Sinzigs unabhängige Tageszettung Veuischlands II S— 1. Jahrgang[ Saarbrücken, Freitag, 3. November 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Sütlicfikeüsvecfcechec als TlazizeuQe Seite 4* JUutthec in Jxeiheit Seite 5 Jleqiecuitq und. Volk an dee Saat Seite 8 Jaseeatenteil beachten! i », ArftelftscMacM" nnd Aufrüstung nodibetrieb in der Rüstungsindustrie zur Aufnahme von Erwerbslosen S en"• 3tt der letzten Zeit mehren sich die Nachrichten aus h""erschiebensten Teilen Deutschlands, insbesondere aus «cfirV rit'^ber auch ans dem Rhein lande und aus d-. nach denen eine neue akute Verschärfung lose besonders im kleine« und mittlere« Bauernbesitz ««erst trostlosen Lage es ablehnt, die ihr zugewiesenen rwerbalosen über den Winter zu behalten. Ii/* Ersuch, die Landwirte auf dem Wege der Gesetzgebung ^ ês«8en, die ihnen zugewiesenen Arbeitslosen dort über- «ber"" Ia" tu» ist allerdings gemacht worden. Er endete h».^îN'l einem vollständigen Fiasko, da die Stimmung in ^«ndwirtschafl an und für sich keineswegs günstig ist. * Die Landwirtschaft fühlt sich jetzt am Ende der Ernte- letzt-^uttäuschter als je und es bleibt daher gerade ej>, völlig unmöglich, ihr neue Opfer zuzumuten, die sie in brin"'"lleicht unversöhnliche Opposition zu einem Regime du»^ Müßte, das ihr schlechterdings jede eigene Entschei- 8 über ihren Besitz entzogen hat. -a,'^ deutsche Sozialpolitik steht also jetzt vor der Schick- .„"'rage, was aus den Millionen von Arbeitslosen werden B' bie man im Sommer vorübergehend untergebracht hat a»»-., r ch brrcn„Einstellung in die Landwirtschaft" man ??vtentcils die Fiktion ausrecht erhalten konnte, die Ar- . tslosigkeit sei um viele Millionen vermindert oder— , e 5 poetischen Sprache des„dritten Reiches"— die erste ^rbeitsschlacht sei gewonnen. bliau bei der sich hier zeigende» Schwierigkeit, die äugen- lind- ueben der währungspolitischen, die durch die Ber- des Reichsbankstatutes vorläufig beseitigt ist, die "•«rft lianzen Hitler-Systems am Winterbeginn sein blew r vergessen, daß es sich um ein doppeltes Pro- »»&- bandelt. Einerseits muß man nämlich aus innen? nnd bo, Apolitischen Motiven den sehr üblen Eindruck vermct- brit'âs t ba? unausbleibliche neue Emporschnellen der Ar- a«d->'ênziffern in der ganzen Welt hervorrufen müßte? wcr^^/^its ist man aber auch nicht in der Lage, den Er- Miosen jetzt neuerdings die Mittel wieder zuzuwenden, ihnen durch die sogenannte Arbeitsbeschaffung— stün ausgedrückt: den organisierten Unter- t.0!„" a 8s-Entzug— während der Sommermonate ge- ï C f tr men bat. Diese Ersparnisse am Sozialetat sind nämlich den Zwecken der militärischen Aufrüstung zugewandt F»., Dre Rüstungsaufträge, mit denen man die Ken?.'kit Monaten„ankurbelt", wurden bisher vorwie- be>,, aus den Mitteln finanziert, die man bei ber Vermin- SnÀ-I r C.u. A...,, äußerste Not wenigstens etwas zu mildern, geschieht aus dem rein charitativen Wege der Winterhilfe, deren erste tappende Versuche, wie die Einführung des„Ein- t o p fg e r i ch t e s", allerdings kläglich gescheitert sind. Dar- über hinaus aber ist man bemüht, die Auszahlung neuer Unterstützungen dadurch zu vermeiden, daß man die jetzt aus der Landwirtschast zurückkehrenden, von den Listen der Arbeitsämter seit Monaten gestrichenen Erwerbslosen so schnell wie möglich in der Rüstungsindn- strie unterbringt. Hierzu bedarf es eineS beschleunigten Tempos bei der Auf- tragserteilung, das sich im übrigen ja auch aus naheliegenden außenpolitischen Gründen empfiehlt. Die Verdoppelung der Belegschaft der Kruppschen Eisenwerke, die neuerlich feststell- bare starke Erhöhung der Mctalleinfuhr usw. bringen immer wieder Beweise, daß diese Entwicklung sehr schnell in Gang kcmmt. Eine weitere Abnahme der Arbeitslosenziffern ist allerdings nicht zu verzeichnen, aber schon der September blieb nach den amtlichen Ausweisen ohne jede Vermehrung der Anzahl der Unterstützungsberechtigten. Die Erwerbslosen werden auS den sommerlichen Arbeitsdienstlagern und aus der Landwirtschaft. ans möglichst turzem Wege in die Rüstungsindustrie überführt. Das Arbeitsamt darf nicht ein- mal als Zwischenstation durchlaufen werden. Der enge Zu- sammenhang zwischen dem sogenannten Arbeitsbeschaffung?- Programm der Hitler-Regierung und der Erteilung von Rüstungsaufträgen wird beim Herannahen der kalten Iah- reszett von Woche zu Woche deutlicher. Nebenher laust zur Finanzierung und Unterstützung dieses immer eindeutiger werdenden„ArbeitsbeschafsungSpro- grammes" für de« kommenden Winter allerdings die Er- höhnng des Tempos der Notcnprejse. In engem Zusammenhange mit dem neuen Programm einer wenigstens die Wtntermonate überdauernden verstärkten Ausrüstung, deren Beginn äußerlich durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbünde angezeigt wurde, hat man sich rechtzeitig die Veränderung des ReichSbankstatutes in Basel bewilligen lassen. Die Notenpresse wird schon sehr bald in ähnlicher Weise Ucberstundcn machen, wie die Rüstungsindustrie und nur derjenige, der die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht sieht oder nicht sehen will, wird sich dadurch imponieren lassen, auch die nächsten Wintermonate oller Wahrscheinlichkeit nach unter diesen Verhältnissen keine grobe Steigerung ber deutschen Arbeitslosenziffern aus- weisen werden. Siege der Arbeiterpartei Jh?"® des Sozialetats eingespart hatte. Heute, nach dem siâ^.îitt Deutschlands ans dem Völkerbund, steht man offen- a«/, am Beginn einer Periode neuer großer Rüstung»- „'rage, und da man Anleihen iveder im Ausland bekommt, toc?'in In lande aufzulegen vermag, muß mau auf irgend- fen" anderen Wegen neue FinanzicrungSmittel beschaf- -' In keinem Falle aber darf man durch eine Vermehrung . r'tnterstützungsbercchtigten, die jetzt aus ihren Toprmer- ^„"ktieren bei der Landwirtschaft zu den Arbeitsämtern zu- ^kehrx« wollen, die Toziallasten erhöbe»...> ftn dieser Situation, der sich die deutsche Wirtschastöpolitik "«Mittelbar vor der sogenannten„Reichstagswahl" aus- sieht, zeichnen sich immer deutlicher zwei Wege ab, denen man sich jetzt einer Periode verschärfter Ans- ^uftnng zuwendet. ki der Unsicherheit ber internationalen politischen Lage man nicht, wie lange diese Pertode überhaupt dauern »,'kd, u«d man ist daher mit allen Mitteln bestrebt, jede neue çk'aftitng des schon jetzt völlig zerrütteten Etats durch die ^">öh»ng der Sozialausgaben im Winter zu vermeiden. V*?, was unbedingt aus Gründen des innerpolitischen und der Propaganda getan werden muß,, um die RcpMHikfeier verboten! Dollfuß lehnt Empfang von Betriebsobleuten ab Wien, 2. Nov. Die Wiener Sozialdemokraten hatten für den 12. N o v e m b e r, den Grttndungstag der österreichischen Republik, eine Republikseier, verbunden mit dem jährlich üblichen Ausmarsch über die Ringstraße angemeldet. Dieser Aufmarsch ist verboten worden: auch soll eine Umgehung dieses Verbotes, etwa wie sie am 1. Mai geschehen ist, a u s alle Fälle verhindert werben. Da der Tag der Republik in diesem Jahr aus einen Sonntag fällt, brauchte wegen des Feiertages selbst keine bc- stimmte Vorsorge getroffen zu werden. Entgegen der Ge- pslogenheit früherer Jahre scheint die Regierung diesmal jedoch nicht die Absicht zu haben, diesen Tag überhaupt durch besondere Feiern zu ehren. Wenigstens hat man bis jetzt noch nichts davon gehört. Die Republikfeiern in den Schulen sind abgesagt worden mit der Bc- gründung, daß erst am 7. Oktober eine Staatsfeier(Türken- besreiungsseierj stattgefunden habe. Wie die„Sozialdemokratische Korrespondenz" mitteilt, hat am Montag eine Versammlung von 4M Betriebsrats obmännern der großen Wiener Betriebe stattgefunden, die eine Delegation von 115 Mitgliedern wählte, die den Bundes- kanzler Dr. Dollfuß über die Stimmung und über die Be- schwerden unter der sozialdemokratischen Arbeiterschaft unterrichten solle. Diese Deputation wurde im Bundeskanzleramt von Dr. Dollfuß jedoch nicht empfangen? es wurde ihr mitgeteilt, daß der Bundeskanzler keine Zeit habe und daß die Abordnung später verständigt werben würde, wann sie empfangen werben könnte. Die„Sozialdemokratische Korrespondenz" knüpft an diese Mitteilung Erinnerungen an die Borkriegszeit, wo Arbciterdepntationen von den Rc- gierungschefs immer empfangen worden seien.•'■ Die Labour-Mehrheit für die nächsten Parlamentswahlen kündigt sich an! London, 2. November. Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Gemeinderaisersahwahlen in über 300 Städten von Engtand und Wales lassen eine starke Zu- nähme der Vertreter der Arbeiterpartei auf Kosten der Konservativen, Liberalen und Unabhängigen erkennen. Englisdier Brief London, 31. Oktober 1033. Die Engländer gelten als das schlechthin politische Volk. Aber man kann nicht genug betonen, daß die Engländer sich in der Politik keineswegs nur von kühlen Er- wägungen leiten lassen^ Vielleicht ist die Politik keines anderen Volkes so sehr von Gefühlsregungen abhängig wie die des englischen. Deshalb ist die englische Politik für Außenstehende auch oft kaum zu verstehen. Das gilt auch für die Haltung der Engländer gegenüber Hitler. Hitler und die Seinen legen bekanntlich den größten Wert darauf, enge Beziehungen zu England her- zustellen. Schon in seinem Buch„Meiu Kampf" träumte Hitler von einem deutsch-englisch-italienischen Bündnis gegen Rußland und Frankreich. Er war tief enttäuscht, als die Engländer die kalte Schulter zeigten. Es sind an dieser Stelle immer wieder englische Presse- stimmen veröffentlicht worden, die scharf gegen die Hitler- barbarei Stellung nehmen. Aber es wäre dennoch eine Illussion, nun einfach England als aktive Kraft gegen das faschistische Deutschland zu betrachten. So einfach liegen die Dinge nicht. Vielleicht wird mancher sich vorstellen, daß die Linke in England gegen Hitler ist. während die Stimmung immer hitlerfreundlicher wird, je weiter nach rechts man kommt. Aber wer so denkt, kennt die eng- tischen Eigenarten nicht. Auch hier liegen die Dinge wesentlich komplizierter. Wenn man die Stellung der Engländer gegenüber dem Hitlerregime untersucht, muß man vor allem zwischen zwei Dingen unterscheiden, zwischen der allgemeinen Stellung zum Hitlerregime und zwischen der Beurteilung der Abrüstungs- und Völkerbundspolitik der Hitler- regierung. Zunächst die allgemeine Stellung. Die Schandtaten des Regimes werden allgemein verurteilt. Selbst der englische Faschistenführer M o s l e y ist erst jüngst wieder offen von der antisemitischen Politik Hitlers abgerückt, während er Hitlers Wirtschaftspolitik lobte. Die Konzentrationslager, der organisierte Mord, die Farce des Leipziger Prozesses finden in England keine Verteidiger. Zwar kommt es öfters vor, daß die Zeitungen Einge- sandts veröffentlichen, in denen Engländer, die nach Deutschland gereist sind, feststellen, es sei dort alles wunderschön. Diese braven, aber reichlich naiven Leute waren nach Deutschland gereist, in dem Gefühl, einem gefährlichen Abenteuer entgegenzugehen. Und nun kommen sie zurück, ohne geprügelt zu sein, ohne Straßenschlachten erlebt zu haben, ohne aus ihrem Hotelbett heraus verhaftet worden zu sein. Sie haben die deutschen Zeitungen gelesen, die alle alles wunderschön finden, sie haben mit ihren Wirten und Kellnern gesprochen, die sich für Hitler erklärt haben, sie sehen auf den Straßen Hakenkreuzfahnen und sehen Menschen, die diese Fabnen grüßen, vielleicht hat man ihnen auch einen Insassen aus einem Konzentrations- lager vorgeführt, der voll Lobes ist. Und die englischen Reisenden glauben das alles, denn ein Engländer kann sich nun einmal nicht vorstellen, daß eine Zeitung die Regierung loben in u ß, er kann sich nicht vorstellen, daß dix Menscken, mit denen er spricht, ihn anlügen müssen. Und so schreibt er einen Brief an seine Zeitung. Der Brief wird veröffentlicht, denn es ist eine gute englische Sitte, im Eingesandt jeden zu Worte kommen zu lassen. Freilich am nächsten Tag steht auch schon die Antwort drin. Und vor allem sorgt ja die Hitler-Regierung selbst täglich für neue Greuelberichte durch ihre Dekrete und Grloffe, die von den Berliner Korrespondenten der großen englischen Blätter getreulich und ausführlich wiederge- geben werden. Die Gewalttaten des Regimes finden also so gut wie keinen ernsthaften Verteidiger. Aber damit ist noch nichts über die politischen Konsequenzen gesagt. tinbedingt gegen das Hitlerregime kämpft die britische Labour Party, die genau sieht, daß dieses Regime d:e Arbeiterschaft der ganzen Welt bedroht und daß ein Erfolg Hitlers auch in'England Rückwirkungen haben könnte. Auch das Labour-Blatt, der„D a i l y H e r a l d". der freilich nur wenig Politik enthält, nimmt immer wieder scharf gegen den deutschen Faschismus Stellung. Weniger einheitlich dagegen ist die Haltung der zur Zeit stärksten und einflußreichsten Partei, der K o n s e r- vativen. Ihr rechter Flügel, die sog. Diehards, hat mit dem faschistischen System an sich gewisse Sympathien, aber iy ihrer Haltung gegenüber Hitler' sind sogar die Diehards unter sich uneinig. Der Presselord R o t h e r- mere und sein Diehardblatt„Daily Mail" sind un- bedingt pro-Hitler, der polltische Kopf der Diehards da- gegen, Churchill, ebenso unbedingt anti-Hitler; der zweite Presselord Beaverbroock(„Daliy Expreß") und der bekannte Reaktionär Ldrd Lloyd schwanken hin und her. Aber auch in der gemäßigten Gruppe der Konservativen, die die große Mehrheit bilden, kann man verschiedene Strömungen feststellen. Da ist die Gruppe um Baldwin, den Parteiführer und Stellvertreter Macdonalds. Diese Gruppe ist ernsthaft demokratisch und haßt jede Diktatur wie die Pest. Diese Gruppe, deren Organe der„Observe r" und wohl auch die„Time s" sind, vielleicht auch der„D a i l y T e l e g r a p h" kommen in ihrer absolut hitlergegnerischen Einstellung der La- bour Party gleich. Sie wollen auch die politischen Kon- sequenzen aus ihrer Haltung ziehen. Daß der frühere Außenminister Austen Chamberlain und der Ver- ehrer Einsteins. LockerLampfon,— innerpolitisch zu den Diehards neigend— zu dieser Gruppe gehören, ist bekannt. Auch die Iungkonservativen— einer ihrer führenden Köpfe, ist der Unterstaatssekretär Eden, eine der sympathischsten Erscheinungen der englischen Politik —- stehen in dieser Frage mit Baldwin zusammen, den sie sonst wegen seiner passiven, liberalen Wirtschaftsauf- fafsung bekämpfen. Daneben aber gibt es eine Gruppe— manche sagen der Finanzminister Neville Chamber- lain, Austens Bruder, gehöre zu ihr— die zwar Hitlers Methoden verabscheut, sie auch nicht für England ange- wandt wissen will, aber doch aus ihrer Abneigung keine politischen Konsequenzen ziehen will, sondern im Grunde bereit ist, mit Hitler Machtpolitik zu treiben und ihn ebenso wie Mussolini als eine vollendete Tatsache zu be- trachten. Die eigentlich hitlerfreundliche Gruppe aber— und das ist ein kaum verständliches Paradox— sind die Li- beraten. Hitler ist zwar der Tod des Liberalismus, aber das stört diese Helden nicht. Sie möchten sich offen- bar schon jetzt gleichschalten. Sie verurteilen zwar die Abscheulichkeiten des Hitler-Regimes mit süßen Worten; aber als echte Liberalen stehen sie eben„auf dem Boden der Tatsachen"(wie bekannt ist uns dieses Wort, das die Feigheit und Charakterlosigkeit bemänteln soll). Weil die Reichstagswahlen vom 5. März eine Mehrheit für die Regierung ergaben, so müssen sie das eben als echte „Liberalen" anerkennen; daß diese Mehrheit weder eine Mehrheit für die Hitlerdiktatur war, daß sie obendrein durch einen Bubenstreich ergaunert worden ist, stört die liberalen Formalisten nicht. So schreiben sie„staats- männische" Artikel über Deutschland, lassen in ihren Lehr- Kursen Nazi-Apostel auftreten— aber keine Nazigegner »- und Lloyd George läßt oberdrein noch das Schreckgespenst des Bolschewismus antreten, der un- weigerlich nach Hitler käme.