Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 108-1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 25. Oktober 1933| Chefredakteur: M. Braun Aus dem Inhalt: Dreimächtefront gegen Deutschland Seite 2 Strohmann van der Lubbe ( mit Bild) Seite 3 Verfolgte Christen Seite 5 Italien, wie es wirklich ist Seite 8 Insecatenteil beachten! Sturz Daladiers- Nationale Konzentration? Furcht vor Inflation Amtliche Kundgebung Die Regierungskommission zum Winterhilfswerk Die Krisc Spaltung der Sozialdemokratic Deutschland für zu schwächlich und sind nicht einmal geneigt, die Konzessionen zu machen, die Paul- Boncour in Genf zugestanden hat. Während die öffentliche Diskussion über die Paris, 24. Oktober. Das Kabinett Daladier Außenpolitik sich etwas beruhigt hat, ist die Diplomatie ist heute früh 3.25 Uhr deutsche Zeit von der Kammer mit 329 gegen 241 Stimmen gestürzt 1917, RGBI. 1917, S. 148, ist jeder, welcher öffentliche Samm17,81 der Bekanntmachung des Bundesrats vom 15. Februar lungen zu Wohlfahrtszwecken veranstalten will, verpflichtet, die worden. Erlaubnis der zuständigen Behörde nachzusuchen. Bevor die Er loubnis erteilt ist, darf die Veranstaltung nicht öffentlich ane gefündigt werden.§ 11 a. a. D. bestimmt weiter, daß, wer eine öffentliche Sammlung öffentlich ankündigt, bevor die Erlaubnis erteilt ist, mit Geldstrafe oder mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft wird. ein Aufruf zu einem Winterhilfswerk, zu welchem die gesetzlich In der Presse des Saargebietes erschien am 8. Oktober 1988 vorgeschriebene Erlaubnis nicht nachgesucht worden war. Zudem war in diesem Aufruf eine Festseyung von Mindestsägen nach dem Einkommen der Bürger vorgeschrieben, und zwar in einer Form, die den Eindruck eines unstatthaften 3wanges erwecken mußte, obs schen ein faritatives Hilfswerk nicht anders als auf der Grundlege der Freiwilligkeit der Gaben aufgebaut sein soll. Die Regierungskommission hat in der Presse auf das Genehmigungserfordernis aufmerksam gemacht. Trotzdem wurde die Semmeltätigkeit gefe y widrig eingeleitet und fortgefeßt. Die Regierungskommission erhielt einen Antrag des Karitasverbandes, Mission und der NS.- Wohlfahrt durch Schreiben vom 9. Oktober 1933, in welchem die Genehmigung zur Durchführung von Samm= Iungen jeder Art für das ganze Saargebiet. nachgesucht wurde. Auf Grund dieses Antrages leitete sodann die Regierungsfemmission durch einen Bevollmächtigten mit den Vertretern der ar tragitellenden Verbände Berhandlungen ein zum Zwecke, den absolut freiwilligen und unpolitischen Charakter des Winterhilfsnetwerkes sicherzustellen. In diesen Verhandlungen wurde mit den obengenannten Vertretern ein Einvernehmen erzielt. Die Regierungskommission teilte daraufhin durch Schreiben vom 17. Of reitwilligkeit mit, dem Antrage auf Genehmigung stattzugeben, die Verbände durch der Regierungskommission hin gaben Schreiben vom 17. Oktober 1938 ihre erneute Stellungnahme be= tennt, durch welche sie die von der Regierungskommission vor geschlagene und bereits grundsätzlich angenommene Mitarbeit von anderen faritativen Verbänden, sofern sie den Wunsch hierzu äußern sollten, ablehnten. Singegen wurde ausdrücklich der rein faritative Charakter des Hilfswerks erklärt, das völlig frei von irgendwelchen politischen Zwecken set. Weiter wurde die Erklärung abgegeben, daß alle Notleidenden ohne Unterschied der poli tischen und weltanschaulichen Einstellung betreut werden sollen. Mediefer Sachlage und im Hinblick auf die abgegebenen Zusicherungen mußte die Regierungsfommission mit Befremden feststellen, daß der in der Presse am 20. Oftober veröffentlichte Bericht der Leitung des Silfswerks Mitteilungen und Ausführungen ent= hält, deren politischer Einschlag nicht bezweifelt werden kann. Sie mußte mit Bedauern feststellen, daß die Schlußausführungen des Berichtes die internationale Solidarität als einen„ Wahn" hin stellen, während in der Beit die internationale Solidarität sich auf feum einem anderen Gebiet so wirksam gezeigt hat, als auf dem Felde der Karitas, wonon das Saargebiet anläßlich seiner ver schiedenen großen Unglücksfälle hinreichende Beweise erhalten hat. Solche Ausführungen, die auf das allgemeine politische Gebiet übergreifen. haben zweifellos mit faritativ- christlichen Zweden nichts gemein. deren Not sich die Regierungsfommission besonders angelegen sein Allein mit Rücksicht auf den notleidenden Teil der Bevölkerung, läßt und dem das Winterhilfswerk zugute kommen soll. hat die Regierungskommission davon Abstand genommen, die Veranstalter und Leiter des Hilfswerka weaen der wiederholten gefegwidrigen Sammeltätigkeit zur Rechenschaft zu ziehen. Sie hat sich aus den rbenerwähnten Gründen entschlossen, dem Antrage auf Genehmigung stattzugeben, die Genehmigung tedoch auf Grund des § 1 der Bekanntmachung vom 15. Februar 1917 von folgenden. Be bingungen abhängig gemacht: 1 Das Winterhilfswerk ist eine rein faritative Angelegenheit und hat von irgendwelchen volitischen Zweden freizubleiben. 2. Die Betreuung der Notleidenden des Saargebietes bat ohne Unterschied der politischen oder weltanschaulichen Einstellung au erfolgen. 8 Dem Charakter des Winterhilfswerks als faritativer Einrich tune entsprechend muß das Winterhilfswerk auf der Grundlage ber Freiwilligkeit der Spenden beruhen. Demgemäß muß feder Druck auf die Geber, sei es in der Presse oder in Zuschrift an bie Ginzelnen oder feitens der Sammler, unterbleiben. Die Regierungsfommission ist überzenat. daß die Bevölkerung be Saargebietes die Richtigkeit der von ihr im Intereffe aller Nrtleidenden sowie der Geber festgelegten Bedingungen einsehen wird Sie ist entschlossen. bei Buwiderhandlung das Gesetz voll zur Geltung brinnen au lassen. Tas Mitglied der Menierung& fommiffion für die Angelegenheiten des Innern: aea. G. Gnor. Für die Richtigkeit der Abschrift: Der Direktor des Innern und des Kabinetts: ges. Heimburger. Finanzdiktatur Ministerpräsident Daladier ist über den finanzpolitischen Schwierigkeiten gestürzt. Alle Bemühungen der Radikalen, die Sozialdemokraten durch Aenderungen des Artikels 37 der Finanzvorlage die Linke geschlossen in der Front von Europas ſehr aftiv, um den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund zu parieren. Da jede gegen Deutschland gerichtete Entscheidung die latente Kriegsgefahr akut werden laffen kann, ist die Verantwortung insbesondere für Frankreich sehr groß. Sowohl die innerpolitischen Schwierigkeiten wie: die außenpolitische Krise, die voraussichtlich noch längere Zeit anhalten wird, legen für die Franzosen den Willen nahe. alle konservativen und betont nationalen Kräfte, die zugleich über entscheidende Wirtschaftsmacht verfügen, an die Regierung zu binden. Daladier zu halten, find gescheitert. Das Kartell der Staats Barr kade des Franken" angestellten hat sich mit aller Energie gegen eine Verkürzung der Gehälter gewehrt, und eine allerdings sehr knappe Mehrheit der sozialistischen Fraktion hat sich gefügt. Es handelte sich zuleßt wohl darum, daß vom 1. Januar 1984 an auf allen öffentlichen Besoldungen und Pensionen ein Abzug vorgesehen war, und zwar von 3 Prozent für Beträge über vorgesehen war, und zwar von 3 Prozent für Beträge über 9000 r., von 4 Prozent zwischen 10 000 und 12000 Fr., von 6 Prozent für höhere Gehälter usw. bis 9 Prozent bei 100 000 Fr. Bei den Pensionen sollte ein Minimum von 6000 Fr. freigelassen werden, bei ähnlichem Ansteigen des Prozentsatzes. Auch die opponierenden Sozialisten erklärten, daß sie für ein großes nationales Opfer sind, aber es dürfe keinen Unterschied zwischen Staatsangestellten und anderen Staatsbürgern machen. Ferner müsse eine genügend breite Basis für den Steuererlaß nach unten vorgesehen werden. Da die sogenannte neusozialistische Minderheit in der Fraktion die Partie stand 45 zu 46- bereit war, die Regierung Daladier unter allen Umständen zu unterstützen, fam es zu einer offenen Spaltung der Sozialisten, die natür liche schwere Rückwirkungen auf die Partei in Frankreich haben wird. Leon Blum und Renaudel traten in der entscheidenden Kammersißung gegeneinander auf. Der Redner der radikalen Fraktion warnte kurz vor der Abstimmung die Sozialisten vor dem im Lande umgehenden Gespenst des Faschismus. Darauf erklärte Leon Blum, Paris, 24. Oft. Zum Sturz der Regierung Daladier schreibt der„ Excelsior": Möglicherweise werde Daladier selbst das neue Ministerium bilden, aber man nenne auch die Namen des Senators Albert Sarraut, des Abg. George Bonnet und des Abg. Chautemps( die dem gestürzten Ministerium Daladier als Marineminister bzw. Finanzminister bzw. Innenminister angehörten). Der Homme Libre" erklärt: Verhehlen wir uns nicht, daß das Vertrauen in das Regime schon gefährlich erschüttert ist. Der radikale Quotidien" schreibt: Das Ministerium sei nicht wegen tollkühner Entschlossenheit gefallen, sondern des halb, weil es den ungenügenden Charakter seiner Finanzgesetze und die berechtigte Oppofition, die sie hervorgerufen hätten, nicht gewürdigt habe.( In einem anderen Artikel macht das Blatt zum Verteidiger der Forderungen der Beamten, die keine Gehaltsabzüge mehr zulassen wollen.) Die radikale Volonte" schreibt, die Regierung Daladier sei in Würde gefallen. Daladier selbst gehe aus der Krise vergrößert hervor. Dann fügt das radikale Blatt einen Appell nach rechts hinzu, denn es schreibt: Nur eine weit ausgreifende Konzentration könne die Lage retten. Um sie herauszuschälen, müßten Flandin und Tardieu mithelfen. Jede Verzögerung wäre schädlich. Mögen sie sich von dem edlen Beispiel Daladiers leiten lassen, der sich, bis zum letzten Augenblick pflichtbewußt, auf der Barrikade des Franken stürzen ließ. daß ſeine Fraktion troß dem Ernst der Lage dem Appell der Widerhall in Deutschland Regierung nicht folgen könne. Die finanziellen Maßnahmen der Regierung bereiteten ein neues Defizit vor. Auch die Sozialisten seien entschlossene Gegner einer Inflation, aber sie wünschten ein festes Verhältnis zwischen Löhnen und Preisen zu erhalten. Wenn man von der Gefahr des Faschismus spreche, dann dürfe man wohl auf eine andere Gefahr hinweisen, die die Republik gerade seitens derjenigen drohe, die die Republik zu unterstützen behaupteten. Die Republik aber sei auf den Barrikaden entstanden und führe genau wie die Sozialisten die rote Fahne. Hierauf erwiderte für die Neusozialisten der Abgeordnete Renaudel, angesichts der innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten trete die neue Gruppe für die Regierung und gegen die Rückkehr der Reaktion ein. Dann kam es noch zu einem gereizten Wortgefecht zwischen Daladier und Leon Blum, der den Ministerpräsidenten fragte, ob er morgen etwa eine onzentrationsregierung bilden wolle. Es folgte dann die entscheidende Abstimmung. Der Ministerpräsident Daladier hat im Vergleich zu der ebenso ernst gewesenen finanziellen Lage im Jahre 1926 nach einem neuen Poincare gerufen. Es ist ungewiß, ob Daladier den Willen hat und von der Mitte und der Rechten her die Unterstüßung findet, der neue Finanzdiktator Frankreichs au werden. Es spricht aber viel dafür. Nicht nur die außer gewöhnliche Persönlichkeit Daladiers, sondern auch der Zwang zu raschen Entschließungen. Der Kurs des Franken ist in den letzten Tagen gegenüber fast allen ausländischen Valuten gefallen. Die Bank von Frankreich hat an einem Tage 210 Millionen Franken Gold verloren. Pfund und Dollar erscheinen im Augenblick ficherer als der französische Franken und es werden infolgedeffen ausländische Kapitalien zurückgezogen. Die Opposition der Rechten schreckt das Land mit dem Hinweis auf die nahe Möglichkeit einer Inflation und nennt die bereits geprägten Fünffrankenstücke und die noch geplanten Neuprägungen" Falschgeld" Diese starken Uebertreibungen werden natürlich sofort verschwinden, wenn sich eine neue Regierung etwa nach rechts hin konsolidiert hat. Die volle Schwere der außenpolitischen Lage brückt nicht minder stark auf die Entscheidungen. Rechte und Generalstab halten die Außenpolitik Paul- Boncours gegenüber HitlerDas halbamtliche Conti- Büro schreibt: Paris, 24. Oft.( Eig. Meldg.) Das Kabinett Daladier ist, wie seine beiden Vorgänger, über eine steuerliche Frage gestürzt. Es war länger im Amt als die Kabinette Herriot und Paul- Boncour, deren Erbschaft es Ende Januar 1933 an= getreten hatte. Die wahren Gründe, die zum Auseinanderfallen der Regierungsmehrheit geführt haben, liegen diesmal aber weniger in budgetären und Finanzfragen, als vielmehr in dem Bruderzwist, der seit langem bei den Sozia listen gärt. Es handelt sich schließlich um eine Machtprobe zwischen dem linken und dem rechten Flügel der Partei, wobei der erstere über den zweiten eine Art Mehrheitsdiktatur mit einheitlicher Parteiabstimmung im Parlament. ausüben wollte. Mit anderen Worten, es handelt sich um den jetzt zum Austrag gekommenen Kampf der Anhänger und Gegner Blums. Daß die sogenannte neusozialistische Gruppe um Renaudel und Marquet ihre Drohung, für eine autoritäre Regierung einzutreten, die sie in Daladier zu er= blicken glaubte, diesmal wahr gemacht hat und sich nicht der von Blum geforderten Parteidisziplin weiter unterworfen hat, kann schließlich als der Grund angesehen werden, warum Blum in ziemlich scharfer Weise heute früh der Regierung eine Absage erteilte. Er macht Daladier gewissermaßen zum Vorwurf, daß er ihm den rechten Flügel seiner Partei aus= gespannt habe mit dem Lockmittel, ihn in die fünftige Regierungsmehrheit und in das Kabinett hineinzunehmen. Daher auch die kurz vor der Abstimmung von Blum an Daladier gerichtete Frage, ob er jetzt etwa eine Konzentrationsregierung zu bilden beabsichtige. In der Tat scheint etwas derartiges in der Luft zu liegen. Ob Daladier es machen wird oder ein anderer, ist eine andere Frage, aber die parteipolitische Lage hat durch den Bruch, der heute zwischen den beiden sozialistischen Richtungen vollzogen worden ist, insofern eine Klärung erfahren, als nunmehr der Weg frei geworden ist für die seit Jahren von den verschiedensten politischen Persönlichkeiten gewünschte, bisher aber nie durchführbar gewesene Konzentration der Mitte, die links jest auch eine Verstärkung von seiten der absplitternden Neusozialisten erfahren kann. Geht die Abgrenzung nach rechts ebenso gut, dann könnte eine Konzentrationsregierung unter den jetzigen Umständen eine feste Mehrheit im Parlament bekommen und arbeiten. Die Konzentrationsregierung ist übrigens auch der Wunsch des Senates und ein unausgesprochener Wunsch des jezigen Präsidenten der Republik Lebrun. 35 werden freigesprochen! Polizei und Justiz an der Saar Der ständige Beobachter in den Saarbrücker Gerichtssälen steht immer wieder vor einer heiflen Frage. Er weiß, daß im Saargebiet durch Verordnung der Regierungskommission das Tragen von Uniformen oder Uniformteilen verbeten ist. Er weiß ferner, daß diese Verordnung vor einer Woche noch verschärft worden ist, um allen Auslegungsfün Dreimächtefront gegen Deutschland ſten über das, was Uniformen oder Uniformteile find, Herr Frankreich ratifiziert den Viermächtepakt nicht, auch Italien? zu werden. Stehen aber und das ist die Erfahrung der letzten Morate Leute vor dem Schnellgericht, die sich nach Auffassung der Polizei oder der Landjäger gegen die Verordnung vergangen haben, so finden sie in der Mehrzahl der Fälle Rich= ter, die den Fall gänzlich anders als die Exekutivbeamten beurteilen. Die Sünder gegen die Uniformbestimmungen erfahren eine überaus loyale Behandlung und sind dann sehr schnell der Auffassung, daß ihre Richter ihnen viel Milde entgegenbringen, vorausgefeßt, daß fie der nationalsozialistischen Bewegung angehören. Kurz, zwischen den Verfügungen der Regierungsfommission, den Auffassungen der Erefutinbeamten und endlich, den Richtern, flaffen immer die aleichen Widersprüche, die nach unferer Auffassung nichts veniger sind als eine Stärfung des Rechtsgefühls und des Rechtsbewußtseins. Soundso oft konnte der gänzlich unbeteiligte Zuschauer beobachten, daß sich die wider Erwarten Freigefprochenen hinterher ins Färstchen lachten, in dean, glücklichen Gefühl, nicht nur der Strafe entgangen zu sein, sendern auch über den Gendarm und über den Wachtmeister ohne Mühe einen„ Sieg" davongetragen zu haben. Am Montag gab es wieder einen solchen Fall, der darum von besonderer Bedeutung war, meil es sich um nicht me niger ais gegen 50 Angeklagte handelt! Den 35. Freispruch haben wir schon abgewartet dann sind wir gegangen mit der Gemißheit, daß der Rest von etwa 20 ef ensowenig verurteilt werden würde wie die andern, die vor ihnen Mann für Mann an die Reihe famen. Sie waren elle beschuldiat. Uniformen oder Uniformteile getragen zu bahon Die meisten hatten der Vorstellung des Films Hit Ierjunge Quer" beigewohnt zu Rweibrücken. Auf der Deimreise wartete die strafende Nemesis. Samt und sonders werden sie am Nachmittag des Montaas dem Kadi vorgeführt. Der Staatsanwalt spricht ernste Worte. Die Klei= dungsstücke, so sagt er bei den awei Erften die vor den Schranken stehen, würden von der üblichen bürgerlichen Klei dung abweichen. Damit fei ein Verstoß begangen gegen die Musführungsverordnung der Artikel 1 und 2 der Verfügung vom 20. Mai 1938. Er beantragt eine Geldstrafe von 50 Franken. Das Gericht unter dem Vorsitz von Landgerichtsvat Deuster, wobei Landgerichtsrat Freudenberger als Beifiber fungiert, fällt jedoch einen Freispruch mit folgender Begründung: Weder die Mühen noch die Kleidung feien als Teile einer Uniform anzusehen, auch die Stiefel feien fein Charakteristifum einer Uniform. Tte Kletterwesten würden jetzt alleemein von der Jugend getragen. An den Mützen wären unterschiedlich Eichenlaub veer Kokarde angebracht, aucy an ihnen sei nichts Einheitliches festzustellen ,, Deutsche Gewerkschaftsfront" Saarbrücken, 24. Oft. Die Gewerkschaften und Berufsverbände, die für die bedingungslose Rückgliederung des Saargebietes sind, haben sich zu einem Block zusammengeschlossen. Die Besprechungen der leßten Zeit haben dazu geführt, daß die christlich- nationalen Arbeitergewerkschaften, der DHV. mit den übrigen Verbänden des Gesamtverbandes der deutschen Angestellten, die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und Staatsbediensteter und die Hirsch Dunckerschen Gewerkschaften, sich zu einer Deutschen Gewerkschaftsfront vereinigt haben. Den Vorsis hat Peter Kiefer vom Gewerkverein Christl. Bergarbeiter, Stellvertreter ist der Geschäftsführer des DHV. Windthorsfbünde aufgelöst Der Landesführer der Windthorsthünde des Saargebietes, Dr. Franz Singer, Saarbrücken, hat in einem Rundschreiben an die Kreis-, Bezirks- und Ortsgruppenführer vom 13. OEtober dieses Jahres die Windthorstbünde des Saargebietes für aufgelöst erklärt. Die Auflösung geht zurück auf einen Beschluß der Führerkonferenz der Windthorstbünde des Saargebietes vom 7. Oktober 1933. Der gefährliche Muckermann Essen, 23. Oft. Der für den 23. Oktober in Essen geplante Vortrag des bekannten Jesuitenpaters Muckermann, der über das Thema„ Kirche und Nation" sprechen wollte, ist von der Polizei auf Grund des Paragraphen 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuße von Volf und Staat vom 28. Februar 1933 in Berbindung mit Paragraph 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes verboten worden. ** Muckermann hat erst von furzem in Saarbrücken über das in Essen verbotene Thema gesprochen. Obwohl er dort gewiß noch um einige Grade vorsichtiger und hintergründiger geredet hätte als im Saardebiet, mo thm Tausende stürmischen Beifall zollten die Marthaber bauten vor und banden dem vielseitigen und vielfagenden Redner einen Maulforb vor. Was sagt der Katholizismus dazu? " Gustav Mix veröffentlicht ein albernes Buch„ Aus dem Schuldbuch des Jesuitenerdens". Die Vorrede schreibt der Direktor des gleichgeschalteten Evangelischen Bundes, der Nazi D. Wilhelm Fahrenhorst. Er sagt:„ Es geht heute in der konfessionellen Frage ein seltsam fantastisches Träumen um von einer Vereinigung der Konfessionen zu einer einheitlichen nationalen christlichen Kirche. In diesem Sinn begrüßt der Nazi die Jefuitenschrift und fährt fort: „ Es geht dabei um den schärfften Gegner der Reformation und des Protestantismus: um die Jesuiten, diesen internationalen und geheimen Orden, der feiner ganzen Art nach in so ungeheuerlichem Widerspruch zu dem Geist der neuen deutschen Zeit steht, und der feinem ganzen Wesen nach schlechterdings nicht in sie hineinpaßt." Sinkende Lebenshaltung Wie stark die Lebenshaltung in Deutschland gefunfen ist, zeigen interessante Zahlen, die wir dem Neuen Vorwärts", Karlsbad entnehmen. Danach betrua der Verbrauch on Fleisch und Fleischwaren im Winter 1982/33 bei Arbeitern und Erwerbslosen nur noch ein Drittel der Menge von 1927/28, Der Verbrauch an Glern ist auf ein Viertel, der Verbrauch. an Milch auf die Hälfte, der von Gemüse auf etwa ein Drittel zurück gegangen. Dagegen hat sich der Kartoffelkonsum verdoppelt. London, 24. Oft. Der diplomatische Korrespondent des „ Observer" meldet: Ein Beschluß von allererster diplomatischer Bedeutung sei von der britischen, französischen und amerikanischen Regierung erzielt worden. Die Zustim mung der italienischen Regierung sei noch nicht endgültig erfolgt, aber der italienische Botschafter, der Sir John Simon am Donnerstag besuchte, soll feinerlei 3 weifel an der Zustimmung Italiens zum Ausdruck gebracht haben. Dieser Beschluß gehe dahin, daß der Viermächtepakt nicht als drohung für den Weltfrieden werde. Das Blatt behauptet, die britischen Minister seien angewiesen worden, sich in Bereitschaft für einen Kabinettsrat heute zu halten, auf dem, wenn möglich, endgültige Beschlüsse über Fragen gefaßt werden sollen, die sich auf Deutschlands Austritt aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund ergeben. Wenn der Kabinettsrat heute stattfindet, werde Simon am nächsten Tage nach Genf abfahren. Alternativvertrag für den Bölkerbund zwecks Erörterung Wird Genf vertagi? des Problems verwandt werden soll, das aus Deutschlands Ankündigung seines Austritts aus dem Völkerbund entsteht. Die tatische Folgerung dieses Beſchluſſes ſei flar: 3wei are not bleibe, Deutschland Mitglied des Börterbundes. Es könne, wenn es dies wolle, zu jeder Zeit während dieser Periode der Abrüstungskonferenz wieder beitreten und, wenn es weiter wünsche, könne es seine Ankündigung des Austritts zurückziehen. Es sei die vorsäbliche Ansicht der französischen Regierung, daß Hitlers Mitteilung vor einer Woche nicht die Zuständigkeit des Völkerbundes in Fragen schädigen ditrfe, die früher unter diese fielen. Diese Ansicht sei so start, daß, wie verlaute, dem britischen Botschafter in Paris am Freitag zu verstehen gegeben wurde, daß die franzö= fische Regierung nicht geneigt sei, irgend welche Schritte zur Ratifizierung des Vier mächtepattes zu, unternehmen. Das diplomatische Ergebnis der Klärung dieser Frage während der legten Woche sei, daß, wenn Deutschland es wünsche, die Abrüstungserörterungen wieder aufzunehmen, es dies nur als Mitglied des Völkerbundes tun könne. Meinungsaustaufes ,, News of the World" teilt zum Meinungsaustausch zwischen London, Paris, Washington und Rom mit: Der Beschluß, der alle anderen an Bedeutung überschatte, sei, daß, was auch immer geschebe, Deutschland nicht gestattet werbe, in dem Sinne wiederaufzurüsten, daß es erneut eine Be Weite Volksschichten in Deutschland sind als dauernd untereinährt zu betrachten. Inzwischen ist der Verbrauch an Nahrungsmitteln weiter zurückgegangen, da seit März 1933 nicht nur die Löhne um etwa 20 Prozent defunken, sondern auch die Preise der Lebensmittel wesentlich gestiegen sind. Bei Fleisch z. B. um 20 bis 30 Prozent, Butter um 50 Prozent, Margarine um mehr als 100 Prozent. Zur Stimmung gegen Nazibonzen Karlsruhe, 24. Oft.( Inpreß.) Der Nazi-, Führer" teilt mit;„ Das badische Geheime Staatspolizeiamt hat in den Lehten Tagen marristisch eingestellte Personen verwarnen wujjen, die Berleumdungen über den Herrn Reichsstatthalter und Mitglieder der badischen Regierung ausgeftrent haben. Für den Wiederholungsfall wurde sofortige Schutzhaft angedroht." Wer die. Wahrheit in Deutschland sagt, ist erstens: ein Verleumder, zwettens: ein Marrist. Wenn es sich tatsächlich um Marristen handeln würde, hätte man das gemacht, was in solchen Fällen notorisch geschieht: man hätte sofort verhaftet. Was macht Darré?* Vor den Toren Berlins liegt das Rittergut Colberg, etwa 420 Hektar groß; davon sind kaum noch 13 Heftar ausgenüßt. Auf dem ganzen Gut arbeitet heute nicht ein Landarbeiter mehr. Die ehemalige Belegschaft geht zur Gänze stempeln. Auf einem zweiten Gut namens Stregansberg ( ebenfalls vor den Toren Berlins) haben Verwalter und Landarbeiter seit Monaten feinen Lohn erhalten. Dieses Gut gehört einer gleichgeschalteten GmbH.; die erste Hypothef darauf befißt der gleichgeschaltete Beamtenwohnungsverein Gelsenkirchen. ,, Beliebte Bonzen" In Harburg- Wilhelmsburg wurden der Standartenführer Friederici zum Geschäftsführer der Ortskranfenfasse des Stadtteils Harburg, der Sturmbannführer Degner zum Geschäftsführer der AOK. des Stadtteils Wilhelmsburg gemacht. Degner ist bei seiner SA. derart beliebt, daß er sofort nach der Ernennung von seinen Kameraden einige Tage arbeitsunfähig geschlagen wurde. Saufgciage sind bei dem wegen Raushandels vorbestraften Friederici der Tagesordnung. ,, Auf der Flucht". Karlsruhe, 24. Oft. Wie das Badische Geheime Staatspolizeiamt meldet, wurde in der Nacht vom 20. af den 21. Oftober August Dosenbach aus Karlsruhe beim Ueberschreiten der Grenze festgenommen, da er als einer der rührigsten Funktionäre der KPD. bekannt war. In feinem Besitz wurde eine größere Menge illegaler kommunistischer Schriften vorgefunden. Dosenbach, der von den ihn begleitenden Beamten vorher darauf aufmerksam gemacht wurde, daß bei einem Fluchtversuch geschossen würde, bat unterwegs, einen Stein aus seinem Schuh entfernen zu dürfen. Diese Gelegenheit benutte Dosenbach zur Flucht, worauf die Beamten mehrere Schüsse dem Fliehenden nachsandten, die ihn tödlich trafen. Schwer mißhandelt Frankfurt, 24. Oft.( Jupreß.) Ein Jude namens König, durch Naturalisation Süd- Afrikaner, wurde durch SA.- Leute schwer verprügelt, weil er die Nazifahne eines fleinen SA.Trupps nicht grüßte Der Polizeipräsident von Frankfurt hat sich beim britischen Konsulat entschuldigt und zugesagt, zu versuchen, die Täter zu ermitteln. Militär- Garnison Karlsruhe, 24. Oft.( Inpreß.) Die SA- Standarte 250 wurde nach Bruchsal verlegt. Das Naziorgan Der Führer" schreibt dazu:„ Bruchsal ist wirklich Garnisonstadt ge= worden." London, 23. Oft. In der heutigen Sitzung des briti Sit John Simon vorläufig nicht nach Genf zurüd fehren soll. Der ständige Unterstaatssekretär des Foreign Office Eden wird morgen von London abreifen und die britische Regierung bei der Wiederaufnahme der Sizungen der Abrüstungskonferenz in Genf vertreten. Es verlautet, daß die internationale Lage noch als zu uns geklärt angesehen wird, um die Erzielung genauer Entscheidungen zu ermöglichen. Es scheint, daß die Vertagung der Abrüstungskonferenz für eine unbestimmte Zeitdauer in Aussicht steht, und dieser Vorschlag würde, wie verlautet, von dem britischen Vertreter in Genf unterstützt werden. Internationales, Arbeitsamt ohne Deutschland Genf, 23. Okt. Heute vormittag begann die Herbsttagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes auf der Deutschland nicht vertreten ist. Beim Namenaufruf der Mitglieder gab der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Butler eine kurze Erklärung ab, der bisherige deutsche Vertreter im Verwaltungsrat, Staatssekretär Dr. Krohne, habe ihm mitgeteilt, er könne zu seinem Bedauern an der jetzigen Tagung nicht teilnehmen. Sack ist heiser wtb. Berlin, 24. Oft. Zu Beginn der heutigen Verhand lung teilt der Vorsißende mit, daß RA. Dr. Sad wegen eines schweren Satarrhs zunächst an der Verhandlung nicht teilnehmen könne. Er werde durch seinen Sozius, RA. Dr. Pelfmann, vertreten. Der Sachverständige Betriebsingenieur Dr. Werner er klärt, daß er dem Gutachten von Prof. Josie nichts hinzuzufügen habe. Der Voriißende bittet den Sachverständigen Dr. Schatz, das Branderpermient mit der unbenannten Flüssigkeit dem Gericht im Laufe der Verband lung vorzuführen. An dem Experiment dürfen jedoch nur die Prozeßbeteiligten teilnehmen. Der Vorsitzende ruft nunmehr die für heute geladenen Zeugen auf. Dabei stellt fich heraus, daß der kommunistische Schriftsteller Erich Birkenhauer fehlt. Der Oberreichsanwalt teilt mit, daß der Journalist Birkenbauer seine Anschrift mit Bers In, Rostoder Straße, angegeben hat. Daraufhin ist die Ladung dorthin gegangen, sie ist aber als unbestellbar zu ridgefommen. Die ganze Sache ficht wie eine Frreführung ics Gerichtes aus. Die ,, jüdischen Bastarde" Bayreuth, 24. Oft.