Sinzige unabhängige Tagsszeiinng venischlands Nummer 130— 1. Jahrgang| Saarbrücken, Dienstag, 21. November 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Mittwoch, 22. November, ist im Saargebiet gesetzlicher Feiertag(Bußtag). Es dürfen an diesem Tage keine Zeitungen gedruckt werden. Wir bitten, davon Kenntnis zu nehmen. Alle DtBtsflun BHllormicrl! Kein Scherz, sondern neuester Plön der„Deutschen Arbeitsfront" Halbamtlich wird angekündigt, daß am 27. November ein ^«rr großer Schritt zur Vereinheitlichung des deutschen Volkslebens ersolgen wird. Alle Mitglieder der„Deutschen Arbeitssront", also alle irgendwie erwerbstätigen Deutschen sowohl Unternehmer wie Arbeiter werden verpslichtet, e i n Einheitliches Festgewand zu tragen. Es sollen »hwarze Anzüge mit aufgestickten Hakenkreuzen sein. Diese Uniform aller Deutschen ist nur der äußere AuS- suck der geplanten geistigen Unisormierung. Es handelt fich n« nichts geringeres, als um den Versuch, die großen Volks- lassen um die freie Verfügung über ihre Freizeit zu brin- arn. Das geschieht unter dem Vorwand, es gehe darum, dem Untschen Arbeitsmensche« in der Freizeit alles das zur ^rsügung zu stellen, was zur Erholung, zur Belehrung ^ad Entspannung dient. Das faschistische Italien, in dem «hnliche Versuche mißglückten, soll durch einen gewaltigen ^rganisationsappart weit übertrumpft werden. Die Finan- strung soll durch die großen Wirtschaftsorganisationen, also «nt wesentlichen durch die Beiträge der Arbeiter. Angestell- 'en und Beamten ersolgen. Der Nationalsozialismus hat nie verheimlicht, daß er den Menschen von Kindesbeinen bis zum Greisenalter unter E'nsluß halten und jede andere Weltanschauuua ausschalten J'H- Er kann dies natürlich bei den höheren Schichten der ^völkerung, die er unmöglich aus Schritt und Tritt zu kon- îrollieren vermag, nicht erreichen. Dagegen entwickelt er für Jjie breiten Volksschichten seine Pläne bis zur Vollendung. Der Arbeiter, Angestellte, Beamte ist während der Arbeits- ununterbrochen unter nationalsozialistischer Kontrolle, seiner Wohnung hat er nicht einmal das Recht, sich Ra- °'onachrichten nach Auswahl anzuhören. Man drängt ihm «e» sogenannten Volksempfänger aus, der nur das Abhören deutscher Meldungen ermöglicht. Soweit dieser Apparat noch sî'cht allgemein eingesührt ist, droht Verhaftung und Restra- î»ng, wenn jemand fich auf Straßbnrg, Luxemburg oder gar Moskau einstellt. Die Presse ist längst gleichgeschaltet. Nun loll auch noch die Möglichkeit genommen werden» sich im klei- neren Kreis« privat zu« Gedankenaustausch zusammen- zusinde«. ^).e»yreizeit soll von nationalsozialistischen Beranstaltun- gen ausgefüllt werden: Versammlungen, Vorträgen, Kon- zerten, Theater, Gonutagsmärschen und ähnlichem. Angeblich wird Zwang nicht ausgeübt, aber eS ist schon ein genaues Kontrollsystem ausgearbeitet. Jede Beteiligung und jedes Fehlen wird vermerkt, je nachdem erwarten Borteile oder Nachteile den Kontrollierten. Der neueste Plan gilt zugleich alS ein Schlag gegen die mehr und mehr vordringende illegal« Arbeit. Da nach der Verwirklichung dieser gewaltige« Feierabendpläne an de« allermeisten Tagen des Jahres buchstäblich nur noch wenige Nachtstunden zur freien Verfügung jedes Volksgenossen bleiben, hofst man, alle Ansätze freier politischer Regungen zu zerstören. Ein halbamtlicher Kommentar schließt: „Im nationalsozialistischen Deutschland soll ein Volk leben, das seine« Führer und seinem Staate dient, weil es weiß, daß Führer und Staat keine höhere Pflicht kennen, als für die Nation zu arbeiten und der Nation die Weg« zur Freiheit und zu« Glück zu bahnen." Wie man sieht, ist vom Menschen nicht mehr die Rede. Der Deutsche soll ei« gehorsames gedankenloses Gliedchen des StaatSgötzen werde«. Er darf nur«och eines: Reben der Arbeit zu dem vergotteten Führer beten. * Ein österreichischer leg? Wie«, 18. Nov. In gut unterrichteten parlamentarische» Kreisen verlautet, in Regierungskreisen bis- kutiere man den Plan, einen Bnnbeskommissar für die Gewerkschaften zu bestellen. Man will auf kaltem Wege den klerikal-faschistischen Putsch gegen die Gewerkschaften und ihre Kassen. Kein Fortschritt in Genf fceh arren auf dem bisherigen Standpunkt t^ie Sonntagskonferenz in Genf . wtb. Gens, 19. Nov. Der auf heute nachmittag von Hcnber- w Einberufenen Zusammenkunft der vier Mächte wohnten fssk" ....~ wa. v.vv {'ft England Sir John Simon und Unterstaatssekretär Eden, '/fr Frankreich Außenminister Paul-Boncour und Massugli, Italien di Soragna und Admiral Ruspoli, für Amerika "«nef* 5. ner m' te Wilson, der Hauptbcr'chlcrstatter bttlLf' Generalsekretär des Völkerbundes Avcnol und GniTk!« Abrüstungsabteilung Aghnides bei. Am der Beratung wurde der Presse ein Communique über- 0,-»i'U An. jn Sem es heißt: sif ct Präsident entwarf einen N'^intt'f'iberblick über die '"ntion und hat sich dabei auf die Entscheidung deS Haupt- îj" ichusses vom Juni bezogen, bezüglich der Notwendigkeit, b n größeres Maß von gemeinsamem Boden zu erreichen, be- „ e zu einer zweiten Lesung des englischen KonventtonSent- UrfS geschritten wird Nachdem jeder Vertreter seinen Standpunkt spoint de . zum Ausdruck gebracht hat, wurde beschlossen, die Kon- '«renz bis morgen zu vertagen. -.Auz se,, sehr spärlichen Erklärungen der Presse gegenüber " lediglich zu vermuten, daß die Delegierten im allge- Seinen aus ihrem bisher eingenommenen Standpunkt verharren. Der französische und der "glische Außenminister sollen morgen abend bereits Gens Klassen müssen, da ihre Anwesenheit anderswo erforderlich Ife'ne Einigung Geuf, 20. Nov. 1988. Vertretern der Groß- Meinungsverschieden- Die gestrige Zusammenkunst von Sachte bei Henderson hat schwere Steigt, die auf den oeränderten Standpunkt Eng Inn zurückzuführen sind. Frankreich hat erklären "en, daß eS die äußerste Grenze der möglichen Konzessionen eicht habe. SS halte sich an die Vorschläge, die am 14. '«ober auf die Initiative der britischen Regierung im HauptauSschuß der Abrüstungskonferenz angenommen wor» den sind. England dagegen will seinen damaligen Ent- muri preisgeben und auf den ursprünglichen Text des MacDonald-Plan zurückzugehen, der ein stärkeres Entgegen- kommen an Deutschland bebeutet. Italien wünscht Vcr- tagung, da eS eine Konvention in Abwesenheit Deutsch- lands für zwecklos und gefährlich hält. Der amerika- nische Delegierte wieberholte die schon auS früheren Vcr- lautbarungen bekannte Erklärung, baß Amerika die Ab« rüstungSfragc nur noch als«ine europäische Angelegen- heit betrachte. Die englische Außenpolitik rückt nunmehr in den Mittel- punkt der Erörterungen. ES scheint, daß die gesamte eng- lische Regierung zu der Ansicht gekommen ist, s i e h a b e s i ch in Paris zu sehr französischen Wünschen ge- fügt nd habe sich dadurch zu weit von den Ge- dankengängen deS britischen AbrüstungS- entwuris entfernt. In einem Teil der öffentlichen Meinung Englands will man die Schuld dafür dem jetzigen Außenminister John Simon zuschieben, dem man vor- wirft, er sei nicht der geschickt« Staatsmann, den die Situ- ation erfordere. Wenn man trotzdem nicht wagt, ihn zur Demission zu veranlassen, so deshalb, weil man nach dem Uebergang der S a m u e l- L i b e r a l e n in die Opposition vermeiden will, daß auch die Simon-Ltberalen eine OppositionSstellung einnehmen. Zwar würde die Ver- stärkung der liberalen Opposition an der großen Mehrheit für die jetzige britische Regierung nichts ändern, aber daS Kabinett MacDonald würde dadurch den Charakter einer nationalen KonzentrationSregierung endgültig verlieren In diese Problematik der englischen Gesamtpolitik spielt auch die Erschütterung der Autorität MacDonaldS hinein, der mehr und mehr als verbraucht gilt. S« ist die Möglichkeit, daß auS einer Simonkrise eine allgemeine Kabinettskrise entstünde Diese Gefahr soll vermieden werden. Die englischen Vertreter in Genf beurteilen jedenfalls die Aussichten der hiesigen Verhandlungen un günstig. Sieh« auch Seite 2. Abwärts! Die Reichspost widerlegt die amtlichen Lügenberichte über die Siege in der„Arbeitsschlacht" Die Reichspost meldet: In dem Bierteljahr Juli bis September zeigte sich in einzelnen Betriebszweigen eine Verkehrssteigerung gegenüber dem 1. Vierteljahr, doch wurden die BerkehrSzahlen des Borjahres — von wenige« Ausnahmen abgesehen— nicht ganz erreicht. Aus allen Gebieten deS Post-«nd FernmeldewesenS konnten im In- und Auslandsverkehr wieder zahlreiche Verkehrs- und Betriebsverbesserunge« durchgeführt werden. Die Gesamteinnahmen betrugen im Berichtsviertcljahr rund 497, die Ausgaben rund 49» Millionen Mark. * Aus diesen Zahlen geht hervor, daß der Postverkehr im dritten Vierteljahr noch hinter dem des JahreS 1932 zurück- geblieben ist. Das ist der klarste Beweis dafür, daß die Wirt- schast noch immer abwärts gleitet. Aufmarsch der Gesinnung Randnoten zur Reichskulturkammer von Andreas Hotenld. Am Mittwoch wurde mit dem üblichen neudeutschen Fest- gepränge im großen Saale der Berliner Philharmonie die neue Reichskulturkammer durch den Herrn Propagandaminister eröffnet. Die Ueberschrift dieser Be- trachtung ist keine böswillige Erfindung. Göbbels selbst hat sie gebraucht.„Der Aufmarsch, den wir begonnen und vollendet haben, ist ein Aufmarsch der Gesinnung, der Gesinnung der Tat, die eine Umwertung der Werte ein» geleitet hat. um ihre Neuwertung vorzubereiten." Alle waren da, die sich mit Hand und Herz dieser Neuwertung verschrieben haben. Hitler und sein Kabinett, der baye- rische Kultusminister Schemm, neben Auwi saß Gerharl Hauptmann, und hinter dem Sproß aus königlichem Hause und dem gyldenen Harfner sah man die theatra- lische Prominenz: Werner Krauß, Käthe Dorsch, Paul Wegener, Heinrich George. Wie lange ist es her. daß einige dieser Bannerträger des neuen heroischen Theaters nicht weniger leidenschaftlich ihr blutrot für Moskau schlagen- des Herz offen zu Schau trugen! Hans Grimm, der Mann ohne Raum. Hermann Steht, der fchlesische Mystiker. Hanns Iohst, der den Browning vor der Kultur zückt. Karl Friedrich Blunck, der zur Hamburger Sozial- demokratie ein Verhältnis von unbeschreiblicher Kordiali- tät unterhielt. Richard Strauß, der seine Operntexte dem Halbjuden Hugo von Hoffmannsthal verdankt, Wilhelm Furtwängler, der mit Göbbels taktisch wohl vorbereitete Briefe über die Freiheit der Kunst abseits von rassischen Erwägungen wechselte— wahrhaftig, es war ein Triumph. Mit vollem Recht brachte der einstmals der Freien Polks- bühne dienende Friedrich Kayßler die Schillerschen Verse: „Heber das Erhabene" zum Vortrag. Welch eine Summe von Händedrücken ging der Inaugurierung der Reichskulturkammer voran! Alle hämischen Lästerzungen, daß Deutschland das Land der Unkultur und der Bar» barei sei, müssen verstummen. Es gibt in diesem Deutsch- land nur eine politische Thematik, aber auch nur eine Weltanschauung, die, wie Göbbels sagte, die Z i e l- s e tz u n g dieser Thematik in der Wissenschaft und in den' Künsten verwirklichen muß. Ja. Geist und Kunst müssen sogar„in der Vorhut mitmarschieren", wenn sie nicht unter die Kanonenräder der schweren Artillerie geraten wollen. * Die Rede des Reichspropagandaministers war von einer Behendigkeit, die mehr war als ein diabolischer Meister- trick, um Schwankende und Zögernde zu fangen. Wer die geistige Verfassung von Künstlern kennt, der weiß, daß sie es als persönliche Schmeichelei empfinden, wenn man vor ihnen das„Leistungsprinzip in der Kunst" anerkennt. Göbbels war klug genug zu sagen:„Nur geweihte Hände haben das Recht, am Altar der Kunst zu dienen." Beifall brauste auf. als er sich gegen den Dilettantismus eines Heers von NichtKönnern wandte, die der Herr in seinem Zorn erschaffen habe. Das klang so. als ob das Reichs- Propagandaministerium ein hehrer Beschützer echter Kunst sei. In Wahrheit beweist jeder Tag das Gegenteil. Wir sehen davon ab, datz man die besten Geister auher Landes gejagt hat. Wir reden nicht davon, datz man die stärkste Persönlichkeit des deutschen Impressionismus. Max Liebermann, aus allen Ausstellungen verbannt und den Fünfundachtzigjährigen damit genötigt hat, keinen Pinselstrich mehr zu tun. Was für Nichtskönner melden sich überall anspruchsvoll an und erhalten Ruhm und Rang! Beispiele? Sendeleiter des Leipziger Rundfunks, Dichter eines Festspiels, das soeben mit einem un- gehsuren szenischen Aufwände(Spiel von Job, dem Deutschen in Köln aufgeführt wurde, ist ein Herr Kurt Eggers. Aus seinem Festspiel„Annaberg" hat kürzlich eine Schweizer Zeitung folgende erschütternden Verse zitiert: Der Deutsche ist geschaffen n Wehr und Waffen inaus ins Feld zu retten, Als Held zu st reiten. Er hat kein Eigenleben Mutz es dem Volke geben. Ihn schickt sein Vaterhaus Ins Feindesland hinaus. Sein junges frohes Sterben Verpflichtet seinen Erben. Gleich ihm ihr junges Leben Als Lösegeld zu geben. Dieser heroische Kitsch, Gift für junge Menschen, die, wie der Verfasser selber, nie Pulver und Gas gerochen haben, ist aus jeder deutschen Zeitung nach Belieben zu bereichern. Wie war es jüngst bei Leuthen? Dort liefe man Friedrich den Grotzen als Otto Gebühr eine krie- gerische Ansprache am nächtlichen Lagerfeuer zu SA.