Nr. 75. Admmrments-Kedingungen: Abonnimenli-Prelt pränumerando! «i-rt-Ijährl- ZL0 Mk., monall. 1,10 Mr.. wöchentlich 2S Pfg. frei WS Haus. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit iliustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Pr-isltst- für 1897 unter Nr. 7437. Unter Itreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Tescheini täglich»ufjer»anlag». 14. Jahrg. fpit Insiertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg.< für verein»- und VersammIungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächst« Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Erpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi« S Uhr vormittags geöfsnet. Vevlinev VolKsblakk. Fernsprecher: Smi I, Nr. 1S80. Telegramm- Adresse: „SozialdemoKrai Berlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Hkuty-Straße 2. AboNtiiiM-Eiilllidnilg. Aul 1. April eröffnen wir ein neues Abonnement auf den 44 Vorioöcks" mit der illustrirten SonutagS-Beilage „Die neue Welt". Die Aeuderungeu, die wir feit dem 1. Januar eingeführt habeil, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leferkreises. Unsere Literarische n. Volkswirthschastliche Rundschan werden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des In- Halts unseres Blattes angesehen. Durch unsere Nuterhaltnngs-Beilage ist dem Unterhaltungsbedürfniß unserer Leser und Leserinnen in reichstem Maße Rechnung getragen worden. Wir beginnen in ihr am 1. April den Abdruck des spannenden, an er- schütternden Konflikten reichen Romans Ein slkvv Skvvik von Wilhelmine von Hillern. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Cxpeditio», Bcuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark lv Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postaustalten Abonne ments zum Preise von S,30 M. für die Monate April, Mai n. Juni entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Der beherrscht das parlamentarische Leben in Frankreich. Die Zahl derer, die durch die Arton'schen„Papiere' belastet werden, beträgt mehr als 100, und die meisten derselben gehören oder ge- hörten der Deputirtenkammer und dem Senat an. Nun will aber die Staatsanwaltschaft und das Ministerium blos ein halbes Dutzend Abgeordnete verfolgen, und hat zunächst blos gegen drei Anklage erhoben, die merkwürdigerweise sämmtlich nicht Freunde des Ministeriums sind. Hiergegen bäumt sich die öffentliche Meinung aus, und die Regierung wird, falls sie dem Sturm Trotz bietet, ihn wohl kaum über- dauern. Wie die„Petite Republiqne' meldet, machen auch die beiden früheren Ministerpräsidenten: Bourgeois und Ribot, ihren Einfluß geltend, um die Angelegenheit zu vertuschen. „Man könne doch nicht die Hälfte des Parla- ments entehren'— sollen sie gesagt haben. Besser die Hülste entehren, als das g a n z e P a r lament und die ganze Republik. Unter den Bestochenen, die das Ministerium schonen will, befindet sich Rouvier, ehemaliger Minister und sogar Ministerpräsident und fanatischer Sozialistenfresser, wie alle Spitzbuben. Die Sozialisten, die in der von der Kammer niedergesetzten Kommission durch R o u a n e t und D e v i l l e vertreten sind, werden ihn nicht entwischen lassen. Ein anderer Sünder ist leider durch den Tod dem Straf richter entzogen worden: der frühere Handelsminister und eine zeitlaug Kammerpräsident B n r d e a u, ein ob seiner„antiken Tugend und Unbestechlichkeit gefeierter Held der Bourgeoisie, dem die dritte Republik ein öffentliches Leichenbegängniß bereitete. Gegen Burdean, der auch der verunglückten internationalen Arbeiterschutz-Konferenz von Berlin(1890) angehörte, war schon früher die Anklage erhoben worden, er sei in den Panama- schwiudel verwickelt, allein an dem gefestigten Ruf dieses Musters bürgerlicher Tugend prallte die Anklage ab. Unser Freund Köllns klärte uns schon vor Jahressrist über den wahren Charakter des Biedermanns auf, der, ebenso wie sein Freund Barthou, von Arton 50 000 Fres. erhalten und für die Panama-Millionendiebe förmlich den Schlepper g e M a ch t h a t. Sic transit gloria rnundi! ♦* « Unser Pariser Korrespondent schreibt uns unterm 23. d. M. das folgende über die Panama-Affaire: Unglaublich, aber wahr! Das Kabinet Meline hat(8 gewagt, die zweite Panama- Untersuchung womöglich in noch empörenderer Weise zu vertuschen, als dies unter seinen opportunistischen Vor- gängern in der ersten Panama- Untersuchung der Fall war. Es ist eine unerhörte Herausforderung an die Oeffentlichkeit, an das elementarste Nechtsgesühl, die notorischen großen Diebe un- behelligt zu lassen und vier arme Teufel als Sünden- böcke herauszugreifen. Die 2 200 ovo Franks, die Arton nach seiner vor Gericht abgegebenen Erklärung unter die Parlamentarier vertheilt hatte, wären also so gut wie ausschließlich in die Taschen verstorbener oder gegenwärtig nicht mehr dem Parlament au- gehörenden Panamisteu gewandert und von den IS7 gegenwärtigen Parlamentsmitgliedern(7ö Deputirten und 62 Senatoren), die für die Panama- Anleihe gestimmt, wären blos vier der Be- stechung dringend verdächtig. darunter obendrein drei Mit- glieder der Kammer-Opposition und nur ein einziger obskurer ministerieller Senator!.. All die notorischen Verluschungs- kniffe in der ersten Panania-Untersuchnng, die jahrelange„Unauf- sindbarkeit' des Arto», der unter dem radikalen Ministerium wenige Tage nach dessen Regierungsantritt fest- genommen werden konnte, die feststehenden Unterhandlungen der panamistenfreundlichen Minister Ribot und L o u b e t mit dem „unauffindbaren" Arton über die Auslieferung seines Check- buches,— all' diese Machenschaften wären also von den opportunistischen Regierungsmänner» auf die Gefahr ihrer poli- tischen Entehrung begangen worden lediglich zu dem Zwecke, drei oppositionelle Abgeordnete und einen»-beliebigen Senator zu retten!... Die vom Kabinet Meline arrangirte Nntersuchnngs- posse ist wirklich zu plump, um von irgend einem zurechnungsfähigen Menschen ernst genommen zu werden. Die vier Sündenböcke sind: � der regterungsfreundliche Senator L e v r e y, dessen Existenz erst seit gestern dem Publikum bekannt wird; Alfred Naquet, Senator zu den Panamazeiten und einer der hervorragendsten Führer der bonlangistischen Bewegung, Abgeordneter seit 1889 und Mitglied der linksradikalen Fraktion; Henry Marek, radikaler Abgeordneter und Chefredakteur des Opposilionsblattes„Radikal"; A» t i d e B o y e r, sozialistischer Abgeordneter von Marseille.— Der Entehrungsversuch des pana- mistenfreundlichen Ministeriums gegen Boyer ist besonders infam. Boyer's Beziehungen zu Arton haben mit der Panama- Korruption nichts zu thun. Das wurde bereits wiederholt festgestellt: einmal vor der parlamentarischen Untersuchungskommission in der Panama- Affäre(1892—1893), dann in der ersten gerichtlichen Panama- Untersuchung und in zwei Schwurgerichts- Verhandlungen. Boyer hatte ein volles Jahr nach dem Votum über die Panama- Anleihe in einer momentanen Geldverlegenheit bei Arto» 3000 Franks gegen einen regelrechten Wechsel ent- liehen, und zwar durch die Vermittelung eines Kollegen, namens Barbe, da Boyer bis dahin Arton garnicht�kannte. Die Schuld wurde von Boyer der Verabredung gemäß in monatlichen Raten zurückgezahlt, wie das durch die auf der Rückseite des Wechsels verzeichneten Quittungen bestätigt wird. Die Rück- zahlungen belaufen sich ans 1300 Franks und haben erst mit der Flucht Arton's aufgehört.... Roch mehr, eine Stunde vor Einbringung des Verfolgungsantrages in der Kammer wurde Boyer a u f seine» eigenen Wunsch vom Untersuchungsrichter vernommen, wobei dieser ihm erklärte, es läge» gegen ihn keine be- l a st e n d e n B e w e i s e vor; zu gleicher Zeit aber verlangte der Ober-Staatsanwalt(procursur g&ieral), das unmittelbare Werkzeug des I u st i z m i n i st e r s, die Aushebung der Immunität Boyer's! Dieser Sachverhalt, von Boyer in der S eitrigen Nachtsiyung der Kap-mer dargelegt, machte den tiefsten ändruck. Der sozialistische Abgeordnete wurde von allen Seiten mit Sympathiebezeugungen überhäuft.— Daß er für die Panama- Anleihe gestimmt hat, erklärt sich hinlänglich aus dem Umstand, daß die von ihm vertretene Hafenstadt an der Durchstechung des Panama- Kanals in hervorragender Weise inter- essirt war. Aus demselben Grunde hat der andere sozialistische Ab- geordnete von Marseille, der Dichter C l o v i s H u g u e s, für die Panama- Anleihe gestimmt. Und man weiß jetzt, daß der freche Panamisten-Retter, Justizminister Daria», nahe daran war, auch Clovis Hugues in den Verfolgiingsantrag aufnehmen zu lassen.... Die Entrüstung über den schändlichen Ausgang des politisch wichtigsten, weil gegen die aktiven Parlamentarier gerichteten Theils der Untersuchung ist um so gewaltiger, als man ziemlich allgemein die„staatsmännischen' Eigenschafte» der Herren Darla» und Meline unterschätzt oder je nachdem überschätzt hatte. Der schlimmste Feind des Ministeriums konnte nicht den Gedanken fassen, daß die seit 1892 am politischen Körper Frankreichs zehrende Eiterbeule des Panamismus zum zweiten Mal unaufgeschnitten bleiben soll, und das unter viel erschwerenderen Umständen als 1392—1393, da man keinen Arton und keine Arton« Checkbücher unter der Hand hatte. Die S t i m m u n g d e r K a n> m e r m e h r h e i t gegen das korrupte Ministerium machte sich Lust in der Wahl der mit der Berathung über den Verfolgungsantrag betrauten Kommission. Die sonst so erprobte Regierungsmehrheit schmolz plötzlich zusammen und es wurde eine oppositionelle Mehr» heil in die elsgliedrige Konimission gewählt, darunter die Sozia- listen Gabriel D e v i l l e und R o u a n e t. Die Folge davon war, daß die Kommission vor allem die Mittheilung der Unter- suchungsakte verlangte. Da trat aber etwas ein, was die Regierung um den letzten Rest auch ihres äußeren Ehrbarkeitsscheins gebracht hat. Nach vielem Hin- und Her- reden erklärte der Justizminister in der Kommission und dann in der Kammer, der Untersuchungsrichter, der in seinen Entschlüssen vollkommen„unabhängig'(!!!) sei, willige zwar in die Auslieferung„einiger" Akte ei.' aber— man erralhe!— der Schriftführer sei verreist und habe den Schlüssel vom A k t e n s ch r a n k mitgenommen!... Unnütz zu sagen, daß Darlan, der um 6 Uhr abends vom Verlangen der Kommission unterrichtet war, bis zur Wiederaufnahme der Kamniersitzung um 10 Uhr abends mehr als genug Zeit halte, uni den Schriftführer nebst dem Schlüssel nach Paris zurückzuschaffen. Der Schriftführer wohnt nämlich in Charenton bei Paris, wohin es rasche Fahrgelegenheiten per Bahn und Dampfschiff mehrere Mal in der Stunde giebt. Der„Schlüssel- streich', wie die Blätter den possenhasten Kniff des Justizministers nennen, erweckte den allzu begründeten Verdacht, daß es sich um die Absicht handle, gewisse Dokumente auS den Untersuchungsakten zu entfernen. Ein sozialistischer Abgeordneter sprach diesen Verdacht in der Kammer rund heran?. Ist es doch in den letzten Tagen bekannt geworden, daß die erdrückenden Belastungsdokumente gegen die Großpanamisten, beigebracht von Charles de Lesseps, dem ehemaligen Vewaltungsraths-Mitglied der Panamagesellschaft, aus den Akten der ersten Panama-Untersuchung verschwunden waren. Der ehrliche Theil der Oeffentlichkeit hatte, wie es sich nun herausstellt, allzu große Hoffnungen auf den guten Ruf des Unter- suchungsrichters Le Po i te v in gesetzt. Dessen richterliches Gewissen hat sich gegen die ihm aufgedrungene unsaubere Arbeit nur so weit ausgebäumt, um einen Augenblick seine Demission anzn- bieten. Er parirte aber Ordre bis zuletzt, den Beweis liefernd, daß es in der entwürdigten Klassen- und Parteijustiz der Bourgeois- republik keine weißen Raben giebt. Eine gründliche Reinigung des Augiasstalles der Korruption konnte man füglich von einem Kabinet Meline und von einem Justizminister Darlan, der als Kommissions-Berichterstatter den David Raynal, den Urheber der„verbrecherischen" Eisenbahn-Verträge reingewaschen und in seinem gegenwärtigen Amte die Untersuchung gegen die opportunistischen Phosphatschwindler von Algerien hatte ß-p-dttio»: SW. 19, Wenty-Straße vertuschen lassen, nicht erwarten. Ebenso leicht hätte sich Münch- Hausen beim eigenen Schöpfe aus dem Sumpfe emporziehen können, in welchem er bis zum Halse steckte. Die von Darlan geleitete„Reinigungsarbeit" übersteigt aber denn doch allzu sehr das Maß des selbst einer panamistensreund- lichen Regierung Erlaubten. Es ist ein politisch-juristischer Skandal, der noch viel ärger ist als der politisch-finanzielle Panama- Skandal. Dieser Eindruck spiegelt sich selbst in einigen gescheidteren mi- nisteriellen Preßorganen wieder, die nun mit einem Mal auch ihrer- seits„volles Licht" verlangen. Die Regierung hat eben zu viel retten wollen— das ist ihr Pech. Sie steht nun entwürdigt, wie auf frischer That ertappt da. Ob aber dieses Verhältniß parlamentarisch im Sturze des Ministeriums seinen logischen Ausdruck finden wird, erscheint noch immer zweifelhaft. Die geretteten Panamisten haben ein dringendes persönliches Interesse an der Erhaltung ihrer Retter am Ruder. Und die nichtpanamistischen Regierungstruppen sind durch ein „höheres" Partei-Jnteresse gezwungen, sich zu passiven Mitschuldigen' des Kabinets zu machen. » Die Telegraphen- Bureaus melden folgendes über die Weiterentwickelung der Panama-Affäre: In der Angelegenheil Arton hat die Kommission einstimmig beschlossen, die nachgesuchte Genehmigung zur gerichtlichen Der- folgniig einzelner Deputirten zu ertheilen. Aus den Erklärungen des Untersuchungsrichters Poittevin vor der Jmmunitätskonimissioii geht hervor, daß demnächst noch 3 bis 4 neue Auslieferungsansnchen eingebracht werden sollen. Naquet telegraphirte an die Kommission und an den Staats- anmalt von London aus, er werde heute nach Paris zurückkehren. — Mehrfach verlautet, Arton habe im ganzen 31 ehemalige und gegenwärtige Parlamentarier angegeben, welche zusammen etwa l'/j Millionen Franks an Bestechungen erhalten hätten. „Gaulois" veröffentlich heute mehrere Blätter aus dem Schuld- buche Artoiis. Man erwartet in den nächsten Tagen einen Ver- folgungsantrag gegen vier weitere Abgeordnete und zwar gegen Rouvier, Julien, Hugues und Goiraud. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Paris gemeldet: Die Kommission in der Panama-Affäre beschloß einstimmig, die Straf- verfolgungs-Gesuche zu genehmigen. Sieben Mitglieder der Kommission werden heute in der Kammer beantragen, eine parlamentarische Panama-Enquete, die im Jahre 1392 beschlossen wurde, neu zu eröffnen und abermals eine Enquete-Kommission ein» zusetzen._ politische Meveestchk. Berlin. 29. März 1897. Der Reichstag beendigte heute die dritte Lesung des Etats. Zu Debatten, an denen sich unsererseits Singer, Liebknecht und Bueb betheiligten, gab nur � noch der Post- Etat und der Etat der Reichs- Eisenbahnen Anlaß. Bei dieser Gelegenheit konnte man wieder sehen, welches ungewöhnliche Talent der Unterstaatssekretär der Reichspost, Fischer, besitzt, um sedermann vor den Kops zu stoßen und sich von jedermann bittere Lektionen zu holen. Herr Fischer soll hoffen, der Nachfolger Stephan's zu werden. Mit solchen Manieren wird er wohl nicht zum Ziel kommen. Nachdem der Etat in seiner Gesammtheit gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt war, kam die Polen- In terpellation betreffend die Auflösung von polnischen Wählcrversammlnngen wegen Gebrauchs der polnischen Sprache zur Verhandlung. Der Abgeordnete C zar l i n sk i begründete die Interpellation, worauf Herr v. Botticher nach- zuweisen suchte, nicht die Polizei habe die fraglichen Ver- sammlnngen aufgelöst, sondern die Vorsitzenden der Ver- sammlungen. Es scheint das ein kleines Wortspiel zu sein. Gewiß ist, daß der Gebrauch der polnischen Sprache polizei- lich verboten ward. Und das ist der Punkt, auf den es ankommt. Der Reichstag beschloß die B e s p r e ch u n g der Inter- pellation, vertagte sich aber, da die Zeit inzwischen sehr vor- gerückt war, bis morgen 1 Uhr. � Wir können auf eine inter- essante Debatte gefaßt sein.— Das preußische Abgeordnetenhaus begann heute die Be» rathung des E t a l s des F i u a n z m i n i st e r i u m s und der in Verbindung damit stehenden Besoldungsvorlage. Die Nationalliberalen, die bei der ersten Etatsberathung schwerwiegend« Bedenken gegen den Regierungsplan vorgebracht halten, ließen heute durch den Abg. Dr. Sattler erküren, daß sie zwar noch an der Forderung einer gleichmäßigen Behandlung der richterlichen und der Verwaltungsbeamten festhalten, daß sie sich aber im Interesse der schon lange auf Aufbesserung wartenden Beamten zunächst mit einer Ausgleichung der schärfsten Gegensätze begnügen wollen. Auch von einer Ausbesserung der Unterbeamten haben die Nationalliberalen, die bei der ersten Lesung. von angeblicher Fürsorge für diese am schlechtesten gestellten Beamten förmlich übertrieften. Abstand genommen; sie begnügen sich mit einer Resolution, worin sie die Regierung ersuchen, durchs den nächsten Etat eine Ausgleichung der bei den Gehältern derf Unterbeamten hervorgetretenen Ungleichheiten und Härten herbeizu- führen, unter gleichzeitiger anderweitiger Regelung des Wohnungs- geldzuschusses. Die Zentrumsparlei geht schon weiter, sie verlangt! von der Regierung in der nächsten Session eine Vorlage über diez Aufbefferung der Besoldungen der unteren Beamten, womit freilich auch noch nichts erreicht ist, da die Regierung selbst einer einstimmig vom Hause angenommenen Resolution keine Folge zu geben ver- pflichtet ist. Aus diesem Grunde erklärte auch der Abg. R i n t e l e n (Z.) im Gegensatz zu seiner Partei, die sich ihre definitive Ent- scheidung noch vorbehält, gegen die ganze Vorlage zu stimmen. Natürlich warnte der Fiiianzminister Dr. v. M i q u e l unter Aus»- Zählung dessen, was in den letzten Jahren für die SSeamten geschehen ist, dnvor, jetzt schon an eine Aus- desserung der Unlerbeninten zu gehen; infolge z» iveit- gehender Forderungen könne die Vorlage auf Nummr- wiedersehen verschwinden, wodurch die Unzufriedenheit»niter den Beamten nur noch vergrößert würde. Die Negierung sei bereit, den Kommissiousbeschlüssen als einem Kompromiß zuzustimmen, sie rechne aber darauf, daß dies Komprouiiß an keiner Stelle durch- krochen wird. Für die Freikonservativen erklärte Abg. v. T i e d e» mann-Bomst und für die Konservativen Graf zu L iniburg- S t i r u in sich mit der Vorlage einverstanden. Letzterer wandte sich auch gegen den Eintrag auf Aufbesserung der Unter- bcamten mit der sehr billigen Ausrede, daß man nicht übersehen könne, ob eine allgemeine Erhöhung der Unter- beamten nothwendig sei. Gegen die in der Vorlage zu tage tretende Spstemlosigkeit wandte sich noch Abg. Gothein (frs- Vg.), während sein Parteigenosse Ehlers dieselbe warm be- surwortete und selbst nichts gegen eine en bloo-Annahme einzuwenden hatte. Die Ausführungen dieses„freisinnigen" Herrn gip elten in einem solchen Lob für die Regierung, daß am Schluß seiner Rede die Konservativen ihm lebhaften Beifall spendeten, ein Erfolg, auf den Herr Ehlers hoffentlich nicht allzu stolz ist. Angenehm unterbrochen wurde die Sitzung durch einen Zwischen- fall, der als eine Art Nachspiel zur Zentenarseier au- gesehen werden kann und den Beweis liefert, wie es mit dem Patriotismus mancher Klassen bestellt ist. Das ungeheuerliche Ercigniß, das diese»» Zwischenfall zu gründe lag, war die Thal- fache, daß der Regierungspräsident von Hannover, v. Brandenstein, einer Aufforderung des dortigen Stadtdirektors, seinen Namen nuter einen Aufruf zur Feier des Sedantages und zur Zentenarseier zu setzen, keine Folge gegeben hat, nicht etwa, weil es dem Herrn an der Eigenschaft fehlt, die man gemeinhin als nationalen Sinn be- zeichnet— solche Beamte sind in Preußen undenkbar— sondern weil diejenigen.diedieAuffordcrung erließen.einen unverzeihlichen Formfehler begangen hatten; sie haben die Würde seines Amtes nicht geachtet und ihm eine gedruckte Aufforderung zugehen lassen, was den Re- gieruugspräsidenten sehr verschnupft und die ftaatserhalteuden Parteien in Hannover in große Aufregung versetzt hat. Diesen harmlosen Vorgang bauschte Abg. W a l l b r e ch t(natl.) unter Berufung auf unser Hannoversches Parteiorgan, das seine Freude darüber aus- gedrückt habe, in der heutigen Sitzung �ungeheuer auf und gab da- durch den Konservativen und dem Minister des Innern Gelegen- beit, ihre Ansichten über Taktgefühl vor dem Lande darzulegen. Freiherr von der Recke gab natürlich seinem Beamten recht, da derselbe sich im Stande der Nothwehr(!) befunden habe. Nicht der Regierungspräsident habe taktlos gehandelt, als er eine kurze gedruckte Aussordernug zurückwies, sondern der ülbg. Wnllbrecht habe gezeigt, daß es ihm an Selbsterlenntniß fehle. Diese offenbare Beleidigung eines Mitgliedes des Hauses ließ der Bizeprästdent Dr. Krause nicht nur nngcrügt, er erklärte sie sogar, als er von anderer Seile darauf anfuierlsau» gemacht wurde, ausdrücklich als zulässig. Für den Abg. Wallbrecht legten sich seine Parteigenossen Dr. Sattler und v. E y n e r n ins Zeug, ebenso billigte Abg. Ehlers(frs. Vg.) sein Verhalte», während Abg. Graf L i m b n r g- S t i r n m-(k.), dem Minister beispringeud, Herrn v. Brandenstein als einen besonders schneidige» Beamten pries. Auch Abg. Im walle(Z.) trat für den Regierung?- Präsidenten ein. An und für sich ist ja die ganze Sache höchst gleichgiltig. Interessant ist es jedoch, daß im Patriotismus machende Herren die äußere Form höher achten, als die Sache. Die Ausdrücke, in denen sich die Debatte bewegte, waren so freundliche, daß die Anregung eines Mitgliedes, dem nächsten Parlamentsalmanach«inen Auszug aus Knigge's Umgang mit Menschen beizugeben, durchaus am Platze war. Und in diesem Hause sitzen keine Sozialdemokraten, die an- geblich den Ton des Reichstages so heruntergebracht haben sollen!— Warui» Herr v. Knrdorff keine Diäten braucht. Zu diesem denen um Stumm höchst unbequemen Thema bringt die „Voss. Ztg." folgende Notiz: In dem Bericht der Eisenbahn- Untersuchungskonunission, Aktenstück Nr. 11, in den Druck- fachen des Abgeordnetenhauses von 1873/74, Band I, wird auch über die Thätigkeit des Herrn v. Kardorff bei der Posen- Krenzburger Bahn berichtet. Da heißt es: .... Es giebt der zum Gründungskomitee gehörige Zeuge v. Kardorff selbst an, daß jedem der drei Mitglieder desselben von der Ballgesellschaft 25 000 Thaler baar ausgesetzt und auch gezahlt sind und daß außerdem denselben znsaiinnen, sofern die Zeichnungen der Adjazenten 1100 000 Thaler überstiegen, eine Proviston von 25 pCt. voll dem Mehrbetrage und ferner für den Fall der Forlsetzuug der Bahn in das Kohlenrevier pEt. der Bausuulllie bewilligt sei..... v. Kardorff ist nicht nur Mitglied des Gründungskomitee's und demnächst des Aussichtsralhs der Eisenbahngesellschaft, sondern gleichzeitig auch Mitglied des Aufsichtsraths der Ballgesellschaft ge- wesen, welche letztere er selbst mit zur Ausführung der Eisenbahn Posen-Kreuzburg i»s Leben gerufen hat... Jene Doppclstellung des v. Kardorff ist kürzlich seitens des königlichen Eiseubahukommissariats hierselbst für ulizulässig erachtet nnd dies auf Beschwerde des ersieren vom Handelsminister im Erlaß vom 28. April 1878 i» Rücksicht auf die Vertretung kollidirender Interessen aufrecht erhalten. Es kann unserer Sache im Volke nur nützen, wenn es genau die Ehrenniänner kennen lernt, die uns mit dem Brust- ton der Ueberzeugung systematisch bekämpfen.— / Meineids- Prozeß Schröder nud Genossen. Aus Essen geht die telegraphische, überraschende Nachricht ein, daß das Wiederaufiiahme-Verfahrcu in Sachen der schwer geprüften Genossen Schröder und seiner Leidensgenossen von der Straf- kammer des Landgerichts zu Essen abgelehnt ist. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Niemeyer, hat gegen diesen ablehnenden Beschluß sofort Beschwerde beinr Ober- Landes- aericht erhoben. Gegenüber der zweifellos unschuldig im Zucht- Hause Schmachtenden ist uns der ablehnende Beschluß durchaus unerklärlich.