Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 133— 1. Jahrgang I Saarbrücken, Saiwtag, 25. November 1933 j Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt Suae UHtee Välheebundseeqime Seite 3 Vau dec£uUe aqqtessiu! Seite 4 Stutz Saccauts Seite 5 Dennach Jiceuzzuq, Seite 5 JusecateuteU beachten! Doppelspiel des RtldisKaniltrs Nene Enthüllungen des„Petit Parisien"- Die französische Regierung mißachtet den deutschen Protest- Erhöhtes mißtrauen Der„Petit Parisien" setzt seine Enthüllungen über °'e vergiftende Weltpropaganda der deutschen Reichsregie- rung fort. Herr Göbbels hat alles in Bausch und Bogen Zementiert. Allerdings vor einigen Tagen schon. Jetzt schweigt er, und es ist sehr vielsagend, wenn dieser unermüd- »che Wahrheitszeuge für einige Tage sich des Redens und Schreibens enthält. Die deutsche Presse aber schweigt leider nicht. Daß sie für Deutschland einzutreten hat, ist selbstverständlich. Das tun wir auch. Wie sie es aber macht, ist das Verhängnis. Es läge nahe, mit amtlichem Material, etwa mit den wirklichen Propagandagrundsätzen des Ministeriums gegen die angcb- «ch verlogenen Enthüllungen zu kämpfen. Davon aber liest wan kein Wort, sondern die deutsche Presse lügt und àt Oerade dadurch den Veröffentlichungen des„Petit Parisien" äen Charakter voller Echtheit. Es ist für den Kenner der französischen Pressevcrhältnisie einfach lächerlich, den„Petit Parisien" als ein„schmutziges Hetzblatt" abtun zu wollen, wit dem man sich nicht auseinandersetzen könne. Der„Petit Parisien" ist nicht auf eine Stufe mit dem„Angriff" des Herrn Göbbels zu setzen. Das Blatt ist nicht nur eine der ärößten, sondern auch eine der angesehensten Zeitungen Europas. Nie hat ihm jemand mit Grund Sensations- Nascherei vorwerfen können. Es macht nicht den„Petit Parisien", sondern die deutsche Preste unmöglich, wenn sie so tut, als sei gerade dieses Blatt irgendwelchen politischen Hochstaplern aufgesessen, die ihm gefälschte Dokumente an- äedreht hätten. Eine Zeitung wie der„Petit Parisien" vcr- öfsentlicht nicht Schriftstücke von so weittragender Bedeu- lung, wenn es sich nicht der Echtheit seines Materials ver- sichert hat und sich auch über die politischen Wirkungen klar geworden ist. Es ist auch anzunehmen, daß es sich vor der Veröffentlichung mit gewissen Stellen der französischen Re- aicrung in Verbindung gesetzt hat. Ein politisches Ereignis von solchem Ausmaß wird von l'en dunklen Gehirnen, die in Deutschlands gleichgeschalteter Presse sitzen, im Stil einer Kaschemmenrauferei beurteilt. Wir nehmen uns das größte der von der deutschen Regie- rung bezahlten und beeinflußten Blätter an der Saar her« °us und lesen da:„Das schmutzige Hetzblatt, erstunkene Lägen, journalistische Dreckschleuder, Drcckblatt, journa- listische Kanaille, belastete Verbrecher, politisches Giftgas, borniert, politische Sudelei, Schmutzfeder eines erkauften Chefredakteurs oder eines ausgewanderten Halunken, Haderlumpen, Giftmischerei, gewissenloser Schreiberling und internationaler Schandpfahl." Man ruft das französische Volk dagegen auf. daß eine wüste Stimmungsmache zu Haß und Krieg sich entwickle. De» Enthüllungen des„Petit Parisien" werden die fried- wichen Worte des deutschen Reichskanzlers gegenübergestellt. Man sollte das bleiben lassen. Gerade über Propaganda hat dieser selbe Herr Reichskanzler in seinem noch immer ver- breiteten Buche„Mein Kampf" Worte geprägt, die jedes, aber auch jedes Mittel der Propaganda hei- ligen, wenn sie gegen den Friedcnsvertag von Versailles ge- richtet ist. Man liest da auf Seite 714—715 der neuesten zwei- bändigen Ausgabe: „Wie konnte dieses Instrument einer maßlosen Er» Pressung und schmachvollsten Erniedrigung in den Händen einer wollenden Regierung zum Mittel werden, d i e nationalen Leidenschaften bis zur Siede- Hitze aufzupeitschen! Wie konnte bei einer genialen propagandistischen Verwertung dieser sadistischen Grausamkeiten die Gleich- gitltigkeit eines Volkes zur Empörung und die Empörung zur hellsten Wut gesteigert werden! Wie konnte man jeden einzelnen dieser Punkte dem Ge- Hirn und der Empfindung dieses Volkes so lange ein- brennen, bis endlich in sechzig Millionen Söpsen, bei Männern und Weibern, die gemeinsam empfundene Scham und der gemeinsame Haß zu jenem einzigen feurige« Flammenmeer geworden wäre, aus dessen Gluten dann stahlhart ein Wille emporsteigt und ein Schrei sich herauspreßt: Wir wollen wieder Waffen! Jawohl, dazu kann ein solcher Friedensvertrag dienen. — Dann muß allerdings von der Fibel des Kindes an» gefangen bis zur letzten Zeitung, jedes Theater und jedes Kino, jede Plakatsäule und jede freie Bretterwand in den Dienst dieser einzigen großen Mission gestellt werden, bis daß das Angstgcbet unserer heutigen Bercinspatrioten „Herr mach uns frei!" sich in dem Gehirn des kleinsten Jungen verwandelt zur glühenden Bitte:„Allmächtiger Gott, segne dereinst unsere Waffen: sei so gerecht, wie du es immer warst: urteile jetzt, ob wir die Freiheit nun verdienen? Herr segne unseren Kamps!" Was mutet man dem Auslande zu, wenn man verlangt, es solle den Fricdensworten eines Staatschcfs glauben, der neben seinen Friedcnsreden die glühenden Habbckenntnisse zur selben Zeit drucken und millionenfach verbreiten läßt. Die Welt außerhalb Deutschlands, die sich nun einmal nicht gleichschalten läßt, verlangt endlich Klarheit. Der Reichs- kanzler will eine Aussprache mit Frankreich. Wir nehmen an, daß diese diplomatische Diskussion auf irgendwelche Art in Gang gesetzt werden wird. Die Veröffentlichungen des „Petit Parisien" sind zwar eine für Deutschland sehr un- willkommene Einleitung dieser Aussprache, aber man würbe sich irren, wenn man glauben sollte, Deutschland könne auf die Klärung der hier aufgeworfenen Probleme verzichten. Daß der„Petit Parisien" seine Veröffentlichungen trotz dem diplomatischen Protest der deutschen Reichsrcgicrung bei der Regierung der französischen Republik fortsetzt, er- höht die große politische Bedeutung der Aktion dieser süh- renden französischen Zeitung. Man muß annehmen, baß der Protest der deutschen Reichsregierung in Paris nicht ernst genommen worden ist und die französische Regierung nichts unternommen hat, um weitere Enthüllungen aufzuhalten. Wenn ein Blatt wie der„Petit Parisien" trotz dem amtlichen deutschen Schritt, trotz immer wiederholter Friedensbeteue- rung Hitlers sich entschließt, seine Kampagne fortzusetzen, so heißt das eben: Wir glauben euch kein Wort. Edilhelf des Dokuments Der„Petit Parisien" schreibt u. a.: „Zur Stunde weiß die Reichsregierung, die bereits von gewissen weit entfernten Gesandtschasten über ei« bebaue», liches Verschwinden von Schriftstücken unterrichtet ist, unter welchen Umständen diese vertraulichen Dokumente in die Hände eines Redakteurs des„Petit Parisien" ge, langt find." Die Enthüllungen des„Petit Parisien" haben im Aus- wältigen Ausschuß der Kammer große Erregung hervor- gerufen. Auf den Antrag des Abg. Have beschloß die Kom- Mission, den Außenminister Paul-Boncour um nähere An- gaben über das Dokument zu bitten. Aufforderung! Die„Saarbrücker Zeitung"(Nr. 319) deutet an. Uns liegen Anzeichen dafür vor, daß sogar einig« ehemalige„deutsche C h e s r e d a k t eu r e", die mit Schimpf und Schande aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgestoßen worden sind und sogenannte„flüchtige Beamte" des Weimarer Systems ihre schmic- rigen Hände in diesem Intrigenspiel haben. Wir fordern das Blatt auf, sich nicht mit so üblen Andeu« tungen zu begnügen. Heraus mit den Namen! Was„stein parisien" weiß Aus seinen neuesten Enthüllungen Einteilung Da, große Pariser Blatt versieht seine neuen Enthüllungen mit folgenden einleitenden Worten: Die von uns veröffentlichten Dokumente über die Richtlinien der deutschen Propaganda im Auslande haben einen gewissen Widerhall gefunden. Wir könnten die Uebersetjung fortführen, aber wir fürchten, daß Länge(sie enthalten noch 30 Seiten in deutscher Schreibmaschinenschrift, eng geschrieben) und technische Einzelheiten die Leser langweilen würden. Wir behalten uns eine spätere vollständige Veröffentlichung, die den deutschen Urtext enthalten würde, in Broschürenform vor. Für heute dürfte es genügen, um auf gewisse Anfragen zu antworten, mitzuteilen, daß die letzte Seite des Dokuments das Datum von September 1933 enthält. Heute unterbreiten wir dem Publikum ein noch neueres Stück, das sich auf den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund bezieht. Wieder handelt es sich um eine Denkschrift, die das Zentralbüro in Berlin an die deutschen Agenten im Auslande richtet. Wir verzichten darauf, es zu analysieren, denn seine Lektüre ist fesselnd. Wir beschränken uns darauf, einige der darin enthaltenen Anweisungen hervorzuheben: a) Deutschland versucht eine versteckte Propaganda, um die wirklichen Gründe seiner Abkehr von Genf zu verhüllen. b) Deutschland erwartet den endgültigen Mißerfolg der Abrüstungskonferenz, um vor der Welt zu versichern, daß es sich nicht mehr an die militärischen Klauseln des Ver- sailler Vertrags gebunden betrachtet. c) Deutschland widersetzt sich jeglicher Rüstungskontrolle, solange Frankreich sein Gegner bleibt. d) Die Deutschen besitzen gewisse Kriegsmittel, die, wenn man ihnen Glauben schenkt, ihnen erlauben würden, in gewissem Maße die Bedingungen von Versailles zu umgehen und sich bis zu einem gewissen Grade den Nachforschungen der Auskunftsstellen zu entziehen. Es ist möglich, daß wir telegrafisch bis heute abend das gewöhnliche Dementi aus Berlin erhalten. Zu dieser Stunde weiß das Reich, welches durch gewisse ferne Gesandtschaften von einer bedauerlichen Flucht unterrichtet sein wird, welcher Spur es folgen muß, um die Umstände zu erforschen, welche diese vertraulichen Denkschriften in die Hände eines Redakteurs des„Petit Parisien" spielten. Das neue Dokument ist das erdrückendste, das veröffentlicht worden ist. Indem wir es bekanntmachen, wollen wir nicht durch Sensationen die öffentliche Meinung erregen. Wir haben diese Veröffentlichung nicht leichten Herzens unternommen, denn wir waren immer Anhänger des guten Einvernehmens zwischen den Völkern. „AUDI" der Reldisregterung Da wir diese Beweisstücke besaßen, mußten wir sie bekanntgeben. Vielleicht offenbaren sie nichts Neues. Sie bestätigen nur, was viele Menschen in Europa leise denken oder mehr oder weniger laut aussprechen. Vor einigen Wochen schrieb uns ein zuverlässiger Freund aus Berlin: „Eine große diplomatische Aktivität des Nationalsozialismus und immer dringendere Liebeserklärungen gegenüber Frankreich sind vorauszusehen. Es handelt sich für die Regierung darum, sich ein Alibi zu beschaffen und Frankreich für alle Ereignisse verantwortlich zu machen, weil es die „biedere Hand"(loyal), die ihm Hitler reichte, zurückgestoßen hat." Das gerade haben die Veröffentlichungen des„Petit Parisien" bewiesen. Frankreich ist, wie Paul-Boncour vor einigen Tagen in der Kammer erklärte, immer bereit, zuzuhören, aber er hat nicht gesagt, daß es an alles glaube. Man spricht von Unterredungen; sie sind das Handwerk der Diplomaten, manchmal sogar, um nichts zu sagen. Aber wenn man sich ernsthaft unterhalten will, so muß man seine Karten zeigen. Es ist zu einfach, wenn einer der Partner erklärt:„Was wir durch 100 000 Stimmen des Radio, der Presse, in Reden, in Broschüren gesagt haben, um zur Macht zu gelangen, wir sagen es nicht mehr; es war nur ein Spiel." Man muß es dann zugeben und vor aller Welt feierlich bekennen— und Garantien geben. Hat man sie durch den Austritt aus dem Vökerbund gegeben? Das Dokument, das wir veröffentlichen, antwortet deutlich darauf. Aus dem Dokument Zwedi der verirauitdien Sdirlflsfüdte Die folgenden Informationen haben den Zweck, die deutschen Propagandastellen im Ausland mit einem zuverlässigen Dokument zu versehen, damit der.Propaganda- und Informationsdienst der neuen Lage angepaßt werde, die durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und durch das Verlassen der Abrüstungskonferenz geschaffen wurde. Dieses Dokument muß als streng vertraulich betrachtet werden. Es darf nur in soweit journalistisch ausgewertet werden, als es zu Informationen im Interesse Deutschlands dienen kann. Die genaue Darlegung der deutschen Pläne und Ziele darf nur in äußerst vorsichtiger Form verwandt werden, um aus ihr wichtige Argumente für die Propaganda im Ausland zu gewinnen. Weder die kurze Zusammenfassung der früheren Ereignisse, noch die Ausführungen über die Aussichten der Lage sind zur Veröffentlichung bestimmt. Es versteht sich von selbst, daß diese Instruktion, deren Wichtigkeit auf der Hand liegt, durchaus nicht in unberufene Hände fallen darf. Vorbereitungen ittr günstigen Moment Die Mitarbeit Deutschlands in Genf ist von den früheren deutschen Regierungen beschlossen worden. Die nationalsozialistische Regierung hatte diese Entscheidung sich nicht zu eigen gemacht; sie hat es trotzdem für nützlich erachtet, die einmal begonnene Zusammenarbeit fortzusetzen, um auf diese Weise durch ihre Vertreter mit den Vertretern der übrigen Mächte gleichsam auf neutralem Boden Fühlung zu erhalten- Die nationalsozialistische Regierung und in erster Linie dér Führer waren sich bewußt, daß diese Zusammenarbeit an dem Tage ihr natürliches Ende finden müßte, an dem es sich klar zeigen würde, daß man nicht gewillt ist, die berechtigten Forderungen des neuen Deutschland zu erfüllen. Nach der Wendung, die die Ereignisse in den letzten Monaten genommen hatten, mußte man erwarten, daß dieses Ende bald kommen würde. Die deutsche Regierung traf auch für diese Möglichkeit ihre Vorbereitungen. Sie wartete aber für ihr« Entscheidung einen günstigen Moment ab. rranzüslsdie Regierung und Geheimagenten Dieser Augenblick war gekommen, als die deutschen Vertreter in Genf und die Reichsregierung in durchaus eindeutiger Weise durch ihre diplomatischen Vertreter vom Standpunkt der französischen und englischen Regierung Kenntnis erhielten. Demnach waren diese beiden Regierungen entschlossen, Deutschland gegenüber die Einlösung des Versprechens zu verweigern, das sie ihm im vergangenen Dezember gegeben hatten, und bereiteten eine neue Definition der Gleichberechtigung vor, die Deutschland auf dem Gebiete der Abrüstung eingeräumt werden sollte. Wir wußten, daß diese Betrachtungsweise, die eine Beleidigung für das deutsche Volk bedeutet, durch Berichte verursacht worden ist, welche die französische Regierung durch ihre Geheimagenten in Deutschland erhielt; in diesen ist die Rede von gewaltigen geheimen Rüstungen Deutschlands und von einer allgemeinen Vorbereitung des Reichs auf einen neuen kriegerischen Konflikt. Wir wußten ebenfalls, daß deutsche Emigranten den französischen Agenten Dokumente Uber deutsche Militär- Organisationen ausgeliefert haben und daß ehemalige Reichs- tagsabgeordnete offenbar unseren Gegnern streng vertrauliche Dokumente gegeben- haben, die den Kommissionen Ubergeben worden waren und eine gewisse Zeit zurückliegen. Man braucht nicht besonders zu erwähnen, daß diese Informationen von den früheren