i I Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands N, ^nmer 114—1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch-Donnerstag, l.|2. Nov. Chefredakteur: M. B r a u a Ans dem Inhalt D iebe un d Jläubec als Jiccmieuqen Seite 2 7 lue Tlazis sehen die tButqacen Seite 3 iOehcuUssenschaft in Deutschland Seite 5 Amüsante Spiteelqeschichte Seite 8 Bilder sehen Hitler ani ft as sind die Opfer, die der Reichskanzler„Halunken" schimpft ÄMt.'--•- t— I~ rt»-..e r- r.-i S. nm St_ W Schreie der Mißhandelten aus den?"^ttkellern der w^ben oft in der„Deutschen Freiheit ihr Echo ge- ÄÏ?- Wiederholt haben wir die Fotografien entietzlich ^polierter veröffentlicht, um die Schandtaten der Hitlerer °r aller Welt aufzuzeigen, und nie hat man die von >s veröffentlichten Tatsachen auch nur im r.» g fr c n z u e n t k r ä f t e n v c r m o cht! Die gleich- »schaltete Presse hüben wie drüben hat lediglich mit au- 5°>neincn Schimpfereien unsere Aufklärungsarbeit zu î^Mahen versucht. Sie stellt sich schützend vor ein System, vz Ströme vergossenen Blutes und die Nilpserdpeitsckic Mers zu staatlichen Selbstverständlichkeiten erhoben hat. vas Wort Halunke ist durch den deutschen Reichskanzler "} die Sprache der Diplomaten eingeführt worden. Es war vergifteter Pfeil auf das Andenken der durch Hitler- ^onden gemordeten Freiheitskämpfer abgeschoben worden. I^.r tausendfach prallt dieser Pfeil aus d»c .i^e^^,Halunk"«"-Reden des deutschen Reichskanzlers -ües Verleumders, wie wir gerichtlich nachzuweisen berelt i>.' Owingen uns, einige der uns in jungner Zeit wieder ^kanut gewordenen Fälle von Folterungen durch Hitler- ânditen zu veröffentlichen. H Bestien Hit Nllpferdpeltsdien ».Ein junger Handwerker, der gewerkschaftlicher Vertrauensmann war und der über das Walten °er NSBO. einige abfällige Aeußerungen LMe, wurde Mitte August dieses Jahres von >^.-Leuten vom Nachrichtendienst B och u m !" das dortige Stnrmlvlal geschleppt und furcht- mißhandelt. Die Bestien bearbeiteten den bedauernswerten mit ihren Nilpferdpeitschen -^"et, daß, wie eS auch auf dem Bild zu sehen ^'.r, die Beine von den Leisten abwärts eine ein- des Gorsch war bei dem Ueberfall dabei, sie wurde, nach Aussagen von Augenzeugen, ebenfalls niedergeschlagen und in einen Hausgang geworfen. Dem Gorfch selbst hatte man ein Messer oben im Rücken angesetzt und es bis unten ge- rissen, wie es unser Bild deutlich zeigt. Nach dieser entsetzlichen Verletzung stachen die braunen Henker in Reichskanzlcruniformen dem Gorsch noch sechs- mal in die Ritzwunde hinein. 11 Tage später starb Gorsch trotz Vernähung und mehrfacher Blutübertragung an den Folgen des erlittenen Blutverlustes. Vier Nazis wurden verhastet, aber sehr bald wieder in Freiheit gesetzt. Die Aufnahme konnte seinerzeit unter großen Schwierigkeiten im Ärankenhause gemacht werden. Siedl geschlagen! Der Chauffeur K. aus LämmerSspiek sKreiS Vffcnbachs fuhr Anfang August d. I. beim Rochusberg m Bingen die steile Straße nach Main, zu herunter. Auf der glatten Straße kam das Auto ins Rutschen und konnte erst un- mittelbar vor einer marschierenden Nazi-Kolonne zum Stillstand gebracht werden. Tie Nazis vermuteten bei ihrem schleckten Gewissen ein Attentat und sielen sofort über die ai— vvmc UVII u v Ii teilten UUIUMU» eine Ii»' °'ae offene Wunde bildeten. Der Rücken und as Gxsjjh j,£j j Mißhandelten boten den gleichen Anblick! Die Fotografie ist 14 Tage nach er- ^"/gter Folterung gemacht. Es war eine lang- gierige ärztliche Behandlung notwendig. Fast Aei Wochen konnte der Gepeinigte nur unter Allergrößten Schmerze» auf Luftkissen gebettet werden. Seinen Namen müssen wir verichwcl- weil sonst seine noch in der Hitlerhöllc 'ebenden Verwandten harten Verfolgungen ""^gesetzt sein würden. * t Zu Tode gequält Ein iitmi er Mensch namens Gorsch wurde an J. 5: !" dns Städtische»Irankenhaus zu Mainz "'ar auf offener Straße von einem Trupp Nazis angcfauen worden die er angeblich angepöbelt haben soll, Die Mutter Insassen des Autos, den Chauffeur und einen— Juden her. Sic schlugen die Fensterscheiben des Wagens ein und wollten das Fahrzeug umwerfen. Der Chauffeur versuchte eine leichte Gegenwehr, wurde aber niedergeschlagen. Er erhielt einen kräftigen Hieb über den Kopf und verspürte noch, bevor er endgültig das Bewußtsein verlor, einen harten Tritt gegen den Unterleib. Einige Tage später wachte er im Mainzer Krankenhaus aus seiner Bewußt- losigkeit auf und stellte fest, daß er mit drei Stichen in den Unterleib eingeliefert worden war, die unter anderem auch zu schweren, fast lebensgefährlichen Darmverletzungen ge- führt hatten. Wochenlang mußte der Mißhandelte im Krankenhaus zubringen, um während dieser Zeit zu er- fahren, daß ein Verfahren wegen absichtlicher Transport- gefährdung gegen ihn schwebe. Als er halb und halb aus- kuriert war, packten ihn die braunen Häscher und schleppten ihn in das Konzentrationslager Osthofen. Das Lager sollte für K. indessen nur eine Durchgangsstation sein. Am näch- sten Tag, es war inzwischen Mitte September geworden, wurde K. aus Osthofen in das Mainzer Gefängnis ab- geführt. Während des einen Tages, den Ä. sich im Lager aufhielt, war er wiederholt Augenzeuge schwerster Prügel- szenen. Ein SA.-Mann namens Fähr betätigte sich hier als wahre Bestie. In das Mainzer Gefängnis wurde K. durch SA.-Hilfspolizei transportiert. Als er wegen seiner eben verheilten Bauchwunde, nicht schnell genug marschierte, er- hielt er mehrere kräftige Kolbenstoße in den Rücken, so daß er zu Boden stürzte und die frisch vernarbten Stich- Verletzungen neu aufbrachen. ES trat eine Muskelgeweb- Zerreißung hinzu, und K. mußte erneut in das Kranken- haus gebracht werden. Am SN. Oktober, nach erfolgter' neuer Heilung, sollte ft. wieder in das Gefängnis zurück. Es gelang ihm aber, am IN. Oktober aus dem Lazarett zu ent- kommen und auf Umwegen das Saargebiet zu erreichen. Er hat sich hier sofort in ärztliche Behandlung begeben müssen, weil die Operationswundc immer noch eiterte * Lagerarzt Dr. Hätz Seit einiger Zeit war im Konzentrationslager zu Dachau Dr. Katz aus Nürnberg inhaftiert. D er einzige Grund war, '; Fortsetzung ans îeite Z Terror wählen■■■■■■ SA. und SS. führen Aufsichv Amtlich wird aus Berlin gemeldet. Der Rcichsminister des Innern hat das für die frühe, ren Reichstagswahlen erlassene Verbot des Tragens von Uniformen und Parteiabzeichen durch Mitglieder der Ab» stimmungsvorstände ausgehoben. Das bedeutet: SA. und SS. als Wahlvorstand, SA. und SS. als Stimmlistensührcr, SA. und SS. als Auspasser nc- ben der Wahlzelle, SA. und SS. als alleinige Stimmzettel- Verteiler, TA. und SS. als Wachen vor den Wahllokalen, SA. und SS. überall, um das Ja zu erzwingen und schließ- lich auch TA. und ST. als Stimmenzähler. Dennoch werden unsere tapferen Getreuen mit Nein stimmen gegen Hitlers Kriegspolitik und werden serner den nationalsozialistischen Reichstagswahlzettcl ungültig machen. Und wenn TA. und SS. das Wahlergebnis noch so fäl- schen. Dennoch bleiben die Protest- und Kampsstimmen da. 0»» Vorbild 1851—1933 Bon Karl Marx Ein Bandit haste sich, unterstützt und getrieben von anderen Banditen, durch einen tückischen Streich der unbeschränkten Gewalt im Staate bemächtigt. Durch eine Revolution also? Kein Gedanke! In Revo- lutionen fegt das Volk die bestehende Obrigkeit weg, aber er hatte sich das höchste Amt der Republik er- schlichen, und als er unter frechem Bruch des auf die Verfassung geleisteten Eidschwurs ausholte, um die Republik abzuwürgen, wußte er die ganze bewaffnete Macht, das Heer, die Polizei, die Gendarmerie hinter sich und gegen sich nichts als die Parteien, die. unter sich hadernd, einander lähmten und, teils zu vertrauensselig, teils überrumpelt, keinerlei Widerstandskraft aufbrachten. Die Welt staunte, wie leicht einem so unbedeutenden und trüben Abenteurer die Macht zufallen konnte. Aber obwohl er über die Bajonette und die Kanonen gebot, fühlte er sich innerlich unsicher. Bei aller Ver- achtung der Demokratie gelüstete es den Banditen, fein Banditenstückchen durch einen Willensakt der Nation rechtfertigen zu lassen. Darum rief er mit schwulstiger und schmalziger Proklamation das Volk zur Ab- stimmung auf, ein Plebiszit der Massen sollte ent- scheiden, ob ihrem Vergewaltiger die oberste Gewalt ge- bühre. Volk, an die Urne! Wenn daraus eine über- wältigende Mehrheit von Jas hervorstieg, mutzte auch die Welt den Usurpator als ein sozusagen legitimes Staats- oberhaupt anerkennen. Entnervt durch Jahre der Unruhe und des Elends und verdummt durch eine auf das niedrigste Niveau der Gewissenlosigkeit herabsteigende Propaganda, befand sich ein beträchtlicher Teil des Volkes in der Lage des Kranken, der in seiner Verzweiflung zum Kurpfuscher läuft, wo der Arzt zu versagen scheint. Selbst wenn die verschwende- risch ausgestreuten Phrasen von„nationaler Ehre" und„Volksgemeinschaft" nicht zogen, würden Missionen ohne weiteres mit Ja stimmen, die Kapitalisten, die in dem neuen Manne die sicherste Schildwache vor ihrem Kassenschrank erblickten, die Fabrikanten, die von ihm eine Ueberwindung der schleichenden Wirtschaftskrise er- hofften, die Kleinbürger, denen die kargen Ersparnisse zwischen den Fingern zerrannen, auch viele Arbeiter, die der Republik grollten, weil sie ihre Versprechungen nicht gehalten habe, und vor allem die Bauern, denen die Agitatoren des Banditen mit besonders handgreiflichen Verheißungen— Steuerbefreiung und hohe Vieh- und Getreidepreise um den Bart gegangen waren. Es fehlte nicht an Leuten, die gar nicht mit seinen Taten Uberein- stimmten, aber rund heraus erklärten:„Da er nach Ab- Nutzung aller alten Parteien an die Gewalt gelangt ist. erscheint er als der einzig mögliche Mann an der Spitze. Fiele er, so käme der Bürgerkrieg, das Chaos, das Ende des Vaterlandes. Wir wissen, datz er ein Verbrecher ist, aber lieber für einen Verbrecher stimmen, der Ruhe und Ordnung verbürgt, als für Bürgerkrieg und Chaos!" Nur, würde die Zahl der freiwilligen Ia-Sager zum unbedingt erforderlichen Riesentriumph ausreichen? Der Oberbandit und seine Unterbanditen ließen sich darüber keine grauen Haare wachsen. Nur eine unverfälschte Volksabstimmung vermochte ihnen gefährlich zu werden, nicht die von ihnen geplante Farce einer Volksabstim- mung, die einem wirklichen Plebiszit bestenfalls so glich wie die auf der Bühne aufgetischte Gans aus Pappe einem saftigen Gänsebraten. Damit ein Plebiszit den Willen des Volkes ausdrückte, mußte es in voller Freiheit vor sich gehen. Presse- freiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit und nicht zuletzt Freiheit der Ab st im- mung. Bei diesem eigenartigen Plebiszit nichts von a l l e d e m! Da die republikanischen Blätter zum größten Teil unterdrückt, zur kleineren Hälfte„gleichgeschaltet" waren, blieb nur e i n e Presse, die als Sprachrohr des Regimes den Wählern tagtäglich zubrüllte, daß lediglich ein schnöder Vaterlandsverräter mit Nein stimmen könne. Einem vielfach ganz ahnungslosen Volks gingen die dick- sten Lügen leicht ein; wie wenige kannten die Verbrechen, die die Machtübernahme des Banditen befleckt hatten: es stand ja nicht in der Zeitung! Aber der Bandit hatte auch bei Zeiten den Beamtenkörper„gesäubert", das war: alle anständigen Republikaner auf die Straße geworfen und die Stellen mit seinen ergebenen Kreaturen besetzt. Das parierte auf den Pfiff. Vom Regierungspräsidenten bis zum Feldhüter würde jeder Sorge tragen, daß die Volks- abstimmung nach Wunsch ausfiel. Zunächst wurde allen Beamten und Angestellten eingeschärft, daß sie schon bei Stimmenthaltung aufs Pflaster flögen, und wehe gar dem, der einen Nein-Zettel in die Urne zu werfen wagte! Aber auch auf dem Bürger, der nicht das Brot des Staates aß, lastete furchtbarer Druck. In einem Lande, in dem statt des Gesetzes die blanke Willkür herrschte und . in dem niemand vor Bespitzelung und Denunziation sicher , war, verfügten die Behörden über tausend schmähliche Mittel, den Wähler einzuschüchtern; der Aufruf eines Provinzstatthalters drohte:„Ja— das ist das Leben! Nein— das ist der Tod durch Selbstmord! Vor diesem Entweder— Oder steht ihr! Wählt!" Warum wurde dort einer mit Handschellen gefesselt abgeführt. Er hatte zur Stimmenthaltung aufgefordert. Das Schauspiel verleidete hundert anderen die Lust, es ihm gleichzutun; sie duckten sich unentschlossen für einen Ia-Zettel.. Ohnehin ächzte das Land unter einem Terror sonder- gleichen. Obwohl der Gewaltstreich der Gewaltmenschen kaum auf Widerstand gestoßen war, tobte sich eine wilde Schreckensherrschaft aus. Den Metzeleien der ersten Tage folgte der gemeine Mord, der sich unter den Republika- nein seine Opfer holte. Zu Zehntausenden wurden die vermeintlichen Gegner des Regimes verhaftet; die Gefäng- niste vermochten die Fülle der Festgenommenen nicht zu fassen; in Lagern wurden sie zusammengepfercht— für Jahr und Tag und ohne Verhör, ohne Möglichkeit der Rechtfertigung, ohne Richterspruch. Was noch republika- nisch fühlte und dachte, wurde dadurch verängstigt; aber da man jeden Republikaner als„K o m m u n i st e n", als„Teiler" verschrie, fanden die Spießbürger in diesen Maßregeln die Bestätigung der Behauptung, daß nur der . Gewaltstreich des„Retters", des„Mannes der Vorsehung" einem furchtbaren und finsteren Anschlag der„Roten" auf die öffentliche Ordnung vorgebeugt habe. Um das Land vor der Barbarei und dem Einbruch-feindlicher Heere zu bewahren, muhte man mit Ja stimmen. Das düstere Schweigen des Kirchhofs herrschte vor dem Abstimmungstermin.