— JutcrnationaleS Amt für Rrbeiterschntz. AuS Zürich wird uns geschrieben: Während der Bundesrath in seiner Bolschast an die Bundesversammlung sich ans wenige Mittheilungen beschränkt und die Antworten der ausländischen Regierungeil auf die Anfrage wegen deS internationale» Arbeiterschutzes und insbesondere des interuationalen Amtes für Arbeilerschutz nur ganz kurz summarisch erwähnt, hat National-„nd Regien,»gsrath C u r t i in St. Gallen jüngst in einer dortige» Versammlnng mitgelheilt, daß O e st e r- reich« n d Belgien mit der Gründung eines internationalen Amtes für Arbeiterschutz einverstanden, Deutschland und Italien nicht dagegen seien und einzig Frankreich und Rußland es„e i» st w e i l e n abgelehnt haben, ans d-> n Plan einzugehe n". Es ist geradezu köstlich, daß die Ziveibundstaaten auch in dieser sozialpolltischen Frage Arm in Arn, aufmarschireu; aber nicht köstlich ist in der That, daß daS republi- kanische Frankreich i» der Frage des Arbeiterschutzes, worin es freilich noch herzlich wenig geleistet hat, jsich ebenfalls von dein Russen leithammelu läßt. Den, kapitalwüthigen Meline und feiner russischen Unterthänigkeit sieht diese Haltung freilich gleich. Den Sozialdemokralen in der sranzosifchen Kaminer dürfte diese neuest« Leistung dankbaren Stoff für weitere geeignete Bearbeitung biete». Daß die deutsche Regierung nicht dafür und nicht dagegen ist, diese ihre Haltung entspricht auch ihrer inneren Sozialpolitik, was auch vou Italien gilt. Herr C u r t i meint, daß die Jnstaudsetzulig des Bureaus schon heute für die drei oder vier zustimnieiiden Staate» möglich sei und daß sich mit der Zeit auch die anderen Staaten anschließen lvürden.— Die Kosten des mter- nationalen A.nles für Arbeiterschutz b«ttchn«t Herr«urti auf ILO 000 bis 180 000 Fr. pro Jahr. Die italienische» Stichwahlen haben uns keine Erfolge gebracht. Eine Privatdcpesche aus Rom meldet: „Unsere Kandidaten erlagen mit kleinen Minoritäten von SO bis 100 Etiuimen. Die Siege der Gemäßigten sind blos der Wahlhilfe der Klerikalen zu danken. Acht Republikaner wurden in den Stichwahlen meist mit Unterstützung der Sozialisten gewählt. Die charakteristischste Erscheinung bei den Stichwahlen ist die Niederlage der drei ehemaligen Unterstaaissekretäre Forli, Bonacci und Rava. Eine neue Berurtheilung des Systems Crispi." Wolff's Bureau meldet: Bisher sind die Ergebnisse von SO Stichwahlen bekannt. Es wurden gewählt 27 Ministerielle, 10 Mitglieder der konstitutionellen Opposition, 12 Radikale, 1 Sozialist(?). Der frühere Minister Bonacci und die früheren Untcrstaatssekretäre Rava und Papa unterlagen ihre» Gegenkandidaten. Die Ergebnisse von 12 Stich- wählen stehe» noch aus. Auf Kreta kämpfen jetzt die Truppen der Großmächte im Bunde mit den Türken gegen die Bevölkerung, der feierlich die Autonomie zugesichert wurde. Es liegen folgende Meldungen vor: Das Bombardement am Freitag seitens der internatioiialen Geschivader hat unter den Christen große Verheerungen ange- richtet; wegen des Mangels an Nahrungsmitteln ist ein Aufstand der Mohamedaner zu befürchten. Aus Athen wird gemeldet: Die Regierung gab der, Führern der Grenzarmee strenge Befehle, die Truppen im Zaume zu halten und keinen Angriff zu gestatten. Chronik der Majcstätsbcleidignngs-Prozosse. Der Knecht Hermann Hamann aus Schivedt a./O. wurde am 27. März von der Slrafkammer des Landgerichts Prenzlau wegen Majestälsbeleidigung zu drei Dionate» Gesängniß verurtheilt. Die Verhandlung erfolgte unter Ausschluß der Ocsseutlichkeit. « •* Tentsches Reich. — II eber die Slufgabcn des Reichstages, die noch der Erledigung harren, schreiben die„B. P. N.": Von den von de» verbündete» Negierungen dem Reichstage unterbreiteten Vorlagen harren das Jnvalidenversicherungs-Gesetz und der Entwurf über die Handwerksorganisation immer noch der ersten Berathnng. Der Reichstag wird kaum umhin können, wenn nicht beide, so doch wenigstens eine vor Ostern vor- zunehme». Daun bleibt aber fast keine Zeit mehr zu andere» Arbeiten und so wird denn die Hauptthäligkeit, d. h. die ent- scheidende über die Mehrzahl der Entivürfe der Tagung in die Zeit nach Ostern fallen. Abgesehen von den mit dem Etat zusammen- hängenden Vorlagen würden also vor Osler» nur das Subhastations- gesetz, die Hypothekenordnung und das Kouverstonsgefetz zu stände gekomnieu sein. Die größere Anzahl, und darunter die umfang- reichsten, harren der Erledigung. Gesetzentwürfe, wie dasHarrdelsgesetz- buch, die Unfallversicheruugsnovelle, das Jiwalidenversichernngs- und Auswaiiderungsgesetziverdeii bei den Plenareinzelberathiiiige»-längere Erörterungen herbeiführe», ganz abgesehen von dem Handwerks- organisations-Entwurf, dessen Eilizelbestiminuilgen vo» zwei ver- schiedeneu Seiten angegrisseu werden dürften. Auch über den Entwurf betreffs der Postdampfschiffs-Verbiudungeil mit überseeische» Ländern werden noch eingehende Plenarberathilugen erwartet. Nimmt man hinzu, daß der Bnndesrath dem Reichstag noch weitere Vorlagen zuzustellen gedenkt, so wird das Arbeits- pensum des Reichstages nach Ostern nicht als klein bczeichnel werden können. — Die letzte Nachwahl. Nach dem amtlich festgestellten Ergebniß der am 24. März im ersten Merfeburger Reichstags- Wahlkreise(Liebenwerda-Torga») statlgehableu Reichetags-Ersatzwahl erhielte» von 14 147 abgegebenen giltigen Stimmen der General- arzt a. D. Dr. Bnssenius- Torgau(Rp.) 6163, der Prediger smsr. Kiiörcke-Zchlendorf(frs. Vp.) 6047 und der Buchdruckereibcsttzer Müller-Echkeuditz(Soz.) 1923 Stiiinne»: 9 Stimmen waren zer- splimmert. Es kommt daher zwischen Busseuius und Knörcke zur Stichwahl.— — Z n r R u s s i f i z i r u n g des preußische n Verei>, s» und Versamnikungsrechles schreibt die„Berl. Corr.": Die in der Presse verbreiteten Mittheilungen der„Neuen Verl. Korresp." über angebliche Differenzen im Staatsministcrium, die hauptsächlich die Resori» des Vereins- nnd Versaininlungsrechts betreffen sollen, sowie die damit verbundenen weiteren Angaben beruhen aus Erfindung.— — Die diesjährige Generalversammlnng des Wahlvereins der Liberalen(Organisation der Frei- sinnigen Vereiiilgnng) wird nach dem Beschlüsse des geschäftsführe»- den Ausschusses erst im Herbst stattsinden. Dies geschieht, wie das Organ der Partei, das„Berliner Tageblatt' mittheilt,„iveil sich dann die Verhältnisse, wie sie sich vor den Reichstags- Wahle» ge- stalten werde», klarer übersehen kaffen. Der Ausschuß ist auch der Meinung, daß die nächste Zeit vor allem dazu benutzt werden müsse, um in den einzeliien Provinzen und Wahlkreisen eine möglichst eifrige Thätigkeit zu entfalte». Je schwerer und bedeutungsvoller der nächste Wahlkampf sein wird, um so früher und energischer müssen die Vorbereitungen dazu beginnen.— - Der Bund der Landwirthe hat recht unglücklich aus dein Gebiete der Sozialpolitik debutirt. Am letzte» Sonntag stieg der wlssenschaftliche Hiilterlnann des Bundes der Landwirthe, der alles beweisende Dr. Rnhland,»u den Arbeitern herunter und rieth ihnen in einer Schlosser- und Maschinenbauer-Versammlung ab, sich von der Sozialdeinokratie verführen zu lassen, er pries die aller- kleinsten Mittel, die Fabrikküchen nnd Kantinen. Aus den» Verlauf der Versammlung wird er aber ersehen haben, daß sein Versuch aufs gründlichste verunglückt ist, daß die Arbeiter von seinem alten Eiapopeia nichts wisse» wollen und daß sie an der Politik der großen Mittel festhalten.— — Milde Gaben für unsere Marin». Entgegen dem gegen den„Vorwärts" gerichteten Deinenti der„Nalionallib. Corr." lheilt die„Brest. Morg.-Ztg." mit, Geheimrath Krupp wolle allein ohne Konsortium die Schisse bauen und sie dann an die gerade Be- darf habenden Staaten vermielhen. Wir glaube», daß die Leiter ver Krnpp'schen Werke in ihren, bewährten und niemals falsch spekulirenden Patriolisnius einfach die von unseren Marine- Enthusiasten schmerzlich entbehrten Schiffe bauen und sie sich später mit deutschen Eteuergeldern abkaufen lassen werden.— — Der merkwürdige Prozeß, über den wir unter dem Titel„Ein Gerichts-Kapitel von der Gnade" an anderer Stelle be- richten, zeigt, wie untergeordliete Personen auf die Erledigung von Guadeiigesiichen Einfluß zu haben vermeine». Mit den» Staatsanivalte müssen wir erklären, daß Vorgänge, wie sie dieser Prozeß aufgedeckt hat, frappiren inüssen. und daß jedermann annehmen müffe, daß es mit den» Recht bei uns schlecht bestellt sei. Wir können die Lektüre des lehrreichen Prozeßberichtes aufs dringendste einpfehleli. Selbst die zahme„National- Zeitung" droht mit einer Interpellation in» Abgeorduetenhause.— — Die erst- Pfändung bei einem Handweber') ans grund deS Jnvaliditäts- und AltersverstcherungS-Gesetzes ist er- folgt. Ein Weber in L« u t m a n n S d o r f in Schlesien ist davon betroffen. ') Siehe auch den Artikel zur Alters- und Jnvaliditäti- Versicherung in dir zweiten Beilage der Nr. 44 des„Vorwärts". Wie aus einem Bescheide des Landrathsaintes in Schweidnitz hervorgeht, sollte der Weber für das letzte Halbjahr 1894 und das erste Halbjahr I8SS Marken der zweite» Lohnklasse zu 20 Pf., für die spätere Zeit aber nur solche der ersten Lohnklaffe zu 14 Pf. kleben. Wie man zu dein Verlangen kommt, daß der Mann, der nachweislich höchstens 200 M. in» Jahre verdient, auch nur ein Jahr Marken zu 20 Pf. kleben soll, ist uns linbegreiflich, da dies mit den Bestimmuilgen des Versichernngs- Gesetzes absolut nicht im Einklang zu bringen ist. In dem landräth- lichen Bescheids ist von dem ortsüblichen Tagelohn die Rede, derselbe ist nach diesen» Bescheide offenbar von Mitte 139S ab herabgesetzt worden, aber»ach dem Alters- und� Jnvaliditäts- versicherllngs-Gesetze kann doch niemand, der unter 3S0 M. Jahres- verdienst hat, zu höheren Wochenbeträgon als 14 Pf. herallgezoaen werden, linseres Erachtens ist also der Hinweis auf den ortsüblichen Tagelohn verfehlt. Der gepfändete Weber gehört nun aber keines- wegs zu den bartgesottenen Sündern, die gar nicht geklebt habe», er hat sogar»och ziemlich fleißig geklebt, sei» Rückstand beträgt iusgefammt 10,94 M.; dabei ist das 2ahr zu 62 Beilragswoche» gerechnet, das heißt, er soll jährlich 62 Marken kleben. Sehe» wir von den 20 Pfennig- Marken ganz ab und legen unserer Berechnuiig nur 14 Pfennig- Markei» unter, so hat der Mann also im Jahre S2,»al 14 Pf. gleich 7,23 M. Beiträge zu zahlen, dazu giebt ihm fein Fabrikant pro Kette 10 Pf.; zur Verarbeitung einer solchen werden als Durchschnitt zwei Arbeits- wochen amtlich ailgenommen, mithin hat der Fabrikant, wenn alles glatt geht, jährlich 2.60 M.. der Weber aus eigener Tasche aber 4,68 M. jährlich zu leisten. Nach der landräthlichen Entscheidniig soll der Fabrikant zwar pro Kelte 14 Pf. leisten, er thut es aber nicht und hat andernfalls Entziehung der Arbeit in Aussicht gestellt, deshalb kann der Weder nicht energisch vorgehen, denn schließlich ist der Hungerlohn von 200 M. im Jahre immer»och besser, ivie gar keiner. Böser Wille liegt eigentlich bei keinem der Hansweber, die mit dem Kleben im Rückstände sind, vor, vielmehr ist das arg ver- klausulirle Gesetz ll»d der Umstand schuld, daß die starken Schultern der Fabrikanten den kleine» Theil, die schwachen der Weber de» schweren Theil trage» sollen. Bei den miserablen Löhnen ist es ini- möglich, die nichtgeklebten Wochenbeiträge in dcr verlangten, ver- hältnißmäßig kurzen Zeit»achzuhole». Die sozialdeiiiokratischen Abgeordneten werden bei der dem- »ächstigei» neue» Berathnng des Alters- und Ji>valide»>versicher»ngs- Gesetzes alles aufzubieten haben, um die Klebepflicht, wie es sich gehört, auf die Schultern der Fabrikanten zu bringe». Jetzt liegt nämlich den Halisweberil die Klebepflicht ob. Das Alters- und Jnvalibiläts- versicheruugs-Gesetz sollte ja die Krone der Sozialresorin-Gesetze sein, daß die erste Arbeitcr-Psändlnig auf grund dieses Gesetze? gerade mit der HundLctjahr-Feier znsauiinenfälll, könne» wir als ein günstiges Omen für keins von beide» erachten. Die Handweber stnd eine zum Verschivinden verurtheilte Arbeiter- Kategorie, die>mr noch wenig zahlreich ist, hier köiuite» die Herren Landräthe der betreffenden Kreise eiiimal eine soziale Friedenslhat thlin, wenn sie an entscheidender Stelle befürworten wollte», daß den armen Handwebern die rückständigen Beiträge erlasse» würde». Diese Aerniste», die bei 17—13 Stilnden täglicher Arbeitszeit etwa 60 Pf. verdiene», hätten diese Hilfe eher verdient, als die ostelbischeu Junker. � Ein ganz verschwindender Theil deffe», was»ach uiiserer Schätzung die Hundertjahr-Feier gekostet hat, dürfte ausreichend gewesen sein, den Ausfall au rückständige» Beiträgen der Handweber zu decken. Wenn statt dessen der Exekutor weiter die wurmstichigen SO jährigen Möbelfragmente der Weber unter den Hammer bringt, so wird es sicher nicht die Sozialdemokratie sein, welche dabei zu kurz komnit.— Wiirttembergischer Landtag.(Eig. Bei.) Di« Freitagsitzung beschäftigte sich»ochmals mit der Handiverkersrage, um sodann zu den Arbeitern überzugehe». Znerft wird die Gründ»»g einer »eilen Fachschule für Feinmechanik und Elektrotechnik, welche im Schwarzivald errichtet werden soll, genehmigt; dieselbe soll hauptsächlich ziir Hebung des Kleingeiverbes beitragen und somii keine Ingenieur- oder Hochschule bilden. ÄllS Zuschüsse an Haiidwerksmeister zur Ausbildung von Lehrlingen werden pro Jahr öOOO Mark ausgeworfen, außerdem beschließt das Haus,„die Slegienmg zu ersuchen, die Bereitwilligkeit anSziisprechen, Mittel in höherem Betrage als bisher zur Unterstützung tleingewerblicher Unter- iiehnningen auf dem Lande, soweit allgemein volkswirthschaftliche Interessen dadurch gefördert ivcrde», zu beivilligen." Eine sehr interessante Debatte entspann sich über die Titel D a in ps k e s s el-J n sp ek ti on und G e w er b e-J» sp e k ti o n. Bolkspartei und Zentrum wetteiferten mit einander, in „Arbeiterfrenndlichkeit" sich zu überbieten, wohl in anbetracht der etwa bevorstehenden Wahlen. H ä h n l e(Bp.) freut sich, daß nun die Dainpfkessel-Jnspektion von der Geiverbe-Juspektion getrennt wird und verlangt Anstellung weiblicher Vertraueiispersonen�bei der Fabrikinspektion. E ck a r d(Z.) wünscht männliche Arbeiter als Hilsskräste der Fabrikinspektoren und erst später soll der An- stelluilg iveiblicher Vertrauenspersonen näher getreten werdeli. Genosse Kloß vertrat sodann in längerer Rede den sozialdemolra- tischen Standpunkt. Redner begründet die Anstellung weiblicher Hilfskräste damit, weil es den Arbeiterinnen den männlichen Fabrik- inspeklore» gegenüber an Mnth und Vertrauen fehle, auch müsse» die Fabrikiiispekloren aus de» Reihen der Arbeiter heraus gewählt iverden, die praktisch thätig sind nnd wissen, wo Mängel gesucht werden müssen. Minister v. P i s ch e k erwidert dem Vorredner, er habe auch Berichte über weibliche Juspektoren ans England gelesen, darin wird aber festgestellt, daß die weiblichen Vertrauenspersoiie» sich von politischen Agitationen nicht ganz fern halten, auch die technischen Kennlnisse und die Autorität den Fabrikaute» gegen- über nicht besäße». Der Minister meint, es sei zu wünschen, daß die Inspektoren sich selbst an den einzelnen Orten weibliche Auskunfls- Personen anstellen. Betreffs der Anstellung männlicher Arbeiter besitzt der Herr Minister eine sehr naive Anschauung, er besttrchtet, daß die betreffenden Arbeiter sich nicht ganz von dem Einfluß politischer Organisationen freihalten würden, ja er bezweifle sogar, ob e s A r b e i t e r mit den e r s o r d e r l i ch e» K e n» t n i s s e» gebe! Genosse Kloß wehrt sich gegen diese Verdächtigilngen des Herrn Ministers und führt die Gewerbegerichte a», bei welchen größlen- theils die Arbeiterbeisitzer aus Eozialdcmokraten bestehe», und ivird gerade überall die Objektivität und Gewissenhafligkelt dieser Beisitzer rühmend hervorgehoben, und was bei den Geiverbegerichte» möglich ist, wird auch bei der Fabrikinspektion eintreffe». Minister von P i s ch« k anerkeniit, daß die Arbeiter als Gewerbegerichtst�isitzer objektiv urtheilen, da sitze» sie aber in einem iiollegii»». während sie bei der Fabrikinspektion aus sich allein angelviese» und nicht selbständig genug wäre». Hierauf bringen H a u ß m a» n(frs. Vg.) imv die Zentrillusmänner E ck a r d und Nein bald ihre Arbeiterfrenndlich- keit zur Schau, sodann wird das Kapitel genehmigt. Bei Kapüel; „Fürsorge für Arbeitsverniiltelung" führt der Berichterstatter Sachs aus, daß die Verbindung der württembergischen Arbeitsämter mit- einander sich gut bewährt habe. Redner wünscht Verliiinderung des „Stromerivesens" und thcilt dieselben i» drei Klassen ein. Die- jenigen, die arbeitsunfähig sind, müssen vom Landesarmeiiverband versorgt werden, diejenigen, die keine Arbeit finde» können, sollen durch Verpflegungsstationen in ihrem Bestreben, Arbeit zu suchen, unterstützt werden, so baß man gegen die eigentliche» Stromer. die nicht arbeiten wollen, energischer vorgehen könne. Es werde» sodann 6000 M. für 1897/98 und 7000 M. für 1898/99 für die Arbeit?» ämter als Staatsbeitrag bewilligt. Bei Titel: Unfall-, Jnvaliditäts- nnd Altersversicherung beklagt der Abg. S t o ck m a i e r, daß die Nentenempfänger nicht wieder gesund weich ei» wollen. Minister von P i s ch e k führt aus, daß die Anstalt ein Vermögen von 16 200000 M. besitze. daS Geld sei für Arbeiter nützlich« Zwecke an- gelegt.— In der Sonnabendsitzung wird der Etat des Inner» ad- geschlossen und zur Berathnng des DepartemenlS des Answärligen übergegangen. Von der Voltspartei ist eine Anfrage an de» Minister des Innern eingegangen, bis iva»n die Vorlegung eines Gesekes betr. die p e r r o d i s ch e Wahl der Ortsvorsteher zu envarle,, sei. (Bekanntlich stnd in Württemberg sämmtliche Ortsvorsleher aus Lebenszeit gewählt.)— Oesterreich. � Der NeichZrath wurde heute vom Kaiser mit einer Thronrede eröffnet, der wir die folgenden Stellen entnehmen:„Die aus die Erweiterung des Wahlrechts abzielende gesetz- gebende Thätigkeit hat ihreil A b.s ch l n ß gesunden, und es ist gelungen, breiten Schichten der Bevölkerung eine verfnssungs- mäßig« Vertretung zu gewähren. Es wird nunmehr mög- lich sein, die Interessen aller Kreise mit jener Mäßi- gung, die ans der verantwortungsvollen Mitarbeit für das Wohl der Gesammtheit entspringt, nach dem Maße ihrer Berechtigung geltend zu machen. So wichtig auch diese Zlusgestaltnng der Verfassung für die staatliche Gemeinschaft sich darstellt, sie erhält ihre volle Bedeutung in dem Bestreben nach gesunden sozialen Reformen. Ihre Thätigkeit wird darauf gerichtet sein, für die Bevölkerung in materieller und kultureller Beziehung ausreichende Vorsorge zu treffen, innerhalb des Rahmens der bestehenden Gesellschaftsordnung vorhandene Gegensätze zu mildern, ohne an die L e i st u n g s- s ä h i g k e i t der Unternehmer für sozialpolitische Zwecke übermäßige Ansprüche zustellen und ihre auch ihren Arbeitern zugute kommende Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslände zu schwächen. In diesem Sinne wird die Regierung zunächst Entwürfe für eine Reform des Krankenversicherungs- Gesetzes vorlegen." Als die wichtigste und dringlichste Aufgabe für den nächsten Sessions- abschnitt erscheint jedoch eine Ordnung der Vereinbarungen, die sich auf die Erneuerung des Zoll- und Handelsbündnisses mit den Ländern der ungarischen Krone, auf die in beiden Staatsgebieten»ach gleichen Grundsätzen zu behandelnden Verzehrungssteuern, auf die Regelung der Banksrage, die Forlführung der Valutareform und endlich auf die Beitrags- leistnng zur Deckung der Bedürfnisse des gemeinsamen Haus- Halts der Monarchie beziehen. Die Thronrede kündigt auf dem Gebiete der inneren Verwaltung Vorlagen betreffend das Versicherungswesen und betreffend die Bevölkerung au, welche ihren Erwerb im Auslande sucht, und hebt die besondere Sorgfalt für die Pflege von Wisseuschaft und Kunst hervor und das Bestreben, auf dem Gebiete des öffentlichen Unterrichts in ruhiger Ausgestaltung der bestehenden Einrichtungen die allgemeine Bildung zu heben. Die vornehinste Aufgabe der Schule wird die erziehliche Thätigkeit bleiben. Die Thronrede kündigt ferner Aenderungen der Konkurs- vrdnung an, sowie Vorlagen über Friedensrichter, Gemeinde- vermittelungs- Aenster, Chects und kaufmännische Anweisungen und Ern-erbs- und Wirthschafsgenvssenschaften. Die Kodifizirung des Strafrechles wird in Augriff genommen, sobald ein durch die Zivil- Prozeßgesetze in seinem formellen Theile auf eine neue Basis gestelltes Rechtsleben den Beginn dieser großen Gesetz- gebungs-Arbeit gestattet. Die Regierung wird sich die Vorlage der Militär- Strafprozeßordnung, welche den besonderen militärischen Interessen sowie den Erfordernissen mo- der»er Rechtswissenschaft Rechnung trägt, angelegen sein lassen und einen Gesetzentivurf betreffend die Wahrung des mili- tärifchen Geheimnisses einbringen. Der nächsten Zeit wird ein Gesetzentivurf über Erhebung und zwangsweise Einziehung der direkten Steuern unter Regelung der Entschädigung der Gemeinden für Erhebung der staatlichen Stenern zukommen. Die Thronrede kündigt alsdann eine Reform des Gesäll- slrafgesetzes und Gebührengesetzes an. Behufs gründlicher Ordnung der Hanshalte beabsichtigt die Regierung ans den Mehrerträgnissen der Konsumsteuern eine namhafte Zuweisung an die Länder der Krone zu beantragen und die Bestrebungen der Länder nach Schaffung besonderer Landessteuern thalkrästig zu fördern. Weitere Vorlagen betreffen die Eröffnung und Nutzbarmachung der binnen- ländischen Wasserstraßen, die Entwickelung des Seeverkehrs, die Her- stellung neuer Bahnverbindungen und die Verstaatlichung einzelner Bahnlinie».'». Was die auswärtige Politik betrifft, ist es dem ein- verständlichen Zusammenwirken sämmtlicher Großmächte gelungen. die mit den jüngsten Wirren i m O r i e n t aufgetauchten Ge- fahren einzudämmen, und es darf wohl der Hoffnung Ausdruck ge- geben werden, daß die diesfalls unternommene Aktion trotz mancher im Laufe der Verhandlungen zum Vorschein kommenden Meinung?- Verschiedenheiten und Bedenken zu einer gedeihlichen, im Wesen befriedigenden Lösung führen werde. Dies gilt zu- nächst von der unvorsichtig heraufbeschworenen treten- fischen Frage, die meine Regierung veranlaßt hat, im Einvernehmen mit unseren Bundesgenossen und in enger Vertrauens- voller Fühlung mit den andere» uns befreundeten Mächte» eine Reihe von Maßregeln zu ergreifen, deren Zweck ist, durch eine auf die Erhaltung des territorialen stutus guo hinzielende Aktion friedenstörende Tendenzen und Aspirationen in die gebührenden Schranke» zurückzuweisen. Kann somit die Haltung Griechenlands in der gegenwärtigen Pba se kei nessalls auf die Billigung der Großmächte zählen, so muß andererseits auch die T ü yk e i beherzigen, daß sie eine große Verantwortung aus sich lade» würde, falls sie unter Verkenuung ihrer vitalsten Interessen und gegen die einstimmigen Rathschläge der europäischen Mächte sich der Beseitigung trauriger Mißbräuche entziehen und damit einen Zustand erhalten sollte, der den Keim steter Beunruhigung in sich trägt. Es darf wohl der Erwartung Raum z» geben sein, daß auch in dieser Richtung das unabweislich Erforderliche sichergestellt werde. Ungar». Budapest, 29. März. Der kürzlich»in hiesigen 7. Bezirke wiedergewählte Abgeordnete Morzsanhl hat abermals sein Mandat niedergelegt. Dem Vernehmen nach wird die liberale Partei Ludwig Eseruatory für diesen Bezirk als Kandidaten aufstellen. Eine be- sonder« Ehre wird es für keinen Politiker fein, von Wähler»«in Mandat zu erhalten, die in der Beurtheilung von Korruptionsaffären so wenig vorurthcillos sind, wie die Wähler des i» dem bösartigen Eiulritlslartenjchivindel verurlheilten Abg. Morzsanyi.— Italien. — Nicht bl o s auf deutsche, sondern auch auf italienische Redaktionstische fliegen mitunter sogenannte „vertrauliche" und„geheime", das heißt das Licht der Oeffenllichkeit scheuende Aktenstücke. Ei» solches Aktenstück— ei» wirkliches „Denkmal der Schande" für unser« Gegner— ist dieser Tage unserem italienische» Bruderorgan, dem„Avanti", zugeflogen. Es ist ein„vertrauliches und geheimes" Zirkular, das die Staats« n>v altschaften den unter ihrer Jurisdiktion stehenden Polizeibehörden zugesandt haben, das also aus dem Ministerium deS Innern stammt und offenbar mit den, I u st i z m i n i st e r i u m vereinbart ist. Justiz und Polizei sind heutzutage in allen Polizeistaaten Zwillings- geschwister oder richtiger siamesische Zwillinge, die nicht von einander zu trenne» sind. In diesem Zirkular wird die Polizei aufgefordert, Erkundigungen einzuziehen und Mit- theilungen zu machen über den Stand der sozialistischen Be- weguug in ihren Kreisen, ob dieselbe stark oder schwach ist, welche Personen an der Spitze stehen. welche sich hauptsächlich Hervorthun; ob sozialistische Zeitungen bestehen, welche? mit wie viel Abonnenten? ob und welche Organisationen vorhanden sind— ob die Agitation gemeingefährlich ist und die öffentliche Ordnung bedroht; welchen Einfluß die Agitation auf die Jugend hat; welchen Einfluß die Partei in den Gemeinden und auf die Gemeindevertretung hat; welche Prozesse gegen die Sozialisten anhp>rgig waren und sind; welche Denunziationen gegen sie vorliegen und so weiter. Des fzrneren wird aufgefordert. ein scharfes Auge auf die Soziali st en zu haben, das Gesetz, namentlich die Paragraphen über Aufreizung der Klassen v e g e n einander ic. aufs strengste in Anwendung zu bringen, und wo immer sich die Nothwendigkeit ergiebt, Bor- beugungsmaßregeln(also Verbote je.) zu treffen. Und das alles, damit die«sozial« Ruhe" und der bürgerlich« Friede erhalten wird! Das heißt: zur Erhaltung der sozialen Ruhe und des bürgerlichen Friedens den polizeilich organisirten Bürgerkrieg proklamiren. Unser Bruderorgan drückt der Regierung des Herrn Rudini für dieses ebenso niederträchtige wie kurzsichtige Rundschreiben das verdiente Brandmal auf die Stirn und stellt fest, daß weder die Bourbonen, noch die O e st e r r e i ch e r jemals dieses tiefe Niveau der Reaktion erreicht haben, auf welchem das liberale Königreich Italien der Savoyarden(die piemontesische Monarchie stammt aus Savoyen) sich bewegt. Nun, das Ministerium Rudini ist nur die Fortsetzung des Ministeriums C r i s p i. Und das Propheten-Wort Mazzini's muß sich doch erfüllen: Crispi ist der letzte Minister der Savoyarden- Dynastie.— Portugal. — Arbeitsleistung eines Finanz min isters. Der gegenwärtige portugiesische Finanznünister Ressano Gärcia versieht außer den Geschäften seines Regierungsamtes noch folgende Berufs- obliegenheiten: Er ist Chefingenieur des städtischen Bau-Amts von Lissabon, sodann Dozent der Wasser- und Brückenbaukunst an der Kriegsakademie, ferner Dozent der Handelswissenschaften an der ge- werblichen Hochschule, Kanimersyudikus für die Eisenbahngesellschaft, Kammersynoikus für die Gas- und Elektrizitätsgesellschaft, Kammer« syndikus der Gesellschaft für Hasenelevatoren, Direktionsmitglied der städtischen Wasserleitungsgesellschaft und endlich noch Direktions- Mitglied der Tabaksmonopol-Gesellschaft.— Das Oppositionsblatt „Secolo" bemerkt hierzu: „Wenn der Herr Ministerpräsident nicht neidisch ist, daß sein Kollege von dem Finanzministerium aus den Mitteln des Staates und der gesammten Privatgesellschaften ein vierfaches Ministergehalt bezieht, so werden wir es dem Herrn auch nicht mißgönnen. Wir sind sogar überzeugt, daß dieser bewundeniswerthe Mann neben seinen anderen Berussgeschäfte» das ihm anvertraut« Minister- portefeuille ebenso gut verwalten.wird, wie die Mehrzahl seiner Vorgänger. Nur hegen wir die Befürchtung, daß man im Auslande Herrn Ressano Garcia nicht in gleicher Weise würdigen wird und daß deshalb leicht das Vertrauen zu unserer Finanzverwaltnng er- schüttelt werden kann, vorausgesetzt, daß überhaupt noch irgendwo ein solches Vertrauen vorhanden ist."— Amerika. — Das Feuer deS kubanischen Aufstandes hat schon mehrfach nach den benachbarten Inseln hinübergeflackert. Nach Meldungen aus Portorico wurden 22 Aufständische, die einer Separatistenbande angehören, welche auf der Insel erschienen war, gefangen genommen. Der Rest der Bande wird lebhast verfolgt.— Australien. Adelaide, 24. März. Heute legte Barton von Neu-Südwales, der von der Bundeskonvention den Auftrag dazu erhalten hatte, dieser den folgenden Bundesverfaffniigs-Entwurf vor: 1. Die Macht, die Privilegien und das Gebiet der verschiedenen Kolonien sollen unverändert bleiben, es sei denn, daß«ine Kolonie freiwillig auf ihre bestehenden Rechte im Jntereffe der Erlangung von Einheit des Gesetzes und der Verwaltung verzichtet. 2. Nach der Gründung einer Bundesregierung sollen keine Grenzveränderungen stattfinden, es sei denn, daß die betreffende Kolonie selber ihre Zu- stimmung giebt. 3. Das Buudesparlament soll das ausschließliche Recht haben, Zölle aufzuerlegen und einzutreiben. 4. Das Bundesparlament soll ferner einzig und allein die Neberwachung über die Streitkräfte der Kolonien zu Lande und zu Wasser besitzen, b. Zwischen den verbündeten Kolonien soll völliger Freihandel bestehen. Das z» gründende Vundesparlament soll aus einem Senat und einem Re- präsentanlenhause bestehen. Die Zahl der Repräsentanten soll sich nach der Zahl der Bevölkerung richten. Das Repräsentantenhaus soll das ausschließliche Recht der Besteuerung besitzen. Die Vollzugs- gemalt soll aui dem von der Königin zu ernennenden General- gonverneur, einen ihm beizugebenden Rathe und dem obersten Bundes- gericht bestehen. Dieses soll zugleich die oberste Instanz der ver- bündeten Kolonien sei«._ Meirhskag. 200, Sitzung vom 29. März. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher, v. Marschall, Graf Posado wsky, v. Goßler. Den Tisch des Präsidenten ziert ein Blumenstrauß mit der Ziffer 200. Präsident v. Buol: Ich eröffne die Sitzung und nehme zunächst Veranlassung, den freundlichen Gebern des herrlichen Blumenstraußes meinen Dank für die Ehrung auszusprechen. Ich lehne die Ehrung aber ab und übertrage sie auf das Haus, welchem das Hauplver- dienst zukommt.(Zustimmung.) Die dritte Berathung des Reichshaushalts-Etats wird fortgesetzt beim Etat des Reichsschatzamts. Hamburgischer Bevollmächtigter Senator Dr. Burchard kommt auf die Anregungen des Abg. Molkenbuhr zurück, welcher darüber Beschwerde geführt hat, daß die Hamburgischen Zollbeamten nicht dieselben Gehälter bekommen wie die preußischen, baß Hamburg an den Erhebungskosten, die es vom Reiche erhalte, Ersparnisse mache. Der Staatssekretär des Reichs-Schatzamies hat die Sache schon richtig gestellt. Als Hamburg dem Zollverein angeschlossen wurde, wurden die Beamten für die Zollerhebung neu angestellt, und es waren meistens jüngere Beamte, denen mau die höheren Gehälter der älteren Beamten nicht gewähre» konnte. Eine große Anzahl der etatsmäßigen Beamtenstellen war in der ersten Zeit gar nicht besetzt, namentlich von den Aufseherstellen. Auch die Assistentenftellen wurden vielfach von Aufsehern und Super- numeraren wahrgenommen, die natürlich nicht das Gehalt der Assistenten erhielten. In den Jahren 1889—1894 sind etwa 400 000 M. an Gehälter» erspart worden, wovon aber 237 000 M. zu Entschädigungen an die Snpernumerare verwendet worden sind, welche etatsmäß ige Stellen versahen. Herr Molkenbuhr hätte sich also etwas eingehender informiren sollen, ehe er hier auftrat. Abg. Graf Stollbevg(k.) richtet an den Schatzsekretär die Frage, wie das Jahreserzeugniß der Zuckerfabriken berechnet werden soll. Staatssekretär Graf Posadowöty: Das Gesetz geht davon aus, daß der Berechnung des Kontingents lediglich die vollständig abgefertigte Zuckermenae zu gründe gelegt werden soll. Es nniß also am Schlüsse des Jahres in Rechnung gezogen werden der ab- gefertigte Zucker zuzüglich des noch vorhandenen. Diese Summe stellt das Gesammterzeugniß dar. Beim Etat des allgemeinen P e n s i o n s f o n d s kommt Abg. Lieber(Z.) auf den Antrag der deutschen Volkspartei zurück, der eine Verminderung der Pensionirungen von Offizieren verlangte. Der Abg. Galler behauptete, daß der Antrag vollständig demjenigen entspreche, den das Zentrum in der bayerischen Volksvertretung ein- gebracht habe, dem bort auch zwei bayerische Prinzen zugestimmt hätten. Es handelt sich bei dieser Frage um die Scheidung zwischen der Kommandogemalt und der Verwaltung. Die Zlnstellung und Entlassung der Offiziere sei in Preußen Sache der Krone allein; es finde keine Gegenzeichnung des Kriegsministers statt, während diese für Verwaltungssachen nothwendig sei. �n Bayern aber werde die Ernennung und Verabschiedung der Offiziere vom Kriegsminister gegengezeichnet. Also liegen die Verhäluiisse sehr verschieden. Herr Galler wird also einsehen, daß es gefährlich ist, Zentrumsanträge abzuschreiben.(Heiterkeit.) Beim Reichs-Jnvalidenfonds kommt Abg. Graf Orjola(»all.) aus seinen Streit mit dem General v. Biebahn wegen der Pensionen der Wittwe» französischer Osfiziere und Unteroffiziere zurück, die höher seien als die Penstonen der Wittwen der deutschen Militärs. Der Artikel der„Kölnischen Zeitung", auf den er sich bezogen habe. sei nicht der, welchen General v. Viebahn meinte, in welchem be- hauptet wurde, daß aus dem Jnvalidenfonds an Hinterbliebene französischer Militärs größere Pensionen gezahlt würden. alS an die Hinterbliebene» deutscher Militärs. Er habe nur die Pensionen der neueren französischen Gesetze im Auge gehabt und bitte um eine Uebersicht über die Gesetzgebung der verschiedenen Staaten bezüglich dieses Punktes. Generalmajor v. Viebahn: Ich habe allerdings nur daran gedacht, daß aus dem Reichsinvalidenfonds höhere Renten gezahlt würden an französische Wittwen und Waisen als an deutsche. Das ist nicht der Fall. Wenn die Pensionen in Frankreich jetzt höher sind, so ist dannt noch nicht festgestellt, daß die Pensionen der Hinter- bliebenen der im Kriege 1870/71 gefallenen französischen Militärs höher sind; eine rückwirkende Kraft ist dem Gesetze nicht beigelegt worden. Die Militärverwaltung wird dieser wichtige» Angelegenheit dauernd ihre Aufmerksamkeit zuwende». Zum Etat der P o st- und Telegraphenverwaltung liegt folgender Antrag des Abg. Müller-Sayan(srs. Vp.) vor: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Gleichstellung der Post- und Telegraphenasststenten sowie Postverwalter aus der Klaffe der Zivilanwärter mit den Post- und Telegraphenassistenten sowie Postverwaltern aus der Klasse der Militäranwärter rn bezug auf die Zulaffung zur Sekretärprüsung von neuem in Er- wägung zu ziehen." Abg. v. CzarlinSki(Pole) beschwert sich darüber, daß man m Westpreußen nicht genügende Postagenturen einrichte. Abg. Krzyminski(Pole) beschwert sich darüber, daß«in Ritter. gutsbesttzer im Kreise Jnowrazlaw von der Postverwaltung chikanirt werde, weil er seinen Namen nicht so schreiben will, wie es der Land- rath verlangt, nämlich Manske statt Manski. Trotzdem das Gericht dem Manski recht gegeben hat, werden sämmtliche an ihn gerichteten Briefe als unbestellbar zurückgeschickt und Einschreibesendungen, die er nicht mit dem Namen Manske quitlirt. werden ihm nicht ausgehändigt, trotzdem die Postverwaltung über die Namensschreibung gar nicht zu entscheiden habe. Unterstaatssekretär Fischer: Die allgemeinen Beschwerden über das Fehlen von Postagenturen an einzelnen Orten sind kaum ein geeigneter Gegenstand zur Verhandlung. Bezüglich der Beschwerde des zweiten Redners muß ich erklären, daß es der Postverwaltung gleichgiltig ist, ob der Herr Manske oder Manski schreibt. Er sollte sich zunächst an die Postverwaltung beschwerdeführend wenden, schließlich sogar an das Reichs-Postamt. Hier kann ich keine Stellung zu der Sache nehmen. Abg. Singer(Soz.): Durch diese Ausführungen ist um die Sache herumgeredet worden. Aber die Sache liegt ganz anders. Die Postverwaltung weigert sich, dem betreffenden Herrn seine Post- fachen auszuhändigen. Das ist eine ganz gewöhnliche Chikanirung der Poftverwaltung gegenüber einem Polen. Die Beschwerde an den preußischen Laudrath hat mit dem Verhalten der Postverwaltung nichts zn thun. Das Skandalöse besteht darin, daß solche Dinge überhaupt vorkommen. Die Postbehörden sollten selbst eingreifen, denn solche Dinge sind ortsbekannt. Ich hätte es für richtiger ge- halten, daß der Unterstaatssekretär erklärt hätte, daß er die Sache untersuchen und abstellen will. Belehrungen über den Beschwerde- weg brauchen wir nicht, so klug sind wir selbst. Abg. v. Czarliuski verwahrt sich gegen die Verdrehung seiner Worte; er habe dem Unterstaatssekretär von seiner Absicht, eine Be- schwerde vorzubringen, Kennlniß gegeben. Die Ding« seien übrigens auch schon früher zur Sprache gebracht>vorden. Abg. Lieber(Z.): Die Erzählungen des Abg. Krzyminski er- innerten an den englischen Roman„too stränge not to de true". Zn seltsam sind diese Mittheilungen, um nicht wahr zu sein. Diese Dinge sind zurückzuführen auf die preußischen Maßregeln gegen die Polen, die schließlich ins Kindische ausarte» und der Lächerlichkeit anheimfallen.(Zustimmung links, beim Zentrum und bei den Polen.) Was wir für nöthig halten hier vorzubringen, darüber entscheiden wir, und müssen Bemängelungen und namentlich die sonderbare Form der Kritik, welche der Herr Unterstaatssekretär einem größeren Muster abgelauscht zn haben scheint, zurückweisen. Was nützt eine Beschwerde bei der Reichspostverwaltung, wenn eine preußische Behörde der Postverwaltung Vorschriften macht! Sind wir denn mit der Reichsverwaltung der Willkür eines preußischen Landraths anheimgegeben?!(Zustimmung im Zentrum und bei den Polen.) Unterstaatssekretär Fischer: Ich Hobe keine Belehrung ertheilen wollen. Ich verkehre lange genug im Reichstage, um zu wissen, daß mir das nicht zusteht. Ich habe nur gemeint, daß man ans dem andern Wege schneller zum Ziele kommen würde. Einen Znsammenhang zwischen dieser Differenz und der pol- nischen Nationalitätsfrage zu entdecken, vermag ich nicht. Wenn die Vorgänge von jener Seite her(Sozialdemokraten) gleich als skandalös bezeichnet werden, so bin ich daran gewohnt, daß jeder einzelne Fall von dort verallgemeinert wird. Abg. v. Kardorff(Rp.): Um eine Polenfrage kann es sich doch bei einem evangelischen Gutsbesitzer nicht handeln. Daß der Land- rath die Aushändigung der Briese untersagt habe, finde ich doch seltsam. Die Herren Postbeamten würden mich schön ausgelacht haben, wenn ich ihnen solche Zumuthungen gestellt hätte. Die Post- verwaltniig macht sich ja in einem solchen Falle regreßpflichtig für jeden Schaden, welcher entsteht. Abg. Krzynlinöki: Ich habe die Akten erst am Sonnabend erhalten, konnte die Sache also nicht eher vorbringen. Eine Be- schwerde an die Postdirektion in Jnowrazlaw und die Ober-Post- direkliou in Bromberg ist erfolglos geblieben.(Hört! im Zentrum.) Was für das übrige Deutschland unglaublich erscheint, ist für die Provinz Posen leider nur zu wahr.- Die Sache spielt seit April vorigen Jahres./ Unterstaatssekretär Fischer: Ich höre heute zum ersten Mal von der Sache. Sollte also nicht der Beschwerdeweg schneller zum Ziele geführt haben? Abg. Miiller-Sagan(frs. Vp.): Di- Postverwaliung hat doch weiter nichts zn thun als zu ermitteln, ob die Person, an welche der Brief bestellt wird, auch wirklich der richtige Empfänger ist. Ob sich der Betreffende Manski oder Mauske.Schulz oder Schultz schreibt, gehl die Postverwaltuiig gar nichts an. Redner geht dann anf die Streitfrage zwischen Breslau und der Postverwaltung ei». Es wurde von der Stadtverwaltung ermittelt, daß eine ganze Anzahl von Telephonverbindungen zwischen der Wohnung und der Fabrik verschiedener Unternehmer ohne Zustimmung der Stadt angelegt sind. Die Stadt hat schließlich auch von der Postverwaltung ver- langt, daß sie sich bei der Neuanlage von Telephonverbinbungcn und bei der Verlegung bestehender Anlagen mit der Stadt ins Ein- verlieh,»en setzen solle. Dieser Anspruch der Stadt j�ber'� berechtigt anerkannt. Die Stadt hat aber nicht das Recht foj ßcnV- bie Entfernung bereits bestehender Anlagen zu vörla»gen.gx„tlich de. Abg. Singer(Soz�): Während der 12 Jahre bes�„ g0»n'N- gesetzes waren die Fälle nicht sehr selten, daß die Pöstr zum Handlanger der Polizei machte. Mit der A»sfluck„». von de» Dingen keine Kennlniß habe, sollte der Unterste.'"7' etwas sparsamer verfahre»; denn in der Postverwaltnng?•?.. Zeitungen gelesen, namentlich auch sozialdemokratische Zeitungen. und aus diesen kann die Poftverwaltung von unseren Be- schwerde» Kennlniß nehmen. Der Unlerstaatssekrelär halte erklärt, daß in Frankfurt a. M. Kinder unter vierzehn Jahren nicht. mehr beschäftigt werden sollen. Es werden aber jetzt lö- und Itzjährige junge Leute beschäftigt. Sie erhalten je 8 Pfennige sür das Austrage» einer Depesche. Die höheren Post» beamten arbeiten auch nicht im Akkordlohn. Ich halte es für un- statthaft, daß diese jungen Leute für de» Außendienst herangezogen werden. Ich hoffe, daß der Unterstaatssekretär sich generell gegen eine solche Beschäftigung von jungen Leuten ausspricht. Unterstaatssekretär Fischer: Der Vorredner sieht in dem Falle in der Provinz Posen ein Symptom dafür, daß die Postverwaltung der Polizei zu helfen geneigt ist. Wir halten die Poftverwaltung unabhängig von allen Einflüssen, soweit sie nicht in den Gesetzen begründet sind. Der vom Vorredner angeführte Fall betrifft grund« sätzliche Auffaffunge». Die Beschäftigung eines sehr jugendlichen Menschen im Innern der Postbureaus ist untersagt worden. Nach unseren Vorschriften müssen Personen, die im Bestelldienst beschäftigt werden, wenn auch nur aushilfsweise, mindestens 13 Jahre alt sein. Ich werde die Beschwerde des Vorredners mUersuche» und, wenn st« sich all berechtigt«rgiebt, Remedur schaffen. Rbg. WeudcvS(3): Die Wiederherstellung des direkten tele« phouischxu Verkehrs zwischen Düsseldorf und Gerresheim ist in einer Eingnbe verlangt und vom Reichstage im vorigen Jahre als der Berücksichtigung werlh erkannt worden. Trotzdem ist seitens der Postverivaltnng noch nichts geschehen, was eine große Erbitterung hervorgerufen hat. Direktor in, Reichkpostamt Scheffler: Die Zahl der Leitungen neigt fortwährend, so daß die Straßen überlastet sind und neue Leitungen nicht niehr gelegt werden könne». Das ist in Düsseldorf nnd an anderen Stellen der Fall gewesen. Daher mußte der direkte Berkehr ausgegeben werden. Slbg. Haniinachcr(natß): Die technischen Schwierigkeiten infolge der Vermehrung der Drähte sind in Berlin besonders groß, so daß zur Aufhebung des direkten Verkehrs geschritten wird, wie in Gerresheinr Bezüglich der Breslaner Angelegenheiten haben d,e Gerichte entschieden, daß neue Anlagen nur mit Zu- ftimmnng des Magistrats gemacht werden dürfen. Gegen diese Entscheidung hat die Verwaltung den Kompetenzkonflikl er- hoben. Das war das Unglücklichste, was man th»n konnte. Direktor Schcfflcr: Zlllcrdings sind die Entfernungen in Berlin ebenso groß und größer als zwischen Düsseldorf nnd Gerresheim. Aber wir könne» bei solchen Ortschaften nicht mehr durchkommen, namentlich, weil da? Vorhandensci» elektrischer Starkstromleitungen aller Art die Anlage erheblich erschivert. Schließlich handelt es sich in Gerresheim nur um einen Anschluß, in Berlin würden Hunderte davon betroffen. Abg. Liebermann v. Sonneuberg(Reform-P) kommt auf den Fall Bashford zurück und behauptet, daß der größte Theil der Aus- sührungen des Staatssekretärs auf irrthümliche» Informationen be- ruht habe. Der Staatssekretär meinte, daß nur eine kleine Anzahl von Zeitungen sich ans die Seite des damals Beleidigten gestellt hätte». Man habe allgemein den Eindruck, als wenn einzelne nöthige Verbesserunge» nur darum in der Postverwaltung hintan- gehalten würde»,»in bei einem über kurz oder lang»olhwendige» Wechsel in der obersten Leitung dem neuen Staatssekretär Gelegen- heit zu geben, als Reformator zu glänzen. Abg. Werner(Reform- P.): Bezüglich des Postamtes in Hannover wurde in Zeitungen behauptet, daß eine Verfügung er- gangen sei, daß die Telephonistinnen einen gewissen Ort nur sehr sparsam aussuchen sollteir Das Vorhandensein der Verfügung ist mir bestätigt worden. In Berlin soll verboten sein, daß die Telephonistinnen zu ihrem Dienste mit dem Rade kommen. Es würde mir ei» großes Vergnügen bereite», wenn ich solcher Beschwerden überhoben würde. Älber solange diese Be- schwerden komme», werden wir sie hier vorbringen, ob es dem Staatssekretär angenehm ist oder nicht. Abg. Tingcr(Soz.) bittet die Untersuchung bezüglich Frank- furt a. M. anszudehne» auf die Frage, ob die jugendlichen Arbeiter in Akkordlohn beschäftigt werden. Unterstaalssekretär Fischer: Die Verfügung bezüglich der. Tele- phonistinnen in Hannover ist sofort zurückgenommen worden, als wir davon Kenntniß erhalte» hatten. Vermittelst Fernsprechers habe ich die Nachricht erhalten, daß in Frankfurt a. M. jugendliche Personen von IS und 16 Jahren zur Austragung von Depeschen nicht verwendet werden. Abg. Liebknecht(Soz.) verweist darauf, daß zur Zeit des Sozialistengesetzes die Postverwaltung verordnet habe, daß die Post- äinter sich, wenn der Verdacht besteht. daß die Postsendungen ver- dächtige Schriften enthielten, an die Polizei wenden sollten. Das Sozialistengesetz ist beseitigt worden, aber manche Schweinereien bestehen»och fort, die damit in Zusammenhang standen, so auch diese Verordnung. Unterstaatssekrelär Fischer: Nur den gesetzlichen Bestimmungen ist die Post unterworfen und als das Sozialistengesetz bestand, galt es auch für die Postverwaltung. Abg. Liebknecht: Die Antwort genügt mir nicht. Es handelt sich darum, ob die Verordnung formell aufgehoben ist. Unterstaatssekrelär Fischer: Es bestehe» bezüglich des Post- verkehrs nur die gesetzlichen Bestimmungen, keine weiteren. Damit schließt diese Debatte. Es folgt nunmehr die Erörterung deS Antrags Müller- Sagau(frs. Vp.), der sich auf die frühere Verhandlung und die schon früher erfolgte Annahme des Antrags bezieht. Unterstaatssekretär Fischer empfiehlt die Ablehnung des Antrags, während Abg. Schädler(Z) die Annahme befürwortet. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Konservativen a n- g e» o», m e». Im übrigen wird der Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltnng ohne weitere Debatte erledigt. Beim Etat der E i s e n b a h n« V e r w a l t u n g bemängelt es Abg. Bueb(Soz.), daß im Abgcordneteuhause ein Beschluß des Reichstags Über die Wünsche der Eisenbahntelegraphisten von dem Eisenbahnminister abfällig beurtheilt sei. Geheinirath Wackerzapp bittet das Haus, die Erwägunge» der verbündeten Regierungen abzuwarten. Abg. Hammacher(natl.): Es hat auch mich befremdet, daß der preußische Eisenbahnminister den Beschluß des Reichstages durchaus abgelehnt hat. Er hat nicht zu entscheiden, sondern die verbündeten Regierungen. Abg. v. Stnmi»(Rp.): Der preußische Eisenbahnminister ist vollständig berechtigt, die Wünsche der Eisenbahii-Telegraphiften, soweit sie preußische Beamten sind, zn beurtheilen, ohne Rücksicht auf die Beschlüsse des Reichstages. Im übrigen wird der Rest des Etats erledigt. Beim E t a t s g e s e tz weist Abg. Lieber(Z.) darauf hin, daß die Feststellung der Ziffern des Etatsgesetzes einen rein akademische» Charakter trage angesichts des in Aussicht stehenden Nachtragsctals. Es muß vorbehalten bleiben, beim Nachtrag das Etatsgeseh zu revidiren, und wenn es wirklich sich herausstellen sollte, daß die Einnahme» aus den Ueberweisungssteuern steigen, dann müsse» wir die Spannung zwischen Ueberweisunge» und Matrikularbeiträge» wieder auf die alte Höhe bringe». Staatssekretär Graf Posadowsky: Eine sachliche Differenz besteht nicht, aber formell halte ich eine nachträgliche Aendernng des Elatsgesetzes nicht für nothwendig. Man kann die Sache bei dem Nachtragsetat richtig stelle». Abg. Lieber(Z.): Der Fertigstellung des Etatsgesetzes will ich keine Schwierigkeiten bereiten. Da� sgesetz und das Rnleihegesetz wird darauf im einzelnen und der ganze Etat gegen die Stimmen der Sozialdemo- kr.�en angenommen. ,rgi die Interpellation der Polen o. E z a r l i n s k i und tt letzter Zeit sind in> Schwetzer Kreise, Provinz Westpreußen .ippinken—(7. d. MtS.) und in Linsk(14. d. Mls.)— vor- stsniäßig angemeldete W ä h l e r v e r s a m in l u n g e n ans- gelöst worden, weil die Redner in denselben sich der polnische» Sprache bedienten. Die Unterzeichneten richten an den Herrn Reichskanzler die Anfrage: 1. Sind dem Herrn Reichskanzler diese Vorfälle bekannt nnd 2. ist der Herr Reichskanzler bereit, zur Wahrung der ver- fassungsniäßigen Rechte der Wählerschaft Anordnungen zu treffen, um der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse vorzu- beugen." Abg. Czarlinski(Pole): Nach Einbringung der Interpellation Jaben wir von einem Bescheide des Ministers auf die erhobenen Zeschwerden gehört; aber mit welchem Erfolge, ersehen Sie daraus, daß gestern eine Versammlung aufgelöst ist.(Hört! hört!) Der Minister hat den Regierungspräsidenten„mit Weisungen" versehen. Wir haben darunter eine Zurückweisung verstanden. Der Be- scheid des Oberpräsidenten hatte uns auch nicht vollständig hefriedigt, aber wir konnten uns doch dabei beruhigen. Der Regierungspräsident von Marienwerder hat unter dem 10. März »ns niitgetheilt, daß er dem Landrath von Schwetz die Prüfung der Beschwerde zugewiesen hat. Dieser Landrath aber hüllt sich in wenig beredtes, aber sehr verständiges Schweigen. Es ist das derselbe Herr, der sich im Kreise Schwetz stets als gewaltiger Agitator Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in Berlin. Für den Jnscr hervorlhut, nnd ich wundere mich, daß er bis heute Wahl- kommissar geblieben ist. Der tz 17 des Wahlgesetzes für das Dentsche Reich stellt unsere Berechtigung, die Sache vor de» Reichstag zu bringen, außer Zweifel. Bor einem Monat hat sich das preußische Abgeordnetenhaus mit einer ähn- lichen Interpellation beschäftigt. Ich mußte mich damals über die jämmerlichen Zustände beklage», welche unsere Interpellation nöthig machen, nnd auch heute bin ich noch der Meinung, daß eine solche ein sprechendes Zeugniß über die Handhabung des öffentlichen Rechts und der Gesetze in den polnische» Landestheilen ist. Die Vereins- und Versammlungsfreiheit ist als Grundrecht allen Staats- angehörigen, also auch den polnischen gegeben.(Zustimmung.) Das Ueberwachungsrecht der Polizei geht diesem Grundrecht nicht vor. Die polnischen Agitationen nahm der Minister als notorisch an, bewiesen hat er aber ihr Bestehen nicht. Es besteht eine Ministerialverfügnng, wonach der früheren Handhabung entsprechend der Gebrauch fremder Sprache» i» Versammlungen zurückgehalten werden solle. Eine solche Handhabung war aber früher nicht in Geltung. In der zweiten in der Interpellation bezeichneten Versammlung erklärte der zur Ueberwachung entsendete Gendarm, daß er polnisch nicht verstehe, worauf eine Anzahl von anwesenden Personen dem Vorsitzenden bezeugte», daß der Gendarm ganz gut polnisch spräche. Staatssekretär v. Bötticher: Auf feiten der Regierung besteht nicht die Absicht, das verfassungsmäßig gewährleistete Recht der freien Wahl und der freie» Zusammenkunft irgendwie zn be- schränken. Bis zum Eingang der Interpellation hatte der Reichskanzler von den Vorgängen keiue Kenntniß, weil von keiner Seite seine Einmischung nachgesucht worden ist. Erst nach Eingang der Interpellation hat der preußische Minister des Innern mir das Material zugestellt und ich habe daraus eine Kenntniß der Vorgänge erhalten. Heute ist ein dritter Fall in Osche erwähnt worden. Zwei von diesen Fällen scheide» ans, denn weder in Osche noch in Liesk hat eine Auflösung der Versammlung statt- gesunden. Tie Versammlung in Liesk hatte schon begonnen, als der Gendarm erschien. Der Vorsitzende sprach i» polnischer Sprache und der Gendarm bat um die Anwendung der deutsche» Sprache. Nach mehrfacher Zurückweisung dieser Bitte des Gendarmen erklärte der Vorsitzende die Versammlung für geschlossen.(Unruhe; Zuruf: Man wollte eben nicht deutsch spreche»!) Der Gendarm hat die Versammlung nicht anfgelöst. In Osche sollte, wie eine gestern spät abends beim Minister eingegangene Depesche besagt, die Versammlung ivegen Polllischsprechens aufgelöst sein. Der telegraphisch eingeforderte Bericht ergiebt auch hier eine Schließung der Versammlung durch den Vorsitzenden. In Lippinken sprach der äberivachende Amtsvorsteher die Bitte aus, deutsch zn sprechen. Darüber entspann sich eine Unterhaltung mit dem Leiter der Versammlung; der Amtsvorsteher ineinle, daß die Anwesende» sämmtlich deutsch sprechen könnte». Im Laufe der Unterhaltung sagte der Beamte, er könne auch fran- zösisch sprechen, aber polnischen Verhandlungen könne er nicht folgen. Diese Versammlung wurde aufgelöst. Der Minister hat die Re- gierung augewiesen, für die bevorstehende Wahl in Schwetz dafür zu sorgen, daß Wählerversammlungen nicht ledig- lich wegen des Gebrauchs der polnischen Sprache aufgelöst werden. Es liegt also für den Reichskanzler keine Ver- anlassung vor, einzuschreiten, nachdem der preußische Minister für die Wahlversammlungen Fürsorge getroffen hat. Der Vorredner hat einen ehrenwerthen Beamten heftig angegriffen. Ich enthalte mich, daS Material hier vorzutrage», was in bezng aus die polnische illgitalioil in den Berichten vorliegt. Da kommen Dinge zur Sprache, die nicht schön sind, und ich kann nur wünschen, daß selbst bei der Heftigkeit des Wahlkampfes doch Maß gehalten wird hüben und drüben. Wer de» Frieden wünscht, muß seinerseits dazu beitrage», daß der Friede nicht gestört wird. Da wird der Abg. von Czarlinski mir zugebe», daß, wenn die Thalsachen richtig sind(Zuruf: Wenn!) auf seilen der Polen auch Fehler vorgekommen sind. Mötzen wir sachlich sprechen, aber enthalten wir uns, persönliche Beschuldigungen auszusprechen, die der Sache nicht dienen können. Auf Antrag des Abg. v. Jazdzewski wird die Besprechung der JuterpeNaUon beschlossen, aber gleichzeitig«in Vertagungsantrag angenommen. Schluß S'/z Uhr. Nächste Sitzung Dienstag I Uhr(Be- sprechung der Interpellation und erste Lesung der Handiverker- vorläge).__ VsvItttnenkÄriPches. Tie.Auswauderergeseb- Kommission hat heute Vormittag unter dem Borsitz des Abg. Cuny ihre erste Sitzung abgehalten. Die eigentliche Tendenz des Gesetzes: den„Auswandererstrom' be- liebig dahin zu„lenken", wohin es dem jeweiligen Reichs- kanzler beliebt, kam wiederholt in der heutigen Bcrathung zum Ausdruck sowohl seitens der Regierungsvertreler wie auch des Leiters des„Alldeutschen Verbandes", Abg. Hasse. Dieser hat auch eine große Anzahl von Antragen gestellt, die alle mehr oder>nu>der offen diesen Zweck erkennen lasten. Wie es den Anschein hat, giebt man sich in den Kreisen der Regierung ivie auch der Kolonialschwärmer allen Ernstes der Hoffnung hin, in nicht allzu ferner Zeit den deutschen„Auswandererstrom" von Amerika und Australien a b- und nach den deutschen Fiebersümpfen und Eandwüsten in Afrika h i n lenken zu können. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß diese Hoffnungen, sobald man sich an die „Ab"- bezw.„Hin lenkung", nacht, jämmerlich Schiffbruch er- leiden werden. In» übrigen bot die Debatte über dit ersten acht zur Annahme gelangten Paragraphen keine besonders erwähnenswerthen Momente. Es handelte sich um diejenigen Bestimmungen betreffend die Erlaubniß- ertheilung für Unternehmer zur Beförderung von Auswanderern nach überseeischen außerdentschen Ländern,.zu welchen nach Ausfassung der Regierung die deutscheu Kolonien nicht gehören. Die» u r vom Reichskanzler zn ertheilende Erlaubniß wird abhängig gemacht von einer Sicherheitsleistung in Höhe von S0 000 Mark. Von dieser Kaution kann der Reichskanzler Abstand nehmen, wenn die um Konzession eiukommende Gesellschaft eine dentsche ist und die Besiedelung eines von ihr in überseeischen Ländern erworbenen Gebiets sich zur Aufgabe macht. Ueber anderweitige Ausnahmen soll nach der Borlage nur der Bundcsrath entscheiden können. Zu den letzteren Bestimmungen liegen iwch einige Anträge von den Abg. Frese und Hasse vor. über welche erst in der nächsten Sitzung Beschluß gefaßt werden soll.— Im prcnfnschc» Abgcordnctenhanse haben konservative, frei- konservative und Zentrums- Agrarier beantragt, die Regierung zu ersuchen, daß sie ihren Einfluß im Bundesrath dahin gellend macht, daß derselbe dem vom Reichstage angenommenen Antrag, betreffend die A u f h e b n n g von Z o l l k r e d i t e n bei der Einsuhr von Getreide u. s. w., seine Zustimmung ertheile und die zur Durch- führuug dieses Antrages erforderlichen Anordnungen sobald als mög- lich treffe._ VAvkei-NschvLrhten» I» Nordhanscn hatte der Arzt Dr. med. Schulte? nach seiner im Monat Januar d. I. erfolgten Niederlassung um seine Aus- nähme in den dortigen ärztlichen Verein nachgesucht. Im Februar wurde ihm vom Vorsitzenden die Mittheilung gemacht, daß seine Aufnahme mit Einstimmigkeit erfolgt sei. Dr. Schultes hat nun im sozialdemokratischen„Nordhäuser Volksblatt" inserirt. Deswegen angegriffen, erklärte er»nter anderem, daß er Sozialdemokrat sei. Man stellte dann an ihn das Ansinnen, entweder ans unserer Partei oder aus dem ärztlichen Verein auszutreten. Er lehnte beides ab, worauf die übrigen Aerzt« den Verein auslösten und an demselben Abend, wo dies geschah, in einem anderen Lokal»inen neuen gründeten. Unser Nordhäuser Bruderorgan bemerkt zu diesem Vorfall: „Wenn die Herren Aerzte des Nordhäuser Aerztevereins— nach Ansicht des Fortschrittlers Pros. Virchow sollte der Arzt der Anwalt lentheil verantwortlich: Th. Glocke in Bertin. Druck und Berlag von M der Armen sein— es für unwürdig erachten, mit einem sich zu unseren Zielen bekennenden Kollegen im Rahmen ihrer Interessen- Vertretung zu verkehren, so müssen die Arbeiter den unerbittlichen Schluß hieraus ziehen, daß sie es für noch unwürdiger erachten, jene Herren als Aerzte zu Rath« zu ziehen, sie in dieser Eigenschaft in ihre Heimstätten aufzunehmen." Tie Sozialdemokratie UugaruS hält zu Psintzste» in Buda- p e st ihren diesjährigen Landeskongreß ab. Die Tagesordnung wird demnächst veröffentlicht. Das erste slavischc Parteiblatt Ungarns erscheint am 1. Mai in Budapest in der Buchhandlung der„Volksstimme"(Wesselenyi- Gasse 19 b). Die vereinigten Vorstände der„Schwedischen sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei", der„Norwegischen Arbeiterpartei", der „Vereinigten norwegischen Fachvereine" und der.Dänischen Arbeiter- partei" laden zum„Fünften allgemeinen skandinavi- fchen Arbeiterkongreß" ein, der vom 19.— 21. Juli in Stock- Holm abgehalten wird. Der letzte Kongreß dieser Art fand vor fünf Jahren i» Malinö statt. Zur Sprache soll unter anderem die schwedisch- norwegische Unionsfrage kommen,„weil der Konflikt die demolra- tische Eutwickelung hemmt und dem Militarismus neuen Wind zn- führt. In gewerkschaftlicher Beziehung soll eine bessere Verbindung zwischen den 3 Ländern angebahnt werden. Gleichzeitig werden in Stockholm«ine Reihe anderer Arbeiter- kongresse statlsinden, so der Parteikongreß der schwedische» Sozial- deniokralie und Fachkongresse, sowie«in Kongreß der schwedischen Stimmrechts vereine. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Der Parteigenosse Wessel, Redakteur der„Nieder- rheinischen V o l k s t r i b ü» e" in Düsseldorf, hat am Montag in dem dortigen Gefängniß die sechsmonatige Freiheils- strafe angetreten, die ihm im Duell- und Spiritistenprozeß auferlegt wurde. Gegen ein anderes bereits rechtskräftiges Urtheil, das auf 2 Monate Gefängniß lautet, hat der genannte Parteigenosse daS Wiederaufnahme-Verfahren beantragt. Die Entscheidung steht noch aus. Außerdem schweben noch zwei Beleidigungsklagen gegen ihn. Vepeflhvtt und letzte Mttcheichken. Frankfurt a. M., 29. März.(B. H.) Die„Fkf. Z." meldet ans Konstantinopel: Die Botschafter haben den englischen und den rusnschen Konsul in Tokat aufgefordert, als Vertreter der Groß- mächte an der Untersuchung der Metzeleien theilzunehmen. Täglich laufe» neue Nachrichten über VerÜbungen von Grausamkeiten in Kleinasien ein. In der Nähe von Enzind- jan, dem Sitze des Kommandanten des 4. Armeekorps, haben blutige Ereignisse stattgefunden, üln hochstehende Armenier ge- richtete Depeschen melden, daß in der letzten Woche Ströme von Blut geflossen seien. Die Pforte sucht mit allen Kräften den Ein- druck, cvelchen die Nachrichten über neue Massacres aus Europa machen, zn mildern. Die Pforte ist machtlos gegenüber den Ur- hebern der Metzeleien und offenkundigen Agitationen aus dem Palaste. Miinche», 29. März.(W. T. B.) Der Hauptkassirer der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank", Staudacher, gegen welchen mit zwei anderen Beamten der Bank wegen der seinerzeit gemeldeten Defraudationen Termin vor dem Landgericht München I auf den 26. April angesetzt war, hat sich heute Nachmittag erschossen. Budapest, 29. März.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Der klerikale Abgeordnete Pfarrer Kalma»» meldet« einen Antrag an, in welchem die Stellung des Abgeordneten Grafen Stefan Tisza als Präsident der Jndustriebank des Abgeordneten Hieronymi als Präsident der Agrarbank und des Abgeordneten Enyedy als Generaldirektor der letzteren Bank als mit dem Abgeordnetenmandale unvereinbar erllärt wird. Oravieza, 29. März.(W. T. B.) Heut» fand in der Benzin- Abtheilung der Petroleum-Raffinerie der Oesterreichisch- Ungarischen Staatseisenbahn-Gesellschaft eine Keffek-Txploston statt, durch welche die Fabrik in Trümmer gelegt wurde. Unter den Trümmern sind zahlreiche Arbeiter verschüttet. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen. Bisher wurden 6 Schwerverwundet« und«ine größere Anzahl Leichtverletzter geborgen. Paris, 29. März.(B. H.) Im Prozesse gegen die Aerzte BoiSloux und la Jarrige wegen zahlreicher verbrecherischer Frauen- operationen wurde heute das Urtheil gefällt. Beide wurden zu je fünf Jahren Gefängniß verurtheill. Des im Sitzungssaale äußerst zahlreich anwesenden Publikums bemächtigte sich große Erregung wegen des milden Urtheils. Die Menge rief:„Nieder mit der Magistratur! Nieder mit den Geschworenen! Tod den Geschworenen! Nieder mit dem Gerichtshof!" Nur mit größter Mühe gelang es den Gendarmen, den Saal zu räumen. Paris, 29. März.(W. T. B.) Deputirtenkammer. Unter den zahlreich erschienenen Deputirten herrscht große Er- regnng. Die Deputirten Jnllien und Clovis Hugues, deren Namen in Verbindung mit der Panama-Angelegenheit in der Presse genannt waren, protestiren energisch gegen diese Verleumdungen und ersuchen die Kammer in betreff ihrer die parlamentarische Un- verletzlichkeit aufzuheben, damit sie sich vertheidigen und alsdann die Verleumder gerichtlich belangen können. Die Deputirten Salis und Goirand protestiren ebenfalls lebhaft gegen die An- schuldigimgen, die gegen sie erhoben und erinnern daran, daß sie stets Gegner des Panamakanals gewesen seien. Di« Kammer beschloß alsdann die Sitzung auszusetzin. Während der Aufhebung der Sitzung herrscht in den Wandel- gängen eine äußerst lebhaste Erregung. Alle Deputirten find tief- bewegt über die energischen Proteste ihrer Kollegen ans der Tribüne. Nach Wiederaufnahme der Sitzung hält die hoch- gradige Bewegung an. Der Jnftizminister Darlan erllärt, der General-Staalsanwalt glaube, daß kein neuer Verfolgnngs- antrag gestellt werden könne, da sich keine neuen Thatsachen ergeben hätten.- Der sozialistisch« Deputirte Devill« beschuldigt den Justiz- minister, das Geheimniß der Untersuchung verletzt zn haben, indem er verlauten ließ, daß er neue Bersolgungsanträge einbringe» könnte. (Lebhafte Unruhe.) Minister Darlan verwahrt sich energisch gegen diesen Vorwurf. Boyer und Maret erklären hierauf, daß sie für den Verfolgungsantrag stimme» werden, der ihnen ermögliche, ihr« Schuldlosigkeit darznthnn.(Beifall.) Das Hans beschließt ohne nament- liche Abstimmung fast einstimmig die Genehmigung der Verfolgnngsan- träge. Der Sozialist Rouanet schlägt vor, eine Üntersuchnngskoinmission für die Panama-Angelegenheit zu ernennen und verlangt für seinen Antrag die Dringlichkeit. Nachdem Ministerpräsident Meli»« sich mit der Dringlichkeit einverstanden erklärt hat, wird dieselbe au- genommen. Lavertujo» brachte folgende Tagesordnung ein: Indem die Kammer die Erklärungen der Regierung billigt und von dem Versprechen. die Aktenstücke mitzutheilen, Akt nimmt, beschließt sie, die Ernennung einer Untersuchungskommissiou zu vertagen. Meline erklärte, diese Tagesordnung anzunehmen Hierauf wird der erste Theil derselben, welcher die Billigung der Erklärungen der Regierung ausspricht, mit 329 gegen 243 Stimme», und der ziveite Theil mit 270 gegen 263 Stimmen angenommen. Hierauf ging daS Haus zur Budgetberathung über. Kanea, 29. März.(W. T. B.) Heute Vormittag wurden 67» Mann Oesterreicher vom 89. steierischen Regiment in der Eudadai ausgeschifft. 400 Mann davon werden morgen das bei der Bai ge« legen« Fort Jrredi» besetzen. M-k Kanea, 29. März.(W. T. B.) Heute früh 3 Uhr ging unter dem Befehl des französischen Hauptmanns Perignon stehende Truppenabtheilung, nämlich 7S Franzosen, 60 Italiener mit drei Geschützen und 20 Engländer mit einem Geschütz von hier nach dem Fort Subaschi ab. Die Bbtheilung traf um 11 Uhr dort ein und besetzte das Fort. Um 1IV» Uhr wehten die französische, die italienische, die englische und die türkische Flagge über dem Fort. Die Geschütze waren anf dein Marsche von de» Mannschaften durch die Schluchten gezogen ivorden. ix Badiug in Berlin. Hierzu£ Beilagen u. Untcrbaliunasbta»«. gt.75. 14. ZchgW. 1. Atllllße Eitt GevichkskÄprkel von der ,»Gnade". Vor der Strafkammer zu Hildesheim spielte sich vorgestern ein sensationeller Prozeß ab. Angeklagt mar der Privatsekretär Pfahl ans Hannover wegen eines vollendeten Betruges und eines Betrngsversnchs. Der Angeklagte ist in Hannover an- sässig und scheint dort gewissermaßen als Spezialität die A n- f e r t i g n n g von B e g n a d i g u» g s- G e s u ch e n zu betreiben. Unstreitig hat er darin viel G l ü ck gehabt; denn viele seiner Gesuche hatten Erfolg. Ja, der Angeklagte besaß ein solches Renommee, daß die hervorragendsten Rechtsanwälte ihren vernrtheilten Klienten den Rath erlheilten, sich an ihn zu wenden; den» wenn Einer in der Beziehung etwas fertig bringe, so sei es Pfahl. Man munkelte, daß er enge Beziehungen zn hohen Beamte» in Berlin habe, mit deren Hilfe es ihm gelinge, seine Zwecke zu er- reiche». Thalsache ist, das ein Bruder des Beschuldigten Geh. Oberfinanzrath in Berlin ist. Schließlich fand die Staats- anwaltschaft Anlaß zum Vorgehen gegenPfahl. Es waren dreiLandleute wegen schwerer Körperverletzungzu je 1>/s Jahren Gefängniß verurtheilt worden und sie wandten sich an Pfahl, um ihre Begnadigung zu erzielen. Pfahl erklärte sich bereit, sein Möglichstes zu thun, und er soll dabei daranf hingewiesen haben, daß er in Berlin sehr gute Ver- b in d u u g e n habe, durch deren Vermittelung er den Zweck er- reichen werde. Er habe i» Berlin einen Bruder, der sei Ge- hei m er Oberfinanzrath, und dann habe er auch auf andere hohe Persönlichkeiten in Berlin, so». a. auf den Geheimen Rath v. Lucanus vom Zivilkabiuet und den Geheimen O b e r j» st i z r a t h H o r st m a n n Einfluß und bei denselben Zu- tritt.. Der Angeschuldigte hat sich dann einen Revers unter- schreiben lassen, wonach er, wenn die Vernrtheilten aus der Haft entlassen würden, 1680 M. erhalten solle. Pfahl will dann nach Berlin gereist sein und dort Schritte gethan haben. Jedenfalls ist Thatsache, daß die Vernrtheilten, die inzwischeu verhaftet worden waren, ans dem Gefängniß be- nrlaubt wurden. Die zuständige Staatsanwaltschaft ist dann drei Mal zum Bericht aufgefordert worden und hat dreinial die Begnadigung nicht allein nicht befür- wortet, sondern sogar dargelegt, daß die Handlniigsiveise der Ver- «rlheilten eine solch rohe gewesen, daß durchaus kein Grund vorliege, eine Begnadigung eintreten zulassen. Ebenso ungünstig lauteten die von der Direktion der Strafanstalt in Hannover eingeforderten Berichte. Trotzdem ist die vollständige Begnadigung erfolgt. Pfahl machte nun noch ans 1775 M. Anpnich, wurde aber mit seiner Klage im Zivilprozeß abgewiesen, da nicht festgestellt werden konnte, daß gerade durch ihn die Begnadigung erfolgt sei. Es hatte nämlich zuletzt auch noch ein Lehrer aus Lehrte aus Ver- anlassnng der Frauen der Verurtheilten ein Gnadengesnch angefertigt und abgesandt. Es wird dem Angeklagten nun vorgeworfen, datz er den inzwischen Begnadigten unter Vorspiegelung falscher Thatsachen, daß er in Berlin auf hohe Persönlichkeiten Einfluß be- sitze, das Geld abgenommen habe. Ferner wird ihm zur Last gelegt, daß er einem Verwandten derselben ein Darlehen von 300 M. abgenommen habe, indem er ihm schrieb, er wolle das Geld für einen hohen Beamten in Berlin, damit dieser ihn für reich halte. Die Verhandlung währte vier Stunden. In ihrem Verlans wurden die Namen manchcr hoher Beamten in Berlin in die Erörterung verwickelt, worauf der Staatsanwalt die Verlesung einer bei den Akten befindlichen Erklärung des I u st i z m i n i st e r s und die eventuelle Vernehmung des Geheimen Oberjustizraths Horstmaiin be- antragte. Vom Präsidenten wurde mitgetheilt, daß der Bruder des Angeklagten, der Geheime Oberfinanzrath Pfahl in E h a r l o t t en b u r g, in der Anklagesache wegen des nahen verwandtschaftlichen Verhältnisses jede Aussage verweigert habe. Der Staatsanwalt führte in seinem Plaidoyer aus, daß der vorliegende Fall viele Kreise interessire; der Angeklagte sei ein Mann, der inBegnadigungsgesuchengroßeErsolge ehabt habe. Er habe sich darin einen solchen Ruf erworben, aß sogar Rechtsanwälte seine Hilfe in Anspruch genommen hätten. Es sei wirklich w ü n s ch e n s w e r t h, einmal beim Zivil- kabinet anzufragen, ob der Angeklagte dort wirk- lich Einfluß gehabt und ob er bei Herrn v. Lncanus gewesen sei. Ausfallen müsse es doch, daß die drei Land- teilte, obwohl die Staatsanwaltschaft in drei Berichten sich gegen deren Begnadigung ans- gesprochen, trotzdem begnadigt seien. Das sei doch geradezu frappirend. Wie das zugehe, wisse er nicht, ob es der Einfluß des Angeklagten sei oder sein Glück. Er glaube, daß der Angeklagte keinen Einfluß besitze, sondern nur den Namen und die hohe Stellung seines Bruders zum Deckmantel benutzt habe. Das Treiben des Angeklagten sei ein gemein- gefährliches: denn jedermann müsse annehmen, daß es mit dem Recht bei uns schlecht be st ellt sei und Best ech- l i ch k e i t herrsche. Er beantrage, den Angeklagten schuldig zu befinden und ihn zn 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß zu verurtheilen. — Der Gerichtshof erkannte jedoch auf Freisprechung, da er in der Handlungsweise des Angeklagten keine betrügerische Handlung gegenüber den Begnadigten fand. Nommunales. Weibliche Armenpflege. Bekanntlich liegt es in.der Absicht, Frauen in größerem Maße zu den Geschäften der Armeiikommisstonen heranzuziehen. Die Armen- Direktion hat infolge dessen beschlossen, entweder selbst oder durch die neuen beiden Armenämter einen Auf- ruf zur freiwilligen Meldung zn erlassen. Die Armen- Direktkon hat zu Armenärzten gewählt für den 54. Medizinal- Bezirk Herrn Dr. Ernst S a m t e r und für den 7ö. Medizinal-Bezirk Herrn Dr. Ludwig W o l f f h e i in. Tie Minister für öffentliche Arbeiten und der Justiz haben im Einvernehmen mit dem Finanzminister Bedenken gegen die von den städtischen Behörden beabsichtigte Geradeleg ung der süd- westlichen Straßen flu cht der Neue» Friedrich- st r a ß e gegenüber dem Mittelbau des neu zu erbauenden Justiz- palastes nicht erhoben. Auch haben dieselben nichts dagegen ein- ziiwenden, daß von der förmlicheii Festsetznng einer neuen Bauflucht an dieser Stelle abgesehen wird. Die Minister haben vorgedachte Geiiehmigung jedoch von der Bedingung abhängig gemacht, daß der vor der Klosterkirche(unmittelbar vor dem Chor) belegene Land- streifen dauernd der Bebauung entzogen wird, damit nicht ein Theil des Kirchengebäudes, eines der ältesten Denkmäler Berlins verdeckt werde. Uoftsles. Arbeiter-Bildnngsschnle. Der zu heute Abend angekündigte Unterricht in Nationalökonomie(Nordschnle) findet Umstände halber am Sonnabend Abend statt. Die Semester- s« r i e n der Schule beginnen am heutigen Tage und dauern vor- anssichllich bis Mitte April. Der Vorstand. Die Beerdigung des Parteigenossen Reymund Schlüter am Sonntag Nachmiliag gestaltete sich überaus feierlich. Wie wir vorige Woche schon mittheilten, litt Schlüter an hochgradiger Schlaf- sticht, besonders in den letzten Monaten, und in einem solchen Schlaf- anfalle erfolgte bekanntlich am Dienstag Abend sein Tod in deni Rühle' scheu Lokale in der Ackerstraße. Das Personal der Gebrüder Rothmann'schen Nähmaschinen-Fabrik,(hier war Schlüter lange Jahre als Schloffer beschäftigt) war vollzählig mir dem Fabrikbanner er- te.Amiick" schienen und eröffnete unter Vorantritt eines Bläserkorps den etwa 1000 Personen zählenden Leichenzug, in dem eine große Anzahl Kränze dem im 33. Lebensjahre Verschiedenen als letztes äußeres Ehrenzeichen nachgetragen wurden. Der Kirchhof der katholischen Sebastiangemeinde an der Dalldorfer Chaussee vermochte die Menschenmenge kaum zu fassen, da nußer dem eigentlichen Leichen- znge noch viele in Droschken und mit der Pferdebahn den ziemlich entfernt liegenden Begräbnißplatz zu erreichen suchten. Von der sonst üblichen ungebetenen Begleitung und Ueberwachung war diesmal nichts zu bemerken. An der Gruft hatte der Gesangverein „Nordwacht" Ausstellung genommen, unter dessen entsprechenden Grabgesängen der todte Genosse der Erde übergeben wurde, be- trauert von seinen hochbetagten Eltern und sonstigen An- gehörigen. Der sechste Wahlkreis verliert in Ney»i u n d Schlüter einen wenn auch stillen, aber desto ziel- bewußteren Kanipfgcnossen, und nicht unerwähnt darf bleiben, daß zur Zeit des Ausnahmegesetzes Schlüter es sehr gut verstanden hat, für eine sichere Verbreitung des so sehr„gesuchten"„Sozial- demokrat" unter den Genossen zu sorgen. Auch die Metallarbeiter- Organisation verliert in Schlüter ein treues Mitglied; mögen recht viele ihm nacheifern! Ehre seinem Andenken! Kranzspenden wurden niedergelegt vom Deutschen Metallarbeiter-Verband, dem sozial- demokratischen Verein„Vorwärts" Berlin, den Kollegen des Ver- storbenen, dem Gesaugverein„Reibeeisen", dem Gastwirth Rühle, in dessen Lokal Schlüter verschieden, und vielen anderen.