Regierungen verschiedenen Kommissionen des alten Reichstags übermittelt worden waren. Der offensichtliche Mißbrauch dieser vertraulichen Informationen durch gewisse Abgeordnete ist übrigens ein neuer Beweis für die Notwendigkeit^ ein Parlament zu beseitigen, in dem die Vertreter der Opposition dieselben Rechte genossen wie die der Regierungsparteien. Alles als„lüüeoliair bezeichnet Es ist weder möglich noch notwendig, im allgemeinen auf die Dokumente einzugehen, die den Gegnern Deutschlands zur Verfügung gestellt wurden. Aber es versteht sich von selbst, daß die deutsche Propaganda im Ausland alle aus- ländischen Veröffentlichungen, die sie ausxunufjen versuchen, als lügenhaft bezeichnen müssen. Jedenfalls steht fest, daß wir Informationen besitzen, nach denen der Wechsel in der Haltung der französischen und englischen Regierungen Deutschland gegenüber durch die solcher Art entwendeten Dokumente bestimmt wurde, außerdem ohne jeden Zweifel auch durch die Feindseligkeit, die man gegenüber der nationalsozialistischen Regierung in Paris und London empfindet. Bei dieser Lage der Dinge, durfte man schon seit mehreren Wochen nicht mehr hoffen, daß Deutschland in dieser Zeit bei den Verhandlungen in Genf, die von neuem das Ab- rüstungsproblem behandeln sollten, seine Forderungen durchsetzen würde. Verhandlungen zum Scheitern verurteilt Bai den Vorverhandlungen mit den Vertretern Englands und der Vereinigten Staaten hatte Frankreich in erster Linie die Notwendigkeit einer ausgedehnten, dauernden und automatischen Rüstungskontrolle betont. Diese Forderung bedeutete eine besondere Kontrolle für Deutschland, die natürlich aus Prestige- und anderen Gründen für das Reich durchaus unannehmbar war und bleibt- Die Einführung einer sogenannten Probezeit, während der Deutschland im Verlaufe einiger Jahre seine Bereitschaft, die vertragsmäßigen Verpflichtungen einzuhalten, beweisen sollte, mußte von Deutschland in der neuen Form zurück gewiesen werden, die vorgesehen war. Vielleicht hätte man versuchen können, diese Einführung der Probezeit erst im Laufe der weiteren Verhandlungen in Genf zurückzuweisen, wenn sich der Reichsregierung die Möglichkeit geboten hätte, eine grundsätzliche Aenderung der Vertragspunkte von Versailles erfolgreich durchzusetzen, die sich auf die Rüstung beziehen. Diese Aussicht bestand nicht, wie wir aus vertraulichen Informationen, die aus anderen europäischen Hauptstädten zugegangen waren, wußten. Die Regierung mußte also aus der Lage die Folgerungen ziehen, die für diesen Fall vorgesehen waren. Der von der Regierung gefaßte Entschluß ist unwiderruflich, solange sich die gegenwärtige außenpolitische Lage nicht verändert. Mit anderen Worten: die Revision der deutschen Entscheidung hängt von der Revision des Diktats von Versailles ab. Da die französische Regierung nicht geneigt ist, diese zuzulassen, kann man voraussehen, daß die Verhandlungen, die gewiß beginnen werden, um zu einem Kompromiß zu gelangen, zum Scheitern verurteilt sind. „In Heiner Weise zur direkten Veröffen'lidinng' Man muß also damit rechnen, daß Deutschland sehr lange Zeit von Genf fernbleiben wird, obwohl man versuchen wird, aus der Abwesenheit der deutschen Vertreter Nutzen zu ziehen, um Deutschland Unannehmlichkeiten zu bereiten. Die Reichsregierung wird außerhalb von Genf, wenn es notwendig ist, die Interessen zu wahren wissen, deren sie sich im Rahmen der Zusammenarbeit des Völkerbunds besonders angenommen hat z. B. des Minoritätennroblems. Um den Mitarbeitern bei der deutschen Propaganda im Ausland die Möglichkeit zu geben, ihre Handlungen der neuen Lage anzupassen geben wir im folgenden eine kurze, streng vertraut.che Zusammenfassung der historischen Ereignisse. Diese Ausführungen, welche den Ansichten und den daraus resultierenden Plänen der Reichsregierung entsprechen, sind in keiner Weise zur direkten Veröffentlichung In der Piesse zu verwenden. Sie sind dazu bestimmt, die Argumente zu liefern, die unter Umständen dam Ausland zu liefern nützlich erscheint. Deutsche Aufrüstung nldit zu beweisen Es wird dann in dem vom„Petit Parisien" veröffentlichten Dokument im Einzelnen dargelegt wie die Presse die Schuld an der Zuspitzung in Genf und an dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, vor allem der englischen Regierung und dem britischen Außenminister John Simon susehieben soll. Hier ist die Haltung der gesamten gleichgeschalteten Presse seit dem 14. Oktober der klarste Beweis, den sich die Franzosen nur wünschen können, für die Echtheit des Dokuments. Das Schriftstück stellt dann die Aufgabe, wie die Friedensliebe Deutschlands dem Ausland klar gemacht werden könne, und fährt fort: Es ist nicht sehr schwer, dem Ausland einleuchtend darzulegen daß Deutschland, welches angesichts der Welt abgerüstet hat. keinesfalls einen Krieg wünschen kann Selbst wenn man annimmt, daß ein Teil der öffentlichen Meinung nicht glaubt, daß die Abrüstung Deutschlands man kann die Tatsache der Abrüstung gar nicht oft genug unterstreichen— den Forderungen des Diktats von Versailles entspricht, so wird doch niemand in der Lsge sein, einen vollwertigen Beweis für die Vorbereitungen su einem deutschen Angriff durch Dokumente zu erbringen, die sich auf nicht offizielle Verteidigungsmaßnahmen beziehen und die sjch in fremden Händen befinden können. Militarist»« Verbünde und(rüdere ROsfungsireihen Der Rüstungsstand Deutschlands ist in der Tat militärisch viel zu schwach, selbst wenn man den nationalen Verbänden, die jetzt der Regierung treu ergeben sind,». B. den nationalsozialistischen halbmilitärischen Verbänden, einschließlich Stahlhelms, einigen militärischen Wert beimißt. Die maßgebenden deutschen Stellen unterschätzten diesen militärischen Wert nicht und auch nicht die zur Verfügung stehenden Reserven, von denen dasselbe gilt. Aber man muß angesichts der schwer bewaffneten Nachbarn erkennen, daß Deutschland vom militäriachen Standpunkt aus beute nooh absolut unterlegen ist. Es steht fest, daß bei den Verheudlungen in Genf die feindlichen Mächte niemals dazu heigetragen hätten, diese Unterlegenheit verschwinden zu lassen. Erst recht wäre alles, was unter den Augen einer internationalen Kontrolle zur Stärkung der nationalen Verteidigung Deutschlands hätte geschehen können— nicht zu reden von Vorbereitungen für einen Angriff— unzureichend gewesen, um auch nur die Möglichkeit eines militärischen Konflikts zwischen Deutschland und einigen seiner Nachbarn ins Auge zu fassen. Von dem Augenblick an, in dem es feststand, daß die internationale Rüstungskontrolle, die in Genf a|« erster Verband- lungspunkt zur Debatte stand, in Wirklichkeit nur eine Son- derkontrolle Deutschlands sein würde, hatte Deutschland kein Interesse mehr daran, den Verhandlungen über diese Frage ernsthaft zu folgen. E* hztte auch keine Interesse daran, die Verhandlungen über diesen Punkt in die Länge zu ziehen, denn Deutschland wäre immer moralisch an seine Erklärung gebunden geblieben, nach der es die Bestimmung«» des Diktats von Versailles bezüglich der Rüstung erfülle» mußte- Die von Deutschland getroffene Entscheidung hat jetzt die Lage zu Gunsten einer größeren Freiheit der Reichsregierung verschoben; Deutschland kann jetzt versuchen, sich verbotene Waffen zu besorgen, um zu sehen, wie die anderen Mächte darauf reagieren. nun läßt es daran- ankommen! Et liegt vollkommen in der Absicht der Deutschen, daß man sehr kurze Zeit, nachdem die deutschen Vertreter aus Genf abgereist waren, durchsickern ließ, daß die deutsche Regierung bestimmte Waffen, die man als reine Verteidigungswaffen betrachten kann, die aber in Deutschland durch den Vertrag von Versailles verboten sind, der Reichswehr zur Verfügung stellen würde. Wenn in Zukunft festgestellt würde, daß Deutschland die Vorschriften des Vertrages von Versailles bezüglich der Aufrüstung durchbrochen hat, soll die deutsche Propagandisten* im Ausland die Sache als eine Probe dieser Art hinstellen. Sie wird immer die Wichtigkeit der fraglichen Maßnahmen welcher Art sie auch seien— als lächerlich bezeichnen, indent zie erklärt, daß nicht eine vereinzelte Maßnahme eine Drohung für die Nachbarn Deutschlands darstellen kann. Im übrigen wird es das Reich vermeiden, offiaiell au erklären, daß es sich bezüglich der Rüstungen durch da* Ver- sailler Diktat nicht mehr gebunden fühle, wenigstem solang* die Abrüstungskonferenz noch existiert; sie wird folglich auch dann keine Erklärung abgeben, wenn sie nur vertagt werden sollte, solange noch irgendwelche Verhandlungen mit Deutschland stattfinden, die über den Streitpunkt zu einer Einigung führen können. Flau wurde handeln! Vertrauenswürdige Berichte, die una zu Ohren gekommen zind und von einer befreundeten Regierung stammen, behaupten, daß die Abrüstungskonferenz nicht auffliegen, sondern, daß man sich im Geganteil bemühen wird, ai* eu vertagen und ihr eine Seheinexistena au aicberu. Das ist wichtig« weil es beweist, daß man Deutschland die Möglichkeit nehmen will— auf AU ta Gründe gestützt—- zu erklären, daß nach einem endgültigen Scheitern der Ahr üs tup gl Verhandlungen und nach dem Nichteinhalten der von den übrigen Staaten Deutschland gegenüber übernommenen Verpflichtungen, Deutschland saiuerseits sich nicht mehr an die Vorschriften des Diktats von Versailles bezüglich der Abrüstung gebunden fühlen kann. Natürlich wird das Reich sich nicht mit endlosen Vertagungen zufrieden geben, sondern es wird in kuraer Zeit— natürlich kann man den Augenblick im voraus nicht bestimmen-— gans unverblümt anfragen, wie es mit der Abrüstung der anderen bestellt sei. Wenn die Reidisregierung auf diese Frage— wie es zu erwarten ist— eine unzulängliche Antwort erhält, so ist vor der Welt der Beweis erbracht, daß Deutschland das Recht hat, sieh von seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag von Versailles entbunden zu fühlen. Es wird dabei auf umso größere* Verständnis stoßen, als es wieder einmal die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung in machtvoller Weise und durch überieugende Argumente auf sich gezogen hat; man wird einsehen, daß der Zustand, in dem sich Deutschland durch da» Fehlen einer nationalen Verteidigung befindet. v-III- unhaltbar ist.... Belgischer Vorschlag? Eine beachtliche Stimme Das grob« liberal« Blaft„8« Soir* in Brüssel beantwor» tet die Frage, ob die Bersailler-Mächt« mit Hitler in Unters Handlungen eintreten sollen, unter gewisse« Bedingnngen positiv und schlägt im»vetteren vor, Deutschland in de« Ara- gen des Saargedietes, der dentschen Kolonien und der Schuld am Weltkriege entgegenzukommen, um eine aufrichtige, voll- ständige und endgültige Wiederv«rsöHnung der ehemaligen Kriegsgegner zu verwirklichen. Rcldistagsbrandprozcß G« Ne meineidig Kronzeuge des Oberreichsanwalts Leipzig,, 34. Nov. In bet Areitagsverhandlung des Reichstagsbrandprozesses»verden di« Zeugenvernehmungen fort- geseht. Zu der Aussage de» Zeugen Barz»vird Krau Beyer vernommen, die da»nals als Pflegerin bei Barz wohnte und für dessen Kinder sorgte. Die Zeugin bezeich- net es unter ihrem Eid ausdrücklich als ausgeschlossen, dass «ine solch« Besprechung, wie fie der Zenge Kröche behauptet hat» in der Wohnung von Barz stattgesunden habe. Zur gleichen Frage»vird als Zeugin Fräulein Macke vernommen, die in jener Zeit Untermieterin bei Barz»vor. Tie weiss ebenfalls von keiner solchen Besprechung, kann aber auch nichts Pesttmmtes darüber sagen, weil fie selten in der Wohnung»vetlte. Die Verhandlung dauert fort, /uctiihaus Für einen ehemaligen Vizepräsidenten Halle, 34. Nov. Der früher« Landrat d«S Kreis«? Merseburg, Dr. Guske, zuletzt Vizepräsident beim Oberpräsidium in Koblenz, wurde nach sUnitäg'ger Vervandiung wegen winnsuchtiger Untreue in drei Fallen, einfacher llttreue einem Falle und»vegen schwerer Bestechung t« einem F von der Strafkammer Hall« zu einer Gesamtstrafe von dre Jahren Zuchthaus und»uns Jahren Mrverlust verurte.lb DaS befchlaanahmt« Geld»« Höh« W« i W000' wird dem Staate als vertallen erklart. Dr.»««'«'«*» seiner Eigenschaft als La,»brat des KretseS Merseburg die Kreissparkasse und Kommunalkasse dadurch geschädigt, von «i über Vermögenswerte der Kaisenlet gen mächtig zu'» Schaden der Kassen verfügte. Wetter hatte er i«M«« Eigenschaft alS Vorsitzender der«aukommtsston Siedlung Dürrenberg BestechungSgelder von Generaldirektor»« AHAG.. Direktor Sommerfeld, angenommen. o Man beachte! Selbst dieser halbamtliche Bericht wagt nicht zu behaupten, bass Guske sich bereichert habe. ES ist im Augenblick nicht nachzuprüfen, wie es um die Beschuldigungen wirklich steht. Anscheinend handelt es sich",n Zuwendungen zugunsten einer gemeinnützigen Siedlung. Der Pro zess dürfte ein Ra»cakt gegen den Republikaner Dr. G»Ae sein, der steh wegen seiner aufrechten Gestnnuna bei den«Na tionalsoztalisten besonders verbaht gemacht hat. Mehr Uniformen! Berlin. 28. Nov. Der Reichsmintster der Luftfahrt bat d»e Einführung einer besonderen Bekleidung lstr Angehörige d«r deutschen Luftfahrt genehmigt. Diese Bekleidung lehnt stch in» Schnitt und In den Abzeichen an ble Uniformen der SA. uno SS. an. Sie wird durch Reichsminister Görina In feiner Elgenschaf» als Ehrenpräsident des Deutschen Luttsportver- banbes verliehen, und zwar—»vorauf besonders hinzuweisen ist— nur aus Widerruf alS eine AuSzeichnuna an Eime»' Personen, die Mitglieder der Fliegerstürme des Deutschet Luttsportverbandes sein müssen? sie muh au» eigenen M»- teln Nazi-Pfarrer abgesetzt Nach einer Meldung an» Innsbruck find dort zwei««««' geltich« Pfarrer Ihre» Dienste» als ReligionSlehrer an den Schulen enthoben worden, da fi« im verdacht nattonalsozie« listischcr Betätigung stehen. Dk Soor unlcr folkerbundsreginK: Die Regierungskommission wehrt sldi gegen die terroristische Diktator der Nationalsozialisten- rehhalte Debatten Im landesrat— freiheltsiront gegen„deutsche Front" Saarbrücken» 24. November. Der Lanöesrat des Saargebictö beschäftigte sich gestern wieder mit einer Reihe von Verordnungsvorlagen, die die Eindämmung des Nazi-Terrors an der Saar erreichen sollen. Es handelt sich um Verordnungen gegen den Flaggen- und Abzeichen-Terror, gegen Mißbrauch des Amtes seitens der gleichgeschalteten Beamten und gegen die Gleichschaltungs» exekutive im allgemeinen. Tie„deutsche Front" wollte sich, angesichts der dem Nazi- und Gleichgeschalteten-Terror drohenden Beschränkungen, ^uergisch zur Wehr sehen. Fünfviertel Stunde Redezeit hatte ne sich daher vorweg gesichert und durch vier Redner aus- nützen lasien. Das war eine neue Taktik. Bisher hatte sich me«deutsche Front" auf die Abgabe einer längeren Er» "ärung beschränkt. Nun ist man anscheinend schon„einiger" «nd läßt daher alle„Kaliber" auf die Linken sausen. Die Einschläge waren gleich null: dafür war das„Siegesgeheul" um so stärker. Der frühere volksparteiliche Abg. Schmelzer benutzte Zweidrittel seiner Rede, um in persönlich ge- massiger Weise gegen Max Braun vorzugehen. Seine -.Minierarbeit" aber wurde auch be» den Kommunisten er- tonnt, denn sie lehnten die„Mitarbeit", um die sie Herr Schmelzer ersuchte, dankend ab. Die Beamtenfront der Gleichgeschalteten wurde von einem weiteren„Deutsch- Front"-Redner„gehalten", indem er behauptete, daß es »Pflicht" der deutschen Beamten sei, im Dienst und außer Dienst sich für die„deutsche Abstimmung" zu betätigen. Dieser «eamtenvertreter unterstellt dabei als selbstverständlich, daß deutsch sein mit dem SA.