I Sinzige unabhängige Tageszeitung ventschiands Nummer 125— 1. Jahrgang Saarbrücken Mittwoch, 15. November 1933 Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt Qleichgeschaltete Jlechenfibel Seite 2 Zcankceich{tagt Deutschland. Seite 3 Van dec£ubbe ecmacht Seite 4 Die gefälschte Statistik Seite 5 Jnseeatenteil beachten! Rote Sfönalf euer Ober Wien SB«»« wir noch knie« könnten, wir läge« aus ben Knien, W-nn wir noch beten könnten, wir beteten stir Wie«. Doch lange schon verlernten wir Kn.esall nnd Gebet Der Mann ist»nS der beste, der grab nnb ansrecht steht. A r e i l i g r a t h. Aus Wien kommt Sie Meldung, baß die Regierung Dollfuß ?rke militärische Vorbereitungen getroffen hat, um marxi- U'Iche Kundgebungen zu verhindern? die öffentlichen Ge- oude sind durch Bewaffnete gesichert. Die Regierung be- iurchtet eine Umgehung des Aufmarschverbotes und Kund- 4 äebungen anläßlich der 10jährigen Tätigkeit des Sozial- nnokraten Seitz als Bürgermeister von Wien. Die innere ^tadt und die angrenzenden Bezirke machen den Eindruck Ausnahmezustandes. .Diese Meldung ist ein Zeichen für die Zuspitzung in Oesterreich auch zwischen D o l l s u ß und der Linken. -Rehr und mehr treibt der Machtkampf um die von der Sozialdemokratie beherrschte Gemeinde Wien Entscheidungen à Der letzte Ministerrat hat beschlossen, die Stadt Wien Aenderung und Aufhebung der Wertzuwachsabgabe, der ^ustbarkeitsabgabc, der Hausgehilfinnenabgabe und zur Senkung der Gas- und Strompreise aufzufordern. Die Ge- Heinde Wien dürfte sich außerstande sehen, diese Forderung »u erfüllen, da dies eine weitere Senkung ihrer Haushalt»- ^nahmen um rund 30 Millionen Schilling bedeuten würde. Der Boranschlag für das nächste Haushaltsjahr ist aber -cieitâ um hundert Millionen Schilling gekürzt. Die Landesregierung droht, mit einer Notverordnung in die Gemeindeverwaltung einzugreifen, falls der erwähnten 'Forderung nicht entsprochen wird. Eine juristische Formel, 'e das Vorgehen der Bundesregierung legalisiert, soll ge- »uaden sein. Das St a ndrecht ist verhängt. Es bedeutet eine AuS- Ahnung der Todesstrafe und Beschleunigung des Ver- Dohrens. Unter andern hat die Regierung auch für das Ver- Dechen nach 8 8S des Strafgesetzes das standrechtliche Ver- Dohren verkündet. Es handelt sich um das Verbrechen der oöhaften Beschädigung fremden Eigentums unter besonders jährlichen Umständen. Man dari dabei nicht nur an Sabotageakte denken, wie sie bisher schon von den National- Sozialisten verübt worden sind. Schon verhältnismäßig oarmlose Vorfälle bei einer Demonstration können zur Todesstrafe führen. So kann z. B. jemand, der sich zu einem ^ieinwurf in eine Fensterscheibe hinreißen läßt und.dadurch Renschen gefährdet, standrechtlich zum Tode verurteilt worden. Das Standrecht ist als furchtbares Abschreckungs- Littel gegen politische Massenbewegungen gedacht. Daneben bemüht sich die Bundesregierung, den sozial- oeinokratischcn Einfluß durch Presseschikanen zurück- ^drangen. Schon seit Monaten zeigt die sozialdemokratische ^sesse große weiß« Zensurflecken. Die„Wiener Arbeiter- jtung" durfte vier Wochen lang weder verkauft noch durch ^iitungsbotcn zugestellt werben. Nur noch Postabonnements !?aren erlaubt. Ein sehr schwerwiegender Eingriff in den ^itungsvertrieb. Die„Arbeiterzeitung" hat diese harte Belastungsprobe glänzend bestanden. Ein Aufruf der Parteileitung wurde, obwohl er ruhig und sachlich gehalten ist, beschlagnahmt. T^chi einmal ein allgemeiner Spaziergang an das Grab des 15 Jahren inmitten der Revolution verstorbenen Ab geordneten Dr. Victor Adler, dieses reifsten und jsiesten Führers der sozialistischen Internationale, wurde ^gelassen. Nur in Gruppen von 20 Menschen durfte der Friedhof betreten werden. Auch der erste Staatskanzler der ^publik, Dr. Karl Renner, wurde polizeilich gehindert. . f konnte nur einige Worte im kleinsten Kreise am Grabe Wittes großen Freundes sprechen und geloben, daß die öfter- c>chifche Arbeiterschaft an der Einigkeit, die Victor Adler schaffen hat, festhalten werde. Als im Krematorium, wo its u'"■ e'n Grabdenkmal Friedrich Austerlitz' befindet, der ^efredakteur der„Arbeiter-Zeitung" Oskar Pollak eine ."rze Ansprache hielt, wurde er verhaftet und erst nach Er- egung einer Strafe von 1000 Schilling wieder freigelassen. Die Organisationen sowohl der politischen wie der ge- f^kschaftlichen Arbeiterbewegung stehen alarmbereit. Da I e am Tag der Republik nicht in der Stadt demonstrieren Arsten, hatten sie auf dem Bisamberg, auf dem Kahlenberg J}b auf dem Höhenrücken des Wiener Waldes große rytc ?°henfeuer entzündet, die durch die dunstige Dunkelheit weit die Stadt leuchteten. In vielen Bezirken sahen die Wiener roten Flammensignale und freuten sich der feurigen Kundgebung für die Republik, dieser Signal«, die zugleich L ein« Mahnung zur Wachsamkeit waren- Hundert« Sozial- demokraten sind in den letzten Tagen wegen OrdnungS- störung„angehalten" worden. Die meisten davon wurden wieder freigelassen. Es steht aber ein politisches Verfahren gegen sie bevor. Unter den Sistierten befand sich auch der Sekretär der sozialistischen Arbeiter-Internationale, Dr. Friedrich Adler aus Zürich. Die Aktivität der Regierung Dollfuß gegen Links hat die Aufmerksamkeit etwas von dem Kampfe gegen die National- fozialisten abgelenkt. Auch nach Rechts hin ist aber kein« Entspannung eingetreten. Die Nationalsozialisten stoßen immer wieder zu verbotenen Demonstrationen vor. Ein sehr ernster Grenzzwischenfall hat sich in Vorarlberg ereignet, wo bei Lochau in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze der Heimwehrmann King ermordet und ein zweiter Heimwehr- mann schwer verletzt worden ist. Es ist dieS daS erste natio- nalfozialistifche Verbrechen, das unter das Standrecht fällt. Der Sicherheitsdtrektor für Vorarlberg hat alle Veran- staltungen in Bregenz, Lochau, Hoerbranz und Hohenweiler verboten. Es wurde sofort die Grenze gegen Bayern gesperrt. Nur Reichsdeutsche mit Stimmscheinen wurden durchgelassen. In Innsbruck und Klagenfurt ist eine Sperrstunde für Jugendliche erlassen worden. In Kärnten erließ der Sicher- heitsdirektor„eine letzte Warnung" an die Bevölkerung. Die Wünsche jedes europäischen Demokraten. Republl- kaners, Sozialisten sind bei den Arbeitern Wiens, die an der Donau für die Freiheit und den Frieden Europas kämpfen. PoliUsche Todesopier Flugblattverteiler erschossen Berlin, 13 Nov. Der«mtl. Preuß. Pressedienst teilt mit: Der Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten vom 4- Oktober d. I-, in dem alle Polizeibeamten angewiesen wurden, gegenüber Flugblattverteilern, die sich Polizei- beamten aus Anruf nicht stellen, rücksichtslos von der Schuß- waffe Gebrauch zu machen, ist von Beamten der Staats- polizeistelle Dortmund in der Nacht zum Wahlsonntag mit Erfolg angewandt worden. Der 47jährige Konrad Dworatzek, der 28mal wegen schwerer Einbruchsdelikte und Widerstandes gegen die Staatsgewalt mit Gefängnis- und Zuchthaus- strafen vorbestraft ist, wurde von Beamten erschossen, nachdem er. beim Verteilen k o-m munistischer Flug- blätter ertappt, auf Anruf nicht stehen ge- bliebenwar. SA.-Mann von„Einbrechern" erschossen Augsburg, 18. Nov. In der letzten Zeit waren die Bauern benachbarter Ortschaften Oberbanern» häufig von Einbrechern heimgesucht worden. Zum Schutz wurden von der SA. Wachdienste eingerichtet. Als in der Nacht zum Sonntag eine dreiköpfige Patrouille von SA.-Männern bei Mühlhausen Dienst hatte, kamen ihnen auf der Straße zwei verdächtige Radfahrer entgegen. Auf das Losungswort hin sprangen sie von ihren Rädern und flüchteten hinter einen Baum, von wo sie drei Schüsse abfeuerten. Der 25 Jghre alte SA-Mann Clemens Ofinger wurde tödlich getroffen. Die Täter find entkommen. französische Offensive Der folgende Aufsatz eines Pariser Mitarbeiters ist als unterrichtender Uebcrblick zu der großen außenpolitischen Debatte geschrieben, die in der französischen Kammer bevorsteht. Der verschärfte Kur» de» Bundeskanzlers Dollfuß steht nicht zuletzt auch unter dem Einfluß des Fürsten Star- Hemberg, eines wilden Hassers der Sozialdemokratie und jeder freien Arbeiterbewegung. Er ist nicht minder ein scharfer Gegner des Liberalismus, den er für den Vater des Marxismus und des Bolschewismus hält. Unter Star- Hembergs Druck löst sich die österreichische Regierungspolitik sehr rasch von allen Brücken, die noch zu irgendwelcher demo- kratischen Auffassung des Verfassungslebens führen. Man steht gegen den Nationalsozialismus in entschlossener Ab- wehr, aber man macht sich gleichzeitig wichtige Grundsätze de» faschistischen Nationalsozialismus zu eigen. So wird denn der österreichischen Arbeiterbewegung ein harter Kampf nicht erspart bleiben. Mit einer Kapitulation der großen geeinten österreichischen Arbeiterorganisationen ist nicht zu rechnen. Oesterreich steht vor der Gefahr schwerster innerer Erschütterungen, die auch außenpolitisch weittragende Wirkungen haben können. Oesterreichisch-dcutsche Legionen exerzieren an der bayrisch-österreichischen Grenze. Ein italienisches Armeekorps ist bei Bozen zum Marsch über den Brenner konzentriert- Er ist nicht sicher, wohl nicht einmal wahrscheinlich, daß diese Rüstungen der Nachbarn zu mili» tärischen Aktionen führen werden. Die Hochspannung birgt aber viele Möglichkeiten in sich. Paris, 14. November. A. Sch. Frankreich hat bisher keine direkte Antwort auf Hitlers Faustschlag in Genf erteilt. Die große außen- politische Debatte in der Kammer, die am 10. November begann, hat gezeigt, daß Frankreich nunmehr die Initiative ergreift. Frankreichs Gegenschlag kommt, er wird in den nächsten Tagen, spätestens Wochen, geführt werden. Zwei Reden standen im Zentrum der außenpolitischen Aussprache: die Rede des Sprechers der radikalen Frak- tion G u e r n u t und die von Mandel, des Schülers und Vertrauensmanns Clemenceaus, der keiner Fraktion angehört, aber als Fachmann in den außenpolitischen Fragen in der Kammer eine große Autorität genießt. Beide Reden galten Deutschland, der deutschen Auf- rüstung. Guernut hat den Standpunkt der radikalen Fraktion präzisiert. Man weiß, daß die Radikale Partei eine Verständigungspartei ist, daß sie auch nach Hitlers Machtantritt für die deutsch-franzöfische Verständigung war. daß sie alle Möglichkeiten zu einer außenpolitischen Entspannung ausnützt. Ihre Tradition und ihre Schlüssel- stellung in der französischen Politik machen die Radikale Partei zum Pfeiler in der Friedenspolitik in Europa. Sie war für den Viererpakt, sie war gemäßigt und zurück- haltend im Ton. selbst die Nazipresse mußte die unKriege- rische, die sriedensfördernde Haltung der radikalen Außenpolitik unter Daladier anerkennen. Die deutsch- faschistische Presse sprach seinerzeit gerne von dem friedensliebenden„Frontsoldaten Daladier". Es ist keine Uebertreibung zu sagen, daß die deutsch-faschistische Außenpolitik auf diese Haltung der Radikalen weit- gehende Spekulationen und große Hoffnungen setzte. Nun meldete sich in der Kammer die Partei Daladier? zum Wort, und es hat sich herausgestellt, daß die Radikale Partei nicht daran denkt. Hitlers Hoffnungen zu erfüllen. Im Gegenteil, Hitlers Schlag gegen den Völkerbund und die Abrüstungskonferenz hat am stärksten die Radikalen abgestoßen. Im Kampfe gegen die deutsch- faschistische Aufrüstung will die Radikals Partei nunmehr führend sein, und da sie die Regierungspartei ist, wird auch Frankreichs Außenpolitik in der nächsten Zeit stark aktiviert werden. So sollte die Rede Guernut für Berlin als ein Sturmzeichen wirken. Guernut selbst stammt aus der alten radikalen Schule, ist ein ausgesprochener„Briandist" und außerdem einer der Führer der Liga für Menschenrechte. Um so größeres Ge- wicht erhielten feine Ausführungen. Er begann mit einem Frontalangriff, ohne Beschönigungen, die Dinge mit ihrem Namen nennend, die Flucht aus Genf sei WW ein Betrugs- manöoer gewesen, Deutschland habe die Abrüstungs- Konferenz verlassen, um der Rüstungskontrolle zu ent- gehen. Es treibe eine totale Aufrüstungspolitik der allum- fassenden Militarisierung der Geister und der Organisation und der rücksichtslosen Kriegsmaterial-Anhäufung. Trotzdem, und hierin besteht die starke Seite der Außen- Politik der französischen Linken, war Guernut gegen eine Gewaltpolitik. Er verlangt politische Gegenmittel. Die Antwort der Radikalen Partei an Hitler, durch Guernut verkündet, lautet: unter keinen Umständen Separatverhandlungen mit Deutschland, auch keine Ver- Handlungen im Rahmen des Viererpaktes, auch keine Konferenz der Großmächte: sondern nur Verhandlungen in Genf im Rahmen der Abrüstungskonferenz und des Völkerbundes. Damit wird die Außenpolitik Hitler» durchkreuzt. Der Weg der Geheimkonferenzen, wo er auf die Unterstützung Mussolinis und die wohlwollende Be- Handlung Macdonalds rechnen kann, bleibt ihm versperrt. Aber Guernut ist in seinen Forderungen noch weiter gegangen: er verlangte, daß man aufhöre, Deutschlands Aufrüstungen im Flüsterton als eine geheime Krankheit zu behandeln, sondern sie als ein öffentliches Laster an» prangere. Er verlangte von Paul-Boncour die Veröffentlichung des französischen Dossiers über Hitlers Aufrüstung: zum erstenmal ist von der radikalen Seite diese Forderung erhoben worden. Guernut verlangte von Boncour die Aktion in Genf, eine sichtbare und wirksame Isolie- rung der Hitler-Diktatur, eine kühne Initiative, ein» offene und feste Sprache:„reden Sie gleich, Herr Minister, jetzt kann man nur noch verspäten!" Guernuts Parole war: keine Verzögerung mehr im Kampfe gegen Deutsch- lands Ausrüstung, der auch die wirksamste Methode im Kampf« für den europäischen Frieden darstellt. Wenn der Aktivismus der Rede Guernuts eine gewisse Ueberraschung mit sich brachte, so bereitet auch die Rede Mandels eine Ueberraschung, wenn auch von anderer Seite her. Von diesem Schüler Clemenceaus hat man eine Kriegsrede erwartet. Nichts davon: Mandel hat einen Ueberblick der deutschen Aufrüstung gegeben, der auf die Kammer einen gewaltigen Eindruck machte, aber den Ge- danken eines Präventivkriegs hat er mit aller Energie zurückgewiesen. Mandel verlangte eine Politik, die Frankreich unter keinen Umständen in eine Isolierung geraten läßt. Er war mit Guernut, dem Sprecher der Linken, darin einig, daß Frankreich nur durch Genf und im Rahmen des Völkerbundes operieren kann, gegen Hitlers Aufrüstung können keine Krastphrasen und keine Separat- «ewaltmatznahmen, sondern nur eine internationale Aktion helfen. Man war auf der Rechten, im Parlament und in der Presse, über diese Haltung des gescheiten {freunde Clemenceaus ziemlich enttäuscht. Gewiß, durch eine Mäßigung ist Mandel noch keinesfalls zum Links- Politiker geworden. Auch in der Methode nicht: während Leon Blum Maßnahmen gegen Hitler-Deutschland nur auf Grund der zu beschließenden Abrüstungs- Konvention zuläßt, verlangt Mandel kollektive Sanktionen gegen deutsche Aufrüstung auf Grund des Bersailler Vertrags. Aber Mandel hat gezeigt, daß die Außenpolitik auch der gemäßigten bürgerlichen Konservativen Frankreichs ihre starken Seiten hat: die Selbstbeherrschung, den Wirklichkeitssinn, den europäischen Blick. Wie würde da ein deutsche Konservativer sich in den Drohungen schmalziger nationalistischer Phrasen und bündnispolitischer Fantastereien ergehen! Es wiederholt sich das Bild wie im Kriege: es erweist sich der Vorzug der Außenpolitik des parlamentarischen Systems gegenüber der Außenpolitik der autokratischen Machthaber. Jetzt wie im Kriege und noch mehr: an der Seite Frankreichs— die bürgerliche Vernunft, die Aus- dauer, die Weltkenntnisse und die weltumspannenden Verbindungen: an der Seite Deutschlands— der Dilet- tantismus der Diktatoren, des hysterische Schwertfuchteln, durch eine gegenstandslose„Friedens"intrige ergänzt, Amoklauf in die lückenlose Selbstisolierung. Was diesen Streit für das faschistische Deutschland so verhängnisvoll macht, sind nicht allein die Methoden der Hitlerschen Außenpolitik, sondern vor allem der Gegen- stand des Streites: es geht um die Waffe. Noch Sefährlicher, noch explosiver als jeder Streit um die levifion, als jede Entgleisung der Bündnispolitik ist der Kampf um die Kriegsmittel. Wo die Durchmilitarisierung des ganzen Volkes betrieben, wo Giftgase und Kampf- flugzeuge zum Gegenstand des Streites werden, dort wird die Kriegsmaschine selber eingesetzt. mflaM war'ef ab London, 13. Nov. Im Unterhaus ergriff heute Premier- minister Macdonald das Wort. Er sagte ü- Vor allem müsse man abwarten, wie sich das gestrige Wahlergebnis in Deutschland ausivtrken werde. Im gegen- wältigen Augenblick iverde das Unterhaus wohl keine Er- klärung über die Absichten der britischen Regierung ver- langen. Großbritannien stehe mit Frankreich und Italien in enger Fühlung und die Vereinigten Staaten würben ständig auf dem lausenden gehalten. Aber auch mit anderen Rationen, insbesondere kleineren europäischen, stehe Groß- britannten in Verbindung. Da auch diese Staaten in Genf vertreten seien, so werde eine Besprechung der schwebenden Fragen sehr leicht sein. Wir ersuchen Deutschland, so fuhr der Premiermini st er fort, sich an diesen Beratungen zu beteiligen, und zwar jetzt und nicht er st zum Schluß. Wir wollen, daß Deutschland sein eigener Wortführer ist. Man verfolge mit ihnen den Zweck, dem Frieden zu dienen, und ziele nicht etwa auf„Bestrafung" ab Großbritannien stelle sich der Anschauung entgegen, baß man den Völkerbund beseit'gen müsse, um die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu beheben. Großbritannien sei dagegen, daß die Abrüstungsarbeiten aus dem Grunde unterbrochen würben, weil Deutschland die Abrüstungskonferenz verlassen habe. Der britische Konven- tionSentwurf bleibe auch weiterhin die Grundlage für die Genfer Beratungen.^ Dt« Labour Party hat einen Mißtrauen»- «ntrag in Form einer Entschließung eingebracht. In der Entschließung wird eingangs Bedauern darüber ausgedrückt, daß der starke Wunsch des Landes nach einem inter- nationalen Abrüstnngsabkommen sich nicht in der Politik der Regierung aus der Abrüstungskonferenz reflektiert habe. Dann werden folgende Forderungen aus- gesprochen: a) Vollständiger Verzicht auf Luftbombardements? b) Allgemeine Abschaffung aller Deutschland gegenwärtig durch den Versailler Bertrag verbotenen Waffen? c) Internationale Kontrolle der zivilen Luftfahrt? ö) Sofortige Herabsetzung der Rüstungsausgaben durch alle Rationen? e) Unterdrückung der privaten Rüstungsproduktion und des privaten Rllstungshandel»? f) Jnterngtionale Rüstungskontrolle in allen Ländern? g) Schaffung einer internationalen Polizeistreitmacht? h) Definierung des Angriffs auf der Basis der Vorschläge, die der Konferenz von Hastings durch das Konferenzkomitee gemacht wurden. »• Im Verlaufe der gestrigen AbrüstungSdebatte im Unter- hause erklärte Sir John Simon u. a.: Wir hoffen, daß eine Gleichheit für Deutschland hergestellt wirb durch eine soweit wie möglich gehende und sehr nahe an das gegenwärtige deutsche Niveau herankommende Herabsetzung der Rüstungen. Wir können nur Erfolg haben, wenn wir die Welt dazu be- wegen, mit uns zu handeln. Wir müssen mit allen Mitteln um ein Abkommen kämpfen. * London. Bei der Abstimmung im Unterhaus wurde der Tadelsantrag der Arbeiteropposition gegen die Regierung in der Abrüstungsfrage mit 400 gegen 54 Stimmen a b- gelehnt. Die liberalen Anhänger Sir Robert Samuels e»1hi«Ue» sich der Stimm«. lieber Mi Millionen demonstrierten Berlin, 13. Nov. Im Reichsanzeiger wird heute nachmittag das vorläufige amtliche Endergebnis der gestrigen Reichstagswahl und der Volksabstimmung ver- öffentlicht. Es enthält die folgenden Zahlen. 1. Zahl der abgegebenen Umschläge seinschließlich der völlig leer ab» gegebenen Umschläge) 4» 54? 662 2. Zahl der Stimmberechtigte» nach der Stimmliste 43 928 66» 8. Zahl der abgegebenen Stimmscheine 1213 291 4. Gesamtzahl der Stimmberechtigten 45141SS4 Reichstagswahl 5. Zahl der für den Reichstagswahl» Vorschlag der NSDAP, abgegebene» gültigen Stimmen 38 638789= 92,2"/» 6. Zahl der ungültigen Stimmen» 349 863= 7,8"/, 7. Gesamtzahl der abgebene» Stimmen 42 988 152= 95,2 Gleichgesctiare'e Rrchenlibel Und die hitlertreuen„Konzertlager" Die„Saarbrllcker Zeitung"«Nr. 802) hat in ihrer gut- bezahlten Liebe zum„dritten Reich" sogar die deutsche Rechenfibel gleichgeschaltet. Sie hat z. B. in Oberbayern- Schwaben 100 000 Wähler mehr abstimmen lassen, als über- Haupt wahlberechtigt waren. Mit unserem bekannten Wohl- wollen hatten wir angenommen, es handele sich im Grunde nur um ein Versehen. Diese nachbarliche Entschuldigung wird uns leider bös gedankt. Man fällt mit Fremdworten wie Psychopathen und Emigrantenpsychose über die gute „Deutsche Freiheit" her und will uns belehren, die„bedcu- tungSlose" Ziffer von hunderttausend Httlerstimmchen er- kläre sich daraus, daß in Oberbayern der Münchener Haupt- bahnhof liege. Da hätten die 100 000 auf Stimmschetn ab- gestimmt. Wir warten jetzt nur noch auf die Meldung, daß bei diesem unmenschlichen Andrang in einem einzigen Wahl- lokal viele in der allgemeinen Begeisterung totgedrückt worden sind. Auch die«Konzertlager" führt da« mit gutem Geld znm Hitlerglauben bekehrte Blatt als Beweis für die untadelige Korrektheit der Stimmenzählung an. Was will man gegen- über soviel blauäugig treudeutscher Einfalt machen? Man ergibt sich eben dem schönen Gedanken, daß fetzt nur noch Nationalsozialisten in den.Konzertlagern" sitzen und die paar für ein zuverlässiges Aussehen der Zählung notwen- digen Neinstimmen von der SA.-Lagerwache abgegeben worden sind. Wir erfahren noch aus dem Blatte, daß wir nun die Be- hauptung, es sei eine Terrorwahl in Deutschland gewesen. 40 601 577- 95,1'/» 2 100 765= 4,9'/• 42 702 342 750 271 BolkSabstimmnng 8. Ja-Stimmen 9. Nein-Stimme» 10. Zahl der gültige» Stimme« 11. Zahl her ungültige» Stimme« 12. Gesamtzahl der abgegebene» Stimme» 43 452 618-- 96,8 V» 5'/- Millionen Wähler und Wählerinnen, die entweder streikten, oder tapfer gegen Hitler stimmten, werden amtlich zugegeben. Der Fantasie, wie groß das Heer der ausrechten Deutschen wirklich ist, sind keine Grenzen gesetzt. Gruß den Millionen und aber Millionen Tapseren! Ehrt ihrer Entschlossenheit! Unsere Wünsche gelten ihrer einheitlichen Kampfkraft! Freiheit! aufgegeben haben und auch das Ausland nunmehr von dec herrlichen Wahlsrcihett durchaus überzeugt ist. Was un» betrifft, haben wir das Gegenteil gestern wieder eininm nachgewiesen. Uebcr das Ausland kann man solch^ Eseleien nur behaupten, wenn man seine Meinung lediguo aus den halbamtlich ausgewählten Preffezitaten bezieht oder nur aus den Auslanbsstimmen, die in militaristischem Interesse gegen Deutschland Hetzen. « Der armen gleichgeschalteten„Saarbrückerin" halten wir nur zwei deutsch schweizerische Pressestimmen über die „Freiheit" der Wahl entgegen: Die„Neue Züricher Zettung" fNr. 2055) schreibt: Der Sonntag hat der nationalsozialistischen Regierung di« erdrückende Mehrheit gebracht, auf vre fie n a® ihren mit fieberhaftem Eifer betriebenen Vorbereitungen und angesichts derVolk»' tümlichkeit ihrer in der Oeffentlichket« durch keine kritische Einwendung b e« einträchttgten Parole ohne weiteres rem' n e n durfte. Die„National-Zeitung" sNr. 528) ist noch etwas deutlicher! Es ist nur selbstverständlich, daß eine Wahl oßn« Wählen zwischen verschiedenen Auffassungen und PO' sonen und ohne die Freiheit, die eigen« Gesinnung zu vertreten, auch dann nichts für dt« ausgedrückte Gesinnung bedeuten würde, wenn ni«' jeder Schwankende und Zögernde bebroh« J gewesen wäre. ES muß doch ein trauriger Beruf sein, so offenkundig« Tatsachen täglich ableugnen zu müssen, ein so tläal'6" Beruf, daß Entrüstung nicht laut werden sollte. Französische Stimmen Su dem P eblssit des Schw ndefs Die ganze Wahlpropaganda wurde mit unbestimmten Parolen gemacht, sagt« Emile Bourgues im„Petit Parisien": „Welches sind die berühmten Forderungen, über die der Kanzler m t so viel Lärm eine Volksabstimmung veran- staltet? Im Grunde weiß es niemand. Die Devise der Volksabstimmung weist in eine Richtung, aber das Ziel bleibt unbekannt. E!n Leitmotiv ist vorhanden, aber niemand, weder in Deutschland noch im Ausland, könnte erkennen, was für ein« Symphonie gespielt wird. So wählen die Deutschen, vom Nimbus ihres Führers hypnotisiert, ins Blaue. Sie überlassen ihrem Abgott die Sorge, später nach seiner Eingebung den Wert der Worte„Frieden, Ehre. Gleichheit der Rechte" zu bestimmen. Auf jeden Fall ist es ein ungeheuerer und fast gefährlicher Beweis von Vertrauen, das sie ihm gewähren. Aber wenn die Volksabstimmung geglückt ist, wird Hitler sich dem Ausland gegenüber klarer aussprechen müssen. Wenn das nicht geschieht, wird sein Plebiszit nur ein Schlag ins Wasser sein." „ L' Appel" ist über die schwindelhaften Wahlen entrüstet.„Der Gang zur Urne, zu dem die RxichSregierung das deutsche Volk nötigt, hat den Namen „Wahl" erhalten. Er ist aber nur die Krönung einer der ungeheueren Propagandaunternehmungen für das In- und Ausland, die die nationalsozialistische Regierung so hervor- ragend zu organisieren versteht. Die Wahl und das deutsche Plebiszit müssen einer Regierung, die sich selbst als eine „totale" bezeichnet, einen absoluten Erfolg dringen- Wenn irgendetwas nicht stimmt, so kann«s nur an einem Organi» sationssehler liegen...." Die„E r e Nouvelle" ist beunruhigt:„Wir können uns eines peinlichen Gefühles und einer tiefen Verstimmung nicht erwehren, wenn wir die Sprache Hitler-Dentschlands hören und seine Taten damit vergleichen. Uns drängt sich die unab- weiSbare Frag« auf, wie diese Sprache und diese Handlungen nach Locarno, nach Genf, nach Lausanne, nach dem Haag mög- Reldisfagsprozeft 38. Verhandiunattaa Berlin, 14. Nov. In der DienStagsttzung des Reichstags- brandprozesses zeigte van der Lübbe das gleiche Verhalten wie am Montag? er saß aufrecht in der Anklagebank und besah sich lebhaft die Umgebung. Zu Beginn der Verhandlung legte R.-A. Dr. Sack eine Reihe von Beweisanträgey über Reden des Angeklagten T o r g l e r vor, über die Aeutzerung„Schlagt die Faschisten. Als erster Zeuge wurde aus dem Konzentrationslager Brandenburg der Kommunist Kämpfer vorgeführt, in dessen Wohnung nach zahlreichen Zeugenaussagen im Som- mer 1932 der Angeklagte Popoff verkehrt haben soll. Die Verhandlung dauert fort. Die tote Schildwache von Southampton Southampton, 14 November- Ein tragischer Vorfall beim Totenmal am Waffenstill- standstage erregt viel Aberglauben. Eine der vier Schild- wachen, ein alter Weltkriegssoldat, siel während der feier- lichen Minute des Stillschweigens t o t um. Sein Gewehr kollerte in dem furchtbaren Schweigen der Masse schauerlich die Stufen d«S Totenmal» herab. .b«« Zi« n ihrer Unterwelt weiter hetzen und wühlen- nicht daran, daß der Reichstag von Nation» i angesteckt worden wäre, aber e» war ein«»%» einen solchen Führer an der Spitze zu haben. Sie a wollten in glaubten sozialiften uum-ti-ui wutut» w«», u«i».uu- mi* kommene Waffe, um gegen di« NSDAP zu hetzen...*^-, dieser Terrorbegründung gehört noch die Tatsache, daß Rechtsanwälte, denen ein Teil der Angehörigen der*{!, geklagten die Verteidigung übertragen hatte und 8 Refer«», bare als Osfiz'alvertetdiger sich um die Verteidigung Angeklagten bemühen sollten. Alle beschränkten sich auf f" träge„gemilderter Strafen", keiner von allen wagte in fem politischen Prozeß vor diesem politischen Gericht irges^ eine politische Argumentation. Aber nur einer von sämtlich^ 91 Angeklagten war so zermürbt, bah er da« Verspreche»* gab, nach seiner Freilassung der S«. beizutreten. lich sind. Wir ermessen den Umfang unserer Opfer u"d unserer Zugeständnisse und vergleichen sie mit dem wachsen des deutschen Starrsinns- Und wir sind beunruhwb bedrückt und gelingst gt-" Ebenso sicher im Urteil wie geängstigt sind die Verra«' tnugen von Philippe Barres im„Matin" über d>« Rolle HitlerS: „Hitler wird nicht, wie er glauben machen möchte, vo>» Volke unwiderstehl'ch vorwärtsgedrängt. Er ist der Führ«- einer Partei, die zur Macht gekommen ist, und er will»6» muß sich an jedem Tage seiner Politik treu zeigen und s«w« Machtstellung rechtfertigen. Um das zu tun, spielt er küt?" mit dem Edelmut oder der Schwäche der anderen Nationen- Man muß nur wissen, wie weit er darin gehen kann. Da? hängt sehr viel weniger von ihm oder von Deutschland als von den anderen Nationen und ihren Regierungen. E* wird ein« Stunde kommen, in der die e»'' scheidende Verantwortung nicht von Berit» getragen wird." „Figaro" schreibt: Hitlers Sieg war vorauszusehen. Er wünscht« von f«!»«?® Volk das Ja in derselben Form, wie er von den Ex-Alliic«' ten das Recht zur Aufrüstung erhalten will: indem er da» fordert! Es gibt keine Wahlüberraschungen bei einem WaV system, das Konzentrationslager und ander« weniger si®^ bare Druckmittel kennt-... Sind das Wahlen, die gestern in Deutschland stattgefunden haben? Nein, denn den Wählern wurde keine Wahl gelasse"' Das Parlament, das gestern gewählt wurde, ist ein Z««^ bild, aber wird die Herrscher des„dritten Reiches" nicht hi"' dern zu erklären, daß das Volk geschlossen hinter ihnen u» ihren außen- wie innenpolitischen Extravaganzen steht. Ni«*' baß diese Erklärung abgegeben wirb, ist das besondere, so» dern daß sie abgegeben werden darf, ohne das Gespött de» Welt zu erregen." veder 10« Indre Gefängnis 10 Jahre Zuchthaus Im Massenprozeß gegen Mitglied«? der Sozialistisch«^ Arbeiterpartei in Dresden wurden gegen 91 Angeklagt Schreckensurtetle mit insgesamt über 100 Jahren Gesängn' und 10 Jahren Zuchthaus gefällt. Die Urteile wurden>" Fortführung einer verbotenen Partei, Verbrettung komm» nistischer Druckschristen und Verbreitung von GreuelnaA richter begründet.„Die Angeklagten haben," heißt eS wör lich,„den deutschen Frühling und Sommer gesehen und ha»« gesehen, baß viele deutsche Volksgenossen glücklich war«»' a* Frankreich fragt Deutschland Fragen an die deutsche Regierang— Wird eine Antwort kommen? Schon am 4. November hat Wladimir d'Ormesson im^Temps" eine Reihe von Kragen an die deutsche Regierung gerichtet, ohne daß bisher eine Antwort erfolgte. Sei» Aufsatz lautet ohne Kürzung: . Tie„9JÎ onta g- Post" stellte vor kurzem bestimmte Fragen an den neuen Chef der französischen Regierung. Wir wollen nun unsererseits einige klare Kragen an den Chef der deutschen Regierung richten und uns dabei in etwa derselben Wendungen bedienen. Man darf wohl damit rechnen, daß die Presse jenseits des Rheins diesen Kragcbogen unverändert wiedergeben wird, wie es die französische Presse loyalerweise wit den deutschen Kragen getan hat: 1. Legt sich die deutsche Regierung darüber Rechenschast ab. daß sich die sranzösisch-deutschen Be- »iehungen seit einigen Iahren verschlechtert haben? Sieht sie ein, daß diese Verschlechterung zum großen Teil daher kommt, daß das französische Volk feststellen wußte, daß seine Bemühungen— die in der Geschichte ohne Beispiel sind— nicht nur die seelischen Erschütterungen des Krieges vergessen zu machen, sondern auch seine härtesten materiellen Kolgen auszuräumen, vergeblich waren, vergeblich die Räumung des Rheinlandes fünf Jahre vor dem im Vertrage vorgesehenen Termin: vergeblich das Aufgeben des Poung-Plans in Lausanne, das den Bcr- jjlcht auf 90 Prozent des Reparationsguthabcns bedeutete. Und nicht nur vergeblich. Tiefe Opfer, die Krankreich der deutsch-französischen Verständigungspolitik gebracht hat, die durch Aristide Briand verkörpert wurde und die das französische Volk unaufhörlich gefordert hat, haben sich ichließlich sogar gegen Krankreich ausgewirkt. Die deutschen Machthaber hörten nicht aus zu erklären:„Räumt das Rheinland, und die dcutsch-sranzösische Verständigung wird vollendet sein: denn eine Annäherung und die Besetzung sind Dinge, die nicht miteinander zu vereinbaren sind." Kür diese Menschliche Begründung verständig, hat Krankreich das Rheinland geräumt. Am Tage darauf änderte Deutschland seinen Ton gegen Krankreich, aber nur. um feindlicher zu werden. Die deutschen Kührer erklärten Krankreich immer wieder:„Gebt die Reparationen auf, und die Versöhnung zwischen Deutschland und Krank- reich wird stattfinden: denn Reparationszahlungen und eine deutsch-französtsche Krcundschaft sind nicht mit- einander zu vereinbaren. Kür diese menschliche Begründung empfänglich, hat Krankreich den?) o u n g- P I a n zerrissen. Am Tage daraus wählte Deutschland ein neues Druckmittel. Versteht die deutsche Regierung, daß das französische Volk sich »ezwungen sieht, aus seinen Ersahrungen die bittere Lehre »u ziehen, daß je mehr Zugeständnisse es Deutschland macht, die Aussicht auf Verständigung in um so weitere Kerne rückt? Legt sie sich Rechenschaft über die Verantwortung ob, die Deutschland burch eine fortgesetzt widersinnige Politik auf sich lädt, indem es die natürliche Entstehung eines ehren- vollen, menschenwürdigen, weisen und verständnisvollen Friedens verhindert? 2. Weiß die deutsche Regierung, waS für Hoffnungen das französische Volk auf die Abrüstungskonferenz setzte? Weiß sie, baß die Kranzosen in Deutschlands zuver- lässiger Erfüllung der im Vertrag vorgesehenen Abrüstungs- klauseln, in der Beruhigung der Gemüter und in ihrer Ein- stellung auf vernünftige Formen gegenseitiger Garantien die einzigen wirksamen Mittel zur Herabsetzung und all- gemeinen Beschränkung der Rüstungen in allen Ländern, be- sonders auch in Krankreich sahen? Weiter, legt sie sich Rechenschaft ab über die bittere Enttäuschung, die die Kran- zosen empfanden, als sie feststellen mußten, daß Deutsch- land, ohne auch nur den Beschluß in Genf abzuwarten, beträchtliche militärische Kräfte aufgestellt hatte, daß es über bedrohliche Rüstungs- mittel verfügte, daß es diejenigen, die sich als Friedens- freunde erwiesen hatten, wie Verbrecher niederschlug, den Tod auf dem Schlachtfeld als den einzigen eines Deutschen würdigen feierte, die Jugend für den Krieg drillte, kurz, den Kriegsgeist aufs leidenschaftlichste pries? Sieht sie ein, daß es diese technischen Vorbereitungen sind im Verein mit dem Ausbruch von Gefühlen, die jeder Abrüstungsidce diametral entgegenstehen, die überall Unruhe verbreitet haben, die die Genfer Konferenz in ihren Grundzügen gefälscht und die internationale Politik in die Sackgasse getrieben haben, in der sie sich jetzt befindet? Ist sie sich der Verantwortung bewußt, die die deutschen Führer übernommen haben, als sie das gemeinsame Werk der Vesriedung und Abrüstung, daS seiner Erfüllung entgegenging, aufs Spiel setzte? S. Weiß die deutsche Regierung, daß daS französische Volk jede militärische Borbe- reitung, die sie trifft, kennt und daß es nicht genügt, sie abzuleugnen, um die Kranzosen darüber zu beruhigen. Abgesehen von den Fabriken, die serienweise Klugzeuge. Militärtransportwagen. Ka- nonen, Tanks. Maschinengewehre, Giftgase herstellen— und deren Liste morgen veröffentlicht werden kann—, kann die deutsche Regierung eine Erklärung darüber abgeben, warum man seit einigen Monaten eine merkwürdige B e r m e h- rung der Einführung von solchen Grund- st o s s e n sN i ck c l. Kupfer, Baumwolle usw.s fest- stellen kann, die ausgerechnet für die Kriegsindustrie benötigt werben? Warum zum Beispiel, während sich die normale Einfuhr an Nickel von Kanada nach Deutschland aus 107 To. im Halbjahr beläuft, ein Vertreter der deutschen Regierung soeben aus einmal 10 000 Tonnen Nickel in Kanada bestellt hat? Legt sich die deutsche Regierung Rechenschaft darüber ab, daß, wenn sie versucht, diese Vorbereitungen zu recht- fertigen, indem sie die„k o m m u n i st i s ch c Gefahr" nennt, diese Antwort von keinem Kranzosen für stichhaltig angesehen wird: nicht ein einziger Franzose glaubt, daß, wenn die deutsche Jugend täglich Militärübungcn macht, die u. a. im Anlegen und Einrichten von Schützengräben be- stehen, diese Hebungen dazu bestimmt sind. Deutschland gegen einen Handstreich der Kommunisten zu verteidigen. Versteht die deutsche Regierung, daß das, was das französische Volk am meisten empört und was es— begreiflicherweise— durchaus nicht gelten lassen kann, weniger die Tatsache ist, daß Deutschland seine militärischen Verpflichtungen auS dem Bertrag von Versailles nicht eingehalten hat, als baß es behauptet, Deutschland habe seine Verpflichtungen strikt beobachtet, während die anderen sie nicht gehalten hätten. 4. Weiß die deutsche Regierung, daß die Kranzosen da» Buch Adolf Hitlers„M ein Kampf" nicht lesen können, ohne sich in ihrer Ehre angegriffen zu fühlen: daß dies Buch von Haß trieft und für Krankreich buchstäblich verletzend ist? Weiß sie nicht, daß die Kranzosen erfahren haben, daß Hitler sich nicht scheut, in seinem Buch zu er- klären:„daß keine Handlung und kein Opfer dem deutschenVolk zu groß erscheinen dürfe, wenn das Ziel die Vernichtung Krankreichs s e i", und daß„das Ziel jeder deutschen Regierung, die dieses NamcnS würdig wäre, die Ausrottung Frankreichs fei"? Legt sich die Reichsregierung darüber Rechenschaft ab. daß die öffentliche Meinung in Krankreich sich überrascht zeigt, daß Hunderttausende von Exemplaren eines BncheS, das solche Vorschläge, solche Hetzreben enthält, gegenwärtig in Deutschland verbreitet werden, und daß ih» Verfasser, der Reichskanzler geworden ist. den ursprünglichen Text nicht gemildert hat, um ihninEinklang mit den Gefühlen zu bringen, die er heute proklamiert, und daß er nicht von den Urteilen und Behauptungen, die er damals aufgestellt hat, öffentlich abrückt. 5. Weiß die deutsche Regierung, daß das französische Volk burch den Widerspruch zwischen den politischen Taten und den beruhigenden Worten der Kührer des Reichs nicht ge- täuscht werden kann und daß eS einmütig die Krage des Präsidenten Daladier zu der seinen macht:„Muß man mit einem Bruch anfangen, um zu einer Verständigung zu kommen?..." Ebenso wie daS deutsche Volk wünscht auch das französische den Frieden. Aber im Geiste des französischen Volkes bedeutet Friede nicht nur ein Aufhören des Krieges, einen abstrakten Gedanken. Für den Kranzosen ist der Friede die dauernde und ver- nunftgemäße Begründung eines Statuts, das an die Stelle des anarchischen Individualismus eine gemeinsame Orb- nung setzt. Die deutschen Kührer haben alle Kräfte an- gespannt, um gerade diesem Gesetz den Todesstoß zu geben. Sie haben die Abrüstungskonferenz zerschla- gen, die die Vereinheitlichung der Heere vorbereitete, die fortschreitende Rüstungsgleichheit und die Unterwerfung aller Länder unter strenge Gesetze. Sie haben den Vierer- pakt zerstört, der im Rahmen des Völkerbundes den großen Mächten Westeuropas notwendige Vergleiche erleichtern konnte. Sie treten aus dem Völkerbund aus. Sie verlassen das Haager Schiedsgericht. Sie ziehen sich von der internationalen Arbeitskonferenz zurück. Sie zerreißen alle Bande, die die deutsche Politik an die der anderen Staaten knüpst, und sie hoffen, indem sie so daS Gewicht Deutschlands auf den werdenden Bau werfen, diesen Bau selbst endgültig zu zerstören. Wie will nach alledem das deutsche Volk das französische von dem ernsten Ver- ständigungs- und Friedenswillen der deutschen Regierung überzeugen? Man kann nicht zugleich jemanden heraus- sordern und ihm die Hand reichen. Zum mindesten bleibt eine solche Handlung dem französischen Volk immer un- begreiflich. 6. Indessen ist daS französische Volk von dem Willen beseelt, sich mit dem deutschen Volk zu verständigen und einen Zustand ehrenvoller Nach- barschaft mit ihm zu begründen. Das beweist sein Verhalten seit vielen Jahren. Ist also, um eine annehmbare und be- friebigende Lösung des brennenden Problems der RüstungS- Herabsetzung und-beschränk»»« herbeizuführen, die Reichs- regierung bereit, durch Taten vor aller We l t zu beweisen, daß eS absolut der Wahrheit entspricht, wenn Deutschland behauptet, seine Verpflichtungen gewissenhaft eingehalten zu haben? Ist sie bereit, durch Taten zu zeigen, daß die Beteuerungen ihres Friedenswillens nicht nur ein- saches Reklame nanöver sind, dazu bestimmt, das In- und Ausland umzustimmen? Darum: ist die RetchSregierung damit einver- standen: a) Kragen zu beantworten— nicht durch all- gemeine Erklärungen, sondern durch detaillierte Dar- legungen— bezüglich der Totalität seiner militärischen Kor- mationen und der Waffen, die Deutschland besitzt, sowie der technischen Rüstunaseinrichtungen, über die es verfügt? b> Um den Streit beizulegen, selbst die Ein- setzung einer Kommission von Experten vorzu- s ch l a g e n. der die meisten der Neutralen beitreten würden? Diese Kommission müßte die Richtigkeit der Versicherungen Deutschlands feststellen bezüglich der Einhaltung der Vcr- pslichtung zur Abrüstung, die die Voraussetzung zur Genfer Konferenz war. c) Mit Bestellungen von Kriegsmaterial bei der Schwerindustrie aufzuhören? d> Der Jugend eine vollkommen andere Erziehung zu geben als die, die augenblicklich bezüglich der Fricdensproblcme und der Beziehungen Deutschlands zu anderen Völkern erteilt wird? es Damit aufzuhören, das deutsche Volk glauben zu machen, daß es, das Opfer einer Weltverschwörung, den Verfolgungen seiner Nach- barn ausgeliefert sei: ihm im Gegenteil zu zeigen, daß seine Nachbarn nur im Frieden mit ihm leben und— wie es auch natürlich ist— ihm im Konzert der großen Machte ein glück- liches und ehrenvolles Leben sichern wollen. fj Anzuerkennen, daß die deutsch-franzö- fische Verständigung nicht gegen die übrigen Staaten Europas, seien sie groß oder klein, erreicht werden kann: daß sie im Gegenteil die Grundlage und den Kern Europas bilden muß und daß folglich, um zu dieser so not- wendigen Verständigung zu kommen und einen dauerhaften Frieden,— nicht nur zwischen den beiden großen Völkern, sondern zwischen allen Nationen Westeuropas— zu schaffen, das einzige Mittel das ist, Institutionen, die in diesen Staaten schon herrschten, ib- Kraft und ihre Autorität zur Verfügung zu stellen. Wladimir d'Ormesson. Die höheren Werte Auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Landespartei »es Saargebiets in Saarbrücken, worüber wir am Montag ausführlich berichteten, hielt Professor Decker einen bedeut- famen Bortrag über die politische Situation, ihre Hinter- gründe und ihre Ausblicke. Wir entnehmen seinen AuS- führungen: Defter Unser belgischer Genosse WauterS hat in seiner Rede ge- 'Zsst: Der Faschismus ist keine unabwendbare geschichtliche ->iolwendigkeit. Mit diesem Satz hat er schon den Grund- Scdanken meines Referats ausgedrückt. Ich möchte hier vor allem die Bedeutung des bewußten politischen Wollens für die geschichtliche Entwicklung a e t o n e n. Im November 1033 zwingt sich die Erinnerung an viele geschichtliche Ereignisse auf. Vor 15 Jahren ist die »eutsche Republik ausgerufen worden. Und sie ist nicht mehr °a. Heute ist die österreichische Republik auch 15 Jahre alt geworden und unseren österreichischen Genossen ist die Feier °er Republik verboten. Alfo ist die österreichische Republik von heute nicht d i e Republik, die vor 15 Jahren entstanden lst. Man stellt sich die Krage: Ist das wirklich eine geschicht- «che Notwendigkeit, daß jedem Fortschritt ein Rückschlag folgt? Jeder Revolution mit ihrem kurzen Glück die Gegen- Revolution? Und die lange Zeit der brutalen Reaktion? <1ch glaube nicht an solche eiserne Gesetze der Geschichte. Oder war die deutsche Republik deshalb zum Scheitern verurteilt, w il sie aus der Niederlage im Kriege entstand? Wenn wir nun nicht nach Osten, sondern nach Weste« blicken, dann sehe» wir auch eine Republik, die aus der Niederlage entstanden war. Diese Republik hat auch zu ihrem Oberhaupt einen alten General«ehabt. In der Nationalversammlung war keine republikanische Mehrheit vorhanden. Vielmehr war schon die Mehrheit be- reit, den bourbonischenPrinzen als König zu berufen. Die Monarchie scheiterte nun daran, daß dieser Prinz auch aus die alte weiße Fahne der Bourbonen nicht verzichten wollte, während die Anhänglichkeit an die Trikolore im Volke und namentlich in der Armee schon so groß war. daß nicht einmal die Monarchisten den Verzieh ans diese Fahne wagen konnten. So wurde die Republi mit der Mehrheit von einer Stimme beschlossen. Und das war zuerst wirklich eine klägliche Republik, in de »ie militärische Cliaue eine ungeheuer starke Machtst llun hatte Die große Wendung kam durch einen scheinbar nich ikhr bedeutenden Vorfall. Durch den Prozeß Drevius! Man hat einen unschuldigen jüdischen Offizier als einen Laudesvcrrä verurteilt und der Kampf um daS Schicksal dieses einen Manschen hat das ganze Jahrzehnt des sran- zösischen Lebens erfüllt. Und die ganze Welt erschüttert. Das war der Kampf um das Menschenrecht, der von den französischen Menschen, in denen die Tradition der großen Revolution lebendig wurde, mit höchstem Einsatz geführt wurde. Tiefer Kampf hat die Herrschast der militärischen Clique gebrochen und hat den französischen Staat zu einer wirklich freiheitlichen Republik gemacht! Das ist die Lehre für uns! Wir haben nicht nur eine besondere Affäre wie die von Dreyfus gehabt. Der leidenschaftliche Kamps um das Recht blieb aber aus. Di« dentsche Arbeiter- bewegung hat auf vielen Gebieten Hervorragendes ge- leistet. Sie hat aber nicht den Untertanengeist, der im Volke steckt, der anerzogen wurde, brechen können. Der Kamps um Freiheit und um die Menschenrechte blieb in Deutschland nicht ausgekämpft. Man übersah, daß jede Revolution ein Kamps für Freiheit und Menschenrechte war. Und daß das Arbeiterblut, von dem das Rot unserer Fahne stammt, für Freiheit und Menschenrechte geflossen war. Mir haben richtig erkannt, daß die materiellen Interessen die Unterlage der politischen Kämpfe darstellen, nicht aber richtig gesehen, daß sich die rein materielle Unzufriedenheit nicht in leidenschaftlichen politische Kämpfen und nament- lich nicht in einem revolutionären Kamvs mit dem Einsatz des Lebens umwandeln kann! Ein solcher Kampf mit dem höchste« Einsatz kann nur für die höheren Werte geführt werden. Für etwas, was für die Menschen mehr Wert als da« eigene Selbst hat. Der Dichter Kleist bat diesem Gefühl Ausdruck gegeben, als er feinen Michael Koblhaas sagen ließ:„Lieber ein Hund sein, wenn man von den Füßen getreten werden loll, als ein Mensch." Aus diesem Gefühl, daß das Leben ohne Recht und Freiheit kein Menschenleben mehr, sondern 'in Hundeleben ist, entsteht in den Massen der G-ist de« revo- ^utionären KamokeS. Ich bin mir dessen bewußt, daß diese Ausführung eine klare ha^e Kritik unserer Tätigkeit in der 'Vergangenheit dgrst-Nt. Wir brauchen diese Kritik, um die Zehren für die Zukunft zu ziehen, dürfen aber nicht alles '4>",gr, in schwarz malen und die Leistungen der deutschen Arbeiterbewegung vergessen. ES wird eine Sage erzählt aus der Geschichte bcS Frei- eiiSkamvkeS des ukrainischen Volkes. Taras Bnlbg war der "ührer in diesem Kampf geg« das fremde Joch. Sein Sohn ourde aekanaen aenomm-n und nach den grausamen aber 'icht so ftnndSaemeinen Sitten, wie im heutigen Deutschland >urd- er verörannt. Als er auf dem Scheiterhaufen stand md fti" flammen an f-inen Gliedern zehrten riet er zum -tzten Male mit aller Kraft seiner Stimme- Hörst du >n i ch m e i n V o*"«?" Und die erstaunte Menge vernahm die Antwort:„Ich höre, mein Sohn!" Rufen wir unseren Genossen im Reiche zu: W« r hören! Eure Oual ist unsere Qual, Euer Kamps ist unser Kampf, Eure Knechtung ist unsere Knechtung und Eure Freiheit ist unsere Freiheit. jGroßer Beifall.) « In einer Delegiertensitzung sprach Dr. Sender über den nationalsozialistischen Terror an der Saar. Es wurde be- schlössen, eine A m ne st i e iür die antifaschistischen Opfer der Justiz zu verlangen. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, daß jedes Zusammengehen mit der „deutschen Front" sofortigen Ausschluß aus der Sozialdemo- kratischen Partei nach sich zieht. Ein Drlel von GHles „Letzter Hafen der deutschen Freiheit" Anläßlich der Freiheitskundgebung an der Saar hat die Labour Party an Max Braun folgenden Brief gerichtet: »Lieber Genosse Braun! Auf Ihren Brief vom 30. Oktober teile ich Ihnen mit, daß ich tief st« ns bedauere» daß unsere Partei an Ihrem außerordentlichen Parteitag, aus dem ie Sozial- demokratische Partei des Saargrbietes ausgerufen wird, nich« teilnehmen kann. Die Unterdrückung jeglicher Gedanken». Rede» und Publikationsfreiheit in Deutsch- land, der Selbftausschluß Deutschlands aus aller intellektuellen und moralischen Zusammenarbeit mit der übrigen Welt ist eine der größten Tragödie« der modernen Zeit. Die Unterdrückung jeder organisatori, scheu Freiheit und jeder Aktivität zum Wohle der Arbeiter oder anderer minderbemittelter Bevölkerungskreise in ökonomischer, politischer, kultureller und künstlerischer Re» ziehung ist nur die zwangsläufige nnd vervollständigend« Entwicklung des vollkommenen Verzichts aus die Menschenrechte. Wir teilen und unterstützen di« Hofs» nongen und Wünsche der Saarsozialisten, an derSaareinenletztenHafensürdiebeutsche Freiheit unter der Führung der Arbeiter- ichast und inspiriert von der Idee des Sozialismus zu schaffen und zu erhalte». Mit brüderlichen Grüße» Ihr William Gill«»." Van der lubbe erwacht I Sdircdfcnsurtelle Antwort auf sahireiche Fragen „Das weiß ich nicht" Als nächster Zeuge wird dann der Hilfsgärtner Müller, ai r* WanùcrfoUegc des bereits vernommenen Zeugen Orga- nntka, vernommen. Dem Zeugen wirb die Aussage Orga- rnstkas vorgehalten, wonach Milte Oktober 193t:n'oer Nähe »ob Konstanz eine Begegnung mit van der Lubbe und einem ?P.. ten Wanderburschen stattgefunden hat, bei der ver- politische Äeußerungen gefallen find. Der Zeuge Okulier kann jedoch kaum genaue Angaben machen. Auf die zahlreichen Fragen des Borsitzenden antwortet er meistens: DaS weiß ich nicht, oder das kann ich nicht bestimmt sagen. Der Angeklagte van der Lubbe wird nun vor den Richterttfch geführt. Er steht auch hier aufrech! und es bc- darf keiner Ermahnungen, den Kopf zu heben. Der Zeuge Müller erkennt van der Lübbe als den einen Wanderburschen wieder Der Vorsitzende richtet jetzt mehrere Fragen an van der Lubbe. die dieser auch im Gegensatz zu seinem frühe- ren Verhalten bereitwilligst beantwortet. Allerdings widersprechen sich seine Antworten fast durchweg. Hat er gerade eine Frage des Vorsitzenden bejaht, so verneint er sie ein paar Augenblicke später. Den Zeugen Müller will van der Lubbe nicht kennen. Auch in Konstanz will er zu der ange- «ebenen Zeit nicht gewesen sein. Der Angeklagte Dimi troff richtet dann zahlreiche Fragen an van der Lübbe, die dieser nur einsilbig bcant- wortet. Der Vorsitzende sieht sich schließlich gezwungen, einzugreifen und Dimitroff zu ersuchen, feine Fragen in ruhigem Tone zu stellen, da fönst der Eindruck entstehe, daß tt jemanden Einschüchtern wolle. Die Verhandlung wird dann durch eine Mittagspause unterbrochcn. M. d. R. im brennenden Reichstag AlS Zeuge wird hierauf der nationalsozialistische Reichs- kagsabgeordnete Land- und Volkswirt Dr. A l b r e ch t ver- nommen.— Vors.: Der Zeuge Pförtner Wendt hat schon bekundet, daß mährend des Reichstagsbrandes noch jemand aus dem Portal S gelaufen und von der Polizei zurückgeholt worden ist. Sie haben schon früher gesagt, daß sie dieser Mann gewesen sind. Was können Sie dazu noch sagen? Zeuge Dr. Alb recht: Ich wohnte damals in einer Pen- sion, die nur etwa 50 Meter vom Portal S des Reichstages entfernt war. Am Abend des 27. Februar lag ich wegen Grippe im Bett. Das Hausmädchen der Pension rief durch die Tür:„Der Reichstag brennt!" Daraus bin ich trotz meiner Erkrankung sofort auS dem Bett gesprungen, weil in meinem Wandschrank in unserem Umgang neben dem Plenarsaal wichtige Familienpapiere von mir aufbewahrt waren, die ich unbedingt retten wollte. Am Portal 5 rief man mir zwar zu:„Halt, hier kommt niemand mehr herein!", aber als ich meine Abgeordnetenkarte vorzeigte, wurde ich eingelassen. Ich riß schnell die von mir gesuchten Papiere Heraus und stürmt« in größter Eile denselben Weg zurück und a»S dem Reichstag heraus. So habe ich tatsächlich, wie es nachher in der Zeitung hieß, fluchtartig den Reichstag verlasse,r. Torgler: Tie haben doch sicher auch die Zeitungsmel- dung gelesen, daß Kocnen und ich fluchtartig den Reichstag »erlassen hätten- Kam Ihnen da nicht der Gedanke, daß vielleicht eine Verwechslung mit Ihnen vorliege?— Zeuge: Dieser Gedanke kam mir deshalb nicht, weil ich ja allein war und weil zwischen uns nicht nur politisch, sondern auch rein äußerlich ein großer Unterschied bestanden hatte. Die habe ich auf einem Hos gesehen.— OberreichSan- wall: Hat Sie jemand zu dieser Frau geschickt?— Van der Lubbe: Nein— Dr. Tri chert: Wo hat van der Lubbe das Essen von der Frau in Hennigsdorf bekommen? In der Wohnung oder auf dem Hof?— Lubbe: An der Tür.— NA. Dr. P olkmann: Er hat gejagt, daß er auch Geld bekommen hat.— Van der Lubbe unterbricht den Fragenden und sagt: Ich habe kein Geld bekommen!— Vorsitzender: Sie haben doch aber vorhin bejaht, als gefragt wurde, ob Sie Geschenke und auch Geld bekommen hätten. Haben Sie irgend etwas von den Männern be- kommen?- Lubbe: Nein!— Dr. Polkm ann: Haben Tie Empfehlungen an andere Leute bekommen?— Lubbe: Rein!— Dr- P olkmann: Wie lange hat er sich mit den Männern unterhalten?— Lübbe: Fünf Minuten.— Der Zeuge Grawe erklärt, das könne stimmen, denn er habe ihn höchstens ein paar Minuten beobachtet.— Vor fitzender zu van der Lübbe:'Rahmen Sie an. daß die Männer Kommunisten waren?— Lubbe: Nein, das kann ich nicht sagen.— Dann stellt der Angeklagte Dimitroff Fragen anvanderLubbe.die Lübbe prompt beantwortet. Seine Antwort erfolgt manchmal, noch ehe die Frage beendet ist. Dimitroff' Wer war außer ihm im Asyl anwesend?— Lubbe: Noch einer.— Dimitroff: Haben Sie mit dem gesprochen?— L u b b e: Nein— Dimitroff: bat er mit Beamten vom Asyl gesprochen?—Lubbe: Ja.— Dimi- t r o s f: Außerdem auch mit anderen?— Lübbe: Nein.— D i m I t r o f f: Ist er allein nach Berlin am nächsten Morgen gegangen?— Lubbe: Allein.— Dimitroff: Gottfei- dank fpr'cht er etwas mehr- Vielleicht können wir weitere Fragen stellen— Der Zeuge bat gesagt, Hennigsdorf sei als Hochburg der Kommunisten bekannt. Im Zusammenhang damit frage ich, ob damals in, Februar 1983 in Hennigsdorf nicht auch viele Nationalsozialiften gewohnt haben. Bei dieser Frage Dimitrosfs murmelt»an der Lübbe halblaut etwas vor sich hin. Als der Vorsitzende ihn fragt, was er gesagt habe, antwortet van der Lubbe: Es sind dort schon Nationalsozialisten gewesen.— D i m t t r o s s: Er weiß also Bescheid.— Bors.: Waren viele Kommunisten in Hennigs- dors?— van der Lubbe: Die habe ich nicht gesehen.— Vors.: Wissen Sie, ob viele Kommunisten in Hennigsdorf gewohnt haben?— Lubbe: Nein.— Vors.: Sie sagten, daß dort viele Nationalsozialisten waren. Woher wissen Sie ?— van der Lübbe: Weil ich sie dort gesehen V»n der Lübbe in Hennigsdorf Es wird dann der Friseurmeister Grawe aus HennigS- dorf vernommen. Er erklärte, Hennigsdorf sei immer eine Hochburg der Kommunisten gewesen. Ihr geistiger Führer ivar ein gewisser Schmidt, der in der letzten Woche erneut »erhaftet worden fei. Am Morgen des 27- oder 26. Februar hat der Zeuge im Flur seines Haufes van der Lubbe im Ge- sprach mit der Schwester des Schmidt und drei anderen, dem Zeuge» unbekannten Männern gesehen. Der fremde Typ van der Lübbes sei ihm aufgefallen und er habe sich die Ge- sichtszüge genau gemerkt. Der Vorsitzende richtet an den Angeklagten van der Lubbe eine Reihe von Fragen, die dieser stockend und wider- spruchsvoll beantwortet. Aus den Antworten van der Lübbes geht schließlich hervor, daß er die Leute, die im Flur bei Grave standen, nicht gekannt hat. Er sei in das Haus ge- gangen, weil er Essen haben wollte. Er habe auch Essen be- kommen. Er sei nach Hennigsdorf von Spandau her ge- wandert wo er einer öffentlichen Demonstration der Na- tionalsozialisten beigewohnt hatte. Warum er gerade nach Hennigsdorf gegangen ist. kann der Angeklagte nicht an- geben. Kreuzfeuer von Fragen Oberreichs alt malt: Wie sind Sie mit der Schwester de» Schmidt zusammengekommen?— Van der Lubbe: denn das? habe in Uniform.— Dimitroff: Meiner Ueberzcugung nach ist die Brücke zwischen van der Lubbe und dem Plenar- saal des Reichstages über Hennigsdorf gegangen.— Vor- sitzender sunterbrechendj: Das sollen Sie nicht sagen, denn dadurch könnte die objektive Aussage des Angeklagten van der Lubbe beeinflußt werden-— Dimitroff: Ich frage den Angeklagten van der Lubbe: Ist es richtig, daß es kein Zufall ist. daß er am-26. Februar in Hennigsdorf über- »achtet hat?— Vorsitzender: Tie sollen keine Suggestiv- fragen stellen und das war eine. Ich frage van der Lübbe, aus welchem Grunde sind Sie nach Hennigsdorf gegangen und haben dort übernachtet?— Lübbe schweift zunächst und der Dolmetscher übersetzt daun sei«? Antwort dahin: Weil ich dort gut schlafen könnt«. jHetterkeit)— Dimitroff: Dort konnte man also gut schlafen Ist es richtig, daß er von dort nach Berlin gefahren ist, daß an diesem Abend ein Brand im Reichstage gewesen ist und daß er dieser Brand- legung persönlich beigewohnt hat?— Vorsitzender: Ich will noch einmal fragen. Van der Lubbe, haben Sie die Brandstiftung ausgeführt?— Lübbe: Ja.— Vors.: Das ist die Quintessenz der ganzen Untersuchung. Ich muß es aber ablehnen, Dimitroff, nun gewissermaßen unter Ihrer Direktive nochmals das ganze Verfahren aufzurollen.— Dimitroff: Ich frage, ob eS richtig ist, daß er das nicht allein gemacht hat.— Bors.: Haben Sie die Brandstiftung allein gemach« van der Lübbe?— Lübbe: I«.— Bors,: War niemand dabei?— Ludst«: Nein!— Bors: Und es hat Tie auch niemand dazu veranlaßt?— L« t b«: Nein. Als Dimitroff weitere Fragen stellt, ersucht Ihn der Vorsitzende, ruhig z» bleiben Die Art seiner Frage- stellung wirke suggestiv und sei wahrscheinlich eine de- absichtigtc Beeinflussung.— Angeklagter Torgler: Ich bitte die Frage an Lübbe zu richten, woher er die slüss'gen Brennstoffe hatte und wie er sie in das Haus gebracht hat.— Lubbe: Die habe ich gekauft. Da van der Lubbe die Frage möglicherweise nicht richtig verstanden hat, wird sie ihm noch einmal übersetzt und darauf erklärt er: Es war nicht flüssig, sonder« Pake,«. sDer Angeklagte lacht) Vorsitzender: Mit den Kohlenanzündern können Tie doch aber den Reichstag nicht angesteckt haben?— Lübbe: ES waren aber nur die Pakete.— Vors.: Ich halte eS für besser, daß wir die Befragung nach den Einzelheiten jetzt nicht stattfinden lassen. Lubbe l»at noch Zeit genug, sich darüber zu äußern. Wir werden doch noch einmal den Verlaus des Brandes mit ihm durchgehen müssen. Dann wirb die Verhandlung auf DienStag vertagt. 01« Stimm« des Volkes Man hört sie vor dem Sondergericht Das Sondergericht s it r die Pfalz hatte sich am '• November u. a mit folgenden Fällen zu beschäftigen: Der Tagner Friedrich Pfaff aus Tauscnheim hatte am 13. September 1938 auf dem Felde bei Kirchhcim a. Eck zu einem Eifenbahnbeamten geäußert, er glaube nicht an die Arbeitsbeschaffung. Hitler greise die Großen nicht an. Der Angeklagte leugnete in der Verhandlung, diese Aeußerung getan zu haben. Er wurde aber durch die Aussagen des Hanptzeugen überführt. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn fünf Monate Gefängnis, das Urteil lautete aus vier Monate Gefängnis. Angeklagte gibt die Äeußerungen zu und wurde vom Gericht entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In seiner Wohnung in Landstuhl soll nach der Anklage der Schlosser Hermann Kasel aus Landstuhl gegenüber einem Bekannten die Aeußerung gebraucht haben, Hitler und zwei andere, nämlich Göbbels und Göring seien die Reichstagsbrand st iitcr. Der Angeklagte bestritt in der Verhandlung entschieden, die Aeußerung in diesem Sinne getan zu haben. Er will lediglich gesagt haben, daß er dies in einem Flugblatt gelesen habe, das er auf seiner Arbeitsstelle im Saargebiet gelesen habe. Der Staatsanwalt hielt jedoch den Angeklagten für überführt und beantragte vier Monate Gefängnis, Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus und sprach eine Strafe von sechs Monaten aus. Vor Beginn der Arbeitszeit im Zschotke-Werk in Kaisers- lautern unterhielten sich die Arbeiter über die neuesten Er- eignisse. Dabei äußerte der Maschinenarbeiter Karl Müller aus Kaiserslautern am 17. Oktober 1983 zu seinen Arbeits- tollegen:„Habt Ihr schon gelesen, waS in der Lügen- p r« s s e steht? DaS ist genau so. wie damals bei dem Ueber- fall auf die„Freie Presse". DaS waren nur die Nazi- banbitrn!" Der Anaeklagte erklärte in der Verhandlung, baß er nur feinen Arbeitskollegen mitgeteilt habe, weiße Greuelnachrichten in der ausländischen Presse erscheinen würden. Aui Grund der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten»ünl Monate Gefängnis. Das Urteil lautete aus drei Monate Ge- f ä n g n i s. In der Wohnuna des Polizeibieners in Nußbach machte der 1867 geborene Landwirt Karl Schwarz aus Nuß- bach am 2. Oktober 1988 dumme Bemerkunaen über die ReichSr^gierung bezüglich des Rück- ganges unserer Ausfuhr und gebrauchte hierbei auch die Aeußerung, der ReichStagsbrandstistcrprozeß sei her größte Schwindel, bei dem nichts herauskomme. Ter Der Schiffer Anton Schneider aus Mannheim hatte am 8, Oktober tn der Wirtschast«Zum Reinhaken" in Speyer erklärt, die 2,5 Millionen Arbeitslose seien nicht in Arbeit gebracht, sondern tn Konzentrationslager überführt worden und in einem Brief habe er gelesen, daß die Herren von der Regierung im Auto her- umfahren, die aus den beschlagnahmten GewerkschastSgeldern angeschafft worden seien. Der Angeklagte will betrunken aewesen sein und sich an nichts mehr erinnern können. Er wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. (AuS dem„St. Jugberter Tageblatt" Nr. 260.) Sondergericht Stuttgart Der bisher unbescholtene Söjährige Mechaniker Wilhelm Maier von Kirchheim u, T. fand eines Morgens unter seiner Haustür eine Nummer der kommunistischen^?r>- büne". Statt das Heyblatt sofort zu vernichten, gab er es einem Geichästskollegen zum Lesen. Nach der Rückgabe wurve er verraten. Zum Verlust seiner Arbeitsstelle trat jetzt noch eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Beantragt waren acht Monate. Bor vier Wochen verurteilte das Sondergericht drei Rtirtinger Kommunisten zu je fünf Jahren Zuchthaus, weit sie es in der Nacht zum 9. Dezember v. I. unternommen haben, einen bei Raidwangen aufgestellten Eisenbahn' wagen, in dem ein Genosse zwangsweise eingemietet wer- den sollte, mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Die Spren- gung hatte nur geringe Wirkung, der entstandene«waden betrug nur 10 Mark. In der ersten Verhandlung wuroe ein Mitangeklagter wegen Beihilfe zu zwei Jahren Zucht- haus verurteilt Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der 31jährige H'ssarbeiter Paul Faujel von Nürtingen einen der Täter darüber unterrichtet hat wie Sprengungen vor- zunehmen sind. Fausel bestritt vor dem Sondergericht, baß er gewußt habe, was beabsichtigt gewesen sei. Er wurde ins Unrecht gesetzt durch einen der Attentäter, der früher an- gegeben hat, daß er mit Faujel nicht nur über das Vorhaben gesprochen, sondern auch die Mittäler genannt habe. ZU einem anderen Attentäter hat Fausel am Tage nach der Sprengung gesagt:„O ihr Dackel, euch braucht mau nur etwas anweisen, dann macht ihr es falsch!" Mitangeklagt mar der 30jährige Hilfsarbeiter Christian Ebinger von Nürtingen, der von dem geplanten Spreng- attentat Kenntnis, es aber unterlassen hatte, die im Para- graph 13 des Sprengstoffgejetzes vorgeschriebene Anzeige zu erstatten, Ebingcr bestritt dies, einer der Täter bebaupiete aber gereizt, daß der Angeklagte noch viel mehr gewußt habe. Das Gericht sprach die beantraglen Strafen aus: gegen Fau- s«l zwei Jahr« Zuchthaus und gegen Ebinger drei Mona'« Gefängnis. Die Ttraßenwalzführer Adolf S ch m i d und Johannes H a r t m a n n, 23 bzw. 30 Jahre alt, waren im Oberland mit Straßenwalzarbeiten beschäftigt- Am Abend des 10. Juiü tranken sie in einer Wirtschaft in Dachhausen über den Durst. In angeheitertem Zustande machten beide ehrver- letzende Äeußerungen über das Verhalten des Reichskanz- lrrs im Felde: als Gewährsmann berief man sich auf einen kundigen„Freund", den eS nicht gibt. Kommissarisch ver- nommene Zeugen haben die Äeußerungen unter Eid bekras- tigt. Das betrunkene Geschwätz trug den Angeklagten empfindliche Bestrafungen ein: Schmid fechs Monat«, Hart- man« süns Monate Gefängnis. Der 28jährige Mechaniker Richter von Cannstatt war Insasse des Arbeitslagers Zuffenhausen. Weil er sich„ge- schlaucht" fühlte, verfiel er auf den abwegigen Gedanken, einen Zettel zu schreiben, auf dem es hieß:„Kameraden, laßt euch nicht länger an der Nase herumführen, sorgt für eine Revolte!" und anderes. Richter bekannte sich zu diesem Sachverhalt, den er anfangs bestritten hat. Er hat bezweckt, daß gegen ihm mißliebige Lagervorgesetzte nächtlicherweile von den Lagerinsassen tätlich vorgegangen werbe: jetzt be- hauptet er, daß er nur zu einer allemeinen Beschwerde habe aufmuntern wollen. Das Gericht beließ dem Angeklagte» von den beantragten anderthalb Jahren ein J«hr Gefängnis. Schlcslsrher Brief mit Verspätung zu»ns gelangt Aus Schlesien wird berichtet: In Ltebau marschierte am Tonntag, 22. Oktober, eine TA.-Abteilung aus. wobei jeder Mann ein fabrikneue» Gewehr M o d ell 9 8. hatte. Im ganzen Gebiet soll d>e TA. so bewaffnet worden sein, darüber fehlt aber»ow Näheres. In der gleichen Stadt hat b'c SS, neue Uniformen bc- kommen, außerdem tragen alle SS-Männer Seitenge- iv c h r c und Pistolen sichtbar Die SS. gilt als besondere Polizeitruppe. In L t e b a u war seit Jahren die Fabrik„G l a s h ü t t e n- w c r k e- A.- G", die früher 160 Arbeiter beschäftigte, stillgelegt. In allen früheren Nazi-Versammlungen wurde ver spräche», daß der Betrieb nach der Machtergreifung wieder eröffnet w'rd. Jetzt ist das Werk an die Firma Spiller Landeshut luatürlich ein Naziunternehmerj für 300 Hi» 1' auf Abbruch verkauft worden. Di« Arbeiter, die den Betrieb abbrechen, erhalten 40 Pfennig Stundenlohn und haben aui etwa 6 Wochen Beschäftigung. Am Sonntag, 8. Oktober, verkündete der BreSlaner Tender abends nach dem SA. Ausmarsch, daß die arme Bevölkern»» von Breslau sich das Essen, das übrig geblieben sei, an bc" Feldküchen abholen solle. Die auswärtige SA- hat aber, obwohl sie den ganzen Tag marschierte bzw. aus dem Flug- platz stand, nichts zu essen bekommen. Teilweise marsch ertc» die Abteilungen ohne Beseht früher ab, weil die Leute 1"» kaum mehr auf den Beinen halten konnten- Als diese Leu' von der Radiomeldung hörten, schimpften sie gotterbärmllw und behaupteten, daß Essen überhaupt nicht ausgegeben worden sei, eS sei nur so viel gekocht worden, wie am Abc» verteilt worden sei. Be'm Kosumverein Z i e g e n h a l S ist jetzt bereits der zweite Nazikommissar wegen Unterschlagung vc» hastet worden- „Sinnvolle Ehrung" Münch-», 18. November lJnpreß) Unter der Ueberschr>st „Sinnvolle Ehrung" schreibt die Naziprcsse, daß dem deSbauernführer und Staatssekretär für Landwirtschai' Georg Luber, zum Dank für seinen unermüdlichen»»he Kamps der Erbhof Hirschwang als Ehrengeschenk der bay tischen Bauernschaft gemacht worden ist" Nicht das Volk, aber die„Führer" untereinander wach^ sich gegenseitig die„sinnvollsten" Geschenke: dein Re>«- Präsidenten ein weitered Gut. dem Preußischen Ministerpr» sidenten Göring ein Gut in Bayern und fetz! sogar e ,n f,> in der breiteren Oeffentlichkcit unbekannten„Baiie^nsüvrc- einen Erbhof.— Bei den Marxisten war eS schon..Korr' tion", wenn ein„Bonze" aus eigenen MI teln ein lungShänScheu baute Verboten wurden folgende Druckschriften:„Die Wahrheit über^ Reichstagsbrand",„Bremer Arbeiter-Zeitung", Nr. 40> konnten also 46(!| Nummern der illegalen Zeitung l e scheinen, ehe die Polizei von ihr Kenntnis erhielt»,»V',* Attentate",„Revolutionärer Gewerkschaftskampf". Deutsche Blätter" fPragf. Wegen Unsittltchkeit wurde" „Lehrbuch der Liebe und Ehe" von Franz Blei, Avalun-V^ lag, Hellerau, verboten. l.Kriminalpolizeiblatt" 1698«" 1694.) stet»! fist die„OwrtscM FreiMst"' I Statistiken,«ne sich schlagen Selbst die wachsamste Behörde kann nicht verhindern, daß gelegentlich wahre und ausschlußreichc Meldungen an die Qcfsenlltchkeil gelange». Das statistische Reichsamt vcr- öffentlicht soeben zwei Statistiken, aus denen man außer- ordentlich interessante Dinge über die deutsche ArbeitSloicn- bekampsung erfährt. Aus den ersten Blick haben beide Zahlenrethen wenig mit der Tache zu tun. Das eine ist die allmonatliche Erhebung über die Beschäjtigungslage der Industrie, die sogenannte „Industrieberichterstauung". Das Institut kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, daß seit Januar nicht nur die Zahl der beschäftigten Arbeiter größer geworden ist iangcb- lich um 23 Prozents, sondern daß gleichzeitig auch die durch- schntttltche Arbeitszeit gestiegen ist. und zwar von 6,7 auf 7,17 Stunden täglich! oder um gute 7 Prozent. Diese Feststellung berührt sehr merkwürdig, wenn man sie mit den vielen Siegesmeldungen über den Fortschritt der Arbeits-Ttreckung vergleicht. Wie kann die tägliche Arbeits- zeit wachsen während die gesamte Industrie zur Kurzarbeit übergeht? Aber die Berechnung wird noch seltsanrer, wenn man sie zu einer anderen Erhebung des Instituts in Parallele ievt. Das Institut will nämlich festgestellt haben, daß das deutsche Arbeits-Einkommen tder gesamte Bruttovcrdlenit ocr Art».l- ter und Angestellten! seit Hitlers Machtantritt sich sehr ver- größer! habe- Gegenüber 6 Milliarden im ersten Viertel- jähr soll er 6,8 Milliarden im dritten Quartal betragen haben. Auch diese Berechnung ist natürlich schon deshalb höchst fragwürdig, weil das erste Quartal immer ziemlich land- arbeiterlos ist, während das dritte ein Quartal landwirt- jchaftlicher Bollbeschäftigung ist. lEbcnso mit Bauarbeitern usw.s Tie Gesamt-Lohnsumme des Landes muß also ceteris paribus im 3. Quartal notwendigerweise höher sein als im ersten. Weiter ist zu der Berechnung anzumerken, daß sie kein Bild der Massenkauskraft gibt, obwohl sie ja gerade beweisen soll, daß die Mafsenkauskrast heute höher liegt als vor Monaten. Denn wenn seit Januar die Zahl der Ar- beitSloseu um 3 Millionen gesunken sein soll, so heißt das, Margarine daß bei einem Unterstützungssatz von monatlich SO Mark die Unterstützungsjnmme im Bierteljahr nm afltz Millionen zurückgegangen ist. Oder anders ausgedrückt: daß die Mafsenkauskrast statt der offizielle» 80(1, nur um knapp 300 Millionen stieg. Tatsächlich würde der objektiv« Beobachter, der diese beiden Faktoren in Rechnung stellt, üatt der amtlich fek»aestelltcn Steigerung also eine Senkung der Massenkaus- kraft feststellen müsien,— eine Senkung, wie sie alle andere« Berichte aus Deutschland, und ganz besonder» auch die dau- ernd rückgängigen Einzelhandelsumsätze, bestätigen. Aber selbst wenn wir für einen Moment diese ojsiziellcn Zweckstatistiken akzeptieren, bleibt immer noch ein unauf- löslicher Widerspruch, denen Nachweis diese Zeile» gelten. Die Jndustrteftatistik behauptet, daß die Ardeit»-Z« i t um 7 Prozent gestiegen sei. Die Arbeitslosen-Statistik behauptet, daß gleichzeitig die Arbeiter-Za hl um 23 Prozent gestiegen sei. Wie kann es dann zugehen, daß die Gesamt-Arb«its- Einkommen sich nur von» auf OZ Millionen, also nm weniger als 11 Prozent, erhöht haben? Wie erklärt sich der Widerspruch? Die Lohniarise sind in diesen neu» Mona- ten angeblich nicht verändert ivorden. Räch der Arbeitszeit- staiistik hätten also schon die alten Arbeiter 7 Prozent mehr als im Januar erhalten müsien. Die neueingestellren hätten weitere 28 Prozent von 107 Prozent, das sind rund 25 Prozent mehr erhalten müsien. Zusammen rund 32 Prozent. TaS Gesamt-ArbeitS-Einkommen hätte von 6 auf 8 Milliarden steigen müssen, nicht auf 6.8! Tie Unvereinbarkeit ist flagrant! Offenkundig muß m in- besten® eine der drei offiziellen Behauptungen unwahr sein: entweder ist die Arbciterzahl nicht so gestiegen oder die Arbeitszeit ist nicht größer geworden, oder der Tarikloh« ist nicht eingehalten worden. Was dies letztere andelaugt, so hieße das einfach, daß man unter scharfer Kürzung des Einzcllohnes eine größere Arbeiterzahl beschäftig». Dies würde man woht nicht anders als Verelendung nennen kön- ncn; und von einem anderen Standpunkt aus gesehen, ein Dumping nicht nur mit Tpcrrmark und Serips, sondern auch mit Zchleuder-Löhne». Die dritte Verordnung über gewerbsmäßige Herstellung »on Erzeugnissen der Margarinefabriken und Qclmühlen IRABl S. l 255) erklärt, daß die bisherige Reglung tnso- kern einen Mangel ergeben habe, als die minderbemittelte Bevölkerung nicht die Sicherheit hatte, billige Konsum- margarine zu erhalten. Der Händler war nicht verpflichtet, die billigen Sorten nur an Minderbemittelte abzugeben,' auch verfügte er in einzelnen Gegenden nicht immer über ausreichende Vorräte. Ab 1. November haben die Minder- bemittelten Anspruch aus Zuteilung bestimmter Mengen Haushaltmargarine, für die ein Kleinverkaufshöchstpreis von 0,88 RM. je Pfund festgesetzt ist. Dir Packungen tragen den Ausdruck:„HauShaltmargarine: Abgabe nur gegen Be- zugSschein". Pro Monat kann jeder Berechtige eineinhalb Piund beziehen, sofern er rechtzeitig vorher den Stamm- abschnitt mit dem Bestellschein bei der Verkaufsstelle vorlegt. Eine Erweiterung des Kreises der Bezugsberechtigten tritt nicht ein. Für die Zeit vom 1. November bis 81. Dezember erhalten die Berechtigten einen ReichSverbilligungsschein für Speisefett, der beim Kauf von mindestens einem halben Pfund der auf dem Stammabschnitt angegebenen Jettwaren mit einem Wert von 0,25 RM. in Zahlung gegeben werden kann. RheiRlsdif Braunkohle klagt Das Rheinische Brannkohten-Tundikai GmbH, in Köln hatte in dem am 31. März d. I. abgeschlossenen Rechnungsjahr eine» Absatz an Briketts von rund 8.V Millionen Tonnen zu verzeichnen igegen 9,43 i. V>. Wie der DHV. hört, ist in der ersten Hälfte des lausenden Rechnungsjahres, also bis Ende September, der Absatz an Briketts insgesamt ungünstiger gewesen als in der entsprechenden Borjahrs- zeit livährend sich der Absatz von roher Braunkohle, der für das gesamte ganze Jahr 1932/38 rund 9,57 Millionen Tonnen betrug, und gegen den vorjährigen Absatz nur u m J /» Prozent zurückgeblieben war, mindestens nicht vermindert hat.) Wie bekannt ist, dienen vom Brikettabsatz de? Snndjkats rund 85 als Hausbrand und nur 15 Prozent siehe» an die Industrie. Der Absatz von Briketts a» die Industrie hat sich in der ersten Hälfte des laufenden Rechnung®» jahres gegenüber dem der entsprechende» Vorjahrszeit ahn- lich vermehrt, wie die Beschäftigung der heimischen Industrie durchschnittlich gestiegen ist. Das dürste etwa 10 Prozent sein. Dagegen war bei Hausbrand, der für das Syndikat weit Mehr ins Gewicht fällt, ein prozentweise zwar nicht hoher, aber doch so ansehnlicher Rückgang zu verzeichnen, daß der Gesamtabsatz an Briketts, wie schon erwähnt, hinter dem vorjährigen um einige Prozent zurückblieb. Tie Ursache für die Abnahme deS Absatzes von Hausbrand läßt sich nur vcr- Mute». Nach Informationen de? DHD. dürfte dazu die weitere Verschärfung der allgemeinen Geldknappheit bei- sictragen haben, weil sie das Hinlegen von Vorräten immer weniger zuließ Sodann hat das A u stand, das vom Syndikat nur Hausbrand zu beziehen pflegt, infolge der Ein- schränkungsmaßnahmen iveiiiger bezogen. Ein weiterer Grund für die Verringerung des Absatzes von Briketts zum Hausbrand dürfte in dem sogenannten Kokskampf zu suchen sein der sich am süddeutschen Markt abspielte. Torthin haben die Bergwerke des Aachener und des RuhrbezirkcS Koks bei Prcisherabse Hungen bis um 35 Pro- î e n t geliefert, so daß süddeutsche Händler ihre verfüg- baren Mittel durch Koksankäufe anlegten und für Braun- kvhlebriketts weder Geld noch Lagermögltchkciten be- laßen. Band als Keckitsönt Urteil gegen einen Gewerkschaftssekretär Ein GewerkfchafiSfekr«t«r in Frankfurt klagte gegen den Teutschen Arbeitervcrband der öffentlichen Betriebe in Berlin vor dem LandesarbeitSgcricht in Frankfurt als'Bern- suiigZInttanz aus Grund folgenden Tatbestandes: Ter Kläger war in der genannten Freien Gewerkschaft bc sck'äsligt Aus der Sozialdemokraliichcn Partei trat er Ende Februar 1938 au». Im Zuge der nationalsozialistische» Revolution wurde er mit Schreiben vom 29. 6. 33 von dem letzt beklagten Verband, der der Deutschen Arbeitsfront anschürt. fristlos gekündigt. Grund:«erdacht der Ttaatsfeindltchkcit Geklagt wird nunmehr auf Zahlung des Schalls für die«ündigungSmonate. die bei Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist zu bezahlen gewesen wären. Tie fristlose Entlastung wird als grundlos bezeichnet. In der ersten Instanz- Arbeitsgericht Frankfurt a. M wurde die Klage kostenpflichtig abgewiesen, da die 'ristlose Kündigung objektiv berechtigt geweien sei. Zu» Begründung der Berufung machte der Klager u. a Selten» daß er zwei Monate unter der neuen Leitung ohne Beanstandung«» gearbeitet habe, nachdem er aufgefordert ivorden sei, eine Erklärung abzugeben, falls er sich der nationallozialistischcn Leitung nickt unterstellen könne. Eine solche Erklärung sei nicht abgegeben worden- Er sei Februar freiwillig aus der SPD. ausgeschiede» und seine weitere Tätigten sei reibungslos gewesen. Die Beklagte beantragte Abweisung des Kläger», n. a. auch deshalb, weil sie nicht passiv legitimiert sei. Bis zum 2- 5. 1933 habe der Gesamtverband als Freie Gewerkschaft»nter marxistischer Führung gestanden. Dann habe die RSBO. die Leitung übernommen. Ihre Erklärung— so auch gegenüber dem Kläger über sein« eventuelle Weiterbeichästigung— seien für die Deutsche Arbeitsfront»nd damit den beklagten Ber» band unverbindlich, da sie nicht Rechtsolger des Gesamt« verbände» sei. Auch die Berufung wurde am 12. Oktober zurückgewiesen. Aus den EntscheldungSgründen sei mitgeteilt: Die Passiv« legitimation der Beklagten wird verneint. Ein Anstellung»- vertrag zwischen den streitenden Parteien besteht nicht, da der„Gesamtverband der Arbeitnehmer ddr öffentlichen Be- triebe und des Personen-»nd WagenverkehrS" nicht per» jonengleich mit dem.Deutschen Arbeiterverband der öffentlichen Betriebe" ist. Der Zweck des Gesamtverbandes war seiner geschichtlichen Entstehung nach auf der marxistischen Klassenkampstheorie aufgebaut und erschöpfte sich in der Wahrung der Interessen seiner Mitglieder zur Erlangung besserer Arbeitsbedingungen gegenüber anderen Berussver- bänden und gegenüber dem Unternehmer. Zu seiner Haupt- aufgäbe gehörte der Abschluß von Tarifverträgen. Der be- klagte Verband dagegen gliedert sich in die gesamte Deutsche Arbeitsfront ein. die neben der Angestelltensitule die Säule der Unternehmer mit umfaßt nnd ein organisches Glied im ständischen Aufbau ist. Er strebt nach einer innungSäHn- lachen Zusammenfassung sämtlicher Arbeitskräfte des gleichen Wirtschaftsstaildes und damit nach einer öffentlich-rechtlichen Korporation hin- Ter Abschluß von Tarifverträgen ist nicht seine Tache, sonder Sache der Treuhänder der Arbeit. Diese Aenderung des BereinsziveckS beruht nicht auf der Willensbildung des früheren Vereins, sondern ans dem von der Regierung eingeleiteten Neubau der Wirtschaft. Wohl sind der Mitgliederbestand die äußere Organisation und die Einrichtung des Gesamtoerbandes praktisch in den beklagten Verband ausgegangen, de», Wesen nach ist aber etwas vüllia Neues geschaffen, ein nenes Rechlsfubjekt, das sich von der sogenannten Gleichschaltung anderer Ver- bände, die sich freiwillig dem Leiter der Arbeitsfront unter- stellt habe», unterscheidet. Kommt somit eine Gleichheit der Rechtspersönlichkeit nicht in Frage, so liegt auch keine Gesamtrechtsnachsolge vor, da diese die Uebernahme deS Vermögens durch Vertrag voraussetzt. Die Beschlag- »ahme des Vermögens der früheren Fre'en Gewerkschaften erfolgte aber zunächst im Interesse der Sicherung der Ver- mögensrechle der Mitglieder, hatte also Sicherungszweck und ich später im Wege der Gesetzgebung bestätigt worden. Aus dieser Beschlagnahme ergibt sich, daß di« Arbeiierverbänbe der Deutsche» Arbeitsfront hinsichtlich der VermögenSverival- lung nur Treuhänder und dem Staat für die Erfüllung ihrer Aufgaben verantwortlich sind.. Auch eine analoge Anwen- dung des Begriff» der Gesamtrechtsnachsolge wird abgelehnt. Schließlich war»och zu prüfen, ob der beklagte Verband im Wege ausdrücklicher oder stillschweigender Vereinbarung in den Arbeitsvertrag mit dem Kläger eingetreten ist. Auch dieö wurde verneint unter dem Hinwegs, daß der beklagte Verband erst im Juni neugebildet wurde. Er bat innerhalb einer nicht übermäßig langen Frist eine Nach- Prüfung des Personalbestandes vorgenommen und durch das Schreibe» vom 29. 6. 33 zu erkenne» gegebe», daß er de» Kläger nicht übernehmen wolle. Wen» der Kläger bis zu diesem Zeitpunkt beschäftigt worden ist. so erklärt sich dies zwanglos dadurch, daß die Neubildung bis zu diesem Zeit» punkt im Flusse war. ES erübrigt sich deshalb aiich. auf die Frage einzugehen, ob der Vertrag fristlos gekündigt werden konnte- Da das Urteil grundsätzliche Bedeutung hat, wurde die Revision zugelassen. Oie Wirte bankrott Tic„Voss. Ztg." schreibt: Von allen Seiten geht man daran, den Stand der Gastwirte der Gesundung entgegen- zuführen. Sticht nur von der Bchördenseite her, die für das "on'.essionsn'elen Zuständig ist, sondern auch im Verhältnis Brauerein—Gastwirt wird ersucht, Ordnung in schassen. Bedenkt man, daß die Forderungen der Brauereien an die Gastwirte etwa 400 Millionen betragen sollen, so wird man verstehen, daß die Beziehungen zwischen Brauereien und Gastwirten nicht zur Ruhe kommen können, solange hier nicht eine befriedigende Reglung-crreicht ist. Die Brauereien haben ein Interesse daran, die For- deriingcn flüssig z» machen, da es ihnen selbst nicht gut gebt Tie G a st w i r t e aber sind aus den gl-ichen Gründen ans denen ber Bierabsatz der«ran reien aus die Hsslfte des Bor- kricgSabfatzes zurückgegangen ist, nicht in der Lage, ihre Schulden zn bezahlen. Französische Rassenwechsel Das Eomptoir Suropee,, de Eredit in Par's ist im Zuge der Vorbereitungen zum Ausbau des Handelsverkehrs zwischen Frankreich und Rußtand vorgenommen worden, da man in absehbarer Zatwih mit dem Abschluß der noch schwebenden Verhandlungen über einen sravzössich-russiiche« Handeisvertrag und de» damit zusammenhängenden Ausbau einer Finanz,erungsorgannation für die russischen Austräge in Frankreich rechnet. Die Grundzüge dieser Ftnauzierungs- organisation scheinen, soweit man sich schon jetzt ei» Bild darüber mache« kann, im wesentlichen festzustehen. E» ist nämlich beabsichtigt, die recht beachtliche russische Eiusuhr nach Frankreich at» Grundlage für die Finanzierung der russischeu Käufe zu benutzen mit anderen Worten, der russische Export »ach Frankreich soll als Garantie für die Fiuauzieruug der russische« BesieUuuge« a» bW sranzösische Industrie dienen- Als Hauptprodukt kommt dabei Petroteum in Frage, danebe« Holz, Manganerze und einige andere Erzeugnisse- Jus- gesamt hat Rußland im Jahre 1932 Waren im Werte von 519 Mill. Frauken uach Frankreich eingeiührl. davon evü fallen 800 Miss, auf Petroleum und Erzeugnisse daraus, ll Mill, aus Holz und 25 Mill, auf Erze: hingegen betrug die französische Ausfuhr nach Rußland im gleichen Jahr nur 47 Min. Man sieht also, daß der Spielraum für die erwar- teten Finanzieruiigsmöglichkeitcn reckt groß ist. Soviel man hört, ist beabsichtigt, zunächst de» Russen einen in dieser Weise sichergestellten Kredit von 3«» Miss. Franken zu gewähre», wobei die dabei entstehende» Wechsel von dem russischen Raphta-Trust bzw. seiner srauzvstscheii Filiale garantiert »»erden sollen. Hier schaltet sich auch das»en gegründet« Eomptoir ein. indem es durch Hinzufügen seiner Unterschrift den Wechsel rediskontfähig macht nnd ihm also die normalen Bedingungen de? Pariser Marktes eröffnet. Es ist daher be- nierkensivert,»aß an dem Eomptoir sowohl Import- als auch Erportinteressenten beteiligt sind, so z. B- die am Petrv- leum'mport interessierte P ei rosi na Française, die Spitzen- organisation der sranzösi'che» Eisenverbände, die sowohl am Erzimport als anch am Stahlexport beteiligt sein will, sowie Holzimportfirmcn, daneben selbstverständlich verschiedene Exvortintereffenten. Wie die ganze Organisation im ein- seinen arbeiten wird, ist noch nicht vorauszusehen, da die Grundlage für den ganze» Verkehr, nämlich der Handels- vertrag, noch nicht vorliegt. Es sei noch htnzugejützl. daß gegenwärtig der Disko«» für Rnssevwschsel i« Pari» mit etwa 12 bis 14 Prozent gegen 18 bis 20 Prozent vor einiger Zeit genannt wird: dock kommt dies«» Zahlen keine sympto- matische Bedeutung zu. daß der'Verkehr in diesen Wechsel« so geringfügig ist, daß von einem w rkliche» Markt nicht die Rede sein kann. Rekordhöhe des englischen Exports Die englischen Außenhandelszifferu für Oktober zeige» aus der Einfuhrseite eine Zunahme um 8.97 Will- Psd. gegenüber September. Die Gesamteinfuhr betrug»1,77 Mill. Psd. Ans der andern Seite lind auch die Exporte um 1,9» Mill. Psd. gegenüber September ans insgesamt 34,18 Mill. Pfd. ge- stiegen. Die Exportziffer ist die höchst« seit April 1982- Hier ist in erster Linie eine Zunahme der Kolilenex- porte, und zwar gegenüber Oktober 1982 um 399500 Psd. zn verzeichnen. Vemerkensnwrt zugenvinnren gegenüber dem Vorjahr hat die Ausfuhr von Ei'en, und Stahlwarr«, WaR» und Baumwollwar«,, und Maschinen. Die Zunahme der Eiufuhrzisscrn ist saijoumäßig dadurch bedingt, daß um diese Jahreszeit die Fabrikation(ich mit Rohmaterialien eindeckt Beim Vergleich mit Oktober 1932 ist eine Zunahme des Imports von Rohmaterialien und Halbfertigfabrikaten um 8.00 Mill. Psd- festzustellen. Die Wolteinsubr ist um 0.97 Mill. Pfd., die Rohbaumwolleinjuvr um 0.37 Mill. Psd. und die Eiusuhr von Hölzern um 0 ,80 Mill. Psd. gestiegen. Andererseits hat die Einfuhr von Le» beusmitteln, Getränken und Tabak gegen da» Vorjahr um 2.74 Mill- Psd. abgenommen- Deutschlands Außenhandel Tie Einfuhr und Ausfuhr Deutschlands im 2. und im 8. Vierteljahr 1088 zeigen jolgendes Zahlcndild: w>8 I»> n t u d r >« Will Steichîmark|3 Qvait 11 Quart Europa 574.8 522,5 Saar-Gebiet 82,8 27,0 Belgien u Luxemburg 34.9 88.» Dänemark 24,0 28.9 Polen 14.7 10.4 Frankreich 4»,!« 48,5 England 08.2 57,3 Italien 45,5 87,8 Holland 01,8 50.9 Osterreich 14,5 14.0 Schweben 24.7 28,8 Schweiz 20,9 20,5 Spanien 10,9 21,5 Rußland 57.1 42,7 Afrika 53,4«II.» Asien 129,5 138,3 Britisch-Indien 48.0 86,8 Ehina 80.4 48,9 Japan 8,4 8,5 Holländisch-Jndien 80.0 27,8 Amerika 258,4 251,4 Vereinigte Staaten Ii>7.7 110,1 Eanada 22,7 18 ,0 Argentinien 89,8 88,2 Brasilien 19 7 17,4 Australien 23.7 89,2 Reiner Warenverkehr 1044,0 1010,0 «uslutzr 8 Quart. I 9 Quart. 931,7 21.1 08.2 8s,5 18.8 98,5 100,1 58.8 155,11 20.9 40,9 89,0 20,5 69,8 26.8 99,4 i 2U 14.9 9,6 159,4 72.7 0.9 . 35J 19.2 3,3 1289 1 935,1 20,9 08,9 30.6 18,8 101,3 94.4 56.8 142,9 81.8 48.4 87.7 19.9 84,0 25.7 85.5 20.0 19.1 18.8 8.2 134,6 58,1 0,4 21,1 20,4 5.7 1188,1 Opel-Mehrheit wieder deutsch Wie jetzt bestätigt wird, beabsichtigt die F a m i l t e Opel, sich wieder stärker kapttalmäßtg an der Adam Opel AG. zu interessieren. Geh. Komm.-Rat Wilhelm v. Opel und Dr. Fritz v. Opel behielten auch nach der Beteiligung der General-M oiors-Eorp an dem 00 Miss. RM be- tragenden Aktienkapital einen nicht erhebliche» Teil der Aktien in ihren Händen und bekleideten weiterhin die Posten der Vorsitzenden im Anfsichlsrat. Wenn nun Verhandlungen über die Rückführung des Kapitals in bentscheu Best» ge- führt werden, so handelt es sich vorläufig nur um einen Teil immerhin aber wohl die Majorität der 00 Mill. Reichsmark. Es besteht jedoch die Absicht, auch den Rest des Aktienkapitals nach und nach zurückzugewinnen. Maßreglung Der Direktor der Hamburger Kommerzbibliothek. Dr. Eduard Rosenbaum, wurde aus Rassegründcn in den Ruhe- stand versetzt. Tic v'bliothelsonds bestanden bisher Haupt- sächlich auS jüdischen Spenden.».. Holiänaiscne stimmen Mur a.c Rahe Göring spricht für Versailles „D e Maasbode" schreibt zu Görings Rede beim Reichs- tagsbrandprozeß u. a. Folgendes: „Was die Auslandspolitik betrifft, so war dieser Tag ein- fach vernichtend. Noch nie haben wir eine so glänzende Rede zu Ehren von Versailles halten hören. Genau wie Ber- failles seine Feinde behandelte, so behandelt Teutschland nun auch die seinen.„Ein Kampf also," so schrie der preußische Staatsmann durch den Gerichtssaal,„mutz nicht geführt werben, um die eine Partei zum Siege zu führen, sondern um die andere vollkommen zu vernichten." Jeder Protest, den Deutschland in Zukunft aus Grund von sittlichen Er- wägungen gegen den Friedensvertrag von Versailles ein- bringen wird, kann auf Grund von Görings Rede vor dem Reichsgericht mit Leichtigkeit entnervt und getötet werden." Die unterbrochene Rundfunksendung PoliticuS schreibt u. a. an die„H a a g s ch e P o st": „Tie Zeugenaussage von Minister Göring im Reichstags- brandprozetz verdient aus manchen Gründen die Ausmcrk- samkeit des Publikums. Wir sind dem deutschen Propaganda- Ministerium zu Tank verpflichtet, daß es im Gerichtssaal Grammophonplatten ausnehmen lietz, die durch Radio über- tragen wurden, so datz auch die ausländischen Hörer die „Verteidigungsrede" des preußischen Polizeiministers Gö» ring voll und ganz genießen konnten. Sogar auch die kleinen Finessen, die das Plädoyer schmackhaft machten. To z. B. der Satz:„Ich weiß es so gut wie ein Hellseher, daß die Kommunisten den Reichstag angezündet haben." Auf der anderen Seite ist es sehr zu bedauern, datz die Uebertragung kurz vor der vielsagenden Drohung sür Dimitrofs:„Wart mal, bis wir dich aus der Macht dieses Gerichtshofes haben," abgebrochen wurde. In Berlin hat man das Jnteresie deS Auslandes an diesem Plädoyer doch wirklich unterschätzt." Göring macht Greuelpropaganda Wir entnehmen der„Post Scripta" der„Haagschcn P o st": „Deutschland ist, um mit Hitler zu sprechen, ein„pazi- sistischer Rechtsstaat". Wer sagt, daß dort Terror waltet, ist «in Mensch ohne Unterscheidungsvermögen: denn er weiß nicht, daß daS nur so scheint, weil Kommunisten als TA.» Männer verkleidet, solche unbesonnenen Taten ausführen. WM Dentsdiiand Hl den Völkerbund zurüdi? Graf Westarp, der frühere deutschnationale Reichstags- abgeordnete, schreibt in der„Deutschen Juristen-Zeitung" iHeft 21), nachdem er an seine Opposition gegen Deutschlands Eintritt in den Völkerbund erinnert:„Für die rechtliche Wirkung des Austritts aus dem Völkerbund kommt zunächst in Betracht, daß Deutschland während der zweijährigen Kün- digungsfrist des Art. 1 Abs. 3 VFB. formell Mitglied bleibt. Aus dem Völkerbundsrat kann Deutschland während der Kündigungsfrist gegen seinen Willen nicht verdrängt wer- den, da ihm nach den Beschlüssen von 1026 ein ständiger Rats- sitz zusteht. Die Regierung scheint aber jede Mitarbeit, ähn- lich wie Japan, sofort einstellen zu wollen. Eine Zurück- nähme der Kündigung während der zweijährigen Frist ist vom Völkerbund stets als zulässig anerkannt und wiederholt wie bei Spanien mit Erfolg angestrebt worden." Wenn auch Graf Westarp seinen Artikel mit Hitlers kriegerischer Fan- fare beschließt, so ist dennoch die Reue nach vollzogener Tat deutlich merkbar. Deutschland ist zur Außenpolitik der Vor- kriegszeit zurückgekehrt: fortwährende Unsicherheit, Hin- und Herschwanken, woraus der Weltkrieg entstand. Nun wird das durchgefallene Stück auf dem deutschen Theater zum zweiten- mal aufgeführt, aber das Publikum darf nur mehr applau- dieren. GESUCHT für ernstes Geschäft, durch Franzose, ex- Direktor einer großen deutschen Firma in Paris, stiller Telliiabur mit ISOOOO Fr. Angeboten Puhl.Metel, St. rue Tarbigo Nr. /7 VERMIETE nicht teuer sehr schöne möblierte Wohnung 4 Zimmer, Confort, Tel.. Bezirk Porte St.-Cloud. Sehreib, an Puhl. Metzl, PARIS SI, rue Turblgo Nr. 23 Einkauf und Autlö.une vom Vertafaamt BRILLANTEN. GOLD i SILBERWAREN. UHREN| ~ tägliche Gelegenheits«Verkäufe F BETTER, 49. FAUBOURG MONTMARTRE% M BER01MTE HEILER Christian empfängt 47. Rue de Berri Erfolg von ersten Seancen. Konsul!, gratis inserieren bringt Gewinn! Fällt der Erzähler in die Hände der deutschen Obrigkeit, dann wirb er gefangen gesetzt. Wer die humanste Regierung der Welt beleidigt, verdient es auch nicht besser. Aber nun setzt es uns doch in Erstaunen, daßGöring noch frei herumläust: denn er hat dem Glauben an den deutschen Terror kräftig aus die Beine geholfen hat er doch in seiner Zeugenaussage vor dem Gerichtshof geäußert, daß es auch unabhängig von dem Ausspruch des Gerichts noch eine„Gerechtigkeit" gibt." Deutschland will aufrüsten Wir entnehmen aus„Het Volk": „In Genf kursiert ein Gerücht, daß die Hitler-Regierung schon in der folgenden Woche einen Antrag machen würde, daß die Grundlagen des Völkerbundes revidiert werden müssen. Das wird vielen vorkommen wie ein Scherz. Dies kann jedoch den Grund haben, daß die neugebackenen Herrn in Berlin zur Besinnung gekommen sind und daß sie ein- gesehen haben, daß sie ein« gewaltige Dummheit gemacht haben. Aber die Hitler-Regierung hat keine Ahnung vom Di- plomatenfach. Mit großem Radau lies sie aus der Abrüstung»- konferenz weg. zum Schrecken Mussolinis, der Meister in allen Waffen ist, aber den Ruf als Tchlächtergeselle verab- scheut. Für jeden, der Augen hat, um zu sehen, war das deutsche Spiel eindeutig. Die Hitler-Regierung will auf- rüsten. Sie will aufrüsten und zwar ohne Kontrolle. Seine Waffenindustrie ist bereits in vollem Betrieb." Wohin rollst du... Wir lesen im„Provinciale Groninger Cou- ran t": „Will die deutsche Regierung ihren Antisemitismus mä- ßigen und den Anfang machen mit den schon assimilierten Nicht-Ariern? Wir wissen es nicht, aber wir wissen wohl, daß die Regierung mit ihrem Antisemitismus äußerst schnell zu laufen anfängt. Hat man nicht erst kürzlich herauSgeschnüffelt, daß zwei der populärsten deutschen Gestalten aus den letzten zwei Jahren, nämlich die Freiherrn von Richthosen und von Hünefeld, beide im Sinne des neuen Gesetzes Nicht- Arier sind? Demnach dürfte für sie im heutigen Deutschland, das sich doch so gerne heroisch nennt, wohl kein Platz mehr sein..., Maisonnette des Comédiens Russes Erstklassiges Restaurant-Cabaret. Normale Preise RAPHAEL(.. monico), NAST1A POLIAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr). Soupers(bis 3 Uhr) 36, RUE VIVIENNE(BEI BOURSE) PARIS. MMtarlsdic Erziehung Der bekannte Militärvcrlag Mittler u. Sohn zeigt an: Hauptmann Kühlwein: Schützenzug und Kompanie im Ge- fecht.„In diesem Buche sind die wichtigsten Kampsgrundsätze für den Zug und die Kompanie eingehend an Gefechtsauf- gaben und praktisch an Beispielen behandelt. Es zeichnet sich besonders dadurch aus, daß zu Anfang jeder Getechtsauf- gäbe die für die betreffende GefechtSart wichtigen Grundsätze in klarer, übersichtlicher und kurzer Form zusammengefaßt sind." Felddienst A-B-E für den Schützen. 41.—50. Tausend. — Die Gruppe im Gefecht, 4. Auflage. Preis 2,— RM., ab 20 Exemplaren je 1,80 RM., ab 50 Exemplaren je 1,70 RM. ... ein sehr nützliches Handbuch für die Ausbildung in den Kompanien." Merkbuch für den Unterführer, 4. Auflage, Preis 2,— RM„ bei 50 Eremplaren je 1,75 RM..... Auch die Waffen und Kampfmittel sind behandelt, die uns durch daS Verlailler Diktat verboten wurden, deren Kenntnis aber sür die Ausbildung des Soldaten unerläßlich ist." Der Ver- laa fügt hinzu:„Die vorstehend angefügten Kühlweinschen Bücher haben von Woche zu Woche immer regere Nachfrage und Absatz im Buchhandel gefunden. Wir empfehlen, sie reichlich auf Lager und ständig in den Auslagen zu halten." Die oberste SA.-Führung verfügt „Im allgemeinen kommen für den Dienst die Abendstunden nach Geschäfts- und Arbeitsschluß in Frage, für länger dauernde Uebungcn die SamStagnachmittage— soweit die einzelnen Berufsschichten zur Verfügung stehen— und die Sonntage. Keinesfalls aber dürfen Berufstätige einen Aus- -all in ihrer Berufsarbeit und damit eine Lohneinbuße er- leiden und Arbeitgeber nicht zu einem Verlust durch zu leistende Ersatzeinstellung veranlaßt oder zur ProduktionS- Verminderung gezwungen werden. Die SA. hat den neuen Staat erkämpft, sie ist auch die Trägerin der ArbeitSkörde- rung und damit des Wiederaufbaues einer gesunden Wirt- schalt Für eine mehrwöchige volle Beurlaubung zu den UebnngSknrse» in den Schule» und Lagern ergehen de» sondere gesetzlich« Bestimmungen." Die Ideen von 1914 Auch uns als Menschen fordert dieser Staat wieder ganz und gar wie einst im großen Kriege: die Ideen des 1. August 1014 haben wieder Geltung an Stelle der von uns 1010 schwächlich und epigonenhaft angenommenen Ideen von 1780. Wir sind keine Individualisten mehr, sondern im Sinne echten Preußentuiys nationale Sozialisten» denen das Ganze alles, der Einzelne aber nichts ist. wenn er nicht dem Ganzen dient. Damit hat auch die Erziehung wieder ihre Aufgabe erhalten: Die Menschen zu Gliedern des Ganzen zu erziehen und sie in Dien st und Opfer gegenüber dem Staat ihre höchste Pflicht erkennen und erfüllen zu lehren."(Diese verhüllte Kriegshetze stammt aus dem Buch«Staat und Erziehung" von Ger- Hardt Giese.) „Formen zum Selbstgießen von Bleisoldaten" „Mit unseren Gießformen kann sich jeder seine Bleisol- baten, SA.- und SS.- Männer, Indianer, Tiere usw.. selbst gießen. Es bereitet Erwachsenen und Kindern große Freude, wenn die frischgegossenen Soldaten, SA.- und TS.-Männer blitzblank, ohne jede Nacharbeit aus der Form herauskommen..."(Anzeige der Gebr. Schneider, Gießformenfabrik in der„Deutschen Metall-Arbeiter- Zeitung", Nr. 45.) Die Firaten „Wo der eurasische Block vom Meer umspült wird, sitzen die Piraten. Sie treiben mit den Seßhaften den konstruktiven Sinn im Gebiete ihrer Urheimat, sind sogar dort besonders staatenbildend und erstrecken sich strahlenförmig von den Mittelpunkten ihrer Seßhaftigkeit nach den Randgebteten und Gegenufern deS eurasische» Blocks, wobei sie in diesem Bestreben, das eurasische Gegenufer auf dem kürzesten Wege zu erreichen, den neuen Kontinent Amerika entdeckten. In den von ihnen besetzten und unterworfenen Gebieten wirkten sie durch ihren Raubbau in fremden Wirtschaften, durch ihre Geringschätzung der Unterworfenen destruktiv und verlieren dort den Einfluß meistens vor dem sichtbaren Schwinden und Zusammenbruch in ihrer Stellung in der Heimat. Dazu ge- hören die Wikinger, Normannen, Engländer, Portugiesen, Spanier, Genuese? und Venezianer, Araber, Malayen uns Japaner."(Hermann von Raumer in der„Deutschen Volks- Wirtschaft" Nr. 14.) S. Fischer zensuriert Lloyd George Ueber den Plan des Verlages S. Fischer, die Kriegs- memoiren Lloyd Georges zu zensurieren, haben wir be- richtet. Nun liegen die kastrierten Erinnerungen des eng- tischen Politikers vor. S. Fischer sagt in der Borrede, der Verlag habe gestrebt,„das welthistorisch Bedeutsame aus der spezifisch englischen Umhüllung herauszuschälen". Ganz oder teilweise wurden gestrichen die Kapitel: 5. 0, 0, 10, 26, 27, 28, 33, 35, 36. Besonders interessant ist die Tatsache, daß alles, was sich auf Arbeitervrobleme und Wohlfahrtspflege in den Fabriken bezieht, gestrichen wurde. Merkwürdig ist, daß sich Lloyd George diese Behandlung gefallen läßt. Fin klarer Satz „Während ber marxistische. Sozialismus von den Sach- gütern ausgeht, geht der deutsche Sozialismus vom Menschen aus und ersaßt ihn in seiner gliedschaftlichen Zugehörigkeit zu Volk und Staat, bei seiner sozialen Verantwortung."(E. Forsthofs,„Die Deutsche Volkswirtschaft", Nr. 14.) A: Deutschland auS dem Völkerbünde Waftenklirrend ausgetreten! Jetzt. Proleten, nicht verspäten: Schlaget zu in letzter Stunde, Denn sonst schlägt sie euch. Proleten! B: Freund, Sie sind zu pessimistisch. Neurath und selbst Hitler sprachen Doch so rührend pazifistisch! Nur die Ruhe wird es machen. A: Japan droht, denn Gier macht mutig: „Rußland hat die Bahn zu räumen!" RauS, Proleten, aus dem Träumen! Säumt ihr jetzt, so werdet blutig Ihr Europas Felder säumen! B: Freund, Sie sehn die Welt zu trübe! Roosevelt wird die Ruh' bewachen Und Macdonalds Friedensliebe— Nur die Ruhe wird es machen. A: Hell klingt beim Champagnerglase, Aber hohl aus Panzerwänden Englands Frankreichs Friedensphrase. Seid nicht blind, auf daß die Gase Euch nicht gründlicher bald blenden! B: Freund die Herren sind schon pleite. Sollen sie nun ganz verkrachen? Nein an Krieg denkt keiner heute. Nur die Ruhe wird es machen. A: Nur die Ruhe wird es machen? Wüßten Tie, wie wahr Sie sprachen! Wenn einst, wund im tiefsten Schoß«, Diese Erde, eine große Dichtgefüllte Leichentruhe, Wird tief unten und hoch oben Lange Zeit die Hölle toben. Aber dann herrscht Friedhofsruhe- Und wen Worte nicht erschreckten, Wird die Ruhe grau'nvoll schütteln! Wenn euch Worte nicht erweckten— Diese Ruh' wird wach euch rütteln! Gegen eure Blindheit fochten Laute Worte— und zerbrachen. Und was Worte nicht vermochten— Nur d i e Ruhe wird es machen! Juri Wehrgedanken Der Generalleutnant Friedrich von Cochenhausen hat ei» Sammelwerk„Wehrgedanken"(Hamburg, Hanseatische Ver- lagsanstalt) herausgegeben, dem die folgenden„Gedanken entnommen werden: „Auch uns ist bestimmt, daS jahrhunderte alte Problem deS Kampfes gegen die Uebermacht zu lösen."(von Cochenhausen.) „Wieder geht es wie einst um die Wehrhastmachung der Nation. Dabei handelt es sich zunächst um eine Ent- bindung sittlicher und geistiger Kräfte. Der weithin durch- gebrochene Geist der Wehrhastigkeit muß in Form gebracht, oer Geist des Pazifismus vollends niedergerungen werden, um die einheitliche Front der Wehrbereitschast zu schaffen, aus der in der Stunde der Gefahr daS.Heervolk hervorgehen kann. Denn nicht mehr das Volksheer, d. h. die in die Wehrmacht sich ergießende wassensähtge Mannschaft allein, sondern nur die unzerbrechliche Arbeitsgemeinschaft aller wird künftigem Widerstand gegen äußere Gewalt zum Erfolg verhelfen."(Generalleutnant Wolfgang Muff.) „Wehrbereit und dazu wehrtüchtig zu sein, sollte künftig wie einst den Stolz und den Wert des Mannes ausmache». Daraufhin ist schon die Jugend zu erziehen."(General- leutnant Wolfgang Muff.) „DaS letzte Ziel einer nationalen Wehrpolitik ist und muß sein, dieses soldatische Gefühl ins Volk zu tragen, zu er- Härten, baß vor der feindlichen Kugel alle Männer gleich sind, daß das seidene Hemd ebenso durchschlagen wird wie der Zwilch von der Kammer, daß alle Worte über BolkS- Lredil Interregional de fronce fotlété 4nonvme PARIS(I) S. Avenue de l'Opéra tel. Opéra 75-04; 75-05; 75-06 Kalantezte Ausführung aller bank- und börsenmassigen Transaktionen. Beratung und Auskunftserteilung In deutscher Sprache durch die deutsche Abteilung. qemeinschaft leeres Gerede bleiben, wo nicht die Geneigtheit besteht, für dasselbe Ziel zu kämpfen und, wenn es sein muß, zu sterben."(Oberst von Oertzen.) „An der Vervollkommnung der Nachrichtenmittel und ihrer Sicherheit muß dauernd gearbeitet werden. ES ist nicht aus- geschlossen, daß die Zukunft uns noch große Ueberraschungc«, bisher noch nicht gekannte Möglichkeiten der Nachrichten« Übermittlung bringen wird. Werden wir durch eine solwe Entwicklung überrascht, so ist der Nachteil auf unserer Seite. Dieser Gefahr muß restloses Forschen und Schaffen vor- beugen."(Oberst Hans Pleger.) „Hier haben die Hochschulen... eine wichtige Ausgabt vor sich: Im Auftrieb des WehrwillenS den zukünftige« Führern der Nation das Meer zu zeigen als das. was es ist- Der große Beweger des Menschengeschlechts, die wahre Quelle der Völkergröße."(Fregattenkapitän Hans Poch- Hammer.) „Im übrigen entsteht der Eindruck, daß von militärisches Seite eine zutreffende Einschätzung der chemischen©a' fe heute in allen Staaten vorhanden ist. Das chemische Kamp«' mittel gilt als eine Waffe wie jede andere: sie besitzt, richtw angewandt, hohe militärische Wirksamkeit und wird auch"« Zukunftskriege das fliegende Eisenteil in einem bestimmte« Prozentsatz ersehen. Wie Hoch dieser Prozentsatz sein wirs' ist ungewiß. Gewiß ist aber— daß kein modern gerüsteter Staat im Kriegsfall auf das chemine Kampfmittel verzichte« will und wirb."(Dr. Rudolf Hanslian.) Suche Käu(er oder Teilhaber>ür Grollhandlung in Eisass.Lothringen Sehr gute«, über 70 Iahte altes Geschäft mit bedeuten dem Kundenkreis. Angebote an die„Deutsche Freiheit" unter Nr. 1114 I PARIS-ETOILE tDeutsdhe Stimmen•(Beilage xuv..ü&eutsdken&reifkeit"• éteignisse und Sesdhidkien Mittwoch, den 15. November 1933 „Vecqessea wie die. VecçcmgmPieU nicht!' Chinesisches£Mied Unter dieser Überschrift veröffentlicht die»Literarische Welt", ein hundertprozentig gleichgeschaltetes Blatt, in seiner Nummer vom 9. Juni(!) 1938 einen Artikel, der auch heute noch besondere Beachtung verdient. Wir«nt» nehmen ihm u. a.: Können die Rcchtskreise deS alten Deutschland den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, auf dem Gebiete der Kunst Pionierarbeit geleistet zu haben? Waren sie beteiligt an irgendeiner Entdeckung literarischer Werte von hervor» ragendem Rang? Nein, alle Entdeckungen, jegliche Protck» tion, überhaupt die Ermutigung aller freien Geister blieb den Leuten von„Gegenüber" vorbehalten, den demokratischen Kreisen, vor allem— in Preußen— der Berliner Demo- kratie, die sich vorwiegend aus Juden formierte. Wo ist der begabte deutsche Dichter, der zu Ruhm und Ehren kam durch einen Verleger der Rechten?— Machen wir uns kein« Illusion. Di« Entdeckung aller hervorragen- den literarischen Talente wurde durch die Berliner Demo- traten gemacht, besser gesagt, durch die Juden. Der Jude B r a h m war der erste, der in Deutschland baS Geistesleben in großem Ausmaß« beeinflußte. Er war es, der Gerhart Hauptmann fördert« und Ibsen und Strtnd- berg, auch Sudermann. Es war Rodenberg mit seinem bürgerlichen Namen Levy, der die Werke von Gottfried Keller, von Konrad Fer- dinand Meyer und Marie von Ebner-Eschenbach veröfsent- licht«. Und Fontane? Fontane, der kein« ander« Lieb« kannte als die zum preußischen Adel, zum preußischen Bauerntum und zu allem, was das militärisch« Leben Preußens aus- machte?! Fontane, der die Schönheit der Brandenburger Märsche entdeckte, der den Ruhm von Seydlitz und Ziethen in unvergeßlichen Balladen besang, der Romane schrieb, die den preußischen Landadel verherrlichten?! Wer hat Fontane entdeckt? Wer hat sein« Werke herausgegeben?— Die Vossische Zeitung, ein demokratisch-jüdisches Blatt! DaS deutsche Kaiserreich und das preußisch« Königtum kümmerten sich wenig um die Existenz dieses Fontane, beS besten Kenners und Verehrers preußischen und deutschen Geiste». Di« offiziellen Kreise, in der Hauptsache gebildet aus hohen Offizieren und preußischen Großgrundbesitzern, lieben Fontane sich mit den schlimmsten materiellen Sorgen herumschlagen, und es ist einzig und allein daS Verdienst der»Linken", daß er schreiben und seine Werke verösfent- lichen konnte. Braucht man besonder» darauf hinzuweisen, daß die glücklichsten Entdecker literarischer Talente, ein Samuel Fischer in Berlin, ein Albert Langen und ein Georg Müller in München, alle drei, demokratische und übernationale Tendenzen vertraten?! sHeut« nicht mehr. D. R.) Die Gleichgültigkeit des alten deutschen Regimes gegen- über allem, was talentiert und sreigeistig eingestellt war, hat zu schwerwiegenden Konsequenzen und zu einem unge- heuren Unrecht geführt. Mehr al» ein deutscher Schriftsteller, mehr al» ein deutscher Dichter, die uns heute als absolut neutrale Geister, vom Standpunkt des Rassischen und Ethischen betrachtet, erscheinen, hätte sein Talent bis zur höchsten Entfaltung bringen können, wenn sich die gut- deutschen Kreise d«S alten Kaiserreiches die Müh« gemacht hätten, sich um die Leute zu kümmern und eine Ehren» Pflicht darin gesehen hätt«n, die jüdische Demokratie von der Misston zu entbinden, die schöpferischen Kräfte des deutschen Volkes zu entdecken und zu kultivieren. Dee hcairne„JCatec£ampe „Soziale, Jone sind kaum noch zu hocen" ; E m i l Roscnom hat als junger Mensch den»Kater Lampe" geschrieben. Nahezu dreißig Jahre ist er tot, aber setne Komödie überdauert die Zeiten. Der sozialdemokra- tische Redakteur aus Köln, al» Reichstagsabgeordneter«ine» «rzgebirgischen Kreise» vergöttert von den armen Webern, schrieb dieses Stück mit anklägerisch-sozialem Kampfgeist. Der Streit um den Hasenbraten, der unter den Augen der hohen Obrigkeit von einer Proletarterfamilie verwahrt und »erspeist wirb: er ist nicht nur«ine sanft-homorige Satire, sondern ein drastischer Anruf gegen soziale Knechtung. E» schreit darin die hungernde Kreatur. . ES müß nicht gut bestellt sein um die neue dramatische An- kurbeluug, daß sie Herren Theaterdtrektore» in ihrer Ber- zweiflung sogar zu Stücken von»Marxisten" zurückgreifen müssen. Nur weil er tot ist, kommt Rosenow zu ber Ehre? lebte er, so wäre ber»Kater Lampe" auf dem Index und sei» Autor im Konzentrationslager. Aber man mußte dem armen Kater ein neues braunes Fell überziehen, denn nun sieht er, nach dem Bericht ber„Bossischen Zeitung" über die Aufführung im staatlichen Schillertheater, so aus: Die naturalistische Komödie steht al» Volk«stück wieder auf, die sozialen Töne sind kaum noch zu hören, und der Humor um den Kater, den die Be- Die Rache Bruno Paul entlassen ..Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volk»« vtldung hat auf Grund des Paragraphen ö des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeamtcntums in den Ruhestand versetzt: Den Vorsteher eines akademischen Meisteratelier» bei der Akademie der Künste in Berlin, Professor Bruno Paul, den Kammermusiker i. e.R. Eduard Turba am Rassauischcn Landeöthcater in Wiesbaden, die Professoren an der Hochschule für Lehrerbildung, Professor i. e. R. Fried- richBender sFrankfurt a. M.i, Professor i. e. R. Dr. Karl « S m u» in Frankfurt a. M. und Professor i. e. R. Dr. Otto G rllte r s in Dortmund. * ©on den hier Genannten, die dem Fallbeil RustS au» Gründen der Rasse ober der Gesinnung zum Opfer sielen, ist Bruno Paul der Bekannteste. Auf seinen Namen stieß man süerst im VorkriegS-„Simplizisstmus". Seine wuchtigen Zeichnungen, soziale Sattren ersten Grade», machten ihn zu einem Pionier dieses Kampsblattes gegen bourgeoise» Dpießergeist. Heute— wie schon einmal während de» Krieges — hat der„Simplizissimus" sich den Herrschenden gebeugt und verkaust. Bruno Paul war indc» mehr al» Zeichner. Er gewann al» ^unstgewerbler und Architekt mit neuartiger Ge- ßaltungskraft einen großen Ruf. 1919 wurde er an die Aka- demie ber Künste in Berlin berufen. Man hat nie davon ge- hört, daß er, der Rassearier, sich politisch betätigte. Aber sweifello»: er war, vom alten»Simplizissimus" her, immer- hin»vorbelastet". Cin Çehe'ztec stach Hermann Heller Au» Madrid kommt die Nachricht, daß bort in junge« wahren der Professor des Staatsrecht» Dr. Hermann Keller einem Herzletden erlegen ist. Genosse Hermann Heller, ein gebürtiger Oesterreich«, war Universität»- professor in Leipzig. Berlin und Frankfurt. Er gehörte zu den Vertretern Preußens in dem großen Prozeß vor dem Staatsgerichtshof wegen deS Staatsstreiches vom *0. Juli 1932. Hermann Heller ist in breitesten Dreisen durch sein Buch über den Faschismus bekannt ge- worden. Als die Nazi zur Macht kamen, verjagten sie den jungen sozialdemokratischen Gelehrten von seinem Lehrstuhl, ^îer Jahre Front nützten dem mit österreichisch-jüdischer frtfanft und marxistischer Gesinnung doppelt Belasteten schränktheit d« Großkopheten und ber Hunger der kleinen Leute in die Bratpfanne bringt, wird mit kräftigem Theater zu kräftigen Wirkungen geführt. Emil RosenowS — des sozialdemokratischen Redakteurs und Reichstags- abgeordneten— sächsisches Milieustück hat lange genug seine« satirischen, anklägerischen Zweck erfüllt und wird seine Uebertragung in ein« harmlosere Form überdauern. — Bei dieser Umformung erweist sich Franz Ulbrich als ein Regisseur, der die dörfliche Atmosphäre ber Ver- sippten, Verquickten, Verfeindeten, Verfreundeten zu zeichnen versteht und die Enge und die Behaglichkeit zu den legitimen Effekten des Theaters aufzutreiben vermag. Zu- weilen zieht er die Szenen setwa den Beginn des dritten Aktes) allzu- lange hin, manchmal übertreibt er die Komik lden hilflosen Abhang des Katzen-Erwilcher» unter dem Gejohl der Dorfjugend) mit groben Mitteln— das tut nichts, da das Ganze belebt, aufgeheitert, wirksam, mit- reißend wird. Ein regulär, durchschlagend«« Theater» abend... »Regulär" ist das gerade nicht. Man hat den Willen Emil Rosenows frech verfälscht. Freilich, eS gibt einen Satz in ber Besprechung der»Vossischen Zeitung", der den Schaden beinahe wieder gut macht.„Soziale Töne sind kaum noch zu hören"— da» ist eine aktuelle Ansicht, die wirklich»durch- schlagend" ist. nicht daS geringste. Auch er mußt« fliehend das Land vcr- lassen und irrte mit Frau und vier unerwachsenen Kindern in der Welt herum, bis er endlich an der Universität Madrid gastfreie Ausnahme fand. Entbehrungen und Aufregungen hatten indes die Gesundheit des erst 42jährigen so unter- graben, daß er einem Herzschlag erlag. Heller ist der Ver- fasser zahlreicher wertvoller Schriften wie„Hegel und ber nationale Machtstaatgedanke",„Politische Jdeenkreife der Gegenwart" und„Europa und der Faschismus". Eine von ihm vollendete»Staatslehre" liegt im Manuskript voll- endet vor. Stehende Heere müssen wir haben, stehende Heere im himmlicheu Reich. Wär es nicht wahrlich Jammer und schade, wenn wir nicht hätten manchmal Parade, wenn wir nicht hörten den Zapfenstreich? Stehende Heere müssen wir haben, stehende Heere im himmlicheu Reich. Stehende Heere müssen wir haben, weil sie in Umlaus bringen das Geld? wo die Soldaten zechen»nd zehren muß sich der Handel und Wandel vermehre«, und es verdient dann alle Welt. Stehende Heere müssen wir haben, weil sie in Umlaus bringen das Geld. Stehende Heere müssen wir haben» wo sie bestehen, bestehen auch wir. Wenn wir die stehenden Heere nicht wollten, wüßten die Junker nicht was sie sollten, ach! und die meisten verschmachteten schier. Stehende Heere müssen wir haben, wo sie bestehen, bestehen auch wir. Hossmann von Fallersleben, Ttlusih mit Staatsanwalt Hitlers Lieblingsmarsch Hitlers Lieblingsmarsch ist angeblich der „Badenweiler Marsch". Das Recht, ihn zu drucken, hat allein die Firma V. Schotts Söhne. Mainz-Leipzig. Nun aber hat sich eine Firma gefunden, die den alten Kitsch »unberechtigt" nachdruckt. Schotts Söhne verlautbaren in einem aus Konkurrenzneid und Patriotismus gemischten Gefühl:„Als Hersteller und Verbreiter hat die Staats- anwaltschast die Firma Alfred Lehmann, Musikverlag und Großsortiment, Leipzig, ermittelt. Die bei den Haussuchun- gen aufgefundenen Bestände und Druckplatten wurden b c- s ch l a g n a h m t." Die Fälschersirma Lehmann aber ist«ine bekannte Nazifirma und ist bemüht, verschiedene Gauleiter für sich in Trab zu setzen. Schotts Söhne wieder hoffen auf den Osas selbst. So werden heute in Deutschland privat- rechtliche Konflikte ausgetragen. Aber auch das gehört zum Bild dieses heroischen Staates. Stcafe ohne Qesetz Die Acaune Vila „Im Alter von sieben bis zehn Jahren" Um die Kinder für die Nazibewegung zu mobilisieren, wirft der Naziverlag Schneider eine Reihe von natto- nalsozialistischen Jugendbüchern auf den Markt. Sie beginnt mit einem Buch für Sieben- bi» Zehnjährige»Kinder, waS wißt ihr vom Führer?" und endet vorläufig mit dem Kitsch- buch:„Ulla, ein Hitlermädel" Zwischen diesen Büchern gibt» natürlich«inen^ampf" um die Münchener Feldherrnhall«, den man packender nennen könnte:„Des Führer» voll« Hosen", dann einen„Horst Wessel", einen Httlerjungen namen» Utz und einen Banditen von der SA. namens Schott. Dem Verlag Schneider geht» materiell schlecht So will er sich helfen- Wer aber setne Bücher kauft,•*->++*"»MHtx«» hilft einem militanten Nazi! Der juristische Kerngedanke ber deutschen Rechtspflege ist das Verlassen des Grundsatzes„Keine Strafe ohne Gesetz". Dieser neue juristische Gedanke, der in Wahrheit die Aus- Hebung jeder Rechtssicherheit bedeutet, ist nach der »Deutschen Zeitschrist für Wohlfahrtspflege" nur deshalb möglich,„weil die Einheit von Volk und Staat und die Volksverbundenheit des Richters feine Beibehaltungvenn sie nach ge- sunder Volksanichauung verwerflich ist, Jlhminhe dich- deutsch 1. Man erinnert sich, daß in den ersten Wochen der„natio- nalen Erhebung" mit Emphase verkündet wurde: Schminken ist eine orientalische Sitte und typisch für die Vertreterinnen der jüdischen Rasse. Die deutsche Frau schminkt sich nicht. Die kosmetische Industrie wird das nicht ge- rade mit Begeisterung vernommen haben. Es ist anzu- nehmen, daß sie Einspruch erhoben hat. Also wird auch dieser Feldzug für die Erneuerung der deutschen Frau eingestellt, „um vor der größeren Aufgabe zurückzutreten: Arbeits- beschaffung". Die kosmetische Industrie atmet auf und ver- schickt Werbeschreiben, die der»Sehr geehrten gnädigen Frau" mit„d e u t s ch e m G r u h" übermittelt werden. Vm ooczutäuschen" Vom Kriminalroman zum Nazitum Der Reichsinnenminister Branddirektor Hermann Gvring hat folgendes Rundschreiben an die llnierrichtSminister der Länder zu erlagen geruht:„Der nationalsozialistisch« Durchbrach hat ver- schieden« Verleger veranlaßt, eine Unmenge sogenannten national- sozialistischen Schrifttums für die Jugend herauszubringen. Jugendschriftenverlage, die noch im vergangenen Jahre sast au«- schließlich mit Kriminalromanen für die Jugend austraten, bringen in diesem Jahre in geradezu ungeheuerlicher Zahl sogenannte nationalsozialistisch« Werke heraus. Bücher und Zeitschriften werde» häufig in den neuen Farben und Sinnbildern de« national- sozialistischen Deutschland herausgebracht, um vorzutäuschen, al« handle es sich um Werke, die im Geist de« neuen Staate« und der ihn tragenden Bewegung geschrieben seien. Die Unterrichtsminister der Länder wollen daher die ihnen unterstellten Schulverwaltungen d< rauf hinweisen, daß die größte Vorsicht gegenüber diesen Reu- erscheinungcn am Platze ist." In Wirklichkeit sind natürlich die Kriminalromanverleger durchaus im alten Bereich geblieben, wenn sie nun Raziliteraiur herstellen. tt Die Kleinheit«nd Erbärmlichkeit der dentfche« Seele war»nd ist ganz»nd gar nicht eine Folge der letnftaateret:»an ist bekanntlich in noch viel klei» neren Staate« stolz und selbstherrlich gewesen:«nd »ich« die Großstaaierei an fich macht die Seele freier und männlicher. In wessen Seele ein sklavischer Imperativ„b, sollst»nd maßt knien!" eine unfrei« willige Rackendengnng gebietet vor Ehrentitel», Orden, gnädige» Blicken von oben hinunter, der wird stch in einem„Reiche" nur noch tiefer dücke» und»*«»i-nd vo- dem großen LonbeSvater nnr »och inbrünstiger auflecken, als er es vor dem klei« neu tat: daran ist nicht»« zweifeln. Fr. Nietzsche. Verboten wurden folgende Druckschriften: Franz Vodufal„Thristi Segenwart zum Weltgericht". Selbstverlag, Schwiddern: Herbert Jhcrii g „Reinhardt-Jcßner-Piocaior oder Klajstkcrtod", Berlin, Rohwolt: da» mit den Worten„Ter Herr Rcichominlster für BolkSausklärung und Propaganda äußert sich mit Schreiben vom 7. 0." beginnende Werbeschreiben de» Rheingoldverlage« in Mainz: Reinhold Null« „Die Sendung de« Norden«", Leipzig, Köhler: Ernst Jßberner- Haldan«„Der ühiromani", Neckar-Gmünd:„Wider«inen faulen Frieden mit den deutschen Christen, für einrn wahren Frieden in unserer evangelischen Kirche," Herausgeber Freie Evangelisch» PreSbylerianer, Egen: Ernst Jßberncr-Haldane„Menschen und Leute", verlin, Verlag Reichstein:„BolkSblatt zur Secknng und Förderung christlichen Lebens," Marburg, ReichSverlag de« DSD.? I. Süttler„vibelkommeniare", Prag: Hermann Sander„Mit Frei- gelb zur Frftwährung— Der Weg au« der Rot", Echt« Post, Nort- heim:„Sewerkschasiliche Rundschau für die Schweiz", Bern:„Aar- g>«er Tageblatt", Aara»:„Bezboznik", Illustriert« Monatsschrift» Moskau.— Da« BerbreilungSvcrbvi von„De Nieu«« Dag"^ Amß.erdam, ist aufgehoben. tSriminalpolizeidlatj 16#-WfigJ Pariser Berichte Pariser Sfraßenhalender DaS neue Denkmal Aristide Viands, des Friedenöpilgcrs mit dem Mantel, barhaupt, in der linken Hand den Stab, die rechte zum Segen erhoben, steht ans der grasten Auto- mobilstrahe von Paris an den Ozean, auf der Strohe Paris —Deauville in Pacysur. Die Saison der Flachrennen wurde in Saint-Ckvnd mit dem Siege von Mas d'AntibeS der Bcgnm Aga Khan ge- schlössen. » In Paris fand ein Kongreh der Seidcnindustriellen statt, aus dem auch deutsche Seidenhäuser vertreten waren. Im grasten Auditorium der Sorbonne wurde der tote Clemenceau als Arzt geehrt. Der Dr. Dartigncs, Präsident der lateinischen Aerztc-Union, sagte, dast der graste Bendeer einer der besten praktischen Acrzte seiner Zeit geworden wäre, wenn ihm die Politik Zeit zum Praktizieren gelösten hätte. Ein Film und Projektionen beendeten die Feier. Ein tstjähriges Modell Pierrette Pctit-Mangin wurde zur »Marianne des Friedens" gewählt, eine jährige Rerkäuse- rin und eine ISjährige Stenotypistin zu ihren Ehrendamen. Ein Pariser Einwohner namens Enqucl hat eine Mappe mit Wertpapieren für KV 000 Frauken in einer grünen Auto- «axe liegen lassen. * Ein Schriftsteller Daniel Sivet in der Loire-Stadt Roanne, der mehrere Bände Gedichte veröffentlicht hatte, die von Eoppee und Claretie gelobt waren, stiftete der französischen Akademie bei seinem Tode sein ganzes Vermögen, das aus 800 000 Franken geschätzt wird. Graß der Token an die lebendigen Die deutsche Revolutionsfeier in Paris Die deutsche sozialistische Gruppe in Paris hielt am Er- innerungstage der deutschen Revolution eine ernste Feier ab, die von etwa 200 Deutschen, auch einigen Franzosen, Russen und Italienern im Palais de la Mutualité besucht war. Die Feier wurde von einem jungen süddeutschen An- w a l t eröffnet, dem Mitglied einer bekannten demokratischen Familie, der sechs Wochen in den Kerkern Hitlers geschmachtet hat und heute von Frankreich aus den Freiheitskampf führt, «r rief den Versammelten immer wieder zu, den Gedanken der deutschen Revolution hoch zu halten. Leo As k brachte ties ergreifende alte Verse von Herwegh, die ihre ewige Wahrheit haben: „Die Wacht am Rhein wird nicht genügen. Der schlimmste Feind steht an der Spree." Ferdinand Freiligraths Klage und Mahnung„Die Toten an die Lebenden" und Heinrich Wcberlied„Altdcutschlanb, wir weben Dein Leichentuch" schufen tiefe innere Erregung. Tann sprach ein geflüchteter H v ch s ch u l p r o s e s s o r vom Untergang von 1918: von der Reichswehr, die in den Händen »er alten Kaue blieb, von der inneren Zerfleischung der Ar- beltcrbewegung.«chon 1923 war der Reaktionär wieder stark, aber damals hielt die Strcsemannsche Bourgeoisie den Faschismus»och nieder. Das ungeheure Ausmas, der Nieder- läge wird uns jetzt bei den Diktaturwahlen in Teutschland fichtbar. Hitlers Friedensliebe nach außen ist nicht anders zu bewerten als vordem seine Lcgalitätsbeteucrungen nach innen. Alles ist Machiavcllismns. Der letzte Wahlsieg der SPD^war noch eine letzte Kampserinnerung, die aufflammte. Die Stunde wurde nicht genutzt. Die demokratische Republik konnte sich nicht halten, weil sie ohne Sozialismus mar. Reichswehr, Justiz, Schule waren gegen uns. Wir in der Emigration wollen rüsten und bereit sein! Abra mow Usch(Rußland): Der Emigrant muß revo- Intionarer Kämpfer sein. Gab es in Teutschland eine revo- lutionarc Partei, eine Partei, die sich bemußt zur November- «Volution und ihrer Vorbereitung bekannte?(Zuruf: Fa. Die USP.) Aber die UTP., die allein für die Revolution verantwortlich war, konnte sich nicht halten. Tie KPD trat an ihre Stelle, eine Partei, die nicht die Urheberschaft an der November-Revolution hatte, zumal sie vorher noch gar nicht bestand. Aber heute ist in Deutschland, trotz allem, eine cnt- ,mieden revolutionäre Situation. Eine neue Generation von Revolutionären wird entstehen. Illegale Kämpfe werden die revolutionäre Energie zusainmenschmeißen.(Zuruf: Wir brauchen einen Schuß Dtmitrofs!) Ja. und auch„russisch" zu le/nen ist baS Gebot. AuS der russischen Emigration sind nicht die schlechteste» Kampfer hervorgegangen. Nicht die unvol- lendete, die vollendete Revolution ist unser Ziel: Arbeit. Kampf und Wille! Darauf wurde mit großer Begeisterung eine Reso- lut. on angenommen, die die tiefe Verbundenheit mit den unschuldigen vier Angeklagten des Reichstagsbrand-Pro- r Ii* uusipricht und diesen Opfern des Hitler-Terrors brüderliche Grütze ausrichtet. Eine sofort gewählte Delegation von zehn Genosten begab sich in einen anderen«aal der Mutualité, in dem eine Kund- gebung des Bcrteidigungskomitees stattfand. In dieser Bcr- sammlung sprachen Miß W i l k c n s o n. die mitteilte, daß eu« von einem Neunorker Meeting gesandtes Protcsttele- stramm an das Reichsgericht von der deutschen Post nicht bc- fördert sei, ferner Victor Bäsch von der französischen Liga Ntr Menschenrechte. der Advokat der Bulgaren Willard und andere. Maitre Torres erklärte, daß die Stunde sehr ernst sei: falls das Gericht Todesurteile fälle, iviirdc das die französisch-deutschen Beziehungen unreparierbar zer- brechen. Die englische und die französische Regierung beson- ders müßten auf die Stimme des Volkes hören, die Sank- tionen fordere. Tic sozialistische Revolutionsfeier wurde mit Rezitationen der Darsteller Ask und Robert geschlossen, ll. a wurden noch eine deutsche Tanton-Szcne von Brückner und eine französische Danton Szene von Romain Rolland acbracht, ferner„Szenen aus dem Leunawcrk" und„Drei Minuten Gehör". Die Teilnehmer gingen unter dem Gesang der Internationale ernst auseinander. hl it 1er-Wahl im Mittelmeer Rom, 14. November. Die Hitler-Deutschen in Rom, der deutsche Botschafter von Hassel an der Spitze, wurden mit Tpezialzug nach Eivita Becchta gebracht und„wählten" an Bord des deutschen Dampfers„Duisburg", der vorher die Dreimeilenzone in Richtung offene See verliest. Das falsche große Los Der Generalsekretär der National-Lotterie in Lille er- hielt dieser Tage ein Telegramm von einem Journalisten aus Brüssel, der ihm mitteilte, daß er gegen die Aus- zghlung des großen Loses an den„Glücklichen" in Tarascon protestiere. Bald darauf erschien eine Autotare aus der Straße von Möns nach Maubeuge an der Grenze, in dem vier Insassen waren, darunter der„Gewinner des großen Loses". Der Zoll ließ die Leute nach etlichen Verhandlungen gegen Hinterlegung einer Kaution durch, die ein Cafebesitzcr stellte, der zugleich Zollbeamter war. Das Geld dafür gab der Chauffeur der Tare her. Dann fuhren die Unternehmungs- lustigen nach Paris weiter. Einige Tage darauf waren sie wieder da, aber nur noch zu dritt. Der angebliche Journalist war verschwunden. Er war losgezogen, das Glückslos zu holen, das angeblich im Geldschrank des Credit Lyonnais lag, und war dann nicht wieder gekommen— vielleicht, weil er mit Schrecken einen furchtbaren Irrtum gewahrt hatte, vielleicht weil das ganze nur ein dummer Streich war. Die anderen Insassen waren ein Wirt aus Brüssel und seine Freunde, die den Schwüren des vermeintlichen Journalisten geglaubt hatten. Die Prügeleien im lateinischen Viertel Die Straßen-Priigeleien, die im lateinischen Viertel an der Historischen Ecke des Boul' Mich' und der Rue des Ecoles sowie im weiteren Umkreise der Tavernen aus- brachen, schlössen sich an an die würbige Demonstration der Sozialisten für den im Pantheon ruhenden Jaurès. Die Polizei trennte die Streitenden und besänftigte ge- wisse Kampfhähne. Bis in die Nacht hinein waren dann allerdings Ansammlungen, gemischt mit Ulk und Kampf- ruien, die sprechchorartig durch die Nacht klangen. Sehr viel Heiterkeit erregte ein mit einem weißen Verbände um den Kopf auftretender Jüngling, der immer wie ein Hase vor den Polizisten weglief.. Wir haben an sich nicht die Absicht, uns ,n d.ese an der Grenze der französischen Innenpolitik stehenden Straßen- ereignisse einzumischen, möchten aber noch bemerken, daß am Waffenstillstandstage am Triumphbogen auch a n t i s e m i- tische Zeitungen gratis verteilt wurden. Auf diesen wurde u. a. zum Kampfe gegen das Haus Rothschild und die Ein- heitspreisgeschäfte aufgerufen. Vieles erinnerte an deutsche Muster. Verdächtig ist insbesondere die auf der ersten Seite gegebene Versicherung, daß die angeblichen Hitler-Greuel gegen die Juden nicht den Tod eines einzigen Menschen hervorgerufen hätten. Die Familien der Ermor- beten wie Fcchenbach, Eckstein-Breslau, Theodor Lcssing, Bell, Hannsscn, Stellings und der Köpenicker Toten und zahlreicher andere würden über diese Zeugenschaft in fran- zösischer Sprache am Triumphbogen sehr erstaunt sein. Achtung, Ellern f Mein lugendheim. bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3* Grande Rae 20 Minuten Bahniahrt vom Bahnhot St. Lazare, Paris Telefon Garchea Nr. 629. Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw. Überleitung in die franz. Schulen. Gymnastik, Sport FRAU DR. BERG 320 Violette zurechnungsfähig Während Jean Dubin, ihr Geliebter, bereits in Nord- afrika die Ansänge des Exerzierens lernt, ist Violette Nozieres in Paris von Irrenärzten untersucht worden. Tie Untersuchung war sehr sorgfältig. Unter andern, wurde auch eine Lumbalpunktion vorgenommen, so daß Violette, die unentwegt Pullover strickt, mehrere Tage schwach war. Die drei Irrenärzte haben jetzt ihr Gutachten dem Unter- suchungsrichter übergeben. Sie sind übereinstimmend der Meinung, baß Violette bei klarem Verstände ist. Internat für Arbeitsrechtler Die 1. Kammer des Zivilgerichts der Seine hat als Be- rufungsinstanz eine arbeitsrechtlich interessante Entscheidung gefällt. Sie entschied, daß die Ehausseure der Autodroschken nicht auf Dienstvertrag, sondern aus Werkvertrag angestellt sind, daß also nicht die Arbeit, sondern die Droschke gemietet ist. Infolgedessen brauchen die Arbeitgeber den Chauffeuren die soziale Versicherung nicht zu bezahlen. Mary und Doug versöhnt Nach Meldungen aus Neuyork haben sich Mary P i ck s o r d und Douglas Fairbanks anscheinend wieder vertragen. Die Scheidung, von der so viel die Rede war, wird nicht ausgesprochen. Douglas will nach Hollywood zurückkehren, und der Ver- kauf der Villa„Pickfair" findet nicht statt. Carpentier über das Kinder-Stehlen Carpentier, der Ex-Wcltboxmeister, ist nach einem Aufenthalt von einem Monat in Amerika nach Paris zurückgekommen. Der starke Georges verkauft jetzt Wein und hat mit Bor- beaux und Bourgogne im nicht mehr trockenen Erdteil die besten Ersahrungen gemacht. Die Gangsters in Amerika legen sich nach den Erzählungen des Box-Altmeisters setzt vielleicht aus den legalen Wein- Handel, ihr hauptsächlichster Verdienst ist heutzutage der KidnapiSme, das heißt das K i n d c r- K l a u e n. Mar- l e n e Dietrich hat vier Dektive angestellt, um über ihre neunjährige Tochter zu wachen. Carpentier will in Paris im Film„Tobeggan" mitbrehen und vor der Leinwand nochmals die Boxhandschuhe anziehen. An- und Verkauf zentraleuropü sehst und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles s P. Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT S8-40 BIS 4» (Pariser(Theater JKercredi.#e 13 IToeenaOre Opera.— 8 h Vercingétorix(avec G. Thill)., Com. Française.— 8 h 30 La Pais chez soi, Le Duel- Op. Comique.— 8 h 15 Le Barbier de Seville(Rossini). O d eon.— 7 h i5 Napoléon., Gaite Lyrique.— 8hi5 Le Pays du Sourire(op. Eran Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard 111(Shakespeare). Jeudi, fe 10 JTovemAre Opera.— Relâche.. Com. Francalse.— 2 h Ândromaque, La Madone l'Etoile; 8 h 30 La Mégère apprivoisée, La Madone à l'Etoile. Op. Comique.-— 8 h 15 Louise(Charpentier). O d eon.— 2 h 30 Le Mariage de Figaro(Beaumarchais)! 8 h 30 La Colombe poignardée, l'Heure espagnole. G a i t e Lyrique.— 8 h i5 Le Pays du Sourire(op. Fran Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). BRIEFKASTEN St.«alle». Sie tun recht, sich gegen Oie Tammlungen „Teutschcn Winterhilsswerks" zu wenden. Es handelt sich um ein rein parieiegoisiische Veranstaltung. In vielen Gemeinden Deutzan lands mitgen Fragebogen ausgefüllt werde», die Marxisten un Juden und sonstige Nichtgleichgeschaltete von den Unterstützungen ausschließen. Sie haben vielleicht gelesen, daß der Nazi-Notring>n Saarbrücken von den für die Aermften erbettelten Gelder« seine» Bonzen einen neuen Personenkraftwagen•?»- geschafft hat. Im Reiche drüben, wo jede öffentliche Kontrolle fehlt, wird die Korruption bei diesen notorischen Spitzbuben noch größer sein. E.«., Brüssel. Nach Ihren Mitteilungen Hai sich ein SA.-Man». den Sie mit Namen nennen, Im Walde an der gleichen Stelle er- schogen, an der er zusammen mit drei weiteren SA.-Leuten eine» Marxisten ermorden mußte. Ter Mann war anscheinend doch su die SA. des Herrn«»ring nicht recht geeignet. M.«., Paris. Wir danken Ihnen für die Uebersendung de« „Teutschen Allgemeinen Zeitung"e gleiche Anordnung gilt auch für die Beamten, Angestellten und Ar- belter der Gemeinden. Tie Bürgermeister sind dafür veraniwort- lich, daß die Anordnung befolgt wird.— Hoffen wir, daß aum Minister und Bürgermeister das Verbot beachten. Zur Kritik gibt uns diese Verfügung keinen Anlaß. Freund iu Bern. Wir danken Ihnen für die Zusendung der Zeitschrift„Der Freidenker", die wir mit Interesse gelesen haben, insbesondere wegen des tapferen Kampses gegen die Frontistcn- Daß stark freidenkerische Gebiete eine ausfällend geringe Krimi- nalität haben, hat auch die deutsche Statistik längst erwiesen. Tierfreund im Elsaß. ES war uns in der Tat entgangen, daß Hermann Göring zum Ehrenpräsidenten aller deutschen Tierschutz- vereine ernannt worden ist. Vielleicht revanchieren sich die Tiere demnächst dadurch, daß sie Mcnschenschutzvcreine gründen und im preußischen Reiche Göring« die ersten Ortsgruppen errichten. Von den Affen soll übrigens ein Protest gegen die Darwinsche Theorie vorliegen, weil sie die Verwandtschaft mit faschistischen Menschen als ehrenkränkend für ihre Raste betrachten. Nur die Verbrennung der Darwinschen Bücher in Deutschland empfinden sie dankbar. Apotheker Hossenfelder. Ihren Vorschlag zu 1> halten wir nicht für durchführbar, schon weil es an der nötigen Organisation fehlt. Auch war da« Kräfteverhältnis zu ungleich. Zu 2): Solche„Grütze" gibt es in Deutschland längst zur Genüge. Polizeidirektor Eber, Würzbnrg. Sie machen sich im„Würzburger Generalanzeiger" über die marxistischen Gefangenen im Konzen- trationSlager lustig. An einer Stelle sagen Sie: „Den Abort hatten sich die Kameraden seist bauen müssen: er war gar lieblich verziert mit den Farben der Republik und der Internationale." Sic Flegel ahnen nicht, wie sehr Sie sich und andere deutsche Schinder durch einen solchen Satz selbst charakterisieren. Noch vor einem Jahre haben Sie vor Brüning gedienert. Jetzt suchen Sie unter Hitler Karriere zu machen. DaS wird Ihnen und JhreS- gleichen alle? nichts helfen. Sie werden nicht in die Lage kommen, in Ruhe Ihre Pension zu verzehren. El Antisaschista Barcelona. Tie ersten Nummern Ihrer neue» Zeitschrift in Spanisch und Tentsch haben wir erhalten. Wir freue» uns über jeden Mitkämpfer. Unsere Grütze und unsere Glück- wünsche! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der Voiksstimm« GmbH.. Saarbrücken S, Schüyenstraße 5. Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIÉ EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden 25, Bd. BaaM'NouvdUe, Pari.(2), Têt Lauvr« 22.93 Tél. Trinité 43»!3 Métro P i g'a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanato* riumsgebäude. Die aller modernste Einrichtung c) Gebnrtshiltliehe Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten Ordination täglich von 9—12 nnd 2 «in d) Zahnärztlich«* Kabinett Zahn, und Mundchimrgte 8; Sonn, nnd Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr