I Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veutschlands Kummer 134— 1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 26.27. Nov. 1933 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt Deutsch- ostecceichischee Qcenzhcieg Seite 3 Wofüe SAcips gut sind Seite 4 Was die deutsche Jkesse vecschuxieg Seite 5 tuxige Tleutcalität des Suacge&iets Seite 8 JjtsecatenteiC beachten! 4Z minoren Bft Korrmmonsionds So finanziert Göbbels die Lügenpropaganda— Geiaisdife Budgetziffern und der Schwindel mit den Rundfunkgebühren v Berlin. ZZ. Nov. Mg. Bericht.» Als„8« Petit Pa r i s ien" und«Sunday Re- \f tte"^ie sensationellen Enthüllungen über die Göbbels- w)en Propagandamethoden im Ausland machten» da lieh der Trommler der Heuchelei unter anderem als„Gegenbeweis" avSstrenen» daß ihm zu so umfassender Korruption doch die nötigen Mittel fehlten. Wir sind heute in der Lage» an Hand **s offiziellen Reichshanshaltplancs. von dem bekanntlich Nur die Endsummen» nicht aber die Einzelpoftcn veröfscnt- licht wyrden. den Nachweis zu erbringen, daß Herr Göbbels auch hier wieder frech gelogen hat. Ohne aus zusätzliche Mittel aus der Notenpresse einzugehen, hat die Nazi- Propaganda nach ihrem eigenen Etat die enorme Summe "an CS Millionen RM. zur Verfügung. Im Etat ausgewiesen find 2,6 Millionen für inländische Propaganda. Im vorjährigen Haushalt stand für diesen Zweck nicht ein Pfennig. Welche Schmutzflut von gehässiger Hetze wurde doch vor und nach Hitlers Regierungsantritt llcgen die sozialdemokratischen Minister Braun und Severing lasgelassen, weil sie im Einverständnis mit den Regierungs- Parteien 2 Millionen für die Wahl Hindenburgs ausgegeben hatten. Für ausländische Propaganda stehen im Etat 7 Millionen Reichsmark» für welche» Zweck im Vorjahre 1,9 Millionen ausgewiesen wurden. Im gleichen Etat find 10,6 Millionen Reichsmark auf- vesührt als Ueberschuß aus den laufenden Gebühren des Rundfunks. Dah dieses Geld dem Propagandaministerium zur Verfügung steht» ist bekannt, aber diese Ziffer ist wissent- lich falsch angegeben» was sich leicht errechnen und beweisen läßt. Nach den amtlichen Ziffern gibt es in Deutschland 4,5 Millionen zahlende Rundsunkhörer» von denen jeder S NM. monatlich an Gebühren zahlt. Das find im Jahr ins- gesamt 108 Millionen. Davon verbleiben 55 v. H. salso 59,4 Millionen! dem Rundfunk für seine eigenen Bedürfnisse» während die Rcichspost die restlichen 45 v. H. salso 48,6 Mill s bekommt. Bon dieser letzteren Summe hat die Post reine Ausgaben in Höhe von 12 Millionen, es verbleibt also ein wirklicher Ueberschuß von 36 Millionen Reichsmark, die dem Propagandaministerium zufließen. Man verschweigt den Rundfunkhörern in Deutschland schonend diesen enormen Ueberschuß, damit sie nicht erfahren, daß sie zu Korruptions- zwecke viel zu viel für die ewigen Parademärsche der deutschen Sender bezahlen. Dem Ausland aber sagt man die wahre Summe nicht, damit es nicht wissen soll, mit welch enormem Geldanswand seine öffentliche Meinung verseucht wird. Wer diese richtigen Ziffern sunter dem Vorbehalt, daß die beiden ersten wirklich stimmen!) nunmehr kennt, kann leicht mit uns zusammenrechnen: 2,6 plus 7 plus 36 macht gute 45 Millionen Reichsmark für Göbbelspropaganda. Für erfolgreiche Regierungen sprechen ihre Taten, für die Regierung Hitler muß der Propagandaminister sprechen und — schwer bezahlen! I Neue Regierungspaläste Bankfürsten und Nasibonzen Immer wieder wird versichert, daß diese Reichsregierung, ^'e nun mit Göbbels, Göring, Frick und Hitler an der spitze steht, so äußerst sparsam und korrekt sei. Den »<-Ystem"-Regierungen wird immer wieder durch die Göbbels-Propaganda vorgeworfen, daß sie die Gelder des Meiches und der Länder nur so herausgeschmissen hätte. In Wirklichkeit aber schmeißen sie nun, die faschistischen Herr- Schäften, die Gelder haufenweise heraus. Die neue» Herren Minister können sich mit den„kleinen Räumen" der früheren "'cht zufrieden geben. Wie sie in ihrem Privatleben fsiehe Döring) den luxuriösesten Wohnungsaufwand treiben, so Zollen die Herrschaften auch ihr Regierungsgebäude in »Form" sehen. Ganze Komplexe werden abgerissen und "tue Riesenpaläste entstehen. Das genügt ber noch nicht. Die Regiererei der Nazis fühlt sich Unmer noch beengt. Und so hat man jetzt mit der Deutschen ^ank und Discontogesellschaft ein neues Geschästchen ge- ^acht. Die Bank wird dabei ihre Spekulationsobjekte in °tr Charlottenstraße- und Bchrensstraße in Berlin los und "ie Reichskasse wird bei dieser Gelegenheit um einige Mil- ^onen erleichtert. Eine Hand wäscht die andere. Nazis und ^anksürsten vertragen sich im„dritten Reich" auf das beste. Wie diese große Schiebung vor sich geht, offenbart folgende wtb.