Sinzige unabhängige Tageszeitung veutschlands ^jrnmer 119—1. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 8. November 1933 Chefredakteur: M. B r a UN Ana dem Inhalt JUssischec JUotest gegen Qücing Seite 2 fteichstagspcazeß Seite 3 Jeuce Qieimat Seite 4 Sozialistischem Sieg, in Qenf, Seite 5 Deutschet JungenUief Seite 8 NotrKMcr and Rciclisricltlcr Mörder und Polizeipräsident als Zeuge Zeuge Edmund Heines Montag hat Polizeipräsident Edmund Heines inst Reichsgericht auf seinen Eid genommen, daß er p' dem Reichstagsbrand nichts zu tun hat. Wieder eine in bes"Braunbuches" zusammengebrochen— heißt es bernt* deutschen Prozeßberichten. Nicht erfährt das von Publikum, daß die bösen und gewiß nicht immer j! n<1 vorsichtigen Verfertiger des„Braunbuches" keines- kj vus eigenem Wissen den Ehrenmann Heines ver- rs^nigen. Das„Braunbuch" nennt als Gewährsleute Dr. ."erfahren und Dr. B e l l. Beide sind leider tot und, ftp* m° n vieiß, nicht gerade an Altersschwäche oder an- à^kênden Krankheiten gestorben. Der eine ist aus Ver- «âdeiflung über den Regierungssumpf von hinnen gesungen. Der andre ist von Gesinnungsfreunden des Herrn veines ermordet worden. Das erleichtert Herrn Heines das lekt unö erspart ihm Fragen, die sich nicht gerade auf die Wörde^° 0e Uni> cn!àes Alibis bezogen haben .Edmund Heines hat den Senat des Reichsgerichts so be- wndelt, wie dieser es verdient. Der SA.-Gruppenführer /vt den Herrn Reichsrichtern die allerhöchste Unzufrieden- yeit der SA. und der SS. ausgesprochen und ihnen ge- fl i*'^ î>ie SA. und die SS. dieses langweilige juri- msche Verfahren eines Tages beschleunigen werde, wenn Angeklagten nicht bald am Galgen enden. Herr Präsi- em Bänger hat begriffen und sich damit entschuldigt, daß vch in Deutschland das Gesicht der Justiz noch gewahrt gerben müsse. Ob die durch Herrn Heines vertretene SA. J°fe zivilistische Entschuldigung gelten lassen wird, steht ri*' Heines und die SA. wissen nun. daß sie diesem Ge- 'chtshof alles bieten können, wenn ein Zeuge sich die '"hende Unverschämtheit ohne Rüge erlauben durfte. Polizeipräsident Heines hat geschworen. Niemand im ?uvle hat gefragt, was der Eid dieses verwilderten Men- >chen wert ist. Moralisieren wir nicht. Schildern zwir ohne vvß diesen Landsknecht wie er ist. Uls er im Jahre 1930 auf dem Reichswahlvorschlag der .'«DAP. ein MdR. wurde, schrieb er sich in das Reichs- ^gshandbuch so ein: Heines Edmund: Leutnant a. D„ stcllv. Gauleiter, Stu- dent der Rechte. Geboren am 21. Juli 1897 zu München: evangelisch. Besuchte Gymnasium, Realgymnasium, Abi- tur. 1014 als Kriegsfreiwilliger ins Feld, 1015 verwun- det, 1018 zum Ossizier lwfördert. Nach dem Krieg im Frei- lorps Roßbach lOberschlesien): in den Stettiner Feme- mordprozeß verwickelt. . Ta hat man diesen Mann: abgebrochenes Gymnasial- nudium mit Notexamen, Krieg und Bürgerkrieg, Leut- vnt, ein paar Semester Jus ohne jeden Nachweis irgend- sicher erworbenen Kenntnisse. Nun ist er Polizeipräsi- in einer der größten Städte des Reichs, in Breslau. >>Fn den Stettiner Fememordprozeß verwickelt." Diese unklare Formulierung charakterisiert den Menschen: er ^eht nicht zu seinen Taten. Er war nämlich nicht nur in Fememordprozeß„verwickelt". Er wurde in dem Pro- »eß als einer der verrohtesten Fememörder der Nachkriegs- neit verurteilt. . Heines ist alter Roßbacher. Das sagt alles. Es gab seit fwsn Jahre 1920 keinen politischen Mord in Deutschland, ° e ffcn Täter nichb aus der blutigen Sphäre der Roßbacher mmen. Bon dem„Freikorpsfllhrer" Roßbach und seinen "Wien Heines könnte man wie Cicero von Catilina sagen: »Kann man einen Giftmischer, einen Gladiator, einen Räuber, einen Messerhelden finden, der sich nicht des Verkehrs mit Catilina rühmte? Welcher Mord in den letzte» Jahren ware ohne ihn begangen worden?" »Rollkommandos" Roßbachs erledigten ohne Unter- mchung und ohne Zierfahren irgendwelche Leute, die auf Gerede hin als„Verräter" galten. Man machte sie betrun verschleppte sie in den Wald, hieb sie mit Holzscheiten "wder, gab ihnen den Gnadenschuß, verscharrte sie. ^.Tort erhielt Edmund Heines seine Vorbildung als SA stuhrer und Polizeipräsident. An Stelle nicht bestandene 'vristsscher Examina kann er die praktische Befähigung öt'm Henker nachweisen. Im Jahre 1920 erfubr er. daß ein Landarbeiter Schmidt »beabsichtigte" einen Wafsentransport an die preußische Polizei zu verraten, also seine staatsbürgerliche Pflicht zu tun. Wie sich später herausstellte, entbehrte zudem das vage Gerücht jeder Grundlage. Heines„verhaftete" den Unglücklichen, verschleppte und mißhandelte das Opfer in der Art der jetzigen CA. und im Dunkel der Nacht, im Kreise der Spießgesellen— aber lassen wir das Gerichts- Protokoll sprechen:„Hein es preßte dem Schmidt die Pistole ins Gesicht und drückte zweimal los" Der feige Erschossene verröchelte. Der ritterliche Leut- nant Heines ließ den Leichnam notdürftig vergraben und — log überall, er sei bei der Untat nicht beteiligt gewesen. Dennoch wurde er in den Stettiner Fememordprozeß „verwickelt", wie er sich bescheiden ausdrückt. Dort wurde ihm die sinnlose Mordtat nachgewiesen. Der Staatsanwalt beantragte Todesstrafe. Die Vorläufer der heutigen Nazi- richter verhängten fünf Jahre Gefängnis. Nach kaum anderthalb Iahren wurde er freigelassen. Aus der NSDAP wurde er wegen homosexueller Handlungen ausgeschlossen. Wie man sagt, durch Herrn Hitler persön- lich. Das war damals, als Röhm noch nicht seine über- ragende Stellung hatte, möglich. Bald aber wurde Heines wieder in die Partei der rauhen Kämpfer aufgenommen. Zum Lernen kam er nicht mehr. Vom Iusstudenten erster Semester avancierte er sofort zum Parlamentarier und von da zum Polizeipräsidenten. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erließ der Herr Mörder eine Kundgebung, in der es heißt: »Ich bin der alte geblieben, als berich Euch damals verlieb. Mein Haß loht gleich tief im Innern gegen alle meine Gegner." Das war ehrlich, und er hat das Wort gehalten. Die SA. und die SS. wissen es und die marxistischen Gefangenen, die in seine rohen Hände fielen, können es bezeugen. Das Reichsgericht weiß von alledem nichts. Die Ver- teidiger der Angeklagten, auch der Fememordspezialist Dr. Sack, haben zur Qualität des Zeugen Heines nichts zu sagen. Er schwört und geht sporenklirrend von bannen. Immerhin ist anzuerkennen, daß ihn der Senat des Reichsgerichts noch nicht durch Erheben und durch den Faschistengruß geehrt hat. Daß aber die Herren Reichs- richter die Autorität des Rechtsstudenten a. D. Edmund Heines in Fragen der Prozeßführung willig anerkann- ten, zeigt erfreulicherweise an. wie sehr wir in Deutsch- land über dos abstrakte Recht hinausgewachsen sind, und, wie Heines Protektor Döring sich ausdrückte,„blutvolles" Recht die deutsche Justiz beseelt. In blutvoller Justiz aber ist Edmund Heines den Reichsrichtern überlegen, weil sie nur Todesurteile ver- hängten, während Edmund Heines sie auch mit eigenen Händen vollstreckt. v'c regierenden KnoVn In der Basler„National-Zeitung" sNr. 815) schreibt Salander: »Die Zeugenaussage Görtngs war nichts anderes als eine leidenschaftliche Agitationsrede, ein Plädoyer, in dem das ganze, zweifelhafte Material an Vorwürfen ohne Sichtung wiederholt wurde- Dabei trat eine Feindseligkeit nnd Nei- gung zu persönlicher Verunglimpsuna des politischen Geg^ ners zutage, wie sie keinem Zeugen sonst durchgelassen würde. Die Aussage wirkte denn auch trotz der Vereidigung keines- wegs als unparteiische, vornehm sachliche Aufklärung, son- der» als unbeherrschter und einseitiger Vcrteidiau An» peinlichsten und unerquicklichsten waren die eindeutigen Beschimpfungen wie„Bluthunde",„Mordbanditcn" uiw o.. bill'gc Hohn aus die unterlegenen Gegner. Diese Schimpfgcwohnhciten machen auf uns Außenstehende den Eindruck einer Haltlosigkeit und gefühlsmäßigen Un- ausgeglichenheit. Auch der Reichskanzler hat es in den Rede» der letzten Wochen nicht unter seiner Würde.gehalten die bedauernswerten Emigranten samt und sonders als H a- lunken, Spitzbuben und Schwerverbrecher zu bezeichnen. Leute, von denen jeder von uns einzelne als bedeutende, hochanständige und geb'ldete Menschen und als schwer geprüfte Ovker einer unverschuldeten Schicksalswende kennt und schätzt. Die Worte des Kanzlers haben durch diese maßlose» Aeußerungen bei uns an Glaubwürdigkeit nicht gewonnen, denn es gibt kaum eine weniger ansprechende Haltung als die Beschimpfung der eigenen Opfer." „Sdinif nnd Vcrrfl'cr" Am Ende dieser Woche steht der entscheidende Wahltag! Nutze jeder diese Zeit, um das große Neue, das über unser Volk gekommen ist, auch bis ins Letzte zu erspürcn! Die Ehre des einzelnen steht im größeren Verband und ist zu- letzt die Ehre eines geeinten Volkes. Wer es am kommen- den Sonntag fertigbringt, dem Führer das Ja zu ver- weigern, ist ein Schuft und Verräter, der nicht mehr ver- dient, ein Deutscher zu heißen. Willst du, Volksgenosse, diese Schmach ein Leben lang tragen?— „Westdeutscher Beobachter", 6. November. Zum 12. November! Die Parole bleibt L Beim Volksentscheid mit„Nein" zn stimmen. 2. Zur Reichstagswahl ist der Stimmzettel ungültig zu machen. ES ist damit zu rechnen, daß unter dem ungeheuren Terror der SA., S.. und des sonstigen staatlichen Macht-ApparateS eine riesige Wahlbeteiligung erzwungen wird. Eine Nicht- beteiligung wird schon jetzt als Staatsfeindschaft erklärt und entsprechend geahndet werden. Nichtbeteiligung zu emp- fehlen, würde bedeuten, Unmögliches zu verlangen. Das veröffentlichte Wahlergebnis hat mit der Wahrheit nichts zu tun und wird zu inner- und außenpolitischen Zwecken frisiert werden. Trotzdem die Wahl ein Betrug und eine Komödie ist, glauben wir, bei Abwägung aller Faktoren unseren An- hängern und allen freiheitlich gesonnenen Volksgenossen die Befolgung der oben mitgeteilten Wahl» Parolen empfehlen zu sollen. DcvoO'e Irreführung Eine amtliche Veröffentlichung der ReichSregierung teilt triumphierend mit, daß außer dem Rcichswahlvorschlag der NSDAP keine weitere Liste eingereicht worden ist. Die Wahl werbe sich also zu einer gewaltigen Kundgebung des gesamten Volkswillen gestalten. Ist das schon eine in jeder Beziehung unberechtigt« Schlußsolgerung, so ist eine weitere Bemerkung eine bewußt« Irreführung der öffentlichen Meinung So wird gesagt: „Von keiner Seite ist jedoch der Versuch unternommen worden die Einheitsfront des deutschen Volke» zu durchbrechen und eine G e g e n l i st e aufzustellen." Bon einer Einheitsfront deS deutschen Volkes kann gar keine Rede sein. Durch Terror und Gewalt läßt sich zwar jede andere Meinung als die des herrschenden Regimes unter- drücken Niemals aber wird dadurch eine Einheitsfront de« Volkes hergestellt. Durch Gesetz vom 14. Juli ist die Neugründung von politischen Parteien bei Zuchthausstrafe verboten. Mit drakonischen Strafen wird jede Zuwider- Handlung, ja schon jede Zusammenkunft mehrerer Personen unterdrückt. Die Aufstellung einer Liste zur Reichstagswahl, für die 60000 Unterschriften erforderlich sind ist daher schon durch das Gesetz unmöglich gemacht. Daß die Nazis trotzdem über diesen Scheinerfolg triumphieren, zeigt, das; ihnen wirkliche Erfolge fehlen- Am 12. November findet in Deutschland keine Wahl statt, sondern durch ein Kommando werden die Wähler zur Wahl» urne besohlen und jeder, der nicht gehorcht, mit brutalsten Verfolgungen bedroht. Trotzdem werden sich aufrechte Man- ner und Frauen das Recht nicht nehmen lassen, bei der Reichs- tagswahl den Stimmzettel uugiiltig zu machen und bei der Volksabstimmung Hitler ihr„N e i n" entgegenschlcudern. Die Presse. Wie das deutsche Volk und das Ausland beschwindfeit werden In der letzte» Nummer des„Neuen Tagebuches" befinden sich folgende konkrete, aufsehenerregende Mitteilungen des HerausgebersiLoopold Tchwarzschild: „Vor mir liegt ein zuverlässiger Bericht über eine Befehls- Ausgabe an die bädische Presse, die am 22. Oktober in Karls- ruhe stattfand und zu der alle Kubischen Zcitungsverleger geladen waren. Dort wurden ihnen folgende Befehle für die Zeit des jetzigen„Wahlkampfcs" erteilt: 1. Alle Berichte über Versammlungen müssen täglich zur Zensur der örtlichen Kreisleitung vorgelegt werden. 2. Huldigungs- und Treue- Entschließungen dürfen nur in den Zeitungen erscheinen, wenn sie vom Wolfsbüro kommen. 8, Hurra- oder Revanche- artikel dürfen vorläufig nicht mehr erscheinen. 4. Ausländische Staatsmänner dürfe» bis aus weiteres, auch in den Schlagzeilen, nicht angegriffen werden. 5. Jeder Angriff der Zeitungen untereinander ist bis zum 12. November verboten. 6 Winterhilsöartikcl und Wahlartlkcl sollen möglichst oft ineinander verflochten werden. 7. Artikel über die SA. usw. über den militärischen Wert oder deren disziplinierte Haltung, dürfen nicht erscheinen. Wer darüber schreibt oder über Arbeitsdienst oder übcer Luftschutz oder über die Ei»- richtung von Lustschutzkellern oder die Einrichtung der Fliegerbeobachtungspostcn kommt sofort in Schutzhaft. 8- Die Rcvisionsfrage ist mit größter Vorsicht zu behandeln. 0. Die Jübenfrage ruht vorläufig. Ihre„EinheKsiis'e" Auf dem zugelassenen einzigen„Wahlvorschlag" der NSDAP., der 68ö Namen enthält, befinden sich 160 Kau- didaten, die bisher weder dem Reichstag noch dem Landtag angehörten. Als Vertreter des Stahlhelms figurieren: der Minister Seldte, Major von Stephani und Oberstleutnant von Feldman». Von den früheren Abgeordneten der Dcutschnationalen erscheinen die Namen des Staatssekre- tärs a. D. Dr. Bang, des Dr. Evcrling, Prof. von Frcitagh- Loriughoven, Prof. Dr. Spahn, Werftdircktor Gok aus Hamburg usw. Die Schwerindustrie und Hochfinanz sind vertreten durch Dr. Fritz Thyssen, Bergasscssor von und zu Löwenstcin, Dr. Jng. Vögler, Dr. Springorum und Bank- direktor von Staub. Wahlen ohne Werl Ernst Toller hat folgenden Brief an den Editor der »Times" gerichtet". Herr Hitler verkündete in seiner Rundfunkrede, die er an- läßlich des Austritts Deutschlands aus dem Völkerbund hielt, daß am 12. November das deutsche Volk in öffentlichen Wahlen entscheiden soll, ob es seine Politik billige. Wahlen haben nur dann einen ernsten Sinn, wenn das Volk die Möglichkeit besitzt, seinen Willen in voller Freiheit zum Ausdruck zu bringen. Wenn Herr Hitler den wirklichen Willen des deutschen Volkes festzustellen wünscht, müßte er folgende Voraussetzungen schaffen: 1. Wiederherstellung der Pressefreiheit. 2. Wiederherstellung der Versammlungsfreiheit. ». Aufhcbung der Verbote aller unterbrückten Parteien und Bereinigungen. 4. Rückgabe der beschlagnahmten Vermögen der Parteien, der demokratischen und pazifistischen Verbände, der Freien Gewerkschaften.. 3. Entlassung der 40 000 politischen Gegner des Hitler- regimes aus den Konzentrationslagern, die bekanntlich nicht wegen eines bestimmten Verbrechens eingekerkert sind, sondern weil ihre Gesinnung dem herrschenden , System unbequem ist. Wenn diese Voraussetzungen nicht geschaffen werden, haben die deutschen Wahlen im November keinerlei Wert. Sie werden nichts über die wahre Stimmung des deutschen Volkes besagen. Meine Freunde und ich bekämpfen seit Jahren ungerechte Bestimmungen des Vertrages von Versailles. Die Folgen sind, ebenso wie der Weltkrieg, nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa verhängnisvoll. Wenn man Ge- rechtigkeit vom Ausland fordert, ist es notwendig, daß man die Gerechtigkeit im eigen«» Lande verwirklicht. Sincerely yours, Ernst Toller. Eine Wahlrene Nenra'hs Ueber die Sünden des Völkerbundes Der ReichSa nßen m i nister von Neurath hat ein« Fehlertiste des Völkerbundes von dessen Gründung an ausgemacht. Er geht bis auf die Abstimmung in Eupen- Malmody und die Teilung Oberschlesicns zurück, Fehler des Völkerbundes, die von den Sozialdemokraten gerügt und bekämpft worden sind, noch ehe die heutigen Vorgesetzten des Herrn von Neurath sich überhaupt um Politik kllm- werten. Neuraths Rede hat nnr wahlagitatorische Zwecke. Im Auslande wird sie wegen ihrer Einseitigkeit weiter schaben. Soviel sollte auch der Außenminister des„dritten Reiches" wissen, daß es nicht genügt, am Völkerbund herumzunörgeln, sondern daß die Atmosphäre zugunsten Deutschlands ver- bessert werden muß. Auch die neue Rede Neuraths wird dazu nichts beitragen. Die Danzitier Desdi werde in Geni Genf, 6. November. Im Nölkerbunbssekretariat ist heute früh ein eingehender Bericht des Danziger Bölkerbundskommissars Resting eingetroffen, der sich mit der Angelegenheit der Zeitnngs» verböte dnrch die Danziger Regierung beschäftigt. Rosting soll jedoch entgegen anderslautenden Nachrichten darin keine Einberufung einer Sondertagung des VölkerbnndsrateS v-r, langt haben. Dies« Frage soll in dem Bericht ossengelassev fein.■ Russischer Protest gegen Görings Erklärung Berlin, 7. Nov. Einige der Erklärungen, die der Minister- Präsident Göring am Samstag vor dem Reichsgericht abge- geben hat, haben in Berliner ausländischen Kreisen großes Aufsehen erregt. Nach Angaben, die aus Kreisen der sowjet- russischen Botschaft in Berlin stammen, habe» die Bemer- kungen über Sowjetrußland in Moskau stärkste Empörung erregt. Hinsichtlich der noch nicht eingelösten Russcnwcchsel wird erklärt, baß sie sicherlich bezahlt würden, daß aber zu- künftig keine weiteren Käufe mehr in Deutschland getätigt werden sollen. Deutschland sei in bezug aus seine Zahl: 6 Verpflichtungen auch nicht immer vorbildlich gewesen.^ Forderung, daß man die Kommunisten an den®,(I1 gen sollte, habe auS dem Munde eines verantwori^ ' Ministerpräsidenten eigentümlich berührt. Der s» 18 J®( russische Botschafter in Berlin werde im« wärtigen A m t vorsprechen, um gegen die A» ftthrungen Görings Protest einzulegen. Ehrenmann von Einem Ziir Naturgeschichte eines preußisch-Junkerlichen Kriegsministers seines Eigentums einzusetzen. Dellbrück erfüllte den Als ihm aber Braun das Ergebnis der von ihm zogenen Erkundigungen mitteilte und er somit die He Wir haben kürzlich auö den„Erinnerungen eines Soldaten" des Generals von Einem den Satz wiedergegeben: „Ich habe die Sozialdemokratie mein Leben lang gehaßt, ich habe auch keinem Sozialdemokraten jemals bewußt die Hand gereicht." Nachträglich erfahren wir eine Tatsache, die uns über das Maß von Selbstüberwindung staunen läßt, dessen der Herr General fähig ist. Herr von Einem hatte im Welt- kriege— Beute gemacht wie ein Rabe. Seine heimgebrachten Schätze, die einen Möbelwagen füllten, wurden in den Revolutionstagen vom Nürnberger Soldatenrat beschlag- nahmt. Da wandte sich der Herr General an den ehemaligen Staatssekretär Dellbrück, den deutschnationalen Führer in der Nationalversammlung, mit der Bitte, sich bei dem Sozialdemokraten Dr. Adolf Braun für die Freigabe der von Herrn von Einem reklamierten Sachen kei lernte, lieferte er die denkbar schärfste Kritik an dem halten Einems, indem er Braun ersuchte, seine Jnlerve» als nickst geschehen zu betrachten. Wahrscheinlich hat« die Sachen nicht wiedererhalten, so daß seine Sammler;^ kcit umsonst gewesen war. Wer vermöchte danach'* M 1îlt g streiten, daß seine Wut über die Sozi begründet ist- scheint von den Körpert»'len des Herrn nur das Gesicht fpruch auf die Berüh.ung mit den Händen anstan Menschen zu haben. Popoffs russischer Aufenthalt im Jahre 1932 33. Verhandlungstag Rer. n, 7. Nov. Für die heutige Verhandlung deS Reichs- tagsbrandstifterprozesses hat RA. Dr. Sack, der wiederum am Erscheinen verhindert ist, seine VertretuugSvollmacht dem RA. Dr. S e u f f e r t übergeben. Dimitroff bleibt auch heute noch von der Verhandlung aus- geschlossen. Als erste Zeugin wirb Frau I s k r o w a aus Moskau vernommen. Sie betont, baß Jskrowa ihr richtiger Name fei. Tie war früher in Bulgarien Lehrerin. In Moskau arbeitet sie jetzt als Bibliothekarin. Die Zeugin leistete den Eid in der religiösen Form. Sie bekundet, daß sie vom 18. Mai bis Ende August 1982 in dem Kurort Tomilino, etwa eine Stunde von Moskau entkernt, gewohnt habe. Sie war dort zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. ferner mit Frau Weiß und deren Mann in einem Hause. In eine? anderen Villa gegenüber wohnte Frau Böfkowa mit ihrem Mann und Popoff mit seiner Frau. Popoff ist mit seiner Frau zwischen dem 25. und dem 28. Juli nach dem Süden abgereist. Ich glaube, es war der Kurort Sunk-Su, ich habe damals eine Postkarte von dort bekommen Sie habe Popoff in Tomilino jeden Tag gesehen, und sie hätten auch häufig gern e i n s a m S p a z i e r g ä n g e u n t e r n o m m e n.— Vor- sitzender: Ist Popoff auch nach Moskau zur Arbeit gefahren? — Zeugin: Manches Mal ist er gefahren, einige Zeit war vie Spaltung in rrankrchh — und eine neue sozialistische Partei Paris, 6. November. Die Auseinandersetzungen im Generalrat der französischen sozialistischen Partei haben, wie man erwarten mußte, mit der Svaltung und m;t der Gründung einer neuen Partei geendet. Mit 3046 gegen 842 Stimmen bei 101 Eni- Haltungen beschloß der Nationalrat den Ausschluß der Abgeordneten Renaudel, Marquct, Deat, Lasont, Montagnon und zweier weiterer Ab- geordneter. Der Abstimmung ging ein scharfes Rededuell zwischen Blum und Auriol voraus. Obwohl nur sieben der führenden Ncosozialisten ausgeschlossen wurden, verließen die andern Anhänger RcnaudelS ebenfalls den Versamm- lungssaal. Es bandelt sich um dreißig Abgeordnete. An diese dreißig richtete der Nationalrat eine letzte Warnung und Mahnung. Paris. 7. Nov. Renaudel, Mara u et und ihre Ge- sinnungsgenossen hielten am Sonntagabend während der Debatte des Nationalratcs eine eigene Zusammen- t u n> t ab. Als der Ausschluß zu ihrer Kenntnis gelangte, beschlossen sie auf Renaudels Antrag die sofortige Grün- d»ng einer neuen Partei. Ihre Statuten, Bezeichnung usw. sollen am 3. Dezember aus einem konstituierenden P a r t e i k o n g r e ß festgelegt werten. In einer Resolution wird erklärt, daß bei dieser Zusammenkunft anwesende Sozialisten gegen die Ausschlußverfügung an die Inter- nationale appellieren wollten. Durch diese Entscheidungen ist die sozialistische Partei Frankreichs in— drei Teile zerfallen, die sich in Zukunft wohl scharf bekämpfen werden. Während die der Richtung Romain Rolland und Barbusse zugewandten aus- geschlossenen Parteimitglieder deS linken Flügels, die der Action socialiste angeschlossen waren, nicht in der Kammer- gruppe vertreten sind, ist die Ausweisung des rechten Flügels um Renaudel und Marauet weit entscheidender, da hier- durch der Mitgliederbestand der sozialistischen Kammer- gruppe, der bisher 181 Abgeordnete betrug, durch das Aus- scheiden von voraussichtlich 87 Abgeordneten vermindert wird. Sorgen der Staatspolizei Köln, 7. Nov. Die Geheime Staatspolizei sah sich veranlaßt, sich die Besucher eines Kinos in dem mit kommunistischen Elementen stark durchsetzten SeveringS-Viertel etwas näher anzusehen. Mit Lastkraftwagen wurden die 2 2b Anwesenden zum Polizeipräsidium gebracht und einem eingehende» Verhör unterzogen. Insgesamt 18 Per- sonen blieben in Haft. er aber ganz bort.— Vors.: Was hat denn Poposf[ ü\ Arbeit gehabt?— Zeugin: Das weiß ich nicht.— VoN-- Das ist aber eigentümlich, daß alle Zeugen darüber»>«'. sagen können. Zeugin: Ich weiß es bestimmt nicht.— weitere Fragen erklärt die Zeugin, auch vor der Somm«« reise nach Tomilino habe sie Popoff fast täglich getroste»' weil er damals in ihrer Nachbarschaft wohnte. Ende tember oder Anfang Oktober sei Poposf nach seiner R»» kehr von dem kaukasischen Kurort zu ihr genommen, um nach einigen Gepäckstücken zu fragen. Er habe dann ein andere Wohnung genommen, die etwas entfernter lag,> daß sie ihn seltener gesehen habe. Immerhin sei sie im Oktober noch mehrere Male«it zusammengekommen. Sie könne sich aber nicht erinnern- ihn im November gesehen zu haben.- Vors.: Ich muß noch einmal sagen, eS fällt mir auf, da? Sie gar nichts über die Beschäftigung von Popoff wissen- Zeugin: Ich frage nie die Leute, was sie arbeiten- Vors.: Ich muß sagen, das klingt nicht recht glaubwürdig Zeugin: Ich sage ganz ehrlich, wenn ich etwas nicht w«'»' und das weiß ich nicht.- OA. Dr. Werner: Welchen Name» hat Poposf während seiner Bekanntschaft mit Ihnen geführt^ — Zeugin: Ich kenn« ihn nur unter dem Namen Pop oll- — OA.: Es ist sonderbar, daß Frau Weiß und die andere» Familen die mit Popoff in Tomilino zusammen waren. J® 1 unter einem anderen Namen gekannt haben.— Zeugin: 3« kenne keinen anderen Namen. Die Verhandlung dauert fort. Die Abra«funti$honlereni London. 7. Nov. Henderson trat in einer Ansprach nachdrücklich für die Fortsetzung der Abrüstungsarbeiten un für Erfüllung der Vcrtragsverpslichtungen ein. «- Der engfcsche Konventionsentwurf Gcnk, 6. Nov. Das Völkerbundssekretariat teilt m**' daß der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson de» Mitgliedern des Büros der Abrüstungskonferenz eine» provisorischen Text des englischen Konventionsentwuriee übermittelt hat, in dem die in erster Linie angenommene» AbänderungSanträge Berücksichtigung finden. Dadurch wir», so heißt es weiter, daS Büro in die Lage versetzt, bei Sitzung am 9. November die nötigen Maßnahmen zu treffe» sür die Vorbereitung des Textes für die zweite Lesung, de» der Präsident dem Hauptausschuß vor dessen Zusammen' treten am 4. Dezember unterbreiten wird. ♦ Vor der Abrüstungsdebatte London,?. Nov. Der Präsident der AbrüftnngSkonfere«! Arthur Henderson hatte, wie„TimeS" meldet» gestern«1»* einstündige Unterredung mit Sir John Simon. ES ist frag« lich, ob Henderson an der hentigen Abrüstungsdebatte i«« Unterhaus teilnehmen wird. Er wird aber der Zusammen« kunft der Arbeiterpartei beiwohnen, ans der die Frage er« wogen wird, ob«in MißtrauenSantrag gegen dt« RegiernNs eingebracht werden soll. Pas Heuest«» Guben, 7. Nov. Frau Else Ziehm, die zusammen m'J ihrer Mutter in der Bnßtagnacht 1981 in Fürstenberg fO»er! ihren Sohn Hans Georg vergiftet hatte, wurde Heute friitz hivaeriibtet. Der frühere bulgarisch« Ministerpräsident L i a p t s ch e s f ist gestorben. Das vor mehreren Jahren bei einem schwere« Unwetter abgestürzte französische Luftschiff Dixmuiden ist vv» Fischern etwa 12,5 Seemeilen vor der sizilianischen Küste i» der Nähe von Meusi entdeckt worden. Der Schiffskörper liegt 40 Meter tief. Ans Nenyork wird gemeldet: Bei Zusammenstöße« zwischen F a r m e r n, die ihre Erzengniffe verkaufen wollte«, und Streikenden wurden zwei Personen getötet««* mehrere verletzt. Der Dollar erreichte vorübergehend einen Tiefstand von 4,92, gemessen am englischen Pfund Sterling. Es ist dies der tiefste Stand deS Dollar feit Aufgabe des Goldstandards. Legt man dem einen MittelchnrS des Pfund von 18,70 RM zugrunde, so wäre der Dollar aus einen«ert von 2.74 RM- gesunken.^ Der Reichstagsprozeß "ach Göring und Heines kleine Zeugen ?*• Verhandlungstag Fortsetzung aus Nummer t18. k^in Nockverräter»I» Zeuge der bct«aus« «Is Belastungszeuge gegen d«t. bah er früher wann Bannert vernommen. Er l, 1g28 bei der Mitglied der KPD. und bis zum N,. "'OfgH ftjff M,'f VIV QMM> Cïtober ioo- 2- Ifl gewesen sei und dort in der Zeit von ^be. A»k- Oktober 1928 wiederholt Taneff gesehen Zeuge.--..êîue Frage des Oberreichsanwalts erklärt der «icht in R^..îNliglich' saß Taneff seinen ständigen Wohnsitz ^esterr-t^ batte, sondern vielleicht immer dann aus ~««ICD OÎ1PV stnns? nielle cht auch aus m..v-kreich oder einem anderen Lande, vielle cht auch au Rußland, nach Berlin kam. wenn eine Beiprcchung notwendig war- Auch im Karl-Licbknecht-Haus habe er^anesf Wiederholt im Gespräch mit dem Funktionär Rratzert ge- Er könne es deswegen mit«estimmheit behaupten, à îw Taneff damals durch seine eigenartige Gesichts ,,^unq ausgefallen sei. Er habe eine etwas Hangende Backe und erwecke dadurch den(findruck, als ob er standlg an Zahn- «cymerzen litte Ä Angeklagte Taneff erhebt sich aus Anweisung, M Ersitzenden Ter Zeuge Bannert steht ihn an und erklart. ^°wohl das ist derselbe Mann. „Aus eine Frage des Vorsitzenden^ gibt der Zeuge Donnert an. daß er 1924 vom«taatsgerichts- «5/ weg«« Beihilfe zum Hochverrat«et» 1' ;°ilt worden sei. Es habe sich damals um ein Waffen- iaPlï gehandelt. Die Strafe fei aber durch die Amnestie ge- wicht worden. ^ie Rache de» ehemaligen Kommunisten »Auf Fragen von Rechtsanwalt Dr. T-icheri> erklärt ;^.euge. er selbst habe mit Taneff nicht gesprochen,^ aber i ^ r a8 ozt^ eut^: oba?^.r^"geklagte Taneff bleibt bei seiner schon öfters 24"«ebenen Erklärung, daß er zum ersten Male am 4>.'"bruar 193 3 nach Teutschland gekommen sei. ftwf Î ausgetreten wegen verschiedener Differenzen. Auf runs der Bilder hat er gesagt, dast er Popoff und 'wltroff schon einmal gesehen haben müsse und dast ILL°»ch mit Taneff wiederholt zu tun gehabt haben , ui>e. Ex erinnere sich aber nicht mehr wann und wo. Es wwme die Zeit zwischen 1927 und 1929 in Frage- Es sei 1?^«uch, dast er mit Taneff auch gesprochen habe. Er hielt m für einen Russen. Deutsch sprach er wohl nicht, vielleicht paar Worte.— Angeklagter T 0 r gler: Hatten Sie den- -„.«druck, daß es der Partei ernst war mit der Bekämpfung der terroristischen Einstellung?— Der Zeuge bejaht dies. |J* 0 1S r: Sind nicht organisatorische Mastnahmen gegen 27 e Personen oder Gruppen getroffen worden?— î,,'Ugc: Sie wurden immer getroffen, aber die Unter- d'"ktionäre haben sie nicht immer so durchgeführt, wie sie ^skchgeführt werden mußten.— Oberreichsanwalt: „' e sagten, die Partei habe sich wohl gegen solche Sachen ?, wandt, aber Unterorganisationen wie die Rote Hilfe hät- v" trotzdem Unterstützungen gewährt. Ist Ihnen bekannt, .un andere Unterorganisationen wie der Rotfrontkämpfer- und und die Selbstschutzorganisationen nach wie vor auf Aewaltmaßnahmen hingearbeitet haben.— Zeuge: Das "t richtig. ^uth Fischer wird etwas angedichtet ».Oberreichsanwalt: Ist Ihnen bekannt, dast die ,,«kole:„Schlagt die Faschisten" im Rotfrontkämpferbund "«a s» den Flugblättern der Parteiorganisationen immer wiederholt worden ist?— Zeuge: Mir ist bekannt, daß ill' e>. Parole von Ruth Fischer l?) ausgegeben worden af- die ausgeschlossen wurde.— Oberreichsanwalt: ?uch in den letzten Jahren ist diese Parole in den Flug- pattern noch erschienen.—Zeuge: Das ist allerdings bc- ampft worden. Es war ein Erbübel des ehemaligen Rot- !. untkämpferbundes, dast die Mitglieder dieses Bundes mit Parteileitung vielfach nicht einverstanden waren, «uf eine Frage des RA. P 0 l k m a n n, der beute für den M Erscheinen verhinderten RA. Dr. Sack die Verteidigung -»-n<>'---9esluNg mit den drei Bul- garen solves Vg-vll afs hen Mann erkannt der immer zu Kämnker kaw De- Panait erktürt. er betone Nochmals, daß er 1982 in Moskau gelebt habe. Er fragt, ob dem Zeugen die Besuche bei Kämpfer verdächtig erschienen seien.— Zeuge: Jawohl!— Pop off: Warum haben Sic sich nicht gleich bei der Polizei gemeldet?— Zeuge: Weil ich der Polizei damals selbst nicht traute. Bon uns ist einmal eine Anzeige gemacht worden, und am nächsten Tage wußten schon die Kommunisten davon.— Dr. Tei chert: Kämpfer kommt doch noch als Zeuge?— Vorsitzender: Leider nicht, er ist flüchtig geworben. Er war schon auf dem lebten Terminzettel genannt, ist aber seit dem 39. Septem- bcr verschwunden.— Zeuge: Seit heute ist auch seine Frau verschwunden. Auk verschiedene Vorhalte bleibt der Zeuge dabei, daß eS sich bei dem Besucher Kämpfers um Popoff gehandelt habe. Ein Irrtum sei vollkommen ausgeschlosien. Oie Frau des Nazi-Spitzels sah alles durchs Fernrohr Die Ehefrau des Zeugen Jung bestätigt dann akS Zeugin im wesentlichen die von ihrem Manne gemachten Bekundungen. Sie sagt, sie sei fest davon überzeugt, dast der jetzige Angeklagte Popofs der Mann sei, der ihr damals wegen seines ausländischen Typs aufgefallen sei. Sic habe diesen Mann genau und oft beobachtet. Einmal habe sie auch mit ihm ein Rencontre gehabt. Sie sei aus dem Hause getreten. Da sei hinter ihr Poposf durch die von ihr geöff- nete Tür gegangen. Sie habe daraus gesagt, es sei doch un- verschämt, wenn er nicht einmal„guten Abend" oder„danke- schön" sage. Der Man» habe aber auf diese Vorhaltung gar nicht geantwortet. Aus ihrem Fenster habe sie stundenlang zur Wohnung des Ausländers hinübergesehen. Sie habe da- bei beobachtet, dast der Mann an einem Tisch mit Papier arbeitete. Sie habe auch Maschinenklappern und Surren ge- hört, sodast sie annahm, dast dort Flugschristen vervielfältigt werben.— RA. Dr. Teichert: Haben Sie Ihre Beobach- tungen mit dem bloßen Auge gemacht?— Zeugin: Nein, mit dem Feldstecher.— Vorsitzender: Ihr Gatte war ja im Nachrichtendien st beschäftigt und er hatte sich die Aufgabe gestellt, nach der Richtung Beobachtungen anzu- stellen, sodast das nicht nnr Neugier war.— Zeugin: Nein! Hierauf tritt eine Pause ein. Lie haspelt sieh kest Nach der Pause teilt NA. Dr. Teichert mit, dast zwei weitere russische Zeuginnen eingetroffen sind. Sie sollen in der Dienstag-Sitzung vernommen werden. Dr. Pelkmann zur Zeugin Jung: Sic haben vom August ab Popoff nicht wehr gesehen. Hat Ihr Mann ihn noch einmal gesehen?— Zeugin: Das weiß ich nicht.— Dr. Pelkmann: Ihr Mann hat gesagt, daß er ihn im November wieber gesehen habe. Das Wiedcrauftauchcn Popoffs hätte wie eine Sen- sation gewirkt und wäre wie ein Lauffeuer durch die Gegend gegangen. Da hätte es doch nahegelegen, dast auch Sie davon erfahren hätten.— Zeugin Jung: Davon hat er mir nichts gesagt. Der Ehemann Jung sbemüht sich seine Frau Herauszuhaspcln! erklärt, es könne gut mög- lich sein, baß er mit seiner Frau nicht darüber gesprochen habe, denn er sei damals immer spät nachhause gekommen und habe sich mit seiner Frau sehr wenig unterhalten. Er habe aber mit vielen anderen darüber besprochen, dast der rusiische Agitator wieder da sei. Der Angeklagte Poposf e,klärt, das Verschwinden der Familie Kämp- fer sei sonderbar. Er bitte, die beiden Eheleute aus- sindig zu machen. Auch die Schwägerin des Spitzels wurde bemüht Die nächste Zeugin Frau Büttner ist die Schwester von Frau Jung und wohnt ebenfalls in der Zcchltner Straße, der Kämpfcrschcn Wohnung gegenüber. Sic gibt an. sie habe Popoff im Sommer 1 932 drei- oder viermal aus der Straße, aber auch durch die Fenster in der Kämpfer- schen Wohnung gesehen. Sie habe nach dem Bild und bei der Gegenüberstellung vor dem Untersuchungsrichter Popoff be- stimmt wiedererkannt. Eine Täuschung in der Person halte sie für ganz ausgeschlosien. Noch ein Nazi-Zeuge Der nächste Zeuge, der Maschinenbauer Hermann Mül- l e r, bekundet ebenfalls, daß Popoff bei Kämpfer mehrere Monate, vom Mai bis August oder September 1932. fast täglich verkehrt habe. Kämpfer habe er bei verschiedenen Kundgebungen gesehen, wie er von hinten die Leute an- feuerte, gegen die Nationalsozialisten vorzugehen. In jener Zeit wurden fast täglich in jener Gegend die Laternen aus- gelöscht, um die heimkehrende» Nationalsozialisten überfallen zu können. Der Zeuge erklärt mit aller Bestimmtheit, dast er auch heute Popoff wiedererkenne.— Angeklagter T 0 r g- 1er: Die Tätigkeit Popoffs war ihnen verdächtig erschic- nen. Weshalb haben Sie das nicht der Polizei mitgeteilt? — Zeuge: Weil die Polizei damals so marxistisch verseucht war, dast das keinen Wert hatte.— Der Zeuge er- klärt, daß er damals, iveil nachts überall in den HauS- gängcn die kommunistische» Terrorgruppen standen, zweimal auf der Polizeiwache gewesen sei, um Schutz zu er- halten.— Oberrcichsanwalt: Es war Ihnen also 'bekannt, dast Terrorgrupven gebildet waren? Wissen Sie auch, von wem?— Zeuge Müller: Meines Willens waren sie von der Partei gebildet. Oberreichsanwalt: Haben Sie dafür Anhaltspunkte?— Zeuge: Ich hatte Anhaltspunkte dafür aus den Originalpapieren, die mir aus dem Lieb- knechthaus in die Hände gekommen waren und die sich 199- prozcntig mit denen decken, die nachher im LiebknechthauS aufgefunden wurden. Ich wußte damals auch, daß die KPD. nach dem Reichstagsbrand in Alarmzustand war. Und noch einer Der Buchhalter Fritz Arendt gehörte ebenfalls zu den nationalsozialistischen organisierten Anwohnern der Zech- liner Straße. Auch er erklärt, er habe bei der Gegenüber- stellung den Angeklagten Popoff sogleich als den Mann be- zeichnet, der im vorigen Sommer im Hause des Kommuni- sten Kämpfer ein- und ausgegangen fei. Bei Kämpfer, so sagt bcr Zeuge weiter, hätten in jener Zeit bis nachts 2 Uhr Geheimsitzunaen stattgefunden, in denen die Internationale und andere Kampflieder gesungen worden sind. Er habe be- obachtet, wie sehr viele verdächtige Leute noch spät abends in die Kämpfersche Wohnung eingelassen wurden, eS fei ihm aber nicht gelungen, genau zu hören, was in der Wohnung gesprochen worden sei. Fin Zellenwart der NSDAP, schwört auch Der Angestellte Alt h aber, der Zellenwart bei der NSDAP, ist. bekundet gleichfalls als Zeuge, dast viele AuS- länder bei Kämpfer verkehrten. Popoff hat er im Som- mer 1 932 öfttr dort gesehen. Es folgen dann zwei Gegenzeugen, die von der Verteidigung geladen sind. Zunächst wird der Zeuge Bogel vernommen, aus bellen Wohnung heraus der Zeuge Alt- Haber seine Beobachtungen gemach» hat. Der Zeuge erklärt, auch er babe da u. a. einen Herrn gesehen, der d-m Ange- klagten Poposf zum mindesten täuschend ähnlich seh«.— Vorsitzender: Kann das Poposf gewesen sein, oder ist da» ausgeschlosien?— Zeug«: Ausgeschlosien ist eS nicht, Her? Präsident! Noch eine» die durchs Fernrohr sah AlS letzter Zeuge in der heutigen Sitzung wird Fräulein Quappe aus Zinna bei Jüterbog vernommen. Sie war im Juni 1932 besuchsweise in Berlin und hat in der Jung- schen Wohnung an jenem Abend, als Frau Jung mit dem Feldstecher in die Kämpfersche Wohnung hinüberschaute, hin- ter Frau Jung gestanden. Die Zeugin sagt aus, in der Kämpierschen Wohnung habe ein schlanker Mensch mit dunk- lem Haar und schmalem Gesicht an einer Maschine herum« hantiert.— Vorsitzender: Kann der Mann, den Sie in der Wohnung an dem Avvarat sahen, der Angeklagte Poposf gewesen sein? Sehen Sie sich den Angeklagten einmal an! — Zeugin: Bekannt kommt er mir vor. aber genau kann ich es nicht sagen.— Vorsitzender: Kann er eS gewesen sein? — Zeugin: Er kann eS gewesen sein, ich kann eS aber nicht genau sagen.— RA. Seuffert: Der Zeuge Bannert ist aus der Hast vorgeführt worden. Verbüßt er jetzt eine Strafe? Das Strafkonto des Zeugen Bannert Zeuge Bannert: Ich verbüße jetzt die Strafe, die ich erlitten habe wegen der Cliquenwirtschaft in der Roten Hilfe, wo ich der Unterschlagung von Organisationsgeldern beschuldigt worden bin.— Der Zeuge äußert sich in erregter Weise gegen die Leute von der Roten Hilfe.— Dr. Tei- chert: Der Zeuge ist also ausgeschieden, weil ihm der Vor- wurf der Unterschlagung von Parteigelbern gemacht wurde- Gleichwohl ist er rechtskräftig verurteilt.— Zeuge Ban- nert: Ich konnte mich nicht reinigen von diesem Borwurf, weil die betr. Funktionäre mich vollkommen ausgeplündert hatten, auch meine Wohnung, und mir jede Möglichkeit einer Rechtfertigung nahmen. Ich wurde damals mehrere Tage im Karl LiebknechthauS festgehalten, und in dieser Zeit wur- den sämtliche Belege, die ich über die Organisationsgelder hatte, beiseitegeschafft.— Dr. Teichert: Sie sind einmal vom Staatsgerichtshof bestraft, das zweite Mal wegen Be, trugs,«nd wie ist es beim dritten Mals— Bannert: Wegen KonknrSvergehens nnd Betruges zwei Monat«»ub zwei Wochen. Die Weiterverhandlung wird auf DienStag vertagt. ..18t dementiere mir!" Das ganze Ausland hat sich verhört Be rltn, v. November. In der ausländischen Presse wird eine Aeusterung stark kommentiert, die Ministerpräsident Göring im Reichstagsbrandprozeß als Zeuge gemacht hat und die dahin ging, dast, wie das Urteil auch immer lauten werde, er die Schuldigen bestrasen merde. Gegenüber falschen Auslegungen muß darauf hingewiesen werden, daß diese Aeusterung nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden darf. Nach dem amtlichen Stenogramm lautete die Aussage Görings solgendermasten: „Ich möchte aber weiter betonen, wenn das Gericht hier die Ausgabe hat die Schuldigen an diesem einen Akt fest- zustellen, so ist es meine Aufgabe, die Schuldigen und Draht- zteher der gesamten furchtbaren Verhetzung unseres BolkeS festzustellen. Mag der Prozeß ausgehen wie er will, die Schuldigen werde ich finden und werde sie ihrer Strafe zuführen" Wahr Ist und bleibt, dast der preußische Polizeiminister dem Angeklagten Dimitroff zeugeneidlich die Ermordung angedroht hat, wenn er freigesprochen wird. . stlldif begriffen" Das Reichsgericht entwertet Die„Neue Züricher Zeitung" berichtet über da» Auftreten Görings: „In einem furchtbaren Z 0 r n a n f a l l, der sein Gesicht rötet, schreit der Ministerpräsident den Angeklagten an:„Ich will Ihnen sagen, was im deutschen Volke bekannt ist. Be- kannt ist dem deutschen Volke, dast Sie sich hier unverschämt benehmen, dast Sie hiehergelaufen sind, um den Reichstag anzustecken. Sie sind in meinen Augen ein Gauner, der direkt an den Galgen gehört!" Auf diese Aeusterung hin, die das Publikum mit Bravorufen und Händeklatschen unterstreicht, erteilt der Vorsitzende an Dimitroff einen Ver- weis, der sich nicht wundern dürfe, wenn der Zeuge derartig aufbrause. Dimitroff erwidert kalt und ironisch:„Ich bin sehr zufrieden mit der Antwort des Herrn Ministerpräst- beuten!" Der Vorsitzende:„Ob Sie zufrieden sind, ist mir gleichgültig. Ich entziehe Ihne» jetzt da» Wort." Dimitroff: „Ich habe noch eine fachliche Frage zu stellen." Der Vor- sitzende tnoch schärfer!:„Ich entziehe Ihnen jetzt daS Wort!" Dimitroff:„Haben Sie Angst vor meinen Fragen. Herr Ministerpräsident?" Für Göring, den waghalsigen Flieger- vssizier des Weltkrieges und Ritter des Ordens pour le mérité, ist das die größte Provokation, die seiner Geistes- art zugefügt werden kann. In besinnungsloser Empörung herrscht er den Angeklagten an:„Was fällt Ihnen ein, Sie Gauner! Sie werden noch Angst vor mir haben, wenn Sie hier heraus kommen!" Die Herren und Damen des Publikums klatschen begeistert Beifall. Sie haben nicht begriffen, was hier auf dem Spiele steht. DaS ganze Gerichtsversahren Ist mit einem Schlage e n t- wertet worden. Ob Verurteilung oder Freisprechung, spielt für das Schicksal der Angeklagten keine große RoIe mehr, seit die neue Drohung über ihrem Hauvte schwebt. Die fatale Szene findet ein überstürztes Ende. Auf Geheiß des Vorfitzenden ergreifen zwei Polizisten den widerstreben- den und protestierenden Dimitroff und zerren ihn z u r Türe hinaus. .Mann von Verdiensten" Er wird Generalstaatsanwalt Zum Generalstaatsanwalt ist der erst 49jährige bisherige Staatsanwaltschaftsrat Windhausen berufen worden, der zuletzt in DuiSburg-Hamborn tätig war. Er ist ein geborener Weseler, war vier Jahre lang im Kriege und ist dort ebenfalls ausgezeichnet worden. Windhausen war ein eifriger Vorkämpfer für die national- sozialistische Bewegung und hat sich im Kampf lebr verdient gemacht.„Westdeutscher Beobachter", 6. Nov. Verbotene„Vision" DaS in Breslau erscheinende evangelische Wochenblatt „Evangelischer Ruf" ist vom Regierungspräsidenten btS auf weiteres verboten worden. Anlast zu dem Verbot gab ein Artikel mit der Ueberjchrift Uvtsion". Absatzschwierigkeiten• Der„Eschmeiler Bergwcrksverein" berichtet: 1982/98 war daS Hausbrandgeschäft säst durchweg sehr unbesrtedigend. aber auch der Jndustrickvhlenabsatz blieb das ganze Jahr hindurch ungenügend- Ein Ausgleich durch vermehrte Aus- suhr konnte nicht geschaffen werden: besonders die Einsüh- rung des Prohibitivzolles der Vereinigte» Staaten verhin- dcrte die Abwicklung eines grosten Abschlusses in sein- körnigen Anthrazitkohlen. Die Wettbewerbslage habe sich weiter verschärft, was im erneuten Rückgang des wert- mäßigen Umsatzes um rund 5 igegenüber 1030/31 um rund 18) Prozent zum Ausdruck komme- Die mit Wirkung ab 1 Oktober 1982 geschlossene Kokskonvention aller deutschen Er- zcuger und der holländischen Staatsgruben wirkte sich er» gebniSmäßtg nicht aus da die Mengcnbindung wegen der gewährten Sonderrabatt« eine Preisbesserung nicht zur Folge hatte. Trotz Erhöhung der Feierschichten von durchschnittlich 18 auf 31,S bei den Anthrazitzechen und von 88,6 aus 86,8 bei den übrigen Gruben nahmen die H aldenb« stände aus 1)25 240(t. V. 664 026) Tonnen zu, was genau der Steigerung der Kohlenförderung entspricht. Der Ferngasabs atz be- trug monatlich durchschnittlich SM(8,20) Mill. Kubikmeter, neu angeschlossen wurde da« Röhrenwalz werk Ermag in Eschweiler-Aue. Die H ü t t e n a b t e i l u n g litt unter dem unveränderten Tiefstand der Etsenwirtichast, der erst in den letzten Monaten auf dem Inlandsmarkt überwunden wurde. Die VerbandSzinveisnngen in Bandeisen und Röhren betrugen durchschnittlich 80 Prozent(i. V. 25—80 Prozent) der Quote. Mehrfach waren größere Aufträge in nahtlosen und geschweißten Röhren für Rußland auszuführen, w ä h. rend im übrigen das Auslandsgeschäft dar- niederlag. Sinkende Hanf Krell Klagen der Winzer Ueber das Darniedcrlicgen des Winzcrberujs klagt die „Frankfurter Zeitung" habe selten so viel richtige, sachliche ,„V fc V In V f ,'" em Regime und seinen Beratern ged»«. TOpJÀ" m, d'à unbedingt rechtsstehenden, gutsit«'^" fachen. Man steht, die Wahrheit bricht sich doch Man hat„die Nase voll", wie man mir sagte. all diesem Durcheinander, diesen Uebergrifsen, diesen A diesen Festen, diese»,„Klamauk", diesem organisiertem Politik' Isolierung Deutschlands, dieser Bankerott rou»» rU..^'J öft, f 5"" mtr- alles militärisch aufziehen. au>' lû»""ziehen, wenn man weiß, daß man«it Zaun nun» 9ai?# C k fl'ühren kann, wenn man weiß, daß" Welt dann gegen Deutschland steht? Warum dis Leute riHri i'- tor, W ausbilden, wenn man in großen Reden er klart, da» man die friedliebendste Nation sei? Warum v»'« V" a i Welt setzen, wenn man sie nachher als höchste Ideal durch einen Krieg wieder abschlachten lassen soll? J"™" 5 /elle sagte man mir im Lause des Wesprä-^-' " l e6t^er Reichswehr die Leute, die 6 Jahr- lievlent-*11 einer neuen haben, herausziehe'und'd'iese mit Nazis zu ein«* "YJ l"„Landespolizei" zusammenstell« und militärisch b'l.de. Eine Dame aus alten nationalen Kreisen sagte un' dag„e es provozierend finde, alles Militärische abzustrei ten. wenn alle Augenblicke an ihren Fenstern TA. mit Kanonen vorbei ziehe, die zu einem Schießplatz marschierten. Die arbeitende Bevölkerung fängt an zu murren. D>e Frauen, weil alles teurer, aber noch weniger verdient m>ro und weil ihre Männer immer marschieren müßten.*"( Manner. weil man ihnen unerhörte Abzüge macht, und w-o lie, anstatt sich Sonntags auszuruhen, immer laufen un marlchieren müssen. I» einem Werk hat man die Frauen und Mädchen ent- lassen und dafür arbeitslose Männer eingestellt. Die Männer waren voller Vorfreude: als man Ihnen aber den Lob" der Mädchen auszahlte und bann die lange Liste der züge au, den Tüten stand, da sahen sie. daß sie nicht mehr hatten, als vorher, als sie stempeln gingen. Also.!> c schimpfen. In Ostpr eußen. wo man zuerst das große Wunder der „Beireiung von der Arbeitslosigkeit" verkündete, erzählten die Frauen und Männer, daß man für die Arbeit, zu denen man die Arbeitslosen zwang, 12 NM. Lohn auswarf, wovon d" Mann und die Frau je S RM. erhielten. Man kann st« d>e Wut der Leute vorstellen, getrennten Haushalt und. jeder 6 RM. Wie da die Wirtschaft angekurbelt wirb, kann man ausmalen. In einer Fabrik eines Bekannten beträgt der monatliche „freiwillige" feste Beitrag, den dieses Werk an die Nazis ob- führen muß, 15 000 NM. Die Frau eines Fabrikanten. Arierin,«portdame, die durch Tennisspiel viel mit Sports lcuten und gutgestellten Kreisen zusammenkommt, sagte w>r zu memer Verblüffung wörtlich:„Ist eS nicht unerhört, daß da so e,n Oesterreicher herkommt und das ganze deutsche Vol» soll stramm vor ihm stehen?" Weiter sagte sie, daß sie H« Judenfrage, wie von den NaziS behandelt, als eine„Kultur- schände" betrachte. Man erzählte mir dann auch, daß Freunde meiner Vo- kannten, die Führer des„Stahlhelms" seien, eine Heiden- wut auf die Nazis hätten und dies sogar oft durch Worte er- kennen ließen. . Ich habe das feste Gefühl erhalten, daß die NaziS jetzt am den absteigenden Ast angekommen sind und daß Deutschla"" aus seinem bösen Traum erwachen wird. Ich erkläre»och. daß ich weder Kommunist noch Sozialist oder Nichtarier b!" und vier Jahre im Felde war. Das laud der niflergreuel Paris, 7. Nov.(Jnpreß.) In der am 1. und 2. November abgehaltenen Sitzung des Internationalen Sekretariats de» Welthilfskomitees für die Opfer des HitlerfaschismuS wurde neben andere» ein bedeutungsvoller Beschluß gesaßt, der geeignet ist, die Lage der Opfer des HitlerfaschismuS>n Deutschland günstig zu beeinflussen. Angesichts der sich häu- senden Meldungen, daß Terror Mißhandlungen und Ver- solgung in Deutschland nicht nur ausgehört, sondern sich ge- steigert haben, wurde in der internationalen Sekretariats- sttzung beschlossen, eine Kommission zur Aufklä- rung der Greuel in Hitlerdeutschland zu bilden, an der hervorragend st e Vertreter des geistigen, politischen und kulturellen Lebens aller Nationen teilnehmen sollen. Dieser Ausschuß wird das gesamte erreichbare Material über Greuel und Terror, Verfolgung und Mißhandlung in Deutschland sammeln und in groben öffentlichen Sitzungen der Weltmeinung vorlegen. Die Hitlerregierung bestreitet, daß Verfolgungen»nd Mißhandlungen, Ermordungen und Terrorakte in Deutschland vorgekommen sind. Reichskanzler Hitler hat in einer seiner letzten Reden erklärt, es seien in Httlerdeutschland nur 50 politische Morde geschehen. Da» Weltkomitee für die Opfer des HitlerfaschismuS ist heute schon im Besitz untrügbarer Beweise von tausend Mordfällcn in Deutschland. Diese» Material wird dem Untersuchungsausschuß übergeben „Es se»' aufwärts" Die„Deutsche Allg. Zeitung", die im unpolitischen Teil täglich die Wirtfchaftssiegc der Reichsregierung rühm,, ver- öffentlich, i» ihrer Nr. 878/0 u. a. folgende Notrufe au» der Leserfchai: Ein Hotelier schreibt: „Da die wirtschaftliche Notlage sich im Hotelgewerbe sehr stark fühlbar macht und die Umsätze gegen srüher um 40 bis BO Prozent zurückstehen» so erhält das Personal oft Löhne von nur 15 bis 80 Mark monatl'ch, ie nach der Stellung, bei einer Arbeitszeit von 12 bis 16 Stunden Dazu kommen noch die hohen Kosten für Kleidung und Wäsche, die bei einem anderen Berus nicht in Frage komme». Wt« soll da nun ein Faun« lienvat«r seine Frau«nd Kinder noch ernähren können(bei nur vier Mona,« Saison und acht Monate Arbeitslosigkeit), wenn er nebenbei nicht noch Trinkgelder annehmen dürfte, was auch größtenteils verboten ist Ich als a l I e r N a t t o» n a l s o z i a l t st hofste ganz bestimmt, daß eS unserem Führer Adolf Hitler gelingen wird, auch dieses Problem richtig zu lösen und den Angestellten des Hotel- und Gaststättengewer- bes eine andere EntlohnungSmcthode zuteil werben zu lassen, damit endlich mit dem Trinkgelddettel ausgeräumt wird F- M. Ein Hotclangestellter klagt: „Betrachtet der Arbeiter am Zahltag seinen Loh», so muß er die erschreckende Feststellung mach«», baß ein großer Teil seines Lohnes darch Abzüge für Stenern, Sozialabgaben usw- verschwunden ist. Gerade aber diese Abzüge sind es. welche er bringend zur Anschaffung einer Hose, eines Hem- de», von Strümpfen usw. benötigt- Da das Geld durch die Abzüge fehlt, so muß er die dringenden Anschaffungen zum werden Die klaffenden Widersprüche zwischen den B«' hauptungen der Hitlerregierung und den Aussagen der- jcnigen Verhafteten, die inzwischen entlassen wurden sich bereits zu Hunderten aus den Büros der Hilfskomitee» für die Opfer deS HitlerfaschismuS gemeldet und ihr« A»s- sagen zu Protokoll gegeben haben, werden zur Delegierung von prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen, kul- turellen und geistigen Lebens nach Deutschland führen. Da» Sekretariat beS Welthilsskomttees für die Opfer des Hitler- faschiSmuS wird sich gleichzeitig mit dem englische" „Verein für' die Reform des Gefängnis- wesenS" unter Vorsitz von Kings Counsellor Pritt in Ber- bindung setzen. Dem Untersuchungsausschuß zur Aufklä- rung der Greuel in Hitler-Deutschland hat sich bereits unter anderen eine Reihe-von amerikanischen Ten«' toren und berühmten Schriftstellern ange- schlössen. Der Beschluß zur Bildung dieser Kommission wurde in der Sitzung des Internationalen Sekretariate? des Welthilfskomitees für die Opfer des HitlerfaschismuS einstimmig gefaßt, an der u. a. teilgenommen habe»' Professor Levy-Bruhl(Institut de France), Professor Wallon(Sorbonne), Professor Hadanrar(College de France)' Professor Victor Bäsch(Liga für Menschenrechte), Gast»" Bergery(Deputierter). Charles Vildrac(Schriftsteller)' Madame Dnchene(Frauenliga für Frieden»»* Freiheit)- Francis Jourdain. Schaben der Wirtschast zurückstellen. Ginge es nicht, da« andere Maßregeln der öfientlichcn Arbeitsbeschaffung zurüä- gestellt werden und daß man die hierzu benötigten Gel»«» zur Stener'entnng für die Arbeiter und Angestellten verweh dct? Die(fielder, die der Arbeiter und Angestellte hierdur« erhalten dürfte, würden'» diesem Falle direkt zur Industrie fließen und echte Arbeit schaffen. Heute stehen noch 11 Millionen Menschen in Arbeit. N»n stelle man sich einmal vor, wenn diese ll Millionen Mensche" an jedem Zahltag eine Hose, ein Hemd usw. mehr kauie" könnten, was dieser Mehrkaus an Umsatz auslösen muß. o" hierdurch der Einzelhändler gezwungen, bei dem Grossistes und dieser wieder beim Fabr kanien zu kaufen, so muß dien' 1' Warenmehrkauf einen doppelten Warenumschlag auslöse»' der unbedingt zur Einstellung von Erwerbslosen führe" muß. Ich glaube bestimmt, dieser Weg führt schneller u"0 sicherer zu einer echten Wirtschajtsbelebung, als wenn m 1' 1 dem Arbeiter an jedem Zahltage noch einen Groschen abzieht- die leinen Konsum noch weiter beeinträchtigen müssen. So- weit ich als einfacher Arbeiter die Lag« übersehen kann, be- ruht die heutige Wirtschaftskrise daraus, daß Millionen Volk»- genossen nicht den Konsum an Ware vornehmen können, der ihnen bei dem fortgeschrittenen Stand der Produktion 1"' stehen dürste Je mehr man daher die Kaufkraft der Masse" hebt und dadurch einen erhöhten Konsum ermöglicht, um'jj schneller muß die künstliche Ueberproduktion verschwinden u"d einen Ausgleich zwischen Produktion und Konsum schassen- Der Kellner, der das schreibt, hat mehr Grütze im Kops al» Hitler mit seiner Regierung und das ganze gleiw' geschältete Prosessorengesindel, da» aus Angst um Gehalt Penston die Wissenschaft umlügt. Enöllsdie Gcmdndcwahicn Ubour« große Erfolge S 7.«an. ISS». sS i g.« ericht.) jetzt»»tlicgendc Z»sa«menft«llnng»et«■•"'♦f*..®*'' «»«Sie», die freilich na» immer»ich, vallftand'S ist, «'»»glich,»»»««h» ei., ueberftcht itber»'« e«»ofi»«» ri g' t s ch r j, t» der«rbeiterpartei«m S-»«n La»»«. w«»elf,, hebe» dl« Gemeinden,-»!«»»»« t» d«n~ S.» Î** i# d" V.'an»6ejirfta--»» ft«« l«■»««»»«(«» f»»W»** 6fn; aa Ne*d»»e»«st««•»«■*»»» Mt Rote Städte U»»m de» Städte», i» deue« die Ardeitetpertei M« Metze» '"«'•jitl W befinde« sich 5»'ki»st.««,, le, g l k e ft»». S««»».»«««1». «beffield.«».»f.«»nd«.ll«e»d. Z» de» Ge»«i»de». die sch.» diäher»«»«>»«« Mehrheit der «'»«'ter»»..»!»erwaltet war«»«»» i» denen bei de» jetzige» «'«hie» diese Mehrheit«rnener,»der»erpärkt ward«» ,g. ®.• 1• 61«», E.f, Ham, M«r«h,r lodsil, M»»»- si«'»,«elf»». Part T»ld»t,«ottzartza«, St. H'l«»«. Waith.mftow,«est S«»,«««a», bleich stark ait de» Bttrgerltche» ist die Arbeiterpartei i» «»»»»».i».F»r»e». Newport»nd C I» i•«. ®«»Jn«e der Arbeiterpartei Di« stärkste» Gewinne»er,«ich»«» die«rbeiterpartei»»ter«»der» "> falgende» vrte»: ® 1 e••» ne», Sitz« i» O l d h a«. S>nd«»l«»d,«al. ord.«all».»»; loch«»e»e Sitz« t»«alt»»,«aatle. Seed», Liner, »a»l,«h«, Uns»e»e Sitze in v» r» l«n, H» ll, Ipswich, f'»« "•*«»; o'«r»«»« Sitze i»»irktUtzea».«lacktznrn,»erb,, «ccletz; drei»e»e«ttze ,» v»,ti»g.»arnsle, vir««»«« »o«.C»»«»trtz,fhl,ttw»»d,Manchester,«elf»», «»»«hampto», Swansea,«althamftaw. «emerkentzwert ist. da» feldst I» der alte»««fchnfdst-dt Canter, oor». dem«itz de« Prima« der englische» Hochkirch«, ,»« erstenmal ei»«rbeiternertreter I» de»«emeinderat gewählt wnrd«. e«n besonder» be,«ich»«»d»r vors«» hat sich t»«»ntha»pt»n ? a«otrage» Dort kandidierte ein reicher Unternehmer, Mr. Crook, •?' ti« ltonseroatioen Ci» Arbeiter seiner Kirma»amen» "'ich««, dar I» eine«»»der» vegirt als Kandidat der«rbeiter. »artet«nsgestek» war. wnrd« deswegen»»» de» Unternehmer '"« l n s s,». Dag CrgebnlS war, da» Pitches im lrinmph ««wählt wnrd«, währt»» Herr Crook seiner, ie Its schmählich nnterlag. Das ist die Antwort »er englische» Qes s«n,lichkeit ans«in« polt- 'ische Mastreglnng, ~&i« bezeichnend« Antwort«int« alte» Demokratie ans»ie Mi». •*«»• da« Ka«' pla,. UHano crstheini aal da Redaktion *n der Schweiz . Toit dem Umschwung im nördlichen Nachbarland haben -, schon allerlei für Leute von dort aus unserer Redaktion, so es«» wir tn der Baseler»National-Zeituug". ihr« Btsiten- arte abgegeben. Gestern erschien zum ersten Male«tn LA.» »lllann tn brauner Uniform und erzählte uns seine Geschichte. Bis vor kurzem war er Zugführer im mittel» oadischen Arbeitsdienst, jener gewiß zweckmäßigen Organi» laiton, in der Arbeitslast 40 Wochen lang für 30 Pfennig im ■Cog arbeiten und wie im Militär verköstigt werden. Außer °er leiblichen erhalten sit auch geistige Kost in Form von politisch vaterländischem Unterricht und bet den Spiel- und «Portübungen ivtrden Hügel verteidigt und erobert, oder man arbeitet sonstwse nach dem Exerzierreglement der Reichswehr. In Mittelbaten existieren 40 solche Züge mit 'à JDîaiiii. Ter Zugführer erhält 60 Mark im Monat. orm hatte gerade noch Zeit, rechtzeitig auszurücken. Wer ein« braune Uniform trägt, den läßt jeder Autofahrer gern mitfahren. So gelangte der Ausreißer, der die Fluch: inS Ausland dem Stachelbraht des Heubergo vorzog, z emlich rasch an die Tckwetzergrenze und über diese hinaus nach Riehen. Dort erspähte ein Polizist die durch einen Trenchcoat ungenügend verdeckte braune Uniform und brachte ihn auf den Lohnhos. Wir hatten bisher geglaubt, politische Flücht- linge genössen in unserem Lande Asylrecht. Aber dieses Recht ist kein unumschränktes. Unser Gewährsmann betonte zwar ausdrücklich und anerkennend, daß Polizei, Richter und Ge- sängnisbcamle ihn freundlich behandelt hätten,' aber er wurde wegen verbotene» Grenzübertritts zu einer Geldbuße von 50 Franken nebst Urtcilsgcbühr von 1 Franken verurteilt, und da er mittellos war. mußte er fünf Tage sitzen. Nach seiner Entlassung wurde ihn, eine kurze Frist gestellt, inner» halb welcher er unser Land zu Verlanen hat. Der also in die Eng« getriebene versuchte sich in St- Louis für die Fremden- legton anzuwerben, erhielt aber eine Abfuhr und wurde wieder»ach der Schwei» zurück eskortiert- Und nun stand er da in seiner braunen Uniform mit Hakenkreuzen aus den Knöpfen einer Uniform die er aar nicht tragen darf, ohne Mittel, ohne Beziehungen und unschlüssig, wohin er sich am besten wenden mußtt. eine neue Art von Kieselsteine», welche die nationalsozialistische Brandung an unser User ßespüf hat. Die E!„ cht»u» kerlin Tas statistische Amt der Stadt Berlin veröffentlich» Intéressante Mitteilungen über die Bevölkerungsbewegune in der deutschen Reichshauptstadt In den erste» sieben Mo »aten dieses Jahres ha: die Bevölkerung Berlins um 4641* Köpfe abgenommen. Fm Juli allein wurde die Bevölkerung um fast 10000 Köpfe geringer. Tie Veränderungen habe» sich größtenteils durch Abwanderungen ergeben. Nicht ver zeichnet wird in der Statistik wieviel Personen sretw'llig »nd wieviel— unfreiwillig von Berlin abgewandert sind (in Konzentrationslager, Gefängnisse usw.) „Billigst du, deutscher Manu.... 7 U Nein! Dein Wet, deutscher Michel, dein Wex an die Urne wird vom Wütigen Häschern und Henkern bewa' «He Wahlurne ist deine Totenurne, driu wird daine Ehre zu Grabe gebracht. Ein Friedhof zur Linken— ein Zuchthaus zur Rcci. du hast die Quai— doch du hast keine Wahl, was nützt es dir, wider Betrüger zu fechten, dein Nein wird zum Ja, und das Ja wird zur Zahl. Doch die Nein, sie werden nicht spurlos verwehen, sie sind mit dem Blute der Opfer geweiht, ihr Geist wird dereinst aus der Urne ersteh«*, wird wecken und mahnen: Nun ist es Zeit! Dann wird ein anderer Morgen tagen, dann gilt kein gefälschter papierener Schein, dann wirst du, Michel, die lime zerschlagen, deine wahre Stimme, dein dröhnendes:„Nebi!" wird um den Erdball zu hören sein! Munin. Sosialistensieg in Genf Alliier ihnen noch die Linksdemokraten die dewlnner Sozialistischer Genler Wahlsieg Saarbrücken,?. Nov. 1933. T> i e Genfer Sozialdemokratie hat vor» gestern bei den Genfer Kantonatswahlen 4KProzentallerStimmenundMandateer. kämpft. Das ist mehr, als Adolf Hitler selbst bei seiner Terrorwahl am ö. März erhielt. Es stellt eine würdige Fortsetzung der Reihe sozialdemokratischer Wahl, siege dar, die seit Hitlers Regierungsantritt in ganz Europa als Antwort aus seine bestialische Brutalität zu verzeichnen sind. Dänemark, Schweden. Norwegen, Eng» land, Jugoslawien, Zürich und jetzt Genf sind Schlag auf Schlag folgende sozialistische Triumphe und ebensoviele Riederlagen de» Faschis- mus gewesen. Man darf heute bereit» ohne jede Ueber» treibung feststellen, daß Hitler dem internationalen Faschismus ebensosehr geschadet, wie er der Auf» rüttelung der sozialistischen Kräfte in der ganzen Welt zu ihrer Sammlung und Konzentrierung g e n ii tz t hat. Der angebliche Marxistentöter führt zu einer Renaissance des Sozialismus in allen Staaten außerhalb der Hitlergrenzen— daß es auch innerhalb dieser Grenzen nicht ander« kommen kann und wird, dafür wird die bereit» starke und von Tag zu Tag zunehmende antifaschistische Front in Deutschland Sorge tragen. Bei allen diesen Wahlen wiederholt sich eine Ersah» rung: Während die Sozialdemokratie gewaltig zunimmt, wird der Faschismus uberall entscheidend aufs Haupt ge» schlagen und bleibt die Kommunistische Partei bedeu- tungslos.(Sie erhielt in Genf 220 ganze Stimmen!) Das weist eine Tendenz europäischer E n t w i ck l u n g a u f. die auch für die Beurteilung dessen, was in Deutschland nach Hitler kommen wird, nicht un» wesentlich ist.— Unseren Genfer Genossen aber unseren herzlichsten Glückwunsch. Sie haben in einem Lande, das der doppelten Einflußnahme des Faschismus, von Norden her des hitlerschen und von Süden her des mussolinischen, ausgesetzt ist. einen besonder» hervor» stechenden Sieg errungen- ihnen gilt der Dank der ganzen Internationalt. dl. B. D. Sens. 7. November 1968. sEig. Zier.) Die Wahlen zn m großen Rat b e S Kantons Genf, die am 4 und 5. November unter stärkster Wahlbeteiligung stattfanden, haben der Genfer Sozialdemokratie einen überwältigenden Lieg gebracht. DI« Genfer Sozialdemokratie hat rund 46 Pro», aller Stimmen erobert und wenn auch die endgültigen amtlichen Ergebnisse zur Stunde noch nicht heraus sind, so rechnet«an doch mit einem sozialistischen Mandatsgewin» von» Listen, so daß die Partei von insgesamt tl)0 Listen 16 innehaben wird gegenüber 67 bisher. Da der Große Rat auch die Kantonale Regierung zu wählen hat, werden die Sozialisten voraussichtlich drei Regiernngsmitglieder(Man» tonalrätej erhalten, während sie bisher in der Regierung nicht»ertreten waren. Dieses glänzende Wahlresnltat ist in schärfstem Kamps gegen den Genfer FaschiS« mn* und die mit i h m verbündeten rechts» bürgerlichen Parteien erzielt worden. Die bisherige Genfer rechtbürgerliche Regierung, in der auch ein Faschist alS Kantonalrat faß, hat in diesem Fahre alles getan, um solche Eidgenossen, die arbeitslos waren oder nicht ge- nügend Existenzmittel hatten, in ihre Heimatkantone ad,zu- schieben und den Sozialiste» damit Wähler zu nehmen. Dazu war die Genfer Partei nach dem Blutbad des faschistischen ». November i« schwerer Gefahr und wurde durch große poli- tische Prozesse, aar allem gegen den Chefredakteur unseres Genfer Parteiblattes„Traoail"LeonNicole, dauernd beunruhigt. Nicole selbst konnte erst vor knapp 6 Wochen das Gefängnis»erlassen. Tröstbem»nd wahrscheinlich gerade deshalb ein anhaltender Zlnsftieg der Sozialdemokratie, der sich in steigenden Wahlzissern zeigt: Iliî? erst 7020 Stimmen, 1966 bereits 10 666 und 1938 endlich 17 606 Stimmen von insgesamt 87 000 Abstimmenden. Die MandatSzlssern der Partei 'testen sich nunmehr wie folgt: Sozialisten 16(bisher 67). Union Nationale lb. f. die Faschisten) 6 sbiSher IM, Radikale 19 jbisher 22), Christlich-Soziale 18(»iSher 14), LtnkSdstrgerltch« Demokraten 18 sbi-her 12), Kommunisten 0 sbiSher 0). Außer den Demokraten haben also alle ärgerlichen Parteien verloren, davon am lärkften die hitlersreuudlichen Faschisten, di, auch ihr Mit- rlieb in der Kantonregierung verliere«. Daß die K o m m u- ti st e u auch bieSmal wieder leer ausgegangen sind, entspricht der gerechten Empörung der Genfer Arbeiterschaft über ihre SpaltnngSpolttik, deren verhängnisvolle Folge der Ausstieg der Faschisten gewesen ist. ïDeutsefke Stimmen•(Beilage zur„deutschen Freiheit"• Ereignisse und Qesdkidkten Mittwoch, den 8. November 1933 'MWMWSM» II WÊ IWWWWWWW £leêesôcief xw Vau Waltet JUU(%uis) Von Georg Wilmann sei mir nicht böse, Rosalinde, daß ich Dir hier so in aller Leifentlichkcit schreibe. Schuld daran ist Dein Brüderchen Baldur, das Dich jo unbesonnen mitten ins Rampenlicht der Städtischen Oper gestellt hat. Da stehst Du nun und s ngst, wie uns schon Geo London erzählt hat. mit den Herr» lichen 18Ö00U00 Stimmen Deiner Parteigenossen, jwie möchte ich Dir erst am 12. November lauschen. Rosalinde!) > nd bist überhaupt in jeder Hinsicht klassisch. Bor allem als leispicl für die unbestreitbare Tatsache, daß Bonzentum >d Sippcnwirtschast aus dem Deutschen Reich fortgejagt worden sind, wie Spreu vor dem Winde. Nein, heute führt der Weg zu den steilen Höhen deutscher Kunst nicht mehr durch das Tchlasgemach irgend eines jüdischen Direktors, sondern, wie es sich gehört, durch die zuständige SA.-Kaserne. Aber, Rosalinde, da ist ein Punkt, der mich mit banger Sorge erfüllt: Ich habe da dieser Tage in einer Kritik von Welda sim Hausblatt Eueres Gottfried Feder) gelesen, daß Du zur Zelt eine„darstellerisch sehr beachtliche Mona Lisa" spielst. Ganz abgesehen davon, daß ich für eine solche Kritik dem oder der dafür verantwortlichen Parteigenossen von meinem Brüderchen Ohrfeigen anbieten lassen würde, möchte ich Dich nur fragen, ob Du Dich auch wirklich genau über die rassische Zugehörigkeit der„Mona Lisa" unterrichtet hast? Nordisch war sie bestimmt nicht, und wer weiß, wer weiß... Aber, auch diese heikle Frage ist nicht, was mich zutiefst er- regt. Die Gesellschaft ist es. Rosalinde, in der Du da aus den Charlottenburger Brettern singst. Heißt es n'icht wörtlich, ein paar Zeilen weiter, in Weldas Kritik:„Die drei- viertel entkleidete Margret Pfahl war eine lebensechte Kur- tisane?" Dreiviertel entkleidet! Und da spielst Du noch mit, mein Rosalind? Mich schauert. Lassen wir daS Theater, Rosalinde und sprechen wir von Dir. Du weißt, von allen Deinen Reizen, die ich nicht kenne, aber mir lebhaft vorstellen kann, hat es mir keiner stärker angetan, als Dein Name. Rosalinde und Baldur von Schirach! Wie hell müssen Eure Erzeuger schon damals ins „dritte Reich" geschaut haben, als sie Euch, etliche Jahrzehnte vor Hitlers Ausbruch, mit solchen Namen versahen! Wie das alles zusammenpaßt. Euere Vornamen und das Schirach, das auch herumgedreht noch ganzm voraus die Berichtigung mitschicken. Erstens kann ich mich schwer beherrschen Dir was zu wollen, und zweitens bin ich ein baumlanger Germane mit einem ganzen Museum voll prima lch) arischer Ur-Ur-Ur-Ur- Großmütter, weit über jene Zeit Hinaus, als Adolf Hitlers Ahnen sich noch in Bukarest den rituellen Waschungen hin- gaben. Wenn ich aus diesem wichtigen Punkt bestehe, so nur damit Dein Brllderlein Baldur auf Euerer nächsten Gastspielreise nach Paris unbesorgt an mich herantreten kann, um mich nach alter deutscher Sitte„mal aus'n Augenblick auf die Toilette zu bitten". Wo ich mich dann auch wirklich gerne mit ihm treffen werde. JAeatec auf dem StetAetagec JatenMaçen afute JCommentac 1. Det JAeatecdicehtoc klagt Der Direktor deö K o m ö d i e n h a u s e S am Schifsbauer- da in m in Berlin, das mit seiner Aufführung von Forsters „Robinson soll nicht sterben" eine ausgezeichnete Vorstellung herausgebracht hat. schrieb den Zeitungen einen Brief, in dem es heißt: „Die Erstaufführung von„Robinson soll nicht sterben" am 22. September war ein ungeheurer Erfolg. Das Publikum war von Dichtung und Darstellung gleichermaßen bezaubert, es gab seiner Begeisterung in langandauernden Beifallskundgebungen Ausdruck, unzählige Male rief es Darsteller und Regisseur an die Rampe. Die Presse am folgenden Tag war in ihrem vorbehaltlosen Lob der Aufführung von einer Einstimmigkeit, die selten ist. Nach menschlichem Ermessen wären, wenn nicht glänzende Einnahmen, so doch ein zumindest normaler Besuch der Auf- sührung zu erwarten gewesen. Aber das Gegenteil war bor Fall. Wir waren klug genug, angesichts der Wirtschafts- läge nicht mit einem Sturm aus die Kassen zu rechnen, aber daß wir vor so viel leeren Sitzen spielen muß- t e n, darüber dürfen wir uns mit Recht wundern. Woran lag es? Daß die Aufführung Menschen hinzu- reiben vermochte, hatte sie bewiesen. Warum also kein Be- such? Ist das Stück zu sauber, zu rein, zu an- st ä n d i g? Fast scheint eS so. denn Stücke, die das nicht find, haben augenblicklich in Berlin ihr Publikum. Em Privattheater ist ein Wirtschaftsbctrieb, der sich selbst erhalten muß. Es entspricht nicht den Grundsätzen der heutigen Wirtschast, Geld in unrentabcln Betrieben zu vcr- geuden. Wir haben also nicht lange Zeit, darüber zu grübeln, warum eine künstlerische, saubere Aufführung heute schein- Irr niemand mehr sehen will. Wir müssen weiterspielen. Nun i aß uns für die weiter« Spielplangestaltung freie Hand • e lassen werden, nicht zuletzt im Interesse der Schau- i neler und Angestellten, deren Existenz an den Bestand unserer Bühne geknüpft ist. HanS Nachreiner. * 3. Hiemand geht mehc hin... K. H. R ü p p e l schreibt in der„Kölnischen Zeitung": „Das ist nach kaum einmonatiger Spielzeit das Schicksal c nes Berliner Theaters, das mit dem aufrichtigen Willen ar Kunst begonnen hat. Ebenso mußte das Theater am s! o l l e n d o r s p l a tz, das mit nicht geringerem Ernst, mit inm geringcrem Erfolg seine Arbeit aufgenommen hatte, ine Vorstellungen unterbrechen, weil das Publikum usblieb. Es bleiben somit in Berlin außer den Staats- iühnen, deren Besuch aber auch zu wünschen übrig läßt, nur ,as Theater in der Ttresemannstraße und die jetzt gegen ,ede Krise gefestigte Volksbühne als künstlerisch vollwertige Theater. Alle übrigen Bühnen spielen, bei zum Teil glän- zendcr Besetzung, ausein emNiveau, dasmit kü n st- lerischen Maßstäben nicht zu fassen ist. Sie haben das Publikum, sie haben die guten Kassen. Man muß die Gründe für diese Tatsache suchen... Vielleicht sind nicht immer die richtigen Werbemittel angewandt worden. Das gilt sowohl für die Theater, als auch für die Besucherorgani- sation der Deutschen Bühne. Viele Direktionen sind zu lange unsicher gewesen, viele lieben nicht erkennen, ob sie Konjunktur- oder Ueberzeugungsspielpläne aufstellen wür- den, viele beteuerten zu sehr die Gleich schal- t u n g, statt einen Anreiz durch einen dramaturgisch ge- festigten Arbeitsplan zu bieten. Aus der andern Seite mag in manchen Werbekundgebungcn der Deutschen Bühne nicht immer der richtige psychologische Ton gefunden worden sein; das Publikum konnte zuweilen das Gefühl haben, als solle es zur Kunst kommandiert werden. Man hat vielleicht die „Pflicht zur Kunst" zu stark betont und darüber die„Freude an der Kunst" etwas in den Hintergrund gedrängt. Es ist aber eine alte Tatsache, daß ein Volk, das sich auf vielen Ge- bieten des öffentlichen Lebens als erziehungsmillig und er- ziehungssreudig erweist, sofort in Abwehrstellung geht, wenn ihm das kun st pädagogische Ele- ment der Theaterpolitik allzudeutlich zum B e iv u ß t s e i n kommt." » 3. Seilst die JCünstlee... Der im Hugenbergschen Scherlverlag erscheinende„Mon- tag" wirft die Frage auf, wo eigentlich die größten Schauspieler Deutschlands geblieben sind. Basscrmann gastiere in der Schweiz, in Holland, Tkandi- navien und feiere Triumpfe, nur in Berlin nicht. Wo sind, fragt das Blatt. Rudolf Forster. Lucie Höflich, Hans Albers, Jakob Tiedtke, Mady Christians, Else Eckersberg, Carola Neher? Agnes Straub ziehe seit Monaten durch die Provinz. Selbst Werner Kraus, der stellvertretende Vorsitzende der nationalsozialistischen Deutschen Theaterkammer, gastiert in London. Sie alle sind auf Berliner Bühnen nicht mehr zu sehen. Die Sil Millionen hatten doch alle Mittel der Macht, und die eine Million keine. Was brauchten die 50 Millionen da erst nach Wegen z« suchen, sie erstickten ja fast im Uebersluß der Machtmittel. Ja» sagte ich, und das Blut drang mir zum Herzen, sie hatten wohl alle Mittel, aber es fehlte ihnen das Mittel, daS einzige Mittel, die Welt für sich zu erobern: Das kleine winzige Lichtsünkchen, das die Macht über alles Elend bedeutet, das Fünkchen, das im Gehirn ausleuchtet: die Erkenntnis. KurtSisuer. Wolken (E n Lehrgedicht) Als eines Abends die Sonne untergegangen. War der weiße Mond nicht über den Wässern gehangen, lieber dem Meer hingen Wolken, dick, schwer und breit, Dehnten sich hin über das Meer und die Einsamkeit. Und wie das Meer gegen die Kaimauer rollte, Ferne und eintönig drohend der Donner grollte. Und die Wolken ballten sich hoch nnd zerbrachen, Standen am User zwei Emigranten und sprachen. Sagte der eine:„So, wie die Wolken zerfallen, Wird auch die braune Macht in Deutschland zerfalle«. Alles verändert sich. Nichts ist von ewiger Dauer, Hitler zerbricht einmal, so wie das Meer an der Mauer. Einmal kommt seine Stunde. Dann ist es zu Ende,_ Mit feiner Macht. Dann kommt ganz von selber die Wende. Wolken kommen und geben. Menschen kommen und gehe«. Nichts ist von Daner. Nichts bleibt ewig bestehen." Sagte der andere:„Leg in den Schoß nicht die Hände! Glaube doch nicht, daß das Grauen von selber sich wende! Konzentrationslager kann man nicht mit Wolken vergleichen? Denk an die Brüder in Deutschland! Und denk an die Leichen! Wolken kommen und gehen. Räuber muß mau verjage». Mordende Bestien muß man wie Bestien erschlagen! Nie ist von selber die Macht der Tyrannen vergangen, Nie hat ein„höheres Wesen" die Mörder gehangen! Nicht ein Blick aus der Wolke wird Hitler erschlagen? Wir sind es, wir, die ihn einst zu Grabe tragen! Nie»nd nimmer wird er von selber vergehen! Aus dem gemarterten Volk werden die Rächer erstehe»! Wir müssen helfe», daß sich die Wolken dort ballen! Wir müssen kämpfen, damit die Tyrannen fallen! Wir sind die Macht, die die Mörder für immer vernichtet! Weg mit den Wolkengedanken! Die Blicke nach vorne gerichtet! Qedächtnismocd Mornrnsen und Hitler Der gottgesandte„Führer" der neuen Deutschen putzt, unt sich dadurch auch im Geiste als Führer zu erweisen, seine Reden gern mit allerlei Zitaten heraus, obgleich seine litera- rische Bildung eigentlich bei Karl May beginnt und aushört. So hat er in der offiziellen ParteitagSkundgebung vom 1.'September seine antisemitischen Erleuchtungen folgender- maßen eingeleitet:.„Wenn der große Geschichtsforscher Mommsen das Judentum im Völkerleben als Ferment der Dekomposition bezeichnet hat, so war diese Dekompositio» schon sehr weit vorgeschritten." Wer diesen nicht nur muster- hast schlecht gebauten Satz liest, muß glauben, daß Mommsen der judenfresserische Großvater des„dritten Reiches" sei. In Wahrheit hat er den nach 1870 in Deutschland aufblühenden Antisemitismus mit allen Mitteln bekämpft: als Gelehrter, indem er im fünften Bande seiner„Römischen Geschichte" die bittere Tra- gödie Judäas und den Juden ergriffen und ergreifend schilderte: und als liberaler Politiker, indem er den wüsten Treibereien der Marr, Dühring und Stöcker und einer Broschüre Treitschkes die eigene Broschüre:„Auch ein Wort über unser Judentum"(1881) scharf entgegensetzte. Aus ihr, aus seinen Briefen und Gesprächen wissen wir, daß Momw- sen genau so wie N i e tz s ch e, der andere zum Propheten des Hitlertums prostituierte große Deutsche, die Antisemiten nicht so sehr gehaßt wie ob ihrer Unwissenheit und Roheit aus tiefster Seele verachtet hat. Sein Andenken mit den Ten- denzen des„dritten Reiches" in irgendeinen Zusammenhang zu bringen, bedeutet also einen unsühnbaren Gedächtnismord. 3Cans statt!r, Vereinbarnna der Departements Seine und Seine»et» >»tse in Zukunft noch mehr als bisher gereinigt werden. .Die„schwarze Sekte", die Bitten ausplünderte, hinterließ !i Erinnerungszeichen in Saint-Leu-la-Foret. Dort fand Eigentümer feine Garage erbrochen und das Auto g«, stöhlen. Aber der Wagen stand 800 Meter wetter auf der ^hauffee. weil der Motor nicht gearbeitet hatte. Am Wagen N-n die Gendarmen ein Schild:„Die schwarze Sekte war Sch^^alicherweise handelt es sich nur um eine« schlechte» nß ti Zwillinge. Junge und Mädel von! Jahren, wurde« »on ihrer Mutter im Kinderwagen in Asnieres beim Ueber« Zurren der Straße von einem Lastauto erfaßt. Der kleine Michel wurde nur leicht verletzt, aber die arme Odette, sein« «chwester, wurde getötet. 0 Im Schubfach eines alte» Möbelstücks in einer Straße in LevalloiS wurde ein Kinderskelett gefunden. Als Mutter de» ^wdeS wurde eine SOiährige Küchenfrau ermittelt, die das «ind vor längeren Jahren heimlich geboren hat. Sie gab an. °er Bater sei ein Cafekellner und das Kind gleich nach der Geburt gestorben. Das Skelett ist jedoch größer als der Korper eines Neugeborenen. Die Frau wurde verhastet. ÛROUER GEWINN !!!!* Ï^JW-AnUg« kir ! n«.f oß. Neuheit. Wer Keht lrt Käufer. Mas- «n-Artlkel. Suche Ka- Ntall.t mit JtMOOOO Fr. »*8nfeid, Parla. 5, rue ° e Montyon(9) *uch die„Kleine Anzeige" In dei ••Deutschen Frel- heit'brlngt Erfolg DER BElOlNTE HEILER CbriJllïD empfängt 47. Rue de Berri Erfolg von ersten Sesncen. Konsolt. gratis TEILHABER GESUCHT Au. P.llitla..urllck».k.lirt. Fr.nloM«•*»]•"" h.b.r«11 50000 bla IOOOOO F-. x»adi. GrUndun, .Ina. Export,..*»!* nad. F.H.Mna mit Sil. 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Garrels Verteidiger waren bei dem Termin anwesend, die Schwestern Schmidt waren nicht vertreten. Das Gericht entschied im Sinne der Forderung ber Versicherungsgesellschaften, nur der Dr. Guy, der Arzt, der den Totenschein für die Magali ausgestellt hatte, wurde auch zivilrcchtlich außer Verfolgung gesetzt. Die beiden Makler Brun und SiotiS, von denen einer ein Verwandter Sarrets ist, haben LS 000 bzw. 30 000 Franken Provifion »»rückzuerstatten. Wetter verlangen die Erben des ermordeten ExpriesterS Ehambon SO000 Franken Schadenersatz. Der Gerichtshof beschloß, die Entscheidung hierüber auszusetzen, bis sie nach- gewlesen haben, daß sie die alleinigen Erben sind. Sarrets freigesprochene junge Tochter A n d r e e dürfte sich mit der ersten Frau ihres VaterS und ihrer Stiefschwester aus der andern Ehe zusammengetan haben. Es stellt sich heraus, daß auch die Schwester Sarrets wohlhabend und aus sehr guter Familie ist. Niemand begreift die entsetzlichen Verbrechen des Mörders,— dieses ehemaligen Rechts- studenten, Clergyman und reichen ManneS, der in Marseille mit dem furchtbaren Spiel umging, Abgeordneter zu werden, bevor ihn sein Verhängnis ereilte. ver loo von Paris Umbau am Boulevard St.-Germain Ter Platz und der Markt Maubert, untrennbar vom alten Paris, am Anfang der Gassen gelegen, die vom großen Boulevard St.-Germain in das Mittelalter von Notre Dame führen, soll verschwinden. Auf diesem Platze steht daS Denkmal eines mutigen Mannes, im Wams und mit Ketten: das ist Etienne Tollet, der Hub von Parts. Er war ein berühmter Buchdrucker und Freigeist der Renaissance. Auf dem Platze, auf dem heute Obst und Käse und die schwarzen Auberginen verkauft werden, wurde er vor etwa vierhundert Jahren als Uetzer verbrannt. Der Markt in der Nähe, den die Stadt Paris jetzt wo andershin verlegen will, heißt der Carmeltten-Markt. Hier stand einst ein Carmeliter-Kloster, von dem die Chronik be- richtet: Zwölf Väter zogen sich einst zu frommer Andacht in die Grukt zurück, da entdeckten ihre Oberen an diesem Ort zwölf Rebhühner, Pasteten, Schinken und reichlich Wein. Die Gegend um den früheren Scheiterhaufen und das Denkmal Dössels soll fetzt mit modernen Gebäuden bebaut werden, wie deren sibon zahlreiche in dieser Gegend der alten Sorbonne und des neuen Palastes der Genossenschaften bestehen. vie He'mhelir des fremden eglonfirs „Teure Heimat, sei gegrüßt..." Ein Deutscher, der elf Jahre bei der Fremdenlegion gedient hatt und weaen Krankheit entlassen war, wollte nach seiner deutschen Heimat nach Köln tayren.>in Perl, dem deutschen Grcnzort, bat er um ein Nachtquartier. Die Polizei wurde benachrichtigt, durchwühlte seme Papiere und beschlagnahmte sie samt 60 Fr., die der Exlegionar noch in der Tasche hatte. Der deutsche Polizist begrüßte ihn mit den Worten:„Aha. schon wieder mal son Verräter und Franzosenfreund, wart nur'n bißchen, wir werden dich in ein Konzentrationslager sperren."„r. Der Legionär floh noch in derselben Nacht barfuß über die Grenze und ist froh, wieder in Frankreich zu sein. PARIS VIENNE 47, RUE DE BERRI, 47 Durch den Tod des berühmten Dr. Roux, ber noch einer der Groben aus dem persönlichen Kreise Pasteurs war, ist das Pasteur-Jnstitut zu Paris verwaist. Man wagte dem alten Gelehrten, der mehrere Tage an diesen trüben Novembertagcn bettlägerig war, kaum den Tod seines großen Kollegen Calmctte, deS Tuberkulose-Bekämpiers mitzuteilen. Auch das Staatsbegängnis Painleves, an dessen Sarge der Stratosphären-Flieger P i c c a r d in die Pantheon- Feter schritt, bat er nicht mehr gesehen. Dr. Roux stammte aus Confolens, aus dem Gebiet des Vienne in Mittelfrankrcich. Er hat ein Alter von 80 Jahren erreicht. Seit einem halben Jahrhundert diente er der Wissenschast. Seine Selbstaufopferung und seine Bescheiden- heit waren sprichwörtlich. Er hat nie einen materiellen Ge- win aus seinen Entdeckungen im Kampfe gegen die Mikroben, den TyphuS, die Rinderpest, die entsetzlichen Feinde der Menschheit gezogen. Er widmete alles dem Pasteur-Jnstitut und dem Pastcur-Hospttal, das die Seuchen völlig u m s o n st behandelt. Die Betsetzung erfolgt auf Staatskosten voraussichtlich am Donnerstag. Paris wird das Gedächtnis der beiden großen toten Epidemte-Bekämpfer durch eine„Rue Roux-Calmette" ehren. fin Mörder gewinnt im Pferderennen In Paris wurde ein Ucbeltäter verhaftet, ein gewisser Roger Bois vert, der in Lyon seine alte Mutter getötet und ihr alles Geld auS Wohnung und Laden gestohlen hatte. ES ist ein Mann von fader Eleganz, der schon eine Strafe wegen Diebstahls und Schwindels hinter sich hat und der Frau und Kind verließ. Zwei Straßenpoltzisten bemerkten jetzt einen Zuhälter, der sich in der Nähe der Place Clichy das Geld seiner Liebsten abholte. Der Ueberraschte sloh, die Beamten holten ihn ein. Es war niemand anderes als der Lyoner. Der Täter gestand die Schandtat ein, erklärte aber, er habe seiner Mutter nur etwas übergeworfen, damit sie nicht sähe, wie er die Wohnung plünderte. Er habe sie nicht töten wollen. Er habe ihr die Hand aufs Herz gelegt, als er weg- ging und das Herz habe noch geschlagen. In seinen Taschen fand man falsch« Ausweispapier« und einen Wettschein deS„Pari Mutuel" zum Pferderennen. Der Gaul Cernnschi, auf den der Muttermörder gesetzt hatte, gewann 128 Franken. Vorher sagte der furchtbare Mensch noch zur Polizei:„Wenn der Gaul gewinnt, schicken Sie mir das Geld WS Gefängnis." Diese Bitte wurde aber nicht erfüllt. in Palästina öe'rt'ef Ein Inder und eine amerikanische Tänzerin Paris, 6. November. Nach einer Drahtmeldung aus Jerusalem wurden beim afsyrologischen Museum die von Maschinengewehrkugeln durchsiebten Leichen zweier Opfer ber Unruhen gefunden. Es handelt sich um einen Jstder namens Mohammed K i r m a n i und seine Freundin, eine schöne und blonde amerikanische Tänzerin mit dem Bühnennamen Joan Winters. Der Inder hatte sehr viel Geld bei sich, die Schmucksachen der Amerikanerin waren unberührt. In ber Handtasche der Toten fand man einen Brief an ihre Eltern in Neuyork und einen unvollendeten Brief, in dem sie ihrem Freunde ihre ganze Liebe sagte. Die beiden Steifenden waren eben nach Jerusalem ge- kommen und wollten nach Europa weiter fahren. Man hatte ihnen gesagt, daß die Straßen der Stadt von Eintritt der Dunkelheit an unsicher seien. Aber sie achteten nicht auf die Warnung, gingen aus und starben unter den Kugeln der sanatischen Araber. ver rtUdiflfngssaal Im Grand Palais Auf der Herbstausstellung im Grand Palais haben auch eine Reihe deutscher Maler und Architekten, besonders junge, auch einige Bildhauer ausgestellt. So hängt ber Theatermaler Hermann G o w a mit einigen Szenenbildern in der Nähe des Eingangs. Dann ist die ganze Abteilung I den Flüchtlingen ein- geräumt. ES ist mehr Jugend als reife Künstlerschast, die sich den Parisern zeigt. Wir sehen ein„Pariser Judenviertel" von A l v a. lebhast und bunt ausgeführt Marsetller und süd- ländische Landschaften von Louis-Alsred Jonas in schönen leuchtenden Farben. Zwei Arbeiten des jungen, auch schon in Berlin bemerkten Robert Liebknecht, des Sohnes des Märtyrers ber deutschen Revolution. Fotos vom Schaffen der beiden L i p m a n- W u l f. Ein fahles Fraucnbildnts von Wolfgang Sachs. Eigenartige, scharf ins Karikaturistische übergeleitete Sachen von L. W r o n k o w, so eine„Familie" mit einem Kinderwagen, aus dessen Dache ein Schornstein steigt. Der Saal ist freilich wenig typisch für die Sache, die er vertritt. Es ist generös, daß die Franzosen, die bedeutende Jury den Flüchtlingen Gelegenheit gegeben hat, ihre Werke, die keine Heimat mehr haben, zu zeigen, und es ist sehr anerkennenswert, wenn die Deutschen ein Viertel von etwaigen Verkaufssummen den französischen Arbeitslosen zur Verfügung stellen wollen. Aber ein eigene?, scharfes Gesicht des Landes, das etwa einen Nolde oder Hofer, eine Käthe Kollwitz oder von Neueren etwa einen Werner«cholz oder Otto Nagel hervorgebracht hat, wird hier noch nicht gegeben. p. vas Konzerf der Vertriebenen Das erste Konzert ber Flüchtlinge in der Université du Parthenon im Rahmen des Deutschen ClubS hat die Gewiß- heit geschafft, daß es dem vertriebenen Künstler möglich ist, im Ausland zu arbeiten. Die Schwierigkeiten waren sehr groß: die Künstler haben Noten abgeschrieben und Noten- pulte und alles mögliche zusammengeschleppt, weil sie kein Geld hatten. Der Saal war voll, das Publikum war in au»- gezeichneter Stimmung. Die Künstler waren glücklich, ihren Berus wieder«»füllen zu können. Der Dirigent des ersten Teils, dessen Name mit Rück- ficht auf Verwandte in Deutschland verschwiegen werden muß. halte es in der kurzen Zeit weniger Proben hervorragend verstanden, aus dem Orchester etwas zu machen. Er ist zweifellos ein feinfühlender Musiker von Sicherheit und Ge- schmack. Besonder? erwähnenswert ist die Leistung von Sara Wittenberg, der Meisterschaftsschülertn von Arthur Schnabel, die Back spielte. Lott dors, der eine Arie von Händel sang, bewies eine schöne, weiche und gut durchgebildete Stimme. Im Kammermusik-Orchester, das auch die„Nachtmusik" von Mozart spielte, siel besonder« an- genehm der e r st e G c t a e r aus. Dem klassischen Programm folgte ein leichter, heiterer Teil mit Wiener Musik, der dem Publikum mancherlei Kon- WIENER RESTAURANT Mittags und abends alle original Spezia- litäten. Nachmittags»Tee, Wiener Kaffee u. Kuchen. Sehr elegant. Massige Preise. Zessionen machte und großen Applaus fand. Der Dirigent E g r e s s y„tanzt" beim Orchester fast mit, ein temperament- voller Dirigent. Die Koloratursängerin Jansen, mit sehr viel Technik, gefiel sehr. Man freut sich festzustellen, baß dieser erste Schritt zu pro- duktiver Arbeit geglückt ist. p. »er nenc Natten« Nim Paris, 0. November. Marlene Dietrich dreht bereits nach Neuyorker Meldungen unter Joses von S t e r n b e r g den neuen Film„Herrschaft der Liebe", in dem sie bekanntlich die große Katharina spielt. In diesem Film tritt die spätere Zarin und damalige deutsche Prinzessin zunächst als Kind aus. Diese Szene hat Marlenes neunjährige Tochter übernommen, ein sehr hübsches, blondes Kind, das also zusammen mit seiner Mutter in diesem prunkvollen historischen Streifen austritt. vas Sdimugglersdilil Eine ganze Schmuggler-Operette mit bildhaften Wir- kungen und Bolksauflauf hat sich in der Gegend von Valenciennes vollzogen. Dort hat man das Schmuggel- sckitff„Melania" festgenommen, der Schiffseigner Ferton wurde verhaftet. Das Schiff hatte 4000 Kilo belgischen Tabak, im Werte von etwa 300000 Franken an Bord, unter heim- lichen Vorschlägen verborgen. Der Tabak sollte natürlich dein französischen Zoll und der Regie entzogen werden. Die Kaperung war ein großes Fest für alt und jung. Uedc Iii! Wie ich gestern an der Coupole vorbeigehe, kommt Meyer, Tu weißt ja, vormals Waitzstraße. Der l-A-Wagen steht weiter unten, da, wo die Lunte wieder ausgemacht ist. Mener kommt von einem Stande, da hat er Weinberg- schnecken eingekauft, obwohl sie ihm gar nicht schmecken:„Na, nu steigen Se man ein, aus nachm Grand Palais, H e r b st- ausstellung, Salon: das ist das größte Ereignis von der Saison, wenn Sie mit wollen... van Dongen mit'm großen Bart steht ja da..." „Reden Sie nicht so laut deutsch, Meyer," sag ich,„versteh« Sie denn was von Kunst?" „Klar— bloß so 3000 Bilder und die vielen Akte— also da? nennt man hier„Nu", das heißt manchmal nennen sie'» auch anders... Stilleben heißt hier Nature morte(bin ich aber noch nichts, dann sehn Se mal die wunderbaren demi- teintes, nix wie Touffeur, Wärme, mein gutes Kind. Fleisch mit Candeur..." „Na, die Fachausdrücke ham Se raus. Meyer— bloß die Namen von den 3000, da wissen Sie wohl nicht so Bescheid?" „Ne— da ist zum Beispiel Kars mit» Alt, der Name ist ja nicht schwer, aber Ave» Alix mit'ner spanischen Révolu- tion, das ist schon schwerer, und dann Fonseca, der hat'n Unterrichtsminister gemalt, bei uns wurde einer schon gelobt, wenn er n Kesteuberg pinselte, aber hier kriegt er eine fttr'n Kultusminister vom Kritiker Raymond Escholier aufs Dach." „Donnerwetter, Meyer, was ts'n das für großes Tier?" „Das da,— ach, das ist doch wohl der gute Paul Westheim." „Ne, der nicht, Meyer—" „Ach so, da— ja, daS ist der Stier von Pompom, daS sind die Skulpturen, die vielen schönen Weiber in Holz und Bronze, na, bei uns sind sc manchmal weniger von Holz. Wissen Sie: zu Hause am Hausvogteiplatz verstand ich auch waS von Kunst, aber hier, da bleibt einem manchmal die Spucke weg b a können sie nämlich wirklich malen!" „Ja, Meyer,— das macht der Pariser Himmel, die Lust und der Herbst, der beinahe selbst wie ne ganze weinrote und braune Palette ist, wie, was?"— Sicht Du, Mi, so habe ich beinahe poetisch zu dem alten Meyer gesagt, und da ich auch sonst ein gescheites Mädchen bin, so weiß ich auch, daß eS auch noch die Allermodernstcn an der Porte de Versailles gibt, da hängen die Surrealisten und Adolf Behnc seine geliebten Abstrakten und so. Mener will nächstens hin,'da will er mich wieder mitnehmen, er hat gesagt, daß ick) so schöne juryfrcie Beine Hab. Ich habe aber gesagt:„Geben Sie sich keine Mühe. Mener, — tun Tie lieber mal was für Ihre armen Landsleute!" In diesem Sinne ein herzliches„Ne quittcz-pas!" Deine Marietta. Einkauf und Auslösung vom Versatzamt A g BRILLANTEN. GOLD É I SILBERWAREN. UHREN% tÜRlIche Gc l ceenh.lt.. V erk Hu te g F BETTER, 49, FAUBOURG MONTMARTRE£ uaaasttt Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden 25, Bd. Booae*Noavollo, PaH»(2), Toi. Loavro 22.93 Großer Laden zu vermieten, großer Keller, Wohnung, nach Kontrakt oder monatl., mindestens für 6 Monate 19, Bd. Ra^Mil, Paris Wofiiiung 3u.?7.im.. Küche, Badez. 6000 und 5000 Fr. jährl ch Kleina gei Bchtttrüg!« Rtprtei M. i (171 Dame, gut Franzötiscfi sprechend, sucht Stellung zu Kind. f. nachmittags. Glänzende Refer. Sehr. Mme. ALBRAND, 4, Square Paul-Bert, ASNIERES(S.) Reinhardts Gastspiel Man schreibt uns: A. W. Henbler, der bekannte amerikanische Direktor, wird im Theatre Pigalle daL Gast- spiel Max Reinhardts veranstalten. Die Inszenierungen des berühmten Thcatcrsührcrs beginnen mit der klassischen „F l e d e r m a n s" von Johann Strauß. Reinhardt ist seit der Aufführung seines„Summnrum" vor dem Kriege nicht mehr nach Paris gekommen. Aber in NSA., England. Berlin/ Wien, Salzburg usw. führte er auch 100 französische Stücke in 10 000 Vorstellungen auf, von denen 2200 nach dem Kriege stattfanden. Der„Fledermaus" werden französische Stücke folgen. Außer Lotte Schoene und Maria Novotna wurden Jules Beovy. Dooville, Pasquali, Cariel, Marcel Sarpentier engagiert. Das ProfessorenbabQ JVas sich die Universitäten bieten lassen Dieser Jüngling ist Dr. W a l t e r S ch m t d t. Er war bisher politischer Redakteur beim„Völkischen Beobachter" und Mitarbeiter im Außenpolitischen Amt der NSDAP, in Berlin. Jetzt hat er eine» Ruf als ordentlicher Pro- s essor an den Lehrstuhl sur Zeitungswissenschaften an der Universität Leipzig erhalten. Dr. Schmidt dürfte mit seinen 26 Jahren wohl der jüngste'Professor Deutschlands sein. Und seine Verdienste?! Siehe oben! Die deutschen Pro- fessoren, die sich solchen Befähigungsnachweisen beugen, haben diesen„Kollegen" verdient. Deutscher Jungenbrief Ein junger Kämpfer, der sich nicht gleichschalten läßt Der folgende Brief ist von einem deutschen Primaner. Er ist der Sohn nationalsozialistischer Eltern. Seine treue Verbundenheit mit seinen marxistischen Mit- kämpsern ist der Schrecken seiner Familie, die für ihre Existenz und die Zukunft der übrigen Kinder fürchtet. Aus Umwegen über fernes Ausland erreichte uns ein Brief, den der junge Sozialist an einen Freund ge- schrieben hat: den 23. Oktober 1033. Sie müssen vielmals entschuldigen, daß ich Ihnen nicht schon früher einmal schrieb, aber es war mir nicht möglich, denn zu Hause hatte ich keine Gelegenheit. Wie Tie ja wissen, stand ich mit Herrn... in Brieswechscl. Ich habe nun die Briefe, die ich von... bekommen habe, größtenteils nicht vernichtet. Durch eine ganz dumme Geschichte, nämlich, daß hier zur Zeit sehr viele Verhaftungen waren, sind ineine Eltern hinter den Briefivechscl gekommen. Sie haben meinen ganzen Schrank ausgeräumt. Das war mir natürlich wahnsinnig unangenehm und noch mehr, weil die letzten Briese aus dem Gefängnis nicht durch die Zensur gegangen sind. Sic können sich wohl denken, was ich für ein Theater hatte. Ich habe natürlich alles abgestritten. Um mir und vielen anderen große Unannehmlichkeiten zu ei sparen, habe ich mich dann dazu hinreißen lassen, Herrn ... folgenden Brief zu schreiben:„Sehr geehrter Herr...! Ich verbitte mir, da meine Eltern hinter den Briefwechsel gekommen sind, jegliche weitere Post von Ihnen. Mit deutschem Gruß." Mit cinemmal kam meinen Eltern der Ge- danke, daß ich ja mit Ihnen auch noch im Briefwechsel stehe- Ich mußte Ihnen dann den bewußten Brief schreiben, um nicht in die Gefahr zu lausen, daß meine Eltern mit den ge- sundenen Briefen zur Kriminal gelaufen wären. Ilm mir nun jede Möglichkeit des Schreibens zu nehmen, bekam ich gar kein Geld mehr und ich wurde nach jedem Weg kontrol- licrt. Die erste Zeit durste ich allein gar nicht aus dem Haus. Das waren Zustände! Inzwischen hat sich aber alles wieder beruhigt. An demselben Tag, da diese Entdeckungen ge- macht wurden, es war Anfang Juli, wurde die Fran... ohne Angabe des Grundes verhastet, und nach zwei Tagen hat der Hausbesitzer alles, waS noch einigermaßen„niet- und nagelfest" war, beschlagnahmt. Bis heute ist Frau... immer noch nicht entlassen. Alle anderen, außer der... und Frau ... sind i ni Konzentrationslager bei... Aller- dings geht es denen besser bort, als den Gefangenen hier. Es hat vorher noch allerhand gekostet, bevor die Leute ab- iranSportiert wurden. ES wurde z. B. jeder noch vernommen (nicht von der Kriminal, sondern von TS.-Leuten, die be- kanntlich viel rauher mit den Gefangenen umgehen, als die Kriminals. Da natürlich niemand etwas wußte, wurden die Leute dermaßen geschlagen, daß man einen Schreck bekam, als man stch das hinterher ansah. Man konnte einen schwarzen Osen nicht mit der Hautfarbe dieser Menschen vergleichen. Ein ganz sabelhaster Mensch aus... ist so geschlagen worden, daß er mit einem gebrochenen Arm ins Lager gebracht wnrdc. Herr... war im ganzen Gesicht und a« vielen anderen Stellen mit Blut unterlaufen. Nach dieser Behandlung mußten sich die Leute unterschreiben, „ordnungsmäßig" vernominen zu sein. Der Herr..., den Sie sicher noch kennen, war einen Tag verhaftet und auch wahnsinnig zugerichtet, daß er vier Wochen im Krankenhaus lag. Nach seiner Entlassung(er war nur einen Tag verhaftet» mußte er natürlich auch unterschreiben und sich außerdem noch sagen lassen,„wenn Sie irgendetwas in der Oefsentlichkeit erzählen, dann geht es Ihnen noch schlechter". Sie können sich vielleicht ein kleines Bild machen, wie es bei uns in Deutschland zugeht. Die Gerüchte, die im Ausland umher- laufen, sind schon berechtigt. Nur das„unschuldige Deutsch, land" kann natürlich mit dem besten Gewissen versichern, daß diese Greuelpropaganda nur„von kommunistischen Hetzern" betrieben wird. Ich möchte gern einmal wissen, wie lange daS noch so weiter gehen soll. Ich bin gespannt, wie dieser Winter vergeht. Die Leute bekommen die vielen„frei- willigen Mußspenden" direkt vom Gehalt abgezogen. Aber ich' kann mir nicht denken, baß diese Periode noch lange an- halten wird. Die Stimmung ist allgemein sehr ungünstig für unsere heutige Regierung. Aber wiederum darf man nicht vergessen, daß gerade deshalb die Negierung mit Maßnahmen und Mitteln arbeitet, die noch mehr als barbarisch sind. Was hört man im Ausland sonst über Deutschland, besonders über den Reichstagsbrandprozeß??? Dieser arme„van der Lübbe", wieviel wird er wohl bekommen haben, um zuzugeben, daß er der Uebeltäter sei? Ich bin gespannt, wie diese Geschichte noch ausläuft. Man möchte ja allzugern dem Dimitroff und Torglcr die Schuld in die Schuhe schieben, aber Dimitroff, auch Torglcr manchmal, sind doch geschulte Leute, die wissen, was sie reden. Für heute genug Unangenehmes. Angenehmes weiß ich gar nicht, weil es hier ja nichts Angenehmes gibt. Schreiben Sie mir nun bitte recht bald einmal viel Neues aus dem Ausland, denn mich interessiert es sehr. Bis zum nächsten- mal wünsche ich Ihnen weiter alles Gute und recht viele schöne und wertvolle Tage. Arbeifsios?gheH der Jugendlieben steigt Ein gleichgeschaltetes Blatt schreibt:„Nach den bisherigen Erfahrungen sind von der männlichen Jugend bis 15 Jahre bereits drei Fünftel, von der weiblichen Jugend zwei Fünftel erwerbstätig. Wenn die mithelfenden Familienangehörigen unter diesen Jugendlichen abgesetzt werden— sie betragen bei den männlichen Jugendlichen lg v. H. bei der weiblichen Jugend 30 v H.—, so betrug der Zuwachs an erwerbstätigen Jugendlichen 1926.... 914 000 1982.... 514 000 1933.... 679 000 Für die folgenden Jahre lauten die zwei eni> d n Zahlen: 1934.... 844 000 1935.... 880 000 S3cnn die Aufnahmefähigkeit der Wirtschaft nicht im selben Maße wachst, ist mit einer starken Steigerung der Jugend- lichenarbeitslostgkcit zu rechnen." ..Von größter WlditigKelt" Nicht die Lohntüte, sondern die Ahnentafel (I. T. F.) In der Nr. 10 von„Arbeit und Staat", dem Organ des Deutschen Arbeiterverbandes der öffentlichen Be- triebe, lesen wir unter der Ueberschrift: Die Ahnentasel. In einer Versammlung in Weimar machte der Präsident des Thüringische» Landesamtes für Rassewesen. Dr. Astel, Ausführungen zur Frage des Stammbaums, der Nachfahre« tafel usw. Er erklärte daß die Sippschaftstafel, die aus d-a vier Großeltern und deren sämtlichen Nachkommen befley«. allen anderen Tafeln vorzuziehen sei. Eine Ahnen-■ Sippschaftstasel zu führen, werbe in Zukunft allen zur gemacht werden. Von jedem Volksgenossen werbe aller Wahrscheinltch» nach eine Ahnentafel verlangt werden, die bis zur fr. sie von der„I n s a" verbreitet worden ist, bestätigt sich 0 l" a licherweise nicht. DUIEPKftSTin .Kommunist in Straßburg. St« haben bet-tner Reis--« Niederrhein Schullesebücher gesehen, in denen u.-. Elsav-Lothrw gen als Gebietsteile bezeichnet werben, die wieder deutsch melde mühten. Diese Bücher schrciben Sit, seien auch nach den reden Hitlers weiter im Schulgcbrauch. Aber sclbstverständlX?- Hitlers Reden sind nur für den AuSlandgcbrauch. Mosclblvmchen. Man weih, dah es den armen Moselwinzer« noch nie so schlecht gegangen ist wie heute. Aber alS sie jüngst de« Besuch GöringS hatten, da vergaßen sie, wenn man der 9' c..! geschalteten Preise glauben darf, Hunger und Kummer. Man»«>' wörtlich:„Oester? lieh Hermann Görtng halten, um alte Kriege» und Kriegsbeschädigte zu begrüben und einige Worte mit ihnen 8« wechseln. Besondere Freude machte dem Ministerpräsidenten die kurze Rast in Bernkastel. Ein originelles Spruchband, guer üb'* die Straße gespannt, begrüßte ihn bei der Einsahrt in den „Fllrst Hermann hat in alter Zeit, da? Land vom Römersoch be- freit: befreit hat auch von grober Tchand der Hermann Göring diese» Land." Am Marktplatz begrüßte den Ministerpräsidenten der Bürgermeister der Stadt und„Moselblllmchen" in ihrer bunte« Tracht kredenzten ihm in dem 4M Jahre alten historischen Stadt», becher„ISSIer Berkaftelir Doktor". Der KreiSletter überreichte eine Moselkarte, aus der die berühmtesten Lagen«ingetragen sind und dazu als Festgabe der einzelnen KreiSgemctnden je ein Flasche »es besten Wein«."— Also das Zitat. Wir bereichern die sHüneü Berse um zwei neue: Gegrüßt sei römisch unser Held!— grüßen auch die Röhm-Tusncld.— Ist feurig unser Moselwein — Hermann, Dir soll's Erinnerung sein! Düntirchen. Besten Dank für die Zusendung de» Blatte», da» über nationalsozialistische Agitation auch dort berichtet. „Zeitungsratte". Wir danken sür Ihre Anregung. Diese alten Bilder möchten wir aber nicht verwerten. Wegen Ihrer unmittel« baren Beiträge wenden Die sich an die Redaktion der„BolkS" stimme", Saarbrücken, Schützenftr. 5. Reichen Sie ihr doch ein Manuskript ein. „Adolf Zündholz". Postkarte au» Brasilien erhalten. haben un» über die Knittelverse gefreut. Ueber da» Bild au? de« Urwald mit den Eingeborenen auch. Wie müssen Sie sich bei d i e° sen Braunen wohl fühlen. Sollte man nicht Missionare der p»'" mittven Völkerschaften nach Deutschland schicken? „Schütze" in Zürich. Natürlich erkannten wir die»laue de» Löwen und die Weisheit de» Rabbi». Erleuchten Sie un» bal» wieder. Alles Gute! Charlotte».». Wir haben Fhre Grüße von der Auslandsreise erhalten. Daß Sie Ihren jetzigen Aufenthalt nicht angeben, begrei- sen wir gut. Wir hassen, daß Sie dieser Dank noch irgendwo er- reicht, che Sie in das deutsche Zuchthaus zurückkehren. Wir habe« nicht einen Augenblick daran gedacht, daß Sie sich gleichschalte« lassen würden wie diese Mafien von bürgerlichen Journalisten und sonstigen Fuselfabrikanten. Auch andere konservative Mitglieder der AdelSgenossenschaft haben abgelehnt, sich der Diktatur von«no- ten zn beugen. Sie bleiben Ihrer alten Fahne treu? Wir der unsrigen auch. Achten wir un» in alter treuer Gegnerschaft! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Du»« weiler: für Inserate: Otto Knftn in Saarbrücken RntatlonSdru« und Verlag: Verlag der BolkSftimme GmbH„ Saarbrücken 3, Schtttzenstraße S. Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands rnulj man regelmäßig lesen Abonnieren Sie sofort! Bestellschein Ich ersuche um regelmässige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name>.... Straf;*:... Ort: Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit' 1 Saarbrücken 3 Schützenstrafje 5• Postschließfach 776 Wo speist man gut und billig in Brüssel Restaurant 1 la Fourchette 22, rue St. Michel, 22. I. Querstraße rechts vom Platz Brouckère Diners u. Soupers à 6,00, H, 00 u. 10.00 Frs Flüchtlinge aus Deut>chland erhalten 5»/v Rabatt au! alle Speisen. Geöffnet von 12 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Tél. Trinité 43-1) Métro: Pigallc Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine b) Chirurgie c) GebartsbÜtUch.«0 ZehnïntUdies Komaltationeo ZweitföcVig*i s.n.to,^jinik Kabinett riumsgebäude. 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