Sinzigs unabhSngige Tageszeitung Veuifchtands ÎIQ—1. Jahrgang| Saarbrücken, Freitag, den 27. Oktober 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Jtanktcich lehntar. Das ist aber längst vergessen, er ist jetzt ^Vorsitzender der Partei. Sein politischer Einfluß wird lou /il, verstärkt, daß er Mitbesitzer der„Tepeche de Touts^>»er bedeutendste» radikale» Zeitung Süöjrynkreichs. Zur Kabinettsbildung 26. Oft. Tie Betrauung des radikalen Senators "êrt Sarraut mit der Kabinettsbildung gibt der Presse ,»rlich Gelegenheit, sich ausführlich mit den Möglichkeiten Ä ttc* Kabinetts Sarraut zu beschäftigen. Jedoch fehlt allen „ê>in Kommentaren die richtige Grundlage, da noch zu viele ^'^ilselemente im Augenblick ausstehen, so die Stellung- hme der einzelnen Parteien und die Zusammensetzung deö ^"bluetts Sarraut. jjtt einer HavaS-Auslassung wird die Vermutung auS» ^'Plothen, daß die Neusozialisten ldie etwa 39 Sozialisten, e°em Kabinett Daladier die Treue gehalten haben), dem ^ Uc u Kabinett Sarraut ihre Stimme geben werden, .vrraut müßte aber, da ihm die restlichen 199 sozialistischen in fehlen, dann den Mitielparteien eine Vertretung ^ der Regierung anbieten, um eine Mehrheit zu bekommen. würde bei einer Opposition von schätzungsweise 289 sth mmen faum 260 Stimmen überschreiten. Was die Be- Yung der einzelnen Ministcrposten betrifft, so ist das im Umlauf, daß P a u l- B o n c o u r nicht wieder be, uininister werden würde, sondern entweder durch Al- in.Errant oder durch Daladier auf diesem Posten abgelöst nn Jr" u-ttrdc- Dieses Gerücht hat Senator Sarraut zwar d> X gegenüber der HavaS-Agcntur dementiert, aber Üb Weise, wie dieses Dementi lautet, ist nicht ganz bi"zeugend, denn es heißt darin nur, daß Albert Sarraut „.!dtzt noch nicht die Frage der Verteilung der Minister- >>ei, behandelt, sondern sich vor allem mit den Finanz- und ^^^chaftsfragcn seines Rcgierungsprogramms beschäftigt ^Der„Matin" hält es für sicher, daß Finanzminister arb" n e 4' einen Posten behält und seine Finanzgesetze um- bciten und dabei das Hauptgewicht auf Einsparungen 9k» wird. Aach dxx„Ere Nouvelle" dürfte auch Innenminister ."vutemps im Amt bleiben. Dieses radikale Blatt tritt ^ c»fafl§ dem Gerücht cntgeacn, daß Albert Sarraut selbst '»iirif' etlC S® onc0Uré bas Außenministerium übernehmen ^Interessant ist. wie der sozialistische Abgeordnete Leon 'um heute im„Populaire" aus den Sturz der Re- jv ,eru Ufl Daladier und auf die Spaltung der sozialistischen '»Mmerfraktion reag'ert. Er schreibt: Man habe ihm unter- Kobern baß er an Daladier habe Rache nehmen wollen, weil nladier ihm seine sozialistische Kammersraktion entzwei- ^nîi'ngen habe- In Wirklichkeit habe ihn, Leon Blum, das ?^>cksal der Regierung Daladier nur in zweiter L'nie be- ^väftigt. Denn sein? Hauvtsorae galt der Anfrechterbaltnna Diszivlin und des Znsammenbakts der ioziatistischen _^rtet auch aeaeniiber den fatalistischen Wämser,,. Wenn er ^'"W, aleichzeitia n»d> noch das Koh°neit Dalnäser bätt- it Aus der entsdieidenden Naditsitzung Daladier bei seinem letzten Appell an die Abgeordneten Abfall der Sozialisten herbeiführen würden, nämlich ans daS Abenteuer des Paragraphen des FinanzjanierungSgesetzes, der die Kürzunge» der Beamtengchälter vorsah. Die schwarzen Rachepläne, die man ihm, Blum, gegen Daladier zuschreibe, beruhten also lediglich auf einer absurden Fantasie. Es scheint nicht die Absicht SarrautS zu fein, die Kräfte- Verschiebung innerhalb der Regierungskombination so weit nach rechts auszudehnen, daß six zu einem Bündnis des radikalen MehrheitSkcrns mit dem rechten Zentrum führen würde. Infolgedessen würde diese Regierung nur aus einer verhältnismäßig schmalen, wenn auch sehr einheitlichen, parlamentarischen Basis beruhen. vle Neosoi'ailslen Paris, 25. Okt. lEigenbericht.l Nach Besprechungen, die Sarraut mit Eaillaur und Malvn hatte, folgte eine Zu- sammenkunft mit den Neosozialisten Renaudel und Marquet, die nach der Unterredung erklärten: „Wir haben dem zukünftigen Ministerpräsidenten gesagt, daß mir eine neue Partei bilden wollen und daß diese Ar- belt unsere Zeit vollständig in Anspruch nehmen wird. In- solgedessen können wir uns an keiner Regierungskoalition beteiligen. Wir wollen unsere Stellung nicht verpfuschen, in- dem wir den Anschein erwecken» als handelten wir aus per- fönlichem Ehrgeiz." ver riflditl'ngslfommtssar Genf, 25. Okt. Für den Posten des Völkcrbunbskommissars für die deutschen Flüchtlinge werden genannt: der frühere Präsident der Bereinigten Staaten, Hoover, der ehemalige Gouverneur der Philippinen, Theodor Roosevelt und Austen Chamberlain. Der VölkcrbundSkommissar wird daS Komitee leiten, das sich des Schicksals der deutschen Emigranten an- nehmen soll. f«Mti"tt in d-m in d-m sein- A'-ßenoolitik iTntfrftitfci'na d-r fo'Wsi'f 1*?" Slim—en verdi-vt hätte so hätte ifiti dos nclrrirt ober das bino lebiolich von Dalodier ^'bst gh Dalad'er Hätte sich nur nicht nuf Abenteuer einlassen è'irfrn. von denen er wußte, daß sie gezwungenermaßen.öen Wie dem„Matin" auS Metz berichtet wird, hat die franzö sische Regierung nach dreijährigen Verhandlungen nunmehr beschlossen,»ine entsprechende französisch« Anschluß- st r a ß e an die große deutsche Autostraße nach Trier anlegen zu lassen, die bisher im französischen Straßennetz keine gleichwertige Fortsetzung hatte. „Nidif nos. nidtf Reisige Wie uns Augenzeugen aus Berlin berichten, ist der Reichskanzler unter schwerster'Polizei- bedeckung von der Reichskanzlei zum Sportpalast ge- fahren. Während keiner der früheren Kanzler und Minister je einen Ueberfallwagen der Polizei für sich bemühte, fuhr dem„Volkskanzler" ein dichtbesetztes Polizeiauto voran, dessen Insassen Karabiner und Revolver schuhfertig hatten. Hinter dem Wagen Hitlers schloffen sich eine ganze Kolonne von Autos an, die samt- lich Bewaffnete enthielten. So im sicheren Schutze bewasf» neter Mannschaften konnte Hitler ausrecht stehend in der Geste eines Imperators den Volksjubel entgegennehmen. Man kennt das zur Genüge aus den Tagen Wilhelms II., und man weih auch, wie rasch sich die schreienden Gaffer verliefen, als es mulmig wurde. Die gleichgeschaltete Presse, die diesmal die Kanzler- rede erst 24—36 Stunden später veröffentlichen darf, weil sie von den schlimmsten Hetzereien und Schimpfereien gereinigt werden muhte, hat den Befehl erhalten, die Einheit der Nation zu feiern. Wie schön wäre es, wenn die Deutschen wirklich einmal eine aus gesunder gemein- nützig organisierter Wirtschaft und grohen geistigen Traditionen erwachsende einige Nation wären. Wer be- hauptet, es sei jetzt schon so, belügt sich selbst. Wenn die Nation hinter Hitler steht, warum müssen dann alle nationalsozialistischen„Wahl"redner mit dem schärfsten Terror allen drohen, die am 12. November nach ihrer eigenen Ueberzeugung sich entweder der Stimme enthalten oder gegen das jetzige Regime stimmen wollen? Warum darf denn die jubelnde und geeinte Nation nicht selbst das Wort nehmen, um ihre Liebe zu Hitler zu be- teuern? Nein, die Macht der jetzigen Regierung beruht nicht auf der Volksstimmung, sondern lediglich auf den Maschinengewehren und Karabinern. Das weih die ganze Welt, und deshalb täuscht sich jeder, der behauptet, diese Regierung sei auhenpolitisch stärker als frühere deutsche Regierungen. Das Gegenteil ist richtig. Jeder schwere Stoh von auhen würde das sofort erweisen. Wer es uns nicht glaubt, der blicke in die Geschichte Europas. Seit hundert Jahren hat kein absolutistisch-diktatorisches Regime einen Krieg, der wirklich die Zusammenfassung aller Kräfte erforderte, überlebt. In Deutschland gibt es jetzt Millionen und aber Millionen, deren ganzer politi- scher Wille auf. den Sturz Hitlers gerichtet ist, infolge der Schreckensherrschaft gerichtet sein muh. Ein solches System kann durch keine Kraftworte und grohartigen Schauspiele verdecken, dah es nach auhen morsch ist. Die nächste und erste Aufgabe der Deutschen ist, ein wirklich volksnahes Regicrungssystem zu schaffen. Das ist nur möglich durch einen Sozialismus, nicht der Predigt und des Bettels, sondern der organisierten Tat. Die«geeinte" Nation Denunzianten, Gesinnungslumpen, Staatsfeinde, Spion«* Koniunkturschmarotser Der Präsident des Lanbesarbeitsamts in Köln erklärt, daß Anzeigen bei den Arbeitsämtern über Schwarz- arbeiter und Doppelverdiener nicht bearbeitet werden könnten. Wer Uebelstänbe kenne und von seiner nationalen Pflicht zur Mitarbeit bei Beseitigung der Arbeitslosigkeit durchdrungen sei, der müsse auch den Mut haben, mit seinem Namen für die Bekanntgabe einzustehen. Es solle nicht denunziert, sondern gesäubert werden. Zum gleichen Kapitel gehört eine Bekanntmachung des Kreisleiters Schöller-Crailsheim, die im„Frän- tischen Grcnzboten" erscheint. Darin heißt es, in letzter Zeit häuften sich die Fälle, daß Volksgenossen wegen irgendeiner unvorsichtigen Bemerkung denunziert würden. Ein großer Apparat werde in Bewegung gesetzt, Aktenbündel wachsen an, Familien würden unglücklich gemacht. Auf diese Weise würden Volksgenossen, anstatt für den neuen Staat gc- Wonnen zu werben, diesem Staat ans immer entfremdet, nnr weil Denunzianten die Zeit für günstig hielten, um an per- sönlichen Feinden ihr Mütchen kühlen oder sich wichtig machen zu können. Diese Leute handelten in den wenigsten Fällen aus Liebe und Anhänglichkeit zu Adolf Hitler oder Besorgnis um den heutigen Staat. Ter Kreisleiter ermahnt die Volksgenossen, vorsichtig in den Aeußerungen zu sein und solchen Spionen und Denunzianten keine Ge- lkgenheit für ihr Handwerk zu geben. Schlimmer als die Nörgler seien die Denun- zianten selbst, denn durch ihr Tun komme Beunruhigung ins Volk. Wenn ein Volksgenosse, der irgendeine Maßnahme der Regierung nicht verstehe, sich einmal ein kritisches Wort erlaube, sei er deshalb noch lange kein Staatsfeind. Auf Gesinnungslumpen dagegen könne sich keine Re- gicrung, keine Partei, ja ihre eigenen Freunde nicht ver- lassen. Es sei Pflicht jedes Nationalsozialisten, mitzuhelfen, Konjunkturschmarotzer unschädlich zu machen. In« Konzentrationslager Der nationalsozialistische„Westdeutsche Beobachter" meldet aus M.-Gladbach vom 25. Oktober:„Die Polizei hatte in Erfahrung gebracht, daß der Besitzer eines empsangsstarkcn Rundfunkgerätes regelmäßig in den Abendstunden einen Kreis von Bekannten in seiner Wohnung versammelte zum Anhören derMoskauerRundfunksendungen. Da die Moskauer Sendungen bekanntlich zu einer maßlosen Hetze gegen die nationalsozialistische Revolution und die von ihr berufene Regierung benutzt werden, ließ der Polizei- Präsident zunächst drei Teilnehmer einer derartigen kommunistischen Versammlung in Schutzhaft nehmen und einem Konzentrationslager zuführen. Das Rund- sunkgerät wurde beschlagnahmt. Der Vorgang wirb im Polizeibericht der Oessentlichkeit zur Warnung bekannt- gegeben mit der ausdrücklichen Betonung, daß auch in Zu- fünft gegen solche Treibereien mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werde." vervmke- Mlesmadier Der Polizeipräsident in Wuppertal erläßt^olgendk öffentliche Warnung:„In der letzten Zeit kursier in Wuppertal derartig viele und unsinnige Gerüchte» führende Persönlichkeiten der NSDAP, und der 3«-. ich mich gezwungen sehe, sämtliche Bevölkerungskreise der Weiterverbreitung dieser Gerücht» eindringlichst» warnen. Ich habe meine sämtlichen Dienststellen angewiese« Gerüchteverbreiter sofort festzunehmen. Gegen diese~ eu werde ich Strafantrag auf Grund des Gesetzes gegen Miesmachertum einleiten. Weiter werde ich ab heute a Personen, die bei der Verbreitung von unwahren Geriich ertappt werden, dem Konzentrationslager zuführ lassen." vrlel an« Schlesien Mit einiger Verspätung erreicht uns dieser Brief: In Breslau fand ein SA.-Aufmarsch für Schlesien sin• Ein Augenzeuge berichtet mir, daß die SA. in 12er view. drei Stunden vorbeimarschiert ist. Die Stadt war sehr 9° beflaggt, die Bevölkerung nahm den Marsch durch die ziemlich kühl aus. Ursprünglich war Hitler und dann Gor» als Redner angesagt. Keiner ist erschienen. Zum Görings, der in, Flugzeug kommen sollte, warteten sow»» am Tamstagnachmittag,»vie am Sonntagvormittag 6 r; SA.-Formationen auf dem Flugplay vergebens. Anweic waren Röhm und Heines. ,„ll Am Samstagabend ereignete sich ein schiverer Auto»«' in Breslau: ein mit besoffenen SA.-Führern bewv' Personenkraftwagen überfuhr einen jungen Arbeiter, e>» Klempnerlehrling, der auf der Stelle getötet wurde. sonders auffällig war überhaupt, daß die SA.-Führer ihren zahlreichen Autos ohne Rücksicht aus irgendwei« Verkehrsbestimmungen wild durch die Straßen rasten, fi". gefallen ist weiter, daß sie ein besonders auffällige> schreiendes Hupensignal verwenden, das anzeigt, daß „Herren" kommen und nichts ihre Raserei hemmt., In Oberschlesien ist die Butter weiter im Preise gestlege' und zivar in der vergangenen Woche von 1,40 Mk. aus i« Mark das Pfund.* Die Wochenmärkte in Gletwitz und Bcuthen sind nur noo mit der Hälfte der Verkaussstände beschickt wie vor einige Monaten.( In Oberschlesien erhalten nur noch S ch u h m a ch e Leder, die beim Einkauf den Gewerbeschein vorlege können Damit verhindert man, daß die armen Prolett» Schuhreparaturen selbst ausführen. sDann soll das ab«.» auch, wie behauptet wird, militärische Gründe haben. Jnw>e fern kann ich allerdings nicht beurteilen.) In Obcrschlesien sind die Wohlfahrtsunterstützungen gekürzt worden. Eine Witwe, die bisher 14täglich 6,—®* flI erhalten hat, erhält jetzt noch 4,60 Mark. Man staunt „Ein unpolitischer Beobachter" schreibt uns: Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Was sich seit tiniger Zeil täglich in Deutschland abspielt, widerspricht so allen früheren Vorstellungen über deutsches Wesen, daß mau unwillkürlich zu der Ueberzcugung gelangt, das alles sei eine Komödie und zwar eine jämmerlich miserabel gespielte Komödie. Wenn sich die Hitlerei damit selbst etwas vor- täuschen will, so hat das Pläsierchen vielleicht einen kurzen Sinn, will man aber damit andere bluffen, so irrt man sich. Herr Hitler hat im Jahre 1922 den Roman des Polen Ossendovskt„Tiere, Menschen. Götter" gelesen: die Geschichte hat ihm gefallen und er hat daraus den SvastikamysttziSmus konstruiert. Kurz darauf geriet ihm die Broschüre des Amerikaners Lathrov Stoddard„Ausruhr gegen die Zivili- satton" unter die Augen: auch das hat seinen kritiklosen Beifall gefunden, und schon waren seine Ansichten über Rasfeaufzucht fix und fertig- Wo bleibt die deutsche Gründ- lichkeit und Sachlichkeit, daß man sich derartiges, ohne zu analnsieren, vorsetzen läßt? Auch der Antisemitismus Hitlers ist doch nichts anderes als ein plumpes Plagtat des ver- soffenen Niederösterreichers Georg Schönerer- Ungemein grotesk wirkt der sogenannte Antimarxismus des Herrn Hitler. Die monumentalen Werke Karl Marx hat er bestimmt nicht gelesen, ebensowenig deren wissenschaftliche Kritik, z. B. die seines große» Gegners Michael Bakunin. Sein vorgeblicher Haß gegen den Marxismus ist so grob materialistischer Essenz, wie nur irgendwie möglich. Hitler gegen Marx, das entspricht der Formel: Horst Wessel gegen Wolfgang Goethe. Man fragt sich immer wieder, ob denn den Regisseuren des Hitler-Rummels gar nicht zu Bewußtsein kommt, wie soviel Kitsch auf ein denkfähiges Publikum auf die Dauer wirken muß. Lange kann das so nicht weitergehen, ohne zu einer Katastrophe zu führen. Der Winter steht vor der Tür. Das Elend ist trotz aller statistischer Schönfärberei ärger als je: die Enttäuschung nimmt trotz allem festliche» Klimbim und Tamtam bis in die intimste Anhängerschaft des Agitators stündlich zu: die Unfähigkeit und Schädlichkeit des Regimes wird allen immer deutlicher. Jetzt glaubt der Komödiant, baß der Moment für„starke" Gesten nach außen geeignet ist. Hat er bisher eine aus- ländische Regierung nach der anderen auf dümmste Weise brüskiert, so versucht er nun der ganzen Welt gegenüber den wilden Mann zu spielen. Und gleichzeitig, o Ironie, stellt er sich hin auf die Bühne und spielt in Doppelrolle die„ver- folgte Unschuld". Gibt es denn kein Mittel, mit der widerlichen Komödie Schluß zu machen? Wie in Deutschland Freunde des in Italien inhaftierten Schweizer Bürgers Hofmaicr schreiben uns: Am 12. Oktober 1938 wurde der seit 1927 in Italien in- haftierte Hofmaier unter schwerer Bewachung aus dem Ge- fängnis von Jmperia(Ligurien) abtransportiert. Der jetzige Aufenthaltsort ist unbekannt, weder wurde seiner in der Schweiz wohnenden Familie noch Schweizer Behörden Kenntnis gegeben, wo sich Hofmaier zur Zeit befindet. Der Schweizer Bürger Hofmaier wurde im Oktober 1927 in Italien verhastet aus Grund von Denunziationen von un Tessin arbeitenden faschistischen Spitzeln und Provoka» teuren. Nach 17 Monaten Untersuchungshast wurde Hof- maier im März 1927 vom Sondergericht zu 15 Jahren und 9 Monaten Zuchthaus verurteilt. Dies Urteil wurde gefällt wegen Nekonstttuierung der verbotenen kommunistischen Partei Italiens und ivegcn Zugehörigkeit zur kommu« nistischen Partei der Schwei». 22 Monate seiner Haft ver- brachte Hofmaier auf der Insel San Stefano in Einzelhaft, er wurde erst nach dem Tode des mitcingekerkerten poli- tischen Häftlings Puglicse von dieser Insel abtransportiert. Hokmaier ist der einzige vom faschistischen Sondergericht ver- urteilte Ausländer, der sich in Italien in Haft befindet. Vor zivci Jahren lehnte er es in einem Offenen Brief aus dem Gefängnis ab, ein Begnadigungsgesuch zu unter- schreiben, da er sich in diesem gegen seine politische Ueber- zeugnng erklären sollte. Die Gesundheit Hofmalers Ist heute schwer erschüttert, der Häftling leidet an Herz- und Magen- krämpfen, gerade in den letzten Wochen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rasch. Infolge einer allgemeinen Amnestie wurde seine Strafe auf 7 Jahre reduziert, und seine Entlassung sollte auf den Herbst 1!>34 bevorstehen. Seit 2 Jahren befand sich Hofmaier im Gefängnis von Jmperia und nun wurde er plötzlich von bort unter schwerer Be- ivachnng abtransportiert. Hofmaier wurde schon zu Beginn fetner Haft wochenlang in Dunkelarrest gehalten: im Ge- fängntS von Perugia wurde er vor die Flintenläufe der Miliz gestellt und mit Erschießen bedroht, als er die von der Polizei geforderten Denunziationen nicht machte. Wo ist jetzt Hofmaier? Die faschistische Regierung Italiens muh aus diese Frage Antwort geben. VI« Prügelstrafe Man schreibt uns aus einer schlesischen Stadt. Hier k-°m ein tschechischer Staatsangehöriger durch, der ein Viertel- jähr in Schutzhaft war. Er war Mitte August im Konzen- trationslager Landesanstalt Colbitz. Im Lager befanden sich zu der Zeit etwa 900 Gefangene. Lagerkommandant war Polizeikommissar Kneffe, Leipzig. Er wurde dann ins Kon- zcntrationslager nach Sachsenburg gebracht, das in einer alten Fabrik tSpinnereis untergebracht ist. Dort befanden sich Mitte August etiva 1000 Gefangene. Die Behandlung war die bekannte, die Prügelstrafe wurde in beiden Lagern angewendet. In Neustadt würde der frühere Parteisekretär P., der sich längere Zeit in Haft befand und wegen Krankheit entlasten werden mußte, erneut verhaftet. Ein Grund ist nicht er- sichtlich, da P. sich jeder Tätigkeit enthielt. Er wnrde nun schwer krank ins Konzentrationslager Papenburg gebracht. Wie verlautet, ist es ein persönlicher Racheakt eines Sturm- führers, der im vergangenen Jahr mit P. einen Zusammen- stoß hatte. Flucht aus der Hölle Ans dem Konzentrationslager bei Osnabrück sind auf Grund der unmenschlichen Behandlung 17 Internierte, darunter einige höhere SPD.-Funktionäre sowie kommu- nistische und sozialdemokratische Arbeiter entflohen. Die Nazis nahmen an den Zurückgebliebenen blutige Rache. „Korruption" Gegen den seit Mitte September in Untersuchungshaft befindlichen früheren sozialdemokratischen Landtags- abgeordneten und Stadtverordneten-Vorsteher Friedrich H o f a ck e r ist Anklage wegen Untreue, Betrugs und Urkundenfälschung erhoben worden. Es handelt sich um mehr als 100 Einzelfälle von strafbaren Handlungen, die Hofacker in den letzten Jahren als Bczirksleiter des sreigewerkschaft- lichen Eisenbahnerverbandcs begangen haben soll. So eine Meldung in der gleichgeschalteten Press«. Wahr- scheinlich wird es mit diesem„Fall" gehen wie mit taufen- den„Fällen" der letzten Monate. Der Beschuldigte wird eingesperrt, und dann hört man nichts mehr von der „Korruption". FronKrcidi lehn! Der„T e m ps" schreibt zu Hitlers Wahlrede: „Der Reichskanzler vermehrte seine rednerischen Manifestationen, und jede endete mit einer Art Hymne auf den Frieden, den Deutschland vor allem will. Das Wort „Friede" wird bestimmt mit den Worten„Ehre" und „nationale Würde" am meisten in ben feierlicbe" N>-de" Führers wiederholt. Als ob die Hauptbeschäftigung des Meisters des„dritten Reiches" die iväre. das oeu zu überzeugen, daß trotz der politischen Isolierung, in die seine Führer es gebracht haben, trotz dem entschiedenen Unbehagen, das Deutschland durch das Verlassen der Abrüstungskonferenz und des Völkerbundes in Europa hervorgerufen hat, das nationalsozialistische Regime in keinem Falle in irgendein tragisches Abenteuer führt. Wenn der Kanzler feierlich seinen unerschütterlichen Friedens- willen kundgibt, wenn er auf eine direkte Verständigung mit Frankreich plädiert, wenn er auf Berstänbigungsmöglich- leiten mit Polen anspielt, so als ob die Frage des „Korridors" im Handumdrehen gelöst werben könnte, dann spricht er nicht nur, wie es scheint, für die internationale Meinung. Er ist vor allen Dingen im Augenblick damit beschäftigt, eine entscheidende politische Wirkung i m Innern zu erzielen, für die Festigung des Systems. Die deutschen Masten über Konsequenzen der vergangenen außenpolitischen politische» Fehler zu beruhigen, das ist die Hauptsache des Kanzlers in diesem Wahlkampf, an besten Schluß er am 12. 11. eine Volksabstimmung mit einem vorher noch nicht erlebten Triumph erwartet. Amerika rosten Washington, 26. Okt.(Reuter.) Das Kriegsamt gibt be- kannt, baß die Heeresverwaltung für zehn Millionen Dollar Kraftwagen und für 15 Millionen Dollar Flugzeuge anzu- kaufen beabsichtige. Als Lteferer kommen ausschließlich solche Unternehmungen in Frage, die die Arbeitsgesetze unter- zeichnet haben. Pas Neueste Havas berichtet ans Rabat, daß ein n e u e S F l« g z e« g» Mutterschiff„Commandant Teste" vor Rabat angekommen ist. Das Schiff hat besondere Vorrichtungen zum Ausgleich und zur Neutralisiernng des Stampfens und Schlingerns, und diese Borrichtungen werden gegenwärtig aus hoher See auf ihre Brauchbarkeit hin geprüft. Havas berichtet aus Barcelona, daß bei El Bruch ein Auto und ein Motorrad zusammenstießen. Die beiden Motorradfahrer, zwei Kommunisten, kamen ums Leben. Havas berichtet aus Mentone, daß dort gestern das spanische Geschwader eingetroffen ist, das die Ueberführuug der Asche des spanischen Schriftstellers Blasco Jbanez vornimmt. Ein gleich starkes französisches Geschwader ist znm Empfang ans der Reede von Menton« erschienen. Mlicr od! Diese Beschäftigung ist ganz verständlich. Es steht außer Zweifel, daß links des Rheines eine ernste Verst««' mung ist, wo acht Monate Hnlerdiktatur besonders denen eine große Enttäuschung bereitet haben, die am meisten dazu beigetrage« haben, die nationalsozialistischen Er» folge herbeizuführen. Dann wird auf verschiedene Strömungen im Nations^ fozialismus angespielt und aus die Schwierigkeiten, die sA kvmmende Winter bringen wirb, indem sich die Manen n>e aber kann man wollen, daß die Welt Hitler-Deutschland inan verdächtigt, nicht die progressive Abrüstung aller Völker wollen, besonders seit der eigenen Wiederausrüstung", U» 5 baß es systematisch die Abrüstungsarbeiten hindert. Der Kanzler hat deshalb nicht das Recht, sich über«i# 1 spräche der internationalen Meinung zu beklagen. Er irrt sich, ivenn er meint, daß der Nationalsozialismus ein Exportartikel sei. Die nationalsozialistische Propaganda ist eine Gefahr und die Nationen, die jedwede Bormund' schaft der nationalsozialistischen Diktatur ablehnen, haben dit Aufgabe, sich zur Verteidigung zu vereinigen, gegen die®{' fahr, die der ganzen europäischen Zivilisation droht." Durch Vorstandsbeschlnß wurden aus dem Verein 33 er' liner Presse u. a. ausgeschlossen: Hans Goslar, eh*' maliger Pressechef im Staatsministerium, Paul Löb*« ehemaliger ReichstagSprästdent, Viktor Schiff, früher Redakteur beim„Vorwärts".(Das ist uur«lue Ehrung f»' die Ausgeschlossenen.) Eine kommunistische Gehcimdruckerei wurde in Man«' heim ausgehoben. Dreizehn Personen, die gerade Drucken beschäftigt waren, wurden verhaftet. Achtundachtzig deutsche Schriftsteller haben durch ihr« Unterschrift dem Reichskanzler ein„Treuegelöbnis" abge' legt.(Wes Brot sie essen, des Lied möchten sie singen.) Das Schwurgericht von Prenzlau verurteilte den Arbeiter Paul Morgen wegen Mordes au dem Arbeiter Guys!»? zumTode. Aus dem Flugplatz Dübendorf(Schweiz) ereignete si" ein Flugzeugunglück- Aus noch nicht geklärter Ursache stürzte ei» Privatslugzeug des englischen Typs P«ß' Moih aus einer Höhe von«0-100 Meter ab und zerschellt* am Boden. Der Pilot Pinner ans Berlin wnrde sofort gr' tötet. Ein Arbeiter, der sich auf dem Flugplatz aufhielt« wurde von der abstürzenden Maschine getroffen und bW ebenfalls das Leben ein. Paris, 25. Okt. Havas meldet aus Eoreux» daß fünf in den Krankenhäusern liegende Opfer des Unglück* ihren Verletzungen erlegen sind. Unter deu Trümmer» liegen übrigens noch immer Leichen, und man wirb ihr* Bergung erst heute nachmittag fortsetzen, da gegenwärtig die technische Untersuchung über die Ursache des Unglück* stattfindet. Oer EM chics CharaklcralhlcfCH 2nr Nafurgesdiidife eines natlonalsozlalisflsdien Abgeordneten- Nationalsozialistische ude vor dem Reldisgeridit », k® cr Kampf um Torgler entwickelt sich nun mit aller a,?^t. Es erscheint als Zeuge der nationaliozialiitischc ^e'chstagsabgeordente K a r w a h n e. Ehe man die heroische Persönlichkeit dieses hitlerischen Ehrenmannes und die Be- kutung seines Eides beurteilt, stelle man sich vor, was die,er Parlamentarier der neuen Herrlichkeit dem Gerichtshof und °kr Welt zu glauben zumutet: Die Kommunisten haben vor, °°n Reichstag in Brand zu stecken. Um das recht geheim zu «alten, entwickeln sie einige Stunden vor dem Feueranlegcn w ihren Fraktionszimmern eine Betriebsamkeit wie nie. î'e zur Brandstiftung Befohlenen gehen auffällig ein und aus. Der Organisator des Verbrechens, Ernst Torgler, setzt 'ch mit seinen Mitverschworcnen Popoff und van der Lübbe !"°en Vorraum des Hauptausschusses, den jeder, der sich in . n Korridoren bewegt, passieren muß. Nicht etwa, dan sich f le Beilegte Erscheinung des Abgeordneten Torgler mit 5 ê?. auch äußerlich als Vagabunden erkenntlichen van der ^"bc in eines der zahlreichen Arbeitszimmer zurück- Geigen hätte. Nein. Torgler hat sich nun einmal in den Kopf Gesetzt, gerade dem nationalsozialistischen Abgeordneten Kar- ^Gb»e zu zeigen, wer die HauptbeteUigten am Reichstags- vrand sein werden. Torgler in selbstmörderischer Verblendung war gewillt, sich das Gegenteil eines Alibis und lUlgen nationalsozialistischen Abgeordneten das Ethos eines beiligen Eides deutscher Christen z« schaffen. Darum prasen- 'ert er sich stundenlang mit van der Lübbe und Poposf den î!