-Meldung aus Berlin, in der es heißt: „Das Reich hat zur Unterbringung bisher getrennter Ministerien die seit vier-Jahren leerstehenden Gebäude der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschas« Unter den Linden. Charlottenstraße und Bchrensstraße erworben und als Gegenleistung der Bank einen Posten ihrer eigenen Aktien, die aus dem Besitz der Deutschen Golddiskontbank stammen sowie einen Posten 5prozcn«iger Reichsschatzanweisungen überlassen. Die Bank wird von einem bisher für sie unpro- duktiven, ihr Lasten auserlegenden Grundstück unter Vcr- klcincrung ihres Liegenschastskontos befreit. Die in ihren Eigcnbesitz übergehenden innerhalb von 19 Prozent des Aktienkapitals liegenden Aktien wird sie später einziehen und das Aktienkapital' entsprechend herabsetzen. Damit ver- ringert sich zugleich der im Besitz der Deutschen Golddiskont- bank verbleibende Kapitalanteil. Dem Reich ermöglicht der Grundstücksbesitz im Interesse der Vcrwaltnngsverein- sachung die räumliche Zusammenlegung bisher weit aus- einanderlicgender Ministerien, deren Geschäftsbereich sich eng berührt." Verhandlungen der öroßmädilc? Bemühungen für diplomatische Ahröslungsgesprädie . In der Sitzung des Unterhauses vom Freitag hat sich der .ritische Außenminister Sir John Simon für Verband- r"ügen der europäischen Großmächte ausgesprochen. Er .?9tx unter anderem, Deutschland sei kein Objekt, dem man "'nsach diktieren könne, sondern es sei ein Part- "«t Bet Beratungen. Großbritannien sei entschlossen, °"les. was möglich sei. zu versuchen, um Teutschland von "un ab wieder als Partner für die Besprechungen zu ge- ,'Nnen. Die britische Regierung habe bereits Massnahmen ^«rissen, um diese diplomatische Fühlung- h m e in die Wege zu leiten. Sie sei über diesen r'cgenstand bereits mit der französischen und der "utfchen Regierung in Verbindung getreten. u.r* avoro Fascists" fetzt sich im Sinne des fchomver- ^.'kntlichten regierungsoffiziösen italienisch en Kommuniques für diplomatische Besprechungen ein. Erst dann "Urse xsne Konferenz in Genf oder anderswo stattfinden, "»n aus diesem Wege eine Einigung zustande gekommen sei. Die Schlußergebnisse sollten danm in der Abrüstungs- konfcrenz verabschiedet werden. Die große Mehrheit der sranzöstschen Presse verhalt sich nach wie vor ablehnend zu einer direkten Aussprache mit Deutschland., Sit den Ausnahmen gehört„Oeuvre, das einen neuen GrVfl für unvermeidlich hält, wenn Frankreich und Deutsch- land ssch nicht verständigen. Der Reichskanzler scheine sich keine Illusionen über den AuSgang eines kommenden Krieges zu machen. Tieger und Besiegte-würden von einer ungeheuren rnssisch-asiatischen Welle weggeschwemmt werden Niemand kann darüber, meint das Blatt, einen Zweifel hegen. Also? Verhandeln bedeutet noch nicht, sich verständigen. Aber wen» man sich zufällig doch verständigen würde? Und wenn man sich nicht verständigt, was hat sich denn dann geändert? Sollte» wir solche Angst vor den Deutschen haben, daß der Gedanke an eine Zwiesprache uns schon wie Eiven- laub erzittern läßt? Antikapltalistisclie Aktion von HendrikdeMan(Brüssel) Im Verlauf der zehn Jahre, die ich in Deutschland ver, brachte, habe ich den Aufstieg und den Triumph des Hitler- Faschismus miterlebt. Ich habe den sozialistischen Wider- stand zuerst Stück für Stück abbröckeln und dann zusammen- brechen gesehen,' ich habe alle Höhepunkte dieses schmerzlichen Kampfes mitangcsehen— doppelt schmerzlich für mich, weil ich ebenso überzeugt war von der Möglichkeit unseres Sieges wie von der Unzulänglichkeit der Mittel, mit denen wir ihn anstrebten. Nun, da ich nach der Nieberlage als Emigrant in meine Heimat Belgien zurückgekehrt bin, ist es mein Trost, daß ich, glücklicher als die große Mehrzahl der Opfer des Hitler- Terrors, aus meiner Erfahrung eine unmittelbare Nutzan- wendung ziehen und in den Dienst der internationalen Ab- wehr des Faschismus einen Kampfwillen stellen kann, den das schändliche Schauspiel der triumphierenden Hitler-Bar- barei noch fester geschmiedet hat. Und diesen Willen treibt der immer gegenwärtige Gedanke an die Leiden, die meine deutschen Genossen unter den Foltern der Konzentrattons- loger, im Elend oder im Exil erdulden und zu denen sich nagend und bohrend die Qualen des Zweifels, der Berzweif- lung, der erzwungenen Untätigkeit gesellen. All das verdichtet sich zu einer Art von Besessenheit, die das ganze Denken auf eine Frage konzentriert: Wie kann man verhüten, daß der ganze europäische Sozialismus ein solches Schicksal erleide? Auf die Gefahr hin, von manchen mißverstanden zu werden, sage ich, daß meiner Meinung nach der internationale So- zialismus einen schweren Fehler beginge, wenn er'eine ganze Aktion ausschließlich unter die Parole des Antifaschis- mus stellte. Ich sage das, obgleich ich der faschistischen Ge- fahr nicht weniger, sondern mehr Bedeutung zumesse alz die Mehrzahl der Sozialisten, die den Faschismus allzu ober- flächlich betrachten. Für oberflächlich halte ich die Ausfassung, die den Anti- faschismus lediglich als Aktion zur Verteidigung der beste- henden demokratischen Freiheiten betrachtet,' oder als parla- mentarische Politik, die die Gegensätze zwischen den Fasän- sten und den anderen bürgerlichen Parteien ausnützt: ober als Funktion einer besonderen Selbstschutzorgantsatton, die jedes terroristische Beginnen der safchistifchen Banden