sind allein in den Händen der Regierung. Nur in vertrautesten Gesprächen und in illegalen Zetteln, die unter Lebensgefahr hergestellt und verteilt werden, kann sich der antifaschistische Wille äußern. Vom Standpunkte ihrer Machtbehauptung aus und in der Absicht, die ganze Welt über die wahre Volksstimmung in Deutschland irre zu führen, haben die in Deutschland diftatorisch Regierenden allen Grund, nicht einmal die Ansätze einer Wahlbewegung zuzulassen, denn von den 45 Millionen Deutschen, die am 12. November wahlberechtigt sind, stehen Millionen in entschlossener Opposition gegen das Regime. Bei den letzten Reichstagswahlen am 5. März gingen 40 Millionen Männer und Frauen zur Wahl. Davon stimmten 17 Millionen für die Nationalsozialisten, 23 Millionen aber dagegen. Von diesen 23 Millionen gaben 7 Millionen ihre Stimmen der Sozialdemokratie, 5 Millionen den Kommunisten und 5 Millionen dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei. Der Rest waren Deutschnationale und Splitterparteien. Niemand wird glauben, daß all diese Millionen einer oft in langen Jahren gefestigten Ueberzeugung ntreu geworden sind und sich innerlich haben gleichschalten laffen. Dennoch steht heute schon fest, daß sich am 12. Novem ber eine überwältigende Mehrheit für Hitler ergeben wird, denn sowohl die Wahlenthaltung wie die Neinstimme find von den schwersten Gefahren für den Abstimmenden begleitet. Es läge nahe, daß die Opposition die Losung ausgäbe, sich an der Wahl, die feine ist, nicht zu beteiligen. Ist doch nicht einmal die Aufstellung von Gegenkandidaten möglich. Nur die NSDAP. ist erlaubt. Nur sie kann Kandidatenlisten einreichen. Wahlenthaltung aber wäre das licherste Mittel, den gewalttätigen Elementen der Regierung genaue Listen ihrer Gegner in die Hand zu liefern. Was den Deutschen, die eine Beteiligung an der verlogenen Komödie ablehnen, blühen würde, hat der preußische Staatsrat und Gauleiter Grohe laut ein Bericht der Kölnischen S BERT Der deutsche Michel ,, geht" zur Reichstagswahl Auf Landesverrat stehen aber die härtesten Strafen, Erwerbslosigkeit nimmt zu lebenslanger Kerker oder Schafott. Auch wenn man diese Gewaltmittel gegen Millionen Nichtwähler nicht anwenden kann, gibt es andere Terrorakte, sie mürbe zu machen. Schon jetzt wird uns brieflich und mündlich aus dem Reiche berichtet, daß gedroht wird, man werde den„ Landesverrätern", die am 12. November zu Hause bleiben, die Unterstützungen entziehen, werde sie aus ihren Arbeitsstellen werfen, werde fie aus ihren Wohnungen sezen, werde sie und ihre„ Brut" ächten und quälen nach allen Regeln der Roheit, die der jezige Reichskanzler in zehn Jahren Agitation zur Parteijeßige Reichskanzler in zehn Jahren Agitation zur Partei regel gemacht hat. Nebenbei sei hier eingeschaltet, was bei einem solchen System in Deutschland von einer„ freien" Abstimmung an der Saar zu halten sein wird. Jede Gegnerschaft gegen die sogenannte„ Deutsche Front" bedeutet Aufnahme in eine Prostriptionsliste, die an dem Tage wirksam werden würde, der die Saarbevölkerung schutzlos unter das undeutsche braune Terrorregiment bröchte. Auch die Abstimmung mit„ Nein" am 12. November ist richt ungefährlich, weil die Wahllokale nun nicht mehr unter der Kontrolle verschiedener Parteien stehen, sondern ganz von den Nationalsozialisten beherrscht werden. Es sind also mancherlei Manöver möglich, um den geheimen Charakter der Abstimmung abzuschwächen oder ganz zu beseitigen. Dies gilt insbesondere für kleine Orte, wo man bekannte Sozialdemokraten und Kommunisten ohne weiteres für etwaige Nein- Stimmen verantwortlich machen wird. Mit nennenswerten Nein- Stimmen ist überhaupt nur in größeren Orten zu rechnen, aber werden sie auch gezählt werden? Schon am 5. März wurden berechtigte Zweifel in die richtige Zählung gesetzt. Diesmal wird die Zählung unter dem Druck der SA. erfolgen; sie wird bestimmen, ob und wieviele Nein- Stimmen in das Protokoll aufgenommen werden. " Dennoch muß der Versuch gemacht werden, der Proteststimmung, die seit Monaten wächst, Ausdruck zu geben. Die Sozialdemokraten und die Kommunisten haben Recht daran getan, ihre Anhänger zu Nein- Stimmen aufzufordern. Da öffentliche Betätigung so gut wie unmöglich ift, wird aus den Betrieben und von den Stempelstellen die Wahlbewegung" still und zähe organisiert werden müssen. Der Stimmzettel, der die Zumutung stellt, Kandidaten der NSDAP. als einzigen erlaubten Partei die Stimme zu geben, muß von jedem anständigen Deutschen ungültig gemacht werden. Die Frage, ob der deutsche Mann, und die deutsche Frau eine Regierungspolitik billigen, die unter verlogenen Friedensreden zum Kriege rüstet und zum Kriege treibt, muß durch ein kräftiges Kreuz im Neinfreis beantwortet werden. Die Antifaschisten in Deutchland haben die gemeinsame und sie hoffentlich einende Aufgabe, einen ersten Massenprotest gegen die sie beherrschenden Banden zu wagen. Ehre den Tapferen, die in dieser leben fährlichen Wahlagitation stehen. Glückauf allen die am 12. November durch ihr Tein gegen Hitler den unerschütterlichen und nicht ausTrotz aller Fälschungen nicht mehr zu verheimlichen Am 15. Oktober wurden bei den Arbeitsämtern rund 3 851 000 Arbeitslose gezählt. Damit ist der Stand von Ende des Vormonats im wesentlichen gehalten. Während im Vorjahr in der entsprechenden Zeitspanne rund 48 000 Arbeitslose in Zugang gekommen sind, ist es in diesem Jahr gelungen, die saisonmäßigen Zugänge bis auf einen geringen Rest von 1700 auszugleichen. Der Vergleich mit dem Vorjahre geht daneben, weil es damals feine Arbeitslager, feine Konzentrationslager, feine Schutzhäftlinge in den Gefängnissen, keine Emigration, fein Hinauswerfn aus den Fürsorgeeinrichtungen aus politischen Gründen und auch noch nicht eine amtliche Fälschung der Statistik gab. Trotz Herrn von Papen. Wenn nun alle Bemühungen zusammengenommen nicht mehr verhindern können, daß das neue Anwachsen der Erwerbslosigkeit öffentlich in Erscheinung tritt, mag man daraus erkennen, wie elend im Reiche die Wirtschaftslage ist. Seine Beweggründe Von Dr. R. Thorwesten Wieder hat Hitler eine Friedensrede gehalten. Diesmal am Sonntag in der Befreiungshalle bei Kelheim an seine SA. Wieder einmal kopierte er Wilhelm II. Der Jmperator Reg proklamierte einst im Rathaus zu Aachen:„ Ein Reich, ein Bolk, ein Gott". Der Cäsar Diktator ließ diesmal den Herrgott, den er sonst täglich bemüht, aus dem Spiele und forderte:„ Ein Volk, ein Reich, ein Wille". Dieses Deutschland wolle nichts anders als Frieden und Gerechtigkeit. Unfriedliche und den Frieden gefährdende Handlungen mit friedlichen Reden zu begleiten ist seit langem die Gewohnheit der Machthaber des„ dritten Reiches". Man rüstet, man bildet die bewaffneten Sturmtruppen militärisch aus, man erzieht die Nation zum„ Wehrwillen" und bemüht sich gleichzeitig bei jeder Gelegenheit, die Welt von dem absoluten Friedenswillen und der durch nichts zu erschütternden Vertragstreue Deutschlands zu überzeugen. Allmählich übersteigert Hitler den Widerspruch ins Groteske. Er erklärt den Austritt aus der Abrüstungskonferenz und aus dem Völkerbund, was doch nichts anderes bedeuten kann, als daß er, aller Verpflichtungen ledig, freie Hand für die Aufrüstung erhalten will, und er bringt es fertig, sozusagen mit dem selben Atemzug seiner Friedensschalmei wieder die sanftesten Töne zu entlocken. Ja mehr als das, er streckt Frankreich, demselben Frank reich, das in der deutschen Presse die ganzen letzten Beitung" am 19. Oktober in Köln ausgesprochen: Wer am 12. November zu Hause bleibt, wo es heißt, zu einer Frage Stellung zu nehmen, die nicht die Partei, fondern die Ehre des ganzen Volkes betrifft, der ist ein zurottenden Willen für ein freies sozialistisches Deutschland Wochen hindurch als das eigentliche Hindernis einer den notorischer Landesverräter.( Stürmischer Beifall.) fund tun. deutschen Ansprüchen gerecht werdenden Konvention hin ist, geſellt worden iff, und das der Führer felbft jahrelang Daladier vor dem Sturz? beschimpft und verlästert hat, die Hand Berständigung entgegen. Wie ist das alles zu erklären? Ich glaube, daß wir zu einem Verständnis dieses seltsamen Widerspruchs nur gelangen können, wenn wir uns zweierlei vor Augen halten: einmal die Tatsache, daß der aufsehenerregende Schritt, den Deutschland unternimmt, zum guten Teil auf inner politische Erwägungen zurückzuführen ist, und zum andern die Unsicherheiten, die im Regierungslager selber in der Frage der Außenpolitik vorhanden sind. Hitler und seine Anhänger waren sich klar darüber, daß die Konferenz sie in eine sehr schwierige Lage bringen würde. So weit auch die Siegerstaaten noch von einer pölligen Einigung über die Einzelheiten des Abrüstungsproblems entfernt sein mochten, so gab es doch über eine Reihe von Dingen ein Einverständnis. Vor allem darüber, daß Deutschland sich in der sogenannten Probezeit keine schweren Waffen beschaffen dürfe, daß eine wirksame Kontrolle Platz greifen werde, und daß die halb militärischen Formationen wie SA. und SS. aufgelöst werden müßten. Diese Bedingungen waren für den Nationalsozialismus schlechterdings nicht zu ertragen und wenigsten die der Auflösung der braunen Formationen. Mit Spielen und Festen allein hätte man die proletarischen Elemente, die in den Sturmtrupps eine Zuflucht gefunden haben, nicht zufriedenstellen können. Man hätte sie aus der Hand ver loren, und der Unmut dieser der Disziplin entzogenen Massen wäre dem Bestand der Herrschaft des Hakenkreuzes gefährlich geworden. a m Dazu aber kam die Notwendigkeit irgend etwas zu unternehmen, um dem ständig wachsenden Mißvergnügen der gesamten Bevölkerung zu begegnen. Die fortgesetzten Versicherungen, daß das ganze deutsche Bolk einmütig hinter seinem großen Kanzler stehe, können nicht über die tiefe Unlust hinwegtäuschen, die sich nicht nur der Arbeiterschaft, sondern auch weiter Kreise des Mittelstandes bemächtigt hat. Der hundertmal totgesagte Marxismus erhebt immer wieder sein Haupt. Das Das Bürgertum grollt, die Bauern sind im höchsten Maße mißvergnügt. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage ist so schlecht, daß es selbst den gleichgeschalteten Zeitungen unmöglia, ist, ihre Leser irre zu führen. Ein unsäglich harter Winter steht vor der Tür. Der Versuch, der steigenden Not mit angeblich freiwilligen Spenden, mit dem Zwang zu Eintopfgerichten und ähnlichen Mätchen zu begegnen, ist aussichtslos. Kurzum, das Regime muß ernste Erschütterungen befürchten. Weiter bedeutet der Leipziger Prozeß, wie immer er ausgehen mag, eine schwere moralische Niederlage für die Regierung. Werden die angeklagten Rommunisten freigesprochen, so sind die Führer der National sozialismus als verbrecherische Lügner gebrandmarkt. Werden sie, was wahrscheinlicher ist, mit fadenscheinigen Begründungen verurteilt, so wird es in der Welt einen Skandal geben, der seine Rückwirkungen auch auf Deutschland ausüben muß. Alles das zwingt zu einer Ablenkung, und wie jede Despotie, sucht auch die Hitlersche diese Ablenkung auf außenpolitischem Gebiet. Dem deutschen Bolk geschieht Unrecht. Es ist ringsum von Feinden umgeben. Die Möglichkeit soll ihm genommen werden, sich gegen die drohen den Angriffe zur Wehr zu setzen. Die Welt ist durc, die Emigranten aufgehetzt. Sie ist darauf aus, die edelste Rasse zu vernichten. Muß sich da nicht die ganze Nation um ihren Führer scharen? Müssen nicht alle anderen Sorgen hinter der um den Bestand und das Lebensrecht des Reiches zurückstehen? Und das Volk wird dem Ausland beweisen, daß es seine Pflicht erkennt. Eine Abstimmung und eine wah I werden veranstaltet, und man wird sehen wie bie überwältigende majorität sich für Hitler aussprechen wird. Daß draußen Wahl und Abstimmung für eine Farce erklärt werden was verschlägts? Das ist eben die Niedertracht derer, die die veredelte Demokratie des Nationalfozialismus nicht begreifen und nicht begreifen wollen. Das wesentliche ist, daß man sich in Deutschland selbst ernst nimmt, oder so tut, als nähme man sich ernst. Dabei hat die Auflösung des Reichstags und der Landtage ouch noch ihre anderen Vorteile. Es gibt da immer noch außerhalb der allein berechtigten Partei so einige Parteisplitter. Sie sind nicht gefährlich, aber sie sind ein wenig lästig. Mit Hilfe der nationalen Parole wird man sie beseitigen. Gleichzeitig wird das Reich endlich vereinheitlicht, und Hitler kann sich einiger unbequemer Statthalter entledigen und am Ende sogar Herrn Göring kaltstellen. Und nun das merkwürdige Liebeswerben um Frankreich. Es entstammt nicht etwa nur, wie dieser oder jener anC's nehmen könnte, der Enttäuschung über die britische Politik und dem Wunsch, die Londoner Regierung zu ärgern. Sondern dahinter stehen die keineswegs von allen geteilten Papenschen und Rosenbergschen Jdeen von einem Feldzug gegen die Sowjetunion. Hitler hält es im Augenblick für richtig sie zu adoptieren und er gibt sich der naiven Hoffnung hin, Frankreich und auch Polen für einen solchen abenteuerlichen Plan zu gewinnen und auf diese Weise auch den Widerstand der Franzosen gegen die deutsche Aufrüstung zu überwinden. Dann wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, Deutschland wäre als der Borkämpfer gegen den Bolschemismus anerkannt, und die militärischen Vorbereitungen, die gegen den Wider spruch der ganzen Welt zu treiben, immerhin seine Be denken hat, könnten offen und mit Zustimmung wenig stens eines Teils von Europa getroffen werden. So mischen sich seltsam innerpolitische Berechnungen mit abenteuerlichen imperialistischen Tendenzen. Bis zu einem gewissen Grade können wir Hitler glauben, wenn er schwört, daß er den Krieg nicht will. Er will ihn sicher nicht in der nächsten Zeit. Was er zunächst will, ist die Rüstungsfreiheit, weil das eine Parole ist, mit deren Hilfe er das Volk von dem Nachdenken über sein Elend abzu bringen hofft, und weil sie außerdem, was nicht vergessen werden darf, Möglichkeiten für die Beschäftigung der schweren Industrie, das heißt seiner eigentlichen Auftrag geberin bietet. Aber die Dinge haben ihre eigene Logik. Ein Staat kann sich nicht in einen Gegensatz zur ganzen Welt bringen, ohne den Frieden dieser Welt aufs ernst hafteste zu bedrohen. Ein Staat kann nicht das Signal Die Finanzfragen im Vordergrund Paris, 28. Oktober. Am Dienstag steht das Schicksal