Sinzige unabhängige Tageszeitung Veutschlands ^Unmerl24— 1. Jahrgang j Saarbrücken, Dienstag, 14. November 1933| Chefredakteur: M. Braun Aus dem Inhalt Van dec£uMe aecwandeit Seite 2 Aistunmungspacade Seite 2 tucopa an dec Suae Seite 3 QöMe ts Cid Seite 4 Cwzehcge&nisse desJUe&iszit Seite 7 Tîloiach in Unifotm Seite 7 Millionen Eeufsdie Habens ücwagl Öle„Sieger" t Des Reiches Ehre Ist-wieder hergestellt Die Novemberverbredier sind besiegt! Hillienenfaches Nein! Berlin, 13. Nov. Die vorläufige Schluhzählung des WTB. ergab aus allen aus dem Reich vor- liegenden Wahl- und Abstimmungszahlen folgendes Gesamtresullat: Reichstagswahl: abgegebene Stimmen 43 077 577; davon NSDAP. 39 655 288— 92,2 Prozent, ungültige Stimmen 3 3 5 2 2 8 9- 7,8 Prozent. Volksabstimmung: abgegebene Stimmen 43 464 429; davon I a 46 618 147— 93,4 Proz., Nein 2 055 363= 4,7 Proz., ungültige Stimmen 796916- 1,9 Proz. Eine andere Zählung lautet: R e i ch s t a g s w a h f: Stimmberechtigt 45 127 969, abgegebene Stimmen insgesamt 42 975 999, Beteiligung 95,2 Proz., NSDAP. 39 626 647<666 Mandale), ungültig 3 348 362 Prozent. Volksabstimmung: Abgegebene Stimmen insgesamt 43 439 646, Betei'onnq 96,3 Proz., Ja-Stimmen 46 588 864— 95,1 Proz.» Nein-Stimmen 2 100 181-- 4,9 Proz., ungültig 750 661. Adam Riese gleidigesdialtel .Die gleichgeschaltete„Saarbrücker Zeitung, der »>,°ene Gesseln die Knechtschaft«ehr erleichtern, ist am ?'°ntagmorgen in einem solchen Rausch der Begeisterung. sie mehr Leute abstimmen läßt. als überhaupt wähl- »^.echtigt waren In Oberbanern-Tchwaben gibt eS nach °'csem Blatt 1 724 fWM» Wahlberechtigte, abgestimmt haben demselben Blatt 1824 690. in Franken gibt es 1716 606 Wahlberechtigte und abgestimmt haben 1716 676.— Vielleicht ?«0 es nur Tipp- oder Satz- oder Hörfehler. Immerhin Anzeichnet es die Situation: Weder stimmt die Zahl der wahlberechtigten, noch die Zahl der Abstimmenden,»och die Zahl der Ja oder Nein oder der Ungültigen. Das„dritte Reich" hat auch Adam Riese gleichgeschaltet. Addition und Multiplikation haben das Ergebnis zu bringen, das„der Führer" braucht. In der Lutherstadt Nach einer Havas-Depesche aus W o r m S, der Lutherstadt, wurden bort drei Fabrikbirektoren verhaftet und ins Konzentrationslager O st Hofen gebracht, weil sie den ersten Teil der Rede Hitlers im Radio angehört und dann abgehängt hatten. Europas Stande DF. Amtlich werden nahezu 3'/» Millionen Proteststimmen gegen die nationalsozialistische Einheitsliste bei der Reichstagswahl bekanntgegeben. Niemand wird je erfahren, welche Summe zu dieser Zahl addiert werden muß, oder wie sie zu multiplizieren ist, damit man zu dem wirklichen Ergebnis kommt. Fest steht jedenfalls, daß die Reichsregierung gezwungen ist, S 352 289 Protest- stimmen zuzugestehen. Dieses Millionenheer hat gewagt, sich gegen den lebensgefährlichen Terror zu erheben, der bei diesem Wahlakte geübt wurde. Das ist das einzige, was an diesem Wahlergebnis fest steht, und es ist ge- waltig, auch wenn man nur die amtlich errechnete Zahl dem politischen Eindruck zugrunde legt. Die gesamte zivilisierte Welt ist diesen Millionen Man- nern und Frauen, die einen ersten Aufstand gegen das deutsche Diktaturregime gewagt haben, zu Dank ver- pflichtet. Diese Mutigen beweisen allen Zweiflern, daß jetzt schon ein Millionenheer von Deutschen dem Gewalt- system nicht nur trotzt, sondern auch entschlossen ist, in- mitten der braunen und schwarzen Kolonnen ihrem Willen zum Sturz der Diktatur Ausdruck zu geben. Was haben die Millionen Protestwähler gewagt? Uniformierte Beauftragte der noch allmächtigen Regie- rung saßen im Wahlvorstand. Uniformierte Henker standen neben den Wahlzellen, um die Abstimmenden einzuschüchtern. Braune und schwarze Rollkommandos hielten seit Tagen die als Linkswähler bekannten Stimmberechtigten unter Druck. Planmäßig wurden Ge- rüchte verbreitet, man werde jeden mit Rein Stimmenden, jeden, der den nationalsozialistischen Stimmzettel un- gültig mache, erkennen und bestrafen. Vielleicht war die Furcht übertrieben, aber man nahm die Gerüchte ernst. Der ganze Staatsapparat, alle Beamten, die Urlaub haben wollten, waren in den Wahlterror gegen die Widerstrebenden eingesetzt. Amtliche Stellen wie der Oberbürgermeister Dr. Hesse von Braunschweig schüch- terten die Wähler mit der Drohung ein, die NSDAP, habe ein System bereit, das es ermögliche, jede Nein- Stimme zu ermitteln. Nicht nur in den Reden national- sozialistischer Führer wie dem Kaisersprößling Prinz Auwi, sondern auch in amtlichen Kundgebungen wurden die NichtWähler und die mit dem Stimmzettel Proteslie- renden als Feiglinge, als Landesverräter, als Lumpen, als Deutsche zweiter Klasse, als Schufte mit dem Kains- zeichen beschimpft und bedroht. In manchen Gemeinden wurtze allen, die der Wahl fernbleiben würden, die Ent- Ziehung jeder Unterstützung angekündigt. So ist erklärlich. daß die Wähler und Wählerinnen in eine Stimmung gerieten, die in dem Wahlgruße sich äußerte: SOS— Stimmen oder Schaufeln! Zur Wahl gehen oder ins Konzentrationslager! Auf dem Lande war vielfach auch der Schein einer geheimen Wahl dahin. Der Bezirksbauernführer Ober- schlesiens hat die Bauern aufgefordert, geschlossen zur Wahl zu marschieren. Auch aus anderen Landesteilcn wird uns gemeldet, daß die Bauern und Landarbeiter an Sammelstätten antreten mußten, um geschlossen zur Wahl geführt zu werden. So glaubte man, daß keiner wagen werde, sich der allgemeinen Disziplin zu widersetzen. Selbst diejenigen, denen es gelungen war. allen Wider- ständen zum Trotz durch einen S t i m m s ch e i n der ört- lichen Kontrolle zu entfliehen, wurden noch in letzter Stunde unter Druck gesetzt. Die Telegrafen-Union gab bekannt, daß die Stimmscheine an die Gemeindebehörde, die sie ausgestellt hat. nach der Wahl zurückgesandt werden, so daß sich dann aus den nicht zur Ablieferung gelangten Wahlscheinen ergibt, wer der Wahl und der Abstimmung ferngeblieben ist. Wer auch nur gesprächsweise für Wahlenthaltung, für das Nein oder für Ungültigmachen der Stimmzettel warb, riskierte die sofortige Verhaftung und die harte Be- strafung vor dem Sondergericht. Eine ganze Reihe Urteile liegen schon vor. Neue Parteibildungen sind seit dem 14. Juli unter Zuchthausstrafe verboten. Kein Zeitungsaufsatz mit auch nur leiser Kritik an dem grandiosen Plebiszitschwindel war möglich, kein geg- nerjsches Flugblatt konnte legal gedruckt werden, keine Versammlung war zugelassen. Nur buchstäblich im Flüsterton von Mund zu Mund konnte die Losung weiter- gegeben werden. So ist man denn berechtigt, von dieser Abstimmungsparade •fe In fransAslschen Urteilen Paris, 13. Nov Die Morgenpresse veröffentlicht anfführ- lich Sie Ergebnisse der gestrigen Reichstagswahl und der Volksabstimmung. Matin. Berliner Sonderkorrespondent: Beunruhigend fei. was Hitler mit diesem Erfolg nunmehr tun werde. Sicher werde er seine Anstrengungen nunmehr der Ab» rttstungsfrage zuwenden, die in diesem Augenblick der Schlüssel des ganzen Versailler Vertrages sei. Man sei jetzt an dem Augenblick angekommen, wo Hitler unter der Be- zcichnung Gleichberechtigung Krankreich auffordern werde, die letzten Zeichen des Krieges und der deutschen Niederlage zu verwischen, Deutschland Vertrauen zu schenken und sich Deutschland auszuliefern unter dem Borwand, daß Miß- trauen eine Beleidigung sei und daß die Sicherheitsbe- dingungen für jedes Land die gleichen seien. Journal: Deutschland führe, gut diszipliniert die„Ab- stimmungsparade" durch.— Unter dieser Ueberschrist wird der Bericht des Berliner Korrespondenten des Blattes ver- öffentlich:, in dem es heißt: Deutschland werde jetzt mit Drohworten der Welt den Oelzweig hin- halten. Petit Parisien. Berliner Korrespondent: Die deut- schen Wähler hätten einen ungeheuren, beinahe einen ge- jährlichen Beweis ihres Vertrauens gegeben. Da aber das Ergebnis der Volksabstimmung schon vorauszusehen gewesen sei müsse Hitler sich jetzt gegenüber dem Auslande deutlicher aussprechen, denn sonst würde die Volksabstimmung nur ein Schlag ins Wasser sein. Der Berliner Korrespondent des Echo de Pa^is stellt fest, daß die deutschen Wähler ihre Wahlhandlung, auf deren feierlichen Charakter man sie aufmerksam gemacht hätte, mit Würde erfüllt hätten. Le Jour schreibt redaktionell: Nach der ersten Rede Hitlers hätte Krankreich Stellung nehmen können. Es hätte zu Deutschland, zu seinen früheren Verbündeten oder zur Welt sprechen können. Krankreich habe aber geschwiegen. Jetzt sei es zu spät. Heute könne Krankreich nichts anders tun, als den deutschen diplomatischen Angriff abwarten. Das Oeuvre überschreibt eine Schilderung des Wahl- sonntags seiner nach Berlin entsandten Sonderkorrespon- dentin: Der ausgegebenen Parole gehorchend habe Deutsch- land sich in der Volksabstimmung für Hitler entschieden. In der Victoire schreibt Gustave Herve: Werden jetzt die verblendeten Leute in Frankreich einsehen, baß der Ver- sailler Vertrag tot sei? Zum mindesten hinsichtlich gewisser für Deutschland unerträglicher Teile, die auch undurchführ- bar seien Ami du Peuple schreibt, die Behauptung, daß die Ab- stimmung keine Bedeutung habe, sei nicht stichhaltig. Denn die Wähler hätten doch sehr wohl, wenn sie gewollt hätten, die an sie gestellte Krage mit Nein beantworten können. Die zum Ausdruck gebrachten Stimmen seien frei abgegeben worden. Man habe nicht etwa in Deutschland das Monopol des amtlichen Druckes er komme auch in anderen Ländern nrit angebl'ch demokratischen Grundsätzen mit großem Nach- druck zur Anwendung namentlich in Frankreich. Wenn 95 Prozent der Wähler dem Ausruf Hitlers entsprochen hätten, so darum, weil sie seine Politik vorbehaltlos billigen. Hitler ziehe aus der Schwäche Frankreichs s e i n e K r a f t. Er wisse, baß er nur mit der Hand^aus den Tisch zu schlagen brauche, damit die anderen sich wie Schnecken in ihr Haus verkriechen. „Figaro" schreibt: Selbst wenn die Wahlen frei von- statten gegangen wären, wäre das Ergebnis wenigstens hin- sichtlich der außenpolitischen Kragen das gleiche gewesen- Deutschland sei mit dem Führer einig, um den Bruch m» Genf zu billigen, und das besage Rüstungsfreiheit, also Zer- störung des Versailler Vertrages, was für Europa und fur Krankreich die Wahl zwischen Krieg oder Knechtschaft bedeute. Man behaupte, daß Deutschland sich isoliert habe. Das sei nicht richtig, politisch gesehen sei Deutschland nicht isoliert. „R c u u b I i q u e" schreibt: Man müsse in Deutschland jetzt wissen, daß das einzige Mittel, ein Wettrüsten zu vermeiden, was für alle gefährlich sei, darin bestehen würde, der Volk»- abstimmung vom 12. November eine„Friedensbedeutung zu verleihen. Deutschland müsse zu diesem Zweck die Gleich« heit in der Kontrolle annehmen, um die Gleichheit der Ab« rüstung zu verwirklichen. Brüning bedroht? Jacgues Marsillac meldet dem Pariser„Journal" aus Berlin, daß er gehört habe, der Exkanzler Brüning habe die zweifelhafte Ehre, Kandidat auf der Reichstagslifte der Nazis zu werden, abgelehnt. Daraus begab sich eine Ab» ordnung der Nazis zum Leiter des St.-Hedwig-Spitals, w« Brüning seit Monaten ein halbmönchisches Leben führt. D>< Abordnung teilte mit, daß es wünschenswert wenn nicht gar klug sei, einem solch störrischen Gast Abschied zu geben- Der Berichterstatter glaubt, daß man den früheren Kanzler als Staatsfeind behandelte. Ter Leiter des St.-Hedwig» Spitals begriff. Und seitdem hat Herr Brüning eine ander« Adresse. Engusihe summen London, 13. Nov. Im Daily Herald heißt es: Adolf Hitler habe die außenpolitische Lage zu einem Erfolg im Innern benutzt. Jetzt könne er sich als ein Staatsmann be» trachten, der. wenn wir seinen Worten glaube« dürfen Friede und Abrüstung erhoffe. Der Berliner Berichterstatter der Times schreibt, aus dieser Kundgebung der Einigkeit gehe hervor, daß Adolf Hitler und seine Unterführer heute die unbestrittene« Herrscher Deutschlands seien. In einem Leitaussatz sag» das Blatt: Die anderen Nationen lverdcn künftig mit einem nationalsozialistischen Deutschland zu tun haben. Es ist des« halb wichtig, den Versuch zu machen, Verständnis dafür i" erlangen, was Me nationalsozialistische« Männer wirklich im Sinne haben. Der Berliner Korrespondent des liberalen News Chronicle sagt: Die gestrige Abstimmung wirb Adolf Hitler unbegrenzte Zeit zum unanfechtbaren und unau« gefochtenen Herrscher Deutschlands machen. Wahl zu sagen, daß man die Stimmen wägen muß und nicht nur zählen. Amtlich ist großer Siegesjubel befohlen. Es ist selbst- verständlich, daß bei dem Flaggenrausch auch die Kirchen beider Konfessionen nicht fehlen dürfen. Bischöfe beider Kirchen segnen das Schandspiel dieser Wahl mit Gebeten und unwahrhaftigen Phrasen von Recht und christlichem Sittengesetz. Sie reden von der„Volksstimme" und es weiß doch jeder dieser unwürdigen Nachfolger eines großen göttlichen Menschen, daß die Wahrheit geächtet und jedes Menschenrecht zertreten wurde. Im Reiche wird das Ergebnis die Widerstandskräfte der, wie wir nun zahlenmäßig wissen, sehr großen Scharen von treuen, unbeugsamen Deutschen, stärken, von denen nun jeder weiß, daß er nicht mehr allein steht. Es ist gleichgültig, ob in Zukunft nicht einmal mehr ein Protest unter dem Scheine der geheimen Abstimmung möglich ist. Schon hat der Reichsinnenminister Dr. F r i ck die öffentliche Wahl als nationalsozialistischen Grundsatz proklamiert. Die neue Verfassung, die dieser