^etern der nationalsozialistischen Fraktion. «o die Erzählungen des Herrn Karwahne, die er feierlich ocschwörtl Wer aber ist dieser nationalsoziali, tische Charakter? Im Reichstagshandbuch äußert er sich über seine Vergangenheit und seine Verdienste mit einer Bescheidenheit, °>e vorteilhaft von der Ruhmredigkeit seiner Fraktions- Pflegen absticht. Man erfährt da nur, daß er katholisch ist, Bctriebsangestellter in Hannover und im Jahre 1887 dem Deutschen Volke geschenkt wurde. Nichts von seiner politischen Entwicklung, nichts von kriegerischen Heldentaten, nichts von Erden und Ehrenzeichen. Die anderen Nationalsozialisten schreiben lange Riemen ins Reichstagshandbuch. Herr Kar- Wahne allein ist zurückhaltend. Er hat dazu allen Grund, oenn er war noch vor einigen Jahren einer der allcrradi- Elsten Kommunisten. Die offizielle Partei war ihm nicht 'charf genug. Er, der Antisemit, stellte sich hinter den über- Radikalen Führer Iwan Katz. Wegen banbenmäßiger Heberfälle wurde der Bandit später aus der KPD. aus- Geschlossen. Als Torgler ihm zusetzt, stellt es Herr Karmahne so hin, als habe er durchaus die kommunistischen Arbeiter aus den Klauen der russischen Bolschewiken und der jüdischen internationale befreien wollen. Ausgerechnet Herr Kar- Wahne mit Herrn Iwan K a tz! Man tritt diesem hervorragenden Mitglied der National- 'azialisten und diesem klassischen Zeugen des Herrn Ober- îeichsanwalts gewiß nicht zu nahe, wenn man von ihm sagt, baß er ein recht schwankender Charakter ist und seine Glaub- Würdigkeit seinen Charakterschwächen entspricht. Was über- baupt Nationalsozialisten unter ihrem Eid alles aussagen. Da wurde am 23. Oktober der Tagespförtner des Reichstags, Hornemann vernommen, auch ein Nationalsozialist. Er hat den Abgeordneten Koenen mit scheuem Blick und hoch- Geschlagenem Mantelkragen in den Reichstag kommen sehen. T'as kam ihm verdächtig vor, weil an jenem Tage Tauwetter Geherrscht habe, so sagte er unter seinem Eid. Es wird sofort nachgewiesen, daß am 27. Februar F r o st- wetter war mit fester Schneedecke und einer Temperatur bis zu 5 Grab unter Null. Nachdem der Zeuge so auf einem seinen Meineid ertappt worden ist, fällt ihm plötzlich ein. baß er Dimitroff am Brandtage nachmittags im Reichstag Gesehen hat. Der Gerichtshof ist sprachlos und die Zuhörer lachen. Man weiß, daß Dimitroff an jenem Tage in München war und auch der Staatsanwalt dieses Alibi an- erkennt. Dimitroff. schlagfertig wie immer, gratuliert dem Dberreichsanwalt zu diesem Zeugen. Noch mehr darf man die nationalsozialistische Fraktion End ihren Anklagevertreter, dem Herrn Oberreichsanwalt zu dem Charakterathleten Karwahne beglückwünschen. Daß bie gleichgeschaltete Presse jeden Lumpen feiert, der Torgler du belasten sucht, versteht sich am Rande. Als einer der nächsten Zeugen wird der frühere kommu- uistische Reichstagsabgeordnete Dr. Neubauer ver- Nammen werden. Er wurde aus dem Konzentrationslager vorgeführt und sieht so aus, wie alle Gefangenen in diesen Höllen: abgemagert und krank. Nach fünf Minuten wurde er herausgewinkt und gefragt, was er über die Person van der Lübbes zu sagen habe. Er habe sosort erklärt: Der hier fitzende Mensch ist der. der mir mit Torgler im Reichstag entgegenkam! Der Angeklagte van der Lübbe wird vor den Richtertisch geführt. Der Zeuge erklärt auch heute, daß er mit aller Bestimmtheit Lübbe als den wiedererkenne, den er damals mit Torgler zusammen im Reichstag traf. Van der Lübbe wird gefragt, ob er den Zeugen kenne oder einmal gesehen habe. Van der Lübbe verneint dies Als nunmehr auch der Abgeordnete Torgler vor den Richtertisch geführt und neben van der Lübbe gestellt wird, erklärt der Zeuge Kar- mahne mit aller Bestimmtheit, an der Richtigkeit seiner Aus- sagen bestehe gar kein Zweifel. Die Frage des Ober- reichsunwalts, ob es vielleicht Dr. Neubauer gewesen sei, der bei der zweiten Begegnung mit Torgler zusammen war, verneint der Zeuge. Er hätte Dr. Neubauer, der ihm seit Jahren gut bekannt sei, erkennen müssen. Senatsbeschluß über Fragen Torglers Unter Heranziehung der Untersnchungsprotokolle kam eS sodann zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Vor- sitzenden, dem Oberreichsanwalt, RA. Sack und dem Zeugen Karwahne. Dieser erklärt schließlich auf Vorstellungen des RA. Dr. Sack, er habe von Verbrecher- typen gesprochen, die sich in der Umgebung Torglers oder sonstiger kommunistischer Führer bewegten. Wenn die Kommunistische Partei dazu übergehe, in Deutschland irgend- welche politische Massen zu organisieren, würden immer Menschen von irgendwoher genommen, die man als inter- nationale Verbrecher bezeichnen müsse. Aus dieser Erkennt- nis heraus habe er seine Aeußerung getan. Auf die Person Torglers im besonderen habe er sie nicht gemünzt. Der Angeklagte Torgler stellt an den Zeugen einige Frage» über etwa sieben Jahre lang zurückliegende Vor- gänge, die mit der früheren Zugehörigkeit des Zeugen Karwahne zur Kommunistischen Partei im Zu- sammenhang stehen. Der Zeuge erklärt, er denke nicht daran, diese Frage zu beantworten. Auch der O b e r r e i ch s- anmalt erklärt die Frage als nicht zur Sache gehörig. Trotzdem ersucht RA. Dr. Sack um einen Scnatsbeschluß, da die Fragen Torglers mit der subjektiven Einstellung des Zeugen zusammenhängen. Der Vorsitzende teilt mit. daß das Gericht in einer Pause darüber beraten werde, ob diese Frage zu beantworten sei. Zu Beginn der Nachmittagssitzung teilt der Vorsitzende mit, der Senat habe beschlossen, die Fragen Torglers zuzu- lassen. „Ich denke nicht daran.. Der Angeklagte Torgler wiederholt seine Fragen. Karwahne bestätigt, daß er in Hannover zu der Umgebung von Kotz gehörtes der Zeuge weigert sich aber, die anderen Fragen zu b antworten. Erst als der Vorsitzende diese Fragen aufnimmt, erklärt er: Wenn von LtnkS- oder Ultra- linksgruppen gesprochen wird, so handelt es sich um eine Darstellung, die nur in den Köpfen einzelner kommunistischer Führer gespukt hat. Die politische Auseinandersetzung der Kommunistischen Partei um 1925 ging nur darum, ob der deutsche Arbeiter länger in einer Bewegung bleiben solle, die von der Internationale in Moskau bevormundet würde. Ob links oder rechts, das war nur ein dialektisches Aus- weichen vor dieser Frage seitens der Leute, die unter dem direkten Befehl von Moskau standen. Die Frage des Vor- sitzenden, ob die Gruppe Katz besonders radikal ge- wesen sei, verneint der Zeuge. Daß Leute wie Katz an der Spitze der Gruppe standen, erkläre sich daraus, daß Katz als derjenige galt, der seit langem die Beeinflussung durch Ruß- land ablehnte. Als sich herausstellte, daß Katz andere Ab- Fin junger Jude, Bräutigam einer Christin, wird im Auftrage Streichers, des intimen Freunde« Hitlers, unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Straßen Nürnbergs geführt 24. Verhandlungstag Fortsetzung aus Nr. 199 Berlin. 25. Okt. Die heutige Zeugenvernehmung be« Ginnt mit der Aussage des nationalsozialistischen Reichstags- Abgeordneten Karwahne der zusammen mit dem Reichs* iagsabgeorbneten Frey lMünchenj und dem Landesbetriebs- zellenobmann K royer aus Linz am Nachmittag des Brand- iGGes im Reichstag eine Begegnung mit dem Abgeordneten Torgler hatte, der sich tn Begleitung des Angeklagten van ?er Lübbe befunden habe. Der Name van der Lübbe sei ihnen damals natürlich noch nicht bekannt gewesen- Torgler hatte, so bekundet der Zeuge, einen völlig anderen Eindruck "is sonst gemacht. Er sah bleich aus und schreckte auch sofort zusammen, als er uns sah. Seine sonst zur Schau getragene Ruhe war vollkommen dahin. Später seien sie dem Abge» ordneten Torgler. der mit einer anderen Person auf einer Eederbank vor dem Haushaltsausschußsaal saß, noch einmal begegnet. Um 4 oder halb 5 Uhr hätten sie, Karwahne, Frey üüd Kroyer. den Reichstag wieder verlassen. Der Zeuge Karwahne gibt weiter an, er und seine "egleitei seien beim Verlassen des Reichstages das Gefühl üicht losgeworden, daß irgend etwas nicht stimme. Im kommunistischen Fraktionszimmer gingen viele Personen Umher, die eine gewisse Aufgeregtheit zur Schau getragen hatten. Van der Lübbe habe er nach dem Bilde hauptsäch- iich am Gesicht wiedererkannt Den Typus Lübbes könne er nicht verwechseln, ob er ihn einmal oder zehnmal sähe. Karwahne schildert dann seine erste Vernehmung auf dem Polizeipräsidium in der Brandnacht. Er wurde in das Ver- iichmungszimmcr geführt, wo van der Lübbe bereits war, und wurde so gesetzt, daß er van der Lübbe unbemerkt be- obachten konnte. Cenaa nadi Vorbild Dollfuß behandelt die Nazis nach ihren eigenen Methoden Die österreichische Bezirkshauptmannschast Kufstein hat drakonische Straten für das Abbrennen von Hakenkreuz- feuern aus den Bergen, das sich trotz den Verboten immer wieder wiederholte, verordnet. Bisher war es nicht ei» sichten hatte, habe er da« Feld räumen müssen. Zum Ruf „Los von Moskau" habe sich als zweiter Ruf gesellt:„Los vom internationalen Juden!" Aus die Frage Torglers, ob Karwahne 1025 an dem Sturm aus das kommunistische Parteihaus an führender Stelle beteiligt war, erwidert Karwahne, er denke nicht daran, diese Frage zu beantworten, denn er wolle nicht deutsche Menschen an die Dritte Internationale aus- liesern. Das müsse aber geschehen, wenn er wahrheits» gemäß unter seinem Eid aussagen würde. Neue Weigerung Er weigert sich feiner, die Frage Torglers zu beank- Worten, ob er 1925 nach seinem Ausschluß aus der Kommu- nistischcn Partei Material an bürgerliche Zei- tungcn geliefert habe. Auch nach einem Hinweis des Vorsitzenden auf den Scnatsbeschluß bleibt der Zeuge bei seiner Weigerung und protestiert energisch gegen seine„Vernehmung durch den Angeklagten Torgler". Als ein B e i>> tz e r bemerkt, er brauche doch nur ja odernein zu sagen, erklärt Karwahne, er habe niemals für bürgerliche Zeitungen Artikel geschrieben,' auch Material habe er nicht geliefert. Ter Angeklagte Torgler behauptet dann, daß er bei der ersten Begegnung mit Karwahne im Reichstag am 27. Februar aus dem Sola gesessen habe. Der Zeuge Kar- mahne erklärt diese Behauptung sür absolut falsch. Erst bei der zweiten Begegnung habe Torgler aus dem Sosa gesessen. Noch ein Edelrnensch Als nächster Zeuge schildert der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Frey, München, die Begegnung mit Torgler En Reichstagsgebäude. Auch ihm sei die Verstört- heit Torglers aufgefallen. Seinen ersten Begleiter habe er nicht genau betrachtet, er könne deshalb nicht mit Gewißheit behaupten, daß van der Lübbe der Mann war, der m itTorgler vorbeiging. Er habe aber den Eindruck eines Menschen gemacht, der nicht in den Reichstag hineingehörte. Deshalb sei ihm auch der zweite auf dem Sofa sitzende Begleiter Torglers aufgefallen, der ein blasses Gesicht und einen außerordentlich stechenden Blick gehabt habe. Bei der Gegenüberstellung habe er ihn als P o p o f f wiedererkannt. Der Borsitzende hält dem Zeugen vor, daß er bei seiner Vernehmung in der Nacht zum 28. Februar aus dem Polizeipräsidium van der Lübbe mit aller Bestimmtheit als den ersten Begleiter Torglers wiedererkannt habe. Der Zeuge gibt das zu, erklärt aber, daß van der Lübbe bei einer späteren Gegenüberstellung auf ihn den Eindruck eines größeren Menschen als des damaligen Begleiters von Torgler machte. Es war möglich, daß van der Lübbe bei der Begegnung mit Torgler mehr zusammengeduckt war. aber mit Bestimmtheit könne er nicht sagen, daß van der Lübbe der Begleiter Torglers gewesen sei. Nunmehr wird der Angeklagte P o p o f f vor den Richter- tisch gerufen. Der Zeuge Frey beobachtet ihn scharf und sagt dann:„Das ist der Mann, der neben Torgler gesessen hat!" Eine Verwechslungsmöglichkeit hält der Zeuge sür ausgeschlossen, es sei denn, daß Poposf einen Doppel- gängerhabe. Das Gericht beschließt, im Vorraum deS HaushaltsaaleS einen Lokaltermin zur Rekonstruktion der von den Zeugen beobachteten wiederholten Begegnung abzuhalten. Nach dem Lokaltermin, der über eine Stunde in Anspruch nahm, wird die Sitzung geschlossen. Das Ergebnis der In- augenscheinnahme wirb voraussichtlich in der nächsten Sitzung mitgeteilt werden, die am Freitag stattfindet. Ter Donners- tag bleibt sitzungsfrei. einziges Mal gelungen, der Täter habhaft zu werben. In Zukunft sollen, wie es in der amtlichen Verlautbarung heißt, falls die Täter»ich! ermittelt werden können, hervorragende Führer oder einflußreiche Persönlichkeiten der NSDAP, in den betreffenden Gemeinden festgenommen und in sogenannte „Anhalte-Lager" gebracht werden, und zivar sür die Dauer eines Jahres. Die Kosten der„AnHaltung" haben die Häftlinge selbst zu bezahlen. Die Auswahl der in Betracht kam- menden Persönlichkeiten, so heißt es dann in der Verlaut- barung weiter, ist bereits getroffen. Internationaler Dörsenlndex Im Weltbörsengeschäft mar in der letzten Woche bei größtenteils lustloser Stimmung Schwächeneigung vorherrschend. In Neuyork kam es im Lause der Woche mehrfach zu ziemlich schweren Kursstürzen, die im Verein mit der Ungewissen internationalen politischen Lage auch die europaischen Börse» zu merklicher Zurückhaltung veran- laßten. Fast alle europäischen Effektenmärkte gehen denn auch aus der verflossenen Woche trotz zeitweilig gezeigter Ansätze zu einer Tendenzbescstigung aus einem per Saldo doch etwas gesunkenen Kursniveau hervor. 10. g 23. g. 30 g. 7.10. 14.10. 21.10. Ende 1027= 100°/» 1033 1933 1933 1933 1933 1933 Berlin 21,8 26,2 26,4 25,7 26,4 25,8 London 69,1 68,8 70,1 70,6 72,2 70,6 Paris 65,7 68,1 68,7 61,6 60,2 59,7 Brüssel 82,1 31,1 31,6 80,8 29,8 28,9 Amsterdam 88,9 81,6 81,7 3l,4 81,0 81,6 Stockholm 10,9 10,8 10,7 10,9 11,8 11,1 Zürich 47,7 46,6 40,8 45.5 44,9 44,8 Wien 81,7 81,1 81 ,1 28.2 27,8 27,3 Prag 57,8 50,6 56,2 54,8 54,8 65,0 Neuyork 62,4 60,0 56,8 58,7 50,5 50.8 Durchschnitt: 43,7 42,6 42,5 41,7 41,4 40,5 Der aus den Akticnindexziffern der in obiger Tabelle ausgeführten 10 Effektenmärkte errechnete internationale Börseninder lEnde 1927--- 100'/»I hat in der letzten Woche einen weitere» Rückgang um etwas über 2 Prozent von 41,4 auf 40,5 Prozent erfahren und damit den niedrigsten Stand der letzten sechs Monate erreicht. Desservait des brliisdien Arbeltsmarktes Der Monatsbericht des Arbeitsministeriums zeigt, daß es im September zu einer Verminderung der ArbeitSlosig- keit um 74 410 Personen im Vergleich zu August, und um 521284 im Vergleich zu de. vorjährigen Ziffer gekommen ist. Die Kurve befindet sich in einem fast stetigen Absall. Der Rückgang war seit Februar dieses Jahres der folgende; Februar 46 427 März 80 454 April 78 550 Mai 144 755 Juni 144 771 August 81088 Eine Ausnahme hatte der Juli gebildet. In ihm war die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 4067 gestiegen, jedoch im Vergleich zu dem Vorjahr um 369607 gesunken. Die Verbesserung der Arbeitslage war im September noch beträchtlicher als die angegebenen Ziffern zeigen. Nach Schätzungen des Arbeitsamtes erhielten in dem genannten Monat 86 000 Personen mehr Beschäftigung als im August und 660 000 mehr alS im Jahre 1932. Die Zahl der Arbeits- losen betrug am 25. September noch 2 886 727. Abstieg des deutsch-holländischen Warenverkehrs In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist die deutsche Einsuhr nach Holland gegenüber der gleichen Zeit des Borjahres von 7,8 Millionen Tonnen im Werte von 298 Millionen hfl. aus 6,4 Millionen Tonnen im Wert« von 275 Millionen hfl. zurückgegangen. Andererseits hat sich auch die holländische Aussuhr nach Deutschland stark verringert: sie betrug 1,8 Millionen Tonnen im Werte von 117 Mil- lionen hfl. gegen 2,04 Millionen Tonnen im Werte von 137 Millionen hsl. im Vorjahre. Der Ucberschuß der Gin- fuhr von Deutschland nach Holland ermäßigte sich von 161 auk 158 Millionen hsl. Großhandelsindex steigt weiter Die vom Statistischen Neichsamt für den 18. Oktober be- rechnete Indexziffer der Großhandelspreise stellt sich auf 95,9,- sie hat sich gegenüber der Vorwoche(05,6) um 8,8 Proz. erhöht. Die Indexziffern der Hanptgruppen lauten: Agrarstoffe 98,2(+ 1,0 Proz.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 88,8 junv.) und industrielle Fertigwaren 118,8 funvändertj. Die entsprechenden Zahlen vom 19. Oktober 1982 lauten: Gesamtindex 94,5; Agrar 88,2, industrielle Rohstoffe 88,4, industrielle Fertigwaren 114,6. Koniamara ROMAN VON l O N A Z I O S I L 0 N E „Ich verstehe nicht," begann Berardo kurz daraus von neuem,„ich verstehe nicht, warum die Städter eine Zettung gedruckt haben, die sie gratis an die Cafont verteilen... Ich verstehe auch nicht, warum der große Unbekannte sich nicht um seine eigenen Angelegenheiten kümmert? Ist er vielleicht Papierhänbler und druckt Zeitungen, um sein Pa- pier loszuwerden?" „Sind denn alle diese Leute, von denen du erzählst, ver- rückt, baß sie auf die Galeeren gehen?" hörte ich Berardo weiterfragen.„Und wenn sie nicht verrückt sind, waö haben sie dann für Gründe?... Und die, von denen du gesprochen hast, die von der Regierung erschossen wurden, was hatten sie für Geschäfte?... Ist vielleicht das Tichcrschtcßeniassen eine Art, seine geschäftlichen Interessen zu wahren?" Der Avezzaner mußte begriffen haben, daß Berardo die meisten Einwände für sich felbst machte. Die Hoffnung, die er bei der Abreise von Fontamara noch hatte, war zerstört. Die Möglichkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Arbeit zu finden und ein Stück Land zu kaufen, war ver> schwunden. A»e Wege waren verrammelt. Der Podesta hatte es so gewollt.„In nationaler Hinsicht ganz unzuverlässig", und damit waren alle Wege verbaut. To mußte Berardo seine alte Denkart neu in sich hochkommen fühlen. Die Ein- wände, die er dem Avczzaner machte, waren sein letzter Widerstand. Das Gespräch mußte allmählich aus andere Länder und auf Rußland gekommen sein, denn ich fing folgenden Satz des Berardo auf: „Rußland?.. Sag mir die Wahrheit: gibt es wirklich dieses Rußland, von dem so viel gesprochen wird? Alle reden davon, aber keiner ist dort gewesen. Wenigstens ist nie ein Eafone dort gewesen. Obwohl die Easoni überall hingehen »ach Amerika, nach Afrika, nach Frankreich. Aber niemand ist tn Rußland gewesen" Rückgang der Braunkohle Der Verein fitr die Interessen der Rheini- schen Braunkohleninduftrie e. V., Köln, berichtet über das Geschäftsjahr 1982, daß der Braunkohlenbergbau weiterhin unter Rückschlägen zu leiden hatte. Während die Braunkohlenförderung der Welt von 184.5 aus 171,2 Mil- lionen Tonnen, also um 7,2 Prozent, und die Europas von 172,2 aus 160,1 Millionen Tonnen oder um 7 Prozent zurück- ging, betrug die deutsche Braunkohlenförberung 122,5 Millionen Tonnen gegenüber 188,3 Millionen Tonnen im Borjahre, was einem Rückgang von 8,1 Prozent entspricht. Die Förderung des Rheinlandes ermäßigte sich auf 38,8(41,9) Millionen Tonnen oder um 7,2 Prozent, die Erzeugung Mitteldeutschlands aus 81,1(88,5) Millionen To., d. h. um 8,4 Prozent. Die Brikettherstellung verringerte sich im rheinischen Braunkohlenrevier auf 9<9,8) Millionen To., in Mitteldeutschland auf 20,7<22,5) Millionen Tonnen.; in beiden Bezirken war also«ine Einbuße von rund 8 Prozent zu verzeichnen. Münzen statt Noten Die Nachricht von der Einziehung der Zehnmarkschekne der Retchsbank, die wir veröffentlicht haben, kommt nicht ganz unerwartet. Seit Ausbruch der Krcbitkrise vor etwa zweieinhalb Jahren wurde der Umlauf an 10- und 20- Marknoten, besonders aber an Zehnmarkscheinen, syst«- m a t i s ch dadurch verringert, daß die ReichSbank die auS dem Verkehr zurückfließenden Scheine nach Möglichkeit nicht wieder ausgab, sondern durch Hartgeld ersetzte. Ein wesentlicher Grund für die Maßnahme be- standdarin, baßmanfttrdteNotenetnerGold- oder Devisendeckung bedarf, fltr die Münzen aber natürlich nicht. Außerdem fah daS Reich ein« Vermehrung des Münzumlaufs schon deshalb gern, well die Neuprägung von Metallgeld für den FiSkuS einen beträcht- lichen Gewinn abwarf, der in der Zeit der schwierigen Budgetlage doppelt willkommen sein mußte. Verkauf stockt— Lager wächst Die„Frankfurter Zeitung" berichtet: Während alljährlich um diese Jahreszeit, bedingt durch daS Nachlassen der Bautätigkeit, Arbetterentlassungen gröberen Stil» bei der AG. Buoerussche Eisenwerke, Wetzlar, üblich waren, hat sich die Gesellschaft in diesem Jahre entschlossen, die durch Ncueinstellungen im Laufe dieses Jahres ganz wesentlich vermehrte Glfjamtbelegschast den Winter über in Arbeit zu halten. Am 1. Oktober beschäftigte das Unter- nehmen 3966 Angestellte und Arbeiter, da» ist gegenüber dem 1. Januar ein Mehr von 1052 Personen. Infolge dieses Beschlusses wird bis zum 81. März n. I. mit einem Lager- zugang im Verkaufswerte von über 2 Millionen Reichs- mark gerechnet. Werden somit erhebliche Mittel gebunden, so sei doch zu hoffen, daß im Laufe des nächsten Jahre» dies« Bestände abgesetzt werben können. Wetterhin wird zur Zeit die Möglichkeit einer Erweiterung der Jnstandhaltungs- arbeiten auch während der Wtutermonate geprüft. „Lehr kritisch" Auf einer in Freiburg f. vr. abgehaltenen Tagung der badischen Textilindustrie wurde die Geschäftslage der Tertil- industrie als noch sehr kritisch bezeichnet, der Aus- tragseingang habe fast in allen Zweigen stark nach» gelassen, die erztelbaren Preise seien vielfach noch nicht gewinnbringend. Das Durchhalten der Belegschaft sei viel- fach nur durch Kurzarbeiten ermöglicht worden. Immerhin sei e» trotz der unsicher» Beschäftigung gelungen, seit Friihjq.hr rund 2500 Arbeitskräfte mehr einzv- stellen. Auslandgeschäft liegt darnieder Bei der F e lt e n u. G u t l l e au m e E a rl» w e r k A G., Köln-Mülheim, hat die Beschäftigung eine wettere Besserung erfahren. Zur Zeit dürfte der Auftragsbestand gegenüber dem Krisenjahr 1982, in dem der Absatz außerordentlich zurückgegangen war,»m 20 bis 25 Prozent höher liegen. Di« jetzige Besserung entfällt ganz aus das JnlandSgeschäst, wo vor allem Aufträge der öffentlichen Stellen zur Belebung des Geschäf/s beitrugen. Das Auslandsgeschäft liegt da- gegen darnieder. Während in jrüheren Jahren an dem Ge- samtumsgtz bei Feiten das Ausland mit durcklchntttlich 60 Prozent beteiligt war, beträgt der augenblicniche Anteil des Auslandes weniger als 40 Prozent an dem inzwischen wesentlich zurückgegangenen Gesamtumsatz. In einigen Punkten war Berardo unerschütterlich, zum Beispiel, wenn da» Gespräch auf die Freiheit kam. „Die Freiheit, öffentlich zu sprechen?" fragte Berardo. „Wir find doch keine Rechtsanwälte-.. Die Pressefreiheit? Aber wir sind doch keine Setzer. Warum sprichst du nicht lieber von der ArbeitSsrethett, von der Erlaubnis, Land zu besitzen?" Da bin ich— ohne eS zu merken— eingeschlafen- Ich mochte schon einige Stunden geschlafen haben, als Berardo mich weckte. Er saß zu meinen Füßen und der Avezzaner hielt sich in seiner Nähe. Ich wunderte mich, daß sie immer noch wach waren und diskutierten. „Ent'^'ildige," sagte Berardo zu mir,„ich lasse dich gleich wieder ichlasen.. Kennst du eigentlich die Geschichte des Prinzen Torlonia?" „Tie interessiert mich nicht," gab ich zur Antwort. „Alle Geschichten von Prinzen sind gleich. Laß mich schlafen* „Du mußt aber doch wissen, daß der sogenannte Prinz Torlonia weder ein Prinz, noch ein Torlonia ist." „Du träumst wohl?," fragte ich Berardo- „Du mußt wissen," fing Berardo wieder an,„daß der so- genannte Prinz Torlonia, den die Easoni wie einen Halb- gott verehre», vor rund hundert Jahren als Marketender eine» französischen Regiment» nach Italien kam. El war kein Prinz, nicht einmal ein Eava.'iere rwe Don Pazienza Er war ein Wein- und Wursthändler. Er hieß auch nicht Torlonia. sondern Torlogne. Er war ei» Fran- zose, ein Spekulant- Er spekulierte in Krieg, er spekulierte in Salz, er verdiente an den Pfaffen, er verdiente an den P emontesen er stahl von recht» und stahl von link» und wurde zuletzt zum Grafen erhoben und dann zum Prinzen gemacht..." „Du träumst wohl?" fragte ich Berardo zum zweitenmal. Aber Berardo kehrte mir den Rücken und begann wieder mit dem Avezzaner zu reden Ihre Meinungen gingen nicht mehr auseinander. An seiner Art zu sprechen und sich zu bewegen sah man, daß Berardo jeden Widerstand anfgegeben hatte. Er war wieber der Alte Das wa» er mir über Tor- lonia erzählt hatte, klang ganz wie ein Märchen, aber der frühere Berardo war auf solche Märchen versessen gewesen. „Bei verkürzter Arbeitszeit" Schüchtermann u. Kremer A.-G. für Aufbereitung in Tort- mund berichten: Die Aufträge genügten nicht, trotz unoer- kennbarer Belebuna seit dem Regierungswechsel, um au»- reichend« Arbeit zu sichern. Die Erlöse deckten nicht einmal die Selbstkosten. Das Auslandsgeschäft ist stark zurück- gegangen. Bei verkürzter Arbeitszeit hielt sich die Zahl der Angestellten ungefähr auf Borjahrdhöhe. Die Arbeiterzahi war am Ende des ersten Geschäftsjahres ungefähr 50 Prozent höher al» in der gleichen Zeit des Vorjahres Weitere einschneidende Sparmaßnahmen müßten noch getroste» werden. Ruhrkohlenabsatz im September ^ Nach den Abrechnungen des Rheinisch-Westsälische» Kohlen-Svndtkats stellen sich die Absatzzahlen für September diese» Jahres im Vergleich zu den vorhergehenden Monaten wie folgt: Gesamter Absatz im September 1933: 6 895 67» Tonnen, im August 1988: 0 438 760 Tonnen, im Juli 1988-' 6 852 940 Tonnen, im Juni 1938: 6 271 903 Tonnen. Amtlich verfügte Produktionsbeschränkung Auf Grund einer Anordnung de» Reichswirtschast»- ministers ist bis zum 81. Dezember 1934 verboten: a> die Herstellung von Jutegarnen oder Jutegeweben neu autzu- nehmen. b> in einem bestehenden Unternehmen die Zahl eer«pindeln oder Webstühle zu vermehren, die der Her- stellnng von Jutegarnen oder Jutegeweben dienen,«) tn einem bestehenden Unternehmen von der Herstellung von Jutegarnen oder Jutegeweben aus die Herstellung vo" Garnen oder Geweben aus andern Faserstoffen neu über- zugehen. Die Maßnahme, heißt e». sei„angesichts der geringen«»*- Nutzung der einschlägigen Betriebe" notwendig geworden. Deutsche Presse boykottiert Die Presseabteilung de» Volkskommissariats W* auswärtige Angelegenheiten hat Me in Ruß- land anwesenden Berichterstatter ausländischer Blätter, vor allem die Vertrete, amerikanischer Presseagenturen, unterrichtet, daß die Absenkung von Depeschen ober Artikeln tiler die Towjet-Union nach Deutschland streng verboten iü. Di« Sowjet-Regierung wünsche, zu verhindern, daß st« Deutschland nach Abbruch der journalistischen Beziehungen der in Rußland zugelassenen ausländischen Presseagenturen bediene. Deutscher Arbeiterbrief G.. 6. Oktober 1988. Bei un» ist jetzt eine ganz tolle Wirtschaft. Bankrotte Bau- sührer werden bei der Gewerkschaft als Bonzen unter- gebracht. Beim Bauarbeiterverbanb sitzen drei solcher Baga- bunden im Büro, ein verkommener Bauführer, ein Prokurin Ullrich jTscheche), trotzdem strammer SA-Mann, und et» Kaufmannssohn lJtaliener). Das sind jetzt schlesische Bau- arbetterführer. Da sie in ihren bisherigen Wohnungen keine Miete zahlten und deshalb exmitiert werden sollten, wurden die Wohnungen im Gewerkschastßhauö für sie frei gemacht. Die Mieter werben einfach hinausgeworfen. Aus der Schankstätte hat man den alten Wirt herausgeschmissen, uno da sich kein anderer Pächter fand, wurden einfach weitere Büro» eingerichtet. Gebaut wird hier nur eine Baracke und ein Hau» von der Wohnungsfürsorge. Ich bin seit arbeitslos und geht es allen Kollegen. Den 18- bis 25jährigen haben sie die Stempelkarten abgenommen: dt« bekommen keine Unter- stützung. Diese müssen entweder zum Bauer gehen oder st« zum freiwilligen Arbeitsdienst melden. Ab 1. Januar svu es ZwangSarbeitsdienst werden. Auf dem Arbeitsamt wir» nnS gesagt, nur SA.- und SS.-Leute erhalten Beschäftig»»!!. Doch sind diese schon unruhig, daß man ihnen dauernd Beschäftigung anbietet. Jetzt haben sie ihnen versprochen, da« ein Verheirateter mit zwei Kindern 40 Mark die Wo«« erhalten soll, bloß weiß ich nicht, wer das zahlen soll. Dit in Arbeit Stehenden verdienen jetzt noch 14 bis 22 Mk- d>e Woche. Reden kann man mit keinem Menschen; jeder ballt nur im Stillen die Faust. Die Teuerung greift immer mehr um sich. Tie Buiter kostet jetzt 1,54 Mk. das Pfund- Speck 1,— Mk. und Marga- rine die billigste 68 Pfg. das Psund. Aber die gibt es hier nicht und so müssen wir die teuere, das Pfund zu 1,— Mk-« kaufen. Im P haben sie die Zäune beschrieben und Zettel angeklebt; da stand folgende» drauf: Bei Brüning und bei Pape», da aßen wir noch Braien; Bei Hitler und bet Göring, da langt» nicht mehr für Hering. Während sie diskutierten, schlief ich ein zweite» Mal ein- Al» ich wieder aufwachte, war es taghell. Berardo ging mit Riesenschritten in der Zelle hin und her. wie«in Löwe im Käfig. Der Avezzaner lag tn meiner Nähe, aber er schlief nicht. Er war so nahe, al» wollte er mich damit wecken. „Hast du Vertrauen zu Berardo?" fragte er mich leise. „Ja." antwortete Ich. „Alle Easoni sollen Vertrauen zu ihm haben," fügte der Avezzaner hinzu. Du mußt es in Fontamara ausrichten: alle Easoni solle» Vertrauen zu ihm haben. Er ist ein außergewöhnlicher Kerl. DaS, was er erlebte, mußte er erleben. Vielleicht gibt e» heute tn ganz Italien keinen zweiten Easoni wie ihn. DaS sollst du in Fontamara den ander» sagen. Tut. was Berardo euch raten wird- Zweifellos wer- bei ihr zwei heute oder morgen tn Freiheit gesetzt und nach Hause geschickt Mein LoS ist vielleicht ein andere». Verzeih, wenn ich dir das nicht erkläre, in Fontamara wird Berardo es tun. Al» erste« muß sich Berardo mit Nafsaele Scarpone versöhnen. DaS übrige weiß er" Um acht Uhr brachte man uns einen Tops Kaffee. Berardo unterbrach seine Wanderung und sagte zum Wärter: „Ich möchte sofort mit dem Kommissar sprechen" „Warle, bis du an der Reihe bist" antwortete der Wärter und ging. Dteie Worte waren dem Avezzaner nicht entgangen und er iah Berardo voller Entsetzen an. Er wagte nicht, ihn»>v Erklärungen zu bitten, aber die Angst vor Verrat blieb i» seinem Blick Um neun Uhr wurden wir zu dritt vor den Kommissar ge- führt. Berardo trat vor und sagte: „Herr Kommissar, ich bin bereit die ganze Wahrheit z» sagen" „Sprich!" befahl der Mann des Gesetze«. „Der Pack verbotener Drucksachen in der Kneip« beim Bahnhot gehört mir Ich habe die Flugblätter drucken lassen, um sie unter die Easoni zu verteilen... Ttr große Unbekannte— bin ich." iFortsetzung folgt.) deutsche Stimmen•(fieîiaée zur„^Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Freitag, den 27. Oktober 1933 Jkafessaceaauf Qaleece Das ist aus den„Qelehetencepullihen" geworden JU deutschen Professoren haben, wie zu deren Schande die ÄtJ® eU""«b. sich nicht nur zähneknirschend dtr Zw^S^ à chschaltung gefügt. Tie waren schnell dabei, ihre F i Wissenschaft mit den Interessen des totalen«taa^es und entsprechenden Ideologie zu harmonisieren Ed> g'bt , Kollegstunde mehr an deutschen Un.versitaten. in der "'cht der Herr Dozent befehlsgemäß und gesinnuiigsbcttnirn seinen Stoff eine kleine Huldigungsarabesle fur das -dritte Reich" anbänat .'ê dankt ihnen das der totale Staats Indem ihre bisherigen Reckte nimmt, s.e d'kta. 1 Mch dem Führerprinzip unterjocht und rrsklavt. Ein Beispiel aus Hessen:. »Die neu« Berianuna welche die hessische u n l v e r s\- |/|r sieben erhalten hat, unterscheidet sich."^"«^anä dem M."^iassungen der Vergangenheit dadurch, dab sie aus dem ». î i>rs Nationalsozialismus kommend auch an der Hoch Ts das Führerprinzip durchführt. rft= . Rektor ist Führer der Land e s»" i v e t t firn"n ft 0,8 solcher dem Staate verantwortlich. ES stehen de? tot Befugnisse des bisherigen engeren Senates und tu« lNesamtsenates. des früheren Kanzlers und Verivat 'ungsausschuneo zu. Er wirb vom Ret ch S st a t» lter ernannt und verpflichtet. Er Ickldgt a^ .,?ch'olger einen ordentlichen Proses,or vor. Dem Rektor fiifc Cln Kanzler(Professor oder Privat-Dozent) als Zweu '"drer zur Seite, der auf Vorschlag des Rektors vom Leiter ^vorgesetzten Ministerialabtcilung ernannt und ver S« wird. Die Verantwortung gegcnübcr der M.nlne rialabteiluiig bleibt bestehen, wenn er Angehörige der ^andesuniversität mit bestimmten Rektoratsgeschà tcil be- !>?ut. Der Rektor ernennt den Ephorus. an denen lellung sich nichts ändert.„_..., r »?® beratendes Organ steht dem Rektor der V e n a t zur te, der keine Beschlüsse mehr saßt. Ab- gftffîsrwîaBSstemÂÂ&,*»s^J^ I e, r Studentenschaft und ein von diesem bestimmter»weiter Dtubent sind zu den Verhandlungen des«cnats»uzuzlehen, » welchen die Studentenschaft berührende Angelegenhellen oehandelt werden.„... Die Dekane werden vom Rektor unter Z u st i m- w u n g der M i n i st e r i a l a b t e i l u n g einen n t und "ttb verantwortliche Führer der Fakultät. Die Prodekane "ehtnen innerhalb der Fakultät eine ähnliche Stellung ein, der Hochschulkanzler. A b st i m m u n g e n t n ne r halb Deka finden nicht statt. Doch hat der "«neu innerhalb der Fakultät eine ähnliche Stell d». 5.0 Hochschulkanzler. A b st t m m u n g e n t n n i z.,0 Fakultäten finden nicht statt. Doch t»?.an die Pflicht, in wichtigen Angelegenheiten der Fakul- -à'llber den Inhalt der vorliegenden Akten zu berichten. Der richäftSverkrhr der Fakultäten mit der vorgesetzten -"nifterialabtetlung läuft über den Rektor. In Streit- an.»wischen Rektor und Dekan entscheidet die Ministerial- "tel lung. ja ci u« Professor wi rd ernannt, wer von der 2>0gterung auf einen Lehrstuhl berufen wird. Reichsstatthalter kann jeden Privatdozenten nach min- üens fünfjähriger Lehrtätigkeit zum Professor ernennen. ^. vatdozenten können durch Vermittlung eines Kollegen e>m Dekan ihre Ernennung zum Professor beantragen. ,.^te neuen Bestimmungen traten mit dem 1Z. Oktober «"ses Jahres in Kraft- Mit ihnen ist der Einbau der ^andesuniversität Gießen in den Nationalsozialistischen «taat endgültig vollendet." » Man muß diese neue hessische Universitätsverfassung ge- a» lesen, um ihre ganze Tragweite zu ermesse». Früher urde der Rettor vom Senat»ach langwierigen Eignungs- rusungen und Abstimmungen gewählt. Heute wird er vom ueichsstatthaltcr ernannt. Früher hatten die Fakultäten 'angebliches Borschlagsrccht bei der Besetzung von neuen a°r freigewordenen Lehrstühlen. Sic machten in den Jahren Weimarer Verfassung eifersüchtig aus ihre Rechte in .er Gelehrtenrcpubllk und lehnten sich gegen das Ministe- 'um aus, wenn es Entscheidungen gegen ihren Willen traf. Heute gibt es keine Abstimmungen mehr. Der Minister 'nennt, die Fakultäten haben nichts mehr zu sagen. Roma '°cuta est_ causa finita. Kein Hochschulverband. J'"e Universität, keine Fakultät wagt ein ^vrt des Widerspruchs, geschweige denn r' i> e r st a n d. Braune Kommissare übermachen die Ge- 'btten, die die uniformierte Befehlögewalt über die ele- mentaren Interessen der Wissenschaft, der Forschung und ihrer Lehre realeren lassen. Diese deutsche Wissenschaft im Zeichen deS Kadavergebor- sams, des Wehrwillens und der Zwangsarbeitslager für ihren Nachwuchs verdient, was das Ausland ihren Repräsen- kanten in hohem Maße zuteil werden läßt: Verachtung. Der Gelehrtenstolz und die geistige Unabhängigkeit sind, ähnlich wie die Justiz, die Schule und das Schrifttum, an das Sklavenschiff des braunen Terrors gekettet. Und die Versklavten müssen dabei noch so tun, als ob sie sich an diesen Ketten kannibalisch wohl befänden. tDie 3(akenkceuz=Mathematiker Kampf mit kaust gegen Chaos Vier Berliner Vereine zur Förderung des mathematischen, physikalischen, chemischen und biologischen Unterrichts veran» stalteten im Auditorium Maximum der Berliner Universität eine Kundgebung, in der Professor Georg Hamel erklärte: „Die Mathematik ist für das„dritte Reich" jwte für jedes Reichs unentbehrlich... Mathematik als das Prinzip der Ordnung überhaupt ist das Urphänomen der reinen geistigen Schöpfung... Mathematik besitzt ihrem Wesen nach enge Geistesverbundenheit mit der Idee des „dritten Reiches". Beide sind heroisch, verlangen Opfer und Entsagung, erfordern Disziplin und Begeisterung für die Sache, beide bekämpfen daS Chaos.. „Wir besitzen die Mathematik des faustischen Menschen," sagte Herr Professor Hamel. 1licht mehr zugelassen! Juden und Reifeprüfungen Das sächsische Ministerium für Volksbildung hat eine Ver- orduung erlassen, wonach„Schulfremde", wenn sie eine Reifeprüfung ablegen wollen, den Nachweis arischer Abstam- mung zu erbringen haben. Als ntchtarisch gilt, wer jüdische Eltern, Großeltern, einen jüdischen Eltern- oder Großelterntetl besitzt. Als Ab- stammung gilt auch die außereheliche Abstammung Wer den Nachweis arischer Abstammung nicht erbringt, wird zu den Reifeprüfungen nicht mehr zugelassen. Die deutsche Fakultät in Tleugork Aus Deutschland vertrieben— in der Fremde begehrt Die Errichtung einer ausschließlich aus deutschen Pro- fessoren besetzten Fakultät wird von der„N e w S ch o o l f o r Social Research" in Neuyork lPräsident: Alvtn John- son) angekündigt. Diese„New School" ist eine seit 1919 bestehende Einrichtung für Erwachsenenbildung, die in ihren Formen den deutschen Volkshochschulen entspricht, im Pro- gramm und in der Auswahl der Lehrkräfte aber den Uni- versitäten nähersteht. Ihre neue Abteilung soll im wesent- lichen der Fortbildung von Akademikern mit abgeschlossenem Studium dienen. Sie ist eine besondere Fakultät mit Selbst- Verwaltung und soll in Form und Inhalt ihre Arbeit aus- drücklich den höchsten Stand deutscher Universitätsarbeit dar- stellen, frei von teder politischen Propaganda. Besetzt ist sie mit Gelehrten, die— wie es in der Ankündigung der„New School" heißt—„an deutschen Universitäten ihre Plätze aus Gründen verloren, die nicht mit ihrer wissenschaftlichen Befähigung zu- sammenhängen". Es sind die Professoren Eduard Hei mann, Emil Leberer. Arthur Fei 1er, Gerhard C o l m, Karl Brandt, Frieda Wunderlich, Max W e r t h e i m e r, Albert Salomon, HanS T p e i e r, Hermann Kantorowicz und E. v. H o r n b o st e l. Jeder von ihnen kündigt eine Vorlesung und ein Seminar an, die— zum Unterschied von den übrigen, meist auf den Abend gelegten Kursen der„New School"— meist am Vor- oder Nachmittag stattfinden. Die Unterrichtssprache ist Englisch. uu toscan ~ A t t n r o T o s c a nIni hat zwei Festkonzerte des .'westers Straram in Paris im Theatre des Champs- .^'ysees geleitet. Der erste Abend war italienischen und 'unzvsischeu Impressionisten gewidmet, der zweite— ein nchard-Wagner-Abend— mußte wiederholt werden. Der Empfang des Mästros durch daS Pariser Publikum ge- «altete sich zu einer Huldigung, deren Motiv und Ausmaß 'der den rein künstlerischen Nahmen hinansreichte. Denn <°r bedeutendste lebende Dirigent Europas und Amerikas " nicht nur eine AuSnahmeerscheinung innerhalb deS zeit- o'nössischen Pultvirtuosentums, dem er in seiner un er- 'ckütterltchen Werktreue und Schlichtheit ' M in e r wieder als leuchtendes Beispiel gel- ' c» ni u ß, er ist auch ein Vorbild menschlicher, gesinnunas- mäßiger Geradheit und llnvcirrbarteit. Als einziger unter ®kn italienischen Musikern hat e r s i ch d e m f a s ch i st i s ch e n Ödstem nickt gebeugt. alS souveräner Leiter der Mai- 'ander Scala vielmehr jahrelang in ständigem Kampf mit C A Behörden feiner Heimat gelebt Man erinnert sich jener Uraufführung von Puecini» nach- ^'lassener„Turandot", da er dem anwesenden Duee die ^"schistenhymne versagte. Man weiß, daß sich im Jabre 'big seine Situation derart verschärfte, daß Toseanini die Leitung der Mailänder Seala. die in der Arbeit eines Menschenleben« zu ihrer damaligen Bedeutung geführt ?"tte, niederlegen mußte. Zwei Jahre später ereignete sich t'ner beschämend., vom chauvinistischen Studentenpöbel pro- vvzierte„Zwischenfall", der endgültig jede weitere Tätigkeit Toscaninis in seiner Heimat unmöglich machte. Nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung der gesamten zivili- sterten Welt konnte der zunächst in seiner Mailänder Woh- nung inhaftierte Künstler Italien verlassen, um in Bay- reuth, daS ihn damals zum Ehrenbürger ernannte, einen der größten, wenn äußerlich auch geräuschlosesten Erfolge seine? Lebens zu erringen. Und wieder zwei Jahre später lehyt eS Toöcantnt in aller Form ab, nach Bayreuth zurückzukehren, das inzwischen faschi- sierte Deutschland wiederzubetreten. Im April dieses Jahres hatte er gemeinsam mit einigen Kollegen gegen die Razi-Uniate« auf künstlerischem, speziell musikalischem Gebiet— die Massenentlassungc» bedeutender und verdienter Musiker aus rassische» und politischen, also außcrkünstterischen Gründen— protestiert. Die deutschen offiziellen Stellen haben ihm und seinen Kollegen nicht ge- antwortet, die gleichgeschaltete deutsche Presse wagte nicht, Stellung zu nehmen. Toseanini wird das Land, in dem ein öffentlicher Appell der hervorragendsten Künstler kein Echo mehr findet, nicht wiederbetreten. Er wird auf daS„braune" Deutschland ebenso wie auf seine„schwarze" Heimat als Feld künstlerischer Arbeit in Zukunft verzichten. Und in diesem Augenblick kehrt er nach Paris, daS ihn lange Jahre nicht'"'br in feinen Konzertsälen gesehen hat, zurück. Man berettete dem unvergleichlichen Künstler, dem charaktervollen Menschen stürmische Ovationen. Paul Walter. Tloch sind nicht alle Märze oorlei! Mach Herweghs„Achtzehnter März") Reunzchnhundert dreißig und drei: Deutschlan» wurde zur Barbarei—: Tage des Februar, Tage des Märzen, waren es nicht Proletarierhcrzen, die voll Hoffnung damals gedacht: Kamps der Bestie— dem Volk die Macht?! Reunzehnhundert dreißig und drei: Schändliche Lüge am 1. Mai: „De» Volkes Sohn ist auch heut der getren'ste"— Waren es nicht Proletarierfäuste, die sich der Schmach cntgegengeballt: Uns täuscht nicht Bluff, zwingt nicht Gewalt! Reunzchnhundert dreißig und drei: Hitler der Blutrunst die Straße gab frei. Waren es nicht Proletarierleichen, die man erlegt mit bestialischen Streichen,— während am Werk Görtngs Brand-ttumpanei ncuzehnhundert dreißig nnd drei?! Reunzehnhundert dreißig und drei: Wer glaubt noch an Hitlers„Fricdens"-Geschrei? Hitler will Krieg, SA. will marschieren, Amok ist Trumpf, das Volk soll krepieren, Rüstungsgeschäft bricht Welten entzwei. Neunzehnhundert dreißig und drei! Reunzehnhundert dreißig und drei: Reich der Mordsaat, auch du gehst vorbei! Denn die Getrct'ncn, verkaust und verraten, denken der braunen Greueluntatcn— «och sind nicht alle Märze vorbei, nennzehnhundert dreißig und drei! Reunzehnhundert dreißig und drei: Hitler, Röhm, Göbbcls, Göring und Ley— Glaubt nicht, die Braunpcst hat ewige Dauer! Wartet nur: kommt ein Sturm erst, ein rauher—, richtet das Volk euch: dann ist es frei neunzehnhundert dreißig und drei! Lot Anker. JCäse mit Hathas und Tîlocalin Wie die Politische Korrespondenz mitteilt, hat die Regie- rung eine Käseaktlon für die Arbeitslosen beschlossen. Ueberschüssiger Käse soll an dtc Arbeitslosen zu halbem Preis verkauft werden, der halbe Preis wird durch bas ver- doppelte patriotische Pathos ausgeglichen, mit dem die Korrc- spondenz die Maßnahme begründet: Die Räder einer Wirtschast müssen ineinandergreifen, wenn der Wagen vorwärtSrollen soll. Gewaltsam zer rissen« Zusammenhänge müssen darum wiederhergestellt werden. Der Arbeitslose muß ebenso ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werden, wie die Nahrungs- mittelversorguug der Arbeitslosen ein nützliches Befrnch tnngselement unserer Landwirtschaft. Aber neben dem Pathos können sich die Kruckenkrenzler eine Gehässigkeit gegen die Arbeitslosen nicht verknetsen: und so schreibt die Korrespondenz: DaS Geld, das die öffentliche Hand und die Privat Wirtschaft den Arbeitslosen zuführen, mündet natnrnot wendig vor allem ans dem Lebenömittelmarkt, die ver hältnismäßig nicht allzu zahlreichen Fällen ausgenomnic», wo der Arbeitslose seine kleine Pfründe vertrinkt und seine Familie darben läßt. So vereint sich der Käse, den die Regierung spendet, mit dem Schmilz einer satten Moral, für die ein Arbeitsloser, der einmal ein Glas Bier trinkt, der Inbegriff alles Verab- scheuungsivürdlgcn ist. Qegen„französische Aisätze" Ein geplagter Leser schreibt dem Naziblatt„Dortmunder Gcneral-Anzetger", das, seine Frau sich a»s Grund der Nazi Propaganda das Rauche» schon„etwaS" abgewöhnt habe, was ihn sehr freue. Aber es sei bitter, daß sie immer»och„sran- zöstsche Absätze" an ihre» Schuhen trage. Das Naziblatt unterstreicht den Wunscki des armen Mannes und fordert seinerseits„schivindelfrcic Absätze". Den„Führer" und seine Agitatoren„schwindelfrei" zu machen, ist bis jetzt nicht erörtert worden. Zeit=7hti I u n g" umbenannt worden. Arbeitsschule— eingestellt Tie Zeitschrift«Die Arbeitsschule" erscheint nicht mein. Sie war da» Lrga» bei„Deutschen Hierein« für werliälige Erziehung. ll> versuchte sich gleichzuschalten, doch hat ihm dieser Versuch nicht mehr helfen können. Verboten wurden:„Schweizerische Republikanische Blätter" sRapperSwil), „Das Tvangellnm" lPragi,„Zvflnger Bvlksblatt" lZafingen). lKriminalpolizelblatt Nr. Ilî,S.j Ferner die Zeitung„L'Evell de« Peuple«"(Part«),„Volksblatt zur Weckung»nd Förderung christ- lichen Leben«" lHerausgeber: Deutscher Gemeinschafls-Diakonte» Verband, Marburg/L.)(Aktenzeichen II T 228/150.) „Die Besen tarnen" Situâtionsbericht eines Schweizers aus Deutschland Die„N a t i o n a l- Z e i t u n g" in Basel, eine der angesehensten.und ernstesten Zeitungen Euro- pas, bringt einen aus Berlin datierten„St t u a- t i o n s b e r i ch t". Die Analyse der Zustände im „dritten Reich" ist so gründlich>nd wahrhettsccht, da» wir glauben, den Aufsah im vollen Wortlaut bringen zu sollen. ^ Der plötzliche Entschluß der Reichsrcgicrung, Abrüstungs- Konferenz und Völkerbund zu verlassen, wurde von einem ^etl der Oeffentlichkeit mit lauter Zustimmung, von einem andern, sehr großen, mit Gleichgültigkeit und Resignation und von den meisten politisch Denkenden mit Entsetzen auf- genommen. Das jähe Ereignis hat das Gefühl der absoluten Unsicherheit darüber, was aus Deutschland überhaupt noch werben soll, verstärkt. Die Pressefreiheit ist zwar vernichtet? trotz der offiziellen Darstellung: Im Gegenteil, jetzt sei sie erst recht garantiert. Denn dadurch, daß die Gazetten nur noch vom Staat abhängig seien, gebe es in der ganzen Welt keine freiere Presse als eben die deutsche. Wie sehr aber der Presse selbst diese angeblich unüberbietbare Freiheit zu schassen macht, beweist die Tatsache der darntederliegenden oder gar bankrotten Zeitnngsverlage landauf, landab. Das Publikum hat die Uniformität und Unzuverlässigkeit der Gleichschaltung satt uild kauft die Zeitungen immer weniger, die meisten Arbeiter lesen überhaupt keine Blätter mehr. Zeitungen, die einst Auflagen von 100 OOU und mehr Exemplaren hatten, bringen kaum 10 000 Stück täglich heraus, der Schreibende kennt einst hochbesoldete Mitarbeiter ehemaliger Weltblätter, die im letzten Vierteljahr keinen Pfennig Hono- rar sahen und buchstäblich hungern. An Stelle der vernichteten Pressefreiheit trat eine bei- spiellose Ueppigkeit in Gerüchten. Die Nachrichten und Mut- maßungcn, die die Blätter nicht bringen dürfen, gehen da- für um so lebhafter von Mund zu Mund. Das wichtigste Argument gegen das Verbot jener Freiheit ist wohl dieses, daß ein solches Verbot Gerüchte in Masse begünstigt, die das Vertrauen auf einen Staat viel mehr erschütterten, als ihn der größte Mißbrauch des gedruckten Wortes je gefähr- den könnte. Alle die Gerüchte über andauernde Zerwürf- nisse unter den Trägern der Staatsmacht enthalten einen positiven Kern, diese Nachrichten werden von zn viel Leuten hcrumgeboten, von denen bekannt ist, daß sie Bescheid wissen. Im Auslande, wie auch im Jnlaude» ist das Erstaunen, daß der 12. November gleich zwei Plebiszite bringen soll, groß: Volksabstimmung über die Rcgierungspvlitik und Neu- mahlen zum Reichstag. Eines von beiden ist doch überflüssig. Ebensogut wie im Volk wird die Negierung im Reichstag die gewollte Mehrheit finden... Gewiß. Aber die Neu- wählen zum Reichstag sind innenpolitisch von größter Wich- tigkeit. Der von einigen seiner ersten Mitarbeiter immer mehr bedrängte Adolf Hitler will sich vorsehen. Er sucht garantiert sichere Rückendeckung. Auf die Kandidatenliste sollen nur Namen kommen, deren Träger dafür gelten, daß sie mit Hitler, und nur mit ihm, nicht etwa mit Göring, durch Dick und Dünn gehen. Warum übrigens das aus- fällige Schweigen Görings in den letzten Wochen? Der preußische Ministerpräsident soll an oberster Stelle in Un- gnade gefallen sein. Adolf Hitlers Friedenserklärung an die französische Adresse mag heute ehrlich gemeint sein. Ein Unterton der. Furcht war nach der Meinung solcher, die sonst das Gras wachsen hören, jedoch unverkennbar: der Furcht vor extre- men französischen Entschlüssen. Reute es den Kanzler nach- träglich, daß er seinem stürmischen Gefühl unterlag, reute ihn nachträglich die ganze Aktion? Denn ein französischer Einmarsch, gar ein Krieg, wäre der furchtbarste Schlag, den das„dritte Reich" gegenwärtig treffen könnte. Ter neue Staat in seinem noch lange nicht überwundenen Schwebe- zustand würbe wahrscheinlich vernichtet. Zu schwach sind trotz der gigantischen Fassade immer noch die Fundamente, zu groß ist die Zahl der unsichern Kantonisten in den eigenen Reihen, zu groß ist namentlich die Zahl der zu allem ekit- schlossenen Feinde, die sich das Regime hauptsächlich durch seine unvernünftig drakonischen Methoden, Maßregeln, Bräuche selbst schuf. Die Front dieser Feinde ist weit ge- spannt, sie reicht von den Kommunisten bis z» den Konser- vativcn. Alle warten sie auf ein Signal. Möglich, daß ein französischer Einmarsch einen nationalistischen Furor ohne- gleichen entfesseln würde. Eines jedoch scheint für alle, die über die Stimmung in der Arbeiterschaft Bescheid zu ivtß'en glauben, sicher: daß das Gros der Arbeiterschaft sich weigern würde, zu mar- schieren. Die in hundert Schlachten des Weltkrieges erprobte Vaterlandsliebe der Arbeiter ist dahin. Das„dritte Reich" hat wieder zerstört, was der Sozialdemokratie nach jähre- langer Mühe gelang: die Arbeiter aus der alten Abwehr- stellung zu lösen und sie hineinzuführen in den Staat. Die Stimmung im Volk, mit Ausnahme der Bauern- Mehrheit, die noch Großes hofft, hat sich in den letzten Wochen zweifellos noch mehr verschlechtert, und nichts könnte der Regierung erwünschter sein, als die Möglichkeit einer extra kolossalen Propaganda für die nationale Tamm- lung jetzt, aus Anlaß des bevorstehenden Plebiszits. Daß damit anch versucht werden soll, den fatalen Eindruck des Vrandstisterprozesscs in der Oeffentlichkeit abzuschwächen und abzulenken, ist anzunehmen. In den Städten und Kleinstädten hört man viel klagen. Klagen über zunehmen- den Einkommensschwund bei steigender Teuerung, Klagen über die Ungewißheit, was eigentlich werden soll, Klagen über die Uebergriffe und Mißgriffe der untergeordneten Stellen. Uneingeschränkt ist das Prestige Adolf Hitlers. Man möchte glauben, daß der Führer mit dem Treiben der „»intern Organe" kcinesivcgs einverstanden sei. Wird er jedoch richtig informiert, wirb er überhaupt informiert? Die Konjunktnrnazis aus den vielen Posten und Pöstchen wer- den zur Landplage. Konjunkturritter gabs unter dem frtt- hern System auch, aber nicht im Maße»vie heute. Sie er- bittern und vergiften das Volk. Wie sehr ist der innere Frieden der Menschen gestört, wie sehr hat sich, trotz aller Massenfeste, der Geist der Zivietracht der Seelen bemächtigt! Der gute Wille, der Mut. die Entschlußkraft der Träger der Umwälzung, auch der Idealismus so vieler Unterführer, springen in die Augen nach wie vor, aber der Eindruck, daß sich diese Männer„übertun", daß sich der ganze Prozeß lang- >am überdreht,»vird immer»veniger verivischbar. Wer kennt sich im Schattengcbtrgc der Pläne überhaupt noch aus, ja, was bedeuten die Pläne, da doch an allen Ecken und Enden das Geld fehlt? Uebcrall sinkende Steuereinnahmen: in den bisher neun Monaten des laufenden Jahres sank der Exporterlös verglichen mit 1032 um abermals 600 Mil- lioncn<1033: 3600 Millionen, 1032: 4200, aber 1020: 10 000 Millionen! Trotzdem soll das frühere Regime Deutschland in den Abgrund gestoßen haben...). Dagegen führt der soeben erschienene Vierteljahresbericht der Niederrhein- Ruhr-Handelskammer dieses aus:„Vergleicht man die Linie, die der wirtschaftliche Ablauf im vergangenen Vier- teljahr erreichte, mit dem Vierteljahr 1032, so kann man ein ruhiges und stetes Vorwärtsdringen feststellen. Auf dem Jnlandsinarkt ist die Erstarrung gelöst." Aber der gleiche Bericht stellt zweimal fest, baß die„Hemmungen im Aus- fuhrgeschäft schwer" seien und das Auslandsgeschäft„immer schwieriger und geringer werde". Das Publikum ahnt dumpf, daß die Oberen die Schwierig- keiten, die sie sich selbst beretteten, immer weniger meistern. Was für urtümliche Gefühle und Vorstellungen wurden ge- weckt, deren verivirrende Einflüsse jetzt kaum abzudämmen sind! Dinge und Kräfte wurden berührt, an die niemals hätte gerührt werden dürfen. Der Eindruck entsteht vielfach, daß Kinder mit offenen Rasiermessern heruinfuchteln. Viele von unverbauten Gedankengut bedrängte Amokläufer rennen durch die Gassen. Die Zauberlehrlinge können sich der Besen nur mit Mühe erwehren. Der Besentanz ist oft toll. Wohl hat das„dritte Reich" Deutschland geweckt, aber viel- leicht nicht durchwegs so, daß die gegemvärtigen Staats- herrcn daran ihre Freude haben könnten. Scharen sind froh und glücklich, daß sie im Tiegel der Totalität dahinschmelzen konnten. Ihre Hingabe ist noch unbedingt. Fragt sich nur, wer die wertvolleren Deutschen sind, ob diese Dahin- Wichtig für Damen I Wenn Sie sich kleiden wollen laut der letzen Mode, wenden Sie sich an das COUTURE-H AUS KRUGER Dup,t* Pigallc 70-76 wo man Ihnen höflichst die letzten Modelle von Roben, Mänteln nad Coetihne* Tailleur vorzeigen wird. Mäßige Reklamepreise Chez Wanda SS, rum Caumariln Cabaté, Dancing, Mittag» und Abendessen, Orchestre The two hot players„Marcel" Yvonne Henry. Tassia Mouiatolt'.orin, Go ovko u a D.rcktioat Oscar L.>,ra-Bri,l,w geschmolzenen oder jene, die im Tiegel nicht«eich, sonder» hart wurden. Die vergangenen schweren Monat« haben ge' zeigt, wie persönlich viele Deutsche trotz allein geblieben st»d- ja, in wie vielen das Persönliche erst recht geweckt worden ist. Der Widerstand, der Aufstand der Persönlichkeiten gegen den Molo., Macht, der sich doch meistens nur mit Anivcw dung der brutalen Gewalt legitimiert, wächst heimlich allen Schichten. Mit der sich ausbreitenden Revolte aller ausrechten Gesinnungen, aller Menschen, denen Selbstbestim- mungsrccht, Selbstverantwortung, persönliche Freiheit»teü* als nur tönendes Wort bedeuten, wird die gegenwärtig^ Obrigkeit ivohl zunehmend rechnen müssen. Hitler Reichspräsident? Göring Reichskanzler? Der Kampf der Halbgötter um die Macht Vor einigen Tagen ist Göri n g in Schweden gewesen. „Tagens Nyheter", eine der größten schwedischen Zeitungen, veröffentlicht nun einen Aufsatz über die deutschen Verhältnisse, dem wir folgende Stellen ent- nehmen: Programm des Nationalsozialismus bedingt eine Radikalisierung des Mittelstandes, die Sozialisierung zahl- reicher Unternehmungen und Produktionsbetriebe, Enteignungen und ähnliche Forderungen. Hitlers Mitarbeiter aus der ersten Zeit drängen jetzt auf Durchführung dieses Pro- gramms. Aus ihrer Suche nach ejnem Mann, der ihre Interessen am besten gegen die(gefahren der nationalsozialistischen Vcrstiegenheit verteidigen könnte, sind die reaktionären Kreise aus den auch von Hindcnbnrg begünstigten Minister Göring gestoßen: so ist Görsna her.Vertrauensmann der Hochfinanz, der In- dustric, der Junker und der Ossiziere geworden und hat als solcher auch bald im Ministerrat gegen die Verwirklichung des berühmten oder berüchtigten Hitlerprogramms pro- testiert. Seine eindeutig reaktionäre und kapitalistcnsreundliche Haltung brachte ihn in Gegensatz zu Hitler, Göbbels, Leo und Feder. In Preußen hat Göring die Durchführung des Federschen Programmes, z. B. die Aufteilung des Groß- grunbbesitzes in Bauerngüter, einfach verhindert. Dadurch hat er viel Unzufriedenheit unter den SA.- Truppen erregt. Die Enttäuschten und Verärgerten scheu nun aber in Hitler den Mann, der feinen Versprechungen nicht nachkommt. Göring lacht sich ins Fäustchen, da er der Unterstützung Hindenburgs und aller reaktionären Kreise sicher ist. Tie Finanzleute, Industriellen und Großagrarier wissen sehr wohl, daß sie sich Hitlers nicht»n e h r ent- ledigen können, ohne eine Revolution h e r a n s z u b e s ch iv ö r e n. Zu seiner K a l t st e l l u n g bat man deshalb andere Wege ins Auge gefaßt. Man erivägt eine baldige Abdankung Hindenburgs. Hitler ist dann die Würde des Reichspräsidenten zugedacht: Saarsrage in Brüssel vor einem geladenen Kreis"0» jetzigen und ehemaligen Redakteuren, Deputierten, Se»^ toren usw. der belgischen Arbeiterpartei. Durch eine nicht ganz korrekte Haltung eines spondenzbüroS über diese Veranstaltung wurde in ti«k Reihe von ausländischen Blättern die irrtümliche NachriK verbreitet, Max Braun habe die Bildung einer ne»^ Regierungskommission des Saargcbietcs unter Borsitz ei»e° Belgiers gefordert. In Wirklichkeit»var davon überhaup nicht die Rede, sondern eS handelte sich um folgendes: Im Jahre 1030 hat die 2. Sozialistische Internationa^ einen besonderen SaarauSschuß unter dem Vorsitz bc f belgischen Senators de Brouckere gebildet, dessen VW' Präsident ein Engländer u»»d dessen Beisitzer u. a. ein Fr»»' zose und ein Saardeutscher waren. In Brüssel ist nun se^ lebhaft die Frage diskutiert worden, ob ein solcher Saat' ausschuß der 2. Internationale, t'sscn Vorsitzender eG belgischer Genosse, dessen Vizepräsident ein Engländer»»» dessen Bcisitzergreiniuin ein saardeutscher, ein französisch^' ein dänischer, ein teschechischer, ein schweizerischer usw. Geuoist bilden müßten, wieder ins Leben gerufen werden sollte. Die nicht ganz korrekte Wiedergabe der Diskussion üf> e( diesen Punkt hat zu der irrtümlichen Meldung einigt Blätter geführt, eS habe sich dabei um die Saarkommilga'' des Völkerbundes gehandelt,»nährend in Wirklichkeit nur von einer Saarkommission der 2. International» gesprochen worden ist. Im übrigen verlief diese Veranstaltung außerordentlich anregend und positiv und man muß es der belgisch»'" Arbeiterpartei und ihrer Führung, insbesondere aber de" Veranstaltern und ihrem Vorsitzenden, dem Direktor de» „Peuple", Genossen Wauters, ganz besonders danke»« »velch lebhaste und zu jeder Hilfeleistung bereite A».-;1' nahm« sie an der Saarfrage im Interesse der Freiheit de» Deutschtums an der Saar und der gesamten interna»!^ nalen Situation nehmen. Auch Sie müsse» fronsösiscfl lernen Fließend« Konversati«« i» 2 MONATEN Einzelstunden. ÇnipP«* kurse, tranaft* spräche. Erst*^êtereo L-tW FlSditU-Sfc A vidutllt'hiL 3{' obcmie der Wissenschaften wurde eine Arbeit ins in, vorgelegt, die außer dem negativen Elektron, sein inL lachen Strom enthalten ist, das Vorhanden- »on positivem Elektron nachweist. vlà^.Zasdschlob von Ludwig XV. im Walde von St. Ger. tent?n'à k'n Wochenende der französischen Ministerprast. "»rn werde«. einer Antographen-Bersteigerung wurden Sl Briese Schri.TZZVje- Barres für 1025 Franken verkauft, eine "tstuck-sammlung von Mnrger erzielte 1800 Franken. Der Direktor der Kamilienbank in der Rue de Richelieu Claude Levy wurde wegen Unterschlagung von vier Millonen Franken verhaftet.^ In Menton sand die feierliche Uebersührnng der Ueber- reste des großen spanischen Schriftstellers Blasco Jbanez in seine Heimat statt. Der Präsident der sranzöstschen Republik übernahm das Patronat. Der Marincminister und der be- kannte Pariser Anwalt Torres als Abgeordneter der See- alpen leiteten die Feierlichkeiten. Walter Mehring liest am Samstag 21 Uhr im republikanische» deutschen Klub in der Universite du Parthenon (64, rue du Rocher. am Bahnhof St. Lazare) Altes und Mues Der Eintrittsbeitrag ist sür Stellenlose auf 2 Fr. ermäßigt. jarret der furdrfbarc..KolonnenfQhrer ,e fodeshomödle der Bäuerinnen Aix-en-Provence, den 25. Oktober 1933. Air 9egen Sarrct. den levantinischcn Mörder in S ch m i.«eine bayerischen Helferinnen, die Schwestern franinf cl' dîe ihm zu dem Millionen-Bctrug gegen die unter Versicherungsgesellschaften halsen, setzt sich Strinz?»îlfdeckung einer wahren Höllen-Komödie fort. Em N»a,„^ll'Drama, ein furchtbarer Brenghel-Tanz! der?5 der kleinsten Gewissenlosigkeiten ist daß Garret, hina^»"^îber. die Uhr des toten Opfer Chambon. des traa?«?.^en Expriesters, ununterbrochen seit der Tat ge- Zl„? uat. Wie oft hat er seitdem nach der Zeit gesehen? di s'?,. r>^oll des armen schwindsüchtigen Flickschusters vor.4°' den Sarret ermorden wollte, der ihm aber ftar/p Ï«, e,t^arb, ist von grauenhafter Heiterkeit. In diesem .'!eun.-ê der Mitangeklagte Koch Lu seaux als falscher Lo r p« ,um sich als Substitut des sterbenskranken Beftrp»-» 1 ôic Versicherung aufnehmen zu lassen. Lufcaux s-bnpi!. daß er sich eine Tonsur ins Haar habe den/»» lassen, wie die katholischen Priester sie tragen, um sur fi t jambon vorzustellen. Sarret erwidert, diese Ton- zugele(^^in inzwischen verstorbener Freund Joanny fialW 1 î m c 1 e, die ältere der Schwestern, erklärt. Sarret in LI bedroht, sie in die entsetzliche Badewanne zu werfen. uer Cr 5*«« s.1 c!.....»»»il er die Leichen Chambons und seiner beseitigte.— wenn sie etwas verrate Tod von D e l t r e u i l. dem Imal vorbestraften Ehe- der Katharina, die den alten Mann mit 100 000 fem,->5 versicherte, bleibt ohne Anklage. Im übrigen er- stfià darret den Betrug gegen die Bersicherungsgesell- "''ren an. bi» schlimmsten vielleicht ist der Fall Margali Her- hj.' die Vergiftung einer jungen hübschen Tuberkulosen, von Philomele in Marseille für Sarret gesucht wurde vi»', vvchdem sie infolge der mit ihr angerichteten Exzesse töi»« starb, von Sarret mit Zinksalz tn Champagner ge- .»'.'wurde. Katharina, die vorher ein sehr vornehmes q,. kit Marseille beziehen mußte, versicherte sich auf den s^sswen des OpferS für 1,7 Millionen Iranken bei ver- Ebenen Gesellschaften zugunsten ihrer alten in Bayern vrvden Mutter. Dann hob Philomele in der Ver- in».„ung der Mutter mit graubebändertem Hut und Schleier, st? Schmerz um den angeblichen Tod ihres Kindes 'das Geld beim Notar ab. Philomele zeichnete de»» entsetzlichen Akt unter dem Namen ihrer Mutter, m, Witwe des begeisterten Gendarmerieosfiziers: Frau v'a Schmidt. Riesenbeute: 1,7 Millionen Franken _ftrn weiteren Verhör schluchzt Katharina unaufhörlich. «^„.Vorsitzende und die Maitres, die Verteidiger reden fin». r mit„Hören Sie, Katharina" an. Die Schwestern letzt sanft und geständig. Nur Sarret ist grob:„Sarret, Geliebten mit I?" Wende! sämtliche Garderobe! Umänderung sämll. KLEIDUNG! MASSANFERTIGUNG 45, rue de Châ'eaudun, 45 5 Prozent Vergütung an Überbringer dieses I der Dynamifhönlg and die Oesferreidierin » diesjährige» Verleihung des Nobelpreises in Medizin n.d.öum 100. Geburtstage des schwedischen Dynamitköntgs n.?."entlicht die Presse eine Geschichte von Nobel und einer ^Österreicherin. n^u einem Hause der Chaussee d'Antin bewahrt man fi»w heute den kleinen Federhalter, mit dem Nobel sein An Tcstaincnt schrieb.' Nobel wohnte dereinst in der l°°""e Malakoff. von wo er alle Tage ins Bois de Bou- ll"e ging, um dort die Schwäne zu füttern. . Gamals besaß Nobel hundert Dynamit-Fabriken. Er war größte Fabrikant von Explosivstoffen des 19. Jahr- Kunderts, der Erfinder des Nitroglycerins, des Dynamits, iff ranchlosen Pulvers usw. Diese Erfindungen bildeten ..Grundlage seines ungeheuren Vermögens. ^ Lines Tages flog seine Fabrik in die Luft. Sein eigener «oh„ wurde getötet. Nobel wurde Pazifist. Der größte Dynamitkönig ver- wnnichte die Explosivstoffe, den Krieg, das Töten. Lines Tages suchte er eine Sekretärin. Er gab eine An- ?r>gc tn einer Pariser Zeitung auf. ES meldete sich eine lunge^ Oesterreicherin Bertha Kinski Die engagierte .r- Sie war nicht schön, das war ihm gleich, aber sie hatte I.V* kür die Menschheit, das entschied. Sie war eS viel- "■eicht, die Nobel die Idee zu seinem großen Testamente «'"flößte. Nobel starb 1890 tn San Nemo. Er hinterließ 80 Mil- oonen Schwedcnkronen. Die Zinsen schwanken heute ie ssoch dem Kurse zwischen 600 000 und 900 000 französischen 'kranken. Dies ist der Nobelpreis. Vor seinem Ende hatte Nobel ein Bild der blutigen ^wlacht von Sevastopol in seinem Arbeitszimmer, um sich stets die Schrecken des Krieges vor Augen zu hatten. . Dieser edle Germane wäre der richtige Erzieher der För- öerer der deutschen Giftgase! Die dldte Bertha Göbbels ist mit seinem Versuche, vom Frieden nnd von "er Liebe zu predigen, in Paris völlig abgefahren. TaS »Journal" z. B. begleitet seine Worte mit einem Bilde der 'wicken Bertha", die Paris beschossen hat, und die jetzt auf °er„Front-AuSstellung" Unter den Linden in Berlin auS- Zestellt ist. Diese Ausstellung soll, nach den Worten deS Sonderberichterstatters des BlatteS, den Deutschen nur die k-cberzeugung beibringen, daß ihr Vaterland angegriffen stub zerstückelt wird und daß man diesem schmählichen Zu- stände durch Vorbereitung eines neuen Krieges ein Ende 'eben muß. Liebe Ml! denke Dir. beinah« wäre ich auf den Ball des Internats gekommen, wo sie ganz s o herumlaufen. Da ist wenigstens die Toilettcnfrage gelöst. Die Leute, die das machen, sind, was man bei uns Mcdizinalpraktikanten nennt, so ne Art Jungärzte. Wenn Du bedenkst, was sie bei uns für würdigt Gesichter machen.... Dafür geht es aber auf dem Inter- natsball ganz artig zn, und trotz der Sva-Kleider vielleicht anständiger als bei uns in den Knutschecken aus den Treppen der Philharmonie, ne, Du weißt ja. Gestern habe ich Meyer getroffen, Du weißt ja, vormals Waitzstraße. Er iährt immer noch mit der Nummer IA. herum und ist Stammgast in den blaßrosa Stahlmöbeln in den Champs Elnsees, treibt sich auch im Lustigen Kaninchen und in manch anderen Pariser Ecken herum. Er ivollte mich auch gleich einladen. Ich sagte aber: Meyer, tun«ie lieber mal was für Ihre armen LandsleuteI Natürlich war Mener auch zum grauen Sonntag in Long- champs. Wenns nach ihm gebt, hat ihn die Madame Andre Citroen persönlich begrüßt. Also Citroen hat doch die neue Fabrik eingeweiht und in der Riesenhalle ein Essen für 6000 Gäste gegeben, bloß die Arbeiter Und nun geht Madame Citroen extra raffiniert ganz einfach im Schneider- kostüm auss Rennen, Jacke kurz, und Aufschläge von gescho- renem Lamm. Was soll ich sagen, Mi, großer Triumph sind Füchse, mög- lichst viele, ich wollt, ich hätte einen. Meyer sagt, die ara- bische Prinzessin Agha Khan ist gleich mit zwei Silberfüchsen um den Hal« angekommen, die Köpfe der teuren Tierchen aus dem Rücken von Madame verknotet, da» ist da« Aller- neueste. Andere tragen Troddeln. Federn oder sonst was, Reiher wieber hoch in Form. Na. Du kennst das ia noch: „Und krieg ick meinen Reiher nicht, so will ich auch den Meyer nicht." Meyer war etwas betroffen, als ich ihm das sagte. Viel bestaunt wurde eine andere Prinzessin der 8. Repu- blik, die mit einem schwarzen Stoffmantel mit grünen Stoff- ärmeln ans einem berühmten Atelier anrückte. Uebcrhauvt zweifarbig. Gesieder grün und blau zum Beispiel. Hoch- aktuell sür die Hütchen natürlich Velours und Panne. Aus Wiedersehen, gute Mi. und bebt mal den Daumen, baß eS besser wirb, jetzt, wo die„deutsche Mode" auS dem Völkerbund ausgetreten ist. Herzlichst Deine Marietta. pariser Theater-Anzeiger Die erste Dichter-Matinee dieses Jahres der Comedie Française ist den provencalischcn Dichtern gewidmet und findet nächsten Samstag statt. Die Veranstaltung endet mit Tanz zu Tamburin-Musik. » Die nächste Ausführung der berühmten Oper„Pelleas und Melisande" findet am Samstag in der Opera Comique statt. » Die Comedie Française beginnt am Freitag ein Gastspiel von drei Aufführungen tn Straßburg im Stadttheater. Ge- geben werden„LAvare" und.Le Mariage sorce". g-»,»«»,«,,»»«»»»»«»M, M,,,«.« immer Sarret," sagt er wild, wenn er belastet wird.„Ja, immer Sarret," erwidert ihm der Vorsitzende sehr ernst. Katharina gesteht unter Tränen, baß Sarret sie zu Dr. Guy um den Totenschein sür die arme tuberkulöse Magali schickte, die Sarret vergistet hat, Sarret gab ihr auch an, wie man einen Arzt am besten täuschen könne. Nach dem Tode des Opfers fuhr Katharina mit Sarrct nach Paris, wo sie in einem Hotel wohnten. Dann brachte ihr Beschützer sie in einer Penston in Marseille unter, wohin auch Philomele kam. Dort erhielten die beiden Schwestern nach einigem Warten die Versicherungssummen, vier Schecks von zusammen 1,2 Millionen Franken. Vorsitzender: Was taten Sie mit dem vielen Gelb? Katharina: Ich legte 500000 auss Konto Sarret, und 700 000 aus mein Konto. Dann fuhren wir ab. Sarret zwang jetzt Katharina, die ja amtlich, nachdem Ma- gali unter ihrem Namen begraben war, tot war, nach Nice zu ziehen.„Dort." sagte sie unter vielen Tränen,„durfte ich nie ausgehen. Ich lebte wie ein geschlagener Hund." Sarret hatte der amtlich Toten einen Heiratsschein auf den Namen Raynaud verscb'ttt. Eines Tages telefonierte er: „Deine Schwester ist verh.itet." Da fuhr Katharina nach Marseille und stellte sich dem Staatsanwalt der Republik. In die Flasche Champagner, die Margalis Ende herbei- geführt hatte, Gift gegossen zu haben, leugnet« Sarret na Xr. i'®u y, der Arzt und Stadtrat, der den Totenschein der Vergifteten ausgestellt hatte, schwor sehr dramatisch beim alten Hippokrates, daß die Tote keine Züge der Vergiftung auf ihrem Antlitz trug. Unter den ersten Zeugen, die bereits vernommen wurden, ragte insbesondere der Chef der Sicherheitspolizei Marseille, Cals, hervor. Dieser trieb in einem an- gestrengten Nachtverhör die Schwestern Schmidt zu ihren Geständnissen. Selbst dem hartgesottenen S a r r e t ver- mochte er einige Geständnisse über das Verbrechen in der einsamen Villa zu entreißen. Moro-Giasferi, der berühmte Verteidiger, be- zeichnete außerhalb der Sitzung den furchtbaren Mörder Lan dru als„Facharbeiter" seines Berufs, Sarret als „Kolonnenführer". Romantik von heute Dienstag fand im Rathaus zu Ncuilly eine selbst in VariS ungewöhnliche Hochzeit statt. Eine tunge. schlanke Tänzerin der Folies Bergere. Miß Georgia Granes, wird von einem Attache im Ministerium für Getundheitswescn geheiratet. Georgia verläßt die Szene und wird sich nicht nur für den Honigmond, sonderst für dauernd in baS Dollar- land begeben. Suchen Sie eine neue Eitsfenz? Wollen Sie wieder arbeiten? Wir bieten Ihnen Möglichkeiten mit größerem und mittlerem Kapital in bestehenden. bestrenommierten französischen Unternehmungen teilzunehmen od, solche zu erwerben.— Wir stehen Ihnen mit Aufklärungen und Rat auf Grund langer Erfahrungen rur Verfügung.— Wir geben Ihnen nicht nur exakte Unterlagen, sondern sichern Ihnen vor Ihrer Entscheidung das Recht zur längeren Beobachtung des Betriebes zu. Antragen ant»IICOIRA. 211. RtfC OU?d St. Honoré, Poris 0 Pariser(Theater 7rettag. den 27. CMofter Opera.— 8 h La Damnation de Faust, Im Nul Ensorcelée, Comedie Française.— 8 h 30 La Rafale. Opera Comique.— 8 h 30 II Barbiere di Siviglia.(gal. Hai). Od eon.— 8 h 30 La Colombe poignardée. Il n'nest jamais trop tard. Catte Lyrique.— 8hi5 Le Paus du Sourire(op. de Fr. Lehar). Th. de Paris.— 8hi5 Tovarltch(Elivre Popesco, André Lefaure). Th. Montparnasse.— 9 h Crime et Châtiment(Dostoievsky). tfamsfaj}. den ZS. CMobet Concerts P a s d e I o u p.— Th. des Ch. Elysêes.— Û fi. Chef d'Orchestre Hasselmans. Opera.— 8 h. Thais. Comedie Française.— 8 h30 Les Hônnettes Femmes Le Juif Polonais. Opera Comique.— 8 h 30 Pelleas et Melisande. Ode on.— 2 h 30 Le Poussin, Tempête sur les côtes. 8 h 30 Le Marchand de Venise. Trocadero.— 8 h. Boris Godounoff. C a It e Lyrique.— 8 h t5 Le Paus du Sourire(op. de Fr. Lehar). Th. de Paris.— 8h i5 Tovarltch(Elvire Popesco, André Lefaur). Th. Montparnasse.— 9 h. Crime et Châtiment (Dostoievsky). fonniad. den 20. CMofter Concerts Pasdeloup.— Th. des Ch. Elysêes— 16 h 30 Chef d'Orchestre Hasselmans. Concerts Poulet.— Théâtre Sarah Bernhard— 17 h 30 Chef d'Orchestre Ruhlmann. Opera.— Relâche. Comedie Francalse.— 2h30 La Nuit d'Octobre, Le Maître de son coeur, 8 h 30 VArleslenne. Opera Comiqite.— 2 h 30 Pré-aux-Cleres, Les Rendez- vous Bourgeois, 8 h Manon. Odeon.— 2 h 30 Im Colombe Poignardée, Il n'est jamais trop tard. 8 h 30 La Cagnotte. Trocadero.— 2h 15, L'Ami Fritz, Le Passant. Cal te Lyrique.— 2 h 45 et 8 h 45 Le Pays du Sourire (op. Fr. Lehar). Th. de Paris.— 8 h 45 Tovarltch(Elvire Popesco, André Lefaur). Th. Montparnasse.