Daladiers ernsthaft zur Debatte. Er hat das Vertrauen der Kammer in der auswärtigen Politif, vor allem in seiner Haltung Deutschland gegenüber, aber diese Mehrheit ist bedroht auf Grund der gegenüber, aber diese Mehrheit ist bedroht auf Grund der von Daladier eingebrachten Finanzgesetze. Dabei spielt auch das Währungsproblem eine große Rolle. Daladiers weitgehender Sanierungsplan zugunsten des Etats, der sich zu einem Teil auf Herabsehung der Beamten gehälter stützt, findet Widerstand bei den Sozialisten, die der wichtigste Bestandteil der Mehrheit Daladiers sind. Die Rechte will aus dieser Sachlage politisches Kapital schlagen und rüstet sich zu einem entscheidenden Schlage gegen Daladier, um so mehr, als dieser erklärt hat, daß er mit dem Finanzgefeß stehe oder falle. Kommt es zu seinem Sturze, so ist mit einer Umbildung des Kabinetts zu rechnen, wobei der Außenminister Paul- Boncour stark gefährdet wäre. Er wird von den rechtsgerichteten Kreisen, vor allem aber von den leitenden Persönlichkeiten des Generalstabs, für zu schwach gehalten, um der durch das Verhalten Deutschlands so zugespizten Lage voll gewachsen sein zu können. * Paris, 23. Okt. Man hatte für Sonntagabend die Entscheidung über das Schicksal des Kabinetts Daladier erwartet. Die Vertagung der Verhandlungen auf heute ist, nie man allgemein erklärt, darauf zurückzuführen, daß man in der Zwischenzeit noch einmal versuchen will, eine Einigung zwischen den Radikalen und Sozialisten über den strittigen Artikel betreffend die Krisensteuer herbeizuführen. Die Aussichten werden allerdings nicht als besonders groß bezeichnet, und deshalb sagen verschiedene Blätter für heute abend den Sturz des Kabinetts voraus. Alles kommt nach allgemeinem Urteil auf die Haltung der Sozialisten an. In ihren Händen liegt, so erklärt La Victoire", das Schicksal des Kabinetts. Innerhalb der sozialistischen Fraktion wird der eigentliche Kampf geliefert und nicht etwa im Plenum der Kammer. Le Quotidien" schreibt: Die Krise wird eintreten, wenn die Sozialisten sich gegen einen Kompro wißvorschlag wenden. Denn die Regierung wird sicher nicht in der Mitte die notwendige Unterstüßung finden, um am Ruder bleiben zu können. Wenn die Sozialisten sich dagegen für ein Kompromiß vorschlagen, was recht unwahrschein lich zu sein scheint, wird das Kabinett zwar den Sturz ver meiden, aber mit geschwächtem Prestige aus einer Debatte hervorgehen, die seit Dienstag ihren finanziellen Charakter verloren hat, um einen ausgesprochen politischen Charakter zu erhalten.„ Ere Nouvelle" wirft den Sozialisten vor, ihre marristische Doktrin um jeden Preis durchsetzen zu ellen. Jest trete eindeutig zutage, daß die Sozialisten nur eines im Auge hätten: Den Fortschritt des Margismus zu sichern. Aber die Radikalen würden nur Thesen unterstüßen und Maßnahmen vorschlagen, die dem allgemeinen Interesse, den republikanischen Idealen und dem finanziellen Wohl dienten. Le Jour" erklärt, Daladier, der sich nach dem Angriff des Abgeordneten Rennaud gestern sehr schwach ver tcidigt habe. habe anscheinend feine Lust, sich auf eine bereits verlorene Sache festzubeißen. Er suche nur den geeignetsten Plaz, wo er ohne allzu großen Schaden stürzen könne. Sachverständige sagen aus 22. Verhandlungstag wtb. Berlin, 28. Oft. Für die heutige Verhandlung sind feinerlei Zeugen geladen, denn heute haben die Sachverständigen das Wort, die die Brandstiftung beurteilen sollen, namentlich ob sie von van der Lubbe allein durchgeführt sein kann oder ob er Mittäter gehabt haben muß. Ols erster Sachverständiger erklärt Geheimer Regierungsrat Professor Josse( Berlin), daß die rapide Brandentwicklung im Plenarsaal die Vermutung habe aufkommen lassen, daß die Lüftungseinrichtungen des Plenarsaales daran beteiligt sind. Da aber die Lüftungsanlagen, wie festbleibt somit als die wahrscheinlichste Ursache für die rasche gestellt worden ist, am Brandabend nicht in Betrieb waren, Entwicklung des Brandes nur übrig, daß im Plenarsaal Vertagung der Abrüstungskonferen?? London, 28. Oft. Die für heute in Aussicht genommene Sizung des britischen Kabinetts wird den Blättern zufolge die Aufgabe haben, die Berichte Sir John Simons über seine Verhandlungen mit den Bertretern der anderen über die Zukunft der Abrüstungskonferenz schlüssig zu werden. Die diplomatischen Korrefpendenten der Blätter sind übereinstimmend der Auffassung, daß das Kabinett sich für eine Vertagung der Abrüstungsverhandlungen aussprechen werde, da in Abwesenheit Deutschlands eine Abrüstungskonvention nicht zustandekommen könnte. Sollten die übrigen Mächte troßdem anderer Meinung sein, so werde dem britischerseits nicht widersprochen werden. Mächte über die Abritſtungsfrage entgegenzunehmen und fich Japans Parole Nationale Verteidigung wird ausgebaut Tokio, 21. Oft. Die Telegrafenagentur Schimbun Rengo teilt mit, daß der Kaiser den Außenminister Schirota und den Kriegsminister empfangen hat. In einer amtlichen Erklärung, die anschließend veröffentlicht wurde, heißt es, daß die japanische Außenpolitik von folgenden Grundsäßen geleitet wird: 1. Japan ist bestrebt, mit allen Nachbarländern freundschaftliche und normale Beziehungen zu unterhalten. 2. Der Staat Mandfchukuo bleibt unverändert bestehen. 3. Die nationale Verteidigung Japans muß unbedingt ohne irgendwelche Beschränkungen ausgebaut werden, weil die gespannte politische Lage in Asien and im Stillen Ozean die Aufrechterhaltung einer starten Wehrmacht erfordert. andere Zünd- und Brennstoffe, und zwar bestimmt auch andere als Kohlenanzünder, in größeren Mengen verwendet worden sind. Da feine Luftzirkulation vorhanden war, ver brannten diese Brennstoffe mit Luftmangel. Die tatsächlich entstandenen Gäse können nicht von dem verbrannten Gestühl stammen. Zusammenfassend hob Profeffgr Joffe hervor, daß die zur Verpuffung und Aufflammung des Gasinhaltes des Plenarsaales erforderlich gewesene verhältnismäßig große Menge von brennbaren Gasen nur aus unvollständig verbrannten flüssigen Brennstoffen stammen konnte, die in den diese Gasmengen liefern konnten. Plenarsaal gebracht worden sind und die in sehr kurzer Zeit Die Verhandlung dauert fort. liche Haltung der deutschen Preise gegenüber der Schweiz ist. Wir sind überzeugt, daß dieses von uns bisher mit bewußter Zurückhaltung behandelte Thema für die schweizerische Deffentlichkeit in dem Moment, da die Frage einer schweizerischen Abwehr gegenüber ausländischen Interesse sein wird." Maßnahmen wirklich akut geworden ist, nicht ohne Immer noch Marxisten Die Helden des deutschen Alltags Berlin, 22. Oft.( Jnsa.) Die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Betriebsorganisationen hat fürzlich den Spißenfunktionären der NSBO., den Kreisleitern der NSDAP., den Bezirksleitern der Deutschen Arbeitsfront und den Leitern der Geheimen Staatspolizei eine Dent schrift zugesandt über den Umfang und den Wirkungsbereich„ der immer noch fühlbaren Agitations- und Heßarbeit der Marristen". Wir lesen da unter anderem: „ Daß es den Marristen immer wieder gelingt, nene ehrs liche und anständige Arbeiter in ihren Bann zu ziehen, bes weisen die Vorgänge der letzten Wochen und Tage, in denen immer wieder Drudereien, Schriftenmaterial, Waffen und Munition beschlagnahmt und einer erhebliche Anzahl von Arbeitern, denen wir es gar nicht zugetrant hätten, die sich zur Verteilung und Aufbewahrung verleiten ließen, vers haftet werden mußten." Ueber die Wirkung dieser Verhaftungen heißt es: " Die Selbstverständlichkeit, mit der sich alle Familienväter und Arbeitskollegen, die bis weit nach rechts persönliches Aus fehen genießen, in die Schuzhaft abführen ließen, spielt auf die Dauer mehr eine beispielgebende als eine abschreckende Rolle. Die Denkschrift gelangt zu dem Ergebnis, daß gegenüber der Methode der marristischen Agitation die eigenen Peute bisher nicht immer genügend Wachsamkeit und Scharfsinn" ,, Neue Zürcher Zeitung" verboten entwidelt hätten und es nur selten gelungen sei, den ehrlich Zunächst für einen Monat A Die„ Neue Zürcher Zeitung", die dem Hitler- Regiment ohne grundsäßliche Unfreundlichkeit gegenübersteht, ist zunächst für die Dauer eines Monats in Deutschland verboten worden. Das Blatt bemerkt dazu:„ Wir können es auch durchaus verstehen, daß dieses Regime während der nächsten Wochen, in denen Minister Dr. Göbbels auf den 12. November hin die brausenden Harmonien des Konzerts der gleichgeschalteten Presse dirigie ren wird, ein auch in deutscher Sprache geschriebenes aber nicht gleichgeschaltetes Blatt nicht gerne innerhalb der Reichsgrenzen sieht, wobei die selbst an amtlicher Stelle anzutreffende Ueberschätzung der Verbreitung der N33." in Deutschland und damit die Ueberschäßung des Einflusses ihrer neutralen Berichterstattung auf das deutsche Publikum noch besonders für die Verbotsmaßnahme ins Gewicht gefallen sein mag. Wir behalten uns vor die prinzipielle Seite solcher Zeitungsverbote vom Standpunkte der schweizerischen Interessen aus später zu erörtern und bei dieser Gelegenheit auch einmal zu untersuchen, welches die freund nachbarzum Wettrüsten geben, ohne daß dadurch der Krieg in greifbare Nähe gerückt würde. Welches immer die letzten Gründe für das Vorgehen des dritten Reiches" sein mögen: die Hitlersche Politik ist eine ungeheure Gefahr für die Welt. Sie ist mehr als ein verwegenes Abenteuer. Sie ist ein Verbrechen an der Menschheit. Sie bleibt es, auch wenn wir mit vollem Recht darauf hinweisen können, daß das Verhalten, das die Siegermächte in der Abrüstungsfrage jahrelang befolgt haben, an der verhängnis vollen Entwicklung nicht ohne Schuld ist. Fragenden von dem zu unterscheiden, der eine Aussprache nur beginne, um in den Herzen der überzeugten Nationalsozialisten Zweifel und Unsicherheit zu säen. Das Das Neueste Der König von Schweden hat den Preußischen Ministers präsidenten Göring in Audienz empfangen. Bei einer Razzia gegen die noch bestehenden„ Refte" der kommunistischen Organisation in Waltershausen wurden über 80 Personen festgenommen. In Dahlem fuhr ein Privatauto in eine Marsch folonne der Hitlerjugend. Ein Hitlerjunge wurde dabei so schwer verletzt, daß er später starb. Der Privatkraftwagen flüchtete mit abgeblendetem Licht. Im Volksdorf bei Hamburg fuhr gestern abend ein Motors radfahrer von hinten in eine marschierende Kolonne von 15 Hitlerjungen hnein. Vier Hitlerjungen wurden verlegt. Auf einer italienischen Insel vor Dalmatien wurden drei jugoslawische Fischer durch eine aufgefundene Granate, die noch aus dem Kriege stammte und plöglich explodierte, getötet. Bei dem Zusammenstoß eines Petroleumzuges mit zwei alleinfahrenden Lokomotiven in Rumänien geriet der ganze 3ng in Brand. Fünf Personen wurden getötet, ach tschwer verlegt. Infolge des an der portugiesischen Küfte herrschenden Uns wetters find mehrere Fischerboote gesunken. Acht Fischer famen ums Leben. Zwischen Chemniß und Niederwiesa raste ein mit zwei Personen besettes Motorrad gegen einen Baum. Beide Fahrer, ein Schlosser und ein Megger, tamen dabei ums Leben. Von Göring bis„ Schwindelhintze" Nach 21 Verhandlungstagen Brandstifter! D. F. So wurde aus Morgen und Abend der 21. Verhandlungstag. Drei volle Wochen Reichstagsprozeß, mit Sonntagen und sizungsfreien Tagen einen vollen Vonat füllend! Und das Ergebnis? Für das politische Beweis thema dieses großen politischen Prozesses ein großes Nichts, soweit man die Aussagen der Zeugen vom Tische des Vorsitzenden und von der Kulisse der Reichs- und Staatsführung her betrachtet. Daß van der Lubbe im brennenden Reichstag ertappt worden ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Wie er aber in den Reichstag gelangte, und wie er und andere oder andere das Riesengebäude in Brand steckten, ist se bunkel mie am ersten Tage. Welches Brandmaterial benützt worden ist und in welchen Mengen, ist ebenfalls vollkommen ungeklärt. Alle bisher vernommenen Zeugen wissen zu diesen Fragen wenig oder nichts zu berichten. Niemand konnte sagen, ob es van der Lubbe war, der das Bravourstück der Fassadenkletterei mit Zentnern voll Brandmaterial in den Taschen vollführte. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Zeugen einen oder zwei Männer in den Reichstag einsteigen sahen. Was im Gebäude vorgegangen ist, bleibt unerklärlich. Reichstagsbeamte, Reichstagsbeamte, Polizei und Feuerwehrleute widersprechen sich in ihren Aussagen. Insbesondere über die Zahl der Feuerstellen und den Brand im Plenarsaal liegen die tollsten Widersprüche vor. Der Hausinspektor beschwört, eine Fackel an einem Klubsessel gesehen und ausgetreten zu haben. Der Kriminalkommissar Heisig, dessen zuverlässigkeit besonders in Holland, wo er eigenartige Methoden bei der Zeugenvernehmung angewendet haben will, bezweifelt wird, erläutert fachmännisch, daß es mit diesem Eid des Hausinspektors nichts ist. Es könne keine Fackel ge= wesen sein. Die einen haben große Spuren von brennbaren Flüssigkeiten gesehen, die anderen wissen nur von paar Kohlenanzündern. Der Hauptbeteiligte aber sitzt da mit dem Kopf zwischen den Knien, und die Nase läuft ihm. Er hat nichts von dem Weltrekordbrandstifter an fich, der er geheimnisvoller Weise am 27. Februar ge wesen sein soll. ein Bon der Anklagebank her gesehen, soweit die Kommu nisten in Betracht kommen, sieht das bisherige Prozeß ergebnis freilich sehr positiv aus. Jn 21 Verhandlungs tagen hat die Anklage nicht einen einzigen Zeugen vorführen können, der die nun seit sieben Monaten in Haft befindlichen Kommunisten irgendwie hätte belasten können. Wo es vereinzelte Zeugen versuchten, gab es pages Geschwätz, das selbst für die Parteilichkeit dieser Anklage nicht brauchbar zu sein scheint. Dabei scheut der Reichsanwalt auch vor anrüchigen Zeugen nicht zurück. Am Samstag wurde ein übles Subjekt, ein notorischer Betrüger, der wieder einmal eine lange Gefängnisstrafe verbüßt, vorgeführt. Der höchste Gerichtshof des Deutschen Reiches erweist den Herren Göring, Heines, Graf Helldorf und Schulz die Auszeichnung, diesen Kriminellen mit auf die Liste zu setzen, auf der so erlauchte Namen glänzen: Don Göring bis Schwindelhinge". 