Sinzige unabhängige Tageszeitung Ventfchlands ^jjjnnier 120— 1. Jahrgang I Saarbrücken, Donnerstag, den 9. Nov. 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt Qöbbeh ah Zeuge Dimitcafl miedet in Jcant Seite 2 Dec meineidige Qäcing Seite 3 JAgs&ens Raubzug Seite 4 Jusecatenteil beachten! Vom 9.November zum..? Amtiidie Kundgebung treffend Auflösung des„Nofrinds" ls«.n^àu»gskommission des Saargebietes schreibt an liiche Zeitungen des Saargcbiets: tc i t cm Artikel 18 6er Verordnung vom 20. Mai 1988 zur Alisa Uitent un° i)cr öffentlichen Rulle»nd Sicherheit ersuche ich lim b^i Ältliche Aufnahme ohne Einschaliung oder Weglaßung der sola Anlagen. Die Veröffentlichung hat unverzüglich zu er» er». der nächstfolgenden Nummer Ihrer Zeitung auf der S-ite in der Spalte. «eschlub j Erwägung, daß erf,^^î'AP. öffentlich und den Behörden gegenüber ständig rciart hat, daß der von ihr gegründete„N o t r i n g" nur dem »lweckc der„Unterstützung armer und minderbemittelter Volk«- « nahen" sowie der„Linderung von Armut und Not" diene, »;*!*'^eck jedoch ausweislich der eiugefehenen Unterlage» cec"erfolgt wurde, so daß der„Rotring" jede» karitativen z^darakterS entbehrt. '°°r genannte„N o t r I n g" keine den anerkannten Grundsätzen !r» l0ler Fürsorge entsprechende Verwendung der auskommenden ,- liliel nachgewiesen hat, .n*l 9en à>« dem genannten„N o t r i n g" zugeslosienen Mit- «llcderbetträge nach Deckung der VerwaltungSkosten in ihrer orl•< V nt^ e,t 6er Mißbrauch der für karitative Zwecke gesammelten Mittel "a trotz der anfänglich geringen verfügbaren Kajfenbestände » neuer Personenkraftwagen für de« persönlichen Gebrauch des ij,'êers des„Rotringes"-«geschafft worden ist, ' ls'l dem Inkrafttreten des Erlasses des Mitgliedes der Re- i'""igskommisston für die Angelegenheiten des Inner» vom • November 1982, durch welchen der„N o t r i n g" gemäß 8? 5 und 6 der BundesratSverordnung vom 18. Februar 1917 unter rrwaltung gestellt worden ist, von unbefugter Seite entgegen h' T.^iltmmung des 8 R der genannten Verordnung Rechts- ^ oandlnngen für den„Notring" vorgenommen worden find, fließe ich hiermit auf Grund des 8 R der BundeSratsoerord- A?itni- 1° m 15' Februar 1917»nd im Einvernehmen mit dem Innern- Regierungskommission für die Angelegenheiten dcS i?it" B,cr dem Rame»„Rotriug der nationalsozialistische» Par- ™ bekannte Uuteruehme» wird ausgelöst. Saarbrücken, den 7. November 1988. er mit der Verwaltung des„NotringeS" beauftragte Beamte? gez.: Bacher, Finanzkontrolleur. ^êrfiigung* lj) l7 u' s^rund des 8 8 der BundesratSverordnung vom IS. Februar H.'U'rd der ObcrregierungSrat bei der Abteilung des Innern, »,,, Kloppenburg zum Verwalter „NotringeS" des auf, der NSDAP, des Saargebtctes «-liift-n îenannt. Saarbrücken, den 7. November 1988. as Mitglied der RegterungSkommission für die Angelegenheiten des Innern: gez. G. G. Knox. Aufforderung An alle Personen, Insbesondere diejenigen, welche In der Ver- altung des aufgelösten„NotringeS der NSDAP." tätig waren, t{ch! hiermit die Aufforderung: sämtliche»och in ihrem Befiß . s'ndlich« und für Ken„Rotrtng" bestimmt gewesene Geldbeträge ... dar, insbesondere eingezogene Mitgliedsbeiträge lowie Schrift- Uete, Akten, Verzeichnisse, Mobiliar, Außenstände, Vermögens- >rgcnständc überhaupt, auf dem Büro de» unterzeichneten Ver- alters(Saarbrücken, Neues Landgericht, Zimmer 108) anju» f'&en. Ebcndort sind sämtliche Forderungen an de» früheren " 1 o 1 11« g" geltend zu machen. „./-s wird darauf hingewiesen, daß mit Gefängnis bis z» sechs "natcn oder mit Geldstrafe bestrast wird: wer vorsätzlich der an- »^ordneten Verwaltung Gegenstände ganz oder teilweise entzieht b e r wer Mittel einem anderen als dem bestimmungsgemäßen "weck oder einem Nichtbercchtigten zuführt. Saarbrücken, den 7. November 1988. Der Verwalter: gez. C. Kloppenburg,?berregierungSrat. tyfhrhaf'e nemoKrotic , Die Demokratie ist keine Schwäche und darf keine Schwäche .'1 und es ist Pflicht der Demokratie, alles zu tun, um sich ^ Innern und auch nach Außen wehren zu köünen. Unser ^ölk hat dies während des Krieges begriffen»nd in dieser Ansicht seine Pflicht getan Auch heute müssen wir bereit 'î'n. die Demokratie zu verteidigen. Wir müssen immer Wieder dessen eingedenk sein, daß der Kampf um die Freiheit 'ckiwer und daß die Arbeit für ihre Aufrechterhaltung immer 9"ch schwerer sein wird. ^rnesch, tschechischer Außenminister, am 28. Oktober 1933. Die Revolution! Und ob ihr sie. ein edel Wild, mit euren Henkersknechten fingt,' und ob ihr unterm Fcstungswall standrechtcn die Gefangene gingt,' und ob sie längst der Hügel deckt, auf dessen Grün ums Morgenrot die junge Bäurin Kränze legt— doch sag ich euch: s i e i st n i ch t t o t l Und ob ihr von der hohen Stirn das wehndc Lockenhaar ihr schort,' und ob ihr zu Genossen ihr den Mörder und den Dieb erkort? und ob sie Zuchthauskleider trägt, im Schoß den Napf voll Erbsenbrei,' und ob sie Werg und Wolle spinnt— doch sag ich kühn euch: sie ist frei! Und ob ihr ins Exil sie jagt, von Lande sie zu Lande hetzt,' und ob sie fremde Herde sucht, und stumm sich in die Asche setzt? und ob sie wunde Sohlen taucht in ferner Wasserströme Lauf— doch ihre Harfe nimmermehr an Babels Weiden hängt sie auf! O nein— sie stellt sie vor sich hin? sie schlägt sie trotzig, euch zum Trotz! sie spottet lachend des Exils, wie sie gespottet des Schafotts! sie singt ein Lied, daß ihr entsetzt von euren Sesseln euch erhebt? daß euch das Herz— das feige Herz, das falsche Herz!— im Leibe bebt! Kein Klagelied! kein Tränenlied! kein Lied um jeden, der schon fiel? noch minder gar ein Lied des Hohns auf das verworfene Zwischenspiel, die Bettcloper. die zur Zeil ihr plump yoch zu agieren wißt, wie mottig euer Hermelin, wie faul auch euer Purpur ist! O nein, was sie den Wassern singt, Ist nicht der Schmerz und nicht die Schmach— ist Siegeslied, Trtumpheslied, Lied von der Zukunft großem Tag! Der Zukunft, die nicht fern mehr ist! Sie spricht mit dreistem Prophezei»: So gut wie Weiland euer Gott: Ich war, ich bin— ich werde sein! Ich werde sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich geh»! Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn! Befreierin und Rächerin und Richterin, das Schwert entblößt, ausrecken den gcwalt'gen Arm werd' ich, daß er die Welt erlöst! Ihr seht mich in den Kerkern bloß, ihr seht mich in der Grube nur, ihr seht mich nur als Irrende auf des Exiles dornger Flur— ihr Blöden, wohn' ich denn nicht auch, wo eure Macht ein Ende hat: bleibt mir nicht hinter jeder Stirn, in jedem Herzen eine Statt? In jedem Haupt, das trotzig denkt! das hoch und ungebeugt sich trägt? Ist mein Asnl nicht jede Brust, die menschlich fühlt und menschlich schlägt? Nicht jede Werkstatt, drin es pocht? Nicht jede Hütte, drin es ächzt— bin ich der Menschheit Odem nicht, die rastlos nach Befreiung lechzt? Drum werd' ich sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn! Auf eurem Nacken eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn! Es ist der Geschichte ehrnes Muß! es ist kein Rühmen, ist kein Drohn— der Tag wirb heiß— wie wehst du kühl, o Weibenlaub von Babylon! F r e i l i g r a t h Der Weg zur Freiheit G. D. Der Tag. an dem vor 15 Jahren die deutsche Republik ausgerufen wurde, ist heute nur noch eine Er- innerung. Die deutsche Republik ist nicht mehr. Sie ist nicht formell abgeschafft, und es lebt noch der alte Mann, den man gelegentlich als„Reichspräsident", als Präsident der deutschen Republik bezeichnet. Es gibt in Deutsch- land keine Monarchie mit einem gekrönten Monarchen und keine Dynastie, zumal Adolf Hitler keine Nach- kommen hat. Die am 9. November 1918 ausgerufene deutsche Republik ist trotzdem nicht mehr. Sie ist zwar nicht'durch eine formelle Monarchie, aber durch eine Despotie abgelöst worden, die nicht einmal als„aufge- klärter Despotismus" gelten darf und die trotz der ver- logenen Farce der Reichstagswahl und des Volks- entscheide? dem Volke alle Rechte restlos geraubt hat. Sollen wir heute versuchen, einen Ueberblick über die leßten 15 Jahre der deutschen Geschichte zu geben? Wir sagen offen: dafür haben wir heute kein seelisches Gleich- gewicht, das gestatten würde, die einzelnen Tatsachen der Entwicklung zu ordnen, die Fäden der Entwicklung sorg- fältig zu verfolgen, die Fortschritte und Rückschläge rück- schauend zu registrieren, die Leistungen und die Fehler gerecht zu würdigen. Nein! Heute können und wollen wir keine Geschichte der deutschen Republik, ihres Glückes und ihres Endes schreiben. Der heutige Erinnerungstag soll kein Tag der Erinnerungen, sondern des leidenschaftlichen Erlebens der Gegenwart sein. Aus diesem leiden- schaftlichen Erleben soll die Erkenntnis der tieferen Ur-' fachen der gewaltigen geschichtlichen Katastrophe, der furchtbaren Niederlage der deutschen Demokratie kommen. Ein deutschschweizerischer Schriftsteller hat 005 kurzem einen Aufsatz über Deutschland veröffentlicht:„Der Name Mensch in Gefahr!" Wer wird es wagen, die Berechtigung dieser Ueberschrift zu bestreiten? Was jetzt in Deutsch- land geschieht, ist doch nichts anderes, als ein geradezu grandioser Triumph der Unmenschlichkeit. Und hierin liegt die tiefste Tragik des deutschen Schicksals. Die Männer, von denen die deutsche Republik aufgebaut wurde, mögen sie das noch so unvollkommen getan und noch so viele Fehler begangen haben, haben an die Macht der Menschlichkeit geglaubt und sie sind gescheitert. Wird nun das Werk derjenigen gelingen, von denen die Mensch- lichkeit mißachtet und mit den Füßen getreten wird? Ist es wahr, daß die deutsche Republik, wie das so oft be- hauptet wird, an ihrer Menschlichkeit, an ihrer Humani- tät zugrunde gegangen ist? Diese Frage ist jetzt die Ge- wissensfrage für jeden Deutschen. In einem Artikel, der den deutschen Reichsfinanzminister zu einem heuchlerischen Protestbrief an den Herausgeber des Londoner„Eco- nomist" veranlaßt, hat diese in der ganzen Welt hoch- angesehene Zeitschrift von„der Orgie der Barbarei und der Brutalität" in Deutschland gesprochen. Jetzt sieht die zivilisierte Welt das deutsche Volk wirklich als„blonde Bestie" an. Ist das die Wahrheit? Ist das die ganze Wahrheit? Wäre jene„Orgie der Barbarei und der Brutalität" nicht da. so dürste man vielleicht die wirtschaftlichen Er- schütterungen der letzten Jahre und die politischen Fehler der republikanischen Parteien als Gründe ansehen, die für die Erklärung der Katastrophe der deutschen Demo- kratie ausreichen. Sie reichen aber sicher nicht aus, um den gegenwärtigen Rückfall Deutschlands in die Barbarei zu erklären. Vieles scheint doch an der Kritik des deutschen Volkscharakters, die der Ausdruck„blonde Bestie".enthält, wahr zu sein. Zeichnet nicht auch.den Fuhrer" selbst diese merkwürdige Mischung von Bestialität und Sentimentalität, die dieser Ausdruck andeutet: Bestie aber blond? Soviel wissen wir sicher vom Geheimnis des nahezu märchenhaft anmutenden Erfolges des National- sozialismus, daß diese Bewegung und ihre Führer die Verkörperung und die gesteigerte Zusammenfassung von Eigenschaften und Leidenschaften der breiten Kreise des deutschen Volkes darstellten. Vergegenwärtigen wir uns aber alles, was fett dem Ausbruch des Krieges zur Schaffung der Psychologie beigetragen, die im National- sozialismus ihren politischen Ausdruck gefunden hat, so bleibt immer noch ein Rest, der aus diesen beiden letzten Jahrzehnten der deutschen Geschichte allein nicht erklärt werden kann. Es ist vielmehr so, daß uns jetzt manches aus der Vergangenheit sichtbar wird und In einem schärferen Lichte erscheint, was früher entweder über- Haupt nicht gemerkt oder von den meisten nicht zuge- geben, was aber von vielen in der Welt als unheimliches Wesen des Deutschtums empfunden wurde. Vor einiger Zeit wurden die Aeutzerungen veröffent- licht, die ein französischer Politiker in einem Gespräch während der Locarnoer Konferenz gemacht hatte.— Er sagte unter anderem:„In diesem Deutschland empfinde ich eine dunkel wirkende und widerspenstige Kraft, die sich dem Einfügen in ein Europa, wie wir im Westen es uns denken, immer entziehen wird, eine Kraft, die wir vielleicht bewundern können, wie jene, die dem Aetna Lava aus den Flanken stößt, die wir aber als ein lebens- feindliches Prinzip erkennen und natürlich ablehnen. Denken Sie doch an den Welthaß gegen Deutschland während des Krieges! Glauben Sie im Ernst, es sei bloß der Effekt einer Propaganda gewesen? Glauben Sie im Ernst, alle die Völker seien mit ihren Fahnen zu den unseren gestoßen, nur weil wir sie zwangen?" Wieder einmal, wie während des Weltkrieges, steht das deutsche Volk als Angeklagter vor dem Weltgericht, das Anklagematerial ist erdrückend. Mögen sich Hitler und seine Satrapen einbilden, daß sie vor dem Urteil dieses Gerichtes weniger zu zittern haben, als vor der Ungunst ihrer eigenen Landsknechte. Wir wissen, daß das Ende des Prozesses, falls Deutschland verurteilt, auch das Ende Deutschlands sein wird. Hitler kann aber auch nicht dem harten Urteil vorbeugen. Das kann nur das deutsche Volk selbst, und zwar dadurch, daß es die Diktatur der Barbarei und der Brutalität stürzt und an Stelle des Reiches der Unmenschlichkeit das Reich der Freiheit und der Menscklichkeit errichtet. Ist das deutsche Volk seinem Wesen nach sähig, das zu tun? Oder hat der zitierte französische Politiker recht, indem er meint, daß das deutsche Volk von der übrigen Welt ein„biologischer" Abgrund trennt? Das würde also heißen, daß auch der 'Nationalsozialismus recht habe mit seinem Anspruch, ewige, im Blute wurzelnde Eigenschaften der„Rasse" zu vertreten. Nein! Nicht biologisch, sondern historisch, nicht durch die Eigenschaften des Blutes, sondern durch das geschichtliche Schicksal ist das Unheimliche und Abstoßende im Charakterwesen des deutschen Volkes bedingt. Wir berufen uns aus das Zeugnis der Geschichte der letzten 15 Jahre. Zeugt sie nicht trotz allem davon, daß auch im deutschen Volke die Kräfte vorhanden sind, die an der Menschlichkeit hingen und nach der harmonischen Ein- gliederung IN däs Kulturleben der Welt sich sehnen? Und alle diejenigen Deutschen, die jetzt als Asiklager gegen die nationalsozialistische Diktatur auftreten,- alle- diejenigen, die mit ihrer ganzen Leidenschaft den Diktator fassen— und das sind viele Millionen—, sind sie nicht Entlastungszeugen für das deutsche Volk? Ja, dieses Volk, durch das Preußentum allmählich er- obert, blieb bis zuletzt ein Volk der Untertanen, und das ist der Fluch der deutschen Geschichte. Das deutsche Volk fat sich nicht selbst zur politischen Freiheit durchgerungen. Dem Volke der Untertanen blieb das Gefühl der Ver- antwortung für eigenes Schicksal fremd. Es war ge- wöhnt, regiert zu werden und flüchtete aus der Verantwortung vor sich selbst, die ihm vor 15 Iahren durch die Umwälzung sei.nes Staatswesens auferlegt wurde, wiederum in den Zustand des regierten Volkes. Keine politische Kraft in Deutschland darf ihre Unschuld an diesem Schicksal beteuern. Auch die deutsche Sozial- demokratie hat es nicht in ausreichendem Maße ver- standen, das Volk oder wenigstens die von ihr geführten Massen zur Gemeinschaft der stolzen Kämpfer für die Freiheit und das Menschenrecht zu erziehen. Wenn wir von geschichtlichem Schicksal sprechen, so meinen wir keine geheimnisvolle, vom menschlichen Woll-n und Handeln unabhängige Macht, sondern eher den Inbegriff des menschlichen Wollens und Handelns in der geschicht- lichen Entwicklung. Und wir sind uns dessen bewußt, welche Schuld jeder Führer und überhaupt jeder von uns, der im deutschen politischen Leben wirkte, trägt. Nicht aber durch die Reue allein, sondern durch die Erkenntnis und vor allem durchdieTat wollen wir unserer Pflicht zur Verantwortung nachkommen. Wir wollen nicht an den Wassern Babylons weilen und klagen, sondern wir rufen ^ icke Volk zum Kampf und stellen uns in den ' Dienst dieses Kampfes. ,i Tat kann sich das deutsche Volk retten. riî m dieRevolutiongegenHitle fan. Vor 15 Iahren. im November 1918, brach das atte System zusammen. Nicht durch den Ansturm der Volks- Massen wurde das Kaiserreich gestürzt, nicht durch den heroischen opfervollen Kampf errang sich das Bolk Freiheit. In der Geschichte wird aber nichts geschenkt- oedes Volk muß seinen Freiheitskampf durchgefochten m rt n'w^ t>ie Zeit dieses Kampfes für das deutsche r ,!