-Banditentum gleichgeschaltet sein beißt. Der Mann hatte anscheinend gar nicht bemerkt, daß er damit den Terror der gleichgeschalteten Beamten gegen Nichtgleichgeschaltete nicht nur zugab, sondern sogar als be- lechtigt hinstellte. So weit ist es also schon im Saargebiet gekommen. Nun kamen drei kommunistische Redner zu Wort. Der Abg. Hey verbeulte die„deutsche Front", während sein Fraktions- freund Sommer gegen die Verordnungen sprach, weil sie sich zuletzt nur gegen die Arbeiter richten würden. Der Abg. Lorenz sprach in der gewohnten Weise gegen alle. Von sozialdemokratischer Seite sprachen die Abgeordneten Braun, Lieser und Petri. Max Braun wies erneut das große Schuldkonto der Nazis an der Saar nach und stauchte den Abgeordneten Schmelzer mitsamt seinen bemagogischen Kunststückchen grünblich zurecht. Abgeordneter Lieser erklärte, das Verhalten der Nazis an der Saar, die Terrorakte und Schikanierungen der Nicht- gleichgschalteten haben die Verordnung förmlich herbei- gezwungen. Die Sozialdemokraten stimmten daher im Interesse der Nichtgleichgeschaltetcn und zur Einschränkung des Nazi-Terrors den Vorlagen zu. An zahlreichen Beispielen bewies Abgeordn. Petri den Terror und legte die Methoden der Gleichgeschalteten offen, wie sie sich in den Schulen der Kirche, bei allen Aemtern, kommunalen und Regierungsämtern, bei der Polizei, den Gerichten, bei Eisenbahn und Post und ebenso in den Privat- betrieben auswirken- Für die zahlreichen Opfer der Nazi» Politik, die es verstand, die Verordnungen der Regie» rungskommission nach der falschen Richtung abzubiegen, ver- langt Abg. Petri namens der sozialdemokratischen Frak- tion eine Amnestie. Die„deutsche Front" versuchte durch anhaltende Unruhe, durch Zwischenrufe, besonders die Ausführungen des Ge- Possen Braun zu stören. Sie war diesmal nicht ausgerissen unter Zurücklassung des Pfarrers Wilhelm als Horchposten. Dafür lärmte sie aber kräftig drauf los,' kamen aber mit allen Zwischenrufen nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Die Borte Max Brauns setzten sich durch trotz allen Ge- kläff«.- Auch diesmal waren die Tribünen äußerst stark besetzt. Besonders waren die Beamten zahlreich erschienen. Sie woll- ten anscheinend wittern woher und welcher Wind im Saar- gebiet weht. Alle haben wohl erkannt, daß die antifaschistische Front an der Saar, wenn sie auch nicht erheblich auftritt, aber dennoch stärker ist, als sie glauben. Ans den Reden Max Braun ES ist tief bedauerlich, daß der in der Menschheits» »«schichte beispiellose Terror des Hakenkreuzbarbarismus zu solchen gesetzlichen Maßnahmen im Saargebiet zwingt— aber am b e d a u e r l i ch st e n ist, daß wir nicht einmal sagen können, baß diese Gesetze zu weit gingen, daß wir im Ge- »enteil feststellen müssen, daß der Schutz unserer Arbeiter in den Betrieben und aller nichtgleichgeichalteten Menschen im Saargebiet in ihrer Eristenz keineswegs restlos gewähr- leistet ist. Meine Herren von der nazistischen Front: Sie habe» jedes Recht verloren, sich über irgendeine Maßnahme zu be- schwere«, seitdem sie zu der unmenschlichen und bestialische« Unterdrückung aller Freiheit, Gleichberechtigung. Gercchtig- keit und Wahrheit in Hitlerdeutschland Beifall geklatscht und Ja und Amen gesagt haben. Sic haben sich selbst das beste und stärkste Argument des Selbstbestimmungskampses des Saarvolkes aus der Hand geschlagen: Solauge Ihr Führer und seine Despotie nicht Demokratie, Gleichberechtigung, Ge, rechtigkcit, Wahrheit und Recht im eigenen Lande den eigenen Volksgenossen zu geben bereit ist, solange ist Ihr Geschrei nur eine Dreistigkeit ohne moralischen Boden uud ohne jede innere Berechtigung. Wer so wie Sie und Ihre Parteigenossen übergelaufen ist und seitdem einen gleichgeschalteten Charakter mit sich herum- trägt, der sollte nicht ausrechte» Männern, die ihre materielle und physische Existenz anfs Spiel setzen, als„Mitläufer" be- zeichne». Wenn Sie aber hingehen und mich einen„unheilvolle» Manu" nennen, bin ich gezwungen Ihnen zu sagen, daß ein solches Wort aus Ihrem Munde für mich ein Kompliment bedeutet. Und wenn Sie sagen, meine Politik„führe ins Verderben" so sage ich Ihnen, daß es ein größeres Ver- derben als den Barbarismus des Hitlerregimes und den seiner Louzentrationslager und Zuchthäuser und seiner Kriegsgesahr nicht gibt!(Stärkste Zustimmung links.s Und nun zum Allertiefsten, ivas Sie sich heute an Niveau- losigkeit geleistet haben. Sie finden, daß ich gebügelte Hosen und Glace-Handschuhe trage und kein Proletarier sei, aber ein„aufwändiges Leben" führe. Nun,— ich besitze zwar nicht Ihr großes Haus und Anwesen, sondern nur eine Zwei- zimmerwohnung, ich habe noch nicht ein Prozent Ihres Ver- mögens, aber ich habe trotzdem immer mit Vergnügen und vollkommen neidlos festgestellt, mit welchem Stolz Sie Ihren Smoking trugen und welche Sorge Tie und Ihre Freunde hatten, als wir eines Tages in Paris anläßlich der Saar- Verhandlungen beim Botschafter Hoesch empfangen werden sollten und Sie mit Entsetzen feststellten, daß wir keinen Frack bei uns hatten.(Stürmische Heiterkeit.! Ich bin seinerzeit im Kampfe für die Rechte der Bevölke- rung gegen die Besatzungstruppe vom fremdländische« Kriegsgericht i« besetzten Gebiet zu 2 Monate« Gesängnis verurteilt worden und habe sie ebenso abgesessen, wie ich meine 10000 Fr. Strafe bezahlt habe. Das hindert mich nicht anzuerkennen, daß alles, was au Ueber- griffen durch Farbige geschah— und gegen diese Uebergrisfe habe ich anders gekämpft als Herr Schmelzer!— weit von dem übertroffen worden ist, was die braune« B« r b r e che r b a n d e« Röhms den eige- neu Bol ks genösse« tausendfach zugefügt haben!(Stürmische Zustimmung links.! Wir haben 191819 genau die gleiche Politik sür Frei» Heft, Gleichberechtigung, soziale Gercchtig» keit. Wahrheit und Recht gesührt, die auch heute das einzige Panier unseres Kampfes ist. Wir habe« uns nicht geändert, w> r sind die gleichen Freiheitskämpfer gegen jede Unterdrückungspolitik heute wie damals— geändert aber hat sich die Politik jener Leute, die sich zunächst nach Kriegsschluß in dem abgetrennten Gebiet nicht„Deutsch e", sondern„Liberale" Volkspartei nannten, die dann die schwarzrotgoldene Außenvolitik mit uns machten und die nunmehr bei ihrem vollkommenen Gegensatz, nämlich der Politik des Chauvinismus uud der Borbe» reitung desRevanchekrieges angekommen find,— die zur Z e r st ö r u n g Deutschlands führen muß. — weswegen gerade um des Deutschtums willen ent« schiedenster Kamps gegen Hitler gesührt werden muß! (Bravo!) Abg. Lieser Man gibt an, sür Freiheit und Ehre zu kämpsen. Man beschimpft den Gegner Verräter und Verleumder, beachtet aber nicht, daß die sogenannte deutsche Presse nie einen unehrlichere« Kamps geführt hat. wie im gegen- wärtigen Augenblick. Dieser Kampf muß ja unehrlich sein, weil er ja nicht aus innerer Ueberzeugung. sondern aus Be» fehl, auf Kommando gesührt werden muß. Ich habe den gegenseitigen Kampf der Verbündeten der„deutschen Front" geschildert und das„mannhafte" Verhalten der einzelnen Teile derselben gekennzeichnet. Ich habe besonders der ehe- maligen Zentrumspartei gezeigt, wohin der Weg führt. Eine Bestätigung hat ihre Anhängerschaft, soweit sie nach Trier gefahren ist— viele haben es vorgezogen, zu Hause zu bleiben—, und die Partei selbst erhalten. Göringsprach in Trier wieder, ähnlich wie srüher, von„roten Ratten" und„s ch w a r z- n M a u se l ö ch e r n". Gleich- schalten von heute auf morgen käme nicht in Frage. Er will sich im Saargebiet seine Leute schon merken und ähnliches mehr. Einen größeren Terroristen kann man sich kaum vor- stellen. Auch Reichskanzler Hitler ist nun den Fnßftapsen Görings und Beckers vom Saarzentrum gefolgt Während die letzteren die Emigranten als„Gesindel" bezeichneten, titulierte sie der Reichskanzler in seiner Rede in der Siemensstadt am 40. November 1938, die mit den Worten: „An meine Arbeiter" begann. dieEmigrantenalsein internationales Zigeunervolk. Ausrechte Deutsche, die sür ihre politische Ueberzeugung Haus, Hof, Gut. Existenz und Familie oerlassen mußten, die nicht wie jener Charakterheld, der das packende Drama„Die Weber" schrieb und darin in grausamer Weise den Kamps zwischen Kapitalismus«nd wirklichem Sozialismus kennzeichnete uud im entscheidenden Augenblick vor dem falschen Sozialismus kapitulierte, ihrer Ueberzeugung nicht untre« werden wollten, werden wie einstmals als„vatcrlandslose Gesellen" und von den jetzigen Führern des deutschen Kulturvolkes als„Gesindel" und„Zigeuner" beschimpft. Mit den E m i» grante« des Jahres 1918 ist der Reichskanzler glimpflicher verfahren. Er mußte zwar, weil er doch vor Arbeitern stand, um Stimmung zu machen, davon reden, daß nicht er, daß nicht das deutsche Volk, sondern die früheren Fürsten den Krieg verloren haben. Dieselben Fürsten aber, die in höchster Not das deutsche Volk treulos«nd feige ver- lassen haben, werden heute noch durch die Regierung des Bolkskanzlers sürstlich mit Abfindungen be» lohnt. Abg. Petri Die vorliegenden Bcrordnungsentwürse zeigen die außer, ordentlich gespannte Situation im Saargebiet. Was man 1032 nicht sür möglich gehalten hat, ist Tatsache geworden. Seit dem Hitler-Regime in Deutschland wird auch im Saar- gebiet snftematisch eine Hetzpropaganda, ein unerhörter Rassen- und Gesinnungsterror gegen andersdenkende Saar» deutsche ausgeübt. Acchtungen, Boykotts Grußzwang, Be- drohungen, Amtsmißbrauch, sind zum Glaubensbekenntnis geworden. In das noch im Jahre 1982 zu 95 Prozent sür Rückgliederung an Deutschland einige Saarvolk sind« n- erhörte Gegensätze gewissenlos hineingetragen worden. Im Wettbewerb eisern viele Intellektuelle aller Schattierungen, die Geistlichkeit, die Lehrer, die Industriellen, der gewerbliche Mittelftand, die Kommunal- und Staats- beamten um den Hitler-Geist im Saargcbiet in allen Gesell, schasts- und Wirtschaftsgebieten obligatorisch einzuführen. Wer in diesem Glcichschaltnngstaumel nicht mit- macht, kommt in die Feme- und Acchtungsliste. Es ist zum Erstaunen, wie die ehemaligen vielen bürgerlichen Inter- essengruppen in restauriertcr Verkleidung des nationalen Sozialismus heucheln und ihre Vergangenheit verleugnen. Noch zu keiner Zeit konnte sich die moralische und politische Verdorbenheit so auswirken, wie in der Gegenwart. Alles zu Ehren Deutschlands! Wer gestern noch der größte Tange- nichts, Säuser. Radaubruder, gewerbsmäßiger Fledderer war, kann über Nacht zum Nationalheiligcn erkoren werden, wenn er nur gleichgeschaltet«nd Andersdenkende terrori- sieren kann. Hunderte Terror- und Aechtnngssälle, Bonkott und Bedrohungen find in den letzten Monaten im Saar- gebiet zu verzeichnen. Monatelang sah es im Saargcbiet so aus als hätte die nationalsozialistische Parteileitung die Erekntivgewalt bereits übernommen. Der nicht gleich- geschaltete Bevölkcrnngsteil stand unter dem Eindruck, daß Polizei, Landiägerei und Justiz bereits ausführende Organe des Hitlerismus geworden seien. Der Gesinnungsterror gegen Wirte und G e- werbctreibende wird mit allem Eifer betrieben. Wirte, welche eine Linkspresse halten oder Linksparteien nichtgleich- geschalteten Gewerkschaften, Arbeitersport- und Arbeiter- aesangocreinen ihr Lokal überlassen, erhalten schreiben, worin ihnen Boykott angedroht und Rückgliederungsangst eingeflößt ivird. Dem Arbeiterturnverein und Arbeitergesangvcrcin„Bruder- bund" in Wellesweiler wurden das Uebungslokal, das lange Jahre von ihnen benutzt wurde, abgetrieben. Dem Wirt wurde der Boykott angekündigt, falls er diese freien Korporationen länger in seinem Lokal dulde. Der Gleichschaltungs- und Gesinnungstcrror tobt auch bei den Kriegsbeschädigtenverbänden. Der jüdische Kriegsbeschädigte Moritz Herz. Neu»- kirchcn, war Mitglied des Reichsbundes deutscher Kriegs- beschädigten. Bis Mai 1938 hat er seine Beiträge gezahlt. Von da ab wurde er einfach nicht mehr kassiert. Auf seine Beschwerde beim Vorsitzenden erklärte ihm derselbe:„Wir sind gleichgeschaltet und Sie sind ausgeschaltet." Herz wurde seiner Rechte, die er jahrelang bei dem Verbände erworben hat auf Rechtschutz und Sterbegeld, für verlustig erklärt. Papsi srtilchl Prälaten nadi dem Saardeb'et Aus Rom wird gemeldet: Der Papst hat den Haupt- nnnziaturrat Prälat Testa zur Berichterstattung nach dem Sa a r g e b i e t entsandt. * An diese Entsendung werben sich vielseitige Kombinationen knüpfen. Hängt sie mit den Bemühungen, ein eigenes Saar- BiStum unter LoSlösung von der Diözese Trier zu schaffen, zusammen? Manches spricht dafür. Es gibt einflußreiche katholische Geistliche im Saargcbiet, die ein besonderes Saar-Bistum als Befreiung von dem im„dritten Reich" gegenüber dem Katholizismus ausgeübten Zwang ausrichtig begrüßen würden. Sie denken dabei an die vielen katholi- scheu Organisationen, die sie schon jetzt vor terroristischer Gleichschaltung schützen möchten. Konlerenz der Großmächte Kabinett lerrooi? Italien glaubt nicht mehr an die Abrüstungskonferenz Rom, 23. Nov. Die Agenzia Stesani veröffentlicht über die Abrüstungsfrage ein Kommunigue, in dem es u. a. heißt: In der Tat konnte und kann unter den obwaltenden Um- ständen eine Fortsetzung der Genfer Arbeit zu keinem Er- »ebnis gelangen. In den verantwortlichen Kreisen Italiens bat man immer die Ansicht vertreten«nd auch zum Ausdruck »ebracht, daß eine Einigung möglich sei, wenn man aus das Mittel direkter Verhandlungen zwischen de» Mächten, das letzt»om Präsidium der Abrüstungskonferenz selbst emp- sohlen wird, zurückgreife, und wenn man ferner daraus Ber« 3icht leiste, bei Methoden und bei Verfahrensweisen ,« be- barren, die sichtlich den Forderungen der Situation nicht llerecht werden könne». I» den verantwortlichen Kreisen Italiens wird erneut versichert, man setze in eine Zusammenarbeit der Großmächte das Vertrauen, daß sie eine Einigung herbeiführen könne. Dir Ergebnisse dieser Einigung müßten dann nach»nd nach ber Abrüstungskonferenz vorgelegt werden. Nach einer Meldung des«Petit Parisien" aus Madrid wird als künftiger Ministerpräsident der Führer der Radi- kalen, Alexander Lerroux, genannt. Seine Mehrheit würde — wie man erklärt— aus 110 seiner Fraktionsgenossen, 73 Agrariern und Konservativen der Richtung Maura, einigen Basken sowie einer gewissen Anzahl von Mitgliedern der Volksaktion und sogar der Katalanischen Liga bestehen. Lerroux könne also bereits jetzt auf mehr als 230 Abgeordnete zählen. Das Innenministerium dürfte zweifellos der bisherige Ministerpräsident Barrios übernehmen. Dlfrapaznisflsdie Nazis Sanft wie Englein Das Reichspropagandaministerium hat die Exportfirmen veranlaßt, Briefe etwa folgender Art in das Ausland zu senden: Die neue Regierung hat zur Entkrästung der in den ausländischen Zeitungen vielfach erschienenen unrichtigen Artikel über die deutschen Verhältnisse eine Schrift„DaS junge Teutschland will Arbeit und Frieden" heraus- gebracht und erlauben wir uns, Ihnen hiervon ein Exem- plar zur gefl. Durchsicht zu übersenden. Wir fügen noch „Teutschlands Bekenntnis zum Frieden" bei und sollte es uns sehr freuen, wenn damit zur allgemeinen Ausklärung über die innerdeutschen Verhältnisse der Neuzeit bei- getragen würbe. Sollten Sic hierfür besonderes Interesse bekunden und noch weitere Exemplare wünschen(auch in französischer Sprache!, so stehen wir mit denselben gerne zur Ver- fügung. Was alles würde man über„nationale Würbelosigkcit" gelesen haben, wenn ähnliche Briese aus Veranlassung repu- blikanischer Reichsrcgierungen geschrieben worden wären. ..Wah'lre'heil" Vom Niederrhein wirb uns geschrieben: In Homberg und in M ö r S wurden am Montag und Dienstag nach der ReichStagswahl viele NichtWähler ganz früh auS den Betten geholt und zu großen Trupps zusammengestellt. Jeder er- hielt einen Besen oder Elmer usw. Sie mußten alle Wahl- plakate wieder abwaschen. Unter Kommando der SA. Unter diesen Trupps befanden sich höhere Beamte, gutsituierte Bürger und Arbeiter. Lübbe wird aggressivl Er will SchluB des Prozesses vdz wtb. Leipzig, 28. Nov. Im Reichstagsbrandstifter- Prozeß begann heute in Leipzig die letzte Phase. Zunächst handelt es sich allerdings darum noch einige restliche Berime, Zeugen zu vernehmen. Diese Vernehmungen werden aber höchstens noch diese Woche in Anspruch nehmen, so daß spätestens am Montag die politischen fragen behandelt werden können. Der Andrang der Zuhörer ist nach wie vor «£.