- Leuten halten. Dramaturgenhände vergreifen sich tag- täglich an der Leistung und an dem Willen von Autoren, deren Werk zum geizigen Besitz der Welt gehört. Aus Ibsens„Volksfeind", dem Doktor Stockmann, wird ein faschistischer Leidensheld. Am Münchener Staats- theater wird ein Stück gespielt, das Gustav Wasa be- handelt. Man verfehlt nicht, aktuelle Parallelen zu Adolf Hitler zu ziehen. Rosenows„Kater Lampe" wird am staatlichen Schillertheater aller sozial-anklägerijchen Tendenzen beraubt und zu einem sanftmütigen Volks- stück umgemodelt. Nickt ein einziges Drama ist da, in dem sich ein neuer politischer Wertinhalt im künst- lerischen Ausdruck offenbart. Zum Ersatz dafür gibt man Gesinnungstempo, Rausch und Nebel, hinter dessen Schwaden d>e braune Uniform sichtbar wird. * Di« neuen Herren haben die totale Macht. Sie nennen das die endliche Verwirklichung der Gemeinschaft, in der dag Indivtdium— wir folgen wörtlich der Göbbelsschen Phraseologie— durch Volk und Einzelmensch ersetzt wird. Auf dieser Ebene soll sich die neue Kunst entfalten, „stählerne Romantik, die das deutsche Leben wieder lebenswert gemacht bat". Aber noch niemals hdt sich in der Weltgeschichte der höhere Wert, den die Kunst zu offenbaren hat, durchgesetzt, wenn hinter dem Künstler die Trommel gerührt und er im gleichen Schritt und Tritt mit den Inhabern der politischen Gewalt zu marschieren hat. Immer waren es Atem und Leben der echieii Schöp- sung, datz sie sich gegen tausend Widerstände des gesell- schaftlicken und politischen Seins durchsetzen mutzte. Kunst, die eine brutale Machtergreifung in allen Ihren Konsequenzen bejahen mutz, wird ausgestotzen aus dem Reiche des ewig ringenden, ewig kämpferischen Geistes. Die Herren vom„dritten Reiche" werden das Zügel- losigkeit oder noch schlimmer,„Liberalismus" nennen. Sie werden bald spüren müssen, datz sie statt Künstler ringsher treue Diener ihrer Herren sehen werden, aus deren Herzpunkt kein Blut mehr strömt, sondern die faulen Tropfen der Anpassung unter einem geistigen Staatsmonopol. ♦ Freilich, jeder wird sie rühmen, keiner kann die Wahr- heit gegen sie sprechen, das Volk mutz bewundern, weil man ihm sagt, datz die Kunst des„dritten Reiches" die einzig mögliche und die wahre Volkskunst sei. Schlagt ihn tot, den Hund, den Rezensenten, der eigenwillig etwas Schlechtes als schlecht bezeichnet! Dazu wird es aber gar nicht kommen, denn gäbe es solch einen Rezen- senten, so fände er nirgendwo ein Blatt bedruckten Papiers. Als jüngst ein Kritiker In einem norddeutschen Blatte gegen ein in Düsseldorf aufgeführtes Stück zu schreiben wagte, datz er darin kleistisches Feuer vermisse, antwortete ihm der Autor, ein jäh arrivierter Dichter namens Paul Bayer:„... so rate ich Ihnen, in der nächsten Vorstellung nicht auf die Bühne, sondern in den Zuschauerraum zu blicken. Die Empörung, die Sie da sehen werden, wird Sie vielleicht doch kleistisch anmuten. Lernen Sie schnell um, sehr geehrter Herr! Heil Hitler!" Ob dieser Kritiker noch Rezensent seines Blattes ist, wissen wir nicht. Wir bezweifeln es. Also: Warum die lange Rede des Herrn Göbbels? Ihr Sinn ist kurz. Die Prominenz, die diese Gründung miterlebte, hob einhellig die Arme zum Hitlergrutz. Die Götter stiegen vom Olymp hernieder und nahmen ein braunes Eintopfgericht, worauf sie kraft Gesetzes von Göbbels teils zu Präsidenten, teils zu Mitgliedern der einschlägigen Kulturkammern ernannt wurden. B?Öfye r 0!itf'n PI# hau Die Nachricht über die Anerkennung SowjetrußlandS durch die Bereinigten Staaten ist in Moskau mit großer Be- geisterung hier aufgenommen worden. Man erwartet in erster Linie, baß durch den Einfluß der Bereinigten Staaten die gespannte Lage im Fernen Osten eine Besserung eriah- reu wirb, indem Japan durch den Einfluß Amerikas unter Umständen eher zum Einlenken bewegt werden könnte. Diese Auffassung kommt auch in ofsiziesten Kreisen zum.lusdruck. Was die iv i r t s ch a s t l i ch e S e i t e der Anerkennung be- ■■' Zkn, bai fie nickt ohne Wirkung auf d e des zweiten Nnf.^abtts-PIanes ein efsjalft, weil eine erhebliche lluiorMisie« jung dei> Planes allem flnickein nack beaMiiP wild. M eine gröbere Einfuhr von Fertiivaken Aitj del! Bereinigten Ttggttn z» ermöglichen flnrti M die ftoff nuna gehegt, daß es aelin^n würde. Kredite In Form von langfrilttaen Anleihen In Amerika zu erlangen. Jedoch wird die wirtschaftliche Leite nur wenig betont, wäh- rend die politische in allen Stellungnahmen, die bis letzt»u erhalten waren, mit Nachdruck hervorgehoben wurde. „ad caiendas öraecas" Paris, 20. Nov Die Genfer Berichterstatter der großen französischen Nachrtchtenpresse stimmen darin llberein. daß man auf die Vertaguna der Abrüstungsarbeiten bis zum Mo nat Januar oder, wie der„M a t t n" sich ausdrückt, ad caiendas grnecas hinsteuere, weil eine Einigung über die weitere Behandlung nach der gestrigen Aussprache so gut wie unmöglich erscheine.„Die Einheitsfront", schreib, das„E ch o de Part s".„die übrigens nur in der Einbildung Paul- Boncours bestand, ist alio endgültig liquidiert." Die Ver- tagung aus den Monat Januar, meint der Berichterstatter des„Petit Part si en", könne vielleicht eine Ruhepause schaffen, in der sich vielleicht das Mittel finden läßt, ander- wärts Verhandlungen an denen Deutschland teilnehmen könnle, aufzunehmen. Dieser Austastung ist auch der Be- rtchterstatter des„Matin", der an eine aus wenige Mächte beschränkten Abrüstungskonferenz unter Beteiligung Deutsch- lands irgendwo in Italien denkt. Diese Konserenz habe mit der französisch-deutschen Aussprache nichts zu tun: denn bei» spielsweise könnten das Saarproblem und andere Fragen direkt zwischen beiden Ländern geregelt werden. Trift audi Hallen ans? Paris. 20. Nov. Die römischen Korrespondenten oet|'ft« dencr Pariser Blätter werfen die Frage auf. ob 3'". seinerseits den Völkerbund verlassen we. e Mit dem Problem der Beziehungen Italiens zu Gent w sich der Große Faschisten-Rat in seiner Sitzung vom• ,ember befassen. Italien vertrete, so erklärt der«er crstatter des„Matin" die Auffassung, daß die Volkervu tätigkeit dadurch verfälscht sei. daß vier dergrov^ Weltmächte dem Völkerbund nicht vder n mehr angehörten. Durch das Vierma« abkommen und die Sondcrententen mit gewissen«». staaten sowie mit Sowietrußland. habe Italien den w für ein neues Tnstem gelegt, das wie eine andere Bö»»» wirke und sich als Ziel setzen könnte die Revision« r ,,, träge und die Gleichberechtigung, für die Rom often trete. Die einzige Hoffnung, baß Italien den Trenn». ftrtffi zwischen sich und dem Völkerbund nicht endgültig l» bestehe darin, daß bisher kein« diesbezügliche Mitteilung die französische Diplomatie ergangen sei. vcr zappelnde GODDcls Er sp'elf sich als Chei der französischen und englischen presse an! Der„Petit Parisien" hat seine Enthüllungen aus dem vertraulichen Schriftstück des deutschen Propaganda- Ministeriums über die deutsche Außenpolitik beendet. Er hält die Echtheit trotz der deutschen aufgeregten Regierung?- dementis aufrecht. Es ist hier anzumerken, daß der„Petit Parisien" keineswegs im Rufe eines Sensationsblattes steht. Er ist eine sehr zurückhaltende Zeitung. ES ist ganz aus- geschlossen, baß er die Verösfentlichung ohne genaue vor- herige Prüfung vorgenommen hat. Man muß annehmen, daß die Aktion mit Wissen der französischen Regierung er- folgt ist. Die Echtheit des Dokuments, auS dem wir Teile an einer andern Stelle unserer heutigen Ausgabe veröstent- lichen, wird inzwischen auch durch den englischen Journalisten Frazer bestätigt, der Angestellter des in die Göbbelsschen Pläne eingespannten TranöozeandtensteS war. Inzwischen hat GöbbelS neues Pech gehabt. Auch„S a- turban Review" in London bringt Enthüllungen über die außenpolitische Propaganda des Herrn Göbbels. Sie hat sich erlaubt, ihren Aufsatz unter dem Namen des Herrn Göb- bei» zu bringen. Daraufhin hat GöbbelS telegrafisch V^ ott' stiert, er habe diesen Aussatz, dessen Inhalt er übrigens»o« gar nid)t kennen konnte, da die Zettschrift noch nicht a»s- gegeben war. weder für die„Saturday Review' noch für eine andere Zeitung oder Zeitschrift geschrieben. Er leugnet also nidit, daß er eine solche Nie- derschrift gemacht hat. Vielleicht handelt es sich wieber»w eine seiner vertraulichen Anleitungen, wie die Welt gctäuM werden soll. Inzwischen hat die RetchSregierung sowohl in Paris n»e in London eine Prot« st demarche gegen die in beide» Ländern zum Schmerze des Herrn Göbbels noch immer stehenden Pressefreiheit unternommen. Der„P e t i t P a rt- .î?»"-îpêt dazu:„Ja, Berlin überhäuft unS entschiede» mit Ehren. ES fällt uns nicht schwer, uns vorzustellen, welwe Antwort am Ouat d'Orsay erteilt werden konnte, nämliw, dag Frankreich nicht Deutschland ist. und daß das "vo Monopolregime, unter dem die deutsch« Presse lebt, nicht das ist, was aus die französische Presse aagewaudt wird- Blutige Wahlen in Spanien Noch kein Endergebnis Die bisher vorliegenden Meldungen aus Madrid besagen, daß bis Mittag 50 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt hatten. Besonders zahlreich war der Andrang der Frauen. In gewissen Bezirken zählte man 70 Prozent Wählerinnen gegen 35 bis 40 Prozent männliche Wähler. ' Ein Z>v t f ch c n f n 11 ereignete sich in S e v i l l a. Dort überfielen etwa 20 Personen, vermutlich Gewerkschaftler, ein Wahlbüro und im Verlauf einer sich entwickelnden Revolverschlacht wurden sechs Angehörige de rRechts Parteien getötet. In einem Madrider Wahlbezirk nahm die Menge eine drohende Haltung gegenüber einem in eine Apotheke gestüch- teten Mann ein, der beschuldigt wurde, zugunsten der Rechtsparteien Stimmen gekauft und jede Stimme mit 10 Peseten bezahlt zu haben. Die Volks» menge wollte ihn lynchen. Der Betreffende sowie sechs andere Personen, die ebenfalls des Stimmenkaufs be- schuldigt worden waren, wurden festgenommen. In Sirnela wurden mehrere Personen wegen S t i m m c n k a u f S in Hast genommen. Die Menge ver- suchte aber, sie zu lynchen, und die elf Mann starke Gendarmerie mußte sich in ihre Kaserne zurückziehen, wo sie von der Menge belagert wurde. Man hofft, daß angeforderte Trupvenverstärknngcn rechtzeitig eintreffen, um die kleine Garnison zu entsetzen. In der Ortschaft Aljucen kam eS zu einer Schießerei, über die man Näheres nicht erfahren konnte, da die Telefon- und Telegrafenleitungen abgeschnitten sind. Madrid, 20. Nov. AuS den bisher vorliegenden Wahl- ergebnissen kann man noch keinen allgemeinen Eindruck über die politische Orientierung gewinnen, obwohl man glaubt, daß die starke Beteiligung der weiblichen Wähler einen Ruck nach Rechts wahrscheinlich macht. And, über die Wahl- Zwischenfälle, die eine Reihe von Todesfällen und viele Ber- lctzungen zur Folae hatten, liegen abschließende Ziffern»*><6 nicht vor. Kurz vor Mitternacht ist da» Kabinett zur Beratung ö» sammengetreten. Um 1 Uhr früh gab der Jnnenmint»« folgende Erklärung ab: UnS liegen bisher nur Tetlerge» niste vor, die eine Voraussage nicht gestatten. Fest steht baß tn mehr als 80 Wahlbezirken ein zweiter Wahlgang»°> wendig sein wird. Um Mitternacht wurden an verschiedenen Stellen Hauptstadt polizeiliche Sicherheitsmaßnahme» getrosten, die zu dem Gerücht Anlaß gaben, daß e>» Militärs uf st and bevorstehe. Eine Bestätiguna diele» Gerüchtes war bisher nicht zu erhalten. Sieg der Redi'en? Madrid, 20. Nov. Die Führer ber Volksaktion sind Ansicht, daß die Kandidaten der Rechtsparteien einen geww' tigen Sieg davongetragen haben. Sie dürften annähern» 200 Sitze gewonnen haben. v'e Regierung erklärt: Madrid, 20. Nov. Um 8.30 Uhr früh ließ das Innen- Ministerium erklären, baß keinerlei Gerüchten Glauben 6*' schenkt werden dürfe. In Madrid wie im übrigen Lande herrsche Ruhe. Was baS Wahlergebnis anlange, so feie» von der Regierung deshalb keine präzisen Ziffern bekannt' gegeben worden, weil nur unvollständige Ergebnisse lägen. Beispielsweise kenne man in Madrid die Ergebnisse von nur 300 Abstimmbeztrken von insgesamt 1000. Madrid, 20. Nov. Nach den letzten Meldungen sollen mäh' rend des gestrigen Wahltages neun Personen umS Lebe» gekommen und 31 schwer verletzt worden sei«. Reufsdtes Sdilfl un'ergegangen Zehn Todesopfer Rotterdam, 20. Nov. Ueber den Schiffbruch beS deutschen Motorschiffes„Krcuzsee", dessen Kommando bei dem 27 Jahre alten Kapitän Jan Hase aus Utesen an der Elbe lag. ver- lautet jetzt Näheres. Die„Kreutzsee" geriet Freitag abend in einen Sturm und schlug etwa um 22 Uhr um. Die elf- köpfige Besatzung hatte gerade noch Zeit, die beiden Rettungsboote zu besteigen. Das erste Boot mit fünf Mann wurde bald darauf gegen die Wand ber„Kreutzsee" aeschleu- dert und ging in Trümmer. Die Insassen kamen ums Leben. Das andere Boot wurde Sonnabend nach- mittag gegen 0 Uhr, nachdem es längere Zeit auf der Nord- see hin- und hergetrteben war, von der Besatzung des deutschen Dampfers„Egern" entdeckt. Infolge des hohen Seeganges und der Inzwischen eingetretenen Dunkelheit war es jedoch äußerst schwierig, die Rettungsboote zu erreichen. Endlich gelang eS, dem Boot eine Leine zuzuwerfen, so daß zunächst der Matrose Schwendl auö Bremerhaven auf daS schiff gelangen konnte. Als später der zweite Steuermann der„Egeria" an Bord des Rettungsbootes sprang, stellte sich heraus, daß sich In Ihm nur noch die Leiche eines zweiten BesahungömitgllebeS. des Matrosen Kint auS Slolprnünde s«, n iitnp Wimm(MM M h*% 6 m«!! 