Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 112- 1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag- Montag, 29. 30. Oktober Chefredakteur: M. Braun Aus dem Inhait Schachts Inflationsgesetz Seite 2 Kacwahne als Banditenführer Seite 3 Falscheid des Nazi- Kroyec Seite 4 Zuspitzung in Oesterreich Seite 4 So kann es nicht weitergehen" ( Bericht aus dem Ruhrgebiet) Seite 7 Inserate auf Seite 8.9,10 beachten Volk ärmer- Reich teurer Die Kosten für die Bürokratie steigen enorm Und wir haben dabei zugleich aber auch die Vers waltung gesäubert, haben die korruption ge vadt, und wo wir sie finden, wird sie herausgezogen. Wir haben damit zugleich begonnen, Unrecht auszugleichen, unverdiente, wahns sinnige Gehälter überall abzubauen, den Beamtenkörper selbst allgemein zu säubern. Adolf Hitler im Sportpalaft. Gin wesentlicher Teil der nationalsozialistischen Propaganda bestand in Anklagen gegen die Uebersetzung des Behördenapparates. Dem unpolitischen Spießbürger wurde gesagt, daß 300 000 margistische Bonzen sich aus Steuergroschen mästeten. Die müßten hinausgeworfen werden. Dadurch ließen sich viele Millionen einsparen. Nun liegt der er ste Haushaltplan des„ dritten Reiches" vor. Welche Zahlen bringt er für die Bürokratie? Zum ersten Male seit dem Jahre 1928 sind die Ausgaben des Behördenaufwand gestiegen. Vier Jahre lang, und zwar schon von dem sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann Müller an, hat die Kurve beständig nach unten gewiesen: Von 841 Millionen Mark im Jahre 1928 auf 657 Millionen Marf im Jahre 1932. Jetzt sind die Verwaltungskosten wieder um 20 Millionen Mart getiegen. Der Behördenapparat des Reiches ist viel mehr vergrößert worden, als er in vorstehenden Zahlen zum Ausdruck kommt. Wir haben neu das Büro des StellAusdruck kommt. Wir haben neu das Büro des Stell vertreters des Reichskanzlers, die Behörden der Reichsstatthalter mit Reichs ministergehältern. das Reichspropagandaministerium und Hinterbliebenen. Die Versprechungen, die diesen Menschen jüngst bei dem großen mit festlichem Klimbim begangenen Kriegsopfertag gemacht worden sind, haben sich rasch als Lüge erwiesen. das Reichsluftfahrtministerium. Sinkende Löhne Für das Reichsluftfahrtministerium allein find 78 Millionen. Mark eingesetzt, und für das Propagandaministerium 14 Millionen Mart. Das Reichswirtschaftsministerium er fordert 150 Millionen Mark mehr, wovon allein 102 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Sanierung der Dresdener Bank ausgegeben werden. Auch ein Beitrag zu dem Kapitel des Kampfes der Nationalsozialisten gegen die Bank und Börsenfürsten". Die Entwicklung der Löhne in Deutschland ist aus folgender Tabelle ersichtlich: uchichifenben lone in Pfen.en) tm Durchschnittsst inden lone in Pfennigen") Männl Mannl. im Mount Mainl Fach Bills Fach Dilfs. a beiter arcetter arb- ffor arbo tr 70 53,2 Januar 1932 84,9 66,9 84,4 64,4 Juli 1932 81,4 63,5 98,9 77,5 Januar 1933 80,1 63 .102,6 80,6 Mai 1933. 79,3 62,4 Januar 1925 Januar 1927 Die Gesundung der Steuermoral im Zeichen der nationalen Erhebung wird beleuchtet durch die Tatsache, daß das die Devisentontrolle gegen Steuerdefrau= danten und für die Schmuggelbekämpfung an gestellt hat. Reichsfinanzministerium nicht weniger als 4362 Leute für Januar 1930. Während so die Ausgaben für den Staatsapparat sprung: haft in die Höhe gehen, werden andere Ausgaben stark gedrosselt. So sind die Ausgaben für Arbeitslosen hilfe und Arbeitsbeschaffung um 397 Millionen Mark auf 491 Millionen Mark gesenkt worden. Da eine echte Verringerung der Erwerbslosenzahl in entsprechendem Umfang nicht eintritt, bedeutet diese gewaltige Senkung der ArbeitsTrotz des unter Vertrags- und Verfassungsbruch erfolgten Abbaus Tausender national unzuverlässiger" Beamten ist die Zahl der Beamten des Reiches nur um knapp 800 ge= sunken, von 89 855 auf 89 062. Dafür aber ist die losenhilfe die Ausschaltung vieler„ national unzuverlässiger" Reiches von 43 899 auf 49 828 gestiegen. Es schlechterung des Glendseinkommer der Rentenempfänger sind also für die hinausgeworfenen Marxisten viele Tauſende Auch die Schuldentilgung des Reiches ist von 420 Millionen auf 100 Millionen Mark herabgesetzt worden, Und das nur im Reiche. Hinzu treten die Länder und die Kürzung um 70 Millionen Mark erfahren. Gespart wird Gemeinden. und schließlich hat der Versorgungshaushalt eine also vor allem auch an den Kriegsopfern und Krieger• Januar 1931 102,1 Seit dem Mai sind die Löhne zweifellos noch weiter abgeglitten, während der Lebenshaltungsindex um mehrere Punkte gestiegen ist. Angewachsen sind auch die Abzüge vom Lohn. Der Reallohn ist mithin beträchtlich gesunken. 80,2) gemäß Jnftitut 1. Ronjuntturforschung. Bonzengehälter Berlin, 27. Oft. Jnpreß. Der Beiter des Organisationss amtes der Deutschen Arbeitsfront, Selzer, gibt bekannt, daß für die Gehälter der braunen Gewerkschaftsangestellten 4.5 Millionen Reichsmark pro Monat( mehr als 54 Millionen Reichsmark pro Jahr) eingesetzt sind. Die Angestellten der freien Gewerkschaften bezogen nicht einmal den zwanzigsten Teil dessen, was nun den Nazibonzen gezahlt wird. Einheitsliste unter Zuchthausdrohung Die Führer der deutschen Korruptionswahlen In Form eines Wahlbefehls ist nunmehr den einzelnen Wahlkreisen die Einheitsliste der Kandidaten für die Reichstagswahl vom 12. November zugegangen. Eine andere Liste als diese wird in keinem Wahlkreis zugelassen. Sie enthält folgende Namen: 1. Reichskanzler Adolf Hitler, 2. Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, 3. Reichsminister Dr. Wilhelm Frid, 4. Reichsminister Hermann Göring, 5. Reichsminister Dr. Joseph Göbbels, 6. Stabschef der SA. Ernst Röhm, 7. Reichsminister Walter Darre, 8. Reichsminister Franz Seldte, 9. Vizekanzler Franz v. Papen, 10. Reichsminister a. D. Dr. Alfred Hugenberg. partei die Gnade erweist, fie auf der Kandidatenliste aufzuführen. Ob diese würdigen Herren dann zum neuen Reichstag zugelassen werden, liegt ja immer noch im Belieben der nationalsozialistischen Diktatoren. Außerdem können die Herren der genannten drei Parteien jederzeit aus dem Reichstag hinausgeworfen werden, wenn sie sich den Anordnungen der Reichsregierung, auf die sie sich vor der Annahme des Mandats feierlich verpflichten müssen, nicht ganz entsprechen. Diese Schandspiel wird aufgeführt unter einem Reichspräsidenten durch einen Reichsfanzler und durch Minister, die samt und sonders die Verfassung von Weimar feierlich beschworen haben unter Anrufung ihres Gottes, des Almächtigen. Da es in Vergessenheit zu geraten scheint, sei daran erinnert: noch immer besteht in Deutschland die Reichsverfassung vom 11. August 1919 zu Recht. Im Rahmen dieser parlamentarischen Verfassung vollzieht sich das, was man jezt in Deutschland eine Reichstagswahl Nur diese 10 Namen werden in allen 35 Wahlkreisen auf neunt. Die feierlichen und wie man sieht, streng gehaltenen die Stimmzettel gedruckt. Es können ausreichend weitere Verfassungseide werden aber unter dem Segen der Bischöfe Kandidaten, selbstverständlich nur Befehlsempfänger der beider Konfessionen geschworen. Nationalsozialisten, aufgestellt werden, aber auf den Stimm Betteln erscheinen sie nicht. Es ist überhaupt zweifelhaft, ob die Regisseure dieser Wahlfomödie geruhen werden, dem Herrn Dr. Hugenberg hat man auf die KandidatenItste gebracht, um der zu befürchtenden Wahlenthaltung vieler Deutschnationalen zu begegnen. Seine Rolle ist so deutschen Volfe die gesamte Kandidatenliste vor der Wahl schmierig, daß er sich in seinem„ Lokal- Anzeiger" vor seinen bekanntzugeben. Man erwägt, erst nach vollzogener Wahl Anhängern zu entschuldigen versucht. Es ist ja immerhin der NSDAP. die Entscheidung zu überlassen, welche der aufgestellten Kandidaten in den einzelnen Wahlkreisen das Mandat anzunehmen haben. Das ist nicht etwa ein bös williges Gerücht von Marristen oder ähnlichen Machern von Greuelmärchen, sondern dieser politische Korruptions flaudal wird durch halbamtliche Meldungen aus Berlin be tanntgegeben. Die nationalsozialistische Parteileitung über legt fich auch noch. ob sie einigen weiteren geduldiger Diätenempfängern aus der Deutschnationalen Volkspartei aus der Zentrumspartei und aus der Deutschen Volks eine charakterliche Leistung, sich wie ein abgedankter Bedienter schmählich aus dem Reichskabinett verabschieden zu lossen und nun als Wahlmarionette desselben Reichs fabinetts aufzutreten. Hugenberg rechtfertig seine Statistenrolle mit dem Hinweis, daß er immer schon für den Krach mit dem Völkerbund gewesen sei. Außerdem sei ihm bestätigt worden, daß er ein freier Bauer auf freier Scholle" bleibe, das heißt, daß man nicht gerade die Absicht hat, den Opapa in ein Konzentrationslager zu bringen. Jit ja auch gar nicht mehr nötig, nachdem er so gehorsam daberfabbelt. Die Antifaschisten aller Richtungen gehen unter dem ungeheuerlichen Druck unter großen Gefahren in den Wahlkampf und an die Urnen. Dennoch müssen sie für das Nein werben und stimmen. Zuchthaus für Parteiengründer Vor dem Schöffengericht Halberstadt hatten sich in einer außerordentlichen Sigung im Schnellverfahren der Arbeiter Walter Schattenberg und der Hoteldiener Viktor Warlich aus Wernigerode wegen Verbrechens gegen das Gesetz zur Neubildung von Parteien zu verantworten. Sie hatten in einer Wohnung Versammlungen abgehalten. Das Urteil lautete gegen jeden auf zwei Jahre sechs Monate Buchthaus. Unter Parteikontrolle Der Reichsminister des Innern hat die Kreiswahlleiter ersucht, wegen der Berufung der Beisiger und Stellvertreter zum Kreiswahlausschuß mit der Gauleitung der NSDAP. in Verbindung zu treten.„ Damit die einwandfreie Durchführung der Wahl und Abstimmung auch nach außen in Erscheinung tritt, erscheint es," so heißt es in dem Erlaß des Ministers, unerwünscht, wenn die Kreiswahlausschüsse ausschließlich aus Angehörigen der NSDAP. bestehen. Deshalb werden die Kreiswahlleiter sich von den Gauleitungen außer Angehörigen der NSDAP. auch solche Persönlichkeiten vorschlagen lassen müssen, die, ohne der Partet anzugehören, der Gauleitung als national zuverlässig bekannt sind." Die gleichen Grundsätze sollen für die Berufung der Abstim mungsvorstände gelten. Das bedeutet: bis ins letzte Dorf wird niemand in einem Wahlvorstand sißen, der nicht der nationalsozialistischen Gauleitung genehm ist. Es ist daher jeder Terror bei der Abstimmung und jede Fälschung bei Auszählung der Stimmen möglich. Deutsch- französische Spannung Französische Maßnahmen Paris, 28. Oft. Im Auswärtigen Ausschuß Vorbereitung der Inflation des Senats hat General Bourgeois eine Darstellung der Das Abenteuer des Dr. Schacht ,, militärischen Lage und der industriellen Mobilisationss ftärke Deutschlands" gegeben. Der Ausschuß hat unter dem Eindruck der Darlegung des Generals beschlossen, sich mit den verschiedenen anderen parlamentarischen Kommissionen der nationalen Verteidigung in Verbindung zu setzen und fich mit der Regierung über die Folgen, die den Ausführungen des Generals gegeben wer den sollen, zu verständigen. lid Das Kabinett Sarraut Endgültige Ministerliste ad Ministerpräsident und Marine: Albert Sarraut, Senator, Radikal; Vizepräsident und Justiz: Dalimier, Abg., Radikal; Inneres: Chautemps, Abg., Radikal; Auswärtige Angelegenheiten: Paul- Boncour, Senator, Unabhängig; Krieg: Daladier, Abg., Radikal; Finanzen: Georg Bonnet, Abg., Radikal; Budget: Abel Gardley, Senator, Radikal; Landwirtschaft: Queuville, Abg., Radikal; Handel: Laurent- Gynac, Abg., Radikale Linke; Post und Telegrafen: Mistler, Abg., Radikal; Oeffentliche Arbeiten: Pa panon, Abg., Radikal; Arbeit: Frot, Abg., Unabhängig; Die Generalversammlung der Reichsbank hat am Freitag die Aenderungen des Bankgesezes vom 30. August 1924 und der Satzung der Reichsbant einstimmig genehmigt. Die Menderung gibt der Reichsbank die Möglichkeit, festverzins liche Wertpapiere zur Notendeckung heranzuziehen. Bisher die sogenannte sekundäre Notendeckung aus Handelswechseln benuzen. Es ist kein Geheimnis, und Schacht hat das in seiner Begründungsrede offen zugestanden, daß ein sehr erheblicher Teil des Reichsbankportefös nicht aus Handelswechseln, sondern aus künstlich hergestellten Finanzwechseln besteht. durfte die Reichsbank neben der metallischen Deckung nur Dr. Schacht verschwor sich in seiner Rede vor der Generalversammlung hoch und heilig, daß keine Inflationsgefahr bestehe. Zum Beweis verglich er den deutschen Zahlungsmittelumlauf mit dem Frankreichs, Belgiens, der Schweiz, Hollands und der Vereinigten Staaten, also mit Ländern, deren innerer Reichtum turmhoch über dem Deutschlands liegt. Das ist derselbe Schwindel, wie der, den Schacht neulich in einem Interview steigen ließ. Da sagte er mit dem ganzen Zynismus des Bankrotteurs, Deutschland sei finanziell vom Ausland unabhängig und brauche keine Auslandskredite. Als wenn irgendein geistig gesunder Finanzmann in der ganzen Welt auf den Gedanken fäme, Geld nach Deutschland zu verleihen, das seit Jahr und Tag seine Auslandsschulden nicht verzinsen und nicht tilgen kann. Als wenn ferner nicht jeder mann wüßte, daß in Deutschland bei seiner ungeheuren genutzten Produktionskapazität Kapitalinvestitionen so gut wie ausgeschlossen sind. Erziehung und Unterricht: de Monzie, Abg., Rechts- Produktionsschrumpfung und nur zu Bruchteilen ausstehender Sozialist; Kolonien: Pietri, Abg., Linksrepublikaner; Luftfahrt: Cot, Abg., Radikal; dollxon Handelsmarine: Stern, Abg., Linksrepublifaner; Pensionen: Ducos, Abg., Radikal; Deffentliche Gesundheitspflege: Lisbonne, Senatur, Radikal. Unterstaatssekretäre: Ministerpräsidium: Andre- Marie, Auswärtiges: de Tessan, Technischer Unterricht: Marcombes, Kolonien: Brunet, Erziehung und Unterricht: Marence Bibie, Krieg: Guy la Chambre, Körperliche Ertüchtigung: le Gorceu. Die Regierung weiß noch nicht, wann sie sich der Kammer vorstellen wird. Dies wird frühestens am Dienstag möglich sein, wahrscheinlich aber erst am Freitag. Der erste Kabinettsrat soll Samstag oder spätestens am Montag abgehalten werden. Deutschland verzichtet... Rückzug auch aus dem Haag Die Reichsregierung hat dem ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag in Zusammenhang mit dem Austritt aus dem Völkerbund mitteilen lassen, daß sie nicht beabsichtige, die von ihr anhängig gemachten Klagesachen weiter zu verfolgen. Es handelt sich um die Klage wegen der Anwendung der polnischen Agrarreform auf die deutsche Minderheit und wegen der Klage in Sachen des Fürsten Pleß. Sachen des Fürſten Afrikanische Arier Nazis in Kapstadt London, 28. Oft.( Eig. Meldg.) Der Korrespondent der „ Morning Post" in Johannisburg meldet: In Kapstadt hat gestern eine Versammlung stattgefunden, bei der die " Afrikanische Arische Nationalsozialistische Bewegung" gegründet wurde. Der Abg. Morris Alexander äußert sich in der südafrikanischen Presse über die nationalsozialistische Propaganda in der Union. Bedruckte Zettel mit Aufschriften„ Briten, gestattet es Juden nicht, sich mit weißen Mädchen einzulassen" und„ Der Krieg war ein jüdischer Krieg" sind in die Bücher der öffentlichen Leihbibliotheken in Kapstadt eingeklebt worden. Auch an jüdische Häuser und Eisenbahnwaggons wurden diese Zettel angeklebt. Andere Zettel tragen das Hakenkreuz unter einem Totenkopf mit gefreuzten Gebeinen mit den Ueber das eigentliche Thema redete Schacht natürlich nicht. Er erzählte nichts davon, daß die deutsche Sperrmart im Auslande nur noch halb so: viel wert ist, wie es der Geldparität entsprechen würde. Er unterließ auch wohlweislich, in allgemeinverständlicher Form darauf hinzuweisen, daß die Aenderung des Bankgesetzes der Reichsbank erlaubt, 2 bis 3 Milliarden neuer Marknoten auszugeben, also den Zahlungsmittelumlauf aufzublähen. Gewiß könnte der Reichsbankpräsident erwidern, es sei nicht sicher, ob er die Wegen Zur- Ruhesetzung Erstes Haus in Brüssel, seit langen Jahren existierend, verkauft Trikotagenmaschinen auf Ab zahlung sowie das dazugehörige Material, Schreiben sind unter Buchstabe A zu richten: Boite postale 2, Bruxelles- Nord Möglichkeiten ausnutzt, die ihm die neue Aenderung ges helfen will. Seine rein politischen Bemerkungen über das währt. Er sprach aber auch nicht darüber, wie er sich anders Vertrauen, in die Stabilität der von der nationalsoziali stischen Regierung betriebenen Wirtschaftspolitik werden inder, widerlegt. Der Kursinder der 6prozentigen öffent durch einen unbestechlichen Zeugen, nämlich den Börsenlichen Anleihen deutscher Emittenten an der Berliner Börse lag wochenlang unter der Grenze von 80 Prozent. In einer redet unter dem Grinsen aller Finanzfachleute der ganzen solchen Situation stellt sich der Reichsbankpräsident hin und Welt über das riesige Vertrauen, das man in die Stabilität der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands setzt. Er deutet zwar eine der Hauptschwierigkeiten an: Die furzfristigen Verpflichtungen der deutschen Städte und Gemeinden in Höhe von etwa zwei Milliarden Mark. Längst können diese öffent lichen Schuldner ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Mit erheuchelter Genugtuung verweist Schacht auf das Gesetz über die kommunale Umschuldung. Schacht redet aber nicht darüber, zu welchem Kurs eine solche ge waltige Umschuldungsanleihe marktmäßig überhaupt unterzubringen sein wird. Wer wird sich denn als Käufer um diese Anleihe reißen? Soweit man auch um sich sieht, bleibt als Hauptkäuferin nur die Reichsbank auf weiter Flur. Die hochgepriesene Form des deutschen Reichsbankgesetzes dürfte also hauptsächlich den Zweck haben, der Reichsbank die Milliarden- Zahlungsmittel für den Aufkauf und die Kursstützung der Kon versionsanleihe zu bieten. Inflationsperiode abgeschlossen. Dr. Schacht hält die Klinke Mithin sind die Vorbereitungen einer neuen großen zu der Türe in das Unglücksreich der Inflation in der Hand. Er mag zögern, die Tür zu öffnen. Wir, die wir die Interessen des deutschen Arbeitsvolkes vertreten, möchten bis zuletzt wünschen, daß die Reichsregierung ein Zauber Ausweg zu sehen. Riesengroß ist die Gefahr, daß nun die mittel hätte, die Gefahr zu bannen. Nirgendwo aber ist ein Inflation in Deutschland sich entwickelt. Luxustrikotfabrik in Brüssel für 125000 RM. zu übergeb. Einziges mit Aufträgen vollbeschäftigtes Unternehmen. Modernes Material, Starke belgische und ausländische Kundschaft. Schöne Wohnung, niedrige M ete Schreiben sind unter Buchstabe A zu richten Boite postale 2, BRUXELLES- NORD Reichstagsbrandprozeß 26. Verhandlungstag Berlin, 28. Oft. Als erster Zeuge wird in der Samstagverhandlung des Reichstagsbrandprozesses der Journalist Walter Deh me vernommen, der wie üblich auch am 27. 