— Ter Berliner Magistrat als Landschnl- Patron. Im „Gemeindeblatt" wird wieder einmal von der Deputation für die Kanalisalionswerke und die Rieselfelder eine Landlehrer- Stelle— die des vierten Lehrers an der unter dem Patronat des Magistrats stehenden Schule in Großbeeren— ausgeschrieben. Das Gehalt beträgt jährlich 750 M., außerdem 150 M. Miethscnlschädigung und 50 M. Feuerungsentschädiguiig. Aehnlich niedrige Gehälter sind an den Landschulen, die der Magistrat beim Erwerb der zu Nieselzwecken bestimmten Läudereien in der Um- gegend Berlins mit übernommen hat, bisher überall ge- zahlt worden. In den Stellen- Ausschreibungen der letzten Jahre wurden den Bewerbern folgende Gehälter(uberall außer freier Wohnung und Feuerung oder entsprechender Entschädigung) angeboten: dem 2. Lehrer in lllosenthal 750 M. bei provisorischer, 900 M. bei definitiver Anstellung; einem Lehrer in Hellersdorf 640 M.(dazu— außer freier Wohnung und Feuerung— V« Morgen Kartoffelland und Garten, Ve Schock Stroh, pro Woche 8 Liter Milch, für Roggen und Erbsen 137,20 M. baar); einem Lehrer in Nordend 900 M. bei provisorischer, 1050 M. bei definitiver Anstellung; dem Lehrer »nd Küster in Heinersdorf 1000 M., dem zweiten Lehrer in Groß- beeren 1000 M., dem Lehrer, Organisten und Küster in Ruhlsdors 900 M.; dem zweiten Lehrer in Ruhlsdors 750 M.; dem ersten Lehrer in Scheukendorf 900 M.; dem ersten Lehrer und Küster in Malchow 1189 M.; dem zweiten Lehrer in Malchow 800 M.; dem dritten Lehrer in Großbeeren 750 M., später vielleicht 810 M.; dem zweiten Lehrer in Blankenfelde 750 M. Einige Stellen haben in wenigen Jahren mehrfach(die in Rosenthal von 1891— 1896 vier- mal) den Inhaber gewechselt. Von den Bewerbern wird stets ver- langt, daß sie ihre Examina gemacht und sich im Schuldienst nach- weislich bereits bewährt haben. Die sozialen Ursachen der Geisteskrankheiten. Ebenso wie die körperliche» Krankheiten treffen bekanntlich auch die Geistes- krankheiten den Menschen nicht planlos und willkürlich, sondern sie sind stets die Folge bestinimter, in vielen Fällen auch nachweisbarer Ursachen. Unter diesen Ursachen spielen sowohl bei den Körper- wie auch bei den Geisteskrankheiten die sozialen, wie Roth, Ueberanstreiigung, niigenügeiide Wohnung, Sorge zc., eine große Rolle. Belehrende Rückschlüsse auf diese Einwirkung sozialer Ursachen auf die Entstehung i oon Geisteskrankheiten gestatten die von den städtischen Irrenanstalten Herzberge und Dalldorf gemachten Angaben über den Beruf der den Anstalten überwiesenen Patienten. Von den im abgelaufenen Verwaltungsjahr den beiden Anstalten ugeführten männliche n Kranken waren von je 100: Herzberge: Dalldorf: Handwerker....... 43 39 Arbeiter........ 26 23 Kauflente u. Gewerbetreibende 20 15 Gelehrte, Beamte, Künstler �tc. 7 10 Von je 100 F r a u e n waren: Arbeilerinnen, Dienstmädchen. 19 31 Handiverkerfrauen u.-Wittwen 21 22 Arbeiterfrauen n.-Witiwen.11 19 Kaufmaniisfrauen it.-Wittwen 8 6 Militär- und Beamtenfrauen und-Wittwen.... 7 5 Die kleineren Zahlen solcher Patienten, die sich auf verschiedene Berufe zersplittern, sind hier nicht mit aufgeführt. Interessant ist noch die Miltheilung der Anstalt Herzberge, daß sich unter je 100 der aufgenommene» Frauen 3 Piostitnirte be- fanden.— Der„Kansmännische Hilfstiereii« zu Berlin" hat 1896 (bezw. 1395) in seiner S t e l l e n v e r m i l t l l u n g 1049(1053) angemeldete Vakanzen und 2456(2330) eingeschriebene Bewerber gehabt. Besetzt wurden nur 746(714) Stellungen. Der Jahres- bericht für 1896 berechnet das Verhältniß der besetzten Stellungen zu den angemeldeten Vakanzen— 1396: 71,11 pCt., 1395: 67,31 pCt.— und bemerkt dazu:„Hieraus ergiebt sich, daß auch unsere Stellenvermittelung im vergangenen Jahre mit wachsendem Erfolge gearbeitet hat." Berechnet man aber(was der Bericht nicht thut!) das Verhältniß der besetzten Stellungen zu den eingeschriebenen Bewerbern, so erhält man für 1396: 30,37 pCt., für 1395: 30.64 pCt. Diese Zahlen sind erheblich niedriger, und sie laffen auch den„wachsenden Erfolg" veriiiissen. Der einzige Fortschritt von 1895 zu 96 besteht darin, daß die Chefs, welche Leute brauchten, ihre Wünsche in größerem Ilmfange befriedigt erhalten konnten, weil fie unter der größeren Zahl von Bewerbern, die ihnen der Verein präsentiren konnte, mehr Auswahl hatten. Die Chess, die dem Verein als Gönner(außerordentliche oder immerwährende Mitglieder) angehören, werden das in der That als einen„wachsen- den Erfolg" ansehen, aber den Stellung suchenden H a n d l u n g s- g e h i l f e n ist damit leider wenig geholfen. Ter Bau der elektrischen Stadtbahn der Firma Siemens u. Halske ist heute wieder in Angriff geuommen worden. Mit dem Anfahren des Arbeits- und Baumaterials und dem Ausschachten der Baugruben ist bereits begonnen worden. Zunächst wird in der Skalitzerstraße, vom Kottbuser Thor ab, ausgeschachtet. Die Fundameiitirungsarbeiten werden in der Richtung nach dem Schlesischen Thor zu fortschreiten. Nach Ostern gedenkt die Firma mit Aufstellen der Säulen und Aiifbringeii der Eisenkonstruklion be- ginnen zn können. Gegen eine Anzahl Hausbesitzer in der Köthener- straße, die sich mit der Gesellschaft wegen Abtretung von Hinter- land nicht einigen wollen, soll das Enteignuiigsverfahren beantragt werden. Weil er sich fortgesetzt der Verpflichtung entzog, seine Kinder zu erhalten, obwohl er dazu in der Lage war, ist ein hiesiger Arbeiter— laut Bekanutmachung im„Gemeindeblatt"— zu 20 M. Geldstrafe oder 5 Tagen Haft verurtheilt worden. Das ist in drei Jahren erst der dritte derartige Fall, über den die Armen- direklion im„Gemeindeblatt" zu berichten hat. Bei dem Feldzug gegen die. pflichtvergessenen Väter", der vor drei Jahren mit vielem Geschrei angekündigt wurde, ist also bisher recht wenig heran?- gekommen. Der Uuöschusi für die Erhaltung des Botanischen Gartens als Park will eine Massenpetition an den Landtag richten, in welcher � Di-llg-g. 30. Miitz 1897. der Landtag gebeten werden soll, dem Finanzmiiiister die Ermäch- tigung zum Verkauf des Gartens für Bauspekulationszivecke zu ver- sagen. Nanfbolde. Zwei Pistolenduelle haben in der letzten Zeit wieder im Grunewald staltgefunden. Der erste Zweikampf, bei dem ein Angehöriger der hiesigen landwirthschaftlichen Hochschule be- theiligt war, wurde vor etwa vierzehn Tagen ausgefochten. Er ver- lief ebenso unblutig wie der zweite. Dieser fand Ende voriger Woche in einer srühen Morgenstunde statt. Als Gegner standen sich ein hiesiger und ein auswärtiger Korpsstudent gegenüber, die einer jungen Dame wegen an einander gerathen waren. Nach dem ersten Kagelwechsel kam in diesem Falle eine Aussöhnung zu stände. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Nachträgliches vom„Nationalfest". Die Bäcker-Jnnung „Coucordia" hat beschlossen, aus Anlaß der Zentenarfeier dem Kaiser durch den Obermeister Gemeinhardt eine Huldigungsadresse zu überreichen. Praktisch. Ein Pastor, namens Hülle, ist gelegentlich der Hundertjahrfeier mit dem„Wilhelm-Orden" beschenkt worden. Jetzt bringt die„Norddeutsche Allgemeine" eine weitläufige Lebens- beschreibung des in den weitesten Kreisen unbekannten Mannes, um zu erklären, wer er sei und daß er auch wirklich den Orden verdient habe. Kann diese Gepflogenheit nicht auch aus dekorirte Koni- merzienräthe ausgedehnt werden? Es trifft sich so selten, daß die Verdienste derartiger vorbildlicher Staatsstützen im Volke be- kannt sind. Politik in der Schule. Freisinnigen Blättern zufolge wird das vor 12 Jahren erschienene Oskar Meding'sche Machwerk „91 Jahre Glaube, Kampf und Sieg", welches neben einer Ver- herrlichung Wilhelms l. allerhand plumpe Ausfälle gegen die Oppo- sitionsparteien enthält, in Berliner Gemeiiidcschulen als Prämie ver- theilt. Da rede noch einer davon, daß die freisinnige Gemeinde- Vertretung nichts von Patriotismns wissen will. Sie treibt ihn bis zur Selbstentäußeriing. Welche patriotischen Unternehmer zahlen ihren Arbeiter» nicht den schuldigen Loh» für die ihnen anfgczwnngencn Feiertage? In den Preßmarmor- und Granitwerken von F. Heuber, Berlin 0., Fruchtstr. 1—2, haben die sämmtlichen Arbeiter am 22. März feiern müssen, ohne daß der Besitzer seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Lohnzahlung nachgekommen wäre. „Wem es nicht paßt, der kann gehen," hieß es am Sonnabend. Gleichermaßen ist der H o s d r e ch s l e r in e i st e r M. Röhl, in Firma Neumeister, seinen Arbeitern den Lohn für den 22. März schuldig geblieben. Des weiteren sind noch folgende patriotische Unternehmer zu nennen, die ihren Ar- beitern gelegentlich der Zentenarfeier einen unfreiwilligen Feiertag aufzwangen, ohne ihren Verpflichtungen zur Lohnzahlung nach- zukommen: H. W. Heidmann, Lehrter Güterbahnhof, Paul S t o l t e, Bauunternehmer, Anhaltstraße 10, Hoflieferant Schneidermeister Sachs, Taubenstr. 7. Hoflieferant Kühl- stein(Wagenfabrikant), Steinsetzmeister A. Brehme, Wriezener» straße 40, Fahrrad-Fabrikanten Quosdorff und B u l t w e l l, Banbedarfsfabrik Schulz u. Komp., Nieder-Schöneweide, Horn-' und Perlmutter- Kuopsfabrikant L e i b h o l z, Oranienstraße 183, Bersichernugsgesellschafl Neptun, Oranienstr. 97 ,' H o f l i e f e» r a u t e n Stahlfeder- und Federhalterfabrik S. R ö d e r u. F u ch s (früher A. Ney), Nitterstr. 123.. Weiter wird uns geschrieben: Die Firma Jules B i st e r, Unter den Linden 3, die zu den sogenannten„seinen" Koufeklions- geschästen gehört, ist Hoflierant des Kaisers. Es ist daher nicht zn verwundern, daß sie sich durch Illumination und Aus« schmückung des Geschäfts hervorthat. Sie zwang gleichfalls ihre Arbeiterinnen, 1>/e Tage zu feiern und behielt den diesen rechtmäßig zustehenden Lohn ein, trotzdem die Arbeiterinnen auf 14tägige Kündigung angestellt sind. Jetzt haben die bürgerlichen Frauen Gelegenheil, ihre zur Zeit des Frauenkongresses gespendeten Worte in die That umzusetzen, indem sie alle Geschäfte meiden, die den Arbeitern den schuldigen Lohn vorenthalten. Ein Baumeister Z i g r a läßt am Savigny-Platz drei Bauten auf« führen. Die Bauarbeiter waren am vorigen Montag wie gewöhnlich zur Arbeit gekommen. Als sie um 9 Uhr gerade ihr Frühstuck ver- zehrten, erschien ein Angestellter des Baumeisters und verkündete, daß die Arbeiter sofort den Bau zu verlassen hätten, wenn sie nicht mit polizeilicher Gewalt herabgetrieben werden wollten. Baumeister Zigra hat den Arbeitern bis jetzt noch leine» Pfennig von dem Loh» gezahlt, dem er ihnen für den Montag schuldet. Besonders hoch wird es dem preußischen Kriegsininisterium in verschiedenen Zeitungen angerechnet, daß es in voriger Woche der Arbeiterschast gegenüber seinen V e r p f l i ch t un g e n nachge- kommen ist. So schreibt ein hiesiges Blatt: „Sehr f r e i g e b i g(!) ist zur Hunderljahrfeier das preußische Kriegsministerium gewesen. Es hat in den M i l i t ä r w e r k- st ä t t e n zu Spandau den Betrieb am Montag und Dienstag ruhen lassen und die Arbeiter für den ver- lore» gegangenen Verdienst voll entschädigt. Die Leute erhielten je nach der Höhe ihres Tagelohnes oder ihres durch- schnittlichen Akkordverdienstes pro Tag zwischen drei und sechs Mark ausgezahlt. Die Direktionen der Spandauer Fabriken haben für diesen Zweck rund 80 000 Mark aufgewendet." Mit der„Freigebigkeit" hat das Kriegsministerium nur seine gesetzliche Pflicht erfüllt; den Arbeitern ist gegeben worden, was der staatliche Unternehmer ihnen schuldete. Es macht sich in Blättern, die Tag für Tag die Heiligkeit des Eigenthums predigen, überaus kurios, wenn sie als ab- norme Großmuth, als eine über das Maß der Verpflichtungen weit hinausgehende Handlung hinstellen, was einfach nicht mehr als in der Ordnung ist. Wer seinen Arbeitern nicht den Lohn für Feiertage zahlt, die er ihnen aufzwingt, der handelt juristisch genau so wie der böswillige Schuldner, und moralisch noch weit verwerflicher als dieser. Denn der Gläubiger kann sein Geld ohne Gefahr einklagen; für den Arbeiter bedeutet es aber E n t- lassung, wenn er sich erdreistet, in solchem Falle bei den Ge- richten sein Recht zu suchen. Mehr als je trifft gelegentlich der Zentenarfeier das Vibelwort zu:„Wer seinem Arbeiter den Lohn nicht giebt, der ist ein Bluthund." Der abgesetzte Bürgermeister Roll anS Gnesen will sich, wie die„Pofener Zeitung" meldet, in B e r l i n als Rechtsanwalt niederlassen. Das LiebeSlcbe» einer OrdnnngSstlltze schildern Berliner Blätter in folgendem:„Eine bittere Entläuschiing hat ein Stadt- ver ordnete n- Vor st eher und Eigenthünier ans der Umgebung Berlins erlebt. Schon oft halten Verwandte ihm zugeredet, sich ein Weib zu nehmen, lange vergeblich. Endlich aber fühlte er sich auch selbst vereinsamt und der Zufall wollte es nun bald, daß er in Berlin ein Mädchen kennen lernte, das ihm so recht ge- fiel. Sie hatte einen alten, stolz klingenden Namen, v. B., und verfügte auch über einige Reichthümer. Beides behauptete sie wenigstens, und da er, dem sie es sagte, sterblich in sie verliebt war, so fand sie in allem auch Glauben. Da die Siebzehnjährige auch an ihm, obwohl er die Vierzig bereits überschritten hat. Gefallen fand, so stand der ehelichen Ver- bindung nichts im Wege. Mit dem glücklichen Bräutigam freuten sich die Anverwandten über den vornehmen Zuwachs der Familie. Ein verhänguißvoller Besuch aber machte alles Glück zu nicht«. Fräulein v. B. wollte einige Zeit auf dem Gute eines Bruders ihres Bräutigams. Ün fiel es nun den weiblichen Familiengliedern auf, daß die junge D-nne nicht ein einziges Zeichen in irgend einem Wäschestück hatte. Man wurde stutzig und äußerte seinen Verdacht auch dem Heirathskandidaten. Der theilte ihn natürlich anfangs nicht, war aber doch vorsichtig genug, sich jetzt einmal näher nach de» Verhältnissen seiner Angebeteten, der er bisher blindlings vertraut hatte, zu erkundigen. Der frühere Kriminalbeamte v. P. ermittelte zunächst, daß die junge Dame, die sich von dem Gute deS zukünftigen Schwagers sofort wieder nach Berlin hatte begeben wollen, dort erst acht Tage später angekommen war. Was für eine Kunsireise sie in der Zeit gemacht hatte, war nicht recht festzustellen. Endlich stellte sich aber auch heraus, daß sie kein reiches Fräulein v. B- war, sondern einen bürgerliche» Namen führt und die Tochter einer Frau ist, die sich durch Zinnnervermiethen im Westen der Stadt so gut es geht durchschlägt. Diese Entdeckungen wirkten auf den guten Manu sehr niederschmetternd. Als er nun aber von der Braut, die von den Nachforschungen keine Kenntnist hatte, gar die briefliche Miltheilung erhielt, daß die Hochzeit dränge, da dampfte er Knall und Fall nach K o» st a» t i» o p e l ab. Bis jetzt hat man nur ver> „ommeii, daß er dort glücklich angekommen ist; weiteres hat der Enttäuschte noch nicht vernehmen lassen. Wahrscheinlich sammelt die Ordnungsstütze am Goldenen Horn Kräfte, ui» binnen kurzem wieder im stände zu sein, das Heiligste, ivas der Deutsche kennt, die Stellung der Frau, gegen den Umsturz zu vertheidigen. Ergänznpgeu zu de» Verhaltungsinapregeln im Falle einer Mobilmachung werde» jetzt von de» Bezirkskommandos de» Mann- schaste» des Benrlaublenstandes durch die Post zugestellt. Diese Ergänznuge» sind in den Militärpast einzukleben und bei den Kontrollversammlung«» vorzuzeigen. Wer sie verliert, hat den Ver- tust sofort bei seinen, Bezirkstommando anzuzeigen. Eiu Friihgewitter, das gestern zwischen 7 und 8 Uhr über Berlin und den Bororten niederging, weckte mit einigen heftigen Schlägen die Laugschläfer aus dem Morgenschluinmer, die reichlichen Niederschläge, die uns die letzten Tage brachten, haben die Vegetation mächtig gefördert. Abermals will der brave Bürgersmann die Polizei gegen die Prostitution aufbiete». Diesmal sind es die Anwohner der Steinmetz-, Alvensleben- und Kulmstraße, welche wegen des„nächt- lichen Unfugs" an de» Polizeipräsidenten petitioniren. Ja, wenn die Schutzmannschaft gegen diese»othwendige Begleiterscheinung der heutige».Ordnung" helfen könnte! Tie Tchlostfrcihcit ist wieder für den vollen Verkehr frei- gegebe». Tie Polizei soll»enerdings angewiesen worden sein, besonders genau darauf zu achten, daß der � llöa. der Gewerbe-Ordnung, nach welchem Loh»- und A b s ch l n g s z a h l u„.sf c n an Arbeiter ohne Genehmigung der Polizeibehörde nicht i'n Gast- und S ch a n k w i r t h s ch a f t c» oder in Verkanfsstellen statt- sinde» dürfen, von de» Unternehmern oder deren Vertretern befolgt werde. Vor de» Auge» seiner Frau erschösse» hat sich am Sonntag Abend um lt) Uhr der 48 Jahre alte Arbeiter Karl Knorr aus der Birkenstr. 56. Knorr, der seit fünf Jahren verheiralhet war, hatte auf dem genaiinteu Grundstück die Pförlnerstell«. Gestern Abend saß er im Nachbarhause in der Schaukwirthschafl von Hoof. Frau Knorr machte um 10 Uhr im Hause das Licht aus und sah sich bei der Gelegenheit auch nach ihrem Manne»in. Als sie, in der Thür stehend, dessen Einladung zu einem Glas Bier ablehnte, griff Knorr plötzlich in die Tasche, nahm Geld und Schlüssel heraus, um sie aus de» Tisch zu legen, zog dau» eine Pistole hervor, die er schon lange bei sich trug, und tödtete sich aus der Stelle durch eine» Schuß ra den Mund. Knorr hatte in der letzten Zeit viel Aerger wegen «hier Frau, die er anscheinend ohne Grund des Diebstahls geziehen hatte.» Soldatcusolbstmord. Ein Soldat des 13. Jnsanterie-Negiments hat sich gestern ZIbeiid an einsamer Stelle zwischen Spandau und Charlottenburg vor den 7 Uhr 42 Min. von Spandau abgehenden Vorortzug geworfen und ist von diesem buchstäblich zermalmt worden. Die genauere Feststellung der Personalien, sowie das Motiv zur That selbst ist bisher noch unbekannt. Der Soldat befand sich aller Wahr- scheinlichkeit nach hier aus Urlaub. Ueberfall. In der Nacht zum 10. d. M. ist der Schuhmacher Hellivig vor dem Hause Kirchbachstr. 5 hintenücks angefallen und mittelst gefährlichen Werkzeuges körperlich so schwer" uiißhaudelt worden, daß er mit zertrümmertem Schädel in der Klinik Ziegel- ftraße vernchmuugsunfähig darniederliegt. Hellivig ist anscheinend das Opfer einer Personenverwechselung geworden; die Thäter dürfte» iu der berüchtigten Klasse der Zuhälter zu suche» sei». Es ist erwünscht, daß Zeugen des Borsalles sich bald auf dem Polizei- Präsidium, Alexanderplatz, Zimmer 244, zu ihrer Vernehmung ein- finde». Uugliiifsfällc i» VergniigungSlokaleu. durch schlechte Kon- struktion oder Banfälligkeit der dort aufgestellten Schaukeln, Turn- und Spielgerälhe zc. veranlaßt, sind nicht seltenes. Es ist deshalb eine polizeiliche Revision nach dieser Richtmig hin für die Ver- gnügungslokale Berlins und der Vororte angeordnet worden. Den Wirthen ist außerdem zur Pflicht gemacht worden, bei Ausstellung und Betrieb derartiger Uuterhallungsgeräthschaften die größte Vor- sichl walten zu lasse», da sie eveut. bei Verschulden persönlich hastbar und auch strafrechtlich verantwortlich sind. Das„»»fehlbare Mittel". Eine behördliche Untersuchung wird der Tod der 62 Jahre alten Postschaffnersfrau Barbara Kuber- uath aus der Hussitenstr. 22 zur Folge habe». Die Frau litt seit Jahren an Alheiubeschwerde» und Kopfschmerzen. Das Leiden steigerte sich öfters zn so hesligea Anfällen, daß sie ans Stunden und sogar auf Tage das Bewußtsein verlor. Gegen die Kopf- schmerzen hatte ihr nun eine Bekannte ei» Pulver empföhle», das ein Droguist i» der Anklamerstraße verkauft. Das Mittel halte immer geHolsen, und so wurde es den» auch a», Freitag wieder au- gewandt, als sich wieder ein heftiger Anfall einstellte. Der vierzehn- jährige Sohn holte erst sechs und dann noch zwei Pulver. Die Kranke nahm alle acht, gerielh stark in Schweiß, verlor das Be- wnßtscin und starb am Sonnabend Mitlag, ohne wieder zu sich gc- kommen zu sein. Ei» räthselhafter Ueberfall. Ei» hiesiges Blatt berichtet: Am 6. d. M. gegen 10 Uhr kamen in die Schankwirthschaft von Pähl in der Jnvalidenftraße S2 drei Matrosen. Als Pähl um 12 Uhr Feierabend bieten mußte, erwiderte ihm einer der Motrosen: „Sie haben uns garnichts zn bieten, wir lassen uns nicht raus- schmeißen." Ei» bürgerlicher Gast, der noch da war, siel mit der Frage an den Wirth ei»:„Na, bist Du denn nicht mehr Herr in Deinem eigenen Hause?" Kaum hatte er das gesagt, so sprangen auch die Matrosen schon aus, um über ihn herzufallen. Sie ließen jedoch von ihm ab. als der Wirth sich ins Mutet legte. Dafür aber erhielt dieser eine» Fanstschlag ins Auge und eine» Messerstich in den Hinterkopf. Nu» wurden die Matrosen z»r Thür hinaus- gedrängt. Pähl folgte ihueu, um sie durch«inen Schutzmann feststellen zu laffcu. Als er aber bis zum Louisenplatz noch lerne» Beamte» gesundeu hatte, wurde er zur Umkehr gezwungen, indem ihm einer der Seemänner noch einen scharfen Hieb über die Schulter versetzte. Pähl war infolge der Verletzungen 14 Tage krank. Aus seine Anzeige beiinReichs-Marine-Auit wurde er vor8 Tagen mit dem bürger- lichenGasle dorthin vorgeladeu. UiUer den ans dem Hofe an der Voßftraße ausgestellleu Mahosen bezeichneten beide Männer drei mit Bestimmt- heil als die Thäter. Gegen diese drei richtete sich»u» das Ver- fahre». Borgefteru erhielt nu» Pähl vom Reichs- Marine-Ault den Bescheid; daß das Verfahren eingestellt worden ist. Tie Er- mitlelnugen haben ergeben, daß diese drei Matrosen a» dem frag- lichen Abend und in der Nacht vom 6. zum 7. Mär, ihr Quartier nicht verlasse» haben. Hiernach wird die Angelegenheit kaum noch eiue Aufklärung finden. lvei der Reinigung eine» Revolvers, die der 42 Jahre alte Schankwirll, Friedrich Harms nachmittag« in seiner Wohnung in der Gitschinnt.r. 107 vornahm. entlud sich die Waff« und die Kngel drang Harnis in den Unterleib. Er wurde in das Kraukeu- haiis Am Urban gebracht. Von einem grtzsteren Schnljnugen, der am Sonntag inmitten einer Anzahl Kamerad«» an der Ecke der Perleberg«. und Rathenower. straße mit einer Pistole Unfug trieb, ist um 3>/z Uhr nachmittags ein de? Weges konimender Beamter des Moabiter Untersuchungs- gesängnisses angeschossen und am Knie verletzt worden. Glück- licherweise ist die Wunde nicht gefährlich. Der deutsche Heldensoh», der den Frevel verübte, entkam. Sicbennial wurde die Feuerwehr am letzten Sonntag alarmirl und fast stels gleichzeitig zu mehreren Bränden. Früh um 10 Uhr brannte«ine Wohnung in der Landsberger Allee 123. Als die erste Kompagnie an der Brandstätte ankam, brannten Haupt- sächlich Velten und Möbel unter großer Rauchentivickelnng. Die Wohnungsinhaberin wurde von der Wehr in Sicherheit gebracht. Sie hatte am Kopfe und an de» Hände» schwere Verletzungen er- litten und mußte nach Anlegung eines NolHverbandeS nach dem Krankeuhause am Friedrichshai» gebracht werden. Abends um neun Uhr ging der Dachstuhl des Hauses Zionskirchstraße 40 in Flammen auf. Eine Anzahl kleiner, nicht versicherter Miether ist arg geschädigt.— Die übrigen Brände konnten schnell gelöscht werden. Im Schtller-Dheater wird morgen„Die Bildhauer",'Scbauspiel�iu 4 Akten von Eugen Reichel, zum ersten Male in folgender Besetzimg der Hauptrollen gegeben: Andreas Krist. Bildhauer Eduard von Winkerstein, Waldemar Dorner, Bankier Julius Eybeu. Frau Friederike Torner, Marie Wille. Helene Dorncr, Hedwig Pank!), Franz Lehrt, Violinvirtuose Albert Patr», Dr. Kurt Hcllemdors, Carl Dahlen. Bödner, Sladtrath Alsred Schmasow, Albert Josetti, Bildhauer Ewald Bach. Adele Bauer, Näherin Paula Lcvermann. Mager, ein Handelsmann Moj Walde»— Heute iommt „Maria Stuart" zur Ausführung, die Rolle der Elisabeth spielt Frau Antonie Leulhold a. Gast. Im BolkS-Dheater gelangt Ende der Woche das Heinrich Wik- le tusche VvllSstiick»Hopsenraths Erben" zur ersten Aufführung. Vorher und zwar vorn Dienstag ab, wird vielseitigen Wünschen entsprechend, Hugo Müller s Lebensbild„Von Stufe zu Stuse" gegeben. Aus den Nnchbarorteu. Ei» drolliger Streit hat sich in der Gemeindevertretung Lichtenberg entsponnen, da der Gemeindevorstand de», Kaiser Wilhelm ein Denkmal setzen will, während verschiedene Bürger und Gemeindevertreler verlange», daß dem Kaiser Friedrich ei» Denkmal errichtet werden soll. Der bekannte Natnrarzt und frühere Rechtsanwalt Martin Äliinicke hat in seiner zu Frieduchshagen belegene» Villa durch Aufschneiden der Blutadern an den Beinen und der Pulsader» aiu gestrigen Sonntag seinem Leben ein Ende gemacht. Nachmittags 4 Uhr hörten die Nachbarn Glünicke's ein lautes Stöhnen, sie gingen dem Schalle nach und fände» ihn in seinein Blute schwimmend in de» letzten Zügen. Das Motiv zu der verzivciselten That war ein»»heilbares Halsleiden. Die Gattin Glünicke's,-ine Amerikanerin, war zur Zeit der That i» Polida m. Glüuicke war zu Ansang der achtziger Jahre beim Ber- liuer Landgericht I als illuwalt thätig, ließ sich als solcher Uuregel- Mäßigkeiten zu schulden kommen, ging nach Amerika und wurde in der Liste der Anwälte auf grund ehrengerichtlichen Urtheils ge- löscht. Bor einigen Jahren kehrte er als Naturarzt zurück; er fand kolossalen Zulauf, namentlich behauptete er den Krebs heilen zu können. Seine Praxis brachte ihm eiu Vermögen ei», das er in der letzten Zeil auch zn einer verfehlten Zeitungsgründimg verwendete. Die Bahnwärtcr-Wittwe Fnrn Marie Zesch aus Klein- Besten bei Königs-Wnsterhausen, welche unter dem dringenden Ver- dachte steht, in der Nacht zum 12. Mai v. I. ihren Ehemann des Nachts im Schlafe erschossen zu haben, ist wieder iu UntersuchungS- Haft genommen worden. Als die in Königs-Wnsterhaiifeu geführte Untersuchung abgeschlossen war. wurde Frau Zesch aus der Unler- iichuiigshafl enilassen, der Untersuchungsrichter am Landgericht II and aber, als er die Uiitersilchungsakren nachprüfte, daß zu einer Eiiisielluug des Berfahreus kein Älnlaß vorliege. Auf seine Ver- anlafluiig wurde Frau Zesch von neuem verhaftet. Auf die von der Beschuldigten erhobene Beschwerde hob die beschlubfasseude Straf- kammer die Untersirchnngshast von neuem auf, hiergegen erhob aber die königliche Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Kammer- gericht und dieses hat nun die erneute— dritte— Verhaftung der Frau aiigeorduet. Die Beschuldigte befindet sich bereits wieder im Moabiter Untersuchungsgefängnisse. Eine» schrecklichen Tod fand der Kutscher Karl Bingner aus der Krnmmestraße vir. 27 zu Charlottenburg, der bei den Vereinigten Mörteliverten beschäftigt war. Bingner wollte mit seinem leeren Wagen nach dem Depot in der Bachstraße Nr- 4/5 fahren, um Feierabend zu machen. Als er iu der Kursürstenstraße war, begann es zu regnen. Um sich zum Schutz gegen die Nässe eine wollene Decke umzulegen, erhob er sich. Daraujhin rückten die Pferde plötz- sich scharf an, Bingucr stürzte vom Wagen und fiel so unglücklich hin, daß ihm die Räder über die Brust gingen und diese»er- quetschten. Der Verunglückte, der eine Frau und zwei Kinder hinter- labt, gab fast aus der Stelle seineu Geist auf. Ei» Arzt, der zu Hilfe gerufen wurde, konnte nur feststellen, daß der Tod bereits ein- getreten war. Eine Liebestragödie hat im benachbarten Köpenick am Sonn- abend ihre Aufklärung gefunden. Am 14. März verschwand plötzlich die zwanzigjährige Tochter des Wäschereibesitzers W. und gleich- zeitig mit rdr der in der Waschanstalt beschäftigte achtnndzwanzig- jährige Knecht Paul Bergmann. Anna W, hatte mit dem letzteren ein Liebesverhällniß unterhalten, von welchem die Eltern des jungen Mädchens vor etwa vierzehn Tagen durch Zufall erfuhren. Wohl iu der Besürchtung, daß der Wäschereibesitzer seine Eimvilliguug zu einer ehelichen VeSdinduug nicht geben werde, hat das Paar gemciu- schaftlicheii Selbstmord ausgeübt. Am Sonnabend Nachmittag wurde die Leiche des Bergmann in der Spree hinter dem Köpenicker Kietz gelandet. Die Leiche des MädchenS ist bisher noch nicht ge- fuudeu worden.__ Soziale Nechlsp�ege. Für Kntscher«ud Mitfahrer in Branereieu nnd ähnlichen Betriebe» ist eine Entscheidung des Reichs- Versicherungsamles von erheblicher Bedeutung. Der Kutscher Koch verunglückte bei einer Geschäftston r dadurch, daß der Wagen umschlug, in dem sich einer der höheren Angestellten einer Brauerei befand. Koch, der sonst Bier zu fahren hatte, war diesmal aus- nahmsweise mit der Führung des fraglichen Personen- wageus betraut worden. Seineu Anspruch auf eine Unfallrente wies die Brauerei- und Mälzerei-Berussgeuoffeuschast mit der Begründiiug ab, daß die vom betreffenden Brauereibeamten unternommene„Kundenreise" dem kaufmännischen Theil des Brauereibetriebes und nicht seinem technischen Theile zugehöre, und daß demnach von einem entschädignngspstichtigcn Unfälle beim Brauereibetriebe nicht geredet werden könne. Das Schiedsgericht erkaiintc im gleichen Sinne. Ans den Rekurs des Klägers erhob das R e i ch s- B e r s i ch e r u na s a in l über die näheren Umstände Beweis. ES wurde festgestellt, daß bei solchen Geschäftsreisen bei den einzelnen Kunde» das Bier auf seine Brauch- barkeit geprüft wird; auch werden bei der Gelegenheit Neklaiuatioucn eiitgegeugenommen. Hierin erblickte das Rekurs- gericht einen h i n r e i ch e u d e u Z n s a m in e n h a n g auch mit dem technischen Theil deSVetrlebcs. um einen Betriebsunfall anzunehmen. Es sprach deshalb dem Kläger die gewünschte Uusallreute zu. Tie Haftung der Arbeiter für ihnen anvertraute Gegen- stände ist nach einem wunderlichen Urlheil der Kammer VIl des Grwerbegerichts recht weitgehend. Dem Kutscher Z. ging eiu waffer- dichter Plan verloren, den er unstreitig mit ans die Tour bekommen hatte. Sei» Arbeitgeber, der Fuhrherr Watsua, zog ihm deshalb 5 M. vom Lohne ab. Der Kutscher klagte-danu beim Gewerbe- gericht auf Heranszahlung des Geldes. Wallua machte gegen die Klage gellend, der verschwundene Plan sei annähernd 50 Mark werth und er sei berechtigt, mindestens die 5 Mark Nestloh» einziibehalteir. Di« Berhandlung ergab keinen AnHalls- punlt dafür, ans welche Weise und zu welcher Zeit der Plan ab- Händen kam. Ei» Strafverfahren ist gleichfalls resultatlos ver- laufen. Obwohl also eine positive Schuld dem Kläger nicht nach-. gewiesen werden konnte, wurde er dennoch abgewiesen. Assessor Ü ii g e r begründete das Urlheil damit, daß Z. den ihm übergebeuen Plan unbedingt wieder hätte ablieser» müssen und daß er auf jeden Fall für das anvertraute Gut haste. Es sei dies, ohne daß es ausdrücklich verabredet werde, eine der Berpflichtungen aus dem Arbeitsuerhältniß. Gerichts'3t ikung. Hat die Landespolizeibrhördc ein Disziplinarrecht über Aerzte'# Auf die Entscheidung dieser Frage lief im wefeullichen ein Rechtsstreit hinaus, der am Montag das Ober-Ver- waltungsgericht beschäftigte. Ein Spezialist für Lupuskranke, der praktische Arzt Dr. med. Laster, hatte in seinem Wartezimmer ein Plakat mit folgender Inschrift aufgehängt:„Ich bitte zu beachten. daß meine speziellen Verordnungen in der vorgeschriebenen Weise nur in der Apotheke„Zum weißen Schwan" zubereitet werden." Wegen dieses Plakats setzt« der Polizeipräsident gegen Laster eine Strafe von 300 M. fest, indem er sich aus das Edikt vom 27. September 1735 stützte Darin heißt es:„Den Aerzten wird hiernach verboten, einen Chirurgen vor dem anderen, auch eiueu Apotheker vor dem anderen vorzuschlagen und zu rekommandireu, sondern es muß den Patienten freier Wille gelassen werden." Dieses Edikt wurde den Aerzten 1798 in Erinnerung gebracht, nachdem einige Modifikationen daran vorgenommen worden waren. So wurde nunmehr de» Aerzten„uachgelaffen", bei schwierig zu bereitenden Rezepten de» Patienten bestimmte Apotheker vorzuschlag?». Verboten wurde ihnen dagegen, von de» Apotheker» Weihnachtsgeschenke anzunehmen. — Dr. Laster griff die Verfügung im Verivaltuiigs-Streilversahre» a» und erzielle beim Bezirksausschuß, allerdings aus rein formalen Gründen, ein obsiegendes Erkenntniß. Das Ober- Verwaltungsgericht hatte sich bereits im Januar mit der Berufung des Polizeipräsidiums zu beschäftigen. Der Polizeipräsident ließ sich durch einen Juristen und eine» Mediziner vertreten, Die Herreu vertraten den Standpunkt, daß es sich um eine Tis- ziplin arver fuguug handle, gegen welche eine Klage über- Haupt nicht zulässig sei. Sie beantragten dementsprechend die Aufhebung der bezirksgerichtlichen Entscheidung und Wiederherstellung der Strafoersügung des Polizeipräsidenten Dr. Laster bestritt, daß dem Polizeipräsidenten eine Diszipliuarbesugniß über Aerzte zusieh«. Auch»leinte er, das fragliche Heilmittel„Dv�ueutum antiluposum" sei eine schwer zu bereitende Arzuej, deren Herstellung die Apotheke „Zum weißen Schwan" am besten besorge. Damals beschloß das Gericht, eine» neue» Termin aiiznberaumeu und dem Kultusminister davon Mitlhejlung zu machen. Der Minister ließ sich indessen im gestrigen Termin nicht vertreten. De» Polizeipräsidenten vertrat ein Medizinal-Assessor und den Dr. Lasker der Rechtsanwalt Hain- burger. Ersterer blieb bei den früheren Behauptungen, daß das bewußte Mediziualedikt von 1725«in jetzt noch rechts- gilliges Disziplinargesetz sei, während Hamburger unter Bezugnahme ans die neuere Gesetzgebung den Standpunkt vertrat, es hätten die Verwaltungsbehörden gegenüber den Aerzten kein Tisziplinar-Älussichlsrecht. Der III. Senat des Ober-Verwaltungsgfrichts fällte in der An- gelegenheit folgende Entscheidung: Der Landespolizeibehörde stehe ein disziplinarisches Aussichlsrechl über approbirte Aerzte nicht z». In dem Mediziualedikt seien allerdings Bestimmungen, aus denen in gewissem Sinne v i e l l e i cht auf ein solches Recht geschlossen werden könnte. Indessen sei zn berücksichtige», daß damals(1725) zwischen dem Polizei- Aussichlsrechl und dem Disziplinarrecht nicht sonderlich unterschieden wurde. Auch die ganze spätere Gesetz- gebung habe sich uecht auf. den Standpunkt gestellt, daß die Landespolizei den Aerzte» als Disziplinarbehörde gegenüber- stehe. Die angeblich disziplinarische S l r a s s e st s e tz u n g sei darum aufzuheben. Jedoch sei die Auflage, das Plakat zsu entfernen, die in jener polizeilichen Verfügung enihalteu sei, aufrecht zu erhalten. DnS Mrdizinalcdrtt bestehe noch ,u recht, wenn es auch kein Disziplinargesetz sei, und die Eulfernung des Plakates dürfe die Polizei aus grund ihrer allgemeinen polizeilichen Befiigniffe fordern. Ein Nachspiel zur Gewerbe-Ansstelluug erreichte ftm Montag vor dem Kamniergericht sein Ende. Der Gastwirth Oertler war dafür haftbar gemacht worden, daß an einem Sommer- tage in der von ihm gepachleten„Spreewald- Schänke" am Karpfenleich verdorbenes Fleisch verkauft wurde. Der Kaufmann Borchardt erhielt an jenem Tag« in der„Spreewald-Schäuke" eine Portion Schweiiiebralen vom ikellner servirt, die sehr bedenklich roch. Er ließ das Fleisch wieder fortlragen, nachdem er ee augeschnitten und nun auch noch wahrgenommen halte, daß es ganz grau war. Oertler, der sich im Restauraul besand. schickte ihm jedoch den Braten wieder zurück. und ließ B. sagen, angeschnittenes Fleisch nehme er nicht wieder ab. Borchardt brachte»uumehr das Streitobjekt nach der Gendarmerie- Station. Es wurde alsbald vom Chemiler Lohma»» untersucht, der feststellte, daß es verdorben und gesund- heitSgesährlich sei. Schöffengericht und Landgericht vernrtheilte» Oertler wegen Ueberlretuug des Nahrniigsmittel-Gesetzes zu einer Woche Gefäiiguiß und 100 Mark Geldbuße und sprachen die Publikation des Urtheils in zwei Blättern aus. Hiergegen legte der Angeklagte Revision«in. Das Kammergericht gab der- selben auch statt und hdb die Vorentscheidung auf. Es nahm mit der Vertheidigung an, daß nicht Ortler als derjenige an- zusehen sei, der den Verkauf bewirkt habe. Der Verkauf sei vielmchr schon abgeschlossen gewesen, als Ortler den Braten zu Ge- ficht bekomme» habe, und zwar habe ihn der Kellner, der das Fleisch vom Küchenmeister erhielt, bereits abgeschloffen gehabt. Der Verkauf sei perfekt geworden in dem Moment, als der Gast das bestellte Fleisch annahm und anschnitt. Jndefsm sei nicht gleich aus Freisprechung zu erkenne», sondern die Sache an das Landgericht I zu ander- weitiger Eulscheidung zu verweisen. Denn es müsse nachgeprüft werden, ob Oertler nicht mangelhaft« Velriebsanssicht, also Fahr- lässig keit vorzuwerfen sei. Ein wunderliches Stück Juristerei! A«S einem Kriegervercin. Der Schloffermeister B. war Mitglied des Vereins ehemaliger Garde-Füsiliere und des Vereins „Forlschrilt", eines freisinnigen Bezirksvereins im 3. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Der Verein„Forlschrilt" hatte voriges Jahr eine Einladting zur Märzfeier erlassen und auch den Name» des Schloffermeisters unter die Einladung gesetzt, ohne daß dieser davon wußte. Die Geschichte wurde im Kriegerverein ruchbar und man beschloß. B. als Revolutionär ans dem Verein auszuschließen. Gegen diesen Beschluß klagt« der Schlossermeifter. Der Vertreter de» beklagten Vereins, der kürzlich aus dein iltechtsanwalisstand« aus- geschlossene Dr. zur. Alfred Ballic», bezeichnete». a. die Einladnng zur Märzieier als eine Hochverrät her ei und Beleidigung des Staatsoberhauptes und behauptete auch, daß die Zu- aehörigkeit zum Verein„Fortschritt", der nicht mehr fortschriltlich, sondern revolutionär sei, sich mit der Mitgliedschaft im Verein ehemaliger Garde-Füseriere nicht verlrage.(Der arme Fort- schritller!) Im Februar d. I. kam es zu einem Vergleich, der, wenn in dieser Frist kein Widerspruch erfolgte,»ach drei Wochen rechtskräftig werden sollte. Jede Partei sollte ihre eigenen»nd die Hälfte der Gcrichtskosten tragen. Man kam jedoch beider- seits von dieser Einigung zurück, das Verfahren nahm seinen Fortgang und endete in der vorigen Woche mit der kostenpflichtigen Verurtheilnng des beklagten Vereins, den am 4. Mai v. I. ungerecht» sertigler Weise ausgeschloffenen Kläger wieder aufzunehmen. Ein Pudel alS Boltigenr hat Anlaß zn einem Zivilprozesse geführt, der gestern vor dem hiesigen Landgericht ,» Ende gebracht wurde, nachdem mehrer« Termin« deswegen stattgeiundeii halten. vier Personen vereidigt worden waren und zwei Nechttanwült« sieh mit geistvollen Rcchtsanssührnngen abgequält hatten. Der Pudel, «in lnsiiges und gelehriges Bieh, hatte sich den Scherz gemacht. gerade in dein Augenblick, als ein Ladenbesitzer seine Ladenlhiir öffnete, mit hineinzuschlüpfen. all« er sich dann umwandt« und et» fremdeZ Gesicht aus sich gerichtet sah, bekam er e- mit der Angst, gab seine»» Uuivillen durch eiuige KuurrtSue zu erkenne»» und sprang dann»,U kühnen» Entschluß durch die Scheibe des LadcnS zu»' Straße hiuaus. Die Passanten blieben entsetzt stehen, als der Pudel plötzlich auf die Straße geschossen kam, das Thier schüttelte sich aber nur ein paar Mal und lies dann, mit dem Ausdrucke voller Befriedigung über die vollbrachle Heldenthat, direkt in das Haus seines Herr», dein er durch � lautes Bellen ankündigte, daß er Einlaß be> gchre, uu» auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Er»var aber doch nicht schnell genug ge>vese», der Ladenbesitzer»var ihm auf den Fersen und verlangte von dem die Thür öffnenden Herrn des Hundes Ersatz für die Fensterscheibe. Dies wurde veriveigert, und so hatte sich dqni» das Gericht mit dem Lnftsprunge des Pudels, der,»vie festgestellt wllrde, das beneidensiverthe Laos eines Luxus- Hundes vom Schicksal erhalten hat, z» beschäftigen. Die Jnter- esse» des geschädigten Ladenbesitzers vertrat Rechtsnmvalt Sachs, die des Pudelbesitzers Rechtsanwalt Gustav K a u f in a» n. Da durch de»» Tvdtensprung nur ein verhällnißniäßig kleines Loch in b«r Scheibe hervorgebracht»var. so blieb nichts übrig, als den leicht» füßigen»>nd leichtfertigen Pudel als Zeugen vor das Gericht zu lade». Er kam gester» dieser Zeugenpflicht mit der ihin angeborenen Grandezza»ach und sein Besitzer suchte nachzuiveisen, daß, ivei»n auch bisiveilcn ein Kameel durch ein Nadellvch gehen soll, dieser >»>ohlb«leibte Bourgeoispudcl uninöglich durch das in der Scheibe sich zeigende kleine Loch hindurch gekonnt hätte. Bon der Gegenseite ivnrde allerdings geltend gemacht, daß der vierbeinige Zeuge in der Zivischenzeit durch de» Genuß seiner leckersten Leibgerichte zu einen» Embvupoint gekommen sei, dessen er sich bis dahin nicht erfreut habe. Die Hanpt- und Staatsaktion vor Gericht endete damit, daß der Besitzer des Pudels vernrtheilt wurde, dem Gegner den Werth der Scheibe mit 13.50 M. zu ersetze». Mit den Leibgerichte» des kluge» Pudels wird es»»»>» wohl zu Ende sei»». Die ITstae iit Hennbueg. Unser Hauibnrger Korrespondent schreibt uns: Tie kombinirte Versa»»», lung der Hasenarbeiter aller Branchen, ivelehe gester» Mittag stattfand und»velche von»Iber KOOO Personen besucht war, beschloß»ach einer langen uud sehr lebhafte» Debatte folgende Resolution:„Die Versammlung sieht in dem Versuch der Importeure englischer Kohlen, den Kohleu-Akkord-Schauerleuten die Unter- zeichnuug des bekannten Reverses aufz»ij>vi»gen. ein Mittel, die Arbeiter de» Nnternehmeru gegenüber u, achtlos zu mache». Sie hält die be- tresfeude» Bedingungen für nicht mit den Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung vereinbar. Sie empfiehlt den Kohleu-Akkord-Schauerleuten jedoch, vorläufig die Arbeit»vieder aufzunehmen und, so- scrn die Seualskonunission zur Prüfung der Arbeitsverhältnisse im Hafen ihr Versprechen, die Mißstände im Hafen zu »intelsucheu und abzustellen, nicht»och einlöst, das Gewerbegericht als EinigungZamt anzurufen. Sollte auch dieser Weg ersolglos bleiben, dann verspricht die heutige Versammlung, die aus dem verflossenen Kampfe gelernt hat, daß nur eine organisirte Arbeiterschaft den Unter- nehmeru gegenüber etivas ansznrichte» vermag, de» Unternehmer» einen neuen Kamps, auf den sich die Arbeiterschaft besser vorbereiten »virb, als auf den verflossenen." Damit ist die Gefahr eines neuen Generalstreiks in» Hamburger Hase», die sehr nahe lag, aus der Welt geschafft. Die Kohlen-Akkord-Schanerleute gingen großentheils heule Morgen zun» Bureau der Importeure, um den Revers zu unterschreiben und sich Arbeitskarten zu lösen, jedoch»vurde ihnen erklärt, daß i»a» vorläufig keiner Arbeitskräfte benöthige. GewvvkfÄzzrftliches. Verli» und ltnigebnug. Achtung» Klempner k Die Kollege»,»velche bisher den» Fach- verein der Klempner angehört haben»ind noch nicht zum Deutschen Metallarbeiter-Berband übergetreten sind,»verde» darauf aufmerksam gen, acht, daß der Uebertritt zu den bekannten Vergünstigungen laut Beschluß»nr noch bis zun» 1. April stattfinden kann.— Gleichzeitig sei aus die heute Abend L'/e Uhr bei Cohn, Beuthstraßc, stattsiudende Versammliing(stehe Aunonce vom Sonntag) hingeiviefe». Die Orts- verivaltniig des Tenischen Metallarbeiter-Verbandes. Die Kupferschmiede bei der Firma Martin u. P i l z i n g haben»vegen Lohndifferenze» die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fern- zuhalten. k Einci» erfreuliche»» Aufschtuung hat daS Vermögen der Kranken- uud Sterbekasse der Berliner Hausdiener(Eingeschr. Hilss- äffe Nr. 61) in» vorigen Jahre zu verzeichnen. Dasselbe betrug am Schluß des Jahres 26 349,63 M.,»vährend der gesetzliche Reserve- souds nur 13 500 M. betragen braucht, mithin Hai die Kaffe in de» nächsten Jahren keine Erhöhung der Beiträge»öthig, es»vird viel- mehr im nächste» Jahre eine Verminderung der Beiträge bez»v. eine Erhöhung des Krankengeldes stattfinden. Deutsches Reich. Gewerkschafts- Abrechuunae»«. Zentralverband der Töpfer, III. u.IV. Q u arta l 1396. Mitgliederzahl 4400, Filialen 112, Verlranensniä»,»er- Organisationen 20. Einnahme der Hauptkasse (inkl.«estand Ende des III. Quartals 2035,08 M.) 13 569.50 M.. Ausgabe 13 935,54 M. Kassenbestände am Ende des IV. Q»iarlals 1896: a) der örtliche» Verivaltunge»: 2162,01 M., b) der Hauptkasse: 4633,96 M.— Unter den Ausgaben figurire»: Druck des „Töpfers" 1943,65 M., Streikunlerstntzung 4667,20 M., Agitation 660,62 M., Kougreßkosteu 2411,75 M. Bon den Zahlstelle» wurden an die Hauplkaffe abgeführt 14 081,81 M. Zur Lohubewcgung der Steinsetzer»vird uns geschrieben: In H a m bürg mehren sich die Anzeichen eines günstige» Ausgangs des Sleinsetzerstreiks von Tag zu Tag. Selbst die bisher unnahbaren Nilieruehmer fange» jetzt an, ihrerseits AiinSherungsversllche zu machen. Selbstverständlich sind die Arbeiter bereit, darauf einzugeben. sobald die Absicht zu»mterhandeln klar und deutlich ausgesprochen»vird. Alle Beiuühungen, ansivärtiae Streikbrecher heranziiziehe»», sind er- gebnißlos geblieben. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die lluter- uehiner noch den Versuch»lachen werde», indirekt Streikbrecher heranztiziehen, und zivar dnrch Vermittlung von A l t o» a e r oder W a u d s b e ck e r M e i st e r n. Es ist deshalb»othwendig, daß der Zuzug nicht blas voi» Hamburg, sondern für die nächsten Wochen auch von Altoua und Waudsbeck serngehalten»vird. Im ganzen sind jetzt 375 Mann zu unterstütze»». In Magdeburg ballert der Streik bei der Firma L a d e n t h i n„och»»»verändert fort. Einige der Ausständigen hatten bei einem anderen Meister angefangen, solllc» jedoch— laut Jnnungs- beschluß— am vorigen Sonnabend enllassen»verde». Als sich am Montag sänuntliche Arbeilende»uit den Entlassenen solidarisch erklarte»,»vurden dieselbe»»vieder eingestellt. Aehnlich ging es bei dem Steinsetzmeister Köhler. Derselbe hatte an de» bei ihm beschäftigten Vorsitzenden der Verbandssiliale das Ansinnen gestellt, sein Amt niederzulegen, dies durch Inserat bekannt zu geben und ihm, dem Meisler, das betreffende Juserat brieflich zuzuseudeu. Als der Vorsitzende diesen» Verlangen nicht nachkam, sollte er am Montag«»illasscn»verde». Auch hier er- klärten sich sämmtliche Arbeitenden»nit den» Gemaßregelten soll- darisch,»vas zur Folge hatte, daß nach klirzcr Zeit alle wieder eingestellt»vurden und auch die versäuinte Zeit bezahlt erhielte». Aon der Firma Ladenthi» ist der Zuzug»och fernzuhalten: es sind noch lS Mann zu unterstützen. In Osterburg sind der Vorsitzende und der Kassirer»vege» der Lohnbeivegung ge»»aßrep-lt worden, jedoch ist Aussicht vor- Händen, daß bei strenger Feruhaltung des Zuzugs die Gemaßregelte» «lugestellt werde» müssen. Es mangelt an Arbeilskräslei»; bis jetzt konnlen solche trotz der größten Mühe nicht herangezogen werde». Eiuc Masscubcrsanlinluiig der Bergleute in Bochum»var von der„Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" am Sonntag Nach- mittag in den größten Saal der Stadt Bochlui» einberufen. Trotz der dringlichen Abmahnungen des Führer« vom christlichen Geiverk- verein der Bergarbeiter, welche von alle» ultramonlanen und unter- »ehmerfreundlichen Blätter» eifrigst kolportirt»var. und trotz der ausdrücklichen Erklärung des Herrn Brust, der voin Besuch der Ber- sanunlung abrieth und bemerkte, sie, die christlichen Bergarbeiter hätten mit dem geplanten Protest gegen die abiveisende Antivort der Zechenbesitzer auf die von den christliche» Bergarbeitern gestellte Forderung aus Lohnerhöhung nichts zu t h u»»,»var doch die Versammlung von über 6000 Bergarbeitern besucht. Kopf an Kopf gedrängt standen die herbeigeeilten Bergleute und lauschten gespannt den Ausführungen des Genossen Huö. Eingehend zerpflückte Redner die künstlichen Berechnungen der Zechen- besitzer über die bereits stattgehabte(!) Erhöhung der Bergarbeiter- Löhne, über das Sinken der Arbeitsleistung und die Geringfügigkeit der Dividende». Auf grund amtlicher Stalistiken wies lliedner die altlosigkeit dieser Argrimente nach. Die Führer des christlichen eiverkvereius der Bergarbeiter schickten sich schon a»», die Sache i»> Sande verlaufen zu lassen— anstatt die Frage der Lohnerhöhung nunmehr energisch»veiter zu verfolgen, hielleu sie es für besser, aus den alten„sozialdemokratischen Verband" zu schiuipse». Nach den» Referat entspann sich eine lebhafte Debatte, aus- schließlich in der Richtung der Ausführung«» des Referenlen. Der Vorsitzende des allen Verbandes, Genosse Möller, unterbreitete der Versammlung zivei Eingabe», von deilen sich die eine an den preußischen Landtag, die andere au den Reichstag richtet. Unter Berufung auf die kaiserlichen Erlasse verlangen die Peteuten Sicherstellung des Koalilionsrechtes und-die Verleihung von Korporatiousrechteu an die Arbeiter. Dieser Vorschlag»vurde ei»stiii»mig angenoinmen. Weiter»vurde eine Resolution gefaßt,»vonach die Beivegung zu gunsten der Lohnaufbesserung»nit der Antwort des bergbaulichen Vereins nicht abgeschloffen sei. In den nächste» Tagen»vurden die einzewen Belegschaften bei den Ver- »valtungen der Zechen vorstellig werden, um Lohnzulagen, »velche den günstigen geschäftlichen Verhältnisse»«»»tsprechen. zu erlangen. Sofern dieser Schritt erfolglos bleiben sollte,»vürden die Belegschafte» in den einzelnen Bezirken bei ibren Vertrete»'»» am Berg-Gewerbegericht die Anrufung desselben als Einigungsaint beantragen, damit den Bergleuten bei späteren Konflikten nicht der Vorivllrf gemacht»verde»» könnte, sie hätte» nicht alle Wege gütlicher Vereinbarung beschritten. In»nusterhafter Disziplin fand die Versaminlung»nit einem begeisternden Hoch auf die Geivcrkschaflsbeivegung ihren Abschluß. In Münder an» Deister in Hannover haben die Stuhl- a r b e i t e r der Fabrik von Gebr. Jörns durch ihre Einmüthig- keit erreicht, daß die beabsichtigte Lohnreduktion zurückgenommen »vurde. In der Zementtvaaren-Fabrik von O e st e r in B r a ck w e d e haben,»vis die Bielefelder„Volkswachi" mittheilt, die Arbeiter bis auf eine» die Arbeit niedergelegt. Sie forderten eine Aufbesserung des Stundenlohnes von 25 aus 30 Pf. Der Fabrikant a»t, vortete ihnen, daß sie ja nur 12 Stunden zu arbeiten brauchten, dann hätten sie auch einen Thaler verdient! Die Schuhmacher Bielefelds haben dort,>vo ihre Forder»l>»ge» nicht be»villigt»vurden,»nit wenigen Ausnahmen die Kündigung eingereicht. Zum Tischlcrstreik in Elberfeld-Barmen. Die Sitnatio» ist für die Arbeiter unverändert. Unter den Meistern machie steh in der letzte»' Versaiiui»luiig eine große Mißstiminung geltend und viel« sind recht ungehalten, daß sie in ihrem freien Entschluß durch die vereinbarte Konventionalstrafe beengt sind. In Banne»» haben »veitcre vier Unternehuier mit 1b Arbeitern die Forderungen be- »villigt. Ter Streik der Tapezirer in Leipzig ist zu gunsten der Arbeiter beendet. Die Leipziger Schriftgiestercibesitzer haben auf grund der Verhandlungen mit der Gehilfenkommlssion die vereinbarten Tarif- abmachungen akzeptirt. Der Akkordtarif srnvie die allgemeinen Bestimmungen treten schon diese Woche in kraft. Tie Schriftgicstcrgchilfe» Leipzigs haben beschlossen, die Kündigung»vicder rückgängig zu niache», falls die Prinzipale den zivischei» den Kolnmissonen der Arbeiter und Prinzipale getroffenen Tarifabiuachinigen ihre volle Zustimmung ertheilen und auch ihrerseits die Kündigung der Gehilfen als»in- geschehen betrachten. An» Sonnabend verhandelten die Unternehmer über die getroffen«» Bereinbarulige». Beide Konnnissionen haben beschlossen, keinerlei Aendertingen der getroffene» Abniachunae» z»»- zrilassen. Bei vorkoininenden Maßregelungen»vollen die Gehilsen einmüthig die Arbeit ruhen lasse». Bei den Verhandlunge» mit den Prinzipalen haben zivar die Gehilfen ihre Forderungen nicht voll- ständig erreicht, doch haben sie in erster Linie die Schaffung eines Einheits-Tarifs und de» Neunstundentag durchgesetzt,»vährend früher in jedem Geschäft, andere Lohn- respektive Akkordsätze herrschten. Tic Bäckergeselleu DresdeilS beauftragten ihren Delegirten zun» Gera er K o» g re ß, jeden Vorschlag zurückzuiveisen, der zur Verbesserung der Lage der Bäcker Deutschlands ans Herbeiführung eines Streiks abziele. Wegen der ungenügenden Organisation sei a» den Erfolg eines Ansstandes gar nicht zu denken, er würde nur die Ge»verkschaft schädigen. Eine Konferenz der Schneider uud Schueiderinneu Thüringens wrrd am 1. Osterfeierlag in E r f u r t im Saale der Lützelburg abgehalten. Die Holzarbeiter in Gera beschlossen den Zehnstundentag, 15 3ll. Miudestlohn(jetzt beträgt derselbe nur etiva II M.), lOpCt. Zuschlag für Lohn- und 15 pCt. für Akkordarbeit, für Ueberstunden 20 Pf., für Sountagsarbeit doppelle Bezahlung, ferner Lohn- auszahluug am Freitag, AuShänguug der Werkstattordullug anficht- barer Sielle, Freigabe des 1. Mai und menschenivürdige Behandlimg zu fordern. Endlich wird noch verlangt, daß bei Akkordarbeit der nach vorfteheiiden Forderungen zu berechnende Durchschnitts-Wochen- lohn garantirt»vird. Ueber die Versanimlung,>vo dies beschloffen »vurde und die von ca. 90 Holzarbeitern besucht war(bei ca. 140 ins- gesainmt beschäfligten) sagt die„Reuß. Trib.":„Man ist ja als Besucher von Arbeilerversammiunge» nicht geivöhnt, frische und rothe Ge- sichter zu sehe», aber mit so ausschließlich bleichen »» i» d abgehärmten Gesichtern, wie in jener T i s ch l e r v e r s a in in l n n g, trifft mau die Theil- n e h>» c r. junge»vie alte, doch zum Glück noch selten a n. Daß diese Leute endlich da«»»» denken, die Besserstellung ihrer wirthschaftlichen Lage anzustreben, kann mich der hartgesottenste Gegner der Arbeilerforderungen nur gerechtfertigt finden." In Offenbach-Obcrrad ist die U»terstiitzung der streiken- d e n S ch n h m a ch e r für die letzte Woche erhöht worden. Ueber den Stand des Streiks selbst liegt keine Nachricht vor. Aus Mainz»vird uns geschrieben: Zivischen den hiesigen Z i»i» m e r e r g e s e l l e ,» und den Zimmermeistern bestehen seit tanger Zeit Differenzen»vegen der von den ersteren erhobenen Forde- rnngen. Am Freitag hat man sich nun in einer Besprechung zivischen den Bleistern und der Lohnkommission auf folgende Punkte geeinigt: Erhöhung des Lohnes von 35 ans 88 Pfennige pro Stunde bei lOlMüudiger Arbeitszeit, Bezahlung der Ueberstunden bis acht Uhr abends mit 40. der Nacht- und Sonntags- arbeit und der Arbeiten auf dem Wasser mit 50 Pf. pro Stunde; »vöchentliche Lohnzahlung beziehentlich Abschlagszahlung in der Höhe des verdienten Lohnes. Eine Ziiilmercrversainmlung am Sonn- abend erklärte sich»»it diesen Abmachungen einverstande». Voraus- sichtlich erfolgt auch die Zustinnuung der Unternehmer bei der auf nächsten Doinierftag angesetzten gemeinschaftlichen Besprechung. Die Maurer Mannheims beschsossen,»veiin ihre Forderungen bis Ostern nicht beivilligt sind, die Arbeit einzustellen. Die Unter- nehmer verhalten sich zur Zeit ablehnend. Ii» Kissingen haben die B a n h a» d>v er k e r(Tüncher, Maurer, Zimmerlente und Dachdecker) die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen den Zehiistnndentag und 30 Pf. Mindestlohn die Stunde. Die Meister haben erklärt, daß, wer nicht zu ihre» Bedingungen arbeilen»volle, j'.ch als entlassen betrachten solle. Die Zahl der Streikende» beträgt mehrere Hundert. In Schwabach haben die Maurer im Wege der Ber« Handlung mit den Meistern folgende Ordnung der Lohnverhältnisse erreicht: Zehnstundentag. 36 Pf. Stundenlohn, Zuschlag für Neber- zeitarbeit.— In den Schivabacher Gußstahl-Kugel- werken ist ein Streik ausgebrochen,»veil den betr. Arbeitern die Nachtarbeit nicht extra bezahlt wurden. Ausland. Der Porzellanarbeitcrstreik in Dallwitz i. B. ist bekanntlich durch Bermittelimg des neugeivählten sozialdemokratischen Reichs- raths-Abgeordnete» Dr. V e r k a u f beigelegt. Ueber die Bedmgnngen »vird mitgethesit: Eine Reihe der von de» Streikenden aufgestellten Forderungen wurden fallen gelassen. 230 Streikende»verde» sofort eingestellt, die übrigen nach und nach; so lange Streikende un- beschäftigt sind,»verde», keine fremden Arbeitskräfte eingestellt. Den Brennhansarbeiter»»vurde die Abkürzung der Arbeitszeil von zehn ans neun Stunden beivilligt, ohne daß ein Lohnausfall stattfindet. Die Lohnverrechnung soll nunmehr nicht monatlich, sondern vierzehn- tägig erfolgen. Die Abstellung sanitärer Mißstände»vird in Gemäß- heil der erlassenen behördlichen Austrüge geschehen. Die Organi- sation»vird von feite der Unternehmer in keiner Weise behindert »verde»». Allgemeine Lohnaufbesserungen finden zivar nicht statt, doch ist nach Aufnahme des vollen Betriebes die Firma bereit, hinsichtlich einzelner Arbeiterkategorie» in Unterhandlunze» zu treten. Das ge- lroffene Uebereinkommen»vurde unier der Voraussetzung akzeptirt, daß die anderen Ortsgruppe» der Porzellanarbeiter-Orgmiisation zur Wiederaufnahme der Arbeit ihre Zustimmung ertheilen. Ueber den holländischen Webcrbnnd,' der in G o o r ein „Volkshaus" zu bauen beabsichtigt, wird uns aus bester Quelle Mit- getheilt, daß dieser Weberbund nicht, wie uns versichert worden »var, zur sozialdemokratischen Partei Hollands gehört. Die Streiks in England im Jahre 189«. Das engUsche Arbeitsamt veröffentlicht in der letzten Nummer der„Labour Gazette" die Streikstatistik vom Jahre 1896 mit dein Vorbehalt, daß es„vorlä»lfige Ergebnisse" seien, bei denen Richtigstellungen nicht nusgcschlosse» sind- Es»vurden im Berichtsjahre iin ganzen 1037 Konflikte gezählt, gegen nur 376 in» Jahre 1835. Die Zahl der betheiligten Personen»var aber 1396 geringer als in den vier vorhergehenden Jahren; sie betrug 199 600 gegen 263 753 im Jahre 1395, 324 245 in, Jahre 1894 und 636 886 in» Jahre 1893. Am stärkste» betheiligt waren der Zahl der Konflikte»ach die Metallindustrie: 235 mit 47 400 Personen, der Zahl der be- troffenen Personen nach die jiohlen- und Steinbruchindustric: 69 200 Personen in 175 Konflikten. Was die En d re s u lt a t c der Differenzen anlangt, so waren 74100 Personen in 439 Konflikten erfolgreich; in 139 mit 49 300 Arbeiten»»var der Erfolg ein t h e i l>v e i s e r, während 67100 Personen in 346 Einzelfällen gänzlich erfolglos waren. Die meisten Erfolge hatten,»ven» die Zahl der betheiligten Personen in betracht gezogen wird, die Arbeiter des Baugeiverbes, die geringste» die Bergleute. Eine Versainmlung von Vertretern deutscher Grobblech- Walzwerke, die an, 26. März in Köln tagte, hat, wie die „Ilheinisch- Westfälische Zeitung" mittheilt, den Syndikats- vertrag angenommen uud Vorbereitungen für Errichtung von Geschäftsstellen getroffen. In Düsseldorf ist am 27. März eine„Bauk für Berg- bau uitd Industrie" errichtet worden. Zivcck der Gesellschaft ist die Betheiligung bei bergbauliche» und industrielle» Unternehmungen aller Art mit Ausschluß des eigentlichen Bankgeschäftes. Das Aktienkapital beträgt 7 500 000 M. Betheil, gt sind u. a. das Bmikhgns von der Heydt u. Co., die Berliner Bant soivie das Bankhaus S. L. Landsberger in Berlin, und aus der Rheinprovinz die Bankhäuser R. Suermondt u. Co. in Aachen. vo» der Heydt, Kersten u. Söhne in Elberfeld, I. H. Stein und die Bank für Siheiuland»nid Westfalen in Köln, Peters u. Co. in Kre- seid sowie die Niederrheinische Bank, Z»veiga>»stalt der Duisburg- Ruhrorter Bank in Düffeldorf. Solzislle-s. Allgemeiner Vcrbalid der auf Selbsthilfe bmiheube» deutsche», Erwerbs und Wirthschaftsgenosseuschaften. Der Anivall dieser Vereinigung, Herr Dr. C r ü g e r, bittet uns in Be- ziehung auf die Notiz in Nr. 72 des„Vorivärts" berichtigend mit- zutheile», daß der AUgenieiue Verband der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Eriverbs- und Wirthschastsgenossenschaflen»icht auf Kosten der Handelskammern Untersuchungen über die Lage des Kleiichaudels anstellt, sondern sich auf Aufforderung bereit erklärt hat, sich an den Erhebungen über die Lage des Kleinhandels zu betheilige», die von einer Anzahl Haudelskörperschaften ver- anstaltet»verde»,. Judustrie-Gewiuue. Der Gewinn der„ O b e r s ch l« s i f ch e» Eise„indnstrie- Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb" betrug im letzte» Geschäftsjahr« ab- züglich aller Spesen, Zinsen zuzüglich 10 002,64 M. Vortrag aus 1395, 2 646 963,69 M. gegen 1 334 620,50 M. pro 1395. Von, Aufsichtsrath wurde beschlossen, w i e d e r n in 1 000 000 Mark auf A»l a g e-K o» t o abzuschreiben. 180000 Mark Agio-Gewinn bei Begebung der Komniauditbetheiligung beim Emaillinverke„Silesia" zu rescrvire» und von dem ver- fügbaren Rest eine Dividende von 3 pCt. gegen 2 pCt. im Vorjahre der Generalversammlung zur Vertheilung vorzuschlage». Der Vor- stand berichtet, daß die Gesellschaft zu besriedigenden Erlösen ihre Produktion schon aus ca. 6 Monate verkauft hat und ausreichend beschäftigt ist. Die Aktiengesellschaft„Deutsche Waffen- u» d M n n i- tions-Fabriken" vertheilt ans das vergangene Jahr 25 pCt. Dividende, und zivar nach reichlich bemessenen Abschreibungen. Der Aufsichtsrath der Farbiverke vorm. Meister, L u c i u s ,». B r ü>» i» g in H ö ch st a. M. beschloß, für 1396 eine Dividende von S8 pCt., ,v,e in» Vorjahre, vorzuschlagen. VevsLunmluttjftvm Tie Leiter bezw. die Einberufer vo» öffentliche» sowie Verei«sversani»ulunge» werden darauf hingeiviesen, daß ihnen heute und in den nächsten Tagen unter der Adresse der betreffenden Lokal» inhaber Flugblätter beziv. Zirkulare zugehen werden, die, falls der Wirth die Aushändigung vergessen sollte, von diesem einzufordern »värei». Schöncberg. In der ain 22. März stattgehabten Versanimlung des Arbeiter-Bildnnzsvmins hielt Genosse Köster einen beifällig ausgenommenen Vortrag über die 43 er Zeit, dem eine rege Die- kusston folgte. Nach Erledigung verschiedener Vereiiisangelegen» heilen und der Bekanntgabe, daß die nächste Versammlung an, 5. April stattsindet, wurde die Versammlung geschlossen. DI«kiltirkl»b Slid,«. Heute Abend SX Uhr, Schönleins, r. a bei Ewald: Bortrag. Liege BeiheUigung erwünscht.» Freie Nereinigung d,r Kautleute. Mittwoch, bin 81. März, abend» 9 Uhr, in den Arminhallen, Sommandanlenstr. so: Bortrag de» Echrtftsteller» Joh. Gaulle über: Die soztaltsttsche Bewegung in Amerika. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. 9)1. M. 7. Können Ihnen leider leine Anölnuft geben. Fragen S!» einen Arzt. O. S. 83. Sprechen Sie gelegentlich bei uns vor. M. L. 47. UnS unbekannt.-.. E. Alboldt. Wir müssen die Auftiahme Ihrer Erfi�mng ablehnen. Tischler BS. K. Lindenstt. 44. L. B. 83. Pantomime. H. B.. Roftocterstraste. Hohenzollern. Erwerb. Der Revers ist leider rechtsverbindlich. 9)t. X, Wir lehnen dankend Ihr Anerbieten ad. «(§. Der Erklärung auf Austritt aus der Landeskirche muß ein auf Mitgegenuahme der Erklärung gerichteter Antrag vorausgehen. Sodann findet nicht vor 4 nnd nicht nach Sonntags 30 Pf SökmisekesLrallkauZ 4.aadnl»erger Allee. Dienstag, den lö. Marz: Vorletzte Soiree der Stettiner Sänger (Meysel, Pietr». Britton, Steidl, Kroue, Röhl nnd Schräder). Uwes Nrogrimm! Morgen, Mitttvoch: Verletzte SeirSe im Moabitcr Stadttheater. Donnerstag, den 8. April: 5000. Soiree der Stettiner Tanger inBerlin. VRCUS 'Busen llulmliof Börse. Schluß der Sailon am 15. April. Dienstag, de» 30. März 1897, abcndS 7»/, Uhr: Orottae Extra-V orstellang. Nach Sibirießt. Außerdem: Hippolog. Potpourri v. 14 FuchSheugsten, dreff. u. vorgef. von Dir. Busch. Bator, ung. Vollblut- Hengst, dress. und gentten von Herrn Foottit-Bnrghardt. Adjunkt, ostpr. Hengst, gcr. v. Mine. Maria Dor�. Ein Reiteriunen-Potpourri. Spezialitäten 1. Ranges. Borzüg- liche Klowns. Morgen: Nach Sibirien. HnsniO Tauben-Strasse 01«II ich, Vo. 48-4». Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wissc nschaftl. Theater abends 3 Uhr. -diriUivllltk Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 71/2 Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erperi- menten u. gr. Lichtbildern anögestattet. Näheres die Tagcsanfchlägc. Müuz-Strastc Rr. 80, 1. Etage, HVlnkler'« grosses Anatomisches Museum Freitag:[Nur bis 4. April geöffnet. Damentag. I Entree 50 Pf. Passage- Panopticum. Mädchen aas Samoa. Castan's mBa Panopticum. s;:. Pygmäen die kleinsten Menscheil der Welt! Damen-Wettschwimmeu. Concordia Variete-Theater Brunncnntr. 154. Täglich:(vrosHe Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Das beste Programm d. Nordens. Reu! Troupe Richard t(1 Herr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Reu! Kathi Richter, Tyrolienn«. Neu Long and little Adolfi, Tanzdnettisten. Neu! Ein geplagter Dichter. Posse. Anfang Wochentags T-/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. Apollo- Theater. Nur noch bis zum 31. März: Tn\zi Ferry. The 3 Kezias. Brothers Toshary. V erläugertes Gastspiel der s Sisters Larrisnn. Kasscneröffnung SV, Uhr. Auf.?'/, Uhr. Donnerstag, den 1. April 1897: neues' Nur noch kurze Zeit.-WS Circns Renz Karlstrasiüe. (Jubiläums. Saison 1896/97.) Dienstag, den 30. März 1897, abends 7'/, Uhr: Wiederholung der am Sonnabend, den 87. März, mit so grossem Beifall aufgenommenen Gala- Borstellung. Durchschlagender Erfolg. Ans der Mappe eines Rieseugebirils-Phuntitsteit. Außerdem die hervorrag. Niunmcrn des Repertoirs. Joujou hippiqnc mit 12 Freiheitspferden, dress. und vorgef. vom Dir. Fr. Renz. Auftteten des Schulreiters Mr. Gaberel mit dem Schulpferde Albarac. 0 Trakehner Fuchshengste, dress. u. vorgef. v. Herni Hugo Herzog. Frühlingsreigen, ger. von 5 Damen. Mittwoch, den 31. März er., abends TV, Uhr: Aus der Mappe eines iltsesengebirgs- Phantasten._ Hochplatz Kasino wÄSi..,8OTWt.U Jeden Sonntag: Grosser Ball. JÜT- Säle zu jeder Festlichkeit auch an Vereine noch zu vergeben._ Warne jeden, meinem Sohne Lcop. Stock etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme. Frau Vallh 1289b Brunncnstraße 162. Achtung, Wagenbauer! Allen Mit gliedern der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer, Berlin 5, zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Schlosser Heinrich Kleiber durch Absturz in der Charlottenstr. 14, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 31. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Schüncbergcr Kirchhofes in der Max- straße aus statt. Der Borstaud. Danhsagimg. Für die überaus liebevolle Theil- nähme bei der Beerdigung meines guten Mannes, des Tischlers kVnitz Hoff sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Wwe. Ottilie Hoff. Beerdigungsvereill Berliner Zimmerleute. Am 27. d. M. verstarb bei Aus- Übung seines Berufs unser Kamerad, der Zimmerer 1275b Vaoid Schlicht. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. er., nachmittags 4 Uhr, vom Tränerhanse, Hedemannstr. 4, nach dem Drcisaltigkeits-Friedhos in Britz, statt. Um rege Betheiligung bittet _ Der Borstand. Gestern wurde uns unsere geliebte Mütter, Schwiegcnnutter und Groß- mutter Frau 1278b Rosalie Nosenthal geb. Goldberg in ihrem 69. Lebensjahre durch de» Tod eutrissen. ' Im Namen der Hinterbliebenen: Karl Rosenthal. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 1. April, vorm. 11 Uhr. von der Leichenhalle dcS jüdischen Fried- Hofes Schönhauser Allee aus, statt. Daahtiagaag. Für die große Theilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters, des Maurers August Wasch, sagen allen Freunden und Bekannten, sowie dem Verband deutscher Maurer und dem Gesang- verein Gemüthlichkeit ihren herzlichen Dank. Die trauernde Wittwe 12ßSb nebst Kindern. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß ich das Schankgeschäft von Franz Pannier, Gerichtsir. 62, käuflich übernoimncn habe. H. Filter. Liriatf Kranzbinderei . IVIflll, Blumenhandlung, 6. 8andsbergerstr. 6, Ecke Höchstestr., (früher Köntgsbergerstraße) cmpf. Widuiungskränze mit Schleifen, Guirlanden, Bouqucts rc. 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Schlafs«. zu veriniethen, bei Frau Leonhard, Koppenstr. 21 vorn 1 Tr. 1276b Leere Borderstubc, scp., billig, Venn. Königsthor, Friedenstr. 6 IV, Lischka. Kl. Stube an 1 0. 2 Herrn z. vm. Merkel, DreSdenerftr. 134. 1273b Schlafft. f. H., Dresdnerstr. 22 IQ bei Barttiick. 1272b Eharlottenburg, Thrislstr. 20, Lauf- scitc nahe Westend, schöner Laden in. Wohn. 11. gr. Keller sof. bill. z. v. Schläfst, f. Herrn, sep. Ging., Statt- buserstr. 2, H. r. 3 Tr. Pawlak. �ifrdl. möbl. Schläfst, vcrm. Wwe. Gostniak, Wabmannstr. 35, v. 4 Tr. Bill. Schläfst, f. 2 H. Mantcuffel- straße 50, v. 2 Tr. Wwe. Linke. 2. Wahlkreis. A.n, Dienstag, 80. März, abends 8'/« Uhr, In Habel'a Brauerei- Ansschank, Bergmannstr. 5—7: Partei-UersammUmg Tages-Ordnung: 1 Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Blehard Vlseher über: .Reaktionäre Plänen 2. Diskussion. 3. Beschlußfassung über die dies-' jährige Maifeier. Wahl eines Komitees. 211/8 Um zahlreichen Besuch bittet Die Vertranensperson. Zentralverein der Bildhaner. Dienstag, den 30. März 1897, abends S'/j Uhr, Aunenftrasse 16: ggp Versammlung. Tagesordnung: Wie verhalten sich die Kollegen zu der weiteren freien Zustellung der Bildhauer-Zeitung? Geschäftliches. Verschiedenes. 21/12 Acht»»!,! Arbeiterinnen. Acht»»»! Mittwoch, den 31. März, abends präzise 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in Buchbindereien-, Kontobuch-, Albuin.. Ledergalanteriewaaren. Lnrus- papier- nnd Kartonfabrikeu beschäftigten Arbeiterinnen In den Annlnhallen, Rleniniandantenstrasse Xo. 80. Tages-Ordnung: 1, Die Stellung der Frau in der Familie und als gewerbliche Arbeiterin". Reserentin: Fräul. Ottilie Baader. 2. Diskussion. 3. Werkstuben- angelcgenhciten und Verschiedenes. 26/1 Kolleginnen! Wir richten hiermit an Euch die dringende Aufforderung, vollzählig in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Elnhernferln. WW Tapezirer. AUgem.' deutscher Tapezirer- Verein(Filiale Säd). Mitglieder-Versammlnng Mittwoch. 31. März, abends 8V, Uhr, bei Zubeil. Lindenftr. 106. Tages-Ordnung:« 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl. 4. Verschiedenes. AM"(Filiale Nord): 1K Donnerstag, den 1. April, abends S'/i Uhr, bei Babiel, Rosenthalerstr. 57 Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Ortsverwaltnngen. air- Am Sonnabend, den 3. Apttl, findet in der Berliner Reffource, Kommandantcnstr. 57, das 8. Stiftungsfest statt. Beim bevorstehende»! Gtmrfalsu»ed|l'el empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Berlin vierter HVahlhrels O.; Robert W e n g e l s, Fruchtstraße 30, Hos I.- SO.: Fritz Thiel. Skalitzerstr. 35 V. part.- Sechster Wahlkreis(Boublt): Karl Anders, Salzwedeler- straße 7, part. im Laden.- Weddlng und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiesensir. 14.- Oesundbrunnen: Wilh. G a ß m a n n, Griinthalerstr. 64.- Bosenthaler Vorstadt: Gustav Rosenthal, Granseerslr. 6.- Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96.— Charlottenburg: Gustav S ch arnb erg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. part.- Deutsch- Wilmersdorf: Frau Kiibler, Sigmaringerftr. 34 und Frau Heinemann, Sigmaringerstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgische Bolks-Zeitung" zu erhalten.)- Blxdorf: Oft et mann, Jägerstt 70, II.- Schönc- berg: Wilhelm Bäumler, Belzigerstr. 59, Seitenflügel part.- Johannisthal-Kieder- und Ober• Schöneweide: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemeusstraße 7, Zigarrengeschäft. Annahme» stellen: Rieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- thal: Senftleben, Restaurateur. Außerdem ist sämmtliche Parteiliteratur, sowie alle wifienschastlichen Werke dort zu haben. Auch werde« Inserate für de«»vorwärts- entgegen genommen. Um genaue Angabe der Adresse wird dvingenv gebeten. B. Günzel, Lothringerstr. 52. LänalTcTifiarr:c. in EigarrenspchcnTPttmeu,'Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede Dredislerwaarc n. Rcpar.(Man vcrl. Preiskurant.) Alleinige Schläfst., Geg. Hallcsd>es Thor, s. Weitzel, Bülowsir. 91, 4 Tr. Frdl. Schläfst. Mariannenstr. 8, v. 2 Tr. r. 1287b MeitSiiilirkt. Für die geschäftliche Leitung des Bcrlags und der Expedition eines tägl. erscheinenden BlatteS wird eine geeignete Persönlichkeit gesucht. Offerten unter Angabe der bisherige» Thätigkeit und evcnt. der Gehaltsansprüche sind umgehend an B. Assmann, Braunschweig, Gördelingcrstr. 41, zu senden.• Lehrmädchen für Putzfedern gegen sofottiges Gehalt und dauemdcr Bcschä'tigung verlangt 1153b Adolf Bosen, Gertraudtensttaße Nr. 23. Bcrsilbcrin. Farbigmachettn Verl. kretschmann, KLpnickerstr. 109a. WimimSSSS in und außer dem Hause sud)t sl238b M. Treppe, Lothringerstr. 16 Qg. IV. Knaben-Waschblousen- Arbeiterinnen, für einfachen bis feinsten Genre verlangen bei hohen Löhnen H. u. M. Jacobsohn, Spittelmarlt 14 1 Tr. Meldung Nachm. 3-6 Uhr, s l 128b Tächtlgen Dirigenten sucht älterer Miinnergesang-Bercin für Dienstags. Adr. an Franz Web» meier, Manteuffelstt. 