Sîuzîge unabhSugîge Tageszeîiung Veuischkands 109— 1. Jahrga ng(Saarbrücken, Donnerstag, den 26. Oktober 1933 1 Chefredakteur^\l^JBr^u~n Aus dem Inhalt: 35 Zote- 50 Verletzte Seite 2 ÎOec kommt nach Qatadiec? Seite 2 !BeHzinqzcuch im Jleichstag. Seite 3 Wie Ztolland urteilt Seite 8 Jusecatenteil beachten! Nieder mit Hitler I Antwort auf die Kanslerrede» Aul groben Klotz ein grober Kell h*® er öm Dienstag einen abendlichen Spaziergang î«cnvwo in Deutschland machte, der hörte aus vielen Häusern lan?"îheiseres animalisches Gebrüll. Der deutsche Reichs nzier sprach zum Volk«. Er schrie und kreischte, um die Util i* 4U e. incr® 0(' 1 àu treiben, die keine ist. Er schimpfte T-f>-'^»s er es immer getan hat. Diesmal, um den all? v^iner Wahlbewcgung vorzutäuschen, hinter der für wog Wahlenthaltung oder Neinstimmen protestieren ta s Cn' ier^ îrfer' das Konzentrationslager, die Emigration, so et^ oî> iîehen. Zwar nicht der Reichskanzler selbst, aber manche seiner Pfründen-Kreaturen hat das schon in die A fleruf l n- « r te im Stile dieser größten geschichtlichen Bewegung des «an.fuge» gar nicht anders möglich ist, begann die »enmäßig riesige Veranstaltung im Berliner Sportpalast Lü Schwindel. Der Reichskanzler ließ ihn durch seinen oi? enmin'ft«r aussprechen:„Nach vierzehn Jahren der Nach- otî cit'st zum erstenmal ein deutsches Nein ^ fachen worden." Eine bewußte Unwahrheit, wie Hitler Röbbels sehr genau wissen. ^âs erst« Rein «che idemann, und zwar gegen das Diktat von »n>-,''U iener großen Kundgebung der National- »tammlung im Saale der Berliner Universität zu Berlin 'er dem Bilde Fichtes. Erst unter dem Drucke der zu Hirn m àiegerischen Vormarsch— es war ja erst nur Waffen- Uftand— auf deutschem Boden bereitstehenden Entente-- ere beugte sich das Parlament der übermächtigen Gewalt. "» Deutschlands willen. Zur Rettung seiner bedrohten .«»Provinzen. Ministerpräsident Scheidemann zog die „Gerung aus seinem Nein. Er trat zurück und unter- è^mnete den Vertrag nicht. Wenn eines gewiß ist, so dies: z/'er Hitler wird, wenn das Nein nicht zum Ziele führt, auch 8 où aussprechen» nur um im Amte zu bleiben, zweite Nein brach der Reichsminister Dr. Simons zum Londoner »Matum. Wieder unter Volksjubel. Auch er und das mußten sich beugen, als Sanktionen kamen, als am und am Niederrhein die fremden Truppen weiter ins und darüber hinaus wirtschaftliche und Volk Niain --and eindrangen BBL.. "anzielle Katastrophen drohten. dritte Rei« aus dem Munde des Reichskanzlers Enno schlimmen î^gcdenkens. Der passive und der aktive Widerstand setzten Das Ende war der volle Zusammenbruch der deutschen Ehrung, die wirtschaftliche Vernichtung großer Teile der "Ischen Mittelschichten, schließlich der Zwang, doch wieder zu sagen. Die mächtigsten Stützen des jetzigen Reichs- . uzlcrs, die Schwer- und Bcrgbauinbustriellen ließen ^"9 ihr Nein mit 700 Millionen Goldmark I«iahlen. Die Mittelständler und die Arbeiter, existenz- 88 geworden, sahen in den Mond. Warum sprechen darüber 'mt die Wöbbels und Hitler? ,.^°ber geschichtliche Wahrheiten reden sie nicht. Dafür chreit der hysterische Reichskanzler aller männlichen und «»Mittlen Hysteriker:„Ich werde eher sterben, als was unterschreiben, was meiner Uebcrzeugung nach für k"s deutsche Volk unerträglich ist." So ein Phraseur! Die ^tauschte Menge, so primitiv wie ihr Abgott, applaudiert. tJ tr> ber daran denkt, daß dieser politische Marktschreier won einmal einen Schwur an den Tod— von andern Eiden 5"' uicht zu reden— geleistet und gebrochen hat. Am .November hinter Maßkrllgen im Bürgerbräu zu München: Jürgen ist Deutschland frei, oder wir sind tot." Noch k?ch» 24 Stunden später suchte Hitler vor der Feldherrnhalle ''"chliygs Deckung gegen todbringende Kugeln, ließ seine »meraden sich im Blute wälzen und floh in die Berge. Noch e.'«er ist Deutschland nicht frei, aber Herr Hitler tobt»vie .'"st und gedenkt, auch wenn er noch manches Gelöbnis an « n Tod brechen sollte, an Altersschiväche zu sterben, falls loi?/^n bei Diktatoren häufiger Berufsunfall eintreten ®u die.Greuellügen" schlug der Reichskanzler noch ein ?">l tot. Er. der l4 Jahre lang seine rohen Kolonnen„au 1 ° Cn Tag" dressiert hat: er, der 14 Jahre lang den Terro» ^gen seine politischen Gegner gepredigt hat: er, der 14 Jahre !5"ß leben politischen Mord gestiert hat: von Erzberger über 'uthenau bis zu seinen Mordkamcraden von Poteinpa, da selbst '"»em Papen grauste, als er die Hand Hitlers in den Händen gemeiner Mörder sah: er. der 14 Jahre lang den Judenhaß schürte, bis er in Brutalität und Schande sich entlud: er, der zusieht und billigt,»vie sein intimer Freund Streicher mittel- alterliche Prangerzügc durch Nürnberg veranstaltet: er, der 14 Jahre lang hetzte:„Es iverden Köpfe rollen": er, der urteilslose Primitive 14 Jahre lang lehrte, alle Marxisten seien Untermenschen, seien Verbrecher, seien vom Landes- seind Gekaufte, seien parasitäre Volksschädlinge, suchten ihre I Bereicherung und sonst nichts: er, der durch versassungs- brüchige Verordnungen die Marxisten für vogelfrei erklärte: er, der verdiente Männer ihrer Staatsbürgerschaft beraubte: er, der Frauen und Kinder als Geiseln nehmen ließ: er, der Millionen ersparter Arbeitergroschen, auch private und auch wieder die von Frauen und Kindern, rauben ließ: er, der genau»veiß, daß seine braunen Banden wohl hunderttausende private Arbeiterhcime zerstörten, daß sie zehntausend« Arbeiter mißhandelten, daß sie tausende Arbeiter der Stirn und der Faust ermordeten.— Dieser Mensch wagt von Greucllügen zu reden. Die Welt weiß es besser. Sie sieht und kennt die Opfer der Hitlerschcn Roheit und die Welt weiß daher genau:»Der deutsche Reichs- kànzler lügt." Und diesem Manne soll sie feine Friedensbeteuerungen glauben? Er zetert ins Mikrofon:„Wir»vollen Frieden. Wir wollen Frieden mit Frankreich, mit England, mit Polen, mit der ganzen Welt." Friede auf Erden! Friede allen Völkern. Krieg nur, Blut- und Hungerkrieg gegen eigene Volksgenossen, gegen die marxistischen Arbeiter, ihre Frauen und ihre Kinder. Gewalt nur im Innern! Gemaltlosigkeit nach außen! Meint Hitler wirklich, denkende Menschen würden einem Friedensboten trauen, der in der Linken den Palmzweig schwingt und mit der Rechten die Fesseln um seine Volksgenossen enger zieht? Gleichberechtigung! Wir alle wollen sie für Deutschland, aber wir wollen sie zugleich für die Deutschen i m Innern. Daß die Deutschen das gleiche Recht im Staate sich haben rauben lasten, ist das schwerste Hindernis für ihre Gleichberechtigung unter den Völkern. „Warum sollen wir gestraft werden? Weil wir und ver- teibigt haben? Das verstehe ich nicht." Die brüllende Stimme Hitlers überschlägt sich im Zorn, als er das hinausschreit. So: das versteht er nicht. Der Geivaltanbeter versteht nicht, daß auch andere Gewalt anivenden. Was haben denn die Marxi- sten getan, die Sie in die Kerker ivarsen, Herr Hitler? Diese Männer und Frauen haben sich verteidigt, haben ihre Menschenrechte und ihre Menschenivürdc zu wahren, habe» Deutschlands VolkSebrc in einem geistigen Kampfe zu retten versucht. Nichts anderes taten sie. und dennoch haben Sie die brutalsten Strafen über diese Verteidiger kultureller Frei- heiten verhängt. Tie verstehen nicht? Sie wollen nicht ver- stehen, aber wir werden Ihnen noch Verständnis beibringen durch die Mittel, die von Naturen wie den Ihrigen begriffen werden. Der Reichskanzler feiert sein« Revolution, die nur eine Gegenrevolution gegen die unvollkommene demokratisch- soziale Umivälzung von 1018 ist. Er wundert sich, daß man von deutschen Greueln spricht, wo doch ander« Revolutionen wirkliche Greuel gebracht haben. Sollen wir Ihnen den Unterschied verraten, Herr Reichskanzler? Die Fran- zosen haben auf dem Platz der Revolution ihrem König und ihren Aristokraten, später auch gestürzten BolkSmännern die Köpfe vor die Füße gelegt und haben sich zu diesen Revolutionstatcn bekannt. In keinem französischen Geschichts- buch wird man diese Blutarbeit geleugnet finden. Die Russen haben ihre Herrscherfamilie ausgerottet und ungezählte Bourgeoissamtlien in die Graber der Monarchie nachgeschickt. Hat Lenin, hat Trotzki das geleugnet? Haben die Bolschewisten über Greuelmärchen geheulmeiert? Sie standen zu dem. was sie für„notwendig" hielten. Begreifen Sie nun, Herr Reichskanzler? Es gab vielleicht brutalere Revolutionen als Ihre von Kapitalisten und entthronten Für st en finanzterieGegenrevolution, aber es gab keine Revolution jemals in der Ge- schichte, die die von Ihnen geführte Um- wälzung am Gemeinheit und verlogener Heuchelei erreichte. Sie und die Ihren pre- »igten, forderten, übten dt, Brutalität, und als sie losbrach, waren Sie und die Ihren zu feige, das zu bejahen, was aus Das ist die Wahrheit, die ausgesprochen werden muß. Vielleicht klingt dieser Aufsatz zu heftig und zu scharf. Er ist es nicht. Die ewigen univahrhastigen Herausforderunge» des Reichskanzlers, sein Haß gegen uns, dem wir nicht ein gleiches Gefühl, sondern nur die Verachtung entgegenstellen, sein Hinivcglügen offenkundiger geschichtlicher Ereignisse erfordern kräftigen Gegenhieb. „Zu scharf?" Ter Mann, den Millionen Deutsche zu ihrer eigenen Schmach zum Reichskanzler erhoben haben,»vagt von den Erschossenen, den Erdolchten, den Ertränkten, de» zu Tode gemarterten Männern wie Stelling und Fechen- bach zu sagen: „Die nationale Revolution hat vielleicht im ganzen 50 Opfer gefordert und diese Opfer waren alle Halunken." Ma» zeige uns den Staatsführer der neueren Geschichte, der je in einer öffentlichen Rede sich so der Kaschemmen- spräche bedient, je auf ein solches Niveau hinabgeglitten »väre, je seine gefallenen Gegner so besudelt hätte! Un> wahrhaftig und roh! Das ist hier die allein mögliche Eha- rakteristik. Alles, was jeder gesittete Mensch da emp'tnocn muß, spricht der deutsche Reichskanzler in dem Worte aus: „Halunke!" Nun reist er wieder durchs Land und redet. Er und seine Kreaturen allein. Die ganze Welt muß die abgrundtiefe Gemeinheit dieses Schauspiels erkennen. Ein großes Volk mit reicher Kultur inmitten Europas wird zur Wahl auf- gerufen.„Zur Wahl?" Nur Kandidaten einer Partei dürfen ausgestellt, nur Ver, sammlungen einer Partei dürfen veranstaltet, nur Zei, tungen und Flugschristen der Regierung dürfen verbreitet werden, nur eine Partei darf die Wahl vorbereiten, nur eine Partei darf Radio und alle Provagandaniittel von der Weltstadt bis zum Dorf benutzen, nur eine Partei darf Wahl und Wahllokale kontrollieren, nur eine Partei darf die Wahlergcbniste zählen und veröffentlichen. Alle Kritik ist mundtot. Alles freie Denken ist im Kerker oder im Konzentrationslager und muß schweigen, wenn der deutsche Reichskanzler die gemeinsten Worte der deutschen Sprache auf die Gräber seiner Opfer speit. Um so mehr hat jeder Deutsche, der außerhalb des Machtbereichs der deutschen Diktatur noch reden darf, die deutsche und die all- geincin menschliche Pflicht, die volle, nackte und harte Wahr- hei» zu sagen. Mit allen Methoden des Reklamebetrugs wird die Welt zu täuschen versucht. Es darf nicht gelingen. Gäbe es in Deutsch- land eine wirklich freie Wahl, so würde das Volk sich er- heben unter der Losung: Bolle Gleichberechtigung für Deutschland nach außen und nach innen! Voraussetzung für beides: Sturz der Diktatur» Vernichtung der braunen Randen, Enteignung der kriegerischen Gegcnrevolntionäre, organisierte Wirtschast zur Volksgemeinschaft der Tat und nicht der Phrase. Diese Ziele stehen fest. Drinnen und draußen wächst der harte W»llc, sie zu erkämpfen. Aus der Vlutsaat Hitlers wächst die Ernte. Aus dem Geist der Märtyrer steige» die Sieger von morgen empor. vai soll eine Wahl sein! „In der Nation sei geächtet.. „In der Nation sei geächtet» wer am 15. No» »ember seine Pflicht nicht tut, ausgestoßen soll er sein aus der Gemeinschaft des deutschen Volkes, so ernst wollen wir an diese Dinge herangehen. sStarker Beifall.) lAuS einer Rede des hessischen ReichsstatthalterS Sprenger. 