2. nachmittags im Reichstag war. Der Zeuge erklärt, es fönne zwischen 3 und 4 Uhr gewesen sein. Der Vor= sitzende weist darauf hin, daß Torgler zunächst den Zeugen als denjenigen angegeben habe, mit dem er zusammen gewesen sei, als Karwahne, Frey und Kroyer vorbeikamen. Später habe er Florin als diesen Mann bezeichnet. Insofern spiele das Zeugnis Dehmes nicht mehr dieselbe Rolle wie damals. Es frage sich aber, ob Dehme mit Torgler um 2.30 oder 3 Uhr zusammen gewesen sei. Der Zeuge erklärt, er halte es für ausgeschlossen, daß er schon i deh or don um diese Zeit im Reichstag gewesen sei. Die Verhandlung dauert fort. Worten„ Memento mori". Diese Zettel sind zahlreichen Deu'scher Gesinnungs'error jüdischen Ladenbesitzern mit der Post zugeschickt worden. Organisationen sind gebildet worden, um in allen Teilen der Union nationalsozialistische Propaganda durchzuführen. Blutige Unruhen in Jaffa Die protestierenden Araber Englischen Blättermeldungen zufolge find bei den Uns ruhen in Jaffa 100 Araber und mehrere Polizisten verwundet worden. Zu den Unruhen in Jaffa wird noch berichtet: Da in London bekannt war, daß die Unzufriedenheit der Araber einen gefährlichen Grad von Hochspannung erreicht hatte, waren an den High Commissionar Instruktionen ergangen, durchgreifende polizeiliche Vorsichtsmaßnahmen anzuordnen. Man hatte in London und in Jerusalem ge= glaubt, daß die dortigen Behörden die Lage gut in der Hand hätten. Die Mißstimmung der Araber wurde nicht nur durch den Zustrom jüdischer Flüchtlinge erzeugt, sondern auch durch die Weigerung der Regierung von Palästina, den Berkauf arabischen Landbesißes an Juden einzuschränken. Am Freitag fand die angekündigte Massenkund= gebung der Araber in Jaffa statt, die sich gegen die zunehmende jüdische Einwanderung nach Palästina richtete. Tausende von Arabern waren schon am Vortage nach Jaffa geströmt um sich an der Protestkundgebung zu beteiligen. Ungeachtet der von der Regierung getroffenen Vorsichtsmaßnahmen kam es dann zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei. Auch in Jerusalem! In Jerusalem ist es, wie in Jaffa, zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Eine erregte Menschenmenge griff gestern abend eine Polizeiwache an. Die Beamten gaben Feuer. Ein Demonstrant wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Außerdem wurde ein Polizist durch einen Dolchstich getötet. Zu einem zweiten Zusammenstoß kam es bei der Eisenbahnstation Nablus, die von der Menge angegriffen wurde. Auch hier wurde ein Demonstrant durch Schüsse der Polizei getötet. Deu'scher Gesinnungs error Es ist bekannt, daß die Beamten jede Beziehung zu Marristen abschwören müssen. Nun liegt uns das Dokument einer solchen Aufforderung im Original vor. Es lautet: An die unterstellten Behörden, Dienststellen und Schulleitungen. Nach einer Mitteilung des Reichsministers des Innern muß infolge des landesverräterischen Charakters der sozialdemokratischen Bestrebungen diese Partei als ebenso staatsfeindlich bewertet werden, wie die Kommunistische Weiß- und Kurzwaren Erstes Brüsseler Haus sucht Kaufmann der sich eventuell mit deutscher Ware am Geschäft beteiligt. Schreiben sind zu richten unter Buchstabe A: Boite postale 2, Bruxelles- Nord. Das Neueste Gegen Rudolf Dertil wurde wegen des auf Dollfuß vers übten Revolveranschlages Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Die Hauptverhandlung wird voraussichtlich bereits im November stattfinden. Die englisch- amerikanischen Kriegsschuldenverhandlungen sind auf Anfang nächster Woche verschoben worden. shington reisen will, ist heute früh mit dem Nordexpreß in Der russische Außenkommissar Litwinow, der nach Was Berlin eingetroffen. Der russische Außenkommissar bes absichtigt, den Tag über in Berlin zu verweilen und am Abend nach Paris weiterzureisen. Der Master of Sempill, die führende Persönlichkeit der britischen Luftfahrt, wurde hier bei einem Autounfall schwer verlegt. In einer großen 3udermühle auf den kubas nischen Gamaguey- Inseln sind schwere Arbeiterunruhen ausgebrochen. Bei den Zusammenstößen wurden zehn Ars beiter getötet, etwa 20 verwundet und etwa 300 verhaftet. Die Aufständischen sind sämtlich Kommunisten. Die Mühle befindet sich in amerikanischem Befit. Nach Meldungen aus Mexiko ist dort eine gegen die Regierung gerichtete Verschwörung aufgedekt worden, die von merikanischen Offizieren angezettelt wurde. Meh rere Mitglieder wurden verhaftet. Den Berichterstattern wurde untersagt, Nachrichten über die Angelegenheit zu vers breiten. Das Kriegsministerium hat es abgelehnt, den Vors fall zu bestätigen oder in Abrede zu stellen. Partet. Für die Beamten, Angestellten und Arbeiter ist Portugiesische Soldaten meutern daher eine weitere Zugehörigkeit und jede auch nur lose Verbindung zu diesen Parteien unmöglich. Alle Beamten, Angestellten und Arbeiter sind hiernach gegen Unterichrift darauf hinzuweisen, daß jede auch nur lose Beziehung zu den genannten Parteien verboten ist. Von denjenigen Bediensteten, die diesen Parteien früher angehört haben, ist eine schriftliche Erklärung zu fordern, daß sie keinerlei Beziehungen zu den beiden Parteien, thren Hilfs- und Ersaßorganisationen und ihren Vertretern im Ausland mehr unterhalten. Sie sind darauf hinzuweisen, daß falsche Angaben, mit Dienstentlassung bestraft werden. Die Erklärungen sind zu den über den einzelnen Bediensteten bei der Beschäftigungsbehörde geführten Akten zu nehmen. gez.:,: Frauen- Stimmrecht in Spanien Die spanischen Parlamentswahlen vom 19. November werden vor allem deshalb interessant sein, weil diesmal die Frauen zum erstenmal wählen dürfen. Von ihrer Haltung hängt sehr wesentlich die nächste Zukunft der spanischen Republik ab, denn die Frauen machen fast 52 v. H. der Gesamtwählerschaft aus. Spanien zählt rund 24 Millionen Einwohner. Wahlberechtigt sind genau 12 942 575, davon 6 232 086 Männer und 6 710 489 Frauen. In einzelnen Städten überwiegen die Frauen noch viel mehr. Paris, 28. Oft. Wie Havas aus Lissabon berichtet, hat ein Teil des 10. Infanterieregiments in Braganca gemeutert. Ein Leutnant wurde von der meuternden Mannschaft ge tötet. Schließlich konnte die Ordnung wieder hergestellt werden, und die restlichen Mannschaften des Regiments schritten zur Verhaftung der Rädelsführer. Da die Regie rung erfahren hatte, daß auch bei anderen Regimentern Meutereiversuche bevorstehen, sind die Truppen von Lissabon und Porto in Alarmbereitschaft versetzt worden. Massenmorde Paris, 28. Oft. In einem fleinen Dorf bei Chatre hat ein 85 Jahre alter Landarbeiter seine Freundin, deren Vater, deren Mutter und deren Schwester durch Revolvers schüsse getötet und dann Selbstmord verübt, als sich die Polizei anschickte, um seine Wohnung, in der er sich ver schlossen hatte, eine Absperrfette zu ziehen. Der Täter hat aus Rache gehandelt, weil seine Freundin nach vierjähriger Abwesenheit sich weigerte, ihn zu heiraten. Brüssel, 28. Okt. In einem Altersheim bei Namur hat eine 19jährige Pflegerin drei Greisinnen, bei denen sie, nachts Wache halten mußte, durch starke Morphiumdosen ums Leben gebracht, um sich endlich die ersehnte Nachtruhe zu verschaffen", t Abgeordneter Karwahne als Banditenführer Die nationalsozialistischen Versuche, Torgler zu vernichten Görings Kronzeuge Man schreibt uns: Wer ist der„ Zeuge Karwahne"? In den ersten Jahren der Nachkriegszeit tauchte unter der Arbeiterschaft Hannovers ein in ihren Reihen bis dahin seinem nicht zu übertreffenden Phrasenradikalismus einen unbekannter Mann auf, der es jedoch bald verstand, dank gewissen lokalen Ruhm zu gewinnen. Keine größere Betriebsversammlung, ohne daß Karwahne als Referent auftrat; teine öffentliche Kundgebung ohne Karwahne als Diskussionsredner; feine Demonstration, ohne daß Karwahne sprach und in reichlich verworrenen, anarchistisch anmutenden Ausführungen zur„ Aktion" aufrief. In der Kommunistischen Partei, der Karwahne sich dann bald anschloß, spielte er zunächst keine Rolle: er wirkte an der Peripherie und redete, redete, nur bestrebt, seinen Ruf als der Linkeste",„ der Radikalste" immer wieder erneut zu bestätigen. In den Oktobertagen 1923 war Karwahne, bereits nach der Niederwerfung des Hamburger Aufstandes, aus allen Leibesfräften mit Vehemenz darum bemüht, in Hannover den„ Endkampf" um die Räterepublik zu proflamieren und Massen zur Bewaffnung aufzurufen. die 1924 wurde Karwahne in das Stadtparlament von Hannover gewählt. Er rückte zugleich auch in die Bezirksleitung Niedersachsen der KPD. auf. Nun begann seine große Zeit": ohne sich darauf zu beschränken, eine tolle Hezze gegen die Sozialdemokratie, auch gegen sozialdemokratische Betriebsproleten zu betreiben, ging Karwahne dazu über, zusammen mit einer Gruppe seiner politischen und persönlichen Freunde- seine Anhängerschaft rekrutierte sich aus lumpenproletarischen Elementen der Unterwelt und reichte bis in die Umgebung des Polizeispiels und Massenmörders Haarmann Ueberfälle auf politische Gegner zu organisieren. Eine nicht geringe Anzahl von Arbeitern, die sich von Karwahne hatten beeinflussen lassen, gerieten sehr bald vor die Schranken der Justiz und wurden zum Teil zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Karwahne versuchte auch Arbeiter zu Attentaten auf den Oberpräsidenten Noske und den Oberbürgermeister Leinert in Hannover zu verleiten, doch wurde er daran gehindert. Karwahne beliebte es damals, gegen besonnene, ihm unbequeme Parteigenossen mit Brachialgewalt und wie es sich später herausstellte- Denunziationen zu kämpfen". Ein ehrenwerter A.ann! 1925 organisierte Karwahne, der zweifellos damals schon als bezahlter Agent provocateur lebte, einen regelrechten Bandenkrieg gegen die KPD. Diese Kampagne ging soweit, daß er seine Getreuen zur gewaltsamen Gr: stürmung, Besetzung und Demolierung des Parteibüros und der Redaktionsräume der„ Niedersächsischen Arbeiterzeitung" aufputschte. Nachdem er wegen„ politischen Banditismus" ausgeschlossen worden war, deckte Karwahne seine Karten auf: er lief mit Paufen und Trompeten zu den Deutschnationalen über und betätigte sich als berufsmäßiger Kommunistenfresser. In der„ Niederdeutschen Zeitung" erschienen nun ganze Serien von schauerlichen„ Enthüllungs" Artikeln, in denen Karwahne in der schäbigsten und verlogensten Weise gegen die Kommunisten und Marristen hetzte. Bald stand Karwahne unter der Hakenkreuzfahne Hitlers, in dessen Reihen er als Spezialist für die Bekämpfung und Verleumdung der„ Kommune" wirkte. Wieder trat er als hysterischer Redner in öffentlichen Versammlungen in Stadt und Land auf- jetzt hetzte er gegen die„ roten Verräter" und schrie nach Abrechnung und Rache. Gelegentlich der verschiedenen Deutschen Tage und Naziaufmärsche betätigte sich Karwahne als Organisator des Terrors gegen die Arbeiterschaft. 1930 gelangte mit dem großen Schub auch Karwahne als würdige Zierde der NSDAP.- Fraktion in den Reichstag, wo er jedoch meistens in reichlich alkoholbeschwertem Zustande in den Restaurationsräumen zu treffen war. Nur bei besonderen Anlässen bei Krachs und Prügeleien war Karwahne auch im Plenarsaal zu sehen, als wüster Krafeeler und Schreier. In seiner Domäne Hannover konnte MdR. Karwahne in den letzten Jahren sich als Banditenführer austoben. Er war es, der die wiederholten provokatorischen Demonstrationen der Nazi in die Arbeiterviertel organisierte, der bewaffnete„ Ausflüge" aufs Land veranstaltete und sehr häufig als Spezialist für die Terrorisierung der Arbeiterschaft Straferpeditionen gegen die Roten in das benachbarte Braunschweig unternahm. Der Lohn blieb nicht aus: im Mai 1933 wurde Pg. Karwahne zum Gauleiter der NSBO. und bald darauf als wohlbestallter Treuhänder der Arbeit" für Niedersachsen eingesetzt. Das ist der Kronzeuge Görings gegen Dimitroff, Torgler und ihre Genossen. 25. Verhandlungstag Fortsegung aus Nr. 111. Widersprüche Kroyers Der Angeklagte Dimitroff ruft dem Zeugen Kroyer sehr erregt zu: Ich glaube nicht, daß Sie in der Brandnacht nach Mitternacht ausgesagt haben, sondern Sie sind erst am nächsten Morgen auf andere Veranlassung erschienen. Der Vorsitzende ersucht Dimitroff, sich zu mäßigen. RA. Dr. Sad weist darauf hin, daß es in dem Vernehmungsprotofoll des Zeugen Kroyer heiße, der erste Begleiter Torglers habe auffällig versucht, sich hinter Torgler zu versteden. Darüber habe der Zeuge heute nichts gesagt. Kroner erwidert, er habe heute befundet, daß der Beaieiter Torglers hinter diesem gedeckt einherging. Diesen damaligen Eindruck, daß der Mann sich hinter Torgler versteden wollte, erbalte er beute nicht mehr aufrecht. Protest Torglers Auf weitere Fragen des RA. Dr. Sack befundet Kroner, daß er bei der Begegnung mit Torgler irgendeinen Argwohn noch nicht gehabt habe; als aber nach dem Bekannt werden des Brandes Karwahne sagte, Torgler müsse dahinterstecken, habe er gemeint: Ja, Du kannst Recht haben. Angeklagter Torgler: Nach der Vernehmung der drei Zeugen Karwahne, Frey und Kroyer möchte ich erklären, und ich betone ausdrücklich, daß diese Erklärung der reinen und lauteren Wahrheit entspricht: Ich bin niemals, auch nicht am 27. Februar 1933, mit einem Manne namens van der Lubbe oder mit dem Angeklagten van der Lubbe selbst hier durch diesen Gang gegangen. Ich habe auch niemals van der Lubbe vor Dienstag, 28. Februar, vormittags 11 Uhr, gesehen oder gesprochen. Ebensowenig hat ein Mann namens Popoff mit mir zusammen jemals im Vorraum dieses Saales gesessen. Ich habe Popoff erst im Laufe der Voruntersuchung kennen gelernt. Diese meine Erklärung entspricht der reinen und lauteren und vollsten Wahrheit. Vorsitzender: Sie haben die bestimmte Erklärung des Angeklagten Torgler gehört. Zeuge Kroyer: Ich halte meine Aussage aufrecht! Beweisantrag Dr. Sacks Der Oberreichsanwalt fragt den Zeugen, ob es Torgler und van der Lubbe bei der Begegnung als zusammengehörend angesehen habe. Der Zeuge bejaht das. RA. Dr. Sad stellt einen Beweisantrag, zwei frühere Fraktionsdiener der SPD. als Zeugen zu laden, die in der Art des Ganges und der Haartracht eine gewisse Aehnlich feit mit van der Lubbe aufweisen sollen. Der Oberreichsanwalt ersucht um Ablehnung des Antrages. Der Anges flagte Dimitroff stellt an den Zeugen mehrere Fragen „ L'ENVERS VAUT L'ENDROIT" Wendet sämtliche Garderobe! Umänderung sämfl. KLEIDUNG!. MASSANFERTIGUNG 45, rue de Châteaudun, 45 5 Prozent Vergütung an Überbringer dieses! über die Lage der österreichischen Nationalsozialisten, ob er wisse, daß in Oesterreich Nationalsozialisten illegal und unangemeldet wohnen und daß nationalsozialistische Flüchtlinge von Wien aus mit falschen Pässen gereist seien. Ihm, dem Angeklagten. wolle man nicht glauben, daß er als bulgarischer Kommunist in Deutschland für Bulgarien gearbeitet habe. Zeuge Kroyer mit erhobener Stimme: Es ist wohl ein Unterschied, ob man als Deutscher in einem deutschen Lande für seine deutsche Sache tämpft, oder ob man als Ausländer das deutsche Gastrecht mißbraucht. Der Vorfizzende weist die Fragen Dimitroffs als nicht zur Sache gehörig zurück und droht ihm mit der Entziehung des Fragerechtes. Es war Dr. Neubauer Es wurde dann Frau Baumgart, eine Angestellte des Stenographenbüros des Reichstags, als Zeugin vernommen. Sie erklärt, sie habe durch die Scheibe einer Telefonzelle genau beobachtet, wie am Nachmittag des 27. Februar der ihr genau bekannte Abgeordnete Dr. Neubauer auf einem Ledersessel im Vorraum zum Haushaltssaal gesessen habe, während sich Torgler von einer Dame verabschiedete. Danach habe sich Torgler auf das Ledersofa neben Dr. Neubauer gesetzt und sich mit diesem unterhalten. Dr. Neubauer habe bei diesem Gespräch einen dunklen Hut und Mantel ge= tragen. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt die Zengin entschieden, daß eine Verwechslung von Neubauer mit Popoff ausgeschlossen sei. Hierauf tritt Mittagspause ein. Dr. Neubauer sagt aus Nach der Pause verkündet der Vorfißende als Beschluß des Senats, daß die von Dr. Sack beantragten Zeugen geladen werden sollen. Der nächste Zeuge ist der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Neubauer. Er kann sich nicht mit Bestimmtheit erinnern, am Nachmittag des 27. Februar zusammen mit Torgler auf dem Sofa im Vorraum des Haushaltssaales gesessen zu haben. Es lägen jest acht Monate zurück, und diese Frage werde jezt zum ersten Male an ihn gerichtet. Er könne nur befunden, daß er höchstwahrscheinlich dort an dem fraglichen Tage gesessen habe, weil er mit Torgler viel zu besprechen hatte. Auf eine bestimmte Situation könne er sich jedoch nicht festlegen. Vorsitzender: Haben Sie da mals Karwahne gesehen? 3euge: Ich kann mich nicht daran erinnern.- Vorsitzender: Karwahne, Fren und Kroyer sollen vorbeigegangen sein, und es soll ein gegenseitiges Ansehen und eine Aeußerung von Torgler erfolgt sein, weshalb Sie so angestarrt würden.