1150 Auch dieser wahrhaft klassische Polizeizeuge weiß nichts. Er hat nur am Wohlfahrtsamt etwas reden und läuten hören. Auch der Name Torgler soll gefallen sein. Van der Lubbe als Wanderbursch mit dem Stab in der Hand ist nach den Gaunerfantasien des Herrn Schwindelhinge schlankweg von der„ Roten Hilfe" in den Olymp der kommunistischen Parteiführung entsandt worden, wo joeben der Ausbruch der bolschewistischen Revolution beschlossen wurde. Vertrauensselig, wie van der Lubbe nun einmal ist, hat er die Geheimbefehle Stalins vor den proletarischen Seelen des Wohlfahrtsamt in Neukölln ausgebreitet. Selbst der Oberreichsanwalt scheint von diesem seinem Zeugen nicht eben entzückt zu sein. Wo aber sind und bleiben seine anderen Zeugen? Sollen sie Weihnachten kommen? Oder Ostern? Wir stellen die Frage: Mit welchem Recht werden Torgler und Dimitroff und Taneff und Popoff noch in Haft gehalten? Doch nicht deswegen, weil angeblich einige Kapitel des Braun buches nicht ganz stimmen. An deren Abfassung waren die Angeklagten, die in Fesseln lagen, nicht beteiligt. Weder in der Anklage noch in den Zeugenaussagen eines Monats ist auch nur der Schatten eines Beweises dafür enthalten, daß einer der angeklagten Kommunisten irgend etwas mit dem Reichstagsbrand zu tun hätte. Das ist die Meinung der gesamten Weltpresse ohne Unterschied des Landes und der politischen Richtung. Das ist die Ueberzeugung aller anständigen Menschen in der ganzen Welt. Wir nehmen davon die gleichgeschalteten Pressekulis der deutschen Lügenregierung gern und nachdrücklich aus. Hat in Leipzig und in Berlin niemand ein Gefühl dafür, daß es in diesem Prozeß auch um das längst schwer geschädigte moralische Ansehen Deutschlands geht? Weiß niemand, daß auch dieser Prozeß und gerade er große außenpolitische Wirkungen hat? Leider nicht nur für das deutsche Rechtswesen, das in der ganzen Welt als politisch korrupt betrachtet wird, sondern auch für das deutsche Bolk, das die allgemeine Aechtung der Welt zu spüren bekommt. Es steht fest, daß keiner der angeklagten Rommunisten schuldig ist. Sie gehören in Freiheit. Auf die Anklage. bank und in Retten gehören diejenigen, die amtlich das deutsche Volk angelogen haben, der Reichstagsbrand sei eine kommunistisch- sozialdemokratische Aktion. Das sind die Verbrecher, die ganz Deutschland in Brand gesteckt haben und drauf und dran sind, die Brandstifter Europas zu werden. 21. Verhandlungstag Fortsegung aus Nr. 106 Kriminalkommissar Heisig führt Das Gericht und die Prozeßbeteiligten begeben sich nun mehr zum Lofaltermin, der der Besichtigung des Reichstages und des Brandweges dient. Die Besichtigung des Tatortes nahm volle zwei Stunden in Anspruch, an die sich noch eine weitere Stunde Pressemissar Heisig übernommen. Sie begann in den Restau= Fenster eingestiegen ist. Der ganze von Lubbe zurückgelegte besichtigung anschloß. Die Führung batte Kriminalfom rationsräumen an der Stelle, wo van der Lubbe durch das weg ist auf dem Fußboden jeweils mit Streibepfeilen gezeichnet. Der Plenariaal macht heute einen troftlofen Eindru d. Der Betonfußboden liegt frei. Die vier Wände sind fables Mauerwerk mit eisernen Trägern, und über all dem erhebt sich die gewaltige Kuppel, die inzwischen wieder inſtand gefeßt ist. Der Brandweg endet bei dem Klubjessel, an dem einige Beugen eine a d'el gefehen haben wollen. Kommissar Heisig ist aber der Meinung, daß es feine Fadel gewesen ist, denn eine Fackel hätte man nicht einfach austreten fönnen, und sie wäre dann auch nicht gleich zu Staub zerfallen. Es dürfte sich vielmehr um einen zusammengerollten Rest von Vorhängen oder anderem Brandmaterial handeln. Der Sessel ist auch nicht eingeschnitten worden, sondern das Loch, daß man da heute sieht, ist ausgebrannt. Ein Betrüger als Polizeizeuge Nach Wiedereröffnung der Verhandlung wird u. a. der 22jährige Diener Willi Singe als Zeuge vernommen, der gegenwärtig eine Gefängnisstrafe wegen Betruges verbüßt. Hinze, der sich selbst als Zeuge gemeldet hat, gibt an, er sei der Schwager des Neuköllner Erwerbslosen, dessen Selbstmord von den Kommunisten zu einer Flugblattagitation gegen das Wohl= fahrtsamt ausgenutzt wurde. Tatsächlich habe sich sein Schwager nicht wegen wirtschaftlicher Not, sondern aus anderen Gründen das Leben genommen. Er, der Zeuge, sei es auch gewesen, der den im Wohlfahrtsamt tätigen Stadtinfpektor gewarnt und die Polizei davon unterrichtet habe, daß die Kommus niften einen Ueberfall auf das Wohlfahrtsamt vorbereitet hatten. Einige Tage vor dem geplanten Ueberfall habe er gegen 10 Uhr vormittags im Lokal Schlaffte gesessen und beobachtet, wie dort van der Lubbe durch Pfeiffer und noch einen anderen Kommunisten eingeführt wurde. Im Hinterzimmer hätten die Kommunisten eine Besprechung gehabt. Van der Lubbe sei dort vorgestellt worden. Er habe sehr aufgeregt und schnell gesprochen. Lubbe sagte etwa: Kameraden und Genossen! Es ist fest der legte Tag, an dem wir vorgehen können. Nach den Vorfällen in Neukölln wollen wir noch einmal versuchen, durchzugreifen, um den Anbruch der nationalen Bewegung zu hemmen. Man müßte Unruheherde schaffen, aber man sollte es zunächst vermeiden, Personen dabei zu gefährden, Personen dürften erst in letzter Linie gefährdet werden. Auf Vorhalte des Vorsigenden erklärte der Zeuge, den genauen Tag fönne er nicht angeben, es fönne aber nur Mittwoch oder Donnerstag gewesen sein, später auf keinen Fall. Jahnecke sei auch dabei gewesen. Pfeiffer, fuhr der Zeuge fort, stellte van der Lubbe vor und sagte, es sei ein holländischer Genosse, der uns zur aktiven Teilnahme zugeteilt worden sei. Er fäme von der Roten Hilfe. Dabei fiel auch der Name Torgler und Dorotheenstraße. Van der Lubbe hat sich nach verschiedenen Leuten, die füh rende Stellen in der Kommunistischen Partei bekleiden, erkundigt. Er wußte über alle möglichen Leute gut Bescheid. Ich fragte ihn, wie lange er schon in Deutschland sei. Er sagte, er wäre erst eingetroffen und fäme von der Wanderschaft. Auf die Frage, wie es fomme, daß er dann so gut orientiert sei, lachte er und gab keine Antwort. Der Zeuge erklärt weiter, daß van der Lubbe sehr schnell sprach, und daß man nicht alles verstehen konnte. Als van der Lubbe davon sprach, daß man aktiv vorgehen müsse, habe Jahnede widersprochen und gesagt, der Zeitpunkt wäre jetzt nicht. Ein schwerer Junge Auf die Frage des Reichsanwaltes Parrisius bestätigt er, daß van der Lubbe einen Ausweis von roter Farbe hatte. R.-A. Dr. Sad: Von welcher Seite fiel der Name Torgler? 8euge: Das weiß ich nicht. Lubbe sprach von einem Anzug und einem Mantel, und in diesem Zusammenhang wurde auch von der Roten Hilfe gesprochen und da fiel auch der Name Torgler. Angeklagter Dimitroff: Wir haben jest genau einen Monat Hauptverhandlung. Wir haben von Lubbe fein flares Wort gehört. Ich frage den Zeugen, ob er Lubbe oft ver nommen hat, ob wirklich Lubbe mit eigenem Munde und eigener Sprache diese Aussagen, die Unterlage für die Anflageschrift sind, gemacht hat oder nicht? 3euge: Jawohl, es ist gar nichts anderes zu sagen. Die Weiterverhandlung wird dann auf Montag vertagt. Gempp als Funkreporter Ein gehemmter Wahrheitsforscher Herr Oberbranddirektor Ge mpp hat vor dem Reichs. gericht, wie nicht anders zu erwarten war, seine früheren Aussagen dementieren müssen. Er dementierte seine Erklärungen in der Versammlung der Branddirektoren, wonach er den Auftrag bekommen haben sollte, die Löschung des Brandes zu verhindern; er dementierte seine frühere Aussage, man habe von ihm verlangt, daß er die Brandprotokolle nachträglich ändere. Er kleidete allerdings seine Worte in die charakteristische Form:„ Ich mußte sagen, daß dies alles Unsinn sei das nennt man wohl ein Dementi..." Heute erhielt der Untersuchungsausschuß das nachfolgend wiedergegebene Schreiben, das die Erklärungen des Herrn Gempp Lügen straft und das Herr Gempp so leicht nicht wird dementieren können, da es sich um Aus sagen handelt, die von allen Rundfunkhörern Deutschlands gehört wurden. Der Brief lautet wie folgt: Konrad Huber Wädenswil Ezelstraße 56 Schweiz Wädenswil, den 15. Oftober 33. Charge! An Herrn Rechtsanwalt Dr. Sad zur Zeit Reichstag Berlin. Die Vernehmung des Herrn Oberbranddirektors Gempp am Samstag, dem 14. Oftober 1933, endete mit der Behauptung, daß die im Braunbuch festgelegten Fragen Unsinn seien. Von diesen Fragen sind einige, die Herr Gempp an= läßlich der Reichstagsbrand- Rundfunkrede am Tage nach dem Reichstagsbrand, also am 26. Februar 1933, abends zirka 21.30 Uhr, der Weltöffentlichkeit gegeben hatte, und dieselben auch bestätigte. Ich möchte Sie als offiziellen Verteidiger bitten, Herrn Gempp noch folgende Fragen zur Beantwortung vorzulegen, die er am Rundfunk gegeben hat: 1. Als mein Löschzug ankam, lag das Reichstagsgebäude in völligem Dunkel und mußten wir zweimal um das Reichstagsgebäude herumfahren, denn ich konnte keinen Feuerschein entdecken und gingen so kostbare Minuten verloren. 2. Als ich in das Reichstagsgebäude selbst eindrang, war dasselbe schon voller Menschen und behinderte uns dieses sehr an der Arbeit. 8. An den Stuhlreihen entlang lagen 20-25 Brands herde und habe ich einige mit den Füßen ausgetreten. 4. Kostbare Gobelins wurden aus dem Saale in die Wandelgänge gebracht und das kostbare Reichstags: Archiv wurde ebenfalls noch dorthin geschafft. Werter Herr Dr. Sad! Vorstehende Fragen ersuche ich Sie, dem Herrn Branddirektor Gempp noch vorzulegen, um ihm in seinen Erinnerungen nachzuhelfen. Ebenso hat Herr Galle an diesem Abend am Mikrofon von seinen Eindrücken des Brandes gesprochen. Doch für heute soll es damit vorläufig sein Bewenden haben. Mit vorzüglicher Hochachtung! gez. Konrad Huber. NB. Copie dieses Schreibens geht an den Untersuchungsausschuß in Paris. Der Schornsteinfeger Man schreibt uns aus Ostende: Um meinen nachstehenden Zeilen die Möglichkeit einer parteilichen Einstellung zu nehmen, möchte ich gleich Eingangs bemerken, daß ich obwohl selbst niemals politisch tätig gewesen als politischer Flüchtling hier weile. Die Veranlassung meiner Zuschrift basiert auf einer Notiz der " Freiheit" Nr. 103 und nimmt Bezug auf Abschnitt: Ich Geheimnisvoller Schornsteinfeger!!! glaube hierzu folgende Aufklärung geben zu fönnen: R.-A. Dr. Sad: Der Angeklagte van der Lubbe hat immer, auch bei der Befragung durch den Sachverständigen gefagt, daß er Zorgler nicht einmal dem Namen nach fenne. Dr. Sack fragt den Zeugen dann:„ Sind Sie identisch mit dem Neuköllner, der den Spiznamen Schwindel Brandstiftung, laut Bericht verschiedener Tageszeitungen hinge" führt? Zeuge: Nein. R.-A. Dr. Sad: Die letzten Borstrafen des Zeugen sind dem Gericht wohl bekannt? Vorsitzende: Er verbüßt jetzt wegen Betrugs eine Strafe von acht Monaten Gefängnis. Die vorhergehende Strafe betrug 1% Jahre Gefängnis gleichfalls wegen Betrugs. Das war im Jahre 1927. Dr. Sad: Am 8. Verhandlungstag dieses Prozesses hat der Zeuge Jahnecke ausgesagt, er habe ganz nahe am Rande einer Verleitung gestanden, weil der Arbeiter Hinge ihn und seinen Genossen angereizt habe, wegen des Selbst= mordes seines Schwagers eine Aktion gegen das Wohlfahrtsamt zu unternehmen. Gegen Hinge habe man Mißtrauen gehegt, weil er Geld aus der Sammelbüchse unterschlagen hatte. Der Zeuge Hinge erklärt diese Angaben des Zeugen Jahnecke für unwahr. Die bestrittenen Polizei- Protokolle Es wird dann nochmals Kriminalkommissar Heisig vernommen, dem der Vorsitzende mitteilt, daß die Aus sagen der holländischen Bekannten van der Lubbes, Vink und Almada, von diesen zum Teil bestritten werden. Der Zeuge Heisig bleibt bei seinem Bericht und erklärt mit aller Entschiedenheit, daß ein Mißverständnis hier gar nicht in Frage komme. Bis Juli 1933 befand ich mich noch in Deutschland. Selbstredend habe ich alle Veröffentlichungen, die mit dem Reichstagsbrand im Zusammenhang standen, eingehend verfolgt. Ich erinnere mich noch sehr genau, daß wenige Tage nach der wurde. ein Schornsteinfeger festgenommen Hierbei ergab es sich, daß der Festgenommene nach der Beendigung einer ausgiebigen Kneiptour in einem Bierlokal sich öffentlich der Brandstiftung bezichtigte. Abgesehen davon, daß derartige Selbstbezichtigungen als veranlagten periodische Erscheinungen von krankhaft Menschen nichts neues darstellen, hat auch damals die Ber liner und allgemeine Weltpresse feine weitere Notiz von diesem Zwischenfall genommen. Ich glaube diese Angelegenheit im Zusammenhang mit den Ausführungen des Senatspräsidenten Bünger vom 14. Oktober bringen zu können, und möchte aus diesem Grunde Ihnen meine Wahrnehmungen nicht vorenthalten. Zahlreiche Protestkundgebungen Paris, 22. Oft.( Jnsa). Durch ganz Frankreich geht eine einige Protestwelle, die sich gegen die BrandstifterJustizkomödie wendet. Es haben in folgenden Orten in den letzten Tagen Protestkundgebungen stattgefunden: Neudorf( Elsaß- Lothringen), Mühlhausen( 5 Kund gebungen), Saargemünd, in Neyelles- Godault, wo der pro letarische Gemeinderat eine Protestresolution beschloß; in Jan Severin Nancy, Avignon, Grenoble, Toulon, Monstreuil, StaintJulien, Clichy, Maisons Alfort, Paris- Nord, Bocair, Tourange, Neunkirchen( Saargemünd). Auch in England fanden neue Protestkundgebungen statt. Ueber 1000 Arbeiter nahmen an einer Kundgebung im Kingswaysaal in London teil. In Manchester fand eine Versammlung mit über 6000 Arbeitern im Free Trade- Saal statt. In Belgien. Der Provinzialrat von Lüttich hat gegen die Stimmen der Katholiken und der faschistischen Autonomisten eine Resolution angenommen, die den Leipziger Prozeß verurteilt und die Freilassung der unschuldig Angeklagten fordert. In den Städten Marchienne und CharTeret fanden Protestkundgebungen in den Straßen statt. * Ausländische Pressestimmen London, 22. Oft.