Sinzigs unabhängig« Sageszeitung Deutschlands tymnmer 12fi 1 l.hrp. ng| Saarbrücken, Donnerstag, 16. November 1933| Chefredakteur: M. Braun Xateinstfkrifi? Ja oder JTein? Vielfach ist der Wunsch geäußert worden, unsere Zeitung in Antiquaschrift zu segen. Um unseren Lesern die Möglichkeit zu geben, selbst zu entscheiden, ob sie diese Aenderung wünschen, werden wir von heute ab für einige Tage unsere Beilage ,JDeutsche Stimmen" in Antiquaschrift bringen. Wir bitten um möglichst viele Meinungsäußerungen aus unserem Leserkreise und von unseren Verkäufern, ob sich der Uebergong zur Antiquaschrift für die ganze Zeitung empfiehlt. Die tiehelmc AnMaüescliriM ®le Oherreichsanwaitschaft ohne Scholdbewels gegen die angeklagten Kommunist Die Anklage ein fnrlstischer Skandal Bor««S liegt eine Abschrift der bisher«nver- iffentlichteu Anklageschrift in der Strafsache gegen vanderLnbbe und Genosse» lZ I 8638, also des amtlichen Anklagematerials zum Prozeß gegen die Reichstagsbrandstifter. Wir kennen auch den Weg und die Methode, die es ermSg- lichten, in de» Besitz der Anklageschrift zn kommen. Es ist anerkennenswert, wie tapfer Freunde des Rechts sich um die Beschaffung der Anklageschrift bemüht haben. Kragt man aber, ob das Ergebnis die Gefahren lohnt, so kommt man zu einem„Nein". Diese Anklageschrift ist nur an sehr wenigen Stellen der Veröffentlichung wert. Es ist eine in jeder Beziehung minder- wertige Arbeit, tief unter jeder juristischen Durchschnittsleistung. Man darf hinsichtlich der Zeugenaussagen keinerlei Sensationen mehr er- «arten. Van der Lübbe leugnet feine Beteiligung an der Tat nicht. Für die Schuld der übrigen Angeklagten aber bringt dieAuklageschriftnichtden Schatten eines Beweises vor. Sie führt dieselben kriminellen oder nationalsozialistischen Zeugen vor. die nun seit Monate» schon das deutsche Reichsgericht und die gesamte deutsche Recht» sprechung bloßstellen. Die Anklageschrift ist genau so armselig und willkürlich konstruiert wie der ganze bisherige Prozeßverlauf. Hochverrat und Brandstiftung «ämtlichen Angeklagten wirb vorgeworfen °l unternommen zu haben die Verfassung des Deutschen Reiches geivaltsam zu ändern: 2,® rfäfeltci&e B r a n d st i ft u» q, und zwar in der Absicht. Aufruhr zu erregen. Herangezogen werden die &§ des StGB. 81 Nr. 3, 82, 306 Nr. 2 und 3, 807 Nr. 2, 808, 48, 47, 78. Es handelt sich um die Paragrafen des Hochverrats und der Brandstiftung, ferner des Versuchs, ein Ver- brechen oder Bergchen zu verhüten und der gemein- ichaftlichen Ausführung. .«ußerdem ist der 8 5 der Verordnung zum Schutze u» Staat und Volk vom 28. Februar 1083 und der§ 1 des Gesetzes über die Berhängung und den Bollzug der Todes st rase vom 29. März 1933 herangezogen. Die erst genannte Verordnung bestrast Hochverrat und B r a n d st i s t u n g mit dem Tode. Die zweite Verordnung ermöglicht den Galgen für die Verurteilten. Anerkannung für Dimitroff Ueber Dimitroff, der schon in der Anklageschrift als der i n t e l l i g e n t e st e und gefährlichste der drei Bulgaren bezeichnet wird, erfährt man, daß er in Bulgarien das Real- gymnasium bis Untertertia besucht hat, dann Lehrling in einer Druckerei war, als deren Chef der spätere Minister- Präsident Radolslawoff bezeichnet wird. Dimitroff war eine Reihe von Jahren Schriftsetzer, dann Sekretär der bulgari- schen Gewerkschaften, nach dem Weltkriege wurde er Kommu- nist. Er begann seine internationale Lausbahn. Im Sep- tember 1923 nahm er führend an dem Ausstand in Bulgarien teil^die Bewegung wurde niedergeschlagen. Seitdem lebte Dimitroff m mehreren Ländern im Exil. Die Nazi-Prahlhänse ihn in Saarbrücken erscheinenden Zeitungen gebt folgend« Bekanntmachung der Kundgebung am Niederwald hatte das Organisationnkomite* •ine Zahl von 64 Sondersägen nach Büdesheim vpfgpseheu. ** r"—— uDiw.™ unci nntiBBnciDj vqr»«teneu. »-»»»«-Iii,»» der uttïrfilid, gelösten Fahrk.rlen konnte die Beförderen» à Teilnehmer j' 42 Züge eingeschränkt werden. y, jQ n letalen Tagen des Monates September wurde die Eisenbahndirektion Leitung der NSDAP, benachrichtigt, dafi die für Mitte Oktober in Beurig- Doti' vorgesehene Kundgebung die Einlegung ron ungefähr 30 Soodèrrugen di u Am 10. Oktober waren nur 16 500 Fahrkarten gelöst, wodurch für **iofahrt die Einlage von 15 Zügen und für die Rückfahrt 13 Züge erforderlich ^°fden wären. •o* 10^ Oktober teilte der Chef der Propaganda mit, daß nur noch ein Zug S«^âwstag und 4 Züge am Sonntag in Frage kämen. Die 4 Sondersäge nach * rb,Jr g. die für den Sonntag vorgesehen waren, wurden auf Verlangen der Dtr»«»teller ' ek« Itlskrss. Abend des 2. 11 1933 ging bei der Eisenbahndirektion eine schriftliche ^ ung für 8 Züge mit susammen 7425 Personen ein. j^. ,0er der bestellten Züge mußte im Hinblick auf die Ansah! der angemeldeten ^ Menden in 2 Züge«erlegt werden. Andererseits wurde einer der 3 ab Saar* bestellten Züge nicht in Anspruch genommen, was der Eisenbahnverwal* v"D erst unmittelbar vor der Abfabrtsseit des Zuges mitgeteilt wurde. Befördert in den 8? üg en insgesamt rund S 600 Reisende, ständigen Aenderungen der Anträge durch die Antragsteller seitigen ^'^verständlich ernste Unzuträglichkeiten. Sie haben nnnütae Arbeiten und £. u'*aben im Gefolge. Um diesen Unsuträglichkeiten su begegnen, wird die ^J^bshodirektion künftig in allen Fällen, in depen es sjeh um mehr als 4 Züge , von dem tarifarischen Recht Gebrauch machen, die Bestellung ^ 1 u 1• h n e n, wenn nicht 8 Tage vorher Strecke, Zeit, Wagepklasse und DefäHre Zahl der Reisenden bekanntgegeben wird. Ebenso wird für die Ver* ,"tfenheit wie auch für die Zukunft bei Nichtinanspruchnahme bestellter Züge D.Ii—*,-.--''-'- dia ^'Uen Fällen voij dem Rechte Gebrauch gemacht, daß der r*its erwachsenen Kosten eu sihlea Besteller hau Flugblatt und Mitgliedsbuch Die Anklageschrift erwähnt kein Wort davon, daß van der Lübbe in der Brandnacht oder später Verbindungen mit der Sozialdemokratie zugegeben habe. Die amtliche Lüge des meineidigen Ministerpräsidenten Göring, auf die er die Unterdrückung der gesamten sozialdemokratischen Presse stützte, ist also schon in der Anklageschrift preisgegeben worden. Selbst der gewiß nicht empfindliche und von klein- lichen Bedenken angekränkelte Untersuchungsrichter scheute sich, eine so unsinnige Behauptung zu übernehmen. Dagegen sagt die Anklageschrist, daß van der Lübbe bei seiner Festnahme das„jetzt in dem Hauptband I, Hülle Bl. ö4 befindliche Flugblatt„Auf zur Einheitsfront der T a t" bei sich hatte". Festgenommen wurde van der Lübbe von dem Polizeibeamten Poeschel, der ausdrücklich unter seinem Eid— und gegen ihn liegt nicht der Beweis, nicht ein- mal der Verdacht des Meineids wie gegen seineu Minister- Präsidenten vor— ausgesagt hat, daß van der Lübbe kein Flugblatt bei sich hatte. Wo dieses Flugblatt herkommt, bleibt also ungeklärt. Während des Prozesses ist es bisher in seiner Hülle ge- blieben. Wir erinnern uns nicht, daß in irgendeinem Prozeßbericht die Verlesung dieses Flugblattes erwähnt worden wäre oder daß sich das Gericht die Mühe gemacht hätte, den Ursprung dieses Flugblattes festzustellen. Nicht behauptet wird in der Anklageschrift, daß van der Lübbe ein Mitgliedsbuch der Kommunistischen Partei bei sich getragen hätte. Auch diese Lüge des preußischen Ministerpräsidenten ließ sich für die An- klage nicht verwerten. Die Brandstiftung war vorbereitet Man erfährt aus der Anklageschrift, daß van der Lübbe, um sein Tun nur recht auffällig zu machen, schon vor dem Zer« triimmern der Fensterscheiben und vor dem Einsteigen d i e Kohlenanzünder in Brand ge st eckt hat. Die Sach- verständigen Professoren Josse, Dr. Wagner und Ge- richtschemiker Dr. Schatz haben schon in der Untersuchung dargelegt, daß van der Lübbe nicht der alleinige Brandstifter sein kann. Der Brand im Plenarsaal müsse von mehreren Personen sachgemäß vorbereitet worden sein. Gerichts- chemiker Schatz hat sich nach der Anklageschrift dahin geäußert, daß wahrscheinlich Petroleumberivat, ent- weder Leuchtpetroleum oder Schwerbenzin, ver- wendet worden set. Das mit diesen Flüssigkeit getränkte Material sei im Saal verteilt und mit Zündschnüren oder Film st reifen, wahrscheinlich mit diesen letzteren, in Brand gesetzt worden. Schatz ist der Ansicht, baß auch im Stenografenraum ein besonderer Brandherd gewesen sei. Der unterirdische Gang Der preußische Ministerpräsident Göring hat ausgesagt, daß nach seiner Meinung die Täter den unterirdischen G g n g zum Hause und Garten des R e i ch s t a g s p r ä s i- denten benutzt haben. Die Anklageschrift aber bezeichnet daS als ausgeschlossen. Die Türen zum unterirdischen Gang seien fest verschlossen gewesen. Wenn die Täter durch den Gang entkommen waren, hätten sie also genaue Kenntnis der Oertlichkeit haben und sämtliche Türen aufschließen und wieder verschließen müssen. Bei aller Unglaubwürdigkeü bei preußischen Ministerpräsidenten ist bedauerlich daß der Gerichtshof so wenig der Vermutung GöringS Beachtung schenkt. Der eilige Nationalsozialist Zu den vielen unrichtigen Angaben der Anklageschrist ge- hört auch die Behauptung, daß Torgler und Koenen die beiden einzigen Abgeordneten gewesen seien, die sich an dem Abend des Brandes im Reichstag aufgehalten hätten. Inzwischen ist festgestellt, daß der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. A l b r e ch t erst gegen 10 Uhr das Haus verlassen hat. Nach seinen Angaben ist er freilich erst in den Reichstag gerannt, als er hörte, daß das Gebäude brenne. ES haben ihn zwar Zeugen aus dem Hause eilen sehen, bisher aber hat niemand bezeugt, wann er den Reichstag betreten hat. Der kommunistische Abgeordnete Torgler, der vor der Ent- deckung des Brandes den Reichstag verlassen hatte, sitzt seit 9 Monaten in Haft, davon 0 Monate in Fesseln. Ter n a t i o- n a l s o z i a l i st i s ch e Abgeordnete, der während deS Brandes„fluchtartig" das Haus verlassen hat, befindet sich aber nicht nur in Freiheit, der Untersuchungsrichter hat ihn nicht einmal beachtet. Und erst die Pressekritik hat die Vernehmung des Dr. Albrecht erzwungen. Logische Purzelbäume An einer Stelle wird gesagt:„Wahrscheinlich sind am Nach- mittag die letzten Einzelheiten der Brandlegung besprochen worden." Einige Seiten weiter aber wird gesagt,„daß dafür, daß van der Lübbe Torgler schon früher ge- kannthätte.keinschlüssigerBeweiserbracht" sei. Man stelle sich vor: Der Untersuchungsrichter selbst ve- zweifelt, daß Torgler van der Lübbe jemals gesehen hat. und nun soll der kommunistische Führer der Reichstagsfraklion sich in einen belebten Raum des Reichstags setzen, um mit einem bis dahin wildsremden Menschen die Brandstiftung des ReichötagSpalastes zu besprechen. Das ist alles! Oberreichsanwalt Werner und Untersuchungsrichter B o g t, die die Geschmacklosigkeit hatten, sich vor dem Reichs- gericht mit der Ehre des deutschen Richtertums zu brüsten, müssen in dem schändlichen Machwerk, daS sie eine Anklage- schrift nennen, in dürren Worten zugeben, daß gegen Dimi- troff nicht der geringste Schatten eines Beweises für die Be- tetligung an der Brandstiftung vorliegt. Man weiß, daß Dimitroff wie Torgler S Monate lang in Kette» gelegen haben. Man erinnert sich, wie Dimitroff immer wieder, wenn er sein Recht wahrt, aus dem Saal befördert wird, wie der preußische Ministerpräsident diesen Mann Verbrecher und Gauner beschimpft, wie er ihn mit dem Galgen und mit dem Totschlag bedrohte! Nun wohl, was hat die Anklage diesem Bulgaren vorzuwerfen: Nichts! Tie behauptet lediglich ins Blaue hinein, wir zitteren wörtlich: „Daß Dimitross an der Vorbereitung in irgendeiner Weise mitbeteiligt gewesen ist, sei es auch nur in der Form, daß er durch Beratung oder psychische Einwirkung die Tat der andere» Beteiligten gefördert und ihr«n Täterwillen gestärkt hat." Das ist wörtlich alles. Daraus wagt die deutsche Justiz die Freiheitsberaubung, die Fesselung, die Mißhandlung, die Aechtung, die Bedrohung eines Ausländers durch die höchsten Beamten des Landes zu stützen! Es ist eine Schmach für Deutschland! Die Weltrevolution in Seidenberg In einem besonderen Teil der Anklageschrist werden die hochverräterischen Bestrebungen der Kommunistischen Partei behandelt und ihre wiederholten Aufstände. Aber der letzte Aufstand liegt 10 Jahre zurück: Hamburg 1923. Von da ab hat die Anklageschrift nur noch sehr dürftiges Material. Nebenher freilich widerlegt sie in einem einzigen Satz die eidlichen Aussagen der Minister Göring und Göbbels, die behaupten, daß die bolschewistische Gefahr im Februar riesengroß gewesen sei und wir»nmittel- bar vor kommunistischen Aufständen uns bekunden hätten. Die Anklageschrift straft die beiden Bolschewistentöter Lügen, indem sie sagt, daß im Jahre 1933 durch die neue Regierung ein energischer Kampf gegen die Kommunisten geführt worden sei,„der in Deutschland allenthalben bei der ordnungsliebenden Bevölkerung lebhaften Widerhall" gefunden hat. Wer da glaubt, daß der Untersuchungsrichter sich die Mühe gemacht hätte, dokumentarisches Material für hochverräterische Aktionen der Kommunisten heranzuziehen, täusch t sich. Fortsetzung auf Seit« 3. Große Mehrheit tor warrant fronhreldis Standpunkt unverändert: Rückkehr nadi Genf Erhöhtes Mißtrauen gegen Ilitier-Deufsdiland- Paul-Boncour und Sarraut 5 -nilitii-ttK-« ki'i Ueber die machen? o»« Tausend©<« Paris, 14. November. Im Sauf der heutigen Kammersitznng ergriss Pau l» B o n c o u r zu tiner großen außenpolitischen Rede daS Wort. Er erklärte, das Ergebnis des 12. Il o v e m- bcr habe nicht überrascht und es sei nicht geeignet, den französischen Standpunkt zu ändern. Tie Revolution in Deutschland sei durch den vergangenen Wahssonntag bestätigt worden. Gleichviel, welche Friedensbeteuerungen in Reden gegeben würden, gleichviel, was die leitenden Männer wollten» gerade die Auffassungen, aus denen die Bewegung, die triumphiert habe, beruhe, schlösse Gefahren in sich, aus die die Außenpolitik der Nachbarvölker Rücksicht nehmen müsie. Nach einer langen Periode der Depression glaube das deutsche Volk in dieser Aufreizung des Nationalgefühls einen Grund zum Leven und zum Hoffen gesunden zu haben. „Wir," so erklärte der Minister,„bleiben bereit, einen be- st i m in t e n und konkreten Vorschlag entgegen- z u n e h m e n." Die politische Auffassung, die in der Rasse begründet sei, enthalte unbegrenzte Möglichkeiten und greife über die Nation und Grenzen hinaus, so wie sie die Geschichte und die Verträge gezogen hätten. Zwischen der hitlerschcn Resolution und der Genfer Institution bestehe ein Antagonismus. Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund könne nicht die Politik der geeinten und in Genf solidarischen Völker ändern. Ks sei nicht erstaunlich, dast die Nachbarn Deutschlands besorgt seien und daran dächten, ihre Politik den Ereig- «isscn anzupassen. Es sei erstaunlich, bast man die Bemühungen Frankreichs zur Verwirklichung der Ergebnisse der Abrüstungskonferenz ver- kenne, die erzielt gewesen seien, als Deutschland sich vom Völkerbund entfernte. Frankreich habe niemals dem Zu- sammentritt der Abrüstungskonferenz, die Frankreich eine neue Sicherheit geben solle, Hindernisse in den Weg gelegt. Was würde aus der Ucberlegenheit werden, die Frankreich habe, wenn Deutschland aufrüste? Dann würde Frankreich eben weiter rüsten, und das würde dann zum Abgrund führen. Man müsse zwischen einer Politik der Gewalt und einer Politik internationaler Zu- fammenarbeit wählen. Freunde und Gegner der Regierung hätten durch ihre Inter- pellationen ihre Wahl getroffen. Alle hätten sich dafür aus- gesprochen und hätten anerkannt, dast die einzige wirkliche Garantie gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands in einer für alle gerechten(équitable) Kontrolle beruhe. Nach einem Neberblick über den Stand der Abrüstungs- arbeiten zur Zeit des Austritts Deutschlands aus dem Völkerbund befaßte sich Paul-Boncour mit dem Locarnopakt und stellte fest, dast er noch in Kraft sei. Damit das Land der nahen und fernen Zukunft mit Ver- trauen entgegcnblicken könne, müsse betont werden, dast der Viererpakt keineswegs den guten Beziehungen Frankreichs zur Kleinen Entente und zu Polen Abbruch getan habe. D i e französischen Beziehungen zu Rußland hätten völlige Aenderung erfahren. Er selbst habe den Nicht- eine angriffspakt mit Rustlaph ratifiziere» lgssen und den französisch-türkischen Bertrag unterzeichnet. All das gebe aber keinen Anlast, an eine E i n k r e l s n n g S p o t i t I k gegen Deutschland zu glauben. Frankreich denk« nur daran, einigend zu wirken und die Mächte zu stärken, die entschlossen seien, den Frieden aufrechtzuerhalten. Es liege nur an Deutschland, sich anzuschließen. Die Unter- brechung der Genfer Verhandlungen sei bedauerlich. Frank- reich sei bereit, sich auszusprechen, soviel man wolle. Er sei weiterhin für diplomatische Verhandlungen. Tie Sonder- abmachungen könnten sich in das allgemeine Abkommen ein- passen. Frankreich habe in Berlin einen Botschafter, Deutsch- land habe in Paris einen Botschafter Jeder konkrete Vor- schlag, der Frankreich unterbreitet werde, werde gewist von Frankreich mit dem Ernst geprüft werden, den eS stets bei Verhandlungen mit einem großen Lande bewiesen habe, von dem Frankreich sehr wohl wisse, daß seine Be- Ziehungen zu ihm zum größten Teil die Ausrechterhaltung des Friedens in Europa bedingten. Frankreich werde, seinen Verpflichtungen getreu, nur im Einvernehmen mit denen handeln, die durch einen im hellen Sonnenlichtabgeschlossenen Pakt mit ihm verbunden seien. Alle Sonderabmachungen zwischen Deutschland und Frankreich müßten in den Völkerbund ausmünden. Unter diesem Vorbehalt strikter Lonalität sei Frankreich, das müsse man wissen, überall zur Stelle und bereit, zu verhandeln. Paul-Boneour kam in seiner Rebe auch auf den Artikel 2.18 des Ve r sa iller Vertrags zu sprechen. Dieser Artikel könne die Vorteile nicht ersehen, die ein allgemeines Abkommen über die Herabsehung der Rüstungen mit sich bringen würde.„Ich erkenne," fuhr er fort,„die Schwierigkeiten dieses Artikels. Welche Bor- würfe würbe man mir aber machen, wenn ich diesen Artikel anwendete, ohne auf die Erforder- n i s s c d e r öffentlichen Meinung der Welt Rücksicht zn nehmen." Frankreich werde auch fernerhin sich entschieden für eine Fortsetzung der Arbeiten der Abrüstungskonferenz einsetzen, da man nur so zu einem Abkommen gelangen könne, bei dem lediglich die Unterschrist Deutschlands fehle. Er erblicke darin den einzigen Weg, der zu einer Verständigung der Mächte führen könne. Obwohl Frankreich seine Anschauungen nicht habe durchsetzen können, die cS nach wie vor für gerecht halte, es sei doch nicht von der Abrüstungskonferenz zurück- getreten. Es habe damit ein Beispiel gegeben, dem andere Mächte hätten folgen können. Der Reichskanzler erkläre, dast nichts. Deutschland und Frankreich trenne außer der Saarfrage. Man müßte eigentlich sagen: Nicht einmal die Saarfrage. Zwischen Deutschland und Frankreich könne dieses Problem ver- handelt werden. Deutschland habe aber kein Recht, eine Konvention anzu» greifen, die dem Saorvolk das Recht gibt, frei über sich selbst zn bestimmen. Die Saar stehe unter der Autorität des Völkerbundes. Nur die RcgierungSkommission und der BölkerbundSrat feien ermächtigt, Maßnahme» zu treffen. Die Rolle der französischen Regierung sei lediglich die. die an der Saar ansässigen französischen Staatsangehörigen zu schützen und über die wirtschaftlichen Interessen, die Frank- reich an der Saar habe, zu wachen und die aufrichtige und freie Volksabstimmung zn garantieren, und zwar in seiner Eigenschaft als Mitglied des Völkerbundes. ßeweg'e à p aà Nach der Wiederaufnahme der Sitzung ergreift der Bor- sitzende der Finanzkommission. Oberst Fabry, das Wort. Eine Rüstungskontrolle wäre ge g e n ü b e r dem Krtegspotentiell Deutschlands unwirk- s a m. Die im Versailler Bertrag zugestandenen Rüstungen habe Deutschland bedeutend überschritten: eâ erzeuge schwere Haubitzen, Flugzeugabwehrgeschlltzc und riesige Munitions- Vorräte. Deutschland wolle nicht, dast seine Rüstungen kon- trolliert werden, deshalb habe es die Abrüstungskonferenz verlassen. Der Grundsatz der Rüstungsgleichheit sei für Frankreich unannehmbar. Weil Deutschland 70 Millionen Einwohner habe, Frankreich aber nur 40 Millionen, müsse es überlegene Rüstungen besitzen. Rüstungsgleichheit würde zur Hegemonie Deutschlands führen. Der Sozialist Jean Longuet ist der Meinung, dast der Wahlersolg Hitlers die furchtbarste Tatsache des Augen- blicks sei. Die Ursachen des Rückgangs der Demokratie im Lande Goethes. Kants, Beethovens und von Karl Marx will er nicht näher untersuchen, auch die Mitverantwortung, die der Versailler Vertrag für die Entwicklung der Dinge in Deutschland trage, nicht feststellen, sicherlich habe aber die Ruhrbesetzung ans Hitlers Erfolge ein- gewirkt. Zu betonen sei, dast im Blick auf das Hitler» regime in Deutschland, in Genf eine für Frankreich günstigere Atmosphäre entstanden sei. Unter gewaltiger Spannung der Kammer ergreift darauf Franklin Bouillon das Wort. Seine heutige Rede stellt vielleicht alles in den Schatten, was man bis jetzt von ihm zu hören gewohnt war. Für ihn kommt es lediglich aus die eine Frage an, ob die Kammer zur Regierung das Ver- trauen hat, Frankreichs höchste Interessen in der gegen- wältigen Krise zu verteidigen. Deutschland rüste aus, zu dem alleinigen Zweck» Krieg zu führen. Am Sonntag hätten sich 40 Millionen Deutsche um Hitler geschart, um die Revision des Versailler Vertrages zu erreichen. Diese Revision bedeute den Krieg. Daladicr grell c'n Bouillon hatte in setner Rede behauptet, daß England in keinem Falle sich auf eine Probezeit einlassen wolle. Kriegs- minister D a l a d t e r bestritt dies. Bouillon wollte es dann aber durch Macdonalds letzte Rede beweisen. Der britische Premier, führte er aus. habe erst vor wenigen Tagen ver- sichert, er werde den Ausdruck„Probezeit" nie zulassen. Da- lädier antwortete ihm darauf, er könne im Interesse Frank- reichS eine Behauptung, die notorisch falsch sei, nicht unwidersprochen lassen. Das Schlimmste fei zur Zeit Verwirrung der Geister und Panikstimmung. Diese wäre jedoch nur dann berechtigt, wenn Frankreich annehmen müßte, daß seine Interessen nicht entschieden genug verteidigt würden. Unter dem 28. September habe Sir John Simon der Einführung der Probezeit voll zugestimmt. Er habe sich diesbezüglich Frankreichs Auf- fassung völlig zu eigen gemacht unter Hinweis darauf, daß nlan augenblicklich vorsichtig sein müsse. Mit Recht habe ni an diebeutschen Mannschaftsbestände, be- stehend aus Reichswehr und paramilitä- rischer Organisation, zusammengerechnet. £rüuü»,u...„„tu uuißit»v tv*i uiu a i mit kurzfristiger Dienstzeit einzusühren. Rüstungskontrolle beliebe man sich lustig zu diese habe es gestattet, in Deutschland viele wehre und Geschütze zu zerstören. Simon habe sich bereit erklärt, bei Lösung der Abrüstungs' frage in der Weise mitzuwirken, dast allen Beteiligte» Genugtung werde. Sarraul in der Nschtsi'znnd Jftn Laufe der Nachtsitzung sprach Ministerpräsident Sarraut: „Man hat uns gefragt." erklärt er,„welches unsere Haltung sein wird- Zunächst werden wir kaltes Blut bewahren, weu wir mit 40 Millionen Franzosen nicht wissen, was Furcht ist- Mögen alle Mütter es wissen: Unser Land hat neben seine» moralischen Kräften die materielle und militärische Krast, die es jedem verbietet, ihm seinen Willen zu diktieren. iTtur- Mischer Beifall.) Unser Land hat nach dem Siege alles get»»' um das große Menschenwerk des Friedens aufzurichten E» will fortfahren, in diesem Sinne zu arbeiten, heute mehr als «eitern. Weit entfernt von mir der Gedanke, daß die Abstim««»» eines Landes von 80 Millionen Einwohnern ohne Beden» tun« sei. Aber glauben Sie vielleicht, dast es anders se>» könnte? Die Vorbereitung dieser Wahl ließ keinen Platz für Illusionen. Und doch haben sich fast I Millionen Wähler diesem Druck nicht gebeugt! Ich erwartete ein voraus« zusehendes Ereignis. Sarraut lehnt die Idee eines Panikfriebens ab und wünscht einen Sicherheitsfrieden. Er betont, daß Frankreich am keinen Fall den Genier Boden des Völkerbundes und der Abrüstungskonferenz verlassen werde. Wir haben die®*' klärungen Hitlers gehört. Ich sage ihm ganz offen, mit Kla^ heit und Festigkeit:„Sie bekräftigen Ihren Wunsch»aw Frieden und Verständigung. Dieser Wunsch ist auch der unserige.«chon lange baben wir ihn ausgesprochen. Wir haben alle Opter bewilligt in diesem Wunsche, der stets die Politik Briands inspiriert hat. Genau wie er wünschen wir die Verständigung und die Annäherung mit einem Lande, das wir weder bedrohe» noch demütigen wollen. Wir wünschen, daß Deutschland einen gerechten Platz nuter den Rationen einnimmt. Bit sind nicht ohne Mitgefühl sür seine Leiden. Wir sind human. Wir werden mit oder ohne Deutschland das Friedenswcrk fortsetzen. Tie Frage der Gleichberechtigung muß eine loyale und ehrliche Lösung erhalten. Deutschland verlangt sie und sagt, wir hätten sie ihm versprochen. Tue Gleichheit, ja, aber auch die Sicherheit. Deutschland verlangt bloß die Gleichheit der Rechte, aber es läßt die Sicherheit beiseite, und es hat die Ahrüstungskonfcrenz verlassen. Gleichberechtigung ohne Gegenlei st ung nie» m a l s! Wir sind zu Verhandlungen bereit unter zwei Bedingungen: Zunächst müssen sie im vollen internationale? Lichte stattfinden, und dann wollen wtr.dav sie auf normalem d i p l o m at t s ch e n W e g e vor- bereitet werden." Di« Kammer sprach in der Nachtsitzung der Regierung«st List, gegen 194 Stimmen das Vertrauen aus. Neocr Pro:e$(an(ensfurm »tr MOsttcM I BrtentoMKnns,,, samnsHrca Am Montagabend tagte im Sportpalast in Berlin die Generalversammlung des Gaues Groß-Berlin der„Deut- schen Christen". Nach einer Rede des Bischofs Hossenfelber, der nach dem Wahlsiege den Kampf für eine dculjche evange- tische Kirche proklamierte, sprach Gau-Obmann Tr. Krause- Vorbehaltlos erklärte er, dast der Totalitäls- anspruch des Nationalsozialismus auch vor der Kirche nicht haltmachen könne. Auch in weltanschaulichen Dingen gebe es in Deutschland nur ein Ne- giment, das Adolf Hitlers. In Vollendung der Sendung Martin Luthers müsse das Ergebnis einer zweiten deutschen Reformatio» eine deutsche Volkskirche sein. Man nahm dann eine Entschließung an, in der die Versetzung oder Amtsenthebung aller Pfarrer gefordert wird, die nicht willens oder nicht sähig seien, bei der Vollendung der deutschen Reformation aus dem Geiste des Nationalsozialismus führend mitzuwirken. Die Landeskirche müsse den Arierparagraphen schleunigst ohne Abschreckung durchführen und alle sremdblütigen evan- gelischen Christen in einer„Jubenchrt st lichen Kirche" zusammenfassen Die deutsche Volkskirche müsse ernst machen mit der Verkündung einer heldischen JesuSgestalt als Grundlage eines artgemästen Christentums, in dem an die Stelle der zerbrochenen Knechtschaft der stolze Mensch trete Dann wurde das Horst-Wessel-Lied gesungen... Das war selb st dem neuen Reichsbischof Müller zuviel. Nach dem Wolss-Büro wendet er sich scharf in einer Erklärung gegen gewisse Ausführungen auf dieser Kundgebung, die in unerhört agitatorischer Weise sich gegen das alte Testament wendeten und sogar das neue Testament einer kirchlich unmöglichen Kritik unterzögen. Derartige Anschauungen und Forderungen seien ein uner- träglicher Angriff auf das Bekenntnis der Kirche. Solchen Geist lehne die Leitung und Führung der evangelischen Kirche mit aller Schärfe ab. Er, der Reichsbtschof werde nie und nimmer zulassen, dast der- artige Irrlehren sich in der evangelischen Kirche breitmachten. Diese letzte Bemerkungen deS Richsbischofs bezichen sich auf die Forderungen des Herrn Dr. Krause, daS Alte Testa- ment als Religionsbuch auszuschalten und alle christlich?« Führer abzulehnen, die nicht restlos auf dem Boden des Nationalsozialismus ständen. Inzwischen hat der evangelische Oberkirchenrat den Studienassessor Dr. Krause, den Redner der Berliner Knndgcbung, wegen seiner Ausführungen mit sofortiger Wirkung von seinen sämtlichen kirchlichen Aemtern sus- p e n d i e r t-- . Dieser schwere Konflikt beweist, daß die Gleichschaltung durch die„Deutschen Christen" nichts weniger als eine Ver- cinheitlichung der evangelischen Kirche erreicht hat. Nicht nur, dast unter der Führung der Marburger theologischen Fakultät zweitausend evangelische(Geistliche die Alleingeltung der„Deutschen Christen" und die Durchführung des Arier- paragraphs ablehnen: Jetzt muß sogar der Hakenkreuz«?- schmückte Reichsbischof mit Maßregelung eingreifen, um die allcrwildesten unter seinen Braunen zu zähmen. Man darf sagen, daß das evangelische Volk innerlich nie so entzweit war wie heure, wo es unter Hitler im Namen der völl che» Sendung Martin Luthers„geeint" werben sollte. Pfarrerniaßrege'uvrgen heg'nneu Berlin, 14. November. Non unterrichteter Seite wird dem vdz.-Büro mitgeteilt! »In Verfolg der über die Neuordnung innerhalb der evan« gelischen Kirche erforderlichen Maßnahmen wurde» die Pfarrer Niedmöller sDahlemj, v. Rabenau sSchöue« bcrgj und Schars sSachscnhaosen bei Berlins mit sofortiger Wirkung ihres Amtes enthoben. Gegen die Genannten si»* Disziplinarverfahren eingeleitet» weil sie gegen den RS.««* deutsch-christlichen Geist im notwendigen Reuaufba» de* evangelischen Kirche Widerstand geleistet haben. vel m sächsischen Textilarbeiternest Seidenberg in der Ansitz hat sich in der Wohnung des Bäckers Kuhn» das On Nevolutionstribunal zusammengeiunden.„Mehrere m°^oiunisten", deren historische Namen leider der Mit- und k?^wolt nicht verraten werden, haben ausgerechnet in der vllchewlstlschen Backstube zu Seidenberg zusammengesessen, de« Geraten, wie sie von Seidenberg aus zusammen mit T»^chochoslowakischen Kommunisten die bolschewistische ^errorwelle über Deutschland und das übrige Europa werfen können. Glücklicherweise haben sie einen Polizeispitzel mit ein» ' ber„den Eindruck" hatte, daß diese weltgeschicht- "che und weltrevolutionäre Sitzung in Seidenberg sOber- £M'tz) ans Anregung der Zentrale der KPD. erfolgt ist. «o kam es zwar nicht zur bolschewistischen Revolution, ober zu einer Perle in der Anklageschrift des deutschen «berreichsanwalts. Beenden wir diesen Blick in die Anklageschrift, deren -belmhaltung sich mühelos aus ihrer Jnhaltlosigkeit und .j or Unwahrhaftigkeit erklärt, mit dem Schlußkapitel, das w Brandstiftung und den Hochverrat politisch und rechtlich «rd.g.. Es genügt, diese juristischen Nebel ohne Kritik und vue Zusatz hier wiederzugeben: Dnnhler Zeuge im ReldisfogsproieB i We Beweggründe: fin' bat sich dann der Angeschuldigte vanderLubbe uoer seine Beweggründe bei seiner Bernchmung vor dem "utersuchungsrichter ausgelassen. Dieser hat ihm zunächst vorgehalten, daß die versuchte Brandlegung am Wohlfahrtsamt Neukölln doch eigentlich sinnlos gewesen sei, da sich van der Lübbe hätte sagen müssen, daß die auf den Schnee oes Daches geworfenen Kohlenanzünder keinen Brand ver- Ursachen könnten, und daß durch die Inbrandsetzung des Wohlfahrtsamtes in der Hauptsache nur die notleidenden ^eute geschädigt worden wären, da die Auszahlung ihrer Unterstützung mindestens für einige Zeit verzögert worden ware. Daraus hat der Angeschuldigte van der Lübbe erwidert, mau könne nicht über den Schaden nachdenken, wenn man glaube, etwas tun zu müssen. Er sei der Ansicht gewesen, daß in den Handlungen, die in Deutschland getan wurden, zu wenig Protest zum Ausdruck komme. Infolgedessen habe er sich überlegt, welche Formen des Protestes geeigneter sein könnten als die bisherigen. Er habe sich bemüht, die zum Ausdruck gekommenen Proteste noch zu steigern und zu vergrößern. Auf die Frage des Untersuchungsrichters, wogegen er habe protestieren wollen, hat van der Lübbe erwidert, er habe gegen da S kapita- 's frische Softem protestieren wollen. Unter diesem System verstehe er den ganzen heutigen gesellschaftlichen «ufbau, der schlecht sei. Er sehe in dem gesellschaftlichen Streben Kräfte, die einen neuen Aufbau bestimmen wollten. Und diese neuen Kräfte, die er in dem Klassenauftreten des Proletariats erblicke, habe er unterstützen wollen. Sie be- »änden darin, daß Gruppen der Proletarier, losgelöst vom Kapitalismus, beständig austräten. Was diese dann machen sollten, das bestimmten diese Kräfte selbst. Die Ueber- Windung des Kapitalismus könne nicht durch Stimmzettel geschehen, sondern nur durch das tatkräftige Auftreten der werktätigen Klasse. Das fei natürlich die Revolution. Um aber zu einer solchen zu gelangen, sei Fortentwicklung notwendig. Seine Meinung sei, daß das in Deutschland bestehende kapitali- ftische System durch Gewalt und ungesetzliche Handlungen, jedenfalls nicht allein mit dem Stimmzettel beseitigt werden müsse. Er sei sich allerdings auch darüber klar, daß er das revolutionäre Auftreten unterstützen, aber nicht umfassen könne. Die versuchte Anzündung des Wohlfahrtsamtes sei seiner Ueber- ^ugung nach nur„eine kleine Strömung in dem großen Strom für die Revolution oder jedenfalls für das Austreten her Klaffen" gewesen. Seine Tat bei dem Wohl- 'ahrtsamt sei daher lediglich eine Mitarbeit >ür die Entwicklung der Revolution ge- wesen, könne aber diese Entwicklung nicht bestimmen. Mögen nun auch diese Ausführungen des Angeschuldigten van der Lübbe über seine politischen Ansichten, die er bei den Brandstiftungen verfolgt hat, zum Teil reichlich unklar und überspannt klingen, so geht doch jedenfalls aus ihnen soviel klar hervor, daß van der Lübbe bei diesen Brand- fristungen von dem einheitlichen Vorsatz geleitet worden ist, die Arbeiterschaft aus ihrer vermeintlichen Untätigkeit und Energielosigkeit aufzurütteln, um dadurch die Revolution zu entfachen, die bestehende Gesellschaftsordnung zu stürzen und an ihrer Stelle die Diktatur des Proletariats aufzurichten. I« diesem Sinne sollte« die Brandstiftungen und ins- besondere der Reichstagsbrand für die gesamte deutsche Arbeiterschaft ein weithin leuchtendes Fanal zur Einleitung des Bürgerkriegs sein... Der Angeschuldigte T o r g l c r kann bei seiner Tat von leinen anderen Beweggründen geleitet worden sein, als der Angeschuldigte van der Lübbe. Das ergibt sich schon ohne weiteres aus seiner politischen Funktionärstellung als Mit» alied der früheren kommunistischen Reichstagsfraktion. Wenn der Angeschuldigte Torgler behauptet, die KPD. lehne individuelle Terrormaßnahmen grundsätzlich ab, so beweisen demgegenüber die zahlreichen Terrorakte, die in den letzten Iahren von Mitgliedern der Kommunistischen Partei unter- vommen worden sind, ohne daß von den maßgebenden Führern der Partei dagegen wirksam eingeschritten worden wäre, das Gegenteil. Weiter ist aber dieses Berteidiaungsvorbringen des An- aeschuldigten Torgler schon deshalb abwegig, weil es sich bei der Reichstagsbrandstistung überhaupt nicht um einen individuellen Terrorakt im eigentlichen Sinne handelt, da diese Brandstiftung den Austakt zu der gewaltigen Er- Hebung des revolutionären Proletariats in Deutschland bilden sollte. Die Angeschuldigten Timitrofs, Pop off und Ta ne ff sind ebenfalls überzeugte und zielbewußte Kommunisten. Sie haben, wie schon erwähnt, in ihrer Heimat Bulgarien sämtlich dem Zentralkomitee der KP. angehört und an den dortigen kommunistischen Umsturzbewegungen 'tilgenommen, sich später auch längere Zeit in Rußland auf- gehalten. Wenn sie sich unter diesen Umständen in Deutsch- 'and an der Brandstiftung im Reichstag beteiligt haben, so können sie dabei nur von den gleichen Beweggründen ge- 'eitel worden sein, wie die Angeschuldigten van der Lübbe und Torgler. „ Im übrigen hat auch der Angeklagte Dimitrosf. sicherlich der intelligenteste und gefährlichst« der drei Bul- Die gepeinigte Frau Es wurde dann Frau K ä m p s e r zu ihrer Zeugenaussage ausgerufen. Tie Zeugin weinte schon bei ihrer Vereidigung. Sie erklärte, daß sie schwer nervenkrank sei. Tic An- geklagten mußten aufstehen, und die Zeugin sollte sagen, ob sie einen von ihnen kenne. Sie sah die Angeklagten an und brach dann in Schluchzen aus.— RA. Dr. Teichert bat, zu prüfen, ob hier 8 55 der StPO. vorliege. Danach kann ein Zeuge die Aussage aus solche Fragen, bei deren richtiger Beantwortung er sich selbst der Gefahr einer Strafverfolgung aussetzen würde, verweigern. Neuer Ehrenzeuge des Oberreichsanwalts Ter Zeuge„Kommunist" Kämpfer, der bei seinen ersten Vernehmungen niemand wiedererkennen wollte, gab zu. daß der Angeklagte P o p o s f in den Monaten Mai, Juni, Juli und November 1982 jeweils mehrere Tage in seiner Wohnung gewesen ist. Er war ihm von der KPD. als Emigrant zugewiesen worden. Was Popoff dort trieb, habe er nicht gewußt, aber er habe beobachtet, daß er auf seinem Zimmer auch Flaschen hatte, und mit Flüssigkeiten arbeitete. Poposs habe einen Koffer und eine dicke Aktentasche gehabt. Einmal sei eine Kiste an- gekommen, angeblich mit Büchern, und Popoff habe dann immer die gestillte Aktentasche aus der Wohnung mit- genommen. Wahrscheinlich habe er den Inhalt der Kiste weg- getragen. Auch Ta nefs hat der Zeuge wiedererkannt. Er sei einmal in der Wohnung bei Popoff mehrere Stunden gewesen. Aus Fragen erklärte der Zeuge, daß es sich bei den Flaschen angeblich»m Likör gehandelt haben soll. Popoff habe aber einmal ein Wasserglas in der Küche ausgegossen und es sei dann eine Stunde lang ein benzolartiger Geruch in der Küche gewesen. Der Zeuge erklärte, daß er aus Angst vor Strafe und aus Angst vor seinen eigenen Genossen früher nichts aus- gesagt habe. Er nehme ans seinen Eid und habe keinen Zweifel, daß Poposs und Tanefs in seiner Wohnung ge- wesen seien. Auf eine Frage deS Reichsanwaltes P a r r i s i u S gibt der Zeuge die Möglichkeit zu, daß er bei seiner Festnahme den Beamten gesagt habe:„Ihr sucht wohl jetzt den Reichstag?- branbstister? Aber ich werde keinen reinlegen, von mir kriegt Ihr nichts raus!" Auf Veranlassung des Verteidigers Dr. Teichert wird festgestellt, daß der Zeuge Kämpfer wegen Diebstahls und R ü ck s a l l d i e b st a b l s insgesamt zu 6'/, Iahren Zuchthaus und Vit Jahren Gefängnis bestraft worden ist und die letzte Zuchthausstrafe 1926 abgesessen hat. Er hat auch unter Polizeiaufsicht gestanden. Dimitrosf meint, solche Elemente würde die KPD. a»S» geschlossen haben. Als Dimitrosf weitere Angriffe gegen den Zeugen richtet, entzieht ihm der Vorsitzende das Wort. Der Zeuge sagt, er habe der Partei und der Roten Hilfe seine Borstrafen verschwiegen. Unklare Aussäge Nach der Pause hat sich die Zeugin Frau Kämpfer etwas beruhigt. Sie wird vom Vorsitzenden auf den 8 55 hingewiesen und darüber belehrt, daß sie auch die Auskunst aus'solche Fragen verweigern kann, durch deren richtige Be- antwortung sie ihren Ehemann belasten würde. Mit dieser Begründung hat die Zeugin schon bei ihrer außer- gerichtlichen Vernehmung vor einigen Tagen die Aussage verweigert. Sie sagt heute, sie habe geglaubt, daß schon der Verkehr ausländischer Kommunisten in ihrer Wohnung straf- bar sei. Nunmehr wird die Zeugin nochmals gefragt, ob einer der Angeklagten ihr bekannt sei. Sie bittet daraus Poposs. die Brille abzunehmen. Als Poposs ohne Brille dasteht, sagt Frau Kämpfer:„Er kommt mir bekannt vor. er kommt mir auch nicht be, kannt vor? ich habe mich um die Besucher weniger ge, kümmert." Ein anderer der Angeklagten komme nicht in Frage. Tie Zeugin sagt dann, als der Vorsitzende sie unter Hin- weis aus ihren Eid nochmals eindringlich fragt, ob Poposs in ihrer Wohnung gewesen sei. sie glaube, daß es Poposf gewesen sei. Das ihr gestern vorgelegte Bild deS Popoif sei ihr freilich ähnlicher erschienen als heute der persönliche Eindruck. Sie habe dem Fremden einmal im Juli 1932 die Tür ge- öffnet, sie wisse aber nicht, ob er öfter als ein paar Nächte in der Wohnung geschlafen habe. Sie habe sich um ihn nicht gekümmert, sei damals auch oft zur Pflege eines Kranken ihrer Wohnung ferngeblieben. Der Angeklagte Poposs hält der Zeugin vor. daß er nach amtlicher Auskunft im Juli 1932 in Rußland gewesen sei. Frau Kämpfer bleibt bei ihrer Aussage. Poposs sagt, der Zeuge Kämpser habe heute eine salkche Aussage gemacht, um aus dem Konzentrationslager her» auszukommen. Kämpfer weist diese Behauptung erregt zurück und sagt, er habe im Gegenteil bei seiner ersten Vernehmung gelogen, um nicht in die Sache hineingezogen zu werben, und weil er Angst vor seinen eigenen Genossen hatte. Er habe auch nach Frankreich flüchten wollen, um nicht als Zeuge im Reichs- tugsbrandprozeß vernommen zu werden. In Zweibrücken sei er aber verhaftet und dann inS Konzentrationslager ge- kracht worden. Auk eine Frage des Angeklagten Dimitrosf, ob nicht angesichts des starken Verkehrs in der Kämvterschen Wohnung eine Verwechslung mit einem Manne vorliegen könne, der Poposs ähnlich sehe, erwidert der Zeuge Kämpfer, dann müßte es ein Doppelgänger von Popotf sein. Oberreichsanwalt für Zuchthäuslereid Der Oberreichsanwalt beantragt, den Zeuge« Kämpfer zu vereidigen...._ RA. Dr. Teichert wendet sich gegen diesen Antrag, da Kämpfer, wenn seine Aussage richtig sei, der Teilnahme oder Begünstigung der Tat verdächtig sei. Der Oberreichsanwalt widerspricht dieser Auf« fassung und erklärt, daß ein Verdacht in Beziehung auf diese konkrete Tat nicht bestehe. Dr. Sack weist daraus hin. daß der Zeuge nach seiner eigenen Angabe ins Ausland flüchten wollte, um nicht die Wahrheit über einen Inhalt zu sagen, der ihn stark belastete. Es handele sich hier nicht n»r um die Brandstiftung, son- dein auch um Hochverrat. Dadurch, daß der Zeuge nichts aussagen wollte, habe er die anderen schützen oder be- günstigen wollen. Tie Beschlußfassung über die Vereidigung soll am Schluß der Sitzung erfolgen. Im Ufa-Pavillon Der dann als Zeuge vernommene Kinoangcstellte Päse« wald sagt aus, er habe am 27. Februar im Usa-Pauillon am Nollendorfplatz am Eingang gestanden, aber er könne sich nicht erinnern. Poposf gesehen zu haben. Der Zeuge K r i m i n a l a s s i st e n t K n n a st schildert eine Gegenüberstellung, die heute früh im Usa-Pavillon zwischen Poposs und den Angestellten dieses Theaters stattgesunden hat. Povoff habe dabei genau die Stelle angegeben, an der am 27. Februar P a s e w a l d gestanden haben soll. Pasewald habe aber als seinen Standort eine ganz andere Stelle an- gegeben, nämlich am Eingang, während Poposf eine Stelle im Parkett bezeichnet hatte. Pascwald bestätigt die Angaben des Kriminalbeamten. Entlastungszeugen Der Schneidermeister Effner, der auf Antrag von Dr. Sack geladen ist, um sich über die Telefongespräche zu äußern, die der Angeklagte Torgler am Morgen nach dem Brande bei ihm geführt hat, bekundet, daß Torgler seit langen Jahren sein Kunde sei. Er habe den Gesprächen, die Torgler führte, nicht beiaervohnt, er sei aber mehrmals durch das Zimmer gegangen und habe dabei vernommen, daß Torgler mit einem Rechtsanwalt, mit dem Polizeipräsidium und mit seiner Frau gesprochen hat. Mit Sicherheit habe er gehört, baß Torgler äußerte, er wolle sich bei der Polizei melden oder stellen, aber mit dem Beistand des Rechts- anwaltes. Auf Fragen bestätigt der Zeuge, daß Torgler auf- geregt war. Dann wirb als Zeuge der frühere kommunistische Reich?- tagsabgeordnete Wilhelm Kasper vernommen, der sich jetzt in einem Konzentrationslager be- findet. Kasper soll nach den Bekundungen des Zeugen Kunzak gemeinsam mit Torgler an kommunistischen Spreng- versuchen in der Wublheibe teilgenommen haben. Kunzaks Aussage ivird dem Zeuaen vorgehalten. Kasper wird darauf aufmerksam gemacht, daß er sich nicht selbst durch eine Aus- sage zu belasten brauche, sondern in diesem Falle die Aus- sage verweigern könne. Er erklärt, Kunzaks Auslaae sei, soweit sie ihn betreffe, von A bis Z unwahr. Er habe nie mit Sprengversucheu zu tun gehabt und Hobe auch nicht gehört, daß Torgler damit zu tun gehabt habe. Auf Vorhalt des ReichSgcrichtSrateS Dr. EönderS gibt Kasper zu. davon gelesen zu haben, daß andere Kommunisten Sprengstoffe beschafft haben und deswegen bestraft worden sind. Er selbst aber habe davon nie etwas direkt gehört. Dem Verteidiger RA. Dr. Sack bestätigt der Zenae, baß Torgler immer feine Aktentasche mit Zeitungen übermäßig voll- stopfte. Er bestreitet im übrigen, am Brandabend mit der Fraktionssekretärin Frau Rehme telefoniert zu haben. In tucsem Punkte müsie sich Frau Rebme bei ihrer Aussage ge- irrt haben. Auf eine Frage des Angeklagte» D im i trois erklärt Kasper, die KPD. habe nicht den Individualterror vier die Vorbereitung deS bewatsneten Ausstände? gewollt, sondern die Gewinnung der Massen der Arbeiterschaft. Aus eine Frage T o r g l e r s bestätigt Kalner, baß er mit Torgler zusammen am 19.^anuar 1933 mit dem damaligen Reichs- kanzler v. Schleicher verhandelt habe,»m zu verhindern, daß auS der nationalsozialistischen Kundgebung auf dem Bttlowvlah ein Blutvergießen entstehe. Dimitrosf läßt sich von dem Zeüaen bestätigen, daß Dimitrosf nach seiner Kenntnis nie an Sitzungen der deutschen Kommunisten teil- genommen babc. Die Vereidigung des Zeugen Kämpfer wird abgelehnt. Er hat durch seine jetzt als ungünstig bezeichnete Aussage sich verdächtig gemacht. Er ist daher der Teilnahme an der Tat verdächtig und kann nicht vereidigt werden. Ein Antrag D i m i t r o s s S auf Vernehmung des Polizei- beamten. der Kämpfer vor einigen Tagen vernommen hat, wird abgelehnt, dagegen soll eine Z-ugin vernommen iverden. die darüber Auskunft gibt, ob Taneff im vorigen Jahre ununterbrochen in Sofia war. Die Verhandlung wird dann auf Mittwoch vertagt. garen, keinen Hehl daraus gemacht, daß er als Kommunist einen Bolksaufstand gegen den Kapitalismus billige. Daß dieser Angeschuldigte sich in Fragen einer gewaltsamen Erhebung in Deutschland auch theoretisch ernstlich befaßt hat, beweist im übrigen eindeutig die bei ihm gefundene Bro- schüre„Der bewaffnete Aufstand". RediWhe Würdigung des Sadi- verhol« „Daß die Angeschuldigten Torgler. Dimitrosf. Pop off und Taneff an den Brandstiftungen im Wohl- sohrtsamt Neukölln, im Rathaus und Schloß beteiligt ge- wesen sind, hat sich nicht feststellen lassen. Dagegen sind sie hinsichtlich der Brandstiftung im Reichstag als Mittäter des angeschuldigten van der Lübbe im Sinne des§ 47 StrGB. anzusehen, wobei es unerheblich ist. in welcher Weise sie im einzelnen an der Tat selb st be- teiligt gewesen sind. Denn eS ist anerkannten Rechts. 5atz die T-ilnahmebandliina im Sinne de? 8 47 StrGB nack Art und Matz ganz verschieden sein kann Jedenfalls haben auch die Angeschuldigten Torgler. Dimitrosf, Popoff und Taneff die Brandlegung im Reichstag als ihre eigene Tat gewollt, gleichviel in welcher Weife sie selbst die Brandstiftung unterstützt und gefördert haben. Sämtliche Angeklagte haben sick außerdem eines Ber» brechen» des Hochverrats gemäß 8 82 StrGB. schuldig gemacht. Nach dieser Gesetzesbestimmung ist als Unter» nehmen, durch welches das Berbrechen des Hochverrats vollendet wird, jede Handlung anzusehen, durch welche das konkrete Borhaben unmittelbar zur Anssübruna g«- bracht werden soll sRGSt. Bd. SS. 6«, Bd. 1« S., Bd. 41 S. 14». Bd. 56«. 160). Danach ist also der Umfang der Ausführung der Tat nach 8 62 StGB, als das den Hochverrat bereits voll- endete Unternehmen aufzufassen tRGSt. Bd. 56 St. 173, 175). Im vorliegenden Falle sollten die Brandstiftungen»nd vor allem ber Reichstagsbrand für die revolutionäre Ar- beiterschaft das Signal zum gewaltsamen Aufstand sein. Sie waren also mit anderen Worten als der Beginn der von der KPD. feit länger geplanten und vorbereitete« Revolution gedacht. Alle Angeschuldigten kannten auch die Ziele der KP. und wollten zu ihrem Teil daS Unternehmen des Hochverrats durch ihr gemeinschaftliches Handeln fördern und unter- stützen. Sie haben daher sicherlich zur Verwirklichung des Tatbestandes de?{ 82 StrGB. mitgewirkt. Xb Kcucr Abstieg in der Die im September eingetretene Belebung in den Streichgarnspinnereien hat im Oktober nicht an- gehalten. In der zweiten Hälfte des Monats Oktober gingen nur kurzfristige Aufträge in geringem Umfang ein. Auch in den Streichgarnspinnereien, die Garne für Damen- ware aus reiner Wolle liefern, hat die Beschäftigung nachgelassen. Hieran trägt zum Teil auch die anhaltende marme Witterung die Schuld. Die vorliegenden Bestellungen, die in denkbar kürzest« Lieserfrist erledigt werden müssen, reichten jedoch aus, um die im Laufe des September aus den Höhepunkt gebrachten Belegichauen durchzuhalten. Wenn auch die Musterung für die FrllhjahrSware größtenteils beendet ist, so dürste dennoch eine gewisse Zeit vergehen, bevor die neuen Bestellungen einsetzen. Infolgedessen werden die Betriebe voraussichtlich gezivungen werden, ivährend der kommenden Monate wieder zur Kurz- arbeit überzugehen, zumal leider die Streichgarnspinnereien, da sie restlos von der je w eiligen Saison abhängen, nicht in der Lage sind, aus Lager zu arbeiten. Tic Ausfuhr ist den Spinnereien fast völlig abgeschnitten, während umgekehrt die ausländischen Wettbewer- der nach wie vor mit ihren billigen Angeboten am Markt sind. Die Herstellung von Garnen für Uniformstoffc, für deren Herstellung der Aachener Bezirk nur in gewissem Um- song in Frage kommen kann, bietet hiergegen nur einen kleinen Ausgleich, da viele Spinnereien die zur Verwendung vorgeschriebenen groben Wolle» nicht verarbeiten können. Die Aachener Spinnereien sind vorwiegend auf feinere Textilindustrie Garne eingerichtet. Eine technische Umstellung der Spin- nereien aus die gröberen deutschen Wollen würde an der Kostenfrage scheitern. In den Tuchfabriken haben, sich die Absatzverhältnisse im Oktober gegenüber dem Vormonat ein wenig un- günstiger gestaltet. Obwohl die Preise an den Woll- markte» nach einem kurz vorübergehenden geringen Nach- geben in levter Zeit wieder angezogen haben, konnte stch ein großer Teil der Äbnehmerschast nicht zu Vorausbestellungen entschließen. Die eingehenden Annräge sind zum großen Teil kurz befristet. Im allgemeinen hält dt« Abnehmerschaft mit ihren Bestellungen zurück. Auf Grund b«S ScripS-VerfahrenS konnten einige zusätzliche Aufträge aus dem Ausland hereingeholt werden. Im Tuchgroßhandel und-versanb entsprachen die Austräge in der ersten Hälfte bei Berichtsmonats denen des MonatS September, während in der zweiten Hälft« des Oktobers die Bestellungen etwa S nach li< ßen. Bei den Aufträgen der Kundschaft handelt eS sich um sofort oder kurzfristig lieferbare War«, während Aufträg« aus spätere Lieferung nur in beschränktem Umfang erteilt wurden. In der K r a tz e n i n d u st r i« war der Auftragseingang aus dem Inland wie aus dem Ausland nicht groß. Im Gegensatz zu den Vormonaten machte sich wieder größere Borsicht in der Erteilung von«nf- trägen aus spätere Lieserung bemerkbar. im Stimmung der Dauern Man schreibt uns: Juli— August— September d. I machte ich zwei Fahrrad» „Inspektionsreisen" über etwa 1000 Kilometer durch Hanno- ver, Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen. Die Stimmung war überall schlecht- Ein Berioandtcr, Besitzer von 27 Morgen, rechnete mir im einzelnen vor, wie sehr die Milch- Produktion seiner Kühe durch die Kraftsutterverteuerung lUnmöglichkeit, Sojaschrot zu kaufens zurückgegangen sei. Er hotte bis August 300 Mark Schulden machen müssen. Bor dem Erlaß des Erbhofgesctzes haben viele größere Bauern ihren Hof umschreiben lassen, hstmals geteilt, um den Nachteilen zu entgehen. „Wir haben eine Uniform zu verkaufen!" wurde mir auf großen und kleinen Höfen gesagt. Den hannoverschen Bauern erregt das„Deutsche Christen- tum" genau so wie den Westfalen. Daß die Naziführer ge- wöhgilich die größten Bankrotteure und schlechtesten Be- Wirtschafter ihrer Höfe sind, konnte ich, wo ich nur fragte, bestätigt bekommen- Zu den Insassen der Arbeitslager, deren „Führer" sich gewöhnlich durch jegliche Unfähigkeit aus- zeichnen, besteht das denkbar schlechteste Verhältnis. Die „Vagabunden" werden aus den Bauernwtrtschaften her- hausgeprügelt. Zu dem„Bauerntag" bei Hameln wurden übrigens ohne eigene Einwilligung Hunderte von Arbeitern geschickt, denen man statt vollen Lohn eine Sonderzugfahrkarte für 1,20 Mark in die Lohntüte gesteckt hatte, z. B in Harburg-Wilhelms- bürg. Firma Thörl. Der„Betriebsrat" hatte zugestimmt. Da; Privakredik wird abgesrtiaff! Zu den schäbigsten Gleichschaltungen gehört die von „Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reiche". In diesem Blatt, das Arthur Sptethoff herausgibt, wird selbst der Lump„Reichs- justizkommissar" Hans Frank ernst genommen. Dement- sprechend sieht ein Aussatz des Dilettanten Dr. Hans Dölle auS:„DaS bürgerliche Recht im nationalsozialistischen deutschen Staat." Diesen Aussatz möge jeder ausländische t-aufman», der mit Deutschland Geschäfte zu machen be- abjtchtigt. lesen. Danach wird jeder private Rechtshandel nach Staatsnotwendigkeiten entschieden und nicht nach den Grund- sätzen des Privatrechts in zivilisierten Staaten. Dölle kor- muliert so:„Auch das bürgerliche Reckt darf nur noch als ein Negelgebiet betrachtet werden, das seinen Maßstab allein aus dem Wohl der Gesamtheit gewinnt: daher muß auch d^r Das onhe'mltdie res! von Dana Chronik vom Aufstand im Heiligen Lande— Spaziergänge zwischen Böllerschüssen und Steinwllrsen—„Nieder mit den Efsendis!"— Accos Geheimnis Von Erich Gottgetreu Am 31. Oktober war es in H a i s a in diesem Jahre heißer denn je. Schon morgens um sieben glühte die Sonne, als wollte sie das Meer zum Kochen, die Erde>n Brand bringen. Die Leute schmeckten aus den Ballonen ihrer Häuser den Tag ab: es war Festwetter. Und die Honoratioren von Haisa, allerdings nur die jüdischen, nickt die arabischen, holten wie dies die Honoratioren in aller Welt an Fest- tagen zu tun pflegten Ihre schwarzen Anzüge aus den Schränken und zogen sie an schon im voraus unter der ge- ahnten Last des Mittags keuchend und schwitzend. Aber am Kafseetisch lag dann eine Ueberrajchung. ein Brief: der High Commissioner von Palästina dankt für die Bereitwilligkeit, an der festliche» Einweihung dcv Hafens teilzunehmen, sieht sich aber zu seinem Bedauern gezwungen, im Hinblick aus die traurigen Ereignisse, die in den letzten Tagen das Land erschüttert haben, die geplante umfangreiche Festivität ab- zusagen. Da hängten die Honoratioren den schwarzen Anzug wieder in den Schrank und es wurde ihnen leichter umS Herz. Das Fest war aus- * Auf den Straßen drängte sich das Volk vor den Plakaten der Regierung' wie bei allen osfizicllen Bekanntmachungen war der Text in engtisch, hebräisch und arabisch abgesaßt. die Kinder rumorten, die wllten geschloffen am Hasenseft teilnehmen am Abend sollte Feuerwerk vom Himmel regnen, das alles siel nun schon am Mvrgen ins Wasser. Selbst in der engen, dustgeschwängerten arabischen Altstadt war es heute lebhafter als in de» letzte» Tagen, die von der Toten» ruhe des Generalstreiks überschattet waren, des General- stretks. der erst aus wenige Stunden vorgesehen war. nun aber wuchs und wuchs, wuchs mit der Zahl der Toten im Land, wuchs mit der Zahl der Verwundeten, wuchs mit der Wut gegen England, dessen Machtapparat so erschreckend ernst funktioniert hatte. In I a s s a war cö am härtesten zugegangen. Eine mehrere tausend Mannc Polizei, gedeckt von schwerbewaffnetem Militär im Hinter- grund, ließ die mehrfach verwarnten Demonstranten bis auf zwanzig Meter an sich herankommen, dann trieb sie sie mit Knüppeln zurück. Schläge trafen, harte Schläge- WildeS Geschrei begleitete die Flucht der Massen. Schon schwirrten Steine hoch. zwei. zehn, hundert. Auch die Kaffeehäuser lieferten Kriegsmaterial: Wasserslaschen. Zuckerdosen, Eis- stücke; das surrte, klirrte, sprang und rutschte über den Boden hin. als ob all« Geister der arabischen Straße ent- fesselt seien Wer schoß zuerst? Am Ende lagen elf Tote und zweiundzwanzig Verwundete aus dem Pflaster. Zwischen ihnen Fcze, Helme, TarbuschS, Bänder. Stöcke, selbst Ruder aufrührerischer Bootsleute vom Hafen. In einer Blutlache spiegelte sich ein arabisches Haus. Man sah hinauf, sah die entsetzten Gesichter, die fassungslos auf die Straße starrten- Sie entspannten sich, als die erst« Verwundetenhtlfe eintraf: arabische Pfadfinder und jüdische»„Mogen-Davtd", daS rote Kreuz am Jordan. Dies ivar Palästinas trauriges Ereignis a m 2 7 O k t o b e r- In Jaffa und Tel Aviv, ebenso in Haifa, wurde eine Art„Kleiner Belagerungszustand" erklärt: die Bewohner dieser Städte mußten um 6 Uhr abends zu Hause sein und durften sich vor fünf Uhr morgens nicht wieder auf der Straße zeigen: so geschah es, daß die Polizei Passanten, die harmlosesten und die unpolitischsten unter ihnen, zu Hunderten zusammentreiben und vor den Dchnellrichter bringen konnte, der von jedem Uebeltäter schmunzelnd 25 Piaster einstrich. Die Schiffe, die unterwegs waren, wurden in Zypern zurückgehalten oder auch nach Port Said«mg«- leitet: von hier aus wurden dann die Palästinareisenden in die unfreundliche neue Heimat per Bahn geleitet. Am 23 Oktober kam e» zu Zusammenstößen in Haisa. al» eine Anzahl der in Jaffa von der Polizei ver- hasteten arabischen Führer die Stadt passierte— aus dem Weg nach Acco. das HauptgesängniS Palästinas. Zwei Araber wurden getötet sieben verwundet- Die jüdischen Fa- mitten, die in der arabischen Altstadt wohnen, verließen, immhtn mit der Möglichkeit antisemitischer Ausschreitungen rechnend ihr He'm und quartierten sich notdürftig in einigen Sälen deS auf halber Earmelhöhe gelegenen Technikums ein. Eine zwölf Mann große kommunistische Demonstration. Araber und Juden folgte einem Transparent mit der Auf- schrist:„Tod der jüdischen Bourgeoisie! Jagt sie auS dem Land!" SS erfolgten einige Verhaftungen. Am 29. Oktober wurden die Araberin derJerusa- lemer Altstadt aktiv— aber wiederum nicht gegen die dort wohnenden Juden, denen bereits bei der arabischen Demonstration vierzehn Tag« vorher nicht das geringste g«- Doppelverdiener An die Reichsbahn und Reichspoft wurde daS Verlange^ gestellt, alle Töchter,„deren Väter in der Lage sind, für st» zu sorgen", zu entlassen. Nach langem Schriftwechsel m» allen möglichen Stellen hat das Reichspostmintsterium en>- schieden, daß die ReichSpost„zwar mit allen Mitteln bemüm ist, der Arbeitslosigkeit zu steuern,„doch kann sie weder d«» Beamten oder andern scheinbar wohlhabenden Per- sonen zumuten, für ihre Töchter auf das Recht der Berus--- tätigkeit zu verzichten". Nun erhielt diese Stellungnahme des ReichSpostministcriumS auch den Segen von oben. I» Folge 4 der„SchnlungSbriefe des ReichsschulungSamteS der NSDAP, und der Deutschen Arbeitsfront"— waS es ntckj alles gibt— heißt eS wie in einem salomonischen Urteil- „Die Frage, ob berufstätige Töchter pensionierter Beamten als Doppelverdiener anzusprechen sind, ist zu verneinen. Unser Ziel ist eS, den deutschen Männern möglichst fruo ivirtschastlich die Möglichkeit zu einer Heirat zu geben, um damit dir Frau wieder ihrem natürlichen Berufe zuzuführen. Solange dies nicht aus breitester Basis geschehen ist, dürfen wir einem jungen Mädchen nicht das Recht absprechen, stck einen Beruf zu schaffen, um auch über den Tod der El tern hinaus ivirtschastlich gesichert zu sein." In der Praxis schert sich niemand um diesen„Schulungsbries". Nicht einmal>» rein weiblichen Berufen wie bei den Kindergärtnerinnen oder Hortnerinnen Ist die Berufslage günstig: sie wirb in Fachblättern als„sehr ungünstig" bezeichnet. Es wagt ein- jach niemand, wo und als was immer, Frauen anzustellcn- Keine sozialen Wahlen Ein Erlaß des Reichsarbeitsministers|Na 9988/331 weist darauf hin, daß die Amtsdauer der Inhaber von Ehren« ämtern in der Sozialversicherung am Ende dieses Jahre« abläuft. Neuwahlen sind nicht vorzunehmen.„Vielmehr dürste wohl auch in der Sozialversicherung daS Führer- Prinzip zum Durchbruch kommen." Und die Leute wundern sich, daß die Sozialversicherung zum Zusammenbruch kommt. Darf man das sagen? Im„Deutschen Volkswirt" sNr. 5s heißt eS in einem Auf- satz„Die allgemeine Wirtsckaftskonjnnktur in Deutschland: »Man verweist... auf keinen zentralen Punkt der gege^ wältigen Konjunkturprobleme, wenn man sich sorgend nack dem rentabilitätsmäßigen Erfolg der durch Arbeitsbeschaffung eingesetzten Gelder fragt. Entscheidend ist vielmehr, ob jener größere Erfolg die Ausweitung des Einkommens und Güterkreislauies erzielen kann. Daß die Arbeits- bcschaffung ein in diesem Sinne grundsätzlich zu billigende» Mittel ist, wurde früher ausführlich dargelegt. Dringend»st nicht die Frage nach dem Ob, sondern die nach dem Wie der öffentlichen Arbeitsbeschaffung. Wie eS der historischen Ent- wicklunq der Arbeitsbelchaskung entspricht— sie war ur« sprüngltch lediglich sozial gedachte„Notstanbsarbeit" erfolgt die Auswahl der Arbeitsbeschassungsobjekte teils zufällig, teils unter Gesichtspunkten spezieller Natur. Al» Teile eines in sich geschlossenen Systems, dem die Erfüllung ganz konkreter Ausgaben kür den Ausbau der Volkswirt- schau zuzuweisen ist. werden sie noch zu wenig betrachtet. Die Notwendigkeit, oll die verschiedenen Maßnahmen aufeinander abzustimmen— die arbeitsbeschassenden Maßnahmen in sick, dt« Arbeitsbeschaffung mit der Handelspolitik, die Handels- Politik mit der Währungspolitik, usw.—, wird aber immer dringender. Es erscheint uns, als ob hier das dringendste der gegenwärtigen Probleme der Konjunkturpolitik liegt." Rückgang des Eisenexports nach USA. Deutschland führt nach Amerika einen nicht unerheblichen Teil von Waren aus Eisen aus. Es handelt sich u. a. um Röhren und Walzen Stab- und Formeisen, Blech und Draht. Messerschiwedewaren und sonstige Eisenwaren, deren Ge- samtaussuhr sich im Jahre 1932 aus rund 24 Mill. Marl stellte. Den größten Posten lieferten darunter die fonstigen Eisenwaren also wahrscheinlich Eiscnkurzwaren. mit runo 12.5 Mill. Kessel und Maschinenzubehörteile wurden»»• für 2,8 Mill, nach USA. ausgeführt Im ersten Halbjahr 1933 betrug die Ausfuhr an Eisenwaren nur noch insgesatm 9 Mill. Besonders stark ist der Rückgang gewesen bel Kesseln, die jctzl nur noch in Höhe von 0,9 Mill, ausgeführt wurden, an Röhren und Walzen, die nur mit 0,4 M-u. (i V 1,3) ausgeführt wurden und an Stab- und Formellen, deren Aussuhrzahl nach USA- stch auf 0,3(2) Mill, stellte. schehen war. sondern gegen die Polizei. Die meldet am Abend in ihrem Communique zwei Tote und siebzehn vcr mundete«raber. Drei der Verwundeten starben am folgen- den Tage._, Am 30. Oktober herrschte Ruhe im Land. Sir Wauchopc. Palästinas Obcrkommissar, empfing eine Deputation«U arabischer Frauen. Christinnen und MuSleminnen und versicherte sie setner Symphatie für das arabisch« Volk un° seines Bedauerns mit den Opfern der Zusammenstöße- Dan» unterschrieb er die Absage des Haifaer HafensesteS. ES war unheimlich. t. Am vergitterten Hafentor standen einige, die den Aufruf der Regierung nicht rechtzeitig erhalten hatten. Die Regie« rung wollte den Hafen ohne daS vorgesehene Zeremonien und nur in Anwesentheit der ausländischen Gäste, von denen einige sogar auS England und Deutichland gekommen waren, eröffnen Hingegen war nun das offizielle Palästina aiflchsam ausgeschlossen Die Araber, mit den Streikenden solidarifck verbündet, erschienen auS Protest nicht: hätte man aber, konfliktverstärkend, die Juden, die von sich aus mit de» Arahern gern in Frieden lehen möchten, allein zulasse» sollen? To mußte also der High Commissioner König«a- lomo spielen Nur die Journalisten ließ er. außer den Au«' lanbsgästen, noch zu. Die standen nun. Nottzblöcke una Fotokästen in der Hand, einsam vor der in die englische» Farben gehüllten Festtr'bün? am Hasenkai und überlegte» heftig, wie bei solch merkwürdigem Fest ohne Publikum, bet solch gespenstischer Feter mit tausend leeren Stühlen, da- „Stimmungsbild" anzuziehen sei, das ihre Redaktionen vo» ihnen erwarteten. Es war unheimlich. Um halb zwölf böllerte ein Kriegsschiff seine Melodie, d'^ Noten in zierlich weißer Rauchschrtst an« Himmelsblau malend- Gleichzeitig durchfuhr die reich bewimpelte„Law caftrtan Prince" der englischen Handelsflotte den Hafrnein- gang, das Band zwischen den Hafenlichtern mit dem Klet durchschneidend. An Bord der„Lancastrian Prince" war der High Commissioner. AlS er das Schiff, daS nunmehr am Hauptkai festmacht«, verlassen hatte, schritt er, umschwärmt vom Heer der Photographen, die Front deS mit seiner Dudel- sock-Kapelle aufmarschierten Schottenbataillons ab- Schließ- lich hielt er eine kurze Ansprache. In einer anschließend ver- lesenen„Botschaft" des britischen Kolonialministers erfuhr man, daß die Herstellung des Hafens vier Jahr« dauerte: daß sie 2000 Arbeitern. Arabern und Inden, Brot gab: da» sie einviertel Millionen Pfund kostet«, von denen 79 Prozent in Palästina aufgebracht wurden, weiter wurde»nw Ausdruck gebracht, wie wichtig der Haien dem Handel werde, wenn erst Ende dieses Jahres der Tüdarm der Pipeline, der Oelleitung von Mosiul nach Haisa, fertiggestellt sei: endlich erklärt« die britische Regierung im Hinblick aus die„be- Nodiklänge zur„Wahllreiher »Todesstrafe" vasler„Nakional.Zeitung" schreibt: ?^ahl der Abstimmung, an die ein demokratischer sn.•" 1t^ t seiest werden kann, wurde durch eine in ihrer n ecnzig dastehende Wahlpropaganda eingeleitet, eine o»«°ü? 0ani>a' in deren Dienst der gesamte mächtige Staats- "»para, gestellt worden ist.. Tie Wähler wurden unter 2l l en moralischen Druck gesetzt.- überall waren Inschriften J?.^ansparente angebracht:„Ein Landesverräter, der an îste^ras"îcht teilnimmt fund auf Landesverrat steht Eine schüchterne»nd kau» merkbar«, unterirdische«eg«n» i..°p?aanda hat sich da und dort gezeigt- Bon Prag ist bei- wlelSwrise der„Neue Vorwärts" in rund ZMNM Exem- Maren nach Deutschland verbracht worden. In diesem Organ Soztalistensührer Deutschland» im Auslande wurde zur «tlmmenthaltung bei der Reichstagswahl und zum Nein bei ,„ r Volksabstimmung aufgefordert. In Arbeitervierteln ?u««e« verschiedentlich Wahlplakate hcruntergertsien oder ««schädigt. doch war von einer wirksamen Gegenpropaganda mrgends erwaS zu merken- Eine Gegenpropaganda wäre auch tur solche, die sich in ihr in der Oesfentltchkeit hätten betätigen wollen,»it gemiffe» Gefahre« verbunden gewesen. ^' e SA. liebenswürdig" --Frankfurter Zeitung" schmunzelt:„Um die Mittags- ??.?oe kamen Wahlhelfer in die Wohnungen und fragten wfitch man gewählt habe. Wenn die Frage oerneint wurde, gab es eine Ermahnung und nach einiger Ieit war der Frager und Mahner erneut da, bis auch die gaumigsten sich bequemt hatten. An den Ausfallstraßen der «ladt standen TA-Leute. die die AutoS anhielten und, eben- wus in liebenswürdigster(!) Form, fragten, ob man schon gewählt habe." .Die„Taarbrücker Landes-Zeitung" stirnrunzelt:»To kam "ne Beteiligung zustande, wie sie Teutschland bei derartigen «nlässen noch nie erlebt hat. Neben der Propaganda vor der -Gahl. die von der NTTAP. so nachdrücklich betrieben wurde, als wenn sie die Konkurrenz mit anderen Parteien zu be- lwheu hätte, hat dazu die minutiöse und aus jeden einzelnen Wahler eingestellte Werbetätigkeit der nationalsozialistischen Vertrauensleute am Wohltage selbst das ihrige dazu bei- Setragen Wir haben zwar noch kein« Wahlpflicht, aber der November stand doch bereits im Zeichen einer sehr nach- «rücklich vertretenen Auffassung, die die Nichtausübung des Wahlrechtes als eine Pflichtverletzung und so gar al» Lan- dedverrat kennzeichnete." Aus dem Himmelbett zur Wahlurne „Voll und ganz" im Konzentrationslager Niemals haben wir ein schöneres Dokument der päda- gvgijcheu Wirkungen des Konzentrationslagers vor Augen gehabt al» dies, das aus dem»Dortmunder General-An- zeiger"(13. November) kommt: Hagen, 12. November Tie immer wieder im Ausland von deutschen Flüchtlingen verbreitete Lüge, daß die polt- tischen Gefangenen in Deutschland mißhandelt würden, wird durch folgende Tatsache schlagend widerlegt. Die in Hagen in Westfalen untergebrachten politischen Schntzhäit- linge stimmten fast geschloffen für Hitler und den Volks- entscheid- Das Wahlergebnis zeigte folgendes Bild: Für den Volksentscheid stimmten 3l, während nur zwei Rein- und eine ungültige Stimme abgegeben wurden. Für die Liste der NTTAP wurden 3l gültige und nur zivei un- gültige Stimmen abgegeben Dieses Wahlergebnis zeigt deutlich dap die politischen Schutzhästlinge voll und ganz hinter Adolf Hitler stehen, nnd daß sie in der Schutzhaft nicht geprügelt und mißhandelt wnrden, sondern die positive Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Regierung kennengelernt haben und zu ehrlichen Nationalsozialisten bekehrt wurden, nachdem sie den Arbeiterverrat der marxistischen Parteien erkannt hotten. DaS schlägt schlagend ein. Die Gefangenen hatten noch Kraft genug, zur Wahlurne zu gehen nnd für Hitler zu stimmen. DaS ganz« Ausland hätte sehen können, wie sie in leidlich strammer Haltung für die positive Aufbauarbeit der nationalen Regierung zeugten. Keiner schrie und stöhnte, jeder hob seinen Arm und steckte seinen Zettel ein- Tie Reichsregierung sollte Bilder davon herstellen lasten. Zur Widerlegung von Greuelmeldungen. Wir fragen nur: warum läßt man überhaupt National- sozialisten noch immer im Konzentrationslager? Hitlerbegeisterung im Konzentrationslager (Inpreß.) Im Frankfurter Konzentrationslager wurde M Gefangenen„erlaubt", abzustimmen. Davon votierten»? für Hitler. (Inpreß.) Im Konzentrationslager Dachau stimmten W81 Internierte mit Ja. 3 mit Nein,- S Stimmen waren un- gültig. Unkssieg in Basel _ Am SamStag-Sonutag fanden in Basel die S r« e u e» ^"«»wählen in de« Bürgerrat statt. Obgleich bei dieser Wahl nur Bürger, die da» Baseler Bürgerrecht ««sitze». Stimmberechtigung haben, und sich diese Einschrän- 'una naturgemäß»ou selbst gegen das Freizügigkeit»- Vr,»zjp»ex Arbeiterschaft wendet und dadurch da» Wahl résultat von Ansang an zuungunsten der Sozial- Demokratie verschlechtert, ist der SiegeSzna der Schweizer Sozial- demokratie, der sich bereit» in Zürich nnd Genf offenbarte, auch in Bafel nicht anfzn» halten gewesen. Die Sozialdemokratie Basel» hat bei diesen Wahle» eine SSpro, zentige Stimmenznnahme z« verzeichnen, wag allerdings nicht in einem gleichstarken MandatSznwach» 'nfolge deS besonderen BerteilungdmodnS bei der seststehen- «Jen Mitgliederzahl des Bürgerrat» seinen Ausdruck findet. Nächst der Sozialdemokratie haben am stärksten gewonnen die ganz linksstehenden bürgerlichen Radi, kaldemokraten, deren Organ die„Baseler Rational- Zeitung" ist und die Kommunisten, die beide ihre Stim- wenzahlen kräftig Vermehrten, die Radikaldemokraten um rund SS Prozent»ad die Kommunisten»m rnnd SS Prozent. De? verlierende war der Faschismus! Näh- re»d dl? rein faschistische« Fron listen überhaupt keinen Sitz bekommen, hat die Bürger- und®e« werbepartei, die eine» stark faschistischen Einschlaa hat, Mandate verloren, ebenso die Katholische Volk»- partes und die fegenannten Liberal-Konservati- ven, während die Evangelische BolkSpartei nur einen verhältnismäßig geringen Jtimmenrückgang auszu- weisen hat, der ihr da» eine Mandat, da» sie bisher be- lessen hat, auch weiterhin läßt. Die ooranSfichtliche Sitzverteilnng im neuen vürgerrat wird lolgende sein: Sozialdemokraten.11 Kommunisten 5 Raditaldemokrate».... 7 Bürger- und Gewerbepartei g Liberal-Konservatioe... I Katholische Volkspartei.. 4 Evangelische Volkspartei.. 1 Obgleich infolge der besondere« Umstände weder der sozial, demokratische noch der radikaldemokraiische Stimmenzuwachs in der MandatSzunahme voll zum Ausdruck kommen, liegen die Verhältnisse im Baseler Bürgerrat nunmehr so, daß Soziali st en, Kommunisten und Radikaldemo« k raten die Mehrheit erobert habe« nnd jederzeit in der Lage sind, eine Mehrheit von 24 Stimmen für eine Linksenticheidnng in die Waagschale z« werfen, während ihnen bisher immer eine Stimme zur Mehrheit gefehlt hat. ^lagenswerten Zwischenfälle" der letzten Tage, daß England wie bisher gewillt fei. den Völkcrbunds-Auftrag auf Er- Dichtung eines jüdischen NatioualheimS zn erfüllen, dabei «der die Rechte der nichtjüdischen Einwohner des Landes nicht öü verletzen, im Einvernehmen mit dem High Commissioner, «er daS volle Vertrauen der königlichen Regierung besitze... Aber die schöne Rede wurde, wie es die Ironie de» Schick- ">ls fügte, vor fast leeren Stühlen verlesen Die Araber J««elften und die Juden waren auch nicht da Nur England war vollgültig vertreten. Mit höflich lächelnden Beamten und langen Reihen tüchtiger Soldaten. Fünf Flugzeuge der m fr labten lärmend den Himmel entlang, vielleicht «teselben. die vor vier Tagen über dem Kriegsschauplatz von Jaffa ihre Kreise gezogen hatte» * Als ich gegen ein Uhr die Feier ohne Volk verließ, sah ich «m Eingang zum Hafen den„Zwischenfall". mit dem alle gerechnet hatten: schreiend, keuchend, zitternd vor Erregung und Haß verlangte am Haseneingang eine Delegation tief- verschleierter arabischer Frauen de» High Commissioner, den l'e im Hafengelände wußten, vorgelassen zu werden— ihr Bemühen war vergeblich, man schickte sie fort. Die Gruppe verschwand bald wieder im wirren Gewürsel der Hafen- uraße», aber hinter sich ließ sie die Stimmung gespanntesten Interesses der Passanten und der vielen hundert Kaffeehaus- Käste. dt> erstaunt an? dem schwarzweißen Gedankenwald ihres Schach-, Mühle- und Dominospiels emportauchten, in ven Tag zurückfanden und anfingen zu diskutieren— in arabisch und hebräisch, denn die Araber fanden nichts dabei, ba ihr, Kaffeehausbesitzer ihre Unternehmen geschlossen hatten, die Lokale der Juden, gegen die sich ihr Protest ja Uur indirekt richtete, zu besuchen-. »Neberhaupt", erklärte einer, an dessen Tisch ich m'ch uicderließ. weil ich hier einen Bekannten traf—„über- Haupt mußten wir den Engländern einmal s eigen, daß wir noch da sind: daß sie nicht nach Be- ''eben Uber un» verfügen können: daß die Exekutive der arabischen Vereinigung noch die Macht in den Händen hat und in das Schicksal deS Landes eingreifen kann, wenn sie will und wie sie will." Nicht ohne Leidenschaft folgte nun die Antwort des angeredeten Juden: »-.. Als die Toten von Jaffa beerdigt wurden, schrien 5l.uig« Frauen:„Nieder mit den Esfendis! Sie haben unseren Männern gesagt, daß die Polizei nicht schießen wird. Ja. ihre Männer sind wirklich Opfer. Die EssendiS haben ,,e aufgehetzt, auf die Straße getrieben, außerdem unaufgeklärte Beduinen aus Transjordanien und dem Horan htnzugeholt, alle zusammen vor die Flinten der Polizei her— nnd alles das unter ganz verlogenen Parolen. Lebtet ihr nicht seit dem Pogrom von lü2ü mit den Juden tn Frieden? Habt ihr nicht mit ihnen und an ihnen verdient? Floß nicht denen, die jetzt den meisten Krack gemacht haben, den Fischhändlern, den VootSmännern und den Schuhputzer» da» meiste jüdische Geld zu? Stiegen nicht unter dem Einfluß der jüdischen Gewerkschaften die Löhne der ara- bischen Arbeiterschaft? Hilft nicht daS nene Pächterschutzgesetz der Regiernng in erster Linie den kleinen Fellachen? Bewirkt es nickt, daß die Beduinen, die einen be- stimmten Boden zwei Jahre lang bebaut haben, nicht mehr vom Lande vertrieben werden können? Nein, die arabischen Masse» sind schon einverstanden mit der jüdischen Einwände- rung ins Land das aufblüht und vorläufig noch weiter ans- nahmefähig ist Aber die Effcnd'S fürchten die sozialen An- sprüche, die die Juden in euch erwecke». Fürchten, daß ihr bessere Löhne und bessere Häuser haben wollt. Fürchten, daß sie euch nickt weiter dumm halten, nicht weiter unterdrücken können. Aber weil sie euch daS so nicht sagen können, hetzen sie euch unter dem lügnerischen Vorwand auf. daß euer Wohlstand gefährdet sei. während nur ihr prasserijcher LuxuS In Gefahr gerät, wenn ihr die Wahrheit erkennt. Und darum entfalten sie die Fahne deS Nationalism»?, und die Jugend, insbesondere die stndentische, die in Europa war, länst hinter ihnen her weil sie glaubi, daß e» eine ideale Fahne für eine ideale Forderung sei. Gewiß, gegen 1020 hat die Taktik der Esfendis gewechselt, das Ziel ist dasselbe: eure Unterdrückung und Ihr Gewinn!" Der Araber:» Ick weiß natürlich, daß die Vertreibung der Juden auS Paläst'na für die arabische Arbeiterschast ein zweifelhaftes Glück wäre." Der Jude:„Und du weißt wohl auch, daß gestern im Haken die streikenden arabischen Arbeiter ihre jüdischen Ge- nosson baten, an ihrer Stelle ein Schifs auszuladen, weil sie fürchteten ihre Arbeit zu verlieren, andererseits aber ihren Brüdern nicht in den Rücken fallen wollten. Die jüdischen Arbeiter löschten die Ladung. So siegte also letzten Ende» neben der nationalen doch auch die proletarische Solidarität." Tie beiden hatten ihre Unierhallung nicht als Feinde be- gönnen, sie schieden auch nicht als Feinde. Der Araber be- stieg jetzt einen von eineur jüdischen Chauffeur gelenkten Autobus die arabischen Chauffeure streikten ja»och immer, und mit allen anderen Arabern waren sie sich etnig darüber, daß der Streik noch über den zweiten November, den Jahres- tag der Balfourdcklarailon durch die Palästina zur jüdischen Heimstätte erklärt wurde, auszudehnen sei. National« Ordnung muß sein. Renal der Demokratie? S a a r b r ück e n, 15. Nov. 1933. Kürzlich hat das älteste Parlament der Welt, das isländische, einen Sozialdemokraten znm Präsi- denken gewählt— mit den Stimmen, der Arbeiter- und denen der Bauernpartei. In Ba s el hat am Sonntag die Sozialdemokratie trotz eines Wahlrechts nur five solche, die B ü r g e r r e ch t e be- sitzen, einen 43prozentigen Stimmenzuwachs zu oerzsich- nen gehabt. Neben ihr aber darf, zugleich die eivtschieden linkseingestellie bürgerliche Radidaldemokratie einen Stimmenzuwachs von 35 Prozent notieren, dam in kurzem Abstand die Kommunisten mit fast 33 Prozent folgen— insgesamt eine stark« Majorität der Linken gegenüber der bisherigen Rechts Herrschaft im Bastzier Bürgerrat. Dre kürzlich von uns aus Anlah des grotzen Genfer Wahlsieges der Sozialdemokratie aufgezeigte Entwich- lnngstendenz wird durch die Baseler Wahlen erneut bestätigt. Seit der Machtübernahme durch die Hitler- despotie in Deutschland weisen sämtliche europäischen Wahlen einen entschiedenen und scharfen Linksruck auf. bei dem„i» Sozialdemokratie. weitaus voran, in Führung steht. Bafel bestätigt darin nur da» Ergebnis der s i nn l ä nd i fch t r, schwedischen, norive gi-> s chen, englischen. Züricher und Genfer Wahlen. Die einzige Ausnahme bildet die Wahl Komödie Hitlers in Verbindung mit ihrer Bolksabstimmungsgroteske am ver- gangenen Sonntag, bei der das Bold, das zu einer angeb- lichen Wahl wie zu einer Schlachtbank geführt wurde, in Wahrheit keine Wahl hatte! Hitlers Faschismus hat bereits zweierlei erreicht: Er hat den Faschismus im Auslande schwer mitzkredi- t i e r t, wie die Wahlverluste und Wahlniederlagen der von ihnen gespeisten faschistischen Parteien im Auslande beweisen, und er hat den Verfechtern einer starken und militanten Demokratie zu einem Auftrieb verholfen. von dem vor allem die Sozialdemokratie profitiert. Der angebliche Marxistentöter und Verächter der Demokratie hat beiden neue ungeahnte Kräfte aliein schon durch sein abschreckendes Beispiel gegeben. Da» Baseler Wahlresullat aber ist auch nach einer anderen Richtung hin sehr interessant. Es liefert er- neut den Beweis dafür, datz auch in deutsch- sprachigen Ländern mit„arischer" oder„germanischer" Bevölkerung(soweit es das überhaupt gibt!), falls sie über eine ältere demokratische Tradition und über ein ge- schichtliches Erbteil an Kämpfen um ihre Freiheit verfügen, der Hitlerismus mit seinem Suggestionsfieber, dessen Bazillen einen moralisch sehr geschwächten, krank- haften Aufnahmeherd voraussetzen, da» Gegenteil einer Ansteckung erreicht. Die Baseler Sozialdemokraten haben ihre Schlacht in der Dr e i l än d« r e ck« unter unmittelbar st em Hitlereinflutz für uns allegewonnen! M. B, vspen niflcrs Saardelegicrfer Berlin, 15. November. So lächerlich es klingen mag, ausgerechnet Herr v. Pape», der politische Unglücksrabe, ist znm Saarbevollmächtigten der Rcichsregierung ernannt worden. Ihm sind alle Sack- bearbciter der Saarsrag« in de» einzelnen Ministerien unter« stellt und er hat das Recht des uumittelbareu Geschäfts««'- kehr» in diese« Angelegenheiten. Herr von Papen, der erst kürzlich wieder im Saargebtet in seinem Schlosse in Wallerfange« weilte, und bei seinen Verwandten in Mettlach, soll nunmehr die Saarirage zum „guten Ende" führen. Derselbe Papen, der Deutschland schon während des Weltkrieges In der peinlichsten Weife ge- schädigt hat, nnd dessen fatal« Politik da» deutsche Volk in Not und Elend brachte. Wahrscheinlich glaubt Hitler, iu Herrn v. Papen einen Diplomaten gefunden zu haben, der da» reparieren soll, was der Herr Reichskanzler zerstört hat. Nnn wird das deutsche Toarvolk erst recht seinen Willen zur Freiheit bekunden nn» dem undentschcn Hitterismu« abschwören. Pen-Klub Absdilcd tob den nffiertrabsirten Berlin. 15. November tüstst. Aus der Sitzung de« Pen-Clubs in London wurde trotz deS deutschen Proteste» sozusagen einstimmig beschlossen, die Ausnahme von kommunistischen Schriftstellern in den Pen- Club zur Pflicht zu machen. Der eine Mann, der dagegen stimmte, war der deutsche Vertreter Dr- v. Schmidt-Pauli. Da die nationalsozialistischen Schriftsteller reine Partei- Politik treiben, ist die deutsche Gruppe aus dem iniernatio- nalen Pen-Club ausgeschlossen ivorden. Hitler» Depeschen- agenturen melden infolgedessen, daß die deutsche Gruppe ausgetreten sei. Sie haben nunmehr die Absicht, in alle» Ländern Gruppen„nationalbewußler" Dichter und Schrift- stell» zu gründen. Diese Gründerabsichten dürsten niemals verwirklicht werden, da die nationalsozialistischen Schrift- steller von der gesamten Kuiturwelt in Acht und Bann getan wurden und in aller Welt völlig isoliert dastehen. So folgt ein Schlag dem andern, diese Parteibuchmensche» bereiten Deutschland eine Niederlage nach der andern durch ihre ebenso bornierte wie lächerlich« Einstellung. Das gefürchtete Braunbuch Vor dem Schnellrichter de» D a n z i g e r Amtsgericht» für Strafsachen hatte sich der kommunistische Agitator Ewald W ele n e r zu verantworten. Wcsencr hatte im Gebiet des Freistaates Danzig da»„Braunbnch" ausgeliehen und sick dafür von den Interessenten eine Gebühr zahicn lassen. Der Angelchuldigie erhielt deswegen eine Gesängnisstrase von 1 Jahr und V Monate und wurde sofort verhaltet« Sind deutsdt-französisdie Verhandlungen — möglich? Leon Blum verneint die fräße Im„Pop ula ir e" setzt sich Leon Blum mit dem deulich-sranzösischen Problem auseinander, und mit dem Vorschlag Mande l s, gegenüber dem bereits aufgerüsteten Teutschland zur direkte» Aktion überzugehen: „Tie Zeit erfordert rasches Handeln, Aber welche Maß- nahmen soll man der Kammer vorschlagen? Mandel hat weder von der Rheinlandbcsetzung noch von der Wieder- besetzung der Ruhr gesprochen. Er hat den Gedanken eines Präventivkrieges abgelehnt und fordert alS einziges Mit- tel gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands die Anwendung des Artikels SIL des Versailler Vertrages Auch wir Sozialisten fordern eine internationale Aktion als Gegenmaßnahme gegen die deutschen Rüstungen. Es besteht zwischen unseren Forderungen und denen des Herrn Mandel nur e i n Unterschied, den ich möglichst klar heraus- stellen will: Mandel fordert die sofortige Ergreifung der Maßnahme», die sich aus Artikel SIL ergeben, er hält die Abrüstungskonferenz für endgülig gescheitert. Wir dagegen sind der Auffassung, daß eine internationale Konvention über den Stand der Rüstungen zunächst erreicht werden muß, und das ist nur möglich, wenn die Konferenz in Gens zu einem Abschluß geführt wird. Mandel will die Abrüstungskonfe- renz einfach überspringe». Wenn aber Frankreich nicht sein Möglichstes tut, die Konserenz zu einem Ergebnis zu führen, wird es weder die Unterstützung der Großmächte finden noch die Weltmeinung aus seiner Seite haben. Mit anderen Worten: Eine internationale Aktion geaen Hitlerdcutschland kann nicht stattsiuden aus Grund des Versailler Vertrages, sondern aus Grund einer neuen i nternational«n Berein- barung, der Deutschland entweder die Unterschrist verweigert oder gegen die es böswillig verstößt- Ein Borgehen ohne die anderen Großmächte bedeutete eine Isolierung Frankreichs gegenüber der Welt. Wir wün- schen für unser Land weder diesen Rückschritt noch diese Tollkühnheit, die ein Verbrechen wäre. Es gib, viele Stimmen in Frankreich, die die Auffassung betonen daß es nur einen dauerhasten Frieden in Europa geben kann, wenn eine Befriedung der deutfch-sranzösischen Beziehungen erfolg,. Sie glauben, daß eine direkte Ver- ständigung Frankreichs mit Deutschland die letzte Chance für die Erhaltung des Friedens sei. Wir Sozialisten machen keinen Hehl aus unserem Ab- scheu dem Hitleriystem gegenüber, das den deutschen Namen schändet- Wir wären bereit, unsere Gefühle zurückzustellen, wenn dies im wirklichen Interesse des Friedens notwendig ist. Und wir haben das im Falle des V i e r e r p a k t e S be- wiesen. Heute aber sind wir anderer Ausfassung: Die vo« Hitler gewünschte direkte Besprechung zwischen Frankreich und Deutschland verstößt gegen d»e wahren Interessen des Friedens. Der große Unterschieb zwischen dem Biererpakt und dem in gewissen Kreisen geplanten„Zwcierpakt" ist der, daß bei Abschluß des Btcrerpaktes Deutschland mit dem faschistischen Italien zusammen in Gens saß, daß man also von einer internationalen Aktion sprechen konnte- Heute hat Hitler Gens unter Türenschlagen und Tcheibenklirren verlassen. Tie Möglichkeit von Einzelbesprechungen innerhalb des internationalen Rahmens ist damit unmöglich geworden. Wenn Frankreich Hitler das Recht der direkten VerHanb- lung einräumt ist damit Deutschlands Desertion aus dem Völkerbund als nicht geschehen behandelt und Frankreich hat im voraus Hitlers Erfolge zu bezahlen- Ter Völkerbund und die Abrüstungskonferenz erhielten eine so starke mora- tische Niederlage, daß sie sich ivohl kaum wieder davon erhole» würden. Im selben Augenblick, wo Frankreich sich zu einer direkten Verhandlung mit Hitler bercitsände, müßte es dem Hitlerfaschismus Konzessionen machen. Ich halte es für un« diskutabel, direkte Verhandlungen einzuleiten, ehe nicht auf der Ab-üftungskonferenz eine grundsätzliche Einigung über den internationalen Stand der Rüstungen erfolgt ist. Ich komme also zu dem Ergebnis: Keine direkte Aktion gegen deutsche Ausrüstung, keine direkten Verhandlungen mit Deutschland, sondern zunächst Verhandlungen mit den inter- nationalen Mächten innerhalb des Völkerbundes. Abschluß einer internationalen Abrüstnngskonvention ohne Deutsch- land aber unter den gleichen Bedingungen, als ob Deutsch- land noch zum Völkerbund gehörte. Erst dann, wenn Deutschland dieser Konvention seine Zustimmung verweigert oder gewaltsam sich über sie hinwegsetzt, wird die internatio- nale Aktion möglich und notwendig. Dann wird es von der Entschlossenheit der internationalen Mächte abhängen, ob sie den internationalen Frieden mit dem notwcnoigen Nacy- druck zu erhalten vermögen. Der von Mandel herangezogene Paragraph 213 des Ver- Miller Vertrages regelt die Militärkontrolle durch den Völkerbund. Dieser allgemeine Kontrollparagraph besagt, daß. solange der Versailler Vertrag in Kraft bleibt, Teutschland sich verpflichtet, jede Untersuchung, die der Rat des Völkerbundes mit Mehrheitsbeschluß für nötig halten sollte, in jeder Weise zu erleichtern. Mussolini* Horporalionswirtsdiatt ♦» lieberwlndnnß des Kapitalismus Rom, 14. November. Die schon seit langem angekiindigte programmatische Rede Mussolinis über die weitere Ge- staltunq des korporativen Staates hat noch nicht viel Auf- schluß über seine Pläne gebracht. Mussolini setzte sich zunächst eingehend mit dem kapitalistischen Wirtschasts- system auseinander, das durch die zu schassende korporative Ordnung überwunden werden soll- Die Frage, ob es sich bei der heutigen Krise um eine Krise des Systems oder eine Krise im System handle, beantwortete er dahin, die Krise sei derartig in daS System eingedrungen, daß sie eine Krise des Systems geworden sei- Und er suhr fort:„Heute können wir versichern, daß die kapitalistische Produktionsweise über- wunden ist und mit ihr die Theorie des wirtschaftlichen Li- beralismus." ES folgte ein kurzer Aufriß der Geschichte deS Kapitalismus, der bis zu dem Punkt der Gegenwart führte, an dem der Kapitalismus selbst nach StaatSinterven- tion ruft:„Wenn in den europäischen Nationen der Staat nur eine Stunde schliefe, so würde das zur Herbeiführung einer Katastiophe genügen" „Italien mnß eine Nation mit gemischter Wirt- schaft bleiben mit einer starken Landwirtschaft, welche die Basis für alles ist." Die Korporationen müßten im Bewußt- sein des Volkes verwurzelt werden. Der korporativen Or- ganisation sollen gesetzgeberische Funktionen zugewiesen werben. Zunächst aber wird, da die korporaiive Organisation noch nicht ausgebaut ist, die n e u e K a m m e r ebenso wie 1929gewählt werden, und sie w'rd dann über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen haben-„Es ist aber vorstellbar, dast ein Nationalrat der Korporationen dt« heutige Deputierten- kammer ersetzen wird." Damit rundet sich das Werk der faschistischen Revolution ab:„Heute begraben wir den wirtschaftlichen Liberalismus. D'r Kor- poration wirk! auf wirtschaftlichem Gebiet, wie der Große Rat und die Miliz auf dem politischen Gebiet gewirkt haben," Nnd nach einigen Sätzen über den Sinn des korporativen Regimes:„Der homo»economic u s existiert nicht. Es existiert der ganze Mensch, der wirtschaftlich nnd religiös ist, ein Heiliger und ein Krieger zugleich" Mnsso- liui berührte dann die Frage, ob de-<> in anderen Ländern angewandt werden könne, dabin. Ver- suche dazu würden bei der kapitalistischen Krise nicht fehlen, aber drei Voraussetzungen müßten erfüllt sein: eine ein- heitlichc Partei, ein totaler Staat und vor allem ein Lebensbewußlscin von höchster idealer Spannung, Ein solches Bewußtsein habe der Faschismus. »» Zur politischen Krise Europas führte Mussolini aus: Europa halte nicht mehr die Herrschast der Welt in Händen, die es nur wieder erlangen könne durch innere Einheit. „Diese innere Einigkeit Europa» kann nicht erreicht w«rdcn, wenn nicht vorher die großen Ungerechtig« leiten berichtigt werden." Mussolini ließ die Möglichkeit, dies zu erreichen, Revue passieren und kam nach Völkerbund und Locarno schließlich ans den Viererpakt: Niemand spricht jetzt von ihm, aber alle denken an ihn- Eben deS- wegen wollen wir jetzt nicht die Initiative auf- nehmen. Henderson gift an! Er glaubt nicht mehr an die Abrüstungskonferenz Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, gab heute vormittag dem Genfer Vertreter des ReuterbiiroS folgende Erklärung ab: „Ich bin, wie alle» jenen, welche die letzte» Ereignisse der Konserenz versolgt haben, bekannt ist, durch die gegenwärtige Situation der Konserenz ernstlich beunruhigt. Namentlich die Sitzungen am Freitag und Samstag der letzten Woche haben mich sehr verstimmt, da ich nicht die Unterstützung gefunden habe, die ich zu erwarten berechtigt gewesen bin Die Erklärung der italienische» Delegation, daß ihre weitere Haltung diejenige eines Beobachters sein weide, hat mich schwer enttäuscht. Ich muß feststellen, daß sich ein schlechter Wille geltend gemacht hat, die entscheidenden Schritte zu beschließen, durch die allein eine Konventation zustande kommt und die frühe- ren Entschließungen der Abrüstungskonferenz respektiert werden können- Unter Bedingungen, wie sie jetzt entstanden sind, kann ich nicht auf unbestimmte Zeit in Gens bleiben. Es gibt deshalb, bis die Bereitwilligkeit, ernsthaftere Fortschritte zu erzielen, geworden ist. keine andere Möglichkeit, als daß ich das Mandat, welches ich vom Völkerbundsrat erhalten habe, in die Hände des Rates zurücklege." THOTEII OES C H I M t S• E l T S É E I Sonstig, 11 November, 17 Uhr: Htrr CH. M. WI00R wird Sit „F.«cher voi St. Jen" Itittn. Hirr ROCK-FERRIS spielt da« Concerte für Klsv.sr yen trlsg. Hsrr LOUIS OUFOHT singt Sie Fihal-Szeee sus der..WslkUrs''. Ist Programm: 01s Out. sus der ,,Heimlichen Hcchieil" yen Cimtross;„Die Nachfpre- lessien" yen Rabaud unter Leitung ven LOUIS-- SSSELMAKS. Scnntsg, 19. November, IS,30 Uhr: MÜNK-FESTFeurd-Hsyel «seit dsr Mitwirkung yen MARSUERITE LÖHS. MAURICE RAVEL »ird dee Concerte pisne und Seiers leiten. Hsrr L. HASSEL- MANS leitet Shylock, Prelude PénSlepe die Beilüde KrKlevler von Feurd. Daphnie und Chios von Revel. j>omens(ftneider J. Mastchenko /, Rua du Marcké 5t. Heworé»* Ul- Opéra 72-7t Kleider, Mintal, Reite. Umarbattçe, Ra**»iaru«g Studio Ch. Elys. (IS, Avenue Montaigne) WreWe und ihre.Kinder 3 Akte Briefe einer Unbekannten Stefan Zweig f/iopic und J/lania Evrolnoff i«d.n leg.» 9 Uhr N.tkmlHegsvonl.llu.gM um i Uhr feinste indische Selchmaun« und lOienec 3$ äckecei Ç esch äfte JUuis », AVENUE WAGRAM, Tel. Cernot 27-63 ». RUE DE PASJY, Tel. Auteuil 33-61 Inserieren bringt Gewinn Fabrik in Frankreich Maasen Fabrikation ein. Konsumartikels Hir die Indu» strie. Absolut sichere Existene. Zufallsverkauf:u günstigen Bedingungen. Seriös? Intei ess schreiben an A. 5. KAZ, Hôtel ConntiM, 60, r. Dombasle, Paris(15) Um möbliert oder nicht möbliert xn mieten Um Grundstock oder Beoitztom zu kauten Die am besten orentierte Agentschaft 34, Bouievaid Ma'esherbet, Pari»(8) ZIGARREN naefi deufsefiem Sescfimacft Voltigeurs.. Fr. 0,65 Voltigeurs extra Fr. 0,75 Florianas... Fr. 1,25 Diplomates.. Fr. 2,— Patriotas...Fr. 2,25 Campeones.. Fr. 2,25 Magnat.... Fr. 4,— Ambassadeurs. Fr. 6, Obige mit feinem Sumatra und Brasil angefertigte Zigarren sind in jedem T a b ak b uro erhältlich. llliiers heiliger Krieg Zunächst gegen Rußland Die„DAZ." erweist dem Reichskanzler den Bärendienst, in ihrer Nr. 498,M folgende Zuschrift zu veröffentlichen. Drei große Fragen hat Hitler zu lösen, Ausgaben von solcher ungeheuren Tragweite für jeden Deutschen u> die ganze Welt, daß, wenn er auch nur die Lösung e> leitet und z. T. vollbringt, er als einer der größten Staatsmänner der Weltgeschichte dasteht. Ich sehe den Führer gen Osten reiten, gegen den B o> s ch e w i S m u s, ich sehe ihn als Reiter gen Westen«u der Fahne der Völkerverständigung hoch m oe Rechten, und ich sehe ihn als zweiten Schmied der E>»» heit Deutschlands, sowohl in politischer als>» sozialer Hinsicht.. Zum ersten sei an die Worte des Rusien MereschkowUi erinnert:„Furchtbar hoch über uns, aus den Bergen de» Westens, sehen wir einen Reiter, dessen schwarze Silhouette sich deutlich vom Himmel abhebt, der rot ist vom Fe" schein. Wer ist er? Wie könnte man ihn verkennen? o reitet im Schritt, blickt in die Ferne nach Osten, den zückten Degen in der Hand— und hält Wache. Was ve- wacht er und vor wem? Die Europäer wissen es nicht~- Rußland weiß es: er bewacht das heilige Europa vor dem roten Teufel." Heute wissen wir Deutsche es, und Europa weiß es auch. Die Zeit kommt, wo das ganze Abendland, wo die ganze Welt erkennt, daß Hitler der Retter vor dem roten Teufel ist. Anzeichen zu dieser Erkenntnis— au« über Deutschlands Gaue hinaus— sind schon da. Zum zweiten: Ter Reiter gen Westen, er zerstampft»>«' nur die Paragraphen des Versailler„Vertrages", de» schimpflichsten aller Zeiten, sondern sein Wille ist es, die Verständigung unter den Völkern wiederherzustellen, er treibt eine Politik, die zur Verständigung der Völker führen mnß und damit wieder zur Aufrichtung der abend- ländischen Kultur. Uns scheint, daß hier etwas viel ans einmal zerstampft wird. Von der deufsdien nolle Die deutsche Kriegsmarine sucht„Marinebaubeamte". Di« Ausschreibung lautet:„Die Bewerber sollen nicht älter al» LI Jahre sein. Sonstige Erfordernisse: Marinediensttauglich- keit, Freischwimmerzeugnis, Sportgeübtheit. Brillenträger werden nicht eingestellt. Schulbildung: Erforderlich ist das zum Studium an einer deutschen technischen Hochschule berechtigende Reisezeugnis einer ncunklassigen höheren Lehr- anstatt sGymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule, Deutsche Oberschule nnd Aufbauschulej. Gute Kenntnisse>n den neuen Sprachen, in Mathematik und in den Natur- Wissenschaften sind erwünscht. Sonstige Vorbildung- .'lmonatige seemännische Ausbildung nach Anweisung der Rcichsmarine. lSmonatige praktische Ausbildung bei der Marinewerft Wilhelmshaven, mindestens vier Jahre Hoch- schulstudium mit anschließender Diplomhauptprüiung lerste Staatsprüfung! im Schissbau oder Schisssmaschinenbau an der Technischen Hochschule in Berlin oder Danzig. Fach- lichc Ausbildung: 24monatige Ausbildung alS Marinebauführer. Im Anschluß an diese Ausbildung ist die Prüfung zum Regicrnngsbaumcister lzweite Staatsprüfung! abzulegen. Zeitpunkt für die Bewerbung und Meldestelle: a» Für die Einstellung zur seemännischen Ausbildung: vom 1. Januar bis 8l. März des der Einstellung vorhergehenden Jahres. Einstellung nur am l. April jeden Jahres? bj für die Zulassung zur praktischen Ausbildung: unmittelbar na« Ableistung der seemännischen Ausbildung: c> zur Einste!« lnng als Marinebausührer: nach Ablegung der Diplom- bauptprüsung. Die Bewerbungen sind zu richten: zu al: an die Inspektion des Bildungswesens der Marine in Kiel: zn bl: an die Marinewerst in Wilhelmshaven: zu el an das Reichswehrministerium, Marinekonstruktionsabteilung, Berlin." Die beliebten SA.-Männer Bei einer Schießerei in der Horst-Wessel-Siraße in Hoch- neukirch bei M.-Gladbach wurde der 22jährige SA.-Mann Heinrich Esser aus Otzenrath durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er noch in der Nacht im Krankenhaus in Odenkirchen verschied. Ortsgruppenleiter und Sturm- sührer Abels erhielt einen Durchichuß durch die Hand: ein Querschläger prallte am Koppelschloß ab. Ter Täter, ein Mann aus Otzenrath, wurde verhaftet. Das Neueste Berlin, 15. Nov. Der neue deutsche Botschafter i« dee Sowjetunion Nadolny ist gestern nach Moskau zur Heber» nähme seines neuen Postens abgereist. In Bolama jPortogiesisch Guineas ist«in Fischerboot gesunken. An Bord befanden sich 10 Eingeborene, die säuft» lich ertranken. Die BölkerbundSkommissiou zur Reglung des Chaco« Konfliktes reist zunächst nach Paraguay und dann nach Bolivien. Nach Besichtigung des Edaco-Gebietes sollen Bor« schlüge zur Einstellung der Feindseligkeiten und zur schuelle« Beilegung des Streitsalles unterbreitet werden. Das Reichsgericht verwarf die Revision des früheren R e i ch s b a n n e r a u g e h ö r ig e u F ick, der zusamme« mit seinem Gesinnungsgenossen Kaehding in der Nacht zu« »1. Juli 1982 in Lübeck den SA.-Mann Willi Einen erstochen hat, und die deswegen zum Tode verurteilt worden wareu. Das Todesurteil ist damit rechtskräftig. Kaehding hatte sich zwei Tage nach der Urteilsverkündung in seiner Zell« erhängt. Nach einer neuen Rcuter-Meldung heißt der Mörder des Königs Nadir Schah von Afghanistan nicht wie vorher gemeldet, Ghulam Rabbi. Dieser ist wegen seiner seiud» lichen Haltung gegen den König schon vor einem Jahre hin« gerichtet worden. Der Mörder ist der Diener Ghula« Rabbis. Abdul Lhalik, der auch zu allererst als Täter gemeldet worden ist. Der evangelische Oberkirchenrat bat beu Studienassessor Dr. Krause wegen einer Red« bei der Sportpalaftkuud« gebung der Deutschen Christen am IS. November»ou seinen sämtlichen kirchlichen Aemtern suspendiert. Nach dem ersten Urteil de» Marinekriegsrate» auf Java erhielten 10 Meuterer de» Panzerkreuzers„Siebe» Pr«» vin,eu" Gesängnisftrafen vo»« bis 1« Jahre«. ®eutsdke Stimmen•(Beilage son..Deutstfken Freiheit"• Ireiénisse und Qesdkidkten ÉlMllM nerstag. den 1«. NovmbT Mamas Warnt mcteidiqt sich Qeschichle von Vatec und Sohn Vor wenigen Wochen beschäftigten wir uns mit der zwei« oeutig.p ass j ven Haltung der Schriftsteller Thomas Mann, Uoolin und. Schickele, die ihre angekündigte Mitarbeit an .* Eraigrantenzeitschrift„Die Sammlung" mit der Begründung widerriefen, die antifaschistische Tendenz dieser Zeitschrift sei ihnen nicht bekannt gewesen. Die drei etntetcn daraufhin ein Beinahe-Loh der„Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums", die ihnen attestierte, ®"e seien„keine geistigen Landesverräter". Die„Wiener Arbeiterzeitung", die gleich uns Ihr Erstaunen über die Eigenartige Vorsicht der bisher geistig freien Schriftsteller aussprach, erhält nun von Thomas Mann einen Brief, in dem u. a. heißt: w•. Sie erzählen die Geschichte meiner öffentlichen Ab» ®*ge und der einiger andrer Schriftsteller an die von meinem vohn geleitete Zeitschrift„Die Sammlung" und folgern daraus die Tatsache unseres geistigen Todes. Für meine Person habe ich zu jenem Vorgang folgendes zu bemerken: So lange »n Deutschland die Sprache frei war, habe ich als ein Mann, der sein Vaterland liebt und es glücklich und geachtet sehen föchte, mich mit allen meinen Kräften für das eingesetzt, Was ich für wünschenswert und richtig hielt. Sie in Wien haben Proben davon: ich habe vor Wiener Arbeitern nicht, Jrie Sie sagen, meinem Bekenntnis zur Demokratie„sogar" Zugeständnisse sozialen Verständnisses angefügt, sondern feine Rede von damals war ein offenes Bekenntnis sum Sozialismus, wenn auch nicht die Erklärung einer Parteiaugehörigkeit. Seit acht Monaten lebe ich außerhalb der deutschen Reichsgrenzen. Der damit selbstverständlich verbundenen materiellen und ideellen Opfer will ich mich weder rühmen noch darüber klagen— genug, daß sie gebracht werden mußten. Ueber den Wert einer Polemik, die nicht nach Deutschland hineingelangt und dort tonlos "leibt, kann man verschieden urteilen. Sicher ist, daß meiner Natur die rein positive und produktive Art, dem höheren Deutschland zu dienen, in diesem Augenblick näher liegt als die polemische, und damit hängt mein dringlicher Wunsch zusammen, mich, solange es möglich ist, von meinem innerdeutschen Publikum nicht trennen zu lassen. Das ist ein ideelles Interesse, das, wie leicht zu erweisen wäre, mit grobem Opportunismus nicht das geringste zu tun hat Es bandelt sieh tatsächlich und nachweislich nicht um den «Markt", wie eine unfreundlich derbe Psychologie es gern ausdrückt, sondern um geistige und künstlerische Wirkungs- tnöglichkeit. Für mein gutes Recht, auch unter diesen Umständen, hielt ich es allerdings, einer außerhalb der deutschen Grenzen erscheinenden literarischen Zeitschrift europäischen Charakters, die erste Namen der Welt zu ihren Mitarbeitern zählt auch meine gelegentliche Mitarbeit in Aussicht zu ktellen. Als ich mich aber überzeugen mußte, daß schon die bloße Ankündigung meines Namens, die unter normalen Umständen so unerheblich gewesen wäre, genügen würde, mir jede Wirkungsmöglichkeit in Deutschland abzuschneiden, habe ich eine Handlung rückgängig gemacht, der ich von An- fang an wenig sachliche Bedeutung zugeschrieben hatte. Sie wissen, daß in diesen Tagen ein neues Buch von mir erschienen ist der erste Teil eines weitläufigen epischen Werkes, das mi-h seit einer ganzen Reihe von Jahren be- Dee çoCdwe 2Cacfuec ziept„Ja" Cerhart Hauptmann— Vorkämpfer für Gleichberechtigung Gerhart Hauptmann läßt sich keine Schändlichkeit entgehen. Er ist nicht mehr wie Lynkeus, dem Turme verschworen, sondern der Hitler-Hellebarde, mit der seine Freunde und Helfer von Jahrzehnten aus Deutschland gejagt Wurden. So schrieb er denn zum 12. November auf Bestellung einen Artikel: ,Jch sage Ja!" Und sagt unter anderem: Das deutsche Volk ist aufgerufen, nun seinerseits zu entscheiden, ob es den entscheidenden Beschluß seines Kanzlers in seiner Gesamtheit decken will und kann. Der erste Entschluß ist von größer Tragweite, die Bestätigung durch die Stimme des Volkes wird von noch größerer Tragweite sein. Ist sie vollzogen, so wird es nur noch eine einzige Brücke über das brodelnde europäische Chaos zum Frieden geben: die Brücke heißt„Gleichberechtigung". Worin besteht die Gleichberechtigung? Jugoslawien, Polen, Tschechoslowakei, Italien, Frankreich und England, als einzelne Individuen aufgefaßt, dazu Deutschland verstehen sich alle gleichermaßen als Bürger und als Gentlemen im Besig gleicher bürgerlicher Rechte und völliger Gleichheit vor dem Geseft. Es ist klar, daß es für Deutschland unmöglich ist, ohne sich selber zu entwürdigen, auf diese für alle anderen Völker selbstverständlichen Grundrechte zu verzichten. ■ Dieser Weltbürger und Gentleman! Er ficht mit edel geschliffener Lanze für Deutschlands Gleichberechtigung unter den Völkern, obwohl man dem deutschen Volke unter Hauptmanns warmherziger Zustimmung die Gleichberechtigung seiner Bürger im eigenen Lande gestohlen hat. Er Wagt, von Deutschlands Würde zu sprechen, obwohl Deutschland Dutzende von Konzentrationslagern besitzt, dazu he- stimmt, Menschen zu entwürdigen, wenn man sie am Leben läßt. Darf man sagen:„Welch edler Geist wird hier zerstört?" Nicht einmal das Wer so etwas schreibt als deutscher Schriftsteller, als Wissend Unterrichteter, hat nicht einmal den mildernden Umstand, gestörten Geistes zu sein. schäftigt. Es erscheint in Deutschland, im S.-Fischer-Verlag, mit dem ich seit meinem Eintritt ins literarische Leben verbunden bin... Ich stand also vor der Frage, ob ich das Leben meines Werkes opfern, die Menschen, die in Deutschland auf meine Stimme hören und insbesondere seit Jahren auf diese neue Arbeit von mir mit Anteilnahme warten, enttäuschen und verlassen wollte, nur damit mein Name auf der Mitarbeiterliste einer Zeitschrift figuriere, deren erste Nummer gerade, wie ich wahrheitsgemäß erklären konnte, tatsächlich in ihrer Zusammenstellung taktische Fehler aufwies und nicht dem Bilde entsprach, das ich mir von ihr gemacht hatte. Diese Frage habe ich in der Ihnen bekannten Weise entschieden..." Daß Thomas Mann für sein sozialistisches Geständnis in diesen Tagen deutscher Sozialistenverfolgung noch einmal ausdrücklich einsteht, gereicht ihm zur Ehre. Ueber die „Wirkungsmöglichkeit" in Deutschland dürfte er sich jedoch gründlich täuschen. So kunstlästerlich das klingen mag: ein „weitläufiges episches Werk" mehr oder minder— kommt es darauf im„dritten Reiche" an? Und wenn die Veröffentlichung eines solchen Werkes durch schweigende Duldung schändlichster Barbarei erkauft werden muß— bliebe es dann nicht besser in der Schublade? Den Millionen, die im demokratisch-sozialistischen Lager mit Thomas Mann für Freiheit, Menschenrecht und Menschenwürde fochten, geht es heute noch und heute mehr denn je um diese verlorenen Güter. Verfolgungen wehrlos preisgegeben, der Meinungs- fieiheit beraubt, vor körperlichen Mißhandlungen nicht geschützt, warten sie„mit Anteilnahme", nein, mit brennendem Verlangen—- nicht auf einen Roman von Thomas Mann, sondern auf ein offenes Wort im Namen der Menschlichkeit, auf ein offenes, scharfes Wort, das aus seinem Munde kommend, im Ausland weithin gehört würde und durch tausend Kanäle auch ins deutsche Gefängnis dränge. Darum bleibt es dabei: Thomas Mann handelt unrecht' » J-teffeanühCe Erika Mann, die Tochter Unter der Leitung von Erika Mann hat sich ein literarisches Kabarett gebildet— Mitwirkende: Sybille Schloß, Igor Pahen, Marie-Eve Kreis, Robert Trösch, Valesca Hirsch, Therese Ghieae und Magnus Henning—s das sich zur Zeit auf einer Tournee durch die Schweiz befindet und„Die Pfeffermühle" heißt. Wenn Thomas Mann wirklich einen Fehler beging, als er — sicher im besten Glauben sein Werk für das vom Nationalsozialismus versklavte Deutschland zu retten, die Mitarbeit an der Zeitschrift seines Sohnes Klaus öffentlich ablehnte, Erika, die Tochter, macht es wieder gut. Was sie und ihr Kreis zum Ausdruck bringt, das ist ein Stück von uns, von unserem Deutschland, das wir nie ganz besessen und das wir noch zu erobern haben. Von unserm Deutschland der Freiheit, des Geistes und der Humanität. Wenn Marie-Eve Kreis ihre Parodien tanzt, Therese Ghiese als Frau H. ihres bißchen Erdenglücks nicht mehr Jnzucht als JAeal Ein Prinz von Isenburg schreibt in der„Industriellen Fsychotechnik"(Heft 10):„Im Leben der Völker finden wir zu Beginn ihres Eintritts in die Geschichte eine auf strengster Rassenzucht und Stammesinzucht aufgebaute Verfassung. Für viele politische und religiöse Führer war die Vorbedingung, daß sie aus Geschwisterehen hervorgegangen sind. Man sah nichts Unsittliches in einer derartigen Verbindung, sie war ein Unterpfand und eine Gewähr für die besondere persönliche Tüchtigkeit eines solchen Sprößlings." tBüef an einen ActeUeeduhiee in Dachau Lieber Freund! Wir können uns nicht sprechen, Weil man Dich aus der Gemeinschaft strich. Um Dir Geist und Ehre zu zerbrechen, denn—- die mächtigen Feinde fürchten sich, Fürchten sich vor uns, die gar nichts haben Als der Wahrheit Wort und als das Redit, Das sie täglich töten und begraben,• Das sich täglich aufzustehn erfrecht. Unsre Feinde fürditen die paar Worte, Die man nächtens für die Zukunft schrieb, und sie hoffen, daß Dein Herz verdorrte, Weil die Mörderfaust Dich niederhieb; Doch ich weiß, was sie auch immer machten, Was sie Dir an Schimpf und Qual verhängt: Du wirst diese Meute stumm verachten, Die, bewaffnet, zehn um einen drängt. Mitten unter Euch, wie Ihr im Lager, Hat sich als Genossin Euch gesellt: Mutter Deutschland, aufgereckt und hager. Wundgeschlagen, aber nicht gefällt. Sie wir Ihr erwartet eine Stunde, Sie wir Ihr ist von Empörung bleich, Sie wie Ihr weiß, daß sie einst gesunde, Sie wie Ihr harrt auf das Freie Reich! Sie wird eines Tages allen sichtbar Sich erheben und zum Aufruhr schrein. Dann ist der Bedränger Meute richtbar—• Und ihr Werk wird nie gewesen sein! Wenzel Sladek, froh wird, weil sie schaudernd erkennt, daß alle gesellschaftlichen Kräfte unserer Zeit nach kriegerischen Auseinandersetzungen tendieren, Giftgaswolken bereits den Horizont verdunkeln, wenn Erika Mann ihr Gedicht„Märchenhaft" vorträgt, die große hehre Vision von Frieden und Freundschaft unter den Menschen, dann geht über die Bühne ein Hauch von jener Welt, die wir aufbauen wollten, aber zu schützen vergaßen. Dann lebt und glüht noch der Funke, den wir einst gezündet und den wir zur Flamme entfachen müssen, das Unkraut auszubrennen, das unsere Heimaterde heute zu verschlingen droht. Ich habe einmal eine Gruppe verbannter italienischer Sozialisten in einer Massenversammlung in Paris weinen sehen, als man ihr zu Ehren das alte Kampflied der italienischen Arbeiterklasse:„Avant! Populo" anstimmte. Ich war nicht weniger ergriffen, als ich weit fort von dem, was ich einmal Heimat nennen durfte, jene Verse von Erika Mann hörte: „Wissen Sie, was ich mir manchmal denke. Denn man denkt sich schließlich manchmal waz. Wenn ich manchmal meine Schritte lenke, Denk ich manchmal dies und manchmal das. Zugegeben, denk ich, Du bist ärmlich, Zugegeben, Du bist arbeitslos. Zugegeben und du frierst erbärmlich, Zugegeben und Du hungerst bloß. Aber denk ich, heute scheint die Sonne, Aber fühl ich, und Du bist verliebt, Aber weiß ich, es ist eine Wonne, Daß es Dich doch immerhin noch gibt. Wissen Sie, es ist doch recht erfreulich, Daß man ganz allein so denken kann. Ohne Denken war die Welt ja greulich, Ne, da denk ich lieber gar nicht dran. Zugegeben, denk ich statt dessen. Wenn iih so die reichen Leute seh, Zugegeben, denen schmeckt das Essen, Zugegeben, die tun sich nicht weh. Aber denk ich, denn ich denke gerne, Einmal dreht die Erde sich total, Ob er nah ist oder ziemlich ferne, Dieser heitre Tag erscheint einmal. Ja, ich tapeziere mir mein Köpfchen, So mit mehreren Gedanken voll, Manchmal nehm ich mich selbst beim Schöpfchen, Weiß nicht immer, was ich denken soll. Zugegeben, denk ich: man hat Krache Und man prügelt sich, wie nicht gescheit. Was weiß ich— um Mädchen oder Zeche Oder nur so aus Parteilichkeit. Aber denk ich. man lebt doch gemeinsam, Aber fühl ich: Freunde, das tut gut, Aber weiß ich, man ist doch nicht einsam, Aber sing ich, aber das gibt Mut." Geht hin zu diesen jungen Menschen, wenn sie in die Oite Eurer Emigration kommen. Denn dort seid Ihr einmal für eine Stunde zu Hause- Alexander R. * Auch Stefan Ziaeiq Briefe, die besser ungeschrieben.,, Stefan Zweig schreibt aus London: „Ich erhalte, weil auf Reisen, erst mit bedauerlicher Verspätung Kenntnis von Angriffen, die im Zusammenhang mit einem(wie ich nur durch diese Angriffe erfahre) im„Buch- händlerbörsenblatt" veröffentlichtem Brief gegen mich gerichtet wurden. Dazu stelle ich fest, daß mein Schreiben sich keineswegs an die Oeffentlichkeit wandte, sondern an den Verlag, dem ich nahezu dreißig Jahre durch die Verwaltung meines gesamten literarischen Lebenswerkes verbunden bin; eine demonstrative Drucklegung hatte ich weder gewünscht noch vorausgesehen, obwohl ich selbstverständlich für den Inhalt einstehe. Richtig ist ferner, daß ich nicht nur in diesem Falle der„Sammlung", sondern seit langem grund- säglich ablehne, an gemeinsamen politisch-polemischen Manifestationen teilzunehmen, und dies insbesondere, weil ich seit Monaten an einem Buch arbeite, das mir Gelegenheit gibt, meine Einstellung zum Problem der Politik und Humanität persönlich und für mich allein verantwortlich darzutun. Das Polemische ist niemals die Form gewesen, meine Gesinnung auszudrücken, es widerstrebt bis ins Tiefste meiner Natur. Aber wenn ich auch von allem Polemischen bewußt Abstand halte, so darf das für niemanden Anlaß sein, mir leichtfertig Tendenzen zu unterschieben, die in schroffem Widerspruch stünden zu meinem Leben und meiner Arbeit. Stefan Zweig. * Wenn also Stefan Zweigs Erklärung wirklich nicht mit seinem Wissen in solch auffälliger Form veröffentlicht wurde, wenn wirklich ein böser Mensch, vielleicht irgendein Verlagsdirektor des Insel-Verlages, mit dem Stefan Zweig nicht nur„durch die Verwaltung seines gesamten literarischen Lebenswerkes" verbunden ist, einen Privatbrief des Schriftstellers an die staatsgewaltigen Mächte der Kunstknebelung und Geistvernichtung verräterisch ausgeliefert bat, ihn dadurch dem Vorwurf schmählicher und überflüssiger Kapitulation aussetzend— dann müßte er diesen Mann anprangern, sich von ihm ganz offen und entschieden lossagen. Aber wie sollte Stefan Zweig das tun? Er steht ja auch nach dieser unvorhergesehenen Veröffentlichung für den demütigenden Inhalt seines Schreibens, indem er sich— mag sein, auf dem Umweg über seinen Verleger— der Willkür des„dritten Reiches" unterwirft und der Vorzensur der Verkündiger des Ungeistes unterstellt, unentwegt, ein. Daß es nicht in dieser Form veröffentlicht werden sollte, ist nur eine schwächliche Entgegnung, wenn es darum geht, daß ea niemals hätte geschrieben werden dürfen! Pariser Berichte Pariser Straßenhalendcr Der Leiter der Revue Hebdomadaire, M. Fernand Landet, Mitglied des Instituts, Verfasser u. a. eines Ruches.Paris während des Krieges", wurde bei einem Aufenthalt in feinem südfranzösischen Schloß im Auto an einem Kreuzwege von einem entgegen fahrenden Wagsn getötet. » , Im Auditorium Richelieu der Sorbonne sprach die Kapi« tänin Irene Pcqron vom Generalstab der Heilsarmee über ihre Reife nach Guyana und das Wirken unter den Straf« lingen. » Dem Fußballmatch im Parc des Princes, bei dem First Vienna mit 4 gegen 2 Tore den Racing Club de Paris schlug, wobnten 12—15 OOn Zuschauer bei, btc aber bei dem nicht sonderlich aufregenden Spiel wenig aus ihre Rechnung kamen. * Ein kleiner Angestellter in einer Staatsverwaltung uamens Georges Grappin erhielt von feinem Chef ein Los für 100 Fr. besorgt. Auf Zureden der Frau wurde dies Los für Itil» Fr. an einen Nachbarn verhökert. Und jetzt gewann es 50 000 Fr. Die Folge ist eine— Klage des Mannes auf Ehescheidung. Das Paar ist seit 20 Jahren im Hasen der Ehe. * In Clichy, Nne de Relsort, stellte die 20jährige Frau eines Kochs eingeweichte Wäsche aus einem Gaskocher. Das Wasser vertrocknete, und die Frau und der acht Monate alte Sohn wurden durch Kohlengase getötet. Der 2Sjährige Ehemann sand beide leblos vor, alle Hilssoersuche scheiterten. BRÜSSEL s 3, rue du Damier, hinter Kaufhaus l'Innovation Mittag Diner, Abend Souper V Suppe, Fleischgang mit Beilage, Dessert einschließlich Getränk, Bedienung, Brot nach Belieben. Schmackhafte, nahrhafte Küchel Aufmerksame, höfliche Bedienung 1 90E9CE30»KiCEI0E30E«9ei!OE^E99S90t90E2Olä0E30ti0E90EiCHK30M«t30Eä0E2OE Antwerpen ß Zu vermieten & Grofjas Geschäftshaus für jade Branche in der besten A ^ Geschäftslage der Stadt. Eigentümer N. Aron. 10 rue 8 8 de la Commune. Antwerpen.(Anvers)-Belglen. Ml[Or die„Deutsche Freiheit" Franz. Unterricht Schnelle, leichte, interes* Methode. In Gruppen 3, 4 Personen. 214, Fg. Sf. Denis(10) Zimmer 24, Metro Chapelle. Von 1-2 und 4-8 Uhr. Likörfabrik Paris Beste Waren, billigste Preise, sucht Vertreter und Zwischenhändler. Größte Verdienst-Chancen. So/rot vorstellen: 12, Bd de la Valette Zar Erweiterung seines Internation, juristischen Büros in Paris sucht französischer Docteur an droit die MIT ARBEIT eines deutschen erfahr. JURISTEN Offert, an Puhl. Metzl, PARIS 51, rue Turbigo Nr 31. Besuch bei Lafayette Viele der Emigranten, die nach dem Hilfskomitee der Rue de la Durance un Osten von Paris hinausgewandert stnd, kennen die Rue de P icp us. Ter seltsame Name erinnert fast an das Baltische, an den Peipus-See oder dergleichen: Namen russischer oder erotischer Herkunft sind ja in Paris, nichts Seltenes. Im„Journal" wird aber jetzt mitgeteilt, daß der seltsame Name von den— Flöhen herkommt. Ein frommer Klosterbruder soll nämlich hier gewohnt haben und hat ein Heilmittel gegen die kleinen Hemdspringer erfunden, von dem besonders die Frauen geplagt wurden, daher nannte man ihn den Vater Flohknicker oder Pere Pique, puces. Heute noch gehört ein grober Teil des Picpus-Vier- tels den Klöstern. In dieser selten begangenen Gegend befindet sich auch der den wenigsten Parisern bekannte kleine Friedhof von Pic- pus. Der Schlüssel liegt bei der Concierge vom Kloster zum Heiligen Herzen und der Ewigen Anbetung. Man geht dann erst durch zwei mächtige, ebenfalls der frommen Betrachtung dienende Gemüsegärten mit wunderbaren Salaten. Dahinter liegen unter Zypressen hunderte der Opfer der Revolution, darunter die bekanntesten Namen Frankreichs, wie Noailles, Savignac, La Rochefoucauld. Grammont: Im letzten Grabe liegt Lafayette mit seiner Frau. Dort hängt eine sran- zösische und eine amerikanische Fahne. Man sollte glauben, daß die Amerikaner, die dem Befreier ihres Landes ein Reiterdenkmal im Louvre-Hof gesetzt haben, öfter kämen, das Grab des alten Freiheitsgenerals zu sehen, es ist aber nur selten der Fall. Die Naziagitation in Amerika Washington, is. November. Der demokratische Senator von Neuyork, D i ch st e i n, der zugleich Vorsitzender der Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses ist. hat eine parlamentarische Unter- suchung der Tätigkeit der Nationalsozialisten in USA. be- antragt. Die Untersuchung hat begonnen. Man zielt auf die Ausweisung der Nazi-Führer ab. Mr. D i ch st e i n behauptet, dab die Nazis straff organisiert sind in 14 Staaten und dah sie SA.-Truppen aus ameri- konischem Boden einüben. Eine traurige Erinnerung Auf dem Friedhof von Lille wurde ein Denkmal für einen 17jährigen Jungen errichtet, den Belgier L e o n T r u- l i n, den die deutsche Besatzungsbehörde 1015 wegen Spionage crschieben lieh. Der Verurteilt« hatte am Abend vor seinem Tode seiner Mutter geschrieben:„Ich vergebe allen. Freunden und Feinden. Ich begnadige, weil man ohne Gnade gegen mich ist... Lebt alle in Frieden und ohne Hah..." Grosse Worte eines armen Hingerichteten Knaben, die man nicht ohne tiefe Gemütsbewegung lesen kann. Allgemeine Deutsche Poliklinik Chefarzt PofeHor WENSTEN I) SPEZI ALXRZTLICHE ORDINATION fflt sämtlich, Art Erkrankung«. 2) INNERE Klinik J) CHIRUIt LÜSCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik — Ordination: täglich von 1 bis 8 Uhr, Sonn« und Feiertags von 10 bis 12 Uhr'- Internationales Advokaturbüro 542 Georges Lewinsky (25 fahre Praxis) 28, Avenue de l'Opéra, Paris(2), Tel. Opéra 5MO Erledigung sämtlicher Rechtsangelegenheiten, Be. tprechungen, GeselUchaftigründungen, Notariats« akte, legale Übersetzungen werden prompt erledigt. Sprechstunden von 9—12 und 2—6 Uhr. Der neue Komet Große Sternschnuppen-Debatte in der Sorbonne ©ine Aussprache der größten Stcrn-Professoren Frank- reichs über den zauberhasten Sternenregcn vom 9. Oktober «laite eine solche Menge Menschen angezogen, dass der grobe Hörsaal Richelieu geöffnet werden muhte: denn zweihundert Wissbegierige standen noch im Hof und wollten auch den 'Himmel erforschen. Der Direktor der Pariser Sternwarte, E s c l a n g o n. ein hervorragender Fachgelehrter, stellte fest, dass in diesem seit- lamen Oktober bis zu ik Sternschnuppen in der Sekunde freien! Aber unter 146 Milliarden Meteoren swir Deutschen wissen ja von der Inflation, was Milliarden finds, die all- jahrlich unseren Himmel abstreifen, sei das noch ein oerhält- nismässig kleiner Regen. Der Ausdruck„Etoiles filantes" ldas französische Wort für «ternschnuvpen» sei schlecht gewählt. Man müsse diese Be- zeichnung ändern. Es seien weder Sterne noch Bruchstücke toter Planeten, sondern S t a u b t e i l e von auseinander- gegangenen Kometen, deren Laufbahn zu bekannten Epochen wir überschreiten. Allerdings treffen die Bcrech- nungen nicht immer ganz genau ein. So berechnete man zu früh die Rückkehr des munderbaren Regens des Leonidas von 1866 auf die Zeit vom 13. bis 18. November des Vorjahres. Normaler Weise hätte das Ereignis sich 1899 und 1032 wieder- heilen müssen. Aber der grosse Schweif des Kometen Tempel bat sich vielleicht etwas verspätet bei der Rückkehr von den Gefilden des Uranus. Die Kometen sind fantastische Inn- gens und unterliegen der Anziehungskraft unserer acht Planeten-Schwcstern. Vom 13. bis zum 23. November dieses Jahres wer- den wir den Schweif des Leonidas und der Andromeidcn durchschreiten, so genannt, weil der Himmelspunkt, von dem die Sternschnuppen ausgehen, in der Konstellation des Löwen und der Andromeda liegt, im Osten und im Zenith zu Beginn der Nacht Das durchschnittliche Fallen der Stern- schnuppen schwankt zwischen 1ä und 111 in der Stunde. Viel- leicht sind es dieses Jahr mehr. Die Wissenschaft hat festgestellt, dab zwischen Sternenregcn lSternschnuppensalls und Meteoren kein Zusammenhang besteht. Der Gelehrte Fabry widerspricht auch der Theorie, dab in der Stratosphäre, 166 bis 266 Kilometer hoch, Massen in Verschmelzung seien, denn bei gegebener Lichtstärke müsse man dann eine Temperatur von 6666 Grad Hitze annehmen, die kein Körper aushalten könne. Der Gelehrte nimmt daher ein„Gaslicht" an, was besser die Beharrlichkeit der leuchten- den Streifen erklären würde, die in bestimmten Räumen während mehrerer Minuten beobachtet sind. D a u v i l l i e r, der Leiter einer Grönland-Expedition, der besonders die weissen Nächte beobachtet hat, sagt, dass diese Er- scheinung die gleiche Natur und manchmal auch Farbe hat wie die Sternschnuppen.'r stellt sich vor, dass diese mit 66 Kilometer Sekundcn-lIciuiwindigkeit eine„Matratze von Gas" vor sich herstosscn, die sich entflammt beim Einstohen in unsere Erdatmosphäre. Sehr viel Rätsel geben noch die sogenannten„Himmels- r a k e t e n" auf, die manchmal so aussehen, als ob sie auf irdisch»» Feuerwerksfesten ausgezeichnet Verwendung tin- den könnten. In Amerika hat man mittels der Spektral« Fotografie festgestellt, dah sie einen Strich Wasserstoff ent- halten. Der Gelehrte Oyenilset von der Sternwarte Juvisy stellte anschließend allen Amateur-Fotografen eine himm- tische Aufgabe. Sie sollen mit besonders empfindlichen Platten das Firmament absuchen, damit sie als erste unseren Freund, den Kometen Giacobini-Zinner sehen. Dieser Him- melsbote soll am 6. Oktober 1646 erscheinen, sofern er das Rendesvous einhält. , OelsOß' and.falfenbalg" Ein Notschrei an französische Finnen Liebe Landsleute, was„zuckersüß" ist. weib wohl ein jeder, wenn er nicht gerade im Konzentrationslager lebt. Denn das schöne Lied„Paul, Paul, zuckersüßer Paul" hat ja manchmal gerade oben im„dritten Reich" keine Geltung. Aber was ist „ölsüss"? Was ist, Hand aufs Herz, der Ausdruck„Falten- balg"? Bernehmen Sie es in folgenden Worten: Ein französisches Haus für beliebte Parfüms soder muß man jetzt sagen: Dukteien?) gibt den Damen für die Salben und Wohlgcrllche eine deutsche Gebrauchsanweisung mit, in der sie empfiehlt, die Haut mit Creme„auszudehnen". Andere Leute nennen das einfach„einreiben". Die Haut „auszudehnen" ist eine robustere Art der Körperpflege, die man sonst nur im seligen Prokrustesbett und im peinlichen Versahren des Mittelalters findet, wovon sie allerdings der Sprung— auf- Kommandant von Dachau übernommen hat.»Aber da braucht man wieder keine französische Par- sums.» Weiter:„Bei der Prozedur ist ein Ueherschuß von Feuchtigkeit auf den Gehalt der Creme an Oelstth zurück- zuführen." Aha, nun wissen wirS.„Oelfüss" ist nämlich Glyzerin. Aber verständlich ist das für die über 3 Millionen Deutsche, die gegen Hitler wählten, ebenso wenig wie für die große Hammelherde. Und auch sonst schreibt das Haus der Wohl- gerüche kein schönes Deutsch. Ein schweres Rätsel gibt serner eine grosse Bahngesellschast ihren Reisenden aus, denen sie das„Verweilen im Falten- balg" in den D-Zügen untersagt. Das,— wo? Also, das sind Puffer, auch' Ziehharmonika genannt. Warum bloss den Balg in Falten legen, wenn man schon mal reist, wo res* An- und Verkauf zsntralsuropflischsr und südamerikanischer Devisen Effekten und W REICHSMARK durch des Bankhaus Georges Perles t P. Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT SS-40 BIS 4S doch besonders beim lieben Gott in Frankreich die Well tüanchmal so schön ist. Hört, Wohlgeruch— und sonstige Katalog-Häuser: gibt von Parts bis Marseille genug deutsche Emigranten/ die gegen geringe Entschädigung gerne bereit wären, solch ein Paragrasen-Schimmcl-Deutsch. solche Eselsohren-Sprache in die„richtig gehende" Umgangssprache zu übertragen. Vielleicht denken die französischen Häuser, die deutsche Terst«- brauchen, vielleicht einmal zum eigenen Vorteil daran: denn Deutscher Sprak, swerer Sprak", das sagt schon Lessing. Hilfe für die Opfer von Bitche Das furchtbare Unglück vor Bitche im Elsaß, bei dem viele Arbeiter, die zu den Befestigungsarbeiten fuhren, ge- tötet und verwundet wurden, hat sofort ein französisches Hilfswerk wachgerufen. Das Pariser Kino„Miracles widmete seine Abendvorstellungen am Mittwoch der Wohl- tätigkeit für die 36 Waisen, denen der Erlös zufließt. Neptun gegen Nazis Rom, 14. November. Die Wahl auf offenem Meer in der Nähe von Rom, vo« der wir gemeldet haben, ist nicht ohne Unfall vor sich ge- gangen. Der Meergott nämlich revoltierte, und die HUler- Deutschen, 622 an der Zahl, davon 866 von Rom. konnten nicht ausfahren. Schließlich legte sich noch ein italienischer Dampfer so ungeschickt davor, dah der Kapitän der„Duisburg" mehrere Stunden hätte manövrieren müssen. Also ließ man die Hitlcr-Deutschen an Bord in einer „provisorischen" Kiste abstimmen. Dann gingen sie schleunigst, vielfach seekrank, an Land. Der Dampfer fuhr später ohne die teuren Landsleute aufs offene Meer, wo die Kiste in die Urne entleert wurde,— warum auch nicht? So hat wenig- stens, in Gegenwart des deutschen Botschafters von Hassel, der alte Meervater Neptun symbolisch mit seinem Dreizack ausgedrückt, dass die ganze Hitler-Wahl fauler Zauber«st. Dorfen spekulier! Man schreibt uns aus Paris: Dr. Dorten»pekuliert und — spekuliert saljch. Er glaubt für sich und seinen Kreis aus der Missstimmung der Emigranten gegen das Deutschland Hitlers Nutzen ziehen zu können. Er veranstaltet bereits wieder Versammlungen in Paris und auf feinen Plakaten bezeichnet er sich als Chef der ehemaligen rheinischen Repu- blik und früheren Offizier der deutschen Armee. Wir Emigranten wollen Dr- Dorten mit aller Deutlichkeit sagen, dass wir in dieser für uns so tragischen Situation mit ihm und seinen Gesinnungsfreunden keinerlei Gemein« schast haben. Wir wollen keinen Separatismus.„Das ganz Deutschland soll es sein." Dafür kämpfen wir. Jeudi, re IO JToeeniOre Opera.— Relâche, Com. Française.— 2h Andromaque, La Madone à- l'Etoile; 8 h 30 La Mégère apprivoisée, La Madone à l Etoile. Op. Comique.— 8 h 15 Louise(Charpentier). Ode on.— 2 h 30 Le Mariage de Figaro(Beaumarchais); 8 h 30 La Colombe poignardée, l'Heure espagnole. Oai te Lyrique.— 8 h 85 Le Pays du Sourire(op. Frant Lehar). Atelier.— 8 h 30 Richard III(Shakespeare). DBIEPKASTfM Stuben« H. Ihren Brief haben mir mit Fassung gelesen. E» ist schön, dah Tie uns in die allgemeine Verdammnis nicht mit«inbeziehen. Di« sehen, bah eS also noch«nsäye zur Neuerung gibt. — Hoffen wir, dah Sie uns später Gelegenheit geben werden, Sie zu bewundern. Warum nicht? Einstweilen sind uns allerdings Leistungen von Ihnen außer Ihrem Brief nicht bekannt. Wir dachten bei Ihren Vorwürfen an das Wort:„Nicht jeder ist«m Held, der feinen Bogen spannt: Am Tag erst der Gefahr wird Heldenmut erkannt." DaS stammt»war von einem Juden, dem Samuel ha—Levi, aber es ist trotzdem sehr weise. Für den Gefamtinhali verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weil«: für Inserate: Otto« u hu in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volkchlimme GmbH. Saarbrücken 9, Schiitzenftrahe 5. Doktor Wachtel Harn«, Biel- ond Hautkrankheiten 123, Bd. Sibastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Unr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Dr. med. îfiilippe Lzaezkes SPRICHT DEUTSCH 5, Av d'Eylau,(Trocidéro), Tel. Passy 47.57 Spreehstundan tiglich vo« 1.30 bis 3.30 Uhr für inner«, Franset, und allgemein. Krankheiten Tél. Trinité 43-13 Métro Pigallt Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rua de U Rochefoucauld a) Allgemein. b) Chinrgis e) Geburtshilfliche d) EahnïritUdies Konsultationen Zweittörkigei San.». Klinik Kabinett rtumsgebäude. Di« aller» Vierstöckige« Gebäude. mit 9 Spezialisten modernste Einrichtung Zimmer mit 1 bia 4 Betten Zahn» und M und chirurgie Ordination täglich von»—12 and 2-8; Sonn, and Feiertags von 10—12 and 2—4 Uhr Deutsches Zahnärztliches Institut DE DOUAI NMmi IUkW, RgeU. TW. TrUlU SO.27. S.nck.tu.U.1 9.12. 24 Ukr /«hn. u. 4Jundkr«iVn Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken In Gold, Platin u. PorseDen NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung tcblechttttander Gebist« mit voller Garantie lur gut« Sit». Reparatur« binnen 1 Stund« SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE MMiiiiBI PKHt. IIITHIIHtiÜII I Ullllllt— tri»