( Inpreß.) Die Zeitung Fränkisches Bolf" repräsentiert den Geist der international befannien Festspielstadt Banreuth durch folgende Ausführungen: " Der Rassenschande ist genug geschehen. Auch Bayreuth ist hinreichend geieanet mit jüdischen Bastarden, lebendigen Denkmälern des Verrats und der Schande. Man sieht sie berumlaufen und ihre Fremdartigkeit tritt schon im Aeußeren sutage. Der schiefe Gang, die herausgequollenen Augen, das urrubige Mieneniviel, der fommunistische Zuschnitt, das sind die gewöhnlichen Kennzeichen. Man sollte nach all testamentarischen Rezepten solche schadhafte Stellen a Rolfskörper austilgen oder ausbrennen. Ehegemeinschaft mit dem Erbfeind aller ehrlichen Menschheit? Mit einem Talmudiünger, und schiene er, äußerlich betrachtet, noch so harmlos? Das Neueste Dem Vetit Parifien" wird aus Madrid gemeldet, daß die katalonischen Snortvereinigungen im Stadion bei Barces lona unter dem Vorsitz des Präsidenten Macia eine Runds gebung veranstaltet haben, der man in gewissem Sinne faschistischen Charakter beilegt, denn 10 000 junge Katalonier marschierten in grünen Hemden auf. Der japanische Botschafter in Washington ist nach Tofio beordert worden. Der Sowjetgesandte in Polen übergab Montag dem pols nischen Außenminister eine durch den Ueberfall auf das Generalkonsulat der Sowjetunion in Lemberg veranlaßte Protestnote. Die ingoslawische Regierung gibt in London bes konnt, daß sie durch die ungünstige Mirtschaftslage zur Auss segung der vollen Zahlung ihrer ausländischen Schulden ges zwungen ist. Der ledige Tapezierer Robert Grökinger von Neckars weihingen ist Montaa frib in Stuttoart hingerichtet worden. Grökinger hatte Ende März d. J. feine Geliebte, deren er überdrüffig war, von einem Selien hinoheeftürzt und dann die Schwerverlette durch Steinwürfe getötet. ein Nach einem grohen Trinkaelase kam es zwischen arbeitss lesen Saldenbewohnern, die bei Katto wig in notdürftigen Bretternerichlänen houften. zu einer schweren Schlägerei. Mit eisernen Stansen. Steinen und Latten wurde aufeinander einocichlagen. Auch der Bretterneriahlaa wurde anaezündet und brannte ab. Einer der Beteiligten wurde erschlagen, weiterer lient mit einesfasener Schädeldede hoffnungslos im Krankenhaus, Mukerdem wurden noch drei meitere Per sonen schwer verfekt, die fedoch von den Angehöriaen weg gebracht wurden. Die Täter verberoen sich an unbekannter Stelle. Der Streit soll wegen einer Frau ausgebrochen sein. Der Berichterstatter des Gerald Tribune" in Washington meldet seinem Blatte, daß nunmehr jede Soffnung, noch in diesem Jahre zu einer endgültigen Reglung der Sculdenfrage zwischen Amerika und England zu ges langen, aufgegeben worden sei. Lindberg und seine Frau sind von Southampton mit un bekanntem Ziel abgeflogen Der Anklage- Schwindel erledigt Van der Lubbe kann das Reichstagsgebäude nicht allein in Brand gesteckt haben- Die geheimnisvolle Flüssigkeit- Wer stand im Hintergrunde? Der Strohmann An diesem Montag ist durch Sachverständige erwiesen worden, daß van der Lubbe den Reichstag nicht allein in Brand gesteckt haben kann. Es ist noch mehr als bisher zweifelhaft, ob er überhaupt an der Brandstiftung beteiligt war. Auf eine Frage Dimitroffs sagte er, er wisse nicht, ob er den Plenarsaal in Brand gestedt habe. Im mer deutlicher arbeitet sich heraus, daß der Reichstagsbrand das Werk gewissenloser politischer Abenteurer war, die den halbverrückten van der Lubbe mißbrauchten, ihn der Polizei in die Arme schickten und ihn dann seinem Schicksal überließen. Die Sensation ist die einmütige Bekundung der Sachverständigen, daß größere Mengen einer geheim nisvollen Flüssigkeit, die rasch und gründlich brannte, in den Reichstag geschafft worden sein müssen. Welcher Art die Flüssigkeit war, wird in einer Geheimsizung erörtert. Von besonderem Interesse sind die Erläuterungen des Chemikers Dr. Schatz( Halle), der seine feste Ueber- te zeugung ausspricht, wonach die Gruppe der Brandstifter( denn es müssen mehrere Personen gewesen sein) ein besonderes chemiiches Produkt verwendet hat, und zwar eines von so verheerender Wirkung, daß der Sachverständige es im Interesse der öffentlichen Sicherheit dem Gericht nur entweder in einer Geheimsizung oder schriftlich mitteilen will. Diese als Zündstoff hervorragend geeignete Lösung wurde wahrscheinlich mit Petroleum oder Die Welt antwortet so: 150 C go die Ausbreitung des Kilogramm betragen haben müsse. Aus der folossalen RußKilogramm betragen haben müsse. Aus der kolosalen Ruß entwicklung zog Professor Josse den Schluß daß es sich ents weder um Petroleum oder Benzin gehandelt haben müsse. Die Entzündung der an verschiedene Stellen verteilten Zündstoffe braucht nur an einer einzigen Stelle zu erfolgen, nenn man Zündschnüre, Zündstreifen oder auch eine empfindliche Hilfsflüssigkeit verwandte. Auf diese Weise konnte auch die Entstehung der Flamme auf der Diplomatentribüne erklärbar sein. Infolge des Luftmangels sind nicht alle Teile des flüssigen Brennstoffes verbrannt, sondern ein Teil ist verdampft. Wir haben deswegen eine Mischung in dem Saal von Luft, Kohlenoryd, schwerem Kohlenwasser stoff und Dampf des flüssigen Brennstoffes. Wie kam das Benzin in den Reichstag? Brandes zu erleichtern. Schon vier bis fünf Liter konnten genügen, um das Zerstörungswerk in kurzer Zeit zu vollenden. Auf Anfrage von Dr. Sad verrät der Experte eine Eigenschaft des ungenannt bleibenden chemischen Produfts: es weist einen starken Geruch auf, der demjenigen des Chloroform ähnelt und stundenlang in den Kleidern einer Person, die damit hantiert hat, haften bleibt. Für Torgler, bei dem in der Brandnacht niemand Geruch puren wahrgenommen hat, wirft diese Tatsache entlastend. Dr. Schatz meint, daß van der Lubbe an der Brandstiftung im Plenarjaal überhaupt nicht beteiligt war. Su Dr. Sack gewendet, der wissen will, wie denn eine Mehrzahl von Brandstiftern in den Reichstag herein- und wieder hinausMeinung; diese auszusprechen, gehöre aber nicht zu seinen gelangt ist, erklärt der Experte, er habe darüber seine eigene Aufgaben als wissenschaftlicher Sachverständiger. Diese Andeutung löst im ganzen Saal eine starke Bewegung aus. Torgler steht auf und beschwört den Experten aus Menschenpflicht, im Interesse von vier Unschuldigen, seine Ansicht kundzugeben. Dr. Sch a zz erklärt nun in zwei deutlichen Säßen, er habe aus dem Verhalten van der Lubbes den Schluß gezogen, daß dieser mit der eigentlichen Brandstiftung gar nichts zu tun hatte, sondern schon bei seinem Einstieg durch das Fenster wußte, daß im Reichstagsgebäude etwas im Gange war. Sein auffälliges Verhalten konnte nur dazu dienen, die Schuld auf ihn zu ziehen. Die Staatsanwälte und die Verteidiger lassen sich darüber in eine lebhafte Diskussion ein, die nur die enorme Wirkung der Erklärung von Dr. Schatz unterstreicht. Auf eine Anfrage Dimitroffs erklärt der Experte zum Schluß, daß Kenntnisse, über die die Brandstifter verfügten, nur bei Arbeitern einer chemischen Fabrik, bei Assistenten eines Laboratoriums, bei Apothekern oder bei Apothekergehilfen vorhanden sein konnten. Ein unabgeklärtes Problem schwebt übrigens auch über der Einstiegstelle am Fenster des Restaurationssaales, das mit zwei parallelen Scheiben, jede davon acht Millimeter starf, also so dick wie ein solides Schaufenster, versehen war und heute bereits wieder repariert ist. Wie ist es van der Lubbe, der weder mit einem Stock noch mit einem Hammer oder einem ähnlichen Instrument ausgerüstet war, gelungen, diese doppelte Glaswand zu durchschlagen und so glatt durchzuschlüpfen, daß er weder an Gesicht noch an Händen die geringste Schramme auswies und feine Kleiderfetzen zurückblieben? Niemand scheint es zu wissen. Nur eines weiß man, wenn man nur will: die angeklagten Kommunisten sind es nicht gewesen. Wo also sitzen die Brandstifter, die den Strohmann van der Lubbe vorschoben? 22. Verhandlungstag Fortsetzung aus Nr. 107 Der ,, wahrscheinliche Hergang" Der Sachverständige schildert dann den wahrscheinlichen Hergang" des Brandes im Plenarsaal und betont, daß die Brennstoffe im ganzen Saal verteilt worden find. Er lenfte besonders die Aufmerksamkeit auf den Stenographenraum, von dem aus die Vorbereitungen des Bra es im Saal höchstwahrscheinlich erfolat ſeien; denn zum Stenographenraum sei jederzeit ein unauffälliger Zugang möglich gewesen und dort habe auch die Möglichkeit bestanden(?), selbst längere Zeit vor dem Brande Brennstoffe zu lagern( Aber dann müßten die Stenographen doch etwas davon bemerkt haben. Werden sie als Zeugen auftreten?) Der Sachverständige erflärte weiter ausführlich die phyfikalischen Voraussetzungen für das Ausmaß des Brandes und tam zu dem Schluß, daß die Brennstoffmenge, die in dem Plesaal gebracht worden sei, wesentlich mehr als 20 Das gänzliche Aufgehen des Plenarsaales in ein Flam menmeer ist ein Beweis dafür, daß in den unteren Schichten noch Luft gewesen ist und daß in den oberen Schichten ein brennbares, aber nicht explosibles Gasgemisch vorhanden war. Der Sachverständige erklärt weiter, daß die Vorbereitung der Brandlegung eine gewisse Zeit erfordert habe und von einer oder mehreren anderen Personen ausgeführt sein müsse. Er hält es aber für ganz ausgeschlossen, daß diese Vorbereitungen von van der Lubbe kurz vor dem Brande getroffen worden seien. Die Anlegung des Brandes set mit Sachfenntnis erfolgt. Dafür spreche die Wahl des Brennstoffes und seine Verteilung auf eine große Anzahl von Stellen. Ohne die Verpuffung hätten die Brandstellen schnell gelöscht werden können, wie es im Restaurant usw. geschehen sei. Der wesentliche Zweck der Brandlegung außer= halb des Plenarsaales sei der gewesen, die Aufmerksamkeit vom Plenarsaal fernzuhalten. Der Sachverständige hält es durchaus für möglich, daß die Kästen hinter den Abgeordnetensißen als Behälter für den Brennstoff benutzt worden sind.( Aber sollte das denn nies mand vorher gerochen haben; diese Behälter waren ja nicht für Benzinaufbewahrung konstruiert?) Der Oberreichsanwalt bezweifelt die Auffassung des Sachverständigen, daß die Brandstellen außerhalb des Plenarsaales nur ein Ablenkungsmanöver gewesen seien. Tatsächlich sei man doch auf den Brand schon aufmerksam ge= worten, als er im Restaurant ausbrach. Wäre dieser Brand nicht entstanden, hätte man doch im Plenariaal viel länger Zeit gehabt, um den Brand sich entwickeln zu lassen. Profeffor Joffe gibt zu, daß ihm das Verhalten van der Lubbes bei der Brandlegung als piychologisches Rätsel erscheine. Bei der folgenden Erörterung des Gutachtens des Sachverständigen Josie weist RA. Dr. Teichert darauf hin, daß man nach dem Brande, wenn der flüssige Brennstoff in Kanistern oder Flaschen hineingebracht worden wäre, Refte der Behälter hätte finden müssen. Dazu erklärt der Sachverständige Oberingenieur Werner, daß der Schutt sehr genau mit einem Löffel durchsucht worden sei und daß man weder Flaschenböden, noch Kanisterreste gefunden habe. Es bleibe freilich die Möglichkeit, daß der Brennstoff in Gummiblasen hineingebracht worden sei, was allerdings außer ordentlich ungewöhnlich wäre. graphenraum und die umliegenden Gänge zum letztenmal fontrolliert worden sind. Nach der Annahme des Sachver ständigen mußte im Stenographenraum der Brennstoff bereitgestanden haben. RA. Dr. Seuffert beantragt, den Hausinspektor Stranowiß und andere Reichstagsbeamte zu vernehmen. Dr. Sad schließt sich diesem Antrage an und ersucht, auch die Reinmachefrauen zu hören. Der Angeklagte Torgler erklärt mit Nachdruck, daß er um 8.45 Uhr längst nicht mehr im Reichstag war, sondern im Restaurant Aschinger. Nach feiner Erinnerung habe er schon um 8.20 Uhr den Reichstag verlassen. Er habe nie in seinem Leben mit Benzin oder irgendwie geartetem Brandmaterial etwas zu tun gehabt. Dimitroff fragt Der Angeklagte Dimitroff fragt den Sachverständigen Josse, ob er es für möglich halte, daß ein Brandstifter in einer Viertelstunde diesen Brand entfachen könnte. Der Sachverständige Josse antwortet, er sei eine Zeitlang der Meinung gewesen, daß das nicht möglich gewesen sei; als er aber bei der Besichtigung sah, mit welcher Firigkeit van der Lubbe arbeitete, möchte er doch glauben, daß bei ent sprechender Vorbereitung die Entzündung so möglich war. Dimitroff: Wie kommt es, daß dort, wo Lubbe mit dem Hemd und anderen Stücken Brand angelegt hat, kein richtiger rand entstanden ist, während, als Lubbe mit einem Stück Portiere durch den Plenarsaal geht, in diesem Saale der größte Brand entfacht worden ist. Sachverständiger: Es fonnte nur im Saale brennen, wenn brennbare Flüssigkeiten eingebracht waren. Es tritt dann eine Pause ein. Der Schlüssel war unter Verschluß Nach der Pause wird der Hausinspektor Stranowis nochmals vernommen, er bekundet, daß er am 27. Februar zwischen 11 und 12 Uhr mittags durch den Plenarsaal und auch durch den Stenographenraum gegangen sei und nichts Auffälliges bemerkt habe. Der Sachverständige Dr. Schatz fragt, ob es richtig sei, daß sich beim Stenographenraum auch eine Kammer befinde, in der Petroleum, Mineralöl, Werg und anderes Puzmaterial aufbewahrt werde. Der Zeuge Stranowizz bemerkt, es handele sich um die soge= nannte Seifenfammer, in der auch Spiritus zum Fensterreinigen und eine Flüssigkeit zum Verdünnen von Bohnerwachs aufbewahrt wird. Der Schlüssel zu diesem Raum sei aber stets unter Verschluß. Der Angeklagte Torgler weist darauf hin, daß am 14. Februar in Gegenwart von Stranowiß alle Räume, die den Kommunisten zur Verfügung standen, polizeilich gründlich durchsucht worden find. Er fragt den Zeugen, ob er gesehen habe, daß irgendwelche Kanister, Benzinflaschen usw. ge= funden worden seien. Skranowitz verneint diese Frage. Van der Lubbe flüstert Dem Angeklagten van der Lubbe wird nunmehr das Gutachten von Prof. Josie vorgehalten. Van der Lubbe schweigt jedoch und muß wieder auf seinen Platz zurückgeführt werden, ohne daß die Befragung irgendwelchen Erfolg gehabt hätte. Auf Veranlassung Dimitroffs wird van der Lubbe nochmals befragt, ob er den Brandweg wie angegeben zurückgelegt habe. Van der Lubbe flüstert: Ja! Auf die Frage, ob er den Plenarsaal mit dem brennenden Tuch angesteckt habe, erwidert van der Lubbe, das könne er. nicht sagen. Als nächster Sachverständiger schildert dann Brand direktor Dr. Wagner Verbrennungsversuche an dem Eichengestühl des Plenarsaales. Es sei versucht wor den, die massiven Eichenstühle älterer Art mit einem Kohlenanzünder zu entflammen. In 18 Minuten