im Keime ersticken soll. Aber sind nicht gerade daS die Gedankengänge, in die sich die antifaschistische Ueberzeugung der Mehrzahl der westcuro- paischen Sozialiften einordnen läßt? Und, was noch beun- die Gegensätze unter den Gegnern ausnützen müsse. Sie hat ruhigenber ist: diese Aufzählung entspricht genau den Metho- den, die die deutsche Sozialdemokratie ohne Erfolg angewcn- det hat! Sie hat ihre Tolerixrungspolitik gegenüber den Bürger- lichen Regierungen vor Hitler damit gerechtfertigt, daß man dqmit dem Faschismus nur den Vorwand geliefert, die So- zialdemokratie mit der ganzen Unpopularität eines ohnmäch- tigen und verfallendes Regimes zu belasten: sie hat nicht verstanden, daß eine„demokratische" Regierung, die sich auf die schwache Grundlage solcher parlamentarischer Koalttio- neu stützte, ein viel sicherer Wegbereiter für Hitler war, als eine starke, offen reaktionäre Regierung, gegen die die So- zialdemokratie in kräftiger Opposition gestanden wäre. Der faschistischen Kritik dieses Regimes hat die Sozial- demokratie die Verteidigung der bestehenden demokratifchen Verfassung entgegengesetzt. Damit hat sie nur erreicht, daß jede Aktion, diese falsche kapitalistische Demokratie in die wahre soziale Demokratie zu verwandeln, gehindert und die Spaltung unter den Arbeitern, von denen die einen unter der roten, die andern unter der schwarzrotgoldenen Fahne marschierten, unheilbarer wurde. Endlich hat sie geglaubt, es genüge, um die Gefahren der Hitler-Miliz im Keime zu ersticken, auf eine Gegenmiliz zu vertrauen. Zu spät hat man bemerkt, daß diese Taktik im Widerspruch mit jener der Verteidigung der Verfassung stand, die doch für die beiden Milizen nur die gleiche Frei- heit gewähren oder das gleiche Verbot aussprechen konnte. In der Tat hat die Militarisierung der politischen Kämpfe den Fortschritt des Faschismus nur beschleunigt, da ste den Kampf auf das vom Gegner gewählte Terrain verlegte und den Antifaschismus selbst zum Mittel machte, durch das der 1 Berlin entidnschl Berlin, 25. Nov. Mg. Mldg.) Simon hat gester« mit keinem Wort davon gesprochen, wie sich England zu den im Wordergrunde stehenden Problemen stellt, und infolgedessen auch nicht angeben könne, welche praktischen Folgerungen es für sich selbst daraus ziehen will. Wichtig ist ihm dagegen ein negatives Moment: die Abrüstungskonferenz soll theore- tisch aufrechterhalten bleiben. Das große Interesse der eng- tischen Negierung an dieser Fiktion wird schon seit längerer Zeit darauf zurückgeführt, daß sie Henderson, dem Prä- sidenten der Konferenz, nicht die Möglichkeit geben will, end- gültig nach London zurückzukehren und im Unterhause die Führung der Opposition zu übernehmen. Die praktischen Borschläge Simons beschränken sich auf die naheliegende An- regung eines Meinungsaustausches der Mächte auf diploma- tischem Wege. Wie vor einem Jahr kommt es der englischen Regierung auch jetzt in erster Linie darauf an, Deutsch- land wieber als Verhandlungspartner zu gewinnen. Mit dieser formalen Ingangsetzung des Met- nungSaustauscheS wird aber nur dann ein wirklicher Fort- schritt erzielt sein, wenn nicht zuletzt Sir John Simon seine frühere Haltung durchgreifend revidiert. Faschismus Aufsehen zu erregen, Lärm zu mache« und für seine Dreschmethoben zu werben vermochte. Kurz, man beging den Grundirrtum, zu übersehen, daß man, um ein Uebel zu überwinden, seine Ursachen beseitigen und nicht bloß seine Symptome bekämpfen muß. Es wäre ein schweres Unrecht, den deutschen Arbeitern «üb den Führern der deutschen Sozialdemokratie nachzu- sagen, sie hätten es gegenüber der faschistischen Gefahr an Willen zum Widerstand fehlen lassen. Sie verdienen manchen Vorwurf, aber diesen nicht. Seit siebe« ober acht Jahren habe ich oft genüg und offen genug ihr Verhalten kritisiert, so baß ich nicht mißverstanden werden kann, wenn ich au» persön- ltcher Kenntnis und Erfahrung heraus behaupte, daß der Fehler der sozialdemokratischen Führer nicht darin lag, die faschistische Gefahr zu unterschätzen. Vielmehr haben sie sich eher von den unmittelbaren Erscheinungsformen dieser Ge- fahr allzusehr gefangennehmen und von einer Politik auf lange Sicht, die sich gegen die tieferen Ursachen gerichtet hätte, abhalten lassen. Man hat den Kampf gegen den Faschismus Îefûhrt, man hat alle Kraft, deren man fähig war, in diesem !ampf aufgewendet— aber man hat die Ziele diese» Kamp- feS und infolgedessen die Mittel schlecht gewählt. In diesem Kampf haben die sozialdemokratischen und kom- muntstischen Arbeiter Deutschlands eine Hingabe und einen Opfermut an den Tag gelegt, die denen ihrer Genossen in keinem andern Lande nachstehen. Sie haben nach Jahren schwerer Krise, am Brot ihrer Kinder gespart, um ihre Bei- träge zahlen zu können; sie haben sich während der Wahl» kämpfe Tag und Nacht gerackert: sie haben Dienst gebrummt wie die Rekruten, um dem Reichsbanner eine beachtenswerte militärische Kampfkraft zu geben. Nur leider: alle diese Opfer waren umsonst, weil der Kampfwtlle, der sie beseelte, in der falschen