22. Oktober.) „Die Wahlen, die bevorstehe», find i» ihrer Art ohne geschichtlichen Vorgang. Es wird nur eine einzige Liste dem Wähler unterbreitet, eine Liste die er annehmen oder ablehnen kann. Wie die Liste zusammengesetzt ist, das ist noch nicht bekannt. Es heißt, daß aus ihr nicht lediglich die bekannten Rcoräsentauten der Nationalsozialistische,, Partei vertreten sein sollen, sondern auch andere Männer, die alle vorher ein feierliches Gelöbnis ablegen sollen, daß sie hinter der Regierung stehen und ihr keine Schwierigkeiten machen werden. Die Einheitsliste ist die Konsequenz der Tat» lache, daß sich alle Parteien, mit Ausnahme der den Staat tragenden Nationalsozialistischen Partei, die zur Staats» Ihrer Roheit und I mit Ihrem W i l l en g e s ch a h. s j» d. partei im ursprünglichsten Sinne des Wortes geworden ist, aufgelöst haben, soweit sie nicht a u s g e l ö st worden l.Vossische Zeitung", 22. Oktober.) ! Auszug aus Genf Die hitlerdeutschen Beamten müssen demissionieren Edouard Daladier Wer Kommt nadi Daladier? Er selber? Paris, 25. Oktober. Die Lage nach Daladiers Sturz ist noch ungeklärt. Am Dienstagvormittag hat der Präsident der Republik zunächst de» Scnatspräsidcnten und dann den Kammerpräsidenten empfangen. Senatspräsident Jennerey erklärte beim Ber» lasse» des Elysees» er glaube nicht, daß man die Sicherung des Franken und die Sicherung des französischen Gebiereij mit der jetzigen Kammer erreichen könne. Kammerpräsident Bouisson erklärte, der Präsident der Republik wolle rasch vorwärtskommen. Seine Besprechungen würden morgen abend beendet sein. Nach wie vor ist man der Auffassung, daß man diesmal alle Kräfte zur Bildung eines„Konzentrattons- k a b i n e t ts" sammeln wird. Die Kombinationen ver- künden bereits: Dieses Kabinett soll links beginnen bei den„Neusozialistcn" und rechts bei der Gruppe Flandin unter Ausschluß der Gruppen Tardieu und Marin. Als der aussichtsreichste Kandidat sür den Posten des neuen Ministerpräsidenten wird nach wie vor der Marineminister Senator Albert Sarraut genannt. In seinem Kabinett würde Flandin das Finanzministerium und Daladier das Außenministerium übernehmen. Ein Verbleiben Paul- Boncours in einer kommenden Regierung wirb in Pariser politischen Kreisen für unwahrscheinlich gehalten. Als möglicher Nachfolger Daladiers wird heute morgen in den Wandelgängen der Kammer außer dem Senator Sarraut auch Camille Chautemps genannt. Manche behaupten auch, daß Daladier sein eigener Nach- s o l g e r sein wird. Daladier» Minderheit Paris, 24. Okt. Die Minderheit, die Dienstagnacht der Regierung die Treue gehalten hat, seht sich folgendermaßen zusammen: Ein Mitglied der Partei der Arbeitereinheit, 28 Sozialisten, 19 Sozialrepublikaner, 12 Mitglieder der Unabhängigen Linken, 156 Radikale, 4 Linksunabhängige, 12 Mitglieder der radikalen Linken, S Parteilose. Dealer Abrüstungskonferenz Frankreichs Stellung unverändert Paris, 24. Okt. Die französische Kabinettskrise hat nichts an der französischen Stellungnahme zur Abrüstungs- konferenz geändert. In diesem Sinne äußerte sich heute Außenminister Paul-Boncour zu den Vertretern der Presse. In Paris vertritt man die Ansicht erklärt die Agentur Havas, daß die Abrüstungskonferenz ihre Arbeiten fort- setzen müsse. Man sei nicht gegen die Vertagung, die vor- bereitet und wahrscheinlich ain Mittwoch vom Büro ber Ab- rüstungstonserenz und am Tonnerstag von der Kommission beschlossen werden bürste, vorausgesetzt, daß die Vertagung auf eine gewisse Zeit befristet werde. Eine gewisse Anzahl von Delegationen scheine für eine Vertagung auf unbe- stimmte Zeit zu sein. Frankreich ziehe entweder die eng- tische Anregung vor, die darauf abziele, das Ergebnis der Volksabstimmung in Deutschland vom 12. November abzu- warten, um danach die Politik der Reichsregierung beurteilen zu können, ober die Schweizer Anregung, die Konferenz sür den 1. Dezember erneut einzuberufen. Gens, 26. Oktober. Der Delegierte ber Vereinigten Staaten bei der Abrüstuugskvnserenz, Norman Davis, hat heute vormittag dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, einen Besuch abgcstatiet. Gegenstand der längeren Besprechung waren, wie verlautet, die in Genf eingelaufenen Meldungen aus London, wonach die englische Regierung be- absichtigc, in der morgen stattfindenden Sitzung des Haupt- ausschufseS der Abrüstungskonferenz die Vertagung des HauptauSschusses vorzuschlagen. Wie man hört, hat ber ame- litauische Delegierte i» der Besprechung mit Henderson sich ziemlich kategorisch gegen eine längere Vertagung der Ab- rüstungskonserenz gewandt. Mit einer kürzeren Aussetzung der Arbeiten des Hauptausschusses, etwa bis Mitte November soll aber auch Norman Davis einverstanden sein. Wie weiter verlautet, soll auch Henderson einverstanden sein, daß die Arbeiten sortgesetzt werde» sollen. Vorläufig besteht aber der allgemeine Eindruck, daß trotzdem vertagt wird. In welcher Form das geschieht um, wie es Frankreich offen- bar wünscht, einem Nedaktionsausschnß zur Ausarbeitung einer Konvention einzusetzen, läßt sich noch nicht übersehen. Dänemark ladit Der Propapandaminister:„Große Gestalt, blaue Augen, Langschädel, ovale Gesichtsform und kleine Nase kennzeichnen den gesunden, den echten, den rassereinen Arier." ,jSoclaldemokratenKopenhagen. Gens, 25. Oktober.(Eig. Bericht.) Zugleich mit der Ueberreichung der deutschen Note über den Austritt aus dem Völkerbund durch den deutschen Kon- sul Dr. Krauel hat der deutsche Untergeneralsekretär Trendelenburg seinen Rücktritt erklärt. Das war am Samstagvormittag ber vergangenen Woche. Am Donnerstag aber hatte Herr Trendelenburg bereits der deutschen Presse und den deutschen Beamten die nötigen Direktiven sür das weitere Verhalten in einer Geheim- besprechung gegeben. Daraus ging bereits hervor, daß sämtliche deutschen V ö l k e r b n n d s b e a m t e n von Berlin die Ansforderung erhalten haben, ebenfalls ihre Demission zu geben. Wie das so naziüblich ist, ließ man dabei durchblicken, daß ein eventuelles Verbleiben in einer Stel, l u n g, die völkerrechtlich in keiner Weise von der deutschen Regierung abhängt, von dieser als vollendeter Landesverrat betrachtet«nd behandelt werde. Als einzige Möglichkeit sür solche Beamte oder Beamtinnen, die sowieso nicht nach Deutschland zurückkehren können, be- steht noch die stillschweigende Hoffnung, daß man ihnen das Verbleiben als„Techniker" nicht unmöglich machen werde. Weit entfernt, diesen brüsken Massenabschied etwa zu be- dauern, wird er von den internationalen Kreisen in Genf geradezu als eine Erlösung betrachtet, da die Tätigkeit der deutschen„politischen" Beamten seit ihrer erfolgten Gleich- schaltung nur eine dauernde Quelle der Beunruhigung im Sekretariat war., Inzwischen hat das Internationale Arbeitsamt seine Verwaltungsratssitzung unter dem Vorsitz seines Direktors Butler ohne die Teilnahme Hit'er- deutschlanbs bereits wieder aufgenommen. Butler teilte mit, da eine offizielle Austrittserklärung noch nicht vorlag, daß die deutsche Regierung ohne Angabe von Gründen ferngeblieben sei. Eine Anfrage unseres Kameraden Iou h a ux über die Beantwortung einer Beschwerde der Arbeitergruppe wegen der Einkerkerung des Mitgliedes der Arbeitskonferenz Le uschner beantwortete Butler dahin, er^erde erst in der nächsten Sitzung in der Lage sein, darauf einzugehen. Auch im IAA. wirft schon Deutschlanbs Austritt schwere Schatten voraus. Vier hohe deutsche Beamte, Ministerialdirektor Dr. Sitzler, Sektionschef Dr. Fnhs, Ministerialrat K u t t i g und Regicrungsrat Dr. Berger haben de« Direktor ihre Aemter bereits zur Verfügung gestellt. Rebe» diesen erst kürzlich zur NSDAP, gepreßten Beamten wird noch eine Reih« anderer dem Wink aus Berlin z» folge» haben. Sitzler ist nach Berlin gefahren, um für die Zurücktretenden wenigstens noch sechs Monate Kündigungsfrist herauszu- handeln, da sie alle nur mit Grausen das bequeme Leben in Genf mit dem Strammstehen vor jedem Nazijüngling ver- tauschen. Eine solche Schiebung stände aber in flagrantem Widerspruch zu den von Sitzler selbst beschworenen Statuten des IAA. Darin verpflichtet sich nämlich jeder Beamte, keinerlei Weisung von irgendeiner Stelle außerhalb des Amtes entgegenzunehmen oder zu befolgen. Der Rücktritt aller beruht aber gerade auf einer Weisung der deutschen Regierung, weswegen denen, die gegen ihren internationalen Diensteid--erstoßen haben, nicht noch Milderungen zugebilligt werden sollten. 35 Tote- 50 Verletzte Das Unglück des D-Zuges Cherbourg-Paris Paris» 24. Okt. Der D-Zug S64(Cherbourg— Paris), der Cherbourg heute früh um 8.10 Uhr verließ, ist 9.66 Uhr zwischen Couches«nd Bonneville entgleist. Die Lokomotive siel in den Bach Liton. Mehrere Verletzte wurden bisher schon ins Hospital von Evreux gebracht. Man befürchtet, daß noch Tote unter den Trümmern der Waggons liegen. Der Verkehr ist aus beiden Gleisen unterbrochen. ♦ 35 Tote in Evreux Paris, 25. Okt. Die letzten Meldungen aus Evreux beziffern die Zahl der Todesopfer des Eisenbahnunglücks aus 86, die der Verletzten aus 50. Ein Ingenieur der Eisenbahngesellschaft hat erklärt, man müsse drei Möglichkeiten als Ursache des Unglücks bereits jetzt ausschließen, nämlich Sabotageakt, Nachgeben deS Unterbaues der Geleise und Ueberschreiten der zulässigen Geschwindigkeit. Das Unglück ereignete sich auf freier Strecke. Die Loko- motive fiel um und stürzte in einen tiefen Graben. Ferner sind sechs Wagen entgleist, von denen drei buchstäblich zer- splittert wurden. Die Unfallstelle bietet einen entsetzlichen Anblick. Aus dem Inneren der Wagen, deren Räber in die Lust ragen, ertönten Schreckens- und Hilferufe. Die aus dem Feld arbeitenden Bauern eilten herbei, beteiligten sich an den Rettungsarbeiten und sorgten für die Entsendung eines Hilfszuges. Beide Geleise der Strecke sind vorläufig gesperrt. In den frühen NachmittagSstundcn waren schon M zum Teil furchtbar verstümmelte Leichen aus dem Trümmer- Haufen freigelegt. Bergungsarbeiten werden mit fieber- ReichstagsproieS 24. Verhandlungstag Karwahne phantasiert wtb. Berlin. 25. Okt. Die heutige Zeugenvernehmung bc- ginnt mit der Aussage des nationalsozialistischen Reichstags- abgeordneten Karwahne, der zusammen mit dem Reichs» tagsabgeorbneten Frey(München) und dem Landesbetriebs- zellenvbmann Kröger aus Linz am Nachmittag des Brand- tages im Reichstag eine Begegnung mit dem Abgeordneten Torgler hatte, der sich in Begleitung des Angeklagten van der Lübbe befunden habe. Der Name van der Lübbe sei ihnen damals natürlich noch nicht bekannt gewesen- Torgler hatte, so bekundet der Zeuge, einen völlig anderen Eindruck als sonst gemacht. Er sah bleich aus und schreckte auch sofort zusammen, als er uns sah. Seine sonst zur Schau getragene Ruhe war vollkommen dahin. Später seien sie dem Abge- ordneten Torgler, der mit einer anderen Person auf einer Lederbank vor dem Haushaltsausschußsaal saß, noch einmal begegnet. Um 4 oder halb 6 Uhr hätten sie, Karwahne, Frey und Kroyer, den Reichstag wieder verlassen- Die Verhandlung dauert an. Staatssekretär a. D. Dredow verhallet Berlin, 25. Oft. Wie bte ftuftitei«[feffene Berlin mit. teilt, wurde heute früh ber frühere Reichsruubfunkkommissar und Staatssekretär a. D. Dr. Hans Bredow aus Grund eines richterlichen Haftbefehls festgenommen und ins Unter» suchungSgefängnts Moabit übergeführt. Dr. Bredow wird zur Last gelegt, in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmitglied der deutschen Sendegesellschaften in den bekannten Rundfunkskandal bei der Verschleuderung ber Gelder der deutschen Scndegesellschaften führend beteiligt gewesen zu sein. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft Un» treue n 10 Fällen zur Last gelegt. Nach dem Stande der Ermittlungen ist Dr. Bredow als Hauptverantwortlicher in der Rundfunkafsäre anzusehen. hafter Eile betrieben. Die Katastrophe ereignete sich. der Schnellzug mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilo- meter die Brücke über den kleinen Fluß Le Rouloir passieren wollte. Die Lokomotive entgleiste, durchbrach das Brückengelänbtt und stürzte, den Kohlenwagen und drei Personenwage««'- sich reißend, zehn Meter in die Tiefe. Die Lokomotive st!' in den Fluß. Der Lokomotivführer und der Heizer fanden dabei den Tob. Wie durch ein Wunder sind die letzte» Wagen des Zu-es auf ber Strecke stehen ge' blieben, so baß die darin befindlichen Reisenden sich f°* fori an das Rettungswerk begeben konnten. Die Unglücksstelle bietet einen entsetzlichen Anblick. 3 t1* von sehr heftigen Gcwitterstürmen heimgesucht worden, d>! großen Schaden anrichteten. In der Ortschaft Renteria kein Haus vom Wasser verschont geblieben. Zwei Fraue» sind ertrunken. i» Benzingeruch im Reichstag Gescheiterte Versuche, Torgier zu belasten S3. Verhandlungstag Fortsetzung aus Nr. 108 Die gute Nachbarin Alf erste Zeugin wird bann die Ehefrau Pretzsch aus '^orlshorst vernommen, deren Wohnung der Torglers gegen- uver liegt. Tie Zeugin bekundet, sie habe am 2<. Februar vor mittags in der elften Stunde zusammen mit ihrem>sohn s /u Abg. Torgler getroffen, der zwei schwere Taschen trug. >-r habe sie etwas scheu angesehen, als er haarscharf an mnen vorüberging. Als sie am nächsten Morgen vom Reichs- ragsbrand erfuhren, habe ihr Sohn gesagt, nun wisse er ?uch, warum Torgler die schweren Taschen ge- "agen habe. Auf verschiedene Vorhalte bekundet die Zeugin weiter, daß die Mappen größer als gewöhnliche Aktentaschen gewesen seien. Nach Ansicht der Zeugin konnten '"b,t große Zeitungsstöße nicht so schwer sein, wie Torgler s," oer Begegnung daran getragen habe. Ter Zeugin wird oann die mit Zeitungen gefüllte Aktentasche Torglers vor- ®' e erklärt jedoch, daß die vorgezeigte Mappe damals «'cht dabei gewesen sei. ^' e»Flüssigkeit" i.rf£ tritt dann eine Pause ein. um das Experiment mit der !>i-^utzündlichen Flüssigkeit zu machen. Das Gericht und Plenars zesibete gten Ergeben sich zu diesem Zweck in den ..^och der Pause wird der Sachverständige Dr. Schatz auch °.'o Zeuge vereidigt. Er erklärt, er habe nach dem Brandexpe- Ment die selbstentzündlichc Flüssigkeit und Petroleum auf ieinc Hände gerieben. Er habe gleich darauf zwei schupo- ..ronite gefragt, ob sie an ihm einen bestimmten Geruch wahr- lernen. Beide Beamte hätten das verneint. Zwei Reichs- Mbeamte. die er aber nicht vorher aufmerksam gemacht ?? hätten an ihm keinen Geruch wahrgenommen, obwohl " feine Hände nahe an das Gesicht der Beamten heran- aebraän habe. i_^r. Schatz gibt dann weiter an, daß er nach dem Brande M Plenarsaal auf dem Läuser im Bismarck-Umgang, im Erdreich unter dem Präsideutensitz usw. Rückstände gefunden habe, die nur von der Zündflüssigkeit herrühren konnten. Tr. Schatz äußert sich dann über die Brandspurcn an dem weggeworfenen Mantel van der Lübbes. Die Spnren feien w eigenartig, daß sich die Bermutnng aufdränge, van der Lübbe habe ein mit der Zündflüssigkcit getränktes Stück Kohlenanzünder in der Tasche gehabt. Kohlenanzünder habe sich dgyn selbst entzündet und >m Mantel gebrannt. Van der Lübbe habe dann den Mantel ^geworfen. Es sei auch möglich, daß der Brand auf die Meren Kleidungsstücke übergesprungen sei. Van der Lübbe, mhr Dr. Schatz fort, soll auch Brandwunden gehabt haben. Leider habe ich sie nicht gesehen. Sonst hätte man daraus wichtige Schlüsse ziehen können. Tie durch solche Zündstoffe lichte^eü^'"ndwundcn haben nämlich typische Eigcntüm- Es werden dann die beiden ReichStagsbeamten vernom- wen. Beide sind völlig ahnungslos, worüber sie vernommen werden sollen, und beide bestätigen dann, baß sie keinerlei Geruch an Dr. Schatz wahrgenommen hätten. iForglers Aktentaschen 5 A/s Zeuge wird dann der Verkäufer Möller aus Karls- wJ'î. ücrn_ ommen' der Sohn der zuerst vernommenen Zeugin ^'etzich. Er bestätigt die Angaben seiner Mutter und erklärt »Us die Frage des Vorsitzenden, ob er gemeint habe, daß der Inhalt der Taschen Torglers mit dem Reichstagsbrand in ZMammenhang stehe. Er habe das gemeint, könne es aber "'cht behaupten. Dem Zeugen wird dann die Tasche Torglers gezeigt. Er ^klärt. baß diese die eine gewesen sein könne, während die andere größer gewesen sei. RA. Dr. Pelkmann fragt, ob der -ieuge Möller es für möglich halte, daß die schweren Taschen -r.orglers mit Zeitungen gefüllt waren. Der Zeuge erwidert, °ay das sein könne. Der Vorsitzende hält dem Zeugen aar, daß er bei der ersten Vernehmung gesagt habe, Zei- «ngen hätten nicht in der Tasche sein können. Dazu seien °'e Taschen zu schwer gewesen. RA. Dr. Pelkmann bittet ,'in den Vorsitzenden, Torgler zu gestatten, seine Akten- Alchen so mit Zeitungen zu füllen, wie er das gewohnt war. ^.orgler erhält die Genehmigung und geht dann, in jeder vand eine der vollgepfropften Taschen tragend, im Verhanb- "uigsraum an dem Zeugen Möller vorüber. Dieser erklärt, daß Torgler damals ungefähr dieselbe Hal, rung gezeigt habe wie jetzt. Dann nimmt der Zeuge selbst eine der Taschen in die Hand und erklärt, daß die Tasche «ehr schwer sei. Die kommunistische Sekretärin wird dann die frühere Sekretärin der ko».».he» '.""«Wtagsfraktion, Frau R o h m e, vernommen. Sie bittet, Zeugeneid ohne die religiöse Formel ablegen zu dürfen, was dann auch geschieht. Sie bekundet, daß sie am 27. Februar Men 11.3g Uhr in den Reichstag gekommen sei. wo Torgler 'won anwesend war. Von den anivesenden kommunistischen .„geordneten nennt die Zeugin Florin. Ulbrich, Vogt, Hein ?.• ,^ ra" Reese. Dr. Neubauer habe sie nicht gesehen, es '"ober sicher anzunehmen, daß er im Hause war. Könen sei fi.rf. o.3ä Uhr in den Reichstag gekommen. Von fremden Be- 'Uchern hat die Zeugin an diesem Tage nur die Erinnerung «n einen Mann, der den Abg. Ulbrich sprechen wollte. Das '" zwischen 3 und 4 Uhr gewesen. Später sei dann auch noch î'is gewisser Bruno aus dem Karl-Liebknecht-Haus er- 'wienen, der mit Torgler. Könen und anderen gesprochen mibe und etwa um 6.80 Uhr wieder gegangen sei. Auf weitere fragen des Vorsitzenden gibt die Zeugin an, daß ---orgler sehr häufig im Vorraum zum Saal 12 gesessen und mit Besuchern gesprochen habe. Ob der Journalist Birken- ?"Uer angerufen habe, könne sie nicht sagen. Auf die Frage ves Vorsitzenden, wann Torgler, Könen und sie selber den Reichstag verlassen hätten, antwortet die Zeugin, nach ihrer Erinnerung müsse es kurz vor 8.30 Uhr gewesen sein, keinesfalls aber später als 8.33 Uhr. einem fluchtartigen Verlassen des Reichstages könne 'eine Rede sein, weil sie selbst wegen eines dicken Verbandes "m den Fuß nur langsam habe gehen können. »Bruno" „Dr. Cönders: Ist Ihnen Dimitroff bekannt?— Aengin: Nein! Dr. Eönders: Das geht auf Ihren ?'d! Haben Sie ihn nie gesehen? Zeugin: Nein, nur bei oen Vernehmungen. Cönders: Auch Popoft und die anderen nicht?— Zeugin: Nein! Eönders: Sind mal irgendwelche Sachen auf Zimmer g abgegeben worden, .Rakete oder sonstige Gegenstände? Zeugin: Daran kann 'w Mich nicht erinn r». ES war manchmal etwas bestellt "»er angemeldet. Schreibmaterial usw. Das wurde dann ll'holt oder abgeliefert. Dr. Eönders: Ich frage Sie ietzi direkt— Sie können die Antwort verweigern—: Sind Sie irgendeiner Weise an der Brandstiftung beteiligt oder Üben Sie Kenntnis davon gehabt? Das geht aus Ihren ^'d! Zeugin: Nein!— Ueber die Nichtbeantwortung der Xw*"' 11*" 1" Lokaltermin im ausgebrannten Plenarsaal des Reichstags links nach rechts: Der Bulgare Dimitroff, der Anwalt Torglers, Dr. Sack: der Anwalt der Bulgaren. Dr. Telchert; und Marinus van der Lübbe, das stumpfe Opfer seiner Auftraggeber. Anrufe aus der Garderobe kann die Zeugin weiter keine Aufklärung geben. Der O b e r r e i ch S a n w a l t regt an, die Angelegenheit durch einen Telefonsachverständigen auf- klären zu lassen. Ueber die Person des„Bruno" befragt, der in Wirklichkeit Bruno Petersen heißt, erklärt die Zeugin, daß er die technische Seite wegen der Versamm- lungstermine und der Bestellung von Referenten zu er- ledigen hatte. Parrisius: Es ist doch merkwürdig, daß der Mann Ihnen nur unter dem Vornamen bekannt war. Zeugin: Bei unè war es üblich, daß wir uns nur mit dem Vornamen angesprochen haben. Parrisius: Wissen Sie, wo Birkenhauer steckt? Zeugin: Nein. Vorsitzender: Hatte„Bruno" auch mit dem Emigrantenwesen etwas zu tun?— Zeugin: Darüber bin ich nicht informiert. B o r- sitzender: Poposf hat nämlich erhebliche Zahlungen an einen Bruno geleistet. Es wäre immerhin möglich, daß dieser Bruno damit zusammenhängt. Kennen Sie solche Zusam- menhänge? Zeugin: Nein, ich glaube es auch nicht. Dimitroff setzt einem Zeugen zu Als nächster Zeuge wird Kanzleiassistent Hornemann vernommen, der am Portal V den Dienst des Tagespförtners versieht. Aufgefallen sei ihm am 27. Februar das Verhalten des Abg. Könen, der zwischen 8.15 und 8.45 Uhr den Reichstag durch das Portal V betrat. Könen habe nicht zur Pförtnerloge, sondern nach links geschaut und sei mit herauf- geschlagenem Kragen ohne Gruß an der Loge vorbeigegangen. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie sich der Abg. Könen sonst benommen habe, erwiderte der Zeuge, baß Könen ge- wöhnlich den Reichstag durch Portal II betrat. Der Zeuge Hornemann bekundet weiter, daß einige Herren durch sein Portal gingen und ihn daraus aufmerksam machten, daß sie Benzin im Reichstag gerochen hätten. Er habe den Herren gesagt, daß das von dem kleine» Auto komme, das da stand. Vorsitzender: Hat dieses Auto auch sonst nach Benzin gerochen?— Das ist öfters vorgekommen. Für mich war es nichts Ausfallendes. Einer der Herren machte aber so eine Aeußerung, daß der Reichstag in die Lust fliegen könne. RA. Dr. Teichert: Hat der Zeuge einen der bulga- rischen Abgeordneten am Brandtage oder früher durch Por- tal V gehen sehen? Der Zeuge weist auf den Angeklagten Dimitroff: Nur der eine der Herren fällt mir aus. mir ist, als wenn er es war, der sagte, daß in zwanzig Minute» der Reichstag in die Lust fliegen könnte. Angeklagter Dimitroff: Wann hat mich der Zeuge im Reichstage gesehen? Zeuge: Am Brandtage nach 3 Uhr. Dimitroff: Haben Sie nach dem Brande mein Bild in der Zeitung gesehen? Zeuge: Jawohl, ich hatte gleich das innere Gesühl, das könnte der gewesen sein D i m i- troff: Haben Sie das dem Untersuchungsrichter mitgeteilt? Zeuge: Nein!— Warum nicht?—Zeuge: Weil ich nicht ganz sicher mar. Jetzt sehe ich aber den Herrn besser und natürlich. Das Bild täuscht manchmal.— Vorsitzender: Können Sie sich auch irren? Zeuge: Ganz genau kann ich es nicht sagen. Dimitroff: Welcher Partei gehört der Zeuge an?— Zeuge: rechts.— Dimitroff: Welcher Partei?— Vorsitzender: Das genügt.— Dimitroff: Wer hat ihn beeinflußt, hier so auszujagen?— Zeuge: Niemand.— V o r s i tz e n d e r: Ich weise das zurück! Das ist eine Beleidigung! Jetzt entziehe ich Ihnen das Wort!— Dimitroff: Ich gratuliere!— O b e r r e i ch s a n w a l t: Kommt dem Zeugen auch die Sprache Dimitrosss bekannt vor? Zeuge: Iaioohl!— Ter Angeklagte van der Lübbe wird nun vor den Richtertisch gerufen, um durch den Dol- metscher ihm das gestrige Gutachten des Sachverständigen Dr. Schatz vortragen zu lassen. Dann fragt der Vorsitzende: Lübbe, haben Sie zu diesem Gutachten irgend etwas zu er- klären? Van der Lübbe: Nein!— Dann wird die Ber- Handlung auf Mittwoch vertagt. Führer der Stobswadie: Drogist Wie die kommunistische Presse mitteilt, war der Führer der Stabswache Görings, der SS.-Gruppensührer Weber — D r o g i st! Dieser Weber ist bekanntlich, wie er vor wenigen Tagen selbst aussagte, sofort nach seiner Ankunft am Reichstag zusammen mit dem Nazi-Hauptmann I a- eob y und G ö ring, von Jacoby beauftragt wdrdcn, deunterirdischen Gang zu„untersuchen". Wahrhaft freie Vertehfignn* hat es nfdif gegeben!" Willard gibt Bericht »» Pa r i S, 25. Oktober. Im„Hotel der gelehrten Wissenschaften" zu Paris sprach soeben der schlanke, sympathische Bulgare Dctchefs über die Vertreibung der ausländischen Verteidiger vom Reichstagsbrandprozeß. Einer der allcrangeschcnsten Rechtsprolessoren der Berliner Universität— Teiches nannte den Namen— hat ihm erklärt:„Ich kann mich nicht in dem Prozeß engagieren, unter den Umständen, in denen wir uns befinden. Wir haben uns mit Frau Torgler au vier- zehn deutsche Anwälte gewendet. Daß sie gewollt hätten, ist eine Lüge. Warum wurde nur c i n Offizialverteidiger für die drei Bulgaren gestellt? Wir haben französische, eng- lische, amerikanische, belgische Anwälte angeboten, die be- rühmtesten darunter: la cour a refuse, das Gericht hat nicht gewollt. Eine wahrhaft freie Verteidigung hat es nicht gegeben. Der Untersuchungsrichter Vogt hat immer gesagt:„Ich bin ein Deutscher, ich heiße Vogt," aber er hat behauptet, daß Dimitroff am Attentat aui die Sofioter Kathedrale beteiligt war, was völlig unwahr ist. Das Gericht hat nichts getan, trotz all unserer Bemühungen, diese Legende zu zerstören. Vier frühere bulgarische Minister, die das Gegenteil be- schivören wollten, ivurden nicht vernommen. Für uns, die wir die Dinge aus der Nähe betrachteten, ist van dcrLubbe nichts als ein W c r k z e u g in den Händen der wahren Brand st ifter. Dieser Mensch ist wirklich krank, warum wird er nicht durch eine deutsch- ausländische Kommission untersucht, warum wird nicht ein holländischer Arzt zugelassen? Die erste Dolmetscherin des Holländischen wurde abgewiesen, weil sie nicht ein Protokoll unterzeichnen wollte, in dem Worte von Lübbe standen, die er nicht gcfagt hat. Der zweite Dolmetscher ist ein Nazi. Lübbe kann nicht richtig Deutsch, also konnte er auch nicht die von der Polizei behaupteten Reden führen Der wichtigste Rechtssatz wird daurch verletzt, daß die Ver- Handlung nicht ins Bulgarische übersetzt wird, obwohl zwei der drsi bulgarisiden Anae'lagtcn ne gar nicht verstclwn. Der Offizialverteidiger Teichert schweigt wie Lübbe! Unsere Verhaftung, unsere Abschiebung wird die Kräfte des internationalen Verteidigungskomitees nur noch steigern! Nach dem durch seine große Ehrlichkeit und die Tatsachen- logik überzeugenden Plaidoyer des vulgaren Von unserem Pariser Korrespondenten sprach hinreißend b*t Franzose W> llard, der bleich und sichtlich durch den fünftägigen Hunger- streik noch geschwächt austrat: Warum, rief er, sind ivir nach Leipzig gegangen? Wir kannten das Risiko, die Ge- fahren, die Hemmnisse technischer, juristischer, politischer Art. Aber wir übernehmen die schreckliche Verantwortung, um den Unschuldigen zu Helsen. Wir gaben, was wir konnten, aber in ivclcher Atmosphäre! Wir waren nur zur Mitarbeit zugelassen,—eine subalterne Rolle, der wir niemals zustimmten. Und das P r o p a- g a n d a m i n i st e r i u m war reichlich vertreten. Der Ossi- zialvcrteibiger Teichert— Sie werden entschuldigen, daß ich keine brüderlichen Gefühle für ihn empfinde lHeiterkeitj, schwieg selbst, als sein Angeklagter, der mit'hin, dem Amtö- Verteidiger, gesprochen hatte, aus dem Saale geschleppt wurde. Luppcs Verteidiger putzt dem Angeklagten nur die Nase- Sack mit seinem Monokel ist ein freiwilliger Regierungsvertreter. Teichert hat unsere Pässe mit allen Einzelheiten kontroll'ert, er fragte auch nach unserer Partei- zugehörigkeit,— aus Diskretion fragte ich ihn nicht nach der seinen... Unsere Ausschließung auf Grund eines nicht be- leidigenden, gemeinsamen Brieses war ein bloßer Vorwand. Wir waren durch unser Auftreten und die von uns vor- gebrachten Tatsachen, die wir in E o p i e n an die aus- länbische Presse gaben, immerhin eine Macht geworden. Meine Hafterlcbnisse muß ich in Notizen auf einer Zigarettenschachtcl vortragen. Am 14. Oktober wurden wir eingesperrt und ins Berliner P o l i z e i g e f ä n g- n i s gebracht. Am 17. trat ich in den H u» g e r st r e i k. Am 18- wurden wir mit Handschellen nach H'a n n o v e r in ein iveit schärferes Gefängnis gebracht Endlich am 21. Ok- tober nachts kam ich frei. Im Geläiignis ichrieb ich Protest- briese, insbesondere einen Bries a» den Vorsitzenden des Gerichts in dem ich unsere Vertreibung als ein Ausfluß der Schwäche und das Verfahren als eine Farce der Justiz bc- zeichnete Das wahre Gericht, das nicht die vier unschuldigen Angeklagten, sondern diese Richter verurteilt, sind Sie, ist die öffentliche Meinung. sBe- wegung und starke Zustimmung.) Saar-Landesrat tagte Eine Rede Max Braunst««Der Freiheitskampf um die deutsche Saar ist ein Stück europäischen Kampfes sesen Anarchie und alle destruktiven Tendensen Zusammenschluß" Am Dienstag trat noch mehrmonatiger Panse der Saar- Landesrat in Saarbrücken zusammen. Angesichts der außcr- ordentlich schwerwiegenden Ereignisse seit seiner letzten Sitzung und angesichts der gehänsten Schwierigkeiten der Gesamtsttuation hätte man erwarten dürsen, das, die Mehr- heit des Landesrates der Bedeutung und dem Ernst der Stunde Rechnung getragen uud aus der Sitzung nicht eine Farce gemacht hätte. Ob sie es allerdings wirklich meinen oder ob es ihnen nur die Hakenkreuzbind« so besichlt, die man ihnen nm die Augen gelegt hat, steht aus einem anderen Blatt— jedensalls versuchten die Herrschasten sich für das Redeverbot, daö ihnen Hitlers Kommando aus- erlegt, dadurch zu revanchieren, daß sie auch den nicht- gleichgeschalteten Parteien durch einen Geschästsordnungs- beschlnß eine ernsthaste Diskussion bzw. Stellungnahme zu den aktuellen Problemen durch eine lächerliche und eines Parlaments unwürdige Verkürzung der Redezeit unmög- lich machten. Dagegen wandte sich sehr energisch die sozial- demokratische Landesratssraktion mit dem Hinweis ans die Bedeutung und das Prestige des Parlaments wie mit der' Berusung aus das Recht der Demokratie und der Betonung der besonderen Bedeutung des Saar-Landesrates als des Sprachrohrs der Bevölkerung. Aber anscheinend geben die Herren ihre Tache bereits so sehr verloren, dast es ihnen nicht mehr daraus ankommt, wenn auch hier genau so wie drüben das letzte Porzellan zerschlagen und durch ein« Katastrophcnpolitik ersetzt wird. Dagegen machte der Sprecher der Sozialdemokratie, der Führer der Freiheitssront und Borfitzende der Tozialdemo- kratischen Partei, Max Braun, trotz der Kürz« der ihm nnd den übrigen Rednern zugebilligten Zeit von zehn Minuten einige sehr wichtige Darlegungen, die wie eine letzte, wenn auch vergebliche Mahnung nnd Warnung an die Hasardeur« im eigenen Baterlande klangen. Max Braun führte auS: Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, dem Internationalen Arbeitsamt und der Abrüstungskonferenz hat für alle, die sehen wollen, weithin sichtbar ausgezeigt, was vielen seit dem 80. Januar und dem 5. März bereits klar war: Hitler verließ nicht nur Genf, sondern auch jene Friedens- und Verständigungspolitik der internationalen Einordnung Deutschlands, die seine Aufnahme in den Völkerbund im September 192» überhaupt erst ermöglichte. Er gab die BesreiungS- Politik einer friedlichen Verständigung auf und ersetzte sie durch die Politik deS Faust rechts. Hitler marschiert mit einer Nation, deren aggressive Minderheit im Veitstanz deliriert, geradenwegs in das zweite noch schärfere Versailles hineinI Das erste Versailles brachte uns die dritte Saar-Ab- trcnnung in den letzten dreihundert Jahren europäischer Geschichte. Die vierte Abtrennung aber hat Hitler am 14. Oktober mit dem Abbruch aller Bindungen Hitler- beutschlandS an seine internationale Einordnung bereits seinem kommenden Versailles der Zerstörung der Nation vorweggenommen. Hitler bewahrheitet unsere alte These, daß weder der westliche noch der ö st l i ch e Imperialismus in der Lage sind, das Saarproblem endgültig und be- friedigend zu lösen. Und so wie die Saar im Kamps gegen AnnexioniSmus sich für jede Vergewaltigung ihres Selbst- bestimmungsrcchtes damit revanchiert hat, daß sie diesem Sclbstbcstimmungsrecht als einer der tragenden Ideen des Völkerbundes für sich und für ein neues und trotz allem reifendes Europa einer besseren Zukunft einen Sieg er- fochten hat über alle zerstörenden und überhitzten Ratio- nalismen und Imperialismen in Europa- lo muß und wiro die Saar jetzt«in ziveiteèmal gegen den nicht minder verderblichen und Untergangs- reisen Chauvinismus des Nationalsozialis- muS von Osten her kämpfen und siegen! Es bleibt eine unabweisbare Aufgabe der Saar, an ihrem be- scheiden«» Teil zur Abtragung und endgültigen Beseiti- gung der tausendjährigen Erbseindschaft zwischen Deutsch- land und Frankreich seit dem Vertrag von Mersen 870 bei- zutragen—: aber seit dem 8 9. Januar dieses Jahre? geht der schwerindu st riell-j unker- lich-militaristische Hitler-JmpcrialismuS daran, das ziveitc Jahrtausend einer solchen Feinds ch a st einzuleiten— und ihr Opfer ist, war und wird sein die Saar! Aber die TragigroteSke in der jüngsten Entwicklung neu- deutscher Hitlerpolitik liegt darin, daß sie unter anderem auch in bczug auf die Saar der politisch-militärstrategisch- wirtschaftlichen Zweckschöpfung von Versailles einen Sinn gegeben hat, wie sie ihn vorher nicht besaß. Wenn es etwas AehnlichcS gibt wie eine nachträgliche be- für nationalen und internationalen dauernswcrte Rechtfertigung für das, was wir bekämpft haben, als einen Rückfall in Methoden, die einer Einigung Europas hindernd im Wege stehen würden, bann hat steAdolsHitlerstraurtgeDespotiegegeben: Seit Hitlers Eintritt in die Regierung«- macht sind alle Saarprobleme auf den Kopt g e st e l l t! DaS ist keine Apologie der Fehler des Ver- sailler Vertrages, aher eine notgedrungene und unumgäng- liche Feststellung angesichts der unleugbaren Tatsache: Hitler ist der Krieg! ^Wir wissen es ja alle: Es gab lange Zeit in Europa kein saarproblem! Die Saar als absolut eindeutige» Gebiet kannte keine in ihr s e l b st liegende innere Not- wendigkeit zur Völkerbundskonstruktion. Lediglich daS Zentralproblem europäischer Politik, die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, haben eS geschaffen -7 und allein ihre Bereinigung auf dem Wege einer wirk- lichen, endgültigen, restlosen Aussöhnung zwischen Deutsch- land und Frankreich als der Grundlage eines neuen Europa werden die Saarfrage glücklich lösen. Die Saar war immer, insbesondere unter dem Regime des Völkerbundes, ein treues