— S h. et 9 h. Crime et Châtiment (Dostoievsky). Pasdeloup-Konzerte Thaafar das Ch. Elysêes SONNABEND, 28. Oktober, um 17 Uhr, der berühmte Tenor Lauritz Melchior wird singen Fragmente au* Siegfried und Melodien von R. Strauß. Symphonie Neue Welt— Dvorak. Prélude ,,Après»Midi d'un Faune"— Debi isy. Neapol* Charpentier. SONNTAG, den 29, Oktober, um 16.30 Uhr. Wagner-Festival. Lau» rits Melchior— wird singen Fragmente aus Rienzi, Meistersinger und Parsifal. Ouverture aus Tannhäuser, Siegfrlèd-Idylle, Waldmurmeln, Vorspiel aus Parsifal. Unter der Leitung von LOUIS HASSELMANS. Poulet-Konzerte (Theafer Sarah-Bernherdf) Sonntag, den 29. Oktober um 17.30 Uhr. Unter der Leitung von François Ruhlmann und der Mitwirkung von Suzanne Balguerie. Ouverture aus Léonore— Beethoven. Pastorale Symphonie— Beethoven. Melodien von Gluck, Berlioz, Fauré und Duparc— gesungen von Suzanne Balguerie. Bauern»Tinze— Grétry. Walzer— Ravel KHCHSHCta&lOHCHOHOtKHÜ Franxöiiidier Unterricht schnelle, leichte, interessante Methode. In Gruppen 3, 4 Personen 216, Fg. St. Denis(10) Zimmer 24, Metro Oha« pelle, von 1-2 u. 6-8 Uhr «««ttttrttSttvltttt« 20 labre Weltgeschichte ia 700 Bildern! Einleitung von Fr. Sieburg GelegenheitS'Angebot statt 29,30 Fr. jetzt nur 8,55 Fr. Sofort zu beziehen durch t BUCHHANDLUNG der Volksstimme" Surfer**», blukof rtr. 12 Netmklrcbaa, Hiitteakergetr. Die nächsten Jfonzerte Samstag, 28. Okt.: Salle Pleyel— Orand tenor Richard Tauber(au progr. R. Strauß, Fr. Lehar). M ont a g, 30. Okt.: Théâtre des Champs-Elysées— Choeur de la Grande Synagogue de Berlin. Freitag, S. Nov.: Salle Gaveau— Walter Rummel(pianiste) au programme Bach, List. Dienstag, 7. Nov.: Sté Phllarmon. Wanda Landowska (Clavessins). Geht es weiter in Genf? Henderson ist für Fortsetzung BttlEFKASTSN ^lütb- Genf, 25. Oft In der Verlautbarung liber die heutige Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz heißt es, Henderson habe zunächst aus die Ereignisse seit der letzten Sitzung deö Büros hingewiesen. Das Büro müsse bei den Entscheidungen, die es zu treffen habe, zwei wichtige Punkte berücksichtigen: L daß die Konferenz die Pflicht habe, eine Abrüstungskonvention auszuarbeiten, und 2. daß der britische Plan die Grundlage dieser Konvention bilden müsse. Es wäre katastrophal für die Konferenz, fuhr Hender- son fort, wenn Sie eine Politik annehmen wollten, die als Beweis Ihrer Unfähigkeit oder Ihres schlechten Willens aufgefaßt werden könnte. Das wäre ein ernster Schlag für den Völkerbund, die Sache der Abrüstung und die Ehre der Konferenz. Damit würden diejenigen ein Argument er- halten, die seit mehreren Monaten behaupten, daß gewisse Mächte ihre Rüstungen nicht herabsetzen und begrenzen wollen. Aus der Konserenz ruht eine schwere Verantwortung, von der nur durch eine in einem vernünftigen Zeitraum ab- zuschließende wirkliche Abrttstungskonvcntion entlastet werden kann. Einer Vertagung der Konserenz bis zum nächsten Jahre widersetze er sich entschlossen. Alle Schwierigkeiten seien kein hinreichender Grund, um die Arbeiten der Konserenz zu unterbrechen. Henderson habe seine Ausführungen mit dem Vorschlag beschlossen, baß der Hauptausschuß das Büro bitten solle, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit die zweite Lesung vor dem Hauptausschuß späte st ens am 4. Dezember beginnen könne. Der französische Delegierte habe, fährt das Communique fort, den Borschlagen des Präsidenten zugestimmt und er- klärt, daß die französische Delegation vorbe- haltlos ein Arbeitsprogramm unterstütze, das eine Fortsetzung der Konserenz bedeute. Er habe hin- zugefügt, daß die ganze Arbeit der Konserenz sich ausschlicß- lich in Genf vollziehen müsse. Ter englische Delegierte Eden habe gleich- falls die Vorschläge Hendersons angenommen. Nach einem Meinungsanstausch habe das Büro ein- st i m m i g die B o r s ch l ä g e Hendersons gebilligt. TRINITÉ64-99 DEUTSCHE KLINIK 18, RUE BLANCHE MÉTRO: TRINITÉ UND ST. LAZARE.TELEFON: ,.POLIHLINI§CIIE ORDINATION' für: Innere-, Chirurgische,, Frauen-, Kinder-, Haut- und Geschlechtskrankheiten. Augen-, Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten. Geburishilfe. Roentgen, Diathermie, Höhensonnen- u. Grenzbestrahl. OPERATIONEN, WÖCHNERfNNENHEIM ———— Ordination: täglich von l bis 8 Uhr, Sonn- und Feiertagen von TO bio 12 Uhr •"IH|||""'I1I||I""Mill! 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Juli ein Schreiben des Reichsarbeitsministers erhalten habe, in dem ausgeführt sei, daß die Festnahme und die Gefangensctznng LeuschnerS in keiner Beziehung stehe zu seiner Tätigkeit als Mitglied des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes. Eine spätere amtliche Mit- tetlung bestätigte, daß die Festnahme LeuschnerS einzig mit setner früheren Tätigkeit in Teutschland zusammenhänge, wegen der eine gerichtliche Untersuchung gegen ihn ein- geleitet worden sei. Leon Jouhaux erklärte daraus, daß die Arbeitergruppe die von der deutschen Regierung abgegebene Erklärung über die Festnahme und Gefangensctznng LeuschnerS nicht annehmen könne. Wenn Leuschner sich in seinem Amt als Innenminister deS Frei- staates Hessen eines Verbrechens schuldig gemacht habe, so müsse man sich fragen, wie die deutsche Regierung dazu kam, ihn zum Mitglied der deutschen Delegation an der internationalen Arbeits- konferenz dieses Jahres zu ernennen. Die ganze deutsche Delegation habe damals Instruktionen er- Original gegen Kopie Der italienische Diktator lehnt seinen deutschen Imitator ab Vor einigen Tagen hat Mussolini vor 85 000 Schwarzhemden gesprochen. Seine Rede enthielt deutliche Spitzen gegen seine stümperhasten Nachahmer in Berlin. Die Ablehnung der Hitlerei wird noch deutlicher durch einen Aufsatz der Lavoro Fascists: Die Worte, die die unruhige und verwirrte Welt er- wartet, kann ihr nur Rom und der Faschismus geben und kann nur unsere lateinische und m e d i t e r- r a n e. von Mussolini gepriesene Rasse aussprechen, deren ureigenster und wichtigster Vertreter er selber ist. Dies wird sicherlich erfolgen, nicht weil wir glauben, eine bc- sondere göttliche Mission zu haben, sondern weil die ganze moderne Kultur römisch ist: Römisch ist das Recht, das alle zivilisierten Völker regiert, römisch die Doktrin der gesunden Regierung, römisch die katholische Religion. Europa und die Welt haben an dem Tag, an dem sie die Grundlagen der römischen Weisheit ver- ließen, die große Richtung der Zivilisation verloren. Ter Faschismus verbindet mit diesen Grund- lagen die lebendige Schärfe und genaue Feinstthligkeii für die Notwendigkeit der neuen Probleme der moderneu Welt. Einen andern Weg gibt es nicht. Der Nationalsozialismus predigt deutsches Recht, deutsches Christentum, deutsche Grundlagen für die Kultur. Mussolini belehrt sie: Das ist alles Blech. Aus Rom kommt alle Weisheit. Roms loenta, causa finita. Auch Mussolini übertreibt grotesk, aber soviel hat er immerhin aus seiner marxistischen Schulung gelernt, um sich nicht in nebelhaften Fantasien zu verlieren wie Seine Ignoranz der Herr Reichskanzler Adolf Hitler. » Tie„Neue Züricher Zeitung" beurteilt Mussolinis Rede so: „Mit diesen beiden Feststellungen reißt Mussolini der nationalsozialistischen Propaganda eine Initiative aus der Hand, die heute noch theoretischer und intellektueller Art ist, schon morgen aber leicht aus das Politische und Soziale Anwendung finden könnte. Mussolini als Schöpser und Ver- wirklicher des Faschismus, der nun einmal in Italien eut- standen und im Ausland lediglich nachgebildet worden ist, läßt sich nicht durch propagandistische und psendowissenschaft- liche Vorstöße übertrumpfen- Er verteidigt das Pr'mat des italienischen Faschismus gegen die den Geist de« Faschismus herabmindernde Einstellung des Nationalsozialismus. Die Worte, die er auf der Piazza Venezia vor versammeltem Volke ausgesprochen hat, besitzen allgemeine Geltung und grundsätzlichen Wert." halten, die Leuschner nicht gestatteten, an den Arbeiten der Konferenz wie auch an denen der Arbeitergruppe teilzu- nehmen. Der wahre Grund seiner Festnahme und Gefangen- sctzung liege in der Tatsache, daß er sich geweigert habe, den gegebenen Instruktionen nachzuleben. Der Verwaltung«- rat habe somit das gute Recht, gegen diese Verletzung der individuellen Freiheit und gegen diese Verletzung des Rechtes zu protestieren, das allen Mitgliedern der internationalen Arbeitskonfercnz durch den Friedensvertrag ausdrückl'ch zuerkannt wird- Tie Delegierten und erst recht die Mit- gliedcr des Verwaltungsrates könnten ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie sich uneingeschränkter Unabhängigkeit erfreuen- Wenn man die Leuschner zugefügte Behandlung billige, so gebe es keine internationale Arbeitsorganisation und keinen Verwaltungsrat des internationalen Arbeits- amtes mehr. Es werde in Zukunft nur noch Rc- gierungsagenten geben. Der französische RegiernngSdelegierte P i a u c n a r d unterbreitete dann im Namen von mehreren Mitgliedern der Gruppe der Rcgierungsdelegierten einen Résolu- t i o n s e n t w u r f. zu dem Leon Jouhaux verlangte, daß er in dem Sinne ergänzt werde, daß das Internationale Arbeitsamt im Namen des Verwaltungsrates die Haft- entlassung Leuschners verlange und daß der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes ermächtigt werde, diesen Protest der deutschen Regierung zur Kenntnis zu bringen. „Eiirendolrti" Der Generalsekretär S t a r a ce, ließ am der faschistischen Partei Ptontag im Braunen Italiens, Hans in München— so meldet der„Völk. Beobachter"— dem Stellvertreter^es.Führers, Rudolf Heß, durch den italienischen Generalkonsul in München. Minister Pittalis, den Ehrendolch der faschistischen Partei über- reichen. Auch wir wüßten kein besseres Symbol für die faschistisch- nationalsozialistische Brüderschaft als die Waise der Meuchel- mörber und Banditen— den Dolch! Einige Naziblätter berichten von„Ehren sold". Dolch und Sold, beides zusammen ist der Traum jedes natio- nalen Erneuerers. Dr. iur. M.. Paris. Daß der Vater Dr. Sacks noch glauben wir nicht. Man mutz den Juden nicht alles anhänge» wollen. M., Amsterdam. Ter Rcichsaiitzenminister von Neurath kein prcutzischer Junker. Er entstammt dem würtlembergische» Adel. Persönlich macht er nicht den Eindruck, als mache er die Politik der Hysteriker gerne mit. Aber er will wohl gern Außen- minister bleiben. I. S., London. Sie schreiben uns:„Es wird Sie Interessieren i" erfahren, daß Werner Krautz hier in London sich alle M tide gegeben hat, um als respektabler sudenscenndlichcr Kultucineni« auszutreten Am Vorabend seines ersten Austretens in London, der von antifaschistischen Proiesten begleitet war, empfing er einen Ver- treter des hiesigen führenden englisch-jüdischen Organs»W „Jewish Chronicle", um ihm all seine Sympathie für die Jude» und insbesondere für die von den deutschen Bühn'cn vertriebene» jüdischen Schauspieler zu bekunden. Hier lege ick den Ausschnitt aus der betreffenden Nummer des„Jewish Chronicle" bei. E" wäre sicherlich von Nutzen, wenn Sie diese Erklärung Kraug' ver- öffentlichen und somit Hitler und Röbbels, den Freunden vo" Kreutz, die Möglichkeit gegeben halten, zu erfahren, was ihr pol>- tischcr Agent in London über sie denkt. Oder waren wir bis setzt über die Person des Vizepräsidenten der nationalsozialistische» Reichstheatergilde im Irrtum? Und war es nicht Krautz, der die Anlehnung von G.-Hauptmann an-Hitler vermittelt hat?"— Ta? ist ein hübscher Beitrag zur seelischen Vielseitigkeit großer Künstler. Nicht alle können ihre Gesinnung wie ihre illolle wechseln, aber leider sehr viele. Wer glaubt, daß Hobe Kunst immer mit hoher Menschlichkeit verbunden sein mutz, wird öfters Enttäuschungen erleben. Jwo, Madrid. Sehr interessanter Beitrag, aber ans Raummangel mühen wir verzichten. „Die Frhlspekulanten kommen." Wir können uns nicht ent- schließen, Ihren Aufsatz zu veröffentlichen. Er könnte auch ehren- hafte Emigranten schädigen. H. 28., biens. Die Nachricht wurde von einer Korrespondenz ver- breitet. Wie Sie sahen, haben wir sie nur als Antwort ans eine Vriefkastcnansragc benutzt.„Gleichschaltung?"— Bei so offenkundiger Rassenschande?— Herzliche Grütze. E. G., Jerusalem. Alle Beiträge sind gut, aber wir können»u» selten einen verwenden. Der Stofsandrang ist zu groß. T., Luxemburg. Sic haben auf einer Reise durch Teutschland m> rschiercndc SA. noch immer singen hören:„Wenn Judenblut vom Meiler spritzt, dann geht« noch mal so fein". Auch„Siegreich wellen wir Frankreich schlagen..." hörten Sie SA.-Leutc singen. Wir haben nie daran gezweifelt, daß die Verbote nicht ernst ge- meint waren und die SA. zweifelte auch nicht. Deutscher in Paris. Auf der deutschen Botschaft in Paris liege» die Bulletins d'Informations der deutschen Reichs- Kehn aus. lReichsbahnzentralc für den deutschen Reiseverkehr.! Aus der dritten Seite rühmt sich die deutsche Reichsbahn'6 tcr Leistungen anläßlich des Nazi-Parteitags in Nürnberg mit folgen- den Worten: 335 000 personnes devront ft re amenées de toutes les parties de l'Allemagne dans cette ville dans l'espace de deux jours. C'est une véritable mobilisation, qui correspond par son étendue a celle de 1870. Das schreibt kein berufsmäßig„landesverrätcrisches" Organ wie wir, sondern die deutsche Reichsbahn und schickt es in große» Mengen an die Franzosen Wenn Sie uns nicht das Original zu- geschickt hätten, würden wir bei unscrm unerschütterlichen Glauben an Deutschland nie für möglich gehalten haben, daß auch die Reichsbahn Idioten sür die moralische Eroberung des Auslandes beschäftigt. Wir hielten das für ein Reservatrccht der deutscht» T iplvmatie. Schulfreund, Lugano. Sic schicken uns die folgende Notiz aus der hessischen Prcye l„MainzcrAnzeiger"!:„Da« Staatsminiftcrium hat angeordnet, daß innerhalb der Schulen oder bei Tchulveranstal- tungcn außerhalb der Schulen andere tlnisormcn oder Trachte» als dir der nationalsozialistischen Organisationen nicht getragen werden dürfen, um unliebsame Zwischenfälle mit A»' gehörigen anderer Verbände zn vermeiden."— Die Hitler-Unisorm hat also Schulmonopol. Wir vermuten, daß bei den„unliebsamen Zwischenfällen" einige geweihte braune Kittel in Unordnung gerieten und damit zugleich die Staatsautorität be> schädigt wurde. Künftig darf sich nur braun untereinander ver- prügeln. „Mon Paris" Man schreibt uns:„Mon Paris", Rue du Eolisec, hat seine Wiedereröffnung gefeiert. Robert Burnier, ein sehr bekannter Film- und Theater-Lebensspicler hat mit einem Bombenerfolg debütiert, am Klavier von seinem Komponisten und Tuettisten Claude Pingault begleitet. Mary Titrix, schon sehr gut in Paria bekannt, bis vor kurzem Star der Folics-Bergere, landete ebenfalls einen großen Erfolg. Lydie Dören und«icolas, ein sehr bekanntes Tanz- paar, füllten das Programm sehr anregend aus. Das Orchester Ralph Camyll, heute eines der besten Tanzorchcstcr Europas, bildet eine der größten Attraktionen. Während des Diners spielt die Zigeunerkapelle von Scheherazade. Die Küche gilt als eine der besten von Paris, sür wenig Geld was sür Kenner! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dut- wciler: für Inserate: Otto K u h n in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 8. Schützenstratze 5. Dr. A. Sliosberg INNERE KRANKHEITEN 16, r. falsa ciaréti», Ecke 40. Bd. Emile Aagier PARIS(16). Métro: Muette. Troc. 22-04 Mittwochs und Freitags von 2—4 Uhr und nach vorheriger Anmeldung m Trinité 43-13 Métro: Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine b) Chirurgie Konsultationen Zweistöckige, Sjn.ito. riumsgebäude. Die aller» mit 9 Spezialisten modernste Einrichtung Ordination täglich von 9-12 und 2-8; Sonn M5 c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Zahn» und Mundchirurgie und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Bitten An- und Verkauf zentralsuropSischar und•Qdamurikonl- •char Deviaan Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Per:es 8 P. Michel 34 RUE LAFFITTE. 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