Sinzigs unabhängige Tageszeitung Ventschkands Rümmer 132— I. Jahrgang| Saarbrücken, Freitag, 24. November 1933| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt 6 Monate im JConzenUationstaçee Seite 3 iüietschaftsbecichte Seite 4 Deutsche Zukunft Seite 5 Deutschet Studentenbeief Seite 8 Jnsecatenteil beachten! Mener Konflikt zwischen Papst und Berlin Der bedrohte Katholizismus- Ergebnislose Verhandlungen In dem vor einiger Zeit zwischen dem Heiligen Stuhl und ?. e® Deutschen Reich geschlossenen Konkordat hat die katho- "Iche Kirche formell bedeutende Erfolge erzielt. Die Priester Wurden zwar vollständig aus der Politik verbannt, aber auf dem religiösen Gebiete blieben sie dem Wortlaut des Konkordates beinahe unbeschränkt. ES zeigte sich aber bald, daß nationalsozialistische„Weltanschauung" durch sehr viele «hrer Vertreter Totalitätsansprüchc auch gegenüber den -Kirchen durchzusetzen versuchte. In der protestantischen Kirche beschästigen diese Kämpfe sett geraumer Zeit in wach- 1*«dem Maße die Oefsentlichkeit. Die katholische Kirche sucht den Konflikt durch Verhandlungen zwischen Rom und Berlin auszugleichen. Dabei ist einzuschalten, daß auch unter den deutsche» katholischen Bischösen sich Spannungen ergeben. Gegenpole sind der München« Kardinal Dr. Faulhaber und der Freiburger Erzbischof Dr. Groeber. Der eine ist ent- ichiosiener Gegner des Nationalsozialismus, der andere ist uicht nur äußerlich, sondern auch innerlich gleichgeschaltet. Die„Prager Presse" brachte dieser Tage eine Rede deS Bischofs Waitz in Feldkirch(Vorarlbergs anläßlich der Tagung der katholischen Lehrer, in der er u. a. folgendes berichtete: Ei« Haftbefehl gegen de« Münchner Erz- bisch of, Kardinal Faulhaber seinen erbitterten Gegner Hitlers und seines Schützlings, des Benediktinerabtes Alban Schachleiters sei bereits unterschrieben gewesen, aber der bayerische Statthalter General v. Epp habe per- sönlich in Berlin bei Hitler interveniert und mit seinem Rücktritt gedroht, falls die Verhaftung erfolgen sollte. In München habe man damals schon einen Vertreter des Kar- dinals bestimmt, Waitz teilte weiterhin mit, daß in Bayern ltll Priester in Schutzhaft feie« und daß i« der Pfalz ka- iholische Priester barfuß und mit Schandplaketten aus der Brust durch die Straßen geführt wurden. Der P a p st habe in einer Audienz erklärt, daß in Deutschland das Christentum zurückge- drängt werde und ein anderes Kreuz zum Borschein komme? das Heidentum mache sich geltend. Diese Ereignisse liegen zum Teil schon etwas zurück, aber ergeben sich immer neue Schwierigkeiten und Zusammen- Uvße bei der Durchführung des Konkordats. So werden die katholischen Jugendorganisationen planmäßig ruiniert. Die Nationalsozialistischen Lehrer zwingen auch die katholischen Kinder und Jungmannschaften in die Hitlerorganisationcn. Die katholische Presse, die sich durch Gleichschaltung willig s^oftituirt hat, wird entsprechend verachtungsvoll behandelt. ^>e wagt keines führenden Katholiken Ehre mehr zu ver- ^digen. Ihr Bezieher und Annoncenschwund ist verheeren». Der bayerische Ministerpräsident Siebert rüffelt öfsent- •ich die Bischöfe, weil sie in ihrem Ausruf zur Wahl die vor- behaltlose Freudigkeit vermissen ließen und erteilt den Bi- '«Höfen den dienstlichen Befehl:„Die Zeit der politi- > irrenden Kirche ist vorbei." Ter Reichsjugend- 'uhrer B a l d u r von S ch t r a ch, dem die Gleichschaltung auch dix katholische Jugend ausgeliefert hat, bekennt:„Ich bjn- weder Protestant noch Katholik, ich glaube an Deutschland." In den Ohren jedes gläubigen Katho- liken— aber wie viele davon gibt es noch?— eine unge- neuerliche Ketzerei! Nun hat sich vor drei Wochen der Ministerialdirektor Buttmann im direkten Austrag des Reichskanzlers nach Rom begeben, um mit der Kurie zu verhandeln, aber er hat kein positives Ergebnis mitgebracht. Wenn auch der Abschloß des kirchenpolitischen Konkor- dats keine Anerkennung der nationalsozialistischen Weltanschauung bedeutet, sondern nur die Verhinderung größe- re« Hebels gegenüber dem deutschen Katholizismus herbei- führe« sollte, so gewinnt das Verhältnis zwischen dem »dritten Reich" und dem Vatikan doch insofern erheblich an internationaler Bedeutung, als, wie gerüchtweise in Genf behauptet wird, der Vatikan vor einer große» Protestaktion steht. E'n päpstliches Rundschreiben werde sich gegen die Gewaltakte und Terrormaß- »ahme» in Deutschland richten in entschie- dener Form gegen das Ariernnwese« und seine Auswirkungen Stellung nehme« und vor allem die strikteste Jnnehaltung der Konkordats-Bestimmungen vo« Hitler fordern Wie die. Ba're» Rat'-nak-K-'t-na" erkgbrt ist aus Ver- anlassnng znr Halt««» der pävstl'chen Kurie die Zensy- eierunq der Kundgebung des bayrische« Episkopats gewesen, die dieser zur Wahl vom l2 No- «ember erlasse« hatte. Die Verlautbarung der bayrischen Bischöfe. mit Kardinal Fanlhaber an der Spitze, wurde von b-r Kanzlei des Reichskanzler als weder notw-ndig»och zufriedenstellend bezeichnet nnd der Aufruf des Breslaner Erzbischoss, Kardinal Bertram, wnrdc als un er- wünscht abgetan. Diese Kennzeichnungen oberhirtlicher Funktionen betrachtet die päpstliche Staatskanzlei als eine» Broch des Konkordats, insbesondere der Art. 4 und 18, die die ungehinderte Veröffentlichung von Anweisungen, ITnWPrCftllllllffl Verordnungen, Hirtenbriefen, amtlichen Diözesanblättern 9UIIIIII11I und von sonstigen, die geistliche Leitung der Gläubigen be- treffenden Verfügungen betreffe«. Ministerialdirektor " uttmann ist nnvcrrjchteter Sache nach Berlin zurückge- kehrt, und selbst der Sondermisfiou eines zweiten, dringend nach Rom beorderten deutschen hohen Diplomaten ist es nicht gelungen, die Bedenke« des Vatikans zu zerstreue«. Die Lage wird daher als sehr ernst angesehen tische Katastrophe hineingerissen worden, die nur Hohlköpfe als beendet ansehen können. Jedes kommende Regime in Deutschland wird aus der unerwarteten Schwäche der kaiho- tischen Kirche die Folgerungen ziehen. Goldene Worte dey^iBChflsozialismu» „Wir alle wissen als Nationalsozialisten und als Deutsche Christen: E s g i b t^n Walhall für die Toten de» Dritten Reichs, und gäbe es dasMjcht, so hätte- daS Sterben nach den Jahren des Kampfes keinen Sinn." Ausländische Zeitungen glauben aus diesem Konflikt einen Kulturkampf prophezeien zu können, derweitüberbcn unter Bismarck hinausreichen werbe. Wir halten das für stark übertrieben- Der deutsche Katholizismus l>. nicht religiös und nicht organisatorisch noch die Kräfte, die er in den siebziger und den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickeltes Die feige Charakterlosigkeit gegen- über dem politischen Sieger Nationalsozialismus war in keinem Lager größer als in dem des deutschen Katholizismus. Auch das Wort des Papstes wird uicht genügen, sieghaite Widerstandskräfte in Deutschland zu mobilisieren. Ist doch im Lager des Katholizismus durch Konjunkturkatholiken, wie die um den Vizekanzler von P a p e n, die Spaltung tief. Eben erst hat sich der Erzbischof Dr. Groeber von Freiburg durch eine öffentliche Erklärung an die Seite der Pape»- scheu Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher gestellt, und er wünscht ihr weiteste Verbreitung. Es ist gewiß kein Zu- fall, daß der Freiburger gerade in diesem Augenblick gegen seinen Münchner Kollegen und dessen Anhang öffentlich auf- tritt. Der deutsche Katholizismus hat sich selbst entwaffnet. Er hat ferner durch seine Unterwerfung unter die Kommißstiefel der TA. in vielen bis dahin treue» Seelen, die katholische» Glaubenskräfte erschüttert. So ist er mit in die große poli- Evanngclischer Brandenburger Lande», b i s ch o f am Grabe des Nationalsozialisten Rose. „Der Staat der nationalsozialistischen Revolution ist selbst ein Glaubensgnt, das die Herzen der Menschen stärker be» wegt und die Bereitwilligkeit zu jeglichem Opfer mächtiger anfrnst, als es die Kirchen seit langem vermochten. Es ist keine Frage: Der Staat hat auch das Regiment über die Seelen und läßt die Kirchen nur daran teilnehmen. Es ist gewiß kein Zufall, daß aus dem Siegessest in Nürnberg bei der Grundlegung des nationalsozialistischen Kulturprogramms der christliche Glaube keine Rolle gespielt hat." „.... auch wenn man im Auge behält, daß kürzlich in einem Zwiegespräch zwischen dem stellvertretenden Reichsleiter der Deutschen Christen, Pfarrer Loerzer, und der„Germania", die„christliche Kameradschaft" zwischen de« beide« Konfessto- nen gefordert wurde, so bleibt doch der Eindruck bestehen, daß die katholische Kirche in ihrer heutigen Form u. a. auch als ein Fremdkörper in dem einigen„dritten Reich" empfunden werden könnte." „Es gibt keine katholische Gesellschaftsordnung neben der nationalsozialistischen. Es gibt dort nur ein katho, lisches Ghetto." Martin G o c tz in der Zeitschrift„Die Tat" Vive Is France! Der neueste Heilruf des deutschen Reichskanzlers „O Straßburg, o Ltraßbnrg— wir hole« Dich zurück!" Noch haben wir das zum Revanchegesang umgcdichtete deutsche Volkslied in den Ohren. Noch sehen wir die schwarz- weißrotcn und die Hakenkrcuzfahnen rings um den jetzigen Reichskanzler und seine Paladine leuchten, während das Ge- löbnts zur Rückeroberung Elsaß-Lothringens aus hundert- tausend Kehlen zum Himmel sich schwingt. Noch ist der un- übersehbare Wall von zum Schwur erhobenen Armen vor uns: O Straßburg, O Straßburg, wir holen Dich zurück." Jetzt aber verkündet derselbe Mann, der mit hunderttau- senden diesen Racheschwur, ablegte in seiner neuesten Fric- densgeste an die Franzosen, in einem Interview mit dem Journalisten de Brin on von L'Information": „Ich habe die Ueberzengnng— so habe der Reichskanz- ler erklärt—, daß, wenn die Frage des Saargebie- tes, das deutsches Land ist, einmal geregelt ist, nichts Deutschland und Frankreich in Gegensatz zueinander brin- gen kann. Elsaß-Lothringeu ist keine Streit- frage." Und so geht es in ultrapaziftstischen Tönen weiter. Aber das ist noch nicht alles. Der deutsche Reichskanzler macht sich die schwersten Sorgen um die Sicherheit Frank- leichs und ist bereit, alles, aber auch alles an Garantien für Frankreichs Sicherheit zu unterschreiben, denn daß Frank- reich klug genug ist, keine„Unehre" Deutschlands oder gar eine„Drohung" gegen Deutschland zu verlangen, versteht sich von selbst. Man beleidigt mich, ruft der Reichskanzler aus, wenn man weiterhin erklärt, daß ich den Krieg will! Sollte ich wahnwitzig sein? Wenn Frankreich aber seine Sicherheit in einem Abkomme» finden will, bin ich bereit, alles anzuhören, alles zu begrei- sen, alles zu unternehme«.... Aber fpre- che« wir doch von der französische« Sicher- h e i t! Wenn man mir sagen würde, was ich für sie tun kann, würde ich es gern tun, wenn es sich nicht um eine Unehre oder eine Drohung für mein Land handelte. Ei» englischer Journalist hat geschrieben, daß man Frankreich die zusätzliche Sicherheit eines Verteidigungsbündnisses mit England geben muß. Wenn es sich um ein der» artiges Bündnis handelt, will ich es gern unterschreiben, denn ich habe keineswegs die Absicht, meine Nachbarn anzugreisen. Tief beleidigt wehrt sich der Reichskanzler dagegen, daß man seine Ehrlichkeit bezweifelt. Wie wäre es, wenn er zur Bekräftigung seiner Glaubwürdigkeit sein eigenes Buch „M ein Kampf" mit den wilden Habreden gegen Frankreich einstampfen und seine eigenen zahllosen Reden von früher verbieten würde? Noch steht Hitlers Friedensbeteuerungen, sein altes in dem Buche„Mein Kampf" für immer gültig niedergeschrie- benes Programm entgegen: Ausrüstung, Eingliederung der deutschsprachigen Gebiete rings nm Deutschland, Vernichtung Frankreichs und sei» ner kleineren Verbündeten, Eroberung von SiedelungS» gebieten im Osten. Der Reichskanzler hat auch seine diesmalige Siebeserklä- rung an Frankreich dadurch entwertet, baß er diktatorisch er- klärte:„Wir werden nicht nach Genf zurück- kehren." Gerade das aber will Frankreich, weil es keine Möglichkeit sieht, isolierte Verhandlungen mit Deutschland oder auch nur zwischen den Großmächten einschließlich Deutschland so zu führen, daß Ergebnisse für den Friede« Europas herauskommen. Allerdings sind nun allmählich die Angebote deS deutsche« Reichskanzlers so hitzig— Gtresemann und Brüning wäre» dafür als Landesverräter gekillt worden—, daß man Herr» Hitler nicht mehr lange als schmachtenden Liebhaber inmit- ten Europa? wird stehen lassen können. Sein„Vivo I» France", ist so rührend, daß Frankreich wohl i« irgend- ivelcher Fbrm sich zu einem Examen herbeilassen wird. Die Gefahren, in die eâ sich dadurch begibt, sind freilich groß genug. Dunkle Wahlergebnisse Noch immer keine Klarheit in Spanien Madrid. 