( Insa). Daily Expreß":„ Das Ver fahren gegen alle Angeklagten, ausgenommen van der Lubbe, scheint zusammenzubrechen. Der Oberreichsanwalt erkannte heute Dimitroffs Alibi an, indem er feststellte, daß die Verteidigung es nicht nötig babe, den Schlafwagen schaffner des Zuges zu laden, in dem Dimitroff am Brandabend von München nach Berlin fuhr. Torglers Alibi ist vollständig und es wird erwartet, daß die rothaarige Frau, die am Brandabend im Kino neben Popoff und Taneff saß, deren Alibi gleichfalls perfekt machen wird." Journal des Debats":" Das Verhör der Zeugen dauert fort, ohne irgendwelche neue Tatsachen zu enthüllen, geschweige denn irgendwie Präzisionen herbeizuschaffen. Bisher hat noch nichts die Anflage gegen Torgler und die drei Bulgaren gerechtfertigt." Zahlungsunfähige Gemeinden 500 Millionen Rückstände Daß bei der überwiegenden Mehrzahl der kommunalen Körperschaften in den letzten Jahren 3ahlungsrüdstände in größern Beträgen aufgelaufen find, ist schon seit langem bekannt. Ueber das Ausmaß dieser Rückstände hat die Reichsfinanzstatistik erstmals bei der Erhebung des Schuldenstandes zum 31. März 1933 umfangreichere Ermittlungen angestellt, deren Ergebnis nunmehr in Wirtschaft und Statistit"( Seft Nr. 19) veröffentlicht wird. Erfaßt wurden bei dieser Erhebung insgesamt 1205 kommunale Körperschaften( Gemeinden über 10 000 Einwohner ohne Hansastädte und Gemeindeverbände), ven denen 785 oder rund 65 Prozent rückständige Zahlungsverpflichtungen aufwiesen. Der Gesamtbetrag der Rückstände belief sich auf 466,1 Millionen Reichsmart, wovon 868,4 Millionen Reichsmart auf die Gemeinden über 10 000 Einwohner und 97,8 Millionen Reichsmart auf die Provinzials und Kreisvers bände entfielen. Unter Berücksichtigung der Gemeinden unter 10 000 Ginwohner, deren Ergebnisse noch ausstehen, dürften die Ridstände sicherlich ½ Milliarde Reichsmart überschreiten. Vor der deutschen Währungskrise Die Zeitungen des„ dritten Reiches" dürfen über die Tat sache, daß die deutsche Sperrmark im Auslande nur noch halb so viel wert ist, wie es der Goldparität entsprechen würde, nichts veröffentlichen. Aber die Verheimlichung schafft die Tatsache selbst nicht aus der Welt. Vorläufig betrachtet man diese Entwicklung vor allem in der deutschen Ausfuhrindustrie noch als recht vorteilhaft, weil ja bekannta lich ein Teil der Exportfakturen von den ausländischen Käufern deutscher Waren in diesen billigen Hilfsvaluten bezahlt werden kann, so daß sich hieraus eine beträchtliche Exportprämie ergibt. In naher Zeit aber dürfte die Periode, in der die Entwertung der deutschen Retchsmart nur in dieser verschleierten Form, also gewissermaßen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgte, abgeschlossen sein, denn Herr Dr. Schacht hat jest bekanntlich auf„ legalem" Wege das Recht erhalten, im Laufe der nächsten Monate zwei bis drei Milliarden neuer Marknoten in Umlauf zu sehen und als Deckung für diese neuen Emissionen von Zahlungsmitteln Vangfristige Anleihen in unbegrenzter Höhe zu er werben. Einstweilen läßt man noch eine kurze Anstandsfrist vorübergehen, bis man mit der Anwendung der neuen Vollmachten Ernst machen wird. Aber diese Frist wird sehr fura sein, denn die Entwicdlung brängt und die Verhält niffe am deutschen Anlagemartt verlangen jezt sehr deutlich eine Reglung. Die deutschen Städte und Gemeinden können nämlich ihren Eurzfristigen Verpflichtungen in Höhe von etwa zwei Milliarden Mark nicht mehr nachkommen. Die ausländischen Gläubiger müssen bekanntlich schon seit langer Zeit stillhalten, aber für das Inland wird man iegt an einer Sanierungsaktion nicht vorbeikommen, da es ja unter den heutigen Verhältnissen teinen guten Eindruc machen würde, wenn gleichzeitig einige hundert deutscher Städte und Gemeinden ihren Konkurs anmelden würden. Diese Reglung wird nun in der Weise vorgenommen, daß man die Gläubiger der kurzfristigen Forderungen unter der Androhung, daß fie sonst volle fünf Jahre stillhalten müssen, zwingt, an der Stelle ordnungsmäßiger Barzahlungen langfristige Schuldscheine einer großen Konversionsanleihe entgegen zu nehmen. Wer die Kursgestaltung der öffentlichen Anleihen in Deutschland betrachtet, wird mit Recht die Frage aufwerfen, wo, wie und zu welchen Bedingungen denn eine solche gewaltige Umschuldungsanleihe marktmäßig überhaupt unterzubringen fein würde. Unter normalen Berhältnissen müßte man zugeben, daß diese Frage nicht beantwortet werden kann. Unter den heutigen Verhältnissen in Deutschland aber scheint man Rat zu wissen und es kann schon jest kaum einem Zweifel unterliegen, daß die neue Reform" des deutschen Reichsbank- Gefebes hauptsächlich den Zweck haben dürfte, einen großen Käufer für diese Emission von zwei Milliarden zu schaffen: die Reichsbant. Eine riesige Menge langfristiger Titel, die aus der Konversion notleidend gewordener kurzfristiger Berbindlichkeiten schlechter Schuldner stammt, wird in den nächsten Monaten die Deckungsunterlage für neue Notenemissionen bilden. Diese Titel werden zunächst mit einer Berzinsung von 4 Prozent, von 1986 ab jogar mit einer solchen von 3 Prozent aus gestattet sein. Der Kursinder der 6prozentigen öffentlichen Anleihen deutscher Emittenten an der Berliner Börse Itegt Für die Beurteilung der durch die Zahlungsstockungen entstandenen Unsicherheit im gemeindlichen Kaffenwesen ist die Art der Rückstände von größter Bedeutung. Die Gemeinden haben von dem Mittel des Zahlungsverzugs in erster Linie gegenüber öffentlich- rechtlichen Gläubigern Gebrauch gemacht. In einigen Ländern, in denen die kommunalen Kaffen Staatssteuern erheben, sind vor allem die für den Staat vereinnahmten Beträge in großem sächlich die dem Reich bzw. der Reichsanstalt für ArbeitsInjenversicherung geschuldeten Beiträge zur Krisenfürsorge nicht bezahlt worden, vielfach sind auch von andern Gemeinden vorgelegte Kosten der allgemeinen Fürsorge nicht erstattet, oder es find Provinzial- und Kreisumlagen, Schulbeiträge, Polizeifostenbeiträge und dergleichen nicht oder nicht rechtzeitig abgeführt worden. Zusammen machen diese rückständigen öffentlichen Ausgaben und dergleichen 234,3 Millionen Reichsmark oder rund die Hälfte der Rückstände überhaupt aus. einbebalten worden, in andern Ländern find baupt Deutsche Ausfuhr Ein weiterer großer Teil entfällt auf Verbindlichfeiten aus dem Schuldendienst. Bon den an den Börsen gehandelten kommunalen Anleihen sind zwar verhältnismäßig wenige notleidend geworden, und auch die Aufbringung des Schuldendienstes für die großen Ans Iandanleihen ging bisher ziemlich reibungslos vonstatten; häufiger verzögerte sich jedoch der Zinseingang auf die von den eignen Kreditinstituten der Gemeinden( Girozentralen, Sparkassen) gegebenen Kommunalkredite sowie auf staatliche Baudarlehen, Erwerbslosenkredite und dergleichen, bei denen wieder die privaten, Darlehnsnehmer ihren Verpflichtungen gegenüber den Gemeinden nicht nach kamen. Im Vergleich zu dem Rins- und Tilgungssoll der Rechnungsjahre 1931/32 und 1932/33 machen die Rückstände im Schuldendienst jedoch immerhin erst ein Zehntel aus( 195,2 Millionen Reichsmart oder rund 42 Prozent der Rückstände überhaupt). Der verbleibende Restbetrag der Rückstände( 36,7 Millioren Reichsmart oder 7,9 Prozent) umfaßt unbezahlte Rechnungen für Lieferungen und Leistungen aller Art, die namentlich bei den gemeindlichen Bauverwaltungen vorkommen. Die Gläubiger find hier überwiegend Großoder Mittelbetriebe in Industrie, Handwerk und Handel. Die verhältnismäßig niedrige Summe erklärt sich zum Teil daraus, daß die Rechnungen nur dann aufgenommen worden sind, wenn sie am Stichtag der Erhebung mindestens ein halbes Jahr fällig waren. Von den gesamten Zahlungsrückständen dürften etwa 60 Prozent auf öffent= lich- rechtliche und 40 Prozent auf privatrechtliche Verpflichtungen entfallen. Die Kapl'al- Investitionen by Der Neue Vorwärts", Karlsbad, beschäftigt sich fritisch mit der Darstellung des Instituts für Konjunktur forschung" über die kapital 3nvestitionen in Deutschland. Das Institut behauptet, daß die Investitionen den Stand von 1931 bereits überschritten haben, daß die Mittel dafür im wesentlichen von der öffentlichen Hand gegeben und zum größten Teil für Straßenbauten und ähn liche Erdarbeiten verwendet werden. Demgegenüber weist der Neue Vorwärts" darauf hin, daß nur eine der beiden Behauptungen richtig sein kann. Nach den amtlichen Angaben hat sich der Produktionsumfang um 22 Prozent erhöht. Die Produktion von Roheisen aber hat in der Zeit von August 1932 bis August 1983 von 268 000 auf 478 000 Tonnen, also um 80 v. H., die Produktion von Robstahl von 417 000 auf 706 000 Tonnen, also um 70 v. S., die Produktion von Walzwerkserzeugnissen von 300 000 auf 750 000 Tonnen also um mehr als 80 v. zugenommen. Das Bauwefen und der Maschinenmartt, die fonit einen großen Eisen- und Stahlbedarf haben liegen völlig barnieder Für Straßen- und Erdarbeiten wird fast fein Eisen per wendet Deshalb bleibt als Erklärung für die gewaltige €.eigerung der Eisen- und Stahlproduktion nur übrig, daß He für Rüstungszwede verwendet wird. Rekordziffern und Tiefstand In den ersten neun Monaten der Jahre 1929, 1982, und 1983 hat sich die deutsche Ausfuhr wie folgt gestellt: Ausfuhr Januar bis September in II.. 1929 8632 sid Boudi Farben u. Chemikalien Glas und Porzellan Eisenwaren Warengruppe 1988 1982 Kohlen 237 265 Gewebe 236 271 826 Kleidung day 25/1 Papierwaren 78 184 11122 116 153 807 415 312 720 124 182 291 532 633 1445 191 107 280 837 488 859 Elektrotechnik 158 248 415 Gesamtausfuhr 3608 4291 10 043 6 Kupferwaren Maschinen Schokoladen- und Süßwaren Das Institut für Konjunkturforschung berichtet: Die Nachfrage hat sich bis jest offenbar noch wenig belebt. Jedenfalls haben die Einzelhandelsumfäße noch kaum zugenommen. Einer Erhöhung der Fertigwarenpreise würden somit wohl große Schwierigkeiten entgegenstehen. Mit Rüdficht auf die Kaufkraft der Verbände ist nur eine langsame Belebung des Mengenabsages zu erwarten. Von der im Durchschnitt geringen Ausfuhrabhängigkett ber Nahrungs- und Genußmittelindustrien macht die Schokoladen- und Süßwarenerzeugung troß ihrer hochwertigen Erzeugnisse teine Ausnahme. Sierfür sind in erfter Linie ausländische Zollschranken verantwortlich zu machen. Die Ausfuhrquote( Ausfuhr in Prozenten der Produktion) von Schokolade und Süßwaren lag im Durchschnitt der Jahre 1927 bis 1982 zwischen 2 und 3 Prozent. Seit Beginn dieses Jahres ist auch die Ausfuhr in diesen waren von der Schrumpfung des Außenhandels nicht verschont geblieben. Stockung seit Wochen unter der Grenze von 80 Prozent. Es bedarf also kaum besonders scharfer finanzieller Rombinations gabe, um sich darüber klar zu werden, daß man wirklich schon sehr drastische Mittel anwenden mußte, um diese neuen konvertierten Anleihetitel marktgängig zu machen. Man hat diese Wege gefunden und hinter zahlreichen, zwar nicht ganz zutreffenden, aber sehr imponierend flingenden Fachansdrücken, wie dem von einer deutschen„ Open Market Bolicy" verbirgt fich die erlösende Zusicherung: Die Reichss bank zahlt alles. Bisher hat man seit Monaten mit einem gewissen Erfolge versucht, die gewaltigen Beträge, die man dem Auslande infolge des Transfer- Moratoriums und der alten Stillhalte Verträge schuldig geblieben ist, ber deutschen Wirtschaft nuzbar zu machen". Der Devisenzufluß war reichlicher geworden und man konnte die Rob stoffläger der Rüstungsindustrien gut auffüllen. Auch die Deckungsquote des Zentralnoteninstitutes befferte sich un aufhörlich von Woche zu Woche stets um den Bruchteil eines Prozentes, so daß die ausländischen Gläubiger wenigstens die Beruhigung hatten festzustellen, wo ihr Geld eigentlich blieb. Seit dem Quartalsultimo zeigt sich aber jetzt eine Wendung zum Schlechteren.„ Made in Germany" wird immer unbeliebter an den Exportmärkten und auch die billigen Strips, mit denen man deutiche Waren bezahlen kann, scheinen nicht alle Hoffnungen zu erfüllen, die man in sie gesezt hat. Außerdem hat man sich verpflichtet, wenig stens die Sälfte der Zinsen in bar zu zahlen und auch dies wird die Devisenlage weiter belasten. Nach den anerkannten Methoden einer normalen Notenbankpolitik kann man nicht genügend Geld fabrizieren, um die Konkurse der Länder, Städte und Gemeinden zu vermeiden. Aber man braucht Geld, und zwar nicht nur zur Sanierung der öffentlichen Körperschaften sondern auch für Arbeitsbeschaffung, Rüstungsaufträge und verwandte Dinge. Gold, Devisen und Handelswechsel lassen sich nicht beliebig vermehren, aber eine Konversionsanleihe der öffentlichen Hand im Betrage von zwei Milliarden RM. wird Herrn Dr. Schacht auf viele Monate hinaus die Arme frei machen und es ihm ermöglichen, der Regierung so viel neue Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen, wie sie braucht. Die Frage, wie sich das Schicksal der deutschen Mark in den kommenden Wintermonaten unter diesen Verhältnissen gestalten wird ist nicht besonders rätselhaft. Auch die Tat fache, daß man sich grade zum jetzigen Zeitpunkt mit der Ausarbeitung eines Projektes zur Konsolidierung der im Auslande untergebrachten, auf Dollar und fremde Wäh rungen lautenden deutschen Anleihen beschäftigt, und zwar auf der Basis einer Ronvertierung aller dieser Bonds in auf Mart lautende Titel, kann das Bild nur noch er gänzen. Die Vorbereitungen der neuen großen Inflations periode sind in Deutschland jetzt nahezu abgefchloffen. Das Schicksal der deutschen Reichsmark dürfte sich in den nächsten Monaten flären und es bleibt abzuwarten, ob die jetzt bevor stehende Währungsfrise nicht schon recht bald auch die wirtschaftlichen Widersprüche des Hitler- Systems im Innern sowie in feinen Beziehungen zur Weltwirtschaft entscheidend verschärfen wird. Die Feierschichten im Ruhrbergbau Die Haldenbestände auf den Zechen haben sich seit Jult nicht weientlich verändert. Dagegen hat sich die Zahl der Feierschichten in den Monaten Juni, Jult und Auguft von 719 000 auf 896 000 erhöht; im September trat infolge der leichten Abfaßbefferung wieder ein Rückschlag auf 818 000 ein. Die Zahl der im Ruhrbergbau beschäftigten r better steigt seit einigen Monaten wieder. Um die Regie rung im Rampf gegen die Arbeitslosigkeit zu unterstüßen, hat der Ruhrbergbau seit Ende Mai über 6000 Arbeiter neu eingestellt, so daß sich die Gesamtbelegschaft Ende September auf über 212 000 Mann stellte, also auf Kosten der Arbeitsstredung. Die Inflatior Jnprés. Daß maßgebende hölländische Börsenblatt De Dagelijksche Beurscourant" schreibt zu der Finanzlage Deutschlands: Der Fall der Reichsmart wird zum Schluß nicht mehr zu vermeiden sein... Wie lange Deutschland noch in der Lage sein wird, den Anschein der Stabilität feiner Valuta aufrecht zu erhalten, ist nicht auf den Tag vorher zusagen... Daß die Reichsmart nicht merden kann. steht für uns fest... Geringerer Milchkonsum Nach Angaben des Statistischen Reichsamtes ging der Absatz von Frischmilch im lebten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent zurück. Flugzeugmotorenwerk arbeitet in drei Schichten Die Gießerei der Siemenswerke in Berlin arbeitet jetzt nur noch zwei Tage pro Woche. Im Stabelwerk wird teilweise nur noch drei Tage gearbeitet. Nur ein Werk: das Flumo-( Flugzeugmotoren)-Werk arbeitet in drei Schichten. Aufträge in Geschoßkörben bis 1934 Die ganze Hamburger Korbwaren- Industrie erhielt große Aufträge in Geschoßförben. die bis zum Januar 1934 volle Beschäftigung geben. Wirtschaftsorakel In den letzten Tagen ist die seit Beginn des vorigen Monats eingetretene Belebung auf dem Schrottmarkt unerwartet zum Steben gekommen, die Verbraucher zögern mehr und mehr mit den Abrufen und die Abschlüsse find fast ganz eingeftellt worden. Auch der wirkliche Bedarf scheint aur Zeit faum gedeckt zu werden, obwohl die Vorräte auf den Werken kaum nennenswert aufgefüllt sein dürften. Bei dem größten Verbraucher, den Ber. Stablwerten, dürfte die starke Zurüdhaltung auch mit der bevorstehenden Umgruppierung im Zusammenhang steher.. Die Preise neigen infolge diefer unerwarteten Stockung eher nach unten. ,, Exportrat" wird verlangt Auch auf dem Gußbruchma1ft zeigt sich eine ähnliche Entw dlung; die Eifengießereien find fast gar nicht im Markt und die letzten Preisbesserungen konnten nicht gehalten Die Vereinigten Ultramarinfabriken A.