Richtung wirkte. Die Strategie der Führer bewegte stch auf dem für den Gegner günstigsten Kampfterrain und vernachlässigte, aus Mangel an Vorstellungskraft und schöpfe» rischer Kühnheit, den Boden, auf dem der Sozialismus un» Lberwtndlich gewesen wäre. Man hat eine VerteidigungSschlacht nm zerfallend« Gtellun» gen geschlagen— statt einer AngrtffSschlacht um neu« Post» tionen. Man hat sich von dem Grundsatz de» kleineren UebelS leite« lassen statt von dem Grundsatz de» größtmöglichen Gu» ten. Man hat vergessen, wa» BrailSford jüngst in einem Artikel schrieb:»Die Demokratie ist ein Ziel, da» wir er» ober«, nicht ein Besitz, den wir verteidigen müsse»." Und weiter:»Man kann die Demokratie nur verteidigen, wenn man den Sozialismus erobert." Je mehr man die Gefahr des HitlertumS wachsen sah, desto weniger hat man erkannt, daß, um sie zu besiegen, nicht der Antifaschismus baS richtige Mt- tel war, sondern der Sozialismus. Di« antifaschistische VerteidigungSaktton erreicht nur die S symptôme? nur die sozialistische Offenstvaktton ermöglicht, a» Uebel an den Wurzeln zu packen. Warum wird der Faschismus der sozialistischen Bewegung gefährlicher alS irgendeine der früheren reaktionären Be- wegungen? Der tiefste Grund liegt darin, baß der FaschiS» muS ein« reaktionär« Bewegung ist, die vom Mißbrauch revolutionärer Empfindungen lebt. Die faschistische Dema- gogie macht ihren soztalreaktionären Zwecken die antikapt» talistischen Stimmungen der Mittelschichten dienstbar. So wendet stch dt« soziale Unzufriedenheit, die der Kapitalismus to setner ZerfallSkrtse erzeugt, gegen den AntikapitaliSmuS ter Arbeiterklasse. Dieses Zurückschlagen der Flamme bedeutet den grund» legenden Widerspruch, der an der Wiege beS Faschismus steht, und ihm entspricht die Grundfrage, die der sozialistischen Aktion gestellt ist: Wie kann man den AntikapitaliSmuS der Mittelschichten zu unseren gemeinsamen Zielen hinlenken, um z« verhüten, daß er zum Werkzeug der nationalistischen, antiproletartschen und antisoztalistischen Reaktion werde? Die Lösung dieses Problems ist nicht ein Zurückziehen der Sozialisten auf beschränktere Stellungen, sondern eine scharf antikapitalistische Aktion, dt« kühn zu neuen Ziele« vorwärts strebt. Reichstagsbrandprozeß— 44. Tag Leipzig, 25. Nov. Als erster Zeuge in der Samstag- Verhandlung gegen van der Lübbe und Genossen wirb der Schriftsteller Werner Hirsch aus dem Konzentration?- lager vorgeführt. Hirsch war von 1028 bis 1030 Redakteur bei der„Roten Fahne" und von 1030 bis 1032 Mitarbeiter beim Zentralkomitee der Partei. Im Dezember sei er auS dem Parteidienst ausgeschieden. Er sei aber im Januar von der Partei noch einmal gebeten worden, abschließend einige in fein Fachgebiet fallende Materialien zu liefern. Der Angeklagte P o p o f f wird gefragt, ob er den Zeugen Hirsch kenne. Popoff erklärt, er habe Hirsch zum ersten Mal in der Saft tm Mär, im Berliner Polizeipräsidium ge» sehe». Der Zeuge Hirsch bestätigt das und betont, daß er vor vielem Verfahren Poposf nicht gekannt habe. Die Vernehmung des Zeugen wendet sich bann dem Haupt» pnnkt zu nämlich dem Name» P e t e r. den der Zeuge ein- mal geführt Hat. Hirsch erklärt, daß er.in der deutschen Partei nie einen anderen Namen geführt habe. Er sei aber tm Jahre 1024 und 1025 in Oesterreich gewesen, um dort an der Parteiarbeit teilzunehmen. Dort habe er als Deck- namen den Namen Peter geführt. Als er nach Deutschland zurückgekommen sei, habe es sich dann eingebürgert, daß er tm Kreise setner engeren Mitarbeiter und Freunde Peter genannt wurde. Das sei aber niemals lein Name gcgnttber den Behörden neweien denn ibnen gegenüber fei er immer unter dem richtigen Namen aufgetreten. Die Verhandlung dauert fort. Ministerpräsident Chanternps? Oer Kampf om die ftnanzsanlerang Paris, 25. Nov. Der Präsident der Republik Lebrun wird heute vormittag seine Besprechungen zur Lösung der Regierungskrise abschließen und zu Beginn des Nachmittags die Persönlichkeiten berufen, die das neue Kabinert bilden sollen. Nach allgemeiner Auffassung dürfte seine Wahl auf Abg. Chautemps fallen, der dem letzten Kabinett als Innen- minister angehörte. Diese Annahme scheint bestätigt zu wer- den durch die Tatsache, daß Chautemps gestern abend zu einer mehr als etnstündigen Besprechung ins Elysee gerufen wurde. Man glaubt nicht, daß der neue Ministerpräsident versuchen wirb, daS Kartell der Linken zustandezubringen, sondern stch daraus beschränken dürfte, eine Regierung zu bilden, die in der Hauptsache aus radikalen Elementen be- steht und in seiner politischen Zusammensetzung im großen und ganzen dem zurückgetretenen Kabinett gleichen wird. Der Sammelpunkt einer Mehrheit im Plenum der Kammer würde unter diesen Umständen daS Finanzprogramm fein. HerriotS Eintritt in das Kabinett wird für wenig wahr- schetnltch gehalten. « Vom Himmel hoch.... Paris, 25. November. Gestern nachmittag wurden von einem Flugzeug auS über verschiedenen Pariser Stadtteilen Flugschriften abgeworfen, die unier Hinweis auf die kläg- lichen Regierungskrisen die Beseitigung des parlamen- tartschen Regimes fordern. Selbst in der republikanischen und demokratischen Presse wirb die Befürchtung laut, daß dtt jetzigen parlamentarischen Methoden einen Zustand herbei- führen, der für den Bestand der parlamentarischen Republik gefährlich werben könnte. Der Gedanke, die Lage vielleicht durch die Auflösung der Kammer und die Ausschreibung von Neuwahlen zu bereinigen, ist Gegenstand lebhafter Erörte- rungen. »n Manliest heider zur Zeit nur eine Deklamation Paris, 25. Nov. Der„Populaire" veröffentlicht in seiner heutigen Ausgabe ein von Paul-Faure im Namen d«S Lan» desaussckusses der sozialistische» Partei jRichtung Blum) unterzeichnetes Manifest, daS für die sozio- listische Partei die Macht verlangt, um die durch eine absurde Zentralisierung verstopft« Verwaltung zu vereinfachen und zu verjüngen, sowie da» alte kompli- ziert« Steuersystem durch drei einfache Steuerst zu ersetzen(Ausgaben-, Einkommen- und Erbschaft»- steuern!)? um allen das Recht zum Leben und Ar» betten zu sichern? um die großen kapitalistttchen Mono» pole zu beseitigen und um ein außenpolittscheS Pro- gramm für Frieden und international« wtrt" schaftliche Verständigung durchzuführe«, vis Enthüllungen Schimpfende Raserei In der deutschen Presse Es ist von jedem deutschen Standpunkt au» bedauerlich, wie die deutsche Presse unter dem Dtktat des Herrn GöbbelS die schwerwiegenden Veröffentlichungen des„P e t t t P a r t- sien" behandelt. In nicht einer einzigen deutschen Zeitung wird auch nur eine gedrängte Inhaltsangabe gebracht. Dar- auS wirb allgemein in der Welt gefolgert werden, wie pein- lich den in Deutschland Regierenden daS Dokument ist. Statt einer Widerlegung geht ein Hagel der gemeinsten Schimpf- worte auf den Chefredakteur des angesehenen Pariser Blat- te» nieder. Selbst Herr R. K. in der»Frankfurter Zeitung" konkurriert in dieser Beziehung mit jedem Winkeljourna- listen. Eine neue Schimpfkanonade geht auch gegen„Saturday Review' loS. Diese englische Zeitschrift hat nämlich in- zwischen festgestellt, daß der Beitrag de» Herrn Dr. GöbbelS echt ist. Man hat sich nur die Bosheit erlaubt, ein GöbbelS- Interview auS dem Jahr« 1032 jetzt zu veröffentlichen, und da» ist gewiß eine peinliche Geschichte. Aber nur für Herrn Dr. GöbbelS. Sr und der Reichskanzler möchten jetzt man- che« nicht geschrieben haben, waS sie einst munter und ver- antwortungSloS htngefchmtert habe«. französische Pressestimmen „Figaro"« Wann werden nrfr isoliert sein, wann wird Deutschland aufgerüstet haben und wann wird da« Deutschland, durch seine für den Krieg geschulte Bevölkerung mächtig, unsere kleinen, bereit» winselnden Polittker bedrohen. Deutschland wird von ihnen Handelsverträge fordern, e» wirb als Nation sprechen, die ihre Nieberlage überwunden hat, die ihre Rache genommen hat, die„über alles" gebietet. Wenn Deutschland das alles erreicht hat, wird eS die Flamme deS Unbekannten Soldaten unter dem Arc de Triomphe aus- löschen und behaupten, diese bedeute einen beleidigenden An- griff auf seine Ehre, einen Verstoß gegen die Gleichheit der Rechte, die wir anerkannt haben. „Echo de Paris"(Pertinax)t Deutschland unterhält einen Botschafter in Pari» und wir haben einen in Berlin. Offenbar bemühen sich Herr Rolanö Koester und Herr Francois Poncet an jedem Tag« in un» unterbrochener Folge in Unterhaltungen die Möglichkeit«* einer Annäherung zu bestimmen und zu ergründen. BtShek hat sich die französische Regierung nur deshalb zurückge» halten, weil sich keine Lösungen zeigten, die hatten verwirk» licht werden können. Ist der KriegSmintster Daladier, dessen Vertrauensmann de Brinon ist, anderer Ansicht? Er möge sich äußern! Wa» uns angeht, wir erklären die deutsche Po« litik als pergermanistisch, solange man un» nicht da» Gegen- teil beweist, und wir glauben, daß die Dokument«, die soeben im„Petit Parisien" veröffentlicht wurden, der Wahrheit näher kommen, al» die Erklärungen de«„Führer»". „L'Homme Libre": E» ist sehr merkwürdig: wir habe« französisch« Hitle? jünger und französische Mussolini-Anhänger- DaS heißt, wir haben eine gewisse Anzahl Verrückter. Vielleicht nicht mehr als gewöhnlich. Aber sie treten mehr In Erscheinung, weil der Rest des Landes schweigt. Sr beginnt kaum, sich»* rühren und zu ahnen, daß weder draußen noch drinnen dt« Dinge gut stehen. Er hält an dem System tm ganzen fest und klammert sich nicht an eine Partei mehr al» an dt« an» dere. Er mißt sie alle mit gleichem Maß. Sr hält st« weder einer großen Bemühung, noch etneS groben Erfolge» fähig. Eugen« Lautier« „Petit Journal"(Jean Darc): Einerseits sehen wir, baß Hitler un» mit einem Aachdrnck, der uns zunächst überrascht, die Hand reicht? auf der andere* Seite, daß sein Propaganbadtenst für das Ausland die Welt- Meinung so bearbeitet, daß auf Frankreich und England die Verantwortung für das Scheitern jedes Annäherung»" Versuches fällt? seine Bemühungen in dieser Richtung stnd sogar größer als der Versuch, Stimmen zu gewinnen für de« Gedanken, daß Deutschland Grund hat, Gleichheit der Recht« und Rüstungsgletchheit zu fordern. Wir schließen darau», da^- bit deutsche Politik nicht die gleich« ist, wen« ft« vo« aller Welt oder wenn sie im Verborgenen gemacht wirb. Es würde schwer fallen, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Sieh« anch Seite I (In Zeldien dec Zelt aÜfrostÜnc" l Alfred Nobels Sprengstofferfindungen finden viel mehr Anklang al» fein Friedenspreis. ' Minderheiten als Sturmtrupp Die systematische Aufputschung der Ausland»' deutschen geht weiter. Im Blatt des Auslands- mstitutes Stuttgart weist Werner Hasselblatt-Berlin nach, daß Deutschland der Minderheiten wegen aus dem Völkerbund ausgetreten sei. Namentlich, daß der Völker- bund die Iudenfrage aufgerollt und Hilfe den Emigranten Überhaupt zu bringen versucht habe, das erregte das Reich so weit, daß es den Völkerbund verließ. Vor alleni ober ruft Hasselblatt den Minderheiten einen Satz zu, den jeder Kenner der offenen und getarnten sudetendeutschen Nazipresse bis zum Ueberdruß gehört hat:„Staaten ver- gehen, Völker überdauern sie. Der Kampf wird in eine neue Phase treten, wird aber nicht abgestellt." Mit diesem Satz meinten die Sudeten-Nazis den Krieg gegen die demokratische tschechoslowakische Republik, und nun ruft ihn ganz offiziell das Auslandsinstitut den deutschen Minderheiten überhaupt zu. Was hier geschieht, ist Wahn- sinn, was hier geschieht, wird die deutschen Minderheiten in ein furchtbares Ende jagen. An allen Ecken und Enden beginnen die Nazis mit der Agitation oder führen die schon seit Iahren begonnene fort. So vor kurzem Dr. Hans F. Zeck-Köln in Holland, um auf eine Vereinigung aller deutschen Or- ganisationen hinzuwirken. Er berichtet darüber aus- führlich und sagt: „Es ist wahrhaftig keine unmögliche Forderung für Holland, ein lebendiges, alle Deutsche umfassendes Organi- sationslebcn zu verlangen. Im Verband deutscher Ver- eine in den Niederlanden und den daneben bestehenden Einzelgruppen sind Kristallisationspunkte genügend vor- handen, die Gewähr für aussichtsreich st e Ent- Wicklung bieten. Worauf eS allein ankommt, ist dieS: die Ansätze so zusammen zu fügen, daß jede Gruppe sich gerne und bereitwillig in den Dienst des Ganzen stellt, und dieS Ganze heißt: Deutsches Volkstum." Wenn man weiß, daß die Berichte in der„Deutschen Freiheit" über die Bearbeitung der Auslandsdeutschen zur Folge hatten, daß für alle Publikationen größte Vor- stcht und sorgfältigste Stilisierung verlangt wurde, dann wird man diesen Bericht des Dr. Zeck deutlich genug finden. Die Aufhetzung der 80 000 Deutschen in der Bukowina geht weiter: da dort ziemlich viel Juden leben, ist das antisemitische Schlagwort besonders beliebt, zumal es die Möglichkeit gibt, mit den rumänisch-nationalistischen Antisemitengruppen zusammen zu arbeiten. Aus Ostoberschlesien meldet das Auslandinstitut selbst neuerlich Zusammenstöße und Zerstörungen von Heimen des Deutschen Volksbundes, die unter dem Ruf„Fort mit Hitler!" vorgenommen wurden. In Posen-Pommerellen gibt es neuerlich Streit um die deutsche Schule. In Siebenbürgen organisieren die Deutschen die„Ratio- nalsozialistische Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien"(NSDR): wer da nicht mitmacht, wird boy- kottiert und geächtet. Der DHV. hat bereits 8 Orts- gruppen(ntit zusammen 600 Mitgliedern) begründet. Die evangelischen Gemeinden sind— zum Teil ist das vorläufig noch nicht gelungen— in den Dienst der Pro- paganda gestellt und der Reichsbischof Müller hat einen eigenen Aufruf:„An die deutschen evangelischen Ge- weinden jenseits der Reichsgrenzen" gerichtet, dessen feierlichen Schlußsätze lauten: „Was uns bei der großen Verantwortung, die wir vor Gott und der Geschichte tragen, vor allem not tut, ist «ine Schar von Deutschen Christen, die in aller Welt betende Hände erheben, daß das Werk zur Ehre Gottes vollendet werde. Darum rufe ich Euch zu: Haltet fest am Erbe unserer Väter. Bleibt mit uns verbunden, wie wir mit Euch. Die Deutsche evangelische Kirche wird ihre Stammes- und Glaubensbrüder nie vergessen!" Der Verein für das Deutschtum im Ausland(PDA.) hat mit„Schulungswochen für praktische Volkstums- arbeit" begonnen. Der erste derartige Kurs fand in Bessarabien statt: sein Leiter war der Geschäftsführer des schleichen VDA.-Landesverbandes Dr. G. Wehenkel. Auch außerhalb Europas setzen die Nazis ihre Arbeit fort: in T s i n g t a u boykottieren sie ganz offiziell ein englisches Blatt, das sich gegen das Hakenkreuz stellte. Der Boykott soll 6 Monate dauern. In Cast-London(Süd-Afrika), wo zwischen Deutschen, Buren und Engländern ein durchaus gutes Einver- nehmen herrschte, begann die Agitation für eine deutsche nationalistische Schule, die zur Isolierung der Deutschen führte. Der eine Teil der Deutschen ist nun nazisch. der .andere anglisiert sich. Im Wege einer Stellenvermittlung will man eine Ortsgruppe des DHV. zustande bringen. Die Naziagitation geht von einer„Auskunfts- und Be- ratungsstelle" aus, die ein Mann mit dem nordischen Namen Manfred H. C. Sobanski führt. In Kairo und Alexandria wurden NSDAP.-Orts- gruppen gegründet, die zusammen mit den„Deutschen Vereinen" Nazischriften verbreiten. Außerdem gründete wan eine„Deutsche Liga gegen jüdische Angriffe", die zur Zentrale der antisemitischen Agitation gemacht wurde. Diese Agitation hat bereits zu einer energischen Gegen- wehr geführt. Die„Liga" wird sich demnächst vor Gericht Zu stellen haben, da man sie ihrer Beschimpfungen wegen verklagte. Die 650 Köpfe zählende Kolonie in Persien soll dem- nächst erfaßt werden. In Südamerika ist nahezu überall die Spaltung zwi- lchen normalen und nazischen Deutschen vollzogen. Man sieht, die neben der amtlichen betriebene nichtamt- liche deutsche Außenpolitik ist überaus rührig und Zweifel- |°s zum Teil auch erfolgreich. Welch ein Schaden bereits jetzt den Auslandsdeutschen zugefügt wird, ist klar; fast überall leben wir bereits in der Situation, in der die Juden in Deutschland leben: wenn es aber mit der Hetze fo weiter geht, werden die Auslandsdeutschen das erste Dpfer der neuen Hitler-Außenpolitik sein. ».Deutsch-russische Standarte" „(.•»»preß.) Unter Leitung der»eißgsrdiste»«eneral von Aolowatschew und Bar»n Mi>ller-Sak»melski besteht in Deutschland die„Deutsch-russische Standarte", von deren Gründung keine einzige deutsche Zeitung Notiz genommen dat. Sie ist die Nachfolgerin der„verbotenen" weißrussischen Organisation„Rond". Die Mitglieder der DRST. tragen *>» lilafarbiges Hakenkreuz in brauner Einrahmung. Oesferreidiisdi-deutsdier Grenzkrieg Ein deutscher Reldiswehrsoidat erschossen Wie hat doch die sogenannte nationale Regierung Deutschlands das Verhältnis zu Oesterreich verwandelt! Die Anschlußbewegung ist erledigt. Die große Mehrheit der Bevölkerung will von der Hitlerdiktatur nichts wissen. Der Grenzverkehr ist tot. Wo zu Hunderttausenden Reisende und Ausflügler Eisenbahnen und Straßen be- lebten, hindern nun 1000-Mark-Sperre und Drahtverhaue den Fremdenverkehr. Bewaffnete Truppen. Gendarmen und Milizsoldaten stehen sich bewaffnet gegenüber. Grenzzwischenfälle ereig- nen sich schon seit Monaten. Nun ist sogar ein deutscher Reichswehrsoldat erschossen worden. Nach den deutschen Berichten ist es ein österreichischer Uebergriff. Die Oester- reicher werden wohl den Deutschen die Schutd zuschieben, wie es nun bei so gespannten Verhältnissen zu gehen pflegt. Eine Grenzkluft wird zwischen beiden Ländern auf- gerissen, die so tief ist wie im Jahre 1866. Alles im Geiste „nationaler Erneuerung". » Deutscher Heeresbericht Mi!..che», 24. Nov. V:l Reit im Winkel ist von öfter- reichischen Grenzwächtern auf Angehörige des 21. bayerischen Infanterieregiments, die dort ohne Waffen eine Skiübung unternahmen, geschossen worden. Hierbei wurde der Schütze Schuhmacher getötet. Eine amtliche Meldung über den Vor- fall besagt: Ein SkikurS des 2. Bataillons deS 21. bayerischen Ins.- Rgts. Nürnberg ist zur Zeit auf der südlich Reit im Winkel gelegenen Skihütte dieses Bataillons(Hinbenburg-Hütte) untergebracht. Eine Patrouille dieses Kurses übte am 23. November, nachmittags, unter Führung eines Unteroffiziers in der Nähe der Grenze am Eggenalmkegel. Aus bisher noch nicht bekanntem Grunde wurden die Soldaten, die Skianzug trugen und unbewaffnet waren, um 13.45 Uhr von drei österreichischen Grenzwächtern mit fünf Schuß beschossen. Dabei wurde der Schütze Schuhmacher der 6. Kompanie Jnf.-Rgt. 21 aus Nürnberg durch Kopfschuß tödlich getroffen. Nach den bisherigen Meldungen befand sich die Patrouille 80 bis 100 Meter diesseits der Grenze auf deutschem Boden. Sie hatte auch vor dem Vorfall die Grenze nicht über- schritten. Das Wehrkreiskommando vu hat eine Sonderkommission von zwei Offizieren, denen ein Hceresanwalt beigegeben ist, nach der Hindenburg-Hütte entsandt. Berlin, 25. Nov. Die Untersuchung der Gerichtskommission über die Erschießung des Reichswehrangehörigen Schuh- macher hat einwandfrei ergeben, daß Schuhmacher aus reichs- deutschem Boden ohne vorangegangenen Wortwechsel aus mindestens 800 Meter Entfernung von Oesterreichcrn er- schössen worden ist, die als drei Heimwchrleute festgestellt morden sind. „Burgfriede" in Oesterreich Wien, 25. Nov. Der Ministerrat beschloß, daß in der Zeit vom 1. Dezember b. I. bis 15. Januar 1034 alle Verfamm- lungen und Ausmärsche zu unterbleiben haben. Pic Nazis Ober Oesterreich Eine warnende französische stimme „Journal de« Débats" schreibt: Da Frankreich keine Regierung hat, können sich die ernstesten Ereignisse vorbereiten, ohne daß sich jemand darum kümmert. Von einem Tag zum andern, wenn man es am wenigsten erwartet, können die Hitlerianer sich Oesterreichs bemächtigen: der Anschluß wird sich vollziehen, ohne daß das Wort ausgesprochen wird; Deutschland wird keinerlei äußere Proteste zulassen, da die Oesterreicher die Urheber dieser versteckten Annektion sein sollen. Leider ist es angebracht, zu glauben, daß diese Aktion, deren Folgen unberechenbar sein würden, bald vorgenommen werden wird. Aus österreichischer Quelle, die wir nicht nennen können, die wir aber als absolut zuverlässig kennen, kommt uns