Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 117— 1. Jahrgang Saarbrücken, SonntagjMontag, 5.|6. Nov. 1933 Chefredakteur: M. B r a u n cfCakenkceuz am Tuvidslecn Seite 2 Timitcaff. deichet den ObecceichsanuxaCt Seite 3 Briefe uteeden gestahten Seite 3 tchte Christen gegen deutsche Christen Seite 5 The!Bauecn ecuxacfien Seite 8 Goring tor Jem RtKHsfitrMU Dimitroff in letzter Stande zugelassen Minister und Gesandte als Zuhörer- Göring fohl gegen„rotes Gesindel" und„rote Stroidie" wtb. Berlin, 4. Nov. Aus Anlak der Zeugenvernehmung »es preußischen Ministerpräsidenten Göring ist die Kon- »rolle für den Zutritt zum Reichstagsgebäude erheblich ver- schärft worden. Die ganze Umgebung des Reichstagsgebäu- ist mit starken Polizeiposten besetzt. Die allgemeinen Dauerzuhörerkarten haben heute keine Gültigkeit, sie sind e« Inhabern gestern am Schluß der Sitzung abgenommen worden. Trotzdem ist der Andrang zur heutigen Verhandlung außerordentlich stark, da eine große Zahl besonderer ^uhörerkarten ausgegeben worden ist. Der Zuhörerraum ^at sogar noch eine Erweiterung erfahren dadurch, daß die drei Stuhlreihen für Zengen in der Mitte des VerHand- sungssaales um zwei Reihen mit reservierten Stühlen er- aänzt worden sind. Die fünf langen Prestetische sind im Gegensatz zu den letzten Verhandlungstagen wieder über- mllt. Auch die Photoberichterstatter sind zahlreich vertreten, dagegen finden Filmausnahmen nicht statt. Die Zeugenliste für die heutige Verhandlung ist außer- vrdeutlich umfangreich. An erster Stelle wird Minister- Präsident Göring genannt. Es folgen dann 13 weitere Zeugen zum Komplex der bulgarischen Angeklagten, die größtenteils auch gestern schon geladen waren. Reichs- Minister Dr. Göbbels ist noch nicht geladen. Angesichts der Bedeutung der Aussage des Ministerpräsi- »enten für alle Prozeßbeteiligten ist der Angeklagte Dimitroff, der gestern für drei Tage ausgeschlossen worden war, ausnahmsweise für die heutige Verhandlung wieder zugelassen worden. Unter den zahlreichen prominenten Zuhörern, die der »eutigcn Verhandlung beiwohnen, befinden sich auch der Amerikanische Botschafter, Reichswirtschaftsminister Schmitt, °er preußische Justizminister Kerrl und sein Staatssekre- wi Dr. Freister, der Reichsjustizkommissar Dr. Frank, der preußische Kultusminister Rust, Siaatssekretär Körner, Major Renzetti von der italienischen Botschaft Und weitere Vertreter der a u s l ä n b i s ch e n Missionen, »cr Berliner»'-lizeipräsident v. Lewetzow und der Pressechef per preußi'^-n Staatsrcgierung, Oberregierungsrat Soin- Merfeld. * Die Verhandlung beginnt mit erheblicher Verspätung erst «m 10.18 Uhr. Ministerpräsident Göring ist im Saal noch uicht anwesend. Der Vorsitzende eröffnet die Verhandlung Mir folgender Erklärung: Aus der Tagesordnung steht heute Me Vernehmung des Herrn Ministerpräsidenten und Reichs- wgsvräsidentcn Göring als Zeugen. Bei der Wichtigkeit die- str Zeugenaussage hat der Senat geglaubt, die über den An- geklagten Dimitroff verhängte Strafe des Ausschlusses für °en Kompler dieser Vernehmung ausheben zu sollen. Timi- îroff ist demgemäß heute vorgeführt worden. Tie übrigen Zeugen werden bis nach der Mittagspause Atlassen. Dem Angeklagten Dimitroff wird Kenntnis gegeben von den Vorsängen, die sich in der letzten Sitzung Nach seinem Ausfluß noch abgespielt haben. Dimitroff Wünscht eine Erklärung abzugeben. Der Vorsitzende erklärt, °aß er an sich das Recht der Erklärung verwirkt habe, er wolle ihn aber sprechen lasse». Dimitroff erklärt, er wolle Unterstreichen. daß er schon in Leipzig gesagt habe, daß er niemals im Gebäude der Roten Hilfe ge- w r s e n s e i. In diesem Augenblick erscheint Ministerpräsident Göring «nd der Vorsitzende ersucht Dimitraii. seine Erklärung spä- ter fortzusetzen. Ministerpräsident Göring erscheint in ein- facher branner Unisorm, ohne jegliche Abzeichen. Er wird von den Prozeßbeteiliaten und sämtlichen Anwesenden mit dem Deutschen Gruß begrüßt. Tenatspräsidcnt Bünger führt aus: Der Obcrreichs- Mlwalt hat Sie, Herr Ministerpräsident, und den Herrn äieichsminister Dr. Göbbels als Zeugen benannt und hat d?bei ausgeführt, daß man Ihnen nicht das Recht versagen tonne, sich über die Verdächtigungen und Verleumdungen. °>e von gewisser Seite im Auslände, insbesondere im söge- wannten Braunbuch, gegen Sie mit Bezug aus den Gegen- »and dieses Prozesses ausgesprochen ivorden sind, unter Eid iu äußern. Das Reichsgericht hat dieser Auffassung zuge- »iwmt und Ihre und des Rcichsministers Dr. GöbbelS Ber- wchmung beschlossen. Heute sind Tie als Zeuge erschienen müssen Ihre Aussage eidlich ablegen. Ich weise Sie °"f die Heiligkeit und Bedeutung des Eides hin und bitt- *me, die Eidesformel mir nachzusprechen.— Minister- Präsident Göring leistet daraufhin den Eid. Der Vorsitzende bittet den Ministerpräsidenten, sich gleich 'w Zusammenhang zu äußern. Ministerpräsident Göring führt aus: Herr Präsident! Sie sagten vorhin, daß ich als Zeuge ge- laden wäre, um mich sozusagen de» Vorwürfen und Be- hauptungen des Braunbuches, die über meine Person aus- gestellt worden sind, zu rechtfertigen. Ich möchte hier be- tonen, daß ich meine Zeugenvernehmung doch in erster Linie nach zwei anderen Gesichtspunkten auffasse. Zunächst einmal betrachte ich mich als Zeuge, der für die ganze Ber- Handlung der Prozeßfragc von äußerster Wichtigkeit ist: denn schließlich bin ich ein Zeuge gewesen, der am Tatort gewesen ist, und auch in meiner Eigenschaft als Reichstags- Präsident konnte mir doch letzten Endes das Anzünden des mir anvertrauen Hauses nicht gleichgültig sein. Zweitens aber muß ich als Zeuge vernommen werden in meiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident und Innen- minister, dem es in erster Linie obgelegen hat, und auch in Zukunft obliegt, für die Sicherheit des Reiches und des deutschen Landes einzustehen»ist seiner Person und der deshalb gezwungen war, in erster Linie den Kampf gegen Dennoch! Das ist der DiOihund die Zerstörung und Zersetzung durch die kommunistische Be- wegung zu führen. Soweit nun die Vorwürfe im Braunbuch in Frage kom- men, so liegt es sicherlich im Interesse Deutschlands, daß dies und jenes genauer dargestellt wird, um es zurückzn- weisen- Ich persönlich möchte aber betonen, daß ich nicht den geringsten Wert darauf gelegt hätte, die Anwürfe zurück- zuweisen, die im Braunbuch gegen mich erhoben worden sind. Si? sind derart grotesk, daß ich eS fast für überflüssig halte, die Einzelheiten darüber vor dem Gericht noch darzulegen. Ich bin auch iit der glücklichen Lage, zu wissen wie dieses Braunbuch entstände,, ist. Ich weiß durch meine Vertrauens- männer, daß jeder rote Strolch, dex etwas Geld brauchte, in jenen Tagen eine verhältnismäßig lukrative Beschäftigung damit fand, wenn er irgendwelche Behauptungen über Greuel oder über den Reichstagsbrand, die mich als den Ber- breche? darstellten, im Auslände zn Papier bringen konnte. Wir wissen weiter, daß sogar direkte Werbebüros in Deutschland funktionierten, daß Werber herumgingen in den Spelunken der Unterwelt, um die„hervorragenden Zeugen" zusammenzusuchen, die bann in der geradezu grotesken Be- Handlung dieses Falles in London als„sxriöse Zengen" auf- getreten sind. Ich muß es deshalb zurückweisen, mich zu rechtfertigen gegenüber Aussagen dieses Gesindels- Präsident Bünger: Ich darf einmal unterbrechen, Sie sprechen soeben von„Gesindel".-- Ministerpräsident Göring: Ich meine natürlich diese falschen Zeugen und auch einen Teil der Presse tyailabgrordncfer reriins'fljKt Düsseldorf, 4. Nov. Der bekannte nationalsozialistische Landtagsabgeorbnete D r. D i e h l aus Krefeld geriet in ber vergangenen Nacht mit seinem Wagen in Büdlich bei Neust ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Hierbei wurde Dr. Diehl so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Ein- lieserung ins Krankenhaus starb. Diehl war ein berüchtigter krankhafter Verleumde» D. F. Je näher der deutsche Wahltag rückt, um so mehr verschärft sich der Druck auf die Bevölkerung, unter allen Umständen zur Wahl zu gehen. Die neueste Verordnung der Reichsregierung zum Schutz der freien Abstimmung bedeutet eine noch stärkere Besetzung und Beobachtung der Wahllokale, als zuerst angenommen war. Der Wähler und die Wählerin werden von der Türe des Hauses, in dem sich das Wahllokal befindet, bis zum Wiederverlassen des Raumes buchstäblich durch ein Spalier von SA.- und SS.-Leuten gehen und auch der Wahloorftand wird meist aus Uniformierten bestehen. An eine Wahlenthaltung wird, soweit es sich nicht um Schwerkranke handelt, nicht zu denken sein. Die Nationalsozialisten haben nicht nur all ihre Parteianhänger, sondern auch alle vom totalen Staat und der Partei irgendwie abhängigen Menschen mobilisiert, um jeden, der etwa zu Hause bleiben möchte, an die Mahlurne zu treiben, nötigenfalls zu fahren oder zu tragen. Privatautos werden massenhaft für den Wahl- tag„zur Verfügung" gestellt, das heißt praktisch be- schlagnahmt. Unter diesen Umständen kann niemand die Parole einer Wahlenthaltung befolgen. Die gewaltige Ein- schüchterung. die versucht wird, soll nun den Zweck haben, auch das Abstimmen mit Nein auf die Frage nach der Billigung der Regierungspolitik und das Ungültigmachen der nationalsozialistischen Reichstagswahlzettel zu ver- hindern. Die Terroristen rechnen damit, daß viele ängst- liche Leute nicht wagen werden, in einem Hause und in einem Räume, die von SA.» und SS.-Leuten wimmeln, sich gegen den Willen der Staatsmacht aufzulehnen. Aus zahlreichen Orten des Reiches wird uns gemeldet, daß jetzt schon Drohungen gegen alle ausgesprochen werden, die sich dem nationalsozialistischen Parteiwillen nicht fügen. Man sucht den Wählern und Wählerinnen einzu- reden, daß die Nationalsozialisten sicher die mit Nein Stimmenden ermitteln und entsprechend bestrafen werden. Das wird auch vielfach geglaubt. Dennoch geht die Parole „Nein für die Volksabstimmung und ungültige Stimm- zettel für die Reichstagswahl" von Mund zu Mund. Es ist jetzt schon sicher, daß Millionen so handeln werden. Sehr ungewiß ist natürlich, wie viele von diesen Oppo- sisionsstimmen unter der Kontrolle der SA. und der SS. am Abend der Wahl wirklich gezählt und protokolliert werden. Immer mehr wird im Reich geglaubt, daß das Plebiszit auch der Entscheidung innerpolitiscker Machtkämpfe dienen soll. Das Ringen zwischen dem obersten Massengott Hitler und den Halbgöttern um. Göring ist noch nicht entschieden. Die Enttäuschung in der Großindustrie und bei den Großgrundbesitzern ist tief. Man bezweifelt, ob der„Führer" die Lawinen noch aufhalten kann, die er in Gang gesetzt hat. Seit Monaten ist das Vertrauen insbesondere der westlichen Schwerindustrie zu Göring größer als zu Hitler. Die Haltung der Reichswehr ist*iotz aller Ehren für den Reichskanzler noch ungewiß, wenn es etwa zu Entscheidungskämpfen über die Frage kommen sollte, ob den chaotischen Zuständen durch eine Monarchie ein Ende gesetzt werden soll. Reichskanzler Hitler verfolgt mit der Volksabstimmung den Zweck einer Vertrauenskundgebung, wie sie nie in Deutschland einem Manne zuteil geworden ist. Er rechnet damit, die Stimmen, die im vorigen Jahre Reichspräsident Hindenburg erhalten hat. für sich zu verdoppeln. Da er der Spitzenkandidat ist, da er die ganze große Wahlbewegung leitet, da er überall als Führer ausge- rufen wird, glaubt er die gewaltige Stimmenflut für sich und seine Absichten nutzen zu können. Man rechnet damit, daß bald nach den Wahlen aus der Reichsregi^rung, aus den Reichsstatthalterschaften und aus den Länderregie- rangen alle in weitem Bogen hinausfliegen werden, nie sich dem Cäsarenwahn Hitlers gegenüber irgendwie noch etwas kritisch verhalten haben. Man darf annehmen, daß der Reichskanzler Hitler auch die Reichswehr noch fester Nadi der Blamage die Kriecherei So bettelt man Panther und die englische Presse an Die besonders charaktervolle„Frankfurter Zeitung" sNr. 7te!) ist ausersehen worden, folgende schmierige Bettelei an die englischen Journalisten zn richten: Es ist erfreulich, das; die Angelegenheit vom Oberreichs- anmalt mit größter Beschleunigung behandelt wurde, und dab der s ch w e r e Verdacht der Spionage sich als grundlos erwies. Die Promptheit dieses Vor- gchcns, die auch im Ausland ibre Wirkung nicht verfehlt hat, ist um so erfreulicher, als die tatsächlichen Unterlagen, die den Verdacht begründen sollten, bei der Prüfung durch die zuständige Stelle ohne weiteres erkennen lieben, dab eine V e r s o l g u n g d u r ch d e n O b e r r e i ch s a n w a l t n i ch t in Betracht komme. Herr Panther ist bekanntlich sofort aus der Hast entlassen worden, aber die Polizeibehörden haben verlangt, dab er binnen kürzester Frist abreise, und Herr Panther hat bereits Deutschland verlassen. Wir be- dauern das M i b g c s ch i ck des Engländers und sieuen uns, dab seine Schuldlosigkeit in dem Punkt, der zu seiner Verhaftung führte, klar erwiesen ist. Herr Panther wird Deutschland nicht gerade als Freund der deutschen Be- Hörden, verlassen haben, aber wir glauben doch, an seine Loyalität appellieren zu dürfen, wenn wir ihn bitten, für seinen Teil dafür zu sorgen, dab die falsche Version, die im Ausland über die Gründe seiner Verhaftung verbreitet wurde, r i ch t i g g e st e l l t w e r d e. Man hat drauben allgemein bc- hauptet und geglaubt, ein Artikel, den Herr Panther im „Daily Telegraph" über die KelKeimcr Feier veröffentlicht hat, habe den Anlab zum Einschreiten gegeben. Nach unseren Informationen ist dies keineswegs der Fall. Vielmehr wir» versichert, daß die Behörden lediglich im Verlause einer Uistciuchung, die nicht gegen den Engländer, sondern gegen einen deutschen Journalisten namens Ackermann schwebt, auf Herrn Panther und die Art seiner Informationsquellen aufmerksam gemacht worden sind. Gegen Ackermann besteht seit geraumer Zeit bei den zu- ständigen Behörden der Verdacht, dab er im Sinne der gel- '.enden Gesetze Landesverrat beaangen habe, und dab er an der Verbreitung von Nachritten beteiligt sei, die unter den Begriff der Greuelmärchen fallen. Bei der gegen Ackermann schivebenden Untersuchung hat sich herausgestellt, dab der englische Journalist m> t ihm in enger Verbindung stand und gewisse Infor- m a t i o n e n von ihm bezog. Dabei kam in die Hände der Behörden Material, das nach ihrer Ansicht Herrn Panther so schiver belastete, dab sie eine Prüfung durch de» Oberreichsanibalt für notwendig hielten. Dieses Mate- rial e r iv i e s sich dann nicht als st i ch h a l t i g. Eine Strafverfolgung des Engländers kam nicht in Betracht. Die Art seiner Jnformationsarbeit jedoch und die Tatsache, dab Herr Panther den Kreis seiner Informanten offensichtlich nicht mit der nötigen Vorsicht ausgewählt hat, gaben dann den Anlab für die polizeiliche Verfügung, die seine sofortige Abreise notwendig machte. «ein Wort Ober Deutschland Dered es Schweigen des Ministerpräsidenten Sarraul Die französische Hammer spricht ihm ihr Verlanen ans Die Programmrede, die Ministerpräsident Sarraut am Freitag vor den Deputierten gehalten hat, betont, daß die neue Regierung innen- und außenpolitisch in den Bahnen ihrer Vorgängerin bleiben will. Sarraut berührt das Ver- hältnis zu allen möglichen Staaten. Auch Rußland wird als Glied der Völkerfamilie genannt. Rur über den deut- schen Nachbarn kein Wort. Die täglichen heuchlerischen Friedensreden des deutschen Gewaltkanzlers Hitler sind in den Wind gesprochen. Niemand glaubt ihm. Niemand traut ihm. Seine nach Frankreich ausgestreckte, von deutschem Bruderblut befleckte Hand greift ins Leere. Die französischen Staatsmänner weigern sich, eine An- Näherung vorzunehmen. Sie verweisen den seltsamen Friedensprediger auf Genf. Dort ist die Stätte der Ver- Handlungen. Aus Sarrants Rede Die jetzige Regierung vertritt hinsichtlich des Budgetaus- gleichs die gleiche Ansicht wie die vorige. Tie fordert Ein- sparungen, die Unterbindung von Mtbbräuchen und die Be- kämpfung der Steuerhinterziehung. Nach Herstellung des BUbgetausgleichs müsse eineSteuerreform vorgenom- men werden, die durch Einführung normaler Steuersätze die Stenerehrlichkeit wiederherstellen soll. Der Gedanke des Friedens unter den Völkern und unter den Rassen finde in der französischen Außenpolitik seinen Ausdruck. Die neue Regierung halte an den Leitlinien der vorigen fest und wolle die höheren Interessen Frankreichs wahren. Die Regierung erwarte von der Achtung der vertraglichen Verpflichtungen und von einer gerechten Anwendung des Völkerbundsstatuts die Regelung der Fragen, die gegenwärtig sd schiver auf dem materiellen und moralischen Schicksal der Völker lasten. Die Regierung betreibe ihre Außenpolitik im gleichen Geiste der Tolidari- tät und der internationalen Zusammenarbeit. Diese Politik bleibe dabei in Einklang mit getreuem Festhalten an allen Freundschaften, die Frankreich eingegangen sei und die von der gemeinsamen Sorge um Stabilität, Ordnung und Friede in der Sicherheit veranlaßt seien. Gestern wie heute bleibe Frankreich seinen Verpflichtungen treu und sei ebenso u m die Garantien besorgt, die die Borbedingung dieser Verpflichtungen seien. Frankreich werde sich nicht von der in Gens übernomme- nen Ausgabe abwenden, und zwar in voller Solidarität mit allen Unterzeichnern der Friedensverträge und der Völ- kerbundsstatuten. Frankreich werde das Werk, das auf den wesentlichen Grundlagen beruhe, die mit England, Amerika und Italien und in voller Uebereinstimmung mit den anderen befreundeten Nationen festgelegt seien, fortsetzen. Frankreich, daS ruhig und stark sei,»volle sich von jeder Leidenschaft frei mache n, weil eS sich imstande wisse, seinem Rechte Achtung zu verschaffen. Dieses Recht decke sich unter den gegenmär- tigen Umständen mit dem Recht aller Nationen, die an der Aufreckterhaltunq des Friedens festzuhalten ge- sonnen seien, und besonders derjenigen unter ihnen, die durch besondere Bande mit Frankreich verbunden seien, nämlich: E n gland, das durch die Stimme eines seiner höchstgestell- ten Staatsmänner und durch die ausdrückliche Zustimmung se.nes Kabinetts bestätigt habe, daß das Loearno-Abkvmmen unverändert in Kraft sei,' Italien, dessen letzte diploma? tische Initiative klar den Willen bezeuge, mit Frankreich bei dem Werk der europäischen Zusammenarbeit zusammen- zugehen: die Vereinigten Staaten von Amerika, die über den Ozean hinweg dem Werk des Friedens eine» Beistand leihen, auf den man nicht verzichten könne: Rub- land, das der westlichen Welt den Beitrag seiner Nicht- ongrifsspakte und seiner Protokolle zur Tefinierung des Angreifers bringe: und frfjUeblich die Freunde Frankreichs- nämlich Belgien, Polen und die Kleine Entente, die im Vertrauen auf die treue Anhänglichkeit Frankreich» sich den französischen Plänen und den französischen Verhand- lungen angeschlossen hätten. Das Land hat, so schließt die Regierungserklärung, Ver- trauen zur Entwicklung der Demokratie und zu den Inst»- tutionen des parlamentarisches Regimes. Die Mehrheit wtb. Paris, 4. Nov. Den verschiedenen Interpellations- rednern antwortete Ministerpräsident Sarraut. Er vertrat den Standpunkt, daß die Mehrheit zustandekommen müsse, die die Regierung in ihren Aufgaben zu unterstützen habe. Nach einem leidenschaftlichen Glaubensbekenntnis zu Frank- reich, dem er eine besondere Mission in der Welt zuspricht, legte der Ministerpräsident ein Treuebekenntnis zur Rep»- blik und zum Parlament als Ausfluß des nationalen Wil- lens ab und schloß mit einem Appell an alle wahren Repu- blikaner. Der Kammerpräsident verlas hierauf die einzige von den Radikalen eingebrachte Tagesordnung, die der Regierungserklärung zustimmt und der Regierung das Ver? trauen ausspricht. Nach Stellung der Vertrauensfrage durch den Ministerpräsidenten wurde diese Tagesordnung von der Kammer mit 807 Stimmen für die Regierung und 34 Stim« men dagegen bei 250 Enthaltung angenommen. Die Abgeordneten, die für die Regierung gestimmt haben, verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: 151 Radikale, 35 Mitglieder der Radikalen Linken, 23 Sozial- republikaner, 11 katholische Demokraten, 11 Mitglieder der Unabhängigen Linken, 16 Parteilose, 1 Mitglied der Repu- blikanischen Vereinigung und 1 Sozialist jRene Brunetj. 13 Abgeordnete waren beurlaubt. Die 34 Stimmen gegen die Regierung verteilen sich auf: 111 Kommunisten, 14 Mitglieder der Republikanischen Ver- etnigung, 2 Mitglieder der Arbeiterpartei, 2 Mitglieder der Unabhängigen Linken und 7 Unabhängige. Alle übrigen Abgeordneten haben sich der Stimmabgabe enthalten. Der Beschluß der sozialistischen Fraktion, sich der Stimm- abgäbe geschlossen zu enthalten, wurde in einer Fraktion»- sitzung vor der Abstimmung mit 41 Stimmen gefaßt, die für die Enthaltung waren. Ill waren in der Fraktionsabstim- n.ung dafür, baß die Sozialisten gegen die Regierung stim- men sollten und 13 waren in der Fraktionsabstimmung da- fiir, daß die Fraktion für die Regierung stimmen solle. 17 So- zialisten der RicVuna Renaudel-Marauet, also der sogenan»- ten Nensozialisten, haben an der Fraktionsabstimmung nickt teilgenommen, obwohl sie in der Fraktions"«""-a znaege» waren. an sich zu binden versuchen wird, vielleicht durch die Er- nennung seines alten Freundes, des Generals von Epp, jetzigen Reichsstatthalters, zum Reichswehrminister. Selbst 40 Millionen Ja-Stimmen würden aber nichts daran ändern, daß die Desillusionierung der Deutschen sehr rasche Fortschritte gemacht hat und im Winter sich noch erweitern und vertiefen wird. Optimisten schließen daraus auf einen baldigen Zusammenbruch des Systems. Daran aber ist nicht zu denken. Schon deshalb nicht, weil von links her noch keine Macht sichtbar ist, die innerlich und äußerlich auch nur annährend so gereift wäre, um eine revolutionäre Aktion mit einiger Aussicht auf Er- folg einzuleiten und durchzuführen. Das Gefühl des nahenden Zusammenbruchs und die Zersetzung in den Milizen des Regimes müssen ganz andere Formen an- nehmen als jetzt, ehe von einem Umschwung ernsthaft ge- sprachen werden kann. Was jetzt in den einstweilen noch entscheidenden Re- gionen des deutschen Faschismus vor sich geht, ist die Sorge um dessen Stabilisierung, ist die Suche nach Männern und Methoden, die den inneren Machtkämpfen die Schärfe nehmen und eine ruhigere Entwicklung er- möglichen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß im Laufe dieses Ringens auch der Gedanke einer monarchistischen Nestau- ration in stark militärischen Formen und mit harten Fäusten gegen alle Rebellen auftauchen wird. Es ist zu- nächst ganz ungewiß, wohin diese Entwicklung treibt. Die innen--und außenpolitischen Faktoren sind zu unüberseh- bar und zu ungeklärt, und die Gegner des Systems sind zu vielfältig und noch zu ziellos. Einstweilen hält die kritisch werdenden bürgerlichen Schichten auch noch der Bolschewistenschreck zusammen,' sie fürchten, daß es nur noch die Wahl zwischen Hitler und Thälmann gebe. Mehr und mehr freilich beginnt man auch noch ein Drittes zu sehen: den Monarchen, nach dem man als neuesten Retter Ausschau hält. Eine Hoffnung, die vorübergehend auch vielen von denen einleuchtend sein mag. die entschlossen die Hitlerdiktatur ablehnen, ohne>chon das neue Volks- regime zu sehen, von dessen Kommen sie überzeugt sind. Das Plebiszit vom 12. November ist ein Schwindel, wie ihn immer wieder Diktatoren versucht haben, die sich auf dem Gipfel ihrer Macht unsicher fühlten. Noch immer haben solche politischen Hochstapeleien nur zu vorüber- gehenden Triumphen geführt. Es spricht alles dafür, daß es in Deutschland nicht anders sein wird. Dies um so mehr, als die inneren und äußeren Schwierigkeiten Deutsch- lands schlimmer sind als etwa die des dritten Napoleon und das Format des Diktators und seiner Spießgesellen kleiner als jedes seiner Vorbilder. Noch sehen das die meisten Deutschen nicht. Die Not wird sie sehend machen. Auch wenn Hitler himmelhoch auf 40 Millionen Stimm- zetteln steht, wird er nicht größer und sein programmloser Versuch, das deutsche Schicksal durch Phrasen und Kommandos zu meistern, nicht aussichtsreicher sein. Der sichere Sturz aber wird um so tiefer und gründlicher werden. Hakcnhreuz am Davidskern Na also! Nummer 42 der„E.-V-Zeitung" bringt an der Spitze des Blattes eine Stellungnahme der„Reichsvcrtretung der deutschen Juden" zur Voltsabstimmung am 12. November. Sic lautet folgLndermaßen: „Mit dem ganzen deutschen Volke sind auch wir Juden als Staatsbürger aufgerufen, zu der auswärtigen Politik der Reichsregierung unsere Stimme abzugeben. Sie wird gefordert für die Gleichberechtigung Deutschlands mit den anderen Völkern, die Versöhnung der Nationen und die Befriedung der Welt. Trotz allem, was ivir erfahren mußten: Die Stimme der deutschen Juden kann nur ein Ja sein. Die Neichsvertetung der deutschen Juden." Danse nochmal beschlagnahmt ,Wann folgt Hitlers„Mein Kampf"? Berlin, 8. Nov. Halbamtlich wird gemeldet: Bedauer- licherweife hat auch das Buch„Raum und Volk im Welt- krieg" von Ewald Banse der antideutschen Propaganda im Ausland Anlaß gegeben, die Friedenspolitik der Reichs- regierung in Ziveifel zu bringe». Das ganze Buch ist selbst- verständlich nur die P r i v a t a r b e i t eines u n v e r- antwortlichen Theoretikers und in keiner Weise maßgebend für die Politik der Reichsregiernng. Im llOVo««» sind die strategischen Theorien, wie sie Banse in seinem Buch entwickelt, so absurd, daß sie in der deutschen Oepenl- lichkeit überhaupt nicht ernst genommen werden. Das Buch ist trotzdem b e s ch l a g n a h m t worden. Die Reichs- regierung will damit unwiderleglich zum Ausdruck bringen, daß sie von derartigen sinnlosen Schwätzereien in aller Form abrückt und entschlossen ist, s i ch i h r e F r i e- denspolitik nicht im geringsten durch die propagandistische Ausschlachtung derartiger Prtvatarbeiten stören zu lassen. * Der Verfasser dieser„sinnlosen Schwätzereien" ist von der Regierung zum Professor der W e h r w i s s e n s ch a s t ge- macht worden und lehrt deutsche Stubenten. Der Verfasser anderer„sinnlosen S ch w ä tz e r e i e n" mit den gemeinsten haßerfüllten Worten gegen Frankreich und dem Willen zum Kriege um jeden Preis i st deutscher Reichskanzler! Wie Hitler heuchelt In der neuesten Nummer der„Deutschen Schul e"> dem Organ des deutschen Lehrervereins, befindet sich ein Aussatz Professor Banfes, der den Krieg gegen Frank- reich mit vergifteten Ratten, Flöhen und Pestbazillen emp- siehlt. So werben die deutschen Jugenderzieher von demselben Volksverderber verhetzt, dessen Bücher man scheinbar ver- bietet. Banse ist von Hitlers Roheit und umgekehrt. Die Aufrüstung sJnpreß.i Die ReichSbank hat beschlossen, einen Kredit in Höhe von 2 Millionen Mark in ausländischen Devisen an Berliner Metallhändler zu gewähren. Ter Zweck ist. den Metallhändlern zu ermöglichen, baß sie an der Berliner und Hamburger Börse Kupfer auS dem Ausland auskaufen. Am Schrottmarkt macht sich eine ebenso ausfällige Eni- Wicklung bemerkbar. Trotz starker Einfuhr von Schrott während der letzten Monate ist die Nachfrage auf dem deutschen Markt immer noch außerordentlich groß. Dies hat zu einer beträchtlichen Steigerung des Tchrottpreises geführt- Man zahlt heute 36 bis 3» Mark pro Tonne- Das be- deutet eine Steigerung gegenüber dem vorigen Jahr um III Prozent. Das Neuest« Im Anschluß an die Treueknndgebnng für Hitler am Mitt- woch in Weimar, wurde dem„Führer" von Vertretern des Handwerks der E h r e» m e i st e r b r i e s überreicht. Der Polizeipräsident B e r n« r in Königsberg ist benr- laubt worden. Dr. v. D i r ck s e n. der bisherige deutsche Botschafter in der Sowjetunion, hat Moskau verlassen, um sich nach Tokio zu begeben. Paris. Der Direktor des Pastenr-Jnstituts Dr. Roux ist in Paris gestorben. Der S o w s e t b o t s ch a s t e r hat der chinesischen Zentral- regierung den Entwurf eines russisch-chinesischen Nichtangriffspaktes unterbreitet. Bei dem Brande eines Miethauses in Brocklyn verbrann- ten a ch t N e g e r. In der Nacht zum Freitag wurden von unbekannten Tä- tern in der englischen Gesandtschast in Kowno einige Fensterscheiben zertrümmert und das Gesandtschafts- schild abgerissen. Nach einer Erklärung des Direktors der Reichsbahngesell- schast Dr. Leibbrand soll der deutsche Personen- und Ansflugsverkehr allmählich ganz ans S ch n e l l- triebwagenverkehr umgestellt werden. Die Kosten würden etwa zwei Milliarden Reichsmark betragen. Der deutsche Botschafter Dr. Luther sprach gestern beim Staatssekretär Hull vor, um sick gegen Presseverleumdnnge» durch de,, jüdischen Advokaten Samuel Untermeyer zu«er« wahren. Dr. Luther erklärte die nnqualisizierbaren Beschul' digungen als unwahr. Der Militëetat Belgiens kür 1984 umsaßt 870 Franken und k-ebt n. a. eine Berorößernng der Anlagen der nationa» lev Wassenkabrik in B-stiooe vor. Dem Parlament wird noch ein außerordentlicher Militäretat zugehen, der 760 Millionen Franken fordert. Der Rundesrat der Schweiz bat dem Parlament ein Kre- ditbeaebren über 82 M-nionen Franken unterbreitet, die zur Ergänzung der Bewaiinung und Ausrüstung der Armee Ber- wendung finden sollen. Schüler e'ntfeKerK als Beginn und 1933 als Ende des Beobachtungs- zeitranmes. Die Ansstcllnng unterscheidet Schulden ans Krc- ditinarkkmitteln und solche ans öffentlichen Mitteln, linier den ersten sind die direkten Inanspruchnahme» von öffent- lichen und privaten Bankinstituten zu verstehen, unter den letztgenannten vornehmlich, Wohnungsbaukredite, wertschaf- sende Erwerbslosenfürsorge und Schulden ans Hauszins- steuerüberiveisungen, über deren Schicksal bisher bekanntlich noch keine endgültige Entscheidung getroffen ist. Sachlich er- gibt sich noch bis ins letzte Jahr 1932 33 hinein eine ständig »oachsende Gesamtsumme der Schulden, obivohl infolge der Erstarrung der Kreditmärkte die Aufnahme neuer Darlehen so gut wie völlig unmöglich war. Während die Ausland s- schulden seit 1931 langsam zurückgehen, sind die In- l a n d s s ch u l d e n weiter leicht gewachsen und zwar sowohl langfristige als auch vor allem mittel- und knrzfrt- st i g e Schulden. Eine Aufaddierung sämtlicher Schulden bei allen Verwaltungsträgern ist nicht möglich, zumal die Gefahr von Doppelzählungen das Bild stark trüben würde. Die Schulden der Reich »I. März tin Mill. RM.) 192« 19.13 Allvcrschiildung 4.140 3791 Bal,lt.,schulden 370 029 Neuverschuldung 8013 7209 1. Ausland 901 8037 2. Inland 2113 423t langfristige 1002 2007 mittel- u. kurzfrist. 10.70 2224 Insgesamt Schulden ausAreditmarktmitt. 8229 11090 Schuld.a.öfsentl.Mitt.—— öffentlichen Länder 1929 1933 2« 29 32 0 1002 2100 482 4.78 1180 1849 4:17 51« Dieses doppelte Ziel sei nicht erreicht worden, wie nunmehr feststehe. Die Lage habe sich inzwischen sogar noch verschärst. Teils offen, teils geheim mache sich im Saargebiet eine von Tag zu Tag anwachsende Bewegung bemerkbar, die sich in Worten wie in Taten äußere. Diese Bewegung bezwecke nichts anderes, als auf gewisse Teile der Bevölkerung einen Druck auszuüben, der nicht nur unerträglich sei, sondern auch in schärfstem Widerspruch zu dem durch den Friedens» XLIHrilffNIH IVNT» vertrag geschaffenen Zustand stehe. Solchen Ueberqrissen ,,u" gegenüber könne die Regierungskommission nich« gleichgültig bleiben. Um eine Bcrschlimnierung der Verhältnisse oder noch gröbere Auswüchse zu verhüte», gebiete ihr die gegen- ivärtigc Lage, durch neue oder verschärfte Strasmaßnahmen Abhilfe zu schassen und Schlimmerem vorzubeugen. 74« 1332 1722 2141 206 144 Verwaltung Gemeinden Insgesamt u. Sausest. 1929 1938 1929 1933 1)90 1044 5578 4800 138 97 1040 731 0881 0300 11750 18911 911 951 2294 4440 7970 8117 920« ,4497 3570 5387 7077 7910 2395 3028 4187 0784 8208 10.707 181.79 24788 1073 1708 1259') 1712») Zusammen 8229 11090 1928 2485 9202 12077->)») ') einschl. Toppclzäliliingen!') Aufaddieren unmöglich.®) Dazu 520 Mill. Zahlungsrückstände.* Laut Reichsbankausweis Wie der Terror organisiert wird Gehelmversammiungen im Saargcbiet und die Ergebnisse Saarbrücken, 4. November. Die Nationalsozialisten verstehen cS in raisiniertcr Weise, das Beibot der ssiegtcrungSkoi»,nission gegen die Abhaltung geheimer Versammlungen aus alle nur mögliche Art zu über- treten. Wie uns in mehreren Zuschriften von durchaus zu- verlässsgcr Seite mitgeteilt wird, sind durch die Gauleitung der NSDAP, schon seit einiger Zeit für alle Städte und Ortschaften des Saargebiets sogenannte Block- und Zellenversammlungen angeordnet worden, die allabendlich auch in Saarbrücken in den verschiedensten Stadtteilen und Häuiervierteln statt- finden. Diese heimlichen Zusammenkünste sind aus bestimmte Abende in der Woche festgesetzt und umfassen ganze Straßen- zügc oder zusammenhängende Wohnblocks, wie z. V. in den SIedlungovicrtcln aus dem Wackcnberg, am Homburg, in Malstatt-Vurbach u!w. Die Teilnahme aller eingeschriebenen Mitglieder der NSDAP. erfolgt aus Beseht und steht unter schärfstem Zwang. Selbst Nationalsozialisten führen darüber Klage, daß diejenigen Mitglieder mit sofortigem Ausschluß aus der Partei bedroht werden, die zweimal unenischnldigi bei diesen befohlenen Zusammenkünften fehlen. Ebenso wer- den diejenigen Mitglieder ausgeschlossen, die sich weigern, ihre Wohnungen für diese Zwecke zur Verfügung zn stellen. Die Zusammcnkunstsorte werden ständig gewechselt und jeweils in der vorhergehenden Versammlung bestimmt. Der Hauptzweck dieser heimlichen Zusammenkünfte ist zu- nächst einmal die gegenseitige Informierung über die politische Gesinnung aller in dem betreffenden Häuscrviertel wohnenden Familien. Die Nachforschungen erstrecken sich im wahrsten Sinne des Wortes bis in die internsten Kochtopf- und Familiengeheimnisse aller Andersdenkenden. Gegen diese Familien werden alsdann die unerhörtesten Boykott- und Terrormaßnahmen angeordnet. Die Durchführung dieser „Repressalien" geschieht dann teilweise sogar unter Zuhilse- nähme der Arbeitgeber der betreffenden Familienernährer und selbst vor Denunziationen bei Behörden wird nicht zu- iückgcschreckt. Daneben lausen selbstverständlich andere Terrorakte, wie die Aufhetzung aller anderen Hansbewohner gegen die nicht gleichgeschalteten Personen. Besonders schlimm wirken sich die Folgen dieser heimlichen Nazi-Zusammenkünste auch in kleineren Städten und Ort- schalten ans. Dort werden unter anderem nichtgleich- geschaltete Geschäftsleute namentlich bezeichnet und Einkäufe bei ihnen strengstens verboten. Es sind zahlreiche Fälle bc- kannt geworden, in denen ältere Ortseinmohner Angst haben, „m gleichen Orte in jüdischen Geschäftshäusern zu kaufen, obwohl sie schon seit S3 und mehr Jahren zu deren ständigen Kundschaft zählen. Diese alten Leute kommen jetzt ocr- schicdcntlich am Spätabend in die boykottierten Geschäfte und Der Oktober-Ultimo verlief, wie an der Entwicklung des offenen Geldmarktes schon zu erkennen war, leicht. Bei der Rcichsbank betrug die Z u n a h ni c der A u s l e i h 11 n g e n 27H Mill., also über 200 Mill, weniger als am vorangegangenen Ultimo, der freilich infolge des Oiiartalswechiels besonders großeAnsvrüche brachte: dicBe- anspr'ichnng ist aber auch rund t 0 0 Mill, niedriger als Ende Oktober v. I- Schon der Ausweis für die dritte Oktoberwoche ließ erkennen, daß die während der letzten Monate hervorgetretenen Mchransprüche an die Zen- tralnvtcnbank zum Stillstand gekommen sind. Von Bank- feite wird dies hauptsächlich damit erklärt, daß die während der letzten Mvnaie recht lebhaften industriellen Ab- rufe hauptsächlich aus saisvnmäßigen Gründen sStillstand der Außcnberufc) nunmehr weitgehend nachge- lassen und z. T. sogar Rückflüssen Platz gemacht haben. De'rogenc Sparer Die Stadt Köln läßt sich wegen der Zinsen verklagen- Wie der Sparerbund für das Deutsche Reich c. V., Berlin, mitteilt, ist er von mehreren kleinen Gläubigern Kölner Schatzanweisungen beauftragt worden, den f ä l l i g g e w o v denen Zins schein vom 1. Oktober 193;) bei Gerich: im Klagewcge geltend zu machen, da die Sparer auf die ZinSeingänge zur notdürftigen Lebenshaltung angewiesen sind. Raubstaat wi d umgangen Da In der letzten Zeit viele Sendungen, die von den skatt- dinavischen Ländern nach Mittel-Europa, hauptsächlich nach Oesterreich und der Tschechoslowakei gingen, in Deutschland geöffnet wurden, ha« die dänische Postvcrivaltung veranlaßt, daß solche Sendungen in Zukunft über Gdingcn und Polen dirigiert werden- Echte Christen gegen deutsche Christen Ii Zu den interessantesten und bedeutsamsten Dokumenten der„nationalen Revolution", die tief in das kulturelle, weltanschauliche und religiöse Leben eingriff, gehören die schriftlichen Auseinandersetzungen innerhalb der evange- lischen Kirche. Wir veröffentlichen heute einige Aufsätze und Briefe, die die Kämpfe innerhalb der evangelischen Kirche so hell beleuchten, daß sich jeder Kommentar erübrigt. Abgesehen von dem engen Kreis der Beteiligten, sind ihre Dokumente in der deutschen Oeffentlichkeit bisher unbe- kannt. Dazu gehört auch der mutige Aufruf Barths an der Spitze von zweitausend Geistlichen, die im Namen Christi die Gleichschaltungsschablone unter dem Diktat der „deutschen Christen" nicht anerkannt und damit ein viel- fältiges Echo unter dem gläubigen Kirchenvolk fanden. Die Rebaktion der»Deutschen Freiheit". Sfaal und Kirche von Landrat Dr. Krummacher, Staatskommissar für die Evangelische Kirche Westfalens und der Rheinprorinz Wenn der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eS notwendig erachtete, der Evangelischen Kirche Staatskommissare zu verordnen, so wandet ihm die ernste Sorge maßgebend, daß durch theologische Streitereien und kirchenbehördliche Winkelzüge der Welle des evange- tischen KtrchenvolkeS, eine deutsche evangelische Kirche zu begründen, in unerhörtester Weise in sein Gegenteil ver- kehrt worden ist. Aufgabe des Staatskommissars für Rhein- fand und Westfalen ist es, die bisherigen kirchlichen Körper- /»II! WOTl schatten als Herde der Zersetzung des kirchlichen Ein-**■■■"* heitsgebankens unter allen Umständen auszu lösen. verlangt nach dem Evangelium, und jede Gemeinde, wo sie auch sein mag, hat nur daran zu denken, daß allen Deutschen im fernsten Winkel des deutschen Reiches das Evangelium und nur das Evangelium gebracht werde. Darum muß mit einem neuen Geist, wie ihn die G l a u b e n S b e iv e g u n g „D c u t s ch e C h r i st e n" trägt, die auS Liebe zum Bolk zum Evangelium gekommen ist. eine neue Form geschaffen wer- den Das ist die straff zusammengefaßte deutsche evangelische Kirche, in der auch vom Pfarrer Zucht, Ordnung. Unlerord- innig, Disziplin und Treue bis zum äußersten verlangt werden muß. und in der diejenigen Pfarrer, die statt des um unserer Sünden willen gestorbenen und für uns im Fleisch auferstandenen Jesus Christus ihre eigenen Lehren verkün- den, rücksichtslos entfernt werden. Wer sich aber gegen diese grobe Wandlung, die die Kirche aus eigener Kraft nicht durch- zuführen vermochte, sträubt, wer in den Eingriffen des Staates nicht auch ein Gericht Gottes an der Ohnmacht der Pharisäer und Schriftgelehrten sieht und darum glaubt, sich eine papierne Märtnrerkrone aufsetzen zu müssen, indem er Protest erhebt, der soll wissen, daß er sich dann für den Liberalismus und Marxismus, für die Zer- splitterung und Ohnmacht der evangelischen Kirche einsetzt, daß er wirbt für eine volksferne Pastorenkirche, für Schule der Pharisäer und Schriftgelehrten gegen ein Werk, das unserem Volk viel mehr als bisher dem Evangelium nahebringen soll. Der Bevollmächtigte des preußischen Staatskommissars für die evangelische Kirche der Rheinprovinz und Westfalen. Koblenz am 8. Juli 1933. Regierungsstr. 4—6. Ruf 2915. ./weine weitere Ausgabe besteht darin, dafür zu sorgen, daß sämtliche Pfarrer ihr unheilvolles Beginnen, durch Telegramme, Konferenzen, Entschließungen das große Eini- gungswerk der deutschen Evangelischen Kirche zu hinter- treiben, sofort einstellen. Der Oberkirchenrat hat in deutlichster Form im Einver- nehmen mit dem preußischen Staatskommissar darauf hin- gewiesen, daß derartige Handlungen des Verrats an Kirche und Reformation mit sofortiger vensionsloser Dienstentlassung geahndet werden. Der Worte sind nun genug gewechselt, vier Jahr- hunderte hindurch, ohne daß durch die Bemühungen der Theologen auch nur ein einziges Dorf Deutsch- l an d S evangelischen Glaubens erobert worden wäre. Das deutsche Volk evangelischen Glaubens will keine Pastorenkirche, sondern eine Bolkskirche sein und stellt fest, baß durch die falsche Richtung innerhalb der Pfarrer- schaft, die in der Theologie die Hauptausgabe, dem Dienst am Volk die Nebenfache sah und die glaubte, dadurch mit der Ewigkeit in engerer Verbindung stehen zu können, wenn ne eS sorgfältig vermied, mit beiden Füßen in der Zeit zu stehen und die Zeit mit dem Volk erlebend in daS Licht der Ewigkeit zu stellen, ein Zerwürfnis zwischen Kirche und Volk unvermeidlich war. Diese Richtung hat eS fertig- gebracht, daß mehr als 00 Prozent der evangelischen Christen Volk und Kirche gemieden haben, ste nicht mehr verstanden und sie ablehnten. Wenn heute einzelne Pfarrer in West- falen bei ihren Entschließungen ihr Gewissen ins Feld führen, weil kirchliche Formen, die sich als unzulänglich und unbrauchbar erwiesen haben, durch neue Formen ersetzt und vereinheitlicht werden sollen, dann müssen diese Pfarrer einmal gefragt werden, wo denn die Rufe ihres Gewissens waren in den letzten Jahrzehnten, da in diesem Zeitraum tatsächlich die Wortverkündigung in der Evangelischen Kirche, und zwar durch die Schuld der Kirche, verschwommen, un- ' klar, ja gottwidrig war. ES ist vorgekommen, daß an einem und demselben Sonntag auf einer und derselben Kanzel «in Pfarrer die Auserstehung Jesu Christi verkündete und der andere hernach daS Gegenteil behauptete. ES ist vorgekommen, daß Jahrzehnte hindurch evangelische Pfarrer >hre eigenen Kinder in die religionslose Schule schicken konnten, ohne baß eine Kirchenbehörbe auch nur den Ver- such gemacht hätte, deswegen vorstellig zu werden. W o waren d a die Gewissen derjenigen Pastoren, die heut« mit ihrem Gewissen in den Ministerten »u hausieren versuchen? Wir sind wiederum in der Gefahr, daß in einer entscheidenden Stunde nicht der mutige Glaubensgeist eines Dr. Martin Luther, der es verstanden hat, auch dem„Volke auf daS Maul zu sehen", sondern der Ungeist der Pharisäer und Schristgelehrten sich bemerkbar macht und Einfluß zu gewinnen sucht. Wenn in einer Pressenotiz der frühere Evangelische Oberkirchen- r a t in Berlin versucht, sich w a h r h e i t s w i d r i g als Vertreter der Kirche hinzustellen, so sei ihm gesagt, daß er niemals Vertreter der Kirche gewesen, sondern höchstens Vertreter der Kirchenkasfe, und daß er es erst recht nicht jetzt ist. Eine Behörde, die sich weigerte, den Gefallenen der nationalen Revolution die Aufbahrung im Berliner Dom zu gestatten und die für Dankgottesdienste nur mit Mühe gezwungen werben konnte, die Kirchentore du öffnen, soll dankbar sein, wenn sie so sang- und klanglos, ohne Abrechnung, verschwindet, ohne alles das. was sie und die unterstellten Konsistorien an Verrat gegenüber Gott und Jesus Christus und Verrat gegen- über Volk und Vaterland, nicht aus Bosheit, son- dern aus falschem Autoritätsgefühl und Mangel an Glauben Sclcistct hat. Es hat unserer evangelischen Kirche der Stahl im Blute gefehlt, es hat ihr gefehlt der Geist tines G u st a v Adolf. Wir brauchen innerhalb der evan- Oelischen Kirche etwas von der innigen Verbindung zwischen wahrhaftem Staat und wehrhafter Kirche, wie sie zu Zeiten Gustav Adolfs bestanden hat- Eine Kirche, die sich so unsicher und schwach fühlt, daß sie bei der Neugestaltung ihrer Form durch den Staat um die Wortverkündigung bangen muß. zeigt damit ihren Mangel an Gottvertrauen, denn Gott der Herr ist und bleibt stärker als der Staat und würde den Staat zu »ertrümmern wissen, der seiner Wortverkündigung sich ent- ktegenstcllt. Wenn der Staat jetzt eingreift, so müssen die„ge- wissenhaften" Pfarrer einmal bedenken, daß gegenüber der Revolution des antichristlichen Staates, der Revolution der Arbeiter und Toldatenräte, der Zuchthäusler Und Dissidenten im Jahre 1918, in welcher der Kirche eine 100jährige, gesegnete Tradition zerschlagen wurde, jene «Stimme des Gewissens" aus Angst vor der Straße wohl Vicht erklungen ist. Wer damals geschwiegen hat, hat heute tausendmal weniger Recht zu protestieren, denn jetzt kommt «in Staat, dessen Bckenntnisgrundlage das Christentum und »war das positive Christentum ist und verlangt von der evangelischen Kirche die innere Kraft, die auf dem politische» Schlachtfeld geschlagenen geistigen Mächte des Liberalismus, Marxismus. Rationalismus und Materialismus zu über- winden, und zugleich will er dieser Kirche durch kraftvolle Persönlichkeiten als Staatskommissare, die genau wissen was sie wollen und was sie durchzusetzen haben, die neue einheitliche Form, die Kraft geben, daß diese Aufgabe an unserem Bolk erfüllt werde. Das deutsche Bolk Pastor F. Bodelschwingh B e t h e l bei Bielefeld, 10. 7. 1933 Sehr geehrter Herr Landratt Die Schriftleitung des„Aufwärts" sTageSzeitung in Bethel), der Sie Ihren Aufsatz„Kirche und Staat" zusandten, hatte zunächst gegen die Aufnahme Bedenken. Denn der „Aufwärts" soll keine Veröffentlichungen bringen, die Bcr- unglimpfnngcn einzelner Personen oder verletzende Angriffe gegen Behörden enthalten, wie es bei Ihrem Aussatz der Fall ist. Doch schien er uns als Dokument für die gegenwärtige kirchengeschichtliche Lage so bedeutsam, daß wir ihn unseren Lesern nicht vorenthalten wollten. Der Abdruck ist daher heute erfolgt. Damit aber nicht Schweigen als Zustimmung gedeutet werden kann, möchte ich mit der Offenheit, die der Ernst des Augenblicks erfordert, folgendes aussprechen: 1. Ihr Schreiben steht im Widerspruchzu dem Willen des ReichSoberhaupteö. Der Herr Reichspräsident hat Verhandlungen mtt den„Vertretern der beiden in Wider» streit befindlichen Richtungen der evangelischen Kirche" ange- ordnet. Damit sind diese beiden Richtungen als gleichberech- «igte Verhandlungspartner anerkannt. Demgemäß werden die Besprechungen in Berlin durch den Herrn Reichsminister des Innern geführt. Sic dagegen stellen sich als Staats- kommtssar völlig auf die Seite der einen Partei, während Sie die andere mit Gewalt unterdrücken wol- l e n. Und doch steht zweifellos hinter dieser, zum wenigsten in Westfalen, die Mehrheit der kirchlich gesinnten Bcvölke- rung. Ihr Schreiben bedeutet eine ernste Verschärfung des Konflikts Aus solcher Verschärfung muß, wie der Herr Reichspräsident schrieb,„schwerster Schaden für unser Volk und Vaterland erwachsen und die nationale Einheit leiben." 2. Ihr Schreiben bedeutet eine Erschütterung staatlichen Ansehens Wie sebr eS bereits durch die sich fortwährend widersprechenden Verfügungen der letzten Wochen gelitten hat, wird Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Ich weise nur aus folgendes hin: Zuerst wird Herr Pfarrer Sössen- fclder zum kommissarischen geistlichen Vizepräsidenten des Evangelischen Obcrkirchcnrats ernannt. Jebcrman weiß, daß er aus diesem Posten auch für den größten Teil der Deutschen Christen u n t r a g b a r ist. Unter dem Druck dieser Tatsache wird er einige Tage später beurlaubt mit einer Begründung, die jeder Kenner der wirklichen Vorgänge nur mit Be» schämung lesen kann. Die kirchlichen Körperschaften werden aufgelöst. Nach acht Tagen werden sie für Westfalen wieder in ihr Amt eingesetzt, da sich herausgestellt hat,„daß die be- reits früher im Amt gewesenen ihr kirchliches Amt aus dem Bekenntnis herleiten". Sie aber bezeichnen eS jetzt, zwei Tage später, als Ihre Aufgabe„die bisherigen kirchlichen ..IM sage: Nein!" Die Schrift von Karl Barth Karl Barths„Ich sage: Nein!" und die Schrift, die von Svftv deutschen Pastoren unterzeichnet ist, wird vielen Men- scheu als die ermutigendste Handlung in Deutsch» land erscheinen, seitdem die Nazis an die Macht ge» kommen sind. Die Protestierenden kümmern sich nicht nm die Politik,' viele von ihnen mögen mit den weltlichen Zielen der Nazibewegung sympathisieren. Sie vertreten nur einen Standpunkt bezüglich der Gewissensfreiheit aus religiösem Gebiet? ste wollen ihre Pflicht tun„in unverbrüchlicher Treue" zur Heiligen Schrift? mit Barth weisen sie den Gedanken zurück, daß die Kirche eine Kirche der„Deutschen Christen" ist, wie den, daß die geistige Ge- meinschast» der sie dienen, durch einen Befehl von außen her, auf Christen einer bestimmten Rasse und von be» stimmtem Blut beschränkt werden. Barths„Ich sage: Nein!" wird nicht durch die Welt schallen wie das„Hier stehe ich, ich kann nicht anbers" des großen Reformators. Aber in vieler Hinsicht erinnert seine Streit» schritt, die Schrift der 2000 und die Erklärung der 22 an den klaren und unbeugsamen Willen Luthers» auch sie hätten gesagt, so wie er schlicht und fest sagte:„Ich kann und will nicht widerrufen, denn eS ist weder heilsam noch klug, etwas gegen sein Gewissen zu tun." Auch sie, die sich weigern, den „Slrierparagrafen" innerhalb der christlichen Kirche anzn» nehmen, hätten mit ihm erklärt, daß die„Freiheit" der Christen ein Maß von Liebe einschließt, das ste zum„Diener aller" macht und nicht znm Verächter der Christen, in deren Adern nichtarisches Blnt fließt. Die deutsche evangelische Kirche hat Anspruch ans die Bewunderung ihrer Anhänger. Sie ist seit langem berühmt wegen ihrer Verdienste für die Religionsgemeinschaft und daS Schulwesen. Aber Karl Barth und die 2000 Geistlichen haben jetzt ein Ziel aus- gesteckt, für das sie Achtung und Dankbarkeit verdienen: das Ziel, dem Gewissen zn gehorchen, ohne Rück- ficht anf irgendwelche Folgen. („Manchester Guardian", 24. Okt. 1938.) Körperschaften als die Herde der Zersetzung des kirchlichen Einheitsgcdankens unter allen Umständen auszulösen". Durch die Verfügung des Staatskommissars vom S. Juli wird die Zusammensetzung der kirchlichen Körperschaften in der Weise geregelt, daß zum mindesten 80 Prozent aus den Deutschen Christen entnommen werden sollten. Am folgenden Tag wird von dieser Anordnung erklärt, sie gelte als nicht erlassen. Sic werden sich nach diesen Ersahrungen nicht wundern, wenn die Verfügungen der gegenwärtigen Ktrchcnregierung ni ch tern st ge- n o m m e n werden können. Wer wird sich noch ent- schließen, eine Anordnung anszusühren, von der man an- nehmen muß. daß sie übermorgen wieder zurückgenommen wirb. 8. Ihre Ausführungen verletzen die Würde der Kirche. Sie behaupten, es seien vier Jahrhunderte hindurch„Worte ge- wechselt", ohne daß durch die Bemühungen der Theologen auch nur ein einziges Dorf evangelischen Glaubens erobert worden ist. Später dagegen sagten sie, baß durch die Revo- lutton von 1918 der Kirche eine hnndertjährige, gesegnete Tradition zerschlagen worden sei. Beide Sätze lassen eine Kenntnis der tatsächlichen kirchengcschichtlichen Entwicklung vermissen Ferner werfen Sie der„falschen Richtung in der Pfarrcrschaft" vor, sie habe geglaubt, dadurch mit der Ewig- kett in engerer Beziehung stehen zu können, wenn sie es sorg» fältig vermied, mit beiden Füßen in der Zeit zu stehen, und, die Zeit mit dem Volk erlebend, in das Licht der Ewigkeit zu stellen... Das ist offensichtlich eine kränkende Herabsetzung von Männern, die mit tiefstem Ernst um eine den Ausgaben der Gegenwart entsprechenden Ge- statt der Verkündigung gerungen haben, längst ehe es eine Bewegung bcr„Deutschen Christen" gab. Tic werfen dein Evangelischen Obcrkirchenrat und den unterstellten Konsl- storien Verrat gegenüber Gott und Jesus Christus und Verrat gegenüber Volk und Vaterland vor- Die Konsistorien, von denen Sie so schreiben, sind heute noch unsere vorgesetzten geistlichen Behörden. Eine solche Diffamierung von Män- nern, wie D. Weirich ober seines Vorgängers D- Zicllncr ist nicht geeignet, bei den Pfarrern„Zucht. Ordnung. Unter- ordnnng, Disziplin und Treue bis zum äußersten", die Tie mit Recht verlangen, zu stärken. Sie werfen Pfarrern, die aus heißer Liebe zur Kirche und um wachsendem Unheil zu wehren, auf völlig gesetzmäßigen Wege in Berlin persönliche Schritte tun, vor, sie suchten jetzt mit„ihrem Gewissen in den Ministerien zu hausieren". Damit tasten Sie die Lauterkeit von Männern a«, von denen manche seit Jahren in der nationalsozialistischen Bewegung führend mitgearbeitet haben. 4. Ihr Aufsatz geht bei der Beurteilung der Kräfte und WillcnSregungeu in der evangelischen Kirche von irrigen Boraussetzungen aus. Es wird bei den Lesern der An- schein geweckt, als ob nur bei den„Deutschen Christen" der Wille zur Neugestaltung der Kirche vorhanden sei, während der anders Teil eine„volksferne Pastorenkirche und eine Schule der Schristgelehrten und Pharisäer" haben wollte. In Wirklichkeit liegen die Dinge ganz anders. Es ist auch bei denen, die nicht mit der Reichsleitung der„Deutschen Christen" gehen können, eine entschlossene Bereitschaft da. am Zusammenschluß der deutschen evangelischen Kirche und an ihrem äußeren Neubau mitzuarbeiten. Nur sind sie der Meinung, daß dieses Ziel auf dem jetzt beschrittenen Weg der Gewalt und der Unterdrückung jeder freien Meinnngs- äußerung nicht erreichbar ist. Und sie will für das Verhält- ins von Staat und Kirche, die Grenzen festhalten, die der Reichskanzler in seinen programmatischen Ausführungen so eindeutig festgelegt hat. Vor allem aber wünschen sie, daß die Erneuerung der Kirche aus einem neuen Verstehen und Verkünden des Evangeliums erfolgt. Das ist die Sorge, die viele ernsthafte Christen- menschen auch beim Lesen JhrcS Aufsatzes erfüllen wird und die ich Ihnen, sehr verehrter Herr Landrat, nicht verschweigen möchte. Er enthält zwar sehr orthodoxe Wendungen, ist aber im Grunde doch von dem Geist des Liberalismus und Ratio- nalismns erfüllt, den Sie bekämpfen möchten- Darum wird die Fortsetzung dieses Weges in Wirklichkeit unsere Kirche vom Evangelium entfernen, während Sie mit Ihren Freun» den hoffen, unserem Volk das Evangelium nahe zu bringen. Hier liegt die tiefe Tragik der gegenwärtigen Entwicklung. Ich kann nur herzlich und dringend bitten, diese Fragen, losgelöst von der kirchcnpolitischen Erregung der gegenwär« tigen Tage, in ihrer letzten Tiefe zu prüfen. Eine Abschrift dieses Schreibens lasse ich dem Herrn Reichspräsidenten und dem Herrn Reichsminister des Innern zugehen- Mit vorzüglicher Hochachtung! gez.: F. v. Bodelschwingh. Bitte eines deutschen Christen aus dem Bergischen Land an die Herren vom Evan» gelischen Oberkirchenrat Ihr Herren! Euch ist Macht gegeben. Darum aber auch Verantwortung. Im Rundfunk hat der Kultusminister eine Rede gehalten. Die war Lästerung des lebendigen Gottes. Könnt Ihr dazu schweigen? So„macht Ihr Euch teilhastig fremder Schuld". Meine Freunde und ich sind einfache Christen, aber wir kennen unser» Bibel...„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir"! Soll das im neuen Kirchenregiment nicht mehr gelten? Wo wird Euer Zeugnis bleiben? Im Rundfunk hat der Kultusminister und sein Kirchen» kommissar über unsere alle Kirchenleitung die schwersten Be» leidigungen ausgesprochen Wir kennen unseren General- superintcndenten. Wir wissen, daß er nicht lügt. Er hat die Dinge anders erzählt. Euch und Eure Herren, nach deren Willen Ihr reden müßt, kennen mir nicht. Die angegriffenen Führer unserer Kirche sind immer noch unsere Führer. Sie entziehen sich ihrer Pflicht nicht. Tchutzlossindsieder öffentlichen Schmähung preisgegeben. Aber es heißt: Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten! Ich denke, das gilt auch in Eurem Katechismus? Wo wird Euer Zeugnis bleiben? Ihr seid jung in Eurem Amt. Ihr kennt die Akten und die Abmachungen mil dem Staat nicht. Wir kennen sie aus treuer Zeugen Mund, die für unsere Kirche berieten und kämpften, che Ihr davon eine Ahnung hattet. Auch der Kultusminister kennt die Akten nicht. Das mag ihn eut- schuldigen. Aber jetzt könnt Ihr Euch und ihn besser unier- richten. Wir erwarten den Erfolg.„Die Menschen müssen Rechenschaft ablegen von jedem faulen Wort". Das sagt Gottes Wort. Wir stehen dankbar und treu zu dem Werk unseres Führers Adolf Hitler. Ihr aber habt gemacht, daß unsere Stillen im Lande denken, er steftc nicht mehr zu seinem Wort und nehme uns die Freiheit des Glaubens. Schon spricht mai^in den stillen Stunden vom Kommen des Antichristen. Unsere Pfarrer können nichts dagegen sagen. Man glaubt ihnen nicht mehr. Sic müssen ja nur reden, was besohlen wird. Ihr handelt ja nicht danach. Unsere Pfarrer L müssen Dankgottesdienste halten, wo ernste Christen traueren und zur Buße rufen müssen... Warum helft Ihr nicht, daß die Freude an Adolf Hitler von dieser furchtbaren Last befreit wird? Da helfen alle Rundfunkreden nicht. Wir wollen Bekenntnis zu Gott und zum freien Evangelium mit der Tat und in der Wahrheit. Könnt Ihr die Verantwortung weiter tragen, daß der Führer nicht weiß, wie das terrori- fierté Kirchenvolk wirklich denkt? Könnt Ihr vor Gott und Eurem Gewissen verantworten, baß die stillen treuen Christen, die um GotteS Willen auch für ihr Volk und für ihren Glauben sterben können, das Werk der na- tionalen Erneuerung mit tiefster Glaubensnot ansehen? Bielleicht wißt Ihr selber nicht, wie die Dinge stehen. Man zwingt uns in die neue Glaubensbewcgung hinein. Die Zahlen über die Bewegung lügen deshalb. Ihr habt das Herz der Kirche nicht. Nicht nur die Stillen im Lande, nein — wer nicht unverworren denkt, lehnt Euch ab,— auch wenn er terrorisiert nichts sagen darf. Im Stillen aber denken viele, viele: Herr, mach uns frei von dieser Gewtssensknech- tüng... nicht von Adolf Hitler, de» erhalte uns Gott! Aber frei von denen, die sich berufen und decken mit seinem Namen! Sagen Hitler und meinen ich! Ihr Herren, ich schreibe offen, was Taufende meinen und Hunderte von Mund zu Mund tragen. Ich denke, es ist Euch lieb, die Wahrheit zu hören. Ihr habt die Macht. Ihr habt die Verantwortung! Wir sind nicht Menschen, die Revolte gegen den Führer machen. Wir haben mit Dank gegen Gott und Adolf Hitler begrüßt, daß er Minister Frick bestimmt hat, im Sinne Hindenburgs unsere Torgen zu heben. Wir grüßen Euch als Parteigenossen, die um Gottes Willen nicht schweigen können. Heil Hitler! Beidisbisdiol zum 12. November: .Wählt die Liste des Führers!" Das protestantische Kirchenoberhaupt macht Propaganda für die Wahlfarce Zum 450. Geburtstag D r. Martin Luthers am 10. November hat der Reichsbischof eine Kundgebung verösfent- licht, in der es unrer anderem heißt: Die Deutsche Evangelische Kirche erlebt den 450. Geburts- tag ihres Reformators in einer ernsten Schicksalsstunde des Baterlandes. Wir stimmenvonganzemHerzenzu, daß der Kanzler Leben und Ehre der Nation verteidigt: wir sind mit ihm eins in diesem echten und wahrhaften Friedenswillen gegenüber den anderen Böllern der Erde Ich fordere darum alle evange- lischen Kin.,en und Gemeinden auf. stch der gewaltigen sozialen Ausgabe, die uns obliegt, bewußt zu werden und bei jeder Gelegenheit auch in Gottesdiensten und bei kirchlichen Feiern, die Gemeindeglieder zur Erfüllung ihrer vaterländischen Pflicht am 12. November zu rüsten und zu festigen. Bei dieser Gelegenheit und in diesem Zusammenhang muß ich mich aber auch an die gesamte C h r i st e n h e i t der Welt wenden, um des guten Gewissens und um der Wahr- heit Willen. Bei dem großen Streit der Meinungen, die ent- standen sind durch Deutschlands Austritt aus dem Völker- bund, geht es ja um viel mehr als um die Dinge des äußeren vergänglichen Lebens. Es geht darum, ob im Leben der Bölker und Menschen die Wahrheit herrschen soll oder die Lüge. Gegen die Herrschaft eines solch Ehristus feindlichen Geistes der Lüge und Unwahrheit ruse ich die gesamte Christenheit aus zu flammendem Protest..., In Siam wird der Versuch gemacht, durch eine„Siamesisch-deutsche Vereinigung" Nazi-Gedanken zu verbreiten. In Argentinien geht die Nazi-Agitation vom DHV. aus, der über reichliche Geldmittel verfügt. In Südslawien wurde ein„Verband deutscher Akademiker" gegründet: et gilt als nazisch.— In Pettau kam es bereits zu Zusammen- stößen zwischen Slowenen und Deutschen. In Ungar» hat der Ministerpräsident Gömbös der Nazihetze unter der deutschen Minderheit seine Aufmerksamkeit zugewendet. Erst nach den Besuchen Popens änderte sich die Haltung Gömbös, so daß es zu Aussprachen zwischen ihm und dem Minder- heitenführcr Bleuer kam, denen das Deutsche Ausland- Institut„mit Hoffnung" entgegensteht. In Rumänien ist innerhalb der deutschen Minderheit ein heftiger Konflikt zwischen Nazidentschen und solchen, die mit der Gegebenheit des rumänischen Staates rechnen, ausgebrochen. Der „Deutsch-sächsische Volksrat" bemüht sich, den Bruch zu kleistern. Der Konflikt begann mit dem Versuch des Deutsch- rumänen Brandsch, im Einvernehmen mit der rumänischen Regierung erträgliche Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu schassen: diese Bemühungen werden Brandsch als Verrat ausgelegt. Die Nazigruppe fordert seinen Rücktritt. In Pole» steigt unter dem Einfluß der Naziagitation die Erregung der deutschen Bevölkerung in Ostoberschlesien und Posen- Pommerellen. Der Deutsche Bolksbund wandte sich wegen der Zeitungsbeschlagnahmnngen an den Völkerbund: von 40 Nummern der„Kattowitzcr Zeitung" wurden im Mai 30 Nummern beschlagnahmt. Es kommt immer häufiger zu Zusammenstößen zwischen Polen und Deutschen, mitunt--" mit tödlichem Ausgang. Im Memelgebiet wo ebenfalls die Naziagitation sich wirksam macht, hat die litauische Regierung die bestehende Gerichtsverfassung ab- geändert. TaS Kirchenabkommen ist gekündigt worden: Ge- setze, die es ermöglichen, gegen deutsche Beamte ein- zuschreiten, werden vorbereitet. Also auch hier führt die sinnlose und gewalttätige Naziagitation dazu, die Stellung der Deutschen zu verschlechtern. In Ostafrika wurde der„Deutsche Wirtschastsverband im Tanganyika- Territory zum„Deutschen Bund für Ostasrika" umgeschaltet. Die Leitung setzt sich nun aus Deutschnationalen und ge« tarnten Nazis zusammen. In Südwestafrika gibt es seit der Naziagitation ständig Konflikte zwischen Deutschen und Regierung. Ter Deutsche Schulverein Wins- huk ist nazisch. Im Landesrat ist ein Gesetz eingebracht worden, das Naziorganisativnen verbietet. Oie Verhetzimg der Auslandsdeutschen Das„Deutsche Ausland-Institut", Stuttgart, ist gleich- geschaltet worden. Der bisherige Leiter Generalkonsul Dr. Wanner mußte abtreten, um Raum für eine rem nazische Leitung zu schaffen. An der Iahrestagung des Institutes- nahmen teil: General Haushvser als Bevollmächtigter des Ftthrer-Stellvcrtrctcrs Heß, Gauleiter Schmidt für Göbbels» Herr Ruberg für das Außenpolitische Amt der NSDAP- und für Rosenberg, Geheimrat Rödiger als Vertreter des Rcichsaußen- und-innenministeriums, von der Aussichts- behörde des Instituts, dem Kultusministerium Dr. von Müller und Dr. Drück. Als Vertreter der Auslands- deutschen nahm der Führer der Banater Deutschen Dr. Kaspar Muth an der Tagung teil. Die Ausgabe des Jnsti- tuts wurde nur sehr verhüllt umschrieben. Ein Träger dcS echt nordisch-deutschen Namens Esaki tat das folgender- maßen:„Es entsteht die vertiefte Verpflichtung zu Helsen, und ich möchte es unterstreichen, nicht nur durch Stil- tun gen für Kirche und Schule!" Die ganze Ver- anstaltung zeigt deutlich den wahren Charakter dieser aus- landsdcutschen Bemühungen: Tausende von Auslands- deutschen sollen zur Uuruhcstiftung in Europa bcuützt und sinnlos geopfert werden. Holländische Glossen K r a m m er schreibt u. a. in„H e t V a b e r l a n d"(den Haags: „Man hat die prachtvolle, neue— funkelnagelneue— Dentschland-Jdec gehabt, von den sympathischen Rollen in den Passionsspiclen Arier zu machen. Doch letzten Endes hat inan doch beschlossen, daß die Juden im Spiel wie Juden aus- sehen mögen. Dafür gibt man dann als Argument au, baß es sich in diesem Spiel um Geschehnisse handelt, die sich in Zeilen abgespielt haben, die weit genug zurückliege». Ich bin neugierig, was die Kirche, die die Tatsachen, die hier gezeigt werden, doch als solche von zeitloser Bedeutung darzustellen pflegt, hierzu sagen wird. Aber vermutlich nichts Böses: sicher Ja und Amen: denn die Kirche ist auch gleichgeschaltet. Im übrigen finde ich es sehr schade, daß es so abgelaufen ist. Eine neue deutsche Fassung der biblischen Geschichten, ohne Juden in den guten Rollen, wäre doch sehr interessant ge- ivesen- Nun ja, das kommt wohl auch noch.— In Schleswig wird Isaak schon nicht mehr aus den Altar gelegt: vermut- lich deswegen, weil hier der eine Jude den anderen bedroht, nnd die Drohungen Privileg der Arier bleiben müssen. Und in Ostpreußen hat schon ein Geistlicher dem ganz alte» Testa- ment den Kehraus gemacht. Und was die Symbolik anbe- langt: in einem bayrischen Torf befindet stch schon eine Kirche mit einem zu einem Hakenkreuz umgebogenen Kreuz! So mutz es gehen! Aber heftig verbeugen!" Dr. Leu ist popular Wir entnehme» aus„H e t B o l k": „Dr. Ley hat sich nun auf einen neuen Popularitätsfeld- zug begeben: er inspiziert die Fabriken. Die Leitung der Ge- wcrkschaften kann er augenscheinlich eine Zeitlang ruhen lassen, und inzwischen reist der Herr Dr. Ley in Teutschland rund- In seinem eigenen Blatt berichtet er über îneien Triumphzug. Es ist einfach erstaunlich, wie sehr die Arbeiter auf einmal den Dr. Robert Ley lieben- Ueberall werden Versammlungen mit begeisterten Arbeitern inszeniert. Der schon populäre Leiter der Arbeitsfront kommt natürlich, gerade wie Hitler, auch per Flugzeug. Dann werden NSBO- Gruppen nach dem Flugplay geschickt, um ihn zu empfangen und eine SA.-Kapellc musiziert dabei. In den Tageszeitun- gen liest man von diesem einigermaßen lächerlichen Jnspek- tionszug wenig, und darum hat man bei Zusammenkunst des sogenannten kleinen Arbeitskonvcnt heftig gegen die schlechte Berichterstattung über Dr. Leys Triumphzug protestiert. Dem Wunsch nach besserer Berichterstattung ist inzwischen Genüge getan." Man höre, was Dr. Ley selbst einmal in einer Rede sagte: „Wir müssen mit den Köpfen zusammcndringen, genau wie es die wilde» Pferde tun, die, wenn sie in Gefahr sind, die Köpfe aneinander drücken, um»ach hinten mit den Husen ausschlagen zu können...." Das nennt man heute Gewerkschaftsbewegung. ..klein Kampf' in Znhnnfl anonym In dem Interview, das W a r d P r i c e. der Korrespondent der„D a i l y M a i l" mit Hitler hatte, sagte der Herr Reichs- kanzler u. a-:„Was ich unlerzeichnet habe, das halte ich auch, und was ich nicht halle» kann, das werde ich auch nicht mit meinem Namen zeichnen". Hierzu bemerkt„De Nieuve Rotterdamsche Courant" folgendes: „Wir können nun erwarten, daß„Mein Kamps" fortan ohne den Namen seines Schreibers erscheinen wirb: denn darin steht allerhand, was Hitler unlerzeichnet hat. aber was er »ach diesem Interview nicht halten kann." Naxis im Auslände In der Schweiz ist die deutsche Nazibcwegnng in den Sportvereinen konzen- tricrt, vor allem im„Deutschen Ruderverein Zürich". In Tsingtau veranstaltete der Kommandant des Kreuzers„Köln" anläß- lich seiner Ostasicnreise eine Gesallencnfeier, an der NSDAP, und Stahlhelm, beides gibts in der deutschen Minderheit in China, teilnahmen. In Brasilien hetzen die„Deutschen Evangelischen Blätter für Brasilien", geführt von Pfarrer Dohms-Tao Leopolds, im Sinne der Nazis. Infolgedessen beginnt der Konflikt zwischen Nazi- gruppen und normalen Deutschen auch in Brasilien an Stärke zuzunehmen, zumal der Pfarrer Dohms den Versuch macht, die brasilianische deutsche Kirche in irgendeiner Form dem SA. Müller zu unterstellen. Die brasilianisch-deutsche Kirche hat 1184 Gemeinden. Der umsichtige Geschäftsmann inseriert mit Erfolg in der „Deutschen Freiheit" dem Weifblaff Inserieren in der„Deutschen Freiheit" verbürgt allerbeste Erfolge Deutsche Stimmen• fôeilage zur„Deutschen Freiheit"• Ireiénisse und Geschichten r'v'"'"' T'l' M?s''!WWIL!!WWWîi' ■mmmm. Montag, den 6. November 1933 Sie mische Aus dem Jtcsinnshuch dec Judenhetze Aus den Blättern des„dritten Reiches" grinst der Wahnsinn, um Wochenblatt der„Ariosophen"(vom 8. Okt. 1983t wird "« Kapitel eines antisemitischen Machwerkes über Rassen- ^schichte nachgedruckt. Als Verfasser zeichnet ein Karl Weinender. Darin wird allen Ernstes nachgewiesen, daß von den ckuden auch die Hexen-und Ketzerverbrennungen Kunden wurden, um die Ritualmorderei fortzusetzen und ^'e Arier völlig zu verderben.'„Zahlreiche scheingetaufte suden schlüpften in den christlichen Priesterstand, um die Kirche zu einem Instrument des Hebräischen Bundes nmzu- gestalten..." Damit beginnt die katholische Ariervcrsolguug ^»d nun erklärt stch auch,„warum die grauenvoll gemarterten ■!?? lebendig eingeäscherten Menschen fast ausnahmslos den schönsten arischen Typus trugen..." Huß z. B. mußte "'cht etwa auf de» Scheiterhaufen, weil er ein Ketzer, sondern "^i! er, wie im Bild gezeigt wirb, ein Urarier war. Auf °'ese niederträchtige Weise konnte„die Austilgung" der ^»tüchtigsten Teile des deutschen Volkes unauffällig ge- 'wehen..." Ab und zu wurden zwar auch Juden verbrannt, Spanten war das zur Zeit der Inquisition sogar ö'e beliebteste Form der antisemitischen Pogrome, aber das "ort Hitlers Ariosophen nicht,' der sagenhaste„Hebräische ^und" war eben so raffiniert, daß er gelegentlich nur so zum scheine Taufende eigener Rassegenosscn mit verfeuerte, Objektivität zu heucheln und die besten Germanen um so Massenhafter zu erledigen: „Im ganzen rechnet man die Verluste an besten Menschen arischer Rasse durch die Ketzer- und Hexengerichte aus rund 9 bis 10 Millionen Menschen. Einen besseren und grauenhafteren Weg zur Austilgung oer wertvollsten rassischen Bestandteile des deutschen Volkes hätte der Hebräische Bund gar nicht fsnden können. .Zum Himmel schreit das ungcsühntc ungeheuer- iiche Verbrechen, das hier am deutschen Volke und an der arischen Rasse verübt wurde!" Selbstverständlich waren auch der„Kreuzzugschwindel", „schwarze Pest" und der„Dreißigjährige Ketzerkrieg" wdische Erfindungen zwecks Gcrmanenausrottung und «"»sseverderbnis. Aber dieser Quatsch Ist doch nicht ernst zu nehmen, das ist ?och Klappsmühlel— kann man hier einwenden. Zugegeben, ledoch das Blatt und der Verfasser des irrsinnige» Elaborats oclennen sich begeistert zu ihrem„Führer Hitler" und ge- boren zum faschistischen Lager. In der Demokratie wurde» wiche blutigen Rassehetzcrcien gelegentlich verboten, min- oostens trat ihnen die Vernunft der Gesunden öffentlich Zugegen. Das ist vorbei. Welches Blatt könnte im„dritten weiche" wagen, gegen solche gemeingefährliche Exzesse blank zu ziehen? Ungehemmt tobt sich dieser Irrsinn ans und treibt unter HitlerS Protektorat die offene Hetze zum Judenmord. £c wünscht sich was Ein echt deutsches Mädchen, das.... In der Nazizeitschrift„Deutscher Bauer" findet man folgendes Hciratsinserat: Ich wünsche ein wackeres, urwüchsiges, echtes deutsches Mädchen als Lcbenskameradin von nordischem Blut und Eharaktcr, rechtwinkelig au Leib und Seele, von gesundem natürlichem Empfinden, mit Schneid, Frci- hcitsdrang, Weiberstolz, Opfersinn und Sangcsfrcude, mit heißer Hingabe zu Volk und Titte. Heimat und Herz zur Natur, Tonne und Leibesübungen. Ein echt weiblich und ebenmäßig gerades, vollkommen gesundes und wetter- festes, unbedingt wahre? und ehrliches, furchtloses, treues Mädchen mit starker Lebcnsbcjahung und dein sieghaften Willen zu einem neuen schöneren Leben. Mit Lust und Eignung zur Landwirtschaft soll es fein.(Völkische Bauers- tochtcr und aus den Achtcrmannen oder sonstigen völkischen ErneucrungSbewegung.s Ein Mädchen, das Bestimmung in einem art gemäßen Leben aus eigener Scholle in Natur und Sonne als Weib und Mutter. Bäuerin und Mitkämpferin in unserem völkischen Kampf sieht— an der Seite eines gerade», gesunden, natur- und sportlieben- den, bäuerlich deutschen Mannes. Ich bin Ansang der dreißiger Jahre. 1,70 Meter groß, Reserveoffizier, derzeit Schulmeister, und will wieder Bauer werde». Vermögen nicht Bedingung, aber Gesundheit an Leib und Seele. Tanz- und Modepuppen ausgeschlossen. Für«neigen- uützige Vermittlung durch Gesinnungsgenossen wäre ich dankbar, freundliche Zuschrift mit Bild an die Administra- tion des Blattes„Deutscher Bauer" unter„Tanz- und Modepuppen ausgeschlossen". Wenn aus diesen rechtwinkeligen Leibern mit Weiberstolz und TangeSsreude nicht ein rechtwinkeliger, wackerer, ur- wüchsiger, nordischer, schneidiger, lcibesübcnder, wetterfester, sieghafter, ehrlicher, artgcmäßcr, bäuerlicher, lcbensbcjahcn- der, ehrlicher, furchtloser, landwirtschaftlicher. hitlertreuer, von Volk und Titte siedender Mustermensch entsteht, können dlc Hakenkreuzler zusperren. Ob der ein Meter siebzig große Schulmeister die ebenso rechtwinkelige wie minnige Maid finden und von der heißen Hingabe zu Volk und Titte zur ebenso heißen Hingabc an die Geometrie der völkischen Erotik hinlcitcn wird, ist freilich ungewiß. Möge Wotan es walte»! Wieviel Juden fielen im Weltkrieg? 1933ec= Qleichschaltec . Kürzlich veröffentlichte General a. D. von Haesten vom ^ichs-Archip eine Schätzung, nach der er die Zahl der im Weltkrieg gefallenen jüdischen Frontkämpfer mit 7 0 0 0 ait- 'turnt. Hierzu wird uns unter Hinweis auf die Nummer 13 îr Zeitschrist des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten e. V. 15. August 1983 u. a. folgendes geschrieben: ^»Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat ein H e l d c n- ,"ch heranSacaeben. das die Namen der im Kricae ae- f»st enen deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ."'hält. Es sind 10 800 Namen angegeben, davon 10 060 mit c* Nummer der amtlichen Verlustliste. Bei 94 Namen >>rde auf Grund der Sterbeurkunden der zuständigen ''andeSämter festgestellt, daß es sich um Kriegsopfer handelt. .8 ist noch nicht gelungen, die Namen sämtlicher jüdischer ^"iegsopfer zu ermitteln, was darauf znrtickzuführen ist, daß ' den Jahren seit Beendigung des Krieges viele An- ehörigx gefallener jüdischer Frontsoldaten verstorben sind, ^t» viele jüdische Gemeinden in den ehemals ^".tschen Provinzen, ganz besonders in der früheren Provinz ^?'"u, nicht mehr bestehen, so daß bei weitem nicht alle jü- ''chen Gemeinden in dieser Provinz erfaßt werden konnten, "ch nicht mehr zu erfassen sind. Es steht aber fest, daß ein ^'eblichcr Prozentsatz der Mitglieder dieser Gemeinden ^'"er den Waffen gestanden hat. Ebenso verhält es sich auch j'" den Gemeinden Elsaß-Lothringens, von "ten Berlusten auch nur ein Teil bekannt geworden ist. Im ''Uli dieses Jahres war bei 10 275 Männern durch Urkunden r C V, daß sie im Weltkrieg gefallen sind. Bon den 1014 leben- e" 553 000 reichsdeutschen Juden haben 100000 mäh- " n d des Krieges in der deutschen Wehrmacht Sedient." Seutsch= indisches Jheatec in£ondon London spielt zur Zeit eine deutsche Theatergruppc. ^"'ntlich jüdische Schauspieler, die von deutschen Bühnen ^"trieben worden sind. Die Regie führt Leopold I e ß n c r, J* frühere Intendant des Staatstheaters in Berlin. Die Schauspieler sind zwar keine ersten Kräfte, aber tüchtiger Durchschnitt. Die englische Presse schrieb hervorragende t"tkifen und die„Times" bemerkte sarkastisch: Wie hervor- Eilend müssen die deutschen Theater sein, wenn sie solche leichtherzig abstoßen können. Die Gruppe spielt hier chillers„Kabale und Liebe" und Sudcrmanns„Heimat", .'der Stücke, die dem englischen Publikum nicht besonders îge». ®ie^Besten yehen Schwätzer bleiben die„Vossische Zeitung" mitteilt, hat der Berliner ^.'"iker Professor Erwin T ch r o c d i n g e r,„weltberühmt h. Vcgrllnder der Wellenmechanik". eine Berufung an die fefr ,0erfität Oxford und der Göttinger Mathematiker Pr>>- tw* Hermann Weyl,„der philosophischste und einer der uni- j. iolftcn Mathematiker der Gegenwart", eine Berufung an rsiorschungSuniversität Princetown(Amerikas an- ""'Men.. Er ist in Gärung übergegangen.... Ein Leser des Wiener„Neuen Tagblatts" stellt uns ein Schreiben zur Verfügung, das er von einem der vornehmsten reichsdeutschen Hotels(auf Papier mit Firmcnausdrucki er- halten hat. Wir geben das drollige Schreiben mit Hinweg- laßuug des Namens des Hotels im folgenden wieder: „Ihren Auftrag, mich nach der Qualität des llWer-Wcincs. der den Spitznamen„Gleichschalter" trägt, zu erkundigen, babe ich ausgeführt. Ueberall herrscht große Wut über diesen Wein. Er schmeckt allgemein nicht mehr, manche, die zunächst für ihn begeistert waren, können ihn heute nicht mehr trinken. Wenn auch viel Propaganda für diese Sorte gemacht wirb, so sagt das gar nichts. Große Mengen des Weines sind bereit? in Gärung übergegangen, teil- weise bei den Winzern selbst, teilweise bei den Leuten, die ihn gekauft haben. Wenn man Ihnen also in Wien diesen Wein direkt anbieten sollte, so lehnen Sic auf jeden Fall ab und geben Sie nicht nach, auch wenn das Angebot noch so günstig sein sollte und die Bedingungen noch so verlockend sind, die Weintrinker werben ja in kürzester Zeit ihre Unzufriedenheit äußern, und wenn Menschen einen Kater haben, so kann das mit- unter unangenehm werben. Ich habe hier wiederholt die Gesichter sehen können, die die Trinker gemacht haben, als sie über den Wein gesprochen haben. Um so mehr kann ich Ihnen die Weine aus unserer Kellerei empfehlen, das sind altbewährte Jahrgänge: eine Liste habe ich Ihnen zugchen lassen. Sonst wird hier das Leben langsam teuerer. Man schlägt sich aber durch, denn es ist die Hoffnung, die wir hier alle haben, daß es besser wirb. Ich hoffe, daß Sie mit der Erledigung meines Auftrages zufrieden sind und verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung" usw. Qasschutz=ilnivecsität Das Allermodernste spielend Braunschweig, 8. Nov.(Jnprcßl: Der massenweise Abbau von Schulen und die Erschwerung des Zugangs zu den Unt» vcrsitäten wird entsprechend den Grundsätzen des„dritten Reiches" ausgeglichen: man hat in Braunschweig eine Luit- und Gasschutzschule errichtet, die nach den offiziellen Be- richten„zu dem Modernsten gehört, was man aus diesem Gebiet bisher eingerichtet hat". Die Schöpfer der Schule haben sich von dem Gedanken leiten lassen,„daß der Gedanke des Luftschutzes spielend in die Jugend und in die Familie hineingetragen werden müsse". Zopfhaltet mit 9takenkceuz Eine lippische Firma bar bei der Prüfstelle für Schund und Kitsch einen Zopfhalter zur Genehmigung eingereicht, auf dem ein Hakenkreuz oder ein schwarzwclßrotcs Fähnchen angebracht war. Eine Berliner Firma hat Spielkarten her- gestellt, die an Stelle der Bilder von Königen und Buben die Bilder Hitlers und anderer Nazigrößen zeigten. Die Bilder Hitlers wurden weiter verwendet aus Papier- lampions, schwarzweißroten Bleistiften, bei Taschenspiegeln und, selbstverständlich, mass87 und 1I!88 enthalten folgende Verbote;„Tic rote Fahne", Mal 1988; Juliansgabe Nr. 1 1088 der„GcwerkschaftSzeltunn": „Neue Arbeiter-Zeitung"»Iii der llcberschrlst„lrop Verbot! Tie Kommunistische Partei ist nicht zu verbieten!";„Ter Spiegel" (Rigas;„Erzgebirgo-Zeitnng«aiscrwald-Bote"(Zaazt. Hitler gib' ein Gesicht „Adolf Hitler wird alles tu», um dem neuen Deutschland auch in den Werken seiner Künstler ein Gesicht zu geben, das für alle Zeiten Zeugnis ablege» soll für das Wirken»nd Walten der national- sozialistischen Idee."(Otto Dietrich in dem Buch„Mit Hitler z»>° Macht".» Eine Tagung der deutschen Auslandslehrer fand in D a r IN st a d t statt. Ter Reichssiihrer des VTA., Etelnachet, bezeichnete es als Aufgabe der deutschen Lehrer im Ausland,„den seelischen Gehalt der deutschen Revolution unter die Auslands- deutschen zu tragen". Direktor Zchulz, Madrid, bezeichnete die Auslandsnazi als SA.-Miinner des Geistes. Tie Aiislandslchrcr wurden in den Naiionalsozialistischen Lehrerbnnd ausgenommen. Disteln und Eeigen „Ter levensgesetzlich Tenkendc weih; Ter Nationalsozialismus richtet wohl den Willen de» Gcsamtvolte» aus das Beste hin, aber auch er erhobt nicht den Wert der bereit» vorhandenen Einzel- menschen, lind im lebenttgcsctzlichen Zinne sind nun einmal viele Zeitgenossen Disteln, von denen wir bei allem gute» Willen und Arbeitseifer niemals erwarten dürfen, Feigen zu ernten."«Richard Eichenauer, Gedanken über die Tonkunst im neuen Reich, NT. Monatshefte Nr. 4L.) In den Wolken— und auf dem Schnupftuch „Ob Zofakissen oder Mundtücher— kein Ting, das nicht geeignet erscheint, durch die nationalen Tumbole modernisiert zu«verde». Selbst ans dem Bild eine» Landschaftsmaler» taucht in den Wolken das Hakenkreuz ans. In einem Laden fand ich eine Weckuhr vor, die das Hoheitszeichen trug, den Gipfel der Geschmacklosigkeit dürfte jedoch wohl da» Hitler-Bild ans dem Zchnnpstuch bedeuten." (,L?ogischc Zeitung", Berlin, Nr. 458.) Eierzipfel mit Hakenkreuz „lind der Philister mit einem Hakenkreuz aus dem Bicrzipsel bringt nur zum Ausdruck, daß er innerlich noch wenig vom Hauch des nationalsozialistischen Geistes verspürt hat."(Dr. Möglich, stellvertretender Gaukulturivart der NZTAP, über den Kamps gegen nationalen Kitsch.) Eine neue Wissenschaft Dr. Mar Hildebcrt Böhm wurde zum vrd. Professor stir Volk»- the or it und Vollst» m âjoziotogie an der Universität Berlin ernannt. Schweizerisches und tleleelechee Wuretwarengeechdfl Kuchenbhckeral, Konditorei, Weine und llhbre Jxaduits Mim id 78 Boulevard de Strasbourg, S, rue St. Laurent $Qris t bei Sara de l'Est Telefon 4 Linien vereinigt unter BOTZARIS 81-10 Besuchen Sie Reibros! Dort werden Sie die schönste Wahl von Pariser Damen-Hüten finden, von unvergleichlichem Schick und Qualität— Preis ab 39,— Frs. REIBROS- 11, ruo La Fayette• PARIS Domensdftneider J. Mastchenko 7, Rue du Mardi* St. Honoré.* Tel. Opère 72*79 Kleider, MÄntel, Pelxe. Umarbeitg., Reparierung Kosmetische Kurse „MACO" cr= Vorbereitung kosmetischer Produkte Verteilung der Diplome M 278, BOULEVARD RASPA1L| Telefon Danton 73-99 «WM« Die Bauern erwachen! Ohnmacht fiber die Agrarkrise Aus dem Reiche wird geschrieben: Bauern murren in Franken und Pommern, in der Eisel und in Schlesien. Aus zwei deutschen Ländern kamen in den letzten Tagen Nach- richten, die zeigen, daft stellenweise die Unzufriedenheit, die Enttäuschung, die Verzweiflung über das Versagen der letzten Hoffnung nicht mehr beim Murren stehenbleibt. In den Dörfern rings um das Städtchen Vechta in Oldenburg sind eine Woche vor dem„Erntedankfest" die SA.- Uniformen, Hakenkreuzsahnen, Hitler-Bilder verschwunden. Nicht ohne sehr aktives Handeln der Bauern. Diese olden- burgischcn Bauern, noch vor einem halben Fahr begeisterte Nationalsozialisten, haben sich strikt geweigert, für die Ernte Herrn Hitler zu danken. Sie wollten durchaus nicht be- greifcn, daft es ihnen doch so viel besser geht als früher. Was hatten sie mcht alles vom„dritten Reich" erwartet? Tilgung der Schulden, Wegfall der Steuern, verdoppelte und verdreifachte Preise. Die Zinsknechtschaft wird gebrochen, es gibt unbeschränkten zinslosen Kredit. Das war vor dem glorreichen Sieg des Hakenkreuzes. Und nachher? Ja, Bauer, das ist etwas andres! Die Schulden sind nicht getilgt worden. Die Preise haben sich nur um ein unbedeutendes erhöht, welche Erhöhung durch die Preis- Steigerung ivichtiger Fndustrieartikel fast wettgemacht wurde. Iber zu den neuen Preisen können die alten Kunden nicht mehr soviel kaufen wie vordem. Die Schwierigkeiten, Milch, Jett und Fleisch in der Stadt abzusetzen, werden von Monat zu Monat größer. Das Einkommen der Bauern aus dem Vertauf ihrer Erzeugnisse sinkt, trotz geringer Preis- erhöhung. Aber die Steuern sinken durchaus nicht. Kredite gibts keine, und wenn es schon einmal Kredite gibt, dann müssen für sie Zinsen bezahlt Wörden. Die„Zinsknechtschaft" blüht und gedeiht nach wie vor. >,n Oldenburg waren die Bauern noch vor wenigen Iahren demokratisch. Oldenburg hatte einen demokratischen Minister- Präsidenten. Und als jetzt die Bauern erkannten, ivie nian sie betrogen hatte, da erinnerten sie sich ihrer besseren Ver- gangenhcit. Sie erklärten, nichts mehr von dem ganzen Kram wissen zu wollen. Sie gaben weder Geld für die unaufhörlichen Sammlungen noch für die Entsendung einer Delegation zum Erntedank- fest in der Rattcnsängcrstadt Hameln. Den beiden Kerlen» die sich dazu hergeben wollten» nach Hameln zu fahren, wurden nachts die Fenster eingeschlagen. Daraufhin kam aus der Stadt eine Abteilung TA., Orb- nung zu machen. Es setzte schwere Prügel, die SA. traf aus eine so allgemeine und tiefe Erbitterung, daft sie es vorzog, zu verschwinden. Die Hakenkreuzsahnen flogen aus den Mist- Haufen und die Hitler-Bilder in den Oscn. Ganz ähnliches spielte sich in K l o p o e n b u r g im Olden- burgischcn ab. Zu überaus peinlichen Auseinandersetzungen kam es in der Nähe von Delmenhorst, wo sich der Ein- stuft des nahen Bremen, wo die Nazi mit ganz besonders bösartigen Marxisten zu tun haben, sehr fühlbar macht. Natürlich hat man die Bauern inzwischen wieder nieder- gezwungen. Ein lokaler Ausruhr vermag nichts gegen die konzentrierte Gewalt der Verbrecher. Aber daft es dazu kommen konnte» ist ein überaus erfreuliches Zeichen. In Mecklenburg waren die Nazi als die einzig echten Bauernsrcunde aufgetreten. In ihrem Kampf gegen die Deutschnativnalen hatten sie zu den demagogischsten Mitteln gegriffen und es mar ihnen in der Tat gelungen, die schwer- fälligen, geduckten mecklenburgischen Bauern aus ihrer Lethargie aufzurütteln. Wovon die armseligen Pächter sonst nur im heimlichsten zu träumen gewagt hatten, das sprachen die Nazi offen ans. Der freie Bauer auf freier Scholle— das sei das Ziel des Führers. Und nun ist der Führer Kanzler, allmächtiger Herr in Deutschland. Nur stöhnen die Pächter noch immer unter der Last des Pachtzinses, nur ist noch immer der grofte Grunbesitz in den Händen der so geschmähten„seinen Leute", und der arme Teufel mag sehen, wo er bleibt. Muckt er aus, dann setzt es Hiebe. Er muckt aber zuweilen doch auf. Was sich bei P a r ch i m und L u d w i g s l u st abgespielt hat, wird im einzelnen erst bekanntwerden. Doch es genügt, zu wissen, daft in den Polizeigesängnisse» der beiden Städte Dutzende von Bauern sitzen, die lokalen Zeitungen Morddrohungen gegen die„ehr- vergessenen Verräter aus dem Bauernstand" ausstoßen, die dortige TA. von„unwürdigen Elementen" nunmehr schon zum drittenmal gereinigt wird, um zu erkennen, daß die Gärung auch im Mecklenburgischen bereits ein bedrohliches, ein überaus erfreuliches Ausmaß angenommen hat. Hitler kann der ungeheuren Agrarkrise ebensowenig Herr werden wie der industriellen Krise. Die Heilung der Bauern vom Hakenkreuzwahn hat begonnen. ßtoberts Patschhändchen «Deutschland, die groBe Kinderstube" Nicht aus einer Kinderfibel, sondern aus dem von Herrn R obert Leu herausgegebenen„Westdeutschen Beobachter" s immt folgende rührsame Geschichte über eine Fabrik- b.iichttgung in Troisdorf durch Herrn Robert Ley: „Bei dem nun folgenden Rundgang wurden die ausge- dehnten Arbeitshallen des Werkes eingehend besichtigt. Ueber- a wo Dr. Ley erschien, wurde er herzlich begrüßt. Er ging n cht etwa den üblichen Bestchtigungsgang durch die Hallen: keine noch so winklige Wendeltreppe war ihm zu steil: zu sihmutzig und kein Ofenplatz zu rauchig. Ueberall, in die äußersten Winkel und Ecken, überall dahin, wo er arbeitende Menschen vermutete, drängte eö ihn. Für jeden arbeitenden V olksgenossen, ob hinter dem Schraubstock, am glühenden Gicftoscn, oder am Bottich mit Schmutz und Schweift bedeckt, fi r jeden hatte er ein herzliches Wort, einen Händedruck. Ge- r de die, die schmutzigste Arbeit verrichteten, gerade die mit b ionderer Herzlichkeit zu begrüßen, mar ihm ein Herzens- b'ürsnis. Das fühlten die Arbeiter, waren sie auch im ersten ?:gcnblick vom Staunen überwältigt, dann wandelte es sich d h schnell in eine tiefe Freude, die sich auf den überraschten E sichtern widerspiegelte. Sinnend hat sich mancher der Arbeiter nachher seine Hände besehen, diese Hände, beschmutzt von Oe> und chemischen Stosscn, hatte der Führer der Deutschen Arbeitsfront nicht gescheut zu drücken, im Gegenteil, mit ganz besonderer Freude hatte er sie ergriffen, gerade weil sie von der Arbeit so schmutzig waren. ? utch einer konnte eö nicht verstehen, das Gedankengut des £ itionalsozialismus ist ihm noch zu neu, viele aber haben c? verstanden, und allen aber werden diese Augenblicke für i mer als ein Erlebnis hasten bleiben. Wie ivenig alle diese ä iere Kleinigkeiten Dr. Ley abschreckten, beweist ein k iner, aber bezeichnender Vorfall. In einem der Arbeits- r ume, in dem unter peinlichster Sauberkeit die Zelluloid- 9 alten fertig verarbeitet werden, wollte Dr. Leu einer der ? beitcrinncn die Hand geben. Ein Blick auf die darge- l ene Hand, und entsetzt ivies sie die Hand zurück mit der ! merkung:„Erst müssen Sie sich die Hände waschen, da ich s ist meine Platten verderbe." Erstaunt blickte Dr. Leo auf s ne Hände und lachend stellte er die Bescherung fest: Ueber > d über mit Ocl und Schmutz bedeckt, sahen sie fast s Hümmer aus, als die eines Arbeitsjungen. Als sie mit viel . dz 260 298 161473 109 433 nach: Großbritannien... 72 578 56 870 24 585 UTA 78 001 83 828 29 959 1»£, 3 Holland 16 004 15 575 12 722^ fg. Belgien 7 322 8 679 7 454'^ Frankreich 2 953 7 068 4 655°' ß Schweiz 4 327 4 107 6 648 Eanada 8 593 3 834 3 407 Argentinien 11 900 4 926 2 248 Italien 8 889 2 218 1 661 Brit. Südafrika... 2 069 1 470 992 J j* Dänemark...... 3315 8445 1352 J*. Schweden 2 084 2 154 1 534 1^ Australien 8 603 1 120 479 l\. Brasilien.8 461 490 268 L. Brit. Indien 5 571 1781 748 Niederl. Indien... 2 031 999 602 Lcdcransiohr bankrott »?îe.»DAZ." berichtet: Tie unerfreulichen Seiten lederwirtschastlichen Zwischenbilanz liegen in der m a v ö k. haftausgenutzten Produktionskapazi tat u» den entsprechenden Arbeitsverhältnissen d" L e d e r l n d u st r i e b e g r ü n d e t. die auf dem Verluste^" sich dem deutschen Export verschließenden Auslandsmar. beruhen. Die Zahlen der Lcdcrbilanz per 31. Juli b. I. diese: Außenhandel in Leder 1. Halbjahr in Stück 1933 1932 1931 Einfuhr.... 32157 30 116 56 070 Ausfuhr... 49163 48 418 70 049 Leb er ausfuhr im 1. Halbjahr 1929 und H- 1. Halbst 1929 1. Halbst 1938 Verlust i. Pt". Lederausfuhr in dz 81 334 49 163 49 Lederaussuhr in 1000 M. 132 892 43 578 67 davon in dz nach den bisherigen Hauptabnehmerländerv- Großbritannien... 24 583 7»79 67 USA. 20 667 4 253 79 Italien 14 883 3 122 79 Oesterreich 8 337 1259 85 Holland...... 7467 3 724 50 Frankreich 7 311 3 665 50 Tschechoslowakei... 6570 1 357 79 Eisen-Ausfuhrpreise erhöht.. Die internationale Bcrkaufsverbände haben in BrM beschlossen, die Grundpreise für Formcisen, Stabcisen< Bleche um 2,5 Prozent Goldschilling heraufzusetzen. Tie v> höhung gilt für alle Länder, in denen der internationa. Wettbewerb auf ein Minimum beschränkt ist. Sie erstre» sich also aus die meisten Exportmärkte mit Ausnahme einS^' ner europäischer Gebiete und Englands, sowie der voder englischen Eisenindustrie bearbeiteten Märkte. vie„Deutsche Freiheit Einzig« unabhängig« Tageszeitung Deutschl»""' mufj man regelmäßig lese" Abonnieren Sie sofort Bestellschein Ich uriuche um r«gelmä(jig« Zusandung dar„D«ulsch«n Fr«ih*9 Unterschrift Chez Wanda r«*« Ca n ut a r 11 n Cabaié, Dancing, Mittag- und Abendessen, Orchestre The two hot players„Marcel" Yvonne Henrv Tassia Mouiatoft, /orin, Go ovko u a Direktion: O.carL. durvEri.low I PARIS-ETOILE Ö. RUE D'ARMAILLE CIEZ KIINILOFF Berühmt durch seine vortreffliche Küche u. seine Spezialitäten. 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Pariser Theater-Anzeiger Pathe-Nathan drehen nach dem großen„Miserables"-Film, dem Zeitbild nach Victor Hugo, u. a. einen Film„Karl der Große". In den„Walküren" und„Götterdämmerung" gastieren Frida Leider und Laurits Melchior in der Großen Oper. George? Dclance bearbeitete die französische Version der „Blume von Hawaii", die ihre Uraufführung im Alhambra-Theater erlebt. Der Komponist der Operette, Paul Abraham, ivird bekanntlich in Teutschland von den staatlichen und städtischen Bühnen boykottiert. „R ose de France" heißt der neue Operettcnrcvue- Erfolg-des Theatre Chatelet, das von S. Romberg stammt. Maurice Ravel arbeitet an einem Ballelt und an einer Oper. Das Ballett soll noch in dieser Saison von Ida Rubinstein kreiert werden, der Oper wird Dclteils expressiv- nististbe„Jeanne d'Arc" als stofflicher Vorwurf dienen. Ida Rubinstein wird außer dem neuen Opus Ravels die Uraufführung eines Neuen Balletts mit Chören, an dem Florent Schmitt arbeitet, herausbringen. DartuS Milhaud beschäftigt sich augenblicklich mit der Fertigstellung einer Filmmusik. D u l l i n, der berühmte Leiter bcö Atelier, hat den „Richard UI." von Shakespeare tn einer neuen Bearbeitung von Andre Obey herausgebracht. In der Comedte Fran- raise wird der„neue" Coriolan von Shakespeare eine interes- sante Parallele bieten. Lotte S ch o e n e und Maria Novotna werden in Max Rein- Hardts„Fledermaus" mitwirken In„Miracles" wurde der amerikanische Vagabundenfilm „Jungens ohne Liebe" gezeigt, in den„ChanipS Elysees" die Verfilmung des„Knock" von Jules RomainS, im„Raspail 210" die Verfilmung des berühmten NegcrdramaS„Kaiser Jones" von Eugene O'Neill. Noch nie dagewesen in Paris Die Schneider von Grcnell- früher Lieferanten der großen Pariser Magasins dipt. Schneider 19, ru« de Lourmel, Metro Dupleix, Telefon Segur 15*08 teilen ihrem großen Kundenkreis mit, daß sie sich entschlossen haben, die großen Geschäfte nicht mehr zu beliefern und verkaufen ihre gesamte Fabrikation an Pi ivatkünden. Sic profitieren dadurch die billigen Preise und außergewöhnliche Konditionen Sagen Sie selbst: Damenmantel mit Pelzkragen versch. Farben, 150 Fr. Mäntel ohne Pelz bedeutend billiger- Derselbe Preis auf Bestellung Verkauf nur Sonnabends von 14-20 Uhr und Sonntags von 8-20 Uhr Besuchen Sie unsere Ateliers täglich Unzufriedene erhalten das Geld zurOck Caimeite und die Den sdien Der große Tuberkulose-Gelehrte C a l m c t t e, der in Paris gestorben ist, wurde in Deutschland hauptsächlich durch den Unglücksprozeß in Lübeck bekannt. Es ist aber längst klargestellt, daß die Kinderimpfungen Calmcttes einwand- frei und die Opfer an der Ostsee durch mangelhaste Le^ rung der Kulturen entstanden sind. Ueberall sonst hat vus Calmette- Verfahren die Tuberkelkeime, die Geißel der Menschheit und besonders der Arbeiter, gezähmt. Calmette ist 70 Jahre alt geworden. Er wohnte in der Rue Falgnierc, in einer vielen Malern bekannten Straße in der Nähe des Montparnasse. Im Kriege hat Calmette schwere Konflikte mit der dent- scheu Besetzung gehabt. Er ivar Leiter des Teucheninstitnt» in Lille und war gerade zum stellvertretenden Direktor des Instituts Pasteur ernannt, als der Krieg ausbrach. Das deutsche Oberkommando ließ ihn nicht heraus. Erst nach dem Waffenstillstände konnte er sich nach Paris begeben, wo er zum Leiter des Tuberkulosc-Laboratoriums ernannt wurde. Er hat Hervorragendes auch in der Serumtherapie und in der Bekämpfung der Schlangengifte geleistet. Tie Leiche des großen Bekämpkers der Feinde der Mensch- hcit wurde in der Krypta des Instituts Pasteur auf- gebahrt. ver valken'Snser van Varls Tic Naturgeschichte des städtischen Kater-Parks von Parts, den wir wiederholt beschrieben haben, entwickelt sich unter reger Anteilnahme der Bevölkerung zufriedenstellend weiter. Die Kater, die durch eine Erzeugung„rassereiner" Nachkommen die alten Viertel von Paris säubern sollen, stehen unter der Obhut des Dr. Loir, der der„Apostel der lltattenvertilguna" aenannt wird. Dieser Doktor hat bereits in Havre ein Kater-Gestüt von so herrlichem Wachstum an- gelegt, daß kein Geringerer als Herriot das Muster in Lyon nachmachte. Der Pariser Stadtrat hat die beiden feurigen Kater, wie sich herumspricht, in der Nähe der Schlachthäuser von Baugirard angebaut. Die Tochter des Tierarztes pflegt dort die beiden auserlesenen Tiere, die natürlich besonders gut vor ihrem Werke gefüttert werden. Ach, wenn doch das Rasseamt der TS. auf dem Tchivaben- berge und überhaupt die ganze Nazikultur auch bloß zu solch nützlichem Zuchlzweck, statt zum Versuch auf Menschen vcr- wendet würde! Ex stens in Prankreich Französisches Maklerbüro vermittelt Beteiligungen, Ge« schäfts« und Grundstücksverkäufe, Mieträume zu Wohn« und Geschäftszwecken. Unbedingte Diskretion. Sprech« stunden unter Leitung eines deutschen Rechtsanwaltes Montags, Mittwochs und Freitags von 17—19 Uhr Anfragen unverbindlich zu richten an: Comptoir d'Echanges, Paris le, 1 PI des Deux Ecus Mitarbeiter in allen Städten gesucht Stiller oder ist net«eilhaber mit 31 bis 50000 Fr. für lukr. lau'end gut beschäftigtes Unternehmen der Holzbranche gesucht. Angebote an die ,,Deutsche Freiheit" unter Nr. 95i— 959 Ahreisehalber SEHR BILLIG wird verkauft ganz neu,« SchlafzimTtr, modern(2 Betten), ronce noyer, Divan-Lit, Küche aus Eichenholz, Spiegel Vinogradov, 3, r. Marid- Da»y. Zu besichtigen 10 bis 3 Uhr. 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AIS- dann wurde ihm ein Promemoria des Mannes von Frau Förster-Nietzsche, des bekannten Antisemitensllhrers Förster, vorgetragen, das dieser 1S70 an Bismarck gerichtet hat und das sich gegen die Ueberfremdung Deutschlands durch den jüdischen Geist richtete. Hitler hat nicht Nietzsches Tochter besucht, die es nicht gibt, sondern'Nietzsches alte T ch w c st e r. Selten hat etwas den Philosophen so nachhaltig erregt wie die Heirat seiner Schwester mit dein Antisemiten Förster. Nietzsche hielt alle Antisemiten für irgendwie defekt. Das hat er in vielen Aussprüchen bezeugt. Der Tote kann sich nicht mehr dagegen wehren, dast seine Schwester einen Menschen feiert, de» Nietzsche verachtet haben würde. Kornipilonsgeld für Nazis Großschieber Lahusen zahlte .In der Gerichtsverhandlung über die Nordwolle kam dieser Tage heraus: daft die'Nordmolle hohe Beträge an die Brüder Karl und Heinz Lahusen ausbezahlt hat, welche diese für politische Zwecke verwendet haben sollen. Die Anklage spricht von 50UIHI Mark jährlich, doch behauptet Karl Lahn- sen, die Summen seien bedeutend höher gewesen. Anfangs wollte der Angeklagte nichts darüber sagen, wem die(Gelder zugeführt wurden. Später jedoch gab er zu, daft die deutsch- nationale Partei in Oldenburg 50 000 Mark von ihm er- hallen hat und daft auch nach München Gelder gegangen sind. In diesem Augenblicke griff der erste Staatsanwalt mit der Frage ein:„Aber doch nicht an die NSDAP.? Zur gröftten Bestürzung antwortete Karl Lahusen:„Doch, gerade an diese!" Auch nie Steaergericn'e „Klar, deutlich, straff und würdevoll" Zur Hebung des Ansehens der S t e u e r g e r i ch t c hat der Reichssinanzminister in einem Runderlast vom 6. Oktober 19-83(0 1740— 7 3) für die mündlichen Berhand- Lungen der Finanzgerichte folgendes angeordnet: 1. Alle im Sitzungszimmer anwesenden Personen sind zu veranlassen, beim Erscheine n des Gerichts zu Beginn der Sitzung aufzustehen und das Gericht mit dem deutschen Gruft durch Erheben des rechten Armes zu griiftc». Das Gericht erwidert diesen Gruß, sobald alle mit- wirkenden Mitglieder des Finanzgerichts an ihren Plätzen angelangt sind. Bei dieser Erwiderung spricht der Bvr- sitzende des Gerichts, den anwesenden Personen zugewandt, klar, deutlich, strass und würdevoll die Worte„Heil Hitler!" aus. 2. Nach Schluß der letzten Verhandlung entfernen sich die Mitglieder des Finanzgerichts aus dem Sitzungszimmer, in dem sie das anwesende Publikum mit dem deutschen Gruft durch Erheben des rechten Armes begrüßen. Der Vorsitzende spricht wieder klar, deutlich, straff und würdevoll, den anwesenden Personen zugewandt, die Worte„Heil Hitler!" aus. Das Publikum erhebt sich von den Plätzen und erwidert den Gruß. Städ'e we'lc'lErn... um den Ruhm der Judenreinheit Im alten Griechenland stritten sieben Städte um die Ehre, die Vaterstadt des Tichters Homer zu sein. T e u t s ch e «tädtc haben ernstere ,'jielc als den Ruhm, einen zwar wclt- berühmten, aber wegen Blindheit völlig militärumauglichen Versemacher hervorgebracht zu haben. Unlängst verbreitete eine Korrespondenz die Meldung, dan M a r b u r g die einzige deutsche ètadt sei, in der es keinen jüdischen Rechtsanwalt mehr gebe. Nach Turch- sührung der neuen Gesetze sei nur ein einziger südlicher Rechtsanwalt geblieben und dielen babe man vom Amie suspendiert— übrlaens ein klarer Beweis, was es mit der„Berechtigung" der angeblich verschonten jüdischen Kriegsteilnehmer usw. aus sich bat! Hui, da erhob sich aber ein Sturm des Widerspruches. Es zeigte sich, daß Marburg ganz und gar keinen Anspruch a>n den Ruhm der alleinige» Judcnreinheit hat. Ein Thüringer Anwalt schrieb an die„Franks. Ztg.", daß es allein in T h ü r i n a c n 47 Amtsgerichte ohne jüdische Anwälte gebe und die sieben Landgerichte Thüringens würden auch binnen kurze,n iudenrein sein. Wir ab r fragen: was sind schon die sieben griechischen S'ädte. die den Homer geboren haben wollen, gegen die sieben judenretnen Thüringer Landgerichte?!> Monarchische Schmerzen Auch der Papst hat seine Sorgen Die belgische Presse berichtet über die sensationellen Gc- rüchte, die im belgischen Adel zirkulieren. Nach diesen Ge- rächten soll die Ehe der Tochter des Königs Albert,. Marie Jose, mit dem italienischen Kronprinzen und Thronfolger Umberto vom Papst gelöst werden. Als Ursache der geplanten Ehescheidung führt man dynastische Erwägungen an. Nach der angeblichen Feststellung eines berühmten Gynäkologen soll der Kronprinzessin nämlich der Kindersegen versagt sein. Da Kronprinz Umberto jedoch der einzige Sohn des italic- ntschen Königspaarcs ist, muß die Frage der Thronfolge eine befriedigende Klärung finden. Nun ist aber nach den ttalte- ntschen Gesetzen eine Scheidung nicht möglich, wenn nicht der Papst die Ehe löst- Man vermutet, daß der kürzlich erfolgte Besuch des belgischen Premierministers, des Grafen de Brogueville, und des Finanzministers Jaspar beim Papst den Zweck hatte, die Borgänge am italienischen Königöhof, die sich aus die Ehescheidung des italienischen Kronprinzen- paares beziehen, zu besprechen. An- und Verkauf zentraleuropäisehet und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles& P. Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX telefon taitbout 98-40 bis 48 Auch die ,,Kleine Anzeige" In det „Deutschen Freiheit' bringt Erlolg DER GERME HEILER Christian empfangt 47, Rue de Berri Erfolg von ersten Seancen. Konsult. gratis Revolutionierung der Auslandsdeutschen Der„Deutsche Grenzbuchereidieust" Hat seine Arbeit, die AuSlandsdeutscheu für das„dritte Reich" zu gewinnen, ver- stärkt. Ans der Tagung dieser Bereinigung, die kürzlich statt- fand, befaßte sich Dr. Franz Schriewcr-Flensburg ausführlich mit den Grundsätzen des Grenzdienstes und besprach»anient- lich die Verhältnisse an der deutsch-dänische» Grenze,- mit der dcutsch-polnischen Grenze befaßte fid) Dr. Otto Thiele, einer der Führer des„Bundes deutscher Osten". Uebrigens be- faßte man sich auch mit„Unserer Aufgabe für das Saarge- biet". Der Name dieses Bortragenden wird nicht genannt. Für das neue Geschäftsjahr steht dem„Grenzbüchereidienst" eine große Summe znr Verfügung. Wer sie hergab wird nicht gesagt- * London, 2. Nov, Im englische» Bergbau könnte es in den nächsten Wochen zu einem Streif kommen. Tie Bergarbeiter haben die Errichtung eines nationalen L o h n a m t s gcfor- dcrt,' der Bergbaiiminister hat jedoch im Hinblick auf die ab- lehnende Haltung der Bergwerksbesitzer diese Forderung ab- gelehnt. Die Bergarbeitcrgewerkschast will sich nun an den Ministerpräsidenten wenden und droht im Falle eines Miß- erfolges mit Streik. luden am 12. November Eine ungeklärte Frage Man schreibt uns: Sind zu der Abstimmung und„Wahl" am 12- Novembe auch die deutschen Juden aufgerufen?... Bekanntlich lautet die Frage:„Billigst Du. deutsch Mann, und du. deutsche Frau, die Politik Deiner Ret«- regicrnng?" Werden jetzt auf einmal die Jude»> „d e u t s ch e r Mann und deutsche Frau" angercoc> nachdem es doch lange als Beleidigung des Deutschtums^"! gesehen wurde, einen Jude» als„deutsch" zu bezeichnen. Ganz sicher ist diese Frage äußerst akut, obgleich visyr noch keine Zeitung, weder eine amtliche noch private steuun» dazu gefunden hat. Scheut sich die Regierung, dazu ein Parole herauszugeben? Tie Juden sind in schwieriger La»' Gehen sie nicht zur Wahl, kann ihnen dies als Staatssein. lichkeit ausgelegt werden, gehen sie zur Wahl, muß ct•} t eine Frechheit angeschen werden, daß sie sich als„deuticye Mann" und„deutsche Frau" ansehen. Wie sollen sie sich hier aus der Klemme Helsen? BUHUCfllHH Menetekel, Ihr Brief ist in allen Teilen beachtet worden. T-r zum Druck bestimmte Abschnitt wird veröffentlicht werden. W»ru sollten wir Tie einen„Nörgler und Bcgerwiner" schelten? l aben durch die sachliche Kritik an unserer Zeitung manches B«* 1 Eine Ihrer Anregungen ist gut. Ob uns die Kioske dabei be>tt werden, ist eine andere Frage, aber wir wollen es versuwe• Vielleicht schreibt Ihnen unsere Berlagslcitung noch. Einm würden Tie anders beurteilen, wenn wir mit Ihnen fpi'w 0' könnten. H. M. Wir antworten Ihnen mit Don vorlos:„Du sprichst von Zeilen, die vergangen sind" und fügen mit Goethe hinzu:„Nicht von Vergänglichem, wie'» auch geschah! llns zu verewigen sind Ja da!" ff. W. Bukarest. Zu unserer Schande müssen wir Ihnen gestehen, daß wir über die Laufbahn des Grasen Helldorf nicht so genau unterrichtet sind wie Sie. Ihre Hypothese unter 2 ist scharfsinnig' c? wäre aber doch wohl ein sonderbarer Zufall. Zu 8: Der Aussatz von Kisch ist auch von uns gedruckt worden. Aber damals kam wov die„D. F." noch nicht bis Bukarest. Tank für Interesse. Portal»». Tank für Ihre Müh« und Aufmerksamkeit. Aber«* war doch eigentlich nur eine Wirrshausschlägeret. Mögen lie Suss sich verhauen, soviel sie wollen. Schade für jeden Hieb, der daneben geht. „Wahlausrus," Für uns unbrauchbar. Helvellcus. Ihre Vermutung trifft nicht zu. Gegen anonyme MO* arbeite« sind wir besonders kritisch und misttrauisch. Wir wieder« holen Ihnen: einige Ihrer Einsendungen erregten unser Mißfallen. Wir lehnten sie ab und zweifeln seitdem an Ihrer Zuverlässigkeit. Es ist an Ihne», uns eines Besseren zu belehren. L. Ph. D. Ostendc. Ihre Mitteilungen sind sehr interessant. Wir legen sie uns zurück. Jetzt wäre die Verössentlichung vielleicht unklug. Frau ff, v. M. Ganz so gewaltlos, wie sie»ns wünschen, waren wir als Politiker nie und gedenken es auch nicht zu werden. Einst- weilen und wohl noch für lange gilt in der Politik das Wort Spinozas:„Äedcr hat soviel Recht, wie er Macht hat". N. R. Luncville. Dank für den Zeitungsausschnitt. Wird nach- gedruckt. Ja, das sind so monarchische Sorgen! Noch schwieriger wäre es. wenn man von der Dynastie Hiiler-Röhm einen Thronerben verlangte. Da könnte noch nicht einmal der Vatikan helfen. An mehrere. Bei Zeitungsausschnitten nie vergessen, den Namen der Zeitung, Datum und Nummer anzugeben. Nur so kann man gewissenhaft zitteren. Sehr erwünscht sind immer noch Ausschnitte aus deutschen Provinzblättern. Die gleichgeschaltete charakterlose Presse ist in ibrer Angst vor der Nazskonkurrenz in den Verössent- lichungcn manchmal unbezahlbar dumm. Johannesburg fSüdafrikas. Besten Dank für Ihr« ermunternde Zuschrift. Ter wesentliche Inhalt wird veröffentlicht werden. Es ist uns immer eine besondere Freude, unsere Arbeit von Auslands« deutschen anerkannt zu sehen, da wir wissen, wie stark sie dem Trommelfeuer nationalsozialistischer Agitation aus der Heimat aus- gesetzt sind. M. Amsterdam. Sic schreiben unê: Der Ausdruck.„Journaille", den der„Dortmunder Generalanzeiger" ivgl. Nr. 104 der„D. F.") als geistiges Eigentum des Propagandachcis Göbbels reklamiert, ist geprägt worden von dem Juden Karl K r a u h, dem Heraus- gcbcr der Wiener„Fackel". Solcher literarischer Diebstahl ist bei den Nazis nichts Seltenes. Der„Vorwärts" hatte einmal einen s'aiisdichtcr, der unter dem Pseudonym Mich, von Lindenhccken schrieb. Der Name, dessen Auflösung sich nach dem Schüttelreim- prinzip ergibt, veranlaßt« die Nazipresse zunächst zu moralisch- entrüsteten Purzelbäumen, bis eines Tages Herr H e l in n t b Brückner, Gauleiter der NSDAP, für Schlesien, den Name» für sich„annektierte" und ihn unter die Leitartikel des„Schlcsischcn Beobachters" setzte. Der bisherige Inhaber und Erfinder des Na- mens verzichtet« darauf auf den weiteren Gebrauch. Moral: Ein Nazimann mag keinen Juden leiden, doch seinen Geist, den klaut er gern! Boregis. Der Bericht kam etwas verspätet an. Sie teilen unter anderem mit, daß der Landgerichtspräsidcnt H, in Aachen in einem Holben Jahre vom Amtsrichter über den Polizeipräsidenten zum Landgcrichtspräsidenten ausgerückt ist.— Er ist eben ein tüchtiger Pg. Im Avancement allerdings zeigt er beinahe„jüdische Hast". Renyork. Wir haben den Ausschnitt aus der„New Aork Herald Tribune" erhalten. Sehr interessant. Danke. Für den Gesamtinhalt veiantworllich: Johann P i tz in Tud« weiler: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, SchUyenstrabe 5. Doktor Wachtel Harni, Bloh and Haatkr jokheiten 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9-12 u. 2-8 Unr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Tél. Trinité 43.13 Métro Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultalionen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistixk'ges Sanato» riuinsgebäudc. Die aller» modernste Hinrichtung c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. 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