-G. in Köln be richten:„ Nach Mitteilung der Verwaltung ist der Geschäftsgang in den ersten Monaten des neuen Jahres zwar e: was ruhiger, aber immerhin beffer als in der gleichen Zeit des Vorjahres." werden. Luna- Park, Berlin, in Konkurs island si Inpres. Die Eigentümerin des großen Berliner Ber jnügungspalastes, die Luna- Park Grundstüds A. G.( Aktien tapital zwei Miltonen) und die Betriebsführerin, die LunaTerraffen G. m. b. S., haben Konkurs angemeldet. Der Betrieb ist gefchloffen worden. Um der Katastrophe des deutschen Exports zu begegnen, soll, wie die Führer der westlichen und thüringischen Eisenund Metallwarenindustrie anläßlich ihrer Zusammenkunft in Wuppertal forderten, ein Exportrat geschaffen werden. Gegen die Gemeinden Durch Runderlaß des preußischen Innenministeriums Min. Bl. f. d. preuß. innere Be malta. S 1, Ausg. A/ 42) irtrd den Gemeinden und Gemeindeverbänden erneut nahegelegt, von jeder wirtschaftlichen Betätigung Abstand zu nehmen. Der Reichskanzler lügt! Was er sagt, und was er tun läßt In feiner Unterredung mit dem Sonderforrespondenten der Daily Mail" sagte Reichskanzler Sitler Die deutsche Ingend wird weder in den Arbeitslagern, noch in der SЯ. und in den unterstehenden Formationen mit militärischen Kenntnissen versehen. Die pfälzische nationalsozialistische Presse und gleich geschaltete Zeitungen berichten über Wehrsportschießen in Pirmasens( u. a.„ NS3." vom 12. Oftober): Das Mannschaftsschießen, bestritten von 28 Ronkurrenten, brachte erbitterte Stämpfe. Sieger blieb die Mannschaft der Motorreserve 3. Zweiter wurde der Schützenverein Pirmasens, dritter Sieger blieb Sturm 8 Standarte 5. Die Siegerlifte Mannschaftsschießen: 1. Motorreserve 3 hier, 682 Ringe; 2. Schützenverein Pirmasens 609 Ringe; 8. Sturm 8, Standarte 5, 551 Ringe, 4. Schüßenklub 1911, 525; 5. Bürgerliche Schügengesellschaft 508; Ehem. 28er, 508; 7. Schügengesellschaft Bogeien 505; 8. SA..Sturm 6/5 504; 9. S. Sturm R 1/2/10 494; 10. Fußballklub Pfalz 07 487; 11, Standartenftab 474; 12. Pfälzer Schüßen verein 470; 18. Genbarmerie Birmalen 444; 14. Polizei Pirmasens 443; 15. Stahlhelm, attiver Sturm 416; 16. Militäranwärter Berga. 409; 17. Ehem. Felbart. 405; 18. Bergg. ehem. 4er 402; 19. Nachrichtensturm Stanbarte 5 390; 20. Ref. 1. Reg. 22 881. Es folgen dann noch( entsprechend der Ringzahl: A. Sturm 1„ Arthur Prad", Motor: farm, Stahlhelm Reserveturm, Infant. Leibregiment, 18er Ramerabschaft, A.- Sturm 2/5, Bergg. chem. 22er, A.- Sturm 4/5. % Der Vorsitzende Dr. Ramm lud alle zum nächsten Schießen ein:„ Es gelte, deutschen Wehrgeist, germanischen Stampfgeist ins Volf zu tragen, der Schießsport müsse Gemeingut der Nation werden." bons Professor Banse Litwinow fährt zu Roosevelt Roosevelt Man rechnet mit einer Verständigung Wie United Preß aus Moskau berichtet, wird der russische Außenkommissar Litwinow in dieser Woche nach den Bereinigten Staaten abreisen. Die Reise geht zurück auf die Korrespondenz zwischen dem Präsidenten Roosevelt und dem Borsißenben des Bundeshauptvollzugsausschusses der Sowjetunion Kalinin, worin Roosevelt die Ansicht ausdrückt, daß die beiden großen Republiken ihre beiderseitigen Probleme durch direkten Verkehr besser lösen könnten. Er forderte Kalinin daher auf, einen Kommissar zur Erörterung der Wege und Mittel zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen nach Washington zu senden, ohne daß jedoch die beiden Regierungen sich dadurch irgendwie binden sollen. Stalinin antwortete erfreut und zustimmend und teilte mit, daß er Litwinow nach Washington senden werde. In politischen Kreisen, vor allem bei fonsersenden werde. In politischen Kreisen, vor allem bei tonjer. vativ eingestellten Republikanern und Demokraten, wird die Nachricht mit Mißbehagen aufgenommen, da gerade jent in Kuba und Mexiko, also in allernächster Nähe der Bereinigten Staaten, kommunistische Unruhen herrschen. Aber in ber großen Oeffentlichkeit hat die Einladung Roosevelts an die Sowjetregierung ein gutes Eco gefunden. An der Börse segte eine Aufwärtsbewegung ein. Die Kurse stiegen bis zu drei Punkten. In England hat die Einladung Roosevelts an Rußland, direkte Verhandlungen durch einen Sonderdelegierten zu ers direkte Verhandlungen durch einen Sonderdelegierten zu ers if 196cijo sa öffnen, sehr große Aufsehen erregt, besonders im Hinblick auf die Entsendung Litwinows. Die Blätter sehen die Anerkennung bereits als feststehende Tatsache an, da allgemein damit gerechnet wird, daß Rußland den Bereinigten Staaten sehr weit entgegenkommen werde, während Roosevelt seinerseits Rußland gegenüber zu weitgehenden wirtschaftlichen Zugeständnissen bereit sei. Der Boden sei so weit vorbereitet, daß der Abschluß eines Vertrages nur noch wenig mehr als eine Formalität zu sein scheine. biff Die Arbeitslosen in Amerika Immer noch 10 Millionen alloV adoa adoahrob ash anW wtb. Washington, 28. Oft.( Reuter.) Der Präsident des amerikanischen Arbeiterverbandes, Green, erklärte gestern, seit März dieses Jahres hätten 3 600 000 amerikanische Arbeitslose Beschäftigung gefunden. 10.089 000 feien aber noch ohne Arbeit. Aus diesem Grunde müsse eine Verkürzung der Arbeitszeit in allen Industrien durchgeführt werden. Die Kaufkraft der Arbeiter habe" h von März bis September um 80,7 Prozent verbessert. Allerdings bedeutet dies infolge des Steigens der Preise in pragi nur 20,5 Prozent. Nazi- Feme in Barcelona Der Fall Göring und der Fall Arnau Man schreibt uns: trauensmann der Deutschen Bank die Vorstände der DaimlerSein Buch beschlagnahmt Der bekannte Romanschriftsteller Frank Arnau, deffen Romane gegen die Todesstrafe, den§ 218 und den Krieg in Ein Teil der ausländischen Presse hat in tendenziöser Ab- vielen, fozialdemokratischen und kommunistischen Zeitungen ficht einzelne Säße und Abschnitte aus dem Buch des Pro- erschienen sind, beriet vor dem Hitler- Umsturz als Verfeffors Banje, Wehrwissenschaft, Einführung in eine neue nationale wiffenſchaft, attiert, um damit die friebliche Bene. G. und der Bayerischen Motoren- Werke A. G., wie Belinnung bes neuen Deutschlands zu verschon früber die Abler- Werte und andere Firmen der Autotigen. Es wird demgegenüber festgestellt, daß die von nie. In dieser Bertrauensstellung erfuhr er interProf. Banse vertretenen Auffassungen nicht denen der deutschen Regierung entsprechen und leciglich als persönliche effante Einzelheiten über die Gelder, die damals von groß Meinungsäußerungen zu betrachten fing. Professor Banies industrieller Seite der NSDAP. zufioffen, darunter auch von Buch„ Wehrwissenschaft, Einführung in eine neue nationale einem Geheimfonto bei den BMW., aus dem private RechWissenschaft", ist beschlagnahmt worden. nungen von Persönlichkeiten beglichen wurden, die diesen Erst auf Grund von Zitaten in der ausländischen Presse hat Presse hat Werken Flugzeugmotorenaufträge zugeschanzt hatten. Unter man die Beschlagnahme des ebenso dreisten wie gefährlichen anderen hatte ein Fliegerhauptmann 23 840 Reichsmart„ disBuches, dessen Autor von der Hitlerregierung mit einem bringung solcher Aufträge erhalten. Dieser Fliegerhauptmann fretionale Bergütungen" für Gefälligkeiten bei der ZuLehrstuhl für Wehrwissenschaft beschenkt wurde, hieß- Hermann Göring! angeordnet. Professor bleibt er. Als Erzieher der Studenten kommt der wehrhungrige Mann allen Wünschen der Nationalsozialisten in idealer Form entgegen. Wir aber fragen: Wann wird Hitlers„ Mein Ramps" beschlagnahmt? In diesem größten Bucherfolg befinden sich Hunderte von Stellen, die geeignet sind, die friedliche Gesinnung des neuen Deutschlands zu verbächtigen". Sie sind vom deutschen Standpunkt um das tausendfache gefährlicher als das Buch des Wehrwissenschafts- Profeffors, weil sie sich auf die höchste Autorität, auf bie des Kanglers und„ Führers", stüßen können. Vielleicht stände„ Mein Kampf" schon auf der Inderliste des entw' t lungsfähigen Herrn Propagandaministers, wenn das Buch nicht so ein gutes Geschäft wäre. * Im Dresdener Polizeipräsidium wurde der Unterbezirksleiter der APD Dresden. Rolf, erschlagen. Den Unterbezirksleiter der APD. Zwickau, Martin Hoog, fischte man tot aus einem Teich bei Zwickau. Seit zwei Monaten wird Frau Erna Stentich mit ihrem einige Monate alten Rinde im Gefängnis Münchnerplas festgehalten: als Geisel für ihren geflüchteten Lebensgefährten, der kommunistischer Funktionär war. Sontamara 43 ROMAN VON IGNAZIO SILONE Daraufhin stand der Gavaltere vom Bett auf und verließ bas Simmer. Wir hörten ihn im Gang husten. Dann hörten wir den Susten langsam die Treppe hinuntersteigen, sich einige Minuten im Erdgeschoß aufhalten, wo der„ Gute Schächer" im Hinterbalt lag, auf die Straße gehen und in ber gegenüberliegenden Wirtschaft verstummen. Wir mußten fast eine Stunde warten, bis der susten wieder auftauchte, wieder über die Straße fam, wieder lang= sam und müde die Treppe heraufkroch, an unserer Tür etwas Bögerte, eintrat und einen Laib Brot, eine halbe Wurst und eine halbvolle Flaiche Rotwein mitbrachte. Euer Fall ist dunkel," sagte Cavaliere Pazienza zu uns, nachdem er feine horizontale Rage wieder eingenommen batte und obwohl wir ihm noch nicht einmal erklärt hatten. was mit uns los war. Wieviel Geld babt ihr noch?", fragte er schließlich nach einer Pause vol! Nachdenkens. Wir schütteten alles, was uns geblieben war, in Berardos Sut, auch die Kupfermünzen waren dabei, und zählten dann rund 14 Lire. Euer Fall ist unwesentlich." orakelte daraufhin der enttäuschte Gavaliere. Nach einer weiteren langen Denkpanse fragte er: An Rönnt ihr euch aus Fontamarà noch Geld kommen Taffen?" Aber gewiß." antwortete Berardo sofort. obwohl er vom Gegenteil überzeugt war. Und einige Bühner? Etliche kleine Hühnchen? Und etwas Rafe? Gin bißchen Honig gegen den Buften?" fügte der Cavaliere hinzu. „ Bestimmt." beeilte sich Berardo zu sagen, ber in feinem ganzen Leben noch keinen Honig gesehen hatte. Euer Fall fängt an, hoffnungsvoller zu werden," grinste Cavaliere Pazienza Berablafend, wobei an die breißig grüne Bähne zum Vorschein kamen. Zum ersten Mal tauchte diese Anschuldigung gegen Göring in einer Anzeige auf die der frühere Chefredakteur der " Münchener Neuesten Nachrichten", Dr. Fris Gerlich, bei der Polizeidirektion München erstattet hatte. Gerlich, der die Zusammenhänge selbst kannte, war bereit, gegen Göring unter Eid auszusagen. Er wurde daraufhin aber von einer Notte Nazis so schwer mißhandelt, daß er erblindete und fast völlig das Gehör verlor. Er schied also als Zeuge aus. Gerlich hatte jedoch einen zweiten Beugen gegen Göring benannt, nämlich Frank Arnau! An Arnau konnten die Nazis zu ihrem Bedauern nicht heran, denn er befand sich gerade auf einer Erholungsreise auf der Balearen- Insel Mallorca. Da in Berlin aber zu allem Ueberfluß noch bekannt geworden war, daß Arnau an der spanischen Uebersetzung des Braunbuches arbeitete und außerdem im Auftrage der Pariser, Editions du Carrefour" ( des Berlages, in dem das Braunbuch erschienen ist) einen Anti- Hitler- Roman Die braune Best" schreibt, war ihnen doppelt daran gelegen, diesen unbequemen Zeugen der Göringschen Schiebergeschäfte unschädlich oder wenigstens „ unglaubwürdig" zu machen. lem Die Geheime Staatspolizei in Berlin setzte zu diesem Zwed den Kriminalkommisar Stonrad Nußbaum ein, der bereits in der Affäre des Jungdeutschen Ordens und Und jetzt erst kam Berardo dazu, unsern Fall zu erklären. Der Cavaliere erhob sich suchte seinen Stock. der wie der Griff eines Regenschirms aussah, und indem er ihn in der Luft schwenkte, sagte er: Folgt mir!" 1 Wir folgen ihm. Die erste Etappe war das Postbüro. Der Cavaliere verfaßte ein Telegramm folgenden Inhalts: feines Führers Mahraun eine mehr als zweifelhafte Rolle spielte und in dem Fall Arnau" ein willkommenes Mittel sab. setne Beförderung zum Kriminalrat zu erreichen, was ihm übrigens auch gelungen ist. Nußbaum beschlagnahmte Arnaus Villa, verhaftete seine Sekretärin und meh rere ihm nabestehende Personen und expreßte dann von den Verhafteten in der bekannten SM- Berhörmanier Aussagen, die Arnau aller nur möglichen kriminellen Delikte beschuldigten und von Nußbaum sofort zu einer großartigen Preffekampagne verwendet wurden. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte zwar sehr schnell fest, daß keine einzige der Anklagen sich aufrechterhalten ließ, aber der Staatsanwalt verweigerte trotzdem gegenüber Arnaus Anwalt jegliche Rehabilitierung mit der zynischen Begründung, gegen einen Menschen, der im Auslande so unverschämt die leitenden deutschen Staatsmänner bekämpfe, set fedes Mittel recht," und der Gerechtigkeit jei darum mit der Niederschlagung des eingeleiteten Strafverfahrens vollauf Genüge getan. Arnau hatte inzwischen die spanische Staatsangehörigkeit erworben. Das hinderte aber den Führer der Nazi- Orts gruppe von Barcelona, Bongert, nicht, ihn auf Schritt und Tritt durch Spizel überwachen" zu lassen und ihm anzukündigen, er stehe auf der schwarzen Liste, sei eigentlich schon ein toter Mann", und weder Deutschland noch Spanien würden wegen des Abfillens eines solchen Burschen" irgend welche Schwierigkeiten machen. Arnaus Sekretärin, eine Frau Did in Barcelona, wurde von Bongert ultimativ aufgefordert, thre Tätigkeit für Arnau fofort einzustellen; andernfalls werde ihre in Deutschland lebende alte Mutter unverzüglich in ein Konzentra= tionslager gebracht werden. Als Arnan sich über diese Dinge beim deutschen Konsul beschwerte erklärte ihm dieser achselzuckend, er sei damit natürlich nicht einverstanden, könne aber für Arnaus Sicherheit keinerlei Gewähr übernehmen und empfehle ihm deshalb, Barcelona zu verlassen und wieder nach Malorca zu fahren. Da die Nazis von Barcelona mit ähnlichen Terror= drohungen auch gegen den Herausgeber einer dortigen antifaschistischen deutschen Zeitung vorgegangen sind, beabsichtigen die spanischen Behörden jest, ihrem frechen Treiben mit schärfiten polizeilichen Maßnahmen entgegenzutreten G. K. mundszeugnis und wenn es sie hat, wird man euch sofort in die Liste der Arbeitslosen eintragen... Die Arbeit wird dann schon kommen. Man wird euch ins Amt rufen." Am siebenten Tag unseres römischen Aufenthaltes hatten wir nur noch vier Lire. Wir fauften zwei Kilo Brot und hatten dann keinen Gentesimo mehr. ,, Die Nachricht des Arbeitsamtes fann ja nicht lange ausbleiben," wiederholte mir Berardo immer wieder, um sich Benöttgen 200 Lire, 10 Kilo Käse, 2 Kilo Hontg, mehrere selbst Mut zu machen. Hühner," und dann fragte er uns: Um dem Ruf gleich folgen zu können und da wir vor An wen soll ich das Telegramm adreffieren? Welche Hunger sowieso keine Lust zum Herumlaufen hatten, verFamilie ist die wohlhabendere?" " Schick es an meinen Vater, Vincenzo Viola," antwortete Berardo, der seinen Vater schon als Kind verloren hatte. Don Pazienza stand schon am Schalter, als Berardo ihn fragte: ไน ก Cavaliere, essen Sie gerne Pfirsiche? está Jun Und wie!" antwortete er. Sie sind gut gegen den Husten." So wurde dem Telegramm noch die Bestellung von 10 Kilo Pfirsichen angehängt. Der Cavaliere schrieb den Text nochmals ab und empfahl dann: " Sahlt und folgt mir!" Wir zahlten und folgten ihm. Die zweite Etappe war der Arbeitsnachweis faschistischer Gewerkschaften, wo man uns am ersten Tag weggeschickt hatte. Don Pazienza fieß uns im Gang stehen, aber durch einen geöffneten Schalter saben wir ihn angeregt mit dem Bürovorsteher Ichwaben und gestiku lieren. Er zeigte thm die Abschrift des nach Fontamara abgegangenen Telegramms und deutete mit den Fingern auf die wichtigsten Worte. Der Bürovorstand schlen unserem Anwalt schwere Einwände zu machen denn wir saben ihn zuerst erbleichen und dann mit der Frage auf uns zustürzen: „ Ist der Käse von Fontamara zum Reiben oder zum Effen?" „ Wenn er frisch ist wird er gegeffen, wenn er trocken ist. gerieben," entgegnete Berardo zur großen Freude des Cava( iere, der wieder wegl'ef, um dem Bürovorstand die befriediende Auskunft zu übermitteln. Andere schwere Einwände wurden nicht gemacht. so daß der Cavaliere uns berichten konnte: ließen wir unsern Gasthof nicht mehr. Bei jedem Geräusch stürzten wir vor die Tür. Beim Auftauchen des Briefträgers rannten wir ins Erdgeschoß, wo der„ Gute Schächer" im Hinterhalt lag. Cavaliere Pazienza lebte in der gleichen Sorge. Nur mit dem Unterschied, daß wir auf Arbett warteten und er auf die telegraphische Geldanweisung und die Lebensmittel von Berardos Vater. Wir verbrachten alle drei den Tag auf dem Bett und waren bei jedem Geräusch alle drei an der Treppe. " Du hast einen herzlosen Vater," sagte Cavaliere Pazienza zu Berardo.„ Wie kann er sich solange bestnnen, bis er zwethundert Lire schickt?" ,, Gibt es Arbeit oder gibt es feine?" antwortete Berardo. „ Und wenn es eine gibt, warum rufen sie uns nicht? Wenn es keine bat, warum dann soviele Umstände?" „ Mit den Paketen muß man Geduld haben," fügte der Gavaliere hinzu. Man weiß ta, daß Patete langfam retfen, besonders wenn sie leicht verderbliche Waren enthalten. Aber eine telegraphische Anweisung ist in einem Tag da.... Dein Vater ist ein egoistisches Schwein." " Was hat ein Geburtsschein mit Arbeit zu tun?" erwiderte Berardo.„ Es ist doch klar, daß man geboren ist, wenn man Arbeit sucht... Kein Mensch verlangt Arbeit vor seiner Geburt." Nach drei Fastentagen und nutzlosem Warten gaben Berardo und ich es auf. beim Erscheinen des Briefträgers ins Erdgeschoß zu rennen Mir blieben vom Morgen bis zum Abend in unseren Betten liegen und verließen sie nur ab und zu, um an der Wafferleitung des Aborts zu trinken. ( Fortfegung folgt.) Die Geschichte läuft. Das Amt wird die nötigen Papiere anfordern: Geburtsurkunde, Strafregisterauszug, LeuStrafregisterauszug, Beu- lo mi Deutsche Stimmen 金 Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit"* Dienstag, den 24. Oftober 1933* Ereignisse und Geschichten Nicht„ blut- und acteigen" nicht ,, blutWas das deutsche Volk nicht lesen darf Das thüringische Volksbildungsministerium hat Richt: linien über die Auslese der Bestände der öffentlichen Büchereien herausgegeben, denen wir folgendes ents * nehmen: In die volkstümlichen Büchereien oder diejenigen wissen schaftlichen, die eine volkstümliche Abteilung führen, dürfen nur Dichter und Schriftsteller aufgenommen werden, die auf dem Boden der blut- und artbedingten Voltsgemeinschaft stehen und sich in ihrer geistig seelischen Haltung mit dem Schicksal ihres Volkes eins fühlen. Dichtungen dürften nicht nur nach ihrem formalästhetischen und literarischen Wert, sondern müßten gleich zeitig, in Zweifelsfällen sogar in erster Linie, nach ihrem volksmäßigen Charakter und Gesinnungswert beurteilt werden. Zu entfernen sind insbesondere die Erzeugnisse jüdischen Geistes und die Werke, die aus dem bürgerlich- dekadenten Subjektivismus volkstumfremder und landschaftsferner großstädtischer Literaten verfaßt in ihrer Wirkung dahin führten, daß volksbegründende und volkserhaltende Einrichtungen und Werte als Bagatellen behandelt, ironisiert und verfälscht werden. Ebenso sind auszuschalten die Erzeugnisse, die der Propaganda des Klassenkampfes, des Marxismus, des Pazifismus, der antireligiösen, antifirchlichen Bewegung oder einer paneuropäisch- weltbürgerlich eingestellten Geistigkeit dienen. Fremdsprachige oder aus fremden Cprachen übertragene Literatur soll nur insoweit im Ausleihverkehr belassen werden, wie sie deutsch- nordischem Empfinden artverwandt und seelenverbunden fei. 181 mados seus in Bei der wissenschaftlichen Literatur sei auszuschalten die margistische und pazifistisch- antimili tärische Literatur, die ausgesprochen liberalistischdemokratische Tendenz- und Gesinnungsliteratur jüdischliteratenhafter Prägung, ferner die durch die neueste Entwicklung überholte oder überflüssig gewordene staatsbürgerliche Literatur, Darstellungen, die die Geschichte, insbeson dere den Weltkrieg, materialistisch betrachten, ferner solche, die den Bulgär- Darwinismus vertreten, Werke der Freudschen Richtung usw. Das Ministerium hat eine Liste der Schrift fteller aufgestellt, die entfernt werden müßten. Eine Liste derjenigen ist in Vorbereitung, die in jeder öffentlichen Bücherei geführt werden müssen Auf der Liste der nicht zu führenden Schriftsteller befindet sich u. a. auch Thomas Mann, wobei ausgenommen sind seine „ Betrachtungen eines Unpolitischen" in der Erstfassung und die Buddenbrooks". Eine so aute Kennzeichnung des deutschen Schrifttums, das die Nationalsozialisten verfemen und verbrennen, ist selten zu finden. Der Mann, der sie geschrieben hat, ist nicht ohne Fleiß ans Werk gegangen, um den Wünschen seiner Auftraggeber zu genügen. Manchmal hat man den Eindruck, daß er alles getreulich zusammenstellte, was er früher selber gerne gelesen hat. felten zu finden. Der Mann, der sie geschrieben hat, ist nicht Nazi- Deutschland mit der Parole: Ausrottung aller past fistischen, weltbürgerlich- paneuropäischen Schriften! macht es seinen pazifistischen, weltbürgerlich- paneuropäischen Nachbarn nicht ganz einfach, an Hitlers Friedens- und Versöhnungsrufe zu glauben. Fudenglocke frei nach Schiller Es liegt uns, so lesen wir im Aufruf", ein gelbes Heft vor, das in Form einer Parodie auf Schillers Glocke eines jener typischen antisemitischen Machwerke ist, aus denen die heutige Literatur des Hitlerlandes zu einem großen Teil besteht. Unter dem Titel„ Juden glode frei na ch Schiller" wird die Erinnerung an das Kunstwerk des edlen deutschen Dichters dazu mißbraucht, um eine Samm lung übelster antisemitischer Heßaufforderungen ins Volk zu bringen: Mit behördlicher Genehmigung, wie auf dem Umschlag ausdrücklich vermerkt ist. Wir bringen einige Proben: Der Aron, die Sahra berechnen die Tara... Sie handeln mit Schwüren, das Schwindelgesindel, verfuppeln, verführen und regen ohn' End' die schmutzigen Händ'. Sie füllen den knoblauch- duftenden Baden manch' Deutscher schlingt sich um die Kehle den Faden, doch der Jude sammelt tagaus und tagein von den Schafen die Wolle, die Borsten vom Schwein und fügte alte Hosen und Lumpen dazu und hat keine Ruh und fiel auch das Weltall in Staub und Trümmer der schwindelt immer Weh, ein frevelhaft Beginnen macht sich jetzt auf Erden breit doch zum Schuße gegen Spinnen, gegen Wanzen, ruft und schreit: Wer ist Herr im Haus? Schmeißt den Juden raus, wo er einmal festgesessen, hat er stets sich vollgefressen. Zeit- Notizen Gemaßregelte Bibliothekare Dr. Kurt Glaser( Kunstbibliothek, Berlin), Dr. Willy Pieht und Dr. Heinrich Schneider( Lübeck), Dr. Franz Schmid( Stuttgart) wurden beurlaubt bzw. in den Ruhestand versetzt. Passive Resistenzat Die Führer" der Buchdrucker jammern darüber, daß die Ausfüllung und Rücksendung der Statistik- Karten sehr zu wünschen übrig lasse. Die Statistik ist im Monat September überhaupt nur zu 20 Prozent ausgefüllt worden. Der Einsendungstermin mußte daher verlängert werden. Auch Be stellungen auf die Monatsschrift" Der graphische Betrieb" Laufen faum ein. Es ist mit der Einstellung ber 3eitschrift zu rechnen. Erziehungsgrundsätze Für die Erziehung vom 6. Lebensjahr an formuliert die Zeitschrift„ Bolfsgesundheitswacht"( Nr. 5) folgende Grundsäße:„ In der Schule ist im Rahmen der Erziehungsaufgaben das Hauptaugenmerk besonders zu richten auf die Charakterbildung im Gemeinschafts- und Raffegedanken; Es wird dann geschildert, wie der schurkische Jude Levy den armen deutschen Bauer( die blonden Kinder frisch und gesund, sie hüten die Gänse im Wiesengrund) in Not, Elend und schließlich in den Tod treibt: Konkurs Wie in Delirien, die der Hunger schnf, Raft buntgetarnt der Wahnsinn durch die Zeit. Er johlt und schreit und facht die Mordluft an, Zerschlägt, zerstampft die letzte Menschlichkeit. Bor Hunger ist das Volk schon halb trepiert. Mit Яhafiuniformen angetan, Sieht man, wie es von Gauflern angeführt, In Massengräbern landen kann. Das Bolf will menschlich leben, gerne schaffen, Es will im Grunde nur gesättigt sein, Und rennt den Worten hungrig glaubend In tötenden Koufurs hinein. Sie werden gegenseitig fich die Schädel spalten, Verbrennen ihre eigne schöne Welt! Bis der Konkurs einst, unbarmherzig, jähling Wird mangels Masse" eingestellt! Bernard Shaw über die weiße Rasse 10223 Bernard Shaw weilte fürzlich bei einem Cocktail, der ihm des Buches„ Die japanische Gefahr") gewidmet war, weil zu Ehren gegeben, aber dem Professor O'Conroy( Verfasser der große Satiriker feinen Alkohol trinkt. Bei dieser Gelegenheit stellte Bernard Shaw fest, daß es eigentlich gar feine weiße Raffe gibt. In China, wo er voriges Jahr war, nannten ihn die Gelben" den„ Pink Man", das heißt etwa niemand von uns ist ganz weiß." den Rosenroten", und das mit Recht," sagte Shaw, benn Fridericus in München Kitsch wie vor vierzig Jahren bis Anläßlich des Tages der Deutschen Kunst" geschah in München folgendes:" Im Prinzregententheater am Sams tag abend„ Friedrich bei Leuthen" zur festlichen Erstaufführung, ein großes historisches Gemälde von Julius Bernhard. Walter Brügmann, bisher in der Schauspielregiè als Meister minutiöser Kleinkunst rühmlich bekannt, erwies sich hier als großliniger Maler al fresco. Das Sife Schlachtbild gelang unter Mitwirkung der SA.- Männer der Schüßenstandarte 1 und einer Jungvolfgruppe der NSDAP. ungewöhnlich farbig und geschlossen. Klug und eindringlich verkörperte Hans Schlend den König im Lebensstadium des Mannes zwischen den feststehenden Vorstellungen vom jungen und vom alten Friedrich. Soweit es der Text zuließ, konnte er selbst etwas von der dämonischen Getriebenheit des Genies ahnen lassen. Auf seinem Schimmel, inmitten seiner Generäle und die Schau seiner Truppen unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches abnehmend, entzündete er stürmischen Beifall." merkis, ihr Barone! Und als das Jahr vorüber war, da lag der Bauer auf der Bahr, da war'n verarmt ihm Weib und Kind, verschachert der Hof mit Roß und Rind, der Jude bekam mehr als sein Geld, und blieb beliebt bei aller Welt... Der Jude wird natürlich Baron und als er stirbt, meint unser Dichter: Wir werden nicht traurig sein deshalb, Nein, einen Grabstein auch soll er noch haben: Hier liegt ein räudiger Jude begraben... Dem Verdienste seine Kronen, Untergang der Lügenbrut, nicht auf gleicher Scholle wohnen, kann der Deutsche und der Jud'.. fun Ueberall Nach Vernichtung der Juden müssen natürlich auch die müssen die Tüchtigen gehen andern Bewohner der Erde drankommen: Nordische Männer, voll Kraft und Mut, nimmer geraftet, nimmer geruht, bis ihr gerettet Geist und Gut von asiatischer Schlangenbrut. Martige Sieger im Völkerstreit, die ihr die Römer dem Tode geweiht und gezüchtigt gallische Lüfternheit vorwärts, allzeit zum Kampfe bereit... Wir sind gern bereit, das Original der Minderheitenkommission des Völkerbundes sowie dem Auditorium der nächsten Rede des Herrn Göbbels in Genf zur Verfügung zu stellen. Der Dichter und Verleger heißt Bruno Matschte, als Drucort ist Beuthen, D. S., angegeben. auf die Vorbereitung zur Wehrhaftigkeit; auf allgemein brauchbares Wissen und Kenntnisse ohne unnötigen Ballast; auf Vermittlung erbgesundheitlicher Kenntnisse; auf Aus= lefe der Schüler nach rassehygienischen Gefichtspunkten; auf Einpflanzen der Sehn= sucht nach nordischem, germanischem Ideal" 356 Verboten Mar Hodann, Elternhygiene, Greifenverlag, Rudolstadt; folgende Zeitschriften:„ Nen beginnen!"( Karlsbad)„ Gerechtigkeit"( Wien, monarchistisch, gegen den Antisemitismus gerichtet) Nowy Dziennit( Krakau): Vorwärts!"