sei es jedoch nicht gelungen, die Stühle in Brand zu bringen. Auch als man unter diese Stühle etwa ein Pfund Filmrollen entzündete, gelang es nicht, den Stuhl so in Brand zu setzen, daß er aus eigener Kraft weiter brennen konnte Auch bei den neueren Stühlen habe man durch Kohlenanzünder ein Weiterbrennen des Holzes aus eigener Kraft nicht erreichen können. Lediglich die andere Polsterung aus KunstTeder sei entzündbar gewesen, so daß die Möglichkeit bestenden habe, daß sie weiter glimme und schließlich nach längerer Zeit zum offenen Feuer führte. Es sei dann versucht worden, einen Teppich, auf dem Tisch und Stuhl standen, mit Hilfe einer brennbaren Flüssigkeit zu entzünden, aber erst als Reste eines Kleidungsstückes dazu geworfen wurden, gelang es, die Holzteile so in Brand zu seßen, daß sie aus eigener Kraft weiterbrennen konnten. Der Sachverständige betont, daß das Holzmaterial des Plenarsaales zwar reichhaltig war, aber zu den schwer entflammbaren gerechnet werden muß. In dem Plenarsaal, dessen Luftraum etwa 11 000 Kubikmeter beträgt, fonnte, so erklärt der Sachverständige ein Ueberdruck durch Brand nicht auftreten, wohl aber ein Ueberdruck durch Verpuffung oder Explosion. Benzin soll es jetzt nicht gewesen sein Der Sachverständige Dr. Wagner kommt zu dem Schluß daß das Feuer den von dem Zeugen geschilderten Umfang ohne Aenderung der gewöhnlichen Verhältnisse im Plenars faal nicht hätte annehmen können. Zu einer solchen Verände rung der Verhältnisse sei entweder eine längere Zeit erforderlich oder eine Unterstüßung von mehreren Personen, : ahrscheinlich aber beides. Die Verwendung leicht brennbarer Stoffe, wie Gelluloid oder Benzin in größerem 1mfange hält der Zeuge nicht für wahrscheinlich, weil dann das Brandbild hätte anders sein müssen. Ueberdies würde ein Ausgießen größerer Mengen von Benzin oder Benzol den Raum in kürzester Frist mit einem explosiven Gemisch an,, Aber Torgler müßte doch nach Benzin gerochen gefüllt haben. Ein Anzünden wäre dem Brandstifter lebenshaben" Der Oberreichsanwalt erklärt, er wolle einmal zu ungunsten des Angeklagten Torgler annehmen, daß dieser sich von 8.20 bis 8.45 Uhr mit dem Brandmaterial befaßt habe. Hätte der Angeklagte Torgler dann beim Verlassen des Reichs: tages nicht irgendeinen Geruch ausströmen müssen? Der Sachverständige Josie meint, diese Frage könne er nicht ganz präzise beantworten, worauf R.-A. Dr. Sad betont, daß er, wenn er als Autofahrer nur einmal für einen Moment an seinen Benzintank herangehe, nachher einen ganz erheblich wahrzunehmenden Geruch nicht nur an seinen Fingern, sondern auch an seiner Kleidung habe. Der Sachver= tändige wirft ein, daß der betreffende ia seinen Rock wechfeln und sich habe waschen können. Dann wäre von dem Geruch nicht viel übriggeblieben. Der Geruch wäre übrigens viel geringer, wenn nicht Benzol, sondern Petroleum verwandt worden wäre. RA Dr. Seuffert stellt dann weitere Beweis anträge, u. a. soll festgestellt werden, wann der Stenogefährlich geworden. Es müssen also Stoffe verwendet wor ben sein, die anders gewirkt haben. Welche, vermöge er nicht anzugeben. Vedenfalls habe sich der Brand im Plenarsaal andera entwickelt als an den anderen Stellen. Auch der nächste Sachverständige, Gerichtschemiker Dr. Scha B, Halle, kommt zu dem Ergebnis, daß der Brand im Plenariaal feinen natürlichen Ablauf gehabt hat. Nach positiven Feststellungen, erklärt der Sachverständige, bin ich der festen Ueberzeugung, daß im Plenarsaal mit einer selbst entzündlichen Flüssigkeit gezündet wor den ist, deren Natur ich noch bekanntgeben werde, und daß zur Ausbreitung des Feuers eine Lösungsflüssigkeit ge= dient hat. Eine rätselhafte ,, Flüssigkeit" Der Sachverständige bittet darauf das Geruht, im Intecesse der allgemeinen Sicherheit die Oeffentlichkeit au furge Zeit auszuschließen, in der er die Brandflüssigkeit befinntgeben werde. Der Vorsitzende schlägt vor, sogleich ohne nähere Bezeichnung nur von Flüssigkeit zu sprechen. Der worden set. Frühestens hätte das nach dem Generalalarm Sachverständige ist damit einverstanden. Der Sachverständige schildert dann seine besonderen Beobachtungen mit der Verrußung und betont, daß die starke Nebelbildung, die bei dem Brande beobachtet worden sei, besonders charakteristisch für die Anwendung der Flüssigfeit" wäre. Vier bis fünf Liter dieser Flüssigkeit" hätten durchaus genügt, die starke Brandwirkung hervorzurufen. Er sei überzeugt, daß man bei der Brandlegung im Plenarsaal Kohlenanzünder mit der selbstentzündlichen Flüssig= feit" getränft und sie auf eine mit Petroleum oder Schmierbenzin getränkte Unterlage, etwa abgerissene Vorhänge gelegt habe. Auf diese Weise würde innerhalb von 20 Minuten bis eineinhalb Stunden eine Selbstentzündung eintreten, ohne daß ein Mensch einen Finger frümme. Für diese Zündungsart spreche das fortschreitende Feuer von einer höheren Stufe nach einer tieferen. Die anderen Brandstellen in den Umgängen usw. seien ganz anderer Natur. Die Vorbereitung des Brandes im Plenarsaal könne nicht von einer Person in der von van der Lubbe angegebenen Zeit vorgenommen werden. Nach seiner Ueberzeugung müßte eine Person im Plenarsaal mindestens 20 bis 25 Minuten Zeit gehabt haben, vorausgesetzt daß das Brandmaterial bereitstand. Der Sachverständige erklärt, daß die von ihm erwähnte Zündflüssigkeit verhältnismäßig leicht zu beschaffen sei. Auf die Frage des Oberreichsanwaltes, ob die Flüssigkeit" in fürzester Zeit in Aktentaschen usw. in den Reichstag habe hineingebracht werden können, erwidert der Sachverständige: Es hätte genügt, wenn man die im Reichstaa vorhandenen Handtücher mit der Flüssigkeit begossen hätte oder die zerschnittenen Vorhänge dazu verwandte. Auf weitere Fragen sagt der Sachverständige, die Flüssigkeit" habe einen karbolähnlichen Geruch, den man schwer loswerden könne.( Also " geftunken" hätte es auch reichlich.) um 9.42 Uhr geschehen können. Helldorf saß nämlich zu gestandenermaßen in einem Lokal der Rankestraße in Charlottenburg, und dieser Stadtteil wurde von dem vorher gegebenen Lokalalarm nicht erfaßt. Weiter behauptete Helldorf, daß er selbst die Verhaftung kommunistischer und sozialdemokratischer Führer veranlaßt habe, obschon bekannt ist, daß die Verhaftungen von der Polizei durchgeführt wurden. Schließlich ging Helldorf so weit, zu sagen, daß er, der damals Gruppenführer von Berlin, nicht zum brennenden Reichstag, sondern nach Hause gegangen sei. Nichts wurde vom Gericht geprüft. Kein Widerspruch wurde aufzuklären versucht. Jedes Wort des unsicheren, unglaubwürdigen, sich dauernd widersprechenden Helldorf war für das Gericht bare Münze. * Nach dem„ Temps" verlief die Aussage so: Le comte déclare, qui'il a été avisé, vers 20 h. 30, de l'incendie du Reichstag par un coup de téléphone emanant, croit- il, du bureau de l'une des sections d'assaut de Berlin. Le président lui fait remarquer qu'à 20 h. 30 le Reichstag ne brûlait pas encore. Le comte Helldorf repond:„, Cela pouvait être aussi vers 21 heures.. Le restaurant dans lequel nous dinions est situé précise* ment en face d'un poste de pompiers." Will man schon den Zufall" nicht hoch bewerten, daß Helldorf an diesem Abend visavis einer Feuerwehrwache dinierte, so ist doch die von Helldorf nach Vorhalten Büngers gestammelte Korrektur höchst„ merkwürdig"; sie entspricht jedenfalls auffällig der Unsicherheit und Unkorrektheit, die Görings amtliche Brandberichte aufzuweisen haben. Der Sachverständige meint: Van der Lubbe sollte Helldorfs„ Alibi" nur die Schuld auf sich ziehen Der Sachverständige betont nochmals, daß er die Angabe van der Lubbes über die Inbrandseßung für ganz ausgeschlossen halte. In dem Umgang habe er wahrscheinlich gar keinen Brand beabsichtigt, sondern zufällig die Zündungsmittel verloren. Auf einen Einwurf von Dr. Sad erwidert der Sachverständige Dr. Sch a 3, daß er aus dem Verhalten van der Lubbes den Schluß gezogen habe, daß bestimmte Dinge in das Wissen van der Lubbes gesezt waren, denn das Berhalten auf dem Balkon sei nicht normal gewesen. Van der Lubbes müsse beim Einsteigen schon gewußt habe, daß bereits andere Vorgänge in den Räumen sich abspielten und er nur die Schuld durch sein eigenartiges Verhalten auf sich zu ziehen hätte. Oberreichsanwalt: Der Angeklagte Torgler ist bis zu einer gewissen Zeit, mindestens 8.20, wahrscheinlich aber 8.40 Uhr im Reichstage gewesen. Kann nach der Art der Vorbereitung Torgler als Täter in Frage kommen? Der Sachverständige erwidert, daß der Zeit nach die Möglichkeit besteht. Eine längere Erörterung entspinnt sich darGraf Helldorf hat sich vor dem Reichsgericht bei dem Versuch, sein Alibi für den Abend des Reichstagsbrandes nachzuweisen, bekanntlich in zahlreiche Widersprüche verwickelt. So z. B., daß er um 8.30 Uhr bereits von dem Brand Kennt nis erhielt, der fahrplanmäßig erst um 9.17 Uhr entdeckt werden soute und daß er Feuerwehren vorbeifahren jah, etwas eine halbe Stunde vor dem von den Regisseuren des Brandes festgesezten Zeitpunkt. ist nunmehr von einem Zeugen erschüttert worden, der am Der letzte Rest von Glaubwürdigkeit des Grafen Sellborf 23. Oftober im Gefretariat des internationalen unter suchungsausschusses durch eine eidesstattliche Erklärung befundet hat, den Grafen Helldorf zu einem Zeitpunkt in der Nähe des Reichstages Meldungen entgegennehmend und Beseiner Wohnung befand. fehle erteilend fab, als Helldorf laut eigener Aussage sich in Sigung des Untersuchungsausschusses der Oeffentlichkeit Die Aussagen dieses Zeugen werden in der bevorstehenden übergeben werden. über, ob man, wenn Toraler mit dem Brandstoff befaßt Rundfunkübertragung verboten war, am Portal V beim Verlassen des Hauses den Geruch wahrnehmen mußte. Der Sachverständige läßt da verschiedene Möglichkeiten offen. Wenn er von der Flüssigkeit nicht direkt etwas an die Hände oder Kleidung bekam, brauchte der Geruch nicht auf ihn überzugehen. Mittwochsitzung, die sich mit dem unterirdischen Gang ( Inpreß.) Aus den Prozeßberichten ist bekannt, daß die zwischen Reichstag und Reichspräsidentenpalais beschäftigte, staulichen Erklärung des Engländers. Er soll gesagt haben: Es könnte Ihre Exzellenz interessieren, daß Anzeichen in London dafür vorhanden sind, daß Ihre persönliche Popularität beim britischen Publikum seit letzten Samstag außerordentlich zugenommen hat. Lord Rothermere, mit dem ich gestern abend telefonierte, erzählte mir, daß, als Ihr Bild in der Wochenschau der Londoner Kinotheater am Montagabend gezeigt wurde, es mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde." Donnerwetter, Hitler bei den Engländern plötzlich außerordentlich populär! Das muß man im englischen Originaltegt genießen. Die„ Daily Mail", die ja seit Jahr und Tag mit allen mitteleuropäischen Diktatoren gern techtelmechtelt, hat in der Tat in ihrer Nummer vom 19. Oktober auf Seite 11(!) das Interview von Ward Price. Es ist sehr lang. Aber in seiner ganzen Länge enthält es auch im verstecktesten Winkel nichts, aber auch schon rein gar nichts, was nur von ferne an das oben stehende Zitat erinnert. Weder wird ein Telefongespräch mit Lord Rothermere erwähnt, noch etwas von den Londoner Kinotheatern gesagt; weder ist von lebhaftem Beifall noch von außerordentlich zunehmender Popularität des deutschen Kanzlers die Rede, auch nicht etwa mit ge mäßigten, abgeschwächten Wendungen. Das ganze Zitat, das Wolff sich angeblich von London drahten läßt, glänzt in der„ Daily Mail" von A bis 3 durch uneingeschränkte Abwesenheit. Dafür aber läßt das Blatt den englischen Korrespondenten erklären:„ Ich hatte dem Kanzler ers zählt, daß Deutschlands plötzliches Ausscheiden aus der Abrüstungskonferenz zweifellos ein gewisses Steigen bes Mißtrauens und der Beunruhigung in gewissen Teilen der britischen Oeffentlichkeit hervorgerufen hätten." fallsbezeugungen ausgebrochen sind. Weswegen sie vor Herrn Hitlers Bild in heftige Bei Der Zusatz ist nur für die deutschen Leser bestimmt. In England würde ihn niemand glauben. Die durften nicht fehlen! Auch die ,, Katholische Aktion" verneigt sich vor dem Führer Die Katholische Aktion des Bistums Berlin sandte an den Reichskanzler Adolf Hitler folgendes Telegramm: In den Schicksalsstunden der Nation treten die Katholiken Vaterland geschlossen hinter den Führer und Kanzler in des Bistums Berlin in unerschütterlicher Liebe zum Volk und feinem Kampf für die Gleichberechtigung und die Ehre der Nation und die Wiederherstellung eines gerechten Friedens unter den Völkern. Katholische Aktion im Bistum Berlin. gez. Steinmann, Kapitularvikar. Klausener, Vorsitzender. Dr. Seuffert: Wenn van der Lubbe diese getränkten Lap- fären, Anfrage fate trophale Reſultate batte. Wie wir er Bischof gegen die fataſtrophale Reichsregierung pen vorfand und anzündete, hätte er doch selbst den Geruch an sich haben müssen, als er festgenommen wurde. Sachverständiger: Jawohl, deshalb bin ich der Meinung, daß van der Lubbe da nichts zu suchen hatte und im Plenariaal nichts getan hat. Auf die Frage, ob beim Verbrennen der Flüffig= feit ein Geruch auftritt, erklärt der Sachverständige, daß nur ein leichtes Price In zu bemerken sei. Arbeiter, die in der chemischen Industrie tätig sind, Studenten aus Laboratorien, Apotheker usw. wüßten Bescheid darüber. Die Vorkenntnisse der Angeklagten kenne er nicht. Die Verhandlung wird dann auf Dienstag vertagt. Helldoris Widersprüche ( Inpreß.) Es wird in Berlin lebhaft erörtert, daß die Vernehmung des Grafen Helldorf eine Kette von Widersprüchen und Unrichtigkeiten ergab, denen das Gericht in feiner Weise ernsthaft nachgegangen ist. Helldorf erklärte bekanntlich, daß er um 8.30 Uhr angerufen worden sei, der Reichstag brenne. Auf Vorhalten des Vorsitzenden, daß der Reichstag um diese Zeit noch gar nicht gebrannt habe, verbesserte Helldorf sich: es könne auch gegen 9 Uhr gewesen sein. Aber selbst um diese Zeit war der Brand noch nicht öffentlich bekannt. Dann sagte Helldorf, daß er durch die Feuerwehr auf den Brandalarm aufmerksam geFontamara 44 ROMAN VON IGNAZIO SILONE Der Cavaliere Pazienza erwies sich als viel optimistischer und ausdauernder. Dreimal des Tages, bei jeder Post, hörten wir seinen Husten sich von seinem Bett erheben, die Rammer verlaffen, langsam die Treppen hinuntersteigen bis ins Erdgeschoß, und nach einer Weile langsam und müde wieder heraufkommen, an unserer Tür zögern, an unserem Türschloß zögern und dann durch dieses immer neue Verwünschungen gegen Fontamara schleudern. Berardo Viola." feuchte der arme Alte, dein Vater ist ein Aas." Reichspropagandaministeriums im Rundfunk nicht übertragen. Auch die Uebertragung der Freitagssigung wurde plößlich abgebrochen, als Dimitroff mit seinen Fragen den Grafen Helldorf vollständig in die Enge getrieben hatte und Bünger verzweifelt erklärte: Es gehe hier nurum die Behauptungen des Braunbuches und daß Fragen darüber hinaus nicht gestellt werden dürften. ..Daily- Mail- Interview Was man nur den Deutschen vorlog Vor einigen Tagen empfing Herr Hitler den englischen Journalisten Ward Price von der„ Daily Mail", um durch das Sprachrohr dieser vielgelesenen Zeitung des Rother Friedensliebe zu versichern. Ward Price veröffentlichte mere- Konzerns dem englischen Bolke seine ungemeine seine Fragen und Hitlers Antworten in seinem Blatte, und gleichzeitig verbreitete das offiziöse deutsche WolffBüro das Interview, versehen mit dem Datum London, so daß es wie ein Auszug aus der„ Daily Mail" wirkte. Jn der Wolffschen Fassung beginnt das Gespräch mit einer ersich vor Freude. Wie konnte er annehmen, daß sein seit zwanzig Jahren toter Vater ihm eine telegraphische Geldsendung machen würde. Aber nach vier Fastentagen ist jeder bereit, an Wunder zu glauben. Während der Cavaliere Wein einschenkte, nahm Berardo das Telegramm, öffnete es, las es, las es wieder, sah uns an, faltete es zusammen und steckte es wortlos ein. " Was gibt es?" fragte ich. Berardo gab keine Antwort. Sein Gesicht war undurchdringlich. Das Weiß seiner Augen war plößlich trüb geworden und blutunterlaufen. Ich wußte schon aus Fontamara, daß dies das einzige sichtbare Zeichen großer Erregung bet ihm war. ,, Was gibt es?" fragte ich noch einmal mit möglichst freundschaftlicher Stimme Berardo streckte sich wortlos auf seinem Bett aus. " Dein Vater ist mein Ruin, Berardo Viola. Dein Vater ist. Der gute Schächer" und der Cavaliere Pazienza entfernten mein Tod, Seit drei Tagen esse ich nichts. Dein Vater ist daran schuld" schrie er noch. Berardo gab keine Antwort. Er war wieder stumm geworden. Stundenlang schaute er zur Zimmerdecke hinauf. ohne ein Wort zu sagen. Was wollen wir machen?" fragte ich.„ Wir können doch nicht ewig ohne Essen bleiben." Aber Berardo blieb stumm. Am Nachmittag des vierten Fastentages hatten wir eine große Freude. Es mag gegen fünf Uhr gewesen sein, als wir verwirrte Schreie des Cavaliere Pazienza und des„ guten Schächers" hörten. ,, Viktoria, Viktoria," fang der Gavaliere. " Wo ist Viktoria?" „ Sie gebe ihre Lockenpracht als Sklavin unsrer ewigen Stadt! Gott hat es io gewollt!" Die beiden kamen an unsere Tür, stießen sie ohne zu klopfen aus und traten ein Der gute Schächer" schwenkte ein Telegramm für Berardo in der Luft und der Cavaliere Pazienza umklammerte den Hals zweier Weinflaschen. „ Berardo Viola." schrie der Cavaliere ,,, dein Vater ist ein Edelmann Seine telegraphische Anweisung ist gekommen." " Wirklich?" fragte Berardo erstaunt und zugleich außer sich ganz zerschmettert indem sie die zwei Weinflaschen wieder mitnahmen. Ich legte mich nahe zu Berardo auf das gleiche Bett, schwieg zuerst, um ihn zutraulich zu machen, und fing dann leise an, ihn wieder zu fragen: Was gibt es? Ist dir etwas passiert? Ist dir jemand gestorben?" Aber er antwortete nicht. Da wußte ich, daß ihm in Fontamara jemand gestorben war Um acht Uhr abends gab es plößlich in der Kammer nebenan, die wie ich schon sagte- Cavaltere Pazienza bewohnte, einen ungewohnten Lärm. Aus dem wenigen, das bis zu uns herüberdrang, begriff ich, daß wir uns auf ein neues Unglüc gefaßt machen mußten. In der Tat öffnete sich kurz darauf die Tür unserer Kammer und das schmale ausgemergelte Besicht des armen Don Pazienza tauchte auf. Ohne einzureten sagte er: „ Der Bürovorstand des Arbeitsnachweises der faschistischen Gewerkschaft war bei mir. Eure Zeugnisse sind angekommen. Auf dem vom Podesta ausgestellten Leumundszeugnis steht: " In nationaler Hinsicht ganz unzuverlässig". Mit einem solchen Zeugnis ist es unmöglich, euch Arbeit zu verschaffen. Ihr werdet nie eine finden. Außerdem wurde die Polizei benachrichtigt..." Machte die Türe zu und ging. Fünf Minuten später öffnete sich die Tür von neuem. Unüberbrückbare Gegensätze Das Bischöfliche General- Vikariat in Trier hat einen Erlaß herausgegeben, in dem es heißt: „ Es ist von verschiedenen Seiten versucht worden, in fatholischen Vereinen und Familien Schriften über Steris lisation zu verbreiten, deren Darlegungen der firchlichen Lehre( A. A. 1981 40) wider prechen. Die Berbreitung solcher Schriften und bie Befolgung der in ihnen enthaltenen Grundfäße ist daher unzulässig. Gegebenenfalls ist uns unter Einsendung der betr. Schriften zu berichten." Das ist die Verurteilung einer der wichtigsten raffenpolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten durch einen Kirchenfürsten. Naffenpolitik und Ratholizismus find unvereinbar. Die Gegensätze werden immer wieder hervorbrechen, so sehr man sie beiderseits zu vertuschen sucht. Die neue Religion Frankfurt, 23. Oft.( Inpreß.). Der Führer der Hitler Jugend, Baldur von Schirach, erklärte in einer großen Frankfurter Versammlung:„ Ich gestehe freimütig, daß ich weder Katholik noch Protestant bin. Ich glaube nur an Deutschland." „ Eure Kammer ist vermietet," sagte uns der„ gute Schächer." " Ihr habt eine halbe Stunde Zeit, sie zu räumen." Es war schon dunkel, als wir den Gasthof verließen.„ Was nun?" fragte ich Berardo. Aber was fonnte er mir darauf antworten? Nichts. Ich fühlte eine große Schwäche in den Beinen und hatte vor Hunger Kopfschmerzen. Hin und wieder glaubte ich hinzufallen. Die Leute auf der Straße saben uns an. Die Herren gingen zur Seite, als ob sie Angst hätten. Berardos Aussehen konnte einem auch wirklich Angst einjagen. So kamen wir, ohne es zu wollen, in die Nähe des Bahnhoses. Auf dem Plaz waren viele Garabinieri, Milizjoldaten und Polizisten. Sie hielten die Vorübergehenden an und visitierten sie. Sie hielten die Automobile an und untersuchten auch diese. Da stellte sich ein Bursche, nachdem er uns überrascht betrachtet hatte, vor uns hin. „ Guten Abend," sagte er zu Berardo. Berardo sah ihn mißtrauisch an und gab keine Antwort. „ Ich habe eben an dich gedacht!" fügte der junge Mann hinzu.„ Wenn ich dich jetzt nicht getroffen hätte, wäre ich morgen zu dir nach Fontamara gekommen." " Ich hab keinen Centesimo mehr," gab ihm Berardo zur Antwort. Wenn du stehlen willst, mußt du dich an einen andern halten." Der Bursche, halb Student, halb Arbeiter, begann zu lachen Er war groß, schlant, gut, aber nicht galant gekleidet. Stimme und Blick flößten uns Vertrauen ein. „ Weiß du noch, wie du das letzte Mal in Avezzano warst?" fragte der Junge Berardo.„ Erinnerit du dich an das wirts haus, in das ihr, du und die andern Fontamaresen, von dem rothaarigen Spigel gelockt worden seid? Erinnerst du dich? ... Hast du vielleicht vergessen, wer dich damals gewarnt bat?" Berardo, der ein gutes Gedächtnis hatte, erkannte den jungen Mann gleich wieder. „ Zahl uns was zu essen," bat ich ihn, nachdem ich gesehen hatte, daß Berardo sich diese Gelegenheit auskommen ließ. Der Bursche von Avezzano führte uns in eine nahe Kneipe und bestellte Eier mit Schinken. „ Ist das für uns?" fragte Berardo mißtrauisch.„ Und wer wird das zahlen?" ( Fortschung folgt.) Richter Lachmund Ein Mörder im Talar Am 10. Februar dieses Jahres, mitten im Wahlkampf, hielt die NSDAP. in Braunschweig eine ihrer damals üblichen Hetversammlungen ab. Nach dieser Versammlung zogen die aufgepeitschten EA.- Leute, wie es damals ebenfalls fiblich geworden war, in einige Arbeiterstraßen, um Strafe expeditionen vorzunehmen. Man nannte das damals:„ bie Kommune ausräuchern". Als die braune Abteilung nachts in die Straße einrückte, gab ea richtig einen Zusammenstoß, bei dem zwei A.- Leute verIcht wurden. Dieser Fall wurde jetzt vor dem Braunschweigischen. Sondergericht abgeurteilt. Es wurden verurteilt: Der Angeklagte Arbeiter Heinrich Wolf zum Tode, der Angeklagte Arbeiter Hagemann zu sechs Jahren Zuchthaus und die Angeklagten Flentge, Holzmann und Donath zu le fünf Jahren Gefängnis. Der Richter Lachmund war den Anträgen des Staatsanwalts Ahrens gefolgt. Er gab eine Urteilsbegründung von so abgrundtiefer Bestialität, daß man ihren Inhalt in alle Welt hinausschreien muß: Wenn das Gericht gegen Wolf die Todesstrafe verhängt hat, fo braucht sich niemand, am allerwenigsten der Ans setlagte selbst barüber aufzuregen. Wer so mit dem Leben seiner Mitmenschen spiele wie der Angeklagte, der soll sich nicht wundern, wenn man auch mit ſtrafe ist aber auch deshalb erforderlich, damit die Boltsgenoffen die Gewißheit haben, daß die Juftiz, nachdem der Gesetzgeber ihr bie nötigen Gefeßze gegeben hat, mit den schärfsten Mitteln gegen alle vorgeht, die es wagen, ihre sand gegen irgendeinen Rämpfer ber nationalen Bewegung au erheben. Die heute ergangenen Verurteilungen sind eine Warnung für alle, die es angeht. Es unterliegt feinem Zweifel, daß das Bestehen des Sondergerichts und seine Urteile überaus erzieherisch und abschreckend gewirkt haben. Wenn trotzdem noch kommunistische Wühler hier und da in allernächster Zeit versuchen, ihre volksfeindlichen Treibereten fortzulegen, so sei ihnen in aller Deutlich feit gesagt, daß das Sondergericht in allen diefen Fällen rüdfichtslos die Höchststrafen gegen diese Verbrecher festießen und da, wo es das Gesetz über: haupt zuläßt, auf die Todesstrafe erkennen wird, um diese Schädlinge auf gefeßlichem Wege für immer auszumerzen." Der Richter& a ch mund weiß, daß die Ermordung politischer Gegner zu den Grundsäßen des Systems gehört, dem ez bient. Der Richter& a ch mund weiß, daß dieses System Mörder belohnt oder bestraft, te nachdem zu wessen Gunsten der Mord geschah. Der Richter Lachmund hat zugunsten dieses Systems die Tötung eines Menschen angeordnet. Der Richter La ch mund ist ein Mörder im Talar. Es wird die Zeit kommen, sich dieses Namens zu erinnern. Bergeßt ihn nicht! Verfolgte Christen Die Zuschrift einer Mutter Die grausamen Judenverfolgungen in Deutschland haben die ganze Welt mit Abschen und Mitleid erfüllt. Wer hat sich aber überlegt, wieviel Christen reinster marischer" Abstammung dadurch ebenfalls zur Verzweiflung und dem Selbstmord nahe gebracht werden. Ich will fura mein fleines Einzelschicksal schildern, das nur dadurch wichtig wird, weil Hunderttausende im„ dritten Reich" das gleiche erleiden. Mein Mann ist als Offizier für das deutsche Vaterland gefallen, ich mußte meine fünf Kinder allein aufziehen. Meine Söhne studierten, zwei Töchter heirateten. Die Jüngste einen Juristen, Sohn eines hochangejebenen, bekannten Akademikers, der mit meinem Mann befreundet war. und Kinder Plöblich, als die Judenhebze begann, steht der Schwiegervater auf einer Boykotiliste! Seine Mutter war Jüdin, was niemand, nicht einmal seine eigene Frau nach 40jähriger Che, wußte. Entseßen und Verzweiflung fehrten in der Familie ein. Wir alle, meine Eltern, Brüder, Söhne- deren Frauen dazu noch die Schwiegersöhne und-töchter des nichtarischen" Schwiegervaters, also in diesem einen einzigen Fälle Duhende von guten, rassereinen Christen, wurden ins Verderben gestürzt. Zuerst waren alle guten Freunde" mitleidig und empört, allmählich bekamen sie Angst, mit Menschen weiter zu verkehren, die mit Juden verfippt sind. Zeitungen vom getittgen Tiefstand des " Stürmer", der sogar neulich behauptete, der Papit sei das uneheliche Kind einer holländischen Jüdin!- der König von Spanien stamme von Juden ab usw., sorgen dafür, daß das deutsche Volk allmählich wirklich antisemitisch wird. Denn dieses an sich gutmütige Volk hätte bet jeiner Abstimmung im März bestimmt in seinem größten Teil die Judenverfolgungen abgelehnt. Jahren glücklich verheiratet und Mutter von drei- so Bas soll meine Tochter nun tun? Soll sie sich, seit sehn blond und arisch wie nur möglich aussehenden, gesunden Kindern von ihrem Manne scheiden laffen? Cie bat doch von der jüdlichen Großmutter ihres Mannes nichts geahnt, warum muß fie als Christin so unfagbares leiden und wir alle mit ihr? Wer kann die Qualen einer Mutter mitfühlen, wenn ihre geliebten Kinder verfehnt, als nicht taierein" verachtet werden,-während ein etwaiger Zuchthäusler als Bater die„ Germanenrasse" nicht verschlechtern würde! Mein Schwiegerfohn ist wegen seiner nichtarischen Großmutter aus dem Staatsdienst entlassen worden. Seine jüngste Schwester mußte ihre Verlobung mit einem Be amten auflösen. Bisher verehrt und umworben, soll sie nun einsam und wie die Beit gemieden meiterleben. Ich selbst als Bollblutarierin sehe perzweifelt all dieses Glend, das über meine Kinder und Entellinder bereingebrochen ist. Wo soll ich Troft fuchen? Etwa in der gleich geschalteten Kirche der evangelischen deutschen Christen, die fich nicht scheuen, in der Kirche und an Gräbern gegen Juden zu bezen, alles im Namen Chrifti, des„ größten Juden aller Zeiten"! Aber die katholische Kirche ist doch international, warum ist ihr Oberhaupt nicht dagegen aufgetreten, daß man im britten Reich" mohl bei Tierquälereien blutige Krofodils ttänen vergißt. Menschen aber zu Tode quälen kann? Nicht. nur Juden, sondern unzählige Chriften, nicht nur Evangelische, sondern auch Katholiken! Die katholische Kirche hat eine Gelegenheit verpakt, wie sie sich ihr seit Jahrhunderten nicht geboten hat und wieder bieten wird, nämlich die, einen ungebeuren Zuwachs aus den Reiben der verzweifelten, ratlofen evangelischen Christen zu bekommen. arbr 0 Wiffen Sie nicht, wie ein deutscher Mann zu grüßen hat?" „ Heil Hitler!" Zwei deutsche Urtelle An zwei Urteilen deutscher Arbeitsgerichte, veröffentlicht in der Sammlung arbeitsrechtlicher Entscheidungen, herausgegeben vom Reichsstand der deutschen Industrie, Berlin, September 1988, foll ohne Kommentar die furchtbare Wirtlichkeit der deutschen Barbarei dargetan werden. Schon der Berdacht der margiftischen Gesinnung eines Arbeiters genügt für die fristlose Entlassung. Tatbestand: Der Arbeiter N. N. wurde von dem nationalsozialistischen Arbeiterrat aufgefordert, den„ Angriff" zu abonnieren. Er beantwortete dies mit einer wegwerfenden Handbewegung und fügte hinzu, er halte die " Spandauer Zeitung", die nach seiner Ansicht ebenfalls nationalsozialistisch sei. Darauf beantragte der Arbeiterrat die fristlose Entlassung des Arbeiters, die auch erfolgte. Der Arbeiter flagte