28. Nov. Das Bild der spanischen Wahlergebnisse Sndert sich von Stunde zu Stunde. Die von den Wahlbehörben bekanntgegebenen Ziffern unterliegen ständig neuen Korrekturen und widersprechen sich ebenso wie die Verlautbarungen der einzelnen Negierungsmitgliedcr. Der Minister des Innern erklärte heute morgen, daß überhaupt ncch keine endgültigen Ncsultate vorlägen. Da sich aber des Publikums eine zunehmende Beunruhigung bemächtigte, habe er angeordnet, bah die Wahlbehörben mit möglichster Beschleunigung arbeiteten. Der Grund der Verzögerungen liegt darin, daß täglich an verschiedenen Orten die Wahl wieberholt werden muß, weil am Wahltag selb st Urnen zerbro- chen oder geraubt wurden. Auch sind zahlreiche Wahlakte in rätselhafter Weisa abhanden gekom- men, so in Barcelona allein 1 ö 9 Stück. Da es dort bei der gestrigen Wiederholung der Wahl ebenfalls zu Zwischenfällen kam, muß in Barcelona in einzelnen Tektio- nen wohl noch ein drittes Mal im ersten Wahlgang gewählt werden. Der Hauvtgrund der Unstimmigkeiten bei der Jest- stellung der Resultate beruht sednch aus Irrtümer bei der Berechnung sener 4(1 Prozent der abgegebenen Stimmen, die ein Kandidat mindestens erreicht haben muß, damit keine Stichwahl zu erkolacn braucht. Auch das amtlich bekanntgegebene Madrider Resultat, wonach die Sozialisten hier ihre sämtlichen 13 Kandidaten bereits durchgebracht hätten, wurde heute unter Berufung auf einen solchen Rechenfehler widerrufen. Es muß also auch in Madrid um 3. Dezember Stichwahl stattfinden. Infolge des Hin und Her in der Madrider Auszählung sind in der Bevölkerung die verwegensten Gerüchte verbreitet. Je weiter die Auszählung fortschreitet, umkomehr schrumpfen die sozialisti^en Mandate zusammen. Wurden ihnen zunächst als im ersten Wahlgang gewonnen noch mehr als KV Mandate zugebilligt, so sind es heute nur mehr 2 4. Die Position der Cprrourtfte« hat dagegen inzwischen eine ständige Verbesserung erfahren. Ihr Anteil wird teüt ans etwa Kg Mandate angegeben. Von den Ziffern der übrigen bürgerlich-republikanischen Parteien lohnt sich kaum noch zu reden. Der vereinigte Rechtsblock kommt bisher auf 1Kb Sitze. während aste übrigen Parteien zusam- men im ersten Wahlaang nur 16(1 Mandate erreichten. Die Wahlergebnisse scheinen sehr korrigiert worden zu sein. 14 Nngzeng-Q-e Landflugzeug der Welt Zweite Internationale Beschlüsse gegen Hitler- Für Wiedervereinigung de' französischen Sozialisten Zugleich aber verlangt das Büro einen möglichst rasche» Abschloß der allgemeinen Abrüstnngdkonvention m«t od» ohne Deutschland." Für den Fall, daß nach Abschluß des Vertrages Deutsch' land es ablehnt, ihm beizutreten und sich den für alle ö el tcnden Regeln der Kontrolle zu unterwerfen, erklärt oa» Büro, daß es, um den Frieden zu erhalten, die Internat!»' nale dann vom Völkerbund beschlossenen Maßnahmen politischen, wirtschaftlichen und moralische! Unter dem Vorsitz von Staatsminister Vandervelde tBelgienj sand am 19. und 20. November im Volkshause in Zürich eine Sitzung des erweiterten Büros der Sozialistischen Arbettertnternationale statt, an der teilnahmen: Hans Hansen(Dänemark), Hilferding und Wels(Deutschland), Leon Blum und Alexandre Bracke (Frankreich), Eompton und Gillies(Großbritannien), Al- barda(Holland), Modigliani(Italien), Otto Bauer und Karl Renner(Oesterreich), Dan(Rußland), Akerberg und Lindström(Schweden), Grimm(Schweiz). Soukup und Winter(Tschechoslowakei), der Generalsekretär der sozio- listischen Internationale Friedrich Adler und der Kassierer van Roosbroek. In einem Beschluß erklärt das Büro: „Die Internationale hat stets die Gleichheit der Rechte und Pflichten zwischen den europäischen Mächten gefordert. Sie hat stets die Auffassung vertreten, daß diese Gleichheit nicht aus der Wiederaufrüstung der be- siegten Völker, sondern aus der Abrüstung der Siegermächte hervorgehen solle. In diesem Sinne spricht sich das Büro gegen jede Wiederaufrüstung Deutschlands, gegen alle Konzessionen an den deutschen Nationalismus und Militarismus, gegen jede Sonderunterrebung m i t d e r H i t l e r- R e g i e r u n g a u s N-de a?«-"--*<. Deutschland heute Zugeständnisse machen wollte, würde den Eindruck erwecken, daß Deutschtand ,ür suiun era».,.....o dem Völkerbund eine Prämie erhalte. Eine solche Politik würde nur zu einer Stärkung des deutschen Nationalismus und Militarismus führen und damit zu neuen Forderungen, die sich auf eine größere militärische Macht stützen könnten. Druckes und Boykottes unterstützen würde.,.. (Der Beschluß lenkt ferner die Aufmerksamkeit auf die Kriegsgefahr im Fernen Osten: die Arbeitern»»« werde alle Anstrengungen unternehmen, um die Verte>' digung der Sowjetunion zu fördern.. Eine weitere Resolutton wendet sich gegen den Nazi' terror in Danztg und fordert das sofortige Eingreift» des Völkerbundes, unter dessen Schutz die Danziger Ver- fassung steht.. Zu den Vorgängen in der sozialdemokratischen Frankreichs setzte das Büro eine Kommission von vier Mit gliedern ein, um in einem günstigen Augenblick die gm*» Dienste der Internationale anzubieten, um den Wieder« eintritt derer, die derzeit außerhalb der französischen Parte« stehen, zu erleichtern. Das Büro ersucht zugleich diejenige». Derzeit von der französische» Sozialdemokratischen Paste« isFIO.) getrennt sind, die Gründung einer neuen sozial' demokratischen Partei und die Tagung eines konsti.uierende» Kongresses aufzuschieben, da die formelle Gründung einer neuen.Partei eine Intervention der SAI. überaus erschweren, wenn nicht unmöglich machen würde I»?«/ Kommission wurden Vandervelde. Adler. Albarda und G»' liebs bestellt. In Rußland das abgestürzt Moskau, 28. Nov. Bei'esner furchtbaren Flugzeugkata- strophe sind am Dienstag in der Nähe von Charkow vier- zehn Personen ums Leben gekommen. Es handelt sich um ein russisches N i tic n slu gze u g neuen Typs, das erst vor acht ïdint vollendet worden w a r und seitdem seine ersten Probeflüge unternom- men hatte. Das Flugzeug, ein Sechsmotoren-Ganzmetall- Flugzeug mit einer Tragfähigkeit von 129 Passagieren, war bei seinem Absturz mit vierzehn Luftfahrtkabetten be- mannt, von denen keiner mit dem Leben davon- kam. Eine Kommission, bestehend aus Beamten der GPN., und anderen Behörden, hat sich zur Untersuchung deS Un» glückS an den Ort der Katastrophe begeben. Warschau, 28. Nov. Unter den vierzehn Todesopfern be» finden sich der Oberpilot Sniegirjew, der Setter der Flug- zeug-Montageavteilnna Ingenieur Zernoktt, der Vertreter des Zivilen Zentralflugamts, Lippa, der Letter der Sek- tion Technische Kontrolle, Aposznnski, sowie zwei Flugzeug- konstrukteure und einige Mitglieder des technischen Perso- »als. Die Ursache der Katastrophe ist noch völlig u n g e- klärt. Jede Stunde melden Blättermelbungen aus Innsbruck zufolge hat die Be- zirkshauptmannfchast K i tz b tt h e l angeordnet, daß sich alle als Nationalsozialisten bekannten Bewohner von Kitzbtthel und St. Johann in Tirol täalich zwischen 13 und 22 Uhr un- gefähr alle Stunden, mindestens aber fünfmal innerhalb ' dieses Zeitraumes, auf der Gendarmerie melden müssen. Gas- und Luftschutz-Lehrgänge Die„Deutsche Freiheit" berichtete kürzlich über die Gasschule der Ancr-Gcsellschaft. Der erste Lehrgang der Schule ist beendet. Ein neuer Kurs beginnt am 27. No- vember mit dem gleichen stark militärischen Programm. Die Einzelheiten des Programms werden n ichtme h r veröffentlicht. ES heißt einfach: Reihen- folge des Programms und Teilnahmebedingungen wie üblich." Das Drama derraarnesdiiadit Paul Raynal:„Die Marne"(Deutsch von S. A. v. Maltzahn): Uraufführung im Stadttheater Basel. Der Eindruck des neuen Werkes Paul RaynalS ist über- wältigcnd. In einiger Hinsicht übersteigt er noch den des „Grabmal des unbekannten Soldaten", das, überall mit dem gleichen Erfolg aufgeführt, als der geistig reinste Nachhall des großen Krieges, und als sein unsterbliches dramatisches Dokument, eine dichterische Ewigkeit bestehen wird.„Die Marne" ist der zweite Teil der mit dem„Grabmal" be- ginnenden Trilogie: keine Nation hat eine ähnliche Dichtung in diesem Jahrzehnt ihr entgegenzusetzen. Unruhs und Sheriffs und Giraudoux Dramen, Äarbusses und Re- marques, Borgheses und Hemingways Romane begegnen dem Werk Raynals dann und wann auf der gleichen Ebene der Gesinnung: da und dort am Weg des künstlerisch Ge- wollten und Erreichten: nicht aus der Höhe des formell Bollenbeten. RaynalS Dichtung aus dem Krieg ist kein Doku- ment bei Krieges, sondern ein Zeugnis des über dem Krieg, und wider ihn lebendig gebliebenen Geistes: leuchtend von Unsterblichkeit wie die griechischen Tragödien, die Königs- dr-"n<>n Shakespeares, die Hymnen Hölderlins Von einer maß'os'N Lust am Wort und seiner Musik getragen, aus «I"ar ungeheuren Fähigkeit des Schaffens geboren, niemals sch"ck'nd vor d^m. was unerreichbar scheint, sprengt„Die P""n-" käst die Form der Bühne. „Die Marne" ist ganz einfach ein Gedicht. Die gewaltigste «vd entscheidendste Schlacht des Weltkrieges, die an der Marne von 1914, wird in ein einziges Gehirn projiziert: in das eine? preußischen, Felbdienst tuenden Generalstabs- ossizierS. Ein französischer Dichter macht einen preußischen Offizier zum Helden, und er macht ihn zum Sieger. Der Preuß" vömlich der. soldatisch, einen Sieg und eine Nieder- läge e^c-ide», fMfTnïr«« der ftroM mit l-inem Regiment in einer Wariestellnno nelW 1"«* Wartestellung: ft«* f den B-- fcfil des?•»' d rr s" d-r^ rfv au« einem w n-»in^-n» ,w>'ch-n etn-r französic''■ rn'v- und ein m tuna-u^ranzoszn dort zu Gast- aeb» von dies-n, nachdem er dem Iunaen die Hand S ereich'. nachdem der Junge ihm die Hand gereicht. ES ver- ehe» einander die Hände, besser alS Worte einander. Ber- Göbbels sucht Käufliche Neue Enthüllungen des„Petit Parisien" Paris, 23. Nov.(Etg. Bericht.) Gestern hat ber„Petit Parisien", die größte französische Zeitung mit der stärksten Auslage, ein neues Doku- ment über den Austritt Hitlerdeutschlands aus dem Völkerbund und über das Verlassen der Abrüstungskonfe- renz veröffentlicht. Das als geheim und streng vertraulich bezeichnete Dokument ist nur an ganz bestimmte Auslands- agenten verschickt worden. Das Dokument gibt Anweisung, wie in raffinierter Weise die wahren Gründe zu dem deutschen Austritt aus dem Völkerbund und zum Verlassen der Abrüstungskonferenz getarnt und durch eine geschickte Propaganda das Ausland hinters Licht geführt werden soll. Es werden an die Auslandsagenten genaue An- Weisungen erteilt, wie man daS Ausland„finassteren" und die wahren Hintergründe d^ neuen deutschen Außen- Politik verdecken soll. Besonderen Wert legt das Dokument dadarf, daß die AuSlanbspropagandisten deS„dritten Reichs" in den Ländern der Mächte, die an der Abrüstungskonferenz teilgenommen haben, die wahren deutschen Absichten zur Da« Heue»!^ Das Kreisgericht Pilsen(Tschechoslowakei) verurteilte den Schneider Georg Kohl wegen Teilnahme am Nürnberger Parteitag zn einem Jahr schweren Kerkers. Rudolf Dertil hat durch seinen Rechtsanwalt Rich- tigkejtsbeschwerde gegen seine Verurteilung wegen des Anschlages aus de» Bundeskanzler Dr. Dollsuß einge- legt. Infolgedessen wird sich der oberste Gerichtshof mit dem Fall zu befassen haben. Dertil ist zu 5 Iahren schweren Ker- ler, verschärft durch Fasttage verurteilt worden. Bei einem Fluchtversuch aus dem Konzentrationslager Wollersdorf in Oesterreich wurde ein Nationalsozià- list erschossen. Der Nationalrat der radikalen Partei Spaniens hat be- schlössen, den radikalen Bezirksverbänden Koalitionsfreiheit ständniS eingeflößt, über die trennenden Gräben hinweg: liber den Altersunterschied hinweg: über Geburt, Erziehung, Beruf und Berufung hinweg. Es gibt, scheint es. doch ein allen gemeinsames Gut.._ Ter unparteiische Richter steht auf: kein Geringerer als Gott: ber wahre Dichter. Es handelt sich nicht um Pazifis- mus oder Militarismus, und auch nicht um Teutschland und Frankreich. ES handelt sich um den M e n s ch e n. ohne Getue und Weichlichkeit. Es handelt sich um den Geist: er begreift, daß Ehre und Vaterland nicht leer sind, sondern Dogmen oder Fakten: und daß ein Krieg ausgetragen werben muß, hiS zum Ende. Erst am Ende der Schlacht kann es Europa geben, oder eine Welt, oder die Menschheit. Auch die Sinn- losigkeit hat zuletzt ihren Sinn. Mit welcher stählernen Härte wird gefordert, sich hinzugeben, sich völlig zu opfern, alles zu vergessen, Gott zu dienen, ber in Blitz und Donner erscheinen ivird, rechtzeitig, wenn der Geist wach bleibt: dem preußischen Offizier und dem französischen Knaben erscheint er. Gleichmütig, gerecht, ohne Milde und Härte führt er ihre Hände zusammen, ohne Partei zu nehmen, logisch, iveil logisch von logos stammt, dem Geist, dem Wort, mit dem die Bibel beginnt. Kein größeres Unternehmen als. in welcher Variation auch immer, den ewigen Sinn des ersten Wortes der Bibel aui eine Bühne zu stellen. Ist das in dialogischer, dramatischer, theatralischer Form möglich? Bedingt.„Die Marne" ist nornehmlich ein Monolog, von dem in eine preußische Uniform gehüllten Schauspieler Arthur Fischer-Strettmann gesprochen, dessen Auf- gäbe es ist, in einer Rede und einer unendlichen Reihe von Gesten und Bewegungen die Marneschlacht darzustellen: die Pläne MoltkcS und Tchlieffens, die Angriffe der Fronten, die gespenstische Erscheinung deS beriihmtcn Oberstleutnants Hentzsch, die Entscheidung des Weltkriegs: dicS alleS stellt er dar einer französischen Mutter, von Lola U r b a n- K n ei- dinger mit wunderschönem Ausdruck gespielt. Der Knabe wirb von Wilfried Schettlin verkörpert, auf eine überaus eindringliche und kluge Art. Die Inszenierung Alwin KrongcherS ist evEchied-n und geschlossen zu- >«"ich. a-drssna' und gelöst und hinreiß-nd. DaS S'adt^gt-r Basel stellt die Aufführung h'n— zu seiner eigenen Ehre: zur großen Ehre Frankreichs: zur gröberen Ehre Deutschlands: und»ur höchsten des Geistes. W. M. U l l m a n n. Sprengung der Abrüstungskonferenz verschleiern und i»*t möglichst starker sogenannter„Friedenspropaganda"°ie Völker vom Kern der Angelegenheit ablenken, die, darübe läßt das Dokument keinen Zweifel, vor allem darin bestes daß Hitlerdcutschland unter allen Umständen aufrüsten,& 1* Abrüstungsklauseln des Versatller Vertrages sprengen»^ sich auf den Revanchekrieg vorbereiten will. Da ihm dave« auch die Bindungen des Völkerbundes und seiner Verträge im Wege stehen, wird die Auslandspropaganda angewiesen» den aus diesem Grund erfolgten Austritt aus dem Völker' bund mit der mangelnden Gleichberechtigung und ähnliche» „demokratischen" Forderungen zu verdecken. * Die Propaganda-Agenten entfalten bereits ihre Wirkst!««' keift Auch in Frankreich. ES fehlt nicht an käuflichen L»», selten, die in die offene Hand, die gut dotiert heritbergere««' wird, gerne einschlagen. Ihre Meinungsäußerungen kom men dann in die deutsche Presse, wo sie sofort in grow. Aufmachung als Zeugnisse wachsender französischer„V«r' nnnst" und Zuneigung zn Hitler erscheine». für den zweite» Wahlgang z« lassen unter der Beding««»' daß jeg!:che Koalition mit den Sozialisten und solchen G*«p pen. die monarchistische Tendenzen verfolgen, ansgeschlosse» bleiben. Wie aus Rom gemeldet wird, beabsichtigt Litwin»«», ans seiner Rückreise nach Rußland in R o m Halt zu mach«»' Er wird voraussichtlich Nennork am 25. November mit ein« 1» italienischen Dampfer verlassen. Der Abg. F o n a e r e von der Fraktion Marin bat an de» französischen Ministerpräsidenten die Frage gerichtet, tatlcr Maßnahmen er zu ergreisen gedenke,»m die Tätigkeit ge «visier jüdischer Kreise oder Verbände, die znm großen T*« aus ausländischen Elementen bestehen, zu unterbinden. D'"' Kreise bemühten sich entgegen den Interessen des Landes und deS Friedens, die Leitung der französischen Außenpottt» zu beeinflusse,, und die Oessentlichkcit durch ihre Props' ganda- und Presseseldzüge zu beunruhigen. Das Sonbergericht Nürnberg verurteilte den Tagelöh«ee Johann Hermann aus Altendorf wegen vorsätzlicher Brans' stistuug zu zwölf Jahren Zuchthaus. Ei» dänisches Marineflugzeug wurde««•»'!! Göteborg infolge Benzinmangels von leinen beiden Insasse« durch Fallschirmabsprung verlasse«. Der Mechaniker ka«> dabej ums Leben. Boris Skvirfky, der jahrelang in Washington ald unoffizieller Vertreter der Sowjetregiernng res«- vierte, hat seinen offiziellen Besuch als Geschäftsträger»» Weißen Hause gemacht. Das dentsch-polnische Roggenabkommen ist gestern Vß*** phiert worden. Im Alter von 97 Jahren ist in Freiburg i. B. der Sen'«* ber deutschen Mediziner Exz. Dr. Christian Bäumle» gestorben. Der ber Teilnahme an dem Anschlag auf Sanbesrat Steidle angeklagte Werner v. AlvenSleben ist zu drei Iahren schwer«« Kerkers und zur Landesverweisung verurteilt worden. Im Konzentrationslager WöllerSdorf sind bisher Männer und Frauen, darunter Nationalsozialisten«»» Wien, Steiermark und Kärnten, untergebracht worden. DaS lettische Parlament hat nach lebhafter Debatte 57 gegen 28 Stimmen entsprechend einer Forderung der°*e gierung beschlossen, die Immunität aller sieben Mitglieder oer kommunistischen Fraktion aufzuheben. Die sieben Ko«« munisten, die beschuldigt sind, eine die Sicherheit des Staates untergrabende Tätigkeit entfaltet zu haben, wurde» sosor« nach Schluß der Sitzung verhasteft Nach einer Meldung deS„Journal" aus Madrid bereite» die bc, den Wahlen siegreichen Rechtsparteien eine allgemeine Amnestie vor, die auch aas Geueral San Jurjo Anwend««» finden wird. Die Polizei in Santandcr hat 279 Bomben, Tausende vo» Zündern und Revolverpatroneu sowie eine Menge vo« Explosivstoffen entdeckt. Bei den Nachwahlen Im Wahlkreis Rntland-S'amf«^ wurde der konservative Kandidat Lord Rilloughby mit 14«'{? Stimmen gewählt. Der Kandidat der Arbeiterpartei erh>e«' 12 898 Stimmen. Bei de« letzte» Wahlen hatten die Konsee vativen in diese« Wahlkreis nur 11649 Stimme« ausgebraä>'> m Sechs Monate Konientraüonslaüer "Arbeiter-Zeitung" in Wien veröffentlich« folgenden einem deutschen Konzentrationslager. Er hat ues selbst erlebt. Der Mann ist znm Skelett abgemagert. Wange« find geschwollen: eine Folge der oft wieder« ?'?*«'! Mißhandlung««. Die„Arbeiter-Zeitung" verbürgt »ch für die Zuverlässigkeit des Mannes. z-ärgenstunde hat Gold im Munde"— insofern der SA.- «,°°?p«er in schneidenden Tönen um 5.39 Uhr früh die z-„,-îue bläst. Zweihunderfünfzig Mann liegen wir in der ^urnhalle eines sozialdemokratischen Volkshauses. An der ak>.?i^ Glänzt noch, gold aus rot, ein großes SolidarttätS- K^'cheu. Verhaltungsmaßregeln des Arbeiter-Turn- und S«„^bunbes bei Gefahr und Unfall hängen noch an der kreuzfla?^ t>€m Gebäude weht eine riesige Haken- .»^teh auf eS gibt Keile!" reißt mich mein Nachbar hoch. nach nicht ganz daran gewöhnt. Ich war gestern erst m.£ lr et* worden. Die andern standen wie der Blitz auf, wn>,£ SA.-Wachleute, wie sie wußten, jede Gelegenheit ..„"nahmen, einen Verstoß gegen die Lagerordnung jeden- !... wit einem Schlag ins Gesicht zu bestrafen. Mein Nach- ftal"^lehrte mich gleich über die Mannigfaltigkeit der Ver» n>p V rumme Finger beim„Stillgestanden!" falsche Kehrt- wurde^S' langsames Aufstehen, wenn man aufgerufen Sprechverbot. &$ lt o^ aume herrscht vollständige Ruhe. Nur die beiden ftnt brüllen. Brüllen, weil einer noch Stroh an den sick hat weil ein andrer sich gähnend reckt, weil ein dritter Nj„aach ihrer Meinung nicht ordnungsgemäß gewaschen hat. Waschraum gibt es nicht. Die Wasserleitung in der valle und ein« im Keller sind stürmisch belagert, da die letz- m»» m~ Waschen Gefahr laufen, unsanft angetrieben zu eroen. Seif« gibt es keine. Die borgt man sich auS von dem, er welche hat. Abtrocknen darf man sich an seinem Hemd n t. m,t® em Taschentuch, da es keine Handtücher gibt, ^.ueber allem herrscht Totenstille. Es ist Sprechverbot, ^.er Lagerlettung sei berichtet worden, wir hätten uns über Marxismus und Politik unterhalten. Beides ginge uns Lichts mehr an: Untermenschen hätten am Staatsleben nicht Zuzunehmen, und da wir es nicht lassen könnten, über Poli- zu sprechen, verbiete uns der Herr Lagerleiter das sprechen ganz und gar. So saßen wir nun zweihunderfünfzig huschen in dem Raum frierend einander gegenüber und watterten in illustrierten Zeitschriften aus dem Jahre 1916, >àr die Heldentaten Wilhelms II. lesend. r„7l ir waren übrigens froh, daß wir sitzen konnten. Nachts wir kaum geschlafen, früh hatten wir nach dem paschen mit leerem Magen Marschttbungen machen müssen, °>e tue SA. zumeist im Laufschrittempo durchführen ließ. Ein ^>ar alte Leute sind dabei zusammengeklappt- Das passierte wter. Es war uns erlaubt, uns um diese zu kümmern: daS war immerhin noch eine Gnade. Denn einige, besonders die «Ä.-Leute. standen auf dem Standpunkt, je mehr von uns verrcckten, desto weniger hätten sie zu bewachen und zu ver» vuegen. îcchs Stunden Stehe« Ich hatte bald gelernt, durch die Zähne zu reden, ohne die kippen zu bewegen. "Tu," sagt mein Nachbar an der langen Tafel, wo wir Jwâ alten, zerbrochenen Salbennäpscn Kaffee trinken,„nicht "st umsehen, wenn du sprechen willst, das fällt auf. Nicht wlt dem Kopf zucken. Nicht hergucken. Immer geradeaus lehen und leise vor dich Hinrede». Wie kommst denn du her?" Ich stiere unbeteiligt vor mich hin, hinein in meine wil- belminische Zeitung:„Mich haben sie aus der Klinik geholt. >>ch habe bei der Partei medizinische Vorträge gehalten. Ver- "ommen haben die mich gar nicht." "Nicht so laut, nicht mit dem Kopf wackeln!" Eben erwischten sie einen, der geredet hatte.„Was hast'n au zu quasseln, du Schwein?!" brüllte die Ouellwurst. sDie Ouellwurst war ein besonders dicker SA.-Mann.j. Der Ge- wngene zuckte nur mit den Schultern. Er stand stramm, die Hände lang. Er blieb auch fest, als er einen Schlag ins Ge- "ch bekam. Ich habe ihn dann näher kennengelernt. Ich wußte, was er bei jedem Schlage litt, wie er mit sich zu kämpfen hatte. Ein junger sozialistischer Rechtsanwalt war *r. auf den sie es besonders abgesehen hatten. Aus dem Ge- kichtsiaal heraus verhaftet. Jetzt stellten sie ihn an die Wand. 'Besicht gegen die Mauer. Nase und Zehenspitzen an die Wand Gedrückt. Hände angelegt, in Stillgestanden!-Haltung. Die Aeine schwollen ihm an. Sechs Stunden hat er so gestanden. Tann sackt« er ab. Vernehmungen »Was war denn daS heute nacht, dauernd die Namen auf» zurufen. Leute'raus, Leute'rein?" frage ich.—„Berneh- wungen. Jung«! DaS geht jede Nacht so. Der Telegrafen- wast jdas war der Lagerleiter, so genannt wegen seiner lange) hat sich wieder besoffen. DaS macht er immer so. Erst fahrt er weg in dem gestohlenen Auto. Tann kommt er gegen zwei Uhr wieder und dann geht'S los mit den Berneh- wungen." „Für wen vernimmt denn der, für die Polizei oder daS Gericht?" hauche ich. Mein Nachbar lacht.„Mensch, du hast wohl noch den Legalitätsdusel? Die SA. vernimmt eben. Ich war auch draußen- Ich sollte sagen, wo ich das Maschinenge» wehr habe. Der Schwarze da drüben, Frenze! Kurt, hätte Man gestanden. Ich hätte das Ding." Der Schwarze lächelte, ^r erriet, daß wir von ihm sprachen. ES war beiden gleich Gegangen. Man hatte beiden gesagt, der andre habe schon Gestanden. Man wußte, baß sie Freunde waren. Dann hatte wan sie beide mit Gummiknüppeln. Reitpeitschen und Schul» wrricmen geschlagen. Mir ging es in der nächsten Nacht ebenso. Mich fragten sie, wo ich das gestohlene Dynamit hätte. Ich hatte nie etwas mit Dynamit zu tun gehabt- Was ich sonst von der Partei noch wüßte, wollten sie wissen. Ich wußte nichts.„Eine Rolle." kommandierte der Telegrafenmast. Das war die dritte in °er Nacht. Einer spielte Klavier dazu, damit die Umwohner «chläge und Schreie nicht hören konnten. Und ich schrie doch äar nicht Ich habe mir die Lippen zerbissen. Das machte sie, wie ich später erfuhr besonders wild. Sie wollten ihr« Opfer schreien hören— dann waren sie befriedigt. Ter Professor Der Professor war mir schon aufgefallen. Er hatte ein keines, bleiches Gesicht. Sie beobachteten ihn besonders stark. „Dem geht es sehr dreckig" sagte mein Nachbar Otto.„Der wuß jeden Morgen die Bude sauber machen- Das schmutzige Loch, wo wir alle zweihunderfünfzig Mann drausgehen, wo einer immer aus den andern wartet. Klosettbürste geben sie ihm nicht dazu. Die steht in der Ecke. Ich war einmal dabei. »Lang nur'rein in die Scheie!" hat ihn die Ouellwurst an- Gebrüllt„Kannst dir deine sauberen Finger ruhig ein biß- ä>en dreckia machen Du denkst wohl, weil du gebildet bist brauchst du das nickt?" DaS war überhaupt Allgemeinerscheinung. Gegen jede Art von Bildung waren sie wild. Und den Professor— er war in Wahrheit ein Rechtsanwalt, der Marxisten verteidigt hatte — den ließen sie überhaupt nicht in Ruhe. Erst Bude sauber- machen, dann Treppen wischen, Hausflur segen. Abtreter klopfen Schuhe putzen szwanztg Paare für die abgetretene Wachmannschaft), dann in den Wald Bäume roden. Da stell- ten sie einen kräftigen Kerl von ihn hin, der mit einem Ruck die Wurzeln aus der Erde ritz. „So. nun mach das nach!" brüllten sie ihn an- Er strengte sich an, so gut es ging. Es ging aber nicht. Er war zu schwach und körperlicher Arbeit entwöhnt. Sie be- behaupteten, es sei schlechter Witz, und prügelten ihn. Der Gummiknüppel saß überhaupt immer locker. Menschen standen herum, Spaziergänger, die zusahen, wie wir arbeiteten. Das machte nichts. Schutzhästlinge kann man auch in der Oeffentlichkett schlagen und beleidigen. Marxisten- schwein nannten sie ihn. schwarze Kreatur, Judenknecht und Untermensch. Greuelmärchen Wir hatten zwei im Lager, denen hatten sie ein Auge aus- geschlagen. Bei dem einen sah man noch, wie der Hieb mit dem Gummiknüppel von hinten her über den Kopf ge- gangen war und wie die Spitze gerade ins Auge hineinge- saust sein mußte. Erst viel zu spät bekam er ärztliche Be- Handlung. In der Ecke saß ein alter sozialdemokratischer Bürger- meister einer kleinen Stadt. Dem haben sie den Arm in einen Schraub st ock gespannt.„Wo sind die Waffen?" fragten sie ihn Er zuckte mit den Achseln. Sie drehten die Schraube einmal an. „Wo sind die Waffen?" Er sagte wieder nichts. Einmal herum mit der Schraube. Nach jeder unbeantworteten Frag« wurde die Schraube fester gezogen. Er ist dann ohnmächtig zusammengebrochen und hat sich auch dabei noch erheblich verletzt. Sein Handgelenk ist vollkommen zerquetscht und zer- krochen. Achtzehn bis zwanzig Jahre alt waren die JungenS, die das getan haben. Sie haben nicht die geringste Achtung vor weißem Haar. Im Gegenteil! Sie habe» immer betont, daß sie ältere Häft- linge für Leichen halten, die man nur vergessen habe zu be- graben- In einem andern Lager war jeden Abend Spießruten- laufen durch Gummiknüppelspalier über Tische und Bänke. Der eine ist mit dem Kopf gegen die Wand ge- laufen, weil er die Richtung verloren hatte. Wie ein ge- schlageneS Tier. Seine Gehirnerschütterung wurde erst be- handelt, als er wieder frei war Ein andrer ist, blind vor Schmerz, durch die Glastür gelaufen, ohne sie zu sehen. Er hat sich die Halsschlagader verletzt. Einem hatten sie die Haare mit dem Seitengewehr abra- siert und dabei ein Stück der Kopfhaut miterwischt. Einem andern hatten sie mit dem Seitengewehr in den Hintern gestochen. Der Darm war verletzt. Die Folgen davon will ich nickt schildern. Erst nach fünf Tagen, als er über 49 Grad Wundfieber hatte, brachte man ihn ins Krankenhaus- Siebenundoierzig Ohrfeigen hintereinander hat ein Schuhmachergeselle bekommen. Erst drei Wochen später, nachdem er vierzehn Tage fast nichts gegessen hatte, wurde sein Kieferbruch im Krankenhaus geschient. Razi-Aerzte Es war noch Glück, wenn man einen Arzt fand, der heilte. Prinzip ist, erst Deutscher, dann Arzt. Es gibt eben marxisti- scher Rheumatismus und nationalsozialistischer. National- sozialisten heilt man durch Bäder und Rheumasan, marxisti- schen durch eine sogenannte Knüppelkur. Es ist kein Märchen, ich habe eS selbst gesehen, wie ein Arzt ein Rezept ausstellte für einen Häftling, der sich über starke rheumatische Schmerzen beklagti.„Fünfzehn Schläge über den Rücken" verordnete der„Doktor". Er wagte es auch noch, das Attest mit Dr. med. und seinem vollen Namen zu unter- zeichnen. Mein Freund Fritz, mit dem ich wochenlang zusammenlag, hatte bei der Verhaftung vier Schläge mit der Stahlrute über die Wirbelsäule bekommen. Fast faustdicke Wülste hatten sich gebildet, auf denen sich die einzelnen Abteilungen der Stahlrute abzeichneten. Er trank sehr viel, weil er 40 Grad Fieber hatte. Als der Arzt kam, führten wir ihn an Fritzens Bett. Er besah sich den Schaden, zuckte mit den Achseln und sagte: „Hätten Sie doch das Maschinengewehr herausgegeben! Ich kann Ihnen auch nicht helfen!" Selbstmorde sind unter diesen Umständen keine Seltenheit. Auch Hinweise der Wachmannschaft auf die Rasiermesser nickt: wir sollten uns nur umbringen, um uns sei nicht schade. In einem Gefängnis— Gefängnisse sind im allgemeinen besser als Konzentrattonslager— wurden den Häftlingen Messer und Gif- in die Zellen gegeben: um der Uebersüllung abzu- Helsen. Und doch Politik! Ich habe sechs Monate gesessen. Wir haben im Lager viel, fast ausschließlich über Politik gesprochen. Das Konzen» trationslager ist überhaupt der einzige Ort, wo iu Deutsch» land ein freies Wort zum unfreien Mann gesprochen werden kann. „Ach, jetzt ist doch alles aus," sagte ein älterer Partei- sekretär.„Die Partei hat sich erledigt. Wahlen finden»'cht mehr statt. Da müssen wir erst mal abwarten, bis die Zeit wieder so weit ist, daß eine Partei entsteht." Mit dem haben wir nicht weiter diskutiert Wir haben gelächelt und sind aufgestanden, denn der war tot. Man hätte ihn nicht einzusperren brauchen. Er war nicht gefährlich und wird auch nie gefährlich sein. Aber andre, Führer, hatten wir im Lager, feine Kerle, zumeist einfache Proleten, einige Intellektuelle. Ein junger Rechtsanwalt kam ins Lager. Es fiel ihm auf. daß wir Trommler-Zigaretten rauchten: eine Nazi-Marke. Die Nazis behaupteten, sie könnten uns andre Zigaretten nicht verkaufen: in Wahrheit verdienten sie Geld daran, denn sie entnahmen aus den Schachteln die Gutscheine und lösten sie für sich ein. Der Rechtsanwalt drückte durch, dar- keine Trommler-Zigaretten mehr gekauft wurden. Plötz- lick gab eS jede Sorte^»anrettcit in der Kantine zu kaufen. Das war ein Sieg. Und dieser Sieg hatte seinen Führer, den kleinen Rechtsanwalt. Man schlug ihn heftig, den kleinen Rechtsanwalt- Trommler-Zigaretten wurden trotzdem nicht mehr geraucht. Wir hatten eine stürmische Nacht. Es war uns schon gesagt worden, daß wieder Höllentanz angesetzt sei. Wir wußten an* ickon etwa, mit wem getanzt werden sollte. Da ich schon zwei Nächte daran gewesen war, zog ich es vor. ein Stück Seife zu fressen. Ich bekam 49 Grad Fieber, ließ mich vom Sanitäter messen und wurde daraufhin in Ruhe gelassen. Der Tanz ging los. Vier Mann wurden nachts 12 Uhr aufgerufen. Wir wußten, was das bedeutete. Einer markierte den Wahn- sinnigen. Er brüllte laut über die Schlafenden:„Hier bin ich! Wer hat mich gerufen? Bitte, bitte, nicht schlagen!" Immer wieder schrie er diese Worte. Darauf schrie einer aus dem Stroh:„Hier geht heute keiner'raus!" Ein Maurer war eS, ein großer kräftiger Kerl. DaS ganze Lager meuterte. Die Wache lief zusammen. Der Lagerleite- kam hereingestürzt. Er tat so. als ob er nicht gewußt hätte, daß hier schon seit Wochen schonungslos Nacht für Nacht geprügelt wurde. jener Nackt unterblieb das Prügeln. DaS war auch ein S 5»». Denn die beiden hatten sich besprochen: das haben sie mir später erzählt. Wenn daS heute nackt wieder so loso-l-t, hatten sie ausgemacht, dann markiert der eine den Wahn- sinnigen und der andere inszeniert die Meuterei. DaS hätte «e beide den Koos kosten können, wenn der Lagerleiter andre Saune gehabt hätte.-• Das Schweigen Fünf Arbeiter lasen zusammen die Zeitung. Sie lasen, daß heute in Hamburg fünf Arbeiter hingerichtet werden sollten. Wegen der angeblichen Ermordung eines TA.- Mannes, die vor fast zwei Jahren bei einem Ttraßenkampf geschehen war. Die fünf guckten sick gegenseitig a» und beschlossen: jeder geht jetzt in seinen Schlafsaal und gibt die Parole aus, daß heute abend zwischen« und 8 Uhr kein Wort ge» s p r o ch c n wirb- Die Stunden zwischen sechs und acht waren die einzige» der gemeinsamen Unterhaltung. Die Aktion hat geklappt. Von 9 Uhr ab herrschte Stille. Zwölshnndert Leute sprachen keinen Laut, sangen keine Lieder- Die Naziwachleute liefen herum, als ob man ihnen die Margarine vom Brot gestohlen hätte. Nickt einmal ihre beiden Spitzel haben herausbekommen, wer die Aktion leitete. Es war eine Stille, die uns einen Schauer nach dem andern über den Rücken jagt«. Denn wir alle hatten in den letzten paar Wochen mit dem Tode gerechnet. Wer von Nazi ver- haftet worden ist und den Weg durch ihre.Kaserncnn ging, war darauf vorbereitet, in die Gefilde der ewigen Révolu- tion hinüberzusiedeln. In einem andern Lager war der Lagerleiter ein National» sozialist der ehrlich an Hitlers sozialistische Verheißungen glaubte. Als es dort einmal politische„Ag'tation" gab. ließ er uns alle antreten und sagte:„Leute, macht doch das nicht. Ihr wißt ja ganz gut: die Zeit arbeitet für euch. Wir wissen auch: wenn wir'S nicht schaffen, dann kommt eure Zeit!" „Lieber Göll, madi midi stumm it •••• sJnpreß.) Die 28 Jahre alte Arbeiterin Magdalene Stephan hatte zu Bekannten geäußert, Deutschland sei kein Vaterland, sondern ein Zuchthaus: Adolf Hitler sei ein Landesverräter und Ausländer, der sich schleunigst unsicht- bar machen sollte. Sie wurde von der Strafkammer des Dresdener Landgerichts zu S Monaten Gefängnis verur- teilt. (Jnpreß.) Der 69jährige Jnvalidenrentner Richard Apelt wurde vom Freiberger Sondergericht zu 9 Monaten Ge- fängnis verurteilt. Er hatte Ausschriften an Wänden ange- bracht, die. wie das Gericht feststellte,„den Reichskanzler unflätig beschimpften". lJnpreß.) Die Provisionsreisende Gertrud Köhler auS Leipzig soll Hitler, Göbbels und Göring„in gemeinster Weise" beleidigt haben. Das Freiberger Sondergericht für das Land Sachsen verurteilte sie zu einem Jahr drei Mo- naten Gefängnis. vie Rathe Frau Torgier wird ihrer letzten Unterstützung beraubt Nicht genug damit daß der Führer der kommunistischen Reichtstagssraktion, Torgler, unschuldig— nach Meinung der ganzen Welt— vor Gericht gestellt wurde und vom Tod« bedroht ist. beabsichtigen jetzt die Nationalsozialisten auch seine Familie physisch»u vernichten Wie daS VerteidtgungSkomitee für den Reichstagsbrand- Prozeß aud Berlin erfährt, hat man jetzt der Frau Torglers die sogenannte Wohlfahnsunterstützung entzogen. Diese Maßnahme stützt sich auf folgende famose„Begründung": e« ,'ollten die Leute für Frau Torgler sorgen, die den Sohn TorglerS nach London geschafft hätten. lJnpreß.) Dem Glasschleifer Richard Voigt auS Leipzig wurde vorgeworfen, den Nazistaat und seine Einrichtungen beschimpft und beleidigt zu haben Das Urteil dcS Frei- berger Sondergerichts lautete auf 9 Monate Gefängnis. lJnpreß.) Die in der Schweiz geborene Frau des Ge- schästsführers Häckner aus Dresden schrieb an ihre Mutter nach Brunnen lSchweiz) einen Brief, in dem sie über die Zustände in Deutschland berichtete. Der Brief an ihre Mutter kostete sie vor dem Freiberger Sondergericht ein Jahr sechs Monate GefängntS. lJnpreß> Sieben Bibelforscher aus Niederschlema und Sichtenste'n-Eallberg, die aus Gewissensbcbcnkcn der„Wahl" am 12. November ferngeblieben waren, wurden, mit„Schand- schildern" versehen. Fackeln tragend, von SA.-Leuten durch die Straßen von Niederschlema geführt und dann„zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen". Diese Tatsache, die gemessen an tausendfach größerem Un» recht, das die Nazis tagtäglich verüben, kaum beachtet wird, beleuchtet trefflich den„Geist der nationalen Erhebung". Eine Frau, deren Mann ihr jetzt nicht helfen kann, dem Hungertode preiszugeben, das ist scheinbar b«: f t h est» vom Deutschen. »ade se*ne< s'rti Dem Oberpräsidentcn der Ostmark. Wilhelm Kube, ist im ..havelländischen Luch e" Kreis Nauen, auf Staats» kosten ld h. auf Kosten der Stcuergrofchen der Werk» tätigen) ein r b h o s" g e s ck c n k t worden. So lohnt sich der saschlftiiche„Sozialismus" für sein« Führer, Sdiiedifer kann es nidii werden Rückgang des f rcmdenrerkehrs Di« Hamburger Handelskammer erließ eine Kundgebung zur Einführung der 40-Stundenwoche, die bei der„Arbeit- nehmerfchaft lebhafteste Beunruhigung" hervorrief, wie die „Deutsche Volkswirtschaft", in diesem Falle ein verläßlicher Berichterstatter, ausführlich meldet. Die Bewegung inner- halb der Arbeiterschaft gegen die Handelskammer Hamburg ivar so stark, daß man eine Kundgebung der„Arbeitsfront" veranstaltete, auf der„Reichsstatthalter" Kaufmann und regierender Bürgermeister Krogmann sprachen. KausmannS Rede ist interessanter. Er sagte:„Die Kundgebung der Hamburger Handelskammer zur Einführung der 40- Stundenwoche hat große Verwirrung hervorgerufen, sie ist aber nicht wörtlich zu nehmen, sondern individuell auszu- legen. Jeder muß dafür sorgen, daß für Volksgenossen Ar- bect geschaffen wird. Diese Ausgabe liegt nicht nur bei den Arbe tnchmern, sondern auch bei den Arbeitgebern selbst. ES ist falsch, heute Reserven anzusammeln für schlechte Zeiten. Schlechter als heute kann und darf es nicht werden. Jeder muß das Letzte hergeben und dazu gehört die Einstellung von Arbeitskräften im Rahmen der Möglichkeit, auch wenn es seine letzten Reserve» kostet." Der Bericht der„Deutschen Volkswirtschaft" verweist nach Krog- manns Rede auf eine Aeußeruiig des hessischen„Treuhänders der Arbeit" in einer Ausschußsitzung des Deutschen Indu- strie- und HandclStages, daß eine weitere Senkung deS Lohn- Niveaus unter keinen Umständen möglich sei, auch nicht mit Rücksicht auf den Export. Eine Lohnsteigernng im Innern würde so positive Wirkungen für den Jnnenmarkt haben, daß Erportverluste ausgeglichen würden. In der Kurzarbeit sieht Dr. Liier eine Schmälerung der Kaufkraft. In der gleichen Nummer, in der sich diese Eingeständnisse der kata- strophalen Wirtschaftslage finden, beschimpft ein Nazi-BolkS- Wirtschaftler alle, die der deutschen Wirtschaftsstatistik miß- trauen. Nichts an diesen Leuten ist so bewundernswert wie ihre Frechheit. Schwankende Kohlenerzeogong In den hauptsächlichsten deutschen Steinkohlen- Gewinnungögebieten sRuhr, Aachen, Westover- schießen. Niederschießen und Freistaat Sachsen) betrug im Oktober September Oktober 193« 1933 1932 To- To. To. die Kohlenförderung insgesamt.... 9992322 9249 297 9 890 499 arbettstäglich... 372148 325 394 390 418 die KokSerzeugung... 1729 092 1949 92« 1929 95« die Brikcttherstellung. 347 548 314 779 398 4M In Mitteldeutschland und im Rheinland ivurden gewonnen im Oktober September Oktober 1933 1933 1932 To- To. To. Rohbraunkohlen insgesamt.... 10 57713« 20 22ö 329 1« 723 789 arbeitstäglich... 409 813 404 821 412 453 Braunkohlenbriketts insgesamt.... 2413917 2999009 2529390 arbeitstäglich.. 92 843 102 539 98 438 Die Rohbraunkohlensördcrung hielt sich im Ok- tober aus der Höhe des Bormonats. Die Brikettcrzeu- g u n g weist einen Rückschlag um 9,5 Prozent auf. Der Eisenerzbergbau im Siegerland sowie an Lahn, Dill und>n Oberhesscn zeigt« eine kleine Belebung. ver denlsthe.Aufschwung" Die nazische„Deutsche Volkswirtschaft" Mr. 15) polemi- siert gegen die„Elüigrantenpresse". die an der deutschen Statistik zu zweifeln wagt. Das Blatt erwidert allen Zweif- lern:„Es wäre in der Tat müßig, solche Anwürfe wider- legen zu wollen, denn in die Ausarbeitung unserer amilichen und nichtamtlichen Statistiken kann jeder aus Wunsch Ein- blick erhalten. Wir halten es aus diesem Grunde für ange- bracht, einmal aus sachliche, wenn auch offensichtlich hinter- hältige Einwände einzugehen. Das Arbeitseinkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten, das im Vergleich zum Verjähre während des zweiten Quartals keine Zunahme auf.v.cs, betrug im dritten Vierteljahr rund 9,8 Milliarden Marl und stellte sich damit um 4 Prozent höher als 1932. Der böswillige Beobachter mag hieraus schließen, daß bei einer so geringen Zunahme doch unmöglich Mittönen Arbeits- loser ein neues Einkommen gefunden haben können. Wir aber wissen, daß Hunderttausende Arbeits- dienstwilliger hier nicht einbezogen find, die z u m e i st ein l o h n st e u c r p f l i ch t i g e s E i n k o in- in en nicht beziehen und daß andererseits in den mitt- leren und höheren Einkommensgruppen starke Gehalts- Herabsetzungen vorgenommen worden sind. Das sind also Dinge, die in der Lohnsteucrstatistik die Arbeitscinglicderung der vielen Erwerbslosen nicht erkennen lassen. Da die Steuergrenze bei 100 Mark liegt, so tritt naturgemäß die breite Masse kleiner Ein- kommen hier kaum i» Erscheinung. Tatsächlich aber dürste das Einkommen der Industriearbeiter z. Z. um IV—20 Prozent höher liegen als im Vorjahr." Das ist ein Eingeständnis der tatsächlichen schlechten Wirt- schaftSlage. Daran hindert der neue statistische Roman, den d>e„deutsche Volkswirtschaft" diesem Bekenntnis folgen läßt, nichts. Allmählich werden die Nazi-Volksivirtschastler kleinlauter und allmählich werden sie auch erkennen, daß die schönsten Zahlen nichts helfen, wenn sie falsch sind. Nur Zei. .Ro&bollcn" reiben ve'Bt Der„Völkische Beobachter" vom 18. November 1933 bringt einen Brief, de» dreizehn Jungen im Alter von neun bis elf Jahren a» Hitler geschrieben hatte». Kurz erzählt: Drei- zehn Juügen sammeln„Asphaliroscn" und verkaufen sie an ihre Eltern Verwandte und Bekannte- Für einen Eimer voll erzielten sie 10 Pfennige. Sie erarbeitete» zusammen 25 Reichsmark und schrieben einen Schrcibcbries an de» tieben Reichskanzler und übcrnabcn ihm das Geld für die Winter l ilfe„Nim haben wir auch etwas fiir das„dritte Reich" letan." Dieser Brief ist so rcchl etwas für das Propaganda- Ministerium!„Kampf gegen Hunger und Kälte!(Neueste Errungenschaft, diesen Geißeln mit Roßäpfel zu Leibe zu rücken.).„Vorbildliche Opserbereitschasl von dreizehn Heil- bronner Hillerjungen!" daß sind die Schlagzeilen, die den Vries im Völkische» Beobachter begleiten. Aber was man noch auö diesem Brief erfährt: Der Stab Oberster Führer: 9 Jahre alt, Stellvertretender Führer: 9 Jahre alt. Ober- gruppen-Führer: 9 Jahre alt, Gruppenführer Gruppe 1: 10 Jahre alt usw. Zu erwähnen wäre noch: Ehren Mitglied Ordonanz: 9(nenn) Jahre altl Hoffen wir. daß den dreizehn Hitlerlungen neben dem an ßch löb»em..Rrßbosten" sammeln und Ihrem munteren Soldaten piel auch noch Zeit bleibt sich für einen gewiß nicht leichten Kamvi im Leben um da» tägliche Brot vorzubereiten. R. Z. Laut dem Bericht des Statistischen R e i ch s a m t S ist der AuSländerbesuch im Sommerhalbjahr durchweg gesunken. In allen 122 Bcrtchtsorten zusammen waren 487 000(j. B. 619 001)) ausländische Gäste gemeldet. Dieser Ab- »ahme— um 20,9 Prozent— entspricht fast genau die Ver- ringerung der UebernachtungSzisser um 21,4 Prozent. In allen Gruppen der Berichtsorte mar die Entwicklung ziemlich einheitlich. Nur die Seebäder sind etwas stärker als die anderen Gruppen betroffen worden. In den„typischen Fremdenverkehrsorten" ist abweichend von den übrigen Gruppen eine Erhöhung der Aufenthaltsdauer auch der ausländischen Gäste festzustellen,' die Fremdenmeldungen waren um 22,8 Prozent, die Uebernachtungen aber nur um 5,1 Prozent verringert.(Diese Gruppe weist jedoch nach wie vor die kürzeste Aufenthaltsdauer auf.) Bon de» auslänbifchen Besuchern Deutschlands stellten die Niederlande wie bisher das größte Kontingent<19,9 Prozent). Die Bereinigten Staaten blieben trotz Rückgangs an zweiter Stelle. Stark zurückgegangen ist Oesterreich: sein Anteil sank auf 5,8 Prozent<9.1 Prozent: die Gründe liegen aus der Hand. Nicht erheblich gesunken ist der Anteil der Tschechoslowakei, nämlich auf 7,1(7,4) Prozent. Die skandinavischen Länder sind von der 8. auf die 9. Stelle gerückt, indem sie 7,4(5,7) Prozent der Gäste stellten. Nahinaschtncnmarkt In der HB. der Nähmaschinensabrik Adolf K n o ch AG., S a a l f e l d, gab die Verwaltung einen lieber- blick über die Lage des Nähmaschinenmarktö. Der Kamps um den Jnlandabsatz habe sich noch verschärst, obwohl der deutsche Bedarf nur noch auf etwa 110- bis 120000 Nähmaschinen jährlich geschätzt werden könne. Die Leistungs- fähtgkeit der 15 größeren Nähmaschinenfabriken Deutschlands betrage aber 1,5 bis 1,7 Mill. Stück, so daß die Ausnutzung tatsächlich sehr gering sei. Die Schleuderwirtschait im A u s's u h r g e s ch ä t t habe sich gleichfalls sortgesetzt. Erst in der letzten Zeit sei es gelungen, das Auslandsgeschäft wieder etwa? zu beleben, und zivar mit Hilfe deS ScripS-Ver- fahren«. Das Jnlandgeschäst weise erst in allerletzter Zeit eine leichte Belebung auf, die durch die Ehestands- darlehen hervorgeruefn worden ist. Die Warenliansfragc Dem„Deutschen Volkswirt"(Nr. 9) machen die deutschen Warenhäuser große Torgen. Er muß feststellen, daß sich die Warenhausumsätze seit deS OsafS Machtübernahme ständig verringern? denn, sagt das Blatt deS Jnflations-Schacht: „Es besteht aber kein Zweifel, daß die bis vor kurzem mit großer Intensität betriebene Propaganda gegen die Waren- Häuser auch heut« noch in den breiten Massen fortwirkt: ganz abgesehen davon, daß von untergeordneten Instanzen diese Propaganda auch heute noch betrieben wird." Dieser Fest- stellung folgt nun die Konfcqnenz:„DaS Ziel, die Waren- hausfrage ohne Verlust volkSwirtfchastlicher Werte allmäh- lich zu liquidieren, kann nur dann erreicht werden, wenn ein verlustfreies Arbeiten der bestehenden Einrichtungen er- möglicht wird. DaS hat aber bet dem relativ hohen Anteil der fixen Kosten des Warenhausbetriebe» zur Boraus- fetziing, daß ein gewisier Mindestumfatz nicht unterschritten wird." Goldene Worte wirtschaftlicher Weisheit! Fragt sich nur, wozu hat man die Agitation gegen die Warenhäuser eigentlich begpnnen? ..Den Inden geschieh! nichts!" Der jüdische Hauswirt Man schreibt uns:, Immer wieder ivird i» de» offiziellen Erklärungen der Hitlerregierung und ihrer Vertreter die Lüge verbreitet, daß die Juden in Deutschland nur von den amtlichen Stellen und zumeist a»S den geistigen Berufen verdrängt find, sonst aber unbehelligt bleiben. Ein charakteristisches Beispiel für solches ruhiges Leben hat sich jüngst in einer kleinen westfälischen Stadt abgespielt. Dort lebt ein jüdischer Kaufmann, der gleichzeitig Eigentümer des HauseS ist. in dem das Geschäft mit Textilwaren sich befand, das er viele Jahre dort führte. Als Nachwirkung deS Judenboykotts getraute sich feine frühere Kundschaft nicht mehr zu ihm. io daß er gezwungen war, das Geschäft„um ein Butterbrot" zu verkaufen. Es blieb ihm zum Leben die Einnahme au? der Miete für da? kleine Geschäft und eine Wohnung im Hause. Der Mieter dieser Wohnung, ein stadtbekannter Nichtstuer und Sauf- bold, war schon mehr als drei Monate die Miete schuldig gc° blieben, gekörte aber selbstverständlich z,i den hervorragenden SA.-Männer» der Stadt. Als er trotz vielfacher Mahnung keinen Pfennig Miete zahlte, reichte der iiidischc Hauswirt, weil er die Miete dringend zum Leben brauchte und keine Er- sparnisse besaß, eine Räumungsklage beim Gericht ein. Die Antwort bestand in einer Strafanzeige an die Staatsanwalt- fchaft, die von der Kreisstelle der NSDAP, versaßt wurde und dem alten Mann vorwarf, er habe'versucht, die wüchsig« Tochter des Nazimannes zu verführen. darauf drang eine Nazisturmkolonne bei dem alten H**» wirt ein. packte ihn und zwang ihn. ein Schild»mzuhäna«» mit der Inschrift:„Ich Lump habe versucht,«in Ehrnte Mädchen zu vergewaltigen." Mit diesem Plakat wurde oe» alte Mann durch die kleine Stadt geführt und hierbei no<9 mit Gummikntttteln geschlagen und mit Füßen getreten- E>» anderer jüdischer Kaufmann, an dessen Haus der schwach»»^ Zug vorbeiging,„weil er bei dem Zug eine verächtliche»«]"* gemacht habe." Der Hauswirt hat nach diesem Erlebnis seine Klage zurückgenommen, er weiß.nicht, wovon er leben soll. Viel schlimmer aber, als diese einzelnen Vergewaltigungen und Rechtsbrüchc, so schwer sie die Betroffenen auch schädigen- ist die allgemeine Ausscheidung der freiheitlichen Mensche» und aller Juden aus dem Wirtschaftsleben in Deutschend- Natürlich geht dieser Prozeß langsam vor sich- Aber d>« Te»' Venz aller Maßnahmen der Nazis läuft offenbar darauf W aus, ihnen allen das Leben unmöglich zu machen. So er- klare» sich auch die Prophezeiungen einzelner Naztsührer, da« ,n einigen Jahren kein Marxist und kein Jude mehr'« Deutschland leben würde. AuS Rücksicht auf das allgemein« Wirtschaftsleben werden diese Tatsachen zwar offiziell ab« geleugnet. Sie lasten sich aber überall leicht verfolgen. Bor kurzem ist in einer weltbekannten Fabrik der Elektrtzitd.»' industrie in Berlin durch ein Versehen der NSBO.-Leitnnil meses Getriebe deutlicher als üblich geworden. Durch-in- Unvorsichtigkeit hat dieser Zellenleiter ein v e r t r a u l i«6 e* Run d f ch r e i b e n an die Sinzelzellen verloren, in welchem erklärt wurde, nach welchen Grundsätzen verfahren wird- E» war zuerst überlegt worden, ob nur die leitenden, nicht' arischen Angestellten aus diesem Grunde entlassen werden oder ob allgemein die Prinzipien des Beamtenabbaiis angewandt werden sollten. Die N S B O. habe sich fur Ï'Weg entschieden, weil hierdurch eine ■ jüdischer Angestellten entlasten und durch„4"' verlassige" Elemente ersetzt werden könn«. Im Interesse der ordnungsgemäßen Wciterarbeit des Werkes habe man sich aber entschlossen, einig? jüdisch? Angestellte in leitenden Stellen zu belassen.— Sie iverdcn also nicht abgebaut, die kleinen Angestellten, die Proletarier fliegen auf dt? Straße- Das ist die Rastcnpolittk einer„Arbeiterpartei"! Nach de» gleiche» Grundsätzen wird aber überall auch gegen alle»r- better und Angestellten gewütet, die verdächtig sind, fre'heit- lich zu denken, die zur SPD. gehörten oder sich als Pazifisten bekannt haben. Aber:„den Juden geschieht nicht« in Deutschland." Nazi gegen Nazlbonzen Ein dunkler Gerichtsbericht aus Bonn— geheimnis Der nationalsozialistische„Westdeutsche Beobachter'o der legten Vorschulklasse, wo jeder »pr* eh0*^ Cn^ errn L«hrer per„Heil Hitler!" und ent- keh't em Armaufwärts zu begrüßen hat(sowie umge- 0 rt). Nur will es uns deutschen Studenten, die wir dem ' uen Geist der Hakenkreuz-Universitas zu entgehen vor- srk°^ en' la')en(bzw. von ihr exkommuniziert worden sind), ^ e, nen, daß dieser Zustand einer„gleichgeschalteten" ( i Berlin, 19. Nov. Das Groß-Berliner Aerzteblatt teilt in seiner Nummer vom 11. November 1933 auf der ersten Seite des redaktionellen Teils folgendes mit:„Auf Grund einer Verfügung des geheimen Staatspolizeiamts vom 10. November 1933 ist das Erscheinen der Berliner Aerzte-Korrespon- denz ab sofort bis auf weiteres verboten." Die betreffende Nummer des Berliner Aerzteblatts bringt nur Anzeigen und geschäftliche Mitteilungen für die Aerzteschaft. Diebstahl an Einstein perfekt und„legalisiert" Im Deutschen Reicfasanzeiger wird eine Bekanntmachung des Geheimen Staatspolizeiamts veröffentlicht, in der mitgeteilt wird, daß auf Grund des Gesetzes Uber die Einziehung staatsfeindlichen Vermögens die Vermögensgegenstände der Eheleute Albert und Else Einstein, zuletzt Berlin W 30, Haberlandstraße S, zugunsten des Preußischen Staats eingezogen worden sind. im Kaisersaal des Römers. Außer Ministerpräsident Hermann Göring waren alle führenden Persönlichkeiten des Rhein- Main-Gebietes anwesend, n. a. auch der Reichsstatthalter für Hessen, Jakob Sprenger. Oberbürgermeister Dr. Krebs überreichte dem Minister den Ehrenbürgerbrief und als besondere Ehrengabe das von Berthold geschaffene Schwert, dessen künstlerische Ausführung allgemeinen Beifall fand. Die sinnvolle Ehrengabe rief in dem Minister nicht nur Bewunderung hervor, sondern auch dankbare Freude, die er in herzlichen Worten zum Ausdruck brachte." • Balmung wird eine neue Zierde von Görings düsterer Schwerterburg in Berlin werden. Hier hängt unter strengen Spitzbögen neben dunkeln Vorhängen bereits ein mittelalterliches Richtschwert. Was General Göring damit tat? Es gehört nicht viel Fantasie dazu, es zu erraten. Wenn er seine Zornesausbrüche bekommt und ihm der Spuk eines Feindes entgegentritt heißa, da ist er gut gerüstet, da zückt er sein Schwert. Wie oft mag schon der Kopf Dimitroffs zu Boden gerollt sein? Die dankbare Freude, die Göring beim Empfang Balmungs empfand, läßt erkennen, daß sich der ritterliche Mann von der meterlangen, blaufl»'»— n amaszenerklinge viel verspricht tBcdmimq) Senf vertagt Als 15. oder 22. Januor■' London. 23. Nov. Zur Abrüstungsfrage sagt Preß-Affo- ctanon, es werde ein Gedankenaustausch durch die Bot- ich a s ter und durch Noten erwartet. Aber es sei auch Möglich. dah die britische Negierung einen Vertreter wit der Sonderausgabe betrauen wer de, die Hauptstädte der interessierten Mächte einschließlich Deutsch- landszu besuchen. London. 23. Nov. In einem Leitartikel schreibt.Times", e« werbe täglich deutlicher, daß kein wesentlicher Fortschritt in der Abrüstungsfrage möglich sei. bevor die Fragen der Bertragsreviston fruchtlos so ober so geregelt waren. So- lange Deutschlands Wünsche nur mit einem Nein beantwortet wurden, könne keine Entspannung Europas erwartet werden. Die britische Regierung habe wiederholt ihre.Unvoreinge- nommenheit in der Frage des Ersatzes des Dik aturfriedens durch einen Verhandlungssriedcn gezeigt, und die italienische Regierung sei noch freimütiger für Revision eingetreten. Es sei begreiflich, daß Mussolini die Verhandlungen nicht nur von der Abrüstungskonferenz, sondern auch vom Völkerbund loszulösen wünsche. Für die Anwendung des beS Vierwächtepaktes spreche, daß Deutschland dazugehöre: dagegen, öaß die am stärksten in der Revisionsfrage interessierten Lander unmöglich Entscheidungen annehmen könnten. d,e ohne sie getroffen werden..Times" nimmt dann den Völker- bund gegen die„äußerst bedauerlichen Angriffe" in Schutz, die jetzt im Gange seien, und erklärt, die britische Regierung stehe noch immer mit Festigkeit hinter dem Völkerbund. Sir John Simon habe geHolsen, die Verhandlungen des Büros zu einem harmonischen Abschluß zu bringen. Er habe d e n W e g sUr diplomatische Verhandlungen vorbereitet und die britische Politik von gewissen Verpflichtungen be- ireit, die sie vielleicht bei den kommenden internationalen Verhandlungen in der Abrüstungsfrage in ihrer BewegungS- jreiheit hemmen könnten. Abreise Genf, 20. Nov. Die Delegationsführer haben heute abend Genf verlassen. ES werden nur die zur Besetzung der beiden technischen Ausschüsse notwendigen Delegierten in Genf zurückbleiben. Diese Ausschüsse, von denen sich der eine Wit der Frage der Umwandlung der kontinentaleuropaischen Heeresorganisation und der andere mit dem Problem der Konirolle befaßt, werden vor der Hand die Beratungen weiterführen. Zu den von Henderson erwähnten diplomatischen Verhand- jungen, die in der Zwischenzeit in die Wege geleitet werden sollen, ist man in Konferenzkreisen noch der Ansicht, daß diese der Vorbereitung einer Konferenz der Großmächte, auf der Such Deutschland vertreten sein würde, außerhalb Genfs dienen sollen. Dieser Plan scheint jedoch in den letzten Tagen 'eine wesentlichen Fortschritte gemacht zu haben. Henderson bleibt noch in Genf ®«tf, 22. Nov. Wie Reuter aus Genf meldet, hat der Präsident der Abrüstungskonseren,. Henderson. verlauten fassen, er sei bereit, etwa noch 14 Tag« in Gens zu bleiben. Man schließt daraus, daß sich doch noch eine Möglichkeit ge- »eigt hat. in der Frage der Fortsetzung der AbrüstungS- konferenz zu einem Kompromiß zwischen der italienischen und der französischen Auffassung zu gelangen. Pariser Berichte Iii eras» uU* t'..> nasftmds Schrott; Die französischen Großhändler. Exporteure von Schrott, haben aus Gründen der nationalen Interessen auf ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, die Ausfuhr von Schrott Nach Deutschland einzustellen und auf deutsche Kaufvorschläge nicht mehr.zu antworten. Sie erklärten, daß die Schrot- Wengen der deutschen Fabrikation von Kriegsmaterial dienen würden. Die französischen Schrott-Exporteure sind nun sehr ver- wundert, einen Protest beS Comitee des ForgeS gegen diesen Beschluß zu erhalten in dem betont wird, daß die gefaßte Entschließung nicht begründet sei und daß die Industrie einen erheblichen Verlust erleiden werde. Wenn daS Deutsche Reich, fährt das Comitee des Forges fort, die Schrottmengen, die es benötigt, nicht in Frankreich beschaffen kann, wird eS sie in anderen Ländern kaufen. Zwischenfall Im Oberhans »>Man durchlebt schwierige Zeiten" London, 22. Nov. Im Oberhaus ereignete sich heute in der Eröffnungssitzung ein Zwischenfall. Als der König ge- rade seine Thronrebe beendigt hatte, machte der Abgeord- nete der Labour Party Macgoverii Zwischenrufe, in denen er die Arbeitslosenpolitlk der Regierung kritisierte- Dann wandte er sich an den König selbst und rief:„Sie sollten sich schämen, und an die Leute denken, die draußen vor Hunger sterben!" Bei der Aussprache im Unterhaus über die Thronrede kritisierte der Führer der Opposition, Lansbury. die Re° gicrungspolitik in der Abrüstungskonferenz, weil sie niemals zum Frieden führen werbe. Er bemerkte weiter, die Thronrede enthalte nichts, was der Masse der Bevölkerung und den Arbeitslosen ein« Botschaft der Hoffnung bringe. Premierminister M a c b o n a l d, der aus Lansbury folgte, wandte sich bald nach Beginn seiner Rede der Außenpolitik u. Er erklärte, es^bestche kein Zweifel, daß man schwierige 1 Zeiten purchlcbe. Die. heutige Lage fn Europa sei eine tadiumivetse Fortsetzung der Nachkriegszeit und der Frie- densvertäge. Macdonald wiederholte die Entschlossenheit der britischesi Negiertrüg, da» Wer? der internationalen Zu- Mmmenarbeit aufrecht zuerhalten. Macdonald bemerkte: Wenn der britische Abriistungs-KonventionSentwurf anne- nommen worden ivärc, so würde daS für die völlige Ab- rüftung der Welt stark beigetragen haben. Eng'lsch französischer WlrischaffshonfliM London, 23. Nov„Daily Herald" will wissen, daß der Präsident des HandclSamtes in der Zolltarifsrage gestern ein Ultimatuni an Frankreich gestellt habe. Wenn nicht in sehr kurzer Zeit eine Verständigung erreicht werde, dann werde wahrscheinl'ch Anfano Dezember ein Wirtschaftskrieg aus» brechen Großbritannien verlange die Aufhebung der fünf- zehnprozentigen Sonderabgab« und der sechSprozenttgen LandungSabgabe auf britische Waren. Wenn Frankreich sich unzugänglich zeige, werde die britische Regierung aus sran- Sösische Waren antworten- Oedlpos-Homplci oder Alstohol? Eine noch jugendliche Amerikanerin, die 42jährige Miß Dorothee. kam mit einem großen, breiten, braunen Sohne nach Europa. Der Junge war 22 Jahre alt. und beide kamen aus Kanada. Der Papa erschien aber nicht aus der Bild- fläche. Mutter Dorothee und Söhnchen, die sehr aneinander hingen, zogen nun in ein Amerikaner-Paradtes am großen Stern. Sie lobten sehr die aufmerksame Bedienung und gute Küche und gingen fleißig aus. Schließlich kaufte Mutter Dorothee dem folgsamen Sohne ein Auto. Mit diesem neuen Wagen heimkommend, richtete aber Patrice das Unheil an. Er stieg vor der Einfahrt in die Garage aus, sah die Mutter auf dem Sitz, und— was tat er? Haut sie dermaßen ein paar Mal über den Kopf, daß sie in Ohnmacht fiel. Umstehende Leute waren sogleich bemüßigt, die reiche Frau in eine Klinik zu bringen. Dort jammerte sie sehr, nachdem sie aus der Ohnmacht erwachte, ohne übrigens hef- tiger Schaden gelitten zu haben, und sagte: irgendeinen Grund zu solch schlechter Behandlung könne der Junge nicht gehabt haben. Patrice, der junge Kanadier, der noch Europcns über- tünchte Höflichkeit.... usw.. war inzwischen mit dem Wagen weggefahren. Niemand wußte wohin. Am andern Morgen fanden ihn die Leute draußen in freiem Feld. Der Motor war eingeschlafen, der Besitzer auch. Patrice erzählte, er wisse von nichts, er könne sich auf gar nichts besinnen. Wahrscheinlich sei er überfallen worden, viel- leicht habe man ihn hierher geschleppt. Wahrscheinlich ist er bloß betrunken gewesen. Man sieht, es gibt noch Sorgen reicher Leute, wenn sie nach Europa kommen. Im übrigen sind sich die Gelehrten über den Fall nicht einig. OebipuS-Komplex oder Alkohol, das ist hier die Frage. PELZWAREN TSCHERN IAK UND SCHEINMANN Là Il-bfs nie Lauridton, Paria(16) Métro Kléber et Etoile. Tél. Kléber 9M1 Große Autwahl in Fellen n. Pelzmäntel. Werkstatt im Haute. Billigste Preise Ein,Käse Keller" In Paris In Paris gibt eS neben anderen Spezialitäten auch ein Restaurant, das durch seinen— Käse internationalen Ruf hat. Es gibt hier einen„Käse-Keller", wie andere Gast- ronomen sich eines Weinkellers rühmen. Das Lokal ist nur mit Käse dekoriert, der nach Jahr und Ursprung gekenn- zeichnet ist. Es gibt nicht weniger als 1ö7 verschiedene Sorten, also beinahe noch mehr Arten der MaccarontS und der Liebe. Schon die Liste der französischen„crus de fromage" würde einen Rabelais in Erstaunen versetzen. Nichi bloß die bekannteren Käsc-Brüder wie Brie und Camembert. Roque- fort, Port-Salut, Petit-Suisse und Gruyere geben sich hier ein Rendezvous, auch Coulommters, Mont-Dore. Eautal, Livarot. Tome. Maroille, Boudon und wie sie alle heißen, duften fwohlverstanden unter Verschluß» um die Wette. Das alte Ballgejpräch„Essen Sie gerne Käse?" kann sich also hier diesen Winter mal wieder austoben. ver Sdiafz der Tänzerin Die Diamanten. Golbringe und Broschen der Tänzerin Jenny, des einstigen Sternes des Pariser Nachtlebens und der Music-Halls sind versteigert worden. Lcbeleute, ele- gante Frauen Ausländer gahen sich in der BerkaufShalle ein seltsames Ertnnerungsfest. Am höchsten kam e>n sehr schöner Diamant von 51 Karat 75, wie ein Smaragd geschnitten.„Schauen Sie» ein kleiner Ring," schrie der Ausrufer. Das Schmuckstück, das die glück- lichsten Lichtnächte der Tänzerin verziert hatte, ging sllr 1625 000 Franken in die Ferne. Ein zweiter Diamant, der rautenförmig geschnitten ist und 26 Karat 85 wiegt, erzielte 595 000 Franken. Auch ein Kollier rings voll Edelsteinen hatte Jenny getragen, es ging für 448(MO Franken weg? aber sie hatte noch ein schöneres, mit drei Reihen wunder» baren feinen Perlen, das kam auf 520 000 Franken. Außer» dem gab eS noch einen großen Smaragden von 40 Karat, der brachte es auf 206 000 Franken. Die berühmte dunkle Perle, die einst Gaby DeSlyS trug, wurde auch verkauft. Der Talisman erzielte 76 000 Franken. Und eine Schmucktaschc in Gold und Platin, in der Jenny einst alle ihre Kleinodien verwahrte und die sie, als der Schatz fort war, hinter den Spangen und Steinen ebenfalls ins Pfandhaus trug, kam auf 3000 Franken. Insgesamt endete die soziale Romanze aus dem Schatten der Lichtstadt mit einem Erlös von 4 443 600 Franken, zu- züglich 11 Prozent Taxen und Gebühren. Da der vor- sichtige Schätzer auf dem Mont de Picte nur für etiva 1 500 000 Millionen Pfandscheine ausgegeben hatte, bekommt die ehemalige Königin der Nacht also noch einen schönen Batzen für ihr Geschmeide heraus. Berichtigungen Der Film mit der Liebe aus der Markthalle, der im Paramount gezeigt wird, heißt„Ciboulette" fdas heißt: „Schnittlauch"s. Der Film„Knock" ist nach dem Drama des intellektuellen französischen Dichters Jules Ro- main S gearbeitet. sJnles Romains wurde in Deutschland feiner Zeit besonders bekannt durch sein Drama„Diktator", das zwar in einem politischen Niemandsland spielt, aber doch gewisse Züge der Mussolint-Tragödie trägt.,„Der W i d e r s p e n st i g e n Zähmung" in der Cvmedie Fran- caife heißt im Französischen:„La Megcre apprivoisée". Wilderer-T ragödie Ronen, 20. November. In den Wäldern des Grafen d'Harcourt bei Hutays über- raschle eine Streife von zwei Gendarmen und einem Wald- Hüter Wilddiebe beim Wcidwerk. Die Wilddiebe schössen, noch bevor die Uniformierten ein Wort gesagt hatten. Ein Beamter erhielt eine volle Ladung Schrot in die Brust und liegt febr schwer danieder, ein anderer Gendarm wurde tu die rechte Schulter und ins Knie getroffen. Der Waldbüier blieb unverletzt. Die Wilddiebe entflohen. Ein der Wild- dteberet ver dächtiger Mann wurde v erhaftet. Drudterei, Vorlag und Radakfion dar „Deutschen Freiheit" Saarbrücken l»«..kd ,li.ßiad, m Aaha-Mlr Der große Meister des Spiritismus, Agha-Mir, degen Uralt von den einflußreichsten Zeit- schritten der ganzen Welt citri» kennt wurde, hat sich in P a r i S, Z0. Av. Mac-Mahou, niedrr- gelesen. Ein Augenzeuge, in degen Gegenwart das Expl.i» ment vorgeführt ivucd«, erzählt unS: „Wir waren allein, ich und er, und keine seiner Gesten ist mir entschlüpft Ter Spiritist'Irß mich allein uno bat mich, ,-ns vier Papierbogen irgendwelche Fragen zu schreiben, wa» ich auch tat. Dann saltete ich die Bogen zusammen ind legte sie vor mich auf den Zisch Gr«ritt in» Zimmer ein, bleibt einen Meter entfernt vom Tische stehen, fixiert die Papterbogen, und dann, Wort für Wort, wiederholt er die Fragen, die ich eben ge- schrieben. Kaum bin ich vor Erstaunen zur Besinnung gekommen, bat er mich, die Papicrbogen auszuheben, sie niederzulegen und zu öffnen. Ich faltete einen nach dem anderen auseinander und entdeckte mit Erstaunen die Antworten auf meine Kragen. Da keine» diese» Papiere vom Spiritisten während der Seance ange» rührt wurde, kann man sich leicht die Borstellung von seiner okkul» ten Kraft bilden." Zukunflt- Stellung 50000 Frs. jährlich u. zu erhöhen, im Lebensmit- tet-Geschäft. 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Und am Wahltage stehen die Massen vor den Lokalen, stumm, uninteressant, ängstlich. Die Bertraulen von einst begrüßen sich kaum. Man hat das Gefühl— es steht eine Kompanie Soldaten unter den Augen des Kompaniechefs zur Parade angetreten! Nur die Beauftragten der NSDAP, sind ge» sprächig. Die drängen jedem die IA.-Plakctten aus.„Wcnn Sie kein Geld haben— nehmen Sie nur— es kostet nichts." To hat schon fast jeder, ehe er zur Wahl geht, sein„Ja" auf dem Nockkragen. Die es aber nicht nehmen und nicht tragen— sie werden von Patrouillen der Nazis auf den Straßen an- gehalten und bebrängt. Wo bleibt die geheime Wahl? Wo bleibt überhaupt das Merkzeichen einer Wahl? Die Mög- lichkeit der Gegenpropaganda? Noch in der Nacht zum Samstag und Sonntag wurden Leute verhastet. die den Mut zum Nein äußerten oder die einmal früher Parteifunktionär waren. Schon der Verdacht genügt, daß sie etwas in«, was gegen das Ja verstößt, um sie zu verhaften. Die Post selbst steht im Dienste der Terrorhandlungen. Ausgelieferte Post- fachen werden einfach nicht bestellt. Sie enthalten die Nein» Flugblätter, die noch am letzten Tage verbreitet werden sollen, soweit es überhaupt möglich erscheint. Ueberall sitzen die Spitzel der NSDAP. Ist das eine Wahl? Hätte man doch nur die einfachste Arbeit gegen das Ja er- laubt— dann gäbe es keinen 12. November in dem bekannt gewordenen Gesicht- Denn die Abstimmenden, die die Beob- achtung bei der Abstimmung fürchteten, waren fatalistisch ge- worden.„Wenn niemand zum Nein auffordert, alio muß das Ja die einzige Abstimmungsmöglichkeit sein!" Nur wer in Deutschland leben muß, dem wird diese Abstimmung^lar— abgesehen davon, daß schon der Tag nach der Wahl die Sicher- heit in weiten Kreisen verursachte: Die Zahlen sind gemacht, frisiert! Warum hat man denn sonst Wahlberechtigte aus den So, kalen gewiesen, sogar verhastet, nur weil s«e bei der Aus- zählung dabei sein wollten? Warum hat man sich so abgezirkelt? Je weiter die Men- schen von dem Wahltag zeitlich abrücken, umsomehr wächst die Erwerbslosigkeit wächst Der Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom t. bis 15. November besagt:„Zugang aus Taisonberufen brachten jwie regelmäßig um diese Jahreszeit) in der ersten Hälfte des November ein geringes Anwachsen der Arbeitslosen- zahl. Nach dem Bericht der Rcichsanstalt für Arbeitsver- mittlung und Arbeitslosenversicherung wurden Mitte No- vembcr 3 776 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gezählt gegen 3 745 000 zu Beginn des Monats. Der Zuwachs um rund 31000 ist im Vergleich zu den Vorjahren, die für den gleichen Zeitraum Zunahmen von 156 000 für 1032, von 220 000 bzw. 232 000 für 1031 und 1030 aufzuweisen hatten, wenig bedeutsam." Der Vergleich mit den Vorjahren ist lächerlich. DaS ist oft genug gesagt worden. Vor einem Jahre gab es weder hunderttausende Arbeitsdienstler, noch Emigranten, noch Konzentrationslager, noch Ueberfüllung der Gefängnisse, noch hunderttausende„Landhelfer", und außerdem war die Statistik trotz Papen noch einigermaßen zuverlässig. Daß das Reich nun das weitere Anwachsen der Erwerbslosigkeit zugestehen muß kennzeichnet die Lage. Vorsichtig verschwiegen wird, wie viele von den in Arbeit stehenden Kurzarbeiter sind. Schon diese Zahl würde jeden Optimismus vernichten. Gelsfgeinelnsdiaff Berlin, 21. Nov. Der ReichSbischos hat in den letzten Tagen eine große Anzahl von Treuekundgebungen erhalten. Von diesen Kundgebungen ist eine Erklärung Breslauer Geistlicher von besonderer Bedeutung, weil sie zu den grundsätzlichen Fragen Stellung nimmt. Es heißt darin unter anderem: „Wir erklären, baß das Evangelium von Jesus Christus, das mit der alttestamentlichcn Verheißung anhebt, ohne die Verkündigung des Alten Testaments nicht rein erhalten werden kann. Tie Ablehnung des Alten Testaments bedcu- tet deshalb, ein Verlassen der Grundlage der Kirche Jesu Christi. Wir erklären weiter, daß die Kirche Jesu Christi keine Blutgemeinschaft, sondern die Gemeinschaft des heiligen DANEN- KONFEKTION In Brüssel ist krankheitshalber ein bestens finge» führte*. modern eingerichtete« Damen-Konfekt ons- geschält in bester Lage preiswert zu verkaufen. Gefa lige Zuschriften unter L. 5t7 bef ABEPEC. Brüssel, 72. Place de Brouckèr«* Deutsche Poliklinik Chefarzt Profe-ior WENSTEN I) SPEZI ALXRZTLICIIE ORDINATION für sämtlich« Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik - ORDINATION: täglich von I bia 8 Uhr. Sonn* und Feiertag» von 10 bis 12 Uhr■■ Auffassung: Das Wahlergebnis ist ein kunstvolles Taschen« spielexcmpel des Propagandaministeriums! Wußten denn die Abstimmenden überhaupt, daß sie mit ihrem ja alles bejahten, was an Verbrechen begangen wurde? Es stand die Politik der Reichsregierung, nicht nur die Außenpolitik zur Entscheidung. Hätte das deutsche Volk mit über 40 Millionen wirklich„Ja" gesagt, wenn man es hätte offen fragen können. Morden der Hitler-Regierung? Folterungen der Frauen und Männer? Konzentrationslagern? Ausweisungen der Zehntausenden? Entlassungen der Hunderttausend? Diebstählen am Arbeiter-Eigentum? Preissteigerungen und Einkommenssenkungen? Unterstützungskürzungcn? Spenden, die vom Lohn abgezogen werden? Entrechtung von Millionen? Sagtest du I a. deutsches Volk, zu der Isolierung des deutschen Volkes in der ganzen Welt? Terrorisierung anderer Nationen? Vernichtung des deutschen Ansehens bei allen anstän- dtgen Menschen? Nein! Das deutsche Volk hätte dazu nicht ja gesagt. Aber wo soll dieses Volk noch den Mut zur Wahrheit hernehmen, wenn es dauernd von allen deutschen Behörden und Zei- tungen, durch den Rundfunk systematisch belogen wirb? Ein Volk, das man ununterbrochen der Lüge aussetzt—wird selbst zum Lügner an sich selbst. Und wenn die Zahlen vom 12 November stimmen— dann hat sich das deutsche Volk selbst belogen zur höheren„Ehre" seiner Regierung. Aus Furcht vor den in Aussicht gestellten Strafen für ein Nein! Ohne die Freiheit der Meinung, der Presse, der Eni- schließung, ohne die Befreiung des deutschen Volkes von Angst vor den Banditen des„dritten Reiches", ohne die Er- lösung aus der Angstpsynchose werdet ihr nie die wahre Stimmung in Deutschland erkenne»? Deutscher Sfndenfenbrief Seit einiger Zeit gehen uns aus deutschen Studenten- kreisen Berichte zu, die erkennen lassen, daß viele Studenten ihre Hitlerbegeisterung eingebüßt haben, nicht zuletzt auch in der theologischen Fakultät. Selbst große nationalsozialistische Kanonen, wie der„Philo- Îoph und Pädagoge" K r ieg k, erleben ihre Enttäuschungen, fr begann im letzten Semester seine Vorlesungen mit 250 Hörern, am Schlüsse waren es noch ganze 15. Bezeichnend ist der folgende Studentenbrief, der uns zum Abdruck zur Verfügung gestellt wird. ... Heute hatten wir eine Versammlung der medizinischen Fachschast, in der ich den Fachschaftssührer, einen jungen Studenten, kennen lernte. Er betrat den Hörsaal in der schlichten, braunen Uniform eines einfachen SA.-Mannes und hielt eine wirkungsvolle und eindringliche Rede, in der er vor allem betonte, daß sich niemand ausschließen könne und dürfe aus der großen Volksgemeinschaft, und daß jeder, der heute noch abseits stehe und opponiere gegen unseren heutigen Staat, rücksichtslos von der tochschule entfernt werde, da der deutsche tudent von heute Nationalsoziali st ist. Ihr könnt Euch denken, wie begeistert wir alle von der Rede waren. Sie hätte Euch auch gefallen. Ter Fachschafts- sichrer wollte dann für seine Fach-Arbeit 5 0 Vor- k l i n i k e r jv o n den 7 6 G als Mitarbeiter herausholen und bat um freiwillige Meldungen. Von den 700 meldeten sich 2 Leute! Ich finde das einlach»n- erhört!! Wenn ich nicht schon im 4. Semester stünde, hätte ich mich auch gemeldet. Der Führer hat dann seiner Em- pörung Ausdruck gegeben und in scharfen Worten den Mangel an Eingliederungsvermögen in das heutige Studentenleben gegeißelt. Er befahl dann kurzer- hand die ersten Seme st er. Er erklärte weiter, eS fei bedauerlich, welcher Geist in der Medizinerschaft herrsche und versprach, der Studentenschaft Mitteilung zu machen. Einigen Radaubrüdern, die kurz vor seinem Erscheinen durch Pfeifen undJohlen ihrer Unlust Ausdruck gegeben hatten, ließ er die Studentenkarte abnehmen. Geistes ist, daß aber die Kirchen in ihrer irdischen Gestalt durch Geschichte und Schicksal an bestimmte Völker gebunden sind. Hieraus ergibt sich einerseits, das fremdblütigc evangelische Christen aus der Gemeinschaft einer evangelischen Kirche nicht ausgeschlos- sen werden dürfe n; wer danach strebt, verleugnet die göttliche Stiftung der Kirche und verläßt die im Sakrament der Taufe gegebene Grundlage derselben. Andererseits er- gibt sich daraus, daß unsere Deutsche Evangelische Kirche das Recht und die Pflicht hat, sich für die Ausrichtung ihres göttlichen Auftrages eine Gestalt zu geben, die unserer deutschen Art und unserem deutschen Volkstum gerecht wird. Wer unter Preisgabe de» unverfälschten Evangeliums eine völkische Kirche aufbauen will, verrät unsere Deutsche Evangelische Kirche an die„Deutsche Glaubensbewcgung" snicht zu verwechseln mit der Glaubensbewegung Deutsche Christen!) und ans Schwärmertum. Mit dieser Erklärung wissen wir unS in Uebereinstim- mung mit der Kundgebung des Herrn Reichsbischofs vom 14. November 1033." BRIEFKASTEN L. K., Saarbrücken. Gewig haben wir gelesen, daß sich da» saar« ländische Kommunistenblatt über unseren Aussatz„Ter Eroberer Timitroff" geärgert hat. Zu erwidern haben wir daraus nichts- Wir hätten nicht zu schreiben brauchen, wenn das kommunistische Blatt den großen Kämpfer endlich einmal gebührend gewürdigt hätte. Lange genug haben wir daraus gewartet. Was schließlich im Kommunistcnblatt herauskam, war so kümmerlich, dag unser Aus» say um so notwendiger war. An mehrere. Tie Auflagenachrichten der saarländischen Re» gicrungskommission mügen aus der ersten Seite in der ersten Spalte aller im Saargcbiet erscheinenden Zeitungen gedruckt wer» den. Bisher haben wir selbst noch niemals zu einer solchen Auflage» Nachricht Anlag gegeben, aber wir fallen natürlich auch unter die betreffende Notverordnung. Einige der Kundgebungen waren übrigens ganz interegant, weil sie mit amtlichem Material die Korruption und die Verlogenheit der Nazis nachwiesen. Leser in Toner. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß im Lon« doner„National Liberal Club" Tr. G. P. G o o ch u. a. sagte: „Ich glaube nicht, dag er ein großer Mensch ist und ich bin sicher, daß er kein großer Staatsmann ist... In seine» Verfolgungen hat Hitler sich nicht nur als sanatisch, sondern al» toll gezeigt. I» seinen Angriffen aus die Juden hat er die Grenzen de» Ver» standes überschritten..." Haben Sie Geduld mit unseren deutschen Volksgenossen. Fast 30 Jahre haben sie auch Wilhelm 2. für ein Genie gehalten, obwohl Bismarck schon im Prinzen Wilhelm degen für Deutschland ver». hängniSvolle Fehler erkannt«. In jenen Jahrzehnten aber war da» deutsche Volk gesund. Jetzt ist e» in sehr breiten Schichten trank und seine Nationalhelden entsprechen diesem Zustand. H. G., Antwerpen. Obwohl wir Ihre anonyme Zuschrift leicht in den Papierkorb werfen könnten, wollen wir doch gern davon Kennt» ni» geben, daß Ihre jüdischen Verwandten den Sichtvermerk be- kommen haben. Hoffentlich ist diese Ihre Mitteilung zuverlässiger als Ihre Rechenkunst. Ist es wirklich so schwer zu begreifen? 45,1 Millionen sind stimmberechtigt. Bei der Volksabstimmung erhielt Hitler 40,« I a stimmen. Mithin blieben bei dieser Abstim» mung 4,5 Millionen Wähler und Wählerinnen trotz allem Terror zuhause oder stimmten mit Nein.— Bei den sogenannten Reich»» tagswahlen, einer selbständigen Abstimmung, erhielt Hitler von den 46,1 Stimmberechtigten insgesamt 89,6 Stimmen. Also demonstrierten."5,5 Millionen Wähler und Wählerinnen durch Fernbleiben oder durch Ungültigmachen des Stimmzettel» gegen Hitler. Man kann diese 5,5 Millionen ruhig al» einen einheitlichen Demonstrationsblock bezeichnen, da die Nazi», wie in Ihrer Prelis veröffentlichte Kundgebungen und Bilder beweisen, selbst Schwer» kranke, ja Sterbende zur Wahl geschleppt haben.— Da Sie sich gegenüber klaren Zahlen so begriffsstutzig zeigen, können wir nicht recht glauben, daß Tie Jude sind. „Arbeiterjustiz". Tie Adresse ist uns leider nicht bekannt. Tr. K Zürich. Für Ihre verständnisvolle Kritik danken wie Ihnen ebensosehr wie für Ihre Anerkennung. Sie werden bcgrci» sen, daß wir uns im Briefkasten zu Ihrem Wunsche nicht äußern möchten. Nennen Sie uns Ihre Adresse und wir werden Ihnen gerne antworten.„Via France" erreicht uns Post uneröffnet. Cmen? Ihrem Wunsche entsprechend geben wir davon Kcnntni», daß der deutsche Fischdampfer„Horst Wessel" au» unbekannter Ur« sache gesunken ist und die Mannschaft von einem polnischen Dampter gerettet wurde. Wenn Sie wollen, können Sie da» Ereignis in Zu» temmenhang bringe» mit dem Zerspringen de» silbernen Hammers i» der Haiid Hitler» bei der Grundsteinlegung de» Künftlerhouse» in München und als böses Vorzeichen betrachten. ES wundert un», daß die Nazipresse nicht behauptet, die Marxisten hätten den Dampfer„Horst Wessel" au» Unterseebooten torpediert. Luzeru. Sic machen uns darauf aufmerksam, daß der„Fride» ricus" vorschlägt, man solle Timttrofs vor jedem Frühstück fünf« undzwanzig hinten aufzählen. Warum wundert Sie das? Jeder nach seiner Qualifikation. Ter eine eignet sich zum Kämpfer und der andere zum Schinder. Teutschland unterscheidet sich von zioili» siertcn Ländern allerdings dadurch, daß man die Schinderkeelen in den Zettungen schreiben läßt, aber auch das ist verständlich, da man die Journalisten einsperrt oder als„Halunken" ins Aus« land jagt. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud« weiler: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8. Stbützenstraße 5. Antwerpen Zu vermieten Groljes Geschäftshaus für jede Branche In der besten& GeschUftsiege der Stadt. Eigentümer N. Aron. 10 rue | de la Commune. 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