(Woher er diese Weisheit hat, verrät er nicht, aber daß sie aus Hitlerquellen stammt, ist gewiß). In der liberalen Wüste gibt es nur eine er- quickende Oase, die große liberale Zeitung„Manchester Q u a r d i a n". Sie führt inmitten all der Charakter- losigkeit ihrer Partei einen geistig hochstehenden, tapferen unermüdlichen Kampf gegen Hitler, einen Kampf, den ihr die deutschen Freiheitsfreunde nie gergessen werden. Da die Liberalen in England politisch von geringer Bedeutung sind, so ist also in der englischen Politik die hitlergegnerische Front die weitaus stärkere. Gänzlich anders ist die Frontenverteilung, soweit es sich um die Stellung gegenüber Hitlers Entschluß handelt, aus dem Völkerbund auszutreten und die Abrüstungs- Konferenz zu verlassen. Hier hat Hitler in Eng- land eine überraschend gute Presse. Endland ist das Land, das am meisten von allen an den Völker- bund glaubt. Man erwartete daher hier eine besonders verheerende Wirkung de» Hitlerfchen Schrittes. Es trat das Gegenteil ein, weil von allen Seiten zugleich ver- sucht würde, eine Kriegsstimmung im Keime zu ersticken und deshalb um Nachsicht und Verständnis für den beut- fchen Schritt geworben wurde. Jedenfalls war dieses Motiv bei den Friedensfreunden maßgebend. Auf der Rechten sprachen andere Motive mit, die zum Teil deutlich ausgesprochen wurden. So rief die rechtskonservative „Morningpost" begeistert aus: jetzt könne der ganze„Ab- rüftungsschwindel" endlich begraben werden, jetzt könne England wieder aufrüsten. Lord Beaverbrock sagte, jetzt müsse England sich vom Kon- tinent lossagen. Loearno kündigen und sich auf das eigne Weltreich konzentrieren, die Rothermere Presse fordert das gleiche. Die Rechte freut sich, daß Hitler ihnen diese Chance gegeben hat, überall auf dieser Seite ertönt der Schrei nach Aufrüstung. Die Haltung der Linken, vor allem der Labour Party, ist weniger nüchtern/Dort fürchtet man den Krieg und das Kriegsgeschrei, man möchte beruhigen, man erkennt auch, wie man stets er- kannt hat, daß die kurzsichtige Politik der Ententemächte nach dem Kriege den nationalistischen Geist in Deutsch- lang hochgezüchtet hat, man sieht ein, wie man stets einsah, daß die Siegermächte ihrer Verpflichtung zur Abrüstung nicht nachgekommen sind. Deshalb fordert die Labour Party heute die sofortige Abrüstung aller; sie bildet sich ein, dadurch die öffentliche Meinung in Deutsch- land beruhigen zu können und damit wieder die Rüstungs- fanatiker in England zurückschlagen zu können. Sie erkennt nicht, daß e« Hitler-Deutschland gar nicht um die Abrüstung der anderen geht, sondern um die Vermeidung der Kontrolle; sie sieht nicht, daß sie in Wirklichkeit Deutschlands Aufrüstungspolitik unterstützt, i Der außen- politische Führer der Labour Party, Henderson, ist in Genf, in diesem Augenblick ein Verhängnis, da deshalb die Außenpolitik der Labour Party zur Zeit von senti- mental-liberalen Erwägungen geleitet wird. Im Grunde sehen nur drei englische Zeitungen, worum es überhaupt geht.„Time s",„M a nch est e r Guardian" und „Daily Telegraph": alle anderen rufen hemmungs- los nach Aufrüstung oder nach Abrüstung. Hitler wird sich vielleicht über die freundliche englische Presse freuen. Aber es ist ein billiger Trost; denn in dem Augenblick, wo es diesen englischen Blättern deutlich würde, daß Hitler aufrüsten und jede Kontrolle um- gehen will, in dem Augenblick wird er eine Einheitsfront der englischen Presse und der englischen öffentlichen Meinung gegen sich haben, daß ihm Hören und Sehen vergeht. haupten. bay die anderen Mächte, besonders die von Dr- Beneich geführte Kleine Entente, früher bereit gewesen seie» Deutichland die Gleichberechtigung zu gewähren; denn nock fmo die Verhandlungen des Vorbereitungsausschusses»»' de» ersten Jahres der Abrüstungskonferenz, für die D r- ----»......-.»«ti-IIC Krise In der ROslnngsKonierenz Nadi der Abreise des amerikanischen naupldcleglerfen Pessimistische Rede des tschechischen Außenministers Dr.Benesdi Genf, 2. Nov. Die Abreise des amerikanischen Delegierten Norman Davis wird hier von unterrichteten Kreisen dahin ausgelegt, daft Nordamerika erwägt, sich von der Ab- rttstungökonferenz zurückzuziehen. Die Lage im Fernen Osten ermögliche den Amerikanern nicht, selbst eine entschei- dende Abrüstung vorzunehmen. Die fernere etwaige Beteiligung an der Rüstungskonferenz könne sich nur auf all- gemeine Ratschläge an die europäischen Mächte beschränken. „Def'nlllve Ablehnung" Die kritische Lage nicht nur der Abrüstungskonferenz, son» der» auch des Völkerbundes wird durch die Rede beleuchtet, die der tschechische Außenminister Dr. Benesch am 31. Oktober im Parlament gehalten hat. Er rechnet mit dem dauernden Fernbleiben Deutschlands von Genf als einer Tatsache. Die entscheidenden Stellen seiner Rede lauten: „Die„phantastische Aktion Deutschlands" nach Gleich- berechtig ung habe im Ausland Mißtrauen und B e- fürchtungen hervorgerufen. Diese seien noch durch Mab- nahmen der deutschen Revolution verstärkt worden, die im Urteil des übrigen Europas als schwere revolutionäre Uebertreibungen und als Symptome einer Entwicklung be- trachtet würden, von der niemand wisse, wohin sie gehe. Dazu kommt noch, ob nun berechtigt oder nicht, die Behauptung der internationalen Presse, daß Deutschland über das erlaubte Maß hinaus rüste. Die Entscheidung der deutschen Regierung müsse nicht nur als definitive Ablehnung der militärischen Klauseln des Versailler Vertrages ausgelegt werden, als Ablehnung aller AbrüstungSvorschläge, die Deutschland nicht äugen- bltckltch die tatsächliche Rttstungsgleichheit gewähren und es diskriminiere» würden, sondern auch als Ausdruck dafür, daft das heutige revolutionäre Deutschland nichts mehr annehmen werbe, was es politisch, militärisch und moralisch nicht allen anderen Großmächten vollkommen gleichstellen würde. So müsse auch der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund verstanden werden, in den Deutschland offenbar nicht zurückkehren wolle, solange nicht seine Gleichberechti- qung aus allen diesen Gebieten voll anerkannt werde. Die Revolution des nationalsozialistischen Deutschland bedeute zweifellos einerseits eine allmähliche Aendcrung her ganzen europäischen Kontinentalpolitik, andererseits eine neue schwere Krise des Völkerbunds, die man sich nicht »erhehlen dürfe Deutschland werde jetzt offenbar trachten, daß es zu Ab- rüstungsverhandlungen zwischen den Großmächten komme- Erst nach einem günstigen Ergebnis dieser Verstand- lungen würde die Frage des wetteren Verhältnisses Deutsch- lands zum Völkerbund gestellt werden. Das bedeute eine schwere Krise des Völkerbundes, der offenbar vor die Aus- gäbe gestellt werde, von neuem den Kampf um das Prinzip der Gleichheit der Völker und Staaten und um die Erhaltung einer gewissen Demokratie in der internationalen Politik zu führen, da die kleinen Staaten nach der Ansicht einiger Großmachte heute im Völkerbund eine zu starke Position hätten. Benesch ist dex Ansicht, daß Verhandlungen zwischen den Großmächten stattfinden sollten, doch könnte» die kleinen Staate« dies« Entscheidungen nicht als bindend« Beschlüsse hinnehmen. Die unmittelbare Folge der deutschen Revolution bis zum heutigen Tag sei die gegenwärtige Mächtegruppierung in Europa Vor allem habe sich die englische ö l s e n t l i ch e Meinung geändert, die zu einer franko-brittschen Annäherung führte und zu einer Aenderung der vsfent- lichen Meinung in den Vereinigten Staaten. Sowjetrußland habe großes Verständnis für die Bedürfnisse des Friedens gezeigt, indem es eine Reihe von Nicht-Angrifsspakten ab- schloß. Es kam zu der polnisch-russischen Annähe- rung. Die neue Situation werde besonders durch den Konflikt zwischen Oesterreich und Deutschland beleuchtet. Es handle sich hier nicht um eine Frage Oesterreichs und Deutschlands, sondern um ein alleuropätsches Problem. Als ein weiteres Symptom der neuen Entwicklung Europas habe die neu- organisierte Kleine Entente zu gelten und die Annäherungs Polens an die Kleine Entente. Das alle» zeigt, wie sich seit der Durchführung der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland die politische Konstellation deS heutigen Europa gewandelt habe. Er treffe diese Konstatie- rung nicht in einem deutschfeindlichen Sinne. Er konstatiere nur Fakten, die sich automatisch eingestellt hätten. Benesch nicht nur politisch, sondern auch durch seine otsizel Stellung als Generalberichteerstatter der Konserenz vcran wortlich ist, in frischer Erinnerung- Sticht nur tendenziös, sondern ausgesprochen u richtig ist die Behauptung des tschechischen Luve ministers, daß Deutschland alle Abrüstung S vor fchläge ablehne, die dem Reich nicht sofort die enern Gleichberechtigung gewähren. Uebcrdies ist nicht zu lev das Auftreten Dr. Beneschs bei der letzten Voller bundsversammlung daran schuld, daß die„entgegengesey>c Ideologien" in einer Weise aufeinandergeprallt sind, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Völkervu unmöglich gemacht hat. Damals wie gestern hat gcra Benesch sich in ostentativer Weise auf den westlichen 2'"*, lismus als die allein mögliche Grundlage des Völkerbu»» bezogen. Er sollte sich am wenigsten wundern, wenn aus sc artigen Einseitigkeiten die Konsequenzen gezogen weroen- » Diese grobe Antwort ans die geschliffene Rede von Benesch wird dem tschechischen Außenminister sehr gelegen kommen. Poilflsther Prozeß an der Saar Max Braun als Widerkläger gegen Spaniol Saarbrücken, 2. November 19 33, Vor dem Schöffengericht in Saarbrücken begann Dienstag ein großer politischer Prozeß, der wegen der ft*' sönlichkeit der Beteiligten und seiner politischen Hintergrü»oc nett über die Saar hinaus Aussehen erregen mutz. Der Law desftthrer der saarländischen Nationalsozialisten, der pre»' ßischc Staatsrat Spaniol, hatte gegen den Führer der saar' ländtschen Sozialdemokratie, Chefredakteur Max Braun, Prtvatklage eingereicht mit der Behauptung, Max habe vor einigen Monaten in einer Versammlung die»c- hauptung aufgestellt, Spaniol sei während des passiven Wid«l' standes bei der Regiebahn in Linz tätig gewesen. Deutsche An'vort DoS Contt-BUro schreibt: «enesch bezieht sich auf die B e r i ch t e d e r W« l t p r e s s« über die geheime Rüstung Deutschlands, und ohne zu sagen, ob er diese Berichte glaubt oder nicht, macht er sich ihre Tendenz zu eigen. Es ist sehr kühn zu be- Schon die ersten Zeugenvernehmungen ergaben» daß Braun die ihm zugeschriebene Aeußerung überhaupt»>« aus eigenem Wissen getan hat. Er nannte vielmehr ausdrücklich dte„StraßvurgerNeuestenNachrichte»: die er als Quelle für eine Meldung, in der Herrn Spants allerdings jene Vorhaltungen gemacht wurden, zitierte. Fr«' ltch, die Naztzeugen, die aufmarschierten, bemühten sich, Lesart des Klägers zu bestätigen. Obwohl es sich um«im geschlossene Versammlung handelte, wollte ein junger Man» aus Güdingen gehört haben, daß Max Braun die erwähnt«» Vorwürfe von sich aus gemacht habe, ohne die erwähnte 3 et' tun g zu zitteren. Er wollte weiter gehört haben, daß Ma- Braun auch noch gesagt habe, »Genossen, wetzt Eure Messer,(!) der Tag der Abrecha«»? kommt!" Der zweite Zeuge war ein Landjäger, der vor der Versawr»' lung Dienst hatte. Er will durch das Fenster gehört haben- daß Worte fielen wie„Spaniol 192«. Linz am Rhein." Den Zusammenhang wüßte er nicht. Der Landjäger bestätigte auch, daß es sich um eine geschlossene Versammlung handelt»' — Der dritte Zeuge Spaniols war ein löjähriger«e m i n a r t st, der angab, daß er durch den offenen Vorhang den Fenster des Lokals sei geschlossen gewesen— hin««»' gesehen habe. Auch er will beim Lauschen nichts von der»»' gäbe einer französischen Zeitung gehört haben. Die nächste» Zeugen gaben allerdings gänzlich andere Darstellungen— Zeugen, die wirklich in der Versammlung gewesen ware«- Alle drei bestätigten nicht nur, daß sich Max Braun ausbrück' lich auf die„Straßburaer Neuesten Nachrichten" berufen ha»«- sondern auch die Tatsache, daß man Max Braun vor de» Versammlung ein Exemplar der Zeitung herausgereicht ha^ mit der fraglichen Notiz. Er habe sie jedoch zurückgewiesen mit der Bemerkung, daß er sie schon besitze.. Nachdem die Vernehmung der Zeugen beendet war, erb»» sich der Vertreter Max Brauns, Rechtsanwalt Dr. S«»' d e r- Saarbrücken, um einen formellen Widerklageantrag zu stellen. Diese Widerklage bezieht sich auf einen Artikel «paniols in einer Nieberwald-Sonderausgabe des„Saar' Freund", in der s ch w e r st e Beschimpfungen des sM' rerè der saarländischen Sozialdemokratie enthalten sind. D»' rin wird Max Braun als„Separatist" bezeichnet»»/ ihm der Vorwurf gemacht, baß er„auch früher schon Landes' verrat" begangen habe. Beim Vortrag dieses Materials durch RA. Dr. Sender kam es zu einem Zwischenfall- Mit harmloser Miene fragte der gegnerische Auwalt, wort» die Gegenseite darin einen Vorwurf erblicke. Dr. Sende- antwortete in grober Erreauna, daß er sich diesen Verband' lungston nicht gefallen lasse. Denn das. worin Braun ein» Beleidigung erblicke, sei klar genug. Dr. Sender mußte a«« den Vorsitzenden gegen eine Reihe von Zuhörern veranlassen- die sich durch Lachen und törichte Aeußerungen unliebsam merkbar machten. Dr. Sender führte dabei aus, daß tn ein«- Zeit, wo noch niemand an Spaniol gedacht habe, Max Brav? an der Saar mehr für di« deutsch« Sache getan habe als andere Leute, die heut« das große Wort führen. Auf Grund der neuen Sachlage— Klage und Widerklage müssen zusammen verhandelt werden— wurde der Pro»«» vertagt. Da anzunehmen ist, daß Klage sowohl wie Wide»' klage mit einem großen Aufwand an Zeugen durchgeführt n erben, so ist mit einem der größten politischen Prozesse i" rechnen, die an der Saar jemals erlebt wurden. Wel'konferenz in Toh'o Einladung durch das japanische Kabinett Tokio, 2. Nov. Das japanische Kabinett hat auf Vorschlag des Kriegsministers Araki beschlossen, eine Weltkon' ferenz nach Tokio einzuberufen. Weitere Einzelheiten sollen in den nächsten Monaten be'-"nfgcgeben werden- Japan werbe die Mächte unterricht-n alle weitere» Fragen zu klären. Wirheisturm auf Jamaika Kingston(Jamaikas, 2. Nov. Bei e'n-"v Wirbels. den Nordwesten Jamaikas während des Wochenendes in- 1»' suchte, kamen 10 Personen ums Leben. 90 Prozent der Banancnernte in dem betroffenen Gebiet wurden vernichtet- 12 Bergleute verletzt a^êtsleben, si. November Auf dem Vitzthum-Schacht t> n Mansseldschen«upterichieterbergbau.AG ist in eine# Streckenbetried starker GasauSbruch von Stickstoffgafeu tX* folgt. Bon der Belegschaft sind 12 Maun verletzt»orde» Lebensgefahr desteht bei keinem. Torslers Alibi erwiesen Ble Kellner, die Ihn am Brandabend bedienten, sagen aus Verhandlungstag Fortsetzung aus Nummer 114 ?euge der Anklage ^orsitzender: Sie sind dann verhaftet worden? , y ouge Ledermann: Ja. im Krankenhaus in Krefeld ^an mich verhaftet. weil ich wegen meiner Abreise von va^burg nach Krefeld als fluchtveröächtig angesehen wurde. ,^.o r s i tz e n d e r: Sind die Borgänge, die Sie hier ge- uilUdert haben, denn auch wirklich wahr? Z£ uge: Ja. sie sind wirklich wahr! r„ orfitzenôer: Warum haben sie denn das nicht vor- «er angezeigt? „j? e u g e: Weil ich Angst gehabt habe für meine Familie und für mein Leben. ai-fr«erreich San malt: Ich bitte, dem Zeugen den An- fü gten Torgler gegenüberzustellen, damit der Zeuge sagen ann, ob Torgler wirklich der Mann gewesen ist. mit dem 1 M tun gehabt hat. . Der Angeklagte Torgler steht auf und der Zeuge Le- J» a»n rust sofort:„Jawohl, das ist Torgler gewesen!" da« P a r r i s i u S: Ist bei Ihrem Gespräch mit Torgler ,«5«n die Rede gewesen, daß Sie eine bestimmte Geldsumme rualten sollten für die Beteiligung an dieser Sache? ,.V«uge: Jawohl! Er hat zu mir gesagt, ich würde * IHK) Mark bekomme». Wen» ich es nicht bekäme, würde es « ê Familie bekomme«. Angeklagter Torgler: Ich kann zu dieser Aussage nur n. î«em höchsten Erstaunen Ausdruck geben, daß ein Mensch cvPJ°em höchsten deutschen Gericht so viel Unwahrheiten sagt. Jjui. erkläre folgendes: Ich habe diesen Mann noch nie in n/'Uem Leben gesehen ich kenne keinen Mann namens Jeß- laaîi"H bin eilt einzigeSmal in Krefeld gewesen, nämlich fm?-* u àcr Kundgebung des Rheinischen Beamtenkartells.: '">t nie wieder. Ich bin nie auf Stunden in Hamburg ge- i«. m Zubern habe in Hamburg mehrere Male Tagungen er Reichspostbeamten, des Reichsbundes der Kommunal- »Kurten und einige Bersammlungen besucht. Bon allem, was >eser Zeuge hier erklärt hat. ist nicht ein kleines Wörtchen von Ansang bis zu Ende. Angeklagter Dimi troff: Ich möchte wissen, ob dieser ^euge ein Zeuge der Anklage ist? fci m^sitzender: Dieser Zeuge hat am lt. Oktober an e Gesängnisvcrwaltung ein« Eingabe gerichtet. Daraufhin lux-€t vernommen von der Staatsanwaltschaft und darauf J? Borladung als Zeuge beantragt worden von der ?rrichsanwaltschaft. Ich muß."ihnen aber gleich sagen, Dimi- find Ergehe» Sie sich nicht in Kritiken, die ganz zwecklos E»"»t vereidigt, dann unvereidigt Angeklagter Torgler: Ist es richtig, daß dieser Zeuge «n> Untersuchungsrichter vereidigt worden ist? . Der Vorsitzende stellt fest, daß das Amtsgericht Lübeck J n Zeugen zur Herbeiführung einer wahrheitsgemäße» -»issage vereidigt hat. Dem Zeugen sind bei seiner Ver- ehmung auch die verschiedenen Bestimmungen des Straf- ^'ehbucheS vorgehalten worden, gegen die er sich in diesem Salle vergehen würde, wenn er etwas Falsches aussage, ji««geklagter Torgler mit erhobener Stimme: Der Lierschied zwischen diesem Zeugen und dem Zeugen S ö n k e Aitern ist der, daß Herr Sönke eine kleine Unwahr- p^it gesagt hat. während dieser Zeuge eine einzige r"flt dem höchsten deutschen Gericht darzubieten gewagt «at._ Dor Vorsitzende hält dem Zeugen die einzelnen Be- Dünungen mit Torgler vor und dieser gibt die Zeiten an: lA. Oktober 1981 um 6 Uhr abends. Am 25. oder 2«. Januar zwischen und 10 Uhr abends. Begegnung im Mai »wischen 5 und 6 Uhr abends. Am 6. Juni vormittags Uhr. Begegnung in Krefeld nachmittags 3 Uhr. ^.RA. P a r r i s i u s: Was sagen Sie zu den Ausführungen Nörglers? : Ich sage, daß ich die reine Wahrheit gesagt habe- wbin nicht beeinflußt von irgend jemand. Zeuge bleibt zunächst unvereidigt. ^hverständiger Dr. Schatz ergänzt Sachverständige Dr. Schatz nimmt dann das Work ^/ Ergänzung seines Gutachtens. Er führt auà: In der -''entlichkeit hat man sich allgemein gewundert, daß von rat« Zündstoff nicht genannt worden ist. Um dem Rätsel- aus e' n lkndc zu machen, möchte ich mich heute dahin P c er tt. daß BerbrennungSprodukte von elementarem î»^phor und BerbrennungSprodukte von elementarem s,^?wefel an sieben verschiedenen Stellen festgestellt morden und noch feststellbar sind. In welchem Mittel diese Stoffe toiwl nen haben, will ich nicht ausführen. Der Sachkenner NjI? wisse», um was es sich handelt, und der Laie braucht es LJ'J# wissen. Aus eigenem Interesse habe ich nochmals Mantel van der Lübbes untersucht. Durch diese weitere das'ilchung am Mantel ist einwandfrei festgestellt worden, S n /V dem Stoff der Tasche Phosphor säure neben diktat vorhanden ist. DaS ist bei der ersten Untersuchung firs* übersehen worden, weil die Zeit zu kurz war. Es .danach unzweifelhaft fest, daß Lübbe mit dieser Flüssig- hob"L Berührung gekommen ist: aus welche Weise, muß das Bericht entscheiden. Ich habe auch nochmals Versuche ften in welcher Zeit sich diese Flüssigkeit auf 25 Brand- ïw»? in einem Gebiet von 75 Meter Länge verteilen läßt. Ter* festgestellt, daß das in S—6 Minuten möglich ist. stanr sachverständige betont, daß die Brandlegung im Re- lTer"i eine ganz andere gewesen ist als im Plenarsaal, br-««achverständige bestätigt hinsichtlich des Charakters der ,z>?î.«baren Flüssigkeit Angaben, die in Sir. 113 der e»t,chen Freiheit" gemacht worden sind. D. Red.) der e/ isie Frage des Oberreichsanwaltes, ob van ii> s u"be mit dieser„Flüssigkeit" getränkte Kohlenanzünder ton* Tasche hatte, erwidert Dr. Schatz, an dem Mantel se>~ n stch deutliche Spuren, daß die Flüssigkeit ausgelaufen müsse also ein Gefäß mit solcher Flüssigkeit in der a'ch° gehabt haben. Kellner, der Torgler am Brandabend bediente B^ et. nächste Zeuge, Kellner P e r s i ck e, hat am Abend des «tages im Restaurant Aschinger, Friedrichstraße, den ^ geordneten Torgler und seine Begleiter bedient. Er gibt aï tl habe seinen Dienst u m 0 U hr angetreten und den in ss„?,3e kommenden Tisch von seinem inzwischen verstorbenen J.«£ gen Ttübling übernommen. Nach der Erinnerung des $e>> n hätten mit Torgler zusammen noch drei weitere °c>n Z an dem Tisch.gesessen. Er habe aui die Gäste nicht ^■on&erg geachtet. Am 1. März sei der Rechtsanwalt Dr. »„J e tt f e l 6 mit zwei Begleitern in das Lokal gekommen Tfrfii* ihm gesagt, er erinnere sich doch wohl, daß an dem ' ,a> im Hintergrund am Vrandabend vier Herren gesessen hätten, unter ihnen die Abgeordneten K o e n e n und Torgler. Roscnield habe sonst über die Sache nicht ge- sprachen, er habe sich aber seine Adresse geben lassen, um ihn evtl. alS Zeugen laden zu lassen. Am Tage darauf^sei dann ein anderer ihm unbekannter Herr zu ihm in die Wohnung gekommen und habe mit ihm auch über seine Beobachtungen im Lokal sprechen wollen. Daraus habe er gesagt, er würde sich darüber nicht unterhalten. Seine Adresse habe er ja ge- geben, und seine Aussagen werde er erst vor Gericht machen. Vier Herren im Gänsemarsch Es wird dann die Aussage verlesen, die der inzwischen verstorbene Kellner Stübli n g unvereidigt vor dem Untersuchungsrichter gemacht hat. Stübling sagte, er habe gegen 21.20 Ukr das Lokal verlassen und sein Revier dem Kellner Perücke übergeben. Koenen habe sich gegen 20.80 Uhr an den Tisch geseht und gleich gesagt, daß noch mehrere Herren kommen würden. Dann sei Torgler gekommen. Kurz vor 9 Uhr seien drei weitere Herren an den Tisch ge» kommen, die offenbar von Torgler und Svenen erwartet worden waren. Der Zeuge Bersicke, i^m diese Aussage vor- gehalten wird, erklärt, nach seiner Erinnerung seien es nur vier Gäste gewesen. Der Geschäftsführer Ho oft bekundet, daß nach 8 Uhr noch seiner Erinnerung vier Herren im Gänsemarsch das Lokal betraten. Als die Nachricht von dem Reichstagsbrand verbreitet wurde, strömten viele Gäste auf die Straße. Der Raum war ziemlich leer geworden. ES fiel mir aus, daß die vier Herren ruhig sitzen blieben. AlS ich dann später wieder einen Blick in den Raum tat. sah ich, daß einige der Herren fehlten. Tie Herren, die zurückgeblieben waren, sahen ziem- lich beunruhigt nach- dem Ausgang. Auf Fragen deS R e i ch s am w a l t S' erklärt der Zeuge, daß die Herren zwischen 8 und 8.30 Uhr das Lokal betreten hätten. Bestimmt könne er das. aber nicht sagen, daß es vor 8.30 Uhr war. Aus eine Frage des NA. Dr. Sack erklärt der Zeuge, daß ihm die Herren jedenfalls sehr komisch vorkamen, als ob sie es vielleicht wußten» daß der Reichstag brenne. heute von der„Koten Fahne" Nach der Mittagspause teilt der Vorsitzende mit. daß die Vernehmung des Zeugen L e b e r m a n n als noch nicht ab- geschlossen gilt, es wird später noch einmal zurückgekommen, und dann auch die Vereidigung geklärt werden. Inzwischen sollen Ermittlungen angestellt werden über einen Teil der von Lebermann gemachten Angaben. Als Zeuge wird dann der Gastwirt S t a w i ck i ver- nommen, der in der Dirckscnstraße eine Gastwirtschaft be- treibt. Ter Zeuge verneint, daß er Torgler kenne. Daß Torgler am Ärandabend in seinem Tokal war, wußte er nicht, da er zu dieser Zeit nicht anwesend war. Als der Reichstagsbrand bekannt wurde, hat der Zeuge sein Lokal verlassen, um sich zum Reichstag zu begeben, und dann ist er nach Hause gefahren. Der Zeuge bekundet weiter, daß etwa um 8 Uhr an einem Tisch in der Stehbierhalle zwei Per- svnen Platz genommen hatten, die er auf Grund der ihm vor- gelegten Bilder später als Kühne und O s s i e tz k y be- zeichnet hat. Ter Flcischermeister Franz Kraczewski, der dann als Zeuge vernommen wird, hat am Abend des 27. Februar als Teilhaber von Stawicki am Schanktisch de? Lokals gestanden. Er gibt an. zwischen 0 und 7 Uhr abends seien die ersten beiden Gäste des Tisches gekommen, an dem nachher K o ene'n und Torgler Platz nahmen. Er habe den Tisch beobachtet, und er habe dabei den Eindruck gehabt, daß die Leute an diesem Tisch sich offenbar etwas zu erzählen hatten, waS andere nicht hören sollten. Wenn der Kellner vorbeikam, steckten sie die Köpfe zusammen, und es wurde. auch baS Gespräch dann unterbrochen. Der Kellner habe ihm auch gesagt, es käme ihm so vor, als ob das Leute von der »Roten Fahne" seien. Die letzte Nacht OberreichSanwalt: Der Angeklagte Torgler hat gesagt, er habe vei Kühne übernachten müssen, well seine Bahn nach KarlShorst schon weg war. Nach dem Protokoll deS Londoner Untersuchungsausschusses hat der kommu- russische Fraktionssekretär Kühne ausgesagt:„Lediglich aus Gründen der Sicherheit vereinbarten wir, daß Torgler nicht in seine Wohnung geht, sondern bei mir in meiner Wohnung übernachtet." Angeklagter Torgler: Der pri» märe Grund, warum ich nicht nach Hause gefahren bin, war der, daß praktisch eine Möglichkeit dafür nicht gegeben war. Ich gebe aber zu, daß ich außerordentlich ausgeregt gewesen bin, nachdem mir Oehme mitgeteilt hatte, eS würde» Mel- düngen verbreitet, daß Torgler und Koenen fluchtartig den Reichstag verlassen hätten. Aber nicht Sicherheitsgründe der Polizei gegenüber konnten in Frage kommen, fuhr Torgler fort, sondern ich hatte, da ich in Karlshorst durch dunkle Straßen hätte gehen müssen, die Besorgnis, daß mir dort etwas passieren könnte. Noch ein Kellner Der nächste Zeuge ist der Kellner I e s ch e r, der an dem Abend die Bedienung in dem Lokal Stawicki ausübte. Aus seinen Bekundungen ergibt sich, daß zwei Chauffeure schon vorher in dem Lokal waren und sich dann mit an den Tisch setzten, an dem Kühne und der andere Herr Platz genommen hatten. Die Chäuffeure verschwanden dann nach- einander jeder etwa eine Viertelstunde. Bald nach 0 Uhr, als die vier schon wieder an dem Tisch saßen, kam der Abg. «Koenen.— Vorsitzender: Das müßte vor dem Reichstagsbrand gewesen sein?— Zeuge: Jawohl, vor dem Bekanntwerden des Brandes. Als die Nachricht von dem Brande kam, nahmen die Lent?' an dem Tisch keinerlei Notiz davon. Sie unterhielten sich im gleichen Flüsterton wie bisher ruhig weiter.— Vorsitzender: Koenen ist nach den bisherigen Ermittlungen etwa bis gegen 8.45 Uhr im Reichstag gewesen, hat dann eine Zeit bei Aschinger ge- sessen, wo der Brand bekannt wurde, so daß es nicht recht stimmen kann, daß Koenen schon bei Ihnen gewesen wäre, als die Nachricht kam. Z e u g e: Es war spätestens 0.15 Uhr, als Koenen kam.— Vorsitzender: Das wäre zu der Zeit, als der Brand im Reichstag erst ansing, und im ersten Stadium war. Aber Sie bleiben dabei?— Zeuge: Jawohl! Van der Lübbes Doppelgängei Hierauf wird der 20jährige Student Perl als Zeuge ver- nrmmen, von dem gesagt worden ist, daß er vielleicht mit van der Lübbe verwechselt worden fein kann.