6(» Uiinlitintffl uni r! à fiente mittag nach Rotterdam. Tchimdt 'Mtc sofort einem»rankcnhaule zugeführt werden. btr«" ï u\ii n"VuTÏ)rfiâJ u,olflf« ôfl) u* bit Catastrophe haven, war der erste M-Ichimst des Schistes*"»«• 3 Tote im Kurischen Haff Schwarzort, 20. Nov. Beim Bergen von Netzen im K»**' schen Hast stürzte ein Fischer mit seiner Ehefrau und seines Bruder auS dem Kahn. Alle drei ertranken. Die Leicht konnten noch nicht geborgen werden. DaS Ftfcherebepaak hinterläßt vier Kinder im Alter von 14—19 Jahren. 15 Bergleute getötet Grubenexplosion London, 10. Nov. 1938. In einem Kohlenbergwerk ht der Nähe von Chesterfield ereignete sich heute in den frühen Morgenstunden auS bis' her noch unbekannter Ursache eine heftige Explosion.^ Bergleute wurden von der Außenwelt abgeschnitten. Tros fieberhafter Rettungsarbeiten konnten nur drei Bergleute lebend geborgen werden. Die andern IS fanden den Tod. Zionistische Demonstranten 3M s0ber in nichts, als am Sonnabend aus der Haft der .^walige Kommunist K e m p n e r vorgeführt wurde, der »"Pölich in engster Fühlungnahme mit Popoff. van der teir» U"d Nörgler bei der Brandstiftung im Reichstag de- für$ gewesen sein sollen. Kempner war die Hauptquelle n?^ Zeugenaussage Grothes. Nun ergibt sich, daß Kemp- er ein ganz bescheidener kleiner Funktionär der Kommu- bin roat' der über die Verteilung von Flugblättern nicht >,.ous kam. keine Beziehungen zum Parteivorstand hatte ~ vie im Karl-Liebknecht-Haus war. wrothe, offensichtlich ein krankhafter und charakterlich ^'."derwertiger Mensch, hörte sich die Vernichtung seiner ^chworenen Aussage mit zuckenden Kopfbewegungen an. Borsitzende und ein Beisitzer des Gerichts weisen ihm Widersprüche in seinen Zeitangaben nach. Das Gericht an» sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Glaub- uroigkeit dieses Hauptbelastungszeugen auf das schwerste erschüttert ist. Es wird beschlossen, die beim Ver» wrgungsgericht Berlin befindlichen Akten über die Folgen weg von Grothe erlittenen Militärunfalls herbeischaffen 3" lassen. Der Oberreichsanwalt sieht sich die moralische ^ledigung seines Helfershelfers am Zeugentisch, die auch yn sehr betrifft, schweigend an. Er hat nichts zu bemerken. ttviJ® a ck erhebt sich und fragt, ob der Oberreichsanwalt lnff diesen Zeugen wegen Meineidsverdachts verhaften atzen wolle, wie er das bei einem früheren Zeugen getan aat. und zwar wegen einer Lappalie. Der Oberreichsanwalt ,j0èr findet diesmal nicht, daß ein Meineidsverdacht vor- 'ègt. Der Kronzeuge. Maurer Otto Grothe aus Zepernick, erdie„t pflegliche Behandlung. Er paßt durchaus in die Galerie von Kriminellen, die der Oberreichsanwalt vor- «èsuhrt hat: Betrüger und Spitzbuben und Sittlichkeit«- Verbrecher. Grothe ist ein L o ck s p i tz e l. dem es gelungen sich im Berliner Bezirk Wedding in die„Rote Hilfe- t^.avisation" einzuschleichen. Er war auch Kamerad- wfaftsführer des kommunistischen Rotfront-Kämpfer- Fundes und Vertrauensmann des Kriminalkommissars «eisig. Solche wertvollen Stützen des neuen Staates und seiner vrai müssen geschont werden. Die gleichgeschaltete Presse aber fand diesen Lumpen "lehr glaubwürdig" und fand seine Aussage für Dorgler und die Bulgaren vernichtend. *1. VerhancHungstag „»«n«, 18. Nov. Zu Beginn der Samstagsitzung wirb der ?.">chluß über die zahlreiche» neuen Bcwcisanträge ver- ainöet. Auf Antrag des RA. Dr. Sack sollen zahlreiche neue ^Ugen vernommen werden, u. a. über die Frage, mann und ">n welchem Ziele der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. L et® in den letzten Februartagen von Berlin sortaereist .». Ueber das Funktionieren der Hausanschlüsse im Reichs- agsgebäude, über die Anwesenheit des Abg. Torgler im ^eichstage am Brandtag usw. Schließlich sollen die über den Zeugen Grothe vorhandenen Akten herangezogen werden. >?'ve Reihe weiterer Beweisanträge wurde abgelehnt, u. a. Antrag Dimitroffs, ihm Akteneinsicht zu gewähren und stenografischen Protokolle direkt zuzuleiten. Es folgt dann die Vernehmung des Zeugen Paul Kempner. aus der Untersuchungshast vorgeführt und unter Aus- setznng der Vereidigung vernommen wird. Er erklärt auf Befragen, daß er Mitglied der KPD. sei. und zwar seit Ansang 1926. Es folgt dann die Vernehmung des Zeugen Paul Kemp- n e r, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt und unter Aussetzung der Vereidigung vernommen wird. Er erklärt aus Befragen, daß er Mitglied der KPD. sei, und zwar seit Anfang 1926. Der Vorsitzende stellt daraufhin fest, daß der Zeuge bei seinen ersten Vernehmungen der Wahrheit zuwider seine Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei abgeleugnet habe. Der Zeuge Kempner erwidert, er habe seiner Zeit die Frage so verstanden, ob er sich kommunistisch betätigt habe, und das sei nicht der Fall gewesen. Daraus wird dem Zeugen die Aussage des gestern vernommenen Zeugen Grothe vorgehalten, der behauptet hat, er habe mit Kempner am 5- oder 6. April 198» auf der Straße ein Gespräch gehabt, bei dem Kempner ihm die ersten Mitteilungen über die Bctei- ligung der Kommunisten an der Reichstagsbrandstistung gemacht habe. Der Zeuge Kempner erklärt, er habe Grotbe seit Beginn des Jahres 1982 nicht mehr gesprochen, ja nicht einmal zu- fällig auf der Straße getroffen. Er fei auch niemals im Büro der Rote» Liilfe gewesen Ron der Existenz des Bulgaren Popoff habe er erst im Verlaufe der Untersuchung erfahren. Der Borsitzende weist aus die Aussage GrotbeS hin. daß 14 Tage nach dem ersten Gespräch eine zweite Unter- redung zwischen Grothe und Kempner stattgesunden habe, bei der Kempner nähere Einzelheiten über die Reichstagsbrand- stistung mitgeteilt habe. Der Zeuge Kempner erwidert, daß er bereits am 8. April aus dem Bett heraus verhastet worden und seit dieser Zeit nicht wieder aus freiem Fuß gewesen fei. Damit fei die Unmöglichkeit der Behauptung Grothes er- wiesen. Aus Fragen des Reichsanwaltes P a r r i s i u S antwortet der Zeuge, er habe in der Partei keine Funktion inne- {ehabt, nur in der Zeit, als er mietefrei bei Grothe gewohnt abe, habe er im Dienste Grothes bei einigen Kommunisten die Beiträge kassiert und Flugblätter verteilt Der An- geklagte van der Lübbe wirb vorgeführt, sieht den Zeugen Kempner an und erklärt, daß er ihn nicht kenne. Es wird dann der Zeuge Grothe noch einmal aufgerufen, um den Zeitpunkt der verschiedenen Besprechungen zu klären. Grothe sagt, daß die Besprechung bei Bartz dann wohl nicht am 8. April, sondern acht Tage früher gelegen habe. Sein Anhaltspunkt sei nur. daß er MontagS immer stempeln gehe und daß es an einem Montag war. Bei der Erörterung dieser Frage ergeben sich immer neue Widersprüche, die zu- nächst unentwirrbar scheinen. Schließlich stellt der Oberreichs« anwalt fest, daß Grothe feine erste Aussage nicht, wie bisher in der Verhandlung gesagt wurde, erst am 19. April gemacht hat, sondern er habe seine erste anonyme Bekundung vor der Polizei schon am ä. April gemacht. Am 7. April habe eine zweite Vernehmung Grothes stattgesunden und daraufhin sei tatsächlich Kemvner am 8. Avril festgenommen worden. Der Vorsitzende erklärt schließlich, daß insofern also doch kein Widerspruch festzustellen sei. Als Zeugen werden dann die Reichstagsbeamten Jan- kowski und Kasten vernommen. Beide haben am Brandtage von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags am Portal 2 in der Garderobe und in der Psörtnerloge Dienst gehabt. Sie erklären mit großer Bestimmtheit, daß iu dieser Zeit der Angeklagte Torgler deu Reichstag nicht»ertasten habe, sie hätten es sonst bemerken müsten. Auf Fragen der Ver- teidigung erklären beide Zeugen, daß fie den Angeklagte» van der Lübbe niemals im Reichstage gesehen hätte». Der aus dem Lager Sonneburg als Zeuge vorgeführte Sekretär Di tt bender von der Roten Hilfe erklärt mit großer Bestimmtheit, es sei ganz ausgeschlossen, daß Dimitrosf, Popofs oder Tanesf jemals seit 1927 in der Roten Hilfe gewesen seien. Den Zeugen Kempner will Dittbender nicht kennen: dagegen gibt er an, daß Kämpfer zu den Q u a r t i e r w i r t c n für die Emigranten gehörte. Auf Vorhaltungen des Oberreichsanwalts erwidert der Zeuge, es sei einmal ein Theodor Dimitrosf in der Betreuung der Roten Hille gewesen, der sechs Sprachen sprach und aus Oesterreich ausgewiesen war. Die Rote Hilfe hatte mit diesem Manne viel zu tun: er war polizeilich gemeldet. Grothe wird dem Zeugen Dittbender vorgestellt. Dittbender erklärt, daß er ihn nicht kenne, auch Grothe sagt, daß er mit Dittbender nichts zu tun hatte, daß er ihn aber von Ansehen aus der Roten Hilfe kenne. Nach einer kurzen Verhandlungspause wird auf Ersuchen des NA. Dr. Teiche rt der Zeuge Grothe noch einmal in den Saal gerufen. Er gibt jetzt auf Vorhalt des Verteidigers an. daß die Sitzung bei Bartz am 27. März gewesen sei, baß er einige Tage später Kempner aus der Straße getroffen habe und ungefähr wieder acht Tage später nochmals mit Kempner zusammengetroffen sei. RA. Dr. T e I ch e r t hält dann dem Zeugen«eitere Wider» spräche in seinen Auslagen vor und weist u. a. darauf hin, daß Grothe gestern gesagt habe. Popott habe beim Reichs- tagsbrand die Aufgabe gehabt» de« Rückzug der Brandstifter zu decken, während er in der Vernehmung am 5. April bekundet habe, daß Torgler diese Ausgabe zu« gefallen fei. Der Zeuge Grothe erwidert daraus. Kempner habe ganz klar gesagt, Torgler habe die Leute mit dem Brandmaterial in den Reichstag gelassen und gedeckt. Die Brandstiftung selbst habe Popoff geleitet, und er habe auch die Brandstifter gedeckt. Der Vertreter Dr. Sacks, RA. P e l k m a n n, regt bei der Rcichsanwaltschalt an, gegen den Zeugen Grothe ebenso einzuschreiten ivic seiner Zeit gegen den Zeugen Sönke sder bekanntlich im Gerichtssaal unter dem Verdacht des Meineids verhastet worden ist). Der Oberreichsanwalt erklärt dazu, er beabsichtige nicht, dieser Anregung des Verteidigers stattzugeben, da bisher noch kein Verdacht des Meineides vorliege. Der Oberreichsanwalt beantragt dann, den Kriminal- kommistar Hei si g darüber zu vernehmen, wie die ersten Bekundungen des Zeugen Grothe zustande gekommen sind. Der nächste Zeuge, der kommunistische Angestellte Koch, der von 1929 bis 1933 Kassierer im Berliner Büro der Roten Hilfe war, erklärt bestimmt, er kenne keinen der drei Bulgaren. Darauf wirb die Verhandlung geschlossen. Der Vorsitzende stellt fest, daß bis aus wenige Zeugenvernehmungen, die in Leipzig erfolgen können, der für B e r l i n vorgesehene Teil der Verhandlung erledigt sei. Der Prozeß wird am Donnerstag halb 19 Uhr in Leipzig fort- gesetzt. Zwei Dlmlfroffs Stefan und Georg Moskau, 18. Nov iJnpreß.) Die„Jsweftija" veröfsent- lichen den Text eines Briefes, den der bulgarische Kommu- nist Stefan Dimitrosf an den Präsidenten des 4. Strafsenats. Bünger, gerichtet hat. In dem Brief, dessen Kopie sowohl dem Angeklagten Georg Dimitrosf wie auch dem„Verteidiger" Teichert zugeschickt worden ist, heißt eS: Aus den Zeitungen erfahre ich. daß der Zeuge Drescher vor dem Reichsgericht erklärt hat, er habe einige Tage vor dem Reichstagsbrand Torgler in einer Besprechung mit dem Angeklagten Dimitrosf im Reichstag gesehen und in dem Gesprächspartner Torglcrs aus früher gesehenen totos den„Attentäter aus die Sofioter Kathedrale", tesan Dimitrosf, wiedererkannt. Ich betone, daß der An- geklagte Georg Dimitrosf nichts zu tun hat mit Stefan Dimitrosf. Georg Dimitrosf hat Bulgarien 1923 verlassen, er ist wegen der Explosion in der Kathedrale niemals verurteilt, ja selbst nicht angeklagt worden. Der wegen des Attentats Verfolgte Stefan Dimitrosf bin Ich; der Gerichtshof kann sich durch Prüfung der FotoS, die in dem 1922 erschienenen Buch von mir enthalten sind und dcS FotoS. das kürzlich von mir hergestellt worden ist, über- zeugen: Buch und Fotos schicke ich mit diesem Brief ab. Ich bin der, den man wegen des Attentats zum Tode verurteilte, obschon ich nichts damit zu tun halte: ich habe Bulgarien am 21. Januar 1922 verlassen. Die bulgarische Regierung bedurfte des Todesurteils gegen mich als Mitglied der Zentralkomitees der bulgarischen kommu- nistischen Partei, um den Mord a» taufenden von Ar- beitern und Bauern ohne Urteil zu vollstrecken. Die Fotos beweisen daß keine Ähnlichkeit zwischen Georg Dimitrosf und mir besteht und daß der Zeuge weder Georg Ttmi- troff, dessen Gesichtsform von der meinen verschieden ist, noch mich, den er»ach früheren Fotos wiedererkannt haben ivill, gesehen haben kann, denn ich wohne in Moskau ohne Unterörechunq seit Februar 1922. Obschon der Brief Stefan Dimitroffs bereits am 6. No- vember an das Reichsgericht abging, hat der vierte Straf- senat vor dem der Reichstagsbrandprozeß verhandelt wird, bisher nicht das mindeste von dieser entlastenden Zeugen- bekunbung erwähnt. Atten'alspian der Nazis wird rechtzeitig entdeckt . Am Sonntag veranstaltete die Sozialdemokratische Partei £ Püttlingen eine geschlossene Kundgebung mit Max ? r a u n als Sprecher. Ter Andrang war so stark, daß Hunderte keinen Einlaß fanden und eine polizeiliche Schließung °es Saales erfolgte. Aus noch nicht aufgeklärte Weise ist es è-ner Anzahl von Nationalsozialisten gelungen, in das Haus Anzudringen. Jedenfalls wurde festgestellt, daß etwa 29 Na- 'wnalsozialisten unter Leitung eines Sturmsührers sich in ~ e, t Toiletten im Parterre des Hauses versteckt hatten, wäh- !"id eine andere Gruppe sich im Restaurant sestgenistet hatte. T^an kann nicht daran zweifeln, daß die Burschen einen üblen Plan ausgeheckt hatten, um ein Attentat aus die Kund- llebung zu verüben. Es wird vermutet, daß sie nach Schluß Rede von Max Braun, sobald er de« Saal verlassen ?s>tle, hinter ihm die Treppe absperren und den Saalausgang °>ockteren sollten. Zu gleicher Zeit hätten dann die im Re- Durant und vor dem Volkshaus versammelten Nazis die Möglichkeit gehabt, ihn entsprechend in Empfang zu nehmen. "V 1« Sache wurde jedoch rechtzeitig entdeckt, die Polizei schritt èsn und eö erfolgten Verhaftungen, während eine Gruppe Nazis auf Motorrädern das Weite suchten. Man Klingt den Uebersallsversuch mit einer Hetze des national- '.èzialistischcn„Taarbrücker Abendblatts" in Verbindung, die >chvn vor einigen Tagen erfolgt war. Verfall auf Severing» Hau» feÄSWSgffi •J'kfu J'Jjw Wohnung und bttjni iltei» îvurden in H Jj'"Mnktq zertrümmert. Aul der Ucherfflü« K gewM Nach««"s ki« um noch 4 bis e 1^^ U„ k!tn Er- der Polizei nach den Tat"" »«zeitigt. KlrdienkonflfM wird dramatisai Der Rückzug des Reichsbischofs— Spaltung? Die Londoner„Times" berichtet: Der Konflikt in der evangelischen Kirch- hat mit einer Besprechung zwischen dem evangelischen Reichsbischos Müller und den Vertretern der Opposition, den Brüdern Niemöller und Dr. Jacobi, seinen Höhepunkt erreicht. Die Opposition erzielte einen entschei- denden Sieg. Der Reichsbischos hat sich verpflichtet» das durch die Preußische Synode veröffentlichte Gesetz zu an» nnlliere». Damit fallen die Bestimmungen, daß alle nicht- arischen und„unsicheren" Geistlichen ausgeschlossen werden sollten. Weiter hat der Reichsbischos versprochen, Jnstruk- «tonen zu geben, wonach die Doktrin der Bibel von allen Geistlichen schriftlich anerkannt werden muß. Die Vertreter der Opposition haben diese Maßnahme» als nicht ausreichend erklärt. Sie verlangen den Rücktritt Zu lade öe'olferl Berlin. 17. November lJnpreßj. Der bekannte Berliner kommunistische Gewerkschaftsfunktionär Hermann Schettler, von Beruf Metallsormer. wurde in der Nacht vom 18, zum 19. September in der Wohnung eines Arbeiters. Brunnen- straße 88. zwischen 2 und 8 Uhr von 2 Beamten der Nehei- men Staatspolizei und ö TA.-Leuien verhaftet. sofort schwer mtbhandelt dann zur Polizeiwach« Zteglerftraßc geschleppt, erneut mißhandelt und nach nochmaligem IranSpo« in der SA.-Ka>erne Shausseeltrabe lo lange gelottert, bis er starb. DaS StaatSkrankenhauS vermerkte aus dem Totenschein vom 22. September: Herzschlag. Am». Oktober stellte dag Lt'chen- schauhaus einen neuen Totenschein aus mit der Angab«: Ver- blutung. der verantwortliche« Führer der„Deutschen Ehristen". Der Reichsbischos hat sich bereit erklärt, die Organisation der „Deutschen Christen" zu verbieten, wenn die„Opposition" sich gleichfalls auflöst. Sein Borschlag wurde abgelehnt. Die Delegierten betonten, daß sie in diesem Fall ihr Leben riskierten, während die„Deutschen Christen" die Religio» verraten hätten. Der Konflikt ist ernster als jemals. Die Opposition for- der« nach wie vor hartnäckig den Rücktritt der Führer der „Deutschen Christen", vor allem den des Bischofs Hosten« selber. Sie hat dem Reichsbischos ein befristetes Ultimatum vorgelegt Lehnt er ab, so soll am nächsten Sonntag, dem Luthertag, von den Kanzeln die Reinigung oder notsaNs Spaltung der evangelischen Kirche gefordert werden. Dem Bruder des Ermordeten bot sich bei Besichtigung der Leiche ein schreckliches Bild: Das Gesichl war vollständig zer- stachen, die Wunden waren mit Wachs zugcichmiert. Am Halse hingen Fleischsetzen. Beide Hände, vom Ballen bis zur Ungcrwurzel waren zersetzt. Die übrigen Körperteile hatte man fest eingehüllt Der Bâter de» Ermordeten hat trotz der Gefahr, der«r sich aussetzt bei der ZtaatSanwaltschast Klage wegen Ermor« dung feines TohneS erhoben. Origperre kür Juden An den Eingängen d«S thüringischen TtädchenS Schleu- singen sind Schilder mit folgendem Text angebracht worden: „Juden sind in Schleusingen nicht erwünscht". Vom deu'sdien Weinbau In den lebten Wochen ist die deutsche Weinlese im groben und ganzen beendet worden. Die Ansichten über die Qualität beS l»33ers lauten bisher recht günst ig. In manchen Produklivnsgebielen des deutschen Westens glaubt man ihn dem»'bei an die Seite stellen zu können. Mengen- Maßig sind nur in einzelnen Gegenden, wie etwa an der Mosel und am Mittelrhein, ganz stattliche Ergebnisse er- zielt worden Ter deutsche Gesamtertrag ivird nicht sonder- "w reichlich veranichlagl. Einstweilen vermeint man ihn auf vielleicht 1,7 Millionen Hektoliter, also auf eine ähnliche Menge wie im vorigen Herbst schätzen zu können- D: e beiden "«ten Jahre waren bekanntlich durch überaus billige Wein- preise gckcnnzcichncl, die dem Absah der sogenannten Kdn- sumivare i» breiten Volksschichten sehr förderlich waren. Der starke Rückgang der Weinpreise war nicht zum wenigsten aus die große Ergiebigkeit der Ernte» von 1929 und 1U30 zurückzuführen, die ein beträchtliches lleberangebot bewirkt hatten. Inzwischen sind aber in den Produktionsgebieten die Preise ziemlich erheblich gestlegen, da die Kellerbestände in den Wcinbangegcnden ivie auch beim Weinhandel— ivenigstens was die billigen Erzeugnisse des Massenverbrauchs betrifft schon merklich gelichtet sind und infolgedessen von einem Ucberaugcbot nicht mehr die Rede sein kann Auch die Hofs- nungen aus einen gewissen Wcinabsntz in den wieder naß gewordenen Vereinigten Staate» mögen den Preisauftrieb begünstigt haben. Dazu kamen dann noch die B e st r e« bu n gen der M i nze r schajt und des Wein- !Ian dels zur Herbeiführung einer Preis- t a b i l i s i e r u n g. Es ist in dieser Beziehung jüngst ge- lungrn, Vereinbarungen zwischen den Winzern und dem organisierten Weinhandel zu erzielen, wonach die Wein- Händler beim Einkauf eine bestimmte Preislinic nicht unter- schreiten dürfen und andererseits die Winzer mit ihren For- derungcn eine vorgeschriebene Grenze einzuhalten haben. Allerdings läßt sich noch nicht zuverlässig beurteilen, ob der Weinhandel zu de» solcherart stabilisierten Preisen in breiten Bevölkerungsschichten ausreichende Absatzgelcgenhcitcn sin- det. Bekanntlich ist der Wein ein außerordentlich kon- junkturempfindliches Produkt, uüd die Beengung des Absatzes guter Flafchenweiire seit dem Eintritt der Wirtschaftskrise war ein deutliches Zeichen dafür, wie stark der Konsum von der r li ck l ä n s i g e n W i r t s ch a s t S- entwickln» g beeinflußt w i r d. Deshalb hält man es in der Fachwelt nicht für ausgeschlossen, baß das neuer- liche Wieberanziehen der Preise da und dort einschränkend auf die Absatzmöglichkeiten wirken könne. Immerhin hat die ausgiebige Propaganda für den deutschen Wein, vor allem im früher französische Rotweine bevorzugenden Norddeutsch- land schon recht gute Früchte getragen und die Ansätze zu einer allgemeinen konjunkturellen Besserung, die an vielen Stellen bemerkbar sind, dürften das Ihrige dazu beitragen, dem deutschen Weinbau und dem deutschen Wcinhandel nach den wenig erfreulichen Zeiten, die sie durchmachen mußten, wieder zu einer Hebung ihrer geschäftlichen Lage zu ver- helfen. Antragen, aber Keine Aufträge AlS untrügliches Zeichen für den vorhandenen starken Be- darf an Maschinen zeigte laut Bericht des VDMA. im Ok- t o b e r die Anfragetätigkeit der inländischen und ins- besondere auch der ausländischen Abnehmerkreise erneut eine Steigerung. Dem entsprach jedoch nicht der Auftrags- e i n g a n g. Sowohl die Auslandsaufträge wie auch die Jnlandsaufträge hielten sich ungefähr aus dem Stande des letzten Monats, Auf den Beschäftigungsgrad der Werk- stätten wirkte die Steigerung der Jnlandsaufträge in den vorhergehenden Monaten auch im Oktober noch belebend ein- Die Zahl der von den gesamten Belegschaften geleisteten A r b e i t s st u n d e n nahm daher weiter zu. Von 900 meldenden Firmen konnten slid im Laufe des Oktober rund 4750 Arbeiter und Angestellte neu einstellen, jedoch mußten von 845 Firmen zugleich rund 247» Mann wegen Stockung des Auftragseinganges, zum Teil infolge des Saisonschlusseö im Landmaschinengeschäft, entlasten werden. Die Notlage der Maschinenindustrie ist noch immer mit am größten von allen deutschen Industrien. Insbesondere auch im Interest? der hochwertigen, schon lange Zeit beschäftigungslosen Fach- arbeiterschast der Maschinenindustrie seien Maßnahmen zur Belebung des Maschinengeschäsis vor allem in den Winter- monaten dringend erwünscht, Sie sei um so mehr gerecht- fertigt, als nachgewiesenermaßen der größte Teil der noch vorhandenen Arbeitslosigkeit ihre Ursache in dem Dauie- derliegen der Produktionsmittelindustrie hat. Von den ver- fchiebenen Zweigen des Maschinenbaues kamen Meldungen über eine Besserung der Lage im Oktober aus der Werk- zeugmaschinen'nbustrie. die dementsprechend auch Neuein- stcllungen von Arbeitern, technischen und kaufmännischen An- gestellten vornehmen konnte. Erhöhungen des Belegschaft?» standes ivaren ferner im Textilmaschinenbau zu verzeichnen, wo vermehrte Aufträge in Webstühlen und Strickmaschinen eingingen. Vereinzelte Austragszunahinen ergaben sich in Kraftmaschinen, Pumpen, Papiermasch'nen, Walz- werksanlagcn, Zerkleinerungsmaschinen und Waagen. Zu einer Verringerung der Belegschaft kam es vor allem bei Landmaschincnsabriken(Ursache: Taisonschlußj, serner im Fördcrmiitelbau, in der Nahrungs- und Genußmtttelmaschi- nen-Jndustr!e und bei Firmen, die gewisse, vornehmlich automatische Sondermaschinen bauen. Ilmsatirödfgang bei lloesdi Aus Esten wird berichtet: »Als ein Zeichen für die eingetretene Wendung be- trachtet eS der Geschäftsbericht, wenn das vorliegende Er- gebnis für(»32/33(30. 6.) wesentlich günstiger als das des Vorjahres ist, obschon es noch nicht als befriedigend be- zeichnet werden könne. Dabei ist bemerkenswert, daß der Umfahr ückgang auf 102,22(Vorjahr: 105,85) Millionen Reichsmark, also lediglich 3,4 Prozent betrug, während der der Gutehosfnungshütte-Oberhausen in dem gleichen Kalenderabschnitt um 32,4 Prozent zurückging und sich der Umsatz beim Ttahlverein, wo er allerdings ein weiteres Quartal m't ansteigendem Absatz umsaßt(per 30, 0.) sogar um 8,g Prozent zunahm. Im übrigen ist wohl zu beachten daß der Umsatzrückgang bei Hoesch bei einem mengenmäßigen Versandrückgang von 6,4 Prozent eintrat". Aus dieicm Hm und Her ist soviel mit Sicherheit zu er- kennen, daß die Geschäfte schlecht gehen, und daß es schwer fällt, daß zuzugestehen. Verfall der Klavierindustrie (Jnpreß.) Die deutsche Pianoindustrie gehört zu den am schlechtesten beschäftigten Industrien Deutschlands. Der Ab- sah.'de? früher auch nach Uebersee bedeutend war, ist gegen- wältig auf wenige europäiiche Länder beschränkt. Infolge- dessen sind zahlreiche Fabriken zusammengebrochen. Deutsch- lands Ausfuhr an Klavieren ist in den ersten» Monaten 1033 auf 2(86 gegenüber 236(«m Vorjahr und 20 400 Stück im Jahre 1920 zusammengeschrumpft. Wertmäßig betrug der Ex- port(929: 24 Millionen Reichsmark,(983(immer in den Liste» 9 Monaten): 1,91 Millionen Reichsmark. Schwere Textiikrise Kein Saisongeschärt Die Stockung im Textilgeschäft, von der wir schon bench- tetcn, hat angehalten. Die Kurve der Wintersaijon verläuft recht flach. Bon den Rohstofsmärkten, deren Hauste im Friuiiommei den Textilindustrien der meisten Länder einen starken Auftrieb gegeben hatte, fehlt jede Anregung. Tie Ueberdisvositionen, die damals getroffen wurden, finden jetzt in auffallend schwacher Auftragserteilung ihren Ausgleich. Die verhältnismäßig milde Witterung läßt den Kon- sumenien und dem Einzelhandel zur Zurückhaltung Zeil. Schließlich haben auch die B e d a r s s u m s ch i ch- t u n g c n. die in der deutschen Textilkonjunktur von 1933 eine bedeutsame Rolle spielten, ein Ende gesunden, und während der neue Bedarf zunächst vielfach als zu- s ä tz i i ch c r Bedarf in Erscheinung trat, macht sich nunmehr die Kehrseite der Umschichtung bemerkbar- Der Austrieb etwa durch die Unisormliefcrungen und die Neueinkleidung der Jugendverbände ist vorläufig zum Stillstand gekommen, und eS zeigt sich, daß der Bedarf an normaler Kleidung dafür stark zurückgegangen ist. Die Frage, ob die Belebung der Textilwirtfchaft im Sommer hauptsächlich auf die beiden Sondcrsaktoren Roh- stoffhausie und Bedarfs Umschichtung zurückzu- führen war, oder ob sich darin schon so früh der Reflex der allgemeinen Wirtichaftsbcsseruna zeigte ist damit vorläuf'g beantwortet. Die allgemeine Konjuntturbcsterung pflegt sich in der Tat nach allen bisherigen Erfahrungen bei den reine» Koninmindustrien m't elastischem Bedarf erst in einem ipä- teren Stadium des Aufschwunges auszuwirken. In der deutschen Textilindustrie sind nach wie vor einige wichtige Ziveige aus der während der Sommerhausie er- teilten Orders noch gut beschäftigt, aber der Eingang von neuen Aufträgen istausden oben erivähn- t e n G r ii n den äußerst gering. Namentlich das Geschäft für die Wintersaison wird meist als unbefriedigend be- zeichnet Für die B a u m w o l l i n du st r i t ist das jüngst durch die VcrbandSberichte bestätigt worden. Bei der Fein- garnfpinncrci beginnt sich zwar der neue Zollichutz günstig auszuwirken, Die Garn- und Gewebepreise zeigen aber all- gemein w'edcr rückläufige Tendenz. In der W olIin- d u st r i e bat die neuerliche Belebung deS RohstoffmarkteS keine Verstärkung der Dispositionen mehr zur Folge gehabt. Die Streichgarnsptnnereien melden nachlassende Be- schästigung, die Tuchfabriken außerdem gedrückte Preise, In der Kammgarnspinnerei erfolgt die Einteilung der früher disponierten Ware nur zögernd. Die K a r t e l l v e r- Handlungen in diesem Zweig werden wohl in den näch- sten Wochen zu einem Ergebnis führen. Im Rahmen einer allgemeinen Produktionskontingenticrung soll dabei auch das Problem der Doppelschichien unter Vermeidung jedes Schematismus gelöst werden. Neuerdings wird von west- deutschen Fabrikantenkreisen übrigens ein 30°'» Bei- mtschungSzwang von Kunstwolle für alle einschlägigen Gewebe propagiert. Das Strickwarengeschäft ist saisongemäß leicht belebt. In Trikotagen ist die Beschäftigung ungleich die Preise seien ungenügend.— In der Sei den in- d u st r i e war die Schirnlstofswebcret saisongemäß gut be- schältigt. Die Seidenstosfwebereien klagen über fehlende Kon- fektionsbcstcllungen, dagegen sei die Nachfrage nach Stück- ware aus dem Einzelhandel bester. Nach langen Vorarbeiten ist nunmehr für den S A.- Dienstanzug eine neue Farbe eingeführt worden. Ter neue Stöfs wird von der Reichszeugmeistrrci den zum Ver- trieb zugelassenen Fabriken und Verkaufsstellen geliefert werden. Seine Erzeugung erfolgt in zwei Qual'täten. Mög- licheriveise wird dies wieder zu einer Belebung in der Uniformbestellung führen, was sowohl den Webereien und Tuchfabriken wie der Konfektion und dem Schneiderhand- werk zugute kommen würde. Die Lage der Konsektion wirb z, B, besonders in Berlin, weniger von der konjunkturellen Entwicklung als von ge- wissen Umschichtungen bestimmt. Diese Umschichtungen ergeben sich z. T daraus, daß bisher schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der Damenkonfektion und etwa 70 Prozent der Herrenkonfektion in nichtarischen Händen lag. zum au- deren Teil hängen sie mit den bekannten Umsatzverlage- rungen im Einzelhandel von den Warenhäusern und sonstigen Großbetrieben zum mittelständischen Handel zu- sammcn Die Großbetriebe beobachten bei ihrer Bestellungen Zurückhaltung, und bei einigen Waren- Häusern und einem Teil des Einzelhandels hat sich auch die Z a h l u n g s weise erheblich verschlechtert. Die Konfektionsfirmen, die bisher mit diesen Abnehmern gearbeitet haben, sehen sich also vielfach Umsatz- und Liguidi- tätsschwierigkeiten gegenüber. Andererseits hat sich vor einiger Zeit in Berlin neben den— weiter fortbestehenden — Fachverbänden ein Propagandaverband gebildet, die „Arbeitsgemeinschaft deutscharisch er Fabri- Dierverbraudi sinkt Sicheres Zeichen der anhaltenden Krise Die Mehrzahl der westdeutschen Aktienbrauereien hat das Geschäftsjahr(982/33 am 30. September abgeschlossen. Die allgemein auf das Braugewerbe einwirkenden Faktoren (Konjunkturverlauf, Kaufkraft, Witterung usw.) haben sich im abgelaufenen Braujahr gegenüber der vorjährigen Bei- gleichszeit nicht günstiger gestaltet Wie sehr gerade die Brauindustrie von der Konjunkturentwicklung und der Kauf- kraftschwächung in Mitleidenschaft gezogen war, beweisen die an dieser Stelle erst kürzlich> veröffentlichten west- deutschen Absatzzahlen. Danach ist ein weiterer Rückgang des Ausstoßes festzustellen. Der Aussall war hier insgesamt g r öß e r als im Durchschnitt des sonstigen Reichs- gebiets. Die dadurch weiter verschlechterte Rentabilität wird sich in den Ausschlüssen besonders der kleinen und mittler« Brauereien zeigen. Dagegen ist anzunehmen, daß die G r o ß- brauereien durch die Möglichkeiten des günstiger« Einkaufs, durch Nutzbarmachung sonstiger Ausgleichsfaktoren und der durch die Sonderstellung bestimmter Brauereien möglichen Auswahl der Kundschaft wieder angemessen« Er- gebnisse ausweifen. Auch Spielkartenabsatz schlecht Die Bereinigten Altenbnrger und Stralsunder Spiel- karten-Fabriken. Aktiengesellschaft-Altenburg Thür berichtet daß der Sptelkartenkonsum in Deutschland sich im Geschäfts- jähr(»32/3» weiter verringert hat. so daß auch der Umsatz der Gesellschaft mengenmäßig und durch die weitere Ver- schiebuna des Bedarfs auf die billig st en Preis lagen geldmäßig noch stärker zurückgehen mußte. De? Export hat sich ebenfalls infolge der immer schärferen Ad ipêrrungen deê Auslandes durch Zölle und Kont.ngentierung und infolge der Preisunterbietungen der valutaschivachen Länder rapid vermindert. kanten der Bekleidungsindustrie(Adesa), öek nicht ohne Erfolg geblieben zu jcin scheint. Jedes Kleidungs- stück der angeschlossenen Fabriken erhält ein besonderes Etikett mit entsprechender Kennzeichnung, Unter dem Ein- druck aller dieser Umschichtungen ist die Diöpositionskrait de? betroffenen Stellen vielfach gelähmt worden, und es auch eine nicht unbeträchtliche A b w a n d c r u n g s b e- w e g u n g eingesetzt— Im übrigen ist das Winlergeichal/ sowohl in der Damen- wie in der Herrenkonfektion nach längerer Stockung neuerdings wieder besser geworden: man fürchtet aber, daß der Aussall der vergangenen Woche kaum wieder in vollem Umfang wettgemacht werden könne. Während in der Konfektion im ganzen noch mit einem Umsatzrückgang gegenüber(»32 gerechnet wird, sind die Uiw sätze des Texiileinzelhandels etwas über die vom Herbst(»32 gestiegen. Der Einzelhandel der sich angeinl!-^ der anziehenden Preise>m Sommer bereits stärker eingeden» hatte, hat also offenbar einen Teil der Herbstverkäuie aw seinen Lagern vorgenommmen und diese vermindert, Tie Umsatzsteigerung ist übrigens das statistische Ergebnis der schon erwähnten sehr verschiedenartigen Entwicklung bei den kleinen und großen Betrieben. M.-Gladbach: Keine Besserung Die Gladbacher Wollindustrie AK. berichtet: Die Gesellschaft, von der in den letzten Tagen bekannt wurde, daß die Henkel u E.i e., A G. in D ü s s e l d o r t> oder ihr nahestehende Kreise eine qualitative Minderheit übernommen haben, berichtet für(»32 33<30.«.). daß eine Besserung der Geschäftslage nicht eingetreten>-» und die zeitweise vorhandenen BelcbungSansätzc sich»mit genügend durchsetzen konnten Die Koniunikrast für die Er- zeugnisse sei im Inland weiter stark geschwächt, eine Steige' rung der Ausfuhr war insolge der schlechten Wellmarktlage, der Abschließungsmaßnahmen des Auslandes und der valu- tarischen Verhältnisse nicht möglich. Die seit längerer 3 c,t eingeführten Betriebseinschränkungen mußte« daher bestehen bleiben. Im neuen Geschäftsjahr sei noch keine Wen- du n g zum Besseren eingetreten. Zurückhaltung der Kundschaft im Einkauf und kurzfristige Auftragserteilung kennzeichne die Geschäftslage des konjunkturempfindlichen Industriezweigs, Man hoffe aus bald nachhaltigen Erfolg der Regierungsmaßnahmen.(GV. 2. Dez., Berliner Kurs am 10. Nov. 123) Abwarts! ^Jn der Aachener T e x t i l i n d u st r i e ist bei de« Streichgornspinnereien saisongemäß im Oktober ein Auftragsrückgang eingetreten. Die in der letzten Zeit erhöhte Belegschaft konnte biß jetzt durchgehalten iverden. Künstig wird aber voraussichtlich der größte Teil der Spinnereien die Arbeitszeit verkürzen müssen. Der Export ist nach wie vor völlig a b g c- schnitten, während andererseits der ausländische Weit- bewerb mit billigen Angeboten weiterhin auf dem deutsche» Markt bemerkbar ist. Von der Herstellung von Garnen(»r llnisormteile profitieren die auf andere Garne eingestellte» Spinnereien beS Aachener Bezirkes nicht. Auch bei de» Tuchfabriken hat sich der Absatz etwas verschlech' tert, in der Hauptsache insolge der verhältnismäßig lange», warmen Witterung. Die Abnehmer halten mit den Be- stellungen weiter zurück. Neu eingehende Aufträge sind durch- weg kurz befristet. Im Auslandsgeschäft konnten in Aus- Wirkung des Seripsverfahrens einige zusätzliche Aufträge hereingeholt werden.— Im Bielefelder Textilbczirk ist die Beschäftigung der Flachsspinnereien unge- n ü g c n d. Eine erhoffte Belebung durch das Weihnachtsgeschäft ist nicht eingetreten, so daß weiterhin eingc- schränkt gearbeitet wird- Die Preislage für Rohslachs gilt weiter als ungeklärt, weil die Russen noch keine Verkäufe getätigt haben Bei den Leinenwebereten ist die Lage im alst gemeinen unverändert, größere Nachfrage bestand nam billigen knnstse'denen Gedecken, die ebenfalls von den Fein- leinenwebereien hergestellt werden Auch hier wird übe? stärkere Zurückhaltung der Abnehmer geklagt Auch die Herren Wäschefabriken melden einen unbefriedigenden Neueingang von Aufträgen, sind aber aus Grund früherer Austräge im allgemeinen befriedigend be- schäftigt. Die D a m c n w ä s ch c t n d u st r i e ist qut beschäftigt und konnte teilweise der Nachsrage nicht sofort genügen. Im W ä s ch e a u s st a t t u n g s g e s ch ä s t ist ein verstärkter Absatz durch das Weihnachtsgeschäft eingetreten, so baß hiet die Beschäftigung als ausreichend bezeichnet wird. Ois Schrumpfung Die im Besitz rechtsstehender Kreise befindliche Berliner „Börsen-Zeitung" wird ab 1. Januar(»34 anstatt, wie bis- her, zweimal nur»och einmal täglich erscheinen. Japans ripinsionshrail In England hat man erstmals ein mengenmäßiges Ueberflllgeln des britischen Baumwoll-Exports durch de« japanischen festgestellt. Angaben der„Textilzeitung" lasse» erkennen, daß Japan nicht nur sich Luft schafft, sondern ex' p a n b i e r t: Im September seien 261 000 Ballen Baum- wolle verarbeitet gegen 252000 im August und 231000 im September(»32. Der Gesamtverbrauch in den ersten neun Monaten 1933 betrug 2.27 Millionen Ballen gegen 2.1 im entsprechenden Zeitraum von 1932 und 1,89 im Jahre 1931. Gleichzeitig lagen wieder Projekte vor, um die Produk- tion noch mehr zu steigern, Nagasaki Cotton Spin- ning Co 130 000 n-iic Ringspindeln, U t s u m t E o t to» Weawing Co. 30 000 weitere Ringspindeln. Tie Tono Cotton Spinning Co,(5000 Spindeln und 600 Web- stühle uiiv. Die japanische Seiden-KonkurrenZ mache sich jetzt in Frankreich sehr stark geltend. Lyon sei aus dem ägyptischen Markt fast verdrängt: Japan sei auch dabei, sich selbst in Frankreich auszubreiten. Fertige K u n st s e i d e n st o s s e werden in Marieille billiger ange- boten, als die Lnoner Fabrikanten die Garne, welche darin Verwendung finden, kaufen können. Die Südmandschurische Eisenbahn, die Regierung von Kwantung, die Sp'nnereien und Baumwollspinnereien Japans haben beschlossen, gemeinschaftlich eine Japanisch- Mandschurische Bauinivollvereinigung zu gründen, die mit einem Kapital von 2 Millionen?)en ausgerüstet wird. Ge- schäftSziel ist der Baumwollbau in Korea und in der Mandschurei. Wenn diese Bereinigung ihre Ab- sichten gemäß den entworfenen Plänen ausführt soll bereits nach 10 Jahren der japanische Baumwollbedars in diesen Ge- bieten gedeckt werden und keine Baumwolle mehr auS Britifch-Jnbien eingeführt werden müssen. Göbbels will die Weltpresse Korrumpieren Seine Plane inr Beeinflussung und Bestechung ausländischer lellungen Der„Pe i t it Parisien" seht seine Eni» büllungen über die Methoden des Ausland- d i e n st e S der deutschen Reichsregierum, fort. Wir veröffentlichen heute einen charakteristischen ^ Abschnitt. -nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland wurde ^5 Deutsche Nachrichtendienst mit dem radiotelegrafischen ^«enst, der im Ausland unter dem Namen»Trans- bekannt ist, zusanimengeleat. Diese beiden Nachrichtendienste haben nicht mehr den Sle«che„ Einslust ans die ausländische Meinung wie früher. ..Ihre Herkunst ist zu verdächtig, uirove Zeitungen, wie die„Prensa" in Buenos Aires, haben seit der Revolution in Deutschland diesem Dienst mist- »rauisch gegenübergestanden. In der Vergangenheit haben 'amtliche mit TranSozean belieferten Zeitungen ihn zu 7S vrozen» verwandt. Heute ist dieser Prozentsatz we sent- ^lch zurückgegangen. Die Zeitungen sind der Auf- lassung, dast die Nachrichten zu stark tendenziös und propa- ô°"distisch für das„dritte Reich" ausgezogen sind. Gleichzeitig wurde festgestellt, dast eine Reihe von Dirck- toren ausländischer Pressebüros die Benutzung von Trans- vzean überhaupt ablehnten. In der Mehrzahl handelt eS nch lnatürlichl Di« Red.) um Juden. DaS erklärt ihre Haltung. Die beiden Nachrichtenagenturen erfüllen den Zweck nicht fhehr, dxn man beabsichtigte. Eine Ausdehnung und eine Umstellung ist erforderlich. Zunächst soll eine Nachforschung darüber angestellt wer- wie die günstigsten Bedingungen kür die Nachrichten- »Vermittlung find. In besonderen Fällen sollen den Zei- »ungen, die TranSozean beziehen, die Telegramm- lvesen vergütet werden für Rückfragen, Auskünfte und so weiter In den«tädten, wo mehrere Zeitungen durch unseren Dienst beliefert werden, wäre ein Zentralbüro zu schaffen, aas die Nachrichten aufnimmt und an die einzelnen Zeitungen Zerteilt. Zeitungen, die unseren Dienst beziehen, aber nicht jju der Lage sind, einen besonderen Angestellten mit der Nachrichtenübernahme zu beauftrage», können die Spesen vergütet werden, oder aber der offizielle deutsche Vertreter halt sich einen Angestellten, der mit dieser Arbeit beauftragt und für sie bezahlt wird. Selbstverständlich sind Nationalsozialisten in diesem Falle Zu bevorzugen. Die gleiche Vergünstigung könnte allen Zeitungen eingeräumt werden, die sich dafür verpflichten, sämtliche Nachrichten ungekürzt zu übernehmen. Um«ine Kontrolle zu haben, wie die deutschen Nachrichten- hsenste benutzt werden, müßte eine Statistik angelegt werden, die Zahl der erhaltenen und die Zahl der veröffentlichten Nachrichten enthält. In vorsichtiger Form müßte bei den Zeitungen, die immer weniger die deutschen Nachrichten verwenden, der Grund zu vleser Tatsache erforscht werden und auch hierüber Material gesammelt werden. Um die Quellen des amtlichen deutschen Nachrichtendienstes nicht allzu deutlich sichtbar werden zu lassen, könnten Sonderkorrespondenten für die großen Zeitungen ein- gesetzt werden. ftiir diese Zeitungen wäre ein besonderer neutraler Dienst SU schaffen, der der besonderen Vorliebe der amerikanischen Zeitungen für„Sonderkorrespondenten" Rechnung trägt. Als„Sonderkorrespondenten" gelten alle deutschen und aus- ländischen Korrespondenten des„Deutschen Nachrichten- oienstcs". Die Nachrichten kämen also nicht nur aus Deutschland, sonder» aus Frankreich, England, Belgien Oesterreich usw. Die Propagandazeutrale trägt vie b e t r ä ch t l t ch.e n Spesen dieser Nach- richtenübermittlung, wenn die Bedeutung der Zeitung sie rechtfertigt. Bei der Bedeutung einer Zeitung ist nicht nur ihre Auslage, sondern ihr Ein- Uuß zu berücksichtigen Die Statistiken der einzelnen Län- der geben darüber Aufschluß. Vor allem sind Zeitungen zu unterstützen, die Einfluß auf die Regierung haben, dann aber auch faschistische. Dieser„Sonderdienst" muß natürlich mit alleräußerster Vorsicht den Zeitungen angeboten werden. Unter k e i- il e n Umständen darf zu erkennen sein, daß diese„Sonderkorrespondenten" Bcauf- t r a g t e der deutschen.Regierung sind. Für diese Verhandlungen sind möglichst Nichtdeutsche zu verwenden. ES ist zu empfehlen, die Verhandlungen unter irgend- einem Vorioand mit dem Direktor oder Verleger der be- treffenden Zeitungen zu eröffnen. Es gibt Fälle, in denen nicht nur Gratisbelieserung an- gebracht erscheint, sondern darüber hinaus eine finanzielle Unterstützung, die irgendwie getarnt werden mnß. In keinem Fall abe» ist es zweckmäßig, diese finanzielle Unterstützung in der Form von Inseraten, vor allem nicht für Propaganba-Jnserate für Reisen nach Deutschland, zu gewähren. Es iväre unklug, in denselben Zeitungen, die die„Sonderberichterstattung" übernehmen, deutsche Propa- gandainserate erscheinen zu lassen. Genaue Beobachter würben daraus ihre Schlußfolgerungen ziehen. Sonder- wünsche der Zeitungen, die den„Tonderdienst" übernehmen wollen, sind natürlich zu berücksichtigen. Dabei ist darauf zu achten, daß diese Sondcrwlinsche nicht mehr alS 5tz Prozent des Gesamtdienstes ausmachen, das heißt, die Hälfte der Worte des Radiodienstes. Die andere Hälfte müßte natür- lich deutschen Interessen und Wünschen diene». ES müßte darüber gewacht werden, daß die deutschen Nachrichten in besondere Form redigiert werden. Nur ganz vorsichtig darf der deutsche Standpunkt und dürfen vor allem deutsche Blätterstimmen übernommen werden. Bc- sondere Beachtung verdienen die ausländischen Presse- stimmen. Auch hier sind nur unverdächtige Zeitungen zu berücksichtigen. Wenn in einer Stadt mehrere Sonderkorrespondenten tätig sind, ist daraus zu achten, daß die Nachrichten in mög- lichst variabler Form an die einzelnen Zeitungen weiter- gegeben iverdcn. Für die Zeitungen, die auf diesen Vorschlag nicht ein- gehen, ist ein anderer Modus vorzuschlagen. Man suche möglichst persönlich-freundschaftliche Beziehungen zu Direk- toren oder verantwortlichen Redakteuren anzuknüpfen u n d weise dann auf einen Korrespondenten hin, der gerne zu mäßigen Honoraren Artikel unterbringen in ö ch t e. Besonders ist dabei zu betonen, daß der in Frage stehende Journalist keinerlei Beziehungen zu Deutschland und vor allem nicht zur nationalsozialisti- scheu Regierung hat. Selbstverständlich kann diese Art der Empfehlung nur von Leuten vorgenommen werde», die den Direktionen und Redaktionen als Gegner des faschistischen Regimes in Deutschland bekannt sind. In diesem Zusammenhang weift man aus die Notwendig- keit hin, bei der Auswahl der Korrespondenten vorsichtig zu sein und nur Leute einzustellen, die in keinerlei Bc- ziehung zur deutschen Regierung stehen. Auf keinen Fall dürfen die offiziellen deutschen Vertreter sich zu diesem Zwecke deutscher Emigranten bedienen. Diese bieten keinerlei Gewähr für Diskretion. Die letzte Maß- nähme ist besonders gerechtfertigt durch trübe Erfahrungen. Die Erfahrung der letzten Zeit hat bewiesen, daß eS nicht unmöglich ist. bei ausländischen Nachrichtenagenturen nicht- amtliche Meldungen unterzubringen. Direkte Beziehungen zu den Direktoren und Leitern der Pressebüro? sind zu vermeiden, dafür empfiehlt es sich, in gewissen Fälle» Verbindung zu suchen mit Angestellten, denen man besondere Vorteile zukommen läßt. Die direkte Verbindung mit den Direktoren ließe zu sehr auf den offiziellen Charakter und auf Absichten des Propaganbaministeriums schließen. Durch die Angestellten, mit denen man im übrigen auch besonders freundschaftliche Beziehungen unterhalten kann, ist der Zweck bester zu er- reiche». Aus diese Weise ist es auch möglich, von Nachrichten Kenntnis zu erhalten, die beispielsweise für den anderen Tag bestimmt sind und die man dann sofort durchkreuzen oder berichtige» kann. In solchen Fällen hat man es erlebt. daß die Morgenzeitungen eine sensationelle Nachricht brach- ten»nd in der gleichen Nummer eine Berichtigung des deutschen Nachrichtendienstes aufnehmen mußten. Auch hier sind Statistiken und Tabellen anzulegen und der Propagandazentrale einzusenden. Selbstverständlich müßte auch am die Tatsache hingewiesen werden, daß die Zeitungen, die den deutschen Nachrichten- dienst verwenden, einen besonderen Wirtschast- lichen Vorteil haben, da sie die deutschen Nachrichum gratis erhalten, während die ausländischen Nachrichten be- zahlt werden müssen. kehl« Der„Petit Parisien" schreibt zu den Ablcugnungen des deutschen Propagandaministeriums: „Dieses Dementi ist in Wirklichkeit ein Eingeständnis. Statt die Politik zu verleugnen, die das Dokument nicht erst enthüllt, sondern bestätigt, beschränkt sich die Reichsregierung — was viel leichter ist— darauf, einfach die Existenz dieses Schriftstückes zu leugnen, das sie als„freie Erfindung" bezeichnet. ES ist eigentlich überflüssig, zu betonen, daß wir diese ebenso verspätete wie verwirrte Note für null und nichtig ansehen und daß wir iu der formellsten Weise die absolute (Genauigkeit und völlige Echtheit des Dokumentes aufrecht- erhalten. Uebrtgcns hat sich niemand unter den Sachverständigen der Außenpolitik, die es geprüft und kommentiert haben, ge- täuscht. Trotz aller Behauptungen de» Herrn Göbbels. erfindet man Schriftstücke dieser Art, dieser Länge und dieser sachverständigen Form nicht. Die Täuschung würde zu leicht entdeckt werden. Die Instruktionen, die ivir enthüllt haben, und deren Veröffentlichung wir heute fortsetzen, sind übrigens z» typisch deutsch und de» Tatsachen angepaßt, als daß das Hitlerkabinctt mit einiger Wahrscheinlichkeit ihre Vaterschaft von sich weisen könnte. Das neue Kapitel, das wir heute veröffentlichen und das in unmittelbarer Form die Spezialisten der Presse interessiert, ist in dieser Hinsicht vielleicht noch charaktcristl- scher und dürste, wen» überhaupt Zweifel vorhanden waren, diese endgültig zerstören. Diese Veröffentlichungen betreffen nicht nur die lieber- mittlung von drahtlosen Nachrichten nach Amerika, sie informieren bis ins Kleinste darüber, wie die amcrika- nischen Zeitungen am geschicktesten und nuanfsälligste,, für die getarnte nationalsozialistische Propaganda einzu- spannen sind. Wir schrieben gestern, daß das Studium der gestern ver- öffentllchtcn Dokumente über die Ziele der Außenpolitik Hitlerdeutschlands Staunen erregt. Nicht minder ist dies der Fall beim Studium der Methoden, die die deutsche Regie- rung ihren Korrespondenten empfiehlt, um das gewünschte Ergebnis: die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, zu erreichen. Nichts ist von Herrn Dr. GöbbelS vergessen worden. Weder die ausländischen Nachrichtenagenturen noch die Sonderkorrespondenten für die einzelnen Zeitungen. Tar- uuug des offizielle» deutschen Nachrichtenwesens unter neutraler Flagge, Gratisnachrichten, Rückerstattung von Telgrammfvcsen, Bezahlung der mit der Nachrichten- Übermittlung Beauftragten lBeauftragte, die durch die offiziellen Vertreter Deutschlands ausgewählt»nd von ihnen unter der Hand unterstützt werden), Znrvertügnng- stellung von Gratisarttkeln und Zpezialkorrelpondenten, Anknüpfung von persönlichen Frrundschasiobezi-'hungen zu Redakteuren und Besitzern großer Zeitungen usw.— alles ist vorgrsehen. Die Tonleiter der unlauteren Konkurrenz ist vollständig. Wir sind überzeugt, daß sie nicht»ur die Vertreter der Welt- presse interessieren ivird, sondern vor allem untere amcrika- nischen Kollegen, die man wohl kaum au die Ausrecht- erhaltung der Traditionen von Freiheit und Loyalität zu erinnern braucht,'' Amerika und Rußland Bbie Einigung zwischen litwinow und Roosevelt Die amerikanisch-russische Einigung, die zur Wieberaus- kiahme der gegenseitigen diplomatischen Beziehungen führte, sieht u. a. die folgende Punkte vor: 1. Die beiden Länder enthalten sich jeder Ein- w i s ch u n g in die inneren Verhältnisse des andc- ren Staates. Roosevelt insbesondere verlangte mit Bestimmt- beit. daß keine kommnntstische Propaganda in den Vereinig- ten Staate» getrieben wird. 2. Freiheit der Religionsausübung der Staatsangehörigen in den beiden Ländern. 3. Protokoll über Verhandlungen betr. Konsularabmachun- gen, die den amerikanischen Staatsangehöri- g c n in Rußland in Zukunft dieselben Zivilrechte Leben, ivte sie andere Ausländer besitzen. 4. Beendigung der russischen Verfolgung von Wirt- s ch a s t s s p i o n a g e. 5. Keine Ansprüche Rußlands an die Vereinigten Staaten für Schäden, die amerikanische Truppen im Jahre 1Ö18 in Sibirien verursacht haben. 6. Während der schwebenden Verhandlungen über An- spräche und Gegenansprüche zwischen den beiden Ländern verpflichtet sich Rußlands, nichts gegen die Urteile der Ei c r i ch t c zu unternehmen. 7. Beide Länder geben gemeinsam der Hoffnung auf schnelle Lösung aller schwebenden Schulden- a» s p r ü ch e Ausdruck. » Saarbrücken, den 20. November 1933. Die beiden größten Republiken der Welt haben sich nach Ikjährigem Zustande der gegenseitigenVertraglosigkeitunddiplo- watischen Richtoertretung gefunden. Sic find sich zwar nicht um den Hals gefallen und sie lagen sich nicht in den Armen und weinten vor Schmerz und Freude, sondern sie haben sich wie gute Geschäftsleute, denen kommentloses Piratentum auf ihren Handlung? straßen auflauerte, an einen Tisch gesetzt und zehn Tage sang mit betonter Langsamkeit und in undurchdringlichem Geheimnis verhandelt. Sie sind soweit einig geworden, daß sie ihre gegenseitigen Beziehungen wieder aus. nehmen, ohne zugleich dabei zu verraten, wie sie ihren raubritterlichen Wegelagerern zu begegnen gedenken. Aber daß diese die Zeche zahlen müssen, darüber ist man sich absolut einig. Und diese Strauchritter heißen Hitlerdeutschland und Japan. Wenn jetzt Herr Nadolny. der neue hitlerdeutsche Botschafter in Moskau, sein Amt antritt, wird er sich mit sehnsüchtigem Schmerz der Tage erinnern, da er einst mit Litwinow gemeinsam in der Abrüstungskonferenz das Schreckenskind der anderen spielen konnte. Gewiß wird er darauf hinweisen, daß Sowjet-Rußland an Deutschland fast eine Milliarde Mark schuldet. Zwar wird er mit Nachdruck Angebote auf hitlerdeutschen Ankauf russischer Ex- portwaren machen. Aber seit Roosevelt-Litwinows zehn- teigigem Konklave in Washington steht fest, daß die Bol- schewiken amerikanische Waren den hitlerdeutschen vorziehen werden. Und dann wird Herr Nadolny das Aeußerste tun: Er wird den vielen außenpolitischen Vitt- gangen des Nationalsozialismus nach Canossa einen neuen hinzufügen und den Stalin, Litwinow. Radek usio begreiflich zu machen versuchen, daß Hitlers„neue" Politik gegenüber der Sowjet-Union nichts mehr zu tun hat mit der bisherigen Lehre und Taktik des National- sozialismu? gegen den Kommunismus. Er wird Hitler- deutfchlands neue Bibel„Mein Kampf" und die darin ausgesprochenen hitlerdeutschen Expansionsideale auf Kosten Rußlands(ganz gleich, ob es kommunistisch oder zaristisch ist!) feierlichst verbrennen, wird Himmel und Erde über den Göbbelsschen Propagandaapparat in Be- wegung setzen, um die Russen davon zu überzeugen daß Hitlers Marxistenhaß nur dem Kommunisten Thälmann nicht aber dem Kommunisten Stalin gälte und wird a b- schwören sowohl das bekannte Schacht-Huaenbera- Memorandum wie allen Appetit auf die Ukraine! Bereits am Freitag, dem Tage, für den die russisch- amerikanische diplomatische Aussöhnung zu erwarten stand, hat der nationalsozialistische Möchtegern- Außenminister Alfred Rosenberg, Leiter des sogenannten außenpolitischen Amtes der R2DAP., der bisher noch überall, wo er im Namen Hitlers und auf Rechnung des Hakenkreuzes Außenpolitik zu machen oer- suchte, gründlich verprügelt worden ist, in der Berliner Landesgruppe des Bundes„Deutscher Osten" eine be- tonte vorläufige Verzichterklarung auf jederlei Einmischung des N a t i o n a l s o z i a- l i s m u s indie i n n e r e n V e r h ä l t n i s s e R u ß- lands ausgesprochen. Wenn die Welt auch weiß, was sie von solchen lammfrommen Erklärungen der Hitlerschakale zu halten hat. so mußt? doch das offizielle Eonti-Bllro ausdrücklich berichten, daß Rosenberg zwei- mal unterstrichen habe, daß sich Hitler nicht in die russischen Verhältnisse einmischen werde ssolange ihm da- zu die Macht fehlt selbstverständlich nutz!). In der amerikanischen wie der russischen Presse wird bereits darauf hingewiesen, daß der Export Amerikas nach Rußland bis 1935 auf rund eine Milliarde Mark pro Jahr- gesteigert werden kann— man darf sich gar keinem Zweifel darüber hingeben, daß die Sowjet-Oeffentlichkeit wieniezuvor anti-nationalistisch und antihitlerdeutsch eingestellt ist. wenn auch die Politik Stalins, wohl im Gegensatz zu der des russischen Außenamtes, immer noch von demselben lähmenden Zögern befallen ist, das auch die älteren Generationen in der Politik westeuropäi- scher Länder noch nicht zu verlassen vermochte. Rußlands geopolitische Bedeutung hat es seit dem Hochkommen des nationalsozialistischen wie des japanischen Faschismus zum Angel-, Dreh- und Hebelp unkt außenpolitischer Ko m bina- t i o n e n gemacht, die in den verschiedenen Pakten Litwi- nows ihren Ausdruck gefunden haben. Die amerikanisch- russische Annäherung hat in dieser Hinsicht ihr Pendant in der russisch-sranzösischen. Die eine hat eine ebenso scharfe Spitze gegen Japan, wie die andere gegen Hitler- deutschland, und die Unkosten der ersten amerika- nisch-russischen Zeche bezahlt das antimurxistische Groß- m.. I Hitler mit seinem Außenhandel. Aber es wird nicht die letzte sein, für die er blechen muß. M. B, -i Deutsche flimmert•(Beilage zur„Sbeutsdken Freiheit"• Iwciénisse und Qestfridkien Plenstag..den 21. November 1933 Das QePieimnis des Dez iiefece Sùm dee„deutschen Revolution" Im Jahre 1913 vollendete Heinrich Mann den Roman„Der Untertan"', der zwar nicht die Ur- und Tatsachen des Weltkrieges vorwegnahm, wohl aber den Sinn des deutschen Anteils daran, nicht, was der Politiker und Wirtschaftler, sondern was ein hellseherischer und begnadeter Dichter erfallt. Keiner wie er war berufen, uns den Sinn der sogenannten deutschen Revolution zu deuten. Die Aufsätze über die „deutsche Zeitgeschichte", die er unter dem Titel„Der Haß" veröffentlicht, sind das für alle Zeiten gültige Buch über die Ereignisse, die wir alle mit angesehen oder mit angehört haben: zum erschütternden Erlebnis für uns macht er sie, indem er nicht in Spenglerscher Art darüber geistreichelt oder wie ein Renn sie in eine mystische Verkleidung hüllt, sondern Menschen und Ereignisse bis ins Innerste durchschaut und sie mit schlichten Worten wahrheitsgemäß und darum in unwiderleglicher Weise schildert. Das Urteil dieses deutschen Tacitus wird alle die heutigen Schönredereien und Mystifikationen, Phrasen und Lügen früher oder später übertönen: von der Tat ab, die dieses Buch vorläufig für die außerdeutsche Welt bedeutet, ist der„Hitlerei" die Maske abgerissen, ist sie geistig erledigt. Vor der Katastrophe ist die geistige Situation: 19. Jahrhundert große Zeit des Denkens— um 1890, wo man alle Probleme vom Sozialen her lösen wollte, wäre der Krieg durch den herrschenden Intellektualismus verhindert worden —, aber das Denken verflacht und um 1900 kommt das irrationale Zeitalter herauf: es beginnt um 1930 wiederum abzuflauen, wo man der Probleme international Herr zu werden versucht. In die„dichte Mitte" der Epoche der Unvernunft ist die deutsche Republik hineingestellt worden: sie erfüllte ihre Pflicht so wenig im Internationalen als im Sozialen, denn der Nationalismus, den es auch vor 50 Jahren schon gab, geht mit der Republik, nicht gegen sie und die Republikaner regierten fast immer mit den Reaktionären. Der nationalistische Auftrieb lief weiter bis zu dem Regime, dessen Grundlage der Haß ist, der auch den ganzen Antrieb des Nationalismus ausmacht. Der Haß, nicht nur als Mittel, sondern als einziger Daseinsgrund einer mächtigen Volksbewegung: das ist Hitler eingefallen und dieser Einfall wurde zum Unfall der Republik. Wie konnte diese den Hassenden widerstehen? Die Republikaner bewahrten sich den Glauben an die Gesetzlichkeit, erfaßten daher auch niemals ganz, was Haß heißt. Diesen Haß, der in Furcht umschlägt, weist der Psychologe Mann als Triebfeder zu all den uns teils zur Entrüstung, teils zum Lachen reizenden„Taten" des„dritten Reiches" nach, als Triebfeder seiner Gründer, die zwei Menschentypen angehören: der Bestie und dem abtrünnigen Zivilisierten— — Beispiele unnötig—, der sich Gewalt antun mußte, um wieder Barbar zu werden und der im Haß mindestens ebenso weit geht wie der erste, weil der sich selbst nicht erst beweisen muß, daß er eine Bestie ist. Der„große Mann" aber, der halt rankommen wollte, ist habsburgisches Erbe. Der deutsche Staat war wohl hart gewesen, hat aber niemals zu überlegter Grausamkeit und Haß gegriffen. Ebenso undeutsch ist auch das falsche Künstler- tum, das von der eigenen werten Persönlichkeit nie loskommt, die Verlogenheit, Komödiantcrei, Gefühlsduselei. Die Hitlerdiktatur berechtigter Ausdrude Deutschlands? Nein, sie verkörpert nicht die deutsche Seele: sie hat Deutschland erobert, die Hitlerei blieb noch in der Minderheit, bis sie sich zu glatter Gewaltanwendung entschloß, das Zeichen war der Reichstagsbrand. Und diese Eroberer waren Verkrachte, die Sieger benehmen sich wie Verkrachte, so regellos und krank:„Deutschland holt jetzt seine Bestien und seine Verrückten hervor. Seht sie euch gut an, und dann sagt noch, man müsse Deutschland nehmen wie es ist, und das sei Deutschland!" Was die„nationale Revolution" richtet, ist, daß ihre Macher in keinerlei Verhältnis stehen zu den inneren Werten Deutschlands.„Von diesen Menschen ohne Wissen und Gewissen ist Deutschland erniedrigt, verroht und in einen Zustand versefjt worden, wie keine äußere Niederlage und nicht einmal die Zerstückelung des Staates ihn hervorbringt. Es ist der Verachtung ausgeliefert." Denn nichts haben sie geleistet als Augentrug und Andeutungen. Ihre Anordnungen entstehen nicht aus Liebe zum Volk, sondern aus Haß. An der Wurzel des Hasses steht der Haß gegen den Geist: er erniedrigt die deutsche Intelligenz, hat den ordinären Antisemitismus gebracht, bestimmt die sittliche Erziehung, führt sicher zum Kriege. Denn nicht die äußeren Kundgebungen eines Regimes, sondern sein Auftreten im Innern entscheidet, keine Regierung kann die eigenen Leute unmenschlich treten, für die übrige Welt aber die zarteste Rücksicht aufbieten. Und nur der nächste Krieg erläutert alle Taten der Hitlerei, die Verfolgungen von Marxisten, Katholiken, Intellektuellen und Juden: weil sie der verkörperte Widerstand gegen die Kriegsgelüste sind, von denen man besessen ist! Und dabei hätte die Sache grad so gut anders ausgehen können! Nur durch die schauerliche Korruptionsaffäre, in der Papen die Fäden zog, durch Verräter, die freilich enttäuscht werden, kamen die Nationalsozialisten ans Ruder. Man glaubt nicht an ein blindes Schicksal, wer diese Geschichte miterlebt hat, stellt fest, daß Menschen dies taten und nicht einmal starke Menschen. Können wir uns rückhaltlos dem Urteil Heinrich Manns anschließen? Darüber darf nur eine Rücksicht entscheiden: die auf die Wahrheit. Erinnern wir uns nur an das Auftreten der Zeugen Göring und Göbbels im Brandstifterprozeß: dieser Dichter sagt die Wahrheit. In den im Anhang beigegebenen„Szenen aus dem Nazileben" läßt er die beiden in Einzelheiten sich äußern, wie sie es, als das Buch schon gedruckt war, im Prozeß wirklich getan haben— so hellseherisch hat er ihr Wesen erfaßt. Er urteilt streng, aber diese„übel beleumdeten Abenteurer, die sich zu Herren des deutschen Volkes aufwarfen", muß man streng beurteilen, will man nicht in Heuchelei verfallen. Und doch: wie kühl und überlegen klingen die vornehmen Sätze dieses echten Deutschen, wenn daneben das Radio uns den wutschäumenden Haß derjenigen zubrüllt, die ihn außer seiner im deutschen Dienste wohl und ehrlich verdienten Habe auch seiner Nationalität beraubt haben. Seinem Vaterlande hat Heinrich Mann dieses Buch gewidmet: es rettet die Ehre des deutschen Volkes, das das Buch„Mein Kampf" in der Euphorie des Irrationalismus zu seiner Bibel erkor. Denn hier spricht Kultur über Barbarei, Vernunft über entfesselte Instinkte, die Wahrheit über die Lüge. Tröstlich ist auch für uns des Verfassers Ueberzeugung, daß dieses Regime nur einen Unfall der deutschen Republik bedeutet. Gegen den Nationalismus erhebt sich das Leben selbst und so ist die Idee des Uebernationalen, zu der sich der Geist bekennen muß,„die einzige, nicht ganz vergebliche Tat dieses Augenblicks". Zur Voraussetzung hat sie die wieder eingesetzte, die verjüngte Vernunft, ein ganzes System des Lebens in Vernunft und Wahrheit. Nie war, auch bei uns, eine solch geistige Ordnung nötiger als heute. Dr. Adolf Saager(Lugano), tu Modi, die muß'ne Rimkmt hon... Dec JCölnec Jiameoal hat begonnen Wie in seligsten Zeiten entfaltet sich soeben der Kölner Karneval vor den entzückten Herzen der Gecken. Wie der „Westdeutsche Beobachter"(16. November) berichtet, hoben bei der Einführungsfeier der„Großen Karnevalsgesellschaft (Feier des Elften) die bekannten Kölner Karnevalsliederdichter und-komponisten Willi Ostermann, Gerhard Ebeler und August Batzem ihre neuen Schlager ans der Taufe.„Daß diese neuesten Musenkinder der drei genannten Kölner Karnevalslieblinge mit dem entsprechenden großen Beifall aufgenommen wurden, versteht sich von selbst." Dann veröffentlicht das Blatt der Kölner Nazis Interviews mit den drei Karnevalsleuchten. Sie produzierten dabei ihre Neuheiten für 1933. Hören wir einige Strophen, die in Kürze von„ganz Köln" mit Begeisterung gesungen werden: Willi Ostermann: Bei de Kämmellnos do peiht de Dilhr nit op, Do hann se met nem Stöckche Holz et Schlösselloch rerstop. Bei de Kämmelings muß uß dem Schloß dä Penn, Söns s tonn die do beß morge fröh, un kumme nit erenn. Gerhard Ebeler: En Klock, die muß'ne Bimbam han, bimmelim, bimmelim, b.imbam. Dornet se richtig bimmle kann, bimmelim, bimmelim, bimbam! En Klock, die keine Bimbam hätt, die eß zum Lügge ga'nix, wöfit' Bimmelim, bimmelim, bim bam, bim bam. Ebeler kommt uns auch hochdeutsch: Warum soll'n wir uns im Zorn verlassenf Warum soll'n wir auseinandergeht»? Wo wir doch so gut zusammenpassen, und glänzend uns versteht». Es bringt das Scheiden uns beiden nur Leiden, Denn scheiden tut weh, ja weh, denn scheiden tut weht Denn scheiden tut weh, ja weh, denn scheiden tut weh! August Batzem: Der Schnäuzer, der Schnäuzer,— paßt op, dä kütt och bal' zorockl > WWW.M „Vitt Euch,?ttUer'als Bvrstchet oder buch à Beisitzer bestellt gewesen. Ging man in die Wahlzelle, so machte ein SA.-Mann den Vorhang auf und zu. Du kannst Dir wohl Darstellen, daß da viele aus Angst nicht wußten, was sie an- kreuzten. Ja, c? ist sogar vorgekommen, baß bei dem starken Andrang die SA.-Lente den Wählern den Stimmzettel aus der Hand nahmen und die Kreuze selbst hinmalten. Nach dem Wahlakt bekam jeder eine Blechmarkc, die er anstecken mußte zwecks Kontrolle. Wer diese Marke nicht am Rock hatte, der wurde in der Stadt von der TA. angehalten. Die Marke kostete ö Pfg. Erwerbslose bekamen sie umsonst. Daß es beim Auszählen der Stimmen auf ein paar Tausend nicht ankam, das beweist das Wahlergebnis in Wanne-Eickel. Diese Stadt hat 94 000 Einwohner, Ja- Stimmen sollen 86 000 abgegeben sein. Hier ist der Schwindel offenbar. Es wurden Leute zur Wahl zugelassen, die weder in der Wähler- liste standen noch einen Wahlschein hatten. Trotz allem T e r r o r, der verübt worden ist, ist es unmöglich, daß diese Zahlen stimmen. Die Zählung der Stimmen ist nicht direkt erfolgt. Es kann sein, wie es will, zur Hälft« sind die Stimmen aestohlen. In Dortmund ist übrigens am Sonntag einer„Auf der Flucht erschossen" worden. » »Ss gibt noch Helden" .(Jnpreß.)„Aber es gibt noch massenhaft Helden", schreibt die„Berner Tagwacht" und berichtet folgende Einzelheiten aus Berlin über Bemerkungen, die von Wählern aus ihre Wahlzettel geschrieben worden sind:„Allein, was so im Vertrauen hierüber gehört wird, gäbe ein dickes Buch... Nur einige Beispiele, die in verschiedenen Varianten aus den ungültig erklärten Stimmzetteln zu finden waren:.Eitler Volksbetrüger: Hitler, wo sind deine Versprechungen?,' Nieder mit Hitler,- Brandstifter Göring",- dann massenhaft Anmerkungen wie:„Gebt Torgler, Dimitroff und Genossen heraus: Hoch Dimitroff",-— alles in allem kam hier ein furchtbarer Haß gegen daS braun« Mordregime zum AuS» druck." » Wahlfälschung erwiesen Aus einer pfälzischen Stadt wird uns von durchaus zuverlässiger Seite geschrieben: Du wirst wohl erstaunt sein, wenn Du unser Wahlresultat schon erfahren hast. Sollte dies nicht der Fall sein, dann will ich Dich hiermit informieren. Angeblich sollen 806 für Ja und 3 für Nein gestimmt haben. Daran glaubt hier deshalb kein Marxist, weil jeder den Schwindel aus eigener Ersah- rung kennt. Die 3 Stimmen in unserem Bezirk sind zum Beispiel deshalb ganz unmöglich, weil wir schon ganz früh 13 zusammen bestimmt mtt Nein wählten. Wir konnten sogar noch hinter die Kulissen gehen, obwohl auch da schon die Gefahr sehr groß war. Bis jetzt ist uns noch nichts passiert, wenn es nicht noch kommt. > end Kursus französisch undeng'lsch, Privatstunden. Mme. I Besreäka 18 nie Dntot Part(!■). Dieselbe j Adresse. Klaviers tander gegeben von Schüler von] Moszkovski. PARlS-CTOILt| RUE D-ARM AILLE MUM LOFF torühmt durch ໄomUUch- Klick. n. mIh« SpMiilität«. SUrk beiucht von deottchra Gilten | telephone Etejle 52-191 Wir wissen genau, baß alle 18 mit Nein gestimmt haben und doch wurden nur 3 verlesen und registriert. In allen übrigen Bezirken sind die gleichen Feststellungen gemacht worden, weshalb uns nun klar geworden ist, daß tausende Neinstimmen als Jastimmen verlesen wurden. Ueber den Terror habe ich Dir schon berichtet. Nun will ich Dir noch kurz über die Planmäßigkeit des Vorgehens berichten. In einem besonderen Aufruf wurden alle Anhänger ausgefor- dert, gleich morgens zu wählen. Es erschienen also beim Be- ginn der Wahl in allen Wahllokalen 10 bis 12 junge Nazi- Wähler und verlangten energisch die Entfer- nung der Kulissen mit den Worten, ein beut- scher Wähler wählt offen. Dieser Wunsch wurde sofort gerne erfüllt und so kam es, daß die Kulissen irgendwo unter großen Schwierigkeiten zu finden waren. Sie wurden durch eine Reihe Schulbänke ab- gesperrt, und wer sie unbedingt erreichen wollte, mußte über die Bänke klettern. So war es wenigstens in den meisten Lokalen. In jedem Wahllokal waren 10 Mann in Uniform. Drei Mann mußten dauernd die L e u t e b e o b a ch t e n. An der Tür stand von jeder Straße ein Mann, der die Wähler kannte, in Uniform. Bei uns war es der R...., der ja längst als Aufpasser und Denun- ziant bekannt ist und der alle Marxisten gut kennt. Sobald ein ihm als Marxist bekannter kam, ging er mit ihm zur Bank und schaute, was er wählte. Am Nachmittag ging eS dann sehr schnell mit dem Wählen. In der Meinung, baß die Marxisten hauptsächlich mittags kommen, hatten sie sich entsprechend vorbereitet. D i e Stimmzettel ivaren schon ausgefüllt in den Kuverten und nur noch abzugeben. Ein Mann von 60 Jahren wehrte Och dagegen und wurde deshalb von den Beisitzern hinausgeworfen und halb tot ge- prügelt. Ich habe den Vorgang selbst mit angesehen und muß sagen, daß es zum gemeinsten gehört, was ich auf diesem Gebiet schon ansehen mußte. Aber es war nicht der einzige Fall. Ich hörte beute, daß es überall ähnlich zuging. Beson- ders schlecht erging es dem Dir sehr gut bekannten L., der früher den Demokraten angehörte. Es wurde festgestellt, daß er mit Nein gestimmt hatte. Dafür wurde er abends aus der Wohnung geschleppt und obwohl er es als unwahr be- zeichnete, dermaßen verprügelt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Leute, die ihn aushebe» wollten, wurden mit den Worten fortgejagt, laßt doch den Nathenausreund und Franzosenfreund verrecken. Bei einem im Sterbebett liegenden Partei- genossen H. erschienen kurz vor W a h l s ch l u ß sechs SA.-Männer und wollten ihn gewalt- sum zur Urne schleifen. Nur auf das bringende Vit- ten seiner Frau ließen sie davon ab, nahmen aber seine Karte mit, um die Stimme selbst abzugeben. Besonders zu beachten ist das Resultat in Winningen und N o d a l b c n. Scheinbar waren dort die Wahlleiter noch ehrlich oder übten sie den Terror nicht so aus wie in der Stadt, weil dort früher keine M a r x i st e n waren. Die Stimmung über die Wahl ist sehr schlecht. Ich habe festgestellt, daß die Lente gar nicht die Zeitungen beachten, obwohl sie in großer Ausmachung den Sieg feiern. Sie haben ja selbst alle den Schwindel mit angesehen und sind ent- täuscht. Da unsere Leute schon ans jedes Verbrechen und jeden Betrug von dieser Seite gesaßt sind, wundert man sich nur über die Enttäuschung der Naiven. Zwei Schntzhäftlinge lehnten die Beteiligung an der Wahl ab, während alle an- deren Gefängnisinsassen, die alS Schntzhäftlinge gewählt hab-n. entlassen wurden. De» beiden wurde Dachau angedroht. Was ich hier schreibe, ist die volle Wahrheit und Du kannst jeden Gebrauch davon machen. GN il Bar-Cebaret-Dancing ATTRAKTIONEN MONTPARNASSE IT; RUE B R E A TtlÉPHON DANTON 64.85 Die ganze Nach* gebttnei. Mit dieser Annonce bekommen Sie 10°/o Preisermäßigung. Luxuriöser Lade i Couture, Aven. Champs- Elysees. abzutreten mit Einrichtung u. Klientur für 75 COOFr. gegen Barzahlung. Sich wenden an M. BIT. 13. Rue Ambrolse- Thomas, Tel. 19-68. Ist dos Kein Wohl-Terror? Zwei Beispiele ans lniier-Deoisdiiand In Nr. 266 des gleichgeschalteten„Mainzer An- z e i g e r" vom Donnerstag, dem 16. November 1933, sind sol- gende Mitteilungen enthalten: 1. Aus Seite 10 unter der Rubrik:„Kleine Mitteilungen aus Starkenburg" eine Nachricht aus Benshcim an der Bergstraße: sw. B e u s h e i m Weil sie am Sonntag nicht gewählt habe«, demonstrierte eine Menschenmenge vor den Wohnungen des frühere« Krankenkassengeschästs, sllhrers Franz Fertig und des Arbeiters Ettling, so daß beide i n S ch u st h a s t genommen werden mußten. 2. Auf Seite 11 ein Bericht aus Hanau am Main mit folgendem Wortlaut: p.H a n a«, 15. No». Heute wurde hier eine Markt, f r a« aus Wachenbachen, die am Sonntag trotz zwei- maliget Aufforderung nicht gewählt hatte, gebührend ge- kennzeichnet. Es wurde ihr eröffnet, daß fie zum Verkauf aus dem Marktplatz in Hanau nicht mehr zugelassen werde. Außerdem wurde ihr«in Schild vor de» Stand gesetzt, das sie später über den Marktplatz nud durch die Straßen der Stadt trug. Von der Bevölkerung sielen zahlreiche Zurufe der Verachtung. Das Sckiild hatte sol- gendeu Wortlaut:„Mino Müller, Wacheubuchen, ich habe nicht gewählt weil mich die Ehre und der Frieden Deutschlands nicht interessieren." Wahl oder Herher Ans einem Ort an der Nahe ist ein Arbeiter als Flücht- ling in Saarbrücken eingetroffen. In dem Ort haben 10 Leute mit„Nein" gestimmt. Noch am Wahlabeud machte man Jagd auf diese 10. Neun davon wurden festgenommen. Der Zehnte konnte sich ins Saargebtet retten. Vorbildlich! Au S Düsseldorf wird uns geschrieben: Besonders erhebend war hier das Wahlresultat auf der „Ulmer Höhe". Die Gefängnisinsassen haben einmütig ihr „Ja" in die Urne gelegt— alle 76. Keine Stimme war un- gllltia. Gott sei Dank ist das übrige deutle Volk mit 9k>pro- zentiger Einigkeit nickst weit hinter der vorbildlichen Gestn- nung dieser Sträflinge zurückgeblieben. Die Frau eines Bekannten wollte mit Nein stimmen. Da aber in der Nähe ihrer Wahlntfche„zufällig" ein SA.-Mann stand, dämmerte ihr in letzter Minute die richtige Erkennt- nis, und sie wählte— deutsch. Erbhof für Wahlterror Die„Times" meldet aus München: „Herr Luber, Mitglied der bayerischen Regierung und Naztsührer, der neulich erklärte, daß die Regierung„auf- spüren und strafen würde, wer eine ungültige Stimme bei den Wahlen abgeben werde" hat von der Regierung einen Erbhoj in Hlrschwang(Sttdbayern) geschenkt erhalten!— Entlassung von Nichtwählern Unter welch beispiellosem Terror die deutschen„Wahlen" sich abgespielt haben, beweist'zu allem anderen ncuräglich noch die Tatsache, daß gegen die, die nicht„wählten", härteste Vergeltungsmaßnahmen getroffen werden. Tie Thyssen- werke in Mülheim lRuhr) haben alle Arbeiter, von denen die Ntchibeteiligung festgestellt worden ist. fristlos entlassen. Publikation verboten (Jnpreß.) In einem Rundschreiben an die Mitglieder des Stahlhelms wird besohlen daß Informationen über die Organisation deS Stahlhelms in keinem Falle an die Presse gegeben werden dürfen Selbst in der Stahlhelm-BundeS- presse dürften Anspielungen irgendwelcher Art. die sich mit der technischen Ausrüstung des Stahlhelms befassen, nicht gebracht und Fragen, die als Verletzung des Verfatller Ber- trageS gedeutet werden könnten, nicht erörtert werde»;. Emdener SA. rebelliert weiter _ Der Polizeipräsident von Altona, Paul Hinkler, ist als Staatskommissar nach Emden entsandt worden, nachdem Emdener SA.-Leute bekanntlich vor kurzem den national- sozialistischen Bürgermeister gewaltsam abzufetzen versuchten. Aus dieser Maßnahme der Behörden kann mit Sicherheit geschlossen werden, daß die Unruhen in Emden anhalten und baß sie gegenüber der Ceffentlichkeii verschwiegen werden. Konzentrationslager für Frauen In Mohringen bçt Hillesheim ist das erste deutsche Kon- zcntralivnslager für Frauen errichtet ivorden. Aus dem überstillten Frauengefangnis in der Barnimstraße, Berlin, ging ein größerer Transport kommnntstischer und sozial- demokratischer Frauen nach Mohringen ab. 'Teure Wahrheit (Jnpreß.) Ein IllfährigeS Mädchen anS Emmerich wurde zu 9 Monate» Gefängnis verurteilt, weil sie einen Brief an einen Freund in Holland geschrieben hatte, der an der Grenze geöffnet wurde und nach Auflassung deö Gerichts„Greuel- Meldungen" enthielt. Werbt für die„Deutsche Freiheit"! An- und Verkauf zantraleuiopSschsi und sQdamarikanl- schar Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Sankhaus Georges Per]es S P. Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 48 Waren-Termin- g.i