Spiegelbild sowohl der europäischen wie der weit» politischen Lage. Aber daß sie jetzt wieder zu einem politischen Probte in er st er Ordnung geworden ist, das verdankt sie der furcht- baren Katastrophenpolitik HjtlerS: Seit An- fang dieses Jahres weiß die Saarbevölkerung, welch grau- sames Schicksal der Vergewaltigung und Versklavung und obendrein der wirtschaftlichen Verödung, des sozialen und kulturellen Niedergangs ihr bevorstünde, wenn sie dem Untermenschentum der Kameraden Hitler« preisgegeben würde! Die Stellungnahme der Sozialdemokratie des Saarge- bieteS ist daher nach wie vor vollkommen klar und eindeutige Es dars in diesem E n t s ch e i d u n g S k a m p s uw Sein oder Nichtsein abendländischer Kultur kein Fußbreit Boden? und kein Bewohner dieses BobenS außerhalb der Hitlergrenze» freiwillig oder im Schachergeschäft von Europa preisgegeben werden. Zugleich aber kämpft sie mit all denen, die sich für die Freiheit der Saar gegenüber jedem Httlerterror einsetzen, für die wahre Behauptung deS Deutschtums und seiner Nationalität gegen seine Zerstörung durch die üherbitzte Uebersteigerung und Verfälschung der wahren nationalen Gesinnung durch den R a s s e b e g r i s s wie den Begriff des autoritären Zuchthaus st aate S. Als der Nationalsozialismus daran ging, den Begriff der Nationalität zu identifizieren mit dem Begriff des sogenannten autoritären Staates und dem der „Rasse", was er n i e w a r und nie sein kann und sein wird, ist er in Wahrheit darangegangen, die Nation zu zerstören! Es ist nur eine Frage der Zeit, der Umstände, der inner- politischen Widerstandskräste und der außenpolitischen Ent- Wicklung, ob dieser Zerschlagung im Begrifflichen die Zerstörung im Faktischen folgen wird! Wir kennen keine andere Saarpolitik und keine anderen Saarfordcrungen als die, die die gemeinsamen der europäischen Demokratie, Humanität. Kultur und des S o z i a l i s m u s sind. Das ist zugleich die einzig mögliche Politik einer fruchtbaren deutschen Zukunft und deutschen Einigung in der Einigung Europas. Sein Weg, den Hitler verbarrikadiert hat, führt über die restlose fried- liche Verständigung, Aussöhnung und Durchdringung beiden großen europäischen Kulturvölker auf dem Kontinent. Unser Freiheitskampf um die deutsche Saar gegen den HitlerbarbariSmuS ist ein Stück europäischen Kampfe» gegen Anarchie und alle destruktiven Tendenzen für nationale» und internationalen Zusammenschluß! lBravoy Verkoken? Nach einer Mitteilung der RegierungSkommission hat sie das„Saarbrück«r Abendblatt" aus 14 Tage ver- boten wegen eines Artikels:„Das Attentat ans die Handels» kammer". »lasen von«1er Saar Saarbrücken, 2S. Okt. Eine Abordnung der Liga für Menschenrechte im Saargebiet hat sich unter Führung des bekannten Autonomistcn Waltz nach Paris begehen, um dem Minister des Auswärtigen eine Denkschrift über die Ver« hältnifle im Saargebict zu überreichen Die Denkschrift ent« hält viele Fälle nationalsozialistischen Terrors, Boykott« erklärungcn. Nationaltsmus in den Schulen und die Errick- tung eines Staates im Staate durch die Nationalsozialisten. Es Krisen Man schreibt uns aus Schlesien: Am Sonntag, 8. Oktober, fand im Gebiet von Schmiede- berg eine große Felddienstttbung von Reichswehr und Stahlhelm gemeinsam statt. Die SA. war am gleichen Tage in Breslau. In Waldenburg werden TA.-Formationen von der Schupo und in Hirschberg von der Reichswehr mili- tälisch ausgebildet. In der zweiten Oktoberwoche kam es bei Hirschberg zwischen einem Arbeitslager des Stahlhelms und einem solchen der Nazis zu Streitigkeiten. Die Lager beschossen sich gegenseitig. Nach diesem Vorfall wurde öffentlich be- kennt gemacht, baß in Zukunft die einzelnen Führer bei solchen Vorkommnissen verantwortlich gemacht werden. Im Lager Pfasfcndors, Kreis Lanbeshut, leisteten die In- saßen passiven Widerstand. Der Lagerkommandant hat 6000 Mark Schulden gemacht. Ilm diesen Betrag zu decken hat er statt 1 ,80 Mk. die Woche 1,50 Mk. gezahlt und die Kost be- deutend verschlechtert. Daraufhin weigerten sich die Insassen u arbeiten. Sie wurden trotzdem an den Arbeitsplatz ge- übrt. arbeiteten aber nicht. Daraufhin wurde das Lager aulgelöst. Ab 1. Januar wird der Arbeitsdienst Zwang werden. Die im freiwilligen Arbeitsdienst verbrachte Zeit wird nicht an- gerechnet. Das hat große Mißstimmung bei den im freiwilligen Arbeitsdienst hervorgerufen, da sich die meisten nur gezwungen dort befinden. Die Bauern werden gezwungen, für die Rüben- und Kar- tosfelerntc Wohlfahrtsempsänger zu beschästigen. Tie Wohlfahrtsempsänger erhalten nur weiter ihre Unter- stützung von ihren Gemeinden, der Bauer muß aber Ar- beitSlohn an die Winternothilfe zahlen. Außerdem muß er pro Morgen ein gewisses Quantum der Ernte abführen. Auf der Grube Hermsdorf kamen die Wagen zutage mit der Aufschrift: Bei Severing und bei Papen, da reicht' es noch zu Braten, Bei Hitler, Göbbels, Göring langts nur noch zum Hering. Als die Belegschaft ausgefahren war, mutzte sie Schrift- proben abgeben. Täter wurden nicht ermittelt. 5« las für las. In der Lokalchronik de?„Dortmunder Generalanzeigers" findet man an e i n e m e i n z i g è n T a g e, dem 20. Oktober, hintereinander folgende drei Meldungen: Wegen Beleidigung des Reichskanzlers wurden Mittwoch abend der Schlosser Johann Sch. aus dem Fruchtweg und der Bergmann Hermann M. aus Dortmund-Bodelschwingh s e st g e n o m m e n und in das Polizcigefängnis ein- geliefert. Aus politischen Gründen wurde Donnerstag mittag die Wohnung eines Bergmanns in Dortmund-Marten durch- sucht. Gefunden wurden marxistische Bücher, die die Polizei beschlagnahmte. Weil er das Horst-Wessel-Licd verächtlich machte, wurde Donnerstag nachmittag der Arbeiter Friedrich Sch. aus dem Dornröschenwea in Dortmund-Eving festgenommen. Ob die braunen Pressekulis ahnen, wie trefflich durch eine solche Chronik die Begeisterung für das„dritte Reich" illu- striert wird7! Sinsen an«! Grüßen! Jeder ehemalige Muschkote erinnert sich noch, wie eS beim Kommiß war: am Schlüsse eines lange» Marsches ertönte das Kommando„Singen". Ein Unteroffizier begann eines der abgedroschenen Lieder und die übrigen„Spinner" spähten in die Reihen, um die zur Bestrafung zu melden, die nicht mitsangen. Heute ist ganz Deutschland eine Kaserne für Männer und Frauen, und wer nicht mitsingt, der fliegt ins Loch. Ver- gleiche folgende Meldung: Das Amtsgericht Goslar verurteilte zwei Ehe- srauen zu je zwei Wochen Haft, weil sie bei einer vaterländischen Feier während des Gesanges des Deutschlandliedes und des Horst-Wesscl-Liedes nicht mitgesungen und den rechten Arm nicht er- hoben hatten- Das„Grüßen" ist jetzt genau so obligatorisch, wie eS einst beim Militär war. Auch der Marxist muß Hitler-Gruß machen, sonst wird er bestraft: Ein früherer Gewcrkschaftssekretär hatte den deutschen Gruß verweigert und war deshalb vom Amtsgericht Hannover zu einer Geldstrafe von 100 RM. verurteilt worden. Dagegen hatte er Bcschiverde eingelegt, über die jetzt das Landgericht Hannover entschieden hat. Es verwarf den Einspruch und erkannte die Strafe von 100 RM. als zu Recht bestehend an. Erzwungener Gesang, erzwungener Gruß, erzwungene Begeisterung, erzwungene Volksabstimmung— das ist das „befreite" Deutschland! Zweimal das Gleldie ». Meldung der gleichgeschalteten„Franks. Ztg.": Im Prunksaal des Kurhauses zu Baden-Baden wurde am Dienstagabend die Spielbank eröffnet. Punkt 8 Uhr rollte die erste Kugel, geworfen von Apo- theker Dr. Rößler, einem der ältesten Mitbürger Baden- Badens, der noch das letzte Spiel im Jahre 1872 erlebt hat. Um 21 Uhr wurde der reguläre Tpielbetrieb ausgenommen. 2. Meldung des„Völkischen Beobachter" Nr. 293: 82 Glücksspieler zwangsgestcllt Geilenkirchen, 19. Okt Tie Kriminalpolizei»ahm Mitt- woch abend eine Razzia im Vulmker Stadt- garten vor, ivobei 82 Personen wegen verbotenen Glücksspiels zwangsgestcllt wurden. Das Versah- r e n gegen sie ist eingeleitet. Für die Reichen, die spielen wollen der Prunksaal des Kurhauses. Für die Armen- das G e- s ä n g n i s. So sieht der Kamps des dritten Reiches „gegen Standesdünkel und M a m m o n i S m u S" in der Praxis aus! „Betreten des Orte» verboten" In Arnschwang(Saner. Wald! wurde in der letzten Ge- metnderatssitznng einstimmig folgender Beschluß gesaßt: „Viebtuden nnd iüdischcn Jmmobilienhändlern ist der Zu- tritt zu unserm Ortschastsbereich künftighin verboten. An den Ortscingängen ist dies durch Anbringung von Tafeln mit vorstehendem Inhalt kenntlich zu machen." Nullen bevorzugt Das kürzlich verkündete„modernste Pressegesetz der Welt" hat seine erste sichtbare Anwendung gesunden. Dem Pariser Berichterstatter der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", trüberen Vresievertreter beim Völkerbund, Dr. Max Beer, wurde während eines Telefonats mit seinem Blatt plötzlich und brüsk erklärt:„Aul Anweisung können Ihre Artikel auS Paris nicht mehr angenommen werden." Der Posten Beers soll durch einen völlig unbekannten Nozischreiber besetzt werden. ..MiSeiiffer" Der„Westdeutsche Beobachter"(Nr. 2571 in Köln bringt einen Artikel unter der fetten zweispaltigen Ueberschrift. „Von Kommunisten, Juden und anderem Ungeziefer." Herausgeber ist der engst« Mitarbeiter des deutschen Reichskanzlers, Herr Dr. Robert Lev, Präsident der Ar- beitSfront. * Der Kommissar für das Heilwesen in Baden hat den vorläufigen Ausschluß sämtlicher jüdischer Aerzte und Zahnärzte von jeder Kassen- und Für- sorgepraxis mit sofortiger Wirkung angeordnet. In Kran- kenhäusern werden jüdische Aerzte nur zu jüdischen Kranken zugelassen. Der Aerztliche Bezirksverein Nürnberg gab in einem Rundschreiben bekannt: Alle deutschen Kollegen, die wegen ihres Namens für nicht arisch gehalten werden, können auf ihre Kosten ans ihrem Schilde ihre arische Abstammung in irgend einer, aber nicht reklamemäßigen Form, kenntlich machen. # Bon Außenstehenden wurde der Borftandschaft mitgeteilt, baß nichtarische Aerzie Kassenpatienten kostenlos behandeln, um dadurch die Boykottbewe- gung gegen das Judentum unwirksam zu machen. Ein der- artiges Verhalten ist Unterbietung und verstößt gegen die Standesgesetze. Die Vorstandschaft steht sich gezwungen. gegen solchen Aerzte mit den schärfsten ihr zu Gebote stehen« den Mitteln einzuschreiten. « Nach einer Anordnung des kommissarischen Ersten Bürger» metsters in M ü n ch e n dürfen die in den st ä b t i s ch e n Krankenanstalten beschäftigten jüdischen Aerzte nur noch jüdische Kranke behandeln und auch nur noch jüdische Leichen sedieren. Entbehrlich werdende jüdische Aerzte werden, soweit sie Beamte sind, beurlaubt, Ver- tragsangestellten wird zum nächstmöglichen Zeit- punkt gekündigt. Jüdische Medizinalprakti-' kanten nnd jüdische Studierende werden nicht mehr beschäftigt. Den jüdischen Schulärzten wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt, au»' die Tätigkeit der jüdischen Fürsorgcärzte wird vom l. April an verzichtet. Arisches, allzu arisches Wir lesen in der gleichgeschalteten Presse: „Den Rennveretnen ist vom preußischen Ministerium deS Innern unter dem 27. September folgendes Schreiben zu- gegangen:„Ich ersuche. Nichtarier künftig nicht mehr als JockciS bzw. Fahrer oder Herrenreiter bzw. Herren- fahrer zuzulassen. Dagegen sind nichtarischc Besitzer von Rennpferden in keiner Weise zu beschränken. I. V.: gez. Grauert." Item: Jüdische Geldleute sind willkommen, aber jüdische Sportletstungen sind unerwünscht. Putsche Stimmen•(Beilage zur„(Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten I Donnerstag, den 26. Oktober 1933 ■nm deutsch xlec(Rundfunk! 1 Sie. aufçedonmcten„Skandale.". JUickskommissace bei den? Sie uechafiten 3vJ.dle.btueU.en» AbetJUi kommen zu Amt und lüücden ■s*..„t.ri' in Deutschland. ®8 wird wieder einmal-sesauv Korruptionen", 'le neue Well« angeblich neu ausgedeckter„„ fl0ttl)a> «Mickt lanciert durch die diverse.. Land-S.Vr°p« halt die Bürger des.dritten i Reich» in»u,^^ war in letzter Zeit etwas stille g l„Recher- -^isziplinarversahren". um die^orrup Täube- st>en" und kommissarischen Austräge zur\ prominente ^ung usw. Schon vor Monaten sind doch geg^ worden: L-»t« allenthalben Disziplinarversahren^ge^^n ob« man hörte nichts mehr davon- in«ayrvr^ A-^re nicht, wie man sich einigermaßen eleg ergeben, »ehe» soll, denn in 90 Prozent der Fälle ba^ °ast direkt Strafbares gar nicht vorueg.-- 0 t e lleid)t nur den„Dreh" nicht zu finden und p Parteigenossen nut Recht, an da« schlechte àdachtnis„Affären" und^Bürger. die ja von Tag»u Tag durch neu«„wi ln Spannung gehalten werden.«^laa auf Schlag Und die„Assären" folgen sich denn au) en) t 9 en Festen, schließlich wird das Volk nicht satt v^ Morgen Teuerwerken und Parademärschen: es nnll auch^^ »um Frühstück seinen irisch ausgemachten Parität, die H°us gelieferten„Korrupt.onSsall. onflefa(6 t, je schnell zu schwinden droht, wird um so^ird, je mehr arger das.Novembersystem"-ngeprange^ angedichtet Verfehlungen ausgedeckt oder auch werden. »Seht, sa waten sie j Cj, e n^ue„Säuberungswelle", die in de» fettesten Schlag- wj-x" Nazi-Zettungen sich täglich demonstrieren, hat Malt' 1 etnmaI dendeutschenRundfunk und seine ehe- un», Verantwortlichen, die Intendanten, Dezernenten p„ stOnstler erfaßt. Die deutsche Nazi-Presse schlägt vz. Ölbäume vor Freude, daß sie wieder einmal in echten einv.^^'neintlichen Skandalen wühlen kann, daß sie wieder z, at gegen die verhaßten Intellektuellen, gegen die Träger ihr Utarer Systems zu Felde ziehen, daß sie wieder en geduldigen und auf immer neue Sensation erpichten lin deweisen kann: Seht, so waren sie, die November- $( v 9e j h>e„Raffer" und Verbrecher! Ihr könnt Gott und kai^tler danken, daß wir gekommen sind und die radi- h«* Säuberung des alten Tystem-Rundfunks vollzogen HcU! ^.'st ein erbärmliches Spiel, das heute wieder in Nazi- », utschland getrieben wird. Immer schon haben sie den Seif« 1- aeschmäht und gelästert, weil sie, kraft ihres ^.tilgen Unvermögens, nicht herangelassen wurden: darum in? ste immer wieder ihren Lesern die Riesengehälter ' ft ie fantastisch hohen Honorare auf, die im Rundfunk ^iahlt wurden. Alles mar korrumpiert, was im Hause des Väschen Rundfunks arbeitete: entweder waren es„Groß- ive aber Marxisten, Juden, LinkSliteraten— oder, n» alles nicht zog: Kulturbolschewistenl hioat~ nicht„lOeimac" te?,. r haben sicher keine Veranlassung, gewisse Tinge zu sind- die bei großen Sendegesellschasten geschehe» Neb' rolr haben auch kein Recht, gewisse Leute in Schutz zu sab'&ie weder geistig noch künstlerisch die Eignung be- Be,"'' groß« Sendegesellschast mit fast autokratischen «'Ugnissen selbstverantwortlich zu leiten. Der Fall des »or* orô Knöpfke von der Berliner Funkstunde, der die,*^*sehn Tagen durch Selbstmord geendet hat, muß in sch-^ Betracht aus dem Spiel bleiben. Aber die Herr- Quîx st'e heute die sogenannten„Rundfunk-Korruptionen" ^ wecken, vergessen ja eins: der Rundfunk des„Weimarer dem~ war ja kein Geichs- und Staatöunternehinen in m feinne, wie man es heute wahr haben will. Das Geld Ausbau der Sendegesellschaften war zur Hauptsqstie ,n Privatleuten eingebracht worden, und nur den Ländern teil^nnimunen stand durch ihre Vertreter eine gewisse Be- .. 9ung und eine gewisse Einflußnahme zu. Die Sende- ^ iellschasten waren in privatwirtschaftlichem Sinne -.' i e n g e s e l l s ch a s t e n— und erst unter Papen er- aki- Auslösung der AG., die Abfindung der Privat- iionäre und die Uebersührung der bisherigen AG. in die °rm der GmbH. Und dMder deutsche Rundfunk in den ersten Jahren >ner Entwicklung einen ungeheuren Aufschwung nahm, ^ den naturgemäßdieprivatenAkttonärevtel ^ rld verdient, eS wurden hohe Dividenden und Provi- °Nen gezahlt, und auch an die Leiter der Tendegesellschaiten. î ihnen vertraglich aus der Steigerung der Hörerzahlen ^ stehenden Tantiemen. Und die Bilanzen lagen ja offen: fchr"-" Unö btT Reichsrunbfunkgesellschast haben diese Ab- .. hfse vorgelegen, und die Herren in Berlin haben Eni- °>wng erteilt. Qtafiveedienec(Reichspost Den Hörern, die ihre zwei Mark Monatsgebühr Bahlen mußten, ist nicht das geringste weggenommen orden— oder doch etwa? Ach ja, aber daran denkt heute • c'» Mensch— und wenn er daran denkt, wird er cS nicht n die Debatte werfen: die deutsche Reichspost war jeher der Großverdiener am deutschen Rundfunk! j i< Retchspost, in deren amtlichen Bereich die Erstellung ^nd Erhaltung der technischen Anlagen siel, beanspruchte ^d«r die Hälfte der monatlichen Gebühr, genau gerechnet: °» den 2 Mk., die jeder Hörer zahlte, bekam die Reichs- n°st l.i g M t. Die Erstellung und Unterhaltung der Sendeanlagen kostete die Reichspost aber bei weitem nicht soviel, zumal da jede Sendegesellschast den Betrieb der Ver- stärkerräume im eigenen Funkhause und die technischen Be- amten selbst bezahlen mußte. Und außerdem zahlte jede Sendegesellschaft der Reichspost auch noch sehr beträchtliche Sendegebühren. Für die Zeit, wo der Sender„lief", mußte z. B. eine große Sendegesellschast pro Tag mehr als 1000 Mk. zahlen, was für die Stunde ungefähr 9« Mk. ausmacht. Die Reichspost steckte das Geld, das sie aus den Hörergebühren gezahlt erhielt, ein und verwendete es nicht etwa sür den Rundfunk selbst— nein, sie tat es in ihren eigenen großen Beutel und suchte mit dieser Sondersteuer, die die Rundfunk- Hörer, ohne es zu wissen, zahlten, ihr eigenes b e t r ä ch t- liches Defizit herabzumindern. Das ist ein Skandal, ohne Zweifel, was die deutsche Reichspost mit den 1,10 Mk. aus den Rundfunkgebühren machte— aber kein Mensch denkt daran, diesen Skandal etwa „Korruption" zu nennen! Und dann ist ja auch bekannt, daß große Sendegesellschasten einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen abführen mußten zur Unterstützung der söge- nannten„Zuschuß-Sender", wie Stuttgart, Stettin, Königs- berg, die sich aus eigenen Mitteln nicht tragen konnten. Später wurde so scharf kalkuliert, daß die Sendegesellschaften den größten Teil der Einnahmen, die ihnen verblieben, nach Berlin an die R e i ch s r u n d f u n k- G e s e l l s ch a s t ab- führen mußten— und das pompöse'„Haus des Rund- funks" am Kaiserdamm in Berlin, das vor zwei Jahren eingeweiht wurde, ist von den Geldern aller deutschen Rund- sunkgesellschaften gebaut worden. Und schließlich kam es soweit, daß die Sendegesellschasten aufs äußerste haushalten mußten mit den Geldern, die ihnen zur Verfügung standen, und es ist bekannt, daß vor ein paar Jahren unwidersprochen festgestellt wurde, daß z. B. dem Westdeutsche» Rundfunk von den 2 Mk. Monatsgebühren, die der Hörer zahlte, nur ganze 24 P fg. zur Durchführung und Ausgestaltung des eigentlichen Sendeprogramms verblieben! Eine Groteske, nicht wahr? Nein, mehr als daS: ein Skandal! Um die Rosien der Reichspost aufzufüllen, dafür bezahlte der Hörer fund bezahlt es wohl heute nochlj über SO Prozent seiner Monatsgebühr! Und immer wieder muß festgestellt werden: es waren mit privaten Kapitalien ausgestattete Aktien- gesellschasten— aber die Herren Kommissare, die 1938 vom Reich zur Prüfung der Wirtschastsverhältnisse bei den Rundsunkgescllschaften abkommandiert wurden, haben in ihren Berichten, die in der Nazi-Presse tendenziös ausge- schlachtet wurden, nie ein Wort von der grund- legenden Umstellung in der wirtschaftliche» Struktur verlauten lassen! Und hat man jemals ge- hört, daß etwa Reichskommisiare in die Privatwirtschaft- lichen Betriebe des Herrn Thyssen, Vöglcr oder etwa in den Riesenkonzern beordert wurden, dem bis zu setner Er- nennung zum Reichswirtschaftsmintster Herr Dr. Schmitt vorstand? Oh gewiß, die Herren Kommissare hätten bei der Prüfung der Bücher in diesen Unternehmungen interessante Dinge ans Licht ziehen können, etwa in den Konten der Ge- schästsspesen, der Tantiemen, der Provisionen usw. Aber der NSDAP, machen die Herren Lahusen in Bremen gerade genug zu schaffen— ob man wollte oder nicht, da mußte man nun einmal zugreifen! Nein, im übrigen bleiben die Herren Finanz- und Wirtschaftführer in ihrem p r i v a twi rt- sch a ft lichen Schalten und Walten unangetastet. Man wird sich hüten, ihnen Kommissare in die splendid ausge- statteten Privatbttros zu schicken. Und wenn schon: die Herren Kapitalisten wüßten schon, was sie den Hitler- kommisiaren aufzudecken und was sie zu verschleiern hätten —sie verstehen sich ja von jeher auf jede Art von Ver- schleicrung! u (Die ,,Jnte££içmenûmat für ttoöespierte Am kommenden Sonntag wird in Arras, der Geburb stadt Maximiliens R o b e s pi e r r e s, die Büste des 0*0»^ französischen Revolutionärs enthüllt werden. Das Te mal, das in dem Garten hinter dem alten Rathaus f« Platz hat, ist das erste Denkmal, das dem Opfer der^ midorverschwörung in Frankreich errichtet wird- Es# nur einige wenige Städte, die das Andenken Robespie ehrten, indem sie Straßen nach ihm benannten— ist nicht unter ihnen und seine Baterstadt Arras auch' Und ganz Frankreich hat bisher den furchtbaren Im irrtum, der sogar auf dem Andenken Robespierres wir. nicht gutgemacht. Selbst in Arras gab es bisher nur{ einzige Gedenktafel, die kundtat, daß in diesem klc>^ Städtchen Robespierre geboren wurde und gelebt hat-^ dem Hause, in dem er als Advokat tätig war, und von^ aus er als Deputierter zu den Reichsständen nach. fuhr, ist auf einer schmalen Marmortafel die Erinner an ihn verzeichnet. Sie wurde von der privaten Bereinig für Robespierresche Studien gestiftet, ist erst vor wen s^ Jahren an dem Hause angebracht worden, und ei" hatten schon republikseindliche Banden sie heruntcrgcri_ Eine neue, radikale Gemeindeverwaltung erst hat den gefunden, sich zu dem größten Sohne der Stadt, dem lan sten Manne der französischen Revolutionsgeschichte»" kennen. »OMAN VON 1 0 NAZ I O S IL O NE Um Bcrardo zu beruhigen, ging der junge Mann an die Kasse und bezahlte die Zeche im voraus. Inzwischen sah mich Bcrardo an, als wollte er sagen:„der muß verrückt sein". „Warum sind denn eigentlich all diese Carabiniers und Milizen so ausgeregt?" wollte Bcrardo, nachdem er gegessen hatte, von dem jungen Mann wissen.> „Tie suchen den großen Unbekannten," antwortete dieser. Aber die Antwort war nicht sehr klar. „Seit einiger Zeit gefährdet ein Unbekannter,„der große Unbekannte", die öffentliche Sicherheit," fügte er erklärend hinzu. In allen Prozessen vor dem Sondergericht ist von einem Unbekannten die Rede, der heimlich Drucksachen her- stellt und verteilt... Alle die mit illegalen Schriften er- wischt werden, behaupten, sie von einem Unbekannten be- kommen zu haben... Anfangs hielt er sich meist bei gewissen großen Fabriken auf, bann in der Umgebung der Stadt und der Kasernen: zum Schluß ist er auch auf der Universität er- schienen. Er wird am gleichen Tag von den verschiedenen Provinzen und selbst von der Grenze gemeldet. Die besten Polizisten sind hinter ihm her, aber bis jetzt hat man ihn nie erwischt. Rund sechstausend Personen sind schon sestgenom- inen worden und oftmals glaubte die Regierung, ihn unter den Verhafteten zu haben. Aber nach kurzer Pause sing die unterirdische Presse wieder zu arbeiten an und die Sonder- gerichte stellten neuerdings die Tätigkeit des großen Unbe- kannten fest.... Seit einiger Zeit scheint er sich in den Abruzzen aufzuhalten..." »... In Sulmona, in Prczza, in Avezzano und in anderen Orten. Wo er auftaucht, da revoltieren die Cafoni. Wo die Casoni revoltieren da ist auch er." „Aber wer ist es denn? Ist es der Teufel?" fragte Bcrardo. „Bielleicht," gab der Avczzaner lachend zur Antwort. „Wenn man ihm doch den Weg nach Fontamara zeigen könnte," seufzte Berardo. „Er kennt ihn," antivortete halblaut der andere. In diesem Augenblick betrat ei» von mehreren Milizen gesvlgter Polizist die Kneipe und kam aus uns zu. „Pässe und Ausweispapiere!" befahl er. Während der Polizist die Ausweise, die wir aus der fa- schistischen Gewerkschaft geholt hatten, prüfte, außerdem noch Personalausweis, Paß und viele andere Papiere des uns begleitenden Avezzaners, durchsuchten die Milizen das Lokal. Unsere Papiere wurden als ausreichend befunden und der Polizist war schon im Begriff fortzugehen, als die Milizen ihn auf ein in Wachstuch gewickeltes Bündel aufmerksam machten, das sie zu Füßen des Kleiderständers gefunden hatten. Sein Inhalt verwandelte Polizist und Milizen in Furien, die sich schreiend auf uns stürzten: „Wem gehört dieses Bündel? Wer hat eS auf den Boden gelegt?" Und ohne auch nur unsere Antwort abzuwarten, nahmen sie uns in ihre Mitte und brachten uns aus die Polizei. Berardo, der glaubte, daß in dem Paket gestohlenes Gut gewesen und daß man uns für die Diebe hielt, schrie' auf dem ganzen Weg: „Wir Diebe... Schämt euch! Ihr seid Diebe! Wir sind die Ausgeraubten, nicht die Diebe... Diebe sind die fa- schistischen Gewerkschaften, die uns 35 Lire gestohlen haben... Ein Dieb ist der Cavalière Pazienza, der uns 20 Lire abgenommen hat... Wir Diebe... Ter Impresario ist ein Dieb!" Auf der Polizei trafen aus verschiedenen Stadtvierteln ununterbrochen Gruppen Verhafteter ein. „Tie Jagd auf den groben Unbekannten geht weiter," erklärte der Avezzaner leise, worauf Bcrardo begriff, baß wir nicht des Diebstahls verdächtig waren und sich beruhigte. Als wir ohne viel Federlesens in eine Zelle gesperrt wurden, in der schon zwei andere Verhastete waren, wech- selten Bcrardo und ich einen zufriedenen Blick: da hatten wir endlich Quartier und Essen bis morgen... Und Zeit, über unsere fernere Zukunft nachzudenken. Die Hälfte der Zelle war von einem zementenen Block ansgcsüllt, der etwas höher als ein gewöhnlicher Bürger- steig war und als Bett diente. In einer Ecke war ein Loch, dessen Bestimmung auch klar war. Die beiden Verhasteten, die mir bereits in der Zelle vorfanden, lagen ausgestreckt in der andern Ecke, den Kops auf ihrer zusammengerollten ^ade. Ich folgte sofort ihrem Beispiel: legte mich auf den Zement, zog die Jacke aus und schob sie unter den Kops. B rnrdii ni d d> r Avezzaner hingegen begannen angeregt miteinondei»u diskutieren, und gingen dabei in der Zelle auf und ab. Der Avezzaner sprach, wahrscheinlich wegen zwei Unbekannten, ganz leise, das gelang aber Berardo n>» Und so konnte ich von der ganzen Diskussion nur verstehe'' was Berardo sagte: „Die Geschichte des großen Unbekannten überzeugt n" nicht. Ist dieser Unbekannte eigentlich ein Städter oder e> Cafone? Wenn er ein Städter ist und in die Abruzzen geh' muß er doch noch ein besonderes Ziel haben?.. „Aber den Städtern geht es doch gut," sagte er noch, fil geht ihnen gut, weil sie die Cafoni ausbeuten. Ich we' wohl, es gibt auch in der Stadt arme Leute. Pcppino riano war zum Beispiel übel dran und der Cavalière P"' zicna schwimmt auch nicht im Uebersluß. Aber dafür sind auch keine echten Städter, das sind in die Stadt verpflanz' Bauern." Manchmal, wenn Bcrardo sich bemühte, leise zu spreche".' verlor ich den Faden der Unterhaltung, aber ich konnte fl"' seinen Gebärden und denen des Avezzaners ersehen, fr"® sie zu keiner Verständigung kamen. Wenn es gerade fl" gewesen wäre, die Stimme zu senken, blieb Berardo zu alle' Uebersluß stehen und dann konnten ihn nicht nur unftr zwei unbekannten Zellengenossen verstehen, sondern w"' möglich unsere Zellennachbarn dazu. w. „In dem in der Kneipe gefundenen Paket waren nw" Zeitungen?... Und wegen eines Haufens bedruckter Papb'b setzen verhaften sie so viele Leute? Was kann so ein P" Papier schon wert sein?" Der Avezzaner war nicht nur ein sympathischer, sonder" auch ein geduldiger Mann. Er bat Berardo, leise zu sprecht" und dieser versprach es, ohne es jedoch halten zu könne». „Bereinigung von Städtern und Cafoni?... Aber^ C. rt Städtern geht es gut und den Cafoni geht es schlecht.£} e Städter essen gut, trinken gut und zahlen keine Steuern. Städter arbeiten wenig und verdienen viel... Zwanzig L>r" täglich, nur um Prügel auszuteilen, ohne welche zu kommen! Man braucht ja nur zu sehen, was sie uns f*j* Stoffe, Eisen, Hüte, Schuhsohlen zahlen lassen... Casoni sind wie die Würmer. Alle beuten uns aus. 8!' e treten auf uns herum. Alle-mißbrauchen uns. Selbst Circostanza hat gegen uns Partei genommen. Selbst er.- Avezzaner hörte ihn mit aufgerissenen Augen an. ,.E»^ schlich," murmelte er vor sich hin-„Glaubst du wirklich"" das, was du sagst? Denken die andern Cafoni alle w>* du?.. lFortsetzuug folg'-' Pariser Berichte \u Pariser Sfraßcnhalender von Jarel wurden die Hallen Felix î^aure Dan» à..?-.""îopf am Fever sür die Alten" verteilte Essen, wählt^ die unvermeidliche„Königin der Halle ge- der die„Königin von Paris" Helene Pointai assistierte. 100 ODO Edmond de Rothschild hat neuerdings klir notleidende Künstler gestiftet. Versammlung Pariser Anwälte protestierte gegen zSfi»^p»ig-r Methoden und die Ansschlicßnng des sran- »ndî»îlnwaltS Willard. Als Redner traten Me. Campinchi Minister î'âile aus. Eine Delegation begab sich zum Außen- S^me^f^Zefind'en^ 6"® ot6o""£ 6a6en Me^riftliche»[|fl ÜCCf ¥011 SfUdeilfCII III PÖllS schimpft hatten, empörten sich bann gegen ihren vormaligen Tyrannen. Katharina sagte unter Tränen:„Alles, was ich sagte, ist wahr" Philomel? schrie:„Er lügt, er lügt- Unter ihm habe ich mehr gelitten als im Gefängnis" Der Prozeß setzte sich dann unter dramatischen Umständen fort. U n- protestierte Herr de M o r o- G s a s s c r r t da- gegen, baß man sage, alle Schuld werde auf Sarret gehäuft und die Schuld der Schwestern werde eliminiert. Eo gave hier nur zwei„Eliminierte": den toten früheren Priester Chambvn und seine tote Geliebte... Die Sitzungen werden»och etwa acht Tage dauern. Die Aufregung der Bevölkerung von Aix und das Interesse der Leserschaft von ganz Frankreich an diesem ungewöhn- lichen Prozeß hält an. 3M* sprà5?riser Chausseur- haben, soweit sie zwei, oder mehr. Daxi zu bese'st^ Erlaubnis, Schilder dieses Inhalts aus der dem wir be« rich,I l e* e Kater-Park der Stadt Paris, von.....----- »MA«.»f n»'st in den Abattoirs de Baugirard eröffnet en* Ei«„Katzensprung" kostet 25 Franken. «Z'r mit Wi.nVüi* Spannung erwartete Fnßballkampf Paris gegen ftfirw. be l om Mittwoch, dem 1. November«am französischen «erâ Bï Allerheiligen», im Parc des Princes statt. Die beste dAvt-^Verbindung ist mit der Untergrund bis Porte geb?» oder Port- de St. Cloud. Die Preis« der Platze von S bis S3 Franken. lg?«"Versailles gelangt das Hotel des Reservoirs, in dem »un„!« deutsche Friedensdelegation wohnte, zur«ersteige- von Stuhl, dessen Lehne von dem deutschen Gesandten war^ Î" zum„Zeitvertreib" mit dem Messer bekritzelt verkauf, e 6cieitö oor swci Jahren an einen„Liebhaber nÄu I°rdin des Plantes ist die Sammlung Frühstorfer, 7." Sammlung des Lord Rothschild die größte private WMetterlingssammlung der Welt, zu sehen. r.,^. Radio-Hörer haben bis Ultimo Oktober in Frank» sack. Leitung anzumelden. Schwarzhörern sind drei- ""de Gebühren angedroht! _* kn»iü Institut Pastenr findet ein internationaler Hygiene, »greß statt, der hauptsächlich die Tuberkulose behandelt. Doktor Wachtel .. H'en*, Blot, and Hautkrankheiten l<3, Bd. Sibastopol.— Sprechstunden £ 9-12 u. 2-8 Uhr; Sonntags vormitiags •m, Hai», Ohren; Sprechstunden tägl. von 5-7 Uhr. Kassenversicherte werden angenommen. BOULOGNE i/Scine 43, rue de l'Est. Gens komfortabel(Fahrstuhl, Heizung, Badezimmer) 4 Zimmer 7000 Fr», 2 Zimmer 4600 Fr.» Zimmer ab 1600 Fr. Charges und Heizung ein« begriffen 570-75 der leYanllner Uno die zwei baurlsdien Sdiweslern Mordprozeß de«„höllischen Trios" Aix-en-Provcnce, 24. Oktober 1083- »®arret, der zusammen mit einem anderen Mörder in l&I Zelle sitzt, ist nach der Aussage der beiden bayerischen Schwestern, die ihm alle Schuld an dem Doppclmord in der »lauten Villa zuschoben, blaß und nervös vor Gericht aus- getreten. Der unheimliche Mensch hat sein« Kälte und Ruhe verloren- .harret klagt jetzt seinerseits an. Der Levanttner führt SS erbarmungslosen Kamps gegen seine Opfer, -.--wollen Sie sprechen oder bloß antworten, Sarret?. «ragt der Präsident. »»»5* vormalige Rechtsberater, stets klug auf der Lauer, »»scheidet sich für Antworten. Er antwortet, daß er den ^kpriester C h a m b o n nur im Laufe eines Streites » der einsamen Villa getötet hat. und dessen Geliebte, Frau ^» i a n b r aux, überhaupt nicht. --Am lg. August 1925," sprach Sarret,„war ich in Mont- vellier. Da erschien Philomele, die ältere der bayerischen Schwestern, und rief:„Kommen Sie schnell, ein Unglück ist Röntgenassistentin, 5a. I- 5taatsex.. erf in p.>n verw. Beruf in 7«'» oder Banlieue. 725 ? n*«bote an Publ. Metel, "• fu« Turbigo Nr. 891 v Samemdhieklci i J. Mastchenko 7, Rue du Marché St. Honoré. ♦ Tel. Opéra 72-79 Kleider, Mäntel, Pelze. Umarboltg., Rapartarung Geschehen". Wir nahmen ein Taxi. Drinnen erzählte sie mir: »^hambon hat seine Freundin umgebracht, und daS tn »»lerem Hause." Diese neue Verteidigungsmethode des Hauptangcklagten î'cf allgemeine Sensation hervor, besonders beim Staats» »walt. Der Präsident blieb ruhig. »Fahren Sic fort, Sarret." ,»In Aix traf ich Chambon. Ich machte ihm Vorwürfe. Er !»gte:„Was gehts mich an, Ich brauchte Geld", ein heftiger streit zwischen uns entstand und in dessen Verlaus habe ich '»»ungewollt getötet." »Wo war daS?" »Im Eßzimmer. Dann sagte ich zu den Schwestern Schmidt:„Wir werden alles der Polizei melden". Aber sie wollten nicht." „So.— Sagen Sie mir, Sarret. welches Interesse hatten oie Schwestern Schmidt, daß der Tod Chambons und der leiner Freundin unbemerkt bliebe?" Diese Frage brachte Sarret außer Fassung.„Fragen Sie »e selbst" schrie er- Erst langsam beruhigte er sich. ^Weiter sprach Sarret dann von der Herbeischaffung des Vitriols, mit dem die beiden Leichen beseitigt wurden. Im Verlaufe des weiteren Verhörs ließ sich der sonst so kluge vormalige Rechtsberater dabei sangen, daß er aus die Fragen des Präsidenten nicht direkt antwortete und über- Haupt sehr nervös war. Die Schwestern Schmidt, die Sarret vordem als »Deutsche" und»Besitzer eines öffentlichen HauseS" be- In Paris studiert heute ein Heer von 85 865 Stubenten, das sind noch 1544 m e h r als im Vorjahre Kunst und Wissen- schaft am Boul' Mich' und den anderen Stätten der Gelchr- samkeit lernten. Alleine Weiblein sind es jetzt bereits nur 266 weniger als IN 006. Die Zahl der st u d i e r e n d en Töchter steigt sinn- dig, besonders in der Juristerei und in der Literatur, dagegen sind jetzt bei der Medizin und den Wissenschaften etwas weniger Bubiköpfe. Ausländer gibt es heute 7496. daö sind acht weniger! ff Wendel sämtliche Garderobel Umänderung sämll. KLEIDUNG! MASSANFERTIGUNG 45, rue de Châleaudun, 45 5 Prozent Vergütung an Überbringer dieses! Der gritoie Hafenbohnhol der Well Le Havre Le Havre, 25. Okt. Wie wir von der Compagnie Generale Transatlantique erfahren, wird der neue Hafenbahnhof Ye Havre Ansang des Jahres eröffnet werden. Der Riescnbahnhos besitzt einen L a n d u n g s k a i, der nicht weniger als 600 Meter lang ist. Das Hauptgebäude, mit getrenntem Personen- und Güter- dienst, hat die geivaltige Länge von 589 Meter und ist drei Stockwerke hoch. Den Ozean-Wanderern steht eine Halle von 820 Meter, mit einer eigenen Halle sür die dritte Kajüte zur Verfügung. Von der Halle kann man direkt ans das Personendeck des Damp- sers gehen. Autos können bis zur Rampe des 2. Stockwerks hinauf fahren. Das neue Wunderwerk der Technik wird den Ausmaßen dcê im Bau befindlichen größten Schiffes der Welt, des französischen Dampfers„Sî o r m a n b i c" f?5 000 Ton- acn), entsprechen. DEUTSCHES ZAHNÄRZTLICHES INSTITUT 22, RUE DE DOUAI. Mttro, Black., Plg.ll. 20, RUE DES MARONITES. M Uro Mé.iWoU36 Proz. der Forderung darf in ausländischer Währung überwiesen werden, die andere Hälfte bekommen sie in Foem von Gut- scheinen, sogenannten Scrips. Sie dürfen nur in Deutsch- land verwendet werden. Der Ankaut und die Vcräusterung ist an die behördliche Genehmigung gebunden. Sie dürfen aber nur zum Ankauf von Waren verwendet werden, die für die A n s s u h r bestimmt sind. Die begrenzte Ver- wenbungsmöglichkeit der Scrips hat zur Folge, dast ihr Ver- äusterungsmcrt aus etiva 36 Prozent des Nennwertes ge- funken ist. Die Anslandsgläubiger werden also um ein Viertel ihrer Forderungen geprellt. Die Reichsbank dagegen nimmt die Scrips zum vollen Nennwert in Zahlung. Das „Präger Tagblatt" vom 13. Oktober schreibt darüber: „Beträge, die dem deutschen Anslandsgläubiger von 'einer Förderung abgeknappt wurden, verwendet die Reichsregterung i» voller Höbe zur Niedertonkurricrung der Ausfubrivirtschaft anderer Staaten, darunter auch jener, deren Ansprüche sie in so radikaler Weise gekürzt hat. Damit hat es Deutschland durchzusetzen verstanden, dast aus den deutsche» Leistungen an das Ausland riesige A n S- landsleistungen an Deutschland geworden sind. Was heute in Deutschland als Austenhandelspolitik be- trieben wird, ist mit abendländischem Rechts- empfinden nicht mehr zu decken.". Heldenvere irung und Knüppelpolitik Wir lesen im Hauptartikel der„Haagschen Post": „Deutschland lebt weiter in seinen alten„Heldentraditionen", die letzten Endes die Traditionen von Schwert und^Räubern sind und der Geistesverfassung, von der jeder hoffte, da» der Weltkrieg sie zum Verschwinden gebracht hätte. ES lebt nicht*n der neuen Zeit und steht nicht auf feiten der meisten Länder, die wirklich mit dem Krieg brechen und die den Frieden durch Recht suchen wollen. Was bedeutet es, wenn Hilter sagt, dast Deutschland keine territorialen Begierden hat? Die Tatsachen und seine eigene Haltung strafen das Lügen. Der jüngste Ausfluß der Hitlerschcn Knüppelpolitik in die ausländische Politik must wahrscheinlich auf das Konto der Bedürfnisse im Inland gebucht werden. Die neue Regierung leistet nichts Wesentliches und verbessert die Zustände im Land nicht. Es besteht darum stetiges Bedürfnis nach Ab- lenkung und Demonstrationen. Den einen Tag wird das er- öffnet, den anderen das, aber eine wesentliche Verbesserung der Lage hat Hitler noch nicht gebracht. Seine Jünger kriegen wohl die Aemter, aus denen ma» seine Gegner in Hundert- taufenden aus geradezu himmelschreiende Weise vertrieben hat. Trotzdem aber geht es dem Volk schlechter als je. Hitlers Pädagogik Prof. R. E a s i m i r hat die Kollegs des Kursus für Pädagogik im„Nederlandschen Lyceum" mit einem Vortrag über die Pädagogik und die pädagogischen Ideen Hitlers er- öffnet. Er äußerte u. a. folgendes: „Der Kern von Hitlers Lebensanschauung ist natura- listisch-mystisch, mag daö auch parador. klingen. Weiterhin ist sie in hohem Mäste eine Lehre, Hie ans Macht und Betrug basiert ist: Zeugnis dasür ist, ivas Hitler über die Propaganda sagt, die er ausdrücklich mit der Reklame auf eine Stufe stellt. D. h. etwas freundlicher ausgedrückt: es handelt sich um eine einseitige Bearbeitung der Massen durch einseitige Propaganda. In ihrem Wesen ist die ganze Angelegenheit unchristlich. Was Hitlers pädagogische Ideen betrifft, so geht es dabei nicht um mehr oder minder, sondern um alles oder nichts. Sicher aber wird das System seinen Einfluß geltend machen." „Das widerlegte Braunbuch" Francois Pauwels schreibt u. a. in„De G r o e n e A m st e r d a m c r": „In den beinahe zwanzig Jahren, in denen ich mich mit Strafsachen befasse, habe ich noch nie eine so zerschmetternde Anklage gesehen wie das„widerlegte Braunbuch". Wenn auch nur ein Zehntel des darin enthaltenen Materials auf Wahrheit beruht, bleibt durch die Jahrhunderte hin eine Anklage bestehen, die weder durch die höfliche präsidiale Haltung während des Prozesses, noch die ausfällig zur Schau getragene Oeffentlichkeit und die Unparteilichkeit der Be- amten aus der Welt geräumt werden kann. Uns Holländer läßt es kalt, ob an diesem Buch Juden, Kommunisten oder Marxisten mitgearbeitet haben. Wir fragen nur, was davon ist wahr?, und niemand wird an der Schlußfolgerung vorbeikommen:„Wenn auch nicht alles, so doch jedenfalls sehr viel." Entblößtes Recht! Wir entnehme» der kürzlich neugegründeten holländischen Wochenzeitung„De N i c u w e P c r s": „Das deutsche Gericht ist erniedrigt zu einem Instrument in den Händen faschistischer Politiker. Das war die Konsc- quenz von Hitlers Staatsstreich, von der er kein Gehnmnis gemacht hat.»Er hat gesagt, daß er alle staatlichen Einrich- tungcn, einschließlich der Justiz, seiner Politik unterwerfen würde. Die Folgen dieser Politik rächen sich heute. Das deutsche Volk steht vor der ganzen Welt im Hem d." DaS betrogene und geschädigte Ausland sucht sich natürlich gegen solche Methoden zu wehren. Die Folge ist weitere Ab- sperrung gegen die deutsche Aussuhr. Es werden also letzten Endes die Werktätigen in Deutschland sein, die die Kosten dieser Schmutzkonkurrenz zu tragen haben. Rußlands Goldproduktion 83 Prozent über Vorjahrsstand Die Goldgewinnung in der Sowjetunion hat im Vergleich zum September des Vorjahres um 33 Prozent zugenommen. Besonders ha» sich die Produktion im Ural erweitert, wo zu den schon bestehenden Goldsundstätten noch 10 neue entdeckt worden sind. Im Bcresowski ist eine Fabrik in Bau, in der täglich 12 060 Tonnen Golderz verarbeitet werden sollen. LE POULOU.POULOU 116, CHAMPS-ELYSÉES- PARIS Dir. Rolf Thisenhausen □□HOHE ABAR Et| Täglich: Nachmittags 4.30 Uhr Abends 8.30 Uhr Zeitgemäße Preise— Pilsner Urquell Tel. Balz. 48.13 bis 15 BttlEFKASTEN „Arbeitsdienst". In einem uns von Ihnen übersandten 2«Ü««^ ausschnitte wird berichtet:„Ticburg. Major Heine von»" hiesigen Gruppe 254 des Arbeitsdienstes 1st zur öu"" 1 2 5 2 nach Wiesbaden versetzt worden. Die M a n n s ch a s t e» gab«« ihm Frriiagvormittag bei seinem Scheiden bis vor die Stadtgreitt« das Geleit. Tort nahm er unter den Klängen des Präsentier- morsches Abschied."— Taraus schließen Sie in marxistischen Böswilligkeit, der Reichskanzler habe gelogen, als" den Arbeitsdienst eine ganz unmitttärische streng friedlich«««* gclegenhett nannte. Sie sollten nicht so gehässig sein. Wahrschein>>« handelt es sich nur um einen Major der Heilsarmee und bei de« Präseniicrmarsch um ein Hallelujalied. Thomften, Paris. Der durch eine Korrespondenz verursachte Lapsus ist inzwischen schon aus Genf berichtig: worden. Da öab«« wir also dem guten Teutonen B. zuviel Ehr« angetan. Es soll nicht wieder vorkommen. W.». Morley. Die Zeitschrist ist uns bekannt. Tie wird von vielen Arbeitern gelesen, die durch die Vielfalt der Zitate immer noch besser unterrichtet werden, als wenn sie ein Naziblatt oder eine gleichgeschaltete Tageszeitung lesen. Darum wollen wir da» Blatt in Ruhe lauen Freiheit! Dr. H., Lnzern. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß di« „Germania"(Nr. 201) in ihrem Rcichstagsprozeßbcricht unter- schlägt, daß der Polizeizeugc„Schwindclhintze" ein schwer vor- bestrafter Betrüger ist und au« dem Gefängnis vorgeführt wurde. Dasür druckt sie aber die Aussage dieses Lumpen feit. Wundert Sie das? Wenn Verkommenheit mit„Christentum" sich drapiert, ist der moralische Tiefstand meist unergründlich. Ob der Katholik Papcn mit seiner Zeitung einverstanden ist? Fragen Sie ihn selbst- M. S.. Straßbur«. Besten Tank! Diese„Witze" sind aber f ür unser Blatt nicht geeignet. Auf manche zartbesaitete Leser würde« si- abstoßend wirken. Dr. W>, Zürich. Die beiden Zeitungen lesen wir täglich|4* genau. Auch die eingesandten Aussätze und Notizen waren nicht entgangen. Aber wir können beim besten Willen nicht all- bringen, was Ihnen und uns gefällt. Wir danken für Ihre Aul- merksamkeit..„ D. B., Amsterdam. Fhrcn Gedanken einer.Gegenabstimmung halten wir nicht für glücklich. Args. Da« ist nicht u n s r e Aufgabe. Wir haben mehr als 0'" nug zu tun. Sowohl die Sozialdemokraten wie die Kommunisten geben theoretische Zeitschriften und Broschüren heraus, die diese Fragen bearbeiten und klären fallen. E. M., Grenobel.„Ich will kein Hitler mehr sein." Es ist s-b»«' daß Sie sich durch das Lesen der„Deutschen Freiheit" zu diesem Bekenntnis durchgerungen haben. Glauben Tie uns: niemav» kann deutscher empfinden als wir. Freilich fühlen wir un» an« als Bürger Europas.— Die Korruption im neuen Staate himmelschreiend. Nie wurde Deutschland durch parasitäre Exist««»'" mehr ausgesogen als jetzt. D. N.. Anvers. Die Zeichnung ist nicht übel, aber nicht besonder» originell. Eine deutsche Frau. Selsen Sic weiter treu mit, daß die deutsch«« Mütter erwachen,- sie werden erwachen! Bellinzona. Glauben Tie wirklich, es würde bei der General' abrechnung so glimpflich abgehen? Wir glauben es nicht. Wind sät, wird Sturm ernten". Wie aber mag erst die Ernte f»« die sein, die schon Sturm ausgesät haben:„Denk ich an Deutsch« lend in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht". „Der Reichskanzler lügt". Als neuen Beweis dasür, daß i« D-ntschland trotz aller gegenteiligen Beteuerungen des Reichs tanzlers die Juden nicht nur geächtet werden, sondern daß a«â geradezu mit amtlicher Duldung zu Pogromen aufgefordert«>«»' schreiben Sie uns aus Aachen:„Beim Erntedankfest»»* >n der Hindcnburgstraße ein großes Transparent gespannt:„Di« Juden sind an unserem Unglück schuld! Heil Hitler!" H. Zürich. Natürlich kennen wir Ihr Buch.— Schon mit Jhr«>« Vater standen wir in einer Front. Für den Gesamttnhalt verantwortlich: Johann P i tz I« T»>b- metier: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdrivk und Verlag: Verlag der BolkSstimme GmbH., Saarbrücken' Schützcnstraße 5. | P A RIS-ETOILE I 6. RUE D'ARMAILLE CIE2 XOENILIFF Berühmt durch»eine vortreffliche Ktiçhe u.»eine Spezialitäten. Stark be»ucht von deutschen Gästen | Téléphone Etoile 52-49| Tél. Trinité 43-13 Métro: Pi gai le Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de b Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanatoriumsgebäude. Die aller- modernste Einrichtung c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten d) Zahnärztliches Kabinett Zahn- und Mundchirargi* Ordination täglich von 9—12 and 2- 8; Sonn« und Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr An- und Verkauf zentralsuroplechei und sOdamerikani- acher Devisen Effekten und REICHSMARK durch dec Bankhaus Georges Perles 8 P. Miche! 34 RUE LAFFITTE. 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