— Ober- reichsanwalt: Sind Sie am 27. Februar nachmittags mit Torgler zusammen gewesen?— Zeuge: Nein. Ich bin an diesem Tage überhaupt nicht im ersten Obergeschoß ge- wesen, sondern habe im zweiten Obergeschoß gearbeitet.— Oberreichsanwalt: Dann kau» der Zeuge Perl also unmöglich mit dem Mann verwechselt worden fein, der mit Torgler zusammen im ersten Obergeschoß gesehen worden ist.— Vorsitzender: Lübbe ist ia auch sonst verwechselt worden.— Beisitzer: Haben Sie jemals den Reichstag mit einer Kiste betreten?— Zeuge: Ich bin am 27. Februar mit einem größeren Paket Papier in den Rekchstag gekommen. Das war zwar keine Kiste, aber man hätü e« vielleicht dafür halten können. '-darauf wird die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Sittlichkeitsverbrecher als Nazizeuge Nach Major Weberstedt, dem Spitzbuben und RSuber Ledermann nun ein Sittlichkeitoverbrecher als Säule der Anblase 29. Verhandlungstag Berlin, I. Nov. Zu Beginn der Verhandlung erklärt der Präsident Dr. Bünger: Nach dem Stenogramm der gestrigen Sitzung hat der Angeklagte Dimitross u. a. gesagt, daß„der Kreis der Zeugen der Anklagevertretung gegen uns kommunistische Angeklagte heute durch diesen Zeugen fgemeint war Lebermann) geschlossen ist. angefangen mit ReichtagSabgeordneten der NSDAP., beendet mit einem Diebstähler". Diese Aeußerung habe ich nicht verstanden, sonst wäre ich selbstverständlich auis schärfste eingeschritten, denn diese Aeußerung, so erklärt der Präsident mit erhobener Stimme, stellt eine unerhörte Frechheit dar. Angeklagter Dimitross... Der Vorsitzende unterbricht den Ange- klagten und erklärt, daß er ihm das Wort jetzt nicht gebe. Dimitross ruft: Der„Völkische Beobachter" kann zu- frieden sein. Der Vorsitzende berät kurz mit dem Senat und verkündet, daß Dimitross mit Rücksicht auf diese Be- merkung für die heutige Sitzung ausgeschlossen werde und abzuführen sei. Dimitross ergeht sich in zornigen Proteste». Der Vorsitzende ersucht die Polizeibeamten, ihn beschleunigt hinauszuführen. Unter weiteren Beschimpfungen verläßt Dimitroff den Saal. Frau Torgler hat„Besuch" Als erster Zeuge wird Kriminalrat Spietz vernommen. Cr sagt auS, Frau Torgler Habe ihm die Wohnung geöffnet und auf seine Frage nach Torgler geantwortet:„Mein Mann befindet sich in der Provinz aus Reisen!" Gegen 8 Uhr kam ein telefonischer Anruf. Frau Torgler ging an den Apparat. Der Zeuge hörte, daß von einer Frauenstimme angerufen wurde, die offenbar ein Zusammentressen mit Frau Torgler verabreden wollte. Frau Torgler antwortete: „Ich habe unerwartet Besuch bekommen, ich kann jetzt nicht." Gegen 10 Uhr kam ein zweiter Anruf, wieder von einer Frauenstimme. Frau Torgler sagte:„Der Besuch ist immer noch da, ich kann nicht kommen."— Der Angeklagte Torgler erklärt hierzu, seine Frau habe sehr wohl annehmen können, daß er in' der Provinz auf Reifen sei. Er habe sich nämlich verpflichtet, in dieser Woche vor der Reichstagswahl Versammlungen in der Provinz abzu- halten. Der erste Anruf bei seiner Fra.u sei wahrscheinlich von Frau Kühne gekommen, der zweite Anruf sei von der Frau deS Abgeordneten Kasper gewesen. OberreichSanwalt: Es ist außerordentlich auna»- lend, daß Torgler, obwohl er Telefonverbindung hat, nicht selbst seine Frau anrief, daß er auch am Vormittag, als er damit rechnete, längere Zeit nicht nach Hause zu kommen, nicht selbst seiner Frau Mitteilung machte. Torgler: Ich habe in Leipzig schon angegeben, daß ich an dem Bormittag schon angerufen babe, etwa SM Uhr. Ich habe meiner Frau mitgeteilt, daß ich mich zur Polizei begebe. OberreichSanwalt fragt, ivarnm Torgler seine Frau nicht schon am Abend benachrichtigt habe, daß er nicht nach Hause käme. Torgler: Ich hatte schon abends bei Stawicki den Ge- danken, zur Polizei zu gehen, um die falschen Meldungen zu klären. Ich wollte aber erst abwarten, was die Zeitungen wirklich bringen. OberreichSanwalt: Wenn Sie bereits abends die Absicht hatten, sich der Polizei zu stellen, dann hätte es erst recht nahegelegen. Ihrer Gattin schon abends davon Mit- teilung zu machen. Torgler: Meine Frau hat wahrscheinlich um diese Zeit. nachtS um 1 Uhr, geschlafen. ES war nicht unbedingt not- wendig, daß ich meine Frau unnötigerweise beunruhigte und ihr von einer Tache Mitteilung machte, die auch bis zum nächsten Morgen Zeit hatte. Reichsanwalt Parrisius: Torgler behauptet. 0.30 Uhr vormittags selbst seine Frau angerufen zu haben. Ich frage den Zeugen, ob er von diesem Gespräch etwas bemerkt hat, denn er war bis 11.80 Uhr in der Wohnung. Zeuge; Es sind nur zwei Telefongespräche geführt worden und eS war beide Male eine weibliche Stimme. Dr. Sack steht dann eine Reihe von Beweisanträgen, u. a. Frau Torgler, Frau Kühne und Frau Kasper zu dieser Frage zu vernehmen. Dr. Tack kragt den Zeugen noch, waâ er bei der Durchsuchung der Wohnung Torglers gefunden habe. Zeuge: Illegale Druckschristen. Frau Torgler sagt aus Frau Torgler wird vom Vorsitzenden gefragt, ob sie aussagen wolle. Frau Torgler erklärt sich dazu bereit.— Auf die Frage nach den Telefongesprächen antwortet sie: Um 8 Uhr etwa wurde von Frau Kasper bei mir ange- rufen. Sie fragte, ob mein Mann da sei. Als ich verneinte, sagte fle: Denke mal, bci mir ist heute in aller Frühe Polizei gewesen. Ich sagte: Ich habe auch denselben Besuch. Der zweite Anruf kam etwa um 9 Uhr von Frau Kühne. Sie teilte mir mit. daß bei ihr Polizei gewesen sei und ihren Mann verhaftet habe. Ich sagte auch, ich hätte seht diese» Besuch. Frau Kühne sagte, sie wollte zu mir herauskommen, ich möchte sie am Bahnhos erwarten. Ich antivortete, tch konnte nicht kommen, weil ich ja Besuch habe. Der Zeuge Spietz bleibt demgegenüber bei seiner Aussage. Frau Torgler hält dagegen ihre Bekundungen ausrecht, auch als der Vorsitzende ihr sagt, es sei doch recht unwahrscheinlich, daß der Polizeibeamte nicht eingegriffen haben soll, wenn sie durch die Bemerkung:„Ich habe jetzt denselben Besuch hier," zu verstehen gab, daß Polizei im Hause iei.— Frau Torgler sagt iveiter, Tpietz irre sich auch in der Zeit des zweiten Gesprächs. SS sei um» Uhr gewesen. Um 11 Uhr sei die Polizei Ulugst weggewesen. Ihr Mann habe zwischen'',10 und a M& Uhr angerusen, und da habe sie ihm schon gesagt, dasi die Polizei da gewesen sei. Die Beamten seien also zu lmeser Zeit schon ans dem Hause gewesen. Bors.: Haben Tie eine Erklärung dafür, warum Ihr Mann, der am Brandtage doch mit vielen Leuten telefoniert hat, Tie selbst nicht angerusen hat?— Frau Torgler: Er wird angenommen haben, daß ich schon schlafe.— Vors.: Wann haben Sie zuerst von dem Reichstagsbrand gehört? — Frau Torgler: Erst am nächsten Vormittag.— Reichsanwalt: Hat Ihr Mann bci seinem Anruf den Grund angegeben, weshalb er bei Kühne übernachtet hatte? — Frau T.: Nein. Es kam ost vor, daß er in Berlin über- nachtete, wenn es sehr spät geworden war.— Ober» reichsanwalt: Ihr Sohn hat aber in London gesagt, daß Ihr Mann aus Sicherheitsgründen nicht nach Hause gegangen sei. Da liegt es doch nahe, daß auch Tic unter- richtet worden sind.— Frau T.: Da» ist setzt acht Monate her. Ich erinnere mich nicht, daß mir so etivas gesagt wurde. — Obcrrcichsanwalt: ES ist aber außerordentlich wichtig, ob Ihr Mann schon iu jener Nacht solche Befürch- tungen hatte.— Angeklagter Torgler: Mir ist nicht ganz klar, warum der Lberreichsanwalt von mir noch einmal die Aussage haben will, daß mein« Freunde die Besiirchtung hatten, daß ich aus Grund der Pressenachrichten von politischen Gegnern einen Uebersall zu fürchten hatte. Hält eS denn der Oberreichsanwalt wirklich im politischen Interesse Deutschlands sür angezeigt, daß solche Aussagen hier wiederholt werden?— Vors.: Angeklagter Torgler, versallen Tic nicht in den Fehler Dimttrofss. Wir wollen doch ruhig und sachlich bleiben. Die Polizei bei Kühne AlS nächster Zeuge wird Kriminalassistent Hohmann vernommen, der am 28. Februar früh den kommunistischen FraktionSsckretär K ü h n e in seiner Wohnung verhaftet hat. Hohmann sagt auS, er habe Kühne in seiner Wohnung in Pankow getroffen und sofort festgenommen. In einem kleinen Zimmer der Wohnung habe er einen Mann ge- troffen, der wohl eben ausgestanden war und in Hemd und Hose dastand. Ich sagte, so fährt der Zeuge sort, anstands- halber Guten Morgen. Nachher fragte ich Kühne, wer das sei. Daraus sagte Frau Kühne: DaS ist Besuch.— Daraus habe tch den Mann nicht mehr behelligt.— Vors.: Haben Sie denn nicht gefragt, wer dieser Besuch war?— Zeuge: Nein, dazu hatte ich kein Recht. Ich hatte ja nur den Befehl. Kühne festzunehmen.— Vors.: Wenn Tie erfahren hätten, daß der Mann Torgler war, hätten Sie ihn also auch nicht festgenommen?— Zeuge: Nein.' Der Zeuge de* Oberreichsanwalts Aus cine Frage von Dr. Sack erklärt der Vorsitzende, daß der Zeuge Lebcrmann noch einmal vernommen werden soll. Dr. Sack bittet, die Ermittlungen auch daraus auszudehnen, ob Lebermann tn der Irrenanstalt Blankenborn gesessen hat, und ob er der Polizei nicht wegen seiner Schwindeleien bekannt sei. Da*„Fanal" Als nächster Zeuge wirb der Journalist Zimmermann aus KarlShorst vernommen. Er macht Bekundungen über ein Zusammentreffen mit Torgler in der Straßenbahn kurz vor dem Brande. Torgler habe ihn gefragt: Was halten Sie von den heutigen Verhältnissen? Ich sagte, die Ange- legenhcit ist ja geklärt. Torgler schaute dann so in Gedanken aus dem Fenster, und ich hatte den Eindruck, daß er mit Beziehung aus einige braune Uniformen, die draußen Singen, sagte: Es bereitet sich allerhand vor, eS ist dicke Luft, wenn das Fanal ausleuchtet, so werden sich die Herrschasten in ihre Mauselöcher verkriechen. Der Zeuge hält es für wahrscheinlich, daß die Begegnung am 23. 2. war. Als ich von dem Brande las, war mir diese Begegnung in greisbarer Nähe.— Vors.: Waö haben Tie unter„Fanal" verstanden? — Zeuge: Ich habe nicht an ein Feuerzeichen, sondern an «in A l a r m z e t ch c n gedacht. Ich war ähnliche Ausdrücke der KPD. gewöhnt und kannte auch von Torgler aus seiner politischen Tätigkeit solche drohenden Ausdrücke.— Vors.: Können Sie einige wiederhole»? Zeuge: Er hat dem Sinne nach gesagt, es werde nicht mehr lange dauern, daß das Proletariat sprechen wird, daß Ihnen, meine Herrschaften, die Köpfe wackeln werden. Fin deutschnationaler Zeuge Schmock macht für sich Reklame Der Vorsitzende ersucht den Angeklagten Torgler, sich zu der Aussage zu äußern. Torgler: Herr Präsident, ich habe mich gestern schon gewundert, baß ein Mann wie Leber- mann dem höchsten deutschen Gericht so hanebüchene Un- Wahrheiten vorzusetzen wagt, ich erkläre, daß ich mich wun- dere, baß ein Mensch, der Anspruch auf Intelligenz erhebt, e» wagt, dem höchsten deutschen Gericht eine solche Aus- geburt der Fantasie vorzusetzen. Hält mich Zimmermann für einen solche« Trottel, glaubt er, daß ich ihm, von dem ich weiß, daß er Deutschnationaler ist, sage: Ein Fanal wird kommen, es wird alles anders »erden? Ich bitte, sich nach meiner politischen Tätigkeit zu erkundige«. Einer solchen Trottelei mich sür fähig zu halten, bekomm: nur ein kleiner Tchcrlreporter serttg.— Der Vorsitzende greift energisch ein und untersagt dem Angeklagten derartige Beleidigungen.— Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er sich in dem Wort„Fanal" getäuscht haben könne.— Zeug«: Nein, ich habe mich nicht getäuscht. Diese Aus- druckssorm hat sich bei mir eingemeißelt aus einem be» stimmten Grunde. Ich arbeite an einem Buch, in dem ich de» Typ des Politikers schildern will, der die irregeführten Arbeiter- massen vor seinen Wagen spannt,»m Karriere zu machen. Dieser Typ war sür mich der Angeklagte Torgler.— Vors.: Warum haben Sie daö erst am 0. Oktober angegeben?— Zeuge: Zunächst hatte tch die AuSdruckSform »ich: für so erheblich gehalten. Als dann der Reichstags- brand ausbrach, habe ich Torglers Wort Fanal damit in Verbindung gebracht. Ich sagte mir aber, gegen Torgler würden so schwere Verdachtsmomente vorliegen, daß meine Aussage dabei belanglos fein werde.— Rechtsanwalt Dr. Tack: Tie wollen von dem Angeklagten das Wort„Fanal" gehört haben, und ich muß Sie fragen, warum Sie trotzdem nicht sofort Anzeige erstatteten, nachdem der Brand bekannt wurde.— Zeuge: Diese Frage habe ich schon dem Vor- sitzenden beantwortet.— Dr. Sack: Tie haben die Be- beutung meiner Frage verkannt. Ich frage Sie. weil Sie gesagt haben, Torgler habe das Wort„Fanal" gebraucht. Am 28. Februar, spätestens am 29. Februar ist in Berlin und ganz Deutschland das Wort umgegangen, dieser Reichstags- brand soll das Fanal sein zum blutigen Ausstand, zum Bürgerkrieg. Sollte es Ihnen als Journalisten entgangen sein, daß beinahe ganz Deutschland von dem„Fanal" sprach, und sollte Ihnen da nicht eingefallen sein, daß Torgler gerade dieses Wort gebraucht hat?— Zeuge: Man muß sich in die Psyche der damaligen Zeit zurückversetzen. Ein Mensch, der 14 Jahre tn der vordersten nationalen Kampf- sront gestanden hat wie ich, der beschimpft und in jeder Be- ziehung an-de» Pranger gestellt worden ist, einem solchen Menschen stumpfen die Sinne für derartige Sachen mit der Zeit ab. Vorsitzender: Das Wesentliche ist, ob im Verlaufe des Gesprächs der Ausdruck„Fanal" gefallen ist.