( Wien, An der Universität Leipzig find auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die nichtbeamteten a. v. Doren Professoren 3ade( Pflanzenbaulehre), ( Wirtschaftsgeschichte) und Hollback( Landwirtschaftliche Maschinenlehre) in den Ruhestand versezt worden. Auf Grund des gleichen Ge seges ist dem nichtbeamteten a. o. Professor für Frauenheilkunde on der Universität Leipzig, Dr. Stutsch die Lehrberechtigung entzogen worden. Staatsminister a. D. Dr. Karl Hugo Lindemann. Honorar professor für Kommunalpolitik und Sozialpolitik an der Univers fität Köln, ferner dem a. o. Professor für Philosophie Dr. Helmut Pieffner und dem Privatdozenten für innere Medizin Dr. Daniel Laszlo, ebenfalls an der Universität Köln, ist die Lehre befugniß an der Kölner Universität entzogen worden. Der Althistoriker Dr. Lothar Widert ist zum Professor bet der preußischen Akademie der Wissenschaft ernannt worden. In Hamburg wurden die Universitätsprofefforen Rühler ( Direktor des Seminars für romanische Sprachen) und Laffe ( Arbeitsrecht und Staatslehre) auf Grund des§ 6 des Berufsbemtengesetzes in den Ruhestand versezt, Prof. Joseph( Psychia trie) wurde die Lehrbefugnis entzogen.d Der Landesschulrat Doermer und der Syndikus der Bür gerschaft Möndeberg wurden in den Ruhestand verfest.ut Aus Deutschland vertrieben_- in England geehrt Der englische Joung- Pen- Klub hat Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger und Ernst Toller zu seinen Ehrenmitgliedern ernannt. Katholiken, schießt euch! ok Buchdruckerfachblatt),„ De nieuwe Dag",„ Amstelbode"( m Katholiken, sterdam). Bis 20. Oktober sind verboten„ Bolonte"( Paris), " The Observer"( London).( Deutsches Kriminalpolizeiblatt 1672). Gnadenzeit für das Abendland " Der Durchbruch der Deutschen Revolution bedeutet ste Ueberwindung der französischen Vorherrschaft, ein HeraufUeberwindung der französischen Vorherrschaft, ein Heraufkemmen der deutschen Herrschaft und einer lesten Gnadenzeit für das Abendland."( Literarisches Zentralblatt Nr. 18 über ein Buch: Peters, Deutschlandwende!) 1 Die„ Deutschen Führerbriefe" bringen in Nr. 72 folgende Ausführungen:" Die heroische Lebensauffassung verlangt, daß man für seine Ehre mit seinem ganzen Sein einzustehen hat und sie nicht händlerischen Gesezen unterstellen kann. ine Ehrverlegung kann nur durch Blut sühnt werden. Die folgerichtige Anwendung und Durchführung dieser den Staat tragenden nationalsoziali stischen Anschauung könnte dazu führen, daß die Waffe auch bei den fatholischen Verbänden eingeführt würde, so daß dieser Grundsatz eine Revolutionierung unseres ganzen Lebens hervorrufen würde." Politik IJ Von Dr. G.( London).00 Strafsache Cohn I. dem dritten Reich" Fuldaer Zeitung" vom 16. September: Politik? Bleibt mir weg mit Politik. Zank und Streit, Kulturbild aus Mord und Totschlag, eigensinnige Rechthaberei. Nein, ich will nichts von Politik wissen. Wer so spricht, hat unrecht, denn er begibt sich ja dann selbst der Möglichkeit, etwas zu bessern; er überläßt das„ Geschäft" den Streit- und Banksüchtigen, den Mördern und eigensinnigen Rechthabern. Aber wer so spricht, hat auch ein wenig recht, wenn er der Politik auf dem Kontinent als den Inbegriff der Politik überhaupt betrachtet. Aber ist das denn die wahre Politik? Wie kann Politik denn sonst aussehen? Auf dem Parteitag der Britischen Arbeiterpartei in Hastings. Sir Stafford Cripps hat das Wort, der Führer der Linken, der Minderheit. Er will seinen Antrag begründen. Rasch schreitet er zur„ Rednertribüne"( einigen freistehenden Risten, mit einem braunen Tuch überdeckt, ohne Gitter und ohne Rednerpult). Stürmischer Beifall empfängt ihn, nicht etwa nur seine Anhänger flatschen. Er redet; klar, geschickt, vornehm. Als er endet, bringt ihm der Parteitag eine Ovation. Hat er die Mehrheit gewonnen, hat er seine bisherigen Gegner überzeugt? Reineswegs. Wäre überhaupt abgestimmt worden, der Antrag Gripps wäre mit starter Mehrheit abgelehnt worden. Aber weshalb dann der Beifall? Nun, er sprach klug und gewandt, er vertrat seine Sache mit Geschick und das wird anerkannt. Auch die Gegner seiner Ansicht bezeugen das durch Beifall. Dem Gegensatz ist die Spize abgebogen, er wird nicht aufs Persönliche übertragen. Auch das ist Politik. Ein anderes Beispiel. Auch in Hastings. Ellen Wil tinson, auch vom linken Flügel, heftig umstritten, weil fie sich zu allerlei Vereinsgründungen hergibt, die von den Kommunisten für zweifelhafte 3wede in Szene gesetzt werden. Die große Mehrheit ist zornig, man spricht sogar An- und Verkauf zentraleuropäischer und südamerikanischer Devisen, Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles& P. Michel 34, RUE LAFFITTE PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 von Ausschluß Nun hat die Angegriffene das Wort. Eine frostige Stimmung empfängt sie; man spürt, daß ihre Argumente nicht überzeugen; gelegentlich gibt es ironischen Beifall, wenn sie sich scheinbar selbst widerspricht. Ihre Lage ist nicht beneidenswert. Aber sie ficht mit Leidenschaft, mit Geschick, mit Wiz und mit Anstand. Sie verläßt die Tribüne. Brausender Beifall. Neben mir saß ein grauhaariger Mann, ein scharfer Gegner der Wilkinsonschen Extratouren, oft brummt er während ihrer Rede vor sich hin, er stimmt gar nicht mit ihr überein. Aber jest ruft er begeistert Bravo Ellen". Sie hat mit dieser Rede ehrlich und tapfer, sie hat fair gekämpft. Man hat Respekt und zollt der Unterlegenen Achtung. In der nächsten Minute lehnt man ihren Antrag mit überwältigender Mehrheit ab. Vor der Abstimmung aber spricht Herbert Morrison, vom Parteivorstand, gegen Ellen Wilkinson. In der Sache unbeugsam und scharf, in der Form humorvoll, in freundlichstem Ton. Ellen Wilkinson hat gesagt, unser Sozialismus müsse Klauen und Zähne haben nun, solange fie in unseren Reihen ist, ist doch daran keine Not. Ich habe Ellen Winkinson gern, ich habe sie wirklich gern, ich bewundere ihre Aktivität weshalb geht sie so oft in die falsche Richtung?" nur, Ellen Wilkinson" rächte" sich an Morrison, sie hatte es ihm vorher persönlich angekündigt. Aber wie tat fie es? In England ist es bei solchen Kongressen üblich, am Schluß ein Dankvotum für den Vorsitzenden, den Stab, die Presse usw. einzubringen. Ein Delegierter bringt den Antrag ein, ein zweiter sekundiert. In Hastings brachte der Gewerkschaftsführer Bevin den Antrag in einer wißigen Nede ein. Zum Sekundieren erhob sich Ellen Wilkinson. Sie schloß in ihre Dankrede ein rhetorisches Meisterstück, sprühend von Wik und Charme- auch Morrison ein, der " durch sein ständiges Flirten mit den Damen"( er hatte sich außer mit Ellen Wilkinson auch mit einer anderen Frau, der radikalen Pazifistin Woodman auseinandergesetzt) so viel zum guten Verlauf des Kongresses beigetragen habe. So nimmt man in der englischen Politik Niederlagen auf. Auch der Parteivorstand hat in Hastings in einigen Fragen zweiten Ranges Niederlagen erlitten und sie mit der gleichen Würde und Selbstverständlichkeit aufgenommen. Noch ein Beispiel aus Hastings. Als der Präsident und der Generalsekretär Henderson bereits ihre Schlußworte gehalten haben, erhält ein Vertreter der Presse das Wort. Der Berichterstatter der Labourzeitung? Nein der Vertreter der" Morningpost", dem Blatt der äußersten Rechten. Er hält teine politische Rede, er sagt nur einige wizige freundliche Worte. Aber ein konservativer Pressebertreter spricht auf dem Labour- Kongreß. Das bereits fagt viel. Nicht immer kämpft man in England so ritterlich. Wenn es hart auf hart geht, scheut auch die englische Reaktion ver giftete Waffen nicht. Aber in normalen Zeiten sieht man auf Fairneß. Auch im Barlament hält man auf anständigen Ton. Wenn man sich noch so hart angreift, der Gegner bleibt der ehrbare Gentleman" oder gar der mehrbare Freund". Aeußerlichkeiten, gewiß. Aber Aeußerlichkeiten, die doch auch aufs Wesen zurüdwirken. Mit Wehmut sieht der Deutsche diesen sportlichen, ritterlichen Kampf. Er denkt an die ekelhaften Parlamentsfaenen, an die Schimpfreden, an die Mißachtung des Gegners. Er denkt aber auch an deutsche sozialistische Parteitage, wo die Opposition mit Keulen niedergeknüppelt wurde, und wie gehässig war oft der Ton, in dem die Opposition die Führung niederzureißen fuchte. Dort jaß die Opposition verbittert fast geächtet, mit grimmigen Mienen und finsteren Gedanken zusammen und brütete darüber, wie die Führung durch kleine Manöver in die Enge getrieben werden könne. Jeber, der mit einem Oppositionellen sich freundlich unterbielt, war bereits verdachtig. In England tötet auch schärffte In einer Einzelrichtersizung befaßte sich unlängst das Gericht mit der Straffache Cohn. Herr Cohn, Inhaber des Ma nufakturwarengeschäftes Becker neben der Pfarrkirche, wurde beschuldigt, sich am 21. August d. J. in seinem Geschäft einer Kundin vom Lande, die eine Müze kaufen wollte, in zu= dringlicher Weise genähert und an dem Mädchen unzüchtige Berührungen vorgenommen zu haben. Die Anflage wegen tätlicher Beleidigung stüßt sich auf Aussagen eines 33 Jahre alten Mädchens, das behauptet, bei einem Müßenkauf vom Geschäftsinhaber aus dem Laden in einem im ersten Stod liegenden Geschäftsraum geführt und dort von dem Angeklagten in zudringlicher Weise belästigt worden zu sein. Nach ihren Aussagen vor Gericht hat sie selbst den Wunsch geäußert, die Müze vor einem Doppelfniegel( mit dem man sich auch von hinten sehen kann) anprobieren zu wollen. Zu diesem Zwecke hatte sie der Geschäftsinhaber in den Geschäftsraum im ersten Stod geführt. Herr C. beftritt aufs entschiedenste die Angaben der Zengin und betonte, bei der fraglichen Gelegenheit nur die bei einer souwen Anprobe üblichen und täglich häufig vorkommenden Bewegungen ausgeführt zu haben. Die Anprobe vor dem doppelten Spiegel habe es erforderlich gemacht, daß er der Zeugin den Kopf in die richtige Lage gerückt habe. Die ganze zene war nach seinen Aussagen harmlos. Auch zwei Zeuginnen, die in dem Geschäft angestellt sind und während des Vorfalles im unteren Ladenraum weilten, der gegen über dem in Frage kommenden Geschäftsraum keine Abschlußtür aufweist, entlasteten durch ihre Aussagen den Angeklagten. Bei den widersprechenden Aussagen des Angeflagten und der Hauptzeugin prüfte das Gericht die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen, wobei von einem hiesigen Arzt, bei dem das Mädchen gelegentlich in Behandlung stand, ein Gutachten abgegeben wurde. Es lautete dahingehend, daß die hysterische Beranlagung der Zengin, bie nachweislich schwer nervenleidend ist und sich nach ihren eigenen Angaben vor mehreren Jahren einmal sechs Wochen lang in der Universitätsnervenklinik in Marbura befand, die Vermutung zuließ, an und für sich harmlose Vorgänge würden sich in ihrer Einbildungskraft aufbauschen und sich so zur firen Jdee ausbilden, von deren Richtigkeit sie selbst überzeugt ist. Nach aweistündiger Verhandluna erging folgendes Urteil: Der Angeflante wird wegen tätlicher Beleidigung statt zu einer verwirften Gefängnisstrafe von 20 Tagen zu 100 Mart Geldstrafe und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt, und zwar mit Rücksicht darauf, daß er noch nicht vorbestraft ist. In der Begründung wird gefagt, das Gericht habe fich nicht davon überzeugen können, ob alle Angaben des Mädchens obiektiv wahr seien. Jedoch sei es überzeuat, daß die Reuain die Vorfälle so glaube, wie fie fie geschildert habe. Es fönne die Aussagen der Zeugin jedoch nicht in vollem Umfange für alaubwürdig halten. Eine tätline Beleidigung liege immerhin insofern vor, als die Beugin fich auch die wenn auch harmlofen oder scherzhaften Berührungen eines jüdischen Verkäufers nicht gefallen zu lassen brauche. II. Fuldaer Nachrichten" vom 18. September: Als vor wenigen Tagen der sattsam bekannte tschechische Jude Cohn, Inhaber des Manufakturwarengeschäftes Beder u. Co., durch die Straßen der Stadt Fulda geführt murde, weil er es gewagt hatte, fich an einem deutschen Mädel zu vergreifen, da war die Oeffentlichkeit gespannt, welche Strafe diefem tnnischen Vertreter seiner Rasse für seine Unverschämtheit wohl ereichen werde. Am Freitagvormittag hatte sich nun Cohn - aus der Schußhaft vorgeführt vor Gericht zu verantworten. Sein ganzes Auftreten war das des frivolen, frechen Judengenossen. Höhnisch grinsend beantwortete er die Verlesung des Protokolls und die Aussagen der Zeugin. Vor dem Richter leugnete selbstverständlich Jud' Cohn. Ein harmloses" Streicheln der Wange der Zeugin gab er allerdings zu. Die bestimmten und ruhigen Aussagen der Seugin, die merklich eine seelische Erschütterung auf Grund der Vorfälle erlitten hatte, stehn in krassem Widerspruch zu den Aeußerungen des Angeklagten und stempeln ihn zum den Aeußerungen des Angeklagten und stempeln ibn zum Lügner. Der Verteidiger des jüdischen Schmußfinkes, Rechtsanwalt Dr. Büttner, versuchte mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten seinen Klienten zu entlasten. Für ihn war ausschlaggebend, daß die Zeugin vor Jahren auf 6 Wochen in einer Nervenheilanstalt war. Sie wurde aber als völlig gefund entlassen. Diese Tatsache genügt ihm allein, um ihr jest jedes logische Denken abzusprechen. Mit juristischen Spisfindigkeiten gelingt es ihm, das Gericht von der„ Unschuld" des Ostjuden zu überzeugen. Herr Büttner, Spisfindigkeiten gibt es im neuen Deutschland nicht mehr. Sente gilt deutsches Recht! Was uns Nationalsozialisten an dem gesamten Verlauf der Verhandlung ungeheuerlich und fast unglaubwürdig anmutet, was wir weiter auf das Energischste ablehnen und was eigentlich heute vor einem deutschen Gericht nicht mehr vorkommen dürfte, ist die Tatsache, daß Gohn an einer feiner Angestellten- einem deutschen Mädel noch einmal das vorführt, was er nach seinen Angaben mit der Zeugin gemacht haben will. Damit fam der Ostjude zu doppeltem Genuß! Hier ergibt sich übrigens die Frage: Wie konnte sich die Angestellte Auch Sie müssen französisch lernen Fließende Konversation in Brüssel rue l'Enseignement 15-17 Forderungs Tél. Trinité 43-13 Métro: Pigalle dies gefallen lassen und wie konnte das Gericht dies übera' haupt gestatten? Der Staatsanwalt nahm scharf Stellung gegen das Verhalten des Juden und beantragte wegen tätlicher Beleidigung 3 Monate Gefängis. Das Gericht konnte sich aber von der Schuld Cohns anscheinend nicht überzeugen und ,, verurteilte" ihn zu der hohen" Strafe von 100 RM., an= statt einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 20 Tagen. pilsd up Die Hinzuziehung des Sachverständigen Dr. Ruhl war völlig überflüssig, da ja seine Aussage, daß die Zeugin absichtlich die Wahrheit nicht verdreht, von dem Gericht außer Betracht gelassen wurde. In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht ge= sprochen. Nachschrift der Redaktion des„ Neuen Vorwärts": Der Warenhausbesizer Cohn aus Karlsbad, 30 Jahre in Fulda ansässig, hatte seinerzeit gegen die Boykottierung feines Geschäfts das tschechoslowakische Konsulat mit Erfolg in Bewegung gesetzt. Darum wurde das Unzuchtstheater gegen ihn aufgeführt. Das deutsche Mädel", das im Kaufhaus nicht die geringste Spur von Aufregung gezeigt hatte, ging schnurstraks zur SA. Eine Stunde später wurde der unbescholtene alte Mann mit einem Schild: Ich Jude habe ein deutsches Mädchen geschändet" durch die Straßen gefahren. Das Warenhaus steht leer kein Mensch wagt mehr, dort zu kaufen. Der Besizer befindet sich in Schuzhaft". Und Strafsache Weinbaum Im Kaufhaus Blaße in Breslau waren antifaschistische finden war, wurden 22 jüdische Angestellte entlassen. Der Flugblätter verbreitet worden. Da der Verbrecher nicht zu begnügte sich jedoch mit dieser Maßnahme nicht, sondern zeigte Inhaber des Geschäfts, ein strammer Nazi namens Meyer, zwei der Entlassenen, die Einkäufer Weinbauer und Heilfron, wegen angeblicher Sabotage" der Geheimen Staatspolizei an. Weinbaum wurde verhaftet, Heilfron gelang es zu ent fliehen. Sabotage der nationalen Arbeit" ist heute ein schweres Delikt, dessen man gerne einen anderen beschuldigt, wenn die Geschäfte schlecht gehen. Offenbar glaubte sich Herr Meyer, der nur ein Strohmann ist, vor seinem Chef, einem Herrn, der im Mai dieses Jahres die Taufe empfing ders nicht mehr verantworten zu können. Arierparagraph bis ins Konzentrationslager an= Hamburg, 20. Oft.