^ark, Sie Karten sind bereits für 14 Tage vergriffen, ü. er f' cr Zeuge wird der Fahrstuhlführer vom Reichs- tag Düsterhöst vernommen. Ter Zeuge war am Brand- abend zusammen mit dem Garderobcdtcner KohlS in der Garderobe des Portal 2 und hat die verschiedenen Anrufe dcS Zeugen KohlS zum kommunistischen Fraktionszimmer beobachtet. Düstcrhöft kann nicht genau sagen, wie oft Kohls zu telefonieren versucht hat. Er weiß nur. daß es mehrmals mar und daß dann, während Kohls den Hörer noch in der Hand hatte, von oben auf dem Ncbcnapparat angerufen wurde, daß die Garderobe des Abgeordneten Torgler her- aufgebracht werden sollte AlS Zeuge ivird dann der Bllgler Otto Barz vernommen, in dessen Wohnung die kommunistische Konferenz stattge- funden haben soll, von der der Zeuge Grothc in seiner AuS- sage berichtet hat. Barz erklärt, er sei nicht Kommunist, aber von 1980 bis November 1982 Mitglied der Roten Hilfe ge- wesen. Er kenne weder Tinger noch Kempner, aber Grothe sei ihm bekannt, als Mitglied der Roten Hilfe.- Bors.: Grothe hat gesagt, in Ihrer Wohnung habe tm Frühjahr 1988 ein« Sitzung stattgefunden, an der Singer und andere Kommunisten teilgenommen haben.— Zeuge: Das kann nicht stimmen. Ich bin am 14. April ins Krankenhaus ge- kommen und habe drei Wochen vorher zu Hause fast immer im Bett gelegen. Trotz umfangreicher Befragung und zahlreicher Vorhalte bleibt der Zeuge dabei, baß in seiner Wohnung keine Kon- ferenz stattgefunden habe. Der Rechtsanwalt fragt den Zeugen nach feiner Bekanntschaft mit Grothe. und der Zeuge erwidert, er fei mit Grothe nicht verfeindet und könne nicht verstehen, daß Grothc solche Angaben gemacht habe. Es kommt dann zu einer sensationellen Wendung im Verhalten van der Lübbes. Er erhebt sich plötzlich und fragt: Ich möchte wissen, wann das Urteil gesprochen und vollstreckt wird.— Vors.: DaS kann ich heute noch nicht sagen. Es liegt mit an Ihnen, wenn Sie mit der Sprache herauskommen, wer Ihre Mittäter sind.— Van der Lübbe: Das ist doch aufgeklärt. Ich habe zu verstehen gegeben, daß ich den Reichstag angesteckt habe. >— R.-W. Dr. Seuffert fragt den Angeklagten: Hat Ihnen niemand geholfen?— Lübbe: Die Entwicklung des Pro- zestes wirb zu umständlich. Ich verlange vom Präsidenten, daß das anders wird.— Von.: Sagen Sie doch einmal, mit wem Sie den Reichstag in Brand gesteckt haben?— Lübbe: Die anderen Angeklagten bestätigen doch selbst, daß Sie nicht« mit dem Prozeß zu tun und den Reichstag nicht angezündet haben und nicht drin gewesen sind.— Bors.: Darüber aber gerade muß Beweis erhoben werben. »,Das habe ich ganz allein gemacht!" Ban der Lübbe antwortet laut und in großer Erregung, daß er mit der Entwicklung der letzten acht Monate gar nicht einverstanden fei.— Vors.: Ich babe Ihnen schon wiederholt gesagt, daß das Gericht Ihre Angabe, daß Tie es allein gemacht haben, nicht glauben kann. Nun sagen Tie un» doch mit wem Sie es gemacht haben und wer Sie dabei unterstützt hat.— Aus der längeren Erwiderung Lübbes übersetzt der Dolmetscher: Ich kann nur immer wieder sagen, daß ich den Reichstag ganz allein angesteckt habe Die anderen Angeklagten stehen zwar m i t i n d e m P r o z e ß. a b e r s i e h a b e n d a m i t n i ch t s zu tun. DaS ist mein Prozeß. Ich bin der Angeklagte und ich will mein Urteil habe», damit ich 29 Jahre Gefängnis be° komme oder den Tod. aber ich will jedenfalls, daß etwas geschieht Die ganze Entwicklung ist so geworden, weil man in den Reichstagsbrand den Symbolismus hineingebracht hat. > OberretchSanwalt: Was meint der Angeklagte mit» dem Wort Symbolismus?— R.-W Seuffert: Er wendet sich dagegen, daß der Reichstagsbrand die Bedeutung eine« Symbols, eines Fanals haben soll.— Lübbe: Was ist denn das für eine Tat, diese ReichStagsbrandsttftung? Das ist eine Tat von zehn Minuten oder höchstens einer Viertel- stunde gewesen Das habe ich ganz allein gemacht. Bor s.: Haben Sie denn die Aussagen der Sachverstän« digen verstanden, die das für unmöglich erklärten?— Lübbe: Ja Die sagen immer, es sei ausgeschlossen, daß Lübbe spricht auch weiterhin fließend und läßt den Dol- metscher kaum zu Wort kommen. Er spricht teilweise erregt und laut und begleitet seine Ausführungen mit lebhaften Handbewegungen. Oer Angeklagte Dimitroff erklärt: zu Lubb« gewendet: Nach metner Meinung hat der Präsident recht, wenn er es als unglaubhaft bezeichnet, daß nur eine Person diesen komplizierten Brand angelegt hat.— Lübbe wendet sich zu Dimttroff mit dem Einwurf: Der Brand ist gar nicht kompliziert. Er ist ganz einfach zu erklären. Aber was darum geschieht, ist etwa« anderes gewesen.— Di« Brandstiftung selbst ist sehr einfach Der Vorsitzende legt schließlich eine Pause ein und er- sucht den Angeklagten, sich die Sache noch einmal zu über- legen und sich bann zu äußern, was er am letzten Tage vor dem Brand gemacht habe. Lübbe und die Neuköllner Kommunisten Nach der Paus« läßt der Vorsitzende den Angeklagten van der Lübbe vor den Ntchtenisch treten und erklärt, baß er ihn jetzt nochmals gründlichst über die Vorgänge vor dem Reichstagsbrand vernehmen wolle. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten in derselben Weise wie in den ersten Verband- lungstaaen aus den verschiedensten Protokollen die Aus- sagen Lübbes über seine Gespräche mit den Neuköllner Kommunisten und die darauf folgenden Dinge vor. Der Angeklagte gibt nur zögernd und kurz bejahende Antworten auf die Fragen. Trotz der Aufforderung, sich zusammen- hängend zu äußern, beschränkt er sich aus kurze Antworten aus die Vorhalte. DaS ändert sich erst, als der Vorsitzende ihn fragt, ob die Neuköllner, mit denen er mehrere Tage verkehrte. Kommunisten gewesen seien. Lübbe sagt darauf erregt. Das kann ich doch nicht sagen, ob e» Kommunisten waren. Vorsitzender: Haben Sie denn nicht mit den Leuten darüber gesprochen? Haben Sie nicht gefragt, ob sie komm»- nisten sind? Van der Lübbe: Man fragt so etwa« nicht. Vorsitzender: Wenn Sie jetzt sagen, Sie wüßte» nicht, ob es Kommunisten waren, so glauben wir Ihnen nicht. Van der Lübbe: Ich antworte auf die Frage da». waS ich weiß. Vorsitzender: Wann haben Sie die Absicht gesaßt, den Reichstag anzustecken? Wann kam Lübbe der Gedanke zur Anzündung des Reichstages? B a n d e r L u b b e: In der Nacht von Freitag zum Sam»» tag. Ich kann mich daran erinnern, daß ich am Samstag- morgen den Entschluß gefaßt habe. Darüber habe ich aber mit keinem gesprochen Vorsitzender: Warum nicht? Van der Lübbe: Weil ich das als mein« eigene An- gelegenheit ansehe. Ich habe das doch alle» schon angeführt. Wenn r» so wichtig erscheint, dann kann ich«S ja wieder- holen. Der Vorsitzende fragt weiter, warum van der Lübbe nach Deutschland gekommen sei. Er erwidert darauf: Wegen der neuen Berichte aus Deutschland, verneint aber, daß er da- mit die Regierung me'nte Vorsitzender: Und die Brandstiftungen? Van der Lübbe: Tie waren mein eigener Entschluß. Aus weitere Fragen erklärt Lübbe: Als er den Entschluß faßte, das Wohlfahrtsamt, das Schloß usw. in Brand zu setzen, habe er an den Reichstag noch gar nicht gedacht. Dieser Entschluß sei ihm erst am Montagmorgen gekommen. Auch in Hennigsdorf habe er daran noch nicht gedacht. Vorsitzender: Da» ist sehr unwahrscheinlich und ich glaube Ihnen da» nicht. VanderLubbe: Anf dem Wege von Hennigsdorf nach Berlin kam mir morgen» der Gedanke, ein Gebäude anzu» stecken, und in der Müllerstraße habe ich dann, nachdem ich überlegt hatte, welche» Gebäude in Frage kommt, mich ent- schlössen, den Reichstag anzuzünden. Vorsitzender: Das wird Ihnen keiner glauben. Im übrigen haben die Gelehrten festgestellt, und auch der ge- sunde Menschenverstand lagt es, daß Tie den Reichstags- brand nicht allein gemacht haben können- VanderLubbe: Ich habe den Brand angelegt und der Brand hat sich selber ausgebreitet. Vorsitzender: Und wer hat das andere gemacht, die Vorbereitungen? Van der Lübbe: Weiter keiner. Van der Lübbe schildert nochmals kurz die Brandlegung im ReichStaa und behauptet, im Plenarsaal habe er zuerst die Gardine angesteckt. Vorsitzender: Da» stimmt alles nicht: denn die«ach- verständigen lagen die Gardine brenne gar nicht ober doch sehr schwer. Lübbe: Sic hat aber doch gebrannt. Vorsitzender: Wir glauben Ihnen daß nicht, weil da» Feuer, das nachher gesehen worden ist. ganz ander» aussah als da«, daß Tie nach der Art Ihrer Schilderung an- gesteckt haben könnten. Ss war aus dem Präsidium«ine lange Flamme und auf den Stühlen waren einzelne Flammen ohne Zusammenhang miteinander. Wollen Sie behaupten, daß Tie auf jedem einzelnen Titz die Flammen angesteckt haben? Van der Lübbe: Ich habe nicht behauptet, daß im da« gemacht habe. Vorsitzender: Wer hat e» denn gemacht? Van derLubbe:Ich habe nur gesagt, daß ich den Bor- hana angesteckt babe. Vorsitzender: Wer bat das andere gemacht? VanderLubbe: DaS kann ich nicht sagen, da« sollen.. Vorsitzender: Was wollten Sie weiter sagen? Der Angeklagte schweigt- Vorsitzender: Tie haben heute dasselbe gesagt wie früher Zwei Punkte können wir Ihnen aber nicht glauben. Ersten» glauben wir nicht, daß Tic erst am Montagmorgen den Entschluß gefaßt haben den Reichstag anzustecken: zwei- ten» können wir Ihnen nicht glauben, daß Tie daS allein gemacht haben. Wenn Tie nicht dazu beitragen, baß hier auf den Grund gesehen wirb, dann muß ich da» Verfahren noch länger hinziehen. Keine flussige Brandmittel OberretchSanwalt: Hat der Angeklagte flüssige Brandmittel gehabt? Van der Lübbe: Ich habe als Brandmittel nur die Kohlen- anzünder gehabt. Ich habe auch nichts aus die Kohlenan- zünder aufgeschüttet, sondern ich habe sie mit Streichhölzern anaesteckt Der OberretchSanwalt fragt, ob er sich mit Ab- ficht im Reichstage habe festnehmen lassen, ober wie er sich da« Entkommen anS dem Reichstag gedacht habe. Lübbe erwidert, er habe abgewartet bis die Sache zu Ende war. Oberreichsanwalt: Die haben früher gesagt, baß Sie aar nicht flüchten wollten Lübbe gibt das zu. Vorsitzender: Hat Ihnen jemand gesagt, baß Di« sich festnehmen lassen sollten? Lübbe: Ich habe mit niemanden darüber gesprochen. Der Angeklagte Dimitroff meldet sich zur Fragestellung. Trotz der Ermahnung des Vorsitzenden, sich auf Fragen zu beschränken, gleitet Dimitroff langedlichj wieber aus politi» sche» Gebiet, so daß der Borsitzende schließl'ch Dimitroff da» Wort entzieht. Aber Stimmen hat er gehör Auf weitere Fragen des Vorsitzenden, bestätigt van der Lübbe, daß er zuletzt bei der vraydlegung stimmen ge- hört und gerade deswegen noch schnell im Umgang Feuer an- gelegt habe. Er habe eben so viel wie möglich Brandstellen anlegen wollen, ehr er gefaßt wurde. ES sei nicht» vorher im Plenarsaal gewesen. Er habe den Plenarsaal selbst an- gesteckt. Dimitroff: Ich glaube, daß van der Lübbe persönlich der Ueberzenguna gewesen ist daß er es allein war. Vielleicht hat er aber mit jemanden vorher darüber gesprochen und ist ein mißbrauchte» Werkzeug geworden. Lübbe verneint dieS zum wiederholten Male. Nach weiteren Fraaen wird die Verhandlung auf Freitag vertagt. livra an Eggerstedt Aufklärung über den Tod des früheren Polizeipräsidenten von Altona h. b. Unserem Nachrichtendienst Westfalen ist eS nunmehr gelungen, Näheres über die Mordfälle im Konzentrattons- lager Börgermoor, vor allen Dingen die Namen der Mör- der deS Genossen Otto Eggerstedt zu ermitteln. Die Mit- teilungen sind verbürgt und stammen auS absolut zuver- lässiger Quelle. Leiter des Mordlagers ist der TT.-Führer Katzmann. Sein Stellvertreter heißt Faust. Faust ist der böse Geist deo Lagers. Unter seiner Verantwortung wurden in der Zeit vom 2. September bis zum 12 Oktober, dem Mordtage Otto Eggerstedt», fünf Mordtaten verübt. Unter den Er- mordeten befand sich auch der Sozialdemokrat Hans Alexander. Die Namen der übrigen drei ermordeten väst- lingen konnten noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Otto Eggerstedt wurde mit anderen Häftlingen gegen Abend, al? es zu dunkeln begann, zum Holzbolrn komman- » ort. Er wurde dann im Walde von einem ST-Scharführer v n der Standarte 23 Aachen nnd einem SS.»Mann von d r Standarte 19 Koblenz erschossen. Die'Namcn liegen in unserem Archiv und werben nicht vergessen werden. Otto Eggerstedt erhielt zuerst einen Schuß in die Seite: als die Mordbnben feststellten, daß ibr Opfer noch lebte, gaben sie ihm einen Fangschuß m das Genick Die Kugct blieb im Kopfe stecken. Der Lagerleiter-Stellvertreter Faust hat jetzt ein eigenes Lager in der Nähe von Börgermoor al» Letter überant- wartet erhalten. Am 17. Oktober, dem Tag« der Beerdigung Otto Egger- stobt», erschien plötzlich ein starke? Kommando Schutzpolizei uiit gelad-'n-m Karabln-r im Lager und holte eine Reihe von int-llek'n-ll-n und iüd:schen Geianarn-n ab Man lagt« ihnen, daß sie in ein anderes?ag-r übcrfiikri werden würden, lieber ihren Verbleib war bisher nichts Nähere» festzustellen. Deutsche Richter ES gibt noch Richter in Berlin! Tic fürchten sich nicht, einem Irren die Schling« am Half« festzuz'ehen. ihm vollends den Kopf zu verwirren, und ihn. der stumpfsinnig lallt und trotzt und wie ein Tier vor sich niederglotzt mit eiserner Strenge zu kirren. Es gibt noch Richter in Berlin— Wehe dem schutzlos Gejagten! Sein reines Gewisse» belastet ihn. Wehe dem peinlich Befraglen! Sein Wort verhallt und sein Schwur gilt nichtS, die Wahrheit erregt den Zorn de» Gericht»— Wehe dem unrecht Verklagten! Dihiatnr des raiibeüs Wir entnehmen der gleichgeschalteten„vraunlchweigischen Lanbcszeitung" vom 15. November folgendes Zitat: „Diktatur des Fallbeils. Kundgebungen haben vom Osten bis zum äußersten Westen stattgefunden. Stellenweise wurden die Schergen des Regimes aus- geboten, um die Demonstranten der Justiz zu übergeben Wie lange denkt man sich mit dieser Diktatur des Fall- Heils durchsetzen zu können? So sah von jeder das Ende der Tyrannen aus. Eines Tages wird er erwachen und bemerken, baß er nur noch über ein Regime von Gummi- knüppeln und Scharfrichtern regiert." Hat der Redakteur dieser Zeitung Sclbstmordabsichten? Oder ist er tollgeworden? Nur ruhtg Blut! Es ist nichts Besonderes geschehen. Der Gute hat nur einen Artikel über Dollfuß und Oesterreich geschrieben. Es gibt noch Richter in Berlin! Nahen sich mächtige Zeugen, dann liegen sie zitternd aus den Knien und wagen kaum auswärt» zu äugen. Ob der Kronzeuge Mörder, ob Morphinist, sie find bereit, wenn er ungnädig ist. sich selbst und das Recht zu beugen Es gibt noch Richter im deutschen Reich. die kann kein Görinq bestechen sie haben kein Pöstchen. sie sitzen nicht weich. sie schuften am Fließband, i» Hütten und Zechen—- Doch einmal brechen sie alle ans Licht und fordern die Herren vor i h r Gericht. um endlich Recht zu sprechen. Hugin. Schulung für den Bürgerkrieg DaS Fackblalt„Die Polizei"(Nr. 21) fährt in der TckiU- lnng zum Bürgerkrieg fort. Die neueste taktische Ausgabt lautet:„Nach ungünstig verlaujenen Lvhnverhandlungen, die m'i der radikalen gelben Partei zu politischen Zwecken ausgenutzt wurden Ist e» in Stadt und Osttril der Provinz Hannover zu Unruhen gekommen, die zu Kämpfen der Schutzpolizei Hannover und von auswärt« herangeführter Polizeiabteilungen mit den Aufrührern führten..." Nun wird der ganze Krieg samt Tvitzele'niatz usw. genau be- schrieben.' Di« Schupo wittert also Bürgerkrieg, sonst wäre sie wohl nicht gar so eifrig tm Ausmalen solcher Situationen. Kampf an„Dcalsdw frencif Das Personal der Schweizer Bondeshahnen protestiert gegen die Oeneraldlrekilon wegen des Verbots der„Deutschen rreibeit" in den Personalräumen der Orenzbahnhdte Der„Eisenbahner" bringt unter der Ueber» schritt„Erlaubte und verbotene Leitungen" eine Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft und der Generaldirektion. Da der Schweizerische Eisenbahner- verband sich so energisch für unser Blatt einsetzt, ver- zichten wir aus eigene Stellungnahme. Die Generaldirektion hat einem Gesuch der„Nationalen Front", das Organ dieser Organisation in den Personal- zimmern der Bundesbahnen auszulegen, entsprochen. Gleich- zeitig hat die gleiche Behörde beschlossen, die in Saarbrücken erscheinende„Deutsche Freiheit" in den Grcuzbahn- Höfen zu verbieten. Beide Maßnahmen haben Beunruhigung in die Reihen des Personals getragen, was ans zahlreichen Zuschriften von Sektionen und Einzelmitgliedern aller Kategorien her- vorgeht. Die Beunruhigung ist hauptsächlich darauf zurück- zuführen, da» eine ungleiche Behandlung vorliegt. Die Massnahme der Generaldirektion macht den Eindruck, dass sie den Fdecn, die in der„Front" vertreten werden, näher »ehe, als denjenigen, die in der„Deutschen Freiheit" zum Ausdruck kommt. Die„Front" ist ihrem ganzen Wesen nach und der Art ihres Gebahrenö wohl der kommunistischen Presse am nächsten verwandt. Die kommunistische Presse Ft aber bekanntlich in den Lokalen der Bundesbahnen über- Haupt verboten, trotzdem auch niemand gezwungen werden kann, sie zu lesen oder die„Zustimmung zu dem Gelesenen" zu geben, um eine Wendung in der nachstehenden Antwort der Generaldirektion zu gebrauchen. . Noch schwächer sind dtc Argumente der Generaldirektion 'n bezug auf die„Deutsche Freiheit". Ucbrigens scheint der Begriff„Grenzbahnhos" recht weit gezogen wor» den zu sein. Fn St. Gallen ist die Zeitung nämlich auch vcr- boten worden! Dagegen müssen stch die Eisenbahner und alle Reisenden, die mit den deutschen Zuständen nicht einver- standen sind, eine überaus ausdringliche Propaganda in allen oslschweizerischen Bahnbosbuchhandlungen für den deutschen -rerror und die Einführung ähnlicher Methoden in der «chwetz gefallen lassen. Man betrachte einmal die Zeitunas- auSstellung in den von der Firma Schmidt geführten Babn- Hossbuchhandlungen. Die Generaldirektion scheint an dieser unerhörten Einseitigkeit keinen Anstob zu nehmen! Bis dahin hat sich die Leitung der Bundesbahnen der Aeuberung ihrer politischen Svmpathien enthalten. Wir stellen die sehr ernste Frage, ob das anders werde» soll? Der nachstehende Schristenwechsel. bzw. die Antwort der Generaldirektion aus unsere Eingabe lässt gewisse Rcfürch- tungen leider als begründet erscheinen. Wir enthalten unS eines weitern Kommentars, möchten aber im Interesse der Bundesbahnen und des Landes nachdrücklich vor weiterer Einseitigkeit warnen. Schweizerischer Eisenbahner-Verband. « c r n, den'«ober 1033. 1. 1». SOÄ/Br. An dl« Generaldirektlan der Schweizerischen Bundesbahnen, Bern. «ehr geehrte Herren! Wir sehen un» veranlaßt, in folgender»ngeiegenhei» an Ihre Behörde»« gelangen: I. Bon Roniandhorn wird und mitgeteilt, daß derZugfvrdcrungs- dienst de»»reise» 3 verboten habe, die in Saarbrücken erscheinende srzialdemokratische Zeitung„Die deutsch« Freiheit-, die vom Personal abonniert wirb, in den Perlonalzimmern aufzulegen. eitere Exemplare würden von den Bahnorgancn der Polt zurück- gegeben. „Die deuilche Freiheit- ist in der Schweiz erlaubt wie irgendeine Zeitung. Sie führt mit geistige» Waffe» den»amps gege» das gegenwärtige Regiernngosnstem i» Deutschland und gegen iede an- txre Gewaltmethode. SI« hat stch iaurrhald kurzer Zeit i« ganz Europa grlhte» Ansehe« verschafft uud k»u» ats die einzige wirk- lich freie Tageszeitung Deutschlands bezeichnet werden, wenn sie auch»ich« in Deutschland selbst erscheint. Gege» die Schweiz Hai sie unseres Wissens nie etwas geschrieben, si«»ertriti im Gegenteil d«S staatliche System, da« in unserem Lande besteh« »tu» welchen Gründen der ZiigfürderungSdienst 3 z» dieser Maß- nähme gelangen kann, ist»n« daher ganz unverständlich Erst recht wäre die Maßnahme nicht zu verstrhn, wenn sie ein Akt ganz be» fonderez Rücksichtnahme auf Ole gegenwärtig herrschende Partei in Dculichland sein sollte, jedenfalls wurde die Haltung dieser Partei und der entsprechenden Regierung unserem Lande und unserer Presse gegenüber eine solch« Rücksicht nicht rechiseriigcn. Nicht nur annähernd die gesamte Arbeiterpresse unsere» Lande» Ist gegen- n'ärtig In Deutschland verboten Dem gleichen Schicksal sind Blätter wie die„National-Zeitung", die„Tlmrgauer Zeitung", die„Neue Zürcher Zeitung" und andere verfallen Es wäre daher verständlich, wenn als Antwort auf diese brutalen Maßnahmen un» gegenüber »um Beispiel der„Völkiiche Beobachter" verboten ivürd«. Daß aber ein« Zeitung wie die„Deutsche Freiheit" von unpolitischen Bunde»- bahnorganen verfolgt werden kann, ist und bleibt uns unverständlich. Ganz»ndtgreislich ist und, mit welchem Recht der Zngsbrdrrungs- dienst die Weigerung erteilt, eine nicht von den Bundesbahnen be- zahlte Zeitung einfach der Post zurückzugeben, da« heißi zu verhin- der», daß sie an den Adressaten, der sie bezahlt, gelangen kann. 3. Fn Delvberg ist plötzlich die Zeitung„Die Front". Organ der „Nationalen Front", in den Personalzimmern«»«gelegt worden. Ta» Personal bat von sich aus die Zeitung entfernt und hat die Auflage dieses Blatte» sehr unangenehm einpinnden. lieber die Tendenzen de? Hetzblattes sind Aenßerungen kaum nötig, jedenfalls ssnd sie aber dem Welen unsere« Staate» viel fremder al» etiva die Anschauungen die ln der„Deutschen Freiheit" vertreten wer- den.„Die Front" kämpf» mt« den gleichen Mitteln gegen die Ein- Dichtungen unsere» Staate», wie etwa die Blätter der Kvmmiini- stilchen Partei. Diese sind aber in den Persvnalziinmern ausdrück- lich verbotenl Da« Personal ha« lich bei der Basinbosleituna über die Gründe de» viötzlichen Erscheinen» des ungebetenen Gastes in den Per- sonalzimmern erkiistdin» Es«nrde ibm dab-i die P'ittei'nng*e» Macht, daß die„Nationale Front" das Begehren gestellt habe, diese Zeitung a»slegen z» diirsen.»nd daß diesen, B-aestren durch die BktriebsieitNNo in Lausanne ausdrücklich rn«ivrochen worden lei. fa daß die Bnbnbollettung lvgor angewiesen ivorden sei. die.!et- Ving auszulegen Ein» gletch>al'»ende Wiitflfi'iM ist nn« von Bel'in-.ona ,ii"e- kommen Ivo„Die F-ont" im Anst-aae de» B->bn!>o>s>>o>"'-an>>-a in der Mi'ch'"che a„s->e'->a«»>eed-n miiz-*»> des P"«»na>a da» in Beg-n-ona"erlebet wit-d-»»»»»«-(•» miv'etei'» daß das Perianal die Milch-Nche solange nicht mehr besuche a!»„Die Front" bort ausgelegt werde. « Diese B-r'ommnlsse geben»n« u« schweren Beden'en Anlaß Sie lassen den.«-ckcknß ,u daß die O-aane der B„ude»ba«>nen bereit seien»n#»»'"" b-G'en nn«»P»-»en-ini-«'io»♦"»»*•» bezteben und-war a-a«n di oe-i^.»„„n'-en dee überm-.'Nd' Mebrbei, de»«eeiogal»»nd stchee nuck aegen die aeoße Mebrbei« de» Balke» Wie möchten varläulig dielen Schluß nicht ziehen, weil wir nicht glauben können, daß die Handlungsweise der uniergevrd- rctcn Dienststellen der Anschauung Ihrer Behörde entsprechen könne. Wir deschränke» uns daher auch daraus. Ihnen von de» uns zu- gekommenen Meldungen Kenntnis z» geben und wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns möglichst bald über die von Ihrer Behörde in der Sache getroffenen Maßnahmen Kenntnis geben würden. Bon der Schweizerischen Depeschenageulur ist allerdings am 28. d M. eine offensichtlich offiziöse Mitteilung verbreitet worden, die für die vorstehend gemeldeten Borkommnige eine Erklärung brin- gen soll. Es wird dabei zum Ausdruck gebracht, daß die Zeitung der„Nationalen Front" gleich behandelt werde, wie die übrige tauch die sozialdemokratische! Preste. Der Fall in Romanshor» zeigt, daß diese Darstellung den Tatsachen nicht entspricht. Während eine in der Schweiz erlaubte Zeitung, die die bestehenden demotra- tische» Einrichtungen verteidigt und die das Personal wünscht, von den Organen der Bundesbahnen in einem Prrsonalzimmer verboien wird, wird den Dienststellen vorgeschrieben, ein« Zeitung auf»»- legen, die unsere demokratischen Staatscinrichiungen bckämpst und deren Auslage vom Personal als Provokation empfunden wird. Leider kann angesichts dieser Tatsache kaum von einer wirklichen tsleichbkhand'itnq gesprochen werden. '"'ir vollkommener Hochachtung! S. E. B. Schweizerischer Eisenbahner-Verband. Gewerkschaftsami. N.»ratscht. Schweizerische Biindcsbahnei... Generaldirektion. vern, den 8. November 1983. Nr. 1327. si P. E. Auflegen politischer Zeitungen in den AnsenthaliSräumcn de« Personal«. Herrn Nationalrat Braischi, Gcivcrkichaftsamt des Schweizerischen Eisenbahner-Verbandes, Bern, Essingerstr, 19. Sehr geehrter Herr Nationalrat! Auf Ihr Schreiben vom 31. Oktober antworten wir Ihnen wle folgt: Da» Auslegen von Zeitungen politischen«nd gewerkschaftlichen Inhalts in de» dienstlichen Ausenthalislokalen de» Personais ist giundsätzltch durch die Allgemeine dienstliche Mitteilung Nr. 27 »cm 8. Juni 1027 geordnet worden. Obwohl jene Ordnung sehr liberal gehalten ist. sehen wir vorläufig keine Veranlagung, von ihr abzugehen und zu einer einschneidenden Regelung, wie es bei» spielsweise die Entfernung aller politische» und gewerkschaftlichen Zeitungen»nd Zeitschriften ans den Personalztmmcrn darstellen würde, überzugehen. 1. Das Verbot des Auflegen» der Zeitung„Deutsche Frei- heil", wie es durch iiiisern Ziigsörderungadienst 8 für den Platz RomanShorn ohne unser Zutun ausgesprochen worden ist, halten wir aufrecht und dehnen es aus alle deutschen Grenzstationen au«. Bei der„Deutschen Freiheit" handelt es stch um ein« im Ausland erscheinende Zeitung, die den Kamps gegen die gegenwärtige deutsche Regierung mit den schärfsten Waffe» führt. Wird sie in den Pcrsonalzimmern der Grenzstationen gelesen, so besteht Gefahr, daß sich daraus unerfreuliche Zwischenfälle ergeben, die ans beide» Seiten der Grenze eine gereizte Atmosphäre entstehen lassen. Dieser Gefahr wird dadurch vorgebeugt, daß man die„Deutsche Freiheit" von allen dienstlichen Ansciilhallsräuinen, die sich an der Grenze befinden, fernhält. Wir verurteilen damit in keiner Weise den Kamps, den die „Deutsche Freiheit" gegen das gegenwärtige Regime In Deutsch- land führt, sondern sorgen nur dafür, daß sich unter den gegebenen Berhältnigen der Verkehr an der Grenze möglichst reibungslos ab- wickelt. Ans der Beschränkung des Verbots ans die deutsche» Grenz- stationen dürste übrigens hervorgehen, daß uns nicht die Tendenz der„Deutschen Freiheit" schlechthin zum Eingreifen vcr- anlaßt, sondern die besondere Eignung diese« Blattes, in der Grenzzone«ine unerwünichle Stimmung zu schassen und damit die geordnete Verkehrsabwicklung zu beeinträchtigen. Für unsere Entscheidung kann die bedauerliche Tatsache, daß in Deutschland eine Reihe angesehener Schweizer Zeitungen verboten sind, nicht maßgebend sein. Es ist Sache unserer obersten Landes- behvrden, sich mil dieser unbefriedigende» Situation zu befassen. 2. Da« Auslegen des Organ» der Nationalen Front in den Per- sonalzimmcr ist vo» der Generaldirrkiion erlaubt worden. Tic Zulassung steht mit der grundsätzlichen Regelung der Allgemeinen dienstlichen Mitteilung Nr. 27 vom Jahre>027 durchaus im Einklang. Es liegt kein Grund vor, das Organ der Nationalen Front schlechter z« behandeln als andere politische Tageszeitungen. Wir können uns des Eindruckes nicht erwehre», daß an die„Front" In gewissen Kreisen ein ganz anderer Maßstab angelegt wird als an andere politische Tageszeitungen, die an den gcgenwärttgen Zu- ständen und politischen Verhältnissen ebenfalls scharse Kritik üben. Tollte die„Front" sich tatsächlich zu einem Organ entwickeln, das den Kamps gegen die Behörde» und liniere staatlichen Einrichtungen mit Waffen führt, wie sie zum Rüstzeug der kommunistischen Presse gehören, so wird ihre Entfernung ans den Pcrsonalzimmern eine Selbstverständlichkeit sein. Wir haben jedoch die Auffassung, daß die von der„Front"«cubic Kritik bis heute nicht über das im politische» Tagcskampf in unserem Lande von jeher in kauf genommcne Maß hinausgeht. Wir können deshalb Ihre Befürch- tungen, daß nnser Perianal am bloßen Auslegen des Organs der Nationalen Front ernstlich Anstoß nehme und sich beunruhigt fühle, nicht recht verstehen. Da» Auslegen einer Zeitung bedeutet noch lange nicht die verpflichtende Aufforderung zur Lektüre»nd die Lektüre selber nicht die Zustimmung z» dem Gelesene». Wenn au« der bisherigen liberalen Praxis im Auflegen schwel- z ort scher politischer Tagesltteratnr in de» dienstlichen Ansent- baitsränmcn in der Zukunft vermehrte Schwierigkeiten entstehen sollten, so werden wir allerding? von der bisherigen freien Ord- n»ng abgehen müssen. Wir hoffen aber, dass wir keine Veranlassung haben werden, zu einichränkcndcn Maßnahmen Zuflucht zu nehme». Mit vorzüglicher Hochachtung! Für die Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen: Der Präsident: S ch r a s l. Sturz des Ministeriums sarrant Die Gehaltskürzungen als Klippe ues Sdielierns— Ministerium Chat temps oder Könnet Paris, 24. Nov. Die Regierung Sarrau! ist in der Kam- mer Uber einen Antrag des neusozialistischen Abgeordneten Gvnnin gestürzt worden. Gountn hatte einen Zusatzantrag eingebracht, auch die Ge- Hölter von über 10000 Franken bis 12 000 Franken jährlich üoii der Beamtengehältcrkürzung auszunehmen, während der Regierungsentwurf als äußerste Freigrenze 10 000 Fran- ken vorsah. In der Debatte hatte sich Ministerpräsident Sarrant be- reit erklärt, die Freigrenze aus 11 OOii Franken heraufzusetzen. Aber Gounin bestand daraus, dass sämtliche GeHalter bis 120VY Franken von der Kürzung verschon« bleiben soll- ten. Der Antrag Gounin. gegen den die Regierung die Ber- trauenssrage eingesetzt hatte, wurde mit 82t gegen 247 Stim- wen angenommen. Die Minister verließen sofort dad Par- lament, um da» RücktrtttSschrrtbrn auszusetzen. Die Kammersiyuug wurde S.M Uhr früh MEZ. auige- hoben. lleherrascbnnd Paris, 24. Nov. Beim Verlassen da? ElnscS erklärte der Ministerpräsident de? zurückgetretenen Kabinetts:„Ich habe ein völlig ruhiges Gewissen. Wenn ich nicht soeben über diesen Zwischenfall gestürzt wäre, würde eS bald bei einem anderen geschehen sein. Um die MitternachtSstundc war die Kammer fast einmütig der Auffassung, dass der Sieg der Regierung gesichert sei. Mit großer Mehrheit waren verschiedene Gegen- nnd Abän- berungSanträge zugunsten der Regierung abgelehnt wor- den. Erst als der Ncusozialist Gounin den AbäubernngSan- trag stellte, dir abgabenfreie Grenze für die Beamtrngehäl- ter von 10 auf 12 000 Franken zu erhöhen, trat ein Um- schwung ein, als Ministerpräsident Sarrant zu lavieren vcr- suchte, um zu einer Kompromißlösung von 11 000 Franken zu gelangen. Angesicht? der feindlichen Haltung der Mitte ließ er von seinem Vorhaben ab und stellte gegen den An- trag Gounin die Vertrauensfrage,' doch ivar es zu spät. Da? Zögern Sarrant? i» diesem kritischen Augenblick wurde ihm verhängnisvoll. Nicht nur die Stimmen der Neusozia- listen, sondern auch viele Stimmen der Mitte fielen vo» ihm ab, was seinen Sturz herbeiführte. Die Mehrheit, die den Sturz deS Kabinetts verursacht hat, ist eine ZusallSmchrheit, in der sich die verschiedensten Elemente treffen: Kommuni- sten, Sozialisten, Ncusozialistcn sown Mitglieder der Mitte und der Rechten. Das Abstimmungsergebnis kann unter diesen Umständen nicht a>» richtunggebend dafür angesehen werden, welche Lösung die Ministerkrise erfahren wird. Nichtsdestoweniger sind bereits Gerüchte im Umlauf, dast vorerst die von weiten Kreisen gewünschte Regierung der nationalen Einigung nicht zu erwarten sei, da der Präsident der Republik die Krise möglichst abkürzen möchte, um einer Uebergangsregierung die Möglichkeit zu geben, das Finanz- problem zu lösen. Man spricht von einem Ministers««» E h a u t e m p s und auch von einem Ministerium B o n- c t. Dennoch Kreuzzug! Für d e heilioe Allianz gegen Rußland Im Hörsaal der Hochschule für Politik sprach ber Leiter des austenpoltttschen Amte« ber NSNAP. Alfred Rosen- b e r g über„Tie Krtst« der Ncugeburt Europa?". Dem Vor- rrag wohnten Vertreter der Reichs- und Staatvregierung sowie da? diplomatische Korp? bei. Rosenberg führte unter anderm ans, es set nicht mehr viel Zeit für eine Verständigung in Europa ,n verlieren. Rosenberg wies dann den einzelnen europäischen Staaten ihre Ausgabe zu: Frankreich sollte seine Auigabc darin sehen, über das Mittclmeer hinweg seine ihm zur Verfügung stehenden Kräste zum Ausbau und zur Ausgestaltung seines rie- sigen Kolonialreiches z» verwerten und den weißen Men- schen in Afrika zu schützen. Die italienische Düna- m I k sei seil Mussolinis Herrschaft ziemlich deutlich vor- gezeichnet Englands Mission bestehe darin, den weißen Menschen aitk dem Erdball zu schirmen Es liege im In- teresse aller Völker wenn England seine Macht dazu be- nutze, daß der LebenSraum. den Europa brauche, um exi- stieren zu können, erhalten bleibe. Deutschlands Aufgabe liege vor allen Dingen in in- n apolitischen Fragen. Die neue deutsche Gesetz- gebung sei daraus eingestellt, nicht nur große Menschen- «nassen innerhalb seiner Grenzen zu beherbergen, sonder» die Qualität dieser Menschen möglichst zu steigern und ihr Denken und Fühlen in eine Richtung zu lenken. Der Vortragende lenkte schließlich den Vlick ans den Ost see räum, der heute wieder in den Brennpunkt der Betrachtungen gestellt sei. Alfred Rosenberg bleibt also seinen immer vertretenen Zielen treu: Europa gegen Sowjet-Rnßland! Eroberung neuer Siedlungsgebtete für Deutschland im„Ostseeraum". Rosenberg al? außenpolitischer Berater Hitlers will mit dem Hinwel? ans die östlichen Ziele Deutschlands Rüstung?- ireiheit erreichen Was nach der deutschen Ausrüstung ge- ichchen würde, ist eine andere Frage. Da? Spiel ist io plump, wie der ganze Rosenberg, und wird daher keinen Erfolg haben. Die Sowjet-Diplomatie bat in den letzten Monaten z» Erfolgen geführt und nicht die deutsche. Skeutsdke Stimmen• föeilage zur^Deutschen Freiheit"• trciûnisse und Qesdkidkten ilVIIVIMW W»«!' :; t'ii i iiii'i'i V-'-i'ü'i y|l' Samstag, den 25. November 1933 Das neue Deutschland hat es schwer. Eben hat es im Papst einen seriösen Vertragspartner gefunden, und schon kommen die eigenen Pgs. her und vergrämen diesen hochgestellten und einflußreichen Mann. Die„Flensburger Nachrichten" führen darüber in ihrer Nr. 259 folgende bewegliche Klage: „In Deutschland sind, wenn auch sehr vereinzelt(!) mitunter Angriffe auf den gegenwärtigen Papst erhoben worden. In jüngster Zeit hat eine in Hamburg erscheinende Zeitschrift die Behauptung aufgestellt, daß der Papst jüdischer Abstammung sei und daß seine Mutter eine holländische Jüdin namens Lippmann wäre. Diese Hamburger Zeitung hat Gelegenheit erhalten, nach Einsicht in die amtlichen Unterlagen selbst festzustellen, daß sie mit ihrer Zeitung eine Lüge verbreitet hat. Die Zeitschrift hat nunmehr mitgeteilt, daß der Papst Achille Ratti wie amtliche Urkunden erweisen, in Defio in der Provinz Mailand als Sohn eines nichtjüdischen Ehepaares, Francesco Ratti und Therese, geb. Calli, am 31. Mai 1857 geboren wurde und daß er am 1. Juni die Taufe erhielt. Abgesehen davon, daß die Verbreitung von Hetzlügen gegen bedeutende Persönlichkeiten im gegenwärtigen Deutschland sehr scharf verfolgt wird, bedeuten derartige Angriffe in der Berichterstattung auch eine Schädigung des deutschen Ansehens in der Welt." Mit dieser Ehrenrettung dürfte den deutschen Katholiken nach ihrer Gleichschaltung ein großes Heil widerfahren sein. Der oberste Verwalter ihrer Kirche ist ein„italienischer Arier". Der Vorwurf jüdischer Abstammung ist in Zukunft nur noch gegen den Stifter dieser Kirche, den Judenstämm- ling Jesus von Nazareth zu erheben. Aber auch dieser Vorwurf muß von Vorsicht begleitet sein, wie folgende Gerichtsverhandlungen in Düsseldorf(„Westd. Beob.", 20. Nov.) beweist: „Wegen einer unerhörten Gotteslästerung hatte sich am Dienstag vor dem Düsseldorfer Schöffengericht ein 26jäh- riger Kaufmann zu verantworten. Der Angeklagte, der vor einiger Zeit mit einem 17jährigen Bekannten auf der Graf-Adolf-Straße an einem Geschäft für christliche Kunst vorbeikam, bemerkte vor dem Schaufenster des Geschäftes stehend— er hatte sich vorher mit seinem Freund über Artur Dinters Werke unterhalten— in bezug auf eine Christus-Figur:.. Dieser Judenhund(!) Jesus Christus soll auf einmal Arier geworden sein!" Ein paar empörte Straßenpassanten, die zufällig auch an dem Schaufenster standen, veranlaßten, daß gegen den üblen Menschen Anzeige erstattet wurde. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Das Gericht ging aber über diesen Antrag noch hinaus und verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis bei sofortiger Verhaftung." Der junge Kaufmann ist hart dafür bestraft worden, daß er die Idee der„arteigenen Christen" und der„deutschen Glaubensbewegung" in drastisch-vulgärer Sprache übernahm. Er hat sich in herausfordernder Form zu Ansichten bekannt, wie sie jüngst Alfred Rosenberg im„Völkischen Beobachter" folgendermaßen ausdrückte:„Ebensowenig wie die politische Partei ein Mittel für Religionsstifter sein darf, kann sie Handlanger werden für die bereits bestehenden Konfessionen in ihren geistigen Auseinandersetzungen. Das ist nicht etwa Liberalismus, sondern Rückkehr zu einer altgermanischen Charaktertugend: der Freiheit des Denkens, für die jahrhundertelang Europa gekämpft und geblutet hat, um diese einst verlorene Charaktertugend wieder herstellen zu können." Oder Professor Bergmann in seinem Buch über„Die deutsche Nationalkirche":„Ich glaube an den Gott der Deutschreligion, der in der Natur, im hohen Menschengeist und in der Kraft meines Volkes wirkt." Vielleicht wird die kommende Generation deutsch-religiöser Arier den jungen Düsseldorfer Kaufmann in die Reihe, ihrer großen Märtyrer einreihen. Mussolinis. Jinanimuiisiet kein Aciet Germanischer Name und doch Semit Man erinnert sich, daß vor einigen Wochen„Der Deutsche" in Berlin verboten wurde. Als Grund des Verbotes wurde der Ausdruck der Behauptung von Balbos angeblich jüdischer Abstammung angegeben, worin eine Beleidigung Balbos. beziehungsweise der ganzen italienischen Regierung erblickt wurde. Unmittelbar nach dem Verbot erschien der italienische Gesandte bei Herrn von Neurath und erklärte im Namen des Finanzministers Jung, daß dieser das Verbot außerordentlich bedauere, da es sich offenbar nur um eine Verwechslung des„Der Deutsche" handeln könne. Wenn auch Balbo kein Jude sei, so sei er, der Finanzminister des italienischen Königs, Jung, jüdischer Abstammung. Er aber könnte niemals in der Veröffentlichung dieser unbestreitbaren Tatsache eine Beleidigung erblicken. Sprachs und ging. Edmund cKanfstaengl und undece Zum Leiter der Nationalgalerie ist, wie bereits gemeldet, Dr. Eduard Hanfstaengl ernannt worden, der in München ein Lenbach-Museum einrichtete, d. h. mit ernsthafter Kunst noch kaum beschäftigt war. Ein anderer Hanfstaengl wurde aus München als Reichspressechef mitgebracht. Beide entstammen der bekannten Verlegerfamilie, die seit Jahren das Braune Haus unterstützt hat. Man sieht, Hitler läßt sich nicht lumpen. Er zahlt mit Zinsen zurück. Wenn auch nicht aus der eigenen Tasche, so doch aus der usurpierten Reichs- und Staatskasse Das..Haus der deutschen Kunst", bisher der einzige größere Bauauftrag, den das..dritte Reich" zu vergehen hatte, soll der Münchener P. L. Troost errichten; er ist dieser Tage auch in die Berliner Akademie berufen worden. Warum? Weil er ein hervorragender Architekt wäre? Das wagt sogar im„dritten Reich" von diesem veralteten Kunst- gewerbler niemand zu behaupten. Er hat was besseres aufzuweisen: Beziehungen zu Hitler; er soll ein Freund des ..Führers" sein. Mies van der Rohe, sicherlich der beste Architekt im heutigen Deutschland, der für den Neubau der Reichsbank vorgesehen war. wird, wie jetzt bekannt wird, den Bau nicht erhalten. Offenbar hat er nicht die entsprechenden Beziehungen. Der Kriegsmaler Vollbehr wiederum, der sich im Kampfbund der besten Beziehungen Zu Hitler rühmen konnte, obzwar er— wovon er allerdings nicht sprach— nicht das mindeste Talent hat, erfreut sich der großartigsten Aufträge, Wandbilder vom Parteitag und so. von Hitler persönlich erteilt. Das Alraunemännchen Hans Heinz Etvers, mit Hitler und Göhbels persönlich befreundet — neuerdings scheint diese Freundschaft allerdings ein Loch bekommen zu haben— durfte aus dem zum Nationalsozialheros aufgepumpten Horst Wessel einen schmockigen Marlitteroman machen, von dem man nicht weiß, ob die Kitschigkeit mehr im Thema oder mehr in der Person des Kon- junkturliteraten liegt. Der Schlageter-Dichter Jobst, von Göring als Leiter ans Staatstheater berufen, steckte sich hinter seinen Freund Göring, als die Konkurrenz, die schäbige Konkurrenz, die an dem nationalen Geschäft ebenfalls beteiligt sein wollte, weitere Schlageter-Dramen ankündigte. Jobst erhielt sein Monopol; Göring, der Theaterbeherrscher Preußens, gab zu verstehen, daß ein Schlageter- Drama vollauf genüge—— Die Käthe Dorsch, die es gar nicht nötig hätte, sie ist ja eine bezaubernde Schauspielerin, ei freut sich der besonderen Protektion Görings. Die Riefen- ■stahl, die den Parteitag filmen durfte, hat es um so mehr nötig, protegiert zu werden, denn was sie als Filmbegabung leistet, war nie erheblich So hat sie sich denn auch weidlich um hohe Protektion bemüht: ein ganzes Corps von SA.- Führern soll sie aufgeboten haben, damit es ihrem Film nicht wie dem Horst-Wessel-Film ergehe. Von allen Museumsdirektoren. die sich mit moderner Kunst befaßten, ist es am glimpflichsten Gosebruch in Essen ergangen, obgleich der doch als Betreuer des ehemaligen Orthaus-Besitzers die glanzvollste.KuIturbo!schewisten"-Sammlung leitete. Von Gose- hiuch weiß man. daß er vor zwei Jahren auf der Künstler- bond-Ausstellung ein Bild kaufte von einem jungen Essener Maler Weidemann. Von diesem sehr jungen Maler Weidemann weiß man. daß er ein sehr mächtiger Mann ist, nämlich Göhbels Kunstberater im Propagandaministerium. Und schließlich weiß man noch, daß mit jenem Museumsdirektor, der das Talent oder das Glück hatte, einen Weidemann ange k»uff zu haben, nicht so absunt verfahren wurde wie mit «einem Kollegen He-t'auh in Mannheim. With in Köln Rc-aune in Stuttgart. Baum in Ulm usw. Wollte sagen, es ist wirklich alle« ganz anders geworden, als unter dem„Svstem". In der Republik wurden bekanntlich alle wahren Talente unterdrückt. Was gar nicht mehr vorkommen kann nun. wo die Sauberkeit förmlich grassiert. Jetzt bei Hitler Beziehungen zu haben, ist das nicht Beweis genug, daß man zum mindesten ein ganz hervorragendes Talent hat?! Horst Prie pel. * Die„Basier National-Zeitung" schreibt u. Hanfstaengl ist 37 Jahre alt. Er entstammt der bekannten Münchner Verlegerfamilie, die durch Ernst Hanfstaengl schon früh zu Hitler und seiner damals noch kleinen, lokal beschränkten Partei in engste Verbindung trat.(Nach dem Münchner Putsch floh Hitler bekanntlich in die Villa Hanfstaengl am Staffelsee.) Der neue Leiter der Nationalgalerie, ein Vetter von Ernst Hanfstaengl(dem nationalsozialistischen Auslands- Pressechef), half den Kampfbund für deutsche Kultur mitbegründen." 2)ee 9ieci Jlolizeipcäsident Aefiehlt: Druckfehler verboten! Der Polizeipräsident von Essen schreibt an den„Korrespondenten für das grafische Gewerbe" über die Essener „Allgemeine Zeitung", die bekanntlich wegen vertauschter Bildunterschriften verboten wurde, u. a.:„Aber wenn ich auch anerkenne, daß es sich nur um das Walten eines— allerdings recht boshaften— Druckfehlerteufels handelt, so ist einerseits nicht zu verkennen, daß die Wirkung des Versehens in der Oeffentlichkeit und namentlich im Ausland genau so staatsschädigend ist, wie wenn sie beabsichtigt gewesen wäre, und der jüdischen Hetzpropaganda im Ausland konnte aus Deutschland kaum ein willkommenerer Bissen vorgeworfen werden, wie das Versehen der„Essener Allgemeinen Zeitung". Diese Erkenntnis macht es notwendig, daß der gesamten Presse Essens und ganz Deutschlands so eindrucksvoll wie nur möglich vor Augen geführt wird, daß sie alles daran zu setzen hat, um Versehen gleicher oder ähnlicher Art in Zukunft zu vermeiden. Es darf in Zukunft einfach nicht möglich sein, daß eine Zeitung mit derartigen Druckfehlern die Druckerei verläßt.(Im Original gesperrt.) ... Auch nach dem Druck muß die fertige Zeitung in geeigneter verantwortungsbewußter Weise überprüft werden, und wenn doch Zeitungen mit einer objektiven Beschimpfung des Staates, der Bewegung oder deren Träger den Verlag verlassen, dann haften nach dem Führerprinzip die Führer des Betriebes— in erster Linie also der Verleger und Hauptschriftleiter und dann die unmittelbar Verantwortlichen, ohne daß sie mit etwaigen Entschuldigungen gehört werden könnten. Zeitungsnachrichten wirken in der Oeffentlichkeit absolut, wenn sie einmal verbreitet sind..." Die moderne Ausbeutung jener finsteren, immer noch weit verbreiteten Rückständigkeit, die Menschen für ihre Geburt verantwortlich macht, die nicht gegen Gedanken, Gesinnungen, Lehren und Einrichtungen kämpft, auch nicht gegen ihre Träger als unpersönlich gedachte Klasse, sondern Haß und Verfolgung wider die Menschen selbst richtet,— dieser Inbegriff alles reaktionären Tuns ist keineswegs weniger gefährlich oder weniger schmutzig als der Fanatismus, der Scheiterhaufen schichtete. Kurt Eisner. Zeii=7lotizeti Der deutsche Orden, „Noch stehen wir zu sehr am Anfang der neuen politischen Entwicklung, als daß auch diese Frage(nämlich was aus der Nazipartei wird) bereits endgültig beantwortet werden könnte. Immerhin läßt sich vermuten, daß die Partei mehr und mehr den Charakter eines.Deutschen Ordens" annehmen wird, dem die obersten Führer der Nation angehören, und der also eigentlich Staats- und autoritätstragendes Gremium mit besonderen Hoheitsfunktionen verfassungsmäßig betraut wird."(Das sagt Karl Lohmann in einer Schrift„Hitlers Staatsauffassung". Was es alles gibt. Der Naziverlag Rainer Wunderlich zeigt an:„Mit dem Horoskop durch die Politik",„Jeder sein eigener Nostradamus",„Die begriffene Astrologie". Und das Volk der Dichter und Denker! Immer noch Gleichschaltung. Der Buchdruckergesangverein„Typographie" hielt kürzlich seine Generalversammlung, in der der„Leiter" Reinsdorf mitteilte, daß auch die Gesangvereine„von der Gleichschaltung betroffen seien." In einzelnen Buchdruckereibetrieben haben sich in letzter Zeit sogenannte..Budengesangvereine gebildet, der„Leiter" tadelte diesen Vorgang. ,£chwarz-weiß-rot über Ostafrika" heißt ein Kolonialroman, der so empfohlen wird:„Ein spannender Roman aus der heroischen Zeit der deutschen Kolonisation in Ostafrika. Kein Roman, der nur in ein exotisches Milieu hineingestellt ist. sondern ein wirklicher Kolonialroman. der uns aufrüttelt und wachruft, der deutschen kolonialen Zukunft zu gedenken." Faschistischcr Austauschbibliothekar. Vittorio Camerani macht an der Deutschen Bücherei Dienst. Für ihn geht Werner Mann an die Bibliothek de« Internationalen Instituts für Landwirtschaft in Rom. Ob die an dem internationalen Institut beteiligten Staaten mit dieser italienisch-deutschen Parteiangelegenheit einverstanden sind, wird nicht gesagt. Immerhin sei auch dieser Fall als Beispiel für die Geschicklichkeit vermerkt, mit der der Faschismus seine Parteiinteressen auf Kosten der Allgemeinheit durchzuführen versteht. Oeffentliche Meinung. „Bitte erzieht mich!" Im Novemberheft der„Literatur", einer gleichgeschalteten Zeitschrift, die in Stuttgart erscheint, klagt ein Journalist ül-er die böse öffentliche Meinung, die bisher dem„guten Redakteur" so hart zugesetzt habe. Endlich seufzt er erleichtert auf: „Aber diese Oeffentlichkeit. sonst als vorlaut, unbelehrbar und treulos verschrien, ist jüngst durch einen mächtigen Willen zu der sokratischen Einsicht in ihre eigene Unzulänglichkeit gezwungen worden, und jetzt bittet sie, daß man ihr verschaffe, was man ihr solange vergeblich bot: bittet darum, zum Volk erzogen zu werden." Notfalls mit dem Gummiknüppel, denn wer seine„Oeffentlichkeit" liebt, der züchtigt sie. XeCMOHfl=ÇÔMtQ=J{eHH ,eH Fantasia siegte In Duisburg gab es vor kurzem„bei schönstem Herbstwetter" Pferderennen mit stark besetzten Feldern, die, wenn man der„Kölnischen Zeitung"(Nr. 629) glauben darf, voll „saftiger Ueberraschungen" war. Versteht sich, daß die einzelne Rennen schon durch ihre Namen das Entzücken aller hitlerisch Gleichgeschalteten erregten. Es gab zunächst ein Franz-Seldte-Rennen, ein Flachrennen, in dem sinnigerweise der leichtgewichtige„Liebeszauber" siegte. Es folgten dann das Hermann-Göring-Rennen und ein Horst-Wessel-Rennen. Doch lesen wir den Bericht darüber im Wortlaut: „Im Hermann-Göring-Rennen führte kurz Krokus, dann ging Blumenkönig an die Spitze vor Rheinlandmädel, Hatto, Maifant, Krokus und hinten lagen Faustgraf, Generalissimus und Peloria. Gegenüber ging Fantasia in Führung, die sie stets mit immer größer werdendem Vorsprung behauptete gegen Maifant, Faustgraf und Livius. — Das Horst Wessel Rennen sicherte sich Strohfeuer, der sich anfänglich hinter Heidekönig, Fahrewohl und Nuschy legte. Im Bogen zog Strohfeuer in Führung, die er knapp aber sicher gegen Heidekönig, Edelweiß und Kemerad verteidigte." Die reizenden Namen Fantasia und Strohfeuer, die den siegreichen Pferden gehören, geben den Leuten mit Fantasie vielseitige Anregungen. Preußendiktator Göring sollte da ein Machtwort sprechen und den Rassepferde wart in«einem Ministerium anleiten, den Rennstallinhabern beziehungsreiche Pferdenamen zu verbieten. Das Elend des^Buchhandels Katastrophe eines Verlags Wie elend es dem deutschen Buchhandel geht, zeigt die Tatsache, daß der uralte und große, in der ganzen Welt bis März 1933 angesehene Verlag Dundter und Humblot, München, seine Standard-Werke zu so tief herabgesetzten Preisen anbietet, daß es einem Verschleudern gleichkommt. Die Bücherliste der verramschten Werke ist bezeichnend: Festgabe für Werner Sombart statt 14.50— 9 RM.; Festschrift für Spiethoff statt 14.50— 8 RM.; Kevnes, Vom Gelde, statt 24— 12 RM. Adolf Weber. Volkswirtschaftalehre. statt 53— 48 RM.: Wiese, Svstem der allgemeinen Soziologie, statt 27— 19 RM Im übrigen liefern die wissenschaftlichen Verleger ins Ausland zu jedem Preis. Man kann z. B. die angeführten Werke in Belgrad noch um 30 Prozent billiger kaufen. Aber auch das hilft nichts. Der deutsch* Buchhandel hat sein Publikum verloren. Die„schamlose" Zeichnung Em Prozeß um den„Aufruf" in Saarbrücken 0 Prag erscheint seit einer Reihe von Jahren eine Lettschrift„Ausruf, Streitschrift für Menschen- îechte". Im Deutschland von UM. dessen Propaganda- Minister Dr. Wöbbels die Menschenrechte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für abgeschafft erklärte, ist-- Aug man es betonen?- diese Zeitschrift verboten. Jede Nummer erscheint mit einem T it c l bil h. das irgend eine aktuelle Frage, oft tm Spiegel der Karikatur, wiedergibt, «ga auch die Nummer vom 1. September, deren Titelbild in Unerbittlicher zynischer Offenheit die Rassentheorie der HAnkreuzler glossierte.^ Die Zeitschrift hing im Aushang der Buchhandlung der xVolksstimme" zu Dudweiler. Der Herr Polizeiwachtmeister Ntpperger erblickte das Bild. Er ging in den Laden «nb erstand das Blatt * Nun ist eine große Haupt- und Staatsaktion daraus geworden. Drei Angeklagte sind vor der Straf, kammer Saarbrücken erschienen: Der Leiter der Liga tur Menschenrechte im Saargebict. Max Waltz, der Verleger der„Bolksstimme" Ernst Klopfer sowie der Arbeiter Ludwig Wern. Zu Beginn der Verhandlung wird erwähnt, baß das inkriminierte Blatt zu Dudweiler im Aushang ding, während eS in Saarbrücken in der Buchhandlung der -.Volksstimme" lediglich im Laden verkauft wurde. ver Rasse-Rechtsanwalt »»Der Glaube von Millionen Deutscher" nrawar ge eignet, Ruhe und Ordnung im Saargebiet zu stören. Natiomrl«r-r"^te Deutsch«-mrltßten sich zutiefst dagegen em- Pörcn. Darum sei auch dem Gericht die vom Staatsanwalt «ranit' «MW WW M... M. habe. Dem Angeklagten Klopfet sei keine Schuld nach- /inweisen. Darum wirb er freigesprochen. Gegen das Urteil hat Waltz Beschwerde beim Obergericht in Jaarlouis eingelegt. Hier wird es vermutlich erheblich korrigiert werden. Der Herr Staatsanwalt der sich mit wahrhaft religiöser Inbrunst zum Rassenfanatiömus be- kannte und darauf seine Straianträge aufbaute, ist als Be- amter der Völkerbundsregierung eine recht interessante Figur. Wie diese Zeichnung, die längst vergessen ist u»d von einem Saar-Polizeibeamten zur Denunziation benutzt wurde, die„Ruhe und Ordnung" tm Saargebiet stören könnte, wird das Geheimnis des Gerichtes sein und bleiben. jeaiBDBQSSl II ATTRAKTIONEN 27, RUE B R É A Bar-Cabaret-Dancing MONTPARNASSE TÉLÉPHON DANTON 64,85 Die ganz* Nach* geUf fnet. Mit diese? Annonce bekommen Sie 1Q% Preisermäßigung- I G O L D QrlKcnUn», lit 8IM0N0 24. Fg Montmartre(l te Et.) I der am feuerst, bezählen wird Vegetarisches Restaurant 42, Rue de la Montagne S-te Geneviève. Metro Maubert. Alle SPEISEN NACH WAHL, t,~ Fr., 2- Ft., 3,- Fr. Auch die„Kleina Aniaioe" in dar „Dautsohen Frai* helfbrinot Erlolg Maisonnelte des Comédiens Russes Erstklassiges Restaurant-Cabaret. 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Als sie das Geschäft des Neustädter auf der W-seler Straße erreichten, begannen sie auch hier die Scheiben zu vie Hölle von Dachau Die in Prag erscheinende„Sopabe-Information" ver- öffentlich! einen Entsetzen erregenden Bericht über das Konzentrationslager in Dachau. Er stammt von einem aus Dachau entflohenen Häftling, der früher der TA. angehörte: „Der Lagerkommandant von Dachau ist eine Bestie, das Wort Sadist reicht nicht aus für dieses Scheusal. Eine Zeitlang war er vom Lager Dachau weg und die Inhaftier- ten glaubten, weil er es zu bunt getrieben hatte. Er war aber beim Innenministerium beschäftigt. Seit einiger Zeit ist er wieder in Dachau. Dieser entsetzliche Mensch macht sich z. B. folgendes Vergnügen: Er begibt sich unter«inen Trupo Gefangener, plaudert mit ihnen, steigert diese Plauderei zu Scherzereien, klopft einem Gefangenen aus die Schulter wie wenn er sein Freund märe, wird groß- mütig und gibt einem Gefangenen eine Zigarette zum Rauchen und auf einmal— schlägt er den Gesänge- nen mit aller Kraft, die ibin eigen ist, ins Gesicht. Der Gefangene fährt natürlich zusammen, ist sprachlos und starrt wie ein Lebloser den Lagerkommandanten an. Diese Haltung des geschlagenen Gefangenen(„des feigen Aases, das zusammenzuckt") erregt dann anscheinend den Lager- kommandanten und er gibt das Zeichen, daß der Geschlagene ivfort von der bereitstehenden Nazimannfchakt abgeführt und erbärmlich mißhandelt wird. Haben es die um- stehenden Gefangenen nicht verstanden, sofort zu ver- schwinden, so werden auch diese abgeführt und schioer miß- handelt. Dieser Lagerkommandant hat den Namen„Baracken- schreck" Besonders gransam ist er gegen eingelieferte SA.-Leute. Vor kurzem ließ er drei unfolgsame S 31- Lcute z u Tode foltern Einem dieser SA.-Leute wurden die Brustwarzen mit Zigarcttenstumpen aus- gebrannt. Eine besondere Strafe in Dachau ist der Dunkel- arrest. Die dortigen Gefangenen haben nicht nur völligen Lichtcntzug, sie bekommen von Tag zu Tag immer weniger zu essen, bis sie verhungert sind. Noch nie ist ein Lebender aus der Dunkelzelle herausgeholt worden, aber schon sehr viele Tote. Ein besonders zäher Lagerinsasse bekam 6 Wochen Dunkelarrest. Es sprach sich herum, baß dieser in der Dunkelzelle noch nicht verhungert fei. Die anderen Inhaftierten, die von diesem Fall wußten, zählten Me Tage und warteten mit größter Neugierde, wie der Bedauernswerte wohl aussehen möge nach diesen 6 Wochen Hungern ohne Licht und frische Luft. Der Tag der Frei- lassung kam, das Opfer lebte noch immer.„Morgen kommt er heraus," flüsterten sich alle zu, die von diesem Vorgang wußten. Doch am Abend vor diesem Morgen körte man in der Dunkelzelle lange Zeit Schlagen, ein Stöhnen und Heulen. Am nächsten Morgen trugen Nazis mit zufriedenen Gcsichern wieder einen Toten aus der Dunkelzelle. Diesmal war es kein Verhungerter, sondern ein Erschlagener. Fürchterlich muß die Ermordung des kommunistischen Landtagsabgeordncten D r e s s e l gewesen sein. Man hatte ihm ein Messer und einen Strick in die Zelle gelegt und gesagt, wenn er das innerhalb 24 Stunden nicht in ent- sprechender Weise angewendet habe, werde er erschlagen.' Einem anderen Kommunisten hat man die Leiche von Dreisel gezeigt und dann in seine Zelle auch Messer und Strick ge- legt. Dieser Kommunist ist in der Nacht entkommen. Heute noch wird unter der SA.-Mannschaft untersucht, wer diesem Kommunisten zur Flucht verholfen haben könne. Wenn Hitler erklärt, daß im Laufe der Revolution nur 30 Mann umgekommen seien, so ist die Antwort, daß allein in Dachau schon mehr als 30 Menschen umgebracht wurden" Ilch z» machen, die heute der Glauben von Millionen Menschen in Dcntschlatrd sei(!). . Der Staatsanwalt ist nicht der Auffassung, baß Klopfer sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht hat. Darum be- ^?ers«â Er^se^Führer einer politischen Bewegung und voll verantwortlich für den Vertrieb der Zeitschrift, deren Titelblatt ein Vergehen wider den Paragrasen 184, Verbreitung unzüchtiger Schriften, bedeute. Da er außer- dem aus dem Vertrieb noch materiellen Gewinn drehe, fei er in eine Geldstrafe von 000 Franken du nehmen. Wegen des HauptdelikteS beantragt der Staat»- anwalt 6 Wochen Gefängnis. vas«rte» Waltz erhält drei Monate Gefängnis Klopfer wird freigesprochen, Waltz erhält wegen Ver- Sehens wider den Paragrasen 184 drei Monate Ge- i a n g n i s, Wern werden 800 Franken Geldstrafe zu- erkannt. Die Abbildung sei, so heißt es in der Begründung, im höchsten Maße schamlos. Waltz mußte sich ohne Zweifel über die Schamlosigkeit^klar sein. Das saarländische Gericht ~; bjiutschei An- und Verkauf zantralauroptiaehar und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles* P. Michel 34, RUE LAFFITTE. PARIS IX TCLKPON TAI TBOUT 98-40 BIS 45 Urwaldforscher Fawcett lebt bekleben. Neustäbter kam heraus und sagte zu der Klebe- kolonne, man möge es doch mit dem Bekleben nur halb- wegs machen. Darauf trat einer der SA.-Bubên ihm mit dem schwere», eisenbeschlagcnen Stiefel vor den Leib. Die Frau döö war Zeugin des Borfalles. N. brach zu- sammelt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er am Montagmorgen starb. Am Freitag wurde er auf dem israelitischen Friedhof in Holten beigesetzt. Kein Polizei- ober Pressebericht meldet in Deutschland diesen Vorfall. Das Schweigen der Presse ist verwunderlich, da der Mörder doch zweifellos ein verkleideter Kommunist gewesen ist, einer der vielen unwürdigen Provokateure, die nicht be- rechttgt sind, das Ehrenkleid des Herrn Reichskanzler» zu tragen. Durchhalten! Bescheidenheit der Hamburger Pfeffersäcke h. h. Das„Hamburger Fremdenblatt" veröffentlich« in der B-AuSgabe seiner Nr. 317 vom IS. November aus der Feder eines bekannten Herrn Dr. Eduard Hallier einen außer- ordentlich interessanten Leitartikel, in dem eS heißt: „Immer wieder trifft man in unserer Baterstabt Kauf- leute, Mite' eder der gelehrten Berufe, Handwerker u. a., die auseinandersetzen, daß e« Hamburg schlecht gehe, und daß Hamburg nicht wieder in Ordnung käme, denn der Erport komme ja doch nicht mehr aus die Beine, mit der Bedeutung Hamburgs sei es endgültig vorbei. Nun ist gewiß richtig, baß die Lage Hamburgs zur Zeit besonders schwierig ist. Aber wen» die Arbeits- losigkeit im Lande weiter erheblich absinkt, wird es für famburg möglich sein, wieder emporzukommen und viel- eicht in bescheidenerem Umfange als bisher, aber jedenfalls folgerichtig, den erstarrten Handel wieder "ÄmÄeses^Ziel zu erreichen, muß durchgehalten werden. Dazu gehört eine starke Seele und ein nicht zu brechender Oberst Fawcett, der bekannte Sübamerika-Forscher, der acht Jahre verschollen war, wurde jetzt von Missionaren im Gebiet des Malta Grosso bei einem Eingeborenenstamm lebend aufgefunden- Fawcet und sein Sohn befinden sich dort so wohl, daß fte sich weigern, zurückzukehren. Wille. Gerade daran lassen es beute in Hamburg viele fehlen. Sie meinen, es habe keinen Zweck. Mit Unrecht! Gelingt es, Deutschland zur Gesundung zu bringen, glückt es, die schwersten Tage der Rekonvaleszenz zu über- winden, dann muß Hamburg notwendigerweise wieder emporkommen. Es ist dabei nicht nötig, daß der Handel die riesigen Ausmaße, die er um die Jahrhundertwende geltung einengen.— Soweit die Kapuzincrpredigt des Herrn Dr. Hallier. Den Hamburger Patriziern wird es— soweit wir sie kennen — ein magerer Trost sein, baß sie zwar folgerichtig, aber immerhin doch zugrunde gehen. FRANZÖSISCH Rapid-Ausbildung für Berufszwecke Aufenthaltsformalitäten, Arbeitsgenehmigung PROFESSOR SPIRGATIS Brüssel 7, ru« Travenltre Tel: 17.«t. M. „Settie" hat fast 18 700 Meter erreicht Washington, 28. Nov. Die Nachprüfung der mente hat ergeben, baß der Stratosphärenballon eine Höhe von 18 ö?7,3 Metern erreicht hat. etile" OinriKlii Reslmanl Bifiper BRÜSSEL 3. nie du Dernier, hinter Kaulheue l'Innovation Mittag Dinar, Abend Souper W Suppe, FlelMhaan*«'»»">-»«> v—»1 eip.chließ>lch Getränk, Redlniun«. Brot n.eh Be- liehen. 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I Querstraße rechts vom Platz Ôrouckère Mittagessen von 6,— bis 10,— Pr. Abendessen von 8 bis 13 Uhr bestehend aus Suppe. Fleisch Gemüse und Bro». Preis nur 4,— Fr. Deutschland In der Wellpolltlk Unter diesem Titel läßt der ganz und gar gleichgeschaltete Gi seih er Wirsing ein außenpolitisches Programm Nazidcutschlands erscheinen. Im wesentlichen konzipiert auch Wirsing die irrsinnigen Gedankengänge von Franz Mariaux, auf die wir bereits hinwiesen, nur ersetzt er die grade Plumpheit des Mariaux durch eine weltmännisch sanfte Tarnung. Auch er ist der Meinung— und das sind die einzigen Partien des Buches, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen—, das, der deutsche Faschismus die Verfassungen aller demokratischen Staaten verändern werde, denn die NSDAP, werde Nachahmer in allen Staaten mit „liberalistischcn" und demokratischen Systemen finden, die als Verbündete der Nazi zu werten seien. Das internationale Ziel sei, an die Stelle des Völkerbundes das„Prinzip der Föderation der Nationalismen" zu setzen, wobei nur die Auseinandersetzung zwischen dem polnischen und deutschen Nationalismus über den Korridor interessant sein wird. Das Axiom, von dem Wirsing ausgeht, lautet:„Deutschland hat endgültig die Basis verlassen, auf der das Versailler System ausgebaut ist. Man verstehe recht:„Wir haben die Basis verlassen. Das kann selbstverständlich nicht bedeuten, das, mit der Revolution von 1988 auch der Kamps um unsere äußere Geltung schon entschieden wäre. Wer dies glaubte, verfiele einem gesährlichen Trugschluß. Der Kampf nach außen hat mit dem Anstritt aus dem Völkerbund erst eigentlich begonnen? aber der Ausbau im Innern ist die Boraussetzung für den außenpolitischen Erfolg. Dem Diktat von 1V19 entspricht in der Innenpolitik die Auf- rechterhaltung der formalen Demokratie und in der Wirt- schaft die Ausrechterhaltung des Kapitalismus." Nach Aus- einandersetzunq der These, daß alle antiparlamentarischen Bewegungen der Welt, dem Nazitum verbündet sind, fährt der Wirsing fort:„Es wird durch die praktische Außenpolitik erwiesen werden, daß es in Deutschlands wohlverstandenstem Interesie liegt, wenn es den Kampf gegen das Versailler Diktat zu einem antiimperialistischen Kampfe schlechthin ge- macht hat." lAlso durch Anti-Impcrialismus zum Imperialismus: genau so wie in der Innenpolitik durch Schein- svzialismus zur Regentschast Thyssens!)„Wir sind nicht so töricht zu leugnen, daß dies Deutschlands eigenes Interesse erfordert, aber wir sehen gleichzeitig, daß glücklicherweise hier unser Interesse mit dem aller von den westlichen Tiegern unterjochten Völkern zusammenfällt. Mögen sie nun dieses Joch in Form sogenannter Bündnisse tragen, die sie in Schuldknechtschast oder Abhängigkeit gebracht haben oder in der Form des offenen Diktats wie wir. Teutschland steht da- mit in einer Front, die weit über die Grenzen Europas hinausreicht. Die nationalsozialistische Idee wird das große Rückgrat dieser FroNt werden." Um all das ganz zu verstehen, muß man sich vor Augen halten, daß mit der systematischen Ausputschnng der deutschen Minderheiten bereits begonnen wurde. Das Auslandsinstitut Stuttgart, der Verein für das Deutsch- tum im Ausland sVDA.i und das Elsaß-Institut in Frank- furt a. M. sind die vorläufigen Zentralen dieser Propaganda. An die Errichtung weiterer Stellen wird gedacht, so soll z. B. das Ibero-Amerikanische Institut in Berlin ausgestaltet werden: gewisse Auslandsvereine sind stillschweigend gleich- geschaltet worden usw. Dieses Konzept der Außenpolitik, das Mariaux und nun auch Wirsing offen oder halb verhüllt vortragen, verdient das Interesse aller, die Europa nicht in das Ehaos eines neuen noch irrsinnigeren Völkermordes taumeln lasten wollen. Es sind bereits aber breite Ansätze vorhanden, die beweisen, daß das System der Naziaußen- politik über Europa hinausgreift. Mit den Japanern ist ver- handelt worden, das Resultat wirb geheim gehalten. Auch Wirsing betrachtet die japanische Politik mit ausführlicher Sympathie. Daö Kaiserreich Indien und der holländische Kolonialbesitz werden ebenso ins Kalkül gezogen, wie die Äonfliktsmöglichkeiten im Pazifik. Wirsings Buch macht ganz deutlich, daß die hitlcrdcutschc Außenpolitik nicht etwa allein mit einem französisch- deutschen Konflikt rechnet, sondern daß sie bestrebt ist, ans dem sranzöstsch-dentschen Znsammenstoß einen Konflikt aller gegen alle zu machen. 1914—1918 tobte der europäische Krieg: was nach Mariaux und Wirsing kommen muß, ist ein wahrhaftiger Welt- k r i e g, der auf allen Kontinenten spielen und der ein Ehaos zurücklassen wird. Eben auf dieses Chaos wird spekuliert: denn im Dunkel des Zusammenbruchs der zivilisierten Welt sieht man die Chancen des neudeutschen Imperialismus. Mariaux, der als erster das Hitler-Konzept verraten hat, ist ein relativ unbedeutender Handlanger der deutschen Außenpropaganda: Wirsing gehört zu den besten Theo- retikern des neuen Imperialismus, seine Darstellung ist in dem sehr ernst zu nehmenden Verlag Eugen Diederichs. Jena, erschienen. Wirsing darf Anspruch darauf erheben, von der Welt gehört zu werden: ja man muß sagen: es ist überaus wichtig, daß die Welt ihn hört, damit sie wisse, was ihrer wartet. AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der .Deutsche Freiheit" für Elsass-Lothringen Annahme von Abonnements Und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2, rue Sédillot Strasbourg J Achtung, Elternf Mein lugendheim. bedeu». vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3~ Grande Rae 20 Minuten Bahntahrt vom Bahnhot St Lazare, Paris Telefon Garchet Nr. 629. Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw. Überleitung in die kränz Schulen. Gymnastik, Sport FRAU DR. BERG 330 Immer mehr Lnffsdinfr Auf einer Dresdner Tagung befaßte man sich ausführlich mit den Fragen des Luft- und Gaskrieges. Es sprachen: Major von Dühring über„Werkluftschutzleiter, Werkluft- schuyplan und Erfahrungen bei den letzten großen Lust- schutzübungen in Mitteldeutschland und im Rheinland". Ein Werkluftichutzplan ist in Ausarbeitung. Der Berliner Brandirektor Lücke sprach über„Allgemeine und aktuelle Fragen des industriellen Luftschutzes". Er beschäftigte sich vor allem mit der Frage Jier Unterbringung der Belegschaft". In kurzen Referaten wurden„Sonderfragen deS industriellen Luftschutzes" behandelt. Der Dresdner Brand- dircktor Ortloph sprach über„Luftschutzmaßnahmen im Stadtgebiet Dresden mit besonderer Berücksichtigung der Nachrichtenmittel sür den industriellen Warndienst". Peres vom Präsidium des Reichsluftschutzbundcs berichtete über „Erfahrungen und Lehrmaterial, Luftschutzausbildungskurse. Verwendungsmöglichkeit der Einrichtungen und des Ma- tenais des Reichslustschutzbundes für Ausbildungszwecke im industriellen Luftschutz". Auch Lehrfilme über industriellen Luftschutz wurden vorgeführt- Mehrere Großfirmen sZeiß- Jkon-AG., Reemtsma-Werk Jasmatzij führte ihre Lust» schutzeinrichtungen vor: Neuerungen auf dem Gebiet des Gasschutzes zeigten Träger und Auer, sowie die Hanseatische Apparatebaugesellschaft. AI I g« m• 1 n« Deutsche Poliklinik Chefarzt Profcisor WENSTEN I) SPEZ1ALXRZTUCHE ORDINATION lür»amtlich. 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Ein„pariser" Taxen-Ehausfeur, der ein Russe ist und auf den Namen Wc- nttschko hört, wurde von einem wohnungslosen„Pariser" aus Guadeloupe namens Occo mit dem Mesier bearbeitet. Ter Stusse wurde in die Klinik, der Guadeloupeen in das Untersuchungsgefängnis. Die Zeitungen fahren sort, abenteuerliche Geschichten von dem wegen zweier Frauenmorde in der lyoner Gegend ver- hasteten früheren pariser Anwalt Bonnet zu erzählen. Es wird festgestellt, daß er perfekt Deutsch spricht. Bonnet rühmt sich fälschlich, Geheimagent gewesen zu sein und im Kriege den Schwarzwald überflogen zu haben. Auch will er mit dem Ex-Kronprinzen gespeist haben. Die literairEchen Kreise sind lehr gespannt wegen den be» vorstehenden Austeilung des Goncourt, und des Femina- Preises. Vor?ra, 7 und 10 Franken am Saaleingang(für politische Flüchtlinge in den Flüchtlingskasernen werden einige Karten zu 2 Franken reserviert!. BRIEFKASTEN W. H. Straßburg. Da der„Völkische Beobachter" im Saargcbict verboten ist, haben wir von der unsinnigen Behauptung des„Böl- tischen Beobachter" erst aus dem Umwege über die„Deutsche Allgc- wein« Zeitung" Kenntnis erhalten. Die„Deutsche Freiheit" ist während ihres achttäiigcn Verbotes nicht bei den„Stragburgcr Neuesten Nachrichten", sondern bei der sozialistischen„Freien Presse" in Straßburg gedruckt worden. ES brauchte sich also niemand in Paris um den Druck bei den„Straßburger Neuesten Nachrichten" zu bemühen. Tie sranzösischen Behörden haben unS während des Verbotes weder einen Vorteil gewährt noch einen Nachteil zugefügt. Wir mußten lediglich die für alle Zeitungcn geltenden gesetzlichen Bestimmungen erfüllen. Wahrscheinlich ist der„Völkische Beobachter" von einem seiner saarländischen Mit- arbeitet angelogen worden, und er hat mit Wonne den neueste« sozialdemokratischen„Landesverrat" verbreitet. Brüssel. Nun sind wir wohl wieder einig. Tic sehen, daß Tie selbst monatelang gebraucht haben, um die Wahrheit zu erfahren. Es ist wirklich oft sehr schwer, zuverlässige Nachrichten über die Folterungen und die Morde zu erlangen, weil sich alle fürchten, die Wahrheit zu sagen. Erst später wird sich herausstellen, wie dieser Hitler verlogen ist,^ind wieviel Bestialitäten auf sein Santo kommen. Nach Ihren langen und gründlichen Ermittlungen sind allein in DuiSburg-Hamborn ZV Marxisten von den Beauftragten des Reichskanzlers ermordet worden. Tie meisten der Opfer gelten als„vermißt" oder werden als„Telbstmörder" abgetan. „Ausruf", Streitschrift für Menschenrechte, Prag 2, Krakovska 18. Aus dem Inhalt der Nummer vom IS. November: Max Teydc- wiy: Kommt der europäische Krieg? Walter Tschuppik: Acht Monate in der Hölle: Gregor B i c n st o ck: Die Tpaltung in Frankreich— Der Henker in Wien: Otto Burgemeister: Die Oslo-Entente und Robert D a m a r: Der Nationalsozialismus in Rumänien. Probenummern gratis durch die Verwaltung des „Aufruf". A. H. in G. Hans Friedrich war im Konzentrationslager«Tonnen- bürg. Seitdem weiß man nichts mehr von ihm. Unsere Notiz hat leider das erhoffte Ergebnis nicht gehabt. Auch von St. wigen wir nichts. Warum man Hamburg das„Fest des Handels" entzog? Wir vermuten, daß man sich in Braunschweig sicherer fühlt. Hier ist ZA. sturmerprobter als an der Wagcrkant, wo die Nationalsozialdemo- kratischcn Machthaber dauernd Eirund zur Unzufriedenheit mit der breiten Alane der Bevölkerung haben. Mit der Seeluft kommen vielseitige antifaschistisch« Düfte. Und dann: in Hamburg ist die Katastrophe des deutschen Handels viel sichtbarer als in Braun- schweig, wo man den„Handel" ruhig seiern darf, ohne durch einen toten Hafen gestört zu werden. Beste Grüße. F. R. Saarbrücken. Tie Erwiderung ist viel zu lang. Mehr als unbedingt nötig, wollen wir gegen die„Taarbrückcr Zeitung" nicht polemisieren. Das waS das Blatt„Kräftige Abfuhr der Emigran- ten" überschreibt, stammt von einem gleichgeschalteten Ausländer. Das heißt: er liebt dieselben goldenen Quellen, aus denen die „Ueberzeugung" der gleichgeschalteten Taarprcise gemacht wirb Bc- halten Sie und andere die Sehnsucht dieser Redakteure nach Fuß- «ritten und kräftigerem Zuschlagen gut im Gedächtnis. Solcher Sorte ist nicht wvftl, wenn sie in zivilisierten Formen behandelt wird. F. H. Zt. Galle». Es ist wirklich dankenswerL daß Sie sich die Mühe gemacht haben, uns den Briefwechsel zu übermitteln. Er wäre sonst nicht zu unserer Kenntnis gelangt. Wir werden da» ganze Material abdrucken. Erhalten Sie uns Ihre Freundschaft. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz In Dud- weller: für stnserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Be>lag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken ll, Schüyenstraße 5. Dr. Spécialiste 96. rue de Rivoli— Métro: Chatelei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Holluug von Krampladern und oftenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität im Ottings verfahren Trypalle vine. Einspritzungen Bluf. und H«n.Untersuchungen. Sper. maxu rur Salvarsan Wismut u,w. Sprechstunden täglich von 10 12 und von 4—8 Uhr sonnt.gs von 9—12 Uhi Konsultationen von 25 Fr. ah. Man sprich dentach Tél. Tnnité 43-13 Métro P i g a 11• Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine b) Chirurgie c) Geburtshilfliche d) Zahnärztliches Konsultationen Zweiitöckigei Sanjto. Klinik Kabinett riumsgebäude. Die aller» Vierstöckiges Gebäude, mit 9 Spezialisten modernste Einrichtung Zimmer mit 1 bis 4 Betten Zahn» und Mundchirurgie Ordination täglich von 9—12 und 2-8; Sonn, und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr Doktor Wachtel Harn«, Blut, und Hautkrankheiten 123, Bd. 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