— T o r g- l e r: Ich habe gar nicht daran gedacht, mich in dieser Weise mit dem Zeugen zu unterhalten. Ich habe mit ganz anderen Herren der deutschnationalen Fraktion gesproche», die für die politischen Fragen kompe- tenter waren als Herr Zimmermann. Da wird festzustellen sein, daß gerade ich die damalige politische Situation genau kennen mußte und daß es gerade für mich der größte Irr- sinn gewesen wäre, wenn ich nicht alles getan hätte, um ein solches Attentat wie den Reichstagsbrand mit allen Mitteln zu verhindern, weil ich wisse» mußte, daß diese Aktion, wenn sie politische Auswirkungen hatte, sich ausschließlich gegen die KPD. richten würde. Vorsitzender: Dazu wird im politischen Teil Gelegen- heit sein. Dann tritt eine Pause ein. Nach der Pause erklärt der Angeklagte Torgler zu der Aussage des Zeugen Zimmermann, daß die Begegnung in der Straßenbahn weder am Tonnerstag, dem 23. Februar, noch am SamStäg vorher stattgefunden haben könne. Fin Sittlichkeitsverbrecher tritt auf AlS Zeuge wird dann der Bergmann K u n z a ck ver- nomme», dessen Vereidigung einstweilen ausgesetzt wirb.. Kunzack ist zweimal wegen Tittlichteitsverbrechens. einmal wegen Meuterei und auch sonst vorbestraft. Kunzack war früher bei der USPD. und seit der Verschmelzung bis An- fang 1982 in der KPD. Aus dieser wurde er Anfang 1982 ausgeschlossen. Während der illegalen Zeit der Partei hat er auch Kurierdienste geleistet. Der Zeuge bekundet, daß, als der Gefängnisvorsteher den Reichstagsbrand bekanntgab, auch der Name van der Lube gefallen sei. Er habe sich daran erinnert, da» er aus einer Konferenz in Düsseldorf im Jahre 1923 mit einem Lübbe zusammengewesen sei. Der Leiter dieser Versammlung sei Heinz Neumann gewesen. Ferner waren, so erzählt der Zeug«, weiter drei Holländer erschienen, unter ihnen van der Lübbe. Dieser sei der Vcr sammlung mit ungefähr den Worten vorgestellt worden, daß man in Holland jetzt den Ausbau im Sinne der RFB. vor- nehmen wolle. Van der Lübbe habe sich bereit erklärt, die Jugendbewegung auszubauen und später einmal deren Lei- tung zu übernehmen. Lübbe hat dann ein paar Wort« gesprochen, aber in so schlechtem Deutsch, daß man ihn nicht verstehen konnte. Sein Alter hat der Zeuge damals auf IS Jahre geschätzt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob in dieser Versammlung auch von Terror gesproche» worden sei, erwidert der Zeuge, der Terror sei nicht direkt empfohlen worden, man habe aber gesagt, jedem Terror müsse der schärfste Terror entgegen- gefetzt werden. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie es komme, daß er sich nach so vielen Jahren noch so gut er- inner» könne, erwidert der Zeuge, er habe sich Auszeich- nungen gemacht, die aber seine Frau leider verbrannt habe. — RA. S e u s s e r t hält dann dem Zeugen ein Schreiben an den Untersuchungsrichter vor, in dem Kunzack sich als Zeuge anbietet und sich erbietet, die Schlupfwinkel der illegalen Terrorgruppen bei den weiblichen Genossen fest- zustellen. In dem Schreiben heißt eS dann weiter: Ich garantiere, daß ich das innerhalb von acht Tagen zuwege gebracht habe. RA. Dr. Sack bemerkt dazu, es sei aussällig, daß gerade Kunzack, der zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechens zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, sich dazu erbiete, die Schlupfwinkel der Illegalen bei den weiblichen Ge- »offen festzustellen. jHeiterteit.f Die Geheimnisse der Wuhlheide Der Zeuge macht dann weitere Bekundungen über Spreng- versuche, tn der Wuhlheide. Auf die Frage der V o r s i tz e n- den. wer außer Kasper und den anderen noch dabei gewesen sei, antwortete der Zeuge: Meines Erachtens dem Aus- sehen nach noch Torgler. Der Vorsitzende hält dem Zeugen eine frühere Aussage vor. in der er m i t aller B e st i m m t h e t t versicherte, daß zwei der anwesenden Per- soncn Torgler und Kasper waren. Der Zeuge gibt zu, daß er Torgler nur von Sehen kannte. Vorsitzender: Ist eS nun Torgler, oder nicht?— Zeuge: Meines Erachtens ja! — Ter Zeuge schildert weiter, wie man dann nach den Sprengversuchen wieder in die Stadt fuhr und schließlich in eine Gastwirtschaft in der Görlttzer Straße kam, wo der O b e r f e u e r w e r k c r, der die Sprengvcrsuche leitete, einen Vortrag hielt. U. a. habe dieser erklärt, wenn es soweit wäre, sollte man nichts schonen, sondern wo es möglich sei, öffentliche Gebäude in die Luft sprengen. Vorsitzender: Nehmen Sie auf ihren Eid, daß er aus öffentliche Gebäude hingewiesen hat, die in die Luft gesprengt werden sollten?— Zeuge: Ja!— Borsitzender: Bisher sind Tie ja noch nicht vereidigt. Hat er auch etwas von Brandstiftungen ge- sagt?— Zeuge: Nein!—Vorsitzender: Früher haben Sie gesagt, der Mann habe erklärt, daß die Aktion sich vor- nehmlich auf öffentliche Gebäude zu erstrecken hätte. Wenn solche Sprengungen nicht möglich seien, sollte man zu Brand- ftistungen übergehen. Jetzt sagen Sie, von Brandstiftungen habe er nicht gesprochen.— Zeuge: Das hat er nicht im Zusammenhang gesagt, sondern nachher für sich.— Vors.: Sie haben noch etwa? Weitere» bei Ihrer gerichtlichen Ver- nehmung gesagt, wie die Terrorakte vorgenommen werden sollten.— Zeuge: Bei der Bildung der Terrorgruppen sollten auch z. T. weibliche Personen herangezogen werden. — Vors.: Sind Sie darauf hingewiesen worden, daß das am besten durch ausländische Genossen geschehe? To haben Sie früher ausgesagt. Ist das nun richtig ober nicht?— Zeuge: Ja, durch illegale ausländische Genossen, die sollten, wenn sie anwesend wären, mit dazu verwendet werden. Torgler entlarvt den Schuft «ngekl. Toraler: Ter Zeuge sagt, daß er mich kenne Wo haben Sie mich kennen gelernt?— Z e u g e: In Ihren Büro und in Versammlungen.— Torgler: Wo war mein Büro?— Z e u g e: Im Karl-Ltebknecht-HauS.— Torgler: In welchem Stockwerk?— Zeuge: Im zweiten Stockwerk. - T o r g l e r: In welchen Versammlungen haben Tu v ,l_ gehört?— Zeuge: In der Neuen Welt m Neukölln Jahre 1980 und früher. f Torgler: Ich stelle fest, daß ich nur einmal im ê«« der Reuen Welt gesprochen habe, und zwar 19M.„in nicht wieder. Ich habe nie im Karl-Liebknecht-Haus c Büro gehabt und mich nur sehr selten vorübergehe«» diesem Hause aufgehalten. Zeuge: J^ wollte nur sagen, daß ich ihn im Karl-Lie'- knccht-Haus, wo das Büro ist, gctrosscn habe.— R«-*" Sack: Es ergibt sich auS einer Darstellung der Verwandte des Angeklagten van der Lübbe, daß dieser im Januar Februar 1923 gar nicht in Düsseldorf S wesen sein kann. Auch die Räuberhöhle fehlt nicht Darauf wird als Zeuge der Kriminalassistent vernommen, der im Austrage des Kriminalkommissars Heu o den Zeugen Kunzack wiederholt eingehend über die versuche in der Wuhlheide vernommen und das Ergev» dieser Vernehmung protokolliert hat. Der Zeuge bero' Kunzack habe mit aller Bestimmtheit auf die wiederholt Fragen immer wieder gesagt, er wisse ganz genau, das 0 kommunistischen Abgeordneten Torgler und Kasper bet o Sprengversuchen dabei gewesen seien. Der Zeuge hat w Kunzack auch die Wuhlheide aufgesucht, um die Höhl e, der die Tprengversuche gemacht wurden, ausfindig zu maw• Kunzack konnte aber die Stelle nicht wiederfinden»«^ der Revierförster habe nichts von einer Höhle gewußt- Am 2. Mai ist dann der Zeuge mit einem Kriminalbeamte" nochmals in die Wuhlheide gefahren, um Grabversnwe 7 unternehmen. Es wurde tatsächlich eine Höhle von ungel«' 1,89 bis 2 Meter im Ouadrat und 1,23 Meter Tiefe geiunoe»- Reste von Linoleum, ein abgebrochener Hamm e r st> e und der Rest eines Pakets mit Nägeln wurden gelunoe-^ sWahrscheinltch haben Schuljungen Räuber und Schandtt s spielt. D. Red.j Freies Geleite für sozialdemokratische Zeugen? Angeklagter Torgler erklärt, daß er niemals in k'" 1'!! Leben Kunzack kennen gelernt habe. Er sei niemals a Sprcngversuchen in der Wuhlheide gewesen und wisse a> nichts von einer Höhle und Sprcngversuchen. Alles,'»» Kunzack gesagt habe, könne in keinem Falle der Wahro^ entsprechen. Der Vorsitzende weist aus diese Erklaru» Torglers hin und tragt den Zeugen eindringlich, ob er» seiner Angabe bleibe, daß Torgler und Kasper»> s Wuhlheide zugegen waren. Der Zeuge antwortet«" einem Ja., RA. Dr. Sack beantragt, den früheren Abgeordnet Kasper als Zeugen zu laden. Dr. Sack ersucht ferner,", früheren Rechtsanwalt R o s e n s eld, der zur Zeit in Par lebe, zu vernehmen. Rosenseld sei an sich bereit, nach DelM«: land zu kommen, seine Adresse sei ihm bekannt. Dr f in schlägt serner die Vernehmung von Zeugen vor, die sim ähnlicher Situation wie Rosenield befinden. Es kämen".-, in Frage die frühere Abgeordnete Frau R e e se, der srüb^ sozialdemokratische Parteisekretär Dr. Hertz und der uutu' sozialdemokratische Abgeordnete Dr. B r c i t s ch e i b.^ Oberreichsanwilt behält sich seine Stellungnahme». diese» Anregungen vor und erklärt, das Gericht könne t*e> Geleit nur erteilen für Dinge, die zu seiner Zuständig" gehören für die Verfolgung strafbarer Handlungen. Die Verhandlung wird bann auf Freitag vertagt. Zeuge für Dimttroff meldet sl<» Wird er geladen? Am 8. Oktober meldete die Presse, daß D i m i t r o s s, gegen den Behauptungen des Kellners Helmer vom A stau rant„Bayernhos", Berlin, erklärt babe, er habe siä> mit dem österreichischen Schriftsteller Jakob R o s n e r 9. troffen. Der Senatspräsident Dr. Bünger meinte Hiera»- daß dieser Rosner„unauffindbar" sei. irt, Einige Tage hierauf wandte sich Rosncr mit einem£>>, geschriebenen Brief an Herrn Äünger, in welchem er ,■ Aussage des Dimitroif bestätigte und sich bereit erklärte, a i Zeuge vor dem Gericht zu erscheinen..., Da ihm keine Antwort zuteil wurde,»ab er vor eine' Prager Notar eine eidesstattliche Erklärung ab, die er, ncvc anderen Zeitungen, auch uns zuschickt. Es heißt darin u ... Sin Eides Statt erkläre ich. daß diese seine. troffsj?luSsage völlig und ganz der Tatsache entspricht, y-» war mehrere Male mit Herrn Georg Dimitroff im Resta' rant„Bauernhof" in Berlin, Potsdamer Straße, betsamme'- Ich gehöre keiner politischen Partei an und beschästige l« 11' auch nicht mit Politik. Unsere Unterredungen betrasen ledia lich literarische und philosophische Fragen. Herr Dimitron- der mir ost die Situation in seinem Heimatlande Bulgarie schilderte, da ich mich sür die Balkanfragen interessier^' machte nie auch nicht den geringsten Bcrs»^ in seinenUnterredungen mit mir d i c S i t u a t i o n und Politik in Deutschland a n z« schneiden. Ich lernte Herrn Dimitrosf als g r o» e Idealisten und selbstlosen Menschen tennt™ welcher auf mich den allerbesten Eindruck machte. B e i Z»' sichcrung des"freien Geleites bin ich auch b£»' bereit, persönlich al» Zeuge vor dem 4. Strafsenate des Ober reichsgerichtes, vor welchem der Prozeß in Sachen des Reia>£ tagsbrandes verhandelt wird, zu erscheinen, damit ich d»' mit dem Zeugen Helmer konfrontiert werde und ich dort die>£ meine Aussage als Zeuge bekräftige. Einähriger lange sfaafsgelährlldii In Berlin wurde kürzlich ein elfjähriges Arbeiterkind aus der Ackerstraße beim Spielen auf der Straße verhalt^ Der Junge hatte seinen Altersgenossen das überall ku> sierende„Tischgebet" beigebracht: Komm, Herr Hitler, sei unser Gast, und g«b uns ei» Zehntel von dem. was Du uns versprocheu hast." Auf der Polizeiwache wurde das Kind stundenlang allen Regeln der Kunst vernommen, um den Urheber de» staatSgefährlichen GebetS zu ermitteln. Amnestie in Bayern Für Straftaten, die zwischen dem 21. 8. und 23. 7.»z«^ Durchsetzung des nationalsozialistische» Staates aus politischer Ucbcrzeugnng begangen morde» sind, gilt Straffreiheit. tGVBl. S. 211.) Das„Ehrengericht" In der„Berliner Aerzte-Correfpondenz" wird in W sonders ausfallender Form mitgeteilt, daß der Arzt Dk- Julius Moses tn Berlin, BundeSratsufcr 9,„durch Urtc» de» ärztlichen Ehrengerichts für Berlin wegen Verletz»»^ der StandeSsitten durch Beschimpfung der Aerzte im allflt' reinen.. zu 899 RM. Geldstrafe verurteilt worden ist' Das„Urteil" stützt sich au, einen Vortrag, den Dr. Moses vor rund drei Iahren, am 21. November 1989, in Weiße«' felS gehalten hat. J Psnthfif in Fadheit »"J."®-""" Wic zu erwarten war, sind den großen Sprüchen^?angen regterung keine Taten gefolgt. Siehat vo^spondentcn der englischen Regierung, den"erhattcten s^izulaisen, des„T a i l y Te leg r a p h".Herrn P anther,«'»»^heit. kapituliert. Panther befindet sich f e j* xic großspurig Er ist aber de» Landes verwie.en worden, Tue«^„ h e s- angekündigte Klage wegen®P 1°." a A all0„jcht. Wenig- » errat vor dem Reichsgericht gibt e^ Snt= stens da» wird Teutschland und der W«--r,p Affäre iachc freilich bleibt, daß die Neichsreglerung^ha^kier Panther selbst vor aller Welt den m'litaulche d" SA. und SS. zugegeben hat. ovale»us- Die Ausweisung Panthers wird^e'g^^,erstattung in sprach? über die Tätigkeit der Ausla Teutschland noch nicht zu Ende ko,nrnen asi hier zwei«..»'ans-"«!"""-"' «»»Il»u VI«« »rocl charakteristische Auslandsstiminen folgen: ^er«Manchester Guardian" schreibt: Pr<->'i».^rrhalten der Sitlerregierung zur ausländischen Al«-»à bis jetzt das Ausland schwerlich befriedigt haben. Parkt«.« da der Fall des Herrn Loutre vom„Petit Nack, wegen seiner Artikel über Naziausschreitungen teilt Reichstagsbrand. Cr wurde verhaftet und verur- Rcaî»^/"^ddland zu verlassen. Daraufhin gab die französische aus»-..?"? der deutschen Regierung bekannt, daß, wen» er Paria würde, einige deutsche Korrespondenten ans offj,^, vertrieben werde» würden. Cine genaue Zahl wurde oder«• angegeben, aber man nahm an, daß es drei aem«:' cr ,ei" würden. Daraufhin wurde das Urteil zurück- land? m*d Herr Loutre blieb, so viel ich weiß, in Deutsch- • tt" lr do der Fall der zwei russischen Journalisten, die war^^îg- offensichtlich aus dem Grunde, weil sie in Leipzig tuff»* berhaftet und ins Gefängnis geworfen wurden. Tie .Regierung»ahm sich sofort ihrer Tache an und gab tannt, daß alle deutschen Journalisten in ^ s kg» ausgewiesen würden. A geschah, obwohldiedeutscheRegierungöie lukkit*" frei ließ und sich entschuldigte, ivas die a"''we Regierung aber nicht als ausreichend empfand. Ein ab^ scher Journalist wurde zwar nicht verhaftet, wohl h" wurde ein Engländer, der für eine amerikanische Agen- r arbeitete, ins Gefängnis gesetzt und nachher ausgewiesen. * s 3itm Fall Panther äußert sich das große englische «wtt wie folgt: deutsche Regierung hat eine unglückliche Hand bei der »"''♦flung des Herrn Panther, deS Münchener Korre- s,-"denken deS„Daily Telegraph". Herr Panther sandte am Seiiung einen Artikel und diese veröffentlichte ihn »."'."ergangenen Montag. Es war ein Bericht über de» . ,'worsch der 30000 TA.