„D a s Land," sägte der im Exil lebende anerkannteste Dichter der Nation,„ging zu dieser Ab st im mung wie die Herde zum S chla ch t h a u s." Die Wahlbüros waren von sorgfältig gesiebten An- hängern des Regimes besetzt. Von Polizisten, Gendarmen und anderen Uniformen wimmelte es vor und in den Abstimmungslokalen. Geheimes Votum war vor- geschrieben, aber die Zählung der Zettel fand, da das Volk zurückgedrängt wurde, so gut wie unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Damit war dem Wahlbetrug Tor und Tür geöffnet. In einem Bezirk, der nur 1500 eingeschriebene Wähler aufwies, wurden 1000 Zettel abge- geben, in einem andern nur neun Nein-Zettel in der Urne gefunden, obwohl 31 Wähler versicherten, mit Nein ge- stimmt zu haben. Aber das waren natürlich„Verleum- düngen" der„Staatsfeinde". Pst! Pst! Finger auf den Mund! Wer von solchen Praktiken erzählte, lies Gefahr, zu verschwinden, unbekannt wohin. Und mit diesen Praktiken erreichte der Louis Bonaparte, daß am 20. und 21. Dezember 1851 nicht weniger als 7 439 210 Franzosen seinen drei Wochen vorher vollzogenen Staatsstreich mit ihrem Ja sank- tionierten, während, neben 30 280 ungültigen Zetteln, 040 737 Wähler mit N e i n gestimmt hatten. Der Triumph war überwältigend! Nur die Welt lachte über diesen Witz einer Volks- abstimmung. Fortsetzung von Seite 1 Japan lenkt ein Berlin, 81. Okt. Nach Meldungen aus Tokio hat der iapa- ntiche Kriegsminister Araki, der der eigentliche Chef der japa- Nischen Regierung ist, in einem Zeitungsinterview erklärt, daß er im Kabinett die Einberufung einer Konserenz der Vertreter der maßgebenden Mächte nach Tokio anregen werde. Dad Programm dieser Konferenz würbe aus vier Punkten bestehen: 1. Sicherung des Friedens im Fernen Osten; > 1 Abänderung der Flottenverträge; 8. Revision des Kellogg-Paktes im Hinblick auf die Lage in Oftasien; 4. Abschluß eines Nichtangriffspaktes mit Rußland. Die Verwirklichung dieses Konferenzplanes würde zw-!- fellos ein Einlenken Japans weniastens in der M-chobe be- deuten. Bekanntlich hat Japan bisher jede Diskussion über den von ihm gegründeten Staat in der Mandschurei abge- lehnt und den Kellogg-Pakt sowie die anderen internationa- len Verträge, die ein eigenmächtiges und gewaltsame« Bor- gehen eine? Landes verhüten, für n nan wendbar erklärt. Auch hat es vor einem Jahr das russische Angebot eines Nichtangriffspaktes ausdrücklich abgelehnt und damit eine neue Konstellation in Ostasten geschaffen. Die Veziebunaen zu Rußland haben sich im letzten Jahr«useb-'nds Während Rußland mit Ebina in ein freundschaftliches Ver- hältnis getreten ist und die Anerkennung der Sowie.union durch die Vereinigten Staaten angebahnt ist. Der Telegramm- Wechsel zivilchen Roosevelt und Kalinin hat wegen seiner möglichen Rückwirkungen auf die Lage in Ostasien in Ja- van einen besonders starken Eindruck gemacht und der jetzige Vorschlag des japanischen Kriegsministers erscheint geradezu als die Antwort aus die Amerikareise LitwinowS. vider sehen niller an! daß Dr. Katz sich als Vorsitzender eines Vereins der Welt- bühnen-Lcser betätigte. In Dachau wurde Katz als Lager- arzt beschäftigt. Eines Tages erhielt seine Frau einen Brief ihres Mannes, in dem er freudig mitteilte, daß er in einigen Tagen entlassen werde. Die Frau und die zwei Kinder rüsteten auf den Empfang des lange entbehrten Gatten und Vater. Er kam aber nicht, sondern die Familie erhielt die Nachricht, Katz habe sich leider in einem unbewachten Augen- blick erhängt. Der Mann, der sich eben noch auf seine Frei- hcit und das Wiedersehen mit Frau und Kind freute, soll plötzlich lebensübcrdrllsstg geworden sein. Die Erklärung ist einfach die: als Lagerarzt hatte Dr. Katz soviel gesehen, daß es zu gefährlich war. ihn mit seinen Kenntnissen über die Zustände in Dachau zu entlassen. Es ist ein Parallelfall zu dem„Selbstmord" deS Sozialdemokraten Dr. Sollnitz in Lübeck. Auch er hat gerade am Tage seiner Entlassung das Leben satt bekommen, um im Gefängnis„Selbstmord" zu verüben. Die Blumen, mit denen seine Frau die Wohnung geschmückt hatte, wurden zu Totenblumen. Der deutsche Reichskanzler redet von„Halunken". Wir fragen:„Wer ist ein Halunke? Wer führt Halunken?" Die Tatsachen geben Antwort. Vier Opfer In unserer Bricfkastennotiz wegen des Verbleibs von vier feit Mai vermißten Duisburger Gewerkschafts- angestellten schreibt man unS: Die Herren Schlösser, Birk, Roben stock und Schmalhans waren an sich das, was man Menschen harmlosester Natur nennen darf, politisch absolut ungefährlich, garantiert frei von allen revo- lutionären Ambitionen. Sie hatten am 1. Mai, dem be- rühmten Feiertag der„nationalen Arbeit", sich brav gleich- geschaltet, waren stramm zum Stadion mitmarschiert und glaubten sich damit alle erforderlichen Sympathien des „dritten Reiches" erworben zu haben. Am 2. Mai ses war wohl ein Dienstag, wenn ich nicht irre) wurden alle früh morgens aus ihren Wohnungen geholt und>n^ Nazikaserne geschleppt, soweit mir erinnerlich in die c ftraße. Gegen Mittag wurden sie— außer ihnen now dere Unglückliche— von SA.-Horben eskortiert—«w^ Duisburger Hauptstraße, die Königstrabe, 9^"?. I'^ schwarz-rot-golbenen Fahnen behangen, unkenntnw' M Blut und Berbandlappen. Keiner der Augenzeugen r mit Bestimmtheit angeben, wer ist von diesen«nasiarr Opfern Rodenstock, wer Birk TaS Publikum, besonders verkehrsreichen Straße, johlte und gröl«est« teste wurden nicht laut.— Heimgekehrt ist von 0~ j{ gleichgeschalteten SPD-Gewerkschaftlern kein einziger- Frauen haben wochenlang von der Polizei keine A" 0„ über den Verbleib ihrer Männer erhalten können, o Rodenstock soll jetzt geistesgestört sein. Die Leichen der^ Vermißten wurden erst wochenlang später asfunoen rekognosziert, soweit mir bekannt am Niederrhetn t m®» gesunden.— Ich schreibe Ihnen, weil Sie von„Ger>> sprechen, für die Sie Gewißheit bisher nicht konnten. Duisburg ist überhaupt ein mit Greuclw. heiten überreichlich gesegneter Platz. Den Ostsude j man. nach üblen Erfahrungen nichts an körperlichem mehr an,— der polnische Konsul aus Essen Hat Ansang anständige Rechnungen präsentiert. Man 1 ,z. übrigens nicht glauben, daß an einem Hafenplatz nnt»( burg-Ruhrort, der von Ausländern, besonders Sw>' wimmelt, die Absperrung gegen das Bekanntwerden er Meuchelmorde so heremetisch durchgeführt werden kv. — Es sind aber außer obigen vier Fällen noch ininoei„ weitere vier Morde passiert, von denen meines-a» n kein einziger bisher in die ausländische Presse gedru« ist. Oder sind Ihnen die Fälle G 0 t t w a l t K o w-. Sans Grohmann schon bekannt geworden? Reven ein einziger Mord ist auch nur proforma polizetUw folgt worden. Es gibt noch zwei weitere„Fälle,"J* einer im Stadtteil Düssern, der andere im Stadtteil Heimerort, die Namen sind mir entfallen. Sie"J®,'.j leider geschehen und authentisch. Wobei ich betone, da«. sogenannter jüdischer Greuelpropaganda kaum die Rrn'^ kann, denn alle mir aus Duisburg bekannten Hitler'«? betreffen rein christliche Opfer. Die volle Wahrheit u die in Httlerbeutschland ums Leben Gekommenen wir»« erst in Jahren erfahren, wenn überhaupt je. Nazis, Diebe and Räuber als Zernien Alle Scham Ist zn den Hunden Berlin, 81. Okt. Als erster Zeuge wird am Dienstag im Reichstagsbrandprozeß der Glaser Lebermann aus Ham- burg vernommen, der wegen Diebstahls und Rau- b e s, begangen im Februar 1982, eine Gefängnisstrafe b i s zum Mai 1934 verbüßt und aus der Haft vorgeführt wird. Der Borsitzende macht diesen Zeugen besonders eindringlich auf die Bedeutung seiner Aus- sage aufmerksam, worauf der Zeuge erklärt: Ich bin hierher- gekommen, um nur die Wahrheit zu sagen. Der Zeuge bekundet: Ich war früher in der KPD. und habe als Geheimkurier gearbeitet. Ich genoß sehr großes Vertrauen. Bon 1929 ab mußte ich wegen einer Erkrankung aussetzen und 1931 im August habe ich wieder angefangen. Ich lernte Dexal er ün Hqmbuxg am 21. Oktober 1981 kennen. Ich wurde durch best Kommunisten Jeßner mit T oraler bekannt» gemgcht. Ich fragte Torgler, ob er nicht Arbeit für mich ho.be. Torgler sagte, er wolle mich für eine größere Aktion ausbewahren. Im Januar 1932 trat Torglcr an mich heran, er hätte für mich eine große Arbeit, wenn ich mich dafür opfern wolle, solle ich es sagen. Torgler sagte, man wolle den Nationalsozialisten einen großen Streich spielen und durch diese Arbeit würde eine große Propaganda gegen den Ratio- nalsozialtsmus hervorgerufen werden. Er sagte zu mir, man müßte öffentliche Gebäude in Brand stecken, u. a. auch den Reichstag. Da ick, der Polizei und jeder anderen Bewegung unbekannt sei, würbe man nicht auf die KPD. kommen. Vorsitzender: Wann war dies« Begegnung mit Torg- ler?— Zeuge: Am 25. oder 20. Januar 1932. Ich habe damals Torgler erwidert, ich müsse mir die Sache überlegen. Torgler sagte, daß der Brand am 0. März 1932 gelegt werden solle. Ich sollte um 2 Uhr am Anhalter Bahnhof sein- Dann wollt« Torgler mich mit in den Reichstag nehmen und mir zeigen, wie der Brand angelegt werden sollte und wie ich laufen sollte. It«l Ich sollte die Person sein, die die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollte, ich sollte Radau mach«» und umherlaufen, so daß ich geschnappt würde. Ich sollte gesangen werde« und inzwischen sollten die anderen verschwinde« können. Vorsitzender: Wer denn waren die anderen?— Zeuge: Das sind noch zwei Hamburger, die ich aber nur mit ihrem Spitznamen kenne„schwarzer Willi" und „Alraun?"•— Vorsitzender: Sie haben sich alle drei gesehen und kennengelernt?— Zeuge: Jawohl! Ich bin aber dann am 0. März nicht hingegangen. Die Sache war mir zu gefährlich und außerdem weil ich erfahren hatte, daß eine ganz gemeine Propaganda gegen den Nationalsozialismus damit gemacht werden sollte. Es sollte so erscheinen, als ob die den Brand angelegt hätten.— Vorsitzender: Was ist nun nach dem 0. Mörz geschehen?— Zeuge: Torgler hat mir grobe Vorwürfe gemacht, weil ich nicht gekommen bin. Ich sagte, ich wolle die Sache nicht mitmachen, eS sei mir zu gefährlich, ich müsse auch an meine Familie denken. Torgler hat dann zu mir gesagt:„Du ge- Ä« Lump! Er hat auch gesagt, er würde mir bei G«' dann m fc 6 w"f«. hinterherjagen. Ich bin °?"n mcht mehr mit ihm zusammengewesen, sondern$«£ mich der Polizei gestellt, um seinen Verfolgungen und Ra-t /àngen zu entgehen. Ich wurde ja wegen der Diebstahls sache gesucht. Ich bin bann in Untersuchungshaft aeCom""' Ilsen, weil ich ja eine festc^-^. wurde aber wieder freigelassen, nung hatte und Fluchtverdacht nicht angenommen■»-„« Borsitzender: Bei dem Diebstahl, den Sie begann({ haben, ist auch Raub angenommen worden. WaS habe» denn gemacht? Zeuge: Ich habe eine Person in der Toilette«. t gesperrt und das hat man als Rand angesehen. Dana 0 ich Silberzeug und einen Anzug weggenommen., Vorsitzender: Wieviel haben Sic dafür bekomm» Zeuge: Ungefähr 25 RM. sHetterkeit.j«..„«e Borsitzender: Ich meine natürlich, welche$ tta' Sie dafür bekommen haben Zeuge: 19 Monate Gefängnis. Im Mai ist Torgler nochmals dagewesen und wollte nochmals bearbeiten und dann im Juni. Es wurde mehr über den Reichstagsbrand gesprochen, aber eS Mick itick' wurd- - i, auci t»»y gesagt, daß baö ausführen sollte, waS er mir gesagt hm'»' Ich habe mich immer ablehnend verhalten. Am v. Juni w« er bei mir in meiner Woftnuna in Hamburg-Barmbeck.^ »M.- kam mit noch zwei Personen, der eine ist der s u r t e r Rubi und der andere heißt Emil. Der crjr;.* furter Rudi hat schwarzes Haar. Der Emil ist grob, bio« und hat blaue Augen., Vorsitzender: Haben Sie diese beiden Perfom später wiedergesehen? Zeuge: Ich habe Sie in Lübeck wiedergesehen. J mauerte dort, die beiden fuhren im Auto vorbei und sagt-' ich solle mit nach Hamburg kommen. Ich habe mich aber g. weigert.— Vorsitzender: Was ist dann noch passier'^ Zeuge: Torgler ist in meiner Wohnung gewesen»?, hat alle Schriftstücke und Briese, die ich von ihm 6« 1 1 weggenommen, vielmehr er hat es nicht selbst ge'f.?' sondern der Frankfurter Rudi und Emil haben die Sch*" stücke herausgesucht. Ich hatte ihnen den Schlüssel fl gebe» und bin dann nicht mehr in meiner Wohnung 0 wcsen, sondern bin nach Krefeld gegangen»«eil ich 0* diesen Leuten loskomme» wollte. 9 V 0 r s i tz e n d e r: Ist in Krefeld auch noch etwas paffie' 1'» — Zeuge: Ja, Torgler ist dort bei mir gewesen und 0^ mich bedroht. Als ich sagte, ich wolle nichts mehr mit ihm i« tun haben, hat er mich ausgeschimpft und hat gesagt, ich was ein gemeiner Lump und Verräter. Er hat m's einen Fau st schlag vor den Magen gegeben, so ich Magenbluten bekam und ins Krankenhaus muß^ Dann hat er gesagt, er wolle mir ein paar blaue nachjagen. Das war im Juli 1932 in Krefeld. Die Verhandlung dauert an. An$*ch'n0 der Nensoziallsten ICH untersage Paris, 31, Okt. Der ständige Verwaltungsausschuß der Sozialistischen Partei hat getagt und mit 24 gegen drei St'm- me» beschlossen, dem Nationalrat der Partei, der am SamS- tag und Sonntag zusammentritt, den Borschlag zu machen, die neusozialistischen Führer iRenaudel, Marquet usw.j aus der Partei auszuschließen und gegen die 28 Abgeordneten, die mit den Neusoz allsten für die Regierung Daladier ge- stimmt haben, Sanktionen zu ergreifen. Gestern abend haben auch die Neusozialisten unter Füh- rung von Renaudel getagt, und in den Reden kam zum .Ausdruck, daß die sozialistische Minderheit nicht um der Re- gierung Daladier willen für die Regierung gestimmt habe, sondern um eine Brücke sür dt« Zukunft zu bauen- Bombenanschlag In Madrid Madrid, 31. Okt. Der Innenminister teilte den Jour- nalisten mit, vier große Bombe» seien an verschiedenen Punkten der Stadt explodiert. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Man nimmt an, daß streikende Bau- arbeiter die Bomben gelegt haben. Der Innenminister er- klärte: Wir greisen ruhig, aber entschlossen durch. Madrid -darf nicht den Terror kennen lernen. Das Losungswort der Regierung ist: Gerechtigkeit und EntschlossenheitDer Landesführer der NSDAP, im Saargebiet, preê scher Staatsrat, verkündet einen neuen Aechtungsbefelw Der seinerzeit aus der Partei ausgeschlossene Kausmass? G u st a v Fischer, St. Ingbert, Kaiserstrabe, geh^, nicht der NSDAP, an. Demzufolge sind alle A»/. lassungen deS Fischer, die er zur Zeit in Umlauf f«» zweckberechnende Fantastereten von ihm- Allen Parteigenossen untersage ich hiermit jeglich^ privaten Verkehr mit dem oben angeführten Fischer. Bei den Zuständen an der Saar bedeutet eine\oln der Bran^jrt: Meine Ob- kommandiert worden war. Der L^uge q ltechnifche Seite l«senhcit war in erster Lm.e di- krimma«^n den ber Sache, vor allem die Sicherung qro f Kn i Umfange Quadern des Reichstagsgebaudes fml» w g untersucht, und Flngerspuren gewesen. Ich babe sie g« Person daraus ergab sich deutlich, daß nur e^ von d'nau sge klettert sein kann. Ban der^^setb« »"ten an der Fassade hochgcklelterl. obw aul dem Itelle aus dem Wege über du Hauptirepp Ter Ausstieg Sims entlang leichter dorthin gelang n Meter tief '£t leicht und Lübbe Uef dabei M o^ Fingerspuren vach unten in den«ellerschacht zu stürzen. SSäÄÄ Ä*Ä w w.-»<** merkt. Er habe nicht anders ausgesehen wie immer. Oberreichsanwalt: Sind am Montag in Zimmer » und Sb Telefongespräche geführt worden? Zeugin: Ja,, wie immer. Oberreichsanwalt: Das Telefon hat also funktio« niert? Zeugin: Ja! Lin Fahrstuhlführer trug die Kiste Der Angeklagte Torgler macht dann gegen verschiedene Zeugenaussagen der vorhergehenden Tage Einwendungen und erklärt, er könne versichern, daß er am 27. Februar in der Zeit von 11,50 Uhr bis 20.20 Uhr den Reichstag nicht eine Sekunde lang verlassen habe. Alle anderen Bekundungen müßten auf einem Irrtum beruhen. Der Zeuge Fahrstuhlsührer Adler gibt an, daß er etwa 8 bis 14 Tage vor dem Reichstagsbrand eine Kiste, die von einem Spediteur gebracht worden war, im Fahrstuhl nach oben transportierte. ft'rcrfj»). 1 er auf dem Sims entlang gegangen ist. Ent- lassen A.Spuren haben sich da aber nicht wahrnehmen F-ns.' goiter äußert sich der Zeuge über die zerbrochene Ma&rfl■ î? e'm Obergeschoß. Er hält es für durchaus muitf rï daß hier tatsächlich jemand, der sich verbergen Ment*'" t H. m das Zimmer geflüchtet hat und dann, als er krü»tmfü kommen hörte, kurz entschlossen die Scheibe zer- tvelcb-»' um sich uach unten durchfallen zu lassen. Irgend- wo?>i. eines solchen Sprunges waren an der Stelle, >e Splitter lagen, ebenfalls nicht festzustellen. R«n?^'tzender: Sie haben sich durch Lübbe auch den .."vvgang vorführen lassen, den er bei der Brandlegung o^.acht hat. Hat er Ihnen damals über den Grund und eck der Brandstiftung etwas gesagt? ssilh Hß e' 3ch habe ihn gefragt und er antwortete, die ../^haltnisse in Deutschland wären für ein solches Unter- vrai?.? günstiger gewesen als anderswo. Die allgemeine be,.lche Lage sei in Deutschland so, daß hier eine solche Tat "«der" Bevölkerung mehr Anklang finden würde als ?*'«eine Frage, ob er Kommunist sei, sagte er: Kam- munift wohl, aber doch mit einem gewissen Unterschied. vvsihender: Hat van der Lübbe Ihnen den Brand- eg ohne Stockung genau gezeigt? »Ji£ ,uge: Er hat sich nach meiner Ueberzeuguna bemüht, v»s seinen Weg genau zu zeigen. An der Ja-Tür °ver wußte er nicht mehr weiter, da verlieb 'Vn das Gedächtnis. Borsitzender: Sie haben den Eindruck gehabt, daß ? den Weg nicht so gut hätte finden können, wenn er nicht £ a«sächlich diesen Weg in der Brandnacht selbst gemacht hätte? Zeuge: Ja. , Vorsitzender: Hat er sich, auch über sein« Festnahme 'v Reichstage geäußert? . Zeuge: Er sagte, er hätte sich unter allen Umständen leunebmen lassen wollen. Auch wenn ein Fluchtweg offen gewesen wäre, würde er sich hingestellt und gewartet haben, » Jemand kam. Ich jagte daraus, er habe also wahrscheinlich S'° Märtyrer für seine Sache gelten wollen. Er sagte, das m. käme nicht in Frage. ein Beweisantrag Dimitroffs Der Angeklagte Dimitroff legt darauf einen Beweis- »Ntrag vor, die Hennigsdorfer Polizeibeamten und die An- gestellten des Asyls in Henningsdorf als Zeugen darüber zu Lernehmen, mit welchen Personen van der Lübbe dort in Verbindung gekommen ist und was van der Lübbe über- vaupt in Hennigsdorf am Abend des 26. Februar, in der '''acht zum 27. und am Morgen dieses Tages getrieben hat. . Obcrreichsanwalt: Wenn der Angeklagte behaup- set, daß dort in Hennigsdorf van der Lübbe Mittäter ge- tunden hat, so habe ich keine Bedenken dagegen, daß das 'eimestellt und dem Antrag entsprochen wird. Tie Verhandlung wird dann durch eine Mittagspause unterbrochen. "Stimmengewirr" im Kommunistenzimmer ^Bach der Pause verkündet der Vorsitzende, daß dem îteweiSantrag des Angeklagten Dimitroff stattgegeben wird. als nächster Zeuge wird der bisherige nationalsozialistische ^eichstagsabgeordnete Dr. R u p p i n vernommen. Der jstÇuge bekundet, daß er am Brandtage etwa um 2 Uhr nach- ,,''tags mit dem Fahrstuhl in das zweite Obergeschoß fuhr, "vi zu seinem Arbeitszimmer zu gelangen. Er kam dabei °n einigen kommunistischen Arbeitszimmern vorbei und »ewahrte durch die untere durchsichtige Scheibe, daß die «>Mmer voller Menschen waren. Er hörte auch Stimmen- >>»î»îkr. Als er vorbei war, öffnete sich hinter ihm die Tür ?vd ein Herr mit dunklem Haar, etwas graumeliert, und Glmalem Gesicht kam heraus und ging in der entgegen- »^letzten Richtung weiter. Der Zeuge hat im Verzeichnis °er Abgeordneten nachgesehen und unter den kommunistischen abgeordneten diesen Mann nicht gefunden. Vorsitzender: Haben Sie später jemanden wieder- »rannt? Zeuge: Nein. ■Ausländer und rabiate Bulgaren ^Tte nächste Zeugin, Fräulein Olga D e r x, war als Stenotypistin des kommunistischen Fraktionssekretää Kühne Vorsitzenber: Ein Zeuge hat gesagt, am DienStgg» Jorgen feien aus dem Zimmer 53 a alle nicht dem Reichstag gehörigen Sachen entfernt gewesen. .Zeugin: Davon weiß ich nichts.— Auf weitere Fragen äcs NA. Dr. Sack erklärt sie mit Bestimmtheit, daß sie vur mit einer Schreibmaschine im Zimmer 53 a gearbeitet oat. Das Bild van der Lübbes ist der Zeugin vorgelegt forden, sie hat ihn nicht als eine Person erkannt, die schon Einmal im Reichstag gewesen ist. Reichsanwalt ParrisiuS: Sie haben gesagt, daß r'gentlich Toraler am Montag nach Chemnitz sollte. Zeugin: Das hatte ich so gehört. Parrisius: Warum ist diese Reise unterblieben? .Zeugin: Ich nahm an, weil er hier zu tun hatte wegen °.er Freigabe des Materials.— Auf Fragen des RA. Dr. reichert erklärt die Zeugin, daß sie keinen der bulga- «ichen Angeklagten jemals vor dem Brande gesehen habe Angeklagter Dimitroff: Haben Sie bei Torgler jemals ausländer gesehen, Ausländer ganz allgemein, nicht nur rabiate Bulgaren wie Dimitroff? sHeiterkeit.) Zeugin: Nein, ich habe keinen gesehen. Aus Fragen des RA. Dr. Sack erklärt die Zeugin, di- beiden Fernsprechapparate in den Fraktionszimmern 0 unk hätten in der letzten Zeit häufig schlecht funktioniert. An Torgler habe sie am Brandtage nichts Auffallendes br- Die Zeugin Hartmann, eine Angestellte des Preuß. Landtages, bekundet, daß sie am 27. Februar, vormittags gegen 11 Uhr, in einem Fahrstuhl des preußischen Landtages den Lanbtagsabgcordneten Könen mit einem Begleiter ge- troffen habe. Als der Zeugin auf der Polizei die Fotografie van der Lübbes vorgelegt wurde, hat sie eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Begleiter Könens festgestellt. Mit Be- stimmtheit könne sie allerdings di« Identität der beiden Personen nicht versichern. Als nunmehr van der Lübbe der Zeugin gegenübergestellt wird, erklärt diese, sie könne nicht bestimmt angeben, daß van der Lübbe der Äegleiter Könens gewesen sei, aber sie möchte auch nicht glauben, daß sie sich im Irrtum befinde. Die Figur, die Form des Gesichts und die Größe stimmen. Die Augen auch, nur das lange Haar habe sie damals nicht beobachtet. Dimitroff: Die Zeugin hat immer gesagt, sie habe das Gefühl, daß es van der Lübbe gewesen sei. Gegen ein Gefühl im Herzen kann man nichts machen, aber wie kann man so ein Gefühl dafür in Anspruch nehmen, daß der an- gcbliche Begleiter Könens van der Lübbe war? Ich möchte eine Beleidigung der Zeugin vermeiden, aber es kommt mir so vor, als hätte ich eS hier zu tun mit einem weiblichen Bogun. sHeiterkeit.) Ter Vorsitzende ruft Dimitroff erregt zu: Sie sollen nur Fragen stellen: solche Ausführungen schneide ich ab. Noch ein nationalsozialistischer Eid Als nächster Zeuge wird Dr. D r ö s ch e r. der Mitarbeiter des Zeugen Major a. D. Weberstedt, vernommen. Der Zeuge bekundet folgendes: Am Nachmittag des Branbtages kam ich um halb 4 Uhr in den Reichstag. Beim Betreten der Vor- halle siel mir ein intensiver, durchdringender Geruch aus. Ich hatte den Eindruck, baß es eine Art Gasgeruch war, vielleicht auch Benzin, und ich machte die anwesenden Psört- ner darauf aufmerksam und wies sie auf die außerordentliche Gefahr einer solchen Gasbildung hin. Die Beamten be- ruhigten mich, es wäre nichts Besonderes, versprachen aber nachzusehen. Ich ging dann in mein Büro, hatte aber keine Ruhe und ging noch einmal hinunter. Da war der Geruch vollständig verschwunden. Eines Tages ließ mich der HauS- iugenieur Risse rufen und demonstrierte mir einen bestimm- ten Geruch eines Rostschutzmittels, mit dem die große HauS- uhr damals rostfrei gemacht worden war. Ich habe mich dann dabei beruhigt.— Eine weitere Bekundung des Zeugen bezieht sich auf das kommunistische Fraktionszimmer S3a. Dr. Dröscher bestätigt im wesentlichen die Angaben Weber- stcbts. Vorsitzender: Sie haben dann beim UntersuchungS- richtcr noch Mitteilung über die Beobachtung einer Perlon gemacht. „Das ist doch Dimitroff!" Zeuge: Ich würbe vom Untersuchungsrichter zu einer Vernehmung gerufen. AlS ich herunterkam, sah ich da unter Bewachung mehrere Personen. AlS ich die eine dieser Per- sonen mir ansah, stutzte ich und eS kam mir eine bestimmte Erinnerung, die mich innerlich außerordentlich erregte, so daß ich in daS Zimmer deS Untersuchungsrichters kam und ohne gefragt zu werden sagte: Herr Reichsgerichtsrat, waS sind das für vulgaren draußen? Das ist doch Dimitroff auS Sofia: den kenne ich und den habe ich im Hause gesehen. Ich erinnert mich, daß ich ihn oben auf unserem Geschoß mit Torgler gesehen habe. Zum anderen sagte ich ihm, daß ich diesen Mann kenne, weil ich ihn aus Abbildungen als einen der Attentäter auf die Sosioter Kathedrale gesehen hatte. Vorsitzender: In der Tat ist ein Dimitroff im Pro- zeß wegen deS Anschlages aus die Kathedrale verurteilt worden. Der heißt aber Stephan und dieser heißt George. Ein Stephan Dimitroff ist nach den Akten in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Hat nach ihrer Ansicht dieser Dimitrosf Aehnlichkeit mit jenem Dimitroff? Zeuge: Mir ist dies« Aehnlichkeit sofort ausgesallen, wenn er auch aus den Bildern, wenn ich mich nicht sehr täusche, einen Bart getragen hat. Vorsitzender: Nehmen Sie an, daß er derselbe ist? Zeuge: DaS kann ich nicht entscheiden, aber die Gewiß- heit ist ziemlich groß für mich. Vorsitzender: Wir können in dieser Hinsicht keine Feststellungen treffen, aber Sie haben in ihm den Mann wiedererkannt, den Sie im Reichstag beobachtet haben? Zeuge: Jawohl, mit Bestimmtheit! Torgler stand vor der Tür seines Zimmers und Dimitroff lehnte neben ihm aus der Brüstung. ES muß einige Tage vor dem Brande gewesen sein. Ich konnte beiden ins Geficht sehe« und habe innerlich noch «ine« ziemlichen Aerger darüber empfunden, daß ein dentscher Abgeordneter wieder mit irgendeinem Ausländer verhandelte. Vorsitzender: Haben Sie ihn da nicht schon als den Attentäter von Sofia wiedererkannt? Zeuge: Nein, in dem Augenblick nicht. Dimitroff muß aufstehen und der Vorsitzende kragt nochmals, ob er Dimitroff mit absoluter Bestimmtheit wiedererkenne. Zeuge: Jawohl! Dimitroff: Ganz bestimmt? Zeuge: Ganz bestimmt! Dimitroff fetzt sich lachend. Der Borsitzende wendet sich an den Angeklagten und erklärt, daß diese ganze Art seines Auftretens höchst un- gehörig sei. AIS Dimitroffs daraus erwidern will, erklärt der vor« fitzend« energisch: Ich entziehe Ihnen das Wort. Torgler:„Niemals mit Dimitroff!" Vorsitzender: Wie erklärt sich Torgler die Aussage? Torgler: Ich habe lange darüber nachgedacht, mit wem ich im Reichstag zusammengeweseu sein könnte, der mit Dimitroff zu verwechseln wäre. Eine solche Aehnlichkeit liegt nur vor bei einem Mann von der Jmprekor, den ich nur unter dem Namen Julius kenne. Dieser Mann hatte nicht mit mir, sondern mit Neubauer oder Halle zu tun. Ich habe mich aber gelegentlich mit thm unterhalten. Er ist Ungar oder Oesterreich« und hat eine gewisse Aehnlichkeit mit Dimi- troff, aber ein volleres Gesicht. Dimitroff: Wenn ich erkläre, daß ich seit 1021 nie- malS im Reichstag gewesen bin und daß ich Torgler zum ersten Mal in meinem Leben in Leipzig im Gerichtssaal gesehen habe, dann ist das die Wahrheit. Ich erkläre mir die Tatsache, daß der Zeuge mit Sicherheit glaubt, mich getroffen zu haben, als eine Täuschung. Ich muß aber gleichzeitig sagen, daß alle nationalsozialistischen Augen in diesem Pro- »eß durch eine dunkle Brille sehen. Deshalb protestiere ich gegen diese Aussage. Der Borsitzende entzieht dem Angeklagten das Wort. Torgler: Ich möchte erklären, baß ich niemals mit Dimttrofs im Reichstag gewesen bin und daß ich ihn zum ersten Mal im Gerichtssaal gesehen habe. Di« Verhandlung wird dann auf Dienstag vertagt. Aus Hollands Presse Wir lesen in„HetVol k": .Wie der„Manchester Guardian" berichtet, hat die geheime Staatspolizei zum Teil die Arbeit der NaziS übernommen. Die Arrestterten werden darum jetzt weniger nach de» braunen Häusern gebracht, sondern verbringe» jetzt ihre„Schutzhast" in den Räumen der geheimen Staatspolizei sGestapo). Die Gestapo arbeitet mehr im Geheimen und auch systematischer als die SA. Das HauS, in dem sie in Berlin ihre Arrestanten „empfängt", ist das EolumbiahauS in der Eolnmbiastraße. Einer der Gefangenen ist der bekannte jüdische Journalist Kurt H i l l e r, der kurz nach dem Regierungsantritt der Nationalsozialiften gefangen genommen wurde. Er wurde ins Gefängnis eingeliefert und kam dann in ein Konzen- trationslager, aus dem er wieder entlassen wurde. Im August wurde er von der Gestapo wiederum arrestiert und wieder- holt mit„Stahlruien" sRuten aus biegsamen Stahls geschla- gen. Man sagt, daß sein Zustand sehr besorgniserregend sei. An den jüdischen Festtagen wird den jüdischen Gefangenen — ungefähr zwanzig an der Zahl— sdarunter auch Hilters besohlen, sich im Binnenhof des Gefängnisses zu versammeln und da unter dem Gespött und Geschimpf der N^z'"gchtposten ihre Gebete zu verrichten..