Reichstag des Wahlschwindels widerspruchslos auf Befehl der nationalsozialistischen Führung, zu deren verlogener Legalisierung und zu deren Schutz beschließen muß, wird ein Parlament und parlamentarische Wahlen nicht mehr kennen. Die Millionen, die gestern protestierten, haben jetzt und in Zukunft nicht mehr als Wähler und Wählerin- nen, sondern als revolutionäre Kämpferscharen gegen die Herren der Diktatur Bedeutung. Diese Männer und diese Frauen sind unversöhnlich und unbestechlich. Weder Kerker noch Tod können sie schrecken. Aus dem Geiste, dem Widerstandswillen und der opferbereiten Gläubig- keit dieser Menschen wächst die deutsche ZuKunst. * Fiir die Welt außerhalb Deutschlands ist das Wahl« Ergebnis Keine Ueberraschung. Niemand hat sich durch die amtlichen deutschen Lügen täuschen lassen. So gut wie man von jeher wußte, daß das ganze deutsche Volk den Vertrag von Versailles innerlich ablehnt und Deutsch- lands Gleichberechtigung erstrebt, so sehr weiß man auch, daß unter den 4(1 Millionen Ja-Stimmen viele Millionen Deutsche sind, die Hitlers Außenpolitik für Verhängnis- voll und den deutschen Befreiungszielen abträglich halten. Man muß nun darauf gefaßt sein, daß Deutschlands Außenpolitik ein heftiges Tempo einschlagen wird. Der Austritt aus dem Völkerbund war nur ein Auftakt. Seit dem 14. Oktober ist unter der Parole„Friede und Ehre" alles, was in Deutschland an bitteren Gefühlen, an Enttäuschung und an Sorgen lebt, nicht mehr ausschließlich, nicht einmal vorwiegend gegen den Marxismus, sondern Tag für Tag in steigendem Matze gegen Versailles und wieder Versailles als die Wurzel allen Uebels mobilisiert worden. Die Reichsregierung weiß, daß sie wirtschaftlich die Sehnsucht und die Hoffnung dieser unter Hakenkreuz und schwarzweißrot aufgewühlten Volksmassen nicht be- friedigen kann. Sie muß nun, und zwar rasch, außen- politisch vorstoßen. Wir haben nie den Faustschlag auf den Genfer Verhandlungstisch nur als eine theatralische Geste dewertet. Der Bruch mit dem Völkerbund war unver« weidlich, wenn Hitler nicht außenpolitisch so gründlich kapitulieren wollte, wie er innerpolitisch vor allen reak- tionären kapitalistischen Mächten nledergebrochen ist. Nun muß er, ob er will oder nicht, die außenpolitische Offensive fortsetzen. Er und die Seinen fürchten sich vor außen- politischen Konflikten, aber sie müssen viel aufs Spiel setzen, wenn sie sich noch weiter behaupten wollen. Nach diesem Aufstürmen der Volksseele müßte der Zusammen- bruch den Wirkungen der Niederlage des Jahres 1918 gleichen. Frankreich und England werden, worüber man sich weder in Paris noch in London täuschen darf, binnen kurzem durch den deutschen Nationalsozialismus vor schwere Entscheidungen gestellt werden. Insbesondere in England gibt es, und zwar gerade in der Labour Party, einflußreiche Männer, die in ähnlichen verhängnisvollen Gedankengängen sich bewegen wie weiland die deutsche Demokratie. Man glaubt, die gewalttätige und an keine überkommenen Gesetze des Staatsrechts und des Völker- rechts sich bindende deutsche Eruption durch alte demokratisch-pazifistische Beschwörungsformeln hemmen zu können. Dieser gefährliche Glaube wird sich außen- politisch genau so verhängnisvoll auswirken, wie er innerpolitisch zur Niederlage geführt hat.„Legal" wird der Nationalsozialismus auch im Verkehr mit den andern Nationen solange austreten, wie er muß. Sein Wille aber ist und bleibt nach innen und nach außen die Vernichtung aller Kräfte, die sich seinen Totalitätsansprüchen, sejncn Expansionszielen widersetzen, und noch weiß niemand, wo dieser Ausdehnungsdrang seine Grenzen hat. Die früheren Kriegsgegner Deutschlands haben unge- heure Schuld dadurch auf sich geladen, daß sie der demokratischen Republik in deren guten Iahren, als die deutsche Demokratie noch stark und entwicklungsfähig war. nicht die vertrauensvolle Unterstützung gewährten, die für die Aufrechterhaltung der demokratischen Republik notwendig war. Wenn die für die nun anhebende außen- politische Epoche entscheidenden Mächte Frankreich und England sich bereitfinden lassen würden, das deutsche Diktaturregime als einen vertrauenswürdigen Vertrags- partner einzuschätzen, so würden sie einen noch größeren Fehler begehen als früher und die Folgen müßten ver- hängnisvoll sein. Der deutsche National- sozialismus kann sich in das europäische System nicht einfügen. Es war lächerlich, anzu- nehmen, daß er von der deutschen Demokratie gezähmt werden würde. Es würde in des Wortes wahrer Be- deutung ein blutiger Irrtum sein, wenn die„westlerische liberalistische Demokratie" für die Außenpolitik gegen- über dem Nationalsozialismus den Wahn der deutschen Demokraten übernehmen würde. Der deutsche Nationalsozialismus, der sich nicht nur als eine deutsche Erhebung fühlt, sondern den Anspruch stellt, Vorkämpfer einer jungen, die Jahrtausende gestal- tenden Weltbewegung zu sein, wird das alte Europa herausfordern. Wird dieses Europa die geeinte Kraft finden, den Angriffswillen der pangrmanistijchen Diktatur zu brechen und die Zivilisation zu schützen, ehe sie der An- stürm des neuen Barbarentums niederstampft? Das ist die Schicksalsfrage Europas, und die Antwort duldet nun deinen langen Aufschub mehr.-. Schießerei in Wahlversammlung Einstweilen nur in Spanien Paris, 13. Nov. Wie Havas aus Cadix berichtet, ereignete sich bei einer Wahlversammlung der Rechtsparteien ein Zwischenfall. Als nämlich als Redner der Sohn Primo de Riveras das Wort ergreifen wollte, haben zwe, Zuhörer Revolverschüsse auf ihn abgegeben, die zwar nicht den Sohn Primo de Riveras selbst trafen, aber eine andere Person töteten und zwei andere verletzten. Einer der Attentäter wurde verhastet. Auch vor dem Versammlungslokal kam es noch zu Zusammenstößen, bei denen eine Person schwer ver- letzt wurde. Beendigung des Madrider Bauarbeiterstreiks Madrid, 18. Nov.(Havas.) Der seit sechs Wochen Herr- schcnde Bauarbeiterstreik ist nunmehr durch eine Einigung der Parteien beigelegt. Der Streik betras(50 000 Arbeiter. Blumige Zwsrtientälle Wien, 13. Nov. Nach einer Meldung der amtlichen Nach- richtenstelle aus Bregenz warfen Kreilagabend bisher un- bekannte Täter in das Haus des Landtagsabgeordneten Rupp einen Sprengkörper. Die Einrichtung des Bürohauscs wurde zerstört und die Wand stark beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden. Kurz nach l Uhr nachts wurden die Heimatbund- leute King und Klagian beim Patrouillcndienst auf der Land- straße in Lochau von drei bisher unbekannten Männern aus einer Pistole beschossen- King war sofort tot, Klagian bekam einen Schuß in die linke Schulter. rflhreniie Na*iiostken angeklagt Düsseldorf. 12. Nov. Wie die„Volksparole" berichtet, hat Gauleiter Staatsrat Florian in der letzten Wahlkundgebung i» München-Gladbach am Samstag bekanntgegeben, daß gegen verantwortliche Leiter und Angestellte des Volks- Vereins für das katholische Deutschland Anklage erhoben und auch bereits zu Verhaftungen und steckbrieflicher Verfolgung geschritten worden sei. Wie der„Bolksparole" hierzu mitgeteilt wird, wurde bei der Großen Strafkammer des Landgerichtes in München- Gladbach Anklage erhoben u.a. gegen den früheren General- direktor des Volksvereins, Geistlichen Rat Dr. Hohn, den früheren Reichskanzler Marx, den früheren Reichstags- abgeordneten LammerS, die früheren ReichSmin'ster Dr Brauns und Stegerwald, den Universitätsprofessor und früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Dessauer den General- direktor des Volksvereins Pfarrer van der Velde», den Rechtsanwalt Dr. Kohlen, den Buchhalter Commertz. Ihnen wird fortgesetzter Betrug zur Last gelegt. Nach der Anklage haben Kohlen und Commertz in München- Gladbach mehrere Firmen, darunter eine Mittelstandsbank, um über zwei Millionen Reichsmark betrügerisch geschädigt. Den übrigen Beschuldigten werde gemeinschaftlicher Betrug an einer groben Anzahl von Firmen im Gesamtbetrage von 350 000 Reichsmark zur Last gelegt- 14 lahrr Zath'hans! Für„politische Brandstiftung" Das Berliner Sonberg-rtcht verurteilte V» p ijsien Maly wegen gemeinscha.'.licher politischer Brau„.mm zu 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, de« An- geklagten Gerwart zu fünf Jahren Gefängnis und den A** geklagten Schelk wegen Unterlassung der Anzeige einer ih? bekannten strafbaren Handlung zu drei Jahren Gefängnis- Gegen Maly war die Todesstrafe beantragt worden. D>« Angeklagten hatten aus politischen Motiven einen Getreide« diemen angezündet bzw. davon gewußt. Van tier Lobbe verwandelt Berlin, 13. Nov. Zur heutigen Verhandlung des Reicks I tagsbrandprozesses ist neben anderen Zeugen auch der Kommunist Kämpfer erschienen, bei dem nach verschiedene« Zeugenbekundungen der Angeklagte Poposf verkehr» haben soll. Als etwa später als gewöhnlich die Angeklagten in de« Anklageraum geführt werden, erregt das Aussehen des A«« geklagten van der Lübbe allgemeines Aufsehen. Zum erste« Male während der ganzen Hauptverhandlung hält van d«' Lübbe den Kopf ausrecht. Er blickt auch zum ersten Mal« auf die Zeugen im Saal, während er an allen anderen Tage« von Anfang bis zu Ende Kopf und Augen auf den Bode« gerichtet hielt. Wahrscheinlich hat auch auf ihn das Wunder des gestrige« Plebiszits gewirkt. Mit Verspätung wird in die Verhandlung eingetreten. Wallen Sie Banse kanten? Banfes„Wehrwissenschaft" wurde von der Noz'regieru«^ bekanntlich verboten. Dieses Manöver schetnoarer Vel bote hat die Nazipolizei schon öfters ausgeführt. So wur»> ein kriegshetzerischer Roman(Verlag„Offene Worte"!»er boten, so wurde die Prager Zeitung„Bohemia" in Augenblick verboten, als die tschechoslowakische Regierung Blatt wegen Naziverdachtes in Untersuchung bracht« ähnlich oings dem getarnten österreichischen Blatt„Mich«!' Nun versendet die Buchhandlung Bernhard Liebisch, Lett^«' Kurprinzstraße 6, ihren neuen Katalog Nr. 299: neue Deutschland, seine Grundlagen, sein Wesen und se>«„ Auswirkungen". In diesem Katalog wird auf Seite». unter Nummer 430 in der Abteilung:„Arbeitsdienst Wehrsport. Luftschutz", das Buch von E. Banse„We» Wissenschaft" zum Preis von 1-20 Mark angeboten- gleichen Verfasser wird auf Seite 21 im Nachtrag das BuK' „Geographie und Wehrwille. Studien zu den Problems Landschaft und Mensch, Raum und Volk, Krieg und Weh' zum Preis von 4,50 Mark angeboten. Sozialversicherung— ein Trümmerhaufen DaS.Lentralblatt für RetchSvcrsicherung und Reichsvet' sorgung"(Nr. 20) stellt im Lettari kcl fest, daß das»<>«' so stolze Gebäude unserer deutschen Sozialversicherung e> Trümmerhaufen" ist. Die Verantwortung hierfür trage» Inflation. Der Verfasser fährt fort:„Der wirtschastliw Leidensgaug des deutschen Volkes, der auch nrit dem 2®*"," der Inflation noch kein Ende fand, ist der finanzielle densgang der Sozialversicherungsträger gewesen. Und«>e« heute ein Weiterbestand der Sozialversicherung tn der herigen Form schon aus finanziellen Gründen unmöglich's? so verdanken wir es der Fortsetzung der Erfüllungspm''. durch Dawes- und Uoungpläne und der Aufrechterhält«"? des Versailler Schmachvcrtrages... Der Führer".jj deutschen Volkes Adolf Hitler, hat seinen Kampi um% Erneuerung des deutschen Volke« unmittelbar nach Bec«^ gung des Krieges im Kampf gegen den Schmachfried«»"7 Versailles aufgenommen. So schreibt man tn WZ blättern, deren Redakteure glauben, daß man sie äußert^? des Reiches nicht beachte..' ." k k Europa spridil an der Saar Die neoe soila demokratische Landespartel des Saargebiets wird gegründet und tritt der Zweiten Internationale bel— Cine gewaltige Hundgebong In Saarbrücken Saarbrücken, 13. November. Am Sonntag tagte hier ein außerordentlicher Parteitag oer saarländischen Sozialdemokratie, der zu Entschlüssen kam, die für den Freiheitskampf an der Saar gegen Hitler von entscheidender Bedeutung sind. Im Einverständnis mit dem Borstand der deutschen Sozialdemokratie Prag und dem Generalsekretär der Zweiten Internationale in Zürich ver- kündete Max Braun als Führer der Fretheitsfront des Saargebiets die Gründung der Sozialdemokra- tischen Landespartei des S a a r g e b i e t s. Außer dem Vorsitzenden der deutschen Sozialdemokratie Otto Wels waren die Vertreter mehrerer Ländersektionen der Zweiten Internationale erschienen. Di« große sozialistische Freiheits- kundgebung, die den Parteitag einleitete, vereinigte die Sprecher der saarländischen Sozialdemokratie mit den So- zialisten des Auslandes in einer Kundgebung, die durch die Kraft und Fülle ihrer Eindrücke nicht nur den überfüllten Saal zu begeisterten Kundgebungen hinriß, sondern weit darüber hinaus den Freiheitskampf an der Saar im Namen des Sozialismus stärken wird. Unvergeßliche drei Vormittagsstunden! Aufmarsch des Schutzbundes, Einzug der Jugend, Freiheitöfahnen, Musik. Rezitationen— immer wieder die flammenden Worte, die ftch allen Teilnehmern unvergeßlich einprägten! Für die französische sozialistische Partei sprachen Gr u m b a ch- Paris, und der Führer der elsässtschen Sozialdemokratie Wagner- Mülhausen. Die belgische Arbeiterpartei schickte den Senator Tauters und den Außenpolitik« des.Peuple", Taxe. Die luxemburgische Sozialdemokratie war durch den Direk- ^or des»Escher Tageblatts" Clement und den Advokaten Dr. Blum vertreten. Die englische Labour Party, die Schweizer Sozialdemokratie und die beiden sozialdemokra»• ''scheu Parteien der Tschechoslowakei hatten Glückwünsche und Treuebekenntnisse übersandi. Unter stürmischen Kundgebungen begrüßte Max Braun, während sich die Massen im Saale Kopf an Kopf drängten und ein Lautsprecher dem im Treppenhaus Lauschenden die Borte vermittelte, die Gäste.»Ich weiß, daß es für Otto Wels kein anderes Ziel, keine andere Ausgabe mehr gibt als den Tag von Philippi vorzubereiten, an dem wir zum entscheidenden Waffengang für die Be- freiung Deutschlands von der Hitlerknecht- fchaft antreten." Grumbach dankte Braun für sein wütiges Eintreten für die Interessen der Saararbeiterschast und seinem Kasnpfe für Frieden, Verständigung und Rechte an der Saar. Aehnliche Ausführungen widmete Braun den Belgiern und Luxemburgern unter brausenden Zustim- Uulngskundgebungen. Wir müssen uns versagen, die bedeutsamen Reben, die auf d« Freiheitskundgebung gehalten wurden, im Wortlaut wiederzugeben. Aus jeder einzelnen klang das Bewußtsein heraus, daß die Saarfrage èeute im Mittelpunkt der europäischen Probleme steht. Die Begeisterung, mit der die Reden begrüßt wurden, bezeugte, daß die Stunde des Angriffs äegen den Hitlerterror an der Saar, nicht nur beruht auf Grund der Proklamation der Partei, sondern daß sie Bewußt- fein und Wille der sozialistischen Massen im Saargebiet ist. Die Sozialdemokratische Landespartet des Saargebiets hat "n diesem unverwischbaren Morgen sich selbständig ein- gegliedert in die Reihe der sozialistischen Internationale und dem Freiheitskampf an der Saar einen Auftrieb ge- geben, dessen Wirkungen die Feinde der Freiheit und der Volksrechte bald spüren werden. O'to Wels: Der Tag, an dem wir uns zusammenfinden, ist ein Tag von geschichtlicher Bedeutung Nicht nur. weil(ich die «»zialdemokratische Partei an der Saar ans politischen, vrganisatorischen und zwangsläufig bedingte« Gründen von vr großen Bruderpartei, die iu Deutschland mundtot ge- wacht ist, trennt, sondern weil man an diesem Tage ein Millionenvolk zu einer»Wahl" kommandiert, bei dem ihm keine Wahl bleibt. Der heutige Tag'soll ein Schicksalstag 'Ur Deutschland sein. Er soll, so sagte es Hitler, und gestern auch der Reichspräsident, Europa und der Welt zeigen, daß Uch Deutschland eiwg und geschlossen für Freiheit. Gleich- Berechtigung und Frieden einsetzt. Wie wurden in den letzte« Jabren die Männer verhöhnt, die tatsächlich für Deut ch- Gndo Freiheit, Frieden und Gleichberechtiguna im Rahmen vvr europäische« Verständigung gekämpit haben! , Man hätte ebensogut heute eine Abstimmung machen Jvnnen über die Frage: Willst Du. deutscher Mann, willit ?u. deutsche Frau, Gesundheit, Reichtum und langes Leben?" Es wäre selbstverständlich auf dielen Wünsch eine? jeden einzelnen die gleiche Antwort erfolgt ^'e aus die Frage, die man in raffiniert demagogischer Weise acute dem deutschen Volke vorgelegt hat. Tie Leute über ?cm Rhein könnten sich die Feststellungen der Wahlresultate waren. Sie werden soviel Oppositionsstimmen haben, wie "c brauchen, um der Welt zu zeigen daß der Marxismus !">ch nicht toi ist, um damit weiterhin die Legitimation für >hr Terrorregime zu haben Tie werden der Welt ver- künden, was> i e für richtig halten— nicht was richtig i st! . Aber am Abend deS heutigen Tages werden Millionen vor °cni Spixa-l ihres eigenen Gewissens sich eingestehen müssen, °ß sie s i ch selbst untreu geworden sind. Sie wurden Moralisch zermürbt und es gibt für diese Lüge nur eine Entschuldigung, daß sie die Lüge eines Systems ist. das ?nraus seinen„Tieg" ausbaut. Der moralische Boden, auf °cw die Herrschakt Hitlers und seiner Getreuen steht, ist in- wendig zersetzt. Er wird in sich zusammenfallen, wenn die ^ewissensbelastung zu schwer wird. Herr Hitler kielt vor inigen Tagen im S'emenswerk in Berlin eine Ansprache 'An meine Arbeiter".(Tosendes Gelächter.) »,Gs hat schon einmal einer eine Ansprache an»Meine Arbeiter" gehalten. Das war Wilhelm II. im September J/' 18 gegen Ende des Weltkrieges Er kühlte sich nirgendwo Achr sicher und keine Ilnrnb? trieb ihn nach Essen. Vor den ?"bei ,ee« der Kruvvkchen Werke hielt er eine Rebe in den "n ïit"»n die H«rr- Saar für den Faschismus nichts anderes bedeutet als ein Sprungbrett für weitere Er- oberungen nach Westen hin. Wir haben die Hoffnung, daß nicht nur die 2. Internationale, sondern auch die Regie- rungen der europäischen Demokratien wachsam bleiben: denn es geht in diesem Kamps um ihre eigene Freiheit und ihre eig-me Selbstbehauptung! Uns alle beseelt nur noch e i n Wille, wir alle kennen nur e i n Ziel: Entschlossener, rücksichtsloser Kampf gegen den Fasch's- mus unter Einsatz unseres eigenen Lebens bis zum end- gültigen Sieg der Freiheit! In diesem Sinne bitte ich Sie einzustimmen in den drei- fachen Freiheitsruf, den wir ausbringen auf die neue Landes- partei der Saar, auf die deutsche Sozialdemokratie und ihren Bis dahin. G Zossen.un sc re aa nz e K r a ft u n d Hille kür Fjthrer Otto Wels, unsere französischen, belgischen und în^d'ekem Sinne.^Freiheft. l^. arker Neikall.) luxemburgischen Genossen und endlich alle übrigen Sektionen Für die Sozialistische Partei im Elsaß sprach Kamerad Waaner. der Cb-'sredakteur der Mülhausen« sozialistische» Zeitung„De r R epu bli k a ner". ChciredaK'eor WaOner: Auch er bekundete den geschlossenen Willen deS elläisischen Proletariats, der Saargebietspartei in ihrem schweren Kamps? Schicksalsgefährte zu sein. Es ist gerade vier Tage her. daß der Fübrer der saarländischen Sozial- d-mokratie Mar Braun, im größten Saale Mülhausens den cssässi'chen Genossen sprach. Nie in den letzten zehn Jaßren wurde ein solcher Beifalls stürm»n Miiblhaulen erlebt, als an diesem Abend, an dem der Genosse Mar Braun die Unterstützung des saarländi- schen Kampfes durch die elsässischen Kameraden forderte und feierte. der zweiten Internationale. Der internationalen, v ö l k e r b e s r e i e n d e n Sozialdemokratie ein dreifaches Freiheit, Freiheit. Freiheit!(Lang- anhaltender Beifall.) « Die ausgezeichneten Ausführungen von Professor Decker, dessen„Rückblick und Ausblick" wirklich ein Blick in weiteste politische Perspektive war, tragen wir noch nach. Ein sym- bolischer Akt muß noch erwähnt werden- Es wurde ein »Freiheitsduch der Saar" ausgelegt, in das sich-u- nächst der Vorstand der Partei und daran anschließend die gesamten Teilnehmer eintrugen und in dem an diesen Morgen in einer halben Stunde der Einzeichnuna bereits über 5000 Franken freiwilliger Spenden niedergelegt wurden. Prägen um Dimitroff Die beschlagnahmten Schriften- Der Bulgare seist einem Pollselkommissar Ab 20. November Leipzig " Berlin, 11. November. Nach eintägiger Pause wurde heute die Verhandlung beS vielchstagSbrandprozesscs fortgesetzt. Das Reichsgericht will in der nächsten Woche die Berliner Zeugen- Vernehmungen im wesentlichen abschließen. Etwa vorn 20. November ab würde die Verhandlung in Leipzig fortgesetzt werden. Der politische Komplex soll erst in Leipzig verhandelt werden, wo man noch mit einer Ver- handlungödauer von insgesamt zwei bis drei Wochen rèchnet. iWaren die Bulgaren im Reichstag? Als erster Zeuge wird heute Kriminal-Assistent Gast über vie Ermittelungen vernommen, die er über den A usent- halt van der Lübbes in Hennigsdorf an- gestellt hat. Ter Zeuge erklärt auf Fragen, das in Hennigsdorf wegen der starken Industrie viele Kommunisten wohnten. Warum der Angeklagte van der Lübbe gerade nach Hennigsdorf gegangen sei, lasse sich jedoch kaum fest- stellen. U. a. sei van der Lübbe mit der Schwester eines kom- muniftlschen Führers in Hennigsdorf gesehen worden. Der Fahrstuhlführer am Portal 5, Kaufmann, be- kündet, er habe am 23. oder 25. Februar zusammen mit dem Abg. Neubauer und denen Sohn einen Mann im Fahrstuhl nach unten gefahren, in dem er auf Grund der Bilder Dimitroff wiederzuerkennen glaubte. Bei seiner Gegenüberstellung mit Dimitroff am 11. Mai habe er ihn, obwohl Dimitroff in einem große» Kreise von Perjonen saß, mit aller Bestimmtheit wiedererkannt. Aus verschiedene Vorbalte des Vorsitzenden und des RA. Dr. Teichert bleibt der Zeuge bei seiner Bekundung und erklärt einen Irrtum für ausgeschlossen. Dimitroff betont, er sei seit 1021 nicht mehr im Reichs- tage gewesen und der Angeklagte Torgler erklärt, er sei überzeugt, baß der Betreffende der bereits erwähnte Julius von der Jmprekor sei. Reichsanwalt P a r r i s i u s weist darauf hin. daß eS sich um Julius Alpare handele, der geflüchtet und nicht zu er- mittel» sei. Auch ein Lichtbild sei nicht zu beschassen. Ter Reichstagsangestellte Enke, der die kleinen Ab- geordnetcnzimmer im zweiten Obergeschoß zu betreuen hat, bekundet, daß das dort liegende Zimmer 70 dem An- geklagten Torgler gehörte. Torgler erklärt dazu, daß er dieses Zimmer nie bezogen habe, da er inzwischen das Zimmer 0b bekommen hatte. Der Zeuge Enke hat dann auch Torgler nie dort oben gesehen. Als er aber eines Tages, etwa 11 Tage vor dem Brande, das Zimmer betreten wollte, war es voller Herren. Als der Zeuge eintrat, stutzten st«. Die Sitzenden rückten ,«- sammeu und die Stehenden stellten sich davor. DaS fei dem Zeugen sehr ausfällig vorgekommen. Eine weitere Beobachtung des Zeugen geht dahin, daß er eines Tages im Zimmer 88, bei Prof. Halle, den Angeklagten Poposf gesehen hat. Schon einige Tage vorher habe er P o p o s f einmal im Gang getroffen. Bei der Gegenüber- stellung vor dem Untersuchungsrichter habe er den An- geklagten Pop off wiedererkannt. Aus Weisung des Vorsitzenden erhebt sich P o p o f f. Der Zeuge betrachtet ihn und erklärt. DaS ist der De a n n.! Der Angeklagte Pop off wiederholt feine Erklärung, daß er vor seiner Berhastung nie im Reichstagsgebäude ge- weien sei. Ter Angeklagte Torgler meint, die Leute, die der ^euge in Zimmer 70 gesehen hat, seien wahrscheinlich Mieter gewesen, die mit einem Abgeordneten über Mieter- tragen verhandelten. Ter Mann, den der Zeuge für Popoff hielt, sei wahrscheinlich der Journalist Norden gewesen, der oft mit der kommunistischen Fraktion zu tun hatte und Popoff sehr ähnlich sehe. Die Verhandlung wird bann durch die Mittagspause unterbrochen. Nach der Pause gibt der Angeklagte Tora 1er eine Er- klärung ab, in der er im Gegensatz zu der Bekundung des Reichsministers Dr. Göbbels behauptet, im Mai 1020 im ReichStagsplenum weder eine Rede gehalten, noch die Opfer veS 1. Mai in zynischer Weise verherrlicht zu haben. Auf dem Gefängnishof Als nächster Zeuge wird dann Otto W i e h l e in Straf- anstaltskleidung vorgeführt. Ter Zeuge erklärt, er sei wegen eines Geldfälschungsversuches zu zwei Jahren Zuchthaus un- schuldig verurteilt worden. Von Mitte 1032 bis zum 20. Mai 1033 habe er im Untersuchungsgefängnis in Moabit einen Zellengenossen namens Krause gehabt. Dieser hielt die „Morgenpost", in der eines Tages die Abbildungen der Bulgaren erschienen. Auf dem Gesängnishof erkannte Krause eieren der Abgebildeten wieder, nämlich Dimitroff. Krause flüsterte Dimitroff zu, daß sein Bild iu der Zeitung sc«. Dimitroff ist daraufhin ausfallend blaß geworden. Am nächsten Tage fragte Dimitroff den Kraus«, ob fie auch einen Mann namenö B«tschess oder Petschek verhaftet hätten und was der ausgesagt hätte Ter Zeuge erklärt, das sei ihm lo auffallend erschienen, daß er seine Beobachtungen der Be» Hörde mitgeteilt habe. Dimitroff bestätigt, daß das Gespräch mit Krause statt- gesunden hat, bestreitet aber, daß Wiehle dabei gewesen ist. Ich bin nicht erfchrvcken, fährt Dimitroff fort; d«un das kommt bei mir nicht vor tHeiterkeitj. Es interessierte mich nur, ob meine bulgarischen Bekannten auch abgebildet waren. Wenn der Zeuge überhaupt dabei war, wird er wohl etwas Falsches verstanden haben. Ter von dem Zeugen Wihle erwähnte Krause, der gegen- wärttg eine Gefängnisstrafe verbüßt, wird dann als Zeuge vernommen Er bekundet, er habe bei dem Spaziergang zu geben. Am nächsten Tage habe Dimitroff ihn nach der Dimitroff fei darauf sehr blaß geworden und fichtlich er« fchrocken gewesen. Er Hab« ihn aufgefordert, ihm die Zeitung zu geben Am nächsten Tage habe Dimitroff ihn nach der Zeitung gefragt. Er, der Zeuge, hatte sie jedoch nickt mit- gebracht, sondern gesagt, er habe sie vergessen. Taraus fragte Dimitroff. wer denn noch verhaftet sei- Dimitroff habe em paar Namen genannt, aber nicht Popoff oder Taneff. Der eine Name habe wie Lauer oder Laner geklungen. Dimitroff erklärt dazu, er sei bei der Mitteilung des Z«u» gen oou dem Bild zwar nicht erschrocken, aber erstaunt ae« wefen. Am nächsten Tag« habe ihm der Zeuge tatsächlich die Zeitung gegeben. Der Zeuge Krause betont demgegen» über, daß er die Zeitung dem Angeklagten nicht ausgehändigt Hobe Er w'sse auch bestimmt, daß Dimitroff bei seiner ersten Mitteilung erschrocken gewesen sei. Ans eine Frage deS Oberreichsanwaltes gibt Dimitroff zu. daß er auch den Namen Torgler in Verbindung mit den Bildern in der „Morgenpost" genannt haben könne, da er schon vor seiner Festnahme von der Verhaftung Torglers erfahren habe. Lim Dimitroff» Tätigkeit Nunmehr werden als Zeugen die Poltzeibeamten»er- nommen die sich über das bei Dimitroff gefunden« Urkun- denmaterial äußern sollen, zunächst Kriminalkommissar Dr. Braschwitz. Vorsitzender: Bet den beschlagnahmten Schriften Di» mttroffs befand sich ein Buch mit der Bezeichnung„I" und ein Schriftstück mit dem Namen„Weih". Ist Ihnen bekannt, was„Weiß" bedeutet?— Zeuge Dr. Braschwitz: Dieser Name taucht, wiederholt in kommunistischen Schriftstücken aus. Die Persönlichkeil des„Weiß" ist nie richtig fest- gestellt worden: es scheint aber, daß er eine geivisse hö- here Position in internationalen kommunistischen Kreisen einnimmt. Der Vorsitzende weist darauf hin. daß bei Dimitroff auch ein Aufruf des Exekutivkomitees der Komintern vom 3. März 1983 gesunden worden sei. Dr. Bras ch w i tz erwidert darauf: Dimitroff hat bei seiner Vernehmung zu jenem Schriftstück erklärt, daß er es fn seiner Eigenschaft alß Schriftsteller vom Redakteur der„Jnprekor" zur Information erhalten habe. Bei uns hatte der Besitz dieser Schriftstücke den Eindruck erweckt, daß Dimitroff ein hoher Funktionär der Kommunistische» Inter- nationale sein mußte. Zwilchen Wien und Berlin wurde das sogenannte„Mitteleuropäische Büro" unter- halten. Wir hatten den Eindruck, daß Dimitroff Funktionär dieses Büros war. Das waren Leute, die besondere Anivei- jungen der Komintern in Empfang nahmen und für ihre Durchführung zu sorgen hatten. Ter Vorsitzende weist darauf hin. daß Dimitroff ja selbst zugegeben habe,«m Exekutivkomitee der Komintern der Vertreter für Bulgarien zu sein. Der Zeuge Dr. Braschwitz erklärt, eine solche Be- schränkung auf ein Land sei für Leute von der Funktion DimitroffS nicht denkbar- Es unterliege gar keinem Zwei» sel, daß die Stoßkraft der Dtmitrosfschen Tätigkeit ganz offenbar gegen den Faschismus bestimmt war und gegen die Länder, die von den Kommunisten als faschistisch regierte Länder bezeichnet werden- In dem bei ihm gefundenen Aufruf waren bestimmte Sätze mit Tinte unterstrichen. ES sind wahrscheinlich Korrekturbogen gewesen, die von Dimi» troff selbst hergestellt waren oder als Vorlagen benutzt«ver» den sollten. Auf dem Kopf befindet sich die Bezeichnung „P o li t ko m m i s s i o n". Das ist die Kommission, die auö Tpitzelfunktionären der Partei gebildet wird. Es mag sein, daß Dimitroff die Funktion hatte, den entscheidenden Ge- sichtspunkt an seine Leute in Bulgarien weilerzuleiten. Da- neben war er aber auch Durchgangs- und Verteilungsstelle. ES wurde hier offenbar ei« zentrales Böro von Dimitroff unterhalten. Daß er ein wichtiger Funktionär sein muß, geht auch schon daraus hervor, daß ansehnliche Geldbeträge bei ihm und seinen Begleitern gesunden wurden- „Berlin in der Tasche" Vorsitzender: Dann ist bei ihm ein S ch r i f t st tt ck ge- funden worden„Die Reichstagsbrandstiftung als national- sozialistisches Provokateurstück entlarvt!". Das«st heraus" gegeben von der Pressestelle des Zentralkomitees der KPD- Dimitroff behauptet, dieses Schriftstück habe er nicht in fei- nem Besitz gehabt. Zeuge Dr. Braschwitz: Bei der polizeilichen Ve««th- mung ist es ihm vorgehalten worden und er hat auch«» diesem Falle gesagt, daß er es in seiner Eigenschaft al» Schriftsteller vom Redakteur der Jnprekor bekommen H""«'- Das Protokoll wurde ihm nicht vorgelesen, sondern er bar es selbst eingehend studiert und hat beinahe 20 Minuten aus die Durchsicht verwandt. Ueber den Plan„Berlin in der Tasche" äußert der Zeuge, daß in diesem Plan Kriminal» assistent Kynaft die verschiedenen Einzeichnuagen gesu^e» hat,«. a. auch die Kreuze bei Schloß und Reichstag. Mir schien dieser Umstand von besonderer Bedeutung zu sein, als wir bei Dimitroff auch zwei Postkarten mit denselben Ge- bänden gesunden haben. Auch die Adresse der niederländische«» Vertretung war anterftrichen. Schließlich wurden Notizen über hohe Summen festgestellt, die an einen«chm. gegeben«varen und ivobei es sich anscheinend um die Ver» teilung der Arbeitergroschen handelte. Wer die Leute waren, die sie bekommen haben, konnte nicht festgestellt werden. Angeklagter Dimitroff: Den Aufruf wegen des Reichs tagsbrandês habe ich tatsächlich nie gesehen: er«st mir auch nicht gezeigt worden. Zeuge: Er ist im Protokoll angeführt, das Dimitrost selbst aelesen hat Dimitroff bestreitet auch, das Proto- koll selbst gelesen zu haben. Er erklärt, daß alle bei ihm ge- fundenen Dokumente absolut nichts mit der inneren Lage Deutschlands oder dem Reichstagsbrand zu tun hätten. Dimitroff: Welche Beamten haben in der sogenannten Brandkommission gearbeitet? Haben in dieser Kommission nur Beamte gearbeitet? Zeuge Dr. B r a s ch w i tz: Es ist ja aktenkundig, welche Beamten in der Kommission saßen. Dimitroff: Ich werde beweisen, daß in dieser Kom- mission unverantwortliche und nicht i«n Staatsdienst stehende Personen tätig geivesen sind. Auf Fragen deS Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß die Sachen Tag nnd Nacht unter Bewachung verschlossen waren. Dimitroff: Ist sicher kein anderer mit politischen Funktionen außer den staatlichen Krilninalbeamten in dieser Kommission gelvesen? Ich wünsche ein klares Ja oder Nein. Zeuge: Ich habe mich dazu geäußert und muß e» ab- lehnen, noch näher daraus einzugehen. Oberreichsanwalt: Dann nehme ich die Frage au«: Sind Privatpersonen mit diese» Papieren in B-rtthuug«<« kommen? Zeuge: DaS ist gänzlich ausgeschlossen. Oberretchsanwalt: Hatte jemand von her SS^ SA.»der sonst von der NSDAP, damit zu tun? Zeuge: Das kommt nicht in Frage, und ich möchte daS mit aller Deutlichkeit unter meinem Eid feststellen. Dimitroff: Ich werde«nir das notieren.— Auf Frag«« des RA. Dr. P e l k in a n n bestätigt der Zeuge Kriminal- assistent Steinbach, daß zunächst auS der geschlossenen Akien- tasche durch Hock» ben der einen Ecke der Fahrplan, die Pott- karten, einige Zigaretten und anderes herausgenommen wurden. Dimitroff fragt, ob es da nicht möglich gewesen fei. in die geschlossene Aktentasche etwas anderes wieder hinein- zutun. OberreichSanwalt: Haben Sie etwas anderes Hin- eingetan, als herausgenommen wurde? Zeuge: Rein. Die Verhandlung«vird dann auf M o n t a g v e r t a g t. Göbbels Eid Der Fall Katemeyer„sonnenklar" Wir wissen noch nicht, ivie das neue„deutsche" Strasreckt aussieht, an dem der Staatssekretär Roland Freister, in seiner Heimatstadt der„rasende Roland" genannt, zur Zeit angeblich arbeitet. Aber wahrscheinlich muß es eine Be- stimmung enthalten, ivonach Minister grundsätzlich unter ihrem Eibe nicht die Wahrheit zu sagen brauchen. Stach Göring, dessen Aussage bereits aus ihren Wahrheits- gehalt beleuchtet ivurde, bietet der Zeuge Göbbels«in Schulbeispiel hierfür. Er versuchte, dem Reichsgericht dar- zulegen,«vie die Taktik der Kommunisten dahin gegangen sei, die von ihnen selber begangenen Taten der Gegenseite in die Schuhe zu schieben. Ter wtb.-Bericht läßt Göbbels sprechen: „Ich babe Beispiele ans meiner eigenen Ersah- rung. Der Minister wies u. a. aui den tragischen Tod deS Pg. Kütemeyer hin, der von K o m m« n i st e n niedergeschlagen nnd in den Landwehr- kanal geworfen wurde. Der Fall, betonte Göbbels, lag klar und ganz eindeutig. Der Parteigenosse hatte eine Tportpalastversammlung deS Führers besucht und il'ar bei der Heimkehr von einem komm»- ni frischen Straßrntrupp überfallen und nieder- geschlagen worden. Er flüchtete vor diesem Trupp und wurde dann von den Kommunisten in den Kanal geworfen. Der Fall lag sonnenklar. Des Gegenteil wurde nun i» der kommunistischen Presse behauptet. Usw., usw. Hierzu ist festzustellen: Der Fall Kütemeyer lag alles andere als„sonnenklar". Er lag vor allem durchaus Nora an lassen straffrei lJnpreß.i Der Judenboykott wird zeitweise in Mainz so rücksichtslos durchgeführt, daß Kunden, die jüdische Geschäfte betreten, angereinpelt und von der SA. fotografiert werden. Ein alter Arbeiier, der im Jnvalibenbeim in Mainz unter- gebracht ist, protestierte gegen eine solche Behandlung. Als Antwort darauf schlägt ihm ein blutjunger TA.-Mann mit dem Gummiknüppel ziveimal über die Schulter, woraus der alte Mann stöhnend zusammensinkt. Der zufällig deS WegeS kommende Arbeiter Otto Kieker rief den SA.-Leuten zu: „Laßt doch den alten Mann in Ruhe, er tut Euch doch nicht»." Daraufhin springt der SA-Mann Weiß au» Mainz-Kastell auk ihn zu und stößt ihm breimal mit voller Wnckt das Seitengewehr in den Bauch, Kiefer starb wenige Stunden weiter... Der Mörder wurde angeklagt, zu 1 Jahr, 3 Monaten Gefängnis verurteilt... und begnadigt. Majestät» beleidigung Ein ötZjähriger unbestrafter Maurer aus Alt-Eschers- heim in Hessen-Nassan äußerte sich in einer Wirtschast am 23. September in angetrunkenem Zustand abfällig über die SS. und TA.. waS zur Folge hatte, daß er am 11. Oktober in Hakt genommen wurde. Da» Tondergericht verurteilt« ihn wegen Vergehen» gegen 8 3 der Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung zu sechs Monaten Gefängnis. anders, als der Minister ihn unter seinem S«d dem Gericht darzustellen beliebt hat..,,». Die Wahrheit über den Fall Kütemeyer sieht so aus- Erstens: K. ist nicht aus dem„Heimweg" von der Versamin- lung im Sportpalast, sondern morgens g eg en 1 U o r, inehr a l s fünf Stunden nach Schluß der V e r- s a m m l u n g in eine Schlägerei geraten. Er hatte w>« einigen Naziireunben bis dahin eine Bierreiie gemacht- Zweitens: Der„kommunistische Straßenlrupp", der K. über- fallen haben soll, mar eine ohne jedes politische Momen« zusammengestellte Kolonne städtischer Verkeh r s- a r b e i t e r, die in der Bttlowstraße die Geleise der Straßenbahn ausbesserten. Die angeheiterten Nazi provo- zierten diese Arbeiter nnd kamen mit ihnen in eine Schlägerei, bei der K. mit einem harten Gegenstand einen Hieb auf den Kops erhielt. Drittens: K. ist nicht in de» Kanal geivorken worden, sondern fünf bi» zehn Minuten Wege» vom Ort des Zusammenstoßes entsernt infolge der Beommenheit des erhaltenen Schlages in den Land- wehrkanal getaumelt nnd ertrunken. Hätten ihn die Arbeiter, die ihn so weit von ihrer Arbeitsstätte gar nicht verfolge» konnten, gewaltsam ins Wasser geworfen, so müßten An- n-ohner oder Passanten Hilferufe und dergleichen gehör« haben. Es bat niemand derartiaes wahrgenoinmen. Die» ist der nw* Minister Göbbels„sonnenklare" und „eindeutige" Fall Kütemeyer. Sonnenklar ist nur das ein«, daß die eidl'-^e Aussage des Ministers über den Fall von Anfang bis Ende unwahr ist! Oer Vater wird gesucht lJnpreß.i. In der„Jüdischen Rundschau" erscheint untek der Ueberschrlst:„Der Vater ivird gesucht" die folgende An- zeige:„Ich bitte Verwandte und Bekannte des Herrn T r- med. Arthur ElkeleS, ehemaliger Oberarzt der Jnfektio««-'' abteilung des Vlrchow-KrankenhauseS, mir freundlichst M«>- teilung von seinem Verbleib zu machen, da von ihm ein fti»*' jährigeS Töchterchen ohne Obhut hinterlassen wurde" Oie Invalidenversicherung bankrott Das ReichSarbeitSministerium Hat festgestellt, baß bi« alt«» Rücklagen der Invalidenversicherung lauS den bekannte» 14 Jahren der Schmachi aufgezehrt sind und daß da» laufend zuichießen muß. Das Ministerium hat einen En«- wurf zur Reform der Invalidenversicherung ausgearbeitf'' dessen Verabschiedung noch„einen gewissen Zeitraum in spruch nehmen" wird. Die Reform wird sich hauptiäckl'w init der„finanziellen Sicherstellung" der Versicherung of- fasse» und mit„organisatorischen Maßnahmen." DaS alle» bedeutet«vohl eine Kürzung der Invalidenrenten. Göbbels Schwager Bankpräsident In der Sitzung der Verwaltungsrät« wurde der Schwager' de» Reichspropagandamintsters Göbbel». Waller Granzow- zum Präsidenten der Deutschen Rentenbank und zum Vor- sitzenden des Verwaltungsrates der Deutschen Rentenban«- Kreditanstalt geivählt.— Nachdem er seine eigen« Famil«o versorgt hat dehnt Göbbels die Fürsorge auch aus fe' B< Schwäger au». Deutsche Stimmen•(ßeii age nur„Deutsehen Freiheit"• éteignisse und Geschichten Dl«n»taa, dtn 1*. Novmbwr 1933 Das Jtacêucçec Çutachten „Jadenstänuuige Christen loucden 2 um gesegneten Dienst an dee christlichen(gemeinde Bis in die jüngste Zeit Becufen" Qalgatha FSHreriu im Protest der 2000 protestantischen Theologen gegen die terroristische Gleichschaltung unter das Joch der»Deutschen Christen" ist. wie bekannt, die Marburger theologische Fakultät. Wir»erössentlichen hier de« zweiten Teil ihres Gutachtens» das fich mit de« Arierparagraph in der Evangelischen Kirch« beschäftigt: Die gesamte Kirchengeschichte wie das Staats- und Kirchen- recht aller Völker kennt bisher den Begriff des Juden nicht im Sinne der Rasse, sondern ausschließlich in dem der K o»,- session, also als den des Juden, der in Jesus nicht den Christus GotteS erkennt. Der Jude, der im Gesetz und den Propheten seines Volkes die Weissagung aus Christus er- kennt, sich bekehrt und taufen läßt, ist für die Kirche nicht mehr Jude, und vou sciten der Kirche sind auch staats- bürgerrechtliche Beschränkungen für den getauften Juden niemals vertreten worden. Mag ein Staat nun solche Beschränkungen in einer Schätzung der rassischen Faktoren, die früheren Zeiten fern lag, aus nationalpoli- tischen Erwägungen geboten finden, so können sie im Raum der Kirche als solcher keine Geltung beanspruchen, da die Kirche Gemeinschaft der an Christus Glaubenden und auf seinen Namen Getauften ist und gar nichts anderes: sie würde aufhören, dies im vollen Sinne zu sein, wenn sie irgendein anderes Merkmal in ihrer Gemeinschaft Unter- schetdungen begründen lteßc. Die Kirche kann ihre Einheit als die Einheit des Leibes Christi, zu dem alle Gläubigen durch den einen Geist getauft sind, nicht preisgeben. T i e kennt keinen anderen Scheidung s grund als Unglauben und Irrlehre, wenn und solange sie diese nicht mit dem Beweis des Geistes und der Kraft zu überwinden vermag. Man darf nicht sagen, daß diese Einheit nur von der un- sichtbaren Kirche gelte, während in der sichtbaren die auch fönst Menschen scheidenden Schranken geachtet und gewahrt werden müßten. Die sichtbare Kirche hat sich im Maß des irdisch Möglichen nach dem Bilde der unsichtbaren zu ge- stalten, wenn ihr der Glaube an diese Wahrheit ist.»Flecken und Runzeln" mögen an ihrem Leibe als unaufhebbarc Zeichen irdischer Schwachheit getragen werdenie man?" Die Satgen.des deutschen AufBaus Herr Robert Ke rkm a nn, seines Zeichens Regie- rungSbaurat, steht die eben errungene deutsche Einheit erneut gefährdet. Die deutschen Männer und Frauen wissen nämlich nicht, wie und wann sie den„deutschen Gruß" anzuwenden haben— doppelt peinlich, wenn es sich um Nichtarier hau- delt. Herr Kerkmann empfiehlt folgende Lösung tu der „Vossischen Zeitung" lNr. 548): „Jeder Staatsbürger, wohl auch der nichtarische, hat sich im Verkebr mit Behörden und Beamten des„deutschen Grußes" zu bedienen, auch im Schriftverkehr. HötlichkeitS- formeln, wie„Hochachtungsvoll" und ähnliches sind in den letzten Jahren aus amtlichen Schriftstücken und auch ans den Schreiben Privater an Behörden immer mehr ver- schwunden. Auch im Geschäftsverkehr werden diese For- mein, hinter denen ja meistens dach nichts steckt, häufig schon sortgelassen. Jedenfalls ist es zulässig, Brief« an Behörden und Private mit„Hitler Heil!" zu unterzeich- neu. obwohl es auch hier Fälle geben kann, in denen es der Takt, erfordert, nicht„Heil Hitler" zu setzen, sondern eventuell„Mit deutschem Gruß". Ueberhaupt hängt bei der Anwendung oder Nichtanwen- dung des»deutschen Grußes" vieles von dem Taktgefühl des einzelnen ab. Natürlich haben auch Nichtarier sich grundsätzlich den allgemeinen Vorschriften, soweit es sich um gesetzliche Anordnungen oder Verfügungen von Be- Hörden handelt, zu unterwersen. Aber da, wo es keine amtlich vorgeschriebenen Grubregeln gibt, wird eS oft nicht leicht sein, hier das Richtige zu finden, um auf der einen Seite die Gefühle anderer nicht zu verletzen, andererseits sich aber auch selbst nicht lächerlich zu machen. Es kann da- her Fälle geben, wo auch der N i ch t a r i e r den»deutschen Grub" anwenden muß, oder wo e» der Takt erfordert, ihn anzuwenden, es ist aber auch ein Fall denkbar, wo es g e- f ch m a ck v o l l wäre, würde ein Nichtarier den Hitler- Gruß zur Anwendung bringen. Bei allen Reichsangehörigen arischer Abstammung wird in der Regel heut« der„deutsche Gruß" angewandt, wobei man wohl nicht zu ängstlich zu sein braucht, wenn auch einmal aus alter Geiyohnheil eine alte Grußformel ange- wandt wirb, soweit darin nicht eine grundsätz. liche Ablehnung des neuen Staates zu in Ausdruck kommt. Man sollte nicht jeden gleich für einen Staatsieind ansehen, der einen guten Morgen oder guten Abend wünscht, oder dem da» eigentlich wenig schöne „Mahlzeit" entfährt. Man trifft auch heute noch viele Menschen an, die keineswegs den neuen Staat ablehnen und trotzdem noch immer aus alter lieber Gewohnheit die alten Grußformen benutzen, denen eS zum Teil unhöflich erscheint, beim Gruß, vor allem Damen gegenüber, den Hut auszubehalten und nur die Hand zu erheben. Allmählich wird wohl von selbst der„deutsche Gruß" immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Dazu gehört aber eine gewisse Zeit, und man sollte sie auch ruhig ge- währen, vor allem älteren Menschen, wie überhaupt sich erst manches langsam einspielen muß. Man sollte daher nicht vorschncll über Menschen urteilen, die noch nicht oder zuweilen nur den„deutschen Gruß" anwenden. Im übrigen sei gesagt: Grüße jede an dir vorbei- marschierende Fahnengruppe, die eine Fahne mit den Symbolen des neuen Reiches trägt, durch Erheben der rechten Hand.(Nur der Führer der Formation dankt für den Gruß> Erbebe den rechten Arm, wenn das Horst- Wcssel-Lied gesungen wird, bediene dich im Verkehr mit Behörden und Beamten des„deutschen Grußes". Erhebst du bei feierlichen Anlässen den rechten Arm, so ziehe vorher möglichst den Handschuh aus. Ist in deiner Arbeitsstätte der„deutsche Gruß" eingeführt, und daS wird wohl überall der Fall sein, dann wende auch du ihn an. Vermeide dabei ein allzulässiges»Wedeln" mit der Hand. In deinem privaten Leben verhalte dich so, wie eS dir dein Taktgefühl vorschreibt, und so, daß du den Empfindungen deiner Mitmenschen Rechnung trägst." Herr Kerkmann geht, wie man sieht, mit zartem Takt an eins der wichtigsten Problemen Hitler-Deutschlands heran. Man bagatellisiere«S nicht! Denn Millionen Deutsche sind gegenwärtig von einer wahren G r u ß- P s y ch o s e be- scssen.»Wie hattenS doch im Reich vordem— die deutschen Bürger so bequem!" Sie grüßten, wie«S ihnen beliebte. Heute ist der Gruß entweder eine sakrale Handlung oder ein Anlaß zum Konzentrationslager. ZeUsTloüzett „Erwünscht sind".. eine Jugend- Unterhaltung und Jugend gilt. Der Die Reichsjugendführung berettet fchriftensammiung vor die der auch der kulturpolitischen Schulung der.._ RetchSjugendführer Baldur von Schirach gibt die Sammlung heraus Die Verantwortung übernimmt der Kurator der in der ReichSjugendführung eingegliederten ReickSjugenb- bibliothek. Karl Hobrecker. Erwünscht sind: KriegSge- schichten, Abenteucr-Erzählungen. Fabeln, Märchen und Tiergeschichten unpolitische Kurzgeschichten D'c Einsendun- gen werden erbeten an dt« Abteilung SP. der Reichsjugend- führung, Berlin NW.. Kronprinzenufer 10. Juden als Nazi-Agitatoren Im Buchhändlerbörienblatt(Nr. 355) zeigt Herr Rauch von der»Literarischen Welt" stolz den Brief eines Wiener Buch- Händlers namens Martin Flinker, der behauptet, daß nun, fett Rauch das M'stblatt herausgibt alle'Nummern auSzu- verkaufen. Der Martin Flinker ist ein Oftjude, mit dem das »dritte Reich" Geschäfte macht Diebstahl Tie-freigegebenen" Bestände der gestohlenen Nrdeiterverlâge I. H. A). Dietz Aachs Bücherkret» G. m. b. H., Arbeiiersugend- verlag und Neuer Breblauer Verlag werden zugunsten der Ltgni» öatere» verkauft. Die Firma F. Volckmar, Leipzig, ist an dies»,» sauberen Geschäft beteiligt Meise in sacMeutschlantf Militarisierung In allen Orten Badens und Hessens sd. h. soweit wir das Ii Iber beobachten konnten! werden die SA.-Leute ausgebildet mit dem Militärgewehr und Karabiner Modell 98. Die Ans- btldung wird abgeschlossen mit einem„Pflichtschießen", bei dim eine bestimmte Ringzahl erreicht werden muß. Die Schießausbildung geschieht z. T. auf Polizei-, z. T. auf ehe- r.aligen Militärschießstänben. Verschiedentlich werden die SA.-Leute, um das Ganze unauffällig zu machen, in Polizei- mantel dabei gesteckt. Neben dieser Ausbildung her läuft für kleinere Trupps 0> e A u s b i l d u n g am MG., der Gebrauch mit Blink- gerat, die Handhabung von Feldtelefongerät und ähnliches. Bewilders die Hitler-Jugend ist hiermit beschäftigt. Auf dem Truppenübungsplatz Münsingen wurde in sechsmonatiger Ausbildungszeit eine größere Ab- ^//ung beS sogenannten„Freiwilligen Arbeitsdienstes" in Allnächtlichen Uebungcn sbei Tag scheute man sich, aus guten Grundenj mit„Kampfwagen" vertraut gemacht. Diese „Kampfwagen" sind nichts anderes als regelrechte Tanks, die ? u«£Î r Ç? sechzig Stück auf diesem Platz vorhanden sind. Tie FAD.-Leutc wurden ehrenwörtlich zum Stillschweigen ver- ptllchtet. studentischen Korporationen schicken ihre Mitglieder in regelmäßigen Abständen zur Ausbildung auk Militar-Truppenübungsplätze. Eines der meist beschickten Lager ist in Ohrdruf in Thüringen. Die Studenten tragen wahrend dieser Seit Reichsweb»uniform. Offenbar handelt es sich bei diesen Ucbungen um die Ausbildung der Offiziers- reiervcn für Herrn Hitlers Armee. In studentischen Kreisen spricht man ganz ungeniert darüber, die„Militärdicnstzeit" ist beliebter Gcspräck.^gegenständ. JP? n. ähnlicher militärischer Ausbildung liegen aus vielen ,,.lrbeits"lagcrn des FAD. ebenfalls Nachrichten vor. So S i,''.» einem größeren Lager in Links, einem -i orf bei Kehl a. Rh., die Schießausbildung besonders inten- si» geptlegt. MG. und Gewchr-Modell 98 sind die meist ge- biauchlichen„Arbeitsgeräte. Neben den Post- und Bahnbeamten, von denen wir das schon vor einiger Zeit melden konnten, werden, wie sich jetzt bestätigt, auch alle anderen Beamten der staatlichen Dienst- stellen zu militärischer Ausbildung„eingezogen". Auch diese Ausbildung ivird mit..Pflichtschießen" beendet. Daß auch eifrig die Rüstung mit Kriegsmaterial betrieben wird, datür nur ein Beispiel.">n Mannheim besteht eine Firma Elz, die sich mit der Herstellung von elektrischen .Fündapparaten». dgl. befaßt. Seit einigen Wochen wird in diesem Betrieb ein neues Modell solcher„Zündapparatc" r I öaut, bei dessen Versand seltsamer Weise— Handgranaten- stiele mitgeliefert werden. Eine der letzten Sendungen dieser Art umfaßte nicht weniger als 00 000 Stück— also Massenherstellung. Ja. Adolf Hitler will den Frieden und Deutschland trat , ur deshalb aus dem Völkerbund aus. weil es verhindern nullte, daß bei einer allgemeinen Rüstungskontrolle allzu 1 icht hätte festgestellt werben können, wie sehr es zum „Frieden" rüstet...^ Die kleinen Diebe hängt man... In Hockenheim i. B. feierte vor kurzem die nenbentsche Barbarei wieder einmal Triumphe. Mit Trommelwirbel nild unter großem Geschrei wurden bort zwei junge Burschen, 1 und 19 Jahre alt, von der SA. durch die Straßen des Ortes geführt. Sie hatten jeder ein Schild umhängen, auf dem zu lesen stand:„Ist, habe gestohlen und meine Volks- genossen geschädigt."— Die„Verbrecher" hatten von einem Birnbaum an der Landstraße sich ein paar hängengebliebene Birnen herunter geholt und auf einem Gurkenfeld Nachlese gehalten, wobei sie wirklich noch ein paar Gurken gefunden hatten. Deswegen mußten sie angeprangert werden. Viel- 'eicht werden jetzt bald Radfahrer, die abends ohne Licht fahren, in Ketten gelegt! Adolf Hitler soll mich am A... c».®' e l e Erkannte Aufforderung richtete vor kurzem der in st>annheim wohlbekannte Kammersänger HansBahling, iiühcres Mitglied des Mannheimer Nationaltheaters, in einer Weinmirt^ast an die Adresse des Reichskanzlers. Wenn«auch niele Mitanwelende Verständnis für diese freund- I>che Aufforderung, die gesprächsweise siel, hatten, ein Ber- räter fand sich doch. Und die Polizei nahm den sangesgewal- tigcn Götz v. Bcrlichingen mit. Nach einer im Notarrest verbrachten Nacht wurde er zur Rede gestellt, aber der Münder war kühn genug, diese unbotmäßige Aeußerung vor lustloses Geschäft" Nach den neuesten Mitteilungen der Chemnitzer Handelskammer war in der Baumwollspinnerei ein lustloses Geschäft vorherrschend. Ein weiteres Nachgeben r e r Preise unter dem Druck des Angebots war die Folge, an Stelle ber erhofften Auswirkung der neuen Schutzzölle. Immerhin sind die Spinnereien etwas besser für feinere Garne beschäftigt. Die B a u m w o l l- Weberei klagt über ungenügenden Auftragseingang. Als künstig wird dagegen der Beschäftigungsgrad in der .st l e i d e r st o s fw e b e r e i angesprochen. Aufträge auf schnell lieferbare Modewaren seien in den letzten Wochen dauernd eingegangen. In der S t r u m p s i n d u st r i e war die Beschäftigung für du deutschen Markt erheblich besser als zur gleichen orjahrszeit. Der Erport wird dagegen als völlig un- genügend bezeichnet. Die Stoffhan dschu Hindu st rie beklagt sich über kargen Auftragseingang. Ter übrige Erport, außer nach England, ruhe vollständig und der deutsche Markt gebe durchweg nur kurzfristige Bestellungen. Für die Strtckereiindustrie wurde die günstige Entwicklung d.'i Wirtschaftslage durch die Witterung im Oktober leicht g'bemmt, die Aussichten für die Zukunft werden aber in s der Hinsicht vertrauensvoll beurteilt. Die Textil- Veredelung war uneinheitlich beschäftigt. Die Wäscheindustrie berichtet über einen wesentlich höheren Absatz, der über die jahreszeitliche Belebung erheb- lich hinausgeht. Die Preise seien zwar noch gebrückt. dem Polizeikommissar zu wieberholen. Nun sitzt er im Loch. Aber der Sänger, der sich über mangelnde Popularität in Mannheim nicht beklagen konnte, hat sich mit seiner aus dem Herzen Tausender gesprochenen Aeußerung nur noch beliebter gemacht. „Wieder ein roter Lump draußen!" Mit diesen Worten pflegte der Adjutant des Mannheimer Stahlhclnn'ührers jede Beurlaubung und Entlassung zu be- gleiten, als in den ersten Wochen nach der„nationalen Re- volution" der Mannheimer Stahlhelm die Allgemeine Orts- kiankenkasse in Mannheim von„Marrsisten" zu„säubern" hatte. Der Mann, der diesen freundlichen Ausspruch liebte (fein Name ist Schle i h aufj wurde später in An- erkenung seiner„nationalen Verdienste" zum Kassierer der Ortskrankenkasse für Mannheimer Handelsbetriebe be- fördert— irgendwie mußte der Hinauswurf der Marxisten koch einen Sinn gehabt haben. Aber siehe da, bei der ersten Revision, die nach vierteljährlicher Tätigkeit des Herr Stahl- bclmadjutanten in dessen Kasse vorgenommen wurde, fehlten schon rund 800 Mark. Wahrscheinlich hat der tüchtige Mann sie dem Wintcrhili'swcrk gespendet... Aber nichtsdesto- weniger wurde er in-Haft gesetzt. Und in der Zelle Einsam- leit hat er sich überlegt, daß es wohl besser ist, wenn er, der „Reiniger", besser verschweigt, wo die Gelder hingekommen sind. Er hängte sich jedenfalls auf. Ihm gleichwertig aber ist ein anderer Stahlhelmmann namens I« n a: der es ebenfalls im Zuge der nationalen Revolution zum Angestellten der Allgemeinen Ortskranken- kasse in Mannheim brachte. Leider vergaß der Mann, sich rechtzeitig vom Städt. Fürsorgcamt abzumelden, so daß er monatelang neben seinem Gehalt die Fttrsorgeunter- stützung sich zahlen ließ. Auch er muß hinter Schloß und Riegel nunmehr nachdenken, was„Schwarzarbeit" heißt. Im Gefängnis erhängt hat sich vor kurzem der Mannheimer Kommunist Schoch, ein Mann von zirka 40 Jahren, der lange Wochen ohne jeden Grund in Hast gehalten wurde. Nach seinem Seihst- mord sah sich das Geheime Staatsvolizeiamt endlich veran- laßt, bei einer großen Zahl von Inhaftierten, die Wochen und Monate ohne jeden Grund im Gefängnis saßen, ein- mal ins Gefängnis geworfen waren, um sie einfach nicht mehr gekümmert. Eine große Zahl von Häftlingen wurde dann entlassen. „Wir haben keinen Platz, gehen Sie nur wieder nach Hause," so sagten dieser Tage Gefängnisbeamte zu einem früheren Sozialdemokraten, der sich zur Strafverbüßung(er hatte sich vor längerer Zeit eines politischen Bergeheus schuldig ge- machti im Bezirksgefängnis einer badischen Großstadt meldete. Die Beamten geben ganz unverhohlen ihrem Emp- finden Ausdruck, daß sie es satt hätten, dauernd Leute, die sie als anständigste Menschen kennen lernten, hinter Schloß und Riegel setzen zu müssen. Aber ganz Deutschland ist ja schließlich ein Gefängnis— und wer sollte denn in diesem Gefängnis gefesselt sein, wo Verbrecher regieren? Die Eingliederung des Stahlhelms in die SA., die seit dem 1. November vollzogene Tatsache ist, geschah und geschieht heute noch selbstverständlich in den„freundlichsten" Formen. So wurde z. B. in Mannheim beobachtet, daß Stahlhelmleute von SA.-Leuten angehalten wurden und daß ihnen bei der sich entjpinnendcn Auseinandersetzung das blaue Stahkhelmband und daS Landesabzeichen, das die Stahlhclm'ormationcn trugen, von den Uniformen ab- getrennt wurde. Die„Freundschaft" zwischen den„braunen" und„grauen" Brüdern ist dadurch natürlich ungemein ge- fördert worden. Aus der NSBO. In den Gewerkschaftshäusern herrschen jetzt»nein- geschränkt die Herren von der NSBO. Das sind jetzt wenigstens richtige Gewerkschaftsführer, immer schnike in Uniform mit Litzen und Tressen, immer für Ordnung und Disziplin bestrebt und— ehrenamtlich natürlich— für das Wohl der Arbeiter besorgt. Insbesondere wissen die Mit- glieder der NSBO. die Tätigkeit ihrer Führer zu schätzen, was z. B. aus einem kleinen Wortspiel hervorgeht, das in den Kreisen ber NSBO.-Leute kursiert:„Früher sagte man zu den Führern Bonzen, heute sagt man zu den Bonzen Führer..." Jnquit. So Wen nés Von der Industrie- und Handelskammer zu Solingen wird uns nachstehender Bericht über die wirtschaftliche Lage im Monat Oktober 1933 zur Verfügung gestellt: Die im letzten Bericht bereits erwähnte Belebung im Jnlandgeschäft der Stahl- und Eisenwarenindustrie des Solinger Bezirks setzte sich auch im Monat Oktober fort. Tie Umsätze des letzten Jahres sind im allgemeinen wieder erreicht, zum Teil auch überschritten worden. Dagegen läßt das Preisniveau und der Zahlungseingang nach wie vor sehr viel zu wünschen übrig. Die Schwierigkeiten auf den Auslandsmärkten halten demgegenüber in voller Stärke an. Besserungszcichen liegen kaum aus einem Lande vor. Weitere Erschwerungen der Ausfuhr nach Frankreich sind infolge der in kurzem in Kraft tretenden verschärften Markierungsbestimmungcn zu befürchten. Die Bonkottbewegung hat offenbar in einzelnen Ländern etwas nachgelassen, in andern hält sie da- gegen in unverminderter Stärke an. Eierpreis fast 50 Prozent höher Die„NS.-Landpost" hebt hervor, daß„eine Preisgegenüber- stellung des vorigen Jahres den schlagenden Beweis für eine Erholung des deutschen Eiermarktes gebe: Die Berliner Notiz für gestempelte Inlandsware<ä3 bis 59 Gramms lag im September-Turchschnitt 1933 aus 10 Reichsmark im Ver- gleich zu nur 6,93 Reichsmark im gleichen Monat des Vor- jahres". IH Bar-Cabarel-Dancing COCN ATTRAKTIONEN MONTPARNASSE 77. RUE BRÊA TÉLÉPHON DANTON 64.85 Die ganze Nachi geöffnet. Mit dieser Annonce bekommen Sie IO°/o Preisermäßigung. \N6ENEKME HÄUSER 1 schön. Liga. b.i IlschcoHm Flu«. 4-B Zlm, Neben)«uStH., grotir Girlan M v.rkzul.n. Sich wtndan«n: ORHAN, Noyan-a/Sarth. 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Das Ausfuhrgeschäft liegt allgemein nach wie vor stark darnieder. Die Zurückhaltung des Auslandes gegenüber deutschen Waren ist noch nicht überwunden. Die Preisverhältnisse geben insofern noch nahezu in allen Wirtschaftszweigen zu Klagen Anlaß, als die ohne- hin meistenteils sehr gedrückten Preise durch Schleuder- an geböte vielfach weiter unterboten werden. Die Be- mühungen einzelner Wirtschastsgruppen. zweckmäßige Preis- reglungen zu treffen. Hahen nur vereinzelt Erfolg gehabt. Qualitätsware ist immer noch nur wenig gefragt und wird selten gekauft? die Hauptnachfrage erstreckt sich auf billige Ware zu billigsten Preisen. Immerhin läßt die Zu- nähme der Sparkasseneinlagen auf eine gewisse Stetgerung der Kaufkraft schliefen. In der B a ulin Wollspinnerei und-weberet konnte der bisherige befriedigende Beschäftigungsgrad trotz des rückläufigen Austragseingangs im allge- meinen aufrecht erhalten werden, teilweise wird verstärkt auf Lager gearbeitet. Dieer wartete st ärkereBelebun g ist noch nicht eingetreten. Die Preise sind sowohl für Garne wie rohe Gewebe rück läusig, während die Fertigwaren- preise, die den Erhöhungen der Robstofspreise nicht gefolgt waren, im allgemeinen gehalten wurden. Für Garne haben die seit Anfang August erhöhten Zölle wohl infolge der frü- Heren großen Eindeckungen noch keine Steigerung der Nach- frage gezeitigt. Das Nachlassen der Nachfrage rührt wohl hauptsächlich von dem starken Preisrückgang der Baum- wolle her. In der Ausrüstung von Baumwollwaren zeigt sich der Einzelhandel sehr zurückhaltend, so daß die Pro- duktion in der Hauptsache nur von alten Austrägen ge- speist wird. In der B a u m w o l l s e i n w e b e r e i konnte der Be- schäftigungsgrad infolge der früher erteilten Bestellungen ge- halten werden. Infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit gehen Aufträge nur vereinzelt ein. Der Lagerbestand an Fertig- mare erhöht sich. In der Buntspinnerei und Buntweberei hat der Auftragseingang nachgelassen, der Beschäftigungsgrad konnte jedoch gehalten werden. Die Preise werden neuerdings st a r k gebrückt. Die A u s s u h r stockt vollständig. In der Kammgarnspinnerei sind die Produktions- Verhältnisse weiterhin günstig, wenngleich neue größere Ab- schlüsse fehlen. In der T u ch- I n d u st r i e ist mit Beginn der herbstlichen Witterung die Nachfrage in Zivil- und Uniformtuchcn wie- der stärker geworden. Der Beschäftigungsgrad ist gut, die Lieferfristen sind sehr kurz. Der Zahlungseingang ist schlcch- ter geworden. In der P l tt s ch w e b e r e i hat trotz der herrschenden Sai- son die Bedarfsdeckung nachgelassen, die Betriebe sind jedoch noch gut beschäftigt. Der Absatz beschränkt sich in der Haupt- sache auf das Inland. In der T r i'k o t a g e n- I n d u st r i e ist die Lage unein- hcttlich, teilweise ist ein beträchtlicher Rückgang der Auf- träge zu verzeichnen. Vereinzelt konnten allerdings auch einige wenige Ncueinstellungcn vorgenommen werden. Der • Einzelhandel scheint sehr zurückhaltend zu sein. Das Aus« landsgeschäft ist nach wie vor schlecht. Winterartikel wurden bisher noch nicht gefragt. Die Preise sind stark gedrückt. In der Strickwaren-Inbustrie sind die Produk- tionsverhältnisse weiterhin befriedigend. Der AuitragSein- gang für das Wintergekthäft ist infolge der anhaltend-m guten Witterung ungenügend. DaS Auslandsgeschäft stockt völlig. Die Preise sind sehr gedrückt. In der I a c q u a r d w e b e r e i ist teilweise eine weit-re Besserung eingetreten, die jedoch in der Hauptsache auf das Weihnachtsgeschäft zurückzuführen ist. Die Aufträge sind lehr klein, wodurch eine größere Lagerhaltung notw-ndig wi-'d. In der V e r b a n d s st o s s h e r st e l l u n g bat die leichte Besserung des InlandSabsatzcs angehalten, daS Auslands- geschält ist s e h r schlecht. Die Preise sind gedrückt. In der K u n st s e i b e n w e b c r e i ist die Nachfrage etwas stärker geworden. Die Produkttonsverhältnisse sind befrie- digend. Die Ausfuhr stockt nahezu vollständig. In b-r Korsett-Industrie ist ein laiialamer aber stetiger Rückgang des Absatzes zu oerzeichnen. Gegenüber der gleiche» Zeit des Voriahres sind sowohl der Absatz wie auch der Gcldeinaang und der Auftraaseinaana nicht befriedigend. Das Auslandsgeschäft ist rückläufig. Von d?m Seripsverfahren erhofft man eine aewisse Belebung. In der Leinen- und Halbleinenweberei ssnd die unbefriedigenden Produktionsverhältnisse unverändert. Die Presse sind äußerst gedrückt. Die Beschäktigungslaae in der I n t e s p i n n e r e i und -weberei ist unverändert gut. Es konnten Neueinstel- lungen vorgenommen werben. Der Beschäftigungsgrad in der S u t- I n d u st r i e ist teilweise noch befriedigend, es wird jedoch mit einem Nach- lassen der Auftragseingänge gerechnet. In der Schirmher stellung ist infolge der saison- mäßigen Belebung ber Beschäftigungsgrad zufriedenstellend. Das Auslandsgeschäft ist sehr schlcch. Der Auftragseingang inMöbel-undDekorations- Posamenten ist besser geworden. Der Beschäftigungsgrad ist nicht ungünstig. Das Herbstgeschäft hat besser als früher eingesetzt., In der Bettfebern-Indu strie ist kein weiterer Rückgang zu verzeichnen, teilweise haben sich die AksiaNver- Hältnisse etwaS gebessert. Das Auslandsgeschäft ist weiterhin rückläufig. In der Kunstwoll. und Kunstbaumwoll-Her- stellung hat die teilweise leichte Belebung wieder abge- flaut, das Auslandsgeschäft ist sehr still. Die japanische Kon- kurrenz macht sich im Kunstbaumwollgeschäft sehr stark bf merkbar. Einzel-Ergebnisse Was nie amtildie Zählana zaingeben fflr gnf flndel Wahlkreis 1: Ostpreuße« Amtl. Gesamtergebnis. RW.: abg. 1407448, NSDAP. 1868 906, ung 38387. BA.: abg. 1415 061, Ja 1872 716, Nein 32 780, ung. 10 159. Wahlkreis 8: Potsdam 2 ^Gasamtergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 1844 599, NSDAP. 1179 709, ungültig 104 830. ..BA.: Abgegebene Stimmen: 1373 252. Ja 1245151, Nein Vo 102, u n g ü l t i g 32 999. Wahlkreis 4: Potsdam 1 RW. Abgegebene Stimmen 1454,425, NSDAP. 1828 828. Ungültig 130 002. VA.: Abgegebene Stimmen 1470 011. I a 1354 294, N etn 87 804, ungültig 28 453. Wahlkreis 5: Frankfurt a. d. Oder Amtliches Gesamtergebnis. NW.: Abgegebene Stimmen 1105 010, NSDAP. 1045 718. ungültig 50 905. VA.: Abgegebene Stimmen 1102 594, Ja 1052 005. Nein «0 103. ungültig 18 880. Wahlkreis 0: Pommern Vorläufiges amtliches Gesamtergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 1230 004. NSDAP. 1 171734, ungültig 58 270. VA.: Abgegebene Stimmen 1234 778, Ja 1174 774. Nein 44 229, ungültig 15 575. Wahlkreis 8: Liegnitz Vorl. amtl. Ergebnis: RW.: abg. 810871, NSDAP. 703 801. ung. 53 010. VA.: abg. 820 879, Ja 774 192, Nein 31221, ung. 15 400. Wahlkreis 7: Breslau Gesamtergebnis außer Breslau Hbf. RW.: Abgegeben« Stimmen 1258 002. NSDAP. 1 178 879, ungültig 74 028. VA.: Abgegebene Stimmen: 1203 794, I a 1 194 081, N e t n Li 551, ungültig 17 502. Wahlkreis 9: Oppeln M Gesamtergebnis. RW.: abg. 874 027, Wahlbet. 95 Proz., NZDMP. 835 723, ung. 88«14. VA.: abg. 879179, Wahlbet. W Proz. Ja 842 098, Nein 25 804. ung. 10 077. Wahlkreis 11: Merseburg Gesamtergebnis. RW.: abg. 970 105, NSDAP. 901 550, «ng. 73 989. VA.: abg. 985 023, Ja 912 858, Nein 64 202, ung. 19 005. Wahlkreis 12: Thüringen Amtl. Gesamtergebnis: RW.: abg. Stimmen 1548 070, Wahlbet. 97,5 Proz.. NSDAP. 1422149, ung. 120 921. VA.: abg. 1 550 700, Wahlbet. 97,5 Proz., Ja 1450819, Nein 775 848, ung. 30 038. Wahlkreis 18: Schleswig-Holstein Vorläufiges Gesamtergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 1081 877. NSDAP. 971249, ungültig 110 028. VA.: Abgegebene Stimmen 1090 521, Ja 979047, Net« 91 308. u u g ü l t t g 20 100. Wahlkreis 14: Weser-Ems Gesamtergebnis. RW.: Abgegeben« Stimme» 1004 785, NSDAP. 904 849, ungültig 99 980. VA.: Abgegebene Stimmen 1020 809, Ja 932 788, Nein 00 437, ungültig 21 089. i Wahlkreis 15: Ost-Hannover RW.: Abgegebene Stimmen 710 352, NSDAP. 004 388, ungültig 46 014. VA.: Abgegebene Stimmen 717 894, Ja 070815, Net» 30190. ungültig 10883. Wahlkreis 10: Süd-Hannover RW.: Abgegebene Stimmen 1 834 318, NSDAP. 1245 807, U n g ü l t i g 89 011. BA.: Abgegebene Stimmen 1343 470, Ja 1205 987, Net» 55 535, u n g tt l t i g 21954. Wahlkreis 18: Westsalen-Süd Gesamtergebnis: RW.: abg. 1072 358, NSDAP. 1528 871. ung. 143 487. VA.: abg. 1098 243, Ja 1508 000, Nein 100 587, ung. 29 050. Wahlkreis 38: Hessen-Darmstadt Gesamtergebnis: RW.: abg. 955 184. NSDAP. 890 707, ung. 04 417. VA.: abg. 904 802, Ja 914 208, Nein 30 008, ung. 13 920. Wahlkreis 19: Hessen-Nassau Vorl. amtl. Gesamtergebnis: RW.: abg. 1724 098/ NSDAP. 1029 572, ung. 94 521. BA.: abg. 1782019, Ja 1072 005, Nein 39 590. ung. 20 424. Wahlkreis 29: Köln-Aachen Gesamtergebnis: RW.: abg. 1510 003. NSDAP. 1350014, ung. 100 349. NA.: abg. 1524 225. Ja 1407 074. Nein 83 370, u n g. 33 175. Wahlkreis 24: Oberbayern-Schwaben mit München Hbf. Vorläufiges Gesamtergebnis. RW.: Ab» gegebene Stimmen 1827 090, NSDAP. 1034 840, ungültig 109 705. VA.: Abgegebene Stimmen 1700 978, Ja 1087 500, Nein 55 074, ungültig 23744. Wahlkreis 25: Niederbayern Gesamtergebnis. RW.: abg. 839 505. NSDAP. 789 707, ung. 49 858. VA.: abg. 843 004, Wahlbet. 97 Pro». Ja 811390, Nein 21312, ung. 10 950. Wahlkreis 20: Franken v RW.: Abgegebene Stimmen 1710070, NSDAP. 1018115, ungültig 98 501. VA.: Abgegebene Stimmen 1723 839, Ja 1075199, Nein 8-1237. ungültig 20 408. Wahlkreis 23: Düsseldors-West Gesamtergebnis: RW.: abg. 1232 735, NSDAP. 1145 088, ung. 87 097. VA.: abg. 1245 214, Ja 1188 273, Nein 44 409, u N g. 17 532. Wahlkreis 29: Leipzig Gesamtergebnis: RW.: abg. 930 828, NSDAP. 809 782. ung. 120 541. VA.: abg. 950 029, Ja 834 018. Nein 92 729, ung. 23 882. Wahlkreis 30: Ehemnitz-Zwtckau Gesamtergebnis: RW.: abg. 1302208, NSDAP. 1180 054, ung. 115 554. VA.: abg. 1817 989, Ja 1218 449, Nein 71 350, u n g. 28 184. Wahlkreis 3t: Württemberg Gesamtergebnis. RW.: abg. 1825 452, NSDAP. 1729724, ung. 95 728. VA.: abg. 1 830 799, Ja 1770 008, Nein 38 792, ung. 21 999. WahKreis 22: Düss-lborf.Ost tjUMAtK Gesamtergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 1400 445, NSDAP. 1 330 834. u n g ü l t t g 129 021. VA.: Abgeaebene S'immen 1487 750, Ja 1378 011, Net» 50 050, ungültig 23 088. Wahlkrr'S 27: Pfalz Endergebnis. RW: Abaegeb. Stimmen 089974, NSDAP. 019 952. ungültig 20 022.^ VA.: Abaegeb. Stimmen 048 702, Ja 025000, N e i» 14 981, Ungültig 8881. Wahlkreis 17: Westsalen-Nord RW.: Abgegebene Stimmen: 1034 780, NSDAP. 1501055, ungültig 133 725.^. VA.: Abgegebene Stimmen 1000 040, Ja 1543 840, Nein 91850. u n g ü l t i g 31 347. Wahlkreis 32: Baden Amtl. Gesamtergebnis: RW.: abg. 1507 170, NSDAP. 1452 311, ung. 114 805. VA.: abg. 1580 424, Ja 1503 893, Wahlkreis 34: Hamburg RW.: Abgegebene Stimmen 871488, NSDAP. 780 857, ungültig 140 581. VA.: Abgegebene Stimmen 890 872, Ja 749 342, Nein 112 044, ungültig 28 980. Wahlkreis 35: Mecklenburg-Lübeck Amtl. Endergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 008205, Wahlbeteiligung 94.1 Prozent. NSDAP. 545 848, un- gültig 02 857. VA.: Abgegebene Stimmen 010 884, Wahlbeteiligung 95,4 Prozent. I a 551 714, Nein 51108, ungültig 14 012. Wahlkreis 19: Magdeburg Gesamtergebnis: RW.: abg. 1 120 483, NSDAP. 1028 241, ung. 98 242. VA.: abg. 1135 509, Ja 1037 039, Nein 74 518, ung. 28 952. Stadt Magdeburg Gesamtergebnis RW.: abg. 221 374, NSDAP. 192 009, ung. 29 305. VA.: abg. 224 527, Ja 195 535, Nein 22 800. ung. 01 092. Wahlkreis 28: Drrsden-Bautzen Endgült Gesamtergebnis. RW.: abg. 1322 811. NSDAP. 1210 528. ung. 112 283. BA.: abg. 1339 070. Ja 1250110, Nein 55 539. ung. 28 015. Wahlkreis 21: Koblenz-Trier Gesamtergebnis. RW.: abg. 828 730. NSDAP. 774 511, ung. 54225. VA.: abg. 834001, Ja 800 700, Nein 18 785. ung. 14 450. Stadt Wuppertal• Endergebnis. RW.: abg. 290 250, NSDAP. 200 010, ung. 29 040. VA.: abg. 297102, Ja 270 207, Nein 21914. ung. 5011. Wahlkreis 2: Berlin Gesamtergebnis. RW.: abg. 1 828 204. NSDAP. 1 130 238. ung. 191 971. VA.: abg. 1354 021, Ja 1174 115, Nein 148 030, ung. 37 470. Stadt Fraukfurt a. M. Gesamtergebnis. NW.: Abgegebene Stimmen 409044, NSDAV. 807 009, ungültig 41 975. VA.: Abgegebene Stimmen 415 858, I a 887 297, Nein 2070 ungültig 7980. Stadt Darmstadt RW.: Abgegebene Stimmen 00114, Wahlbeteiligung 90 Prozent, NSDAP. 59 900, ungültig 0154. VÄ.: Abgegebene Stimmen 00 880. Wahlbeteiligung 97 Prozent. I a 02 274, Nein 3488, ungültig 1120. Stuttgart-Stadt smit Hauptbahnhoff RW.: abg 801 433. NSDAP. 278 500.»ng. 22 933. BS.1 abg. 304 055, Ja 289 480, Nein 11122, ung. 4047. Königsberg-Stadt Amtl. Ergebnis: RW.: abg. 215 228, Wahlbet. 98 Prozent. NSDAP. 211187, ung. 4041. VA.: abg. 216 201, Ja 207 676, Nein 7904, ung. 621. Stadt«öl« Vorl. Endergebnis: NW.: abg. 522 000, NSDAP. 465 183, ung. 57 475. VA.: abg. 526 319, Ja 482 786, Nein 82 991, ung. 10 542. Ludwigshasen-Stadtkreis Vorläufiges amtliches Gesamtergebnis. RW. NSDAP« 05 515, ungültig 0082. VA.: I a 08 179, Nein 3914, ungültig 1027. Groß-Aerlin Gesamtergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 8 138 804, NSDAP. 2 717 014, u n g ü l t i g 410 190. VA.: Abgegebene Stimmen, 3 199 945, I a 2 834 485, N« i» 284 248, u n g ü l t i g 81 202. Stadt Koblenz Endergebnis. RW.: Abgegebene Stimmen 44 045, NSDAP, 40 442, ungültig 4203. BA.: Abgegebene Stimmen 45 105, Ia 42 900, Nein 1447, ungültig 752. Stadt München RW.: Abgegebene Stimmen 530 075, NSDAP. 482 036, ungültig 40 947. VA.: Abgegebene Stimmen 530 030, I a 502 003, N e i u 24 567, ungültig 8619. Stadt Augsburg Endergebnis. RW.: Abaegeb. Stimmen 118 722, NSDAP. 103 870, ungültig 14 852. VA.: Abgegebene Stimmen 120 054, Ja 111144, Nein 7342. ungültig 2103. Stadt Karlsruh« Amtl. Gesamtergebnis. RW.: Abgegeb. Stimmen 109 002, NSDAP. 98 321. ungültig 10 741. BA.: Abgegebene Stimmen 110 295, Ja 103 498, Nein 4002, ungültig 2135. Konzentrationslager.«wählen" Berlin, 13. Nov. Da? Konzentrationslager Bran« den bürg fi at folgendes Wahlergebnis auszuweisen: RW.: Abgegebene Stimmen 1037, NSDAP. 1000, un« g ü l t i g 31. VA.: Abgebene Stimmen 1030. Ja 1024. Nein 12. Konzentrationslager Oranienburg Wahlberechtigt 517. RW:: Abgegebene Stimmen 377, davon NSDAP. 301, ungültig 70. VA.: Abgegebene Stimmen 303, davon Ja 880. Nein 88. Nein 49417, ung. 27 114. Der„Moloch in Uniform Ole Freunde Europas— Bin Feldzug gegen die Hltlerherrschaft in England London, im November 1933. Unter der Leitung des Herrn Rennte Smith, einem ehemaligen Abgeordneten der Arbeiterpartei, wurde soeben ein Feldzug, der ohne Beispiel ist, von den«Freunden Europas"' zur Bekämpfung der Hitler-Regierung be- gönnen und ein Appell an die Westmächte zur Rettung des europäischen Erbes gerichtet. Die erste Handlung dieser Aktion war die Beröffent- lichung einer Anzahl von Schriften, die dazu bestimmt sind, die öffentliche Meinung in England über den Sinn, den Wert und die Ziele die nationalsozialistischen Ideologie auf- zuklären. Die Hefte, die soeben veröffentlicht wurden, sind von den hervorragendsten Mitgliedern der Vereinigung der „Freunde Europas" unterzeichnet: Sir Austen Cham- berlain, Professor Ein st ein, Witkham Steed, Garvin. Zwei der Schriften, an denen diese mitarbeiteten und für die sie verantwortlich zeichnen, bringen sehr ein- gehende Aufschlüsse über die deutschen Kriegsvorbereitungen. Eine der Broschüren aus der Feder eines„früheren deutschen Diplomaten",»er anonym bleiben muß, bekämpft die Httler-Bewegung auf ihrem eigenen Gebiet. Sie setzt sich für die Interessen Deutschlands ein und— in dem Maße, wo Deutschland eine Gefahr bedeutet— für die westliche Welt eintritt. SirAu st en Chamberlain hat sich darauf beschränkt, in einem kleinen Heft Auszüge aus seinen Reden>m Unter- haus zusammenzustellen: er schickt nur ein Vorwort voraus, in dem er erklärt, nichts von seinen Argumenten im Juli zurücknehmen zu brauchen, und schließt mit dem Ausruf: „Wehe, diese Reden haben nicht an Aktualität verloren." Während Professor E i n st e t n die Hitler-Psychose nicht so sehr dort angreift, wo sie ein deutsches Phänomen ist. wie da, wo sie die individuellen Werte zu vernichten trachtet, versichert der„deutsche Diplomat", das„Hitlertum sei der Triumph der preußischen Ideologie über die deutsche Seele" und stellt das eine dem anderen gegenüber. „Hindenburg ist es." so erklärt er,„der das Gift in die deutschen Adern gespritzt hat. Hitler ist die Reaktion darauf. Aber dieses Gift, das für den Verfasser der Broschüre„in der lügenhaften Propaganda der Verträge und der Kriegs- schuld" besieht, ist nicht ohne Grund eingeimpft worden. Welches sind die politischen Ziele des neuen Deutschland, die Ziele, bei deren Verfolgung man die Erhebung des „Machtstaats Preußen" brauchte. Sie sind, so versichert er: 1. Die Rückgabe der an Pole« abgetretene» Gebiete, 2. Der Anschluß, 8. Die Austeilung der Tschechoslowakei, 4. Die Kolonisier««» und Durchdringung Rußlands. Wird Deutschland einen Krieg beginnen, um das zu er- reichen? Dürfen die Vorbereitungen, die Deutschland trifft, in diesem Sinne ausgelegt werden? Meine Antwort, so schreibt der ehemalige Diplomat ist die:„Diese Vorbe- rettungen wären weniger gefährlich, wenn sie nicht der Ausdruck eines fanatischen Ehrgeizes wären, diese Ziele zu erreichen, die nur durch einen Krieg erlangt werden können." Wie kann man diesem Konflikt vorbeugen?„Wenn das bedrohte Europa einig zusammenhielte, würde sich Deutsch- land vielleicht endlich in die bestehende Ordnung fügen." Das ist in gleicher Weise die Ansicht von G a r v i n. der nor allem daS stior^weinende Einnehmen der Tatsachen fürchtet„Wenn wir blind wären" so schreibt er,„so würde das Hitlertum nicht mehr und nicht weniger als für Mil- lionen von Menschen den Weg in den Tob bedeuten." Garvin erklärt, daß auch er von Deutschland anderes er- wartet hat als das Anwachsen eines„Moloch in Uni form" und schließt, daß nur ein erdrückendes Bündnis der Mächte, die den Frieden wollen, verhindern könnte, daß sich diese Lehren einer wissenschaftlichen Bestialität in die Tat umsetzen würden.„Die Vorzeichen der Bildung einer solchen Koalition zeigen sich glücklicherweise heute." „Inzwischen find die Argumente Frankreichs unanfechtbar geworden. Es kann will und kann nicht eher abrüsten, alo bis das Hitlertnm ausgehör« sein tenslicheS Ideal des Krieges zu predigen." In gleicher Weise zögert W i ck h a m S t e e b nicht, an den Irrtum zu erinnern, den die öffentliche Meinung in England bezüglich des wahres Sinnes der deutschen Politik begangen hat: er verteidigt, und zwar vor allem gegen die Eng- länder, die Anhänger der Isolierung sind, die„Idee der europäischen Zusammenarbeit". „Die klügste Handlung", schreibt er.„wäre die Schaffung eines internationalen Commonwealth, das ein gemeinsames Gesetz befolgte. Nach dessen Satzungen müßten die Friedens- störer unter den Nationen verurteilt und bestrast werden. Um diese Vereinigung Wirklichkeit werden zu lassen, drängt Wickham Steed die englische öffentliche Meinung, ihren falschen Egoismus aufzugeben. Die beiden Broschüren, die die Kriegsvorbereitungen des Reichs belegen wolle», versichern, die eine wie die andere, „Deutschland habe niemals wirklich abge- r ü st e t". Sie bringen Einzelheiten über die Nüstungsorganisation, über die Ankäufe von Waisen in den neutralen Län- dern, über den Arbeitsdienst und über die Möglichkeit kür alle deutschen Werke, sich in kürzester Zeit in Kriegsfabriken»u verwandeln. Die erste Broschüre schätzt daS Heer, das innerhalb von 24 Stunden vollkommen ausgerüstet zur Verfügung stände, aus 209 999 und die ausgebildeten Reserven ans 2 Millionen? die einen wären fertig ausgebildet, die anderen in der Aus» bildung begriffen. Für diese letzteren könnte die Ausrüstung durch die dcut- schen Fabriken in sehr kurzer Zeit beschaffen werden. WaS die Rüstung betrifft, fo glaubt der Verfasser dieser Schritt, daß die deutschen Fabriken die Ausrüstung für 400 000 Mann un- mittelbar liefern könnten, die Ausrüstung von weiteren 400 000 in vier Tagen, das chemische Material sdas größer ist als das. über welches Deutschland vor dem Kriege verfügte) in 24 Stunden Flugzeuge, Tanks usw. in 48 Stunden: leichte Geschütze in acht Tagen, schwere Artillerie in zwei Wochen. Wenn die Mobilmachung der Industrie beschleunigt würde, könnten die verschiedenen Etappen in sechs Tagen durch- schritten und die vollkommene Umwandlung der deutschen Industrie in dieser Frist vollzogen sein. Die andere Broschüre, die die gleiche Frage behandelt, bringt neue Einzelheiten über die Herstellung von Waffen und zieht unter dem Gesichtspunkt des Militärischen, Sozia- len und Industriellen Schlüsse auf den Stand der deutsche' Kriegsvorbereitungen. Druckarai, Variag und Redaktion dar „Deutschen Freiheit" Saarbr&Un, PmhaimM«* m Pariser Berichte Neubearbeitung der Relativitätslehre Paris, Ii. November. E i n st e i n ist zur Zeit in Princetoivn bei Neuyork, wo er das mathematische Institut leitet. Amerika hat ihm einen Lehrstuhl gegeben wie Frankreich. Im Frühjahr kommt er zwei Monate nach Paris, dann kurze Zeit nach Spanien. Bielleicht wird er in P a l ä st i n a eine dauernde Heimat suchen, wie der Pariser„Intransigeant" erklärt. In England hat Einstein vor seiner Reise erklärt, daß die Auswüchse des Nationalismus in Deutschland eine inter- nationale Uebereinstimmung schwer machen und daß sie teil-, weise verantwortlich sind für die wirtschaftlichen Störungen in der Welt. Einstein sagte, er beschäftige sich nicht mit Politik, nur mit Mcnschheitsfragcn. Einsteins Assistent Professor Mayer erzählte, daß Ein- stein jeden Morgen die noch schwebenden wissenschaftlichen Fragen bespricht und Kritik der schon entschiedenen abhält. „Mein Hauptziel," sagte Einstein,„ist die Verschmelzung der Theorie der Quantitäten mit dem Grundsah der Rela- tlvität. Das Problem ist sehr schwierig. Die Arbeiten über die Theorie der Quantitäten(Schredinger), die durchaus fruchtbar sind, enthalten keinen Relativismus und dienen dem Grundsah der unmittelbaren Kräfte der Entfernung, der dem Grundsatz der Relativität entgegengesetzt ist, der seinerseits so klar die elektromagnetischen Erscheinungen klarlegt. Die heutige Theorie der Relativität beruht auf der An- nähme eines begrenzten Raums, der in die Physik durch Faradey und Maxwell eingeführt ist. Alle meine Be- mühungcn sind darauf gerichtet, durch die Raum- Theorie die Erscheinungen der Quantitäten und der Atom-Struktur der Materie zu erklären. Meine Arbeiten der letzten Jahre sind mathematische Arbeiten in Zusammen- hang mit diesem Ziel, aber sie haben auch unabhängig davon ein Interesse für die Theorie des Bewußtseins." Ein Familiendrama am Mittelmeer Toulon, Ii. November. In Brignolles hat ein Greis von 78 Jahren, der anscheinend plötzlich wahnsinnig wurde, seine 32jährige ver- heiratete Tochter und die 27jährige Enkelin, eine kürzlich ge- schiedene Frau, mit Revolverschüssen getötet. Als die 23jährige zweite Enkelin sich über den Leichnam ihrer Mutter warf, schob der tobende Alte auch auf sie und ver- mundete sie schwer. Dann erschoß er sich selbst. Das Drama geschah beim Mittagessen, während die Familie zu Tisch saß. Ter Großvater nahm die Waffe seines Schwiegersohns. Dieser schlug ihm den Lauf aus der Hand und holte Hilfe, aber das Unglück war schon geschehen. Der greise Mörder hatte die letzte Zeit einsam in der Küche gegessen, weil er sich mit den Angehörigen wegen Zins- zahlungcn überwarfen hatte. Letzthin war er drei Tage in Nice gewesen und von dort sehr erregt zurückgekommen. Die einzige seiner Verwandten, die er nicht bedroht hat, ist die junge dritte Enkelin. Oer Nobelpreisträger in Frankreich Der Träger des Nobelpreises für Literatur Iwan Alexcwitsch Bunt n ist heute 33 Jahre alt Er ist Träger des Buschkin-Preises, des größten literarischen Preises im Vvrkriegs-Rußland. 1909 wurde er Mitglied der zaristischen Akademie. Bunin ist 1920 emigriert und wohnt seitdem in Frankreich, besonders in der Provence. Er ist Mitarbeiter der repu- blikanischen russischen Zeitung„Dernieres Nouvelles" in Paris. Seine bekanntesten Romane sind„Der Herr von San Francisco",„Das Dorf",„Tukhodol",„Das Leben Arscnieffs." IFranzösisch in 15 Stunden! ECOLE BENEDICT. 2 S, Bon evard des Italiens.(Métro Opéra) I Pariser Thealerbrief Die vorige Pariser Spielzeit war an wichtigen drama- tischen Werken und sehenswerten Aufführungen besonders arm gewesen. Der beginnende Winter dagegen hat nickt schlecht eingesetzt. Rund dreißig Schauspielbühnen, über die Frankreichs Hauptstadt augenblicklich verfügt, haben seit Saisonbcginn schon mindestens ein halbes Dutzend Bor- stellungen geliefert, die den Durchschnitt recht beträchtlich überragen. So gehören etwa„Prierepourlesvivants" lGebet für die Lebenden) und„Tovaritch"(Kamerad), ein ernst- satirisches und ein heiter-sentimentales Stück des produk- tiven JacqnesDeval, zwar nicht zu den Spitzenleistun- gen heutiger Btthnendichtkuust, doch sind es handwerkssichere Arbeiten eines einfallsreichen Könners, der eine große Reihe anderer Erfolgsautoren'erheblich überlegen ist. Auch der ebenso selbstgefällige wie unsympathische Sacha Guitry, der augenblicklich auf 4 Pariser Bühnen gespielt wird, hat mit„Un Tour au Paradies"(Ein Ausflug ins Para- dies" bestimmt eine seiner besten Leistungen der letzten Jahre geliefert, die durch die Annehmlichkeit noch gefördert wurde, den reizenden Victor Boucher und den feinen Jean Perier, statt des Autors und seiner jeweiligen Favoritin, als Hauptinterpretcn würdigen zu dürfen. Nicht mit Un- recht ist in französischen Zeitungen, anläßlich des bestrittenen Erfolges, den Guitry jüngst in London gefunden hatte, aus die Gefahren hingewiesen morden, die für den Nus des sran- zösischen Theaters darin liegen, daß dieser gewiß recht geist- reiche, doch überaus frivole Dilettant vor aller Welt als einer seiner berufensten und charakteristischsten Vertreter zu gelten sucht. Natürlich ist er das immer noch weit eher als sein ge- hässiger Feind Alfred Poznansky-Savoir, der zur Vorbereitung der Premiere seines jüngste» Schlüsselstücks „M aria", den sonderbaren Weg gewählt hatte, den greisen Antoine und eine Reihe anderer Kritiker, die sein Talent nicht lieben und nicht für französisch halten, durch einen Aus- satz im Thcatertageblatt„Comoedia" anzurempeln. Das Hauptinteresse der bisherigen Saison lag jedoch keineswegs bei den bisher genannten Ereignissen des Tages; es lag erst recht nicht bei den verpfuschten Einstudierungen von S t e m m l e s„K a m p s u m K i t s ch", der den Parisern völlig fremd geblieben ist, und Schnitzlers„Liebele i", für die sich das Ensemble Pitoesf zu Unrecht eine günstige Rück- Wirkung des großen Filmersolges versprochen hatte. Die wichtigsten bisherigen Leistungen des Winters waren die Uraufführung der Tragödie„M i l m o r t" von Paul Demasy im„Theatre de l'Oeuvre" und die Inszenierung von Shakespeares„R i ch a r d in." im„Theatre de l'Atelier". Paul Demasy gehört zu jenen Dramatikern in Frankreich, deren Brettenerfvrg zu ihrer Bedeutung in keinerlei Ver- hältnis steht. Dafür ist aber jedes einzelne seiner Bühnen- werke eine Dichtung von erlesener inhaltlicher und sprach- licher Schönheit, die sich dem oberflächlichen Betrachter je- doch, in ihrer herben Sachlichkeit, nicht leicht erschließt. To- wohl die„Tragödie Alexanders", das Widerspiel zwischen Philipp und Alexander von Mazedonien, ein Werk das zwanzig Jahre lang hat warten müssen, ehe es in der' „Comedie-Francaise" seine verdiente Aufnahme gefunden hat, wie„Milmort", die Geschichte einer beginnenden Sinnen- liebe zwischen Vater und Tochter, tragen das Gepräge einer eigenwilligen und starken Persönlichkeit, die zu Konzessionen und billigen Wirkungen nicht bereit ist. Die Wiedergabe des Werkes war. unter der Regie von P a u l e t t e Pax, außer- ordentlich interessant; die Figur des Graien Milmort sand in Aime-Elariond einen Verkörpern ganz ungewöhnlichen Formates. Was in den letzten Jahren in Frankreich an Shake- speare-Inszenierungen geboten war, verdient meist eine völlige Ablehnung. Die unverfrorene Berbalhornung des„Kaufmanns von Venedig", die das staatliche„Odeon" jüngst wieder aus der Mottenkiste geholt hat, ist dafür ein ebenso gültiges Beispiel wie die Kühnheit Gaston Batys, den weiblichen S»ar seiner Truppe in Hosen zu stecken und einen angeblichen„Ur-Hamlet" mimen zu lassen. Nach seine» Versuchen, Shakespeares Sonette„Lukrezia" und„Venus und Adonis" für die Bühne zu erschließen, hatte ich Andre Obey für einen höchst unberufenen Bearbeiter für „Richard III." gehalten. Er hat jedoch das Gegenteil bewiesen. Die Inszenierung des grandiosen Werkes durch Charles D u l l i n, die vor wenigen Tagen präsentiert worden ist, muß als der erche seriöse Versuch verzeichnet werden, der seit Jahren durch eine französische Bühne im Dienste Shake- speares unternommen worden ist. Da seine großen Klassiker den Franzosen daran gewöhnt haben, historische Tragödien im rauschenden Versgewande und unter Respekt des aristo- telischen Gesetzes von den drei Einheiten an sich vorüber- ziehen zu sehen, ist dieser für die Prosattbertragung einer Shakespearischen Bilbersolge an sich kein übermäßig bereit- williger Würdiger, und ihre unzulängliche Mitteilung führt gelegentlich sogar zu Heiterkeitsersolgen in den Massensterbe- szenen. Wenn eS daher Männern wie Tullin und Obey ge- lungen ist, das Wesentliche des Thakespeareschcn Geistes zu fassen, zu deuten und von einer durch sie mitgerissenen Truppe weiterleiten zu lassen, wie es im vorliegenden Falle geschah, so ist ihr Verdienst so ungewöhnlich, daß es mützig wäre, im Detail mit ihren kommentatorischen und spekta- kulären Eigenmächtigkeiten zu rechnen, da diese, im Gegen- satze zu so manchem, was zwischen 1318 und 1332 in Deutsch- land als zeitgemäße Interpretation der Klassiker gegolten hat, am Geiste Shakespeares keinerlei Verrat bedeuteten. D u l l i n, der selbst den Richard mit darstellerisch zu hoher Wirkung brachte, hatte fast sämtliche Rollen des Werkes vorzüglich besetzt, und seine Regieleistung war stark genug, um selbst die Belastung durch Wladimir Sokolofss abschcu- liches Französisch— er spielte den Buckingham— und einen aus Rumänien stammenden Eduard nicht scheuen zu brauchen. Der Premierenerfolg dieser Vorstellung war außergewöhnlich und völlig der Leistung entsprechend. Dem„Richard III." im„Atelier" wird die„Comedie- Française",(statt„Romeo und Julia", das sie unüber- bielbar, mit Madeleine Renaud und Jean Weber, besetzen könnte), demnächst einen„C o r i o l a n" folgen lassen, und Victor B a r n o iv s k y plant die Einstudierung eines Shake- speareschen Lustspiels in französischer Sprache. Neben ande- ren Erwartungen, die die beginnende Pariser Spielzeit hoffentlich erfüllen wird, verspricht sie also auch zu dem Thema„Shakespeare im heutigen Frankreich" wichtige Auf- schlüsse zu liefern. Hans-Adalbert v. Mal«zahn. Ein Philharmonischer Verein in Paris Wie wir hören, bemüht sich W a l t e r I a k o b, der als be- sunders feinsinniger Interpret der klassischen deutschen Musik in dem„Konzert der Vertriebenen" in der Université du Parthenon aufgefallen ist, gegenwärtig um das Zustande- kommen eines Philharmonischen Vereins als Grundlage für die Weitcrarbeit des Orchesters. Wir wünschen diesen Bestrebungen im Interesse der heimatlosen deutschen Musiker den besten Erfolg. Werbt für die„Oeutscne r reih eil"! An- und Verkauf zentraleuropâ schar und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles 8 P.Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 48 Nazis in Eupen ausgehoben Brüssel. 11. November. Am Marktplatz in Eupen wurde in einem Cafe eine geheime Hitler-Versammlung von der Polizei ausgehoben. 37 Teilnehmer wuxbcn festgestellt, meistens junge Eupener, darunter der Redakteur eines Blattes des Eupener Heimat- lundes, und ein reichsdcutscher Nazi namens Gielert, wohnhaft in Aachen. Gielen wurde verhastet und über die Grenze gebracht. Als die Gendarmen eindrangen, sprach ein gewisser P- gerade gegen Belgien. P. ist Mitglied des katholischen Jugendbundes, dessen Leiter der ausgewiesene Priester Giles war. Bei P. wurden ein Revolver, zahlreiche Hitler- Abzeichen, mehrere Exemplare„Mein Kampf" und eine große Menge Mitgliedskarten beschlagnahmt, serner der Text der Rede gegen Belgien. Schwere» Arbeiterunglück bei Metz Metz, ll. November. Ein großer Lastwagen, der von B i t s ch kam, rammte früh" morgens bergab an einer Wegkreuzung ein Fuhrwerk, Arbeiter nach den Befestigungsarbeiten brachte. Der Chauf- feur hatte die Herrschaft über das Gefährt verloren. Es sind 3 T o t e zu beklagen. 18 Arbeiter wurden verletzt, von ihnen wurden 8 in das Krankenhaus zu Saargemttnd gebracht. Oer reiche Amerikaner, der Blinddarm und die Sprachkenntnisse Nicht alle Franzosen sprechen schlecht Englisch— ein ge« wisser Gaston zum Beispiel beherrscht die yes-Laute^Roose- vclts vollendet. Auch seine Frau, Florence, hat ein Sprech- talent. Im Gegensatz zu vielen Ladys, die sich nicht die Mühe geben, in Paris Französisch zu lernen, hat sie dtc Sprache Harpagons vorzüglich erlernt. Das Paris-Ncunorker Paar gibt jetzt Gastspiele. Gaston tritt als„reicher Amerikaner" auf, kauft und zahlt mit un- gedeckten Schecks. Florence vermittelt liebenswürdig und steckt 13 Prozent Provision in bar ein. Auf diese Weise erleichterten sie einen braven Tischler- meister um 3'/- Mille, ein Antiquar ging mit 5 Mille ein. In einer Klinik am Bois de Boulogne macht« Florence ihr Meisterstück. Sie sagte der frommen Schweüer, sie set Pflegerin von einem schwerreichen Uankee, der Mann wolle sich absolut den Blinddarm herausnehmen lassen, schon mehr aus Sport. Dann erschien Gaston, ein wenig verrückt wie alle reichen Leute und wollte durchaus vorher zahlen Zu diesem Zwecke händigte er der braven Schwester, die einiges Englisch verstand, einen Scheck über 3 Mille aus. erhöhte ihn sogar auf S Mille und sagte nachlässig zu der barmherzigen Samariterin:..Geben Sie davon 733 meiner Pflegerin und behalten Sie den Rest sür die Armen!" Schließlich ging Florence sogar gewissermaßen in die Schule Sarret, der seine Geliebte Katharina auch„beerdigt hatte, und bestellte einen Leichenwagen mit großer Auf- machung für ihren„armen Chef", der in französischer Erde beigesetzt werben sollte. Alle diese neuen Tricks erstaunten das Pariser Gericht erheblich. Schließlich erkannte der Richter, zpr Belohnung der Sprachkenntnisse. auf je drei Jahre hinter schwedischen Gardinen, für Mann und Frau gleichermaßen. (Tawisew(Theater JITercredi. te 19 jrorem*re Opera.— 8 h Vercingètorix(avec G. Thill). Com. Française.— 8 h 30 La Pais chez soi, Le Duel. Op. Comique.— 8 h 15 Le Barbier de Seville(Rossini). Odeon.— 7 h iô Napoléon. Gaite Lyrique.— 8 A 45 Le Pays du Sourire(op. Frans Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). Jeudi, fe 10 JTorein6re Opera.— Relâche. Corn. Française.— 2h Andromaque, La Madone à l'Etoile; 8 h 30 La Mégère apprivoisée, La Madone à l'Etoile. Op. Comique— 8 h 15 Louise(Charpentier). Odeon.— 2 h 30 Le Mariage de Figaro(Beaumarchais); 8 h 30 Im Colombe poignardée, l'Heure espagnole. Gaite Lyrique.— 8 h 45 Le Pays du Sourire(op. Frans Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Ply In Dud« wciler: für Fnserale: Ctto Kuhn In Saarbrücken Rotationsdruck und Veilaq: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8, Schützemtrase 5. Dr. Spécialiste M. rue de Rivoli— Métro: Chofelei RADIKALE HE'LUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern ond ofienen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität Impfungs verfahren; Trypafle vine« Einsptitzungen Blut, und hi tin.Untersuchungen. 8per» maxuüur. Salvarsan Wismut u.w. Sprechstunden liglich von 10- 12 und von 4-8 Uhr; sonntags von 9- 12 Uhi Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht deutsch Inserieren bringt Gewinn Tél. Trinité 43-13 Métro Pi gal le Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine b) Chirurgie c) Geburtshilfliche d) Zahnärztliches Konsultationen Zweistöckige« Sanato. Klinik Kabinett riumsgebäude. 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