-Leute in Kelhcim vor Hitler. Er uoo an, daß die Reichswehr und die Schutzpolizei auch zu der Demonstration zugezogen wurden: daß Hitler mtt Talut- schlissen aus 21 Kanonen begrüßt wurde: daß in der Nacht vorher die Sturmtruppen„mit geschultertem Gewehr und aufgesteckten Bajonetten" vor Hauptmann Röhm vorbei- marschiert wären: und daß bei der„Revue" 20000 Mann in militärischer Ordnung mit ihren Uniformen und voller Ausrüstung ohne ihre Gewehre aufgezogen waren. Aber cr berichtete auch, daß der deutschen Presse amtlich be- fohlen war, jede Andeutung, die aus den mllitärische,, Charakter dieser Borgänge schließen ließe, zu vermeiden, und vor allem nicht die Salutschüsse, die Inspektion und die Teilnahme der Reichswehr zn erwähnen: ferner, daß nur„harmlose Fotografien" veröffentlicht werden dürften. Offensichtlich ist cS die Enthüllung dieses Geheim- be fehl S a» die Presse, die die Verfolgung des Herrn Panther verursachte. Er wird des Landesverrats beschuldigt, der darin besteht, daß er„Staatsgeheimnisse" veröffentlichte, und ein Staatsgeheimnis ist„jede Tatsache, die nur einer be- stimmten Gruppe bekannt ist, und deren Veröffentlichung außerhalb dieser Gruppe dem Willen der Regierung wider- spricht". Dies ist eine weite Definition, die, wenn sie logisch an- gewandt würde, jede Arbeit der ausländischen Korre- spondcnten in Deutschland unmöglich machen würde. Bis jetzt hat z. B. keine einzige deutsche Zeitung über die Verhaftung des Herrn Panther berichtet oder irgendeinen Hinweis ans den Fall gemacht. Da» muß ans offiziellen Befehl geschehen sein, trotzdem hat jeder ausländische Korre- spondent in Deutschland in der Zeit Nachricht von der An- gelcgenheit gegeben. Tie Haltung der deutschen Regierung beabsichtigt offen- sichtlich, die Korrespondenten davor abznschreckcn, Dinge zn enthüllen, die in der deutschen Presse nicht veröffent- licht werden dürfen. Man hätte annehmen können, daß dies ein bequemer Ans- weg wäre. Denn die deutschen Autoritäten leugnen offen- bar nicht die Richtigkeit der Tatsachen, sonst würden sie keine strasgcrichtlichc Verfolgung einleiten. Aber wenn die Befehle an die Presse richtig wiedergegeben worden sind— und sie sind jetzt, dank den offiziellen Stellen, über die ganze Welt verbreitet worden— warum, so wird die Welt fragen, war es so notwendig, der Presse jede Beschreibung der Demonstration in Kelheim zu verbieten? Und wie steht ein großes Volk da, das nicht einmal von einer Frage höre» darf, von der die ganze Welt spricht. » Deutscher Rüdtziig Berlin» 81. Okt. Der Journals st«nkonflikt zivi- scheu Deutschland und Rußland ist beigelegt worden. Die russischen und dcutschen Journalisten werden ihre Tätig- ieit in Deutschland bzw. in der Sowjetunion wieder aussi den. Auf Anordnung des Senatspräsidenten Bänger wer- den die Vertreter der„Tab" und die Vertreterin der„JSwe- sija" zum ReichStagsbrandstisterprozeß Zulassungskarteu erhalten. Streicher und Anstreicher Amtlich bestätigte Oreuelmeldungl ei^àhkend des deutschen Reiches Kanzler— entsprechend „„.^.früheren Betätigung— bemüht ist, die ganze Welt ». âu.lchmicren, ist sei» Freund Streicher aus Nürnberg venso eifrig bemüht, dieWahr^•—--- * Û f» Ts ni« I{ A f a u S ut ovv:s> dCHilftlCÏ' früheren Betätigung— bemüht ist, die ganze Welt hmieren, ist sein Freund Streicher aus Nürnberg :*-»*«o eifrig bemüht, die Wahrheit über das Heu- .'Se Deutschland zu verbreiten. Er bedient sich dazu keines Wochenblattes„Der Stürmer". So war in 2 r- 41 ein Brief des S S.-S ch a r f ü h r c r s Herbert v» tt e r aus Dortmund, Schwanenwall 4, an den ehemaligen sozialdemokratischen Land r« t H a n s m a n n zn 'esen, und zwar als Antwort aus eine Rede, die Herr Hans- '"an» angeblich über de» Straßburger Sender gehalten "oben soll. Der Brief verrät eine hemmungslose Ge- T"gtuung über Geschehnisse, die abzuleugnen der ^rmentierapparat des deutschen Propagandaministeriunis Wochenlang in heftige Bewegung gesetzt wurde. Wir lassen "'s sozusagen amtliche Bestätigung der im Aueland verbreiteten Greuelnachrichten nachstehend einige Kern- "eklen de» Brieses wortgetreu folgen. Der Brief beginnt:„Herr Landrat a. T., ich habe Sie M>>Mal in einer schwachen Stunde gesehen. Tie erinnern sich vielleicht noch jener denkwürdigen Nacht, als wir Ihnen "'Ittels einer Hundepeitsche„W a s s c r- Pardi Drudtf etiler entlarvt! Setzmaschine bringt es an den Tag r.&fom oft hat ein Druckfehler den Schreiber entlarvt: das kbfose Matertal ist mitunter verläßlicher als der Mensch, der s) benutzt. Deutschlands gleichgeschaltete Zeilenschinder müs- M".schreiben, wie eS ihnen die braunen Menschenschinder be- Molen. Aber der Rebellton der Setzmaschine gegenüber ist irlbst f»ic Hetzmaschine Göbbels ohnmächtig. Da berichtete vor ^'">gen Tagen Mosse's braunes„8-Uhr-Abendblatt" über „grundsätzliche und programmatische Rede" des Reichs- WenmintsterS. Und es geschah in diesem Bericht etwas fürchterliches, weil die Setzmaschine offenbar sich geweigert ^«ben muß, all« Lügen und Verdrehungen widerspruchslos SH. wiederholen. Denn zivei Tage darauf ivar im„8-Uhr- îtbenhblatt" folgende Berichtigung dick und fett in angst- "lullten großen Lettern zu lesen: .„In unserem Bericht in der Sonnabend-Ansgabe über ?'e große Rede des Reichsministers Göbbels hat sich be- oauerlicherwcise ein sinnentstellender Druckfehler ein- llkschlichcn. Reichsminister Dr. Göbbels hat in seiner Rede üicht swie es in unserm Berichte fälschlich hieß) gesagt: *•,.. in Deutschland ist es für immer mit dem K a p t t-r- '> s m il s vorbei"...; sondern diese Stelle hatte selbst- verständlich richtig zu lauten:„... für immer mit dem Parlamentarismus vorbei". ?as Blatt häte nur noch hinzuzufügen brauchen:„Unsere ^eser werden ohnedies erkannt habe», baß es sich um einen FNlcksehlcr gehandelt hat..." Denn es bedurfte, weiß Wo- nicht erst der Entlarvung durch diese Berichtigung. Von "es„Arbeiter"-Führers„unabänderlichem Programm" ist "'cht mehr als eine einzige Berichtigung übrig geblieben. ^«schi wellen" in Ihr verlängertes Rückgrat legten." iVou der Redaktion des Stürmers gesperrt!) Einige Sähe weiter heißt es mit zynischer Offenheit:„Wenn bei dieser Gelegenheit Ihr infolge Sekt und Kaviar auf- geschwemmter Bonzenkörper etwas ramponiert wurde, dann ist das Ihre persönliche Schuld." Und um das Bild zu vervollständigen, fei noch die.unmißverständliche Drohung am Schluß des Briefes zitiert:„Hätte ich aller- dings damals schon gewußt, daß Sie es mit Ihrer Ver- flcherung:„sich infolge geistiger Unterernährung niemals wieder politisch zu betätigen", nicht ernst meinten, dann dürfen Sie versichert sein, daß Sie dann heute keine Gelegenheit hätten, gegen unseren Führer bzw. gegen die deutsche Arbeiterschaft auch über einen feindlichen Sender, Ihrer Kinderstube entsprechend, zn pöbeln." Sehen wir von dem niedrigen Charakter, der sich in diesen Zeilen ausdrückt, und von dem schlechten Deutsch, in dem er ausgeführt wird, ab, und stellen wir ganz einfach fest: das schrieb einer der Kameraden de» deutschen Reichskanzlers, und einer der intimsten Freunde des Reichskanzlers billigte es, indem er eS in seiner Zei- tung veröffentlichte. F. L. Posfkonfrolie dordi NSDAP. Vor uns liegen mehrere Briefe, die aus deutschen Städten nach Frankfurts. M. gegangen find. Die Briefe wurden geöffnet und«vieder versiegelt mit dem Stempel „Nationalsozialiftische Deutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Franksurt a. M.— Holzhausenpark." Mithin liefert die Reichspost deutsche Briese einer Parteigruppe zur Kontrolle aus. Anscheinend hat man es besonders aus Briefe mit jüdisch klingenden Adressen abgesehen. Wo in der Kulturwelt außerhalb Teutschlands ist ein sol- cher Skandal möglich? Steuervergünstigungen- für iDfisdialz und Kindersegen Bei aller Inkonsequenz, deren man die Nazis zeihen kann, muß man ihnen in einem Punkt die unerbittlichste K v n s e q u e n z zugestehen: i» der W e h r h a s t m a ch u n g des deutschen Volkes. Obwohl die regulären Stcuereingänge seit der„nationalen Erhebung" eine bedeutende Einbuße er- litten haben, glaubt man noch a n s S i e n c r n ve rz tch- ten zu können, wenn es sich um die Verwirklichung dieses Zieles handelt. Tie Presse weiß darüber zu melden: „Der R c i ch s s i n a n z m i» i st e r hat einen Runderlaß über den zivilen Lu st schütz herausgegeben, der Steuer» c r g ü n st i g u n g c» für den Ausbau von Maß- »ahmen verfügt, die der Verbesserung des zivilen Lust- schutzes zugute kommen, dessen Ausbau weitestmöglich ge- fördert werden müsse, besonders auch dadurch, daß den- jentge» Steuerpflichtigen geivifse Vergünstig««- ge» gewährt würde», die Miltes für de» zivilen Luftschutz aufwendeten. Die Slcuervcrgünstigung soll für die Ein- kommend- und Körperschastostener gelte». Der Staatssekretär des Reichsfinanzministeriums, R e i n l> a r d t, kündigte in einer Versammlung in S a g a n bedeutende S t c n c r c r m ä ß i g» n g c n sûr Kinder- reiche a». Bei dem für hà nächste Jahr bevorstehende» großen TtcuervcremfachuugHlesctz«verde es bedeutende Erleichterungen»ach st r e n g b e v ö l k c r u n g s- politischen Linien der W i r t s ch a s t geben. Die Einkommenssteuer«verde für s e d e s si i n ö inn 15 Prozent und von fünf Kindern an um 30 Prozent ermäßigt «verde». Steuervergünstigungen für Luftschutz und Kindersegen! Es gibt im Augenblick in der Tat nichts Wichtigeres. W i r könn- ten««»S vorstelle», daß«na» Ttencrvergüiistignnge» für die aussetzt, die den« i n d e r scki» tz gegen«»oralische Vergiftung init den Ideen de» Nev-BarbarisinuS fördern und den Lu ft- fegen auch in die Hinterhäuser der proletarischen Wohn- viertel tragen ivürdc». Aber das«vüre wohl„marxistisch" und damit undeutsch. F. L. Gasschutzschule•< Die Auergesellschaft hat in Oranienburg bisher Lehrgänge für GaSgefahr im täglichen Leben, vor allem Leuchtgas, vcr- anstaltet. Aus den Ankündigungen der neuen Lehrgänge er- gibt sich, daß die Schnle sich nicht mehr mit den Gasgcfahren deS„täglichen Lebens" befaßt, sondern weit darüber hinan? ins rein militärisch GaStechnische greift. Die Räume der Schule sind sehr vergrößert worden, außerdein erhielt sie ein Uebungsgelände»nd eine Luftschutzanlage, also alle« Dinge, die mit Leuchtgasgcfahr im Haushalt nichts zu tun haben. Ein Optimist VcrnOnfflges Urteil Heil Hitler! , u ttg a r t wurde ein SA.-Mann. der Tafel« mit der Ausschritt„Rein nationales Unternehmen" zur Anbringung an Ladentüren vertrieben hatte, teilweise sogar unter Androhung de» Boykotts bei Ntchtbezua zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem«vurde er aus der««. ausgeschlossen. Der Staatsanwalt, der 8 Monate Wahl beantragt hatte, erklärte, daß der Angeklagte durch feilt WtUlSCIlC„ff 0111 Gebaren gegen das nationale Prinziv der Rücksichtnahme auf den Nächsten schwer ae- fehlthalie. Er sucht Recht bei deutschen Richtern Das Kasseler Landgericht fällte gegen den Fach- arzt Dr. Otto Homberger sKassclj, der»tchtartscher Abstammung ist, ein Urteil, das«vegcn seiner allgemeinen Bedeutung Beachtung verdient. Dr- Homberger hatte gegen die„Wirtschaftliche Aerzteveretniguiig" eine Feststellung»- klage erhoben,«veil der zwischen dieser und der Stadt Kassel abgeschlossene Vertrag bestimmte, daß Acrzten nicht- arischer Abstammung die Zulassung zur Behandlung der st ä d t i s ch e n W o h l f a h r t s n n t e r st ü tz u n g s- cmpfänger, Kriegsbeschädigten und Kricgshinterblicbe- neu entzogen ivird. Trotzdem der Kläger cvangc- lisch getauft ist, der S ch«v i e g c r s o h» eines evangelische» Pfarrers ist, und sich im Weltkrieg daß E. K. 1»nd E. St. 2 erworben hat, aber semitischer Ab- skainmung ist, stellt das Urteil fest, daß die Entscheidung der Wirtschaftlichen Aerztevcreinigung zu Recht besteht. Wohl würden die nichtarischcn Frontkämpfer in der Ans- Übung ihres Berufs nicht behindert»nd«vürden auch zu den Krankenkassen zugelassen, aber sie hätte» kclne» Anspruch, bei Vergebung von Dienstleistungen, die durch den Staat oder durch die K o m m u n a l b e h ö r d e n bezahlt«ver- den, Berücksichtigung zu finden- Aus diesen Gründen wurde die Klage abgeiviesen- Neudenfsdics Volksfest Wie Aufmärsche zustande kommen Ein nichtgleichgeschalteter Schrebergärtner ans dein„dm- ten Reiche" übersandte uns folgendes Schreiben, mit den« cr zur Erntedankseier kominandiert«verde» sollte. „Heimstätten-Berein„Eigene Scholle" e. B. Wandsbeck. Hamburg 28, den 27. fl.' 83 W.indsliecterchaiisse« 3JI ll Lieber Gartenfreund! Am Sonntag, den« 1. Oktober, findet das von der Reichs- regierung angeordnete Erntedankfest statt. Nack« Anweisung der Landesgruppe nehmen die Kleingärtner und Kleinsted- ler an dieser Veranstaltung«eil. Kein Mitglied dar« sich ohne triftigen Grund ausschlicße». Begründete schriftliche Entschuldigungen sind rechtzeitig vorder beim 1. Vorsitzenden Rocsner anzubringen. Da eS sich nui eine Veranktal- tung handelt, beteilige» sich die Mitglieder bei uns»nd nicht an de» Veranstaltungen der Partei oder iltZBO. Wir erwarten bestimmt da? Erscheinen aller Mitglieder, damit der Borstal,d und der Verein»ich««vieder so anssallcn«vie bei der letzten Veranstaltung. Mitglieder, welche nicht teil- nehmen, haben sich eventuell entstehende Ungnnebnilichkei- ten selbst zuzuschreiben. Wir treffen uns im Hauptivcg Tchützcnhos bei der Eingangspforte vünktlich um 12 Uhr. Der unten anhängende Kontrollabschnitt ist abzutrennen und mit Namen ausgefüllt abzugeben. Der Vorstand i. A. Ernst Eiemsen." u Der„Mainzer Anzeiger" sNr. 250) schreibt zur Neichstagswahl: ugge ~»Der Steg deS Rassegedankens bedeutet da? Ende des d»i P n r l 0,i® m'' a- Dann wird.auch Juda ausgeschaltet sein bar. i? oi< 4" r Knechtung aller Völker aiiSerwäh» 3l r Fritz Rothakcr in„Deutsche Metallarbeiterzeitung" Diebstahl an Witwen und Waisen Die„Zweite Verordnung zur Acnderung und Ergänzung der Zweiten Verordnung zur Tnrchfübrung deS Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeaintentums" sRGBl. I. S. 678) bestimmt, daß den Hinterbliebenen von Personen, die aus Grund des sogenannten Berufsbeamtengesetzcs aus öffentlichen Diensten entfernt worden«värcn,«venu sie nicht vor Inkrafttreten des Gesetzes gestorben«väreu,„die Hinter- blicbencnbezüge zu entziehen" sind. Und nur darum geht dieser Kamps der koinmcndcii Tage, von dem sich kein Volksgenosse fernhalten darf, wenn er nicht—«vie KreiSleiter Oberbürgermeister Dr. B a r t h es gestern anläßlich einer Besprechung mit Vertretern der Be- Hörden, Verbänden, Konfessionen, Organisationen und Ver- eine aller Art entschieden unterstrich— daSRechtver- l t c r e n«v t l l, sich noch ein Deutscher zu nennen. Das Wort von der„Rotte vo» Menschen, nicht wert, de» Namen Dcutschc zn tragen", stainmt von Wilhelm U. Wie hat er geendet? Deutsche Stimmen•(Beilage zur„Deutschen Freiheit"• éteignisse und Geschichten Freitag, den 3. November 1933 Qcete£iaius hau m dec ùnigcatiou Abends, wenn ich manchmal hier in Prag heimgehe— kann man überhaupt von einem Pensionszimmer»heim- gehen" sagen?—, sehe ich in Gedanken meine kleine Woh- nung am Berliner Breitenbachplay vor mir. Mit schmerz- haster Deutlichkeit vermag ich mir jede Einzelheit auszu- malen. Das weiße Schlafzimmer, den verschwenderisch- großen Balkon, der auf einen weiten, mit englisch geschnittenen Rasenflächen bebeckten Hof hinausging, daS Wohnzimmer in sanftem Goldbraun, das elsenbeinerne Badezimmer, die lustige hellgrüne Küche, die viel zu verrückt war, als daß man darin wirklich hätte kochen können.... Ich sehe die langgestreckte Allee dW'Südwest-Korso. Stehen dort nicht schnurgerade Bäume preußisch im Herbstlaub? Ich fahre mit der Hand über die Stirn. Törichte Bision. Es ist Leina, wo ich gehe. Und wenn ich meinen Blick zur Seite wende, so sehe ich die ersten abendlichen Lichter sich in der Moldau spiegeln. Und irgendwo im violetten Nebel ver» schwimmt der Hradschin... Viele tausend Frauen sind— seit in Deutschland die Republik starb— ihren Männern über die Grenze gefolgt. Die Nachbarländer haben sie aufgenommen. An erster Stelle Frankreich, dann die Tschechoslowakei, die Schweiz, Oester- reich, Dänemark, Holland. Für manche dieser vielen tausend Frauen bedeutet das: Umstellung! Umstellung In jeder Beziehung. In materieller und in geistiger. Vor allem aber in materieller... KS ist nicht unbekannt, daß heute Gat- tinnen einst angesehener deutscher Anwälte als Kellnerinnen in Schweizer Emigrontcn-Lokalen amtieren. Manche Frau Dr. Sowieso verdient sich ein paar Pfennige durch Nähen, Flicken. Ueberhaupt— jener Typ von Frau, der immer Sinn fürs„Praktische" hatte, dem Kochen, Wirtschaften und Rechnen— auch dann, wcnns gar nicht nötig war— so von Evas wegen im Blute lag— er findet sich jetzt am besten mit seinem Schicksal ab. Die sogenannten„tüchtigen" Hausfrauen dachten immer zuerst daran, sich so schnell wie möglich wieder ein Heim zu gründen, die eigene Wohnung aufzubauen. Sogar dann, wenn das materielle Fundament durchaus nicht mehr oder durchaus noch nicht vorhanden war. Mit bewunderungs- würdigem Unternehmungsgeist geht dieser Schlag von Weiblichkeit, dessen Primitivität zugleich seine unzerstörbare Stärke ist, daran, sich„einzurichten". Wie das praktisch ge- macht wird? ES ist nicht so schwer, wie mancher vielleicht glaubt. Freunde finden sich, hilfsbereite Stellen, die eine billige Wohnung vermitteln Helsen. Und die ersten, wichtig- ften Möbelstücke. Viele dieser Frauen wirtschaften heute in Prag und in Paris, in Amsterdam und Kopenhagen mit einem Etat, dessen Niedrigkeit nicht zu beschreiben ist. Und dennoch kommen sie durch. Irgendwie. Es sind tapfere Frauen. Sie stehen mit beiden Füßen fest aus dieser Erde und fühlen sich überall auf ihr„Hausfrau". Schwerer haben es die intellektuellen Frauen. Die geistig und künstlerisch Schassenden. Die sensibler sind, weil sie das schmerzliche Erlebnis der Entwurzelung, das Hinausgerissensein aus leidenschaftlich geliebter Tätigkeit nicht mit jener Robustheit überwinden können wie die anderen. Für die Schriftstellerin, die Aerztin, die Malerin, die Anwältin bedeutet die Umstellung oft eine qualvolle Zeit. Für manche ist sie heute noch nicht beendet. Doch dann aber, nach vollzogener Ueberwindung, ist gerade die intellektuelle Frau diejenige, die am ehesten, infolge ihrer geistigen Be- weglichkeit, sich neuen Menschen anschließt, sich einen neuen Freundeskreis schafft und so, auf dem Umweg über den international beheimateten Intellekt, sich selbst sowie daS eigene schöpferische Erleben wiederfindet. Die Frage des Wobnens löst dieser Tup von Frauen in Pensionen und möblierten Zimmern. Daß sie auch hier sich ein Zuhause schaffen wollen, merke ich, wenn ich meine Bekannten auf- suche. Wie vertraut ist mir in jenem Zimmer der„blau- grüne Japaner" im blühendsten Impressionisten-Stil. Wie vergnügt werde ich, wenn ich bei der anderen das aus vielen Jahren wohlbekannte Grammoson erblicke, dessen Klänge mir manchmal schon auf dem Korridor entgegenwehen. Intellektuelle Frauen kochen nicht gern. Doch sie haben aus ihrer Bohemezcit das Talent in die Emigration hinüber- gerettet, mit Hilfe von Eiern, Schinken, Tee nebst Toast- röster, Tomaten, Schnittlauch und Gurkcnscheiben fantasie- volle und abwechslungsreiche„Dejeuneurs" zu bereiten. „Gott," sagte mir neulich eine frühere Aerztin,„ich bin direkt noch mal jung geworben. Wie konsolidiert lebte ich zu Haus mit Praxis, Wohnung und Mann! Jetzt haben wir nur ein Zimmer im fünften Stock, und so traurig es ist— wenn ich dort hinauspilgere, ist mir manchmal zumute wie damals, als ich eine kleine Studentin war und in Berlin eine win- zige Bude am Olivaer Platz bewohnte." Diese Frauen fangen sich auch jetzt, in ihrem entbehrungs- reichen Leben, immer noch ein bißchen tägliches Glück. Schwerer haben es die Kinderreichen ober solche, die in den Kollektivwirtschaften der Flüchtlingsheime leben. Neulich saß ich mit einer solchen Frau zusammen, die mit ihren drei Kindern ihrem Mann hierher gefolgt ist. Sie haben vor- läufig kein Heim. Mann, Frau und Kinder, jeder wohnt woanders. Die Umschulung macht Schwierigkeiten, die fremde Sprache, die den Kindern nicht geläufig ist, schüchtert sie ein. Ihnen fehlen die einstigen Spielkameraden, die gewohnten Straßen und Plätze. Gewiß— Kinder sind meistens anpassungsfähiger als Erwachsene. Doch eine Zeit- lang wird es dauern, bis auch sie sich an die neue Heimat gewöhnt haben. Bis dahin leiden sie unter den ungewohnten Verhältnissen. Die Mutter merkt es, leibet mit ihren Kindern. Diese Frau sah müde und traurig aus, und meine Trostworte vermochten nicht, sie aufzuheitern. Sicher ist, daß ältere Menschen schwerer unter der Emigration und all ihren Begleiterscheinungen leiden als jüngere. Die Aelteren sind skeptisch. Sie erwarten nichts mehr von der Zukunft. Wenigstens nicht kür sich. Die Jungen hingegen— erwarten alles. Und der Sinn ihrer Emigration, ihres Lebens über- Haupt, heißt: für ein neues besseres Morgen kämpfen! „Die Wahrheit". tUte(Dichterin und das„dritte Reich" „ts ist mit(Bayhott zu rechnen" Aus einem Brief vom 19. Oktober 1938 des E n g e l h o r n- Verlages(Stuttgart) an Hermynia Zur Mühlen: ... Das„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" ver- öfsentlicht in seiner Nummer vom 19. Oktober, die uns jetzt erst vor Augen kommt, einen Artikel über literarische Emi- grantenzcitschristen und erwähnt dabei auch die„Neuen deutschen Blätter" sMonatSzeitschrist für Literatur und Kritik, erscheinend im Faustverlag, Prag, Wien, Zürich. Paris, Amsterdams. Unter den Mitarbeitern sind auch Sie genannt. In der Ankündigung des Blattes heißt es: Die „Neuen deutschen Blätter" wollen der Weltöffentlichkeit den Nachweis dafür erbringen, daß die deutschen Schriftsteller von Rang fast ausnahmslos entschiedene Gegner des„drit- ten Reiches" sind. Selbstverständlich hat diese Mitteilung starke EmpS- rung ausgelöst, und die Gegenwirkung kann nicht aus- bleiben, denn Deutschland muß um der Wahrheit und auch um seiner Selbsterhaltung willen gegen derartiges unbc- dingt sich zur Wehr setzen. Der Buchhandel wird in dem be- treffenden Aussatz aufgefordert, für die Bücher der Autoren, die an diesen ausgesprochen deutschfeindlichen Zeitschriften mitarbeiten, nicht zu arbeiten: ja an andrer Stelle wird eine solche Arbeit direkt als Landesverrat bezeichnet. Dies ist auch ganz logisch,' bei dem Existenzkampf, in dem wir uns heute befinden, ist es vollkommen unmöglich, zuzu- lassen, daß die moralische Widerstandskraft von der geistigen Seite her durchlöchert wird. DaS Volk hat aber kein andres Mittel, sich dagegen zu wehren, als eben das geschilderte Druckmittel. Es ist daher unbedingt mit einem Boykott beS„Riesen- rüdes" zu rechnen, und es wirb Ihnen auch nicht ge- lingen, einen Roman in deutschen Zeitungen nnterzubrin- gen, wenn Sie nicht sofort eine Erklärung hinausgehen lassen, daß Sic ihre Mitarbeiterschait an der Zeitschrift „Neue deutsche Blätter" zurückziehen. Sie würden sich dabei nichts vergeben, sondern sich im Gegenteil in bester Gesell- schaft befinden: auch der Name von Thomas Mann, Alfred Döblin, Rene Schickele und Stefan Zweig ist zum Beispiel von Klaus Mann in der von ihm herausgegebenen„Sammlung" mißbraucht worden, und die sämtlichen vier Genannten haben sofort, als ihnen der politische Charakter der Zeitschrift deutlich wurde, in einer unumwundenen Erklärung ihre Mitarbeiterschaft wider- rusen und'ich von der Zeitschrift distanziert. Diese Er- klärungen sind ebenfalls im„Börsenblatt" abgedruckt wor- den, also authentisch. Wir möchten Ihnen also anheimstellen, daß Tie sofort eine derartige Erklärung an die Schriftleitung des Aece, Sale, Salus. Aecea... Europa plätschert noch im Genfer Tümpel» mit leicht erregtem, zierlichem Geschrei. So kämpfen Knaben um den schönsten Wimpel.«« Doch eines Tages ist der Spaß vorbei. Indes Herr Göbbels just vom Frieden flunkert» besorgt in Mottos gläubig Auge blickt— wird in Berlin das letzte Oel gebunkert und ein Geschwader in die Lust geschickt... „Ahoi!" Und Hitler wiukt gelasse« römisch zum Start-Triumph der deutschen Wissenschaft. Denn endlich— praktisch, technisch, biochemisch shöchst akademischîj— ist„das Ding" geschafft! Wer hätt's gedacht: zwei Jahre Friedenscredo schluckt die Geduld! Jetzt— Dunnerschlag— Tumult! Als Gruß zuvor befiehlt er ein Torpedo vom ersten Stratosphärenkatapult. Das weiß den Weg zur wahren Welterlösung: hinwegradiert das welsche Mauscheldorf! Und mitten in die zwölfte Friedenslesung fällt das Geschoß— und alles ist amorph!... Mit einem Schuß enthauptet ganz Europa!... Doch unser Göbbels, nein, war nicht dabei, saß längst mit seinem Clan in der Mitropa... Doch durch Paris und London läuft ein Schrei: Auf, in die zeitgemäßen Katakomben— der Himmel surrt von Görings Fliegerpack! Sie preschen Giftgas! Gott, und was für Bombe«! Frau Holle schmeißt Bazillen aus dem Sack... Nun ist's vorbei. Europa liegt verödet. Nur in Berlin thront noch ein Dschingis-Chan. Für die Minister, die indes verblödet, baut er in Gens den neuen Vatikan... Hans Müh le st ei«. ?leue schwätze£isteu Auf der neuen schwarzen Liste für den deutschen Buchhandel befinden sich auch Werke von Heinrich Heine. Ferner ist die psychoanalytische ünd sexualwissenschaftliche Literatur ver- boten, vor allem die Werke von Sigmund Freud und Mas' nus Htrschfeld. Während die Werke, die auf der ersten,«« Frühjahr herausgekommenen schwarzen Liste standen, z»w Teil im Buchhandel unbeanstandet weiterverkauft wurden, soll die neue schwarze Liste für den Buchhandel bindend Sie enthält auch sämtliche Werke von Egon Erwin Kisw' Lion Feuchtwanger, Kurt Tucholsky? von Werfel ist nu „Barbara" freigegeben: Upton Sinclair und Traven stehe« mit einer Anzahl ihrer Bücher aus dem Index- Zeit=7latizen „Börsenblattes"(„Börsenblatt für den deutschen Buch- Handel", Leipzig C 1, Schließsach 274 73) oder aber an die Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums(Ber- lin N 34, Oranienburger Straße Nr. 79) abgehen lassen. Sie schädigen sich durch derartige Schritte wie diese Mit- arbeiterschast selbst, ebenso auch uns, vor allem aber das Reich. Die Antwort An Tit. I. Engelhorns Nachfolger, Verlag in Stuttgart Sehr geehrte Herren! Zu meinem Bedauern komme ich erst heute dazu, Ihren Brief vom 19. d. M. zu beantworten, aber nicht etwa deshalb, weil ich mir betreffs meiner Antwort unschlüssig gewesen wäre, sondern weil mich eine schwere Erkrankung an einer sofortigen Beantwortung verhindert hat. Da ich Ihre Ansicht, das Tritte Reich sei mit Deutschland und die„Führer" des Dritten Reiches seien mit dem deutschen Volke identisch, nicht teile, kann ich es weder mit meiner Ueberzeugung noch mit meinem Reinlichkeitsgefühl vereinbaren, dem unwürdigen Beispiel der von Ihnen an- geführten vier Herren zu folgen, denen scheinbar mehr daran liegt, in den Zeitungen des Dritten Reiches, in dem sie nicht leben wollen, gedruckt und von den Buchhändlern des Dritten Reiches verkauft zu werden, als treu zu ihrer Vergangenheit und ihren Ueberzeugungen zu stehen. I ch ziehe dieser„besten Gesellschaft" die Soli- darität jener vor, die im Dritten Reich um ihrer Ueberzeugung willen verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder„auf der Flucht" erschossen werden. Man kann Deutsch- land und dem deutschen Volke keinen besseren Dienst er- weisen, als das Dritte Reich, dieses zur Wirklichkeit ge- wordene Greuelmärchen, zu bekämpfen, und daher kann dieser Kampf logischerweise von niemandem, der mit dem deutschen Volke und der deutschen Kultur wirklich verbunden ist, als deutschfeindlich bezeichnet werden. Was aber den Vorwurf des Landesverrates betrifft, wen» mir schon dieses pathetische Wort gebrauchen wollen, so würde ich als Oester- reichen», nach dem Verhalten des Dritten Reiches Oester- reich gegenüber, dann Landesverrat begehen, wenn ich mit meinen bescheidenen Kräften das Dritte Reich nicht be- kämpfen würde. Ich bitte Sie, diesen Brief an die Schrift- leitung des„Börsenblattes" und an die Retchsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums meiterznleiten. Hochachtungsvoll Hermynia Zur Mühle«. Die Kunst stirbt Ta» Theater am Nollendorsplatz ist zusammengebrochen. T»s Berliner Komödienhaus mußte wegen vollkommenen Besucher- mangel» schließen. Tie Groß« Berliner Kunstausstellung richte «inen Notappcll an die Bevölkerung Berlin» um Besucher. D«« Eintrittspreis beträgt 10 Pfennig. Karl Marx„arisch geschlagen" Im„Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" wird„Der zur Kraft" von Walter Claassen-Lubiau folgendermaßen angezeigt! „... es ist ein arisches Gegenstück zu dem verlogenen jüdische» Werk„DaS Kapital" von Karl Marx und zugleich ein Groß- angriff gegen den Marxismus in allen seinen Schattierungen.•• Es ist geradezu«ine Höllenwanderiing, die wir mit ihm antreten. Der Kitsch blüht „Die Durchführung de» Gesetze» zum Schutze der nationalen$9®' bole," schreibt der„Völkisch« Beobachter",„schreitet in der Praxi» rüstig voran... Zugelassen wurde zum Beispiel ei« Hakenkreuz- National-Gcsellschaftsspiel, ein sogenanntes Brettspiel, bei dem kleine Holzsteine auf die in Form eine» Hakenkreuzes gestaltet« Unterlage kommen. Auch Figuren, SA.