•" Kraftausdrücke und Faustschläge H. B van der E l st schreibt u. a. in„D e G r o e n t A m st e r d a m m e r": „Hitlers Entschluß iAustritt aus dem Völkerbunds ist wohl zu begreifen, aber keineswegs zu billigen. Darin zeigt sich wieder, daß die Deutschen nie begriffen haben, welche Mög« lichkeite» Genf auch für die besiegten Staaten in sich birgt. Deutlich tritt auch wieder in dem Entschluß zutage, daß Deutschland den Völkerbund noch immer ausschließlich als „Siegerbund" betrachtet hat, der tnö Leben gerufen wurde, um die Steger zu bevorteilen und die Besiegten in einem Dauerzustand der Inferiorität zu halten- Hitler hätte von Stresemann lernen können, daß im Völkerbund auch noch andere Kräfte wirksam sind. Die Frage ist nur die, ob man sie zu siuden und zu seinem Vorteil auszunutzen weiß. Stresemann hätte Hitler außerdem erzählen können, daß Krastausdrücke und Faustschläge auf den Tisch gegenüber de« Nasli Ausland im allgemeinen und gegen den Völkerbund im be- sonderen ängstlich vermieden werden müssen. Einsühlungs- vermögen und psychologisches Verständnis sind nie das„Fort" der Deutschen gewesen und werden es auch wohl nie werden. Die ganze Ausmachung der Bombe, die Hitler in den Kon- ferenzsaal geworfen hat, hat daS wieder deutlich in*"icht gerückt." O Tannenbaum, o Tannenbaum! L. Catz van A lten, der bekannte holländische Journalist schreibt in„De N i e u w e P e r s": „Wie man überall weih, haben die NaziS. kurz nachdem sie an die Macht gekommen waren, eine Reihe von Konzentra- ttonslägern eingerichtet, wohin sie. ohne irgendeine Form von Prozeß vorausgehen zu lassen. Zehntausende von Kom- muntsten, Sozialisten, Liberalen, Juden und anderes„Ge- finde!" schleppten. SA- und SS-Leute legten auf diesem Gebiet außergewöhnlichen Elser an den Tag und waren fest, allzu fest davon überzeugt, baß niemals einer von ihnen ein solches Konzentrationslager betreten sollte, eS sei denn als Herr und Gebieter. DaS hat sich nun als Irrtum heraus- gestellt, denn die Unzufriedenheit in Deutschland mit der Hitler-Regterung, die bis heute kein einziges ihrer Ver- sprechen erfüllt hat, greift so um sich, daß sie selbst bis zu den braunbehemdeten SA.-Männern durchgedrungen ist. In- folgedessen hat man viele von ihnen nach KonzentrationS- lägern gebracht, vor allem nach Oranienburg. Dieser Jrrium hat einen augenscheinlich noch nicht genügend gleichgeschal- teten deutschen Dichter veranlaßt, seine» Pegasus zu bestet- gen und in Anlehnung an„O Tannenbaum, O Tannenbaum" daS folgende hübsche Liebchen zu machen, daS augenblicklich «n Deutschland und vor allem in Berlin gerne gesummt wird, wenn man sich„spionenfrei" wähnt, waS tm übrigen dort nicht zu häufig vorkommt: O— ranienburg, O—ranienburg. Wie braun bist du geworben! Einst waren nur Marxisten da. Jetzt sinds ZA.. SA-, SA.! O—ranienburg, O—ranienburg. Wie braun bist tu geworden! Cisenaosfohr rüdtgftnglg Aus Hamburg wirb der„frankfurter Zeitung" geschrieben: Die im September einsehende leichte Besserung in Eisen- ausfuhr hat keine Fortschritte gemacht, vielmehr sind R ii ck- schlage zu verspüren. Gerade der Hamburger Eisen- aussuhrhandel leidet unter dieser Unsicherheit ganz beson- ders und gerät gegenüber den westlichen Auslandswett- bewerbern immer mehr in Nachteil. Bielleicht noch stärker als bisher wirkt sich auch der Wettbewerb der amerikanischen Werke besonders in Weih- und Feinblechen auS. und bis vor einigen Tagen war im fernen Osten gegen den Wettbewerb der Japaner überhaupt nicht aufzukommen. Bon den Ucberseemärkten bleibt Argentinien immer noch besonders guter Kunde, namentlich jetzt in Drähten. Das seit September wieder einsetzende Brasilien- Geschäft ist noch lebhafter geworden, während Geschäfts- bxztehungcn nach Chile und Uruguay aus Währungsgrllndcn fast unmöglich sind. Die aus Kolumbien gesetzten Hofs- nungen wurden wegen dcS erfolgreichen amerikanischen Wettbewerbs enttäuscht. Wenn auch die afrikanischen Märkte noch keineswegs befriedigen, so lausen doch wenig- stenS wieder Bestellungen ein. Bis Mitte Oktober konnten Geschäfte mit Indien, Siam und Nicderländisch-Indien wegen der japanischen Konkurrenz überhaupt nicht g e- tätigt werden. Mit der Zuspitzung der politischen Lage in der Man- dschurei ist aber plötzlich die japanische Industrie wieder außer- ordentlich reichlich mit Aufträgen versehen, so daß Indien und die Straits ihren Bedarf wieder bei de» europäischen Verbänden und nicht zuletzt bei hamburgischen Ausfuhr- Häusern decken müssen, ja, selbst Japan wieder Auftraggeber wird. Einen schweren Verlust für die hanseatische Ausfuhr bedeutet neuerdings und vielleicht für längere Zeit C h i n a, das als Abnehmer jetzt tatsächlich völlig ausfällt. Die skandinavischen Länder und die Randstaaten zeigen eine noch stärkere Zurück- Haltung als im Vormonat, wobei dort sich die Gerüchte über einen Zerfall der internationalen Verbände besonders scharf auswirken. Dieser Rückschlag ist um so bedenklicher, als an sich schon der deutsche Anteil am skandinavischen Geschäft seit etwa einem halben Jahr erheblich zurück- gegangen ist. Drahtmarkt flau Nach dem Monatsbericht desDrabtvcrbandcS lDrahtverfeinerungsindustriej hat das Inland geschält sehr zu wünschen übrig gelassen. Bon der Anordnung des Rcichswirtschaftsministers über die Marktreglnng aus dem Gebiete der Verarbeitung von fluheisenwalzdraht ist eine belebende Wirkung zu erwarten. Im Ausfuhrgeschäft ist der Austragseingang gegenüber dem Vormonat ge- stiegen: die Preise sind jedoch sehr gedrückt. Aus zwei Absatzgebieten sind neue Bersclbständigungsbestrebungen zu berichten.— Beim Walzdrahtverband hat sich das Inlandgeschäst ans der Höhe des Vormonats gehalten. Gegen MonatSschlufi machte sich eine leichte Besserung bc- merkbar. Das Auslandsgeschäft liegt nach wie vor danieder. Gieldigesdialfefe- and Männer Durch die nationalsozialistische Prelle geht ein Ausspruch deS nationalsozialistischen Staatssekretärs Dr. Roland Freister: „ES genügt nicht, baß.mit mehr oder weniger Stolz oder mehr ober weniger Verschämtheit der eine oder andere hervorhebt, er sei gleichgeschaltet! Ganz im Gegenteil! Diese Gleichgeschalteten sind eine Gefahr! Man kann... eine Gleichschaltung vornehmen, daß man dafür sorgt, daß Organisationen der verschiedensten Art, private und halb- amtliche, ständische und berufliche, regionale und sonstige, eine Führung erhalten, die die Gewähr bietet, daß sie in der Richtung arbeitet, die der Führer des Staates be- stimmt... Nicht gleichschalten aber kann man Männer. Männer lallen sich nicht so oder so schalten und umschalten, es sei denn, daß sie keine Männer und deshalb unbrauchbar sind. Männer können sehr wohl durch ein inneres Erlebnis in ihrer Grundauschauung und ihrer grundlegenden Willensrichtung geändert werben, aber diese Aenberung läßt sich nicht befehlen, sondern sie kommt aus der Erkenntnis und dem Pflichtgefühl des Mannes selbst. Deshalb: alle diejenigen, di» da hervor- heben, sie seien nun doch auch gleichgeschaltet, find keine Nationalsozialisten und sind deshalb nicht geeignet, die Stütze des nationalsozialistischen Staates im Staate- apparat zu bilden." „Männer kann man nicht gleichschalten." Was sind also die Millionen gleichgeschalteter Schivarzcn und Blauen? Die Worte FreiSlers muten fast an wie eine stumme Be» beugung vor den Marxisten. Statistik... ®rot«ke von Hans Bauer Der Statistiker-Kongreß hatte sich nach den Anstrengungen der vergangenen Tage eine Erholung in Gestalt eines freien Vormittags gegönnt, und ein Teil der Herren hatte einen Spaziergang in die Umgebung des Tagungsortes unter- nommen. Ajs sie ein Stündchen bahingcschlcndert und in einen Wald gekommen waren, bot sich ihnen plötzlich ein schauriger An- blick: an einem Baum hing ein Selbstmörder. Di« Herren gruppierten sich um den Toten und nach einer kurzen Pause der Andacht und der Erschüllerung ließ sich einer von ihnen vernehmen:„Bezüglich des Selbstmordes ist zu sagen, daß der Juni stark de» anderen Monaten voran- steht. Unter Ansehung einer Durchschnittsquote von 100 für die zwölf Monate werbe» in ihm. im Gegensatz zum Nied rtgsten Monat, dem Dezember, volle 114,6 Selbstmorde durchgeführt." „Ich habe," warf sein Nebenmann ein.„die Selbstmord- stattstik verschiedentl'ch im Hinblick auf die Religionen unter- sucht und feststellen können, daß diese Todesart am häufigsten von Protestanten gewählt wird. An zweiter Stelle rangieren die Semiten. An dritter die Sektierer. Prozentual am selten- sten finden wir sie bei Katholiken und Dissidenten." „Jntereffant und wissenswert ist auch." fügte ein dritter hinzu,„daß in Deutschland 19215 bis 1981 auf 116,80 Frauen, die sich selbst getötet hatten nur 92,48 Männer kamen." „Auch in fluktuierende und seßhafte Bevölkerung muß bei Erörterung der Selbstmordhäufigkeit geschieden werden," brummte eine Baßstimme dazwischen.„Das Verhältnis ist hier 118 zu 91 zugunsten der fluktuierenden Bevölkerung." RQdtzug in der Jlrbeilssdiladir Wir haben schon mehrfach daraus hingewiesen, daß der unvermeidliche saisonbedingte Rückschlag aui dem Arbeits- markt sich im„dritten Reich" bereits bemerkbar macht und trotz aller statistischen Kunststückchen nicht mehr zu ver- schleiern ist. DaS Angebot an Arbeitskräften st e i g t wieder. Und während aus Pommern die Meldung kommt, daß— um Arbeiterentlassungen zu ver- hindern!— den Arbeitgebern daS Recht eingeräumt wurde, die 35-Stnnden-Woche bei einer Kürzung der Stundenlöhne auf 36 Pfennig einzuführen, berichtet die„Kölnische Zeitung" von Entlassungen in Gelsenkirchen. Unter der Ueberschrift„Beamten- a b b a u" ist da zu lesen: „Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des BcrussbeamtentumS und um die zum Ausgleich deS Hans- Haltvoranschlags erforderliche Verringerung der Personal- ausgaben zu erreichen, wurden bei der Stadtverwaltung Äelfenkirchen in größerem Umfang Ent- lassungen, Pensionierungen und Kündi- gungen vorgenommen. Von den Spar- maßnahmen ivurden betroffen 124 Beamte und An- gestellte oder rund 10 v. H. bei Gesamtbestandes sowie 43 Siammarbeiter oder rund 4 v. H. des Gesamtbcstandes. Unter den gekündigten Angestellten befinden sich 21 weib- liche Personen. Die Kündigung der Angestellten wurde zum nächstmöglichen Termin ausgesprochen. Danach scheidet die Mehrzahl zum 31. Dezember 1933 aus." ver Krafiwagenverhehr Die Zahl der Kraftsahrzeuge, die am 1. Juli in Deutschland in Verkehr waren, hat sich nach dem vorjährigen Rück- gang auf 1,156 Mill, erhöht. Der Bestand an Personen- kraft wagen lein Drittel des gesamten Bestandest ist um 5 Prozent, der der Lastwagen sein Zehntels um 1,8 und der der Krafträder» das treue Bekenntnis zu dem Führer, der diese Wandlung vollbracht. Es ist die Dankbarkeit für den Mann, der ei» gequältes Volk im letzten Augenblick vor dem Untergang bewahrt hat. Auf der dritten Seite derselben Ausgabe jedoch klagt er: „Sie spielten Sfut": In einer kleinen Gaststätte in der Langgasse spielte, während die andere» Anwesenden der Rede des Führet lRadioiibertragung» lauschten, ein Männertrio Skat. Del Dritte im Bunde war ein Jude. Nichts gegen das Skat- ipiell War es jedoch in diesem Augenblick am Platze? Bon den übrigen Anwesenden hatte keiner das Herz, dem schamlosen Verhalten Einhalt zu gebiete». Nur eine Frau erlaubte sich»ach Schluß der Ucber- tragung, dieses Tun gebührend zu kennzeichnen. Anstatt ihr recht zu geben, entgegnete eine andere Frau: iden Führer meinte siej i s doch keene Herrgott! Worauf sich der Ehemann unnötigerweise noch einmischt^ »D er ein' hat eben Spaß a m Kegeln uns der andere an dal!"— Der Wirt erklärte, er könne nicht eingreifen, denn es handle sich hier um ein öffentliches Lokal. Das schamlose Verhalten der Skatbrüder wird auch dadurch noch besonders gekennzeichnet, daß f ,c ihr Spiel in dem Augenblick beendeten, als der Führer das letzte Wort seiner Rede gesprochen hatte. Wie humorlos sind doch diese ewig paradierenden und moralisierenden Nazi-Redaktcure. Sie hätten sich Johannes Trojan trösten sollen: Mich aber dünkte dies wundersam. O sagt, wohin kann der Mensch noch geh», Um nicht drei Männer beim Skat zu sehn? V Olksgemeinschaft 7 Die Hitlcrei macht dem ganzen großen Bereich des graii- schen Gewerbes das Leben einfach unmöglich. Wozu nom Zeitungen und Bücher drucken, wenn sie niemand mehr kauft? Die Krise im grafischen Gewerbe und in der Papier- industrie ist schärfer denn je, und schärfer denn je flammt der Gegensatz zwischen Arbeitern und Unternehmern au!. Der „Korrespondent für das grafische Gewerbe Deutschland» sNr. 57), durch und durch gleichgeschaltet, schreibt über den Unternehmerverein seiner Branche, nachdem vor ein Monaten der Osas erklärt hatte, es gebe keinen Klassenkampf mehr:„Glaubt man denn, daß die Arbeitsmenschen im flrat 1' schen Gewerbe vor Unternehmersührern Respekt haben können, deren äußere und innere Betriebsverfassung' n' höchste Grade rückständig ist, in deren Werkstätten zwar hündische Unterwürfigkeit, keineswegs aber ehrliche Volksgemeinschaft lebt, und deren Erzeugnisse mehr oder weniger eine Schande für gewerbettbliche OualitätSleistnngen darstellen." Was Juden nicht sein dürfen lInpreß.t Nach dem durch Novelle vom 80. Juni 1933 abgeänderten Beamtcngesctz können Personen nichtarischcr Abstammung nicht Beamte iverden, wozu auch Lehrer aller Grade rechnen. Ferner können sie nicht zum Notariat, z»r Rcchtsanwaltschast, als Patentanwalt oder Steuerberater und auch nicht als Arzt, Zahnarzt oder Dentist zur Kassen- praxis zugelassen werden. Nach dem bäuerlichen Erbhoi'rec!» vom 15. Mai 1988 sind sie iveitcr dauernd unfähig, als Be- sitzer eines Erbhoies Bauer zu sein. Die„Bossischc Zeitung" macht aus diese gesetzlichen B>'- stimmungen nochmals ausdrücklich aufmerksam. Gegen jüdische Handwerks-Lehrlinge Die„Qstpreußische Haiidwcrkszeitung" veröffentlicht ein« Mitteilung, wonach der„Deutsche Handiverks- und Gewerbe- -nwmer-Tag" sich gegen die Handwerkerausbildung junger jüdischer Menschen ausgesprochen hat, selbst wenn die Bc- wcrber die Absicht haben, sich für ihre spätere Uebersiedlung nach Palästina vorzubereiten. habe ich grafische Darstellungen darüber liegen, die ich de» Herrn Kollegen gern zur Verfügung stelle. Die am häufigste» gewählten Aufknüpsungsgegenständc sind Kleiderhaken. Die Beteiligung der Baumästc ist schwächer. Es folgen Nägel. Kronleuchter und Schrankkuppeln. Unter den Bäumen ivieber stehen die Eichen an erster Stelle. Es folgen Buchen, Esche»' Am seltensten sind Nadelbäume vertreten." „Bemerkenswert," sagte der berühmte Herausgeber dec Statistischen Zcitdokumente,„ist das Verhältnis der Selbst' mordarten zueinander: Auf 100 Erhängungcn kommen 75,2 Erschießungen, 56,8 Vergiftungen, 47,9 Stürze aus dci» Fenster und 31,1 Ueberfahrungen, bei welch letzterer Todes- art wiederum die Lokomotiven den Vogel abschießen." Schließlich wird festgestellt, daß nach der auf Erfahrung»- material basierenden statistischen Wissenschaft die Wahrschei»' ltchkeit dafür spreche, daß der vorgefundene Erhängte se>' protestantischen Glaubensbekenntnisses, anarchistischer 05c- stnnung, eine der fluktuierende» Bevölkerung angehörende spanische Kaufmannsehesrau mit homosexuellen Neigungen, ärmlicher Herkunft, die sich wegen finanzieller Bedrängnis im Junt, morgens 4 Uhr. an einem Kleiderhaken erhängt hatte. Der Erhängte war. nun allerdings ei» Mann und zwar ein Landwirt ans Neufelde, der sich straffälllg gemacht hatte und au» Furcht vor dem Gefängnis sich an einem Märztage, gegen 8 Uhr früh, an einem Weidenbaum aufgeknüpft hatte- Depression bei den Gelehrten. Ein Glück, daß einer der Herren an Hand umfangreichen Mo- lerials aui Grund statistischer Erhebungen nachweisen konnte, daß ans Grund statistischer Erhebungen abgegebene Prohe- zciungen nur 2385 Prozent aller Fälle eintreffen. Nunmehr schnitt einer der Gelehrten den Erhängten ad und stellte Wiederbelebungsversuche an. litten in einem psgdiisdien Tornado ^«idimir d'Ormesson:„franhreldi muß spredien" 2b, ^OftoVer' rd' Olmes son schreibt im„T e m p s" vom Karten auf den Tisch Üf«fi n,are äußerst gefährlich, den ungeheuren Eindruck au) di Ä-ntltche Meinung im Inlande«nd im Auslände de» ^..?îgierung des„dritten Reiches" am 14. Oktober ie'vvr barî. zu unterschätzen. Die Folgen können unabjeh- -betrachten mir die Tatsachen.... in,?? U Oktober bricht der Reichskanzler Hitler nicht allem b»»d Abrüstungskonferenz, sondern auch>mt dem^»lkcr îi'crk m»"reißt auf diese Weise auch den«»erpak, das Adbrn^ is. Tie Gründe. die er wr biesen dreiiachen in s^ ânflibt, halten einer Prüfung nicht ftano. Geraoe 2!erk»?n Augenblick, in dem die militärischen Klauseln. des bâiller Vertrages fallen sollten, was Tcnt,chland«esta et à e. die grundsätzliche Gleichberechtigung und in einem knr- öe«a» e,.' rau> n die tatsächliche Gleichstellung, die der Sri«, dc?'?" rag ihm vorenthielt, zu erlangen- weist der Che? <>cr^x îchen Regierung die Vereinbarung Zurück, die ich •. fade vorbereitet, und bricht die Brücken ab. Jeder, und sei iin& c not& f° sehr der internationalen Verhältnisse unkun- «- neh, verwirrt vor solchkn Ungereimtheiten, «der Achtung! Betrachtungen dieser Art stud Betrachtun- «en«on Diplomaten, die sich aus der politischen> Ebene bc. ^«cn. Aber wir sind nicht mehr aus der politischen Ebene ?j e politische Ebene reicht sür die Tatsachen keineswegs Wir beiluden«ns mitte» in einem psychischen Tor- ^ aaoo. öe? 8 i e 0. re tft man in Frankreich nicht genügend. ImRahmen 1*^p"t,k ist das deutsche Manöver ohne Zwenel sinnlos, in psychologischer Hinsicht ist cS geschickt. Was bezweckt es Wirklichkeit?^wei Dinae. iriÂ^àchst soll es die Akkumulatoren der.Mlerreglerung Voo» e« ausladen. Der Winter wird hart sein. Die?nan»ielle kann von einem zum anderen Tage katastrophal wer uor'h. 1 er legt Wert darauf, die Zustimmung deS Volkes un-der bestätigt zu erhalten, um seine.Autorita zu. starken her il wehr Handlungsfreiheit zu sichern als jemals vor^ ltw zu diesem Ziel zu gelangen, wählt er den günstigsten Msplatz, den der nationalen Ehre. Was bedeute es ihm, 'Uternationalen Einrichtungen, den geltenden Vertragen u? Todesstoß zu versetzen? Es handelt sich vor allem eine Maßnahme zur erfolgreichen Konsolidierung des «'-atsgefüges. Nach ihm die Sintflut. Wichtigste ist.«in geeignetes Mittel z« finden, die Öfentlichc Meinung in Deutschland aufzuputschen. Dieses y ,"îttel aber hat er gesnnden i»1»^ darin, festzustellen: î!^?âs deutsche Volk das friedliebendste der Welt ist. - oaß seine Handlungen dies beweisen, da es vor aller Aigen Frankreich in freundschaftlicher und loyaler , Zveise»die Hand reicht. ° oag er aber nicht dulden wird, daß man Deutschland ivic Z"? besiegtes Volk behandelt,' daß er keine Unterlegen- und keinerlei Ungleichheit, selbst nicht auf militäri- 'wem Gebiet, und dort vor allem nicht zulassen wird, ein Glaubensbekenntnis muß notwendigerweise eine h>>t z Beivegung im Volke auslösen. Dieses Bekenntnis »«stell""eifachen Borteil, die Einmütigkeit der Wähler her- z„ m c«- die Gemüter gegen jedes Vorurteil unempfindlich «oii„fcä en und sie auf jedes auch nur denkbare Abenteuer stände£*!' wird in der Tat genügen— wenn die Uin-- ten afr ,°» u einladen—, dem Glaubensbekenntnis einen vier- devs?. hinzuzufügen und zu sagen, daß trotz seines Frie» vx.?!"lleud und trotz seines Willen?, sich mit Frankreich zu Ici, diftcn, Frankreich sich geweigert habe, de» guten Wil- «ui-l^pkschlands anzuerkennen und daß es seinen Anspruch Daa Vormachtstellung behaupten wolle, tisch.» lles kann geschehen, um in Deutschland eine kriege- iv?° Stimmung zu schaffe», den Krieg zu rechtfertigen und c n Augen der Nation zu einem heiligen Krieg zu mache», t«? äanze» kann man sagen, daß der Schlag vom 14. Ok- "ne Art unblutiger Generalprobe zu einem hes- gerein Ausfall gewesen ist. Wenn dieser auch nicht not- andigerweise folgt, so bereitet er ihn doch vor. Aber das Mittel, das die Herrscher des„dritten Reiches" gewählt habe», bringt nicht nur in der Innenpolitik Vorteile. ES ist auch für auswärtigen Gebrauch. Wir werden es sehen. Auf bestimmte Art bringt man Halbwahr- heilen vor, die sich schließlich durch unaushörliche Wieder- holung einprägen, besonders wenn die Menschen rein ge- sühlsmäßig reagieren. Man hört niemand aus seinem guten Glauben oder aus seiner besseren Einsicht heraus protestieren und keinen an das Ehrgefühl appellieren, ohne eine leichte Verwirrung zu empfinden. Um so mehr, wenn jemand im Namen eines großen Volkes spricht, dessen unbeschränkter Herrscher er ist. Vor einige» Tagen fand ich die folgenden Zeilen in einer großen amerikanischen Zeitung: „Tie Deutschen haben eine ernste Entscheidung getrof- fen, und auf den ersten Blick schienen sie isoliert zu sein. Aber vielleicht ist es damit nichts, zumindest dann nicht, wenn nicht Tatsachen und belcgbare Zahlen erbracht wer- den, um die Behauptung Hitlers zu widerlegen, daß Deutschland seit den Friedensverhandlungen eine unge- rechte Behandlung ertragen mußte. Für die öffentliche Meinung der Angelsachsen ist diese Demonstration von allerhöchstem Wert. Unserer Meinung nach genügt es nicht, wie die Franzosen so oft annehmen, die FriedenSabsichtcn der französischen Politik immer wieder zu versichern. Die Gesabr ist die. daß die öffentliche Meinung in ben angel- sächsischen Ländern erwidern könnte, daß es gut zusammen passe, ein Anhänger des Friedens zu sein und sich hinter seiner Pistole zu verbergen. Den Beweis muß Frankreich erbringen, daß die Waffe notwendig ivar und daß sie es jetzt in noch größerem Maße ist. Dies ist möglich, wenn das, was man bezüglich der geheimen Aufrüstung Deutsch- lands vorgebracht hat. durch Tatsachen und Zahlen belegt und der Welt offiziell unterbreitet werden kann. Sicher- lich wird es ein Mittel geben, vor der Meinung der Welt die Wahrheit oder den Irrtum dieses wichtige» Punktes festzustellen. Und ivenn das einmal festgestellt wäre, wür- den die Argumente HitlcrS zum großen Teil sich ver- klüftigen. In dem Falle stände die ganze außerfranzösische Welt hinter Frankreich und würde dort bleiben. In Eng» land und in Amerika rechnet so etwas mehr als Erklä- rungen, die in Genk abgegeben werden, die, wenn sie nicht von der öffentlichen Meinung gestützt werden, zum größten Teil ihren Wert verlieren." Man kann diese Zeilen nicht scharf genug kritisieren! Tie sind von symptomatischer Bedeutung. Tie zeigen, wie es dem Reichskanzler schon gelungen ist. bei vielen Menschen außer- halb Deutschlands Zweifel zu erregen, und erweisen den «ineteil, den er durch das begonnene Unternehmen haben kann. Die Nazis, vergelten wir das nicht, sind erprobte Meister in der Kunst der Propaganda. Sie werden eo verstehen- ja, st« verstehen es schon—, alle nur möglichen Vorteile aus der Stellung zu ziehen, die sie eingenommen haben, und sie bis zum äußersten auszunutzen. Wer bemerkt nicht die Wandlung, die stch seit vierzehn Tagen aus dem Gebiete der„psychologischen Imponderabilien" voll- zogen hat? Am 15. Oktober war jeder über die deutsche Takt- losigkelt entrüstet. Man könnte den Gedanken nicht ertragen, daß die Konferenz in Gent nicht trotz des tollen Streiches Teutschlands ihre Arbeit fortsetzen könnte. Man wollte es nicht wahr haben, daß eine rohe Geste des Kanzlers alles zerstöre» könnte. Noch sind keine zwei Wochen vergangen und schon scheint Genf der Vergangenheit anzugehören. Man be- schäftigt sich nur noch mit den Anerbietnngen, die der. Nanz- ter Frankreich gemacht hat. Man hört nur noch seine zün- dcnden Reden, die Beteuerungen seiner Unschuld und seines guten Willens, seine Anklagen gegen die ungetreuen an- deren, und viele fragen sich:„Hat er»ach alledem nicht recht?" Nun, man muß die Dinge wieder vom Kops ans die Füße stellen und zwar schnell, wenn wir nicht wollen, baß eine un- sagbare Verwirrung entsteht. Der Kanzler wendet sich feierlich an uns. Gui so. Wir sind sür diese Ansprache nicht unempfänglich. Aber die Karten ans den Tisch! Es Ist möglich, daß man der Meinung sein kann, Frankreich und Deutschland könnten sich verständigen. Aber es ist un- WclirwisscnstliaK in Dcuisdiland "Ofessor Danses leliren ,,u Eichham Tteed schreibt an den Herausgeber der i m t s".(26. Oktober.) sagen in Ihrem Leitartikel von heute morgen über lc Abrüstungskonferenz: »Es ist t» erster Linie noiivendig, damit aufzuhören, die deutsche Jugend in der Wehrwissenschaft zu unterrichte», 'in diesem Zusammenhang muß frei und ausrichtig be- G»nt werden, daß zumindest ein Ansang mit dem Verbot militärischen Handbuch» des bekannten Professors Vanse gemacht worden ist." . Ata» darf mit Recht unterstellen, daß dieses Handbuch, auf Ihr Berliner Korrespondent zuerst aufmerksam machte, ö'flcn seiner Wirkung auf die öffentliche Meinung im Aus- °«d unterdrückt worden ist und nicht etwa weil die Anivri- «le» in Hillerdeutschland es im Prinzip verurteilen. Wenn . so wäre, hätten diese gewiß ein viel furchtbareres Werk îêselben Professor» Banse unterdrückt, das den Namen 'ägt„R a u m n n d B o l k i m W e l I k r i c g e". das im vcr- ^««ginen Jahre veröffentlicht wurde. ES führt den Untertitel "^«danken über eine nationale Wehrlebre" . Linter den elf Karten von militärischen Stellungen während »es Weltkrieges ist eine, Nr. 8, die einen zukünftigen Einfall * Großbritannien darstellt. Nach Dieser Karte soll die ganze holländische und belgische Küste als Operations- ?*sis für den deutschen Einfall dienen, sie setzt weiter voran». ?°b die Halbinsel Ostanglia von einer einfallenden Macht ncht eingenommen und gehalten werden kann,»nd daß. . viiiiiuii unit;,r nn bieg geschehen ist. et» z »rsten vom Irischen zweiter Einsall zur Unterstützung ^...... V r< 11 uj* n Freistaat au» durchzusühren <£. e> um die Industrie von Midland und Elyde zu treffen, l'^ Bedeutung dieser Karte ist in zwei Kapiteln über Eng- ,« ö und den englischen Volkscharakter dargelegt(T. 25Z bis in denen die Karte auch ausdrücklich angeführt wird. ,e folgende Stelle auf Seite 263 ist besonders interessant »Es ist für den Fall eine» feindlichen Einfall» sehr sich über den Charakter de» englischen Volke» ein Urteil zu bilden- Das Volk würde bis auf den letzten Mann z» de» Waffen eile» und würde sich i» heldenhafter Haltung angesichts der Oufe-Linic oder der Kalt- und Kreidefelsen niedermache» lassen, ehe sie Schritt sür Schritt das Land ausgäben. Aber es ist noch fraglich, ob dieses Volk die Hungerprobe bestehen würde. Denn jahrhundertelange körperliche Bequemlichkeiten haben sie in hohem Maße ver- dorbcn, und schwerlich könnten sie harte Entbehrungen er- tragen(die sie, ivenn man von der Rationierung absieht, während des Weltkrieges nicht kennen lernten). Ein Teil des Bolkes würde sogar das aus Liebe zum Vaterland ertragen, aber der andere Teil würde das Spiel aufgeben, das sie nicht mehr als Spiel empfänden. Wir gestehen, daß es für uns von besonderem Reiz ist, sich den Fall die- se» stolzen und sicheren Volkes in der Zukunft vorzustellen, eines Volkes, das in einem Lande, das seit 1666 nicht mehr erobert wurde, fremden Herren z» gehorchen haben ivirb oder auf sei» einträgliches Kolonialreich verzichten muß. Jeder englische Mann und jede englische Frau würden diese Sätze als ungeheuerlich ansehen, als eine Blasphemie, wenn sie ihnen jemals zu Ohren kämen." Das ganze Buch, das mit Karten 424 Seite» umfaßt, ist in diesem Geiste geschrieben. ES entwirst ähnliche Pläne sûr- Tan e m a r k, Oesterreich, die Tschechoslowakei, Polen(es ist der Ansicht, daß der einzige Weg. die polnische Fkdge zu lösen, die Aufteilung von Polen wäre), die Schweiz und selbstverständlich Frankreich. Die deutsche Schweiz und das deutsche Frankreich(Französisch-Ftandern. Elsaß, Lothringen), da» deutsche Belgien(Flandern, Brabant, Enpen. Malmedy) Luxemburg»nd Holland mit dem holländischen Kolonialreich sind natürlich dem neuen deutschen Reich einzuverleiben. Aber sür den gegenwärtigen Zweck ist die interessanteste Stelle die Schlußfolgerung, in der er die Einrichtung einer Reich sat t e i l u p a s ü.r W c h r w i l s e n s ch a s t vcr- langt, die dem R" i cj s m. n! st räum unterste!'! werden und zur inilitärwlssenscha'tlicheii Ertüchtigung des de« chen Volkes dienen solle. Eine Stelle zur Untersuchung der Wehr- Wissenschaft, meint Banfe, würde sehr zweckdienlich sein. Und möglich z» glauben, daß diese Verständigung in dew Rah- »ten stattfindet, aus den der Reichskanzler sich festgelegt bat. Deutschland behauptet, daß man es mit einer unerträglichen Härte behandelt habe. Es behauptet, es sei abgerüstet und ohne Vertcidigungsmiltel hochgerüsteten Nachbarn ausge- liefert. Es behauptet, daß es Gens verlassen habe, weil man dort sür es eine neue einseitige Abrüstung vorbereitete. Diese drei Vorwände sind falsch. Frankreich hat Deutschland so uenig in unerträglicher Weise behandelt, hat so wenig gesucht, es zu demütigen, hat im Gegenteil so brenne»« eine ehrenhafte Versöhnung mit ihm gewünscht und gewollt, daß es an? eigenem Antriebe das Rheinland sttns Fahre uor den durch den Friedensvertrag festgesetzten Fristen geräumt hat. Kann der deutsche Reichskanzler ein ähnliches Beispiel aus der Geschichte anführen? Er vergleicht die„edelmütige" Haltung Dentichlands nach dem Kriege von 1876 mit der Frankreichs nach 1618. Vergißt er, daß die deutschen Soldaten aus französischem Boden geblieben find, bis der letzte Eentim des Kriegs- tributs bezahlt wurde, und daß, wenn Frankreich sei» Gebiet verhältnismäßig schnell befreit hat, es dies nur er- reichte auf Grund einer mächtigen Anstrengung, um feine Schuld abzutragen? Wenn Frankreich nach diesem Kriege so gehandelt hätte wie Teutschland nach jenem früheren, so stünden ivir noch immer in Mainz. Warum unterschlägt der Reichskanzler diese Wahr- heit? Außerdem ist es falsch anzugeben, daß Deutschland völlig abgerüstet und übermäßig bewaffnete Nachbarn ansgeliesert set. Die militärischen Klauseln des Friedensvertrages wer- den seit langem verletzt. Deutschland ist bereits mit einer Rüstung versehen, die es zu einem militärischen Faktor macht. Jeden Tag wird er stärker. Zwischen dem, was es offiziell besitzt und dem, was e» tatsächlich besitzt, besteht ein so furchtbares Mißverhältnis, daß eS gerade die- ses Mißverhältnis ist, und eS allein, welches die Vor- aussetzunaen der Abrüstungskonferenz verfälscht hat. Es ist mvaltcb. daß die o"e»c Verletzung der eingegangenen Ver- pflichtungen menschlich verständlich ist, aber man tue nicht so, als existieren sie nicht: man sübre nicht seine Unschuld, seinen guten Willen, seine Schutzlosigkeit ins Feld und man klage nicht einen anderen des bösen Willens an. Schließlich ist es falsch zu erklären, daß man in Gens fsir Deutschland einen einseitigen und erniedrigende» Vertrag vorbereitet hätte. In diesen Unterhandlungen mit England hatte Frankreich genaue ,bis ins einzelne gehende Verpflichtungen üvernom- men, die eine Gletchmachung der Rüstungen in kurzer Zeit -ur Tatsache werden lasse» sollten. Als Deutschland die Ver- Handlungen abbrach, hat es selbst die Möglichkeiten der Eini- gnng zerstört, die stch darboten. Es bat den Geist des Miß- trauenS und der Kriegspsychose in seiner ganzen Heftigkeit wiedererweckt. Warum dies alles verschweigen? Warum e» verberge«? Warum diese Zurückhaltung? Soviel Feinheit ist nicht mehr die Mode. Wir wiederholen, durch den Willen Deutschlands sind wir in eine heftige psychische Krise ge- stoßen worden. Nun heißt es folgerichtig handeln. Man muß sprechen, Tat- fachen anführen. Ziffern anführe», nicht, um sich in eine per- wirrende Diskussion einzulassen, sondern um sehr ruhig, sebr better der Wahrheit die Ehre zu geben und die.Dinge so hinzustellen, wie sie sind. Das deutsche Volk, die öffentliche Meinung des Auslands müssen wissen, unter welchen wirklichen Bedingungen das Problem sich darstellt, das Kanzler Hitler in positiver Weise zu lösen wünscht. Eine solche Richtigstellung darf nicht durch Polemiken in der Presse erfolgen. Sie muß offiziell erfolgen. Frankreich selbst muß spre- che». Der Rundfunk soll im deutschen Volk in deutscher cvracke— die Wahrheiten verbreiten, die man ihm verbirgt oder die man ihn» beimißt entstellt. Versöhnung? Verständigung? Friedliche, herzliche, ehrenvolle Nachbarschaft? Wir wollen gewiß. Aber im»ollen Licht, Karten aus den Tisch. Professor Banse schließt, indem er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß sich die Regierung schnell entschließen möge, diese Dinge einzurichten und daß sie den„richtigen Mann" zn ihrer Durchführung finden möge-' So wurde die Wahl de» Professor Banse als dem hervor- ragendste»„richtigen Mann", die deutsche Jugend in der Wehrwissenschast zu schulen, eigentlich erleichtert. Die Unterdrückung seine» kleinen Handbuches mag ihn vielleicht betrüben,' aber ohne Zweifel wird eine leichte Belastung»- probe seiner Vaterlandsliebe ohne Murre» ertrage», iv e« u nur sein bedeutendere» Werk« n d seine er« leuchtende Lehre u n a n g e t a st e t bleibe». ni'crifeisl r* n und Taten Hunbertausend, die in den Großstädten schon in iungen Jahren verdorben worden sind, erziehen wir in unseren Jugend, nnd TA.-Formationen zu an- ständigen Mitglieder» der menschlichen Gesellschaft. Reichskanzler Hitler an die„Daily Mail". In der„Groß-Wartenberger Zeitung" in Schlesien stand folgende parteiamtliche Kundgebung: Bon irgendwelche« Schweinehunden werden über SA» Männer die unglaublichsten Gerüchte verbeitet, die jeder Unterlage entbehren, nur aus Unwahrheiten beruden. Um diesen Burschen ein für alle Mal ihr dreckige» Handwert zu legen, werden wir zur Selbsthilfe greisen. Jeden einzelnen dieser Gerüchtemacher werde» wir, so- bald wir seiner habhast werden, öffentlich aus dem Ring durch S A.» M ä n n e r auspeitschen lassen zur Warnung sür jeden anderen. Gerhard Mcndrzyt, Sturms. 13.11137. Ein Gentleman Der General von Einem schreibt in seinen soeben er- schicnenen„Erinnerungen eines Soldaten":„Ich habe die Sozialdemokratie mein Leben lang gehaßt... Ich habe auch keinem Sozialdemokraten jemals bewußt die Hand gereicht." Sowas hat das Deutschland des Kaiserreichs ruiniert und arbeitet nun wieder an Deutschlands Ruin. Deutsche Stimmen•(Beilage zur„Deutschen Freiheit"• éteignisse und Geschichten Mitwoch-Dowwrrtog, den I. u. 2. Nov«mb»r 1933 Dec Sieç dec SchaMane ÎCnd das(LciimmecfeM dec deutschen Jiunst JMeqat Son P. Cornelius Die gleiche große Unredlichkeit, die Hitler und seine Leute als Sprungbrett für ihren Einbruch in die Politik Deutsch- ands genommen haben, nutzten sie, um die deutsche Kultur, sie sie bis dahin Geltung hatte, dem deutschen Volke als ebensgcfahr zu denunzieren und mit allen Mitteln der Zer- lörung zu bcrennen. Ein Begriff wurde erfunden und durch unermüdliche Propaganda zu einem fressenden Götzen aus» geweitet: Kultnrbofchewismus. Nicht die geringste Ursache lag vor, gegen die bildenden Künste Deutschlands, wie sie sich nach dem Kriege ent» wickelt hatten, den mordenden Bannstrahl zu schleudern. Mes in allem waren da gesunde Natur und klares Wollen am schweren keineswegs erfolglosen Werk. Absurditäten, an denen es gewiß nicht fehlte, bewiesen nur, daß Most da war und daß er gärte. Der Lärm, den einige turbulente Spitzen machten, zeigte nur an, daß die Meister ritten. Blind wütend beschimpften Hitler und der Nationalsozialismus die Architektur, die Malerei, die Plastik und das Kunstgewerbe eines revolutionär strebenden, aber zugleich besinnlichen Deutschland, ohne auch nur einen Hauch zu spüren von der Gcistcsbrllcke. deren Bau schon vor Jahrzehnten begonnen worden war. längst bevor Herr Hitler auch nur ahnte, baß es neben der Anstreicherei und dem Pinseln dummer Orna- mente noch etwas anderes gab, nämlich Kunst als Ausdruck des innersten Wesens von Persönlichkeit und Volk- Zwar wählte der Nationalsozialismus solche Formel(für ihn war Formel, was der deutschen Kunst Lebensinhalt gab) zum Kampsgeschrei, aber er wußte nichts von den Etappen in denen Deutschland vom bourgeotsen Zerfall der Sieb» zigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, von deren pom» pösen Markarterie und kindischen Goldschnittlyrik aufgestie- gen war zur sachlich disziplinierten, ehrlichen, das Wesen der Zeit ausschöpfenden Gestaltung. Der Nationalsozialismus wußte nichts von dem Ausstand der deutschen Kunst gegen die französischen Ludwigstile, gegen jegliche Verfälschung ge- schichtlicher Vergangenheit und deren Mißbrauch zu verstaub- ter Romantik. Der Nationalsozialismus wußte nichts von der Stufenfolge der Ausstellungen in Darmstadt, Dresden, Brüssel, die Deutschland aus sauler Nachahmung zum neuen deutschen Stil geführt hatten. Und so spreizte sich dieser Na» tionalsozialismus mit angeblich neuen Entdeckungen und neuen Forderungen, von denen jeder halbwegs normale Ken- t:er deutscher Kunst wußte, daß sie seit langem erkannt waren und verwirklicht wurden. Nicht einen neuen Gedanken hat der Nationalsozialismus zu den wesenhaften Problemen der deutschen Kunst beigetra» gen, wohl aber hat er alle klaren Entscheidungen, begonnen bei der simplen Zweckmäßigkeit, endend in der nationalen Gcfühlskraft jeder wahrhaft produktiven Leidenschaft künst» lerischer Persönlichkeit, verwässert, durch hemmungslose Phrasen verblödet und aus einer selbstverständlichen Tugend in ein widernatürliches Laster verwandelt. D«r Nationalsozialismus i« der Kunst ist nichts anderes als die Rebellion der Mittelmäßigkeit gegen die gesunde Entwicklung und gegen die überragend« Leistung. Gegen die nüchterne Zwecksorm, die bewußt deS tauben Schmuckes entbehrt, rebellieren die Ornamenten» macher, die Fabrikanten gedankenloser Dekorationen, die Quetschfaltentapezierer, die Kleinkrauter des verstorbenen Ueberflusses Das wird durch die Mtttelstandspolttik, wie sie sich in Hitlers Schwachkopf zu einer Karikatur verzerrt, bedingt. Man braucht hier nur daran zu erinnern, daß Hitler für den von ihm gewollten„gigantischen Kunstpalast", mit dem er München segnen möchte, aus der Mottenkiste Herrn Trost herausholt, den schwächlichen, längst vergessenen Versllßer einer barocken Abirrung modernen Ausdrucks. An- zumcrken wäre hier auch, daß Hitler sich von Leuten porträ- tieren läßt, die er für Maler halten mag, die in Wirklich- leit nichts anderes sind als bunt aufgewichste Photographen der guten Stube. Gewiß, ein(Verzeihung) Staatsmann braucht nichts von Kunst zu verstehen, er kann künstlerischen Erscheinungen gegenüber blind und taub sein, aber dann muß er entsprechende Zurückhaltung wahren und darf nicht, wie Hitler und sein Nationalsozialismus, sich zum Kunst- präzeptor eines großen Volkes aufwerfen. Ein Trümmerfeld hat der Nationalsozia- lismuS aus der deutschen Kunst gemacht, er hat sie gelähmt und verwirrt, er hat sie ihrer besten Männer beraubt. Er hat sie durch die hündische Mode der Gleich- schaltung um die Voraussetzung aller künstlerischen Schöpfung, um die Freiheit betrogen. Statt dessen hat er ihr die ekel- hasteste Streberei, die Verwirrung, ein Hin und Her der Instanzen, ein unerträgliches Raufen um die Futterkrippe beschert. Herr Schulze-Naumburg, ein längst Begrabener, einst ein netter kleiner Kunstpauker, inzwischen ein greinen- T)as Stammlokal Französisch Billiard und gepflegte Biere! Gedeck eins zwanzig! Heute lange Nacht! Das sind des deutschen Bürgers Stammquartiere; Dort wird die Zeit in Massen umgebracht. Da drischt mau Skat, wenns hochgeht, um die Ganzen; Die Kugeln donnern aus der Kegelbahn. Am Stammtisch ranken sich die Reckpslanzen, Verworren um den eigenen Größenwahn. Dort kocht des Volkes heldenhafte Seele? Revauchekrieg und Diktatur sind Trumps! Indessen stopft z« Hause die Adele Dem Recken seufzend den zerrissenen Strümps. der Rechthaber geworden, ist wieder ausgetaucht und wurde zum Machthaber befördert. Das gleiche geschah mit Herrn SchmittHenner, einem harmlosen DurchschnittSarchitekten, der nur, weil er plötzlich seine französische Tradition mit konjunkturellem TeutonismuS vertauschte, zum Führer er- nannt worden ist. Solche kleinen Abseitigkeiten traten im Zeichen des Hakenkreuzes in den Vordergrund, während Künstler, die Weltruf besitzen, und deren Werk das Reisen einer neuen deutschen, europäisch gebundenen Form bedeutet, entfernt worden sind. Wo blieben Hoser, Kokoschka, Käthe Kollwitz, wo Poelzig, Gropius, Mies van de» Rohe, Wagner, der Berliner Stadtbaumeister? Sie wurden an die Wand gequetscht und mit ihnen alle, die etwas Wirkliches können, die ihre eigene Sprache sprechen, die nicht willens sind, sich wie stumme Tiere an die Kette legen zu lassen. Um nur noch zwei Beispiele zu nennen: BrunoPaul.der Direktor der Vereinigten Kunstschulen in Berlin, ein Künstler, der zumindestens den Ruf deutscher Innenarchitektur und deutschen Kunstgewerbes gefestigt hat, wurde durch Herrn Kutschmann, einen völlig belanglosen, früh vergreisten Dekorationspinsler, verdrängt; der Direktor der staatlichen Kunstbibliothek, Dr. Curt Glaser, ein hervor- ragender Kenner der einschlägigen Literatur, von allen europäischen und amerikanischen Fachleuten, auch von den japanischen Kollegen, geschätzt, bekam als Nachfolger einen notorischen Lärmmacher, den halbverrückten Quernlanten Hermann Schmitz, nur weil dieser sich rechtzeitig bei den Nazis angeschmiert hatte. Die Personalpolitik Hitlers ist auch im Bereich der Künste eine ebenso schmutzige wie wider- sinnige Angelegenheit. Sie wirb verschlimmert durch die Entartung der bereits erwähnten Gleichschaltung. Die organisatorisch« Vernichtung des Künstlerischen und all jener Künstler, die dem eigenen Gesetz mehr gehorchen als dem Diktat der Willkür, nähert sich dem Höhepunkt. Alle Verbände der ays- übenden Künstler, der Bund der deutschen Architekten, der Werkbund, die großen Ausstellungsvereinigungen, der Wirt- schaftsverband, sind gleichgeschaltet, st« alle unterstehen dem Arierparagraphen und dem ganzen übrigen Humbug des Nationalsozialismus. Nur wer einer dieser Ber- einigungen angehört, darf künftig in Deutschland noch Häuser bauen, Steine meißeln und Bilder malen. Wer könnte sich da nicht vorstellen, welcher Korruptheit, welcher Minderwertig- keit, welchem Charaktermangel, welcher Schablone, welcher Blutarmut, welchem erbärmlichen Tode die deutsche Kunst im„dritten Reiche" verfallen ist!? Du gehst nach linkS an die Eck«, Einer steht drüben am Tor, Das ist genügende Decke, Wir mit der Farbe gehn vor.., Schnell! Kam da nicht schon ei« Zeiche«? Zwei Worte noch an die Wand!— Mensch, los! SA.! Wir find Leiche«,— Los! Und«ms Lebe« gerannt! Gleich um die Ecke, dann trennen, Nicht zu Genossen jetzt gehn! Freiheit!— Keine Namen nennen!— Und morgen wieder um zehn! (hiedcich dec Çcofie an die SA. Die Franzosen machen sich lustig..» Feier auf dem historischen Schlachtsel» :oß< Eine patriotische von Lenthe» Der Pariser„TempS" schreibt: Friedrich der Gr i n e i g e n e r P e r s 0 n hat die völkischen Sturmabteilunge Schlesiens auf dem historischen Schlachtfeld von Leuthe durch eine Ansprache geehrt. Es geschah anläßlich e>n Feier, die sich in einer Kirche von Leuthen abspielte, war aufs glänzendste illuminiert; ber Stabschef der S Röhm, war anwesend, ebenso Polizeipräsident Heines andere Persönlichkeiten. So berichten wenigstens deutschen Nachrichtenagenturen, welche die Feier in folgen« der Weise beschreiben:. Im hellen Licht der Scheinwerfer erschien vor dem Den mal der Schlacht bei Leuthen hoch aufgerichtet aus seinitn Roß der alte König, der folgende Ansprache hielt:. „Sturmabteilungen Oberschlesiens, wir befinden unS am heiliger Erde. Unsere Vorfahren haben hier ihr Blut tu ihr Vaterland vergossen. Die Parole war damals:^>ege oder sterben. Meine letzten Worte vor ber Schlacht be Leuthen waren: Ich werde den Feind gegen all Regeln der Kriegskunst angreisen, gleich w« i ch i h n t r e s s e. Ich mutz es tun. Wir müssen gegen de» Feind kämpfen oder uns unter unsern Batterien begrabe« lassen. Deutsche Jugend, lebe nach diesem Ideal und f« 1 deiner Vorfahren würdig!" Es darf nicht verschwiegen werden, daß Friedkich II. jenem Abend durch einen bekannten deutsches Schauspieler lOtto Gebühr) dargestellt wurde' der in allen großen historischen Filmen, die seit etwa»» Jahren in Deutschland gedreht werden, die Rolle des Köing von Preußen spielt. Diel« SÄ-. und di« ,/lüec ist's" im„dritten(Reich" Das£exihon dec Qcofmiittec und Jhhwieçecmiittec DegenerS Zeitgenossen-Lexikon„Wer ist's" ist in neun Auslagen weit verbreitet worden. Run soll unter HitlerS Herrschaft eine zehnte Auflage erscheinen und da genügen die Angaben, die bisher gegeben wurden, bei weitem nicht mehr. Jeder„Zeitgenosse", der im Lexikon erwähnt wird, erhält den Ausschnitt„wie er nach den uns zur Zeit zu- gänglichen Unterlagen in der neunten Ausgabe erschienen ist" mit der grobgedruckten Mahnung: ff lfdnrf dcinycnd du HktiditiçuHç und EtçÔHtUHç Worin die„Ergänzung" bestehen soll, wird auS einer be- sonderen Drucksache klar. Er handelt sich um die Kon- session nicht bloß deS„Zeitgenossen", seines Vaters, setner Mutter, seiner Frau, sondern„der beider- fettigen Großeltern" und um die„ent- sprechenden Angaben über die Eltern der Frau oder b«S Manne»". Aber man soll wörtlich genießen, was man von„Unseren Zeitgenossen" wissen will. So lautet die Mahnung: Zur Beachtung Wir bitten in Berücksichtigung vielfach geäußerter maß geblicher Wünsche und im Interesse der Pflege Familiensinns und der Familienforschung besonders Angaben über Geburtsort Geburtstag Konfession (auch evtl. Wechsel der Konfesston) bei den Eltern, Groß- eltern und Kindern und bei Ihnen selbst gegebenenfalls auch um Angabe de» Ortes ber Trauung. Wer sich weigern wollte, die„maßgeblichen Wünsch« Interesse der Pflege des Familiensinns und der Fmmit" forschung" nicht zu erfüllen, dem wird gedroht: „Bei Unterlassung wesentlicher Angaben steht«S Schriftleitung fret, diese zu ergänzen." Wer aber brav seine Großmütter und Schwiegermütt« bekanntgibt, der hat die Genugtuung, mitzuwirken an«t««w großen Werk, denn: .Degeners„Wer ist's?" soll und will die Brücke zu führ"' de« Personen des neuen Teutschlands in Kultur— Polst 1 — Rechtswesen— usw. sein." In der Tat. di«„Kultur" dès neuen Deutschland erschaut werden in dem Lexikon der Großmütter Schwiegermütter. ka»« u» J deS um Im ganzen handelt es sich zwecks zuverlässiger Angabe« um die Beantwortung folgender Kragen: l. Name.— 2. Vornamen(Rufnamen unterstreichen).— S. Stand, Titel, Beruf, Beschäftigung.— 4. a) Wann und wo geboren, b> Konsesston.— 5. Name, Stand, Beruf, Ge- burtSort und-tag, Konsesston a> des VaterS, b) der Mutter, c> der beiderseitigen Großeltern(bei den Frauen der Mädchennamen).— 6. Angaben über besonder» be- merkenswerte Vorfahren.— 7. Verheiratet, wo, wann und mit wem(mit Angabe von Geburtsort,-tag und Kon» session nebst entsprechenden Angaben über die Eltern der Frau oder deS Mannes). Während in den neuen ersten Auflagen man nicht einmal die Konfession des Zeitgenossen erfahren hat, wird man nun über die Konfession seiner Eltern, Großeltern und Schwiegereltern gründlich belehrt werden. „Wer ist'S?" an seiner Großmutter und an seiner Schwiegermutter sollst du ih» erkennen, Tlichtacischec TDaCzechcieç Renaissance des deutschen Films Man schreibt der„Neuen Weltbühne" auS Berlin: Uni«« ihrem neuen„judenretnen" Kurs und im Dienste der hohe'' kulturellen Mission, die ihr das Propagandaministerium de- Herrn Wöbbels gestellt hat, brachte die Ufa bisher— außck dem„Hitlerjungen Quex"— nur einen einzigen großen Fil>" heraus, den ganz unpolitischen Film„W a l z e r k r i e g", der auch in Paris in französischer Version unter dem Titel guerre de valse" gezeigt werden wird. Der Film ist wirklich ausgezeichnet und hat einen ver' dienten großen Erfolg. Und die nationalsozialistische Kritik ist begeistert von dieser filmischen Talentprobe deS neue" Kurses. Nur einige Kleinigkeiten werden dabei geflissentlich übel' sehen: 1. der„Walzerkrieg" gehörte ursprünglich zur Erich' Pommer- Produktion. Als Pommer jüdischer Abstammung schuldig befunden, seine Tätigkeit bei der Ufa einsteller mnßte, hatte er bereits die Borbereitungen für der „Walzerkrieg" bis inS kleinste Detail vollendet, und wer sid auskennt, weiß, wie entscheidend Pommers Vorarbeit fü' einen Film ist. 2. Regisseur deS„Walzerkriegs" ist L u d w i l Berg er— auch er, gleich Pommer, nach den Grundsätze' der nationalsozialistischen Rassenlehre ein„Fremdstämtn ling", ber in den Tempeln deutscher Kunst nichts zu suche' hätte. S. Die Hauptrolle im„Walzerkrieg" spielt Ros Barsoni, einst Röschen Sonnenschein geheißen. 4. Ber sasser deS Manuskripts sind L i e b m a n n und Ha« Müller, beides Juden: ihre Namen sind im deutschen Per ionenverzeichniS unterschlagen. AlleS zus immen beweist, wie gute Gründe Herr Göbbel hat, mit ber„Renaissance" des deutschen FilmS ,«friede zu sei». Pariser Berichte Pariser siraflenhalender painicwe ond Pantheon Ein Geschäft abzutreten wegen Familienangelegenheiten. Arto, 19, rue du Temple Der Pariser Taxi-Chaussenr Edouard Danjon wurde wegen Liebesdramas zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Tanjon lebte seit einigen Monaten mit einer junge« ge- Ichiedenen Frau zusammen, die die Mutter eines kletnen «naben war. Diese Frau wollte sich von ihm trenuen. Im April sah er sie in Begleitung eines Unbekannten, den er »ur»hren Liebhaber hielt. Er bat sie nachher slehentlich, nicht ihm zu gehen. Als sie sich weigerte und vor ihm in «nen Laden sloh, tötete er sie mit drei R-volverschiisien. * Tie Ausstellung der„Ganz Unabhängigen", der ttïP rt JP#* justen, Abstrakten usw. wurde an der Porte de Bersa,ll-S im Auâstellungspark ervssnet. * An der Rue Moussetard, die wegen eines billigen Markts "nd Ramschpreise stir Obst. Ziegenkäse usw. auch in Em,- «rantenkreisen sehr bekannt ist, wurde ein Square zu Ehren rines Dichters der Auvergne, der Bcrmcnouze Heidt, ein- geweiht. Die Auvergnate», berühmt durch ihre Sparsamkeit und ihre Tugenden als Kleinverkäuser, hatten die Rue Moussetard seierlich beslaggt. Polizeipräfekt Ehiappe hat den Gebrauch von Lautsprechern t>»n 11 Uhr abends an verboten. * Di« Küste des Kanals hat durch schwere Stürme sehr ge. litten. Die Höhen der Vogesen und des Jura sind mit Schue« bedeckt. » Der Wiener Sislaus-Berein hat die Français Bolants in Paris mit 7:1 geschlagen. I)»» Bdieid Einsteins Einstein hat aus Princctown in Amerika folgendes Kabel geschickt:„Mit tiefer Trauer erfahre ich von dem schweren Verlust, den die Akademie der Wissenschaften»nd Frankreich durch das Ableben meines vielgeliebten Freundes Painleve erfahren haben. Sein ganzes Leben lang hat er gekämpft für den Frieden und die Gerechtigkeit, und niemals hat er seine Hilfe und Mitarbeit an einem Werke der Mensch- lichkcit versagt. Mein Wunsch ist, daß Frankreich immer Männer finde, die. wie der Dahingegangene, so viel Kraft und Uneigennützigkeit ihrem Lande und dem Schicksal Euro- pas widmen."' Der Sarg P a i nle v e s ist im„Echo"-Saal der Hochschule des Artö et Metiers ausgestellt. Das feierliche Staalsbegräb- itiS findet am Samstagmorgen statt. Der Großmeister der Universität, der Rektor von Paris, die Professoren der Sor- bonne und die Mitglieder der Akademie der Wissenschakten erwarten den großen Toten im Pantheon. Oktroi auf Orangen Der städtische Oktroi auf Orangen, Zitronen, Mandarinen, Bananen, Datteln und andere Südfrüchte, auch auf Eham- pignons, der vor zwei Jahren abgeschafft war, ist wieder her- gestellt. Die Steuer beträgt 85 Fr. für den Doppelzentner Oragnen und Mandarinen»nd 75 Fr. für die übrigen saftigen Dinge. Man begründet die Wiederkehr der Abgabe damit, daß der Stadtsäckel durch den Wegfall geleert, der Preis aber trotzdem nicht gefallen sei. Da heutzutage mehr Orangen und Mandarinen und 75 Fr- fur die übrigen rechnet man, daß der neue Oktroi 20 Millionen bringt: früher waren es nur 12. Man muß also, wenn man das von süßen Südfrüchten sagen darf,„in den sauren Apfel beißen". rranzOstsdie Honver»at,on; Spn chunterrlcht. Sehr erm ßigte Preise. Schreiben an Mlle Dis- dier, 25, av. du Bel-Air, PARIS Auch die ,,Kleine Anzeige" in soi „Deutschen Frei- helt'brinn, Er'olo Pasdeloup-Konzerte Theater des Ch. Elysée* BEETHOVEN-M181KFE8TB FREITAG, den 3. Nov. 21 Uhr. Di« 8. Symphonie; Ah! erlido; 9. Symphonie mit Chor und Mitwirkung von Mmes Nespoulous, Lina Falk, MM. Rambaud, Dupré, Die Sänger von St.«Gcrvais. Orchester und Chörer XXI vortragende. SONNABEND, den 4. Nov. 17 Uhr, Herr Henry Merckel«pielt da* Concerto für Ge ge. Di PastorabSymphonie und Ouverture aus Egmont« SONNTAG, den 5. Nov, lé* 0 Uhr, die Heroische Symphonie und Symphonie ut mineur v No. 5). Dirigent! FELIX WEINGARTNER. U BERÜHMTE HEILER Christian empfängt 47, Rue de Berri Erfolg von ersten Seancen. Konsalt, gratis Qualität und Preis unserer JUWELEN sind unsere größte Empfehlung. Verk,ule '»tuende[uwelen JS°/o billiger als überall BROUDARCE 2, Raa de la Paix, 2. PARIS Sachverständ. luwelier u.Fabrikant ZAHLT IMMER IN BARI Jeinsie jüdische SetchmaceH« und Wiener!Bäckecei-Qeschäfte Jlacis 58, Avenaa Wagram, Tel. Carnot 27,63 58. Rae de Pa.ry, Tel. Auteuil 33,61 | PARIS-ETOILE| 6, RUE D'ARMAILLE G1EZ KIRNIL1FF Berühmt durch seine vortreffliche Küche u, Spezialitäten. Stark besucht von deutschen( | Téléphone Etoile 52-49 1 Der Mordprozeß in Aix •er Staatsanwalt gegen Sarret- Die Totfesstrafe beantrag« Aix ,«n,Provenc«, 80. Oktober 1983. » Mordprojeß gegen den dunklen, fanatisch schlauen . J?.® or ret und die ihm hörigen bayer. Schwestern m idt hat bereits der vierte Aft des Gcrichtsdramas 6,»? fc nnci1, Nach einem Sonntag des Schweigens im Gefängnis a> r>J u l e bet Generalstaatsanwalt L a c a uxdie Anklagerede lim n, Haupttäter Sarret und seine Opfer begonnen, d r."icht anders zu erwarten, gegen den Levantiner die .^ei fache Todesstrafe und die Nebenstrafen zu be> antragen. Der dreifache Mord: das ist die Erschießung des »i!r^testers C h a m b o n und seiner Geliebten in der Flamen Villa bei Aix, In der Sarrct nachher die Leichen mit Vitriol verbrannte, und die Tötung der armen tuberku- °'-n Mag alt, die Sarret mit 1,7 Millionen versichert ^atte und die ihm nicht schnell genug starb, durch Zinksalz. .Das Urteil ist, da die Plaidoyers voraussichtlich am Dienstag noch nicht beendet, sind, vielleicht gerade am Tag«, Allerheiligen oder Allerseelen(dem Totenfest! zu erwarten, ^tan rechnet mit der höchsten Strafe gegen S a r r e t und ant einer sehr hohen Zuchthausstrafe fviellêlcht lcbensläng- uchi gegen P h i l o m e l e, mit einer zeitlichen Zuchthaus- ,!*afe gegen Katharina Schmidt, die mehr die Ver- lehrte war. , Nach dem Staatsanwalt werben elf Verteidiger sprechen. Besonders gespannt ist man auf die Plaidoyers der Zwei Verteidiger Tarrets, besonders des Anwalts B r i o n, ferner Katharinas Verteidiger Grisoli und natürlich den ßloßen Moro-Giafferri, der Philomel« verteidigt. In "kr vorigen Sitzung hat bereits ein anderer berühmter pariser gesprochen, der Anwalt Campinchi, der die Futcresscn der Zivilpartei, der Versicherungsgesellschaft, wahrnahm. lsampincht griff sehr scharf die Schwestern Schmidt an, »»mal Sarrets Schuld ohnehin feststeht.„Ich bin nicht be- wegt durch ihre Tränen," sagte der Sachwalter des Ver- ncherungsgeldes,„denn sie weinen hier, wie sie am Kranken- bette der armen Magali geweint haben, die sie beerben sollten. Sarret und die Schwestern Schmidt sind gleich mmldig. Ist es für Sarret nicht der Ansang der furchtbarsten Ztrase, daß seine unschuldige Tochter hier mit auf der Anklagebank sitzt? Sprechen Sie wenigstens dies Mädchen net... Diese Philomel«, die sich in alte Kleider gehüllt hat Und als ihre eigene Mutter eine schamlose Versicherungs- komöbie aufführte, verdient kein Mitleid." Die früheren Frauen des Mörders Das Gericht hat im Zeugenverhör, bei dem im ganzen 9 2 Personen den Eid leisten mußten, auch die zwei früheren Frauen Sarrets vernommen feine dritte Frau Sarrets ist gestorben). Die eine dieser Frauen siel halb in Ohnmacht, seine letzte Frau ganz. Mit der Vor- Atzten hat Sarret noch nicht ganz gebrochen, er hat ihr auS b«m Erbe Chambons u. a. zwei Sesiel, einen Teettsch und Zlppessachcn fdie in Frankreich immer noch eine große molle spielen) geschenkt. Außerdem durfte sie vielerlei Ge- 'chirr, Küchengerät und Bettzeug einpacken. . Eine dicke Italienerin, die dann erschien, ist die Witwe des Flickschusters b i Lorenz!, den Sarret hoch versichern wollte, der aber bereits so schwindsüchtig war, daß er ihm Unter den Händen wegstarb. Die Frau lagt aus über die Komödie, die Philomele spielte, als sie sich.aus Mitleid" des Schwerkranken annehmen wollte. Dr. Guy auf einsamen Wegen ^Der nächste Fall betrifft den wegen Ausstellung des Totenscheines der Magali angeklagten Dr. Guy, Stadtrat von Marseilles, Ritter der Ehrenlegion, gegen den jedoch die -Verhandlung nicht viel Belastendes ergeben hat. Dr. Guy 'st einmal aus einsamen Wegen mit einer Frau gewandelt, die Katharina Schmidt gewesen sein soll. Dies war in der Zeit, wo die arme Magali ermordet wurde. ES erscheinen der Waldhüter P c r n e t und der Flurschütz G o u i r a n d. Aber die Dame, die Dr. Guy bei sich hatte. ist nicht Katharina gewesen, sondern eine ander«, die vor Gericht erschienen ist und von den Hütern der Ordnung miedererkannt wird. Dr. Guy, sichtlich erleichtert, dankt ihr für die Gefälligkeit.. Geheimnisse einer Apotheke— Morphium und Giftschrank— Schlüssel Der nächste Zeuge mit dem Namen Alumpi, früherer Apothekengehilfe, hat eines TageS bemerkt, daß ihm ein Fläschchen ZinkphoSphor weggekommen war. Weiter will er einmal 12 Ampullen Morphium für einen höheren EIUGI Mit ge. Rabatt wird Wohnung •bgatrstan. S 1, Avenue F.lli-Fauc. 8onn*nult«, 4 Zim., groBtr Eingang, MMahanzImmar. Qam' Komfort. Bad mit halß. Waaaar. Sloh arkundlgan von 0 bla 14 Uhr. TEL VAUG. 38-79 CINQ rue des RECV- LETTES, Métro ITALIE ou GOBELINS 3 ZIMMER Vorzlm., Küche, Badezimmer, Behälter, Heizung und Was: er, charges einbegriffen 4fWtr., ohne Badezlm. 