62. 1290b Glasbläser gesucht. Vorarbeiter für größere Glasblä'erel für dauernde Stellung bei gutem Lohn gesucht. Offerten mit Angabe der Lohnansprückie sub Chiffre OF 1302 (in Orell Füssli, Annonce, i, Zürich, Techn. Xzlographen finden auch außerhalb meines Atelier» lohnende Arbeit. 1270b Rich. Bong, PotSdamerftr. 88. SM- Ein sehr geübter Karton», Pappenzuschneider u. Risser- bei hohem Lohn wird verlangt. Offerten an die Exped. unter Chiffre A. 60. Veranttvortlicher Liedaklenr: Slngnst Jaeobey in Berlin. Für de» Jnseraleulheii verantwortlich: Th. wlode u, Berlin. Druck und Verlag von Man«ading in Berlin. Nr. 75. i4. mm- 2. Keilllge des Lmörls" Kttlim UcksdlÄ. Sie.?.,, z«. l8S7. Ein Erfolg vor OrgAnifalion. London. Ende März. Die«risis in den nord-englischen Schiffsbau- Werkstätten ist bis ans umteres abgewendet. An die Stelle von Drohnnge» sind die Präliminarien zu friedlichen Konferenzen getreten. Zwei Umstände ffaben zn diesem Resultat vorwiegend beigetragen: die Uneinigkeit in den Reihen der Unternehmer und die feste Haltung der Amalgamirten Maschinenbauer- Gewerkschaft, die selbst wieder er- möglicht war durch den gnte» Stand dieser Gewerkschaft und die günstige Lage der Eisenindustrie. Nicht nur wegen der großen Zahl der interessirten Arbeiter. sonder» auch wegen der Natur der Kriegsführnng darf die Bewegung, um die es sich hier handelt, das Interesse der gesamntten Arbeiterwelt beanspruchen. Es handelt sich für die Amalgamirten Maschinenbauer, nachdem die Lohnsrage im wesentlichen durch Vergleich erledigt worden war, um einen Kampf gegen das Einnisten der Ueberzeit- arbeit, um die Wiederherstellung des neun- st ü n d i g e n Arbeitstages. Daneben spielen Fragen der Abgrenzung der A r b e i t s s p h ä r e n zwischen verschiedenen Arbeilerkategorien. von denen die einen dem Amalgamirten Maschinenbauer- Verein, die anderen meist dem Bunde söderirter Metallarbeiter von Nord-England angehören. Zwei Momente sind bei diesen Kämpfen um Arbeitsabgrenzung maßgebend. Erstens das Kasseninteresse der streitenden Gewerkschaften: je mehr Be- schäsligungen eine Gewerkschaft für die von ihr vertretenen Arbeiter- kalegorien beanspruchen kann. um so geringer natürlich die Zahl ihrer Arbeitslosen. Zweitens Tariffrage». Je nach der Klasse von Arbeitern, der die bestrittene Arbeit znertheilt wird, fällt sie unter einen ander» Tarif oder unter eine andere Rubrik eines allgemeinen Tarifs. Diese Kämpfe repräsenliren so gleichzeitig ein Stück Zunstgeist wie ein solches sehr moderner Entwicklung, sie setzen einen ziemlichen Höhegrad gewerkschaftlicher Organisation voraus. Sie sind besonders häufig an der Nordoslküste von England, am Tyne und Tees, wo sie Ausstände von monatelangcr Dauer verursacht haben, seltener dagegen am Clyde und in Belfast. Diesem Umstand ist es wahrscheinlich geschuldet, daß in den letztgenannten Distrikten die Unternehmerfirmen im Stillen gegen die von Newcaitle aus besiirworteten Aussperrungen revoltirt haben. Am vorletzten Sonnabend sollte nach Beschluß des Unternehmerbundes im ganzen Bundesgebiet einem Viertel der beschäftigten Mitglieder des Amalgamirten Maschinenbauervereins gekündigt werden, und so von Sonnabend zu Sonnabend weiter, bis schließlich der ganze Verein ausgesperrt wäre. Dessen Leitung gab dagegen die Ordre aus, daß, wo solche Partial kündignngen erfolgten, sämmtliche andern Vereinsmitgliedcr sie ihrerseits mit der sofortigen Kündigung beantworten sollten. Es ist dies als ein taktischer Mißgriff bezeichnet worden, weil die Aus- sührung der Ordre die Aussperrung in einen Streik verwandelt und so die Unternehmer in die Lage gebracht hätte, ihren Besteller» gegenüber sich auf die jetzt in fast allen Kontrakten vorgesehenen Streikvorbehalte zu berufen. Indessen ist das Interesse der Unter- nehmcr selbst auch in diesem Punkt getheilt. Weil es sich nicht um einen Konflikt mit allen organisirten Arbeitern des Gewerbes, sonder» nur mit jener der Organisationen handelt, würden bei Ausstand dieser je nach der Zusammensetzung ihres Personals die einen Unternehmer ihren Betrieb völlig einzustellen, andere ihn dagegen nur etwas zu reduziren gehabt haben. Damit wären die ersteren sehr benachtheiligt gewesen, denn die Streikvorbehalte in den Kontrakten schützen blos vor Konventionalstrafen wegen verspäteter Ablieferung, entschädigen aber nicht für entgangene Profite und Neu-Austrüge. So kam es. daß Firmen, aus deren Werken die Amalgamirten Maschinenbauer besonders stark sind, wie u. a. die großen Schiffsbaufirmen Harland und Wolff in Belfast sich nicht dazu entschließen konnten, die Kündigungen ergehen zu lassen. Konnten aber die Unternehmer den Amalgamirten Maschine» bauern keine geeinte Front darbieten, so war bei deren reichen Kampfmitteln an einen baldigen Sieg garnicht zu denke». Und diese Einsicht hat den Kampf,»och ehe er ausgebrochen, zum Vor theil der Arbeiterorganisation entschieden. Der Amalgamirte Maschinenbauerverein hat gegenwärtig 83 614 zahlende Mitglieder. Davon entfallen aus die vom Konflikt betroffenen Distrikte rund 15 000. Wenn alle diese streikten, hätte der Berein bei 10 Schillingen Streikgeld die Woche wöchentlich 7S00 Pfund für sie auszubringe» gehabt. Dazu etiva 1000 Pfund für sonstige Arbeitslose. Er hatte nun bereits neben dem regelmäßigen Beitrag von 1 Schilling die Woche eine Extra-Streiksteuer von 9 Pence ausgeschrieben, so daß er während der Slreikzeit auf eine Wocheneinnahme von 63600—17000— 71600 mal 1 Schilling 9 Pence, d.h. rund 6265 Pfund rechnen konnte, dies würde ein Wochendefizit von 2235 Pfund ergeben, das aber dem Verein keine Kopfschmerzen machte, denn sein Kapitalvermögen ist jetzt wieder auf über 300 000 Pfund Sterling angewachsen. Mit solchen Mittel» läßt sich etwas anfangen. Ohne Appelle an Außew stehende, ohne große Aufregung der Masse seiner Mitglieder konnte er den Kampf ivochen-, monatelang führe». Und so haben es die Unternehmer für gut gehalten, von ihrer hohen Position etwas herunterzusteigen. Das schon gemeldete Am erbieten des Konkurrenz-Vereins der Amalgamirten Maschinenbauer, auf Beschäftigung des von diesem beanstandeten Arbeiters in Sunderland vorläufig zu verzichten, bot ihnen die günstige Ge legenheit, dies mit Anstand zu vollführe». Am 23. März waren sie in Carlisle zur Konferenz zusammen, und das Resultat ihrer Berathungeu war, daß die Kündigungen jetzt zurückge nonunen sind. Es wird eine Zusammenkunft von Vertretern des Unternehmerverbandes und der organisirten Arbeiter stattfinden, um über die verschiedenen Streitpunkte„friedlich" zu verhandeln. Was diese Verhandlungen auch bringen werden, es ist nicht zu viel, schon jetzt von einem Siege der Arbeiterorganisation zu sprechen— ein Sieg, der darum nicht weniger glorreich ist, weil er ein in jeder Hinsicht unblutiger ist. Rechtzeitige Opfer und umsichtiges Handeln haben erzielt, was nielodramatisches Heldenthum in neu» von zehn Fällen nicht durch- zusetzen vermag. Als charakteristisch dafür, wie unter diesen Umständen Unter- uehmerverband und Gewerkschaft miteinander verkehrten, mag hier der Briefwechsel folgen, der den vorläufigen Abschluß der Krisis inarkirt. 1. Brief des Unternehmerverbandes an die Geiverkschaft: „Verband der Maschinenbau-Unternehmer-Vereine. Herrn George M. Barnes, Generalsekretär des Amalgamirten Maschinenbauer-Vereins. Werther Herr! Unter Bezugnahme auf die Telegramme, die zwischen Ihrem Verein und dem Bunde der söderirten Schiffs- und Maschinenbau-Gewerkschasten ausgetauscht und gestern in der Tages- presse veröffentlicht worden sind, sind die verbündeten Unternehmer der Ansicht, daß der dort gekaachte Vorschlag geeignet ist. das Hinderniß, das einer gemeinsamen Berathung mit Ihrem Verein im Wege ist, zu beseitigen. Sie sind daher bereit, ihn zu akzepliren, wobei ausgemacht sein soll, daß während der Dauer der VerHand- lungen alle Maschinen in den Pallion-Werkstätten�), über die Streit- fragen obwalten, unbeschadet aller Ansprüche der beide» Parteien, still stehen sollen. Wenn wir bis nächsten Freitag von Ihnen höre». daß Sie zu einer gemeinsamen Konferenz auf der Grundlage unseres Briefes vom 26. v. M. bereit sind, so werden die Kündigungen für die Dauer der Verhandlungen ausgehoben werden. *) Eben das Werk in Sunderland, von dem oben die Rede war. Die Unternehmer sind bei diesem Schritt von dem ernsthaften Wunsch beseelt, wenn möglich die Verluste und Leide», die eine all- gemeine Stillsetzung der Werke im Gefolge haben müßte, vermeidlich zu machen und zu beweisen, daß es nicht ihre Absicht ist, einem Kampf zuzutreibe», bevor sie alle vernünftigen Mittel zu seiner Abwendung versucht haben. Wir hoffen ausrichtig, daß auf der vor- geschlagenen Konferenz die Verhandlungen beiderseitig in freund- schaftlichem Geiste geführt, sowie daß Mittel ausgefunden werden, die allen Schwierigkeiten und Reibereien, welche zur Zeit das Ge- schüft so ernstlich beeinträchtigen und hemmen, ein Ende machen, und daß ein besseres und dauerndes Einvernehmen erzielt werde. Aufrichtig die Ihrigen Thomas Biggart lg...»„ James Robinson/'Simetare- *« « 2. Antwort des Gewerkschaftssekretärs an die Unternehmer. „Anmlgamirter Verein der Maschinenbauer. Werths Herren! Ihr gestriges Schreiben ist von dem Voll- ziehungskomitee des obigen Vereins zur Kenntniß genommen worden. Als Ergebuiß desselben habe ich den Auftrag, Ihnen mitzutheilen, daß wir dem Vorschlag einer Konserenz zustimmen und damit ein- verstanden sind, daß die Maschinen auf den Pallion-Werken in Sunderland während der Dauer der Verhandlungen ohne Präjudiz still gesetzt werden. Gleichzeitig habe ich Ihnen mitzutheilen. daß letzten Montag gegen 12 Mann in Barrow entlassen wurden, weil sie sich weigerten, am Vorabend einer Aussperrung Ueberzeit zu arbeite». Wir er- warten selbstverständlich, daß diese Leute wieder eingestellt, verde» und daß ebenso die Arbeiter, die vor dem Ausbruch der Streitig- keilen auf den Pallion-Werken an den Maschinen gearbeitet haben, „über die Streitfragen obwalten", bei Wiederaufnahme der Arbeit Beschäftigung zugewiesen erhalten. Wir übernehmen es unsererseits, das im Hinblick auf die an- gekündigte Aussperrung gegebene Verbot des Ueberzeitarbeitens zurück- zunehmen, sowie die anderen Bedingungen Ihres Briefes von» 26. Februar zu erfülle». Bitte geben Sie uns einige Tage vorher Nachricht über Zeit und Ort der Zusammenkunft, sowie über die Zahl Ihrer Vertreter. Aufrichtig der Ihrige G. H. B a r n e s." Die hochtönendsten Schlagworte, die ausgesuchtesten Beleidi- gungen würden nicht so eindrucksvoll die Macht der Organisation predigen, wie die schöne Vereinigung von Festigkeit und Höflichkeit, wie sie aus der Antwort des Gewerkschaftssekretärs auf den von Betheuerungen überfließenden Brief einer Verbindung hcranstönt, die ein Kapital von weit über hundert Millionen Pfund Sterling repräsenlirt. Allerdings ist die Konjunktur den Arbeitern überaus günstig. Aber selbst die beste Konjunktur kann ungenügend und selbst falsch ausgenützt werden, wenn sie die Arbeiter ungenügend organisirt findet. Gerade der Umstand giebt dem Kampf der amalgamirten Gewerkschaft feine Bedeutung, daß er hauptsächlich daraus abzielt, durch Beseitigung der Ueberzeitarbeit in der guten Konjunktur Grund zu legen für möglichst gute Ueberwindung der nicht ausbleibenden Zeit des Rückschlages.— Vovranttnlimjgen. Die Holzarbeiter hatten a>n 25. März in Keller's Festsälen eine Versammlung einberufen, die leider nur mäßig besucht wa Nach einem Referat des Genossew R. Schmidt über das Thema: Sozialpolitische Tagesfragen, wurde von dem Revisor K l i n g e r die Abrechnung des Vertrauensmannes verlesen. Die Einnahmen vom 1. Juli 1896 bis gegenwärtig beliesen sich auf 236,71 M. und bia.1 Ausgabe» ans 167,85 M.; niithi» ist ein Bestand von 113,36 vorhanden. Dem Vertrauensmann wurde Decharge ertheilt und der Neuwahl Otto Klinger mit diesem Posten betraut. Zu Revisoren ernannte die Versammlung Weber und M a n> geklagt über mangelhafte Werkstatteinrichtungeu, Uebelstände in hygienischer Beziehung und niedrige Löhne, die sich sehr häufig zwischen 12 und 14 Mark bewegen sollen. Die Schuld an einem Theil der gerügten Mißstände wurde dem Meister Z n b e i l zugemessen, der zu der Versammlung eingeladen aber nicht erschienen war. Im Lause der Debatte machte Einzel dem früheren Werkflatt-Vertrauensmann Lubatsch den Vorwurf, daß er die beregten Mißstände nicht schon früher öffentlich zur Sprache gebracht habe, was dieser damit rechtfertigte, daß das betreffende Material schon seit längerer Zeit der Agitations-Kom» Mission vorgelegen habe. Nach längerer Debatte wurde dieser Gegen- stand, ohne daß man einen Beschluß über denselben faßte, verlassen. Dam� wurde B e r n d t als zweiter Vertrauensmann für den Norden gewählt.» Mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen in den königl. Eisenbahn-Werkstättc» beschäftigte sich am Sonntag in den Kon- kordia-Sälen eine Gewerkvereinsversammlnng(Hirsch- Duncker) des Ortsverbandes der Maschinenbau- und Metallarbeiter Berlins und Umgegend. Merkwürdigerweise fehlten hierbei die bei dieser Frage am meisten interessirten Arbeiter, was seinen Grund darin hatte, daß die Eisenbahn- Werkstätten- Inspektionen theils direkt, theils indirekt ihren Arbeitern bei Strafe sofortiger Entlassung den Besuch der Versammlung ver> boten hatten. Dagegen waren die Werkstättenvorsteher sämmtlicher Berliner Inspektionen zur Stelle. Nach einem Vortrage des Maschinenbauers R. Klein und reger Debatte, an der sich auch einige Werkstättenvorsteher betheiligten, wurde die Absendung einer Petition an den Eisenbahnminister beschlossen, die folgende Punkte enthält: 1. Einführung der 14 tägigen Lohnzahlung in allen Werkstätten, wenn möglich am Freitag. 2. Erhöhung der Lohnsätze, weil die bis jetzt ge- zahlten Löhne von 2,30 und 2.50 M. pro Tag ungenügend sind für g e- lernte Arbeiter. 3. Verkürzung der Arbeitszeit aus 9 Stunden. 4. Einschränkung des Lehrlingswesens in Staatswerkstätten. ö. Aus- hängung der Akkordsätze an augenfälliger Stelle der Werkstätten. 6. In Rücksicht aus das direkt ausgesprochene Verbot der Inspektion II Berlin, welches den Besuch der Versammlung mit so- sortiger Entlassung bedrohte, wird der Minister gebeten, den Ar- beitern das Koalitionsrecht zu gewährleisten. Tie Miillerei-Arbeiter nahmen in einer öffentlichen Versamm- lung am Sonntag den Bericht ihres Vertranensmannes entgegen. Derselbe weist eine Einnahme von 25,10 M.. eine Ausgabe von 20,90 M. und einen Bestand von 4,20 M. auf. Der Bericht des Delegirten zur Gewerkschasts-Kommission gab einem der Anwesenden, der übrigens gar kein Müller ist, Veranlassung, in einer langen Rede eine sehr abfällige Kritik an der Gewerkschasts-Kommission zu übe-. wegen der Stellung, welche dieselbe neuerdings hinsichtlich der#6» willigung von Streiks eingenommen hat, sowie wegen angeb-� licher Bevormundung der Zentralorganisationen und nsch mancher anderen Sachen. Die Ausführungen des Redners br.vieseii. daß er weder mit der gewerkschafilichen Bewegung, noch niit der Thätigkeit und den Aufgaben der Gewerkschaft Kommission vertraut ist. Von W i t t m a n n und auch von anderer Seiti wurde dem Redner in- deß nachgewiesen, daß seine Ausstellungen unzutreffend wären und auf falschen Voraussetzungen beruhten. Es follte nun die Wahl eines Vertrauensmannes, der gleichzeitig als Delegirtcr zur Gewerk- schafts-Kommission zu fungiren hat vorgenommen werden. In der von 30 bis 40 Personen"Jesv�hten Versammlung wollte sich jedoch niemand zur Auuah«e dieses Amtes bereit finden. Als man nach Erledigung einiger anderer Punkte wieder zu diesem Gegenstand zurückkam, ließ sich Krause bewegen, das Amt deS .Vertrauensmannes anzu'aehmen, aber ohne die Vertretung in der � Gewerlschastskom>»issi(.n, welcher Posten also vorläufig nicht besetzt sifi. Unter„Ver �-dencm" wurde sslitgetbeilt. ��s'.TLVRszeit ''er Müllereiarbe � o!> in Berlu 12 biß 14 Stunden beträgt, ir. � den„Neuen Be»»>» �»»musen" in der Schlesischen Straße nev.-.-dings»1 16 Stunden verlängert worden ist und zwar bei Stundenlohn von 25-30 Pf. In den Mühlenbetrieben der ,-i' d neu--' 3u L uew und in die Gewerkschastskommission wurde Heu tschke!�"� �oll sogar eine 13stündige Arbeitszeit die Regel bilden. und K l i n g e r gewählt. Hierauf behandelte Glocke die Stellun--. Die Braucrei-Hilfsarbciter waren am Sonntag Nachmittag zur Maiseier; er ist der Meinung, daß die Holzarbeiter sich den Bes nur mäßig im Englischen Garten versammelt, woselbst Schüler schlüffen der Gemerkschaftskommission anschließen werden und die die Vortheile der seit fünf Jahren bestehenden Organisation obiger Feier den Charakter wie im Vorjahre annehmen müsse. Da, wo die Arbeiter besprach, bedauernd, daß so viele der alte» Kämpfer sich Möglichkeit geboten ist. sollte die Arbeitsruhe eintreten und die Arbeiter sich an der Versammlung am Vormittag betheiligen. Die Durch- sührung der Arbeitsruhe werde sich in diesem Jahre schwieriger ge- stalten, da der I. Mai aus den Sonnabend fällt. Redner empfahl deshalb, dahin zu wirken, daß am Freitag die Lohnzahlung eintritt. Ein Widerspruch gegen diese Vorschläge erhob sich nicht, worauf Schluß der Versammlung eintrat. Die Schlosser«nd Maschinenbauer hielten am Sonntag im Konzerthäus Sanssouci eine sehr gut besuchte Versammlung ab. wo Genosse Bebel unter großem Beifall einen Vortrag hielt. Er führte den Versammelten aus grund statistischen Materials ein an- fchauliches Bild vor Augen von dem Verfall des Handwerks und der Entwickelung der Großindustrie, wobei er insbesondere durch interessante Einzelheiten den Entivickelungsgang des Schlosser- gewerbes illustrirte. Der Redner legte weiter dar, wie noth>vendig die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter sei; er wies darauf hin, daß die große» Ausstände de« letzten Jahre hauptsächlich deshalb so ungünstig verlaufen seien, weil sie von einer größten- theils unorganisirlen Masse geführt wurden. Genosse Bebel erinnerte daran, daß die Unternehmer viel mehr Klassenbewußtsein bekunden und eine bessere Organisation hätten wie die Arbeiter, und ersucht die letzteren, soweit sie noch nicht organisirt sind, die Worte eines englischen Ministers zu beherzigen, welche derselbe kürzlich zu einer Arbeiterdeputatio» gesagt hat: Er wünsche den Tag herbei, an welchem es keinen Arbeiter mehr gebe, der nicht organisirt sei. Nachdem Lüning und Delius gleichfalls ihre Kollegen zum Anschluß an die Organisation gemahnt hatten, betrat Dr. R u h l a n d vom Bunde der Landwirthe das Podium, um den Versammelten das alte Märchen von der Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter aufzutischen. Er pries das gute Verhältniß, welches aus der kaiserlichen Werft zwischen Beamten und Arbeitern herrschen soll und führte zum Beweise dafür an, daß die Kieler Werftarbeiter, obwohl größtentheils der Sozialdemokratie angehörend, de» Wohl- fahrlseinrichtungen des Unternehmens(Kantine und Konsum- verein) sehr sympathisch gegeimberständen. Ehe die Arbeiter Kampforganisationen gründen, sollten sie doch erst den Versuch machen, mit den Unternehmern Hand in Hand zu gehen und eine Versöhnung der Gegensätze herbeizuführen. Sehr treffend bemerkte Genosse Bebel zu den Ausführungen dieses Red- ners, daß er, seiner Rede nach zu urtheilen, vom praktischen Leben nichts verstehe. Wenn er die Berliner Verhältnisse kennen würde, dann müßte er wissen, daß die Organisation der hier Versa, nmelten nur durch die Provokation der Unternehmer entstanden sei. Der Kampf zwischsnArbeiteru und Unternehmern werbe nicht durch den bösenWillen der estere», sondern durch die sozialen Verhältnisse hervorgerufen. Be- züglich des vom Vorredner gerühmten gute» Einvernehmens zwischen Ar- beitern und Beamten der Kieler Werft sei zwar zugegeben, daß die Marinebehörden die von ihnen beschäftigten Arbeiter humaner be- handeln, wie beispielsweise die Eisenbahn- Verwaltung, doch werde auch über erstere— wie die neulichen Verhandlungen im Reichstage bewiesen hätten— vielfach Klage geführt. Wie im übrigen die Staatsbehörde», wo sie als Arbeitgeber austreten, die Arbeiter und deren politische und gewerkschaftliche Bestrebungen behandeln, dafür führte Genosse Bebel eine Reihe bekannter Thatsachen au, denen gegenüber nur ei» naives Gemüth von Versöhnung reden könne. Nachdem noch einige Redner im Sinne des Referenten gesprochen hatten, ging die Versammlung zur Besprechung der in der Fabrik von Förster u. Runge herrschenden Mißstände über. Von mehreren Seilen wurde „rückgezogen und jede agitatorische Thätigkeit vermissen lassen. Nach- em Redner den 94er Bierboykott mit seinem Kampf gegen das (roßkapiial gestreift und auf das damals errungene Ansehen der Lganisation hingewiesen, in die von gewissen Elementen jedoch sfller Keile getrieben wurden, verbreitete er sich über die nach dein Bykott wahrgenominenen Mißstände und Entlassungen in der Bau er ei Pichelsdorf. Obwohl man versichert, die Ent- las?,-» wieder einzustellen, sei dies nur zum theil geschehen; all- gcuin aber seien die Klagen über das Verhalten des Inspektors. der> an verletzende»»nd beleidigenden Aeußerungen»nd Titulaturen den lrbc kern gegenüber nie fehlen ließ. Als einen Akt der Jnhuanirät bezeichnete Referent die Maßnahme der Direktion der G e r in 11 1 a- B r a 11 e r e i, nach welcher ein feit langem dort beschäslter Arbeiter wegen Krankheit entlassen wurde mit dem Vermerk us dem Enllassnngsschein. daß er stets zur Zufriedenheit gearbeitet. jedoch wegen„andauernder" Krankheit Entlassung er- folgte. Dusich anschließende Debatte war eine äußerst umfang- reiche. Scappach, der die Ausführungen des Vorrednccs „och Mesenich ergänzte, rügt äußerst scharf, daß Bier- kutscher der Pichelsdorfer Brauerei es ablehnen, Organisirt« als Mitfahr, anzunehmen. Auch über das M ü n ch e n e r Brauhaus und Brauerei Patzen hofer wurden Klagen laut; in letzterer seien es hauptsächlich die Hof- arbeiter, die urrM»? en zu leiden haben. Von der Kaiser- Brauerei(( no'.teni 3) wird berichtet, daß Hilfsarbeiter die Arbeite» der B verrichten müssen; Pausen seien hier wenige und wei lu ben ungenügend bezahlt. Westphal, einer der als„ e bin— wie er selbst anführt— Eni- lasse, ic», obwo nzel vorgeschoben sei, erläuterte in langen Ausfuhr lten des Herrn Direktors Hoffmann- Pichelsdorf. Vor fiart> Spandau habe letzterer siugeständ. nisse gemacht, di" ir- n habe. In einer Volksversammlung den Sachverhalt 0'-uz, sri er später wegen Beleidigung des Direktors F. von n. angeklagt und in erster Instanz zu fünf Wochen Gefängniß vertheilt worden. Nachdem noch Schüler die Abschaffung der Fronarbeit in den Brauereibetrieben dringlichst gefordert, erstattet Sappach Bericht über die Gewerkfchafts- kommission, alsdann in Amt niederlegend, an dessen Stelle Kr» m m bach gewählvurde. ArI>»it«r-K>Id»»ig»sNl'. Tic'. Schul« Waldemarsir. Kleutsch "W «Tie Abend von s— los; e deuische Literatur Uhr: Südost-� in der zweiten HSlsrs de« neunzehnten.-ahtndertS.— Aufsatzlehre.) Herr Heinrich Schult.— N 0 r d s ch» l e. Brunnenstr... Nationalöronomie(Uedeisicht der verschiedenen WirthschastSstufin-�tivlch-lil. der bürgerlichen theoretische» Nationalökonomie. Tie Marr'sch- Werth- und Dcwerlhlchre) Herr Dr. Konrad Schmidt. JH» der �'■''«t-üUbniigörchul», Brunnenstr. 25, ist Wochen- lagS von 6-9 Uhr, Sonntag«,«-9 Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet: «�nttt.lonn Brunnenstrabe 25. di« den BereinS- R.Ä«auna Mbt?st eben, all« �°"",ge» wissenschaflltchen SharalterS zur Beifügung steht, ist cvenialls Uhr nachmittags geöffnet. «atewolterst/'9� Umgegend. Vorsitzender Ad. Reiunann. «omn"Ä im B-re,» Stakender sind zu richte» a» Ar.ebrich S-r-nÄm-nd-r nd � �'''i*",,fc N»>S«S">». Aenderung-n im �aß-su.- Hol, 4 2?. Hermann Braunschweig, Dresdener- Knud der«eselligr» Arlerverei,,» chertin» ,»>d Umgegend. All» zu richten a» P. Gent, L. Dresdener- Zuschriften, den Bund betresteneind straß« 107/8. fenratvere!» e Inserat.) Vv.-ei).-«.««»»rordla-.Sttzurz Elisabethstr. so. htt Kttdhir.(Heute, abends a% Uhr: heute Abend a Versammlung' Uhr bei Scholz. � BMgfte DezugSWelle für Cigarren IUI? HUiid!vi>, RcMtanrateurc und Wicderverktiafer! 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