î,^ er kommende Tag des Sieges wird das vollbringen, was der 9. November nicht zu vollbringen oer- mochte. Es wird eschehen müssen, wenn das der Tag des Sieges nach einem harten, quäl- und opfervollen Ringen sein wird. Zeuge Röbbels-Dimitrott In krönt 34. Verband lunçrstag Berlin, 8. Nov. Aus Anlaß der Vernehmung des Reichs- Ministers Dr. Wöbbels sind auch am Mittwoch d i e Polizeiposten in der Umgebung des Reichstags- gebäudes verstärkt worden. Der Andrang von Publikum und Presse ist ivieder außerordentlich groß. Tie Vernehmung des Ministers ist an erster Stelle der Zeugenliste vorgesehen. Ter Angeklagte T i m i t r o s s, dessen Ausschluß an sich noch nicht beendet ist, ist angesichts der Bedeutung der Aussage des Ministers ausnahmsweise wieder zugelassen worden. Tie Verhandlung beginnt pünktlich um 0.30 Uhr. Bei dem Erscheinen des Reichsministers Dr. Wöbbels im Zaal erheben sich die Anwesende,, und begrüßen den Minister mit dem deutschen Grnß. Nach der Vereidigung führt Senatspräsident Dr. B i, n g e r u. a. aus: Ihr Zeugnis, Herr Minister, ist uns besonders wertvoll aus verschiedenen Gründen: einmal schon deshalb, weil Sie ja auch alS Tatzeuge in Betracht kommen. Außer- dem sind Sie lange Mitglied des Reichstages und haben daher eine gute Beurteilung der ganzen Sachlage, was die technische Entstehung des Brandes angeht. Aber was das Wichtigste ist: Zukolge Ihrer jetzigen Amtsstellung ist es doch so, daß die Mitteilungen, Beobachtungen und wesentlichen Tatsachen, die mit dem Brande, einem so hochpolitischen Ereignis, zusammenhängen, bei Ihnen zusammengelaufen, und darum sind wir der Ansicht, daß Sie nach dieser Rich- tung. namentlich auch nach der Richtung, woraus denn cigcnt- ltch die Brandstistnng zurückzuführen ist, ein besonders weit umfallendes gutes Urteil haben. Wen» Sie. Herr Minister, dabei in die Lage kommen, auf etwas antworten zu sollen, was im Braunbnch steht, so möchte ich gleich dem Irrtum vorbeugen, baß das etwa eine Rechtfertigung gegenüber dem Braunbuch sein soll. Dieses Braunbuch ist bereits gekcnn- zeichnet und eine Rechtfertigung ihm gegenüber kommt gar nickt tn Frage. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt der M i n i st e r, daß er sich nicht im Zusammenhang, sondern lieber auf einzelne Fragen äußern wolle. Präsident B ü n g e r weist auf die Behauptung hin. daß für den 27. Februar von sämtlichen Mtnistern keine Wahlreden angesetzt bzw. die bereits zugesagten Wahlreden abgesagt worden wären, und er bittet den Minister, darüber Auskunst jtt stdvsn. RetchSnsintster Dr. G 0 b h elS: Ich möchte vorausschicken, daß ich damals noch nicht Mitgljeb beS Kabinetts war. Ich war damals nur erst Reichspropagandaleiter der NSDAP. Gleich nachdem der Reichstag aufgelöst war, war ich damit beschäftigt, den Rcichstagswahlkampf zu organisieren. Es ist selbstverständlich bei einem drei- biS vierwöchigen Wahl- kämpf, daß die Herren, die den Wahlkampf führen, sich zwei- oder dreimal in der Woche tn Berlin treffen müsse», da die gemeinsame politische Linie gewahrt werben muß. Bei der ersten Besprechung, die ich mit dem Führer hatte, ivnrde da- her beschlossen, daß während der ersten zwei, drei Tage in der Woche nach Möglichkeit alle Herren in Berlin zugegen sein müßten. Das wurde von de» einzelnen Herren so gehandhabt, daß sie an diesen Abenden überhaupt nicht sprachen, sondern sich nur ihren Amtsgcschäftcn widmeten, die anderen Vor- träge nur in Berlin oder der Provinz Brandenburg hielte». Englands Standpunkt fest Ans Simons Rede Die Erklärungen, die der britische Außenminister Sir John Simon am Dienstag im Unterhaus abgegeben hat, arbeiteten eindeutig heraus, daß England seinen Stand- punkt in der Abrüstungsfrage nicht verändert, daß es an Frankreichs Seite bleibt, und daß die Theatergeste Hitlers vom 14. Oktober die.Isolierung Deutschlands neu oer- stärkt hat. Die Arbeiterpartei nützt natürlich ihre Chance in Angriffen auf die Regierung aus und läßt durch die große kriegsgegnerische und grundsätzlich ab- rüstungsfreundliche Stimmung des englischen Volkes ihre Agitationssegel schwellen, aber von der Politik der Hitler- regierung rückt auch die Arbeiterpartei weltweit ab. Lloyd George, setzt ein einflußloser Mann, hob die unbestritten gewaltigen Rüstungen Frankreichs und die mangelnde Gleichberechtigung Deutschlands hervor. Soweit schon englische Vresseäußerungen vorliegen, be- streiten sie den parlamentarischen Erfolg der Regierung nicht. Das Arbeitecblatt„Daily Herald" verlangt größere Aktivität in den Fragen des Völkerbundes und der Abrüstung und wirft der Regierung vor, daß sie zu saumselig sei. Der liberale„News Chronicle" fordert, der britische Einfluß sollte unablässig darauf gerichtet sein, die vorgeschlagene achtjährige Periode zu vermindern und auf solche Weise die Deutschland angebotene Gleichheit sinnfällig und wirklich zu machen „Time»" weist darauf hin, daß eine Abrüstung»- Konvention, die in Abwesenheit Deutschlands ausgearbeitet würde, unvermeidlich die Tendenz haben werde, eine antideutsche Färbung anzunehmen. Das Blatt begründet die von ihm zugegebene Verschlechterung des britischen Konventionsentivurfs mit einem Hinweis auf die„jetzt in Deutschland herrschende Geistesverfassung".„Times" hält die bevorstehen- den englisch-französischen Besprechungen in Paris für wünschenswert und unvermeidlich angesichts des Fort- bleiben» der Deutschen aus Genf. Tie Praxis solcher vor- herigen und besonderen Beratungen habe allerdings in der Vergangenheit nicht immer der britischen Ver- söhnungsbemühung genutzt. Einer dieser Tage war der Tag des Reichstagsbrandes- war ein Tag. der für alle Mitglieder des Kabinetts«"» maßgebenden Herren der NSDAP, freigehalten«^e war von Versammlungen für politische Besprechungrn, außerhalb der Wahlpropaganda lagen.^ ,, Es ist aber durchaus nicht so, daß sie sich auf diesen Tagen einigt hätten, weil der als der Tag des Reichstagvöra.^ in Aussicht genommen wäre, sondern es war ein reiner aj"* daß gerade an diesem Tage, wo die Aabinettssitzung stai» alle Herren tn Berlin zugegen waren.„««.rund Vorsitzender: Wann haben Sie vom Reichstags« Kenntnis erhalte»?— Dr. Wöbbels: An dem eine Kabinettssitzung stattgefunden und am Abend«^ Tages war der Führer in meiner Wohnung zu Gast-( das ist im Braunbuch als verdächtig bezeichnet worden«» es findet eine sehr einfache Erklärung. Der Führer. damals in Berlin noch keine Privatwohnung, sondern wvo^ im Hotel Kaiserhof. In der Oppositionszeit hatte es so herausgebildet, daß bei solchen Besprechungen im'"'.fast hos der Führer meist mittags oder abends bei uns zu{, war. Ich werde während deS Abendbrots anS Teiekvn rufen. Unser AuslandSpresseleiter Dr. Hansstängel»wo damals als Gast deS ReichstagSprästdenten Gortng.. Rcichspräsidentenpalais. Er benachrichtigte mich telew daß der Reichstag brenne. Ich habe diese Mitteilung l»r^ solut absurd gehalten und glaubte, es handele sich davu einen Scherz. DaS habe ich auch dem Telefonierenden dcutig mitgeteilt. Ich war dazu um so mehr versucht' ich acht Tage vorher einen telefonischen Ulk mit Dr--v stängel veranstaltet hatte und glaubte, jetzt komme etne tourkntschc. Ich sagte ihm, ich«volle das nicht mehr an« »nd hängte ein. Ich machte gar keinen Gebrauch von der Der Staatssekretär des Aeußern, Sir John Simon, führte aus, die Lage sei e r» st aber es seien bedauerlich über- triebcne Darstellungen darüber gemacht worden. Die bri- tische Regierung habe sich ständig und aufricht'g um die Sache der Abrüstung bemüht. Zu Deutschlands Fortgang aus Gens bemerkte Simon, auf d>e deutsche Mitteilung sei unver- ziiglich ein lauger und sorgsam abgefaßter Ausruf an das deutsche Volk und eine Proklamation deS Reichskanzlers Hitler gefolgt Daraus ergebe sich daß lange und reifliche Vorbereitungen getroffen worden seien. Wir müssen uns in die deutsche Veobachtungöwcise ein- fühlen, was immer sie geian haben. Wir müssen begreisen, warum sie diese tiefe Erbitterung zur Schau getragen haben. All dieser Zeitaufwand, der zu keinem Ergebnis führte, war nicht nur schmerzlich sonder» er mußte auch Deutschland immer ungeduldiger machen- Wir alle haben de» gesunden Menschenverstand und die Großzügigkeit, einzusehen, daß man sich n'cht darüber zu wundern braucht. iBeifall.j Völlig unrichtig ist es, zu sagen, daß Deutschlands Ab- rüstung aus Grnnd der Friedensverträge von der schnellen Durchsühruna einer allgemeinen Abrüstung anderer zu einem bestimmten Zeitpunkt abhängig war. DaS ist wahr. Das geh! aus dem Friedensvertrag und ebenso aus Clcincnccaus Brief hervor, daß die deutsche Ab- rüstung, die im Friedensvertrag vorgesehen war. als erster Schritt ,u allgemeiner Abrllstuna gedacht war. Es war anSdrückl'ch anerkannt daß die Aufrechterhält»»» des Friedens die Verminderung nationaler Rüstungen zu dem Zeitpunkt der sich mit nationaler Sicherheit verträgt, und eine Durchführung dieser Verminderung durch inter, nationale Vereinbarungen erforderlich macht... Nicht nur Deutschlands Weggana. sondern auch cln'gc>n den letzten Monaten von maßgebender deutscher Seite getane Erklä- rungen hätten daS Werk der internationale» Abrüstung lehr schwteria gemacht. Jedermann müsse einsehen, daß der wich- Ugste Beitrag zur Wiederherstellung des Bertranens in Suropa eine internationale RüstungSveretnbarung sein würbe, an der Deutschland natürlich teilnehmen müsse. Die Hauptsache ist d'e politisch e Frage, daß Deutsch'ands Wnn'ch nach Gleichheit und Frankreichs Wunsch nach Sicherheit miteinander versöhnt werden können. Groß britnnnien habe die Unterzeichnung der Erklärung über Gleichheit und Sicherheit zustandenebracht»nd bemüht ssch weiterhin gleichviel ob Deutschland in Gens sei oder nicht. Von der Ungleichheit der Rüstungen set nicht nur Deutsch- land, sondern auch England berührt. telefoniusien Mitteilung Bald darauf wnrd« aber wie»" telefonisch von derselben Stelle angernsen und es warve 2?.?,*. ngllch daraus aufmerksam gemacht, daß eS nun mc'" A'licht sei den Führer darüber zu orientieren, daß Reichstag brenne. Hansstängel sagte, er sitze dem Reichstag gegenüber und sehe die Flammen herausschlagen. Dar""' hielt ich es für meine Pflicht daS dem Führer m'tzuteile"- Er wollte es zuerst auch nicht glauben, so überraschend ka>" die Mitteilung. Wir haben unS lnS Auto-«setzt und st"? i» rasendem Tempo zum Reichstag gefahren. Wir sind bo«' vielleicht etne halbe Stunde nach dem Eingang der teleso'"' Aen Mttte'lung eingetroffen. Gleich am Portal 2 trat"V,* Ministerpräsident Görtng entgegen und erklärte, es bandest sich um ein politisches Attentat, einer der Täter fei schon saßt, ein holländischer Kommunist, der jetzt in Gewahrst»" let und vernommen werde- Vorsitzender: Haben Sic öle vielfach erwäb"^ Aeußerung deS Reichskanzlers gehört, die sich auf die H 1' heberschait des Brandes bezog? Dr. Wöbbels: Jawohl! ES war auch ganz natürlich' denn schon am Eingang war unS ja vom Ministerpräsidenten mitgeteilt worden, daß eâ sich um ein k o m m u n t st t s é e' Attentat handele. Als Herr v. Pa pen setner Bestürzung »nd Verwunderung über diese Tatsach« Ausdruck gab, f«0 tc o.er Führer: Das ist ein Zeichen dafür, wie die Situation wirklich'> Hier blutet die Situation sich aus. Hier kann man ff»' in welcher Gefahr Deutschland steht und da» deutsche kann überzeugt sein, daß ich es für meine Pflicht fa 1"' die deutsche Nation vor dieser Gefahr zu erretten. Vorsitzender: Ging die Anficht einheitlich dahin, da" die Kommunisten die Urheber seien?- Dr. G ö b b e I s: Ganz einheitlich. Es bestand für»n- kein Zivcifel darüber, daß dieses Attentat von langer Ho" vorbereitet war, daß diese Vorbereitungen von größere" Gruppen getroffen sein müssen un d daß ein einzelner M e n s ch praktisch auch den Brand nicht a n g* legt haben konnte, daß es keine politische Gruppe tn Deulsw' land gab, die bei Gelingen deS Attentat» einen Vorte> haben konnte, alS nur die Kommunistische Partei. ES>" ein Irrtum, zu sagen, daß der vrand den Kommunisten geschadet hätte. Er hatte ihnen genützt, wenn er zu dem gewünschten Ziele geführt hätte. Für uns gab eS nur eine»- Daß die Kommunistische Partei hier zum letzten Male ver' sucht hatte, die Dinge in einer durch den Reichstagsbrand heraufbeschworenen allgemeinen Unordnung an sich ö" reißen. Vorsitzender: Das Braunbnch schlägt eine besondere politische Praxis ein, um zu erklären, baß die Schuldigen o" anderer Stelle zu suchen seien. Dr. Wöbbels: DaS Manöver ist mir von der S?P^ bekannt. Es ist ein alter kommunistischer Trick, der day" immer angewandt wird, wenn die Kommunistische Partei ei" schlechtes Gewissen hat. Ich habe Beispiele anS meiner eigenen Erfahrung. Der Minister wies u. a. auf den trag»' schen Tod des Pg. K ü t e m r n e r hin, der von Kommunist^" niedergeschlagen und in den Landwehrkanal geworfen wurde- Der Fall, betonte Dr. Wöbbels, lag klar und ganz clndcutiss- Der Parteigenosse hatte eine Sportpalastversammlung de» Führers besucht und war bei der-Heimkehr von einem kou>' inunistischen Straßentrupp überfallen und niedergeschlagen worden. Er flüchtete vor diesem Trupp und ivurde da»" von den Kommunisten in den Kanal geworfen. Der Fall sonnenklar Da« Gegenteil wnrde nun tn der kommunistischen Presse behauptet. Di« Kommunistische Partei veranstaltete d"' mals einen sogenannten Gerichtshof, der Irgendwo einem Saale tagte, wo lauter kommunistische Zeugen«»>' traten«nd niiter großen Phrasen und Redensarten das Gegenteil bezeugten. Am eklatantesten aber, fuhr der Minister fort, ist der Horst Wessel gewesen. Dieser Student uns«lrbetter gleich hat sich mit unaussprechlichem Id allSmuS für unsc^ Bewegung eingesetzt und nach und nach 2—»00 Rote Front' 'ämpser in die nationalsozialistische B ivegung hincingczozc"- Der Erfolg war, daß eine kommunistische Sprengkolonne sein« Wohnung einbrach und ihn an setner Tür niederschoß- Nun lag dieser Fall so eindeutig, baß weit über den Are's unserer Partei hinaus die Oeffentlichkett Berlin» für»"* Stellung zu nehmen begann. Wöbbels spricht weiter'« Teichert schämt sich meineidiger Nazi-Zeugen die Bulgaren wurden zu Unrecht verhaftet Ihr Aufenthalt in Rußland nachgewiesen W. B-rhandlungstag(Fortsetzung aus Nummer 11»). Berlin, 7. Nov. Im Reichstagsbrandstisterprozeß kam es am Dienstag nachmittag zu einem schweren Zusammenstoß zwischen dem O b e r r e ichs a n w a l t und dem ^^keidiger der Bulgaren, RA. Dr. Teich>- D-r Verteidiger machte dem Kellner Helmer einen Vorhalt indem er u. a. ausführte, dab die Aussage des Zeugen über van der Lübbe durchaus unwahrscheinlich sei. Er bedauere, °ab durch diesen Zeugen, der sich absolut irre, der Unter- Wchungsrichter sich auf ein Geleis habe suhren lagen, da« Cjj IIUJ UW| tili V2/titl» yuvv! 41 w*, wr das deutsche Volk äuberst verhängnisvoll war. Ter in^retchsanwalt fragte den Verteidiger, wie er zu einer I, m Feststellung komme. Er müsse zurückweisen, daß das n Verhängnis für Deutschland gewesen sei. Dr. Teichert erwiderte, durch diese Zeugenaussage fei der Untersuchungsrichter veranlaßt worden, die Bulgaren in zu nehmen und die Untersuchung in der bekannten Richtung zu führen. £ oä sei zum Anlaß genommen worden, gegen Deutschland ^orwürfe im Ausland zu erheben, die unberechtigt sind, die ich aber zuungunsten des deutschen Volkes ausgewirkt vatten. Der Oberreichsanwalt rief daraus unter Beifalls- Kundgebungen der Nazi-Zuhörer mit erhobener Stimme, wenn irgend jemand im Auslände nicht zufrieden sei mit °«r Art und Weise, wie wir unsere Justiz ausüben, so ist noch lange nicht zum Verhängnis für Deutschland.(Der ^berreichsanwalt befiehlt dem Auslände, alle Nazizeugen- aussagen einfach unbesehen zu schlucken!) « j^i® drei Bulgaren waren 1932 in Rußland "fei russische Zeugen beschwören es ft ,D*e Zeugin erklärt weiter, daß sie Dimitroff schon Bulgarien kenne, während sie Pop off erst tn m 0* t a u kennengelernt habe, ebenso auch Taneff. Popoff kennt sie seit 1031. Dr. Teichert: Wigen«ie. -Z°«n Taneff nach Deutschland gefahren ist?— Zeugin: ?}~l glaube, im Februar. Er verabschiedete sich von uns und sagte, daß er nach Bulgarien fahre.— Der Vorsitzende wünscht zu wisicn, wie es komme, das, Popoff von einem nfl seiner Bekannten mit dem richtigen Namen, von den «»deren mit Petkoff benannt wurde, namentlich bei diesem gemeinsamen Zusammensein in Tomilino. Der Angeklagte .Pop ofs erwidert, daß viele der Emigranten schon von Bul- «arien her ihn mit dem richtigen Namen kannten. Er hatte kein Interesse, daß das alle Emigranten wußten. Des- »,^obx er sich unter dem Namen Petkoff eintragen lasten. Als letzte russische Zeugin wird Frau Dr. med. B ojko w a vernommen. Sie gibt an, Popofs sei häufig nach Moskau gefahren, aber gewöhnlich abends wieder nach Tomilino Zurückgekommen, um dort zu schlafen. Es sei allerdings vor- gekommen, wenn er mit seiner lungenkranken Frau nach Mkau zur Behandlung fuhr, daß er dann über Nacht in Rtoskau blieb. Sie könne mit aller Bestimmtheit sagen, daß Upofs von Tomilino Ende Juli mit seiner Frau nach dem südrussischen Sanatorium gefahren sei. Nach der Rückkehr aus Südrußland habe er sie im September in Moskau bc- vcht. Er sei dann häusig im September und Oktober mit îtzr und ihrem Manne zusammengetrossen.— Vors.: Haben tz'e auch Taneff in Moskau getroffen?- Z.e u g i n: Ja, Taneff war Ende 1932 und Anfang 1983 wiederholt bei uns. Ich habe ihn ein paar Monate lang '» Moskau gesehen, zum letzten Male Anfang Februar. Der Vorsitzende ruft sämtliche vier russische Zeuginnen ??ch einmal vor, um festzustellen, ob sie irgendwelche Schrift- stucke besitzen, aus denen sich der Aufenthalt Popoffs in Tomilino ergibt. Das ist nicht der Fall. Popoff weist dar- ,*?uf hin. daß dem Gericht ja die amtlichen Bescheinigungen »der seinen dortigen Aufenthalt vorliegen. tB^ie die Bulgaren verhaktet wurden Es folgen bann die Zeugenvernehmungen, die die Ver- Uaftung der drei bulgarischen Angeklagten betreffen. Zu- Nächst wird Kriminalassistent Holzhäuser gehört. Der "vuge bekundet, daß der Kellner Helmer vom Bayernhof ?W 7. März eine Anzeige machte, baß seit längerer Zeit >m Baycrnhos wiederholt einige Ausländer aufhielten, die wm verdächtig erschienen. Der Zeuge legte Helmer das Lichtbild von van der Lübbe vor. Helmer erklärte, daß ver- wutlich van der Lübbe mit tn diesem Kreis der Ausländer gewesen sei. Der Kreis habe aus vier bis acht Personen veitanben. Der Zeuge trug Helmer aus, sofort anzurufen, wenn die Leute wieber da seien. Am 9. März erfolgte der Anruf von Helmer, £gß drei dieser Persoanen im Lokal seien. Holzhäuser und 'kriminalassistent Gast machten sich sofort auf den Weg zum ?ayernhos und nahmen am Tisch neben diesen drei Per- wnen Platz. Unsere Nachbarschaft, so erklärte der Zeuge, fchien den dreien nicht angenehm zu sein, denn sie machten uch schon nach kurzer Zeit zum Ausbruch fertig. Ich trat wnzu und forderte sie aus, sich auszuweisen. Diuntross und Taneff reichten mir beide einen Reisepaß, welcher bei Dimitrokf auf den Namen Dr. Hediger, bei Taneff auf den Aamen Penew lautete, während Popofs sich nicht ausweisen konnte. Er versuchte, durch die Drehtür zu verschwinden, Pmst holte ihn aber wieder herein. Popoff versuchte das Noch mehrmals, aber er wurde immer wieder hereingeholt. Wir nahmen dann eine Droschke. Auf der Fahrt nach dem Reichstagsgebäude merkte ich, wie Dimitroff etwas in das Sitzkissen versteckte. Ich sagte aber nichts, sondern erst, vachdcm wir sie hierher gebracht hatten, ging ich nochmals zur Droschke zurück und drehte das Sitzkissen um. Ich fand °ann auch in der Ecke einen Aufruf des Exekutivkomitees ber kommunistischen Internationale vom 3. März. Es war wmit klar, daß diese drei Leute mit der russischen Inter- Nationale in engster Verbindung standen.— Vors.: Hat Dimitroff in Abrede gestellt, diesen Aufruf da hin- eingesteckt zu haben?- Zeuge: Ich selbst habe Dimitroff Nicht dazu vernommen, aber wenn ich nicht irre, hat er bas zugegeben. Tic Prüfung der Passe ergab, daß sie von der kommunistischen Paßiälschcrzentrale hergestellt waren.— Vors.: Als Sie sich an den Ncbcntisch fetzten, saßen da nur die drei Bulgaren am Tisch oder hielt sich in der Nähe noch eine vierte Person aus?- Zeuge: Es waren nur die drei Bulgaren. Hierauf Mittagspause. Nazi-Kellner Helmer tritt wieder auf Nach«der Pause wird der Kellner Helmer vernommen. Er sagt m a. aus: Als ich in der Nachtausgabe das Bild des Brandstifters Lübbe sah, habe ich es meinen Kollegen ge- zeigt. Die Kollegen und auch der Zäpfer sagten, das Bild komme ihm zwar ähnlich vor, aber sie könnten doch nicht behaupten, daß es derselbe Mann sei. Ich sagte sofort: Für mich steht fest, daß dieser Mann mit den Ausländern zu- sammen war. Diese Ausländer, unter denen sich Dimitroff und Popofs befanden, waren mir von vornherein ausgefallen. Ich bin Nationalsozialist und mir ist aufgefallen, daß ausgerechnet in einem Lokal wie dem Bayernhof. in dem nur Nationalsozialisten verkehren, Leute sich eingesun- den haben, die sehr geheimnisvoll taten und, obwohl sie nicht deutsch sprachen, sofort schwiegen, wenn ein Kellner vorbeikam. Bei meiner Vernehmung habe ich gesagt, daß ich Dimitroff und Popofs im Frühjahr 1082 das erstemal bei uns gesehen habe und daß sie dann öfters den ganzen Sommer hindurch bei uns gewesen sind. Es war ein Kreis von 5 bis 6 Personen. Taneff war nicht dabei: den habe ich zum erstenmal bei seiner Verhaftung im Lokal gesehen. Van der Lübbe habe ich im Oktober 1 932 j!?> zum letztenmal im Lokal gesehen, st bis 8 Wochen vor Weih- nachten waren die Ausländer nicht mehr da. Sie sind dann erst im Januar 1933 zum ersten Male wiedergekommen. — Vors.: Sahen die Leute alle wie Ausländer aus?— Zeuge: Ja! Dimitroff und Popoff waren immer dabei. Wenn ich Lübbe kommen sah, war er in Begleitung der an- deren. Tie Leute unterhielten sich am Tisch sehr lebhast. Es wurden auch Schriftstücke ausgetauscht, die manchmal zerrissen wurden. Ich hoffte immer, daß einmal so ein zerrissenes Schriftstück liegen bleiben würde, damit ich eS an mich nehmen könnte, aber die Leute haben diese Schrift- stücke immer eingesteckt. Oer Nazi-Zeuge in der Klemme Bei der Gegenüberstellung habe der Zeuge Helmer van der Lübbe sofort wiedererkannt, u. a. auch an seinem Augen- zwinkern. Er habe sofort dem Kriminalbeamten gesagt, daß an dem einen Auge etwas nicht in Ordnung sei.— Vor s.: Am Tage nach dem Brande haben Sie das Bild van der Lübbes gesehen. Ihre Anzeige ist aber e rst am 7. März erfolgt.— Zeuge: Meine Frau sagte, ich irre mich vielleicht und solle mich da nicht einmischen— Vors.: Wenn also eine Verzögerung in der Anzeige eingetreten ist—— Zeuge: Dann ist es die Schuld meiner Frau! — Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge, er wiste nur, daß die Leute an dem Tisch ausländisch sprachen. Er habe auch versucht, sich hinter eine dort aufgestellte Wand zu stellen, um etwas zu hören, aber die Leute hätten auch dies gemerkt und zu sprechen aufgehört. Aber Major Schröder wußte nichts davon Auf Fragen des Vorsitzenden führt der Zeuge noch aus, daß er einem anderen Gast des Lokals, Major Schröder, schon einmal davon erzählt habe, was daS für sonderbare Gäste seien. Er habe Schröder die Leute auch gezeigt und Schröder habe geäußert, er solle doch versuchen, etwas herauszukriegen.— Vors.: Major Schröder hat aber in der Vornntersnchnng gesagt, daß er davon nichts wiste.— Der Vorsitzende weist noch aus die bei den hollän- bischen Behörden gemachten Feststellungen hin wonach zu gewissen Zeiten des von dem Zeugen für die Anwesenheit van der Lübbe angegebenen Zeitraumes van der Lübbe in Holland gewesen sein muß, und zwar einmal im Ge- sanguis und ein anderes Mal in einer Krankenanstalt. Der Zeuge bleibt auch nach diesem Vorhalt bei seinen Bekun- düngen. Popoff soll sogar deutsch gesprochen haben Auf eine Frage des Beisitzers sagt er. Popofs habe seine Bestellungen kurz in deutscher Sprache ge- macht. Ein Kollege habe ihm erzählt, daß Dimitroff einmal einem seiner Gesellschafter in der Toilette einen Brief übergeben und dabei zu dem Toilcttcnmann gesagt habe, er sei Zeuge, daß er jenem Herrn jetzt das Schriftstück übergeben habe. Auf eine Frage des Obcrreichsanwaltcs erklärt der Zeuge, bei seinem Gespräch mit Major Schröder habe am gleichen Tisch auch Oberst Hierl gesessen, er könne sich darin nicht irren. Der Verteidiger der Bulgaren, RA. Dr. Teichert, betont die Wichtigkeit der Aussage des Zeugen Hêlmer und fragt: Sie haben gesagt, Sie hätten die Bulgaren das letztem«! vor der Verhaftung am Tage des Reichstagsbrandes tm Lokal gesehen, auch D i m i» troff. Bleiben Sic dabei, daß das richtig'st? Auch wenn Sie aus den Prozegverichteu eriabrcn haben, daß Dimitroff an diesem Tage gar nicht in Berlin war?—Zeuge: Ja- wohl, wenn ich gesagt habe, daß sie am Tage des Reichs- tagSbrandes im Lokal waren, so stimmt das aus jeden Fall. Ich bleibe dabei.— Dr. Teichert: Sie haben die An- zeige erst am 7. März gemacht. Ich frage Sie jetzt unier Bezugnahme aus Ihren Eid: Haben Sic an diesem Tage noch nicht die Veröffentlichung des Berliner Polizei- Präsidenten gekannt, die am 3. März veröffentlicht wurde und in der 29 099 RM. Belohnung für die Ermittlung der Mittäter ausgesetzt wurden?- Zeuge Helmer. Ich hatte den Entschluß zur Anzeige gefaßt, ohne daß ich eine Ahnung von dieser Belohnung hatte.— RA. Dr.! e i- chert: Nach den Auskünften der holländischen Behörden hat sich van ber Lübbe im Sommer 1932 m i n d e st e n s 2'/» Monate lang in Holland aufgehalten. Es ist dem- nach garnichtmöglich. baß er in jener Zeit in Zwischen- räumen von 8 oder 14 Tagen regelmäßig im Bayernhos ver- kehrt hat. Zeuge: Ich habe nur erklärt, daß ich van der Lübbe in der Zeit von Anfang Mai bis zum 8. Oktober 3—4mal im Lokal gesehen habe. Lübbes schnelle Füße Vors.: In der Zeit vom 21. Juni bis 14. Juli und vom 2. Oktober bis 9. November 1932 steht der Aufenthalt van der Lübbes in Holland nicht fest. In dicter Zeit könnte er in Berlin gewesen sein. Reichsanwalt Parrisius: Zum ersten Male will der Zeuge van der Lübbe im Mai gesehen haben. Da hätte Lübbe also auch in Berlin sein können. Das letztem«! will er ihn im Oktober gesehen haben. Auch das wäre nach den amtlichen Auskünften mög- lich. Der Aufenthalt in der Zwischenzeit könnte Ende Juni bis Mitte Juli gewesen sein. RA. Dr Teichert: Ich möchte darauf hinweisen, daß, wenn man Me Aussage des Zeugen Organtstka als richtig unter lt. im Oktober 1932 van der Lübbe in Süddeutschland gewesen sein muß, in Baden und am B o d e n s e«. Lübbe müßte schon außerordentlich schnelle Füße haben, oder Bahn und Auto benutzt haben, wenn er an den ver» schiedenen Orten gewesen sein soll, an denen er gesehen worden ist. Di^ Annahme des Zeugen Helmer sei unmöglich, und ich bedauere, daß dutch diesen Zeugen, der sich meiner Heber« zeugnng nach absolut irrt, sich der Untersuchungsrichter hat aus ein Geleis sühren lasten, das sür das deutsche Volk äußerst verhängnisvoll war. Es kommt dann zu dem bereits gemeldeten Zusammenstoß zwischen dem Oberreichsanwalt und Dr. Teichert. Popoff: Helmer hat mich niemals bedient! Angeklagter Popofs: H e l m e r hat mich niemals v» dient. Ich bin zum erstenmal im Dezember in den Bayernhof gegangen und mit Dimitroff war ich überhaupt nur ein einziges Mal in dem Lokal, näm- lich am Tage unserer Verhaftung. Es ist auch nicht richtig, daß ich beim Erscheinen der Kriminalbeamten einen Fluchtversuch gemacht hätte. Ich habe die Herren gar nicht für Polizisten, sondern für Angestellte des Lokals gehalten. Da wir uns schon zum Fortgehen an- gezogen hatten, bin ich durch die Tür gegangen und zurück- geholt worden. Dann erfuhr ich erst, daß die Polizei unsere Papiere verlange.— Der Angeklagte van der Lübbe wird nun dem Zeugen Helnier gegenüber gestellt. Auf die energische wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden hebt er den Kopf ein wenig. Der Zeuge Helm er erklärt. daS sei ganz bestimmt der Mann, den er im Lokal gesehen habe.— Popoff weist darauf hin, auS den Aussagen der vier russischen Zeuginnen gebe klar her- vor, daß ber Zeuge Helmer ihn unmöglich in der angege- benen Zeit mit Lübbe zusammen gesehen haben könne. » Wie das Contibüro von unterrichteter Seite erfährt, wird Reichspropagandaminister Dr. GöbbelS tn der morgigen Sitzung im Reichstagsbrandprozeß als Zeuge vernommen werden. Die Vernehmung des Ministers soll gleich an erster Stelle nach der Eröffnung der Sitzung erfolgen. rail storing- rail Panier Der meineidige Minisierprfisldeiit und die werlogene Reldisregleroiit Nicht nur durch die„Deutsche Freiheit", sondern auch durch das halbamtliche Wolffsche Telegrafen- b ü r o wird nachgewiesen, daß der preußische Ministerpräst- dent Göring vor dem Reichsgericht Meineide ge- schworen hat. W i r haben den lückenlosen Beweis geliefert, baß der Ministerpräsidetn wider besseres Wissen beschwor, die meisten Terrorsälle seien von Kommunisten verübt. Das Wolffsche T e l e g r a s e n b tt r o gibt nun unter dem Druck eines amtlichen russischen Protestes bekannt, daß der Ministerpräsident unter seinem Eid auch die Unwahrheit gesagt hat, als er behauptete, Rußland bezahle seine Wechsel nicht. Es wird halbamtlich festgestellt, daß die Sowjet-Union ihren Zahlungsverpflichtungen in Deutschland bisher stets pünktlich nachgekommen ist. Hätten wir tn Deutschland eine Justiz, die auch nur ent- feint noch etwas mit Rechtsprechung zu tun hat. so müßte ein Verfahren gegen den preußischen Ministerpräsident wegen Meineid auf dem Fuße folgen. Ebenso berechtigt wäre, daß sich der Ministerpräsident auf Grund seiner eigenen Notverordnungen wegen schwerer Schädigung Deutschlands selbst am Galgen aufhinge. Die deutsche Reichsregierung hat durch ihre gekaufte und aeschmierte Presse, auch im Taargebiet, dem deutschen Volke vorlügen lassen, der englische Journalist Panier sei zwar freigelassen worden, weil sich der Verdacht ber Spionage nicht bestätigt habe, zugleich aber sei wegen seiner hetzerischen Berichterstattung die Ausweisung aus Deutschland erfolgt. Nun hat der britische Außenminister Sir John Simon tm Unterhaus zum Fall Panier erklärt: Ich habe bei der deutschen Regierung durch Vermittlung der Londoner deutschen Botschaft und der englischen Bot- schast in Berlin ernste Borstellungen erhoben nnd daraus fedrungen, zu erfahren, welche Beschuldigung gegen ianter erhoben werde. Panier ist jetzt freigelassen worden und in seine Heimat zurückgekehrt. Nach seiner Frei- lassung bin ich, da er von den deutschen Behörden ayf- gefordert worden ist, Deutschland zu verlassen, obwohl keine Anklage gegen ihn erhoben werden konnte tn weiterer Verbindung mit dem Retchsaußenmintster ge- blieben. Freiherr v. Neurath hat den englischen Bot- schaster in Berlin am 4. November dahin unterrichtet, daß gegen Panter kein Ausweisungsbefehl erlassen worden sei, und daß es ihm daher freistehe, nach Deutschland zurück» zukehren, ES liegt keine Anklage gegen ihn vor und«S ist auch keine Strafe über ihn verhängt worden.(Heiterkeit.) DaS englische Parlament begriff diese Erklärung sofort und brach in stürmisches Hohngelächter über Deutschland auS. Jeder Deutsche wirb sich der Verkommenheit der Ne- gierungsmethoden schämen müssen, die ermöglichen, daß der. ReichSaußenminister dem englischen Botschafter erklärt, ein Ausweisungsbefehl sei nicht erlassen, wenn gleichzeitig andere amtliche deutsche Stellen dem deutschen Volke dad Gegenteil erzählen. Dr. Rich&rd Kern: Thyssens Raubzug Er kassiert Zins und Zinzeszinsen für die Unterstützung Hitlers ein Im Frühjahr 1932 wurde die deutsche Oeffentlichkeit durch die Nachricht überrascht. Herr Dietrich, der Finanzminister Brünings, habe von dem Eisen- industriellen Flick dessen Gelsenkirchen- Aktien übernommen. Das Geschäft war in größter Heimlichkeit getätigt worden, nicht einmal die hohen Be- amten des Finanzministeriums waren eingeweiht worden. Nach dem Sturze Brünings kündigte zwar die Regierung Papen die Einleitung einer Untersuchung an. Aber zu dieser ist es nie gekommen. Die Oeffentlichkeit erfuhr nur, daß der Kaufpreis der Aktien etwa 90 Prozent betrug, während gleichzeitig der Börsenkurs unter 30 Prozent lag. Herr Flick, der auf überaus großen Verpflichtungen festsaß, war wieder flüssig und konnte seine Posi- tion in Oberschlesien und in der mitteldeutschen Stahl- industrie ausbauen. Wenig kümmerte ihn der Zorn seiner Kollegen, der Kohlen- und Eisenmagnaten Rheinland- Westfalens, die ihn sozusagen des Verrats an den heiligsten Interessen des Kapitalismus, der Mitschuld an der Sozia- listening anklagten. Der Zorn war begreiflich. Mit den Aktien Flicks, die durch einige ZuKäufe ergänzt wurden. hattedasReich rund die Hälfte des Aktienkapitals von G eisen Kirchen, das 250 Millionen beträgt, e r w o r b e n. In Gelsenkirchen lag aber die Mehrheit der Vereinigten Stahlwerke, des größten deutschen Montan- trusts, der 1926 durch Zusammenfassung des Montan- besitze« von Thyssen, Otto Wolfs, H a n i e l und Rhein- stahl gegründet worden war. Das Reich hatte so die Ver- sügungsmacht über den wichtigsten Teil der Eisen- und Stahlindustrie erlangt. Da e» seit der Bankenkrise von 1931 über die Großbanken, d. h. über die Kreditgeber der über- schuldeten Montanindustrie, verfügt, und bald nach dem Erwerb von Gelsenkirchen maßgebenden Einfluß in den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken nahm und da- mit auch in der Kohlenwirtschaft seine Stellung ausschlag- gebend wurde, wardasReichfaktischHerrüber die Schwerindustrie geworden. Zu ihrer völligen Sozialisierung fehlte nur ein— der politische— Schritt. Wirtschaftlich war das entschei- dende bereits getan. Thyssen und die andern, die Schwerindustriellen tob- ten. Die Krise hatte nicht wie sonst nur die Profite ge- schmälert, die freien Aktionäre depossediert— die Stahl- Vereinsaktien, die bei der Gründung zu 125 Prozent ange- geben waren, standen zeitweise auf 10 bis 12 Prozent— die Krise bedrohte die bisherigen Beherrscher der deutschen Wirtschaft und des deutschen Staates mit völliger Deposse- Vierung, mit völligem Machtverlust, mit der DeKlassierung. Stürmisch forderte Thyssen schon damals die„Reprivatisier un g". Das Reich sollte die Aktien an ihn und seine Stahl- vereinskollegen abgeben— gegen Kredit selbstverständlich— denn Geld hatten die Ueberschuldeten, von der Krise Bedrohten natürlich nicht. Aber wozu verfügte das Reich über die Banken: die konnten doch die Kredite gewähren. Ein netter Plan, dieses Ansinnen an das Reich, sich selbst zu enteignen, würdig der deutschen Schwerindu- striellen! Hatte ihnen denn nicht schon einmal eine bürger- liche Regierung in der deutschen Republik 7 00 Milli- onen Mark als R u h r e n t s ch ä d i g u n g ge- schenkt und sie damit vor dem ersten Bankrott gerettet, den ihre stupide„nationale" Politik mit der Rheinland- besetzung heraufgeführt hatte? Warum sollte sich das nicht wiederholen? Da aber Brüning und Dietrich denn doch nicht auf ein solches Ansinnen eingingen, so gesellten sich die Gewohnheitserpresser zu ihren Feinden. Brüning wurde gestürzt, Papen verkün- dete das Evangelium der kapitalistischen Privatinitiative und des Rückzugs des Staates aus der Wirtschaft, aber Schleicher leistete noch Wider- stand. Als Wehrminister wollte er die Verfügungsmacht über die Eisen- und Stahlwirtschaft, über die Rüstungs- industrie nicht aus den Händen geben. Thyssen erkannte: es sind nicht einzelne Personen und nicht einzelne Regierungen, es ist das„System", das de- seiligt werden muß. Thyssen ging zu Hitler. Es war der gescheiteste Streich dieses an sich ganz unbedeutenden, ja einfältigen Mannes. Es war die erfolgreichste Spekulation in seinem Leben. Was keine bürgerliche, noch so reaktionäre Regie» rung gewagt hatte, das leistet jetzt der Nationalsozialist Hitler seinem Wegbereiter, Freunde und Berater: d> e Expropriation des Reichs zugunsten der eisen- fressenden Expropriateure, der Thyssen. Otto Wolff, Hanie! und Konsorten., Am 27. Oktober haben in Berlin die Aufsichtsräte der Vereinigten Stahlwerke und ihrer Gründergesellschaften, Gelsenkirchen, Phönix und von der Zypen, getagt und den „Umbau des Stahlvereins" beschlossen. Ach es handelt sich um eine ganz einfache Umorganisation. Tie vier Gesellschaften werden fusioniert. Aufnehmende Ge- sellschaft wird Gelsenkirchen. Gelsenkirchen erhöht kein Kapital von 250 Millionen Stammaktien fund 13"litt. Vorzugsaktien,.die in Stammaktien verwandelt werden) auf 560 Millionen und nimmt den Namen„Vereinigte Stahlwerke" an. Die Aktien der anderen Gesellschaften werden in einem bestimmten, für Phönix, der Domäne Otto Wolffs, übrigens auffallend günstigen Verhältnis,>n die neuen Aktien umgetauscht und oerschwinden damit für die Zukunft. Während der Stahlverein zuletzt ein Kapital von 775 Millionen Mark hatte, verfügt die neue Gesell- schaft über ein solches von 560 Millionen. Ein Teil der Ueberkapitalisation, die seit der Gründung des Stahl- verein? bestand, wird korrigiert. Der bei der Transaktion entstehende Buchgewinn von etwa 250 Millionen wird zu Abschreibungen verwandt, die allerdings voraussichtlich noch immer nicht genügen. Hierzu kommen freilich be- deutende, in ihrer Höhe noch nicht bekannte Gewinne aus den sehr hohen Darlehensschulden, die die Dollar- entwertung um mehr als ein Drittel verringert hat. In dem neuen Stahlverein wird die Thyssengruppe etwa 15 Prozent, die Vereinigten Stahlwerke 11 Prozent, Otto Wolff 9, Haniel und die früheren holländischen Phönix- aktionäre etiva 6 Prozent des Aktienkapitals besitzen. Aus die freien Aktionäre, die aber wegen ihrer Unorganisiert- heit ohne Einfluß sind, werden etwa 35 Prozent entfallen. Die gleichgeschaltete Presse preist das Werk des Thyssen als eine wesentliche Vereinfachung, die die Verschach- telung, die bisher zwischen den vier Gesellschaften bestand» nunmehr beseitigt und durch Herabsetzung des Aktien- Kapitals sowie durch die Abschreibungen die Bilanz einigermaßen bereinigt. Nur über eines muß sie schweigen, und über die Hauptsache: die Stellung des Reichs. Das aber ist der eigentliche Sinn der sogenannten Umorgani- sation: DasReichverliertmiteinemSchlagseine Herrschafts st ellung. Aus dem entscheidenden Mehrheitsaktionär, der durch.seine Verfügung über Gel- senkirchen, direkt der Herr über den größten Montantrust und indirekt über die deutsche Montanindustrie war, wird ein M i n d e r h e i t s a k t i o n ä r, der kaum mehr über ein Viertel des Aktienkapitals der neuen Gesellschaft ver- fügt! Das Geld des Reichs, das Herr Dietrich aufgewendet hat. wird jetzt von den Herren des Stahlvereins annek- tiert, restlos in ihre Verfügungsgewalt überführt, bildet einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Sanierung. Esisteinecdergrößtenunderfolgreichsten Raubzüge in der Geschichte des modernen Kapitalismus. Thyssen und die Schwerindustriellen haben ihr Ziel rest- los erreicht. Die politische Unterstützung Hitlers hat tausendfältige Frucht getragen. Die drohende Soziali- sierung ist beseitigt, die R e p r i v a t i s i e r u n g ist ge- I u n g e n— es hat keinen Mennig gekostet, nur dem deutschen Volke die Freiheit und Tausenden von Arbeitern da» Leben.... Das ist Nationalsozialismus! Eine denksdieGehalfsanfstellang Die Einkommensverminderung In dem in Saarbrücken erscheinenden Blatte„Ter Freie Angestellte" lesen mir: Ein früheres saarländisches Verbandsmitglied— der Ge- famtmitgliedschaft sehr gut bekannt— ist in einem Groß- betrieb einer rheinischen Großstadt beschäftigt und leitet die Lvhnabtetlung. Es schildert die Verhältnisse und schreibt unter anderem folgendes: „Die Gehaltsabrcchnung des Kollegen N. N. sieht im September wie folgt ans: Gehalt Stil,— RM. Leistungszulage 2 2,— R M. Summa 282,— RM. 12,— RM. 9,28 RM. 13,92 RM. 5,80 RM.. 8,20 RM. 8,- RM. 4,00 RM. 1,12 RM. 8,50 RM. 00,42 RM. Auszahlung in bar 105,42 RM- Der Kollege N. N. muß monatlich 70,— RM. Miete zahlen, dazu kommen 13,50 NM. Straßcnbahnfahrt zur Arbeits» stelle. Es bleiben ihm also zum Leben für sich, seine Frau und drei schulpflichtige Kinder 81,98 RM. im Monat. Im März dieses Jahres zahlte ich ihm noch 205,08 RM. aus, nachdem die gehaltlichen Abzüge in Höhe von 54,95 RM. ein- behalten waren. Dabei ist der Kollege avanciert, er be- kleidet setzt die Stelle des Euch bekannten Kollegen.ï.?)., der sich in N. in Verwahr befindet. Seine Tätigkeit als An- gcstelltenvorsitzendcr war die Ursache. Ihr dürft aber nicht glauben, daß mit den angeführten Abzügen alle erschöpft sind, eS kommen dazu noch ständig sogenannte freiwillige Spenden usw. Ich kann Euch nicht alles mitteilen. Für beute wollte ich Euch nur ein Bild davon geben, wie herrlich weit wir Angestellte eS im„dritten Reich" gebracht haben." Jede Bemerkung wäre eine Abschwächung dieses Schreibens. Wir lassen es deshalb für sich sprechen. Es vcr- anlaßt hoffentlich die Angestellten im Saargebiet zum Nach- denken. Steigende preise Berlin, 7. Nov. Das„Berliner Tageblatt" schreibt:„Tie Preise für Schlachtvieh konnten sich im Verlauf des Jahres 1988 zum Teil beträchtlich erhöhen. So sind z. B- die Preise für Schweine bis Ansang September um 30 Prozent, die für Kühe um 19 Prozent gestiegen." «erlin, 7. Nov. In„Wirtschaft und Statistik" beißt es: „Vergleicht man die Preise vom August 1938 mit denen vom August 1932, so ergibt sich... eine Zunahme bei Zucker um 2,7 Prozent, bei Gemüse um 5 Prozent, bei Fleisch- und Fleischwaren um 4,3 Prozent, bei Butter um 0,5 Prozent, bei Eiern um 14 Prozent, bei Margarine um 34.3 Prozent. Die zwangsweise Hcraussetzung der Margarineprcisc ivurde bekanntlich damit begründet, daß die Butterpretsc niedriger werben würden. Jetzt ist Butter erheblich und Mar- garine derart gestiegen, daß der Kauf für Hunderttausende nur noch in allerkleinsten Mengen möglich ist. Noch deutlicher wird die Steigerung, wenn die Preise vom Frühjahr 1933 mit denen vom September 1933 verglichen werden.„Wirtschast und Statistik" nennt folgende Zahlen: die Preise sind gestiegen für Butter um 24,2 Prozent, für Margarine um 40.1 Prozent. Die Preise hoch! Zwischen dem Deutschen Brauerverband und dem Reichs- cinheitvcrband des deutschen Gaststaiteiigewerbcs ist ein Vcr- trag zur Bekämpfung des„Schleuderunwesens" geschlossen ivorden. In allen Orten ivcrden Kommissionen zur Be- wachung der Wirte gegründet.„Stellt die Kommisston eine unzulässige Unterbietung der Bierprcisc fest, so ist durch den zuständigen Brauerciverband die Sperre über den unzuver- lässigen Wirt zu verhängen. Neben den Bezirksbrauercicn dürfen in einem solchen Falle auch die auswärtigen Brauereien, trotz etwa bestehender Lieferverträg«, keine Lieferungen an einen solche Wirt ausführen, weder mittel- bar noch unmittelbar. Gegen Brauereien, die die ersorder- liche Zuverlässigkeit im Sinne des Vertrages nicht besitzen, wird seitens des ReichSeinhettsvcrbandeS sie nur etiva? baben." DaS ivird als Ersola nebucht! Mädchen wurden in Warenhäuser für Ans- vcrkaiifsfage und als Melkmädchen für Schleswtg-Holstein vermittelt. .„Abhanden gekommen" ist saS Sporkasienbuch der Ortsgruppe Dresden de« früheren Bundes der Hotel-, Restaurant- und Eafe-Angeftellten. Biel- leicht fragt man Pg. Wölkersdorf« danach, der das Spar- kastenbuch sucht. Hakenkreuz Bonbons Und andere deutsche Sorgen Im Kampf gegen die mißbräuchliche Verwendung der nationalen Snmbole, die durch das Gesetz vom 19. Mai 1933 geschützt wurden, ist eine Reihe von Entscheidungen gesallen, die im Reichsministerialbtatt veröffentlicht werden- Daraus geht hervor daß grundsätzlich die Anbringung nationaler Symbole oder der Bilder deutscher Führerpcrjönlichkeilen aus Gebrauchsgegenständen wie Kleidungsstücken oder gar LebenSmittein unzulässig ist. Verboten wurden daher Zigarrenkisten, Fadrradsaitel» decken. Kinderspietetmer, Aschenbecher, Trschenspiegcl, Polster, nägel, Haarspangen, Zopihalter, Sparbüchsen in TA.- Mützenform, Bleistifte, Bleistifthülsen und Federhalter, Radiergummi mit dem Hakenkreuz, den Farben Schwarz- Weiß-Rot und den Hoheitsabzeichen sowie Aufdrucke: H«'l Hitler! Deutschland erwache! Heil Deutschland usw. Selbst- verständlich fielen auch Bonbons mit Hakenkreuz. Schoko- ladenmünzen und Schokoladenpackungcn, Papierlampions und ähnliches mit dem Bilde des Reichskanzlers unter das Verbot. Bet vielen Gegenständen aber war die Ausführung und die künstlerische Form entscheidend. So sind Spielkarten mit Bildern nationaler Symbole und geschichtlich hervorragenden Personen zugelassen worden, während Spielkarlen, dje an Stelle der sonst üblichen Bilder der Könige und Buben die Bilder des Reichskanzlers und führender Persönlichkeiten tragen und aus der Rückseite mit dem Hakenkreuz bzw. Haken- kreuzen bedruckt sind, verboten worden Spiclfiguren lBlci- figurent einschließlich der Darstellung des Reichskanzlers als obersten SA.-Führer sind gestattet, Spielpuppen dagegen in SA.» und SS.-Uniform mit Hakcnkreuzbtnde und Abzeichen verboten worden- Auch die Schokoladenpackungen mit dem Bilde des Reichskanzlers oder Hakenkreuz- und schwarzweiß- roter Flagge sielen unter das Verbot, während in Seide ge- stickte kleine Fähnchen mit den Reichssarbcn oder mit dem Hakenkreuz, die aufgepackt werden, zugelassen wurden. Auch Papierlampions Mit Hakenkreuz wurden ge- stattet, weil sie zumeist für vaterländische Feiern Verwen- dung finden. In einem Falle wurde auch Briefpapier mit einem Hakenkreuz als Wasserzeichen zuge- lasten, weil e» unausfällig ivat. Partei und Geschalt Das„Hamburger Fremdcnblait" brachte am 10. Oktober diese Anzeige: Tcht., nat. ges. Herren zur Werbung für Partelamtl. Wochenschriften ges. täglich Geld Bevorzugt Pgg., SA.-Männer, Amtsw.j weit- gehcndste Werbcunterstützuna. Vorst, mit AuS- wets DienStag 11 Uhr Rest. Stadthansquelle, Stadthausbrücke 19. Es werden also Leute gesucht, die ihre Parteistellung miß- brauchen, um von armen Leuten Abonnements zu er- pressen! ROstnngs Nalcrfal Berlin, 0. Nov. sJnpreß.) Nach amtlichen Angaben lag die Eisenerz-Einfuhr schon im August dieses Jahres un' 70 Prozent höher als im Durchschnitt deS Vorjahres. Kupfereinsuhr ist um 50 Prozent über den Borjahrsstanv hinausgelangt. Ungefähr ebenso groß ist die prozentuale Steigerung bei Roheisen., Noch deutlicher ist die Feststellung, daß in den ersten am' Monaten bei IahreS 1933 an Roheisen soviel in Deutsch- land importiert worden ist, wie nach dem Einfuhr-Grad von 1932 nur in 21'/, Monaten hatten importiert werdrn dürfen- Der Import von Nickel, diesem typischsten aller Nüstungs- stofte, ist unter dem Regime Hitler-Deutschlands nabeâ" verdoppelt worden. Von 15 488 Doppelzentner in den ersten 8 Monaten 1932 stieg er aui 27 033 Doppelzentner in der gleichen Zeit 1933.... Die Einfuhr von Zclluloscholz. da» zur Herstellung von Schießbaumwolle und allen hoch- wertigen Sprengmaterialien verwandt wird, hat sich Mai dieses IahreS verdreifacht. Werbt für die„Deutscae cremest"! Angestelltenversichcrung Arbeitslosenversicherung Krankenversicherung Arbeitslosenhilfe Lohnsteuer Bürgerst«»« Ehcstandsbcthilfe ArbcttSbeschaffnngsprogramm Bcrbanbsbeitrag Denisflies Tisfflgebet In» Reiche verbreitet Komm, Herr Hitler, sei unser Gast.„«rîprochcn hast. Gib uns ein Zehntel von dem. waS Tu venpr w Unter den verfluchten S° z i a l d e m.o k!?«. Saar-Landesrat tagte Die neuen Verordnenden der Redierunss*oinmis«i.•»•'/".^nten"! "«"i ven verfluchten Sozi aIde raten l^islcsa SS849IB— DI© KOIHIMUliStCn©flftJärtene CaB SI«• Hatten mir manchmal sogar noch à«"ch.» Brat-tz.»»»»««©?©>'»- Aber unter Tir und GöbbelS und Göring fflaS SaargeblCt SN MltHSr»»eUIS«l»»«n»" om» Gibt es nur«erina. serina. Sertnal^ --'V» V UMV vyvvwv»v M»»v"*' — nur Hering, Hering, Hering! ff'r sind klein. Und die Macht ist Dein. Dein ist auch das Reich und die Herrlichkeit mir die nächste Zeit. ^er wir wollen Dir heilig geloben: «n bleibst nicht lange droben da oben. Bald svtelen wir mit Dir.Jüngstes Gericht Und zahlen Dir heim mit vollem Gewicht! Bald werden wir zum Kampfe gchn. Beib hart und stark, ihr«rüder! und keiner bleibe wieder Wie einst auf halbem Weg stehn. Wir danken Dir. Hitler, aus tiefstem Herzensgrund. ï a» uns die leeren Därme qualmen. Frr Hunger hält die Wut gesund. Tie wird Dich einst zermalmen fijjd>n der Menschheit Namen Alle, die mit dir kamen.«,..«» Amen! Der Rote HanS. dsilriiderSer vrlel .„Arnbergs Ruf hat in den vergangenen Monaten ansier- ^deutlich gelitten. Deö Reiches„Schatzkästletn". die«ladt alter deutscher Kultur ist zum Tummelplatz wüstesten Radau- ^"UsemttiSmus geworden. Menschen, die vordem von allen anständigen Elementen gemieden worden find, haben sich i», den Herren der Stadt gemacht. Riesengroß ist der «chaben, den Nürnberg heute schon als Merkzeichen natio- naliozialistischer Herrschast buchen darf. Eine der schönsten Anlagen der Stadt, der Luttpoldhain mit seiner Spring- wntaine und den großen Spiel- und Rasenflächen sur Kinder, ein herrlicher Baumbestand, sind rücksichtslos zer- tort worden, um Aufmarsch- und Zeltlagerplätze für den bationalsozialistischen Parteitag zu schaffen. Oefsentliche Nkalî sind gähnend leer. Niemand hat den Mut, mit seinen Bekannten Unterhaltungen in den Kaffeehäusern zu fuhren, £a, ein unbedachtes Wort unangenehme Folgen haben kann. Nürnberger„Lust" ist ungesund und steht unter stän- aigem Einfluß der„Dachauer Atmosphäre". Neber die„Heldentaten" der Nürnberger Nationalsozia- liste» ist schon viel berichtet worden. Im bunten Durch- einander gibt es Massenverhaftungen von Marxisten und studen. den Mädchen- und Judenpranger. Wenig bekannt ist, daß ab und zu einmal großes Unrecht durch Eingreisen k'Ues auf der äußersten Reckten stehenden hohen Polizei- lunktionärs korrigiert wird. Aber daS ist selten geworden, bcnn allzu sehr darf sich dieser Mann nicht vorwagen. Wenig bekannt wurde auch, daß die Verhaftung des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Luppe sich unter eigenartigen Um- standen vollzogen hat. Hier lag in gcwisiem Sinne wirklich ^wutzhaft vor, denn der damalige Polizeipräsident, der sich ursprünglich geweigert bat, die Verhaftung zu vollziehen, bat sie dann doch durchgeführt, um der SA. des Herrn «.ireicher zuvorzukommen. Herr Garcis, der sich sehr drastisch «ber die Methoden Streicher« geäußert hat, wurde darauf- bin von seinem Nürnberger Posten entfernt und in da? Innenministerium nach München übernommen. In den letzten Wochen sind die Remter„gesäubert" iborden. Auch kricgsbeschädigtcn Ariern hat man den Stuhl bor die Tür gesetzt. Herr Streicher entfaltet auch weiterhin seine„segens- reiche" Tätigkeit. Er hat kürzlich eine neue Methode der Feststellung von Rasiemerkmalen entdeckt. Und zwar ge- 'ckah dies während der Gerichtsverhandlung gegen zwei ^irndorker Kommunisten, die wegen Totschlaasversuck an einem SA.-Mann unter Anklage standen. Forschungsobjekt war ein arischer Anwalt, bellen Art Streicher mißfiel. Seine «Fränkische Tageszeitung" berichtet darüber:„So kann nur ein Jude verteidigen. Die Art erinnert an den Juden Rosenfelder seligen Angedenkens. sNach Pressemeldungen ?n Dachau„gestorben"!. Auch der Frankenlübrer Streicher Nt der Meinung, daß er ein Jude sein muß." Die weitere Behandlung de? Falle? übernahm die Anwaltskammer. Der Mittelstand, der sich in Nürnberg seit vielen Jahren unter besonders„fähiger" Führung betätigte und sich schließlich dem Joch der Nationalsozialisten beugte, macht beute schon ein bedenklich langes Gesicht. Seine Eristenz- niiiglichkcit ist durch die fortgesetzt sinkenden Löhne und Ge- Hölter der Arbeiter, Angestellten und Beamten sowie durch nie rigorose Kürzung aller öffentlichen Unterstützungssätze weiter eingeengt worden. Darüber hinaus nagen die„frei- willigen" Spenden, deren Zwang sich niemand zu entwinden wagt, an den Kräften der Gewerbetreibenden und Klein- bändler. Tie Arbeiterschaft leidet, wie in allen Industriegebieten. ?>e Krise ist hier schärfer als in anderen Bezirken, weil im iiänktschen Industriegebiet mit der Fertigwaren-Industrie öcr Ervort die allergrößte Rolle spielte. Die großen Werke der MAN. und SiemcnS-Schuckert arbeiten mit geringen Belegschaften, ganze Betriebe sind stillgelegt, weil der Er- Port aufgehört hat. Die Metallwaren- und Spielwaren- Industrie kann kaum mehr atmen. BctriebSabwandernng, japanische Konkurrenz und Bonkott sorgen für weiter« Ver- Nnqerung der Arbeitsmöglichkciten. Dt« Arbeiterbewegung kämpft, wte an allen Orten, unter whr schwierigen Umständen. Alle bekannten Sozial- oemokraten und Kommunisten sind in Schutzbast. Wo sich die beiden ReichStagSabgeordnetcn Scknepvenhorst und Dill befinden, Ist unbekannt. Einzelne Tozialdemo- traten, die aus Dachau bereits entlassen waren, hat man wieder geholt. Trotzdem ist e? den Nationalsozialisten nicht llelungen. die illegale Tätigkeit der Marristen zu unter- binden. Die von den Nürnberger Kommunisten bereits seit ->ahren geheim herausgebrachte Zeitung„Der rote Sand- berg" erscheint weiter, ohne daß es bisher möglich war, die Hersteller zu fallen. Auch Flugblätter und Kampfschriften sind unschwer erhältlich und gehen von Hand zu Hand. Hitler* Freund Der Abgeordnete Streicher sagte laut der„Nürnberg- Fürthcr Rundschau" bei der Fahnenweihe der Ortsgruppe Wöürd u. a.: „Zur Judenkrage ist nur zu sagen, daß In unserer Jeit diese Frage eine ganz wunderbare Lösung erfahrt. Warum Hai schon Ehrt st u» die Juden«18 6«*, Satansvolk bezeichnet? Nur. weil er eben- falls erkannt hatte, daß das jüdische B o l k e> n Weltübel ist. Der Frankensührer verucherte dann, daß es für ihn kein Ausgeben des Kampfes gegen das Judentum gebe, denn ein Abweichen von dem bc- schritten«» Wege würde die Erfolge wieder zunichte machen. Mit Stolz konnte Gauleiter Streicher dann sagen, daß in keinem anderen Gau in ganz Teutschland dteies Ne streben in solch vorbildlicher und wirkungsvoller Weise durchgeführt worden sei. als gerade im Frankengau." ,„i> Der Mann ist roh und dumm, aber ehrlich,«ein Freund denkt dasselbe, aber wenn er den Mund zur„Judensrage auftut, lügt er. Saarbrücken. 8. November. Das Auftreten der„deutschen Front" an der Saar gegen die Nichtgleichgeschalteten bat eine Reihe von Vorlagen und Verordnungen der Regierungskommission heraus- gefordert. Mit den ersten beiden Verordnungen dieser Art, und zwar mit der Gesetzesänderung über Verfassung der Handelskammer und einer neuen Verordnung gegen den Waffenmiß- brauch hatte sich die gestrige Landesratssitzung zu be- schäftigen. Wieder war der Zuhörerandrang stark. Als Herr Röchling nach eröffneter Sitzung den Saal betrat, grüßte er mit erhobener Hand, mit dem Faschistengruh, worauf die Kommunisten mit einem kräftigen„Rot Front" dankten. Bei seinem Abgang vor Schluß der Sitzung wiederholte sich die gegenseitige Begrüßung. Auch Zuhörer mochten den schüchternen Versuch, den römischen „Heil-Hitlei-Gruß" im Landesrat obligatorisch einzu- führen. Namens der„deutschen Front" sprach wieder der Mann mit dem. kerndeutschen Namen L e v a ch e r. Seine Rede lief wieder darauf hinaus, den Terror der Nazis im Saargebiet zu beschönigen und die Nichtgleichgeschalteten. besonders aber die Emigranten, zu ver- leumden. Von den letzteren sprach er als von„land- fremdem Gesindel", gegen das er die Regierungs- Kommission scharf machen wollte. Das provozierende Verhalten der Handelskammer, das den Verordnungs- entwurf der Regierungskommission herausgefordert hatte, versuchte er, als durch den Versailler Vertrag gestattet hinzustellen und einen Eingriff der Regierungskommission in da? Selbstdestimmungsrecht zu konstruieren. Von sozialdemokratischer Seite traten ihm und seinen späteren Ausführungen die Genossen L i e s e r, Braun und Petri gegenüber. Genosse L i e s e r nahm sich die„deutsche Front" vor und belegte mit treffenden Zitaten aus der Nazipresse vor einem Jahr die gegenseitige Bewertung der heute in der„deutschen Front" geeinten Parteien. Wie Zentrums-„Separat! sie n", Röchling und Schmelzer dabei abschnitten, bitten wir weiter unte? in der Rede des Abgeordneten Lieser nachzulesen. Genosse Braun wies die unerhörten Angriffe des Herrn Levacher besonders gegen die Flüchtlinge zurück und bewies an treffenden Beispielen, wie der Kurs der „deutschen Front" und der Nazikurs im allgemeinen u n» deutsch sind und das d e u t s ch e S a a r g e b i e t im be- sonderen bedroht. Zur Organisation der Winterhilfe stellte der Genosse Petri eine Reihe Anträge, die besonders eine Er- höhung der Erwerbslosensätze, Kurz- arbei.t erunter st ützung für die Berg- a r b e t t e r und eine g e r e ch t e B e r t e i l u n g der von der Regierungskommission zur Verfügung gestellten Mittel durch Kreis und Gemeinde sichern soll. Hierzu ver- langte er besonders, daß die Regierungskommission dafür Sorge trage, damitin denWohtsahrtskommis- sionen alle Parteien vertreten sind. Die nichtgleichgeschalteten Gemeindevertreter wurden be- kanntlich in vielen Gemeinden durch die Mehrheit der „deutschen Front" aus den Wohlfahrtskommissionen herausgewählt. Auch Petri rechnete mit den terrorist!- schen Maßnahmen der Hüttengewaltigen in Neunkirchen, in Völklingen ab. Dort wird bekanntlich die freigewerk- schaftliche Arbeiterschaft, die sich weigert, den Faschisten- grüß mitzumachen, aus den Betrieben entfernt. Die sozialdemokratische Fraktion des Landesrates stimmte den beiden Vorlagen im Interesse der Beseiti- gung des Naziterrors an der Saar zu. Die„deutsche Front" lehnte die Verordnung der Handelskammer ab. stimmte aber durch den Mund des Abgeordneten Röchling für die Vorlage gegen den Waffenmißbrauch. Die Kommunisten lehnten beide Vorlagen ab mit der Begründung, daß sie gegen alle Verordnungen der Regie- rungskommission seien. Ihr Sprecher, Lorenz, fand aber diesmal es für angebracht, eine Erklärung abzu- geben, nach welcher es die Kommunisten ob- lehnen, das Saargebiet an Hitler-Deutsch- land auszuliefern. Diesmal unterließ es der Ab- geordnete Lorenz, Angriffe auf den angeblichen„Sepa- ratismus" der Sozialdemokratie zu richten. Der Verlauf der Sitzung bewies, daß die„deutsche Front" lange nicht so stark ist im Saargebiet, als sie ihren Nachläufern vorzutäuschen versucht. Die Nazis ver- kriechen sich hinter die ehemaligen Zentrumsführer und Me w rd manlandgeridrispräsMenf Juristerei Nebensache, Kriegsdienst Hauptsache Der„Westdeutsche Beobachter" in Köln|Nr. 279) bringt Bild und Lauf des neuen Pg. Landgerichtspräsidenten W a l- t c r M ü l l e r, der den großen Partctbuchsprung vom simp- lcn AwtSgertchtSrat zum Präsidenten gemacht. Ucber seine juristischen Leistungen wissen seine Gönner beim besten Willen nichts zu sagen. Daun aber geht es los: Seiner Militärdienstpilicht genügte er als Einjährig- Freiwilliger im Westfälischen Jägcr-Bataillon Nr. 7 in Bückeburg, in dem er auch zum Oberleutnant befördert wurde. Den Weltkrieg ma-bte er als Jägeroffizier von Anfang bis zu Ende mit, war mehrmals verwundet Und erwarb sich durch Tapferkeit vor dem Feind das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse sowie zahlreiche weitere KrtegS- orden. Seine drei Brüder sind auf dem Felde der Ehre gefallen, davon zwei, die mit ihm im sel- ben Jägerbataillon standen, als Kompagnieführcr bzw. Arzt a»i demselben Schlachtfeld, während der dritte nach dreimaliger Verwundung als Bataillonsiührer den Hel- dentod fand Auch der Bater war Kriegsteilnehmer gewesen: er hatte den Krieg 187071 mitgemacht und nach der Schlacht bei Gravclotte das Eiserne Kreuz erhalten. Selbst der Vater war Kriegsteilnehmer Der Großvater konnte wahrscheinlich nicht, weil leider von 1815 bis 1R64 kein größerer Krieg ausgebrochen war. Das sind bedauerliche Lücken der Weltgcjchtcht». den Großindustriellenflügel im Landesrat. Seit Be- gründung der„deutschen Front" sprechen sie überhaupt nicht mehr im Landesrat. Die Tarnung„deutsche Front" genügt ihnen öffentlich, sie beschränken sich aber weiter auf das Wühlen und Terrorisieren unter dieser Tarnung. Wir sind gespannt, ob in der nächsten Sitzung sich Herr Baldes zu Wort meldet? Dann wird über die einschneidensten Vorlagen der Regierungskommission zur Bekämpfung des Naziterrors an der Saar entschieden werden: soweit der Landesrot dazu in der Lage ist. Jeden- falls wird die Linke und besonders die Sozialdemokratie das Sündenkonto des Naziverbrechertums an der Saar vor der Öffentlichkeit erneut ausrollen. Ausdcr߀He Lieser: „Der Kamps der Sarregierung gegen die Saarsreihcit" ist ein Artikel des„Saar-Freund" überschrieben. Aehnlich wie ihr großer Führer, nennen sie Terror Freiheit. Freiheit, die ich meine! Hitler sprach auch von der„un- blutigen Revolution", bei der nicht einmal eine Schaufenster- scheide zertrümmert wurde.Jronisch bemerkt hierzu derRedner: Die Schaufensterscheiben wurden natürlich von Kommu- nisten und Marristen, die sich in Httternnisorm eingekleidet hatten, eingeschlagen. Hnnderttauscnde Flüchtlinge sind nur aus Deutschland abgewandert, weil sie das„große Entgegen- kommen" und die„volle Freiheit" des neuen Reiches nicht mehr ertragen konnten. Taufende und aber Tausende wollen nicht mehr ans den Konzentrationslagern, weil sie das dortige„angenehme" Leben nicht mehr ausgeben wolle». Hunderte und Tausende haben„freiwillig ihr Leben" durch „Selbstmord" der neuen Hitlerfreiheit geopfert. Hunderte machen sich ein Vergnügen daraus, aus der„Flucht erschossen" zn werden.„Aber in Deutschland," sagte der große Kanzler, ist nichts passiert." Nax Braun: Zur Rede des Herrn Levacher muß ich die Vorbemerkung machen, daß sie cine einzige Verurteilung der vierzehn- jährigen ètentrumspolitik seit littst gewesen ist. Wenn Herr Levacher den Austritt Hitler-Teutschlands aus dem Völker- bund begrüßt und den Völkerbund als ein„Zerrbild" be- zeichnet, dann muß man doch die Frage stellen: Ist nicht Deutschsand unter Z e n t r n m s f ü h r u n g und st ä r k- st er Regier ungSbeteilignn g des Zentrums in dieses sogenannte„Zerrbild" 1020 eingetreten?! Man muß sagen, baß die Herren mit einer überraschenden W c n d i g k e i t beute verbrennen, was sie gestern noch an- gebetet haben. Allerdings entspricht das ja nur ihrem außerordentlichen schnellen Ucbcrgang vom E h r i si u s- kreuz zum Hakenkreuz. Für Deutschland niöchte man allerdings schon heute voraussagen, daß der Zeitpunkt kommt, wo auch die jetzigen Zentrumsgletchschaltcr froh wären, wenn Deutschland n o ch oder wieder Mitglied des Völkerbundes, ständiges Ratsmitgllcd und gleichbe- rcchtigte Großmacht sein ivürde. Es war noch allezeit leichter, das Porzeüan zu zertrümmern, als eS hinterher wieder zu leimen! iSelir richtig!. Die sehr häßliche» Ausfälle des Herrn Levacher gegen die bedauernsivcrte» Emigranten, die er als„landfremdes" und„lichtscheues" Gesindel bezeichnet hat, weise ich auf das allerentichicdenstc und allerschäriste als eine Ungeheuerlich- keit und bodenlose Geschmacklosigkeit zurück. Die Zukunft wird beweisen, daß sich unter diesen Emigranten ein Teil der Besten der Nation befindet, die Deutschland ge- rade in de» schwersten Stunden seiner Geschickte durch die Schuld Hitlerö fehlen. Darunter befinden sich ja auch Parteifreunde des Herr» Levacher! A» und stir sich verdient wohl jedes Opier der barbarischen Httlerbrntalität das menschliche Mitgefühl, unabhängig von der Parteicinsteüung— aber solche Beurteilungen werden nur dazu beitrage», um uns für die Stunde der Ab- rcchnung und Vergeltung so hart zu machen, wie es n o t w e n d t g sein wird!(Sehr gut.! Herr Levacher hat wieder einmal das„Deutscht»»!" bemüht, das seiner und der Teintgen Meinung nach nur auf ihrer Seite vorhanden ist. Es ist vergeblich, der söge- nannten„deutschen Front" beibringen zu wollen, wie u n- deutsch diese Verengung des Nationalitätsbegriits und seine Gleichschaltung mit irgendeinem Staats- und Rasse- begriff ist. Gerade weil wir deutsch sind, kämpfen wir gegen Hitler und seine Sprengung und Zerstörung der Nation! Deutsch sind die Sozialisten und Kommunisten, die Pazi- fisten, die Demokraten, die Juden usw. in viel besserem Maße als das, waS sich heut« bei SA. und SS. herumtreibt,— aber gerade deswegen zwingt sie ihr tiefer Begriff vom Deutschtum, gegen die hitlerdeutsche Schmach und Schande aufzustehen! Und daran wird keine Macht des Hakenkreuzes irgend etwas ändern, daß wir niemals zulassen werden, daß Hitlers Terror jemals über die Saar die Peitsche schwingt! iBruew!) Sicher ist die Familie Müller ehrenhaft und tapser. Wir ivürde» uns»ich! wundern, den vorstellenden Lebenolani als Empieblung für einen B a t a i l l o n« k v m m a n d e n r z» lesen. Aber für einen L a n d g c r i ch t s p r ä s i d e n t c n? Ueberall„Miesmacher" Der Regierungspräsident von Stockhausen in ArnS- berg gibt bekannt: „Dieser gemeinsame Kampf erfordert Zurückstellung des Eigennutzes, dcS persönlichen Interesse? im Hinblick auf die höhere Pflicht der Allgemeinheit gegenüber. Er darf auch nicht beeinträchtigt werden durch M t e s m a ch e r, N ö r g l c r, G e- rüchtemacher und Denunzianten. Sie unterwühlen die Staatsautorität und sind daher Schädlinge de? Volkes. Ich werde mil allen Mitteln gegen sie vorgehen und diese Leute'notwendigenfalls in Konzentrationslagern erziehe» lassen. .Statistiken" Bei Borsig in T g I ipu d.» bkfev Tage 20» A.beiler ein- gestellt, die jede II Tage nur eine» Tag arbeiten. Tie er- halte» Kurzarbeiterlohn und werben aus den Listen der Er- iverbsiosen gestrichen deutsche Stimmen• föeilage zur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Donnerstag, den 9. November 1933 Das TMtchm Den verdammten Kerl, den Geis müssen wir doch kriegen, daß dem Demagogen nicht wir noch unterliegen! Zehnmalhnnderttauscnd Mann! Ans Soldaten, draus und dran! Ladet die Gewehre! Rettet unsre Ehre! Und sie schießen, wutentbran. selbst sich tot, die Blinden? sie vernichten Stadt und Land Geist— ist nicht z« siuden. Das hier ist die letzte Stadt, hier müßt Ihr ihn fassen! Seht, verwegen hüpft er dort, mnntrr durch die Gasse». Polizei, entwickle Dich! Du ergreifst ihn sicherlich! Ist er Dein geworden, schmücke Dich ein Orden. Geist schaut dort, im letzten Ha. aus dem Erkerstlibchen, lachet die Spione aus nnd schabt ihnen Rübche«. Jetzt entwischt er uns nicht mehr! Jetzt ist er gefangen! Morgen soll der Bösewicht schon am Galgen hangen. Schnell, die Sinsen hier hinaus! Hurtig, sprengt die Türe aus! Greift den Kerl, da sitzt er! Aus den Angrn blitzt er! Geist schlüpft in ein kleines Buch, deckt sich zu mit Lettern: Sicher ist er da genug, wie sie späh'n und blättern! Schließt das Buch und bindets zu! Ohne zu bekennen soll er aus dem Markt sogleich mit dem Buch verbrennen! Richte« schnell den Holzstoß her! Auf Soldaten, ans Gewehr! Lodert, lodert, Flammen! Gott soll ihn verdammen! Wundersame Melodien hört die stumme Menge, und in alle Herzen ziehu diese Zauberklänge. Plötzlich donnerts durch den Damps, wie ein sern Gewitter? lichtumslossen steigt empor draus ein goldner Ritter. Aus Ihr Völker! rufterlaut, aus zum Freiheitskriege! Wer dem ewigen Geist vertrau». De» führt er zum Siege. Moral. Wie sie martern ihn und wie trachten nach dem Leben: Gott der Herr wird nun nnd nie seinen Geist ausgeben. AdolsGlasbrenner(1849). Saids stillet 3teld a t ,Hationale Dcamatucgie In Hitlerdeutschland wird jetzt offiziell soviel von Helden» tum geredet und gekraftmeiert, baß eS Leute von auch nur mittlerem Geschmack längst speiübel geworden ist. Jenen zum Trost soll eine Broschüre für„Nationale Dramaturgie" zitiert werden, die jüngst im Verlag Theatcr-Tageblatt «Berlins erschien und in der ein Herr PaulBeyer demon- striert, wie der neue nationale Held auf der Bühne aussehen sollte: „Der stille Held, dem man's ansieht, wird wieder- kommen... Der lächelnde Held, der seine Wunde nicht zeigt, kurz all die Gegenteile von Maulheld, die stch denken lassen." Gegenteil von Maulheld— die ihre Wunden nicht zeigen, mag sich der Nazi-Dramaturg darüber mit seinen Partei- genossen auseinandersetzen. Da hat man jüngst Röhms brau- ner Garde ein Denkmal errichtet. In der Hitler-Presse ist das zu sehen mit dem Text:„Im Schloßpark von Oranien- bürg wurde ein aus Holz geschnitztes Denkmal eingeweiht, welches einen verwundeten Kämpfer darstellt." Auf dem Sockel steht einer in SA.-Uniform mit verbundenem Kopf. Der Mann kommt uns bekannt vor. Man sah solche Leute ehedem oft an der Spitze von Naziumzügen Reklame lausen. In mehreren Fällen wurde festgestellt, daß die Verbände einen Schwindel verdeckten. Sie rochen nach Karbol, aber die Wunden fehlten. Wenn die Verteidiger des Sozialismus und der deutschen Demokratie mit Verivundeten hätten protzen wollen— zu Hunderten konnten sie damit aufwarten! Hunderte sielen im Kampfe gegen die braune Pest, aber Hunderte wanderten in die Gefängnisse. Jedoch sie machten kein Theater aus alldem. Einfach, in grauen, abgetragenen Windjacken, traten die sozialistischen Formationen an, so oft sie zum Schutze der Freiheit gerufen wurden. Biel« ermangelten der notdürftig- sten Ausrüstung, mit durchlöcherten Stiefelsohlen marschier- ten sie für ihre Sache durch Eis, Schnee und Schlamm, schlecht genährt, arbeitslos die Hälfte, eine graue Masse der Not: Gegenteile von Maulhelden! Die Geschichte wird diesen unbekannten Soldaten der Frei- heit ein Denkmal setzen, und von ihrem einfachen, selbstver- ständlichen Opfermut werben kommende Geschlechter noch künden, wenn braune Denkmäler und verlogene faschistische Heldenbilder längst im Panoptikum als letzte Reste deutschen Mittelalters vermodern. £eU du£uthugeist nach? Auch die JCielec JJieoloqen in Opposition Die Kieler Theologische Fakultät gibt auf Grund einer Anfrage dortiger Pfarrer ein Gutachten zur Frage des Psarr- besetzungsgesetzes vom 5. Oktober 1033 bekannt, in dem es heißt, daß die Bestimmung wie 88 1 und 2 dieses Gesetzes, durch die das RechtderBeru s ungder Pfarrer dem Landesbischos zuerteilt wird, sich mit den evangelisch- lutherischen und den reformierten Bekenntnisschrifte» zum Teil nicht vereinbaren lasse. Denn erstens komme dem evan- gclischen Bischof keine obrigkeitliche Befugnis, k e i n e H e r r- schastsgewalt über die Kirche zu? sein Aufsichtsamt sei ebenfalls ein Amt der Liebe, nicht aber der Gewalt. IHier- zu Hinweis auf die Augsburger Konfession 18, 20—23, 76). Und zweitens, das geistliche Amt sei nicht trotz des allgemet- ncn Priestertums, sondern auf Grund des allgemeinen PriestertumS notwendig. Dieses sei unveräußerlich und un- trennbar verbunden mit der reformatorischen Lehre von der tduacd Sachs £eistung Helen sache Der Arzt, die Großmutter und der Kranke Die„Landesheilanstalt der Provinz Sachsen", Uchtspri»^ lAltmarkj gibt in der„Münchner medizinischen Wochenschau bekannt, daß sie zwei Assistenzarzt-Stellen zu vergeben ha- In dem Inserat heißt es: „Den Gesuchen sind selbstgeschriebener Lebenslauf»' Angabe der Religionszugehörigkeit und politischen 1-' stcllung, beglaubigte Abschriften der Approbation und* waiger Zeugnisse, polizeiliches Führungszeugnis, Lichtv» und Fragebogen über die arische Abstammung beizufügen- Also:„etwaige" Zeugnisse genügen vollkommen, aber m einer„etwaigen" Großmutter ist es natürlich nicht getan, d> Ahnfrau muß niet- und nagel-, stich- und hiebfest sein. Erst kommt die Großmutter, dann die Gesinnung— und ganz zun» Schluß der Patient, der ohnehin aus patriotischen Gründen baldigst im Grabe zu verschwinden hat. £iehe mich mit dec Sieelz oder ein wenig Konzentrationslager Der Leiter der Fachschaftsarbeit und des Amtes für Wisse»" schaft der Berliner Universität, Schumann, schreibt in Nr- 13 der„Berliner Hochschulzeitung":. -Bon der zmangsmäßigen politischen Erziehung llieS- Nazisierung) wurden tm vergangenen Semester so» Studenten im ersten bis dritten Semester ersaßt..-.' Leider ist festzustellen, daß ein großer Teil derselben su? gegen unsere Weltanschauung ablehn5?. verhält. Sollten diese, trotz unserer eifrigen erzieht' rischen Tätigkeit, ihre Einstellung nicht bald ändern, m werden wir gezwungen sein, m i t d e n s ch ä r f st e n u n^ zur Verfügung stehenden Mitteln gegen 1 te vorzugehen." Herr Göbbels hat seinerzeit verkündet, daß die N«DAlj es sich zur vornehmen Aufgabe stelle, die„Seele des Volkes für die nationalsozialistische Weltanschauung zu gewinnen- Man sieht, welche angenehmen Mittel hierbei angewendet werden. Ufa mit dem Sowietstecn „Bolschewistischer" Bauernfilm* Der Reichsbauernführer Darre hat das Verbot eines Bauernfilms der Ufa„Du sollst nicht begehren" veranlaßt- Nach der offiziellen Erklärung Darres ist die„Hauptfigur- der junge Erbbauer Soerk, der Typ des bolschewistischen Menschen von der Art des Brandstifters van der Lübbe." Daß das Werkzeug Görings, van der Lübbe, kein Bolsche- wist ist, weiß alle Welt? daß aber der Geheimrat Hugenberg- Hitlcr-Minister a. D. und Beherrscher der Ufa,„bolsche- wistische Filmtendenzen" hat, erfährt die Welt aus dew Munde des Herrn Bauernftthrers Darre jetzt zum ersten Male. Jicoupiecs mit dem 2Cakenkceut- daß eine besondere Schule für deutscht Kroupiers errichtet werden soll. Heute müsse an» Roulette in Baden-Baden leider noch französisch gesprochen werden. Aber trotzdem habe der Spielbetrieb so lebhaft ei»- gesetzt, daß„mehr Roulette ausgestellt werden mußten, un» den Andrang der Spieler zu bewältigen". Gespielt wird um Beträge von 2 bis 1000 Mark.„Man eilt," schreibt die sorglose Nazizeitung,„fort vom Spieltisch, die einen hinaus in die kühlende Herbstlust, die andern hin zur Bar im benack- harten Blumensaal, wo zahlreiche Erfrischungen winken- und man sich bald fröhlich, bald resigniert zutoastet." Rechtfertigung allein aus dem Glauben. Luther und Melanchton hätten aus dem allgemeinen Prie st er- tum drei Rechte der Gemeinde gefolgert: das Recht über die Lehre zu urteilen lAugsb. Kons. 1,1), das Recht, den Pfarrer selbst zu berufen lLuthers Tractatus über die Macht des Papstes 8 67) und das Recht, Einspruch gegen Lehre und Wandel und Gaben eines Berufenen geltend zu machen. Ins- besondere wendet sich das Gutachten auf Grund dieser Dar- legungen gegen die Bestimmung des genannten Gesetzes, daß ein Einspruch gegen eine vom Landesbischos vorgenommene Berufung unzulässig sei? aber auch die uneingeschränkte Be- fugnis des Landesbischofs selbst unterliege aus Grund der reformatorischcn Lehre starken Bedenken. Dieselben Grundsätze der reformatorischen Lehre werden auch auf das neue lanbeöbischösliche Recht angewandt, Pfarrer zu ver- setzen und zu beurlauben. Titan jccudt ihm die in}ahczehnten.gesammelten JCunstschätze... Im„Deutschen Reichsanzeiger" und„Preußischen Staats- anzciger" ist eine Bekanntmachung des Geheimen Staats- polizeiamts veröffentlicht worden, wonach das Vermögen des Schriftstellers Eduard Fuchs und seiner Ehefrau, die jetzt im Auslande leben, aus Grund des Gesetzes über die Ein- zichung kommunistischen Vermögens in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung staats- und volksfeindlichen Ver- mögcns zu g un st en deS preußischen Staats ein- gezogen worden. Hinter dieser sachlichen Mitteilung verbirgt sich«in Hitler- amtlicher Raubzug der selbst in diesen an Exempeln so reichen Ronaten seinesgleichen sucht- Eduard Fuchs mar mehr als dreißig Jahr sozialdemokratischer Redakteur. Später wandte er sich von der aktiven Politik ab und trieb kulturhistorische Studien, deren Frucht eine Reihe viel gelesener, auch in der Samilie tintopf Welt der Wissenschaft anerkannter Schriften war. Er besaß eine der größten internationalen Sammlungen politischer und gesellschaftlicher Karikaturen von außerordentlichem Wert. Seine mehrbändige„Geschichte der polt- tischen Karikatur" gehört zu den bedeutendsten Werken auf diesem Gebiet. Sie wurde von Interessenten und Kunst- licbhabern geschätzt und benutzt. Daneben aber hatte Eduard Fuchs eine große Sammlung von Gemälden und Zeichnungen des großen französischen Malers und Karikaturisten Honore D a u m i e r, um die ihn die Museen in der Welt beneideten. Eduard Fuchs hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß er politisch wie weltanschaulich zur radikalen Linken gehörte. Nun hat der Httlersche Raubstaat die süße Rache an Eduard Fuchs erfolgreich mit dem Diebstahl von Kunst- nnd Kultur- werten verbunden, deren materieller Wert in die Hundert- tausende geht. Eine Szene, die der zwangsweise gleichgeschaltete HanS Rei- mann nicht geschrieben hat.... OrtderHandlung: Eine spießbürgerlich eingerichtete Wohnung irgendwo in Sachsen. Das Eintopfgericht dampft auf dem Tisch. D e r V a t e r:'choffe, Ihr seid Euch a l l e der Bedeidung der Schdunde bewußd? nicht alle Dache hammir das Glück, midn Oeberschden der Nadsion aus een Dobb ze essn. Baul» schürf nich so. Die Mutter: Nu, de dusdja gerade, als ob mir an de» annern Dachn aus zehn Debbn essn dädn. Der Vater: Das is egal. Feierdach is Feierdach. Der Führer wills eso un damit bastda. Baul, mach nich so» Grach bein Essn. Die Mutter: Nu, wenn Feierdach iS, da freßd Ihr imine» zeviel. Fordn Garl muß ooch noch ewas iwrich bleim. Paul: Wo tßn der Heide? D e r V a t e r: Der had Heide Dienst beidr SA. Der had scho» gesdrn ahmd gesaachd, daßr Heid s EK. kriecht. Paul: Was meendn der drmit? D e r B a t e r: EK., das heeßt Essenkontrolle. Der muß Heid« den Leidn indn Dobb guckn, obse ooch bloß alle een Gang ham. Die Mutter: Nu, da wird der awr derwechn hibsch» Hunger ham, wenn der von der Essengondrolle heem- gommd Und Ihr, Ihr freßdn alles weg! Der Vater: Nu. warum machsdn nich mehr von der Ge- lumbe? Die Mutter: Nu, warum gibstn mir nich mehr Wird- schafdsgeld? Der Vater: Nu, wer habmr denne s Gehalb abgebaut? Die Mutter: Nu. wer wardn der greeßde Nazi tndr Familche un had immer gesachd, wenndr Hidler gommd, wird alles besser? Nu mußde de Suppe ooch auSleffln. P a i» l:'S is doch gar keene mehr da! Die Mutter: Nu, du maderialisdscher Briezl, daS middl Suppe, das meench doch bloß simbolisch Pariser Berichte Pariser SlraflenKalcnder finden in Paris die großen Zierlichkeiten sl»g.?°ttenstillftandstagcs statt. In der Comed.e Française ""°-t an diesem Tage«msonst eine Matinee von„«Eternelle vreience" statt Auswahl der Bewerberinnen für die„Mademoiselle Paris 1984" soll am 17. November, 16 Uhr. 7k Avenue des »^"ê Elqsees stattfinden, die endgültige Wahl am 16. De. V" bei einem Wohltätigkeitosest für die Kinder. DaS ^äimiln-itsbüro" für die Wahl ist S, Boulevard des J* ia 1« tn bereits Fälschungen der neuen Mckel-6- ^""ken.Stllcke aus. Die Seite, aus der sich die Zahl S b«. «?î' i*"«s den Fälschungen undeutlicher ausgeführt. Der »»?i C„ ftron* ist aus der linken Seite der Fälschungen oben I?. dick, während ans der rechten Seite z« wenig Metall ist. ?i'hlinien an der Kante sind schlecht herausgekommen «nd fehlen«eilweise ganz. CV* fto« îrorabero fand die Ziehung der National.Lotterie vsdy Uagberüli iisrlien Der Kaspar Hauser von Brabant ^Der Aufenthalt des Fliegers Lindbergh und setner in Paris und ihre Abreise nach Amsterdam haben viele Intasien über den Diebstahl ihres Kindes entstehen lasten, neueste Entdeckung ist das^Linbbergh"-Kind von Bel- »«ber kleine Kaspar Hauser der Familie Vandenbosch m Maleves-Sainte-Marie. -Lie Geschichte dieses Kindes, zu dem bereits eine Kara- wane von Autos und Wundergläubigern zu Nad und Fuß heranzieht, beginnt damit, däst ein Priester auf ein «doptionsgcsuch in einer Zeitung vor zwei Monaten diesen wunderschönen Knaben brachte. Das erste Wunder war, daß °rr Klejne, obwohl der Priester behauptet hatte, er spräche iiur Deutsch, Englisch viel besser babbelte und Deutsch nur sm stotternd. Zweites Wunder: wenn man das Kind fragt: »Wo sind denn deine Eltern?," sagt der Junge:„Ich weiß es nicht." „ 5etzt ist glücklich auch ein Privat-Dctektiv dazwischen, ein normaliger Poltzeibeamter. Dieser hat an der Hand von Maisonnette des Comédiens Russes Erstklassiges Rcstaurant-Cabarct. Normale Preise RAPHAEL(... monico), NASTIA POLIAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr). Soupers(bis 3 Uhr) 36, RUE VIVIENNE(BEI BOURSE) PARIS. BRILLANTEN PLATIN. GOLD. SILBER KAUET 4t, RUE DE CHATEAUDUN Tel. Trud. 50-40. Métro Cadet ALEXANDRE WILK Deinste jüdische SelchwaceH* und lOienee tBächecei Qeschäfte JUuis 58. AVENUE WAGRAM, T.l. C.mot 27-83 58. RUE DE PASSY, T.l. Aui.uil 33-61 Damcnsrfineiifcr J. Mastchenko I, Rua du Ma.ehS Si. Honoré.« Tal. Opéra 71-74 Kl.ldsr, Mintal, P.lxa. Um-rbattg., Raparlarun. Um mVbM.rt oder nicht mÄbllart mieten Um Grundstück oder Ba-miom» kanten De am besten orertierte Agentschaft illUlLILl Bouevaid Maenherben. Part. 18) IUI DE P 31. 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Am nächsten Morgen fällt ein Wilddieb bei vollem Werk im Gemcindcwald dem Jagdwächter in die Arme. Der Landgendarm sieht ihn an, kramt in den Taschen: daS ist der Louis T e s s i e r, ein Hcrumstrolcher, ein toller Bursch von 24 Lenzen, ist vor zwei Jahren in Afrika von seinem Bataillon desertiert, hat 18 Monate dafür auf dem Buckel. Das Gewehr ist im Schlosse von Cornouillers gc- stöhlen, das einem Herrn Tchnecbcrg in Parts gehört, ein Fenster war in Abwesenheit des Wärters eingedrückt, und jemand hatte sich auch von den Borräten gelabt. Nachdem dies heraus war, fuhr der sindige Borort-Schutz- mann mit Tessicr, dem Handfesseln an die Gelenke gelegt waren, in die Norbkneipe. In der Nähe der Stelle wurde der Gefangene blast, war einer Ohnmacht nahe.„Fällt Dir hier nichts auf?", fragte der Gendarm.„Nichts," zögerte der Gefangene. „Schau hin. Da hast Du doch ein Ding gedreht. Stell Dich doch nicht dumm. Da hast Du doch eine Frau um- gebracht. Ich iveist doch." Tessicr senkte das Haupt. Seine Augen suchten hin und her, seine Lippen bebten:„Ja, ja, ich binS gewesen, ja, daS Mammnfs am Kanal In der Gegend von Dieppe hat man im Walde von Argues sieben Meter unter der Erde zwei Nicscnzähne gefunden, die zusammen 14 Pfund wogen und lö Zentimeter lang, 8 Zentimeter dick waren. Der Prosessor Gucrard von der zahnärztlichen Hochschule in Paris stellte sest, öast es Mammutzähne sind. Pllslingaett vor Gerldif Die berühmte Mistinguette, die so oit aus der Szene der Welt des Scheins stand, hat dieser Tage ihre erste Rolle vor Gericht gegeben. Sie wurde im Justizpalast über die Freunde des ermordeten Du freinte, des Nachtbar» und Revuckönigs vom Montmartre, vernommen. DaS Verhör dauerte"/« Stunden. Mistinguett hat allerhand Äufklä- rungen über die Freunde Dusrennes in Cannes, Nice, Saint-Tropez und Paris gemacht sowie über das Milieu, in dem er verkehrte. Der GerichtSdtcner rief Mistinguett abends um 6 Uhr in der zweiten Galerie unter ihrem Bürgernamen: Jeanne Bourgeois auf. 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U Offert, an die OotchSftitteHe der„Deuftchen Freiheit" Saarbrücken unter Nr. 794 Fotos des LindbergH-Tprossen eine überwältigende Aehn- l'chkeit des Zöglings von Mutter Vandenbosch mit dem an- üeblich in Amerika von Gangsters Ermordeten festgestellt,' vielleicht ist also das Lindbergh-Baby gar nicht tot... Hat £>cht auch der bei dem Schuster in der Lehre befindliche Dauphin gls Uhrmacher in Deutschland weiter gelebt, ist '"cht dem falschen Demetrius, SmcrdiS, Waldemar Aehn- "ches widerfahren? Die Arme des kleinen Jungen in dem brabanter Neste hängen wie die des Papa Lindbergh herab, auch daS Lachen und besonders die Ohren scheinen dem belgischen Sherlock Holmes ckiarakteristisch. Das Ohr, merken Tie wohl, ist nämlich »er einzige Körperteil, der sich während des ganzen LcbcnS nicht wesentlich verändert. Die Ohrläppchen und die Ohr- Muschel, das ist ganz der Papa! Dann noch ein wichtiger In- diz: das Lindbergh-Kind spielte gern mit hochspringenden Bällen, und, o Wunder, dieser Knabe auch! Lindbergh bat in Holland ein Telegramm und einen langen -«rief der Entdecker erhalten. Offenbar handelt cS sich nun um eine neue Qual des Vielgeprüften, der, wenn etwas an dem nur wenige Autostunden von Holland aufbewahrten Kind dran wäre, sicher hingeflogen wäre!— war ich." DaS Auto hatte kaum drei Minuten vor dem „Ami Leon" gehalten, als dies Geständnis kam. Der Wagen fuhr zurück, durch Schlamm und Regen, aufs Rathaus. Der Geliebte der„schönen Marinette" ist da und will sich auf den Mörder werfen. Tessicr, der fast unbeweglick, im Auto gelegen hat. sagt: „Ich hatte drei Tage lang nichts gegessen. Ich wollte in der Kneipe ein Stück Brot haben, die Frau gab mir nichts. Da ging ich raus und kam mit einem großen Stein wieder. Sie schrie— ich schlug sie einmal auf den Kops. Tie siel mit dem Gesicht zur Erde. Ich gab ihr noch zwei Schläge mit dem Stein. Dann kramte ich schnell im Schrank herum und raffte 4«! Franken an mich." „40 Franken,— nicht 7000? Man vermistt 7000." „40 Franken, nur 4 Zchnfrankcnscheine. Dann ging ich ohne groste Eile wieder fort und versteckte mich in einem Gebüsch, wo ich die Nacht abwartete. Dann strolchte ich wieder los." Nach diesen Worten schwieg der Unglückliche stumpfsinnig. Man brachte ihm Suppe, eine Zigarette. Er löffelte, er rauchte. Mehr war nicht aus ihm herauszubringen. Tessicr wurde nach Pantoise ins Gefängnis eingeliefert. Der Geliebte der„schönen Marinette" sah sich den Finder des Mörders lange an, dann umarmte er ihn weinend.— Wer hat die größten Eichen? Eine dreißig Jahre dauernde Bestandaufnahme der tausendjährigen Bäume, die der Sachverständige Gadeau de Kerville in der Normandie vorgenommen hat, ergab» dast diese fruchtbare und an schönen Bäumen überreiche Provinz Frankreichs berühmt durch ihren Apselwein, den „Cidre de Normandie" nicht weniger als 08 mindest tausendjährige Prachtexemplare von Bäumen besitzt. Die Mehrzahl dieser Tausendjährigen sind Eichen und Taxusbäume. Eine Riesenelche in Allouville- Bcllesossc bei Le Havre ist mehr als 1200 Jahre alt und enthält in ihrem Stamm zwei übereinander liegende Kapellen, in denen zweimal im Jahre die Messe gelesen wird. Diese Eiche, deren Stamm kaum neun Männer umarmen können, dürste wohl die st ä r k st c t n Europa sein. Die Regierung schützt sie als historisch. Zwanzig Personen finden kaum Schutz in einem Riesen« taxns aus dem Friedhos von Menil-Ciboult im Departs- ment Orne. Dieser Kolost soll 11500 Jahre alt sein. Vielleicht nach bejahrter ist der TaxuS auf dem Friedhof von NicorpS bei CoutanceS, dessen Schatten Schuh bietet für eine ganze Gemeinde. OASIS BAR. RESTAURANT- DANCING Tagesgerichte von 4-7 Frs. Russisch- Französische Küche Offen Tag und Nacht Neue Direktion gegenOb Conrole Montparnasse, 47, r.Vaoin, Tel. Danton 87-98 PARIS-ETOILE s 6, RUE D' ARM AILLE CHEZ KIRKfLOFF Berühmt durch seine vortreffliche Küche u. sein« Spcaialitüten. Stark besucht von deutschen Güsten | Téléphone Etoile 52-49| EI LI GI Mit gr. Rabatt wird Wohnung abgetreten. 6«, Avenue Fellx-Faure. Sonnenseite, 4 Zlm., großer Eingang, Mädehenzlmmer. Ganz r Komfort. 8ad mit heiß. Wasser. 31c* erkundigen von O bis 13 Uhr. TEL. VAUQ. 38*70 Das risdtweib und der Staatsaufseher Ein Fischweib in einer der berühmten Hallen zu Marseille hat fürchterlich über einen StaatSausscher losgeschimuft, der ihre Kaltblüter kontrollieren kam. Heißblütig fuhr sie über den Diener der Staatsorgane los und gab ihm alle Namen, die am Mittelmeer im Schwünge sind. „Es war furchtbar." sagte der ramponierte Beamte vor Gericht,„und ich hatte ihr doch bloß gesagt, daß ihre Fische nicht mehr für die menschliche Ernährung tauglich scheinen." „DaS waren Ihre Worte— so gebilbc!?" „Nein, Herr Präsident, ich sagte bloß:„Hör mal, Angele, dein Fisch ist nicht mehr frisch." Urteil? Na, was wohl? Freispruch. Denn:„Mit Rücksicht daraus, daß die Fischhalle keine Akademie der Wissenschaften ist und dast das Duzen zu geivtsscn Freiheiten der Sprache verleitet, wird die Angeklagte für unschuldig erachtet...." Ach Gott, was wäre wohl im„dritten Reich" geschehen? Steht nicht schon auf dem bloßen Anblerren eines Uni- formierten Zuchthausstrafe? Wie sagte doch heim seligen Glasbrenner die Gemüsefrau: „Ick sage ja kan Wort, Herr KommissarjuS." Antwort:„Halt Sie s Maul, Sie räsoniert inwendig."— Davon sind wir nun wieder bald nicht mehr weit entfernt. Liehen Pässe auf einmal Auf den Gasten des Berges Montmartre ging eine viel- fettige Persönlichkeit der Polizei in» Garn, ein 38jähriger Mann namens Placide La Balle, italienischer Herknnst. Man land bei diesem nächtlichen Besucher der Montmartre- Höhlen nicht weniger alo mehrere Kilos Kokain und eine ganze Ausstellung von Pasten: drei Militärbücher und vier Ztvtlpäste, die alle gestohlen waren. Der Italiener schwor, diese Schätze stir 111 Mille von seinem Freund Henri, dem großen Unbekannten, gekaust zu haben. Der gefährliche Rauschgisthändlcr, der bereits st Monate wegen Klauen» und Koks abgemacht hat, kam erneut in die Untersuchungs- zclle. Schnee in den Alpen In den Baiies-Alpe» ist viel Schnee gefallen. Die weiße Decke liegt 50 Zentimeter hoch. Zahlreiche Wagen mußten mit Schncepslügen auf Motoren freigeschaufelt werden Die Züge von Grenoble nach Nice erlitten fünf Stunden Ber- spätung. In Paris siel die Temperatur auf 2 Grad in der Nacht, auch am Tage war es sehr kalt. Aus dem großen HerbstpreiS Aitteuil wärmten sich die Wettenden und Zuschauer in rwartuna deS siegreichen.Prince Oli" die Glieder' an eisernen Oesen, den sogenannten Braseros Die Grippe geht stark um. Nach Mitteilungen unseres ärztlichen Mitarbeiters handelt cS sich aber meist um gut- artige Fälle, die nach zwei Fiebertagen ohne Gefahr sind. BRIEFKASTEN Geist! Bierzehn Tage war das nationalsozialistische„Saarbrücker Abendblatt" Um Berlage der Ftrma Gebrüder Hoser, die sich llliS Hofer freies nannten) oon der NegierungSlommissio» verboten. Am DtenStag ist es wieder erschienen. Zu seiner eigenen Be- gtstgung bcdlchtet sich dad Blatt mit diesem Ber»: Heil Hitler! Hurra! Wir sind wieder da. Tie geistig-selige Wiedergeburt des deutsche» Bolkcd unter de» Führers Fahne verspricht nicht immer solche genialische Funken. Bostische Zeitung. Al» Fnschrist auf da» Grab Ihrer an gleich- geschalteter Pangeweile verschiedenen Abendausgabe wähle» Li« Goethes Wort:„Wer hatte auf deutsche Blätter acht, morgend, Mit- tag, Abend und Mitternacht, der witr'»in all seine Zeit gebracht." So heißt c» in Goethe»„Zahmen TeNlen". Sie halten auch«in andere» Goethcwort zitieren können, da» die gleichgeschaltete Prep« vr rauszuahnen scheint:„Wenn man einige Monate die Zeitungen nicht gelesen hat und man liest sie alsdann zusammen, so zeigt sich erst, wieviel Zeit man an diese» Papiere» verdirbt."$» gentigt« vollkommen, wenn die gleichgeschaltete Prcge einmal monatlich erschiene, v« Ist ja doch immer dieselbe malte Limonade. Emigriert« Hebamme. Tie teilen un» mit, dast die Geburtenzahl I» Berlin im August 1038 um 13. v. H. höher war al» im August «S3»nd bitten un», um Irrtümer zu vermeide», festzustellen, daß das Verdienst an dieser Belebung noch dem Reichskanzler Schiel» cher zusteht und nicht dem Reichskanzler Hitler. cslo. Auch Ihnen danken wir fstr die Mitteilung über deutsch« nationalsozialistische Agitation in Norwegen. Sic fragen, ob da» nach dein Berbot durch Hitler nun aufhören werde? Da kennen Sle nationalsozialistische Schwüre schlecht. Aachen. In dem Prozeg wegen der„Srniordnng" eine» National» sozialtsten wurden zwei Angeklagte freigesprochen, aber so- sert ins Konzentrationslager abgeführt!— Rechtsstaat Deutsch- land! H. M., Paris. In einem Bericht über ein Tportsest de« Strahen- bahnervereln« in Frankfurt a. M. heißt es: Sie begreifen nicht, ivarum ein Ttragknbahnschaffner mit Hand- granaten werten muh? Sonderbare Frage! Wat soll er denn tun, winn ein Marxist einsteigen will? Mit Ausrüstung hat daS nicht» zu tun. Düsseldorf: Wird drangen immer noch geglaubt, daß et in Hitler-Deutschland keine offizielle Judcnhctze gibt? Sie geben»nt ein kennzeichnendes Beispiel. Am sogenannten Erntedamscst zog durch die«trage» einer wcstdcutsdicn Grogstadt ein Umzug mit vielen Wagen und Figuren. Unter anderm sollt« der Weg vom Erzeuger zum Berbraucher in Westalt einer Pyramide dargestellt werden. Dabei vergag man den Zwischenhandel nicht. Wie wurde er symbolisiert? Man steckte einen Nazi in einen schwarzen tltastan, pappte ihm eine krumme Nase ins Gesicht, hing ihm recht» und link» Schltlfenlthkchen an und lieg ihn wilde Tänze auf dem Wagen verführen, wa» ihm jubelndes Gelächter de» angeregten Publikum» eintrug. Alle» geschah unter dem breit hingemalten Kennwort: „Der Jude hat den Profit.— Diese sinnige Zelle sollte vermutlich andeuten, batz Bauern und Kleinhändler sich vom Dank vom Hause Hitler ernähre» können. Staatliche ratterposten ihr SA. Hunderte neue Gehaltsempfänger ohne Befugnisse— Amtliche Denan zlaiionsstellen— Die Despllze>ung des ganzen Voihes Rausch zu Ende... Berlin. 7. Nov. Wie der Amtl. Prcnß. Pressedienst mit- teilt, hat Ministerpräsident Göring im Einvernehmen mit dem Chef des Stabes des obersten SA.-Führers und der Reichsleitung der NSDAP, bei den preußischen Regierungs- stellen TA.- und SS.-Führer als Tonderbevollmächtigte des obersten SA.-Führcrtz aufgestellt. Bei den preußische» Regierungsstellen wurden daher SA.- und SS.-Führer aufgestellt werden als Sonderbcvoll m ächtigte des obersten SA.-Führers entsprchend den Tondcrkommissaren bei der seinerzeitigen Errichtung der Hilsspolizei. Ter Chef des Stabes des obersten SA.-Führers bleibe als Stellvertreter des obersten SA.-Führers ober st er Bevollmächtigter für Preuße n. Mit seiner Stellvertretung seien Sonderbevoll- mächtigte des obersten SA.-Führers beim Staatsministerium, bei den Obcrpräsidenten der Provinzen und dem Re- gierungsbezirk Hohcnzollern beauftragt. Die Ernennung erfolge durch den Stabschef. »Die Sondcrbcvollmächtigtcn", so heißt es in dem Erlaß weiter,„erhalte« zu ihrer Unterstützung Sonderbeauftragte des obersten SA.-Führers bei den Regier» ngspräsi- dent en laußer Hohenzollcrnl und bei den Landräten. Die Ernennung der Sonderbeauftragten erfolgt durch die ihnen übergeordneten Sonderbevollmächtigten selbständig. Nor beratend Tie Mitarbeit an der staatlichen Verwaltung ist ledig- lich beratend und anregend. Ein Eingreifen in den Dienstbereich der Behörden ist unzulässig, stalls bei dem Zuständigkcitsgcbict der Selbstverwaltungskörper Wahr- nchmungcn gemacht werden, die zur Sprache gebracht wer- den müssen, haben die Sondcrbcvollmächtigtcn und Sonder- beauftragten die weitere Veranlassung den politischen A m t stet tern d e r N S D A P. zu übergeben; umgekehrt haben diese Amtsleiter entsprechende Wahrnehmungen, die sie bei staatlichen Verwaltungen machen, den Sonderbevoll- machtigten und Sonderbeauftragten mitzuteilen. Ein Ueber- griff in ein fremdes Arbeitsgebiet ist unzulässig. Der Aufgabcnkreis umfaßt Mitarbeit mit dem Leiter der ReHörde in allen fragen, betreffend die Ausrechterhal- «? J, r öffentlichen Sicherheit und Drdnung sowie be- züglich staatsfeindlicher Umtriebe. ckwa auftretende Mängel hinsichtlich des guten Willens der Beamten, im nationalsozialistischen Sinne zu arbeiten, desgleichen bei Verzögerungen oder nicht nnngemaßer Befolgung von Erlassen.— Schlichtung von Reibungen zwischen den Behörden und SA.- und SS.-Dienst- stellen, Abstellung von Uebergrisfen oder Sonderaktionen. Ein Eingreifen in die Verwaltung ist ihnen untersagt; sie haben keinerlei Befchlsbefugnisse gegenüber den Behörden und Beamten. Dagegen ist Verständnis und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Beamten und Behörden— und zwar gegenseitig— erforderlich. Zu ihrem Ausgabenkreis gehört ferner die rechtzeitige Veranlassung zur Verbinde- rung des Au, le be n s aufgelöster Parteien und Verbände, auch in getarnter Form. Mr Versammlungen, die verbotener Tätigkeit verdächtig erscheinen, haben sie die Beobachtung durch die politische Polizei anzuregen: des- gleichen bezüglich Einziehung von Waffen und Ablieferung eingezogener Waffen. Erforderlich erscheinende Haus- suchungcn und Verhaftungen beantragen sie bei der poli- tischen Polizei. Eingriffe in die Wirtschast, Abfetzen von Beamten fz. B. Bürgermeistern), Bereinsvorständen, Einsetze« von kom- mistarischen Vorständen usw. und die Mitwirkung bei solchen Handlungen sind verboten. Wird das Ansehen des Staates und seiner Vertreter von irgendeiner Seite an- gegriffen, so ist der Sonbcrbevollmächtigtc oder-Beauftragte des obersten SA.-Führers verpflichtet, ohne Rücksicht auf An- und Verkauf centraleuropä schar und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles 8 P. Miche! 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 Kater beginnt München, 8. Nov. Der Stellvertreter des Füh- r e r s hat folgende Anordnung erlassen: „Im Hinblick aus den großen Ernst der Entscheidung, vor die das deutsche Volk am 12. November gestellt ist, wird hier- mit angeordnet, daß die Wahlagitation sich in den würdigsten Formen zu vollziehen hat- Darüber hinaus sind nach dem sieg- reichen Ausgang der Wahl F e t e r n zu unterlassen. Das Ergebnis wird für sich selbst wirken. Ich benutze diesen Anlaß, darauf hinzuweisen, daß die Zeit des Feiern s der nationalsoziali st is chenRcvo- l u t i o n und ihrer Führer als abgeschlossen zu betrachten ist. Alle Kraft ist aus die Arbeit zugunsten des neuen Stantcs zu vereinen. Dem Wesen des nationalsozialistischen Staates ist besonders in der Periode seines Auf- times dadurch Rechnung zu tragen, daß jeder einzelne Ratio- nalsozialist und insbesondere alle nationalsozialistischen Füh- rer sich größter Einfachheit und Sachlichkeit im Austreten und in der Lebensführung zu befleißigen haben... Untersagt wird: das Veranstalten von sogenannten Fest- estcn und die Teilnahme au solchen. Untersagt werden; Spazierritte im Dienstanzug oder Braunhemd. Uebertrei- bnngen in der Ausstattung und Verwendung von Dienst- räumen, Dienstwagen und dergleichen." Im Großherzogtum Luxemburg sofort zu vermieten (Eisenbah gelegen Luxemburg-Land, Bahnstation NXecker linie Luxemburg-Trier) in 20 km Entfernung von -Stadt mit Garage und Komfort(ohne Zentral» ir bessere Familie. Ruhigste, gesundeste Lage, e Bedingungen. Sich wenden an: SCIIM.T, DAlIIDIhClt T. UJXEHB««® In einet au blühenden Lothringer Industrie» und(jarnisonstadt ist wegen besonderen Umständen e n gutgehendes Kino p-ei^wert zu verkaufen Angeb a d. . De itsche F e hett' unt. Nr IC02 Auch die ,,Kle in* Anzeige" I" der „Dautsshen Frei- helt' or'ngi E r,0,g Japan,sdi russischer Zwischenfall in der Mandschurei japanische Militärslugzeuge über russischem Gebiet Moskau, 9. Nov. Ein schwerer russisch-japanischer GttNH Zwischenfall wird von amtlicher russischer Seite aus Wlam- Wostok gemeldet. Danach haben am Freitag a che japanische Erkundungsflugzeuge und ei» Bombenflugzeug bei Wladiwostok die russische Grenze und dreißig Kilometer russischen Gebietes überflogen.-Da die russischen Berichte dies die schwerste von allen bisherigen Buch h a Herstellung Korrespondentenplatz durch Inferesseneinl ge von je 50000 belg. Fr. in seit lang. Jahren bestehend Marmorunternehmen Groenendaal Bruxelles. 15. Bid Lambermont Selbständige leitende Stellung mit Kapitaleinlage von belg. Fr. 25000 ohne Risiko. Angebote: Electro, 22, rue du Cadran Brüssel Französischer Unterricht bis zur letzten Perfektion. Individuelle RAPIDKURSE für die einzelnen Berufe. 73 ytlonatt. fiel û- Professor ifpirgafis BRUXELLES, (Jard. 7, rue Traversiez Botan), Telefon 17 98 30 i Spanien gegen Göring Auch die spanische Regierung läßt sich die Ausbrüche des Morphinisten nicht gefallen Berlin, 8. Nov. Nachdem sich die deutsche Regierung halb- amtlich schon bei Rußland wegen Entgleisungen G brings vor dem Reichsgericht entschuldigt hat, scheint sie nun auch noch gegenüber Spanien Abbitte leisten zu müssen. Dem Vernehmen nach wird auch der spanische Botschafter in Berlin beim Auswärtigen Amt Verwahrung einlegen gegen die Auslastungen Görings, der in seiner Zcugcnaus- sage beiläufig bemerkte, daß der letzte spanische Aufstand, der zur Gründung der Republik führte, nicht ein geistiges Ringen der Gehirnkräfte gewesen sei, sondern daß dort der Mord, das Verbrechen in schlimmster Form getobt hätten. französische Natlonalloflerie Paris, 8. Nov. Gestern abend wurde im Trocaderosaal vor etwa 5000 Zuschauern, während eine große Volksmenge vor dem Trocadero wartete und durch Lautsprecher unter- richtet wurde, die erste Ziehung der neu eingeführten fran- zösischen Nationallotterie vorgenommen. Diese Lotterie wurde ausnahmsweise vom Parlament genehmigt, obwohl die Staatslotterie in Frankreich sonst nicht in dieser Form besteht. Sie soll zum Ausgleich des Budgets beitragen. Die Höhe der Gewinne hatte zu einer regen Anteilnahme des Publikums geführt. Die Ziehung wurde reichlich gefilmt und im Rundfunk verbreitet. Die Ziehungsvorschrift ist so gestaltet, daß jeder Losinhaber am Rundsunkapparat sofort feststellen kann ob er gewonnen hat. An Stelle des Systems, sämtliche Lose in das Glücksrad zu schütten, wurde das System der Ziehung nach Eincrreihen, Zehnerreihen, Hunderterreihen usw. gewählt, das eine sofortige Ucbersicht erlaubt. To ist es audi nidit verwunderlich, daß bereits noch am Abend, als die Ziehung gerade zu Ende mar, der Haupt- gewinner sich am Telefon meldete. ES handelt sich um einen Friseur in Tarrascon, der der Zeitung„Le Journal" bereits telefonisch Einzelheiten über sein Leben mitteilte und er- klärte, er habe sich über den Gewinn weiter nicht aufgeregt, denn er sei ein Philosoph. die Stellung des Täters in Staat oder Partei, die gesctz- und bestimmungsmäßige Verfolgung zu veranlassen. Bei etwaiger Fluchtgefahr ist örtlidier Sdiutzhastbesehl bei der zuständigen Polizeistclle zu beantragen.. Gleichschaltungen sind nicht Aufgabe der Sonderbcvollmächtigten und-Beauf- tragtcn. Anregungen hierfür sind auf dem Dienstwege weiter- zuleiten. Stellung zu SA., SS. und Stahlhelm as Bcsehlsbcsugnis über SA.- und ST.-Einheiten haben sie nur insoweit, als diese ihnen als SA.- oder SS.-Führer unterstellt sind. Eingriffe in innerdienstlidie Angelegenheiten anderer Einheiten sind verboten. bl Schärfster Kamps gegen Spitzel und Provokateure. Wer Mißstimmung und Unruhe in den eigenen Reihen erregt, za Gewalttätigkeiten anreizt oder auffordert, die Mannes- zucht verletzt, persönlidic Radie übt, hat als Schädling in der SA. und SS. keinen Platz. es Beratende und anregende Mitwirkung bei der sozialen Fürsorge der Verwaltungsbehörden. Bevorzugte Unter- kringung arbeitsloser SA.-, SS.- oder Stahlhelmmänner in Arbeitsstellen. dj Verhinderung der Anmaßung unzulässiger Befugnisse durch SA.-, ST.- und Staftlbeltn-Einbeiten und-angchörigc. Sofortiges Eingreifen und Abstellen ist unbedingt er- forderlich." 4- 1 Amf'fche W9b!hcf'nf'us«nn0 Der Reichspräsident gibt dem amtlichen Wahlterror den Segen Berlin, 8. Nov. Der Herr Reichspräsident spricht am Samstag, 11. November, 10 Uhr, über alle deutschen Sender zum deutsdien Volk zur V o l k s a b st i m m n n g am Sonntag, dem 12. November. Die Rede wird im Laufe desselben Abends»od, einmal, aus Schallplatten übertragen, wieder- holt werden. wie 19» Brüssel, 7. November. Ministerpräsident de Brogucville sprach am Sonntag auf dem Kongreß der katholischen Vereine skonservativcr Flügel der katholischen Parteiorganisation) in Dinan. Er erklärte, 15 Jahre der internationalen Zusammenarbeit hätten zu einer Lage geführt, die derjenigen von 1913 gleiche. Belgiens juristische und politische Stellung sei jedoch heute stärker als vor dem Kriege. Die Regierung versäume im übrigen nichts, um die militärische Sicherheit des Landes zu gargntieren. lapanischen Grenzverletzungen nennen, so ist anzunehmen, daß die russische Regierung durch ihren Botschafter in Tokio scharfen Prolest gegen die Ueberfliegung ihres Territoriums erheben wird. Tokio, 7. Nov. Das japanische Kricgsministerium erklärt, abgesehen von der halbamtlichen Moskauer Meldung liege ihm keine Nachricht über den angeblichen Flug japanisdier Flugzeuge über sowjetrussisches Gebiet vor. D^s Heuest« Der Präsident des Handclsamtes Runciman teilte heule im Unterhaus mit, daß die britische Regierung ihre« Rück- tritt vom Zollwassenstillstand ab 7. Dezember äuge« kündigt hat. Bei den Neuyorker Bitrgermcistcrwahlcn standen drei Kan« didaten im Felde, und zwar der bisherige Bürgermeister O'Brien, der Kandidat von Tammany Hall, der dcmokra- tischen Parteiorganisation der Stadt Neuyork, zweitens Major La Guardia, der italienischer Abstammung ist und von der sogenannten Fusionspartci ausgestellt worden war; diese neue Partei setzt sich aus den offiziellen Republikanern und einer starken Gruppe von Demokraten zusammen, die der Tammany-Organisation feindlich gegenüberstehen. Als drit- ter Kandidat trat ein unabhängiger Kandidat auf. L a Guardia wurde gewählt. Damit ist Tammany Hall zum erstenmal seit 29 Jahren aesckilaaen worden. Havas berichtet aus Madrid, daß in Spanien eine Kältewelle festzustellen und in der Provinz Valencia Schnee gefallen sei. Havas berichtet ans Montevideo, daß die sozialistische Zeitung„El Sol" verboten worden sei. Havao berichtet aus Buenos Aires, daß eine Anzahl französischer, belgischer und Schweizer Bankiers der Regie- rung eine Anleihe von 319 Millionen französischen Franke» zu den gleichen Bedingungen angeboten hat wie die englische Anleihe, d. h. aus 29 Jahre zu 1 Prozent. Havas berichtet aus Barcelona, daß ein norwegischer Frachtdampser mit einer Ladung Chartreuse-Likör, Port« wein»nd Zkeres-Wein im Werte von 19 Millionen Dollar nach Amerika abgegangen sei. Präsident Roosevelt empfing den Volkskommissar Lit» w i n o w im Weißen Haus. Das Londoner Hilfskomitee Auf der großen jüdisdien Hilsskonferenz in London teilte Nevjllc Laski mit, daß bisher ingesamt 625 000 englische Pfund als Hilfsfonds für deutsche Juden gesammelt wor- den sind. Als Ziel der gesamten Hilfsaktion wird die Auf- bringung einer Summe von 2 Millionen Pfund betrachtet. In gut informierten Kreisen rechnet man damit, baß etwa die Hälfte der vorhandenen Mittel für die Ueberstthrung deutscher Juden nach Palästina und ihre Ansiedlung im Lande verwandt werden wird.— Die nichtjüdischen Emi- granten werden das mit etwas Neid lesen. Für den Geiamtinbali verantwortlich: Johann Pitz In Dub- weiter: tür Inserate: Cttu Kuhn in Saarbrücken RoiationZbriick und Bei lag: Verlag der Bolksstimme GmbH., Saarbrücken 8, Schützcnstratze&. Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Métro: Chafeie! RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektri» zität. lmptungs verfahren; Trypafle vine. Einsputzungen Blut« und Harn.Untersuchungen, Sper» makuitur, Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10 12 und von 4-8 Uhr; bonntags von 9-12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht dealich Werbt II die„Deulscbe Freibeil" Tél. 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