4000 Fr. Steuerfragen Gesellschaffsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden 25, Bd. BonnoNouvelle, Pari«(2), Tel. Loovre 22*93 Freiherr Dr. jur., 50 lahre, seit Jahren in Paris ansässig als Verwaltungsrat bedeutender Wirtschafts- Organisation, sucht Ehe- Anbahnung mit Dame entsprechender VermClgens-Lage. Offerten unter L. Perret, terriens de Briord Offizier, der eigentlich 50 Ampullen haben wollte, an einen früheren Geliebten der Philomele, namens Garette, geliefert haben. Dieser Garette war sein Freund. Philomele: Das erzählt Alumpi bloß, weil Garette ihn um seine Stellung in der Apotheke brachte. Alumpi: Keineswegs. Ich bin durchaus freiwillig ge- gongen. Verteidiger Grisoli: Wo war denn der Schlüssel zum Giftschrank in Ihrer Apotheke? Alumpi: In einem Schubfach sBewegung). Verteidiger: Sie wissen selbstverständlich, daß Aus- gäbe von Morphium verboten ist? Alumpi: Ja, aber ich wollte meinem Freund einen Gefallen tun. Darauf wird eine protokollarische Aussage des Apotheken- MMM illc aeaa Zwei sensationelle Briefe Von größtem Interesse sind zwei Briese des toten ManneZ der Katharina, der D e l b r e n i l hieß. In diesen Briefen bestätigt Delbrcuil, daß er für die Namensheirat 8000 Fr. erhalten hat, um ihr die französische Staatsangehörigkeit zu verschassen, die Katharina nötig hatte, um ihre in Rußland von den Bolschewiken beschlagnahmten Güter wieder zu er- halten. Ferner erklärt Delbrcuil u. a., daß er sich mit Katharina und dem Expriester C h a m b o n an einem chemisch-pharmazeutischen Geschäft beteiligen wollte. Staatsanwalt: Diese Briefe sind mit violetter Tinte geschrieben. Verteidiger Brion: Es gibt auch noch andere violette Tinte als im Untersuchungsgefängnis. Vorsitzender: Wo haben Sie diese Briefe gefunden, Sarret? Tarret: In der Villa Chambons. Vorsitzender: Warum sind die Unterschriften Kaiha- rinas und Chambons nicht daraus? Sie haben doch Ihr juristisches Examen gemacht. Sarrct schweigt. Katharina: Ich habe Delbreuil nur am Tage unserer Hochzeit gesehen und mit ihm nie über Chemie verhandelt. Ich''abc nie Güter in Rußland besessen. Ich bin eine Deutsche und habe Deutschland im Alter von 18 Jahren vcr- lassen. 1924 machte ich Hosen in Paris. Verteidiger SarrctS: Und empfing„culottes" sso heißen im Französischen auch zweideutige Ratschläge) für Monte Carlo. Katharina: Nein, Maitre, in Monte Carlo habe ich stets gewonnen. Das Gericht beschließt, die Papiere, die wegen der be- haupteten Cliemie-Beziehungen Chambons in Verbindung mit der Vitriol-Besorgung wichtig sind, von Schrcibsachver- ständigen untersuchen zu lassen. Sarret als wahrer„Gemütsmensch" Große Sensation erregt eine Feststellung der Pflege- mutter der vergifteten Magali, daß sie von Magali diktierte Briese erhalten hat, die etliche Zeit nach MagaliS Tode datiert waren. Katharina erklärt, sie habe diese Briefe nach Vorlagen Sarrets geschrieben, Sarret habe sie auch gezwungen, der Pflegemutter die letzten Tage Magaliö zu erzählen. Bei der Verlesung weiterer Dokumente wird festgestellt, daß Sarret als„Erbe" des Chambons einen säumigen Schuldner des Cbambon verklagt hat. „Gewiß." erwidert S a r r e t,„ich habe 18 Monate ge» wartet. Habe ich nicht lange genug Geduld bewiesen?" Mit diesem Eclat endet die Zeugenvernehmung. Der Rfhrut der Violette Dieser Tage war die Gare de l'Est, auf den, die Züge nach Metz fahren, für Bahnsteigkarten gesperrt. Biel Soldaten in Graublau auf den Kais, Schutzleute, Ansammlungen. Was ist das? Hat der neue Premier Sarraut ein Anliegen? Ach wo, hier ist alles ruhig. Nur die neuen Soldaten, die Re- kruten des Jahrgangs 1988, rücken ein, für ein Jahr aller- dings nur, denn Frankreich hat ja, was allerdings die Schulirompetcr bei uns verschweigen, die Dienstpflicht von drei Jahren aus eins verkürzt. Unter denen, die von der Kaserne Reuilly zum Lyoncr Bahnhos, Richtung Mittelmeer, marschieren, ist einer, dem die Fotografen und Journalisten folgen. Einer, der seinen Kummer und seine Abenteuer nach Afrika verlegt, in den „Bled", nach dem einsamen Posten von Tuberbä. Das ist Jean Dm bin, der Liebling der Violette, der geschaßte Student. Mit 300 anderen„Afrikanern" zieht er hinaus, über Marseille— es gibt bort kern in Afrika Berberweiber, Negerinnen— er wird die Nächte am Boul' Mich', in denen ihm seine„Monte" Geld gab, und die Violette, die irgendwo in einer Zelle im Frauengefäimnis Petite Roquette sietzt und nun eine Mörderin ist, vergessen. Violette hat 8000 Fr. von Tubins Vater zurückbekommen, dafür kann sie sich einen neuen Mantel kaufen, wenn sie ihn statt der blauen oder braunen Kutte noch braucht. In der Kantine der Kaserne hat dieser neue Valentin eines Grctchcns seine erste Soldatcnkost gegessen. Wir erfahren auf der ersten Seite der Zeitungen, was es gab: Choucroute garnie mit Schinken, Wurstscheiben, Kartoffeln, nachher Käse. Jean Dubin aß mit Wolfshunger, der lange schlanke Junge mit der Jntcllektuellcnbrille ließ nichts auf dem Teller liegen. Diese Jean Dubins haben einen guten Appetit, in allem. Sdiwere Strafe für eine böse natter In Frankreich werden fetzt die Kinderquälereicn sehr scharf bestraft. In Limoges erhielt eine Wjährige Mutter, die ihre drei Kinder sehr schwer mißhandelt hatte, ein gerechte, aber furchtbare Strafe. Die Megäre hatte ihren kleinen Jungen über das Hcrbseuer gehalten und ihm Leib, Rücken und Füße verbrannt. il lautete, unter dem Beifall der Zuhörerschaft, Das Urteil auf zwanzig Jahre Zuchthaus. besitzerS verlesen. Dieser erklärt, das sei alles nicht wahr. Die Geschichte vom Giftschrankschlüssel nicht, die Geschichte vom Zinkphosphor, von den 12 Ampullen, alles sei erlogen. Verteidiger Grisoli: Ich beantrage, den Apotheken- besitzer zu laden. Das Gericht beschliebt jedoch, davon abzusehen, weil der alte Mann sehr schwächlich ist. Daraus wird der Leumund von Garrets Tochter Unbtte festgestellt. Es ergibt sich, daß sie ein sehr tugendsames Mädchen ist. Der Frauenschreck von der Dise Im Departement Oise nördlich von Paris wurde ein gefährlicher Angreifer auf Frauen unschädlich gemacht. ES ist ein 27jähriger Bursche namens Billion, dem 18 Ueber- fälle auf Frauen und Mädchen in der Umgebung von S e n l i s nachgelagt werden. Eine von ihm angefallene Haushälterin liegt in der Klinik. Eines feiner Opfer ist auch eine Pariserin, Madame Camus. Vielleicht hat Billion noch weitere 11 Uebersälle auf dem Gewissen. Er griff die Frauen mit einem großen Messer an, raubte ihnen die Handtaschen und versuchte mehrere der Eingeschüchterten zu vergewaltigen. Restaurant„Hungaria" MAX GRÜNWALD, BRÜSSEL 31, Rue des Croisades, Brüssel-Nord Ungarische, wiener, deutsche Küche Diner oder Souper 7,00 Fr. Auch à la Carte. 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Er versucht besonders in die Emigrantenkreise hineinzukommen, um Provokationen, Attentate, Ent- sllhrungen usw. zu organisieren. Ansang Oktober machte er sich an den Emigranten L. heran, um ihn zu bewegen, in die Dienste der Geheimen Staatspolizei zu treten. L. zögerte zunächst, erbat sich Bedenkzeit und setzte sich mit andere» Genossen in Verbindung, die ihm zuredeten, das Angebot, im Saargebtet für die Geheime Staatspolizei tätig zu sein, anzunehmen, um hinter die Kulissen dieser Mordorganisation zu kommen. Mit der Aufforderung, sich nach Saarbrücken zu begeben, reist L. von Paris nach dem Saargebiet ab. Hier meldete sich L., aber nicht zuerst bei den Nazis, sondern bei dem Vor« sitzenden der Liga sür Menschenrechte, um die Arbeit zu besprechen. Als Ausweis hatte er ein Schreiben eines Pariser Bekannten der Liga, und für die Nazis einen Brief von dem Agenten Blaschke zum Weiterleiten nach Trier. L. erhielt de», Rat, sich im Hotel B ü r g c r h o s einzu- quartieren, weil bekannt war, daß dort die Nazi« agenten ab st eigen, ohne gemeldet zu werden. Im Hotel angelangt, austcn von Leuten beobachtet, teleso- niertc L. zunächst Herrn Eitert von den Nazis an mit dem Ersuchen, Trier zu verständigen, das» er» L., im Austrag von Blaschke in Saarbrücken sei, um seine Instruktionen zu empfangen. Anderen Tages erschien um g.3st Uhr morgens ein Herr, der sich als Dr. Gras, Trier, Leiter der Ge» Heimen Staatspolizei, vorstellte. sAdresie: Trier, Domfreiheit l, Zimmer 27.) Dem Doktor Gras war L. von Paris schon avisiert. Dr. Gras erteilte L. den Auf- trag, in Saarbrücken als Emigrant zu fungieren, nach der Francois st raste Ausschau zu halten, dort Material von der SS P., Briese der Liga sür Menschenrechte zu entwende» und sie an die obenstehcnde Adresse nach Trier zu senden. Um den jungen Mann zu prüfen, bezahlte man ihm zunächst nur das Hotelzimmer und gab ihm eine Kleinigkeit mit dem Ver- sprechen, sobald er Material liefere, erhalte er mehr. Als er st es Material wurde L. die schon 14 Tage alte Entschliestung der SSP. zur Saar- frage übergeben, welche der Presse schon be« kanntwar. L. schickte die Entschliestung an Dr. Gras nach Trier. Dieser antwortete:„Erhaltenes bereits veraltet und bekannt. SN Franken sür neues Material. Dr. G." Als Zweites wurde Gras die Abschrist eines fingierten Brieses, der nach London gerichtet war, übermittelt, in welchem von einem Mannskript Andeutungen gemacht wnrden. Sofort kam eine Aufforderung zurück, unter allen Umständen sich in den Besitz dieses Manuskriptes zn setzen. Damit warendie Nazis scharfgemacht,«« dasOpser Ende eines A Englander berichtet hat, militärischen Charakter tragen. * In der Nähe von Dijon stürzte Montagvormittag das drei' motorige Flugzeug„Biarritz" ab. mit dem der Flieger Char» les de Verncilh von einem Asrikaslug zurückgekehrt«ar. De Berneilh und sein Funker sind ums Leben gekommen. » Der amerikanische Delegierte ans der Abrüstung s' k o n s e r e n z, Norman Davis, hat sich plötzlich entschlossen» am Dienstag über Paris nach Washington zurückzukehren. » Der Sowjetkommissar Litwinow ist in Paris eilige' tr-ssen. ? An- und Verkauf zentraieuropä schei und sQdamarikani- scher Devisen Ettekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles« P.Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX telefon taitbout»8-40 bis 45 BRIEFKASTEN Frage Marseille. Unseres Wissens ist der frühere Polizeipräsident Zörgiebel, der mehrere Monate in Köln inhaftiert war, nun auf freiem Kuß. Der frühere Kölner Polizeipräsident Bauknecht ist noch in Haft. Dr. H. Warschan. Saarbrücken ist der Einwohnerzahl nach Groß- stadt. Wir haben allerdings noch nicht entdecken können, was es hier, außer dem Gehalt des Oberbürgermeisters, Großstädtisches gibt. Zürich. Besten Tank für das neue Schweizer Naziblaii und Ihre guten Wünsche, lieber den weiteren Inhalt Ihrer Zuschrift werden wir nachdenken wie über jede Kritik. Absicht ist es nicht. Er erwächst wohl aus einer gewissen Zwangsläufigkeit. Unser Ziel ist die Rückeroberung Deutschlands. W. Neunkirchen. Aber gewiß, wir lesen das Saarbrücker Stout' munistenblatt täglich und genießen auch die sehr hänsigen Angriffe auf uns. Anlaß zu Erwiderungen geben sie uns kaum. Das klingt alles so sehr überholt, so ultrakonservativ, so vorinär,lich. Man kann sich beim besten Willen nicht darüber ärgern, nur wundern. Das überflüssig bedruckte Papier schadet nicht viel, nützt allerdings noch weniger. Dr. T. B. Wir halten von diesem Abende und Nächte füllenden Geschwätz politisierender Intellektueller nicht viel. Meist gibt cS wehr neidischen Klatsch. Anekdoten und negative Kritik als wirk 'ichcn Gewinn. Setzen Tic sich hinter ein gutes Buch oder reden Tie mit einem klugen revolutionären Arbeiter, und Sie haben mehr davon. Jedenfalls können wir Ihrer Anregung schon aus Zeitmangel nicht näher treten Bon Zeit zu Zeit ist auch für einen Politiker Einsamkeit gut: zur Einkehr, zur Selbstbesinnung, zur Vertiefung, zum Studium, auch zum Sammeln seelischer Kräfte. Wer entschlossen ist, bei kommenden sehr schweren Dingen dabei zu sein, muß sich innerlich rüsten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSNimmc GmbH„ Saarbrücken S, Scküycnstraße 5. 'Dr. fur. F. fotdhiv&o RECHTSANWALT 96, Av. des Ternes, Telefon Eto 36-59 Internationales Advoltaiurbüro h 2 Georges Lewinsky (15 Iah« Praxis) 28, Avenue de l'Opéra. Paris(2), Tel. Opéra 51-10 Erledigung sämtlicher Rechtsangelegenheiten, Be» sprechungen, Gesellschaftsgriindungen. Notariats- Ate. legale Obersetzungen werden prompt erledigt. Sprechstunden von 0—12 und 2—6 Uhr. Ar. med. Milippe Lzaezkes SPRICHT DEUTSCH ' Av. d'Eylau,'Trocadéro), Tel. Passy 47-57 Sprechstunder äglich von 1.30 bis 3.30 Uhr tir innere, Frauen jnet allgemeine Krankheiten Tél. Trinité 43-13 Métro: Pi g al le Deutsche Poliklinik Paris. 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanato. riumsgebäude. Die aller» modernste Einrichtung c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten d) Zahnärztliches Kabinett Zahn- und Mundchirurgie Ordination täglich von 9—12 and 2--8; Sonn» and Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr Damensdiineldei J. Mastchenko 7, Ru« du Marché St. Honoré.» Tal. Opéra 72-79| Kleider, Mäntel, Pelze. Umarbtitg., Raparierung