- 3euge: Ich erinnere mich nicht daran. Reichsanwalt Parrisius weist darauf hin, daß die erst malige Vernehmung Dr. Neubauers im September nicht durch Verschulden der Untersuchungsbehörden so spät erfolgte, sondern weil sich der Zeuge mehrere Monate unter RA. Benutzung falscher Papiere verborgen gehalten hat. Dr. Sack fragt den Zeugen, ob er es für möglich halte, daß man den zeitweise im kommunistischen Archiv beschäftigten Studenten Verl mit van der Lubbe verwechseln könnte. Der Zeuge erwidert, er habe bisher Lubbe immer nur in einer so gebückten Haltung gesehen, daß das Geficht nicht zu erkennen war. Der Vorsitzende läßt wiederum van der Lubbe vor den Richtertisch treten. Er ersucht ihn wiederholt in lautem Ton, den Kopf hochzuheben und den Zeugen anzusehen. Lubbe hebt schließlich nach langem Zögern den Kopf ein paar Zentimeter höher als sonst. Zeuge Dr. Neubauer: Eine starke Aehnlichkeit zwischen van der Lubbe und Perl finde ich in der Augenpartie. Auch die Backenknochen des Perl sind ähnlich hervorstehend wie bei van der Lubbe, während mir die untere Gesichtspartie allerdings stark abzuweichen scheint. Der Oberreichsanwalt erklärt, er halte es nicht für ausgeschlossen, daß man des Studenten Perl habhaft werden könne. Er werde ihn dann als Zeugen vorladen. Was ist ,, Massenaktion?" Auf die Frage des RA. Dr. Sad, was Dr. Neubauer mit Torgler an jenem Tage zu besprechen hatte, antwortet der Zeuge, daß am 27. Februar vor allem über die Fühlungnahme mit der Sozialdemokratischen Partei zur Bildung einer Einheitsfront gesprochen worden sei. Der Vorsitzende verliest Teile eines Artikels von Torgler im„ Roten Wähler", in dem es heißt, daß der Stimmzettel den Faschismus nicht zu schlagen vermöge. Der Artikel schließt mit der Aufforderung: Tretet zusammen in den Betrieben und Stempelstellen und stellt die einheitliche Kampffront her. Dazu erklärt der Zeuge, daß der politische Inhalt dieses Artikels, von dem er übrigens nicht wisse, ob Torgler ihn geschrieben oder ob Torgler nur seinen Namen gegeben habe, derselbe sei, wie die Aufrufe der KPD., daß nämlich die Arbeiterschaft in einer Massenaktion der Regierung entgegentreten sollte. Auf die Frage des RA. Dr Seuffert, was unter dem Begriff der Massenaktion zu verstehen sei, erwidert der Zeuge: Die Stillegung aller Betriebe, auch des Verkehrs, mit ihren entsprechenden Auswirkungen auf das ganze öffentliche Leben. Jede Maßnahme des indi viduellen Terrors sei auf das schärfste be fämpft worden. Oberreichsanwalt: Ist dem Zeugen bekannt, daß die Kommunistische Partei den Generalstreif als letzte Vorstufe zum Bürgerkrieg anfieht? Der 3euge erwidert: Der Ausgang des Generalstreits sei nicht die Frage des Willens der Kommunistischen Partet, sondern die Frage der Maßnahme ihrer Gegner. Oberreichsanwalt: D. h., wenn der Gegner sich zur Wehr setzt, kommt es zum bewaffneten Aufstand. Auf eine Frage des RA. Dr. Teichert erklärt der Zeuge, er habe keinen der angeklagten Bulgaren jemals gesehen. Die Frage des Angeklagten Dimitroff, ob sich die KPD. im Anfang 1933 vor der Reichstagsbrandstiftung die Aufgabe gestellt habe, einen bewaffneten Kampf um die Macht zu führen, verneint der Zeuge und erklärt auf weitere Fragen Dimitroffs, daß die ganze politische Entwicklung davon abhängig gewesen sei, ob es gelingen würde, die breite Massenfront der Arbeiter gegen den Nationalsozialismus zu schaffen. Auf diese Hauptfrage sei alle Arbeit konzentriert worden. Von einem Bevorstehen des bewaffneten Aufstandes sei nicht das geringste verlautet. Der Zeuge betont nochmals, daß die Kommunistische Partei jede Neigung zum individualistischen Terror aufs schärffte bekämpfte. Jeder, der eine solche Neigung vertrat, sollte aus der Partei ausgemerzt werden. Reichsgerichtsrat Coenders: Wie erklären Sie sich dann die Parole: Schlagt die Faschisten, wo Ihr sie trefft!?- 3euge: Von verantwort lichen Stellen der Partei ist diese Parole nicht gekommen. Der Angeklagte Dimitroff versucht dann, noch eine lange Reihe von Fragen über das Verhältnis der KPD. zur Kommunistischen Internationale zu stellen. Der Vorfizzende schneidet ihm jedoch das Wort ab mit dem Hinweis, daß diese Fragen später zusammenfassend behandelt werden follen. Wer war der Besucher? Dr. Sad: Ist Ihnen in dem Wesen Torglers an dem Zeuge Dr. NeuTage etwas besonderes aufgefallen? bauer: Nein, Torgler war lebendig wie immer, vielleicht etwas lebhafter, weil alles voller Gerüchte war. Der Zeuge Neubauer wird dann vereidigt, und zwar auf seinen Wunsch ohne die religiöse Formel. Die Zeugin Frau Feldmann, Angestellte des stenographischen Büros des Reichstags, hat am 27. Februar zwischen und 1 Uhr im Vorraum ein Telefongespräch erledigt. Torgler saß in einem Sessel in der Ecke und unmittelbar neben ihm im Sofa ein Herr mit blondem Haar, mit dem sich Torgler sehr rege unterhielt. Als die Zeugin durchging, hörte Torgler zu sprechen auf. Sie erklärt, daß Torgler sonst eigentlich weitersprach, sie habe sich aber nichts dabei gedacht. Der Amtsgehilfe Woelky hat zwischen 12.45 und 1 Uhr die gleiche Beobachtung gemacht. Er hatte den Eindruck, als ob es ein wichtiges Gespräch war, das niemand hören sollte. Die beiden sprachen sich beinahe ins Ohr. Torgler war auffallend blaẞ. Ein verworrener Zeuge Der Amtsgehilfe Denschel hat am Nachmittag des 27. Februar etwa um 2.30 Uhr Torgler im Vorraum mit einem Fremden ſizen sehen. Der Fremde trug einen rötlichbraunen Mantel und einen ähnlichen Hut, dessen Krempe vorn heruntergeschlagen war. Der Zeuge erklärt mit aller Bestimmtheit, daß es der Journalist Dehme, den er seit langer Zeit fenne, nicht gewesen sei. Der Angeklagte Torgler sagt, er könne fich an feinen Mann mit einem rotbraunen Mantel erinnern, aber er sei um diese Zeit mit Dehme zusammen gewesen. Der Zeuge beharrt auf seiner Aussage, daß es Dehme nicht gewesen sein könne. Er habe einen Verdacht, den er aber nicht äußern wolle. Auf Zureden des Vorsitzenden erklärt er schließlich, daß Popoff der Fremde gewesen sein müsse( Bewegung im Zuhörerraum). Die Frage des Reichsanwaltes Parrisius, ob es vielleicht Dr. Neubauer gewesen sei, verneint der Zenge. Angeklagter Popoff: Ich erkläre, daß ich niemals im Reichstag gewesen bin, daß ich niemals mit irgendeinem deutschen Reichstagsabgeordneten zusammengekommen bin, auch nicht mit Torgler. Er habe auch niemals einen solchen Hut oder Mantel gehabt, wie sie der Zeuge beschrieb. Der Angeklagte Dimitroff weist darauf hin, daß der Zeuge erst nach acht Monaten von diesem Verdacht gesprochen habe. Auf den ihm vorgelegten Bildern habe er Popoff nicht erkannt. Vorsißender: Der Angeklagte Dimitroff will offenbar darauf hinaus, daß Sie vielleicht durch eine Beeinflussung zu Ihrer heutigen Aussage gekommen sind. Zeuge Denschel: Ich stehe weder unter einem Einfluß noch hat mir irgend iemand gesagt, daß ich so aussagen soll. Als Dimitroff wiederum eine Bemerkung macht, entzieht ihm der Vorsitzende das Wort Es kommt dann noch zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Dr. Sad und dem Oberreichsanwalt. Der Vorsitzende greift schließlich ein und erklärt, der Zeuge habe vorhin gesagt, er behalte sich sein Urteil vor, bis er Gelegen heit habe, im Vorraum das Bild noch einmal zu sehen, wie es sich ihm damals dargestellt habe. Das Gericht nimmt nun ohne Zulassung der Zuhörer und der Presse im Vorraum eine Inaugenscheinnahme vor. Der Angeklagte Popoff zog dabei seinen Mantel an. Wie wir hören, hat der Zeuge Denschel bei dem Lokaltermin erklärt, daß er nicht sagen könne, daß Popoff der Mann war, der damals mit Torgler zusammensaß. Die Person sei nach seiner Erinnerung auch kleiner gewesen. Es ergab sich ferner, daß die Beobachtung der Person durch den Zeugen Denschel aus einer Entfernung von etwa neun Meter erfolgt war. Die Verhandlung wird dann auf Samstag vertagt. Aus der Anklageschrift Jupreß. Aus der Anklageschrift im Reichstagsbrandprozeß. deren vollständiger Text sich nunmehr in den Händen des Untersuchungsausschusses befindet, erfahren wir heute einige Einzelheiten. Es handelt sich um authentischen Angaben auf Grund erstmaliger Prüfung des gesamten, streng geheim gehaltenen Dokuments. Die Anklageschrift ist bekanntlich weder im Reichstagsbrandprozeß vorgelesen worden, noch in anderer Weise in vollem Umfang zur Kenntnis Außenstehender gelangt. Die Auflage ist gegen alle Angeklagten, sowohl gegen Lubbe wir auch gegen Torgler und die drei Bulgaren Dimitroff, Popoff und Taneff wegen Vergehens Das braune Recht ondA des Hochverrats erhoben und wegen Brandstiftung mit Gefährdung von Menschenleben und in der Absicht. Aufruhr zu erregen. Das ist insofern etwas Neues, als bisher nicht feststand. daß auch wegen Brandstiftung die Anklage gegen alle erhoben wurde. Lubbe ist außerdem wegen versuchter Brandstiftung im Wohlfahrts Führerprinzip" Die und pinterfro Brandiriiungen im Ziobloß angefagt. Die Bor Strafprozeßordnungen Grundsätze in der Zivil- u amt und im Rathaus Neukölln sowie wegen zweier ge= Schloß Voruntersuchung auch gegen den kommunistischen Reichstagsabgeordneten oeren und gegen eine Studentin Bataloff geführt, die mit Popoff und Dimitroff in Verbindung gestanden haben soll. Nicht geführt ist die Voruntersuchung gegen einen Mann, der sich selber beschuldigt: Kemptner. und der von sich selbst sagt, daß er das Brandmaterial in den Reichstag gebracht und es Popoff übergeben hat. Nationalsozialistischer Falscheid Von der Vernehmung des Zeugen Kroyer unterschlägt der deutsche Bericht folgende Szene: Diesen Morgen hat der Gerichtshof das Verhör des Zeugen Kroyer, des Führers der Betriebszellen in Linz( Oesterreich), fortgeseßt, wie er am Nachmittag des 27 Februar durch das Reichstagsgebäude zusammen mit den Nationalsozialisten& arwahne und Frey gegangen ist. Ebenso wie diese beiden gibt er an, Torgler in der Gesellschaft van der Lubbes und Popoffs bemerkt zu haben. Unglücklicherweise gibt diese Zeugenaussage Anlaß zu schärfster Kritik. Als Kroyer erklärte, daß Torgler in sehr leb= hafter Unterhaltung mit Popoff begriffen war, da stellte der Angeklagte Dimitroff folgende Frage: In welcher Sprache? Das weiß ich nicht antwortete der Zeuge. Aber ich weiß, erwiderte Dimitroff, daß Popoff nicht deutsch spricht. Eine eisige Stille erfolgt auf diese Antwort. Der Ge richtshof ist sichtlich peinlich berührt. Torgler spricht nicht, bulgarisch und Popoff nicht Die Justiz des„ dritten Reiches" wird jetzt nach den Grundsäßen des totalen Staates und des Terrors durch organisiert. Reichsjustizkommissar Dr. Frank, der Führer" der Justiz des dritten Reiches", hat befohlen, vier Ausschüsse zur Vorbereitung dieser Reformen einzusetzen. Es genügen einige Säße aus einer Rede Franks vor Pressevertretern, um die Pläne des„ dritten Reiches" zu kennzeichnen. Das Strafrecht soll aufgebaut werden „ auf dem Schutz des starten, gesunden und fähigen Teiles des deutschen Volkes gegenüber den kranken und un= würdigen Elementen des Untermenschentums und der gesellschaftlichen Dekadenz." Wer alles unwürdig" ist, braucht nicht näher dargelegt zu werden. Das neue Strafrecht soll weiter die Sterilifierung festlegen, was als" Hereinnahme der rassischen Sicherung" durch Ausschaltung der Fruchtbarkeit bei Gewohnheitsverbrechern und absolut zum Niedergang führenden Elementen bezeichnet wird. Schärfste Ahndungen sollen finden Verbrechen gegen den Staat, den Aufbau der Wirtschaft, die Rechts autorität, die Wehr sicherheit und den Landesverrat. Die Reformet des deutschen Zivilprozesses, des allgemeinen Wirtschaftsrechtes und die Zuständigkeit des Reiches auf den Gebieten der Justiz sollen durch die anderen Ausschüsse vorbereitet werden. Man will einen Reichsrichter, einen frei zügigen Reichs Rechtsanwalt und einen Reichsnotar schaffen. Die Akademie für deutsches Recht hat die Aufgabe, die Vereinheitlichung der Univerſitätsschlußprüfung und der großen Staatsprufung vorzubereiten. Reichsjustizminister Dr. Gürtner nannte das alles gebers, das Recht der Voltsauffassung anzupassen". Auch vor den Berliner Pressevertretern als„ Aufgabe des Gesetzin der Zivilprozeßordnung müsse im Gegensatz zum bisherigen System, das zur„ Kunst der Taftif" geworden sei, das Führerprinzip" Eingang finden. Die Neuordnung erkenne den Richter als Herrn des Prozesses an. Gleichzeitig sollen zahlreiche formale Beweisregeln in Fortfall kommen. Bemerkenswert ist dabei, daß es künftig im Ermessen des Richters liegen wird, auch ohne Eid einem Zeugen Glau ben zu schenken. Die Neuordnung der Zivilprozeßordnung soll bereits am 1. Januar 1934 in Kraft treten. Am 5. November tritt die in Leipzig proklamierte Afa demie für deutsches Recht in Berlin zusammen. Man will sich mit den rechtlichen Grundlagen des politischen Vorgehens der Reichsregierung in Beziehung auf Gleichberechtigung und Abrüstung beschäftigen, auf Grund eines Vortrages von Professor Bruns von der Berliner Universität. Die einleitende Rede wird Göbbels halten. Wer ist sich da noch im Zweifel, zu welcher Rechtsauffassung die vom„ Führer" ernannten Mitglieder der Akademie für deutsches Recht einhellig gelangen werden! Faschismus über Oesterreich deutsch. Und dieser Stroyer beschwört, fie in lebhafter Vor dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs? Unterhaltung gesehen zu haben. Göring- wieder da! Er will Alleinherrscher sein Göring ist plötzlich wieder auf der Bildfläche erschienen, nachdem er wochenlang nicht gesehen ward. Er fängt wieder an zu reden und nun auch zu regieren. So läßt er jetzt durch den„ Amtlichen Preußischen Pressedienst" folgenden Ufas los: " Nach meinen Feststellungen gibt es noch immer Persön: lichkeiten, die unter der Bezeichnung„ Staatskommissar" fälschlich behaupten, amtliche Befugnisse ausüben zu dürfen. Demgegenüber stelle ich fest, daß die Staatskommissare rechtmäßig eine amtliche Tätigkeit nur ausüben: 1. die auf Grund besonderer gesetzlicher Vorschriften be stellten Personen; 2. die auf Grund allgemeinen Staatsaufsichtsrechts an Stelle von Organen öffentlicher Körperschaften bestellten Personen; 3. der Staatskommissar für das Erfurter Wirtschaftsgebiet, preußischer Staatsrat Stange. Sollten Personen, denen hiernach ein Recht dazu nicht zu: fteht, sich weiterhin als Staatskommiffar bezeichnen oder fich die Tätigkeit eines solchen anmaßen, so ist den etwa von ihnen gegebenen Anordnungen keine Folge zu leisten und mir, dem Minister des Innern sowie dem fachlich be: teiligten Fachminister unverzüglich zu berichten. Ich werde dann die erforderlichen strafrechtlichen Maßnahmen er: greifen." Demnach scheint Göring durch die Unterstüßung der Militärs, Großindustriellen und Junker in dem Wettschwimmen. das er mit Hitler und Göbbels aufgenommen hat, wieder Oberwasser befommen zu haben. Als erstes Feld für seine Kampfbetätigung hat er sich die Staatsfommiiiare auserforen, die er unbedingt und ganz unter seine Kontrolle stellen will. Diese bisher allmächtigen Männer will er in das Abhängigkeitsverhältnis zu sich bringen. Sich da: Ostpreußen! Ein andrer Ton In Ostpreußen hat, wie uns monatelang versichert wurde, der Oberpräsident Koch triumphal über die Arbeitslosigkeit gefiegt. Nirgend mehr etwas von Not zu erkennen! Jubelstimmung aller Ostpreußen für den großen Mann. Telegramme Hindenburgs und der anderen Mandarinen. Begeisterungsströme von Ostpreußen her über das deutsche Vaterland. Dazu paßt leider nicht folgende amtliche Warnung: Die Landespropagandastelle Ostpreußen teilt mit: Wien, 27. Oktober( 3nia). Es spitzt sich zu In den letzten Tagen hat die Dollfuß- Regierung das Vorgehen gegen die Sozialdemokratische Partei verschärft, was einerseits als Gegendruck auf den Erfolg der unkontrollier ten, enthusiastischen Durchführung des sozialdemokratischen Parteitages, andererseits auf eine weitere Annäherung zwischen Millimetternich und Hitler zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist, daß die in der ausländischen Presse verbreiteten Meldungen, wonach der frühere Handelsminister Jakoncig und der niederösterreichische Heimwehrführer Alberti, im Auftrage der niederösterreichischen Regierung Verhandlungen mit den höchsten Stellen der Nazi- Regie: rung pflegten, nicht dementiert wurden. Im Zusammen: hang mit diesen Verhandlungen wird bestätigt, daß Hitler als erste Bedingungen für die„ Aussöhnung" die Wiederzulassung der nationalsozialistischen Partei in Oesterreich, den Eintritt mehrerer Nazi- Minister in die Regierung und das Verbot der Sozialdemokratischen Partei forderte. Seit gestern morgen zirkulieren nun mit Insistenz Ge= rüchte über das bevorstehende Verbot der Sozialdemokra: tischen Partei. Gleichzeitig hat die gesamte halb und ganz faschistis.he Presse mit einer, wie auf Kommando erfolgten nenen Heze gegen die Arbeiterschaft eingesetzt, in der offensichtlichen Erwartung, diese in eine Präventiv- Aktion hineinzutreiben, die hinterher zur Rechtfertigung" des Berbotes der SP. herhalten müßte, Die Beschlüsse des Parteitages sind nun aber, gleich wie die Instruktionen an die Vertrauensleute der Arbeiterschaft so klar, daß zur Stunde in Oesterreich jeder Arbeiter weiß, in welchem Augenblick er die Arbeit zum Generalftreit niederzulegen hat. Auf Provotationen wird kein Arbeiter hereinfallen. Im Verlaufe der letzten 48 Stunden wurden bei Arbeitern zahl= reiche Haussuchungen vorgenommen und viele Vertrauens leute der SP. verhaftet, unter dem Vorwand, sie hätten illegale" Druckschriften verbreitet. Dabei handelte es sich um die Beschlüsse des Parteitages. Es wurden durch die Schnellrichter wegen der Verbreitung dieser Beschlüsse Frei heitsstrafen bis zu acht Monaten Gefängnis verhängt. Die gesamte chriftlichsoziale Presse veröffentlichte am Donnerstag Artikel über eine Entspannung des Verhält= niffes zwischen Oesterreich und Deutschland und in ähn= lichem Sinne sprach sich Bundeskanzler Doluß am Donners tagnachmittag in einer Sigung des christlichsozialen Parlamentsklubs aus. Wien, 27. Oft.( usa). Die in den letzten zwei Tagen vorgenommenen Verhaftungen zahlreicher Vertrauenslente der Arbeiterschaft haben überall unter der Arbeiterschaft große Erregung hervorgerufen. Wegen der Verbreitung an geblich illegaler Druckschriften wurden mehrere sozialdemo fratische Betriebsräte der Schokoladefabrik Heller, des größten Unternehmens dieser Branche in Oesterreich, ver haftet. Sofort trat eine Betriebsversammlung zusammen, die den sofortigen Streit beschloß. Diese entschloffene Aktion der Belegschaft, die mehrere hundert Arbeiter und Arbeite: rinnen zählt, hat bewirkt, daß die verhafteten Betriebsräte wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Ernstere Folgen dürften die Verhaftungen ans gleichen Gründen mehrere Vertrauenslente des Personals des Allgemeinen Wiener Krankenhauses haben, worunter der Obmann der Personalsvertretung. Die fünf Vertrauenss leute wurden ohne richterliches Urteil von der Polizei z sechs Wochen Gefängnis und mit sofortiger Entlassung be straft. Auch hier trat das Personal des Spitals zu einer Betriebsversammlung zusammen und beschloß einen dreistündigen Proteststreik für den Fall, daß die Ver hasteten nicht binnen 24 Stunden freigelassen werden. Die Angestellten der übrigen Wiener Spitäler haben sich mit dem Personal des Allgemeinen Krantenhanses und mit den Verhafteten solidarisiert und werden sich dem Proteststreif anschließen, wenn die Maßregelungen nicht rückgängig ges macht werden. Presseknebel Das Organ der Arbeitersänger wurde am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, angeblich wegen eines Artikels über den sozialdemokratischen Parteitag. Gegen den verantwortlichen Schriftleiter wurde ein Straj verfahren wegen Aufreizung" eingeleitet. Das„ Christlichsoziale Weltblatt" veröffentlicht am Don nerstagabend einen Artikel, worin die Regierung ange fragt wird, wie lange sie noch die Zeitungen, die an den zu ständen in Deutschland Kritik üben und die Hitler- Regie rung angreifen, zuzulassen gedenke. Der Staatsanwalt hat am Donnerstag den Text mehrerer bekannter sozialistischer Kampflieder verboten und das Absingen dieser Lieder unter Strafe gestellt. England zur Saarfrage Seit einiger Zeit furfieren die wahnsinnigsten Die Auffassung der..Times" Gerüchte, die sich in verleumderischer Weise mit dem Staatsrat und Oberpräsidenten Gauleiter Erich Soch beschäftigen. Diese Gerüchtemacherei, die nichts anderes darstellt als eine neue Form gefährlicher Wahlagitation gegen die Regierung und ihre Vertreter, hat letztens geradezu eine Hochflut angenommen und die Behörden gezwungen, mit schärften Mitteln gegen die aktuellen Urheber dieser hinterliftigen Wahlsabotage und gegen die Dunkelmänner, die sich durch die Verbreitung der Gerüchte mitschuldig machen, einzuschreiten. Heute vormittag wurden von dem Schöffengericht in Königsberg zwei Angeklagte zu Ge= fängnisstrafen verurteilt. In einem Fall handelt es sich um eine Verkäuferin der Epa, die zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde, in einem anderen Fall um einen Arbeiter, der wegen unlauterer Gegenpropaganda zur Wahl und wegen Verleumdung gegen den Oberpräsidenten Koch zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Mehrere andere Personen stehen augenblicklich noch vor den Schranken des Richters." Den Inhalt der„ Gerüchte" erfährt man leider nicht. Aber eins ist klar: Wer am 12. November zur„ Wahl" nicht pariert, fliegt ins Loch! ..Angeschossen"- Zwölf Jahre Zuchthaus' Das Schwurgericht in Kassel verurteilte den 31 Jahre alten Arbeiter Georg Umbach aus Kassel, der angeklagt war, in der Nacht zum 12. Februar 1933 den 22jährigen SA.Mann Mar Müller angeschoffen zu haben, wenen vorsuchten Totschlags in Tateinheit mit Waffenvergehen zu 3 wölf Jahren sechs Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust Saarbrüden, 28. Oftober. Die Meinung der Welt und der maßgebenden Völker: bundsmächte über das Saar problem befestigt sich: Nie: mand außerhalb der Hitlergrenzen denkt daran, die Saar den rasenden Amotläufern daran, die Saar den rasenden Amotläufern des Nationalsozialismus auszuliefern! Das ist der übereinstimmende Tenor fast aller ausländischen Pressemeldungen, die zur Saarfrage Stellung nehmen. Abgesehen von den paar einflußlojen Gazetten, die Hitlers rollende Juflationsmart für das durchschlagendite Argument ihrer Stellungnahme halten, ist die englische, die fran zösische, die skandinavische, die schweizerische, die holländische, die polnische und die Meinung der Kleinen Entente ebenso wie die amerikanische dahingehend übereinstimmend, daß dem Siterterror die Saar unter feinen Umständen ausge: liefert werden darf und daß die Bestim mungen des Versailler Vertrages und des Saar statuts ausdrücklich diesem Terror widersprechen. Zu diesen Stimmen hat sich jetzt die besonders bedentsame der offiziösen„ Times" gesellt, die am 23. Oktober 1933 zu der Situation in Genf nach dem Auftritt Hitlerdeutschlands aus dem Völkerbund Stellung nimmt und dabei auch auf die Saarvolts abstimmung zu sprechen kommt. Der Artikel stellt fest, daß die Abstimmung ursprünglich für 1935 vorgesehen war, wenn auch die Endentscheidung über den Termin dem Völkerbundsrat vorbehalten ist. Wörtlich sagt dann das offizielle Blatt des englischen Auswärtigen Amtes: 19 Allerdings kann diese Abstimmung nu dann stattfinden, wenn enges Verständnis und gute Zusammenarbeit zwischen oer deutschen und der französischen Regierung vorhanden ist." Eine solche Zusammenarbeit ist aber nur zwischen einen demokratischen Deutschland und einem ebensolchen Frankreich möglich sie ist aber gänzlich undenkbar mit einem Hitleriystem, das in dem„ vernegerten" Frants reich den Hauptfeind seiner eigenen Existenz und Deutsch lands sieht. Es ist außerordentlich begrüßenswert, daß das auges sehendste Hauptorgan Englands schon jezt mit unmiß: verständlicher Deutlichkeit die Unmöglich teitjomohl einer Abstimmung wie einer Rüd gabe der Saar zu Lebzeiten des Hitlerregis me& feststellt. In dem Zusammenhang sei erinnert an die Bemerkung des Herrn von Papen, dez Vizekanzlers der Hitlerbespotie, gegenüber dem Korrespondenten des„ Sun day Expreß" von der besonderen militär strategischen Bedeutung der Höhenzüge auf der linken Saarseite, dem sogenannten Gau, für eine bewaffnete Auseinandersehung zwis schen Deutschland und Frankreich. Es ist an scheinend Herrn von Papens besondere Aufgabe, als enfant terrible seiner Regierung zur unrechten Zeit für sie selbst, aber zur rechten Zeit für alle anderen die Katze aus dem Sack zu lassen! = Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschfien Freiheit". Ereignisse und Geschichten Die 88 99 Sonntag, den 28. Oktober 1933 Ihnen Here Reichskanzler, das Gelöbnis treuester Gefolgschaft" Von A bis Z 88 deutsche Schriftsteller haben durch ihre Unterschrift Adolf Hitler das folgende Treuegelöbnis abgelegt: Güter jeder Nation um die Voraussetzung eines aufrichtigen " Friede, Arbeit, Ehre und Freiheit sind die heiligsten Zusammenlebens der Völker untereinander. Das Berruẞt= sein der Kraft und der wiedergewonnenen Einigkeit, unser aufrichtiger Wille, dem innern und äußeren Frieden vorbe haltlos zu dienen, die tiefe Ueberzeugung von unsern Aufschlossenheit, nichts zu tun, was nicht mit unserer und des Vaterlandes Ehre vereinbar ist, veranlassen uns, in dieser ernsten Stunde vor Ihnen, Herr Reichskanzler, das Gelöb nis treuester Gefolgschaft feierlichst abzulegen. Friedrich Ahrenhövel, Gottfried Benn, Werner Beumels burg, Rudolf G. Binding, Walther Bloem, Max Garl Böttcher, Hans Fr. Blund, Rudolf Brandt, Arnolt Bronnen, Cito Brües, Alfred Brust, Carl Bulte, Herman Claudius, Hans Martin Cremer, Wiers, Peter Dörfler, Max Dreger, Franz Dülberg, Ferdinand Eckardt, Richard Euringer, Ludwig Finth, Hans Frant, Otto Flake, Heinrich von Gleichen, von Gleichen- Rußwurm, Gustav Frensen, Friedrich Griefe, Mag Grube, Johannes Günther, Max Halbe, Ilse Hamel, Agnes Harder, Carl Haensel, Hans Ludwig Held, Karl Heinl, Friedrich W. Herzog, Rudolf Herzog, Hans von Hülsen, Paul Oskar Höcker, Rudolf Huch, Bruno W. Jahn, Hanns Johst, Mag Jungnidel, Hans Knudsen, Ruth Köhlers Irrgang, Gustav Kohne, Karl Lange, Johann von Leers, Heinrich Lilienstein, Heinrich Lerch, Otto Loerte, Herrybert Menzel, Gerhard Menzel, Alfred Richard Meyer, Agnes Miegel, Walter von Molo, Borries Freiherr von Münchhausen, Müller- Partenkirchen, Mühlen- Schulte, Ecard von Saso, Helene von Roftia Wallwig, Josef Ponten, Rudolf Presber, Hofrat Rehbein, Ilse Reite, Hans Ritter, Heinrich Schauwecker, Johannes Schlaf, Anton Schnack, Friedrich Schnat, Richard Schneider- Edenkoben, Wilhelm von Scholz, Lothar Schreyer, Gustav Schroer, Schussen( Wilhelm), Ina Seidel, Professor Heinrich Sohnrey, Dr. W. Seidel, Dietrich Spertmann, Heinz Steguweit, Lulu von Strauß und Torney, Eduard Studen, Will Bejper, Magnus Wehner, Leo Weißs mantel, Bruno Werner, Zerkaulen, Hans Caspar von Zobeltig. Seit einiger Zeit war bekannt, daß sich deutsche Schriftsteller, die das Naziland mit der Seele suchten, um das Zustandekommen dieser Huldigungsliste bemühten. Es war nicht ganz einfach, und mit einigen gab es einen interessanten Briefwechsel, ehe sie sich entschlossen. Sie waren zwar bereit Menzel und einige andere noch, um die es schade ist, dem Führerprinzip unterwerfen. Ueber den Häuptern des alten Johannes Schlaf, des naturalistischen Mitkämpfers von Arno Holz, von Max Halbe, des Dichters der " Jugend", schweben die krachlederischen Hosen des Balladen Borries von Münchhausen und der Rheinpokal des Romankitschgrossisten Rudolf Herzog! Dazwischen ein somnambuler Traum des Herrn Wilhelm von Scholz, und siehe da!- auch Walter von Molo, die Weimarer Säule, die der alten preußischen Dichterakademie vorstand und freiheitlich- republikanisches Herzblut verströmte. Wahrhaft, jeder und jede wären reif au einer kleinen Arabeste: früher und heute. Es wäre ein zu billiges Vergnügen. Die treuen Gefolgsmannen Adolf Hitlers, die Friede, Arbeit, Ehre und Freiheit- wahrhaftig, auch Freiheit!- bei ihm in guter Hut wissen; die die heiligsten Güter der Nation, nämlich die Freiheit des Geistes, der Kunst und der Gesinnung verschmieren, verprügeln und ver= brennen lassen; die schweigsam sind vor dem Schicksal ihrer nahen Freunde, die im Konzentrationslager entwürdigt werden oder im Eril darben- diese Bewahrer der Ehre des Vaterlandes läßt jeder dumme fleine SA.- Mann, der als Landsknecht gedungen wird und Befehle ausführt, ohne zu wissen, was er tut, an menschlicher Würde vor den großen ethischen Richterstühlen erheblich hinter sich. Freilich, es ist noch eine Frage offen. Diefe nämlich: wer hat nicht unterzeichnet? Trotz emfiger Be arbeitung, trotz der Drohung, höheren Ortes gemeldet zu werden, trotz Aussicht auf Boykott und auf schmerzhafte Stockprügel auf den Magen? Es sind ihrer nicht wenige, aber wir werden es nie erfahren. Denn das ist die Grimasse dieser großen Zeit: für das offene Bekenntnis einer noblen Haltung und einer Kameraderie des Geistes wird man aus gestoßen und gezüchtigt, wird man Landesverräter, Pazifist oder gar Marrist und hat das Lumpenrecht zum Leben in diesem dritten Reich" verloren. Andreas Howald. Hitler leent tanzen ,, So geführt wurden wir noch nie!" Wie die englischen Blätter aus Berlin berichten, wurde den deutschen Zeitungen verboten, auf die neueste Tätigkeit des Reichskanzler Hitler hinzuweisen. Welch unerwartete Bescheidenheit des Führers, von dessen Leben bisher die Zet tungen überquollen: der Führer, wie er spricht, schweigt, ißt, trinkt, grüßt, fliegt, fährt, denkt, droht, lächelt- und auf einmal sollen die Leute nicht erfahren, was der Gottbegna dete unternimmt? Die englischen Zeitungen plaudern aus, was die deutschen ehrfurchtsvoll totschweigen: Hitler nimmt derzeit bei dem Ballettmeister der Berliner Oper Tanzunterricht. Der Führer muß den bisher verabsäumten Tanzunterricht, wie die Engländer und wer wäre das nicht?., für die Ehre ihres Vaterlandes einzutreten, aber sie zögerten, dieses für sie selbstverständliche Bekenntnis mit einem Treueakt für Hitler zu verbinden. Wir haben keine Möglichkeit die letzten Gründe dieser Gesinnungsentscheidung nachzuprüfen, die 88 Männer des deutschen Schrifttums vom Geist der Humanität und vom Menschlichkeit und der Freiheit trennt. Nur mit der Gabe der Einfühlung lassen sie sich in den Umrissen erkennen. wenn die deutschen Zeitungen, die deutschen Zeitschriften, die Es sind Leute dabei, die dem Hunger ausgeliefert wären, schmunzelnd mitteilen,„ mit Rücksicht auf die Repräsentationsdeutschen Verleger nichts mehr von ihnen druckten. Andere wiederum sind Schriftleiter an nationalsozialistischen oder gleichgeschalteten Zeitungen, die auf der Ebene der Gesinnungswandlung schon einige Erfahrung befizen. Einige der Unterschreiber sind literarische Snobs mit dem unbändigen Verlangen, für die jeweils herrschende Macht und im Angesicht des noch einigermaßen kauffräftigen Publifums in jedem Fall repräsentativ zu bleiben. Wir finden auch Namen von Schriftstellern darunter, die lange mit dem Gedanken umgingen, das„ dritte Reich" zu verlassen und sich Anstand zu erhalten. Wir können diese Namen leider nicht nennen. Denn übermorgen drohte ihnen Verlegerboykott, wenn nicht gar Konzentrationslager. Von den Johsten, Schauweders, Benns und Stegu weits, den SS.- Sturmführern des neudeutschen Schrifttums, braucht nichts mehr gesagt zu werden. Sie werden Leute wie Otto Flake, den Weldfreund und Weltfriedensbeichter, den Ethiker und Sozialkritiker, Josef Ponten, den Griechensänger, Oskar koerte, den früheren feinsinnigen Humanisten, die beiden Schnads, Mitarbeiter des asphaltliberalen„ Berliner Tageblatts", den ehemals radikal- jugendbewegten Schlesier Gerhard pflichten bei den gesellschaftlichen Veranstaltung nachholen." Offenbar hat ihm zum großen Staatsmann nichts andres gefehlt als die tänzerische Ausbildung; wenn er auch tanzen kann, mit Rücksicht auf die erwachte Nation, im Interesse der Winterhilfe und ähnlicher gesellschaftlicher Veranstaltungen, versteht sich, ist er der vollkommene Uebermensch Wir freuen uns schon heute auf die ersten Fotograften, auf denen die Exekutionen des neuen deutschen Reichs- Tänzers sichtbar sind. Die Jungfrauen werden in Seligkeit versinken und in ihre Poesiealben schreiben:„ So geführt wurde ich noch nie!" Und das Volk? Wird es auch fünftig heißen: Ihr müßt tanzen, wie der Führer pfeift!?" Oder wird künftig der Führer tanzen und das Volt ihm etwas pfeifen? Alles Recht in der Welt ist erftritten worden, jeder wichtige Rechtssatz hat erst denen, die sich ihm widers segten, abgerungen werden müssen, und jebes Recht, sowohl das Recht eines Boltes wie das einen eins zelnen, setzt die stetige Bereitschaft zu seiner Be hauptung voraus. Die Großmutter des Windhunds Leipzig sorgt für Russereinheit im Hundereich Aus Sachsen wird dem„ Neuen Vorwärts" geschrieben: Die Leipziger Hunde lassen ihre mehr oder minder reinrassigen Ohren hängen, feine Wurst schmeckt ihnen mehr und sie erfüllen die Straßen mit traurigem Gewinsel. Die Mermiten sind von der nationalen Erneuerung ergriffen worden! Der Stadtrat hat sich ihrer erinnert und hat seiner Entrüstung darüber Ausdruck verliehen, daß Mischehen unter den Vierbeinern der Stadt nicht selten sind und daß die Unsittlichkeit in erschreckendem Maße zunimmt. Um hinfort alle renitenten Tiere zu strafen, die selbst im „ Dritten Reiche" noch nicht begriffen haben, daß der HundeAdel aus Blut und Boden gewachsen, nicht geschändet wer= den darf, hat der Stadtrat zu Leipzig in Sachsen soeben eine Verordnung, die Hundesteuer betreffend, herausgegeben, nach der in Zukunft Bastarde und Hunde minderwertiger Rasse weiter 60,- RM. im Jahre zu zahlen haben, indes die edlen Rassehunde mit beglaubigtem Stammbaum nur 20,- RM. zu erlegen brau= chen, da es gilt, die deutsche Hundezucht zu heben. Ihering. Windhunde unsittlich nähert, an den Pranger gestellt werden. Vielleicht werden auch besondere Laternenpfähle für die edlen Reinrassigen reserviert, um sie vor der Gesellschaft minderwertiger Unterhunde zu bewahren. Uebrigens trifft die Bestimmung, die auf die braune Tierfreundlichkeit ein seltsames Licht wirft, wieder mal die ärmsten Teufel, benn wer sich für 1000,- RM. und mehr einen Stammbaum leisten kann, vermag auch die Hundesteuer spielend zu bezahlen. Es ist wirklich ungerecht, von Göbbels und Gitler auf die Minderwertigkeit der Bastarde im allgemeinen zu schließen, nicht jede Hakenkreuzung muß derart mißglücken. Andererseits liefern die Hohenzollernprinzen, die neuerHabt ihr sie vergessen? Habt ihr sie vergessen, die Herren vom Stabe mit Lampas und Tressen und Goldportepee? Durch Gräben zum Grabe wer wurde gefragt durch Dreck und Schnee hat man euch gejagt! Habt ihr sie vergessen, die blechernen Kragen, die sich in den Messen bei Wein und Juchhe den Bauch vollgeschlagen? Da ihr stumm frepiert, ist das Goldportepee immer frech avanciert. Sabt ihr sie vergessen, die Herrn Fabrikanten? Ließt ihr euch nicht pressen schmiß man ench ins Feld! Die Herrn Spetulanten, fie rechnen geschickt: Sie meinen, daß Geld den Trozz uns erstickt! Habt ihr das vergessen? Kein Pathos, Herr Dichter! Trop Kerfer und Richter Siegt übers Gelichter doch unsre Idee! Wenzel Sladek. Göbbels bestiehlt und fälscht Schopenhauer Die berühmten Affen Europas" sind nicht von Göbbels, sondern von Schopenhauer erfunden worden.( Reclam- Ausgabe des handschriftlichen Nachlasses, Band 4, Seite 172). Ein paar Zeilen nach dem Affen- Aphorismus fährt Schopenhauer fort: Den Deutschen hat man vorgeworfen, daß sie bald den Franzosen, bald den Engländer nachahmen: Das ist aber gerade das Klügste, was sie tun können: Denn aus eigenen Mitteln bringen sie doch nichts Gescheites zu Markte." Welches Schopenhauerwort also auch auf den Göbbels zutrifft. Arnold Schönberg verläßt Europa Arnold Schönberg ist nach Amerika verpflichtet wor= den; noch in diesem Monat wird er sein neues Amt als Kompositionslehrer an einem Bostoner Konservatorium antreten. Die Meldung von der„ Beurlaubung" Professor Schönbergs, der eine Meisterklasse für Komposition an der Berliner Kunstakademie leitete, die Nachricht von seinem Uebertritt zum einst von ihm aufgegebenen Judentum, den er im Sommer d. J. in Paris vollzog, ist noch im Gedächtnis. Deutschland war dem heute 59jährigen, dem gebürtigen Desterreicher zweimal Wahlheimat einmal dem„ musifalischen Emigranten" der Vorkriegszeit, das zweite Mal dem gereiften, wenn auch nicht vom großen Publikum anerfannten Altmeister der musikalischen Moderne. Auch Europa wird er verlassen, aus dessen Musikgeschichte er nicht mehr wegzudenken ist. Seine„ Gurrelieder"( letzte Ausstrahlung der Linie Wagner- Mahler), seine Kammer- Symphonie" ( Quartenmusik), sein„ Pierrot Lunaire"( wichtigste Auswirkung und Fortführung des musikalischen Impressionismus), seine Klavier- und Orchesterstücke( 12- Ton- Musik) sind Marksteine auf dem Wege der„ Neuen Musik". Seine Musikdramen( Erwartung" und" Glückliche Hand") sind trotz allem, was später kam das Zukunftsweisendste, das die deutsche Opernbühne je sah. Seine Harmonielehre ist das bisher einzige Kompendium moderner Musiklehre und Musiktheorie. Es bleibt zu bedauern, daß keine der großen europäischen Musikakademien den Versuch gemacht hat, den neben Strawinsky bedeutendsten modernen Musikschöpfer und Musiklehrer aus seiner Schule sind die Komponisten Alban Berg und Anton von Webern hervorgegangen, unbeein flußt von ihm ist von der jüngeren Musikergeneration wohl feiner geblieben dem europäischen Musikleben zu erhalten. Man beglückwünscht Amerika zu diesem Meister, Deutschland ist- dant Hitler wieder um einen CharakterPaul Walter. topf ärmer. Kelsen wird bedroht Aus Genf wird berichtet: Gegen Professor Hans Kelsen, einen der größten Rechtsgelehrten Europas, sind von deutscher nationalsozialistischer Seite, wie die schweizer Behörden erfahren haben, Drohungen ausgestoßen worden, die für die Sicherheit und das Leben Kelsens schwere Befürchtungen hegen lassen.- Professor Kelsen, der zuletzt an der Kölner Universität dozierte, hat Deutschland, als das Hitlerregime zu wüten begann, sofort verlassen und inzwischen einen Ruf an die Universität in Genf angenommen. Die Schweizer Behörden, denen der Fall Theodor Lesfing in schrecklicher Erinnerung ist, haben sofort umfassende Schußmaßnahmen getroffen. * Warum der besondere Haß gegen Kelsen? Er ist Jude und der Schöpfer der österreichischen Verfassung. Er mußte gleich im März die Kölner Universität verlassen, obwohl er sich niemals politisch betätigt hatte. Als er ging, hielt ihn feiner seiner Kollegen, die sich anderthalb Jahre zuvor die größte Mühe gegeben hatten, um ihn für Köln zu gewinnen. dings bei allen S.- Aufmärschen als Paradepferde mitwirken, den Beweis dafür, daß auch ziemlich reine Rassen ,, Deutscher Acat" degenerieren, und der Menschheit Schande bereiten können. Wie dem auch sei das Leipziger Straßenbild wird zweifellos durch den Bastard- Boykott erheblich gesäubert werden, und wenn die Leipziger Hunde nichts zu lachen haben, so wird die Welt über diese neueste Blüte an Hitlers Rasse Nun wird die Jagd nach der Großmutter auch im Tierreich beginnen, nun wird eine Pinscherin, die sich einem baum desto mehr lachen. Der NSD.- Aerztebund, Gau Hessen- Nassau- Süd, macht seinen Mitgliedern zur Pflicht, den Aufdruck„ Deutscher Arat" auf ihrem Arztschild anzubringen. Das ist die unausgesprochene, aber deutliche, öffentliche Aufforderung zum Boykott selbst zugelassener nicht- arischer" Aerzte. DAS BUNTE BLATT NUMMER 112- 1. JAHRGANG TÄGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE SONNTAG, DEN 29. OKTOBER 1933 Frecher Japagai Was hier geschildert wird, ist kein Scherz und keine Erzählung, sondern wirkliches Ereignis. Es geschah vor wenigen Tagen in Hamburg vor dem Sondergericht. In die Hafenkneipe des angeklagten Wirtes war eines Tages ein Matrose gekommen und hatte einen Papagei zum Kauf angeboten. Das schöne Tier sprach laut, deutlich, viel und war zudem sehr billig. Beide waren höchst zufrieden: der Käufer und auch der Verkäufer. Aber, ach! Die Freude währte nicht lange. Eines Morgens fommt ein neugieriger SA.- Führer in die Kneipe und begrüßt den sonst doch so höflichen Hans mit einem kräftigen Heil Hitler!" Aber da legt Hans los:„ Du braunes Schwein!"" Nieder mit Hitler!"„ SA.- die Mörderbande!"" Göring du Brandstifter!"„ Nieder mit Hitler!" so schreit das Vieh und pustert sich dabei auf, als sähe es den Scharfrichter Gröpler vor sich. Der Wirt ist wie versteinert und wird blaß; der SA.- Mann rot. Der eine vor Schreck, der andere vor Wut. Zwei Tage später schon standen Hans und der Wirt vor dem Sondergericht. Der Wirt beteuerte seine Unschuld, und Hans plauderte mit dem Gericht, als sei er der liebenswürdigste Vogel der Welt. Der Richter schüttelte mit dem gleichgeschalteten Kopf und schien geneigt, der Anklage nur noch zum kleinsten Teil glauben zu wollen. Zuvor aber mußte er den Zeugen hören, den SA.- Mann. Der trat denn auch gewichtig vor die Schranken. Und richtig: Hans schielt nur einen furzen Moment nach der braunen Uniform und legte von neuem los, kräftig, wie ein heiliges Donnerwetter und das Publikum jauchzt vor Vergnügen und Entzücken! Zwet Stunden dauert die Verhandlung. Schließlich fällt der Richter folgenden salomonischen Spruch: Der Wirt erhält eine Geldstrafe. Zugleich wird ihm das Kenzentrationslager angedroht, wenn ihm ein solches Mißgeschick zum zweiten Male passieren sollte. Gegen Hans aber wird erkannt: Er sei ein staatsgefährliches Subjekt und werde deshalb eingezogen.„ Eingezogen" das heißt das Todesurteil! Er wird als nicht gleichgeschalteter Vogel getötet werden! Hans saß bei dem Urteilsspruch völlig teilnahmslos. Er ahnte offenbar nicht, was ihm das dritte Reich" da bescherte. Hätte er gewußt, worum es ging, dann würde er gesagt haben, daß in dieser Gerichtsverhandlung der dritte Mann gefehlt hatte; jener Matrose, der den seltenen Vogel mit seltener Kunst zu seltener Vollkommenheit brachte. Alte Stadt im Elsaß, ade! Giebelhäuser, enge Gassen; Alte Stadt, auf Wiedersehn! Liebe Menschen, muß euch lassen, Muß jezt wieder weiter gehn. Von der Brücke überm Flusse, Wo ich oft verweilend blieb, Sage dir zum legten Gruße: Alte Stadt, ich hab dich lieb. Bin als Flüchtling nur gekommen, Heimatlos, umhergehegt. Gaftlich hast du aufgenommen, Mich, den Fremden, bis zulegt. Und auf allen meinen Wegen Bleib ich noch in deinem Bann, Weit behütet von dem Segen Deines Domes, himmelan. Dunkle Augen, blickt ihr trübe, Sorgt ihr um mein Wohlergehn? Alte Stadt und junge Liebe, Werde ich euch wiedersehn? Der Matrose aber ist unauffindbar, weswegen Hans Witz, ärztlich dosiert den Weg zur Hinrichtung allein beschreiten wird. Der verhinderte Senor der Senöre Enrico Carusos Vetter verzicfitet auf Weltrufim In der Hauptstadt Australiens schlägt sich ein Mann als Kleiner und bescheidener Kabarett- und Varietesänger durchs Leben, obgleich ihm alle Leute vom Bau seit vielen Jahren eine glänzende Karriere und unvergleichlichen Weltruhm in Aussicht gestellt haben, so unvergleichlich soll seine Stimmbegabung sein. Der Mann, um den es sich handelt, heißt Dominico Caruso und ist kein geringerer als ein Vetter des großen Enrico Caruso, der mit seiner berückenden Stimme Jahrzehnte lang die ganze Welt begeistert hat. Dominico Caruso hat schon äußerst verlockende Angebote bekommen. Unter anderm hat die Metropolitan in Neuyork sich um ein Auftreten bemüht, und auch die Scala in Mailand und der Covent Garden in London haben durch ihre Manager schon mehrmals die Fühler ausstrecken lassen. Aber Dominico Caruso bleibt beharrlich bei seinem Nein. Worauf ist nun das merkwürdige Verhalten dieses Erben eines großen Namens zurückzuführen, der so, scheinbar ohne Sinn und Verstand, Ruhm und Glück dieser Welt, die sich ihm bieten, ausschlägt? Ist Dominico Caruso vielleicht Menschenschen? Oder ist er, trotzdem er noch in der Blüte des Lebens steht, ein weltfremder Mensch? Nichts von alledem. Dominico Caruso hat einfach eine furchtbare Angst vor der Seekrankheit. Als er nämlich vor nunmehr rund sechs Jahren zum erstenmal die Planken eines Schiffes betrat und seine weite Reise nach Australien antrat, ist er von der Seefrankheit so schrecklich gepackt worden, daß er heute nur noch mit Grausen daran denkt und um feinen Preis Sontamara 48 ROMAN VON IGNAZIO SILONE Der Kommissar fuhr fort, ihn zu ermutigen. Aber Berardo schloß die Augen; er war im Geiste schon wo anders. Er ließ sich in die Zelle zurückbringen wie einer, der sein Testament gemacht hat. Und doch war der Kampf noch nicht zu Ende. Während der Nacht schloß keiner von uns ein Auge. Berardo hielt den Kopf zwischen den Fäusten, als wolle er ihm zerspringen. Er beschloß, zu gestehen, verwarf es, beschloß wieder zu gestehen und verwarf es wieder. Er umflammerte immer von neuem seinen Kopf, damit er ihm nicht zerspringe. Warum mußte er im Gefängnis bleiben? Warum mußte er mit dreißig Jahren im Gefängnis sterben?... Aus Ehre? Aus Ueberzeugung?... Aber wenn er sich doch niemals mit Politik befaßt hatte?... So vergingen die Stunden. So sprach Berardo Viola zu mir und zu sich, während der Spitzel ihm jedes Wort von den Lippen zu lesen versuchte. Der Stampf ging weiter: Wenn ich ihn verrate, ist alles verloren. Wenn ich ihn verrate." sagte er.., wird Fontamara auf ewig verdammt sein... Wenn ich ihn verrate, wird es noch hundert Jahre dauern, bis wieder so eine Gelegenheit kommt... Und wenn ich sterbe? Werde ich der erste Gafone sein, der nicht für sich stirbt, sondern für einen andern. Seitdem die Marsica steht. werde ich der erste Gafone sein. der für die andern stirbt... Für die andern Cafoni... Für die Einigung der andern Cafoni. Für die Einigkeit der Gafoni." Das war seine große Entdeckung. Dieses Wort riß ihm die Augen auseinander, wie wenn ein Blißlicht in der Zelle aufgeflammt wäre. „ Einigkeit?... Was?... Einigkeit! Hast du dieses Wort schon gehört?... Ich habe dieses Wort noch nie gehört. Es ist ein neues Wort. Einigkeit... Das bedeutet Solidarität. Kraft, Freiheit. Die Erde. die zinslose Erde. Einigkeit... Eine so einfache Sache Man muß dieses Wort nach Fontamara tragen. Wenn ich sterbe." sagte er zu mir, wenn ich sterbe, mußt du dieses Wort nach Fontamara bringen: Einigkeit. Du mußt es allen geben... Dem Raffaele Scarder Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, dazu zu bewegen ist, dieses Experiment zu wiederholen. Die Scala in Mailand noch - gut; Covent Garden beffer; und die Metropolitan in Neuyork fönnten mich gewiß reizen," meint Dominico Caruso seinen Freunden gegen= über-" aber wenn ich dabei nur an das Schiff denke, wird mir schon wieder schlecht." Wie wäre es, wenn man Signor Dominico Caruso einmal auf den Gedanken brächte, es mit dem Flugzeug zu versuchen. Die Luftkrankheit soll zwar nicht wesentlich angenehmer sein als die Seekrankheit, immerhin aber hätte Herr Caruso in diesem Fall die Gewähr, daß das Martyrium" von wesentlich fürzerer Dauer wäre. Frankreich Das Abonnement der ,, Deutschen Freiheit" beträgt pro Monat 12 Fr. zuzüglich 3,75 Fr. Porto. Wir bitten dies zu beachten. pone zuerst und dann den andern, dem Michele Zompa, dem Generale Baldissera, dem Pontius Pilatus, dem Antonio Ranocchio, allen: Einigkeit... Genug mit dem Streit zwischen den Cafoni. Es fehlt nur eine Sache: Einigkeit... Alles Uebrige wird von selbst kommen." Das waren die letzten Worte, die ich aus Berardos Mund vernahm. Am folgenden Morgen haben sie uns endgültig getrennt. Zwei Tage später wurde ich zum Kommissar gerufen, der ungewöhnlich nett zu mir war. „ Berardo Viola hat sich heute nacht umgebracht." sagte er. „ Er hat sich aus Verzweiflung am Zellenfenster erhängt. Peter Frank, der unter Joseph II. Direktor des Auge meinen Krankenhauses in Wien und später Leibarzt des Kaisers Alexander I. von Rußland war, lag 1821 auf dem Sterbebett. Acht Aerzte umgaben es, sich beratend. Da lächelt Peter Frank noch einmal und sagte:„ Ich komme mir vor, wie der französische Grenadier, den ich nach der Schlacht von Wagram behandeln mußte und der nicht weniger als acht Kugeln im Leibe hatte.„ Sapristi," sagte der,„ acht sind also nötig, um einen alten Soldaten ins Jenseits zu befördern!"" Marfus Herz, der Gatte der ungemein geiftvollen Henriette Herz, war von 1774 bis 1803 einer der beliebtesten Aerzte Berlins. Ein Hypochonder quälte ihn, der immer besondere Vorschriften haben wollte. Herz trug ihm auf, zum Früh stück Schokolade statt Kaffee zu trinken, unbedingt müsse er aber vor der Schokolade und nach der Schokolade je ein großes Glas Wasser trinken. Eines Tages wird Herz aufs dringendste zu diesem Mann gerufen; er findet ihn außer sich, zitternd vor Aufregung. „ Was ist denn los?" fragte ihn Herz. " Denken Sie doch," stammelte fast weinend der Mann, ,, ich habe vergessen, das Glas Wasser vor der Schokolade zu trinfen." Herz schüttelte nachdenkend das Haupt, dann verordnete er mit großer Entschiedenheit: Lassen Sie sich sofort eine Klistier mit kaltem Wasser machen, dann ist die Schokolade so wie sie sein soll: in der Mitte." * „ Ich brauche keinen Arzt," sagte einmal ein Mann 8 Markus Herz, ich habe ein medizinisches Buch, in dem steht alles drin, und wenn ich einmal frank bin, dann furiere ich mich aus dem Buch." So, so," meinte Herz, aber passen Sie gut auf, daß Sie nicht eines Tages an einem Druckfehler sterben." „ Ja, Herr." „ Bestätigt er, daß der Tote zuletzt schweren Liebeskummer hatte?" " Ja, Herr." ,, Bestätigt er, daß der Tote mit ihm in der gleichen Zelle war und daß er seinen Schlaf dazu benutzte, sich am Fenster freuz zu erhängen?" „ Ja, Herr." Auch er ließ mich das Protokoll unterschreiben und hieß mich gehen. bes Mittags wurde ich in Freiheit gesetzt, zum Bahnhof Das steht fest Da niemand dabei war, fehlt ein Zeugen- gleitet und mit einem direkten Fahrtausweis nach Fontamara bericht... Ein Zeugenbericht ist unentbehrlich... Wenn du bereit bist. ein Protokoll zu unterschreiben, in dem bestätigt wird, daß Berardo Viola sich aufgehängt hat, bist du heute noch frei..." Als ich hörte, daß Berardo Viola umgebracht worden war, begann ich zu weinen... Der Kommissar schrieb den Zeugenbericht und ich unterschrieb ihn blindlings. Dann wurde ich in das Büro des Polizeiobersten geführt. ,, War er der Freund des verstorbenen Berardo Viola?", fragte er mich. „ Ja, Herr." verladen Das Uebrige wird mein Vater erzählen. Als mein Sohn in Fontamara antam. Hatten wir den größten Teil dessen, was er zu berichten hatte, schon n vom großen Unbekannten erfahren. das Mein Sohn kam gerade in dem Augenblick an, als wir um den„ Stein" und das andere Material versammelt waren, uns jener zur Herstellung der Cafoni- Beitung( der erſte Zeitung für Cafoni) gegeben hatte. Wir waren an die fünf zehn Mann. Der Stein" lag in einer Holzkassette, die unter dem Deckel eine weiße Tafel hatte- die sogenannte Litho ,, Bestätigt er, daß der Tote immer Selbstmordgedanken graphenplatte und eine kleine Schublade mit den Säuren hatte?" „ Ja, Herr." ,, Bestätigt er, daß der Tote zuletzt schweren Liebeskummer batte?" " Ja, Herr." ,, Bestätigt er. daß der Tote mit ihm in der gleichen Zelle war und daß er seinen Schlaf dazu benutzte, sich am Fensterfreuz zu erhängen?" „ Ja. Herr." Er ließ mich das Protokoll unterschreiben und hieß mich gehen. Dann wurde ich in den Justizpalast, in das Büro eines Richters, geführt ,, War er der Freund des verstorbenen Berardo Viola?" fragte mich der Richter. „ Ja, Herr" ,, Bestätigt er, daß der Tote immer Selbstmordgedanken hatte?" und der Spezialtinte, womit auf der weißen Platte jedes beliebige mit der Hand geschriebene Blatt in beliebiger Anzahl gedruckt werden konnte. Wir hatten den„ Stein" auf den Tisch der Sorcanera gelegt und diesen mitten auf die Straße gestellt. Wir standen um thn herum und diskutierten über die herzustellende Zeitung. Wir waren wie ich schon sagte- an die fünfzehn Personen. Da war der Held der Porta Pia, der die deutlichste Schrift hatte und das Blatt schreiben sollte, da war Generale Bal dissera der über Grammatik und Apostrophe Bescheid wußte da war Raffaele Scarpone, dem der große Unbekannte alle Technische erklärt hatte. Außerdem war da noch Antonio Bracciola, Pasquale Cipolla. Giro Gironda, Vincenzo Scorza, Giacinto Barletta. Giovanni Testone, Jacobo 20 surdo. Quintilianus, Gasparone. Venerdi Santo. Anacleto der Schneider. Alberto Saccone, Michele Zompa, dann noch ich und die Sorcanera. ( Fortsetzung folgt.) So kann es nicht weitergehen" Die wachsende Kampfstimmung im Ruhrgebiet Von einem jungen Reichsdeutschen, der jetzt unter dem Druck der politischen Verfolgungen das Reichsgebiet verlassen mußte, erhalten wir nachstehende Aufzeichnungen. Der junge Mann war bis vor furzem in der illegalen Arbeit tätig gewesen; wir können aus Rücksichten auf seine Familie den Namen nicht nennen und müssen auch den Bericht, soweit er der Oeffentlichkeit zugängig gemacht wird, so tarnen, daß jeder Hinweis auf den Urheber vermieden wird. Die allgemeine Lage Ruhrgebiet, wo Millionen Arbeiter zusammengepreßt sind, Die Zuspizzung der wirtschaftlichen Lage macht sich im am deutlichsten bemerkbar. Das merkt naturgemäß der fleine Mittelstand, der von diesem Arbeiterheer abhängig iſt, mit Ausnahme der Judenverfolgungen, nichts verwirklicht worden; Warenhäuser und Konsumvereine blieben unangefaſtet. braunen Poſtenjäger. Die Lebensfurve der Arbeitermassen geht immer mehr abwärts. wenden. Aber der Scherz, Herrn Treuhänder Thyssen an wohlgedeckter Tafel aus dem Emailletopf seine Erbsensuppe löffelnd sitzend zu sehen, ist mit dem effektiven Ertrag immer ganz gut bezahlt. Fahnen und Hungerpeitsche! Ueber die Festfreudigkeit und den Fahnenfetischismus der Männer der„ Nationalen Revolution" ist schon viel be= richtet worden. Jeder Anlaß wird benützt zu Festen und Feiern, zu denen die Betriebe einfach geschlossen komman= diert werden. Die Kontrollmöglichkeiten sind vielgestaltig. Und wer will es einem Arbeiter verdenken, wenn er den zwangsweisen Marsch schließlich eher akzeptiert, als wieder und diesmal für die Dauer seines Lebens arbeitslos zu werden. Und schließlich sind diese Festlichkeiten und demonstrativen Veranstaltungen das harmlose Gesicht des Faschismus, hinter dem sich die bluttriefende Fraße dieser Menschheitsgeißel versteckt. Die Methoden des Hitlerismus sind bekannt. Mord, Mißhandlung, Freiheitsberaubung, Diebstahl! Alles zur Ehre des„ dritten Reiches" und seiner Führer. Das schlimmite aber ist die Sungerpeitiche, die man mit brutaler Rücksichtslosigkeit schwingt. Wer sich nicht fügt, der soll verrecken!, dieſen Ausspruch kann man hören, wann man will. und ganz große Menschenfreunde seßen dann noch, wenn man an das Schicksal der Kinder erinnert, hinzu: Und die ganze Brut mit!!! Reichskanzlerbanditen In Mörs am Niederrhein wurden in einer Arbeiter 300 Fahrräder beschlagnahmt- sagen wir weil sie... zu marxistischen Zwecken Im vorigen Jahre wurden auf den Ruhrzechen im Höchst falle eine bis zwei geierschichten verfahren. Heute sind es mindestens zwei bis drei. Bergarbeiter machen kein Hehl daraus, daß ihre Lage noch nie so trostlos war als jetzt. Unterstützung der Erwerbslosen liegt. Bis Juli waren die Bergarbeiter in die Kurzarbeiterunterstüßung eingegliedert; Betrieben ist dagegen immer mehr gesteigert worden. Die besser gestohlen Behandlung der Arbeiter durch Steiger und Aufseher ist verwendet würden. schlimmer als in der Vorkriegszeit. Wagt einer dieser Geschundenen sich zu beschweren, so wird er wegen staatsfeindlicher Gesinnung" entlassen und läuft Gefahr in ein Kon zentrationslager gebracht zu werden. Außerdem wird in den meisten Fällen eine vier- bis sechswöchentliche Karenz zeit bis zur Zahlung von Unterstützung oktroptert. Bis vor Leiſtung in die Arbeitslosenversicherung entbunden; der " Sozialist" Thyssen als Treuhänder der Arbeit hat diese Vergünstigung furzer Hand beseitigt. In der Propaganda der Nationalsozialiſten zur letzten Reichstagswahl spielte die von ihnen angestrebte Wieder inbetriebſegung der Dütte Rubrort- Meiderich eine große Rolle. Wie nicht anders zu erwarten war, denkt heute fein Mensch daran, zuleßt der Treuhänder Thyssen, diese Bersprechung einzulösen. Die Hoffnungen der Arbeitslosen wurden also betrogen. Aber nicht nur das. Die in der Nähe liegenden Kruppschen Stahlwerke in Rheinhausen haben im Buli eine„ Betriebspause" eingelegt, die bis heute noch au dauert. Dadurch sind etwa 3000 Arbeiter erwerbslos ge= worden. In der August- Thyssen- Hütte in Hamborn werden möchentlich 3 Feierschichten verfahren. Hiervon werden, rund 18 000 Arbeiter betroffen. Die Folge ist, daß in den Laufmännischen und anderen abhängigen Betrieben die Vorbereitungen zu großen Massenentlassungen getroffen werden. Das alles geschieht im Zeichen der„ Arbeitsschlacht gegen die Arbeitslosigkeit" und des neuesten: Kampf gegen Hunger und Kälte!", eine Parole, die der vielgewandte Herr Göbbels einfach den Kommunisten gestohlen hat. In Duisburg- Hamborn klauten die SA.- Leute Radioapparate, Brieftauben, Fahrräder und Motorräder mit der gleichen Begründung. Eine kaufmännische Angestellte wir nennen aus den bekannten Gründen weder Namen noch Ort, die näheren Angaben befinden sich aber in unserem Besit; wir können jederzeit, wenn die Gefahr für die betr. Personen vorüber ist, davon Gebrauch machen, die vor einigen Monaten auf Verlangen der Nazis ihre Arbeitsstellen einem großen Warenhause verlassen mußte, hatte Glück: ste fand eine neue Stelle. So glaubte sie wenigstens. Aber die Rechnung war ohne die Nazis gemacht. Die SA. erfuhr das von, nahm kurzerhand das Mädel feit, hielt fie acht Tage in Gewahrsam, ohne den Eltern eine Mitteilung zu machen, und als man sie entließ, war es mit der Stelle natürlich Gifig. Sie war anderweitig beießt. Aber auch ohne das hätte der Geschäftsmann nicht gewagt, das Mädel, eine ganz gefährliche Marriffin", einzustellen. Die Nachbarn beschwerten sich darüber, daß sie nachts durch das Schreien und Wimmern der Verwundeten im Schlafe gestört wurden. Die Beschwerde half. Das Schreien und Stöhnen verstummte. Die Mißhandlungen haben aber des= halb nicht aufgehört; sie sind vielleicht noch viehischer ge= worden. Man zieht den Opfern einfach eine Decke über den Kopf und erstickt so den Schrei. Es stinkt! Der Reichstagsabgeordnete der NSDAP. Mühlhaupt, Kreisleiter der NSBO., Kommissar für die Gewerkschaften im Raume Duisburg- Hamborn hat sich im selauen geübt - wenn auch in höherem Aufund bewährt. So stahl er trage das Gewerkschaftsvermögen. Diese Tätigkeit scheint derart reizvoll für ihn gewesen zu sein, daß er sich schließlich den größten Teil der NSBO.- Kasse aneignete. Der Fall selber scheint ein Rattenkönig zu werden. In diese Korrup tionsaffäre sind viele der führenden Funktionäre der NSDAP. verwickelt. Der Gegenstoß! 200 Druck erzeugt Gegendruck. Alle Bemühungen, die illegale Arbeit der sozialistischen Opposition zu hindern, find fruchte los geblieben. Vorübergehend kann eine Verbindung gestört werden, hier und da fällt ein Kämpfer den Schergen der Geheimen Staatspolizei in die Hände, aber bald ist die Rette wieder fest geschlossen. Alle Razzien, alle Drohungen, alle Strafen ändern nichts daran, daß nach Wochen der Verwirrung, sich Widerstandszellen bildeten, die größer und größer werden und die heute der Regierung schon allergrößte Sorge bereiten. In dem Umfange, wie die Ernüchterung eintritt, wächst der Wille zur Kritik. Es ist heute, keine Seltenheit mehr, wozu in den ersten Monaten der nationalen Regierung niemand den Mut fand, öffentlich Worte der Unzufriedenheit zu hören. Auch rein äußerlich hat sich das Bild geändert. In den großen Arbeiterzentren des Ruhrgebietes wird oftentativ das Flaggen abgelehnt. Buch Befehle und Repressalien fönnen nichts daran ändern, daß die Uebersättigung mit Festen und der Hunger nach Brot immer mehr sinnlich wahrnehmbaren Ausdruck befommen. Es ist sehr charakteristisch, daß die großen Säle, die aus Anlaß des Nürnberger Parteitages gemietet waren, um den Kumpels eine durch das Radio vermittelte Berbindung mit dem„ Führer" zu schaffen, fast ausnahmslos gähnende Leere aufwiesen. Es ist so: Die antifaschistische Front bildet sich allmählich im unfel; die Zahl ihrer Soldaten wächst von Tag zu Tag. ist aber nicht angängig, von den Methoden zu sprechen. -" Es fursiert wieder das Wort:" So fann es nicht weiter geben!" Die Oppositionsstimmung hat sich auch schon der In Duisburg- Hamborn Der Arbeiter Fris B. ift den Nazis besonders NSBO.-Leute bemächtigt. verhaßt. Im Auguſt glaubten sie ihn zu haben". Es wurde mußte man eine Reihe dieser Leute ausschließen, da sie an eine Haussuchung vorgenommen. Ueber eine Stunde mußte geblich politisch unzuverlässig geworden waren und anfingen der Mann im Keller seines Hauses mit erhobenen Armenta rebellieren. Man drohte ihnen mit Schußzhaft. In Hamstehen. Natürlich unter entsprechender Bewachung Durch horn hat man vor drei Wochen 49 SA.- Leute festgesetzt, weil unvorsichtiges pantieren mit der Pistole verlegte sich eine„ marzistisch verseucht" waren. SA.- Mann( Der Name ist uns befannt.) am Finger. Seit diesem Vorfall hat der Arbeiter sozusagen feine Minute Ruhe mehr. Vor etwa vier Wochen begehrten vier SA Peute darunter der Verletzte in die Wohnung des Arbeiters einzudringen. Als ihnen auf Klopfen nicht sofort geöffnet wurde, traten sie die Türe ein, risen den Mann aus dem Bett und mishandelten ihn in Gegenwart feine hochschwangeren Frau und der betaaten Mutter bestialisch. Dann schleppten sie ihn zum Boikshans. Frau und Für die„ Freiwilligkeit" der Spende zur Arbeitsbeschaf fung ein Belpiel: In einer Belegichaftsversammlung wird einfach mitgeteilt, ohne daß irgend iemand die Möglichkeit bat, dagegen zu opponieren, was der einzelne Arbeiter als Beitrag zur Spende zu zeichnen hat; in den meisten Fällen Mutter liefen zur Polizei. Dort hielt man die beiden Frauen, ohne etwas in der Sache des Mannes zu tun, Lohne abgefeßt. In den Mitteilungen an die Belegschaftis morgens 5 Uhr feit. Im Laufe des Vormittags, nach erklären die NSBD.- Leiter, die Beiträge würden in erster entsetzlichen Qualen der Ungewißheit wurde endlich mit Linie für den Bau von Autostraßen verwendet. Der Tag des Eintopfgerichtes Den größten Schwindel des Jahrhunderts nennen die Arbeiter den im Rahmen des„ Kampfes gegen Hunger und Laut Anordnung der Reichsregierung duriten bekanntlich an diesem Tage alle Deutschen nur ein Eintopfgericht vergehren, dessen Zubereitungskosten pro Kopf den Betrag von 50 Pfg. nicht übersteigt. Der Betrag, der im Normalfalle fahrt, der Trägerin des Winterhilfswerkes überwiesen mehr ausgegeben worden wäre, sollte der Ne- Volkswoh! Die ganze Maßnahme ist blutiger Hohn, und nicht ohne Erfolg übt sich spiser Profetenwig daran. Finanziell muß, die Aktion ein Fiasko sein, denn Neunzehntel der Bevölke rung sind nicht imstande, 50 Pfg. für ein Mittagessen auszuwerden. Kölnische Zeitung" Der Niedergang eines ,, Weltblattes" Die Kölnische Zeitung" erscheint seit Mittwoch im kleinen Format. Das wäre nicht weiter wichtig, da es Beitungen von bedeutendem Ruf gibt, die die von England und Amerika übernommene Sitte der Zeitungen in Quadratmetergröße nicht mitgemacht haben. Bei der Kölnischen Zeitung" liegt freilich der Fall etwas anders. Die Rückverwandlung des Blattes ist der Ausdruck eines vollkommenen publizistischen wie wirtschaftlichen Nieder91 ganges. Stolz nannte sich die„ Kölnische Zeitung", die seit vielen Jahrzehnten mit dem Verlag Dumont Schauberg, aufs engste verbunden war, ein Weltblatt. Früher einmal war diese Bezeichnung nicht ganz unbegründet. In allen Hauptstädten der Welt hatte die„ Kölnische Zeitung" ihre Korrespondenten, die Sachkunde mit lebendigem Stil bereinigten. Eine gewisse Selbständigkeit der Gesinnung machte teilweise selbst die nationalliberale Politik erträg lich, die das Blatt traditionsgemäß treiben mußte. Bis in die Kriegsjahre hinein hatte die„ Kölnische Zeitung täglich vier Ausgaben. Schon damals aber sank sie von ihrer einstigen Höhe herab. Begeistert focht sie für den Hindenburgfrieden unter dem Druck der Schwerindustrie, um nach der Umwälzung 1918 eine gemäßigt- liberale Haltung anzunehmen, wobei es an Loyalitäts beteuerungen gegenüber" Weimar" und dem ersten Weimar" und dem ersten Reichspräsidenten nicht fehlte. Selbst in volksparteilichen Kreisen erregte es aber nicht geringes Erstaunen, als die Redaktion in den Tagen des Kapp- Putsches eine jähe Schwenkung zugunsten der Viertage Herrscher vornahm. Schon nach wenigen Tagen mußte sie sich sehr jämmerlich auf den Weg zurück begeben. neteilt, daß der Mann schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden sei. Verletzung des Rückarates durch Tritt mit schweren Stiefeln. Dieser Tage wurde der Arme aus dem Krankenhaus entlassen. Er ist zeitlebens gelähmt und wird nie mehr einen Schritt gehen können. Der behandelnde Arzt, selbst Nationalsozialist, zeigte den Fall bei der Polizei und der Gruppenführung der SA. an. Eine Kommission untersuchte" den Fall. Erfolg: die vier Banditen verrichten Heute noch ihren Dienst" wie vorher. Der Blutkeller Die Folterkammer ist im ehemaligen Volkshaus ein gerichtet. Er wird im Volksmund Blutkeller" geheißen Die Bezeichnung stimmt. Die Wände, die Decke, der Fußboden tragen das Blutzeugnis der barbarischen Mißhandfungen opfervoller, aufrichtiger Funktionäre der Arbeiter bewegung. Furchtbares muß sich dort unten abgespielt haben. 3ds 25 Jei od Wer vermag es, die Gesinnungsvarianten der Köl nischen Zeitung" im Detail darzustellen? Bald leiden schaftlich hinter Stresemann und der von ihm repräsen tierten weiterverarbeitenden Industrie, dann wieder mit vollen Segeln im Lager der Schwerindustrie; bald mit einem Tröpfchen sozialen Dels gesalbt, bald wieder voll kommen sozialreaktionär, 1923 begeistert für die Hitlerei, dann wieder in seriösem Abstande vom Hakenkreuz- so zeigt dieses Blatt bis in die Märztage hinein alle Charakterlosigkeiten der liberalen Großbourgoisie in unübertrefflicher Weise. Man konnte immer ziemlich genau erkennen, welch kapitalistische Strömung jeweils Den stärksten Druck auf das in Köln angesehene Haus Dumont- Schauberg, das im kommunalen und privaten Drucksachen und Akzidenzbetrieb repräsentativ war und reichlich verdiente, auszuüben vermochte. Die Differenzen, die bis zu Regierungsantritt Hitlers die Arbeiterschaft beschäftigten und die zuletzt die Ursache der Niederlage find, spielen heute faum noch eine Rolle. Nur noch fanatische Parteigänger suchen Befriedigung in der Feststellung der Schuld am Zusammenbruch. Dominierend ist der Wille zur einheitlichen Aktion. Immer deutlicher arbeitet sich der Gedanke heraus, daß nur das gleiche Mittel, mit dem die Nazis die deutsche Arbeiterbewegung überwunden haben, die Wiedergeburt der Arbeiterbewegung ermöglicht. Schon stellt man wieder Solidaritätshandlungen fest und liefert damit den klassischen Beweis dafür, daß nicht der rohe Materialismus Träger der deutschen Arbeiterbewegung war, sondern in erster Linie das sittliche Gebot der Kameradschaft und gemeinsame Handlung. Als man auf der Zeche Neumühl vor einiger Zeit die freiwilligen Spenden zur Arbeitsbeschaffung durch Abzug vom Lohn eintreiben wollte, fam es auf dem Zechenplas unter Beteiligung sogenannter alter Mitglieder der NSBO. zu Kundgebungen mit dem Resultat, daß der Abzug unterblieb. Schon stellt man wieder Parolen des geraubten Gewerf= Beraus: Freigabe ithaftseigentums! Mitbestimmung bei der Gestaltung des Arbeitsvertrages! Auch im Mittelstand wächst eine Opposition heraus. Vor einigen Tagen fand in Duisburg eine Versammlung der Mittelständler statt, die mit heftigen Auseinandersetzungen endete. Es herrschte ungeheure Empörung über die durch Regierungsverordnung veranlaßten Preiserhöhungen für wichtigste Waren und Lebensmittel. Nicht weniger Unwillen verrichte wegen des Kurses in der Frage der Warenhäuser und Konsumvereine. Zeitung" ein schmales Blatt geworden, dem nicht einma! mehr ein Schimmer seiner einstigen Bedeutung geblieben ist. Der„ Stadtanzeiger", dessen Mitarbeiter beim„ Westdeutschen Beobachter" ein besseres Brot gefunden haben, wird täglich mehr von seinen treuen, Abonnenten und Inferenten verlassen. Das ist das Schicksal eines großen und einst angesehenen Zeitungs- Verlages im Hitlerreich. Wer kann sagen, daß es unverdient wäre? 99 Es geht aufwärts" Die„ Vossische Zeitung" fündigt an, daß sie ab 1. November nur noch einmal täglich als Morgenblatt erscheint. Die Abendausgabe fällt weg. Der kleine Bruder der„ Kölnischen Zeitung" war und ist der Stadtanzeiger". Eine Köln und Umgebung 3.5 Millionen Mark gestohlen monopolartig beherrschende Inseratenansiedlung, deren Einnahmen die Kosten des reichen Redaktionsstabs der Kölnischen Zeitung" zu decken hatten. Bedarf es noch der Erwähnung, daß die Blätter des Hauses Dumont Schauberg zu den ersten gehörten, die in den politischen Gebetsübungen der Gleichschaltung perjanken? Kommende Konjunkturen mitternd, gab der Verlag bereits seit Anfang 1932 ein Wochenblatt" Sonntag- Morgen" heraus, das dem Faschismus Pionierdienste leistete und den offiziellen Uebergang aus dem Lager des Liberalis mus in das des Faschismus erleichtern sollte. Berlin, 26. Oft Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt u a. mit: Das preußische Staatsministerium hat einen Nachtragshaushalt beschlossen, der mit 46,2 Millionen RM. in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen ist. Auf der Einnahmeseite sind neben einer neuen Einnahme von 3,5 Millionen NM. aus den beschlagnahmten Vermögenswerten staatsfeindlicher Organisationen erhebliche Ersparnisse bei dem Zinsenfonds der Alles hat nichts genügt. Mit der Prosperität des Berlages und seiner Blätter ist es zu Ende. Das örtliche Naziblatt, der Westdeutsche Beobachter", hat in ebenso stürmischem wie terroristischem Anlauf die„ Kölnische Zeitung", noch eindringlicher freilich den„ Stadtanzeiger", an die Wand gedrückt. So ist heute die„ Kölnische Staatsschuld hervorzuheben. Waffenaktien steigen Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund machte sich auf der Stockholmer Börse dadurch bemerkbar, daß sämtche Wertpapiere erheblich sanken. Nur ein einziges stieg Bofors, die große Stahl-, Waffen- und Munitionsfabrik, die seit langem für Hitler arbeitet. Jüdischer Weltkongreß Am kommenden Sonntag wird in London ein jüdischer Weltkongreß eröffnet, der die praktischen Maßnahmen beraten wird, die zur Unterstüßung der geflüchteten und noch in Deutschland verbliebenen Juden ergriffen werden sollen. 80 Delegierte sämtlicher großen jüdischen Organisationen werden aus allen Teilen der Welt erwartet, darunter Ver= treter der wichtigsten Organisationen des American Jewish Committee, l'Alliance Israelite und die Jewish Colonization Association. Man hofft, daß das Präsidium des Kongresses durch Lord Reading übernommen wird. Der Kongreß hat die Absicht, dem Völkerbund vorzuschlagen, daß ein ständiger Delegierter der jüdischen Organi fationen beim Völkerbund zugelassen wird. Für den Fall, daß der Völkerbund zustimmt, ist der Führer der Zionisten, Weizmann, in Aussicht genommen. Eine große Diskussion wird über die Frage des Boykotts deutscher Waren im Ausland erwartet. Die polnische Deles Die Krise verschärft sich In der dritten Oktoberwoche nahm die Kreditbeanspruchung der Reichsbank erheblich ab. Mit insgesamt 153 Millionen, wovon 147 Millionen auf Wechsel, 4 Millionen auf Schatzwechsel und 1 Million auf Lombards entfallen, war die Abnahme wesentlich stärker als in der dritten Septemberwoche und auch etwas höher als in der gleichen Vorjahrswoche. Dabei halten sich die Lombards mit 54 Millionen weiterhin auf einem besonders tiefen Stand. Bemerkenswert ist, daß die Ultimospizze nunmehr völlig abgetragen ist und die Kreditbeanspruchung der Reichsbant um etwa 2 Millionen unter dem Stand vom 23. September liegt. Damit ist also das seit Monaten zu bemerkende Wachstum in der Beanspruchung der Reichsbank vorläufig zum Stillstand gekommen. Es erscheint charakteristisch, daß dies zusammenfällt mit einer ähnlichen Bewegung der Arbeitslosen- Statistik, die per 15. Oftober erstmals eine amtlich zugegebene Zunahme zeigte. gation hält an dem Boykott feft, die englische hat die Abficht, Macht des Gesanges! ihn abzulehnen. Schließlich wird der Kongreß einen großen Appell für die Gründung eines Fonds von einer Million Pfund Sterling erlassen, der zur Hilfe der Juden in Deutschland und der Emigranten bestimmt sein soll. Das amerikanische Russengeschäft Auf besonderen Wunsch des Präsidenten Roosevelt hat Professor Donaldson von der Universität Cleveland, der mehrere Jahre als beratender Ingenieur im Uralgebiet in Sowjetdiensten gestanden hat, eine Denkschrift über die Aussichten des amerikanischen Rußlandgeschäfts ausgearbeitet. Professor Donaldson schäßt, wie der Ost- Expreß berichtet, die möglichen amerikanischen Lieferungen nach Rußland auf 350 Millionen Dollar jährlich, wodurch die Wiedereinstellung von 300 000 Arbeitern ermöglicht werden würde. Allerdings müßte man der Sowjetregierung gestatten, diese Lieferungen in erster Linie mit Rohstoffen zu bezahlen, und zwar mit 2, RUE ROBINEAU Wohnung 3 Z.. Küche, Bad, Fahrst. Lycée Voltaire. 4100 u. 900 Zentralheizung. M- ro Père Lachaise. ASNIERES 10, Rue Benoist Malon, 2 Zimmer Heizung, Toilette, 3500 Fr. Heizung und Charges ein begriffen 565-9 Für deutsche Emigranten geschmackvolle Mittagessen 4 Fr. ( 3 Plats) ,, Regin Auberge" 17, rue Rochechouart( in Hof) Métro Cadet Erzen, Rauchwaren, Holz, Edelsteinen usw. Professor Donaldson regt ferner die Gründung einer besonderen amerikanischen Gesellschaft für den Handel mit Rußland an. Im Rahmen der vorgesehenen amerikanischen Jahreslieferungen nach Rußland sollen die Russen nach dem Vorschlag Professor Donaldsons dieser Gesellschaft 220 Millionen Dollar in Waren und zu einem geringen Bruchteil in bar zahlen, und zwar Zug um Zug entsprechend den ameritanischen Lieferungen nach Rußland. Die amerikanischen Lieferanten würden Obligationen dieser HandelsGesellschaft in Höhe von 20 Prozent des Wertes ihrer Rußlandlieferungen erhalten, während der Restbetrag entsprechend dem allmählichen Absatz der von den Russen gelieferten Waren abgedeckt werden würde. Diese Obligationen müßten von der Reconstruction Finance Corporation garantiert werden. Amerika- Rußland Gerüchte um frühere amerikanisch- russische Geheimverhandlungen " Nach den übereinstimmenden Bekundungen der im Winterhilfswerk tätigen Helfer zeitigen die Sammlungen in den sogenannten" besseren Stadtvierteln" die magersten Ergebnisse." Ein Naziblatt, der von den Braunen gestohlene " Dortmunder General- Anzeiger", muß diese Erscheinung in seiner Nummer 287 feststellen. Und welche Mittel nennt das Der Naziblatt gegen diesen kapitalistischen Eigennuz? Hausdichter des General- Anzeigers" muß ein Gedicht schmieren, worin durch zehn Strophen die Reichen ange= fleht und gemahnt werden, doch besser daran zu denken, daß jest„ Gemeinnuß vor Eigennus" gehe! Der sagenhafte Sänger Orpheus soll einst durch die Macht seines Gesanges die wilden Tiere gezähmt haben. Dafür aber, daß der Kapitalismus jemals durch Lyrik zum Schmelzen gebracht worden sei, fehlt jeder geschichtliche Anhalt. Und so ist die Ersetzung des Klassenkampfes durch Bettelgefänge ein ebenso würdeloses wie nuploses Mittel. Weitere Schrumpfung Die Großbankbilanzen für September zeigen, daß die Kreditoren nochmals um 52 Millionen abgenommen haben. Insgesamt machen die Großbant- Kreditoren nach der Schrumpfung im September, an der alle Institute mit Ausnahme der Reichskreditgesellschaft etwa gleichmäßig Anteil hatten, fast genan 1 Mde. weniger aus als vor einem Jahr, was mehr als 13 Prozent der Ausgangssumme gleichtommt. Dieser Rückgang war mit feiner nennenswerten Liquiditätsbeeinträchtigung verbunden, weil er seine Gegenpesten im wesentlichen in einer entsprechenden Berringerung der Warenvorschüsse und der Debitoren fand. Die Hälfte bis zwei Drittel des Gesamtrückganges dürfte auf Dollarentwertung und Auslandsabziehungen zurückzuführen sein. An- und Verkauf zentraleuropäischer und südamerikanischer Devisen, Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles& P. Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 500 Prozent Bürgersteuer In der letzten Stadtverordnetenversammlung in Magdeburg wurde beschlossen, für das Rechnungsjahr 1934 eine Bürgersteuer in Höhe von 500 Prozent des Reichssages zu erheben. Paris, 28. Oft. Die Pariser Ausgabe der„ Chikago Tribune" bringt einen längeren Bericht aus London, der behauptet, daß schon 1927 ein amerikanisch- sowjetrussisches Einigungsabkommen über die Abgeltung der russischen Handelsschulden insgeheim zustandegekommen sei. Mittelsmann dieses Abkommens sei ein früherer amerikanischer Journalist namens Thelplen, der gegenwärtig in einem Londoner Krankenhaus liege und nunmehr folgendes berichtet habe: Er habe als geheimer Agent der Washingtoner Regierung 1927 mit dem Sowjetbotschafter in London Rakowiti wegen der Anerkennung der Sowjetregierung erörtert wurden, habe Rakowski erklärt, hierfür sei der Bots schafter in Paris Krassin der geeignete Unterhändler. Hierauf habe ein Botschafterwechsel stattgefunden. Rakowski sei nach Paris und Krassin nach London versetzt worden, um die Verhandlungen mit dem amerikanischen Vertrauensmann fortzusetzen. Rußland habe sich erboten, 75 Prozent der Handelsschulden bei Amerika zu bezahlen, wenn Amerika der Sowjetregierung einige Zugeständnisse mache, die diese dem Volf plausibel machen könne. Das ganze Abkommen hätte sich auf eine Summe von zwei Mil= liarden Dollar bezogen. Die Zugeständnisse die die Moskauer Regierung verlangt habe, seien auch deshalb ge= fordert worden, weil sie ein entsprechendes Zahlungsangebot an England, Frankreich oder andere Länder nicht hätten machen können. durch Amerika Fühlung genommen. Als die Finanzfragen Schwätzer und Lügner Existenz in Frankreich Französisches Maklerbüro vermittelt Beteiligungen, Ges schäfts- und Grundstücksverkäufe, Mieträume zu Wohns und Geschäftszwecken. Unbedingte Diskretion. Sprech stunden unter Leitung eines deutschen Rechtsanwaltes Montags, Mittwochs und Freitags von 17-19 Uhr Anfragen unverbindlich zu richten an: Comptoir d'Echanges, Paris Ie, 1 Pl. des Deux Ecus Mitarbeiter in allen Städten gesucht Belgien! Für unseren Sohn, Israel. 33 Jahre, Mittelwuchs, angenehmes Aeußere, gut situiert u.gebildet, suchen wir Partie von nur besserem Hause, vermögend! Offert, erbeten an die Geschäftsstelle d. ,, Deutschen Freiheit" unter Nr. 770 Briefwechsel ( franz., engl., deutsch) Zeitungs- u. 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Und er findet in Hitlers Mein Kampf", Ausgabe 1933, auf Seite 177: Mir selber tamen die damaligen Stunden wie eine Erlösung aus den ärgerlichen Empfindungen der Jugend vor. Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, überwältigt vor stürmischer Begeisterung in die Knie gesunken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen." Am Tage des„ Daily- Mail"-Interviews, am 19. Oktober, teilte der„ Völkische Beobachter" Details über die gegenwärtige Verbreitung von„ Mein Kampf" mit. Seit Hitlers Regierungsantritt bis Oktober 1933 find danach 1,2 Millionen Exemplare des Kanzlerbuches abgesetzt worden, und bis zum Ende des Jahres werde die Gesamtauflage 1,5 Millionen Exemplare erreichen. Der Verfasser fühlt sich augenscheinlich durch diesen Erfolg nicht behindert. ( Neues Tagebuch") ,, Die kommunistische Partei ist nicht tot" Bayreuth, 27. Oft.( Inpreß.) An einer Hauswand, auf die vom hiesigen Fußballspiel die Blicke der Zuschauer unbedingt fallen müssen, ist in der Nacht vor einem großen Fußballwettspiel, zu dem Tausende von Personen erschienen, von unbekannter Hand eine Aufschrift in zwei Meter hohen PARIS- ETOILE 6, RUE D'ARMAILLE CHEZ KORNILOFF Berühmt durch seine vortreffliche Küche u. seine Spezialitäten. Stark besucht von deutschen Gästen Téléphone Etoile 52-49 Frau Vée, erfahrene Lehrerin, erteilt französ. Stunden an deutsche Flüchtlinge zu 5 Fr. die Stunde. Von 2 bis 8 Uhr, 46, rue des Bergers, 1- er Etage, Moro Javel Das ist cin..Arbeitslager" Exerzieren und Schießen und Schützengräben Von einem jungen Arbeiter, der wegen illegaler politischer Aufklärungsarbeit vor dem Zugriff der SA.- Schergen flüch ten mußte, erhalten wir folgende dokumentarisch belegte Wer von den jungen Arbeitslosen in Deutschland sich weis gert, in ein sogenanntes Arbeitsdienstlager zu gehen, der bekommt feine Unterstützung. So sind denn viele gezwuns gen in ein solches Lager zu gehen, wenn sie nicht verhungern wollen. Die„ Arbeit" im Lager sieht so aus: vormittags: 6 Uhr Wecken, 8-10 Uhr Gymnastik, 10-12 Uhr Ererzieren( unter Aufsicht von Reichswehroffizieren); nachmittags: 2-6 Uhr Arbeitsdienst( auf großes Arbeitsergebnis wird kein Wert gelegt), 6.30 Uhr Abendessen, nach dem Abendessen Schießen in der Halle( Kleinkaliber). ( Die abendlichen Schießübungen finden in den Räumen der ehemaligen Bergischen Zeitung" statt.) Dreimal in der Woche ist schießen auf dem Stand Kohlfurt. Es wird mit„ Sportmodell" geschossen( um ge arbeiteter Karabiner. Nur mit einem Schuß zu laden.) Bei schlechtem Wetter findet außerdem Unterricht am Sandbaukasten statt. Es wird natürlich„ Krieg ge spielt", nämlich Schüßengräben, Unterstände usw. modelliert. Der junge Mann berichtet uns weiter, daß etwa 70 Prozent der Lagerinsassen innerlich gegen dieses ganze Treiben find. Nur etwa 30 Prozent haben Befriedigung bei dieser Ausbildung, die selbstverständlich ihren Zweck hat. Erwähnt werden muß noch, damit das militärische Bild voll wird, daß man im Lager zwei Flugmaschinen hat. Spezialisten werden am Flugzeugmotor ausge bildet. Außerdem veranstaltet die SA.- Fliegerstaffel Kurse zur Ausbildung von Sportfliegern". Natürlich ist das alles völlig harmlos. Alle diese Dinge haben, wenn man den amtlichen Verlautbarungen glauben will, nicht den geringsten militärischen Wert. Es ist nur alles von wegen der Disziplin. Wird die Welt rechtzeitig erwachen? Chez Wanda 23, rue Caumartin Achtung! Lang existierende Cabaré, Dancing, Mittage und TRIKOTAGEN FABRIK Abendessen, Orchestre mit Maschinen, krankheitshalber sofort zu verkaufen oder zu veran The two hot players Marcel" mieten. Anfragen Yvonne Henry, Tassia Mouratoff, Zorin, Golovko Publ. Metzl, Paris, 51, Direktion: Oscar L. Bers- Eristow rue Turbigo No. 900. ua, Die Tuberkulosebekämpfung in Frankreich In der Akademie der Medizin zu Paris hat ein wiffenschaftlicher Ausschuß die neuen Methoden der Tuberkulose bekämpfung nach eingehendem Studium vorgetragen. Die Akademie erklärte, es sei nicht begründet, die moderne Be handlung der Sanatoriumsfur gegenüberzustellen. Die Luft- und Ruhefur in einem geschlossenen Sanatorium be halte ihren Wert und sei durch die Erfahrung anerkannt. Sie sei notwendig, um den neuen Methoden ihre ganze Wirksamkeit zu geben. Weiter erklärte die Akademie, die minderbemittel ten Klassen müßten der Sanatoriumsbehandlung teilhaftig werden, und die Sanatorien müßten mit allen moder nen Mitteln der Bekämpfung dieser Volkskrankheit ausgerüstet werden. Eine interessante Mitteilung machte Dr. Courmont über das Leben des Koch- Bazillus im Blute des Patienten. Eine Doppeluntersuchung an 151 Leidenden( Kulturenzüchtung und Mikroskop) hat ergeben, daß, während der normale Bazillus in Säuren leben bleibt, sich zuweilen eine Bazillenart im Blute des Tuberkulosen findet, die Säuren nicht aushält. Courmont betrachtet dieses Wesen als jungen Bazillus, der noch nicht mit Schale bekleidet ist. Daher nennt er ihn den„ nackten" Bazillus. Diese Entdeckung wird zweifellos in ärztlichen Kreisen stark diskutiert werden. Günstige Kapitalanlage! 800 000 Frs. als 1. Hypothek sucht gutbeschäftiger Großbetrieb zwecks Erweiterung und Ausbau Nur ernsthafte Geldgeber wollen Offerte einreichen unter Nr. 712 an die Geschäftsstelle der Deutschen Freiheit" Saarbrücken Buchstaben angebracht worden. Die Aufschrift lautete:„ Die Werbt für die ,, Deutsche reinen"! Kommunistische Partei ist nicht tot." Pariser Berichte Pariser Musikleben 1933 Orchestervereinigungen und große Konzerte - wer ist das Publikum? ( Von unserem Pariser Musikberichterstatter.) Die Pariser Saison hat mit einer Sturmflut von Theateran Orchestermusik vor allem, begonnen, wie es das oft zum Vergleich herangezogene Berlin kaum je gekannt, wie es auch die klassische Musikstadt Wien seit langem nicht mehr aufweisen kann. Nicht weniger als sieben Orchesterver einigungen baben an den„ Grands Concerts" teil, die den Gru.. die innere der modernen Orchesterkomposition, die äußere der Weltfinanz- hat hier also noch keine Beschränkung gebracht. Im Gegenteil, es herrscht Ueberfluß, und die Auslese fällt dem kritischen Beobachter zunächst nicht leicht. Pariser Musiklebens bilden. Die Krise wirklich eine innere Beziehung zu den Inhalten und Formen unserer Zeit. Daß er tiefer Verinnerlichung fähig ist, daß er die große Form beherrscht, wissen wir aus seinem Orato= rium König David"; daß er Bewegungsrythmen der Gegen= wart musikalisch wiederzugeben und zu gestalten versteht, zeigten seine Lokomotivensymphonie Pacific 231" und sein Sportcapriccio Rugby". Nun folgt als drei Drchesterwerk die zweiteilige, programmlose symphonische Bewegungsmusik, deren Allegro wieder dem Maschinenrhythmus zu huldigen scheint, während der langsame Teil Beispiel einer zeitverbundenen, unsentimentalen Lyrik ist. Beide Elemente prädestinieren Honegger zum Filmkomponisten mit Zyklus der Geschmack und Gewissen. Man darf auf seine erste Arbeit allwöchentlichen im Salle Gaveau veranstalteten Concerts Lamoureux ein Stück echtester französischer Musikübung lebendig ist, daß ihr Leiter, Albert Wolff, die Tradition westlichen, mehr nach Klarheit als nach Gefühlsvertiefung strebenden Dirigententums fortsetzt. Nicht viele Pariser Orchester sind so wie dieses fast ganz in einer leitenden Hand geblieben. Man blickt auf Paul Paray, der die Concerts Colonne im Theatre Chatelet leitet, auf den überaus sympathischen Philippe Gaubert, den die Societe des Concerts zum Führer bestellt hat, auf den prominenten Pierre Monteug mit seinem Orchestre Symphonique de Paris, und man ist am Ende. Denn schon die Concerts Poulet im Theatre Sarah- Bernhardt, die mit ihren interessanten Programmen manche Lücke füllen, sehen Gäste vor neben ihren beiden ständigen Orchesterchefs- dem bekannten russischen Dirigenten Emil Cooper und dem ausgezeichneten Opernkapellmeister der Comique M. G. Clöz-, und die Concerts Pasdeloup, die in dem luxuriösen Theatre des Champs- Elysees ihr besonderes Publikum vereinen, erheben das Gastdirigententum zum Prinzip. Wenn Konzertveranstaltungen in wenigen Tagen sich überlagern, wenn Programme zur gleichen Stunde sich überschneiden, wenn interessanteste Werke vor nur halb- oder gar viertelgefüllten Sälen erstaufgeführt werden, tauchen immer auf. Wer bezahlt den kostspieligen Leerlauf, wo ist das " VoIf", in dem diese Kunst ihr Publikum, ihr lebendiges Echo besitzt? Finden wir es nur im Kino, wo man allen Genügen ihm die Plazmusiken in den Gärten dieser herrlichen Seinestadt? Hat es keinen Anteil am Kunstleben seiner Metropole, an den Werken seiner großen Komponisten, die Landschaft schöpften? Die Antwort ist gewiß nicht leicht. Fragen, um deren Lösung man sich in Mitteleuropa seit langem mühte, sind nur in sehr beschränktem Maße als Kunstunternehmer und Kunstförderer hervor. Eine Organisation, wie es bis vor furzem etwa die deutsche Volksbühne war, besteht kaum in den Händen privater, bürgerlicher Gruppen, die im Effekt mehr gegen- als miteinander arbeiten. Aber die Kräfte, die in dieser gewiß bemerkbaren Desorganisation verloren gehen, tragen doch zu der einzigartigen Buntheit eines bürgerlichen Kunstlebens bei, das nach der Faschisierung Deutschlands in Paris feine vielleicht letzte Heimat auf europäischem Boden sieht. Toscanini Adolf Busch Erhält das Pariser Musikleben Antrieb, Mittel und Publifum hauptsächlich aus der Interessensphäre privater Unternehmergruppen, so gibt es doch auch hierin Ausnahmen. Wenn Arturo Toscanini, der Ehrenbürger Bayreuths, Gute Verdienstmöglichkeit! für arbeitsfreudige Herren, möglichst französische Sprache beherrschend, bietet Privat- Krankenkasse. Persönliche Vorstel lungen Montag u. Dienstag von 6-18 Uhr H Lamm, Paris( 9) 5. Bd. des Italiens Internationales Advokaturbüro Georges Lewinsky 342 ( 25 Jahre Praxis) 28, Avenue de l'Opéra, Paris( 2), Tel. Opéra 51-10 Erledigung sämtlicher Rechtsangelegenheiten, Besprechungen, Gesellschaftsgründungen, Notariats. akte, legale Übersetzungen werden prompt erledigt. Sprechstunden von 9-12 und 2-6 Uhr. Erteile französ. Unterricht fortgeschr. 8 Frs. Schreiben an: Publ. Metzl, Paris, 51, rue Turbigo. No. 911. 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Ronzert und Tanz Auch die artistische Bereicherung vermag das. Wenn Pierre Monteur sich den Tänzer Serge Lifar als solistischen Helfer für eines seiner Zykluskonzerte mit dem Pariser SymphonieOrchester verschreibt, so bedeutet das zunächst gewiß nur eine Sensation für die Snobs aller Arten. Aber der Gedanke ist zukunstweisend: nach dem Instrumentalisten, nach dem Sänger, dem Sprecher, nach der Farblichtmusik nun auch den Tänzer in den Rahmen des Konzerts miteinzubeziehen, ihn 3wischenwerfe wie Beethovens Prometheus" oder Debussys Prelude a l'apres- midi d'un faune" solistisch ausdeuten zu laffen. Die Einförmigkeit des Konzerts kann so äußerlich und innerlich gewandelt, ein neuer Publikumsfreis interessiert werden. Honegger als Filmmusiker- Die Comedian Harmonists Es bleibt die Frage der zeitgenössischen Produktion. Die Ausbeute an neuen Werken ist bis jetzt gering. Von Honegger, der aus dem mehr oder weniger verspielten Kreis der„ Sir" einst hervorging, muß gleichwohl besprochen werden. Er leitet die Pariser Erstaufführung seiner" Mouvement Sym phonique Nr. 3" in zwei aufeinanderfolgenden Matineen der Concerts Pasdeloup. Dieser französischer Schweizer hat # dieses Genres, die Musik zu„ La separation des races" Erwartungen seßen. Denn Filmmusif", das kann ja sehr verschiedenes sein: man betrachte den Riesenschritt, der von der Welt Honeggers, des zeitnahen Musikers der den Bewegungsrhythmus unserer heutigen Welt in sein Material einfangen und mit seinen Formen gestalten will. zu dem Kunstgewerbe der„ Comedian Harmonists" führt, die einen ganzen Abend mit ihren reizenden Nichtigkeiten füllen. Beides Musik der Zeit, Filmmusik der Zeit, aber die eine schöpferisch in die Zukunft weisend, die andere trotz aller Mondänität rückwärtsgewandt, Gesellschaftsspiel einer müden, an gedämpften Farben sich erbauenden Schicht. Auch diesen fünf Falsettstimmen, die in ihrer Art Außerordentliches leisten, scheint die deutsche Luft nicht mehr zuträglich zu sein. Paris wird sich von ihrer Eleganz gerne umschmeicheln lassen es wird auch sie gleich den vielen andern, die Italien und Deutschland verlassen haben, auf seinem demokratischen Boden willkommen heißen. Schreibstube 9, Rue Buffault( IXe) Zim. 606 Tel. Tru. 43-28. Metro Cadet Maschinendik. Std. 7,50 Fr. Übersetzung. Verträge, etc. Franz. Engl. Deutsch.( Korrekte Ausführung) Besuchen Sie Reibros! Dort werden Sie die schönste Wahl von Pariser DP, Franz KALLMANN Damen- Hüten finden, von unvergleichlichem früher Rechtsanwalt am Schick und Qualität Preis ab 39,- Frs. REIBROS 2, Rue La Fayette PARIS Herr Skornicki teilt seiner hochverehrten Kundschaft mit, daß sein Juristisches und Buchprüfungs- Büro vom 31. Okt, 1933 nach 26, Rue Beaubourg, Paris( 3°) übertragen ist- Tel. Turbigo 54-78 Landgericht Mainz; jetzt: Paris( I- r) 15, rue Thérèse, tél. 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Sarret habe ihn hingeführt. Er traf einen Schwerkranken, Französiches Industrie- Unternehmen, das seit Jahren ein Deutsches Patent verwirkt sucht zur notwendigen Produktions- Vergrößerung Teilhaber mit 300,000 Fr. AnRechtsanwalt fragen an Publ. Metzl, Paris, 51, rue Turbigo Nr. 917 De.jur. M.A.Adamoff! 85, Rue de la Convention( 15) Tél. Vaug. 59-07. Sprechst. von 6 bis 8 Uhr Damenscfineider J. Mastchenko 7, Rue du Marché St. Honoré. Tel. Opéra 72-79 Kleider, Mäntel, Pelze. Umarbeitg., Reparierung Der Mordprozeß in Aix Sarret beißt sich auf die Lippen magerung um 90 Pfund Die AbAix- en- Provence, 27. Oktober. Im Prozeß gegen den Mörder Sarret und die bayerischen Schwestern Schmidt wurde am fünften Tage über den verstorbenen Ehemann von Katharine Schmidt ver= handelt. Katharine hatte den alten Kolonial- Bewohner Deltreuil geheiratet, um Französin zu werden. Vier Monate vor seinem Tode hat Deltreuil, der ein forscher Mann war, eine Lebensversicherung von 100 000 r. zu= gunsten seiner Frau abgeschlossen. Deltreuil starb abgemagert, arm und verlassen in einem Marseiller Hotel. Eine Näherin, die Deltreuil jeden Morgen die Milch brachte, wurde darüber vernommen. Sie war beim Todesfampfe Deltreuils anwesend. Der Alte sagte eines Tages zu ihr:„ Bringen Sie meine Papiere und Chemie- Bücher, wenn ich nicht mehr sein werde, zum Maitre Sarret." Vorsitzender: Haben Sie einmal bei Deltreuil einen Mann namens Chambon gesehen?" Er reicht ihr eine Fotografie. Diese Frage ist von Wichtigkeit, weil Sarret behauptet, er habe den später in der einsamen Villa ermordeten Erpriester Chambon als Strohmann für Deltreuil zu einer Versicherung geschickt, und seitdem habe Chambon ihn„ chanter" lassen, d. h. ihn erpreßt. Dies sei der Grund zu dem Streit, in dessen Verlauf er ihn erschlagen, nicht ermordet habe. Die Näherin entfinnt sich nicht, den Expriester Chambon gesehen zu haben. Der Zeuge Dr. Rougon beschwört, einen Menschen von guter Gesundheit für die Versicherungsgesellschaft untersucht zu haben. Kosmetische Kurse // MACO" Vorbereitung kosmetischer Produkte Verteilung der Diplome 278, BOULEVARD RASPAIL Telefon Danton 73.99 Qualität und Preis unserer JUWELEN sind unsere größte Empfehlung. Verkaute tausende Juwelen 50% billiger als überall BROUDARGE 2, Rue de la Paix, 2. PARIS Sachverständ. Juwelier u. Fabrikant ZAHLT IMMER IN BARI Feinste jüdische Selchwacen- und Wiener Bäckerei- Geschäfte Pacis 58, Avenue Wagram, Tel. Carnot 27-63 58. Rue de Passy, Tel. Auteuil 33-61 elen günstige Existenz Mit ca. 40000 Fr. Kapital täglich 1500 Fr. zu verdienen. Nur Selbst: interessenten erhalten Auskunft. Offerten an PUBLICITE METZL, PARIS, 51, rue Turbigo, Nr. 657 der nur 50-55 Kilogramm wog, fand aber nichts Verdachtiges.( Der Fall Deltreuil steht ja auch nicht unter Anflage.) Vorsitzender:„ War das auch Deltreuil?" Dr. Murat:„ Ich glaube; denn er sagte, er heiße so. Auch sprachen wir von der Dordogne, unserem gemeinsamen Heimatland. Ich schrieb ein Rezept und gab es Sarret. Fünf Tage später erfuhr ich, daß Deltreuil tot war. Ich untersuchte genau die Leiche, befragte auch den Zimmerkellner, fand aber nichts Verdächtiges." Staatsanwalt: ft es möglich, daß ein Mann wie Teltreuil, der 90-95 Kilogramm miegt, in 4 Monaten auf 50 Kilogramm abmagern kann?" Die beiden Aerzte:" Im Falle von Krebs ist es unter Umständen.medizinisch möglich." PARISER STRASSENKALENDER Am Bahnhof St. Lazare findet von 7 bis 20 Uhr ein Verkauf der guten Früchte von Frankreich" durch die Staatsbahn statt. Zuerst wird drei Wochen lang„ der gesunde Apfel", ein besonders gutes Produkt von 5000 Obstbäumen, verkauft. Eine sehr moderne 4000 Quadratmeter große Garage für 2000 Wagen, acht Stockwerke hoch, wurde vom Seine: Präfekten und vom Bariser Stadtrat gegenüber der Petite Roquette eröffnet. Das Geld hat der Crédit Municipal gegeben. Die Wagen werden nach der Einlieferung ge= waschen, getrocknet und gefielt. Verhaftet wurde ein Westschweizer namens Georges Wezin, der die Opferstöcke in der Kathedrale Notre Dame beraubte. In der Kirche des Flugplatzes von Bourges wurde ein eigenartiges neues Kunstwert, ein Bas- Relief einer„ Maria mit den Flügeln", die als Statuette vor einem Oval von Flügeln steht, von dem Kardinal von Paris eingeweiht. Dr. jur. S. Sotchivko RECHTSANWALT 96, Av. des Ternes, Telefon Eto 26-59 JA Junger perf. deutsch u. franz. sprech. Inge. nieur gesucht. Muß in Television u. phys. Laboratoriumsarbeiten bewandert sein zwecks Untersuchungen. Einige Wochen be schäftigt. Meist Heimarbeit.- Schreib.; Publ. Metzl, 51, rue Turbigo, Nr. 903. 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Heimburg bringt zunächst allgemeine Klagen über die Lästigkeit von Emigranten überhaupt vor, die er am besten wohl via München der befreundeten österreichischen Legion oder dem russischen Emigranten Alfred Rosenberg, Pressechef des österreichischen Emigranten Hitler, zuleitet. Selbstverständlich ist die von der deutschen Opposition durchgeführte Aufklärung über die wahren Ziele des Hitlertums, der in„ Mein Kampf" Frankreich als den Todfeind ausgibt, den Nazi- Zellen im lateinischen Viertel läftig. Daher helfen sie sich, indem sie Frankreich vor dem Typ des Ostjuden warnen und androhen, daß ein„ Antisemitismus auf breiter fonservativ- bürgerlicher Grundlage" die Regiecung bald zwingen werde, dem Spuk ein Ende zu machen. ( Im Original steht:„ Spuck", welcher uns weg bleibt.) Das ist also eine Bedrohung mit dem Hinauswurf und Verpegung in lieblichster Form. Natürlich nur zum Wohle Deutsche medizinische POLIKLINIK 143, Bd. Murat. PARIS Métro Porte de St. Cloud Tram. 1, 2, 18, 123/124 Autobus: AS ÄRZTLICHE LEITUNG: Aerzte der Berliner und Pariser med. Fakultät Spezial- Ärzte für Frauen- und Kinderkrankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Chirurgie OHREN-, AUGEN-, NASENUND HALSLEIDEN Höhensonne- Diathermie, Röntgen- u. chemisches Laboratorium. Behandlung sämtlicher Krankenkassenmitglieder Zahnärztliches Kabinett Empfang von 10-12 und 15-20 Uhr Sonn- und Feiertags von 10-12 Uhr DEUTSCHE KLINIK 8, RUE BLANCHE METRO: TRINITÉ UND ST. LAZARE. TELEFON: TRINITÉ 64.99 ..POLIKLINISCHE ORDINATION' für: Inneres, Chirurgische, Frauen, Kinder, Haut und Geschlechtskrankheiten. Avgen, Ohren, Nasen und Halskrankheiten. Geburtshilfe. Roentgen, Diathermie, Höhensonnen- u. Grenzbestrahl. OPERATIONEN, WOCHNERINNENHEIM Ordination: täglich von 1 bis 8 Uhr, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr Montag, den 30. Oktober Concert des Cheour de la Grande Synagogue de Berlin. 9h Th. des Champs Elysées( Maître de Chapelle B. Spoti). Opera. 8 h La Valkyrie( R. Wagner). Comedie Francaise. Opera Comique. 8 h 45 La Belle Aventure. Keine Vorstellung. Odeon. 8 h 30 Le Barbier de Seville. Le Dépit amoureux. 8 h 45 Tovaritch( Elvire Popesco, André Th. de Paris. Lefaur) Gaite Lyrique. Franz Lehar). Th. Montparnasse. ievsky). 8 h 45 Le Pays du Sourire( op. de 9h Crime& Châtiment( DostoSEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de Clichy Metro Blanche Harnleiden. chronischer und frischer Tripper, Militärgicht, Cystitis, Prostata FRAUENLEIDEN Blutkrankheiten, Venenentzündung. Hämorrhoiden Syphilis, Haut und Kopfhauterkrankungen: Ausschlag, Psoriasis. Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und durch ultraviolette Strahlen Serotherapie und Auto- Hemo Therapie-Mässiges Honorar Konsultationen von 9-12 und 14-2 Uhr. Sonntags von 9 12 Uhr. Doktor Wachtel Harn, Blut und Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol. Sprechstunden v. 9-12 u. 2-8 Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hals. Ohren: Sprechstunden tägl. von 5-7 Uhr. Kassenversicherte werden angenommen. Dr.med.M.Gaydebouroff GAUGENARZTIN 61, RUE FALGUIERE PARIS Métro: Pasteur Teleton Ség. 32-30 Montag, Mittwoch, Freitag von 5-7 Uhr Frankreichs, denn man weiß ja, daß die echten Freunde Frankreichs die edlen Spione aus dem Saargebiet und Lieblinge der schönen Sophie", der Meisterschaftsspionin, sind. Eine Flunkerei des Artikels ist, daß sich alle Emigrantengruppen in der Antifaschistischen Front zusammengeschlossen hätten. Auf diese Weise will man sie nämlich der Förderung der Weltrevolution und der Mittäterschaft mit van der Lubbe verdächtigen. Andererseits wird der Sozialdemokrat Wels, der sich unseres Wissens in Prag befindet, sich sehr wundern, daß er mit dem auch nicht in Paris anwesenden Dr. Breitscheid und dem Reichsbannerführer Stein bei Leon Blum ein- und ausgehen soll. Auch die Angaben über die Flüchtlings- Kasernen in einem(?) Pariser Vorort und in Fontainebleau(?) sind ungenau. Die Erfindung von Trupps zu 3-400 Mann, die zu einer Art Arbeitsdienst" in die Provinz geschickt würden, ist nicht besser. Am schlimmsten aber scheint uns die Behauptung, daß die Franzosen durch harte Behandlung in angeblichen Arbeitslagern in Toulouse und in Marseille die Leute zum Eintritt in die Fremdenlegion mürbe machen wollen. Das ist eine Beleidigung der französischen Behörden. Mal den Franzosen um den Bart gehen, mal sie beschimpfen- das ist alte Nazi- Taktif. Die Franzosen, das ritterliche Volk des Gastrechts für die Opfer der Barbarei, kennen das schon. Ein blinder Professor bei dem Schnellzug- Unglück getötet Eines der 37 Todesopfer, die die Entgleisung des Schnellzugs Cherbourg- Paris gekostet hat, ist der blinde Professor. Pierre Villey von der literarischen Fakultät von Caen in der Normandie. Der Blindgeborene war ein mit besonderen Auszeichnungen arbeitender Wissenschaftler, ein hochbegabter ehemaliger Schüler der berühmten Ecole Normale. Villey hatte den Lehrstuhl für Literatur in Caen, das fibrigens die Heimatstadt von Auber ist, inne. Er hat Werfe über den großen Montaigne und seine Philosophie geschrieben, und war Laureatus der Unsterblichen. Das Tragischste am Tode dieses hervorragenden Blinden ist, daß ihn das Eisenbahnunglück auf dem Wege zum Antritt einer neuen Stellung als Generalsekretär der Gesellschaft Valentin Haïcy ereilte. Diese Gesellschaft geht auf den vor etwa 110 Jahren verstorbenen Gründer des JungblindenInstituts zurück, der der Erfinder des Blindenunterrichts durch Reliefs ist. Die Schwester des ersten Stadtrats von Caen wurde so verstümmelt, daß sie nicht mehr zu erkennen war. Weiter wurden der Rennstallbesizer Patin, das Mitglied des Generalrats und Stadtrat Lefevre von Bernay und der Geiger Andre Pons getötet. Pons war erster Preisträger des Konservatoriums und befand sich auf Heimreise von einer Uebung als Soldat, als ihn das Geschick ereilte. Pariser Theater Sonntag, den 29. Oktober Concerts Pasdeloup. Th. des Ch. Elysées 16 h 30 Chef d'Orchestre Hasselmans. Concerts Poulet. Théâtre Sarah Bernhard 17 h 30 Chef d'Orchestre Ruhlmann. Opera. Relâche. 1 Comedie Francaise. 2 h 30 La Nuit d'Octobre, Le Maître de son coeur, 8 h 30 l'Arlesienne. Opera Comique. 2 h 30 Pré- aux- Cleres, Les Rendezvous Bourgeois, 8 h Manon. Odeon. 2 h 30 La Colombe Poignardée, Il n'est jamais trop tard. 8 h 30 La Cagnotte. Trocadero. 2 h 15, L'Ami Fritz, Le Passant. Gaite Lyrique. ( op Fr Lehar). Th. de Paris. Lefaur). 2 h 45 et 8 h 45 Le Pays du Sourire 8 h 45 Tovaritch( Elvire Popesco, André Th. Montparnasse. ( Dostoievskg), 3 h. et 9 h. Crime et Châtiment . Erstklassiges Restaurant in Paris sucht zur Ausweiterung aktiven oder passiven SOZIUS mit 100 000,- bis 150 000,- Franken. Anfragen an: Publ. Metzl, 51, rue Turbigo, Nr. 919 Werkstätten- und Fabrik- Besitztümer von jedem Flächeninhalt PARIS, Vororte oder Provinz zu ve kaufen oder zu ver mieten. 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Passy 47.57 Sprechstunden täglich von 1.30 bis 3.30 Uhr für innere, Frauen- und allgemeine Krankheiten BRIEFKASTEN P. P., Zürich. Derartige Lohnabrechnungen mit den ungeheuer lichen Abzügen haben wir schon veröffentlicht, und zwar auf Grund von Original- Lohntüten. H. S. K. Sie dürfen uns nicht zumuten, eine so wichtige Nach richt auf Grund eines anonymen Brieses zu veröffentlichen. Schreiben Sie uns ruhig Ihre Adrese. Der Brief braucht ja nicht über Deutschland zu gehen. Auch mü, en wir nähere Angaben haben, ob es sich um eine allgemeine Erscheinung handelt, oder ob sie sich auf einige Gebiete beschränkt. Leser Hotel du Parc, Ostende. Uns wundert nur, daß Sie sich wundern, weil wir so prompt Ihre Richtigstellung gebracht haben. Wir wollen der Wahrheit dienen und fühlen diese Verpflichtung um so stärker, als unser Deutschland von einer Lügenflut übersd, wemmt wird wie nie. Wir würden auch Berichtigungen der Geheimen Staatspolizei veröffentlichen, wenn sie uns irrtümliche Berichterstattung nachweisen könnte. Es gibt leider soviel Greuelwahrheiten, daß man Greuel märchen nicht zu erfinden braucht.- Ihre Anregung ist wertvoll. Sie haben allerdings recht, unsere finanziellen Mittel auch nicht entfernt mit denen des Herald" zu vergleichen. Weder vom sozialdemokratischen Parteivorstand noch aus der sozialistischen Internationale, noch von den Juden oder einer sonstigen Hilfsquelle ist uns bisher auch nur der geringste Betrag zugeflossen. Wir müssen uns aus eigener Straft durchkämpfen. Hermann Röchling, Saarbrücken. Es ist dankenswert, daß Sie zwischen Ihren lukrativen Geschäften mit der französischen Aufrüstung noch Zeit finden, Aufsätze für die„ Kölnische Zeitung" schreiben. In einem dieser Artikel loben Sie die„ planvolle" Arbeit Fitlers und meinen mit der überschlauen Pfiffigkeit des deutschen Vesizzbürgers:„ Man ließ zunächst auch die Sozialdemokraten ver ihre Agihältnismäßig ungeschoren, verhinderte nur tation für die auf den 5. März angesezte Reichstagswahl durch Lahmlegung ihrer Preise. Der Erfolg dieser Maßnahmen, deren absolute Geheimhaltung das Ueberraschungsmoment voll zur Auswirkung kommen ließ, war so groß, daß kein nennenswerter Widerstand von seiten der marxistischen Parteien geleistet werden konnte. Der sichere Instinkt, aber auch die fergfältige Erwägung aller Möglichkeiten hatten rechtzeitig alles zerschlagen, was auf seiten der PD. und der SPD. geplant war." Sie sind ein maßgebender Führer der„ Deutschen Front" an der Saar. Wir haben Ihr Bekenntnis zum Gesinungsterror registriert. Sie und andere Geschäftspatrioten halten wohl derartige „ Ueberraschungsmomente" auch gegen die staatsbürgerlichen Rechte att der Saar bereit? Sie werden nicht in die Verlegenheit kommen, sie anzuwenden. Aber merken Sie sich, Herr Röchling: Wir haben ein gutes Gedächtnis. Paris. Sie behaupten, daß Herr Siegfried Schmitz aus Nürnberg ia Konzentrationslager zu Dachau schon nach zehntägiger Haft Mißhandlungen der A. erlegen ist. Ein an Herrn Schmit adressiertes Paket kam mit dem Vermerk zurück„ Adresat im Kon zentrationslager Dachau verstorben". Es handelt sich da bestimmt um einen ganz seltenen Ausnahmefall, denn nach den amtlichen Be richten ist der Gesundheitszustand in ganz Bayern nirgendwo so gut wie im Konzentrationslager zu Dachau. Von anderer Seite ist uns übrigens berichtet worden, auch Herr Dr. Kazz ſei in Dachau ermordet worden. Wir würden uns freuen, wenn die Behörde solche Greuelberichte dementieren könnte. Es geschähe am Deutsches Zahnärztliches Institut • 22, RUE DE DOUAI. Métro: Blanche, Pigalle Tel. Trinité 50.27 Sprechstunden: 9.12, 2.8 Uhr Zahn- u. Mundkrankh.. Röntgen, Elektrotherapie, Prothesen, Kronen. 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Es fiel uns fcfort der fettgedruckte behördliche Aufruf an die dortige Bevölke rung auf mit den Kernsäßen:„ Der Innenminister hat insbesondere allen Behörden nochmals zur Pflicht gemacht, auch bei den nach geordneten Dienststellen besonders darauf hinzuwirken, daß ausländischen Staatsbürgern in jeder Weise der öffentliche Schutz genährt wird. Falls ein polizeiliches Eingreifen notwendig werde, sei mi besonderer Zurückhaltung, Vorsicht und Höflichkeit zu ver fahren." In der ersten Freude wollten wir sofort in Ihre friedliche Heimat abreisen. Da entdeckten wir bei nochmaligem Durch lesen, daß sich der polizeiliche Schutz gegen die Bestien der SA. und der SS. nur auf Ausländer erstreckt; in diesem besonderen Felle auf belgische Fußballspieler. Schade! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dud weiler; für Inferate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrüden 3, Schüßenstraße 5. 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