- und SS.-Männer, nebst Beisigurcn einschließlich einer Darstellung des Herrn Reichskanzlers als Obersten SA.-Führer wurden zugelassen." Berufungen Die hebräische Universität in Jerusalem hat Pros. H- Torczyner(Berlins als Professor für hebräische Sprach«. Prof. Julius Guttmann lBerlins als Professor für®«' schichte der jüdischen Philosophie, Prof. Adolf Frankel (Kiel) als Professor für Mathematik berufen. Bastoren sehen uns an: O. Langmann(„Deutsche Christenheit I« der Zeitenwende"!: „Christentum und Nationalsozialismus haben sich wechselseitig zu dienen." Heinrich Meyer(„Wie stellst Du Dich, deutscher Christ"! meint: UnS bestimmt da» Bewußtsein,„daß der Nationalsozialis- mn» zur Rettung uns geschenkt wurde". F. Tügel(„Unmögliche Existenz!"!:„Wir schulden dem totalen Staat das total« Wort GetteS." Bust Di« deutsche Akademie der Dichtung hat Bernhard Ruft zu seinem Sst. Geburtstag eine Mappe überreich», in der jede« einzelne Mitglied durch einen Spruch oder VerS dem Minister seine Glück- wünsche ausspricht. Bin deutscher Professor Herr C. Weftphal stell» in„Bergangenheit und Gegenwart" (S. 469—81) Hitler über Bismarck, denn sein„Machtgedanke" Hab« seelisch nicht ausgereicht,„um die uralten deutschen Entzweiungen aufzulösen". Paris EDA, Für 15 Fr. monatlich stehen Ihnen 3000 moderne deutsche Bücher zur Verfügung D•■«■cb• Leihbücherei tOe BUE BiOMCHi 1Q O(Trinité) Q Pariser Berichte DflS llrtdl im OClSte fl®rOS^ Weri|chen Schwerem wegen Morde, frei. Der zum Tode verurteilte Sarret in ise"■ e* t j Besprochen, aber für jede 10 Jahre£wa g Mr-en-Provence. a. November. Die Prüfung bet»wei Schris'tMck^ Imül ÄScäS csraftfnkalrndfr »ä S' ÄCff: f"« sV«'." jsbWS s«Pariser Sir aOenKaienaer ch-n Erkennungsdienstes in Marseille laßt d.e Fragen Diesters Sbambon und,^ Magali wurde yt'&tsszjr*.»-, v&ff&sü Sr Adlernase und scharfen schwarzen Augen. Er spricht vi tcibtgungsrede^ von und unterstreicht jede seiner Silben. klassisch:»Die Die ersten Worte des Staatsanwalt» s Philomene Namen von Georges Sarad,ani. Katharina uno v» Schmidt/ so beginnt er.„stehen von setzt an im Vervrecye Noch nie dagewesen in Paris Die Schneider von Ortncll- früher Lieferanten der großen Parlier Magasins dlpl. Schneider 1♦, rua dt lourmel, Metro Duplelx, Telefon Segur 15-01 teilen Ihrem großen Kundenkreis mit, daß sie sich entschlossen haben, die großen Geschäfte nicht mehr eu beliefern und verkaufen ihre gesamte Fabrikation an Pi ivatkunden. Sie profitieren dadurch die billigen Preise und außergewöhnliche Konditionen legen Sie-elbift Damenmantel mit Pelzkragen, versch. Farben, 11# Fr. Mäntel ohne Pelz bedeutend billiger- Derselbe Preis auf Bestellung Verkauf nur Sonnabends von 14-20 Uhr und Sonntags von 8-20 Uhr Besuchen Sie unsere Ateliers täglich Unzufriedene erhalfen dai Geld zurück blich. »0h freigesprochen. Die größte Ucberraschung ist, daß die beiden bäuerischen Schwestern Schmidt wegen Mordes oder Mittäterschaft oder Beihilfe am Morde völlig freigesprochen wurden. Dagegen wurden sie wegen Versicherungsbetrugs und Urkundenfälschung zu 10 Iahren Zwangsarbett verurteilt, und zwar gleichmäßig, Philomene wie Katharina. Mildernde Umstände wurden ihnen zuerkannt. Diese» Urteil scheint das Spiegelbild der Rebe des großen Verteidigers zu sein. Moro hatte in seinem herrlichen Plaidoyer gesagt:„Vernr- teilen Sie die Schwestern eine wie die andere. Ich habe nicht den Mut, Ihren Freispruch zu verlangen. Aber ich will da» Maß ihrer Schuld abwägen.... Sie waren passiv, sie waren leicht, passiv— ihre Barke folgte dem großen Schiff. Aber Mord, Tötung, Gewaltsamkeit— nein!" Weiter hatte Moro die Anklage der Vergiftung der Magalt,„dieser Entzückenden, deren Name schon wie Gesang ist", abgelehnt. Moro hat wahrscheinlich auch die Aeltere vor ewigem Zuchthaus gerettet) er sagte:„Ich begreife, daß Sie bei der Wahl zwischen der Häßlicheren und der Schöneren für die Schönere sind. Aber mein Her» schlägt für beide. Philomene ist auch deswegen hilfsbedürftiger, weil sie Mutter ist, eine Mutter, deren junge Tochter Sarret mit in den Strubel reißen wollte. Haben Tie Mitleid mit den Opfern, ersparen Sie den Verführten die Zelle der LebcnS- länglichkeit!" Die fünf Nebenangeklagten wurden alle freigesprochen: Der Dr. Guy, Stadtrat von Marseille, der den Totenschein Magaliö ausgestellt hatte. Der Koch Lusse aux, die Makler Brun und Siotis, die Sarrets Helfer gewesen sein sollten. Und Sarrets junge, bedauernswerte Tochter Aimee, die der entsetzliche„Papa", wie das Kind ihn nannte, durch Berschreibungcn von Gelbsummen in die Affäre hin- eingezogen hatte. Sie ging in tiefer Trauer über das Ge- schick ihreS Vaters hinaus. Sarret hatte nichts mehr erwartet. Er nahm das Urteil in finsterem Schweigen aus. Gr hatte fast aus jede Vertei- digung verzichtet und nur zum Schluß, als er das„letzte Wort" hatte, um die Milde des Gerichts gebeten. Die furcht- bare, wie Keulen schmetternde Anklagerede deS Staats- Modell eines gigantischen, tili)» Meter hohen„D«r«ß «ÖSW die Internationale Abstellung 1987 in Paris wird an der Porte de Versailles gezeigt. sDer Eissel- türm ist bekanntlich»»» Meter hoch.» a n w a l t s, der„das Haupt dieses Mörders" gefordert hatte, hat ihn vernichtet. Katharina hatte weinend die Geschworenen um Gnade für sich und ihre Schwester an- «Ureter ein wahrhafte» Grab.„Der schwarze Mantel ü«sleht. und den Hut. den Philomene in der Maske ihrer trauernden Den Geschworenen waren 174 Fragen vorgelegt. Nach dem ^9rnen Mutter bei der Einkassierung der 1,7 Millionen Urteilsspruch wurden S arret u"d die Schwestern Franke,, trug, hat nachher Madame Jarret als Trauer- allein vorgesührt.«arret empfing die Gewißheit^nrch eine Geste seines Verteidiger», Er schwieg. Die Schwestern trug, hat nachher Madame Sarret als Trauer- Keldung getragen.„Sie sehen, meine Herren, dieser«arrei verschmähte auch kleine Gewinne nicht..." ^--Dieser Sarret ist ein Lügner, er hat gelogen, die arme U'iagali nicht zu kennen, er hat immer gelogen... .»Was den Dr. G u y angeht." fuhr dann der Staatsanwalt ,"àer uns fünf Dokumente über den Tod der Magalt redeten aufgtttgt in deutscher Sprache auseinander ein. Der Strafrahmen für die Schwestern lag zwischen 5 und 10 Ighren Zwangsarbeit, evcntl. sogar nur zw!,che« 2 und r) Dohren Gesängni». Der Staatsanwalt beantragte die ., r J kjîïbs ä '"-gen ist... j,«u» der Ankläger von dem Doppelmorb in der einsamen •Ha sprach, bezichtigte er Sarret so schwer, daß dieser da» '^U'lpt senkte. stellte acht Beweise für vorbedachten Mord fest, "^ie einsame Villa," schrie er,„war ein S ch l a ch t h a u»." ^.Eiirchtbar lebte die Szene mit dem Vttriolbade in den KUitcn dieses Anklägers auf:„Herr Rechtsbera'-'r."* (UpflÇi, Herr politischer Kandidat mit dem Benehmen des «„Mäftsmanns, da krempelten Sie Ihre Aermet hocy uno -„uien die Eimer, die die Mädchen draußen leerten... Ich '°^cre das Haupt dieses Mörders!..." Todesurteil, das allgemein erwartet wird, dürfte S Nacht zu Allerheiligen fallen. Gegen die Schwestern o 7 m i d t werden hohe Zuchthausstrafen erwartet, aber ^aihartna dürfte milder als die ältere beurteilt werden. Gl- ôcn£ 1 f Verteidigern tritt wieder Moro- f»„»'îrri besonders hervor. Die Geschworenen einfache Biirgcr und Bauern. e„l?urch die Straßen von Aix eilt das Gerücht, Sarret habe «'M er werde im Falle seiner Verurteilung noch neue brechen eingestehen, und die Schwestern würden auch ihr Teil abbekommen... fl>?r. öcm letzten Bilde, das wir sehen, blickt Phllomen« ,t"!i gerade aus, Katharina, die Hübschere, die Wei- ® n&«, schaut die Geschworenen an!— Villa Montmorency billig z. vermieten, große u. kleine mäbl. Zimmer. Alle Bequemlichkeiten. Garten, nach Wunsch Pension. 29. Avenue des Tilleuls(Auteuil) Poulef-Konxerte (Thaatre Sarah-Bernhard*) den\ Nov. um 17.30 Uhr unter der Lei» Ni?. Von Emi-Ie Cooper und Mitw rkung von Von R OriOtl Roaaiachea Muaikfeat t?. bymphon e 5 Q 0° r odine, ,.Zau eraee" und„Kuimora'' von Liadott. Nir Klavier, von Rachmamooff, ,,Bilder von Mu*, Rue Ltttrej, bet dem nur emigrierte deutsche Künstler auftreten Auf dem Programm stehen die Melody Artists, u. a. mit G'schichten auS dem Wiener Wald unb Potpourri. Alice Jausen vom Breslauer Stadtthcatcr bringt Schlager. Walter Lindenberg singt. Ferner treten ans Erika Motulski, Hella Sortent iStädt. Oper Berlins, Ruth Prasset, Dr. Hans Kainz. Karten nur an der Abendkasse für 1K Fr. Tanz. Orchester Berbuto. Tombola. 80 Prozent des Tombolaerlöse» uud 50 Prozent der Eingänge einer amerikanischen Versteigerung werden einer Flüchtlingskaserne zur Verfügung gestellt, die anderen 50 Prozent sonstigen wohltätigen Zwecken. 80 ver- billigte Karten zu 8 Fr. werden Stellungslosen vorbehalten. Abend- oder Straßenanzug. 14 rr Agentur der Deutschen Freiheit in Strasburg sieben wir überfragen Herrn Wilhelm Hofmann Strasburg, Rue Sedillot Nr. 10 Austrüge für Inserate, Abonnements usw. bitten wir dort abzugeben. Auch werden alle Auskünfte erteilt. 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Vor vier Tagen haben die Nationalsozialisten aus An- Weisung der Berliner Zentralstellen der nationalsozialistischen ^eyschen Arbeitsfront für das Saargebiet mit Hilfe der reft- los gleichgeschalteten gelben und ehemals christlichen Gewerk- schalten in Anwesenheit des schwarz-weiß-roten Unternehmer- tu ms, der hitlerdentschcu Handelskammer und ähnlicher gleichgeschalteter Institutionen die„deutsche Gewcrkschafts- front" an der Saar ausgerufen. Daß es sich dabei um eine den be st ehe n den Gesetzen des SaargebieteS wider spreche»de Organisation handelt, die das willenlose Werkzeug der Berliner Jaschrstenbefehle ist, liegt ebenso klar zutage wie die Tatsache, daß diese söge- nannte„deutsche Gewerkschaftsfront" eine typisch gelbe, unselbständige, unter Nazidruck zusammengeschweißte und diesen Druck mit Unternehmerunterstützung an die nicht- gleichgeschalteten Arbeitnehmer weiterleitende Abstimmung»- organisation ist. Gestern haben die freien G e w e r k s chasten des Saargebietes daraus die Antivort er- teilt, indem sie die„Freie G.e m e r k s ch a s t s- front" derSaar in zw^Entschließungen zur politischen und wirtschaftlichen Lage her- ausgestellt und sich klar und scharf gegen allen Hitlerterror abgegrenzt haben. Unter erneutem schärfstem Protest gegen die terrori- sterende Vergewaltigung der freien Gewerkschaften in Hitlerdeutschland erklärten sich die freigewerkschastlichen Berufsverbände des SaargebieteS als selbständige Landesorganisation zur Weitersührung des Erbes freigewerkschastlicher Arbeit im Kampf um Friede, Freiheit und Menschenrechte. Wörtlich heißt es in der politischen Entschließung: „Die freien Gewerkschaften des Saar- gebiete» sind mit der internationalen Arbeiterschaft in allen europäischen Staaten ein Hort des Friedens. Der Austritt Hitlerdeutschlandsaus dem Böl- kerbund hat diesen sehnlich st erwarteten Frieden in Frage gestellt«nd die sttr uns so bedeutsameSaarsrage einem völlig un- gewissen Schicksal überantwortet." Mit Recht verlangen die freien Gewerkschaften die Heraus- gäbe der ihnen widerrechtlich durch Hitler vorenthaltenen, durch Saararbeitcr und Saarangestcllte mitaufgebrachten Vermögensanteile der freien Berufsverbände, und erklären zugleich, daß sie mit allen Freigesinnten des Saargebietes den Kampf um die Freiheit des Saargebietes unbeirrbar und entschlossen zu Ende führen werden. In einer Entschließung zur wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Situation protestiert die freie Gewerkschaftsfront schärfsten» gegen die Mißachtung und dauernde Verletzung der vertraglich und gesetzlich gewährten Koalitionsfreiheit. Wörtlich heißt es darüber in der Eni- schließung: „In einer Anzahl Betriebe wird unter dem schärf- sie» Terror der Arbeitgeber und ihrer Beamten die sreigewerkschaftlich organisierte Arbeiter- und Angestelltenschast zum A n s t r itt aus ihrer Berufs® organisation genötigt. Der Zwang zum Eintritt in den Notring oder ähnlichen nationalsozialistischen G®' bilden, das Verlangen des Hitlergrußes im Betriebe»" die Beeinflussung der Jugend zum freiwilligen Arbeits« dienst sür Hitler sind unerhörte Zwangöman nahmen in den gleichgeschalteten Ät® trieben." Von der Regierungskommission verlangt die Entschließung den gesetzlichen Schutz der Arbeit, die Milde* rung des Arbeitslosen- und Kurzarbeiter* e l e n d s, die R e g l u n g der Arbeitszeit und die An- und Verkauf zentraleuropSinchnr und tQdarnnrlkanl- «cher Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles 5 P. Michel 34 RUE LAFFITTE TELEFON TAITBOUT»8 PARIS 40 BIS IX 48 bereits seit Jahren geforderten sozial- und arbeits-. rechtlichen Verbesserungen. Die Entschließungen wurden seitens aller erschienenen Berufsverbände einstimmig angenommen und dann be- schlössen, demnächst in einer großen Kundgebung der„Freien. Gewertschaftsfront" des SaargebieteS in die breitere Oeffcnt lichkeit zu treten. Die Tagung s e l b st war eine einzige geschlossene Absage an alle Gleich schaltungsversuche und ein ungebrochenes Bekenntnis zur Freiheit an der Saar. M. B. Inseratenmonopol in Bayern Amtliche Bekanntmachungen„haben in erster Linie i n einer nationalsozialistischen Tageszeitung des Bezirks und, wenn eine solche nicht vorhanden ist, in einer Zeitung zu erfolgen, die schon früher die nationalsozialistisch® Bewegung nicht bekämpft hat". lGBBk. S. 299.) Für den Gesamlinhalt verantwortlich: Johann P t tz In Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. RotattonsdrNu und Bei lag: Verlag der Vollsstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schützenstraße 5. Dr. A. Sliosberg INNERE KRANKHEITEN 16, r.(nie* Claréti®. Ecke 40. Bd. Emile Angler PARIS( 6). Métro: Muette. Troc. 22.04 Mittwochs und Freitags von 2— 4 Uhr und nach vorheriger Anmeldung Tél. Trinité 43*13 Métro: Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de U Rochefoucauld ») Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanato» numsgebäude. Die aller modernste Einrichtung c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten Ordination täglich von 9-12 und 2 8; Sonn- d) Zahnärztliche* Kabinett /.ihn- und Mundchirurgie und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr