Linzige unabhängige Tageszeitung Veotschlands 3"nnnerl23 1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 12.13. Nov. 33 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt !Belqische tnthüMung Seite 2 £iignec we dem Jleichsgecicht Seite 3 c TCakenkceuz UbecUUstein Seite 4 £s ist nicht sa scMimm (Tatsachenbericht aus Deutschland) Seite 6 Rede vor Millionen Zwongslrörern Antwort! xiim'm'diesem Freitag vor der Wahl kam der„Führet • roie cs in der deutschen Presse heißt. Wie es van m st symbolhaft. Eine Minute lang verharrte das » nze Volk in Schweigen. Dann sprachen Goebbels und nnî-' ur nun darf das Volk wählen: ob es für die sj^'°"°lsozmlistische Einheitsliste und mit Ja stimmt oder s? êm Terror der SA. ausliefern will. Das Volk " éj ro®' 8*> und nur die Machthaber reden. " hoben Redefreiheit. Sie allein haben alles riili" s" r s'ch- Kritik ist verboten. Zwischenrufe sind ; erlaubt. Aussprache ist nicht zugelassen. Nur Volks- Volke" gemacht werden. So geht der„Führer zum Gobbels eilt ihm rednerisch voraus. Er lügt wie immer, "ê, so sagt er j n der Dynamohalle des Siemenswerkes. das Schauspiel arrangiert wurde, hätten die maxisti- lp en Führer gewagt, so sich unter die Arbeiter zu stellen, ^r weiß natürlich sehr wohl, daß diese Abgeordneten und -ewerkschaftssührer tausendmal vor den Betriebs- rveitern gestanden haben. Aber nicht vor einer be- Venen Belegschaft, sondern vor Männern und Frauen, > sg?/^it ihren frei gewählten Führern über Arbeiterschick- i>.^sî genug in einem Ringen zwischen Massen JJ 10 Führern um die rechten Mittel und die rechten Wege. 5*° würde dieser Göbbels, ipo würde dieser Hitler es Magen, ungeschützt von Bewaffneten vor eine tausend- gNpfige Arbeiterversammlung, zu treten? Wo je haben in freiem Gedankenaustausch sich mit deutschen Arbeitern gemessen? In der klaren Erkenntnis, daß das mcht möglich ist, hat Hitler von Anfang an eine mili- ~ /* ri fch organisierte Truppe zum gewalttätigen Nieder- : Impfen seiner Gegner aufgestellt. Daß die Republik fiÜf daß die Arbeiterparteien, gespalten und in "ch zerrissen, die Notwendigkeit, der Gewalt mit Gewalt V» begegnen, nicht erkannten oder ihr aus dem Wege ?Vgen, war die große Unterlassung, die dem National- mzialismus zur Macht verhalf. . Nun steht Hitler als Kanzler vor stumm gemachten . roeilern. Soviel weiß er, daß sie schärfer urteilen als J/! n Spießbürgerpublikum. Wenn er um die Arbeiter gMbt, ändert er sein Repertoire. Nichts ist in seiner e°e von Dolchstoß, nichts von Novemberverrätern, nichts »." marxistischen Verbrechern. Nur Lobgesänge auf die ^oiksgemeinschaft und sanftes Ablehnen des Klaffen- "Mpfeg, den er nie begriffen hat. tat- Klassenkampf war da, ehe die Arbeiterorgani- mlionen entstanden. Sie nahmen ihn, den die Herren "den von jeher geführt hatten, auf. um sich ihre Rechte in ^loat und Betrieb zu erkämpfen. Nur Unwissenheit oder ^»Willigkeit konnte und kann annehmen, daß die Zer- ...............ta. uuu«UHU UUUEIJM1611, UU|J UIC O tL* Offenheit des Volkes in Klassen und die daraus ent- wringenden harten Gegensätze und Kämpfe Ziel und jRuck des marxistischen deutschen Arbeiters und.' leiner Führer gewesen wären. Das Ziel ist eine Ueberwlndung Kla"'' MW KlassenscheiduNu vurey oie wem urch Phrasen und Paraden, sondern nur durch die Ent- yronung der Herrendiktatur über die Wirtschaft ge- «Haffen werden kann. . Dafür hat Hitler nichts getan, und dafür kann er nichts un. Seine diesmal auffallend zahme Rede verrät das f u5'^ en®' Q ff en nichts zu bieten. Seitdem ihre Mündige Organisationen in Politik und Wirtschaft schwächer geworden sind und schließlich ganz von jedem ^'nsluß ausgeschaltet wurden, hat sich die Lebenslage der Deutschen Arbeiter dauernd verschlechtert. Auch die putsche Wirtschaft ist noch schwächer geworden, als es "Nter den Schlägen der Weltkrise notwendig gewesen ware. . Der organisierte Klassenkampf mit dem Ziele einer ge- lUnden. gemeinnützig organisierten Wirtschaft hat Deutsch- tand nie geschadet. Er hatte in unserem Lande eine ?trbeiterkultur von einer Höhe geschaffen wie kaum sonst m der Welt, und das kam auch in den beruflichen Leistungen der Arbeiter zum Ausdruck. Der s"werkschaft- "che und sozialistische Arbeiter Deutschlands galt in der ^nzen Welt als ein Qualitätsarbeiter von hohem Rang! Vler wollte das von/den. SA.-Arbeitern behaupten? Wer Vaubt. daß aus den braunen^Drillanstalten die Arbeiter "er Faust und der Stirn kommen können, die der putschen Wirtschaft den Weltmarkt zurückerobern? jedermann weiß, daß das unmöglich ist. Fortsetzung siehe 2. Seite Deutsche wählt! Das ist die Zeit der großen Wahl. Der vielgeliebte Führer nimmt Zuflucht t im Bolle wieder mal Und spricht, das Herz rein wie Kristall: Wir woll'n mal sehn, wo wer nicht stimmt! Der heldische Säbclschüttler Will nichts sein als W.llensvermittler. Er fragt von Rechtsgesllhl beseelt: Wollt Adols ihr oder Hitler? Deutsche, wählt! Das ist die Wahl der großen Zelt sDie Zeit ist groß. Die Mahl ist klein.) Weil ihn diktieren nicht mehr srent, Wird Hitler voll Entschlossenheit Ein Demokrat ans„ja und nein"! Er stutzte der Freiheit die Flügel, Jetzt lockert er wieder die Zügel, Daß jeder frei die Entscheidung fällt! Wollt Hitler ihr oder Prügel? Deutsche, wählt! DaS ist die große Zeit der Wahl: sAnch Krupp wählt sorgsam schon für ena, Den allerbesten Mörserstahl.j Die Wahl ist listenarm? Egal: Herr Göbbels macht sie listenreich. Wähl': Krieg oder Frieden! Doch lerne Jedenfalls töten! Nicht ferne Steht dein Heldengrab, längst bestellt. Sterbt ungern ihr oder gerne? Deutsche, wählt! DaS ist die große Wahl der Zeit: Tragt ruhig ihr das braune Joch, Steigt morgen unsagbar das Leid Der Welt— und treibt die Kurse hoch. Doch lernt ihr zur Zeit euch empören, Ist Deutschland euer und unser die Welt. Sterben— oder euch wehren: Deutsche, wählt! Jnra. Siandredit in Ocsicrrcidi DollfnD beginnt den Kampf gegen die Sozialdemokratie Wien, 11. November. In Oesterreich ist eine sehr feindliche Zuspitzung ein- getreten Dollfuß scheint jetzt unter dem Druck der Heim- wehrleute unter Führung des Fürsten Starhcmberg den offenen Kampf mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu beginnen. Am Donnerstag fanden in Wien 400 Versammlungen von Arbeitern aus den Betrieben und 300 von der Sozialdemokratischen Partei einberufene Kundgebungen statt. Uebcrall wurden scharfe Beschlüsse gegen den Faschts- mus angenommen. Als die Kundgebcr nachher teilweise in geschlossenen Zügen durch die Straßen marschierten, trat ihnen Polizei entgegen, es kam zu Zusammenstößen, wobei die Beamten die Gummiknüppel in Bewegung setzten und zahlreiche Verhaftungen vornahmen. Als Antwort ans diese Kundgebung verhängte der Ministerrat das Standrecht über Oesterreich. I der, der sich des Totschlags, der Brandstiftung oder der Anwendung von Gewalt in der Oefsentlichkcit schuldig macht, wird nach Kricgsrecht abgeurteilt und mit dem Tode bestraft. : Gleichzeitig wurde beschlössest, endlich die Wünsche der Reaktion schwarz-gelber und hakenkreuzlerischer Couleur zu erfi^en und gegen die S e l b-ft st ä n d i g k e i t der Ge» meindeWien vorzu stoßen. Die sozialistische Stadt- Verwaltung wurde aufgefordert, die kürzlich erhöhten Gas- und Elektrizitätspreise herabzusetzen und eine Reihe von Steuern zu revidieren. Das scheint jedoch erst der Ansang zu sein- Die Regierung will vielmehr weiter aus dem Ver- ordnungswcgc gegen die Gemeindeverwaltung einschreiten. » Dostfuß hat ein gefährliches Spiel begonnen. Alle War- nungen haben nichts genützt: er hat sich mitten in den Zweifrontenkrieg gestellt. Die Heimwehrleute. erfüllt von erbittertem Haß gegen die Sozialdemokratie, kann sich Herr Dollfuß als Schutzgarde gegen die Hakenkreuzler nur erhalten, wenn er gegen die sozialistische Arbeiter- schaft, ihre politischen und sozialen Rechte mobil macht. Immer wieder haben die Arbeiterorganisationen Herrn Dollfuß ihre Hilfe zur Unterdrückung des Faschismus angeboten. Herr Dollfuß hat sie oerschmäht. Er war dem Klerikofaschismus schon viel zu sehr verpflichtet. Jetzt besteht die große Gefahr, daß der Hitlerfaschismus auf dem Umwege über die Niederzwingung der Sozialdemo- kratie zuletzt doch noch triumphiert, mit noch unllberseh- baren außenpolitischen Wirkungen. Die österreichische Sozialdemokratie ist sich aller Konsequenzen bewußt. Wird sie die Kraft haben, sich gegen Dollfuß wie gegen die Hakenkreuzler zu wehren? Alle Hoffnungen der europäischen Demokratie sind bei ihr. Dabei darf man freilich nicht übersehen, daß nach alter Erfahrung politische Verwicklungen in Oesterreich oft Hochspannungen erzeugen, daß aber zuletzt eine ent- scheidende Entladung ausbleibt. * Der Wortlaut Weite Kreise der österreichischen Bevölkerung haben seit langem die Wiedereinführung der Todesstrafe gefordert. Im Gegensatz zu anderen Staaten ist die einfache Einführung der Todesstrafe in Oesterreich verfassungsmäßig nicht mög- lich Eine Reihe schwerer Verbrechen kann daher augenblick- lich nicht einer entsprechenden Sühne zugeführt werden, und es fehlt daher iede Möglichkeit einer ernste» abschreckenden Wirkung. Den gesetzlichen Möglichkeiten entsprechend ist da- her das standrechtliche Verfahren eingeführt worden, besonders, für die Fälle des Verbrechens des Mordes, der Brandlegung, der öffentlichen Gewalttätigkeit und der boshaften Sachbeschädigung. In Abänderung der Strafprozeßordnung wird dem LandeSqericht Wien l die Durchführung des strafrechtlichen Verfahrens für das ganze Bundesgebiet übertragen. Irgendeine Beschränkung der Frcibeitsrechte der Bürger tritt damit nicht ein. Der Sinn des neuen Gesetzes liegt darin, daß die Täter, Mitschuldigen und Teilnehmer vcrabscheunngswürdiger Verbrechen und Gewalttätigkeiten nicht mehr mit geringen Strafen rechnen können. „Times" für die Macdonald-Linie London, 11. Nov. In einem Artikel zum 15. Jahrestag de» Waffenstillstandes erklärt„TimeS", der Apparat stir die Sicherung bed Friedens sei in Unordnung gekommen. Aber der wahre Frieden sei unerschüttert. Durch die Wahlreden des Reichskanzlers sei der Frieden in den Vordergrund seines Programms gestellt worden. Bei jeder Großmacht be- stehe daS Verlangen nach gesichertem Frieden. Das Be- streben der Nationen, müsse, wie der Premierminister in Guildhall ausgeführt'habe, darin bestehen, cS der deutschen Negierung zu erleichtern und nicht zu erschweren, diesen Schritt rückgängig zu machen. 34 1' Jahre Zuchthaus Elbing. 11. Nov. DaS hiesige Schwurgericht verurteilte sechs Kommunisten zu insgesamt 34'/, Jahren Zuchthau» bzw. Gefängnis unter Aberkennung der bürgerlichen Ehren» rechte auf längere Zeit. Die Verurteilten hatten sich am 13. März d. I. an einem planmäßigen Ucberfall auf SA.» Männer beteiligt, und zwar hatten sie an zwei verschiedenen Stellen der Stadt quf SA.-Männer regelrechte Feuerüber. fälle verübt. Dabei waren eine Frau getötet, ein SA.-Mann und eine Schülerin verletzt worden. Der Anklagevertreter hatte insgesamt öS'/, Jahre Zuchthaus beantragt. Fortsetzung von der 1. Seite Antwort» Hitler will das Volk zum gemeinnützigen Denken„er- ziehen". Er predigt das alte Eiapopeia von der Klassen- Versöhnung unter dem Himmel gemeinsamen Verstehen?. Tr irrt sicy, wenn er nicht bewußt die Unwahrheit sagt. Es mag für zarte Naturen peinlich sein, aber in der Wirt- Schaft herrscht nun einmal nicht das brüderliche Gefühl >erzlicher Zuneigung, sondern der kantige Wettbewerb, der nicht nach den edlen Verheißungen der Bergpredigt, sondern nach den zahlenmäßigen Ergebnissen der Kalku- lation geführt wird. Auch die Frommen im Lande machen davon keine Ausnahme. Wer die kapitalistischen Bejitz- Verhältnisse und die Kapitalistische Produktionsweise anerkennt, muß auch die Klassenscheidung wollen, und wenn er eine Zeitlang den Klassenkampf noch so schön hinter Fahnen und Girlanden zu verbergen glaubt, der unge- stüme und unbestechliche Titan wird doch immer wieder hervorbrechen, bis er seine geschichtliche Aufgabe erfüllt hat: die neue Gesellschaft einer geregelten Produktion und Konsumtion. So scheiden wir uns und alle Vorkämpfer einer wirk- lichen Menschheitskultur für immer von allen Hitlers der Vergangenheit und der Zukunft. Wir können auch nicht Seite an Seite mit ihnen, die Klassen von Unter- tanen unter der Herrschaft von wirtschaftlichen Tyrannen und staatlichen Prätorianergarden beibehalten wollen, für die äußer« Freiheit unserer Nation kämpfen. Ein Volk von Knechten ist für diesen Kampf untauglich. Eine Negierung ohne jede Volkskontrolle genießt in Europa kein Vertrauen. Die Millionen deutscher Sozialisten. Republikaner und Kommunisten wollen zwar alle Deutschlands volle Gleichberechtigung und werden nicht ruhen, bis sie erreicht ist, aber wir verbinden uns nicht mit Abenteurern, die durch ihre Taten bewiesen haben, daß ihnen jedes Verbrechen zuzutrauen ist. Wir lehnen eine Politik ab, die Friedensreden schau- spielert und durch Geheimrüstungen den Krieg vor- bereitet. Deutschlands Recht kann nicht durch die Auf- rüstung erreicht werden. Deutschland kann aber auch nicht durch die dauernde Diffamierung von Millionen Antifaschisten im eigenen Lande die innere Kraft-er- langen, die notwendig ist, um den Deutschen die ihnen ge- bührende Stellung im Leben der Völker zu erringen. Hitlers Weg führt das deutsche Volk im Innern zur Ver- armung und nach außen zum Kriege. Darum gibt es mit den unheilvollen àâften, die Hitler emporgetragen haben und ihn treiben, für uns keinen Frieden. Was hier ausgesprochen wird, ist und bleibt die Mei- nung von Millionen deutscher Zwangswähler, die am 12. November ihre wahre Ueberzeugung verbergen müssen. Für Deutschlands Gleichberechtigung?: Ja! Für Hitlers Zuchthausdiktatur?: Nein! Deutschlands Freiheit erfordert Hitlers Sturz. Deutschlands Sieg ersteht nur aus Hitler» Niederlage. Zinn des 12. Novcmürr Doch noch den Weltkrieg gewinnen! Der Adelsmarschall der Deutschen Adelsgenossenschaft. Fürst zu Bentheim-Tecklenburg. äußert sich in der„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" an leitender Stelle über den SinnderWahlamI 2. November. Die Schlußsätze seines Aufsatzes lauten: „Einer der größten Deutschen prägte den Begriff de» kategorischen Imperativs der Pflicht. Der Nationalsozialismus hat dem deutscheu Volke den Gedanken der Pflicht gegenüber der Volkgemeinschaft und dem Staate wieder neu erstehen lassen. Eine große Verantwortung wird noch einmal jedem Wähler am 12. November aufer- legt, indem die Erkenntnis verlangt wirb, daß in dieser entscheidenden Stunde nur das einmütige Bekenntnis des ganzen Volke» zu feiner Regierung über alle noch trennenden Bedenken hinweg zu dem durchschlagenden Erfolge führt, der die ganze zivilisierte Welt aushorchen lassen wird. So biete nach 16 Jahren das Schicksal dem deutschen Volke noch einmal die Mög- ltchkeit, doch noch den Weltkrieg zu gewinnen." Belgische Enthüllung „Die interalliierte Kontrollkommission hat 1927 feststes eilt» dsO Deutschland seine Abrilstaingsverpflichtungen nie erfiil.t hat' Wählen oder Irangern (Jnpreß.s In Katzenbach sPfalz) erschien der Ort»- diener mit der Ortsschclle in den Straßen und verkündete, daß allen Arbeitslosen, die der«WaHNurne fernbleiben, die Unterstützung gestrichen werde. Antsfosdilsflsehes Archiv Da» Sekretariat des WeltkomiteeS für die Opfer des Htt- lersaschismus hat aus setner in Paris durchgeführten Sitzung u. a. auch die Schaffung eines internationalen antisaschifti- scheu Archives beschlossen. An der Schaffung der Grundlagen für dteseß Archiv ist be- reit» seit Monaten gearbeitet worden. Unterstützt von dun- derten von antifaschistischen Gruppen und Personen wurde systematisch Material über den Hitler-FaschiSmu» auf polt- tifchem. fozial-m kulturellem und wirtschaftlichen Gebiet zusammengetragen. Da» Archiv verfügt heute schon über zahlreiche Bücher, Zettschriften. Leitungen, Dokumente usw., darunter brsvn» der» wertvolle» Material, da« taufend Morde in Hitler- dentschland einwandfrei nachweist. Das Internationale Antssaschistische Archiv richtet eine Aufforderung an die antifaschistischen Gruppen und an alle Antifaschisten In Deutschland und allen außerdcutschcn Län- dcrn, seinen Ausbau zu unterstützen und ihm Dokumente, Berichte, Fotos, Zeitungen. Zeitschriften usw. zu übermit- tcln bzw. sich wegen diese« Material» mit der Leitung de» Archiv» in Verbindung zu setzen. Da» Internationale Antifaschistische Archiv benötigt be- sondcrS alle mit dem Faschismus zusammenhängenden Materialien für eine internationale antifaschistisch? An»- stellung, die von ihm vorbereite» wird. Alle für da» Archiv bestimmten Sendungen. Anfragen usw. gehen ausschließlich an die nachstehende«dresse: Internationales Anttfafchtsttsches Archiv Placard Ni, 1ö, Aue El. Augustin 22, Paris 2. Brüssel» 11. November. In der belgischen Kammer, die gemeinschaftlich mit den Auswärtigen Ausschüssen des Senates tagte, kam es am Freitag zu bemerkenswerten Zwischenfällen. Nach den Aus- führungen des Außenministers Hymans, der von der Not- wcndtgkeit einer wirksameren Verteidigung Belgien» sprach, richtete der katholische Senator von Charleroi, de Dor- lodot, einen scharfen Angriff gegen die Regierung. Er behauptete, daß seit einigen Jahren das Parlament und da« Land getäuscht worden stlen. Man habe ihm im April 1930 auf eine Frage, ob die Botschafterkonferenz vor dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund festgestellt habe, daß Deutschland seine Abrüstungsverpslichtungen erfüllt habe, bejahend geantwortet. Ans mehrere Anfragen erklärte dann Dorlodot, er habe den schlüssigsten Beweis, daß Deutschland nie abgerüstet habe. Er stützte sich dabei aus ein umfangreiches Dokument: den Schlußbericht der interalliierten Kontrollkommission vom 26. Februar 1927. In diesem Rer'cht sei ausdrücklich festgestellt, daß Deutschland die ihm durch den Bersaillcr Bertrag ausgelegte» Verpflichtungen nie erfüllt Hab«. Diese Mitteilungen erregten eine gewaltige Sensation. HnmanS unterbrach den Senator mit den Worten, daß diese» Dokument nie veröffentlicht werden dürfe, e» set streng vertraulich. Die Veröffentlichung könne schwere inter- nationale Verwicklungen hervorrufen. Inzwischen veröffentlicht aber die belgisch« Press«»u»- züge aus dem Bericht der interalliierten Kontrollkommission. Sie bestätigen, daß darin festgestellt wird, die deutsche Eni- waffnung sei nicht entsprechend dem Friedensvertrag durch- geführt worden. Auch in London haben RWdungen De- rechtigteê Aussehen erregt... Nlacdona'd vers em DenWand nldif Er hofft auf deutsche» Einlenken nach der Wahl London, 11. Nov. Ministerpräsident Maedonald hielt am Donnerstagabend eine große politische Rede, in deren Vers lauf er einen eindringlichen Appell au Deutschland richtete, sich wieder an den Abrüstungsverhandlungen»« 6 6üf' acrade in dem Augenblick, l» dem der engliiche Abrustungsplan von allen in Genf v» Plenen Mächten Diskussionsgrundlage angenommen !?°5.ben sei, Deutschland nicht nur die«brüstungskonserem»' sondern auch den Völkerbund verlassen habe, was„fast Verleugnung der Friedensmaschinerie der K-lt" gl'ch' komme. Macdonald erkannte an, daß der Friedensvertrag 1" Lt- Vi^V* fl1 Nachkriegszeit Deutschland Gr«"» K^«htigten Beschwerden geaebc,, hätten. Er wiederholt- „ r bà-w Zusammenhang gleichfalls, daß Engla"° "ealaubt babe, die beste Politik in Europa sei. Deut» helfen, aus seiner geaenwärtigen Lage h»°« kommen. Die englische Regierung sei auch heute ängstuw besorgt darum, diese Arbeit fortzusetzen, wenn Deutschland 0 es nur zulassen wolle. so^m^^^s'ünaseheommen. das z» m F r i e d e n WW yi," 0!! Deutschland unterzeichnet werden. 1 u«„ a? it tt i£&an ï letzt wieder an den Verb an» l""^ttf» zu kommen und seinen Standpunkt darz» %» m* werde sich einem Gremium aegeniiber «u» Männern zusammengesetzt sei. die den Friede» XmL™ Â'.êen. Deutschland ans jede Weise entgegen' gegenwärtige Lage sei nickt gut»»* dfirie man es nickt dabei belasten. an^5...7. îker von Neurath habe vor einigen Daa-n daß die Neicksregiernna gewisse® 0 A t RA fr« e^ U v"î^ n TF englische Regierung werde diese Borschs, erfinde« und sie in freund' îlî« r.Jîï* m"">r'ei,schster"wägen Er boste. dg* die Re^hsregigi-nng. wenn in der nächsten Woche A Wahle« in Deutschend no--über s-ien ilFe große Autorität nick' nur im eigenen°t-.,-reN- sond-rn in dem gan« Gnron»» und h".westlichen 5,1, waNvn einsetzen werde.- Weiterhin unterstrich der Ministervegtident die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit.wikcken England. Frankreich. Italien»"« den Vereinigen Saaten. ^b-tili, Telearavh" berichtet, verlautet in Genier SS'«!!'"'".blé Re'chsreaierung»n Beginn der nackst-n Wache are'ksta'-e Vortchtq^x ssir dt? Neuaesial' tun g de» Völkerbünde« und die Fortletzu«» tz-il, Abrüstungskonferenz unter deutscher terligung vorlegen werde. « Hava» ber'chtet an»? a n n s o u. daß unbekannte D'A** s.»UV iW«"Ichlaa flcnen da« tu T r a» e» r d«« befindliche Bria«d-Den»mol an»»-ss»brt babe«. Sie beben mit e«n»m fltmmrf die PHnW»*" Resaud»'» vertztimmelt und zerschr«a-n. d»st da» ganze Denkmal al» verlöre» angesehen werbe»«nß. îssr?crr«r vor der Kammer Pari», 11. November. ^'e französische Kammer führte am Vormittag die große außenpolitische Debatte fort. Der bekannte. Nationalist Taittingcr erklärte, daß Deutschland mit der Auf- rüstung nie aufgehört habe. Ununterbrochen werde an der Koinplettierung der Heeresbestände gearbeitet. Frankreich würde an sich und an dem Frieden ein Verbrechen begehen, wenn es in der jetzigen Zeit abrüstete. Der Abschieb Deutschlands von Gens hätte viel stärker« Proteste tu der Welt hervorrufen müssen. Dan» wurde die Saarbebatte auf Grund der Juter- pcllatton fortgeführt. Der Forbacher Abgeordnete Doeble verlangte von der Regierung Auskaust über ihre Maß- nahmen zum Schutze der Saarländer, die seit Monaten de« Naziterror angesetzt seien. Dies alles geschehe in e nem Land deS Völkerbundes! Doeble brachte eine Rnhe von Einzelfällen vor, dir stärksten Eindruck hervorriefen. Wie könnte man, so sagte er, die Saar 1965 zu Deutschland zurückkehren lassen, wenn die Saarländer, die nicht auf Seiten Hitlers ständen, schon jetzt den schlimmsten Drohnnge»««»geletzt seie»! Tie Führer der Nazi« wagten sogar ju sagettz, daß st' Gegner»wie räudige Hunde niederknallen würden", sobald das Saarqebte» wieder deutsch sei. Die Polizei und saarln"^ d'.schcn Gerichte seien streng gegen die Republikaner überaus milde gegenüber den Nationalsozialisten. Doeble erbittet gergische Maßnahmen, damit 193ö überhaupt ein- unbeeinflußte und aufriß"'" Abstimmung zustande kotz'" xt r Am Nachmittag wurde die Saarinterpcllation elsässttchen Abgeordneten O b e rkirch verhandelt. Tie fragt den Außenminister nach den Maßnahmen, die die Be' stimmunaen des Versailler Vertrages bzw. deS Saarstatut» sichern soll. Wenn D„„'chland erkläre, daß eö nur die Lösung der Rückkehr zum Reich gebe, so bleibe für Frankreich absolute Rech, die Beibehaltung des aegenwärti»en stände» zu ferfc-rw. fMtei-f'rch"erwle? auf die große wirk' schaftliche Bedeutung des Sa^-oebieteS zu Frankreich und erklärte nochmals, daß eS dle Aufgabe® eine wirklich unabhängige und freie Abstimmung zu garantieren Dann wurde die Debatte vertagt. ver Garnier Von Robert Peiper. Pari» Acht Monate fitzt er nun in Haft. Steht Wochen schon»or dem^Reichsgericht". Ein Alibi hat sich der Gauner.beschafft", Doch daran glauben die hohen Richter nicht.- Nur die Alibis der Gauner find echt, Die Deutschland heute regieren. Und da ist einer, der sich erfrecht, Herrn Hitlers Reich zu negiere». Da ist einer» der ansrecht steht, Ohne stram« zn stehen. Der nicht nm Gnade und Mild« fleht» Lieder will untergehen. Einer der freche Fragen stellt Und die braven Zengen verwirrt, Ei».Ganner", geachtet von aller Welt, Soweit sie noch nicht vertiert. Die Brandstifter riefen»Haltet den Diet". Es war ein alter Trick. Herr Hitler holt' an» zum großen Hieß, Der Brand war für ihn«in— Glück. Man sperrte die rote« Führer ei« Und noch Tausend« andere dazu, Dann kam das große GlückUchsetn, Jetzt hatte man endlich Ruh! Die Ruh' eines Kirchhof». Wer tennt ste nicht— Mit der.Frechheit" Dimitross» Rechneten sie nicht. Und auch nicht, daß man Marxisten Millionen!— nicht kann.ausmisten" So wie man es sich vorgestellt In Hitlers Welt. In Hast fitzen nnu acht Monate schon Zehntanscnde Proleten, '*» kommt der Tag. da wankt bei» Thron. Hitler, dann nützt kein Beten» Dann werde« die.Gauner", dl« du gehenkt, Ans ihre« Gräbern steigen. Es bleibt dir»ahrlich nichts geschenkt Bei« großen Abrechuuiigo-Relgc«! Das Neueste C 11 11«, Ii. No» Die Dornterwerke verlegen ihre Flor zeugwerft von Friedr chshasen nach Wismar- Havas berichtet au» Cordoba, das M i« i st e r p r ê' si dent Barrios aus der Durchreis«»efter» im Hinbli» ans die Wahlen erklärte, gewisie Leute glaubte», daß dt» Erregung i« Spanien als Vorbereitung z» einer Rückkehr zur Monarchie«»»gelegt«erben müsse. Das sei ein Irrt««- Spanien sei republikanisch, ab«r es«oll« regiert«ub zw«r gut regiert werde». Der Ministerpräsident der Tschechoslowakei hat angekündigt, da» d«m Ministerrat ein Beschluß über di« AnslS u»a der NSDAP, in der Tschechoslowakei vorgclegt werden wirb. Havas berichtet a«S Lissabon, daß im portugiesische« Staatsanzeiger dieser Tage das neue Statut der portugiesischen Kolonien veröffentlicht werden wird. Darin wirb festgelegt» daß der Staat keine Kolonialgehiete ober Kolonialrechtc P»** tugals veräußern darf. Lediglich Greuzberichtignnge« können nach Billigung durch die Rationalversammlnng»** gelassen werde» Alle Kolonien Portugals, die zusammen das Kolonialreich Por'raalb al» iolckes bilden, sind untere einander und mit dem Mutterland? solidarisch. In Havanna ist da» Gerückt»erbreitet, daß der Gesandte von Urufluap Fernandez q Medina durch ein« Bombe 6 e* tötet worden sei. In der Nacht zum Freitag brach in einem Hotel in Pari» — anscheinend infolge Kurzschlusses— ein Brand ans, d«< äußerst heftigen Charakter trug, obwohl er verhältnismäßig rasch gelöscht werden konnte. Der Sachschaden ist beträchtlich. Ein Angestellter kam um» Lebe», mehrere aadere Hotel» bedienstete erlitten Brandwunden. Havas berichtet an»«alenzia. daß sich bei Torr« d« Espiora ein sck'were»«erkehrsnnglück ereignet hat Sin Antobu» mit I* 7trn Reichslagsabgeord- neten Dr- Eduard Stadt 1er als politischen Mauager aufzwang. Tazn genügt« nicht, daß man jede freiheitliche Regung in den Ullsteinblättern gewaltsam verhinderte- Alles oder gar nichts, so meinte Herr Göbbels. Das große Drnckereigebäude in Berlin-Tempelhos, das seinesgleichen nicht in ganz Europa hat, hatte es ihm angetan. Teil Mo- naten spracht man im Ullsteinhause davon, daß der„An- griff" und der„Völkische Beobachter" dort grdrnckt werden sollen- Auf legalem Wege war das bisher nicht möglich, weil Aussichtsrat und Vorstand der Ullstein A. G. einer solchen Forderung nicht nachgaben. Dr. Ghbbels hat sich zn Helsen gewußt. Seit Jahren sckon ist es im Ullstciuhause bekannt, daß der zum Vorstand gr° hörende Direktor Richard A. Müller ein national- sozialistisicher Reaktionär ersten Grades ist. Das mag seit- sam erscheinen wenn man weiß, daß selbiger Herr Müller von der Pike ans im Verlage Ullstein gedient und seinen beispiellosen Ausstieg nur den„Ulliteinjudeu" zu dauken hat. Richard A. Müller wurde Wachs iu Wöbbels Häudeu- Seinem Einfluß und dem des Direktors Dr. Ferdinand Band- back war es zu verdanken, daß die vier Brüder Ullstein nunmehr nachgaben und in der Generalversammlung der Ullstein A- G- ani 2. November dieses Jahres unter Preis- gäbe des von ihrem Vater ausgesprocheneu letzten Willens in eine Umwandlunq der Firma willigten. Wir cS in der offiziellen Verlautbarung des Verlages heißt, wurden„Veränderungen iu der Kapitalmäßigen Struktur der Gesellschaft vorgenommen, um damit die Grundlage sür den Abschluß von Verträgen herzustellen, welche die Aktienmehrheit aus bisher geschlossenem Famisicnbcsitz in andere Hände über- leiten". Der Aussichtsrat legte leine Mandate nieder. Die Reumahl ergab einen Buüchtsrat an dessen Spitze der schon genannte Dr. Ferdinand B a u s b a ck steht, und zu dem bc- kannte reaktionäre Ccharsmachcr wie Heinrich Pferd- m r n g c S und Professor Dr. Martin Spahn gehören. Großmütig überließ man dem bisherigen Tcniorchef des Hauses Ullstein, Dr. Franz Ullstein, e'ii Anssichtsrntsmandat. Auch unter den fünf Vorstandsmitgliedern befinde» sich nur ein einziger Ullstein, und zwar der Solln des Rechtsanwaltes Hans Ullstein, den man ebenso wie seine Brüder Rudolf und Hermann aus der Firma hinausbefördert hat. Am Schlüsse des offizielle» Communignes über die Gene- ralversammlnng wird dann rech, aufschlußreich gesagt:„D'e politischeLeitung liegt in den Händen des Herrn Dr. Ednard Sta d tlr r." Ein nattonalsozialistisärrr Reichstagsabgeordneter. Eine Kreatur des Presse- uud Propagandam«isters Dr. Joses Wöbbel» bestimmt die politi che Tonart im Haute Ullstein. Fürmahr, Leopold Ullsteins Söhne haben es nicht verstanden, in Ehren unterzugehen.-B°- EfeOpe In Einzehjerchäfte aufgelöst Die Ehape AG. für Einheitspreise, die bekanntlich zur W r st b e u t s ch e n K a u s h o s AG. vorm. Leonhard Tietz ge- hört, betreibt seit 1927 in Landortcn der nähere» und ivetteren Umgebung von Köln eine Spezialgruppe von Ein- heitspreiögeschätten, die vorwiegend Lebensmittel führen. Neben etwa 70.Hanptsilialen betrug die Zahl dieser Klein- filiale» rund 511. Die Gesellschaft hat nunmehr in den letzten Wochen diele Lebensmittelgeschäfte zum größten Teil ver- kauft. Als Käufer traten meist ehemalige Ange- st e l l t e der Firma auf, die auch den größten Teil des Per- sonals übernahmen. Mit dieser Maßnahme, so heißt eS in der Mitteilung, habe die Leitung der Shape insofern im Sinne der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gehandelt, als damit einer Reihe früherer Angestellter Gelegenheit gc- geben wurde, sich als selbständige Lebensmittel- > au fiepte uiederznlassen. Die Läden verlieren damit den Eharakter von Serie»- und VinheitspreiSgeichrften und lvrrden nunmehr mittclständiiche Lebensmiltelfpezialgeichäite mit üblicher Preisgestaltung Die Erwerber sind vollkommen unabhängig von der Ell ape nnd betreiben ibre Geichäite einschließlich Verkauf, Kalkn'asion und Verlan' an' eigene sttechnnng und Geiahr Am Bestand der meist in den Mittel- und Großstädten gelegenen Norinalsilialen der Estave ändert sich nichts. Rüstungsrr«d utrie bei hl Im Stahlhos in Düsseldorf iagie die Verni»—.«..à ver ist v h st a h l g e ine i n i ch a i I. ses A-Produkten und ï* Stades s«u verba» de». Bei der Besprechung der 'Marktlage wurde aus die nnoeelenubai eingetretene Besserung v. nvirien und betont, daß namentlich im Hinblick aus die Tnrchiüijruug des neuen große» Arbeitdbeiwafsuugs- Programms der Regierung auch die Weiterentwicklung zu- »ersichtlich beurteilt werden könne Allerding« lasse das Aus- suhrgeschäft bei allem Fortschreiten der Tä- tlgkeil der internationalen Verkauftver- bände immer noch zn wünschen übrig. Die t""' e Hinrk&tung Ter 1909 neborene Melker Herbert Funk aus Mandel»- loh ist im Hof des Hannoverlchen GerichtögelängnisseS hin- gerichtet worden. Er war wegen Mordes an einem Rentner zum Tode verurteilt worden. Geschäft In der nlederrheinisctien Textilindustrie Der Geschäitsgaug der»i es e r r h e i u i sch e» Web- stvf find« ft rie bai sich in den letzten Wochen in recht ruhigen Bahnen bewegt. Tas auffallend warme Wetter, das den ganzen Oktober über geherrscht hm, läßt die Verbraucher von Textilsachen immer noch nicht recht an den Eiulaui von Winterkleidung denken,»nd infolgedessen kann sich auch der Handel nur schwer zu größeren Unternehmungen entschließen. Die Zurückhaltung tritt vor allem iu den großen Stapelware» der Baumwoll- und Wollindustrie her- vor, während nach Tondercrzeugnissen, die heute immerhin auch im niederrbeiuischen Textilbezirk eine wichtige Rolle spielen, meist etwas mehr Rchairagc herrscht. Im ganzen hat sich die Beschäftigung des Bezirks trotz der eingetretenen Abschwächuugen immer«och aui der im Sommer erreichten Höbe halte» können, hauptsächlich auf Grund der früher«r- teilten umiangreickeu Aufträge, dann aber auch jveii die Unternehmer sich bemühen, durch Ausiämltung der Mehr- schichten oder des Mehrstuhsinstems, durch Entlassaua der Doppelverdiener und andere Maßnalimen eine möglich« Entlastung des Arbettsmarktes vorzunehmen. Am schwieriastcn ist die Geschäftslage in der B a u m w o l l- industrie geblieben. Hier trägt vor allem auch der amerikanische Rohstoiimarki mit seinen dauernden Unsicherheiten dazu bei, daß überall u,u mit äußerster Vorsicht verfügt wird. Besonders ivcrdrn naturgemäß die Baumwoll- s v i n» c r e i c n hiervon betroffen. Die seit langem ichwache Marktlage des Rohstoffs hat bei ihnen ein regeres Geschäft nicht auskommen lassen, und die Betriebe leben daher im wesentlichen nur noch von den im T".nmer vorgenommenen Voreindecknngcn. Die Preise der Garne haben sich wieder verschlechtert, und der ausländische Welt- bewerb tritt trotz der erhöhten Zölle tmmcr noch mit recht starken Untergebotcn ans. In der B a u m w o l l w e b e r e i liegen namentlich die schweren buntgewebten und gerauhten Ar- tikel sehr ruhia. Abgesehen von der durch die Wsite- rung bedingten geringen Rachfrage des Inlands leiden diese Waren auch besonder? unter den bekannten Schwierigkeiten der Ausfuhr, die siir sie von jeher äußerst wichtig gewesen ist. Besser liegen, allerdings auch bei zumeist recht iinge- nng enden Preisen, E o rd und Velve l und einige Saison- artikel, für die auch die guten Musterungen anregend wirken. In der Wollindustrie.ist es zuletzt auch«''L stiller geworden. Indes läßt die gute Ausnahme.J® in die Kollektionen der« a m m g a r n w e b e r c i«:n a»w d e r si o s s e n wie»ach den namentlich für den Rw.'00>r schäftigung erwarten. Auch das A u s su h r g c s ch«' 1 hier besser beurteilt. Infolge des starken Steigens der. preise ist die Berkauislage der Stosse, die längst nian sprechend gefolgt ssnd, immer ungünstiger geworden. Die Leine»industrie hält ihren bisherigen tigungsgrad und rechnet aus die Weihnachtszeit^ hin weiterer Belebung, zumal da die allgemeine s>t»nm> Leinenerzeugnisie wieder mehr zu bevorzugen beginnt. Am besten bat sich der Geschäftsgang in der T e i de» u.^ K n n st s c i d c n i n d n st r i e entwickelt. Sowohl nachi« 1 d c r st o s s en wie nach den namentlich für den Rendue zirk wichtigen Schirmstos fcn hat die Nachtrage^a o halten. Die Blöde scheint diesen Artikeln auch'ür den® Sl. or, stark zuzuneigen. Auch Samt tritt wieder mehr in den-e. dcrgrund: nur haben sich bei ihm die Absatzbedingungen, dem Ausland sortgesetzt verschlechtert. Mischsts'^e Seide und Kunstseide und ander« Stoffen behalte»_ niederrhetnischen Bezirk ihre Bedeutung: eine» iviwrn j Unterzweig bildet hierbei dieStapelsaserspinnr' die sich in der letzten Zeit anch weiter ausdehnt. Die Kleid erfabriken spüren als der den ffift'raU' chern am nächsten stehende Tersilverarbeitungszweiä» derzeitige Z u r ü ck b a l t n n g n a t u r g e m«i 6" meisten. Infolgedessen ssnd bei ihnen schon«anche^„£ triebseinschränkungen oötia geworden Gerade aber dürfen damit rechnen, daß sie dank der von ihuc"" wiescnen Anpassung an die neuzeitlichen Bekleidung ansprüche auch im Winter wieder zu größer» Liefern»« h.'rongezogcn iverden. Das gilt nwobl siir&'•" vs"^. von jeher hergestellten billigen Arbeits- n n d» brauchsanziige wie von Uniformen, deren tigung sie im Frühjahr und Sommer mit so vielem JJ ausgenommen haben. Bei letztern man zur.siei> dem o-'. genden Wunsche Ausdruck aegcben werden, daß dte m an gebenden Stelle» ihre Anweisungen bald bekanntgeben. o>>" sich die Belrieth frühzeitig daraus einrichte.« können. Depression Im ßran0«wcrhc Das Jahr 1982 88 stand im Zeichen einer ansgc- sprachen«« Depression. Oertlichc und zcitiveisc Ab- satzsteigeru»gen wurden meist durch Rückschläge in andern Bezirken uud Monaten aasgeglichen. Sichere Anzeichen einer dauernden Besserung sind noch nicht vorhanden. Die leichte Belebung deS Ab- satzes in einigen Sommermonaten mag allerdings die Hofs- nung rechtfertigen, daß im Zuge einer allgemeinen Koninnk- turbelebung anch der Bierabsatz eine Steigerung erfahren wirb. Mit einer Wiederherstellung der Verhältnisse der Vorkriegszeit oder des bisher besten Rachkriegssahres 1929 30 kann aber für absehbare Zeit— selbst bei günstigster Beurteilung der gesamten Konjunkturentwicklung—nicht gerechnet iverden, zumal wenn die übersetzt« Stcuerdelastung de» Biers bestehen bleibt. Der Absatz bei den Mitglieder» des Verbandes lag km Durchschnitt de? Rechnnngoiahr» 193233 um IIP Prozent unter dem vorhergehenden und um 49 Prozent nnter dem Rechnungsjahr 1929 80 Die GesauiteiUwicklung im Deutscheu Reich war güustiger als die Entwicklung im Verbandsgebict, das von der industrielle» Arbeitslosigkeit und von der Wirt- schaitsschruuipfung besonders stark betroffen ist. Gegenüber der Vorkriegszeit beträgt der 'Bierabsatz im Deutschen Reich nur noch rund öl Prozent. Die Statistik über die Absatzentwicklnng im Frühjahr, welche aus den amtlichen Bierabsatzzahlcn der Landessinanzämter aufbaut, die sich nicht mit dem Ausstoß der VerbandSmitglirder decken, zeigt das Ende der rück- lausigen Bewegung in folgende» Zahlen: In den Landsir nzamts- In dem Vierteljahr April bezirke..: bis Juni 1929 1982 1988 Münster 1 382150 745 903 755 751 Düsseldorf 704 022 390 528 807 894 Köln 444029 249 907 207181 Im ganzen Ternsche,! Reich 15818918 9,87,848 9067115 Das sind 1983 T988 gegenüber gegenüber 1920 1932 Münster— 43P Proz.-f 13 Prvz. Düsseldorf—«,6 Proz.+ 1,8 Proz. Köln— 39.9 Prvz.+ 79 Proz. Im ganzen Deutschen Reich— 40,8 Pro».+ 09 Proz D i e Z u k u n s t s g c st a l t u n g hängt völlig von der all- gemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab Die letzten Jahre haben die enge Verbundenheit aller Wirtschaftszweige innerhalb der deutschen Volkswirtschaft erivieien. Die Be- kcbung der allgemeinen Konjunktur nnd die Beseitigung der Arbeitslosigkeit werden freilich allein nicht ausreichen, um die Krise des Braugewerbes zu beteiligen: deun diese ist zum Teil eine Folge der übermäßigen nnd einsriligen Steuerbelastung deS Brau-»nd Gastwirt sge«oerbcs lvor allem Bier-»nd Hanszinsstcueri. wcnlß In einer gemeinsamen Aufsichlsratsiitznng der Siemens u. H a i« k e A G nnd der Siemen«- Schuckerlwrrke AG. am 8. November wurde über den Verlaus des am 30 September 1933 abgelaufenen Ge- s ch ä i t S i a h r t berichtet. Bei den Siemens Schnckertiv«' kev ist in de« lei-rn Mvvaleu erfreusicherwefie'Ar das Jn- land ein besserer SlusivagselAgaua festzustellen Es zeigen sich d»e Wirkungen der Arveilsbeichaiiuugsniaßiiabmen der Regierung in Verbind,>«g mu de« der Wirtschaft gegebenen Steuererleichterungen in Form der S.energntscheinc Die Belebung im Inland zeigt sich in der Hauptsache bei den Verbrauchsariikel. kleinern nnd mittler« Anlagen. Die Auf- träge ans größere M a s ch i n e n« n d Anlagen deren Erteilung zum großen Deik in der öffentlichen Hand liegt, zeigen nur eine frbr geringe Vermehrung. Tic Preise, die im Berichtsjahr im deutschen Geschäft erziel« iverden konnten, sind weiter unbefriedigend. Es wirkt sich hier der nngelunde Wettbewerb aus. der hervorgerufen ist durch die geringe Nochfrage»nd ben Hunger nach Auflägen von leiten aller unzureichend be- schäk« g'cn Vroduklionsstätten. Bei der Siemens u. Halskc AG. ist während des Berichtsjahrs noch ein weiterer Umsatzrückgangzn vmeiftnrn gewesen. Ja den letzten Monaten allerdings ist in der Rückwärtsbewegung ein Stillstand, im Inland logar eine leichte Tteigernng eingetreten. Der Bc' stellungseingang ist gegenüber dem voran ge- gangenen Geschäftsjahr nur noch univesent' lich zurückgeblieben. Allerdings haben sich die von der deutschen R e i ch s p o st in Aussicht gestellten zusätzliche» ArbcitsbeschassungSausirägr bisher noch nicht verwirk- licht. Immerhin sind im Jnlandgeschäst in den letzten vier Monaten im Monatsdurchschnitt mehr Aufträge eingegangen als in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs, darunter auch einige Ausiräae der Rcichspost aui dein Fernmclde-»»& Kabclgebiei. Weitere Bestcllumten der Pnvatkundicha't betrafen Fernschrcibmaichinen Feuermelder. Schalttafeln, Meßinstrumente und Fernsprecheinrichtungen. Die Rund- sunk-Saison hat sich dank der be'ondere» WcrbuugsmaN- nahmen des ZieichSpropagandaministeriums befriedigend an- gelassen. Im Verkehr mit dem Ausland erschwerten bei beide» Gesellschaften neue Zollerhöhnngen und sonstige Ei« fuhr be- schränkungen sowie immer wieder neue Deviiendkstim- mungcn die Gelchäitsmöglichkcitcn auch weiterhin. Wo sie die Ausfuhr nicht ganz nnterdande», vernrsachtcn sie außer der Einschränkung des Umsatzes eine ganz erhebliche Preis- Verschlechterung. Unerläßlich ist nach wie vor als Ergänzung der Wirt- schasisbelebung ani dem Binnenmarkt ein möglichst baldiael Erfolg der Bemühungen zur Förderung der Aus- fuhr, die gerade für die deutsche Elektroindustrie in einer' sehr erheblichen Ausmaß zurückgegangen ist. „NichtariscHe" Grundstücksverkaufe Iu einer Verordnung deS Senator» siir Inneres mid Justiz in Bremen ist von Anzeichen die Rede, die da'«r sprächen, daß in Deutichland ansässige Grundstückseigeü- tümer uichtarischer Abstammung ihre inländische» Liege»' schatten zu veräußern suchten, um sich unter Mitnahme des Erlöses in das Ausland zu begeben. Um der ltzeiahr einer dabei etwa beabsichtigten Verletzung steuer- und devifenrcchi- sicher Vorschriften zu begegnen iverden die Notare ver- pflichtet, von allen Grundstücksveräiißerungsaefchäften dei denen derartige Anhaltspunkte vorliege», nach Abschluß der Beurkundung unverzüglich dem zuständigen Landes- sinanzamt Mitteilung zu machen. ..ütfro? oder»t««sited Mussolini Hai am Sonntag alle I u n g g e s e i i e», die Beamte der Faschistischen Partei oder Kandidaten siir regie- rende Körperschaften iverden wollen, vor die Wahl gestellt: Heirat oder Abschied. Sein Botschafter in Waihiaato». ei« Hagestolz, ist daraufhin in sich gegangen. Aber bevor er die Konseguenzen zieht, will er als volrsichttger Diplomat erst die amtliche Benachrichtignng abwarten. Dieser Erlaß stammt nicht ntir von Mussolini, dem Duee, sondern anch von Mussolini dem F a m i l i e n v a l r r, b r r v o n s e i n e n G«- treuen die Befolgung seine? eigenen Bei- spiels'ordert. Auf dem Gebiete der Famllienarütidung scheinen weder Hitler, noch Rohm. Göriva dem Beispiel Mussolini» naü'ahmen zu wollen oder zu können. Das ganze Triumvirat i* nuveriieiratet nnd kinderlos. **er W Die vom Verein der Schweizer Pteste nnd de,» Schwei zenschen Zeünngsocr leger serein an das eidgenössische Pvli- iiiche D«parlement ger chietc Eingabe, die sich m>! de» Frage der>chiocizerifch' tung". das„Aargauer Tagblalt"»nd die BaSler„Naiionol- zeitung" Di« Eingabe der beiden das schweizerische Zeitnnßd- wesen In seiner lvciamlheil repräiensierendelt Verbände be- findet sich wie aus Bern qemelde: w rd. zurzeit bei» eidg" nössische» Politischen Dcparten ent in PrüOing nnd wird dcm Bundesrat mit einem Bericht unterbreitet werben. Der Bundesrai wird sich tn einer ber nächsten Sitzungen damit beschäftigen. ®eutstfie Stimmen•&eila$e sur„Deutschen Freiheit"• Iwei&nisse und Gesdkidkten ■■ ^WW>WW WWW^«» Sonntag- Montag, don 12. und tS. Novmbor 1933 ®ec Thune Uleasch in Qeiahc äacf uns nicht ql'eichçiiitig. sein.. Von Konrad Falke Wir veröffentlichen nachstehend den Aufsatz eines Schweizers, der vor wenigen Tagen in der„Neuen Züricher Zeitung" erschien. Der Verfasser gibt mehr als den üblichen Anruf an das Weltgewissen angesichts der deutschen Zustände. Er geht viel tiefer. Er zeigt die Gefahr für jenen„Begriff Mensch", der ein Bestandteil menschlicher Existenz geworden ist Die Art der Begründung und der Anklage machen den Aufsatz so wertvoll, daß wir ihn mit wenigen Kürzungen unseren Lesern zur Kenntnis bringen müssen. Tua res agitur, Helvetia! itebm!^""zeit in Frankreich der Dreysus-Prvzesi spielte, tiitMiw£ Schweizer Kolk bid in die lebten Sennhütten ei»!.'Überhasten Anteil an ihm. Es handelte sich uni hgj," Mensch«,, und darum, ob er eine Tat begangen »echfn, bichtl Heute erleben wir in Deutschland die Eiu- halb-»«MM moralisch« Berstoßung von mehr als einer dcrea. âton Menschen, von denen den meisten nichts an- titscht, iverden kann, als ihr«ei». Und was Ern/..'> fchtveigt sich tivie einige' unserer„nationalen ' darüber au», iveil, wer selber vom Willen zur ^ erfüllt ist, noch nie an Brutalitäten Anstosi ge- î" bat! ober man bringt den Betroffenen bestenfalls ha-,ê'"nttmeniale Mitleid entgegen, das überall billig z» fori*. îst. der Bedeutung der Stunde aber keiueSivegS eilt- IVUS m® c. Ma man hat noch immer nicht hinlänglich erfaßt, «ad 01i r kîgentlich vorgeht sund wie tief es uns angeht!), da«i>'bi^ iiwar nicht gegenüber Deutschland swa» nützt •). wohl aber vor uns selbst dazu«tell un g "ehmen sollen. G^rfüx ist es gar nicht erst erforderlich. Sa» gefährliche d brr„Greuelpropaganda" zu betreten und sich mit der g«na Regierung darüber herumzustreitcn, ob in den vcr- hnnSP** Monaten den Juden wirklich nur vom Haar- g ,?bler„ein Haar gekrümmt wurde". Wenn der Bund Hrvntkämpser seine jüdischen Mitglieder itirfitf bars man wohl sagen: Wer selbst durch Blindheit iüÄiiA v"b" wird, der wird nie sehend werden! Und wenn Ära!».^"terstützungSgelder(sogar solche für ausgediente ina» rJ? e,fcrn^ ber Beschlagnahme verfallen, so wundert ber J ÖBC& nicht mehr über das Triumphgeschrei, da»»ach dur»^^^bung Professor Lessings einen Teil der Nazi-Pressc bett?x. ganze Zustand, in welchem sich Deutschland i veil■^^^"hrt uur seine scharfe gedankliche Formulierung, it,..«? einer oftpreußtschc» Schule vom Lehrer daS Aufsatz- in*, abgeben wird:„Was ist der Unterschied zwischen Men- "»en«uz Juden?" Nach all dem Borgesallencn wäre es nichts als begreiflich, ïi.fr M kiner jüdischen Schule das Gegenthcma zur Tis- Scstellt würde: WaS ist der Unterschied id™'>chen Deutschen und Menschen? Aber wer sich «inli.r e--. M!r aI bie Mühe genommen bat. in ein jüdische» Ber- ha,??! l0"ch c" hineinzuschauen, der war wohl nicht wenig er- fin?..* u mit welch unerschütterlicher Vornehmheit «„!*»der erlittene Unbill berichtet wird: nur ein im (#»•»? wohlgeübieb Volk i st einer solchen ieit i i ch e" Disziplin fähig, während aus der Gegen- diet vcmmungsloS der Haß aufkreischt! Und doch mag in Monaten unter den Verfolgten manch eine heimliche geweint worden sein: über das eigene Los: über das «.^tajal von Verwandten und Bekannten, für die es weder i£t»"»ch Schutz mehr gibt? und— die bittersten, sassnngs- lesten— über die hilf- und wehrlos verletzte Menschen- »..«.' welcher man(sollte es wirklich ein Irrtum ge- ' Cb>ein?) auch teilzuhaben geglaubt hatte. 6 ,'m^i e» für die Nationalsozialiste»(wie ihr Gcisrlsiistem weist» wirklich uur eine stellvertretende Genugtuung in» "'cht"ber im Guten? Wenn Menschenfreunde die- w 7®*? die ihren Reichtum selbstlos in den Dienst des j Nächsten stellen, so stehen mit an erster Stelle a,"»ische Namen: und wahrscheinlich würde eS schon in an»»nein des Erröten? kein Ende nehmen, ivenn ma» sich „ êttstnngcn und Schenkungen bewußt werden ivvllte, " denen jüdische Gebesreude edelster Art zu einer Zeit auf K„ trat, da der Begriff Mensch allgcincinverbindendr ' rast hatte und sich noch nicht von völktichm Hochmut vcr- m-a î»h- Aber dies alles scheint nicht mehr zu gelten, nicht tiia Kclte» zu dürfen unter einem Regime, dessen Wvrt- « P Tcr vergeben habe», daß Dankbarkeit gegenüber er- '«rend, Wohltaten zu den ersten Geboten der Selbst- n„? zählt(und sich eigentlich aus der vielgepriesenen 'manischen Treue von selbst ergeben sollte!). vi??® derzeitigen Machthaber» Deutschlands ist gewiß noch i' f'» den Sinn gekommen, dasi das Schicksal Möglichkeiten .Reserve halte» könnte, wohl geeignet, sie von einem Tag »f den anderen jämmerlich in die Knie zu zwingen. Aber nvlle sich doch einmal vor. dasi eS einc»n der vielen ans- «'zeichneten jüdischen Aerzte geiänae. das längst gesuchte ^>cbsheilmittel z« finden WaS würde Herr Hilter vom »„,! de? Braunen HauseS aus dem nach Zchntansenden «»Ylcndci, TemonstrationSzua arischer Krebskranker für >ne>, arische» Trost spenden? Etwa das neue Gesetz über die sterbe Hilfe? Und würde er die Stirne Hadem zu cr- lc?. cn dasi die Juden sich christlicher erweisen als jene i. X, n' ä'e in Potsdam daß„drille stleich" einsegnen Itesicn sind dann hingingen uni unter den Inden zum mindesten !»on>tt,ch(o zu wüten, wie die mittelalterlichen»renzritier Jerusalem es nn: dem Schmerle taten lnur dasi diese den ">ben zur Entschuldigung für sich hatte«, fie müsitcn da» 'ät de» Erlösers brn Heiden entreißen)? ^Dasi einzelne Bernsc»»letzt»nverhältnisuiäsiig stark mit " den besetzt waren und dasi darum Spezialgesetze erklärlich üeive-en ivären das aebrn auch die Inden zu: aber das ihi'eu ü-genübcr eingeschlagene allgemeine Borgehen, das die ^ einentarsten Bcgrisse menichl cher Gcsirtuna in Frage stellt, '"üt sich„m io weniger rechtfertigen als doch die Jude» stsnan denselben Geittzen nnterstanden ivie die übrige» ^>aalsangrhörigen. Dazu kommt, dasi ein Staat sich der blvsi '»»hin Niedergelassenen jederzeit erwehren kann wenn er und dasi da? eigentliche Problem nnliebiamen Zu- Dachses erst mit der Einbürgerung begannt. Wie aber Erhält es sich damit? Der bebauvtete..unachcnre Zustrom" der am m-istan als»"„tin-u-'.»,,-■• band iiuin Beisvtel— nack' amtli'^en üh-r die E'nbürge rung- für Preusien in de» Jahren' bis ttbil iährl'di iiu Verhältnis von 111000t»0 betrug also nur ein Tausendstel ^evz«nt! Erinnert man sich des wei'-rcn der Talsache dasi Veras« bi« tonaagebendrn Preusien alle» andere al»„G«r» manen" sind(und dasi, wenn der Jdealipp des blonden blau- ängigen Menschen niit ovalen«(Sesichl, rosigem Teint, schmaler Nase und kleinem Man» allein sollte maßgebend sein dürfen, noch verschiedene weitere Blutsorlen alo bloß die jüdische ans dem deutschen Bvlîe ausgemerzt werden muß- ten), so kann man in der Begründung des heutigen Ge- schehcns mit Nassefragcn und Rasscz'clen nur noch eine Maske erblicken, gerade recht als Borwand znr Eni- fesselnug von Instinkten, die weder arisch noch nicht-arisch, sonder» ganz einfach barb-arisch sind und die sich bekanntlich schon längst nicht mehr nur an Juden, sonder» überhaupt an sedem Andersgest,»nie» ersättigen:»vir erleben beute die Ernte jener Berrohung, die im Weltkrieg gesät worden ist und die man zuin»nindesten in nilfcrem Lande nicht länger als etwas Selbstvcrstä»idlicheb sollte hinnehmen dürfe»»! Jeder, der eS nnssen will, weist, dasi die menschliche Kultur — verglichen«irit dein btosi natürlichen Kreislauf von Ge- boreniverdeu Zeugen, Sterben, in»velchem sich für ander« Lebewese» der Daseinszweck erschöpft— einen„überflüssigen Sonderfall" darstellt und mit dieser Sonderstellung unserer Kultur stimmt auch übkrctn, dasi sie durchaus nicht immer uur von„rasienreinen", ja, nicht einmal von„normalen" Jndi- viduen die meiste Förderung erfahre» Hai. Kultur ist und bleibt in ihrer Genesis dcrmasien eine Angelegenheit in« d ivi du eller Initiative, dasi alle aus„Rasse" abzielende Eugenik bestenfalls die passiv verharrende Wenge— den Resonanzboden für die individuellen Melodien— zu heben vermag.' aber ivenn cttva jemand das neue Sicrili- sationsgesetz weuigsteus unter diesem Gesichtswinkel er» wägcndwert finden sollte, so wird er doch zugeben müsse«, dasi es zurzeit aus Händen kommt und Bestimmungen cnt- hält, die schli»n»»sten politischen Mißbrauch befürchte» lassen! In der Tat veröffentlichte bereits ein nationalsozialistisches Blatt(das Mannheimer„Hakeukreuzbanncr" vom 2R. August l!i33) die Adressen und Photographien(!)„arischer Mädchen", die de» Umganges mit Juden beschuldigt werden, und forderte für diese„artvergejsenen Kreaturen"— die Stert- lisation... Ist die Menschheit wirklich nur noch ein G e- st ü t e und die gesamte bisherige menschliche Kultur ein bloßer U m»v e g g e w e s e n, an dessen Ende loiedcr jenes Tierreichstcht. dem der Mensch gualvvll verhaftet ist und über das e» sich angesichts eines solchen Ergebnisses besser niemals hinanSgehvden hätte? Dieser ganze Rassenschwinbel hat jedenfalls deutlich genug jeln Bvrdild tu der Tierzucht, de» welcher z»var nebe»» physischen auch noch geistige und primitive ethische Eigen-- schaften, aber gewiß nicht jene ethischen Werte, wie sie allein ber Mensch kennt, in Betracht kommen: und wie zum Beweise dafür, iv o h i n eigentlich der Blick der neuen Macht» Haber Teuti äanda gerichtet ist, hat man- damit der Ten- gödi« die Komödie nicht fehlet— ausgerechnet in diesem Zeit- alter in Preusien die Btvtsettion verboten und vorläufig unter die Strafe de» Konzentrationslager» gestellt. Was»»'ill man noch mehr? Wenn auf unserm mit Maschinengewehren und Giftgasen gesegnete» Erdball Elefanten und Rhinozerosse. Löwen Tiger, Panther. Bären und Wölfe noch eine»nasi- gebendere Rolle spielten als es der Fall ist, so ivürden sie jetzt ans Erkenntlichkeit einen M e n sch e n schutzverein gründen und nicht verlegen sein, Ivo sie die erste Sektion ins Leben rufen müsitcn. Aber die Tragikomödie bleibt nicht aus das Tierreich de- schränkt. Was sagen die Millionen deutscher Frauen dazu lwclche dem beutigen Regime mit zu seine». Wit (Von Edwin Grrd BiwmMn) Wir find die illegalen Streiter» Wir unbekannte Wegbereiter. Trotz Not und Gefahr Wir find da. Wir sind im Betrieb» aus de« Stempelamt, Wir drücke« una uur»ertraulich die Hand. Verfolgt man«na«och? Wir lebe« dvch. Mir kenneu uns nur von Mnnde z» Munde, Wir werden stärker von Stunde z« Stunde. Und schlägt man uns nieder. Wir»verden«vieder. Wir denken an alles, vergessen nicht, Wir halten einst fürchterlich Gericht. Es kommt unsere Zeit, Wir sind bereit. Wir iammel« aufs neue der Arbeit Massen, Wir sammeln dir, die Knechtschaft hasse« Trotz Bersolaung und Nut» Wir sind nicht tot. Mr bahnen den Weg der besseren Zeit, Wir Kämpfer für Freiheit und Mrn-'Kich'-'' Noch sind wir verborgen W»r die von morgen. „demokratischen Wahlsieg" verhalsen), dasi sie sich ans ihrer >» jahrzehntelanger mühsamer Arbeil amaebguien freien M e n s ch e n st e I l n n g mit einer umfassenden Armbeivegnng in das„Konzentrationslager der Familie" zurückverwiesen scheu? Und wie müssen sich erst jene vielen Frauen und Nkädchen vorkommen die in-(sottes Rainen keine„blonden Arierinnen' sind, sondern eher dem„dunklen Miitclmeer- typ" entsprechen, den die Rassentheoretiker de»„dritten Reiche» liebenswürdigerweise einen„Hetärenlnp"-nennen? Angesichts der Tatsache, daß durch den Begriff des Völkischen eine chinesische Mauer ausgerichtet wird, die leine iiiternalio- naleu Horizonte Mehr zu sehen, keine völkerverbindenden «>>edanken mehr zu fassen erlaubt, darf man ohne viel Ueber- trcidnng sagen: Im Reiche Adolf Hitlers gibt es im Grunde keine Menschen mehr, sondern nur«och„Arier", die sich in Männer und Weiber teilen mil der Ausgalv einerseits de» zeugenden Eroberers, anderseits der gebärenden BeitHiliecriu des Eroberten: und der neuen Staatstyrannis entspricht wieder, wie es nur logisch ist, die alte Familientyriinuiv mit ihrem sattsam bekannten SittlichkeitSmoiiopol, in dessen Zeichen dir Männer die Frauen»n jeder Beziehung vergewaltigen dürfen. „Vergewaltigung" ist überhaupt die große Losung des Tages und erstreckt sich bis in die letzten Gebiete der Seele hinein, die»na» ebenfalls gleichzuschalten»ersucht. Tag für Tag läui!»er Rundfunk und setzen die„Führer" den Mafien die Gedanken und Gefühle vor, die sie haben sollen und haben dürfen: und ein den Leuten geradezu ansaedrüügtkr billiger E m p s a n g» a p p a r a>. der nur deutsche Sendungen g u f n i m m t, sorgt seinerseits dafür, daß die „Autarkie" auch aus das Geistige sich ausdehnt und— zu- sammen mit dem Verbot anständischer Zeilnngem— jede Störung durch Erwägungen, die nicht dem Regierungstiegel entstammen, fernhält- Wenn die Unterdrückung aller individuellen Regungen eineijeits und die Betonung des Heldenhaften anderseits ei»»>»»>ptmerkmal des Bolschewismus aus- machen, io ist. was heute in Deutschland herrscht. B v l s ch e- wisinns. nnd brauchen wir die Beantwortung der Frage, »vas wir Schweizer zu tun hatten,„wenn es in Deutstlilund zum Bolschewismus kommt", auch nicht einen Tag länger hinauszuschieben. Wir Schweizer sind heute, wo man nnS„völkischen Belangen" unterwerfei» will, ungleich verhängnisvoller in die großen weltpolitischen Entscheidungen verslochten als zn der Zeit, da in unscrm Land zum letztenmal tsteneralinarjch ge- schlagen wurde und daS Schicksal uns z» Zuschauern des ungeheuren Geschehen? mochte. Die Menschenrechte sind nicht inehr nur von der»virtschastlichen, sondern n'vch weit mehr von der politischen Seite her bedroht. Aber ge- rade daraus schöpfen wir eine letzte Hoffnung. Wen» bei wirtschaftlichen Fragen meistens die Verhältnisse starker sind, so liegt bei politiiche» die Entscheidung in oberster Instanz beim Menschen und wird gerade wirtschaftliche Not zun» Prüfstein für die Kraft eine? politischen Ideals indem man ihm,»vv so viele materielle Werte versagen und vcr- sinken, als letztem und höchstem Wert treu bleilE. Wer jetzt bei uns dem rasienreinen„nordischen Mensch" von oh>.ii Seiten her abguckt,„wie er sich räuspert und spuckt", der »vird für seine Lakaienbeslissenheit nicht etwa Anerkennung, sondern zur rechten Stunde den Lakaienfnßtrftt erhalten und ein.Hohngelächter darüber, dasi»vir glaubten, nach fremder Schablone„nationale Erneuerung" spielen zu dürfe». Für die Schweiz kann eS nur eine„nationale Erneuerung" geben: für Freiheit und Menschenwürde In dem Masie ein- zutrete« als sie ansierhalb unserer Grenzen verloren gehen! Nnd ivenn wir jetzt angesichts der Behaudlung, welche neben den Juden auch die politischen Gegner n u s e r e s Staates im nördlichen Nachbarlaude erfahren, im Namen der Menschlichkeit protestieren, so lernen sie vielleicht die schwel- zerische Demokratie wieder mit anderen Augen ansehen: und -selbst wenn sie es nicht tun sollten, so protestieren wir dennoch Denn es gebt nicht um Inden nnd nicht»in Komma- nisten und Sozialisten, soudern darum, ob es erlaubt sein soll, den M e n s ch c ti wieder z um H e r d c» t i c r z u machen und ihn als solches zu behandeln. Deshalb darf es uns nicht gleichgültig sein) ma S alles sich ictzt in Deutjchland zuträgt. Die Zustände und Vorgänge in den Konzentrationslagern— in welchen man nicht nur die Leiber, sondern auch die Seelen brechen möchte— sind ein schwarzer Fleck im Bilde der m eu schlichen Zivilisation und jleider!) eine nachträgliche stt c ch t s e r t i g u n g alles d c s i c n, was von den G e g n e r» Deutschland? von jeher behauptet w u rde und was zu glauben wir»«:? bi» vor kurzem immer noch gesträubt haben. Wie hat einst dir Welt sich entrüstet über da» Vorgeben der Engländer gegen die Buren! Wie hat im letzten Kriege Deutschland selber aufgeschrien über die Hungerblockade die seine Gefilde noch über den Wassen- stillstand hinaus zu einem einzigen Konzentrationslager machte! Und wie behandelt eS jetzt seine eigenen Kinder, von denen nicht wenige weit schlimmer als Kriegsgefangene gehalten werden, alle aber von einer staatlichen Spionage sich umiviltert wissen, die für einen freien Menschen zum allernnemäglichsten gehört? Man erspare nn? den billige» Vorwurf der Deutsch» s e i n d l i ch k e i t! Wir erheben uns nicht gegen Deutschland, sondern gegen die Methoden seiner deulige» Machthaber, die, indem sie das Verhältnis Teutschland Oesterreich als „innerPolstische Angelegenheit" bezeichnen, Cvste»-mch bereits a l s verschluckt betrachten und ups eben dadurch einmal mehr znm Aushorchen zwingen. Dasi vollends.in Verlin ein Schiveizer Bürger von SS.-Leuten mit Fußtritten schwer mißhandelt»onrde. nur weil er daß Hakenkrenzbanner nicht grüßte, das sei uns ein Sinnbild für alle die Fasilntte, die unser Land zu gewärtige»» hätte, sobald auch das Ber- hältni» Deutschland-Schweiz nur noch eine„innerpolitische Angelegenheit" wäre: selbst der verschlafenste Schweizer wird nunmehr answachen und wieder mit elwas mehr Verständnis das iveisie Kreuz im roten Felde grüßen, daß ein so stolzes Ze chen der Freiheit ist dasi sowohl Verweigerung alS Ver» sänmuis des GrusieS»hm nicht? anhaben können! Heute dir, morgen mir! Ein Volk, da» gegen ein Ver- brechen an der Menschenivürde nicht mehr seine T.imme er» hebt und sich durst, Schweigen zum moralisch Mitschuldigen macht, das wird an dem Tage. a„ dem es für sich seldst ei» zustehen bat, mit dem Fluche der Feigheit geschlagen sein: der Schiväche. Auch w r würden mit der militärischen Rio bili'ai'vn— die»ins noch lang« erspar» bleiben möge!— nur eine hohle und brüchige Rüstung überwerfen,»vcn» wir nicht längst vorher durch eine Mobilisation des Geistes erkannt hätten, wofür und wogegen mir»n? zu wehren haben, und in da^ Spiel das»in un? und gegen uns lnnd wahrschsfiitich g'«mu iin'rv ii»»?!l in, Gamm st. recht- zeitig den eigenen Willen einsetzen, der uo.»:>», er mitgezählt hat im Rat.chiusi der Götter. Da« res sgitur, Helvetia!— Um dein Schicksal gehls, Hel Vitien!" Es ist nicht so schlimm!" Tatsachen gegen Phrasen— Gewidmet den gekauften Lügnern in der gesamten gleichgeschalteten Presse, den menschenfttrchtigen Priestern der Kirchen und allen andern schweigenden Mitschuldigen 1931/82) und Krause verhaftet, weil er fälschlich beschuldig Vor einiger Zeit kam ein Mann aus dem„dritten Reich" nach Paris gereist, der befragt, wie es in Teutschland aus- sähe, die klassische Antwort des'Kleinbürgers gab:„Es ist nicht so schlimm". Er wußte wohl, daß Konzentrationslager eristiercn. Er wußte von vielen Verhaftungen, aber er hatte keine Ahnung, was mit taufenden der Verhafteten geschehen ist. Er begnügte sich damit, daß nur etwa zehn Prozent der l ingesperrten den barbarischen Mißhandlungen der brau- uen Soldateska ausgeliefert werden. Er war verwundert, als er horte, daß niemand im Ausland behauptet habe, jeder Verhaftete werde mißhandelt. Er war erstaunt, als wir ihm eine schreckliche Fülle von Beispielen aus der letzten Zeit so- zusagen lebend vorführen konnten, und er schwieg betreten. Weiß die Welt, und vor allem weiß das deutsche Volk, was in Deutschland vorgeht? Man hat vor fünf Monaten großsprecherisch behauptet, daß die Zahl der in politischen Kämpfen Getöteten zurückgegan- gen ist. Inzwischen hat eine auf Grund des vorhandenen Materialismus aufgestellte Liste ergeben, daß vom Tage der „nationalen Erhebung" bis zum 39. September nachweisbar fünfhundertundfünfzig Menschen getötet worden sind. Das sind alle die Fälle, die auch von deutscher Seite bestätigt wurden. Wieviele Tote es mehr gegeben hat, kann nur ge- schätzt werden. In der letzten Zeit ist wenig davon gesprochen worden, was hinter dem Stacheldraht der Konzentrationslager und Gcfängnismauern vor sich geht, und es könnte die Welt „Mein lieber X., ich gehe jetzt weg, in zirka zweieinhalb Stunden komme ich wieder, dann wirst Du uns alles sagen, was Du weißt und was wir von Dir wissen wollen. Damit Tu Dich aber besser entsinnen kannst, werden wir Dir erst einmal zehn Schläge überziehen." Das war die Begrüßung, auf das bloße Gesäß wurde der junge Ar- beiter mit einer Lcderpeitsche geschlagen. Dann wurde er in einen Wandschrank mit geringer Luftzufuhr ein- gesperrt. Nach zwei Stunden kamen SA.-Lcute, fragten, ob er schon etwas zu essen bekommen habe. Als er dies ver- neinte und hoffte, Essen zu erhalten, führte man ihn her- aus, fotografierte ihn von allen Seiten, ließ ihn sich über einen Stuhl legen und verprügelte ihn von neuem. Der Mann ließ sich aber nicht alles gefallen, riß einem SA.- Mann die Peitsche aus der Hand und schlug wild um sich. Mit Wut stürzten sich die SA.-Leutc aus ihn, sperrten ihn in einen Kasten, würgten ihn, traktierten ihn mit Fuß- trittcn, sodaß ihm mehrere Rippen gebrochen wurden. Der Arbeiter ist von einem Arzt, viele Wochen nach seiner Tor- tur, im Ausland behandelt worden, nachdem er bereits vier und eine halbe Woche in einer Berliner Klinik gelegen hatte. Erschütternd der Zusatz des Protokollsührers über einen ihm bekannten Mann, von dem er besten Erlebniste hörte. „Vor sechs Monaten sah ich den Betressenden, der mir von Berlin ans sehr gut bekannt ist, letztmalig. Damals war er stark und aufrecht gehend, heute macht er de» Eindruck eines geistig Zerrütteten. uuv.uiuun uiiijuiici, lucu ci juisujiiwy V^ dem Zimmer gestürzt und ruft:„Das habt Ihr ß e tan. das braucht Ihr nicht zu vertuschen!»m 27.«eptember beerdigt die sechsundsiebzigjährige Mutter a dem Friedhof in Weißensee ihren neunundzwanziglayrige Sohn.— Aber unser junger Mann „ ans Deutschland erklärt ist nicht so schlimm!", und die nationalsozialistische, noch schlimmer die gleichgeschaltete Preste, wundert sich, dab d Welt sich von einem solchen Deutschland abwendet, in dem die Verantwortlichen das zulassen, was wir durch»««'S* Zitate aus Hunderten Protokollen belegt haben. Es genügt aber nicht, sich abzuwenden. Wenn ein Aegee- stamm einen weißen Mann überfällt, ihnen gefangen«an oder gar tötet, werden Armeen aufgeboten, um diese Schmaw zu rächen. Eine internationale Armee zog anläßlich oes Voxeraufstanbes im Iabrc 1999 nack Ebina. In Deutschland aber kann unter den Augen der Welt diese Kulturschanoc andauern. Die dargebotenen„Kostproben" sind den Proto- kvllcn der letzten Zeit entnommen. Der Platz in den Zeil' schriften für Kultur würde nicht ausreichen, um sie ivort- Chei Wanda à», ru* Caumartln Cabaré, Dancing, Mittag- und Abendessen, Orchestre The two hot players„Marcel" Yvonne Henrv. Tassia MouratoH. /orin, Golovko u.a. Direktion! Otcar U Ban.Eriilon 6, RUE TAYLOR, PARIS(10) (Oares Nord et Est) Téléphone Botzaris 17-83 Schöne Zimmer, mdssige Preise. Wenn Sie gemütlich und ruhig wohnen wollen, so steigen Sie Im Hôtel„TAYLOR" ab. | PARIS-ETOILE I 6, RUE D'ARM AILLE CHEZ K01NIL0FF Berühmt durch«eine vortreffliche Küche u.«eine Spezialitäten. Stark beiucht von deutschen< | Téléphone Etoile 52-4?| glauben, daß der Mann mit seiner Antwort„Es ist nicht so schlimm" Recht haben könnte. Mit aller Deutlichkeit muß daher im Interesse der Opfer gesagt werden: es ist sehr schlimm! Schlimmer als es eine Dantesche Fantasie aus- znmalen vermocht hätte. Die Höllengualen, von diesem gro- sen italienischen Geist geschildert, sind ein Nichts gegenüber rem, was in den hauptsächlich von SA.- und SS.-Barbarcn geleiteten Gefangenenanstalten aller Art vor sich geht. Aus der Fülle des Materials, das wir unserm Skeptiker auS Deutschland vorführten, seien hier nur einige wenige Bei- st'iele wiedergegeben, die zeigen, welcher Barbarismus in 3 entschlanb seit mehr als sechs Monaten wütet. Ein Mann, der vom 31. Augnst bis 9. September in dem der Feldpolizei General-Papc-Straße-Rerlin gehörigen Eolnmbia-Hsefängnis, einem im Innern zum Teil ver» sallenen Vau, sich ausgehalten hat,'childert. daß die dor. ttgen sanitären und hygienischen Einrichtungen sich im schlimmsten Znstand befanden. L'aschgelcgenheit für 259 Personen— eine Hofpumpe. Er beobachtete, wie man einen Mann von zirka 35 bis 49 Iah- rcn zur„Vernehmung" führte und wie dieser nach einer halben Stunde mit völlig beschmutztem Anzug, an den Händen Hands ch eilen i n die Zelle zurückgeführt wurde. Nach zwei bis drei <7 linden kommt aus der Zelle immermährendes, lautes S löhnen. Der Gepeinigte bitte, einem Arzt vorgeführt z„ werden. Er könne es nicht mehr aushalten vor Schmer- zcn, sein Unterarm sei gebrochen. Die Handschellen schmerzen st fir. Die SS.-Leute lachen über ihn und kommandieren: „Still gestanden, Hände auf den Rücken!" Und k r Mann, der Handschellen trägt, desien Unterarm gebrochen iß, soll die Hände auf den Rücken nehmen. Bon einem andern Gesängnisinsasten berichtet der Oben- genannte, daß dieser tagelang stehen mußte und nicht schlafen durste. Alle zehn Minuten wurde er kontrolliert, in der Nacht dauerndes Licht. Tie Auspeitscknng war die geringste Art der Mißhandlung. Es wurde systematisch vorgegangen. An d n Zellcntüren wurden besondere Zeichen angebracht, nach denen der Grad der Mißhandlung bestimmt wurde. Ein Mann anS Leipzig, der sich sür die Liga für Menschen- rechte interessierte und entsprechende Literatur besaß, kam in daS Konzentrattonslager Eolditz in Sachsen. Bei der Ankunft wurden diejenigen, die Zigaretten, ein £ fesser oder Geld bei sich hatten, mit Gummiknüppeln ge- piügelt. Diejenigen, die durch wochenlange Haft im Polizei- g sanguis, wo sie keine Wn^oelegenheit hatten, schmutzige s üßc hatten, wurden von den SA.-Lcuten mit Nagelschuhen ans die Füße getreten. Der TA.-Mann Dietrich tat sich hierbei besonders hervor. Beim gemeinsamen Baden, stellte dieser Häftling fest, daß eine Anzahl Gefangener blutnnter- laufen« Striemen auf ihrem Körper hatten.„Die Mißhanb- l ingcn geschahen bei den soaenannten Vernehmungen, wobei dcm Häftling unter Mißhandlungen Geständnisse erpreßt wurden. Ich hörte fast jeden zweiten Tag die Schreie der Gepeinigten, die auS den unteren Stockwerken berauftönten. Ich sah einen Milchhändlcr, der als kommunistischer Kurier u.rdächtigt wurde, von der„Vernehmung" zurückkommen, der von drei SA.- Leuten gestützt wurde. Durch sine Hose sickerte das Blut."— Ein Buchdrucker, der sich in dem inzwischen ausgelöstem Konzentrationslager Dürgon befand, erzählt von den Uebnngcn, die im Lagerhos mit de« Gefangenen gemacht wurden. „Kniebeuge, hinlegen, Dauerlauf, und dabei mußten die Häftlinge„Ich bin ein Preuße" singen. Nach diesen Hebungen mußten wir etwa eine Stunde„Still gestanden, Hände an die Hosennaht!" warten. Einer, der aus Schwäche umfiel, uliielt zur Stärkung Rizinusöl eingeflößt." Ein besonders aktiver und darum bei den Nationalsozia» listen verhaßter Reichöbannermann kam in das braune Hans von Oels. Was er durchgemacht hat, schildert er in einem aufregenden Protokoll, ans dem nur wenige Stellen zitiert seien. „Mir wurde vorgeworfen, ich sei an der Ermordung deS SA.-Manns X. beteiligt gewesen. Als ich dies abstritt, wurde ich in einen besonderen Raum geschafft und über einen offen- bar eigens für diesen Zweck gefertigten Block gelegt. Ich erhielt von jedem der drei anwesenden SA.-Leute etwa vier- zig Schläge, insgesamt also über hundert Schläge auf das Gefäß, Rücken und auf die Beine, in die ich mit beschlagenen -tiefeln getreten wurde, als ich mich vor Schmerz gegen die Hiebe, die mit einer Nilplerdveitsche ausgeführt wurden, wehren wollte. Während der Schläge mußte ich laut zählen. Darauf wurde ich in stark verlebtem Zustand in das SA.- Revier im gleichen Hause geschafft. Mein Körper wieS starke Schwellungen und acschwürartiae Verwundungen auf."— Ein junger Arbeiter a«S Berlin-Neukölln kam End« Mai zur Geheimen Staatspolizei und wurde dort von einem Stabssührer der SA. vernommen. Beim Gehen wankt er, als ob er ständig umzufallen droht. Seine bisher schwarzen Haare sind in wenigen Monaten er- graut. Dieser„dreckige Stinkjudc", wie sie ihn nannten, wurde in der General-Pape-Straße, wo die berüchtigte Feld- polizei tätig ist, gepeitscht. Mehr als hundert Schläge hat er auf einmal erhalten.— Die Aussagen könnten fortgesetzt werden. Entsetzen er- regend ist der Bericht über den Tod des Arbeiters Max Z i w i k e, der auch nach der General-Pape-Straße gebracht wurde und der, weil er seine Kameraden nicht ver- raten wollte, von der TA. so zugerichtet wurde, daß sein Gesicht eine unförmige Masse war. Er starb vierundzwanzig Stunden nach der Einlieserung in das Urbankrankenhaus. Ebenso grauenvoll der Tod eineS jüdischen Angestellten, Hans Blandowski, der einer furchtbaren Verwechslung zum Opfer siel. Er wurde am 17. August von den SA.-Leuten Kollatz(dem Mörder des Reichsbannermanns Schneider, Sylvester Madelis-Hotel 166 bis, R. DE LA ROQUETTE(pl. Voltaire) 150 Zimmer mit Küchen, jeder Komfort, Lift, monatl. 300, 325, 350 u.380 Frs. Maisonnette des Comédiens Russes Erstklassiges Restaurant-Cabaret. Normale Preise RAPHAEL(.. monico), NAST1A POLIAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr). Soupers(bis 3 Uhr) 36, RUE VIVIENNE(BEI BOURSE) PARIS- wörtlich abzudrucken. In allen FlüchtlingSzcntren häufen siâ> die lebenden Dokumente des neuen deutschen Barbartsmus, der nicht— man gebe sich keiner Täuschung hin— îlusdru» von Ausschreitungen untergeordneter Organe ist, sondern die nationalsozialistische Kultur manifestiert. Der feige dismus, der sich in Deutschland an wehrlosen Menschen aus tobt, ist keine Zufallserscheinung. Jahrelang hat die natto nalsozialistischc Propaganda die Massen auf den Tag oer Abrechnung vorbereitet. Die Reitpeitsche, der Gummiknup pel und sonstige Schlagwerkzeuge waren seit mehr als einen» Jahrzehnt die politischen Diskusiionsmittel der braune» Horden. Das müsien wir erkennen, und darum sei der We» gesagt: diesem Deutschland gegenüber nutzen Worte nichu- Die Kulturwelt ist, wenn sie nicht mitschuldig werben tot», verpflichtet, durch Taten zu beweisen, daß sie sich von diesem dunkelsten Mittelalter distanziert. In Gens ist jetzt hin hon« vungsvoller Anfang gemacht worden. Das heutige Deutsch- land, das nicht das von der Welt geliebte und bewunderte Deutschland repräsentiert, diesem Deutschland gegenüber nutzt kein Munbspitzen, es muß gepfiffen werden. Junger Bergmann erzählt „Wir kommen von der Landhilfe!" Man schreibt uns aus dem Ruhrgebiet: Eine Fahrt durch Westfalen. In Gütersloh steigen zwei junge Leute in mein Abteil. Ein großer Schwarzer mit einer Perstlschachtel, ein kleiner Schmächtiger mit einem Mar- garine-Karton. „Na, von der Walze?" „Von wegen Walze, das gibts nicht mehr, die Pennbrüder kommen alle ins Gefängnis, selbst wenn sie kein Zuhause und keine Arbeit haben. Nein, wir kommen von der Land- Hilfe." Dankbar fallen- sie über die angebotenen Zigaretten her, und dann beginnen sie zu erzählen. Sie sind von Wanne- Eickel und seit Iahren arbeitslos. Jetzt hat man ihnen, wie allen Untcrstützungs-Empsängern bis zu 25 Jahren, die Unterstützung gesperrt. Sie sind dann zur Landhilfe nach Gütersloh geschickt worden. „Landhilse, was ist denn das?" frage ich wißbegierig. „Tie jungen Leute sollen alle aufs Land, die Bauern krie- gen dann unsere Unterstützung und für unsere Arbeit müs- sen sie uns verpflegen Viele von uns sind gar nicht erst ge- fahren: die müsien sich jetzt von ihren Alten durchfuttern lassen. Andere sind schon im Frühherbst weg gewesen, die mußten dann von morgens 5 bis abends 19 Uhr schuften. Bei der ersten besten Gelegenheit sind sie dann wieder nach Hanse gefahren. Jetzt kriegen sie natürlich keine Unter- stützung mehr. Mehr wollen die Behörden ja auch gar nicht." „Ja und ihr?" „Wir sind erst in der vergangenen Woche fort geschickt worden. Man hat uns von Gütersloh aus von einem Bauern zum andern geschickt." Immer 29 bis 39 Kilometer weit. Kein Bauer wollte uns haben, die haben die Nase voll von der Landhilfe. Einer sagte mir:„Ich habe doch selber keine Arbeit und bann soll ich Dich noch ans Fressen halten, ich habe den Leuten vom Arbeitsamt gesagt, ich wollte kei- neu haben, aber jeden Tag schicken sie mir Neue." Zu mei- ncm Kollegen hat einer gesagt:„Was, Du kommst aus dem Kohlenpott, Dich kann ick nicht gebrauchen. Du hast ja nichts in den Knochen, mach daß Du fortkommst!" „Ja und nun?" frage ich. „Wir haben nock mit Mühe und Not eine Bescheinigung bekommen, jetzt können wir wenigstens zu Hause weiter stempeln." Oberbürgermeister Althoff „Diese neuen Bonzen sind ja viel schlimmer als die alten, und verstehen tuen sie auch nichts von dem Kram. Wenn ich bloß unfern Oberbürgermeister besehe. Er ist der Sohn von einem großen Bäcker. Im Kriege hat er mit Zuckerschiebun- gen angefangen. Dann hat er seinen Alten betp'gen. Er bat dem Fahrer mehr Brote mitgegeben und das Geld dafür mußte der an ihn abliefern. So hat er nach und nach daS ganze Vermögen von seinem Alten durchgedacht. Heute markiert er den„dicken Willem". Dabei versteht er von dem ganzen Berwaltunaskram nichts. Aber dafür hat er ja seine Leute. Mit Adolf Hitler ist das doch grade so. Er mag ja einen ganz guten Willen haben, aber jeder Arbeiter weiß doch, daß er nur Strohmann ist. DaS Kapital regiert dock: an das wagen sich die NaziS nicht ran." „Hören Sie mal, was sie ja erzählen ist doch allerhand, wenn id, sie jetzt anzeigen würbe. Waren Sie denn früher Kommunist?" „Im Gegenteil, ich war beim deutschnationalen Kampst ring. Ich sollte mit rüber gehen zu der SA. DaS habe>w aber abgelehnt. Ich habe ihnen gesagt, mit jedem Lumpe» stelle ich mich nicht auf eine Stufe. Da wollte man mir er» an den Kragen. Ich habe ihnen aber Beweise gebracht. Der Dreßlcr hat drei Jahre im Zuchthaus gesessen. Den Fahnen» träger von Bockum kenne ich. Der ist sechs Jahre im Zuchthaus gewesen. Nein, mich können die Brüder nicht fangen. Wenn ick Kommunist oder im Reichsbanner gewesen wäre, hätten sie mich ja sofort tot gehauen. Auch jetzt haben sir noch einen Pick aus mich. Ich muß mich ja in Acht nehmen. Denn die SA. fragt ja einen Dreck nach Recht. Ans dem Gardefest im Juli haben sie«4nen Sckuvo-Leutnant mit acht Mann verhauen. Der Mann hat zwei Monate im Krankenhaus gelegen. In der Zeitung hat natürlich nichts davon gestanden. Das weiß aber die ganze Stadt. In unserer Straße sind 79 iunge Leute, von denen sind drei bei der SA., von den anderen krieaen sie auch keinen dabei." Wir sind inzwischen in Dortmund angelangt. Mit einem„ServuS" verabschieden sie sich.„WennS aber mal rum geht, sind wir dabei, dann stehen wir bei den Arbeitern, wo wir ia anck fiingebôren." f Ich schleudere durch die Straßen von Dortmund. Ueberau hat man große Transparente aufgestellt.„Freiheit. Brot und Gleichberechtigung, stimme mit Ia!" Bon den Plakat- säulen und Mauern prangen Anschläge, die in kategorischer Form von den Wählern das Ja" verlangen. Da kommt eine Gruppe mit Farbentops und Pinsel und beginnt de» Bürgersteig zu beschmieren. Nanu, denke ick. das ist doch die Arbeit der Kommunisten. Von derartigen Sckmiermethode» rückten doch sonst die Nazis und die Rechtsparteien energisch ab. Die Schmierer tragen dick- Wintermäntel und hohe Kra- gen. Aha, stelle ich fest, daS sind die„Märzgefallenen", die Neulinge in der Nazi-Partei, die mit dieler Arbeit ihre Aufnafime-Prüfung abfegen müsien. Die Arbeit ist ihnen sichtlich unangenehm. Aber was tut man nicht alles, um sein Pö'tchcn zu erhalten oder um ein Bonze zu werben. Tväter sah ick dann dieselben Plakate nnd Sckw'erereiev in allen Städten. Sie wurde aflo von„Oben" befohlen. Auch ein Kapitel zur Arbeitsbeschaffung. 99 y pp@nwüiriF@fl HADAR" nur für die FLEISCHKÜCHE Hergestellt unter der Aufsicht des Herrn Oberrabbiners M. Rottenberg. Antwerpen VERTRETER gesucht für alle LÄnder I. Löwy" vers 22. Rue Nervlens (Belgique) Pariser Berichte Pariser Sfraßenkalender»er letite sonn ruions ®ie Gebeine des Marschalls Joffre wurden auf Wunsch des 7: n vom Jnvalideiidom in das Mausoleum von Louve- "«unes auf dem Besitztum Joffrcs gebracht, das sein Schwiegersohn, der Architekt Lafftlee. alS heiteren griechischen Fempel nach dem Muster des kleinen Stebestempel» in à"baut hat Auf den, Stein steht lediglich die In- n°»»^îer ruht Joseph Jacques Ccsaire Joffre. Marschall o»n Frankreich. 1852—1931." e französischen Pfadfinder hielten am Waffenstillstands, ue ihre Jahresversammlung in Straßburg ab. .* Da» letz,« Werk des toten Jack London..La Brute des Ca- vernes'. wird demnächst französisch herauskommen. omette Ziehung der französische« November im Trocabero. 47. RUF Oll BERRI, 47 Lotterie ist am Sonntag den 12.. findet im Parc des Princes ein Fußball- mmpf First Vienna— Racing Club de PariS statt. Ei« Spanier an« Saloniki, erzogen in Kairo, der ein« Griechin eine Belgierin und eine Französin geheiratet hat, °hne geschieden zu sein, und eine Belgierin heiraten wollte, rryielt von der Pariser Strafkammer IS Monate Gefängn'» Aufschub. » è. Restaurant„Little Hungary", nicht weit von der Meleine. entstand Kurzschluß durch einen elektrischen L'°îmerlûftcr. während zwölf Liter Benzin zum Neinigen Teppiche verwendet wurden. Im Nu stand der ganze !k?v«J n Flammen. Der ungarische Küchenchef Etienne »m i' 7 Jahre alt, wurde getötet, vier andere Angestellte vmrden mit Brand- und Rauchverlctzungen in ein Kranken- «aus geschafft. * Großindustrielle Citroen war Gast in der sowjet- russische» Botschaft. .„Der frühere sehr populäre Pariser Polizeipräfekt Lepine Vj>m Alter von 87 Jahren gestorben. Unter ihm passierten Cle Fälle Dreyfus und Madame Humbert. * Im Palais de la Mutualité fand eine Gedächtnisfeier de? ». November durch die deutsche sozialistische Gruppe Paris *«•'. on der Vertreter der französischen, italienischen und Aistsche» Sektionen teilnahmen. Die Gruppe emigrierter «unitler wirkte mit.^ Der aus dem Gefängnis entwichene spanische Multimtk- uonar March Ordinas ist über Gibraltar—Marseille in imïi eingetroffen, wo er ein« Kur gegen seinen— Rheu- lliattsmus in einem Winterkurorte vorbereitet. Der Ge» langniSwärter, der dem reichen Mann die Türen geöffnet «at begleitete ihn bis Marseille und floh nach Griechenland weiter. « ^Infolge falscher Weichenstellung fuhr eine Lokomotive im q!?5.ddohnhvf auf einen besetzten Zug. Fünf leicht verletzte greifende konnten nach Anlegung von Verbänden ihr Heim uulmchen. » mFran Chiappe weihte eine Kinderkrippe deS Pariser ''vlizeipräsidiums ein. .„Die Lose der S. Abteilung der französische» Lotterie sind in ollen Tabaksläden zu haben. vir Feierlichkeiten am Grab des unbekannten So'dafcn .Arn WafsenstillstandStage, dem 11. November, fand eine ^wältige Traucrfeier für die Toten der Schützengräben am 'rave des unbekannten Soldaten, unter dem Triumphbogen, v» schönsten Straße der Welt statt. .Kurz not Uhr traf der Präsident der Repu- "'tk ein. Die Fahnen der Truppen neigten sich. Die isriegerwai?en, die Verletzten, Vergasten. Verschütteten des -neges standen der ewigen Flamme gegenüber, m Um 11 Uhr trat eine Minute Schweigend ein. ^lles stand mit entblößtem Haupt. Dann zogen mit Clairon-Musik die Regimenter am Grab- wal vorbei und die Avenue von Jena herunter. Tie Fahnen wurden in den Jnvalibendom zurückgebracht. m ,Dcn ganzen Tag über legten alte Krieger und Opfer des -Nordens Kränze und Gelübde am Grabe nieder. Die auf °'u Jahr neu angesachte Flamme, klein und feierlich im verbste schwebend, aber brennt heißer und mächter als aller Zute Jubel der Diktatoren einer vergewaltigten Welt, die vle heiline Minute deS Schweigens für die Toten zu ihrer wüsten Propaganda mißbraucht... Vag venkmai Driands Aristide Briand steht auf dem Denkmal in Paey-fur-Eur«, vos am Waffenstillstandstage enthüllt ist, barköpfig, einen Ichlichten Mantel über dem Leib, einen Stock in der linken «and der Gesichtsansdruck klug und gütig, die Rechte mit der Handfläche nach außen segnend und einladend erhoben. Die Auffassung des Künstlers ist„Briand als Friedensengel', so wie der große französische Redner sich einst selbst in Gens im Bölkerbunbspalast gesehen hat. vermieten oder zu "ftaufen eine Wohn uns * flowier, Sonnentelte, r/'f Komfort. Quartier Wl Kram. Adresse •"»oitrgn, 68, ne»III.- "»Hr»» larch*.(S. 0.) '•"•IHü-rtM ^Tliddien ?*•$orachkenntni«ien aus jüd Familie, sucht *''Jng be« Arrt. K'ndc *• tür W b **«tehende Person Referenzen. 8 Jahre in «Oem Haute. Schre ben an: Cond«**«, 56, me Gerthas(S.O.) 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Seit fünfundzwanzig Jahren schaut er dort oben in den Wind, steht morgens aus und dichtet. Diesen Morgen öffnet er nicht. Nachmittags holt die Con- cierge einen Schutzmann. Sie findet ihn tot am Bettende. Er hat nicht Geld, nicht Weib nicht Verwandte. Die Société muß ihn begraben. Jean Rictus, eigentlich hieß er Gabriel Bonbon, ist mit fünfzehn Jahren vom Meere, von Boulogne, nach Paris gekommen. Seine leidenschaftlichen, aufgewühlten Verse trieben wie ein Wirbelwind über das Land. Im Jahre 1895 schufen sein«„Selbstgespräche eines Armen" fso wie der heilige Augustinus Selbstgespräche geschrieben hatte) seinen Ruhm in der Hauptstadt der Musen,- er war damal 33 Jahre alt. Es waren Gesänge vom Elend, vom Mitleid, vom Gängcviertel der Armen zu Paris, von der gewissen WIENER RESTAURANT Mittags und abends alle original Spezia. litäten. Nachmittags»Tee, Wiener Kaffee u. Kuchen. Sehr elegant. Massige Preise. Ein Karneval lletf Französische und ausländische Komponisten können sich gleichermaßen an der Ausschreibung eines neuen Karneval- liedes für Nice 1934 beteiligen. Klavier-Partitur und Volks- partitur mit Klavierbegleitung muß eingesandt werden an das Secretar-at General du Eomite des Fetes et des Sports 2, Nue Saint-Francois-de-Paule, Rice, bis 25. November- Konzerte am Sonnfad Man schreibt uns: Bei PaSdeloup fTb. des Ch. Elysee») Sonntag sum 18.39 Uhr) wirkt der berühmte Klavierspieler W. Backhaus mit. Er spielt unter der Leitung von L. Hasselmanns, das Konzert La maj von Mozart und Solo- Werke für Klavier von Schumann, Chopin, Brahms u. a. Einkauf, Vorkauf und Beratung bei allen Juwelen und Goldwaren Wenden Sie sich an I. WILLK 41, rue le Peletier, Ecke 4t, rue Lafayette Trud. 67»77» Métro: L« Peletier )Ktcaa^jK0»»«jS!KicsicH5aR»i«s«ißSi!sa» A Einkauf und Aaslösung vom Versatzamt A I BRILLANTEN. GOLD* I SILBERWAREN. 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Ter Tenor aus der Opera Herr Franz singt aus„Siegfried" sLied vom Eisenhammer), „Meistersinger" und„Walküre" sdas Frühlingslied). Das Qualität und Preis unserer I UWELEN sind unter, größte Empiehlung. Verkaute tausende Juwelen SO% billiget alt fiberall BROUOARGE 2, Rue de la Paix, 2. PARIS Sachverstand, luwelier u.Fabnkant ZAHLT IMMER IN BAR I GOLD Brillanton den Int 8IM0N*b I 24 Fg Montmartra(Me Et.)| dar am tauarat. bazahlan wird Iar Geld lex« S*c an, für kurze Zeit. Zimen 50°/o, mit meiner Garantie, Mir sich in Geldverlegenheit be« f ndende Eigentümern für einen Monat. Trust II,>ne Mopador Erfahrene ftenotyplstln sucht Stunden- oder Ha Ibtagsbeschüftlg ung. F. Sehlmhoff, 91, rue de Lille, PARIS An- und Verkauf zontraleuropä»eher und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles S P. Michel 34 RUE LAFFITTE PARIS IX TELEFON TAIT80UT«8-40 BIS 48 Der Sdiiossefroman- und die Sdilttsseiiödier Jeanne Nabert schrieb das Buch:„Der Cavalier vom Meer", nnt dem sie 1932 den Preis des ersten Romans erhielt- Aber es war vielleicht ein Schlüsselroman- Die guten Leute von Pont-Croix blickten jedenfalls durchs Schlüsselloch und waren nicht zufrieden. Zwei ehrbare Schwestern, Witwe eines Senators und Frau eines Musterpräfekien, klagten jetzt gegen die Autorin und verlangten aus Herzcnsüberzcugung nicht nur Wiederher- stellung ihres guten Rufs, sondern auch 39 Mille Kasse auf den Altar des Bürgerhauses. Bourg-le-Cap, der Ort des RomanS, soll nach ihren Be- hailptungen Pont-Croix sein und ganz Pont-Croix soll im „Reiter vom Meer" abkonterfeit sein: der Bürgermeister alS Arzt, der Richter als Fischhändler, die Bürgcrmeistersrau gar als FrtcdhofSivärter.„Vier Szenen besonders sind ver- dächtig," schrie der Vertreter der beleidigten Mccrfrauen, „das sind die, die 1931 in der„Revue Hebdomadaire" erschienen und dann in der Buchausgabe bei Plön weg- gelassen sind— bedarf eS noch größerer Beweise?" Diese versenkten Szenen sollen das Echo ans dem Meer der dunklen Dinge gewesen sein, dir sich einst, es ist nun schon 35 Jahre her, in Pont-Croix abspielten, und die den braven Bürgern von heute so peinlich sind. Jeanne Nabert soll diesen Kleinstadtkram von ihrem Vater gehört haben, der später Bürgermeister des OrteS war. So ein Bürgermeister weiß natürlich Bescheid. „Mit nichtcn", erwiderte aber die Gegenpartei,„hat unsere Klientin ihre Pflicht als Dichterin verletzt. Es ist der Berus des Dichters, die Modelle zu finde», wo sie sind, und ob sie „wahr" sind und leben hängt lediglich von seinem Talent ab. Und dann haben Sie nur ein ganz paar Seiten ats' Beweis eines„Schlüsselromans" entdeckt, meine Herren,— ein ganz paar Seiten, waS ist das schon?" Die 3. Zivilkammer zu PariS, der guten Stadt, kraute sich nicht, so einfach über Pont-Croix und seine Schlüssellöcher zn richten, infolgedessen soll erst ein Gutachten höheren Orts eingezogen und in vierzehn Tagen noch mal neu über den „Reiter vom Meer" verhandelt werden. Inzwischen klirren in Pont-Croix, am äußersten Ende der Welt, bereits alle Fenster vor Neugier. Orchester unter Leitung deS berühmten russischen Dirigenten Emil Cooper spielt Fragmente aus Wagncr-Opern isicuc Annonce in der Samstag-Nummer). Das Konzert sängt 5.3» Uhr nachmittags an. Im Konzert des Orchestre Symphonigue de Paris, am Sonntag um 17 Uhr in der Salle Pleyel wirkt mit der junge, schon fc'ir berühmte Klavierspieler Onninskn, dem ans dem Warschauer Internationalen Kongreß der 1. große Preis zuerkannt wurde. Mit Orchester unter der Lcituna von Rhene-Baton spielt er das Concerto en mi min von Chopin. Sotiwnitnrlichni and iltlaalachM WurttwarangnschBft Kuohanblckarai, Konditorei, Waina und Liklra Stoduiis ffliHiid 78. loaltvard da Straaboar|, I, rna St Laurent fads, kel tun da l'Eat Talafon 4 Linien vereinigt unter BOTZIMS BT-10 Franz. Unterricht Schnelle, leichte, Inferos. Method*. In Gruppen S, 4 Personen. Iii, Fg. St. Danll(10) Zimmer 24, Metro ChapelUu Von 1-2 und 4-fi Uhr. Auch die„Kieme Anzeige" In der „Deutschen Frei* helt' br>ngi Erfolg Pariser(Theater Montag, den 13. November Opera.— 7 h 45 Meistersinger(R. Wagner). Com. Française.— 8 h Andromaque(Racine) La Madona à l'Etoile. Op. Comique.— Relâche. Odeon.— 8 h 80 Le Mariage de Figaro(Beaumarchais). Oalte Lyrique.— 8 h 45 Le Pays du Sourire(Op. Fran* Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). Dienstag, den 14. November Opera.— Relâche. Com. Française.— R h 15 La Mégère apprivoisée(Shake- spear), La Madone à l'Etoile. Op. Comique.— 8 h Mme. Butterfly. Odeon.— 8 h 30 Le Poussin, La Rose de Jericho. Gälte Lyrique.— 8 h 45 Le Pays du Sourire(Op. Franz Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). U» niLb urt odnr nicht möbliert» minien Um Cr.nustöck odur ße itt'om ra kauten Dt im besten orentiene Aitentschn't II 34, Boulevard Malesberbe«, Paris(8) ït'H sie indische SelchiaaeeH* und lOieuec j 8 ickecti-QeschäfU Paris », AVENUE WAGRAM, Tel. Cernoi 27-63 », RUE DE PASSY, Tel. Aui.uil 33-61 Internationa'es Advokafurbüro H2 Georges Lewinsky <25 lahre Praxi* i 28, Avenue de l Opéra, Paris(2), Tel. Opéra 51*11 Erledigung sämtlicher Rechtsangelegenheiten, Besprechungen. GeBellschattsgründuneen. Notariats, akte, legale Übei Setzungen werden prompt erledig«. Sprechstunden von^—12 und 2—6 Uhr Verband dea.'sdier emigrierter Journalisten Wie wir hören, wurde im Paris ein Verband der deutschen Journalisten sAusland) mit dem Untertitel„Association lies journalistes ailemsncis émigrés" gegründet. Der Verband vertritt die Auffassungen des alten Reichsverbandes der deutschen Presse, die dieser vor seiner„Gleichschaltung" inne hatte. Insbesondere steht der neue Verband aus dem Grundsatz der Pressefreiheit, der eine der wesentlichsten Voraussetzungen der Zugehörig- feit zur Internationalen Journalisten-Föderation ist. Dem Verband werden sich Landesverbände der emigrierten deutschen Zeitungsleute in der Tschechoslowakei, in Holland, in Belgien, in der Schweiz und in anderen Ländern anschließen. Der Landesverband Frank- reich erhebt von seinen Mitgliedern, die er auch in ihrer beruflichen Arbeit oder bei der Umstellung auf andere Be- ruse nach Möglichkeit unterstüben will, nur einen be- scheidenen Monatsbeitrag von 2 Fr., doch wird vorausgesetzt, daß sich wohlhabende und arbeitende Kollegen wesentlich höher selbst besteuern. Eine erste Tellersammlung ergab bereits einen nennenswerten Betrag. Deutsche Journalisten, die auf dem Boden dieser Grund- sähe des alten Verbandes stehen und die Knechtung der Pressefreiheit bekämpfen, werden um Anschluß und Anmel- dung ihrer Mitgliedschaft bei dem Schriftführer Helmuth von G e r l a ch, 27, Rue Jean-Dolent, Paris 14 e, ersucht. Vorsitzender deö neuen Verbandes ist Professor Georg Bernhard, Schatzmeister C a r o. Dem aus Hitlcr-Teutjchland zurückge'-hrten englischen Journalisten Noel P a n t e r wurde folgendes Telegramm zugeleitet:„Der soeben gegründete Verband der emigrierten deutschen Journalisten begrüßt den Kollegen Noel Panter herzlich und beglückwünscht ihn zu seinem erfo.greichcn Kamps für die Freiheit der Presse." In Paris wird voraussichtlich jeden Monat eine Zu- saminenkun.st stattfinden, in der Standessragen besprochen und aufklärende Vorträge über die politische und berufliche Lage gehalten werben. Wlllard Ober den Leipziger Prozeß Im Deutschen Klub sUnivcrsite du Parthenon 64, Rue du Rochers spricht Montag, den 13. November, 21 Uhr, der sran- zösische Rechtsanwalt Willard, der anläßlich des Leipziger Prozesses verhastet worden war, über seine persönlichen Ein- drücke vom Prozeß und von seiner Verhaftung. Diese Versammlung veranstaltet der Deutsche Klub ge- meinsam mit der Liga für Menschenrechte und dem Schutz- verband deutscher Schriftsteller. Gäste willkommen- Eintritt: 1 Franken zur Unkosten- deckung(Garderobe: 75 Centimes). Aofoungtiiih• 14 To'e St r aßbur g, in. Nov. Hcnte schlug ein großer Last- kraftwagcn, der aus Bitsch Arbeiter der Befestigungsbauten zur Arbeitsstätte beförderte, in einer abschüssigen Kurve um- Neun Arbeiter wurden getötet, achtzehn wurden verletzt, darunter neun schwer. Straßburg, 11. Nov. Bei dem Autounglück bei Bitsch sind bisher 12 Personen ums Leben gekommen. Zwei von de» zwölf Schwerverletzten liegen im Sterben. * Ueber das furchtbare Unglück wird noch gemeldet: Morgens 6 Uhr fuhr bei der Kurve auf der Höhe von Froh- mühle, die schon viele Verkehrsopfer gefordert hat, ein schwerer Lastzug eines Schiltigheimer Transportunternch- mens über Bitsch aus Richtung Straßburg. Plötzlich merkte der Führer, daß die Straße steil nach Frohmühle zu abfällt. Er konnte nicht mehr bremsen. Mit rasender Geschwindigkeit fuhr das Fahrzeug bergab. Der Anhänger kam ins Schlendern und riß mehrere starke Vännic mit den Wurzeln aus dkm Boden. In diesem Augenblick kamen ihm zwei Autobusse entgegen, die mit Festungsarbeitern aus Rohr- bach und Umgebung besetzt waren, die zur Arbeitsstelle am Fort Legeret fahren wollten. Im ersten dieser Autobusse be- fanden sich etwa 2.ï Arbeiter: ein zweiter Autobus folgte in ungefähr 66 Meter Entsernung. Der erste Omnibus w n r d e v o n d e m s ch w e r e n? a st w a g e n e r s a ß t. Der Oberbau wurde vollkommen abgerissen, so baß von dem Omnibus nur das Fahrgestell ohne Räder übrig blieb. E i n Teilder Insassen wurdcgetötet. derResthin- ausgeschleudert. Der Lastwagen rutschte noch etwa 7 Meter über die Leichen hinweg und stürzte um. Die In- fassen des zweiten.Autos leisteten die erste Hilfe, bis Polizei und Gendarmerie von Saargemünd eintrafen Die Unglücksstelle bietet ein grauenhaftes Bild. Weiter wurde der I6iährige Radfahrer Fischer aus Hohlbach getötet, der sich mit seinem Fahrrad gerade im Augenblick des Unglücks neben dem daherrasenbcn Omnibus befand. >* Kali-Unglück im Elsass Straßburg, 10. November. In einem Kalischacht zu Stak- fell el de iOberstoinl ereignete sich eine bedauerliche Erplosron durch das Ausströmen von Gasen. Eine Mauer, an der im Schacb« o-iichr„>nrde. stürzte ein. Fünszehn Ar- better wurden mehrere Meter weit geschleudert und blieben betäubt liegen. Da schnelle Hilfe zur Stelle war konnten dreizehn der Ver- unglückten ihr Heim aufsuchen, während zwei mit schweren Verwundungen in das Krankenhaus cingeliesert wurden. Glück?! os für S'rsßHirg Slraßhnrg. 11. November Ein''•er""s''sloie aus dem Trrcadrrr ist in unsere al Ja d. a ,Uen. Hotelbesitzer M uls chler in der ö>. du IMk-tec Daun.it.- gewann zur großen Freude seiner Gaste önooüO Franken. BRIEFKASTEN C. Barcelona. Ihre ausrichtige Kritik hat uns besonder« gefreut, weil sie besser fundiert ist als viele andere, die wir erhalten. Sie hoben bei uns den„Willen zur Sachlichkeit und zur Wahrhastig- feit" in wachsendem Umfange festgestellt und wünschen, daß wir dlcse Tendeüz noch weiter entwickeln möchten. Das ist unser red- lichster Wille. Sähen Sie in unserer Redaktion, so würden Sie dl« großen Schwierigkeiten dieser Bemühung erkennen. Täglich geschieht in Deutschland Ungeheuerliches. Publizistik gibt es nicht mehr. Die Folge davon ist, daß uns täglich überaus zahlreiche Meldungen zugehen, mit der Bitte um Aufnahme, da. wir als Tageszeitung das einzige Ventil auf deutschem Boden seien, das zur Verbreitung der Wahrheit und zur Mahnung an die Welt in Frage komme. Bei dieser Sachlage veröffentlichen wir längst aus eigenem nur das, was sich aus unerschütterlich« Beweise stützt. Besonders bei Nachrichten von Korrespondenzen sind wir äußerst vorsichtig.— Ihnen ist es wichtiger, so schreiben Sie, eine streng wissenschaftliche Untersuchung anzustellen, ob Hitler vielleicht Psychopath sei, als die Feststellung, daß Hitler Tanzunlerricht nehm«. Sind Sie so humorlos, daß Sie die Satire über Hitlers Hofballgrandezza nicht so verstanden, wie sie gemeint war? Was endlich Ihren Vorschlag betrifft, Hitler ärztlich untersuchen zu lagen, so übersehen Sie, daß derjenige Arzt, der an den„Führer" einen solchen Antrag stellen würde, das Tor zum Konzentrattons- loger nicht mehr lebendig erreichte. Ein deutscher Gelehrter, der vor dem Hitler-Regime in einem Kolleg die geistige Gesundheit Hitlers in Zweifel zog, hat sich längst erschossen. Sie kommen, so scheint uns, dem Problem Hitler am nächsten, wenn Sie einmal in Geschichtswerken etwas über die sozialen und seelischen Hinter- gründe der Kreuzzüge oder des Flagellantentums nachlesen. Nur daß die Geißlcr des 20. Jahrhunderts ihre eigenen Rücken ver- schonen! Bitte schreiben Sie uns wieder, wenn Sie etwas Wesent-. lichcs zu sagen haben. Bukarest. Nun haben wir also auch dort aufmerksame und kritische Leser! Die fragliche Notiz aus dem„Bunten Blatt", die Sie be- anstanden, stammte aus der Wiener„Arbeiterzeitung". Wir hatten keinen Grund, ihre Richtigkeit zu bezweifeln. Inzwischen haben Sie wohl gesehen, daß diese Beilage nur noch selten erscheinen kann. Tic Fülle des Materials und die Länge der Reichstagsbrandberichte hat Einschränkungen erzwungen, die von unfern Lesern sehr ver- schieden beurteilt werden. Ihr Wunsch, unpolitische Ereignisse aus Deutschland und der übrigen Welt häufiger zu veröffentlichen als bisher, wird in Erfüllung gehen. Schreiben Sie uns bitte gelegen!» lich wieder. Straßbnrg, Emigrant. Sie kommen auö dem Erstaunen über eine Notiz nicht heraus, die Sie in der dortigen Presse fanden. Tonach wurde eine große Traucrscicr zum Andenken des be- deutenden Elsäsier Bürgers Fritz Kicffcr, der_ vor kurzem im Alter von 80 Jahren verstorben ist, im protestantischen Neuen Tempel veranstaltet. Hier sprach vor einer gewaltigen Trauer- gemeinde, von Lrgelklängen umdröhnt, neben dem General Gvuraud und dem Präfelten von Straßburg auch Madame A r o n Weil, diese im Namen der vaterländischen Frauenverbände.— Dies vor allem wundert Sic so. Nun sind Tie schon fünf Monate Ii Frankreich und haben noch immer nicht gemerkt, daß dieses Land in jedem Betracht politisch, sozial und kulturell rückständig ist und dringend einer rassischen Ertüchtigung durch SA. bedarf. Ostend«. Ihr ausführlicher Brief hat un» besondere Freude ge- macht. Sie dürsen uns glauben, daß wir den Kampf gegen Hitler mit demselben Ernst und vor allem mit derselben Sorgfalt bei der Auswahl de« Materials weiterführen werden. Tie Art. wie der„Daily Herald" augenblicklich einen wirksamen Feldzug gegen die Kriegspropaganda durchführt, ist uns bekannt. Wir würden ähnliches tun, wenn wir über auch nur annähernd soviel Raum verfügten, wie diese Zeitung der zwei Millionen Leser, die heute die weitaus grösstc Englands ist. JedcnsallS danken wir Ihnen für die Anregung. B. D. 89, Amsterdam. Wir haben uns sofort um Informationen in England bemüht, haben jedoch bis zur Stunde keine Antwort erhalten. Sobald sie da sind, schreiben wir. Autoschlosier in M. Tank für Bries und Gedichte. Nahezu alle sind ausgezeichnet, temperamentvoll, eigenartig, in der Form ge- wandt— aber wir haben einen solch goldenen llcberslug an Ge- dichten, daß wir in ernsthaster Furcht vor Inflation nichts neues mehr annehmen dürsen. Bitte teilen Tic uns Ihre genaue Adresse mit. Wir wollen Ihnen auSsühr.ichcr schreiben. „Kölnische Zeitvng". Aus einem Werbcblatt schreibt Ihr:„Die „Kölnische Zeitung", das Blatt starker persönlicher Prägung, stand immer in erster Reihe der Weltpresse und ist heute besser d e n n s e".— An der Pleite noch pflanzt Ihr die Lüge aus. „Die neue Wcltbühne". Prag l, Melantrichova l. Nummer 45 ist soeben erschienen und enthält solgende Beiträge: Willi Schlamm: Der Streik der Jugend: Mar Rudert: Das zweite Kapitel des Kriminalromans: Heinz Pol: Ter Terror geht weiter: Ein Kinder- bries: Ein.Jurist: Tic„klassischen" Zeugen: Helmuth v. Gerlach: Die Naziprgpaganda in Amerika: Ernst Toller: Blick auf 1(133; Hermann Eschwege: Kriegsziel« von morgen: Bemerkungen— Ant- Worten. NANCY Zu vei kaufen: Konditorei, das größte und schönst eingerichtete Geschäft. Restour Qllon mit Weil-Renommee günstigste und schönste Lage Aufs beste empfohlen von allen Touristenklubs Leere oesdidfishäuser im Zentrum der Stadt für alle Ge» schäftsarten und zu allen Preisen. 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Auf der Führer» tagung Eures Wcstpfalzkreises in Waldsischbach habt Ihr beschlossen- Die Aufnahme ehemaliger Marxisten als Etnzelaufnahme tst zulässig: gefordert wirb eine eidesstattliche Erklärung, zwei Bürgen und polizeiliches Führungszeugnis. Und bei solcher Angst vor einem einzigen Marxisten, wollt Ihr siegreich Frankreich schlagen? Ihr seid schöne Jammerlappen. Leser in Brüssel. Wir verstehen von Okkultismus nichts. Daher möchten wir uns in solche Streitfragen nicht einmischen. F. E., Metz. Für die Zeitungsausschnitte besten Tank. Sie haben recht: In einem Teil der Zeitung werden die Friebensredcu Hitlers und seine Liebeserklärungen nach Frankreich abgedruckt, in einem andern Teil offenbart sich kriegerischer Geist. Iheaterman». Sie schreiben uns:„Immer wieder erhalten wir Anfragen, wo die„beurlaubten" oder entlassenen Bühnen« letter eigentlich stecken. Max Reinhardt arbeilet in London, Paris und Wien, Karl Ebert in Buenos Aires, Gustav Härtung in Zürich, Kronacher in Basel, Maisch ist auf den belanglosen Posten einer Jugendbühnc abgedrängt worden, Männer wie Dr. Reucker, Dr. Icßner, Hosmttller, Dr. Waag, Fritz Holl, Dr.' Legband sind völlig ausgeschaltet. Ihre Posten haben, so darf man hinzufügen, nahezu überall Leute besetzt, die bisher im deutschen Bühnenlcben ebenso uncrprobt wie unbekannt waren. Karl v. Schirach ider Vater des HitlerjugendführerS Bäldur v. Schirach und der setzt an der Städtischen Oper in Berlin tätigen Sängerin Rosalinde v. Schirach) ist Intendant des Landestheaters in Wiesbaden, der Staffelführer Graf Tolms-Laubach Intendant deS Friedrich- theaters in Dessau, der Hauptmann Krause Intendant des Stadt- theaters in Erfurt.— Dank für die Mitteilung. Sie ergänzt« wert- voll unsere eigene Kenntnis. Besonders glücklich scheint Erfurt daran zu sein. Hauptmann und Krause: das garantiert einen stratosphärenhasten Aufstieg Thaliens. „Ins Land der Franken fahren..." Bon einer Reis« durch das Frankenland berichten Sie uns, baß einer»er fränkischen Ober- bürgcrmcistcr noch vor einem Jahre Lehrer an einer Mädchenschule gewesen sei und nicht abgelehnt habe, wenn ihm die Kinder Dr. Spécialiste 06, rue de Rivoli— Métro: Choielei RADIKALE HE'LUNG von BLUT», HAUT, oid FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern □ od offenen Beinwonden N ueste Behandlungsmethoden Elektro zität lmolungsverlabren: Trypaöe vine» Einspittzungen Blut, und H itn»Untrrsuchungen. Spei» tnakq tur, Salvarsan Wismut u CHIRUTGISCHo ABTEILUNG 4) GEBLRrSHII.Fl ICHE ABTEILUNG ■ Ordination: täglich von 1 bi, 8 Uhr. Sonn, und Feiertag, von 10 bit 12 Uhr■ SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de Cllchy- Metro Blanche Harnleiden. ehroni.ch.r und tri,eher Tripper. Militargicht. Cyrtiti,. Prouat» FRAUENLEIDEN Ulutkrankheiten, Venenentzündung. 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