nun den Arbeiterrat auf Schadenerjab. Die Klage wurde abgewiesen. Aus der Begründung:... Aus dem Nichtbezug des Angriff" folgt noch nicht ohne weiteres der Schluß, daß der Betreffende ein Marxist oder Kommunist set, denn es ist auch gerichtsbekannt, daß mitunter auch Deutschnationale den " Angriff" nicht halten und sich auf andre Zeitungen, den " Völkischen Beobachter" oder die Zeitungen des HugenbergKonzerns beschränken. Auf der andern Seite ist zu erwägen, daß der Arbeiterrat die Pflicht hatte, die von dem Führer der Arbeitsfront angeordnete Säuberungsaktion durchzuführen. Es muß dem Arbeiterrat zugute gehalten werden, daß unter Umständen schon der Verdacht der fommunistischen oder marxistischen Gesinnung oder Betätigung ausreicht, umgegen diesen Arbeitnehmer im Nahmen der Säuberungsaktion einzusretten. Der Arbeiterrat hat daher im guten Glauben gehandelt. Ein Schiedsspruch wäre gegen die Arbeiterrats mitglieder nur dann gegeben, wenn sie bewußt, um einen Arbeitnehmer aus dem Betrieb zu bringen, ihm die kommunistische oder marxistische Betätigung unterschoben hätten. Nach den ermittelten Tatsachen ist dies im vorliegenden Falle nicht zu bejahen. Die Klage des Arbeiters war daher abzuweisen. Urteil des Arbeitsgerichtes Berlin, Kammer 28/31 vom 16. August 1988, Attenzeichen: 28/31 G. 361/38. Die Zugehörigkeit eines Angestellten zur jüdischen Raffe bildet einen Grund zur fristlosen Auflösung des Dienst verhältnisses. Tatbestand: Der Kläger war in leitender Stellung bei der Standesgemeinschaft deutscher Apotheker beschäftigt und wurde wegen Zugehörigkeit zur jüdischen Raffe fristlos entlassen. In seiner Klage machte er geltend, daß er von einer deutschen Mutter abstamme, evangelischer Konfession sei und fonfirmiert wurde. Ferner verweist er darauf, daß sich seine Familie besondere Verdienste um Deutschland erworben hat, daß sein Vater während des Krieges als Arzt in einem Lazarett aufopfernd gearbeitet hat, daß seine Familie seinerzeit für Deutsch land optiert und deshalb aus den jest polnisch gewor denen deutschen Gebieten abwandern mußte. Die Klage wurde abgewiesen. Aus der Begründung:... Daß der Kläger trotz seiner deutschen Mutter zur jüdischen Rasse zu zählen ist, entspricht den heutigen Anschauungen, wie sie insbesondere im Beamtengefestum zum Ausdruck gekommen find, daß nicht nur Halbjuden, wie der Kläger, sondern sogar Personen mit einem Viertel fremden Blutes von der Zulassung zum öffentlichen Dienst ausschließt... Neben der Sache liegt auch der Hinweis auf die Verdienste des Vaters des Klägers um das Deutschtum. Abgesehen davon, daß der Kläger sich die Verdienste seines Vaters nur bedingt zurechnen kann, ergibt sich aus dem gesamten Vortrag des Klägers doch lediglich nur, daß der Vater des Klägers ein über den Durchschnitt befähigter Arzt gewesen ist, daß er sich als solcher ein sehr erhebliches Vermögen erworben hat und daß er während des Krieges als Arzt in einem Heimatlazarett gearbeitet hat. Irgendwelche besonderen Verdienste um Deutschland liegen hierin nicht. Ob die Option der Familie des Klägers für Deutschland, wie auch sonst die Abwanderung deutscher und deutschiprechender Bevölkerung aus den polnisch gewordenen Gebieten überhaupt im nationalen deutschen Interesse lag, muß angezweifelt bleiben. Urteil des Landes- Arbeitsgerichtes in Berlin, Kammer 4, vom 18. Juli 1938, Aktenzeichen: 104 S. 848/33. Präsident der Staatsbank verurteilt ( Jupreß.) Das thüringische Sondergericht verurteilte den früheren Präsidenten der Thüringischen Staatsbank, Geheimen Finanzrat Profeffor Joft zu 6 Wochen Gefängnis, well er Behauptungen aufgestellt hatte, die die moralischen und fachlichen Fähigkeiten höchster thüringischer Staatsbeamter bezweifelten". Jost war der Vertrauensmann der früheren thüringischen Rechtsregierung, die den fostaldemokra tischen Präsidenten Löb seines Postens enthob und dafür den politisch rechtsgerichteten Jost einsekte 198 F C odnotollius? 1198 „ Aber Sie sehen doch!... slan KONZENTRATIONSLAGER Der Mann hat den Führer bes leidigt!" Zum Kotzen! Jo визиона» Der„ Westdeutsche Beobachter" berichtet Godesberger Geschichten um unseren Führer". Es handelt sich um ein Interview mit dem Hotelier, bei dem Hitler abzusteigen pflegt: „ Und wie benehmen sich die Gäste, wenn der Führer da ist?" falle ich dem Sohn des Hauses ins Wort. " Nun," entgegnete er, wie sich halt Gäste benehmen, wenn ihnen ein Führer begegnet. Greifinnen stehen morgens um 6 Uhr auf, stellen sich im Winter in den eiskalten Vorraum, um zu sehen, wenn der Führer vom Zimmer kommt. Und das mag bis 12 Uhr mittags dauern. Einmal kam eine Abordnung Westerwälder Bauern. Sie nollten den Führer sehen. Sie waren vom Westerwald zu Fuß bts Godesberg getippelt, die ganze Nacht hindurch und standen bis mittags auf dem Hof, ohne zu essen und zu trinken und ohne, daß wir wußten, was sie wollten, und daß sie überhaupt da waren. Als der Führer von ihnen hörte, ließ er sie sogleich hereinführen. Sie weinten vor Freude. Dann sprach er mit ihnen, gab ihnen einen Geldbetrag und ließ ihnen warme Suppe reichen. Und als sie sich satt gegeffen und ausgeruht hatten, marschierten sie wieder heim, das Herz vor Freude geschwellt. Einmal wartete eine Holländerin einen geschlagenen halben Tag mit ihrer Kamera im Garten auf die Gelegenheit, den Führer knipsen zu können. Schon früh um acht war sie da. Und nachmittags um vier stand sie immer noch da. Endlich kam der Kanzler. Aber nun zitterte sie so stark, daß sie nicht knipsen konnte. Sie wußte nicht, ob sie in den Sucher oder auf den Führer sehen sollte. Da entdeckte sie der Führer. Kommen Sie," sagte er lächelnd und in seiner freundlichen Art,„ knipsen Sie nur einmal in aller Ruhe." Da war es aber mit der Ruhe der Fotografin ganz vorbet. Ste zitterte und knipste und knipste und zitterte und dann rannen die Tränen. Und als sie nachher die Bilder entwickelte, da war auch nicht ein einziges gelungen. Eines Tages gerade als der Führer bei uns ankam, stellten wir einen neuen Kellner ein. Der wußte nicht, daß der Kanzler anwesend war. Er mußte einmal in der Nähe des Führers als SA.- Mann Dienst verrichtet haben. Seine Papiere waren gut und sauber. Und weil wir ihn am ersten Abend als anstellig kennenlernten, ließen wir ihn am nächsten Mittag beim Führer servieren. Er ging mit seiner Suppe die Treppe hinauf, flopfte am Zimmer des Führers an, und als er dann sah, wer vor ihm stand, stieß er einen unartikulierten Schrei aus, grüßte vorschriftsmäßig und die Suppenterrine fiel klirrend zu Boden... Der Führer aber wußte lächeln über soviel Verblüfftheit. Am schlimmsten sind die Mütter. Sie wissen alle, daß der Kanzler ein großer Kinderfreund ist. Und so stellen sie sich Stunden vorher draußen auf mit ihren Sprößlingen und warten, bis der Führer kommt. Und dann zücken sie die Kamera. Und weil der Führer wirklich ein Freund der Kinder ist, so haben sie immer Glüd. Er verdirbt ihnen die Freude nie, sondern läßt sich knipsen.. Gangsters In Deutschland In einer größeren deutschen Industriestadt hat sich vor wenigen Wochen folgender Vorfall ereignet: Eine Reihe jüdischer Familienväter, darunter 60- bis 70jährige Menschen, wurden unter dem Vorwand, beleidigende Aeußerungen gegen die Regierung gemacht zu haben, verhaftet und in SS.- Kasernen geschleppt, wo sie wochenlang unter Drohungen und Mißhandlungen schwerste Arbeit verrichten- in erster Linie Steine klopfen- mußten. Den Frauen und Kindern, die sich alle erdenkliche Mühe gaben, ihre Angehörigen frei zu bekommen, wurde durch Unterhändler der nationalsozialistischen Gauleitung mite geteilt, daß eine Freilassung nur in Frage fäme, wenn fie sich bereit erklärten, namhafte Spenden für die Fonds der Geheimen Staatspolizei" herzugeben. Bei reicheren Familien wurden 20 000,- RM., bei ärmeren 1000,- RM. als„ namhaft" angesehen. Die betroffenen Familien erklärten sich bereit, die Löse gelder zu bezahlen, dort, wo man nicht über die geforderten Summen verfügte, lich man sich das Geld aus, worauf die angeblichen Verleumder der Regierung anstandslos frei. gelassen wurden. Um Greuelmärchen" vorzubeugen, wurde ihnen bei ihrer Entlassung ausdrücklichst bedeutet, daß die Lösegelder ihrer Familien freiwillige Spenden seien. Dieser kurze Bericht, die genauen Einzelheiten müßen wir uns im Interesse des absolut glaubwürdigen Berichterstatters und der Opfer vorbehalten, mag wieder einmal zeigen, was von den Beteuerungen der Göbbels und Co., daß den Juden in Deutschland kein Haar gekrümmt wird, zu halten ist. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit"* Mittwoch, den 25. Offober 1933* Ereignisse und Geschichten Kanonenchristentum ,, Deutsche Christen" für Kriegspolitik Der Reichsleiter der Glaubensbewegung„ Deutsche Christen", Bischof Hossenfelder, hat eine Verfügung an alle Mitglieder der Glaubensbewegung erlassen, die sie dazu auffordert, bei der Volksab st immung am 12. November die Frage, ob das deutsche Volk die Politik der Reichsregierung billige, mit ja zu beantworten. Die Frage, ob Deutschland im Völkerbund bleibt und an der Abrüstungskonferenz teilnimmt, hat unmittelbar mit Religion nichts zu tun. Ein Zwang für eine religiöse Richtung, sich damit zu befassen, besteht also nicht. Will man aber durchaus vom Standpunkt des Christentums Stellung nehmen, so verlangt die Ethik der Nächstenliebe und Brüderlichkeit gebieterisch, daß man für eine Politik des Friedens und der Verständigung eintritt. Die Deutschen Christen" und ihr Bischof Hossenfelder aber treten für die Außenpolitik Hitlers ein, die Deutschland von den andern Völkern isoliert und die Kriegsgefahr um ein vielfaches vergrößert. Damit ist wiederum erwiesen, daß es sich hier um eine religiös getarnte, rein politische Bewegung handelt. Wenn einmal die Evangelische Kirche in den Sturz der Hitler- Regierung verwickelt und schwer von ihm mitgerissen wird, so wird sie sich bei den Müller, Hossenfelder und der lärmenden Rotte der " Deutschen Christen" dafür zu bedanken haben. Auf den Herzog gekommen Sie haben viel zu tun, die Heroen und propagandaamtlich geschützten Exemplare neudeutscher Dichtung. Sie sprechen über Hitler und Göbbels, sie werben" im Ausland für die Barbarei des dritten Reiches", sie„ decken auf" und„ weisen nach"... Sie stöbern eifrig in alten und ältesten Familienstammbaumtafeln( wie das schöne Wörtchen heißt). Zwei Beispiele seien aus vielen herausgegriffen: In der Universität Athen hielt Rudolf Herzog( ja= wohl, Rudolf Herzog!) einen Vortrag über die Entstehung der Nationalsozialistischen Partei. Er widerlegte Greuellügen und nahm zur Judenfrage Stellung.( So war es in Nazi- Zeitungen zu lesen.) Man fanns zu was bringen im„ dritten Reich". Der Wiskottens- Herzog, der Schreiber schmalzig- rührseliger RheinWein- Bücher, spricht in der Universität Athen"... Es ist nur schwer zu begreifen, wie die Griechen auf den Herzog gekommen sind.( Sonst heißt es wohl: auf den Hund kommen...) Meldung Nummer zwei: Bernhard Kellermann, der einmal einen guten Sensationsroman,„ Der Tunnel", ge= schrieben hat, wendet sich energisch gegen Gerüchte, wonach er nichtarischer Abstammung sein soll. So entrüstet sich der Kellermann:„ Ich bin kein Jude, sondern vollwertiger( vollwertiger!) Arier bis ins dritte und vierte Geschlecht und fann jedermann meinen Stammbaum vorweisen..." Jüdisch geschminkte Acier In Gegenwart des bayerischen Ministers Esser wurden die Schauspieler für das nächstjährig: Passionsspiel in Oberammergau ausgewählt. Die Bewerber erschienen in SA.= Uniform. Ursprünglich bestand die Absicht, eine„ rein arische Passion" zu spielen; schließlich einigte man sich nach einer langen Diskussion auf ein Kompromiß: die Arier haben das Recht, sich wie Juden zu schminken und aufzumachen. Die jüdische Tanmusike Das Naziorgan„ Der Führer" schreibt:„ Es ist erwiesen, Felix Fechenbach 見 か den sie ermordeten Der Revolutionsgewinnler daß auch heute noch fast 90 Prozent aller Tanzmusik jüdischer. Für Hitler hat sich die nationale Echebung gelohnt Herkunft ist; und ebensowenig, wie wir in jüdischen Geschäften kaufen würden, ebenso sollen wir auch die jüdischen Tanzschlager ablehnen..." Doch dann erhebt der„ Führer" über den arischen Schund ein großes Wehgeschrei:„ Es wird und muß Sache unserer deutschen Fachleute sein, hier besseren fein, bie Ersatz zu schaffen. Was man sich zuflüstert Gespräch unter Nichtariern: Was ist das da für ein Bändchen im Knopfloch? Das eiserne Kreuz. Wofür hast Du es bekommen? Für Tapferkeit vor dem Feinde. Und warum trägst Du es jetzt?- Aus Furcht vor den LandsIeuten! Aus einem Zirkus entsprang ein Bär. An allen Straßensäulen der Stadt wurde angeschlagen:„ Wer den Bären trifft, kann ihn töten." Auch zwei Juden lasen das. Sprach der eine zum andern:„ Das beste ist, wir flüchten."„ Aber wieso denn, bin ich ein Bär oder bist Du ein Bär?", fragte der andere." Das nicht, aber beweise das bei der Vernehmung!" Hitler wollte die wirkliche Stimmung seines" Volkes kennen lernen, ließ sich den Bart abschneiden und mar= schierte einsam durch die Straßen. Schließlich geriet er in ein Kino. In der Wochenschau erschien er, natürlich als Kanzler, mit Bart und großer Rede. Das Publikum sprang auf und hob begeistert die Arme. Hitler, zutiefst erfreut, blieb sitzen. Da flüsterte ihm sein Nachbar zu:" Mensch, steh auf. Wir denken alle so wie Du, aber mach Dich nicht unglücklich." Die gleichgeschaltete Presse schreibt: Reichskanzler Adolf Hitlers Buch„ Mein Kampf" hat bisher eine Gesamtauslage von einer Million Exemplaren erreicht. Aber die Nachfrage steigert sich ständig, so daß sich die Gesamtauflage voraussichtlich noch bis zum Jahresende auf eineinhalb Millionen Exemplare erhöhen wird. Diese erste zweibändige Ausgabe erzielte in den Jahren 1925 bis 1929 insgesamt eine Auflage von 23 000 Exemplaren. nur die Gedanken wandern hinaus.. Die Nachrichten von Dir und von den Kindern freuen mich immer am meisten. Es wird wohl eine ganze Weile dauern, ehe wir wieder friedlich beisammen sein können. Aber schließlich, einmal wird ja auch die Schutzhaft zu Ende sein. Dann werde ich mich an meinen neuen bürgerlichen Beruf gewöhnen müssen. Zu nächst spielt sich für mich das Leben zwischen vier engen Wänden ab. Nur die Gedanken können hinauswandern, zu Dir, zu den Kindern, zu der jungfrischen, neuerwachenden Natur Aber, was man nicht zu ändern vermag, darein muß man sich schicken, hoffentlich erträgst Du die für Dich recht schwere Zeit mit zus versichtlichem Mut und läßt Dich nicht unterkriegen. Brief an seine Frau( 5. April) Mit Frau und Kindern Du wirst stack bleiben Schließlich bin ich ja nicht allein, der ins Konzentra tionslager kommt. Natürlich, die Familienangehörigen sehen in erster Linie das Einzelschicksal, sie sind ja auch pers sönlich ziemlich stark davon be troffen, aber viele andere haben das gleiche Schicksal zit Viele tragen, Tausende. andere, Bekannte und unbekannte, find auch dort, Versuche Du Dir einmal die Dinge von einem größeren, geschichtlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten, nicht nur vom persönlichen aus. Viel leicht fannst Du dann man ches leichter tragen. Ich weiß wohl, es ist alles recht schwer für Dich und die Kinder und das Einzelschicksal steht schon dadurch für Dich immer stärfer im Vordergrund. Ich bin aber überzeugt, Du wirst start bleiben, auch wenn Deine Geduld auf eine harte Probe gestellt werden sollte. Brief an eine Frau am Tage vor Der Ermo.bung( 7. Auguff) Er erzählt jungen Sozialisten daß Hitler das mittlere Kleinbürgermaß deutscher Ge sinnungsplattheit genau innehält. Hitler ist der erste deutsche Politiker, der durch ein Buch steinreich geworden ist. Das ist weder schmeichelhaft für seine Politik, noch für diejenigen, die in ungemessenem Andrang viel Geld für dieses Buch bezahlen. Die Auflageziffern steigerten sich dann start, als im Mai 1930 Die ,, Kultstätte der Nazis die jetzige Ausgabe in einem Band erschien. Noch in demselben Jahre wurden 62 000 Exemplare verkauft, im nächsten Jahre 52 000. Das Jahr 1932 brachte eine Zunahme von 80 000 Exemplaren, und nach dem 30. Januar dieses Jahres war der Aufschwung so stark, so daß bis zum Oktober mehr als 1,2 Millionen verkauft wurden. Die einzelnen Bände würden, wenn man sie aufeinanderlegen könnte, eine Höhe von 35 000 Meter er= reichen. ** Diese interessante Notiz beschäftigt sich leider nur mit der Meterhöhe der Auflageziffern. Ihr metallischer Gehalt wird schamhaft verschwiegen. Er geht in die Millionen. Die„ nationale Revolution", die die Arbeiterorganisationen beraubt und unzählige Einzeleristenzen vernichtet hat, war für den Führer zugleich eine Einnahmequelle von einer in der Weltgeschichte einzigartigen Ergiebigkeit. Dieses hingeschluckte, im Stil grauenhaft verwahrloste Buch hat seinen Erfolg übrigens dem deutschen Durchschnittsspießer aller Grade und aller Stände zu verdanken, der sich hier in seinen geheimen Lüsten und Gedanken glänzend wiedergegeben sah. wie überhaupt die psychologische Gründe der Hitler- Faszination nie zu erforschen sind, wenn man nicht daran denkt, wer Das große Naziorgan des deutschen Westens, der„ Dortmunder General- Anzeiger", schreibt zur Wiedereröffnung der eindeutigen Berliner Femina":" Die Femina von allen, die einmal in den Mauern der Reichshauptstadt geweilt haben, kennt nicht diese Kultusstätte Terpsychores? Alle, die sich genügend erfreut hatten, zogen nach dem Westen... Auch die Tisch telefone, die etwa vor handene Schüchternheit überwinden halfen, waren nicht ohne Anziehungskraft... Vielen, die aus dem weiten Reich nach Berlin kommen, wird die Wahl jeẞt wieder leichter werden, wo sie hingehen sollen, um das Großstadtleben zu genießen..." Aciecprinzip für Palästina Der„ Anzeiger für Berg-, Hütten- und Maschinenwesen", Essen, befaßt sich mit dem deutschen Export nach Palästina und fordert bei der Behandlung der notwendigen Werbetätigkeit, daß diese„ hauptsächlich durch Vermittlung eines mit Land und Leuten bestens vertrauten( unbedingt arischen) Vertreters geschehen kann".- Arierprinzip also auch für Palästina! Der Mordprozeß gegen die zwei bayrischen Schwestern Das„, höllische Trio" in der Provence Aix- en- Provence, 22. Oktober. Der Mordprozeß gegen den Levantiner Sarret und die zwei bayerischen Schweſtern Philomele und Karoline Schmidt( die jetzt als Witwen französische Namen tragen) beaann hinter einer dreifachen Absperrfette unter ungeheurer Aufregung der Bevölkerung. Der erste Rwischenfall ereignete sich, als der Verteidiger de Moro- Giafferi, gegen die von dem, Präsidenten urgeschlagene Verhandlungsweise protestierte. Der Präficent wollte erit den Betrugsfall di Corenzo behandeln, dann die Ermordung des Ctrohmanns Chambon, der übrigens ein früherer Brieſter war, in der einſamen Villa bei Air und die Ermordung der Geliebten dieses Expriesters denn die Berafftura ng en Zubertulofen Maguli Serbin, die übrigens ein sehr hübsches Mädchen war. Herr de Moro- Giafferi inricht sehr scharf, aber höflich dagegen. Das Gericht entſcheidet Sonn nach einer Pause im Sinne der seitlichen Reihenfolge der Verrehmungen. Die Maur tung Bar Anklageschrift, die ein ganzes Buch yon all den Ergebnissen der zweieinhalbjährigen Unterfrchung füllt. Soutert Hundeer nieinbalbibrigen un darüber, daß der Gerichtsschreiber die schwere Arbeit in e- nem starken Marseillisch vorträgt. Der Abenteurer Sarret Zuerst wird der Abenteurer Sarret aus Triest verhemmen, zweifellos der Haupttäter. Sarret, Sohn iechiſcher Eltern, naturaliſierter rangoje, jest po Jahre alt, breit und werabatter friegsbeschädigt. Dreimal verheiratet. Er leugnet, zu den Schweſtern Schmidt intime Beziehungen unterhalten zu haben. Er habe gut verBeſchäfte gemacht. Das weitere will er erit später jagen. Die Töchter des Gendarmerieoffiziers Unwichtiges Thema 20Von Walter Kell( Paris) Zu dem Vielen, was denen drüben im dritten Reich bitter nottut, gehört ein Lancelot. Was das ist? Nun, sozusagen das leibhaftige Sprachgewissen der französischen Nation. Doch reden wir lieber nicht in Bildern. Sie fennen natürlich den Temps"? Das würdige alte Pariser Blatt mit den 8 Riefenſeiten, die so bequem und schamhaft auch den größten Mund verdecken, wenn er gähnt? Die Pariser lesen den„ Temps" allerdings meistens nicht, weil er nämlich die schönsten Schweinereien erst auf der sechsten Seite bringt, und immer zwischen einem solchen Wust von Wissenschaft versteckt, daß einem das Herausverdirbt. Dafür lieft aber die Welt den„ Temps", denn ſeine erste Spalte spiegelt die Ansicht der Regierung wider fnobeln und überhaupt der feierliche Ton den ganzen Spaß und seine zweite die der Opposition. So hat man gleich alles hübsch beisammen. Aber ich wollte ja gar nicht vom " Temps" reden, sondern von Lancelot. Also, das ist der Mann, der im„ Temps" allwöchentlich ein oder zweimal die Verteidigung der französischen Sprache"" auf der britten Seite schreibt. Haben Sie die einmal gelesen? Tun Sie's, auch wenn Sie sonit das ganze Ungeheuer von einem Gude bis zum anderen überschlagen. So ernst und abgewogen der„ Temps" ist, so boshaft, sprühend und durchtrieben ist Lancelot. Wie der sich, zwischen zwei Zitaten aus dem Littre, seine Gegner beim Wickel nimmt und ihm die Flöhe schüttelt! Dabei soll er doch dozieren und die Sprache verteidigen!( Gegen die Snobs, die Banausen und die Herren Techniker" nämlich.) Das tut er ja auch, aber es hindert ihn feinesmens. gelegentlich ein paar Tropfen humorvoller Rebensweisheit einzuschmuggeln oder, zwischen den Zeilen, ein paar Giftpfeile auf seine Gegner abzuschnellen. Man stelle sich einmal vergleichsweise vor, was daraus entstände, wenn ein deutscher Professor von einer Redaktion beauftragt würde, zweimal in der Woche zur Verteidigung der Sprache vom Leder zu ziehen! Was das für ein Gemengsel von Uebergelahrtheit, Fachsimpelei und Schulmeistertum würde! Brrrr. Lancelot macht das ganz anders. Er macht es unglaublich schön. * Philomele, heute 45 Jahre, tritt ein wenig nachlässig und feltsam auf. Sie ist in Augsburg als Gouvernante ausgebildet und kam frühzeitig zu vornehmen Leuten nach Thankreich, au einer Marquise und einer englischen Lady. Gie lernte Garret dadurch kennen, daß sich ihr Geliebter Billette, der sie heiratete, erit von einer anderen Deutschen scheiden lassen mußte. Dann fing fie mit Ersparnissen und Sarrets Geld ein„ Haus der Zusammenfünfte" an. Katharina, 37 Jahre, die einst sehr schön war, aber Fariser Theater in der langen Untersuchungshaft gelitten hat, weint Gottlob, daß ich kein französischer Schriftsteller bin! Nicht nur, weil dadurch die schöne Sprache Racines vor manchem chaden bewahrt bleibt, sondern vor allem, weil ich so vor LUXEMBOURG. In ein. ruhigen Privathause ist ein schönes möbliertes Zimmer zu vermieten. Mit separa tem Eingang. Mod. Komf. Zu besichtigen v. 1-3 Uhr 27, rue Lhomond. PARIS Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden 25, Bd. Bonne- Nouvelle, Paris( 2), Tel. Louvre 22.93 dauernd. Sie erklärt, die Geliebte von Sarret gewesen zu jein. Sie habe Geheimnisse mit ihm gehabt, habe ihn nicht crlassen können. Sie hat öfter ihrer Mutter geschrieben, die viel Kummer hatte und von nichts wußte. 790 Der Mann mit den 130 000 Fr. im Jahr Dann kommt der Versicherungsagent Siotis dran, ein Neffe von Sarret. Er wehrt sich hauptsächlich dagegen, daß er von der Witwe eines höheren italienischen Offiziers, die 25 000 Franken Rente hat, ausgehalten werde. Auch Sarrets Tochter, ein junges Mädel, weiß nicht viel auszusagen. Dramatisch wird die Sigung bei der Vernehmung von Dr. Guy. Das ist der Arzt, der den Totenschein für die von Sarret vergiftete junge Tuberkulose ausgestellt hat. Dr. Guy ist Schwerkriegsbeschädigter, Stadtrat von Marseille, Generalrat, leitender Arzt einer Fliegerkompanie, er verdiente ungefähr 130 000 Franken im Jahre. Die Rosette eines Offiziers der Ehrenlegion hat er am Tage vor der Verhandlung, beim Eintreten in das Gefängnis abgelegt ( die Angeklagten, außer dem„ höllischen Trio". waren Eindruck. Mittwoch, den 25. Oktober Opera, 8h Les Crepuscules des Dieux( R. Wagner). - 8 h 30 Les Honnêttes femmes Comedie Francaise. Le Juif Polonais. Opera Comique.- 8 h 30 Le Cenerentola( gala ital.). Odeon. 8 h 30 La Colombe poignardée. Il' nest jamais trop tard. Caite Lyrique. 8 h 45 Le Pays du Sourire( op. de Fr. Lehar). Th. de Paris. 8 h 45 Tovaritch( Elivre Popesco, André Lefaure). Th. Montparnasse. ievsky). 9h Crime et Châtiment( DostoDonnerstag, den 26. Oktober Opera. Relâche. inilgibo M 3. Lanvelot sicher bin. Der sizt wie die Spinne im Netz und wartet bis ihm sein Opfer in die Quere kommt. Kein Satz, kein Wort, kaum ein Buchstabe ist vor ihm sicher. Stets hat er seinen Kanthafen neben sich liegen und holt sich erbarmungslos jede Zeile heran, die nicht hieb- und stichfest ist. Der Angstschweiß bricht mir aus, wenn ich dran dente, daß Lancelot mich hier leſen könnte. Aber nein, er verteidigt ja nur die französische Sprache und dies uit fa Gottseidant deutsch. Sehen Sie, wie boshaft der Mann ist: Neulich hatte er so ein grammatikalisches Hühnchen mit Andre Therive zu rupfen. Der ist nun nicht bloß ein " Temps". Lancelot schreibt, wie gesagt, lints open auf namhafter Kritiker, sondern auch Redaktionskollege vom Seite 3, über zwei wuchtige Spalten. Andre Therive hingegen geht unterm Strich. So hat denn Lancelot, edel wie er ist, den armen Schlucker laufen lassen. Nein, sagt er, so feige bin ich nicht, vom dritten Stock aus ins Erdgeschoß zu schießen... Nun werden Sie vielleicht wissen wollen, wer Lancelot eigentlich ist? Auf Ehrenwort, ich weiß es selber nicht. Ich will es auch nicht wissen. So kann ich ihn mir vorstellen, wie's mir behagt. Ich denke mir, daß es ein vornehmer alter Herr ist, mit weißem Bart, schütterem Haar und einem lustigen Zwinkern um die Augen. Der richtige Gottvater der französischen Grammatik, halt! Vielleicht ist es aber auch ein junger Mann mit sportlichen Allüren, oder so ein kleiner Dicker in den mittleren Jahren.... Wer er auch sei, eine Lancelot bräuchten die wirklich, da drüben. Zwar weiß ich, offengestanden, nicht, ob er solche Sprachungeheuer wie Hitlers Mein Kampf" oder Göbbels Romane auch siegreich zu bestehen vermöchte, aber vielleicht gelänge es ihm, wenigstens zu erreichen. daß man nicht wieder einen solchen Saß zu lesen bekommt: „ Nur dunkelhäutige Kinder mit runden Augen und schwarzem Haar entwandten sich den Schößen der Frauen, deren Leidenschaftlichkeit die Nordmänner verfielen Das stand vor ein paar Wochen in Gottfried Feders „ Deutscher Wochenschau"! Wenn da nicht bald ein Lancelot kommt! Ach was, die werden schon mit ihm fertig. Die stecken ihn kurzerhand in ein Konzentrationslager... Suchen Sie eine neue Existenz? Wollen Sie wieder arbeiten? Wir bieten Ihnen Möglichkeiten mit größerem und mittlerem Kapital in bestehenden, bestrenomierten französischen Unternehmungen teilzunehmen oder solche zu erwerben. Wir stehen Ihnen mit Aufklärungen und Rat auf Grund langer Erfahrungen zur Verfügung. Wir geben Ihnen nicht nur exakte Unterlagen, sondern sichern Ihnen vor Ihrer Entscheidung das Recht zur längeren Beobachtung des Betriebes zu. Anfragen an: BUCOFRA, 215, Rue du Fg. St. Honoré, Paris& 20 Jahre Weltgeschichte in 700 Bildern! Einleitung von Fr. Sieburg Gelegenheits- Angebot statt 29,30 Fr. jetzt nur 8,55 Fr. Sofort zu beziehen durch: BUCHHANDLUNG der Volksstimme Saarbrücken, Bahnhofstr. 32 Neunkirchen, Hüttenbergstr. Comedie Francaise.- 2h Phedre, Le Malade Imagi. Die nächsten Konzerte naire, 8 h 30 L'Arlesienne. Opera Comique, 8 h La Tosca, Cavaleria Rusticana. Odeon. 2 h 30 L'Etourdi, Il ne faut jurer de rien, 2 h 15 Tartuffe. 8 h 30 Le Marchand de Venise. Trocadero. Caite Lyrique. Fr. Lehar). Th. de Paris. Lefaure). 