( Inpreß.) Das Konzentrationslager Fuhlsbüttel bei Hamburg mußte vergrößert werden. Die Juden, die in dem Lager untergebracht wurden, sind separiert. Der Arierparagraph gilt bis ins Konzentrationslager. Gerichte ohne jüdische Anwälte Von 67 Amtsgerichten des Landes Thüringen find an 47 Amtsgerichten keine jüdischen Anwälte mehr zugelassen. Von den vorhandenen 7 Landgerichten ist jüdischen Anwälten an vieren das Auftreten verboten. Siegheil! Die füdische Konkurrenz ist geschlagen. 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Die„ Frankfurter Zeitung" meldet: Das Amtsgericht Goslar hat zwei Ehefrauen an je zwei Wochen Haft verurteilt, weil sie bei einer vaterländischen Feier während des Gesanges des Deutschs landliedes und des Horft- Wessel- Liebes nicht mits gesungen und den rechten Arm nicht erhoben hatten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pts in Dud weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruc und Berlag: Berlag der Volksstimme Gmbh., Saarbrüden 3, Schüßenstraße 5. Deutsche Poliklinik Deutsche a) Allgemeine b) Chirurgie Konsultationen Zweistöckiges Sanato riumsgebäude, Die aller modernste Einrichtung mit 9 Spezialisten 2MONATEN einziehung Einzelstunden. Gruppenkurse, französ Handels sprache. Erste Referensen deutscher Flüchtlinge. Individuelle Beratg. in Aufent halts- und Existenzfragen. Spirgatis 7, r. Traversiere( Jds.Botan) BRUSSEL, Tel.: 17.98.30 sowie Handelsvertretung in Deutschland Dr. jur Dr. jur. Karl Goldmann fr. deutscher Rechtsanwalt Rückporto. 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Das Denkmal von Bourdelle wird wahrscheinlich in Marseille Plazz finden. and was sidd Berliner Syna o ensangeres Der berühmte katholische Dichter Francois Mauriac wird in Paris am 16. November feierlich in die Akademie aufgenommen. Seine Paten werden Henry Bordeaux und Paul Valery jein. Zugunsten eines Denkmals in Belgien für Felicien Rops findet auf Beranlassung der Zeitschrift Beaux Arts" im Faubourg St. Honore eine Ausstellung statt, die zum ersten mal das Gesamtwerk dieses Meisters der„ Erotik", ins besondere auch Landschaften zeigt. Teilhaber und Kaufmann, Mitarbeiter für langjährig bestehendes Rennsport Unternehmen gesucht. Gut. Einkommen. Offerten an Publ. Metzl, 51, rue Turbigo Nr. 878 Auch die ,, Kleine Anzeige in dei ,, Deutschen Freiheit" bringt Erfolg| Tschechisches Restaurant „ Le Sokol" Echte Wiener Küche // Americ. Bar 22, Avenue Niel, PARIS( 17) Pilsener Bier Mäßige Preise Rendez- vous der Deutschen in Paris 418-52 Daumier- Ausstellung in Marseille Auch die in der wunderbaren französischen Hafenstadt wohnenden Deutschen wird die Kunde interessieren, daß demnächst in Marseille eine Daumier Ausstellung bevorsteht. Der große Satirifer ist auch in Deutschland bei den freien Geistern, bei denen auf der anderen Seite des Scheiterhaufens" besonders geschäßt: sein Stück„ Die Rückkehr der Könige" oder„ Justiz" fennt fast jeder. Es ist von hohem Reiz, das ganze Wert des großen Sohnes von Marseille, der bunten und freimütigen Stadt, kennen zu lernen. Honore Daumier ist schon 54 Jahre tot, in Paris hat er Jane Jahre u. a. in einem alten Hause auf der Insel St. Louis gewohnt, das in einen Arm der Seine mit Schiffen und Holzlagern schaut. Der große klassizistische, vor vier Jahren verstorbene Pariser Bildhauer Bourdelle, dessen bronzener Griechentopf, mit geöffnetem Mund, und dessen gewaltiger gelblicher Herakles als Bogenspanner eine der Zierden des Sonniges LA CIGOGNE Zimmer Bar- Cabaret Dancing ATTRAKTIONEN MONTPARNASSE 27, RUE BRÉA TÉLÉPHON DANTON 64-85 Die ganze Nacht geöffnet. Mit dieser Annonce bekommen Sie 10% Preisermäßigung. mit guter Pension, Privat, Zentralheizung, Bad, Nähe République, 600 fr. monatlich, an besseren Herrn od. Dame, Dauermieter, per sofort zu vermieten. Zu erfragen bei Jablonski, 25, rue de Lille, Paris, Berliner Synagogen- Sänger( Chor des Königs David") werden am Montag, dem 80. Oftober, im Theatre des Champs Elysees zum erstenmal in Paris singen, auf Veranlassung des Intellektuellen- Hilfskomitees. Der frühere Ministerpräsident Barthou, Mitglied der französischen Akademie, wird eine bedeutende Ansprache halten. Nicht der Schwiegervater! 848 Der Departementsrat in Marseille hat sich dieser Tage mit einem sonderbaren Anliegen zu befassen. Die Einwohner von Gemenos protestieren heftig dagegen, daß auf einer Liste einer zum Stadtrat gewählt war und auf der selben Liste sein Schwiegervater. Eine solch enge Verwandtschaft, meinten die Leute am schönen Mittelmeer, gehe denn doch zu weit. Der Rat nahm das Städterecht her, stellte fest, daß eine solch nahe Verwandtschaft tatsächlich nicht zulässig ist, und erkannte für das Stadtwohl auf Annullierung der Wahl. Ob nun der Schwiegersohn oder der Schwiegervater in Betracht kommt, wird nicht verraten, aber das Ganze zeugt wieder von dem vernünftigen politischen Sinn der Franzofen. Für Ehepaar oder Einzelperson Mitbewohnung eleg. 4 Z.- Whg., sep. Schlafz. m. Bad, modernster Neubau, evil. m. Pension. 18, Av. de Versailles, 5 Et. links, Fürst. Dr. A. Sliosberg INNERE KRANKHEITEN • 16, r. Jules Clarétie, Ecke 40, Bd. Emile Augier PARIS( 16) Métro: Muette. Troc. 22.04 Mittwochs und Freitags von 2-4 Uhr und nach vorheriger Anmeldung Französisches Kapital in der Mandschurel Dairen, 23. Ott.( Havas.) Zwischen der südmandschurischen Eisenbahngesellschaft und einem französischen Unternehmen wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bildung einer franjösisch- japanischen Gesellschaft mit einem französischen Kapital von 100.000 en vorsicht. Diese Gesellschaft soll sämtliche französischen Kapitalien in der Mandschurei, die für Bau112 LE POULOU POULOU 116, CHAMPS ELYSÉES PARIS Dir. Rolf Thisenhausen DANCING CABARET Täglich: Nachmittags 4.30 Uhr Zeitgemäße Preise Abends 8.30 Uhr Pilsner Urquell Tel. Balz. 48-15 bis 15 BRIEFKASTEN D. u. St., Zürich. Von Bernard Brentano, beffen legies Buch„ Der Beginn der Barbarei" in Deutschland von der Arbeiterschaft start gelesen wurde, wird im Verlag Oprecht und Helbling, Zürich, ein neues Buch erscheinen:„ Berliner Novellen". Die Novellen erzählen aus dem Berliner Arbeiterleben. „ Saarbrücker Abendblatt". Dieses Naziblatt, herausgegeben von einem Verlag, der sich 1919 Hofer freres" nannte, veröffentlicht Göbbels- Erinnerungen. Wir lesen da, welch ein sturmgepeitschter Kämpe der Herr Reichspropagandaminister in den Tagen des Nuhr. tampfes war. Leider vermissen wir eine seiner bekanntesten Heldentaten. Er erzählte vor einigen Jahren in seinem„ Angriff", wie er in der Gefangenschaft von Belgiern ausgepeitscht worden sei; nun aber, in der Hindenburg- Aera werde seine Treue zu Deutsch land mit Verfolgungen belohnt. Diese Geschichte hat damals in nationalsozialistischen Kreisen viel Rührung erzeugt, aber auch viel Stolz, solch einen Märtyrer bei sich zu haben. Nur hatte sie einen Fehler: daß Herr Göbbels geffuntert hatte. Der„ Jungdeutsche" Arthur Mahraun( wo stedt übrigens der Begründer der Deutschen Staatspartei von 1930 heute) stellte fest, daß Göbbels nie im Gefängnis, natürlich auch nie gepeitscht worden sei, und er ferderte den jungen Helden sehr drastisch zur Klage heraus. Sie tam nie. Warum wir diese Historie in Erinnerung bringen? Weil heute Prügeln und Peitschen sehr aktuell ist, mit dem Unter schiede freilich: die Belgier hatten Göbbels nicht in der Realität, sondern nur in der Propaganda- Fantasie des Dulders geschlagen, während es heute die Landsleute an Landsleuten offiziell und programmatisch verüben. Julius Zerfaß. Wer weiß, wo dieser namhafte Arbeiterdichter ift, zuletzt Feuilletonredakteur an der Münchner Post"? Er wurde Mitte März verhaftet. Seitdem ist er verschollen. Nachforschungen in Dachau sind ohne Ergebnis geblieben. Sier aber fist nach wie vor Karl Bröger, der das Gedicht vom„ ärmsten, aber ge treuesten Sohn" als Soldat im Weltkrieg schrieb. Jezt macht et, ein Mann von über fünfzig Jahren, Erdarbeiten in tiefem Schlamm und liest hin und wieder ein Poem aus seiner Feder, das die gleichgeschaltete Presse begeistert abdruckt, voll Freude derüber, daß sie einem Gefangenen im Konzentrationslager tein Henorar zu schicken braucht. Porto Alegre. Ihre„ Aktion" vertritt wirksam und mutig die Sache der Menschenrechte gegen auch dort ausschwärmende deutsche Nazis. Und mit Wiz! Sehr hübsch, die Ueberschrift:„ Adolfus contra E. Dollfuß". E. L., Paris Wir haben Ihr Schreiben ebenfalls dem„ Sollettiv der blauen Elefanten" zugeleitet. Sie sind nicht der einzige; der Fall zeigt, wie verbreitet die„ Deutsche Freiheit" bereits ist. Freund in Athen. Sie schicken uns Nr. 41 der„ Griechischen Post- und Lokal- Anzeiger" vom 8. Oktober, dazu ein Hakenkreuz geschmücktes Blatt Freiheit und Brot". das Organ der deutschen Nationalsozialisten und Hitler- Freunde in Griechenland, dessen Wir danken Ihnen! Herausgeber ein gewisser Karl Rudorfer ist. Bessere Beweise, in welcher Weise die Gelder des Propagandaministeriums zur Nazi- Werbung im Ausland verwandt werden, sind selten zu finden. Es riecht auch in jeder Zeile nach Bezahlung für Gleichschaltung, wobei Göbbels für die reichhaltige Geldhergabe besonders gelobt wird. Wörtlich:„ Niemand von den 300 ausländischen Presjeleuten vermochte sich allerdings der tiefen Wirkung der Göbbels- Rede zu entziehen." Sicherlich wird Göbbels den Athener Reptilienfonds noch vermehren, denn der Befähigungs nachweis für verlogene Propaganda ist erbracht. Aus„ Freiheit und Brot" ist ersichtlich, daß die Athener Nazis sich genau so organisiert haben wie ihr großes Vorbild. Es gibt sogar eine deutsche Frauen schaft, die jüngst eine große Autofahrt mit der Nazi- Kraftfahrstaffel von Athen aus unternahm. Wir lesen da:„ Die Fahrt ging vort der Wohnung der Leiterin aus und führte die zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen nach Efali ins Hotel Diana, wo sich bei Kaffee und Kuchen die Mitglieder der Deutschen Frauenschaft näher kennen lernen sollten. Die Stimmung war vorzüglich. Nachdem mon in Ekali noch einen schönen Waldspaziergang gemacht hatte, tehrte die KK.- Staffel mit der kostbaren Last der Deutschen Frauenschaft nach Athen zurück." Schade, daß wir die kostbare Laft von Dianen und Pallas Athenen arischen Geblüts nicht sehen fonnten. Raffee und Kuchen hätte uns zur Stillung unserer Leidenschaft nicht genügt. Ihnen aber, einsamer Freiheitsfreund am Fuße der Akropolis, unseren Gruß. Oder sind Sie gar nicht so einsam im Befenntnis Ihrer Gesinnung? Schreiben Sie uns dorüber! „ Der Antifaszift." Ab 1. November 1983 erscheint in einem Straßburger Verlag das antihitlerische Wizblatt Der Antifafaist", vorerst alle 14 Tage in einem Umfang von 16 Seiten in mehrfarbiger Ausführung. Neben zahlreichen Karrikaturen wird der Humor, weil er im Hitler- Deutschland heute nicht mehr zur Geltung kommen kann, recht zahlreich in Textspalten zu finden sein. Der Preis dieses Blattes beträgt 1,25 franz. Fr. Verlag: " Der Antifafsift" in Strasbourg( France) 31, rue St. Gotthard. Auslandspropaganda. Der Verlag Lühe u. Co., Leipzig, gibt einen„ Brief eines reichsdeutschen Nationalsozialisten an einen auslandsdeutschen Freund" heraus und ruft dem Deutschen zu: „ Sorgen Sie dafür, daß dieses Heftchen in Tausenden von Exemplaren ins Ausland geschickt wird. Dadurch helfen Sie mit, das Ausland über die ethischen Ziele des dritten Reiches aufzu flären." Was würde das Reichspropagandaministerium dazu sagen, wenn etwa ein Schweizer Verlag einen Brief in Massenauflage und helb umsonst nach Deutschland fenden ließe, um die Deutschen über die Meinung im Ausland aufzuklären? Wer einen solchen Brief in Deutschland empfinge, risfierte das Leben. Aber die Nazis tun, was sie andern mit der Androhung der furchtbarsten Strafen verbieten, täglich selbst. Uebrigens haben Aktionen wie die von Lühe u. Co. taum eine andere praktische Bedeutung, als die, der Reichspost ein wenig zu helfen. Paul S. Sie schicken uns eine hitleramtliche Mitteilung, die durch die deutsche Presse ging und folgenden Inhalt hat:„ Eingezogen zugunsten des preußischen Staates wurde eine Nähmaschine " Singer" Nr. 242 409 vom Ortsausschuß der Arbeiterwohl fehrt Gladbach." Sie find empört darüber, daß man den amt lichen Diebstahl einer Nähmaschine auch noch publiziert. Wir nicht. Tie Herrschaften schämen sich nicht darüber, daß sie ohne Scham sind. anlagen, die Finanzierung von Handelsgeschäften usw. Werbt für die„, Deutsche freiheit"! dienen, verwalten.