8 h 45 Le Pays du Sourire( op. de 8 h 45 Tovaritch( Elivre Popesco, André 9h Crime et Châtiment( DostoTh. Montparnasse. ievsky). auf freiem Fuß). Guy macht einen vollständig verstörten Tariser Kino- Programm Die Ermordung des früheren Priesters Katharina erklärt dann mit fester Stimme, Sarret habe den Expriester und dessen Geliebte, Madame Ballandreaux in der Villa nacheinander erschossen. Die Badeanne, in die das Vitriol geschüttet wurde, habe sie geholt, auch das Motorrad, mit dem Sarret nach dem Ende des Chambon dessen Gelteste herbrachte. Mit dem Morde selbst habe sie nichts zu tun, wenn sie auch in Sarrets Gefellschaft geblieben sei. Vorsißender: angezeigt?" Katharine:„ Weil er zu uns, zu meiner Schwester und mir gesagt hat:„ Wenn ihr ausplaudert, werde ich erklären, r:„ Und warum haben Sie Sarret nicht Der Antifaschist Einziges antifaschist. Witzblatt in deutscher Sprache, Erscheint 14tägig. Mehrfarb. Druck Erscheint ab 1. November! Preis der Nummer 1,25 französ. Franken Wiederverkäufer und Einzelbezieher bestellen sofort beim: Verlag ,, Der Antifaschist" Strasbourg 31, Rue St. Gotthard 31 Damenkleider Konfektion in Paris bestens eingeführter lukra tiver Betrieb im Aufstieg bietet tüchtigem Mitarbeit. Beteiligung oder ist im ganzen zu ver kaufen. Anfragen an Bucofra Paris( 8), 215, rue du Fg. St. Honoré ß dort oben eine Liebesszene stattgefunden hat, daß die Frau euch überrascht hat und daß es ein gegenseitiges Töten war". Und er fügte hinzu:„ Ich seid Deutsche. Ihr seid in Frankreich in einer faulen Situation. Ich aber bin ein gewichtiger Mann. Ich werde Glauben finden, und ihr wandert alle beide nach Montpellier ins Loch, wo ihr eure Tage beenden werdet"." Moro Giafferi:„ Diese Aufzählung schreit nach Wahrheit." Katharine erklärt weiter, sie habe nur den Inhalt der Gimer entfernt, als Sarret das Vitriol anwendete. Philomele:„ Wir waren Werkzeuge in den Händen diefes Manne. der uns bedrohte." Sarret hörte schweigend diesem Reinwasche- Versuch zu. Er wird seine Antwort sehr überlegen. vom 20. bis 26. Oktober 1933 Agriculteurs. La Maternelle( nach Léon Frapiés Roman). Aktualitäten- Kino L'Auto( 31, Bd. des Italiens). Ununterbrochen von 10 Uhr bis Mitternacht. Dorble Seus interdit Sketch. La Question du Pacifique, Match Rugby Ives du Manoir. Bonaparte. La Maternelle( nach Léon Frapiés Roman). Cinéma des Champs- Elysées( 118, ChampsElysées). Jennie Gerhardt( Sylvia Sidney), amerikan. Fassung, franz. Untertitel. Ciné- Opéra. La Maternelle( nach Léon Frapiés Roman). 9 Platinum Ciné- Plage Marbeuf( 34, rue Marbeuf). blonde( Jean Harlow), französische Untertitel. Ermitage Club des Ursulines. Cavalcade( engl. Originalfassung, franz. Untertitel). Lord Byron( 122, Champs- Elysées). Privatleben Heinrichs VIII.( Ch, Laughton), englische Originalfassung, französiche Untertitel. Madeleine, Paramount. Le chant du Nil( Ramon Novarro). Un soir de Révellon( Meg Lemonnier). 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Dienstag, 7, Nov.: Sté Philarmon. Wanda Landowska ( Clavessins). Walter Rummel( piaAn- und Verkauf zentraleuropäischer und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles& P. Michel 34, RUE LAFFITTE PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 ,, Der Antifaschist" In dem Verlage„ Der Antifaschist", Straßburg( France), er scheint ab 1. November 1933 das neue Wizzblatt„ Der Antifaschist" in vierzehntägiger Folge. Wie uns dazu berichtet wird, ist es nicht nur der Wunsch des Verlages, sondern zahlreicher ausländischer Kreise gewesen, auch zum Humor ein Blatt herauszubringen, das in Deutschland längst teine Heimat mehr hat. Alles, was in Deutschland an Wizen und Anekdoten erzählt wird, muß geheim geschehen, weil sonst Gefahr besteht, daß der Erzähler ins Kenzentrationslager oder ins Gefängnis kommt. Ab 1. November wird sich das neue, einzige unabhängige deutsche Wizzblatt vorstellen. Die Einzelnummer kostet 1,25 Fr. in französischer Währung und ist vom Verlag in Straßburg( France), 81 Rue St. Getthard zu beziehen. Auch Wiederverkäufer wenden sich an den Verlag.( Siehe auch Inserat.) Washington Club( 14, rue Magellan).- Dienstag, Werbt für die ,, Deutsche reiheit"! Donnerstag, Samstag und Sonntag, 3 Uhr und 9.30 Uhr: Grand Slam( Lor. Young), franz. Untertitel. Italien- wie es wirklich ist! Taufe eines Jahres nahezu 12 Milliarden in Umlauf geſetzt Von G. E. Modigliani Biermächtepakt, Versöhnung mit Frank. reich, nahezu begründete Herrschaft über Dester. reich mehr braucht es nicht, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Erfolge der italienischen Außenpolitik hin und von den wachsenden Mißerfolgen der faschisti schen Politik in Italien selbst abzulenken. Gewiß ist es nicht das Ziel der Außenpolitik des italienischen Faschismus, den Bankrott im Innern zu ver hüllen. Aber ebenso gewiß ist, daß Mussolini seine Rolle in der Weltpolitik auszunügen versteht, damit die europäische Presse sich so wenig wie möglich mit der wirtschaft. lichen und finanziellen Lage Jtaliens beschäftige und wenn die Notwendigkeit eintritt und die Schecks fällig werden den„ wunderbaren Aufstieg" und die„ beispiel lose Renaissance" Jtaliens rühme, seit dem dort Ordnung gemacht worden ist. Man lese die italienische Presse. Sie ist alltäglich erfüllt von Lobeshymnen über die wachsende, unerhörte, welterschütternde Rolle Mussolinis in Europa und in der Welt. Wieder einmal sei Jtalien der Angelpunkt der Welt geworden. Die Jtaliener das ist die faschistische Schlußfolgerung für das eigene Land könnten daher wohl einige geschäftliche Verluste, Lohnabbau, Bankrott und Arbeitslosigkeit ertragen, wenn ihr Land mitten im Elend solche Ehrungen erfährt. Selbstverständlich wäre es nicht schwer, die auf diese Weise in jenen Schichten, an die der italienische Faschis mus mit seiner Verdummungspropaganda besonders appelliert, hervorgerufene unsinnige Begeisterung zu zerstören. Da aber jegliche öffentliche Opposition und Kritik in Italien furchtbar verfolgt wird, geht der Taumel weiter, so daß man bei Aufmärschen der weiblichen faschistischen Jugend in Marschkolonne und Marschschritt fogar die Nonnen und Krankenschwestern mitmarschieren, mit dem faschistischen Gruß salutieren und mit den faschistischen Kriegsrufen demonstrieren sieht. Das war der Augenblick für Mussolini, um die fran zösischen Politiker nach Italien zu holen und ihnen unter entsprechender Kontrolle natürlich- Rom zu zeigen mit übervollen Hotels, mit überfüllten Autobussen, mit Straßen, belebt von freudig erregten Mengen. Und ich kenne Männer der Linken, die aus Italien zu rückkommen, voll Entzücken über diese Ergebnisse des Faschismus, die in Wahrheit nur den Erfolgen des Hei ligen Jahres auf dem Gebiete der Hebung des Fremdenverkehrs zuzuschreiben sind! Wissen diese Männer der Linken in ihrer Begeisterung für den Aufstieg und die Regeneration, daß das Sondergericht gerade jetzt nach einer Periode relativer Ruhe plöglich Ueberstundenarbeit geleistet und in bloßen drei Gerichtsverhandlungen nicht weniger als 86 Jahre Zuchthaus über 12 Antifaschisten verhängt hat? Wissen sie, daß an verschiedenen Orten Jtaliens in der letzten Zeit Unruhen verelendeter Arbeiter stattgefunden haben und das, obwohl in Jtalien das Elend im Sommer immerhin leichter erträglich ist? Wissen sie, daß das Blatt der Korporationen der„ Lovoro Faszista" genötigt war, darüber Beschwerde zu führen, daß es noch immer Arbeiter und Advokaten in Italien gibt, die es wagen, bei Gericht über die Unbilligkeit von Arbeitsverträgen oder die Mißachtung der Arbeitsverträge durch die Unternehmer Beschwerde zu führen? Wissen sie, daß selbst die italienischen Militärflieger, die verwöhntesten unter den Staatsangestellten, nicht zum ersten Male ihren Gehalt am vorschriftsmäßigen Tag, dem 27. jeden Monats, nicht erhalten haben? Kennen sie die nachstehenden Zahlen, die mir amtlichen italienischen Veröffentlichungen entnehmen? Am 30 Juni 1933 schloß die Bilanz des Schat: amtes für das Steuerjahr 1932/33 mit einem Schuldenüberschuß von 10 176 Millionen Lire. Am 30. Juni 1926 betrug das Defizit des Schatzamtes bloß 1472 Millionen; dann stieg es allmählich bis zum 30. Juni 1932 auf 5737 Millionen und nun mit einem plöglichen Sprung im Verlaufe eines Jahres auf mehr als 10 Milliarden. Um dieses Defizit auszugleichen, hat das Schazamt 7769 Millionen aus staatlichen Depots und 1043 Millionen aus den Reserven der Sozialversicherungskaffen entnommen". Ganz abgesehen von den Schatzwechseln von denen im Ver wurden, die die Zentralverwaltung zu Lasten wieder einzubringender Fonds gezogen hat. Schatzwechsel, für die keinerlei Guthaben bereit stehen. Beim Bilanzabschluß ergab diese betrügerische Aushilfsmethode noch fast eine halbe Milliarde in Umlauf befindlicher Schatwechsel. Zu diesem Defizit des Staatsschazes kommt der stän dige Rückgang der ordentlichen Einnah men. 32 Millionen Mindereinnahme bei Post, Telegraf, Telefon und anderen Monopolen- ohne Einrechnung des Defizits der schwer notleidenden Eisenbahnen 307 Millionen Mindereinnahme bei den direkten Steuern, 143 Millionen Mindereinnahme bei der Umsatzsteuer, 424 Millionen Mindereinnahme bei den indirekten Steuern. Selbst die Staatslotterie, diese Steuer auf die Dummheit, hat eine Mindereinnahme von 30 Millionen Lire. Der italienische Faschismus behandelt die Steuerpflich tigen nicht gerade zart. Aber selbst die unerbittlichste Strenge versagt, wenn die Volkswirtschaft sich dem Zusammenbruch nähert. So sieht der wirtschaftliche Wiederaufstieg Jtaliens unter dem Faschismus aus: 1929: 13 215 Bankrotte, 1930: 16 182. 1931: 21 617 1932: 24 037 99 99 99 erste 7 Monate 1933: 13 366 99 insgesamt also 88 417 Bankrotte während viereinhalb Jahren( Statistisches Bulletin, August 1933, Seite 811). Und das in einem so armen Lande wie Jtalien! Wahrscheinlich um den Eindruck dieser Ziffern auszu gleichen, geben die italienischen Statistiken vor, daß es seit Juni dieses Jahres in Italien weniger Arbeitslose gebe, als in den gleichen Monaten des Vorjahres. ( 883 621 statt 905 107 Ende Juni; 824 195 statt 931 291 Ende Juli.) Dabei darf man aber nicht übersehen, daß Ende Juli.) Dabei darf man aber nicht übersehen, daß die Arbeitslosenziffern in Jtalien nicht aus unmittelbaren Statistiken stammen, sondern aus bürokratischen Berech nungen, die durch Weisungen von oben beeinflußt werden können. Bei den statistischen Zahlen, die nicht durch die staatlichen Aemter präpariert werden, sieht die Sache auch ganz anders aus. Ratastrophaler Rückgang des Eisenbahn= verkehrs im Jahre 1932, Rückgang des Warenverkehrs auf 60 Prozent, Rückgang der Zahl der Reisenverkehrs auf 60 Prozent, Rückgang der Zahl der Reisen den auf 58 Prozent gegenüber 1928. Ebenso sind die Transporte zur See im Jahre 1932 auf 87 Prozent gegenüber 1928 zurückgegangen, die Zahl der zur See beförderten Personen ist fast unverändert geblieben. Günstige Kapitalanlage! 800 000 Frs. als 1. Hypothek sucht gutbeschäftiger Großbetrieb zwecks Erweiterung und Ausbau Nur ernsthafte Geldgeber wollen Offerte einreichen unter Nr. 712 an die Geschäftsstelle der Deutschen Freiheit" Saarbrücken " So führt der Faschismus selbst die kapitalistischen Schichten zur Katastrophe, für die Werktätigen ist die Katastrophe ja noch viel näher. Gerade jetzt, da Wirrköpfe in den Ländern der Demo kratie versuchen, den italienischen Faschismus, dieses System der„ Ordnung" durch Terror und des Massenelends durch Scheinkorporationen, zu unterstützen und zu chem Ergebnis er sogar vom Standpunkt der Kapitalisten verherrlichen, schien es mir nützlich aufzuzeigen, zu wel führt. Mögen die Länder der Demokratie auf der Hut sein. Faschismus bedeutet nicht bloß Blut und Schrecken, son sich ihnen vom Rand des Abgrunds her entgegenstreckt, dern auch wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Hand, die müßte die Demokratien in den Sturz mitreißen, wenn sie sich nicht klar machen, daß gegen den Faschismus, sei völlige Isolierung eine wirksame Waffe ist, die diese un es der der Schwarz- oder der Braunhemden, nur die menschliche und zugleich wirtschaftszerstörende Barbarei zertrümmern kann. Ernster noch ist der fast völlige Stillstand der Spartätigkeit und der Kapitalbildung. Spartätigkeit und der Kapitalbildung. BRIEFKASTEN keinerlei nennenswerte Erhöhung der Depots bei den direkt durch den Staat kontrollierten Banken. Ebenso wenig bei den anderen Banken. Für diese beiden Gruppen sind kennzeichnend folgende Ziffern: die Banken, für die Angaben für die ganze Zeit von 1928 bis 1932 vorliegen, hatten im Depot: 7128 Millionen Lire Ende 1928; 7308 Millionen Ende 1929; 7554 Millionen Ende 1930; 7566 Millionen Ende 1931; 7582 Millionen Ende 1932 ( Statistisches Bulletin, Seite 796). Die Zahlen über das Kapital der Aktiengesellschaften sprechen gleichfalls eine deutliche Sprache über die wirtschaftlichen Vorzüge des Faschismus. Ende 1929: 49 596 Millionen; Ende 1930: 52 280 Millionen; Ende 1931: 50 852 Millionen; Ende 1932: 49 601 Millionen; Ende Mai 1933: 48 970 Millionen ( Bulletin, Seite 804). Und die weitere Entwicklung kann nur pessimistisch beurteilt werden, sofern nicht Frankreich mit seinen Milliarden beispringt. Schr., Montreng. Wir haben Ihr Gedicht mit Teilnahme ges lesen. Ihr Leid ist das Leid so vieler. Mit ganzem Herzen, mit ihrem ganzen Heimats- und Landschaftserlebnis hängen sie an Deutschland, das sie verstieß. Jeder hat Ihren Vers auf den mit Lippen. Darum dürfen wir uns den Abdruck versagen Dank an Sie. * Das aber ist eben das wirkliche Ziel der pazifistischen und franzosenfreundlichen Komödie, die der italienische Faschismus eben jetzt auf der europäischen Bühne insze niert. Der italienische Kapitalismus hat sein Heil im Faschismus gesucht; gefunden hat er trotz der Senkung der Löhne, trotz der Erdrosselung jeglicher Opposition und Kontrolle, nichts als den Bankrott. Und nun ist das Regime gezwungen, sich an die Länder der Demokratie zu wenden. Nun bietet es wenigstens das Lippenbekennt nis des Verzichts auf den aggressiven Imperialismus an, damit man ihm nur helfe, nicht unterzugehen. Nancy. Brief mit Gedicht( poste restante) ist leider zurückgekom men. Nicht abgeholt! Geben Sie Ihre Adresse an! fein Geld Frau F., Colmar. Ihre neue Adresse haben wir vermerkt. Im übrigen: nicht alle Frauen sind„ Rätsel". Sie sehen viel zu klar und sind von dieser Kategorie von Frauen, deren Reize übrigens problematisch sind, schon auf Grund Ihrer Briefe ausgeschlossen. Aber ein Besuch in der Colmarer Gegend ist uns für absehbare Zeit unmöglich, so groß unsere Sehnsucht nach Ihren Bergen ist. Kein Urlaub und aber sonst gefällt uns die Welt."( In Klammern: ausgeschlossen alles das, was bräunlicher Gesinnung ist). Brief folgt. Die neue Weltbühne, Prag 1, Melantrichova, Heft 42, ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Willi Schlamm: Genfer Kestrategie, Friedrich Krüger: Der deutsche Kriegsplan Die Wirkung im Westen, Heinrich Mann: Was uns bleibt, Louis Fischer: Moskau und die Weltrevolution, Gregor Bienstock: Eng lend verläßt Europa, Heinrich Fischer: Werbt für den„ Stürmer!" Bemerkungen Antworten. A. M., Newyork. Wir danken und bestätigen den Empfang. Jmmer freuen wir uns mit Ihren Briefen und Ihren durch Dollar Amerika unverfälschten Ansichten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dude weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsbruc und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrüden& Schüßenstraße 5. 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