folgende Information: „Der Kanzler Dollfuß hat, unter dem Druck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Kreise, die vom deutschen Fremdenverkehr leben(sie sind sehr bedeutend), heimliche Unterhandlungen mit den Nationalsozialisten geführt, denen die Mitwirkung an der Regierung angeboten worden sei; sie würden unter anderem das Ministerium des Innern erhalten. Man kann sich vorstellen, was das bedeutete, da die Nazis auf diese Weise alle Volksbewegungen kontrollieren könnten und alles was öffentliche Versammlungen betrifft. Kurz gefaßt, der Kanzler Dollfuß schiene bereit, Oesterreich und die wahren Freunde Oesterreichs zu verraten. Er kann anführen, denn es ist wahr, daß Frankreich nichts getan habe, um ihm zu helfen. Die Lage ist außerordentlich kritisch und nur eine rasche Aktion kann ihn hindern, in der gefährlichsten Richtung weiterzugehen." Man weiß, daß die österreichischen Nazis in vollkommener Abhängigkeit von Berlin stehen; sie führen nur die von dort erteilten Befehle aus, und einmal am Ruder, würden sie nichts als beauftragte Verwalter sein. Hitler ist im Begriff, die entscheidende Tat vorzubereiten, indem er sich geschickt der lokalen Nazis bedienen wird und, wenn möglich, im Einverständnis mit Dollfuß, wenn sich dieser nicht im letzten Augenblick noch befreit, trotzdem er buchstäblich umstellt ist, von denjenigen, die versucht haben, ihn zu ermorden und die hoffen, ihn auf irgendeine Weise gefangen zu nehmen. Was uns unser Berliner Korrespondent mitteilt, ist von blendender Klarheit. Im Laufe einer Unterhaltung mit dem polnischen Minister, die zu dem Bericht über die Prcssesflmmen Ober„Petit Partsien" „L'Homme Libre": Das Manöver entwickelt sich in aller Harmonie: 1. Das Reich verläßt die Konferenz. 2. Italien zieht sich halb zurück. 3. Das deutsche Volk stimmt ab. Bereiten wir uns auf don vierten Akt vor. Sollte die Komödie als Tragödie enden? „Figaro": Am Vorabend wichtiger, vielleicht verhängnisvoller Ereignisse, sagen diejenigen, die ein Gedächtnis haben und klar sehen, wieder:„Gürten wir unsere Lenden und nehmen wir leuchtende Lampen in unsere Hände." Im Foreign Office und am Quai d'Orsay übersetzt man diesen Satz durch die Worte:„Kehren wir den Rücken and stellen wir das Licht unter den Scheffel". „Comédie": Man wird etwas tu», sshnell neue Maßnahmen ergreifen müssen. Vor allem werden wir Hitler nicht mehr als einen Abenteurer, sondern als einen Führer, als das Haupt einer großen Nation betrachten müssen, mit dem wir früher oder später zu rechnen haben werden. „Petit Journal" Das Geständnis ist da. in deutlicher Form. Deutschland betrachtet uns unversöhnlich als den Erbfeind: es versucht, zwischen Frankreich und England eine Schranke von Mißverständnissen aufzurichten; es bemüht sich, die Balkanländer zu entzweien, um besser dort herrschen zu können; es lächelt Polen zu— das sich schon hingibt— um es leichter ersticken zu können. Es ist Deutschlands Ziel, die Staaten von seinem guten Willen zu überzeugen; man bedient sich aller zur Verfügung stehenden Mittel: der Presse, des Rundfunks, des Geldes. Nachdem das Gelände sorgsam vorbereitet ist, wird dort eine gute Saat aufgehen. deutsch-polnische Annäherung führte, hat der Reichskanzler Polen gebeten, eine ganz passive Haltung zu wahren und sich von jeder Einmischung, selbst rein politisch, fernzuhalten, im Augenblick, da sich die Gleichschaltung zwischen Deutschland und Oesterreich verwirklicht finden würde, d. h., wenn die Hitlerianer tatsächlich die Herren von Wien sein würden. Das beweist, daß er für eine nahe Zukunft die Möglichkeit der Beschlagnahme Oesterreichs voraussieht. Man erkennt daraus auch das Spiel des Reiches mit Polen, zu dem sich Polen unrechterweise hergibt: es handelt sich darum, dieses Land vorläufig zu neutralisieren; man wird seine Rechnung später begleichen, wenn es den unentschuldbaren Fehler begeht, seine Freunde zu verraten und sich seinem gefährlichsten Feinde auszuliefern. Ist die französische Regierung, soweit es eine gibt, durch ihre Vertreter von diesen Tatsachen unterrichtet und unternimmt sie irgendetwas, um diese Aktion, die ganz Zentraleuropa dem Dritten Reich ausliefern würde, zu verhindern? Trifft sie deswegen keine Abmachungen mit der Kleinen Entente? Diese würde von der Ausbreitung des nationalsozialistischen Bereichs direkt bedroht werden. Es würde nicht lange dauern und man könnte sehen, wie sich die Tätigkeit der Nazis unter der deutschsprachigen Bevölkerung der Tschechoslowakei zum Beispiel auswirken würde. Die Art und Weise, in der man die deutsch-polnische Annäherung dargestellt hat, macht das Ausland lächeln und kann nur die französische Meinung täuschen; sie läßt uns von Seiten derjenigen, die unser Geschick in Händen haben, alles befürchten. Man begrüßt diese Annäherung wie eine Befreiung. Kann man daraus schließen, daß man ebenso urteilt, wenn Oesterreich ein Anhängsel des Dritten Reichs sein wird? Wird jeder Fortschritt des Pangermanismus betrachtet werden, als ob er dazu bestimmt sei, den Frieden zu sichern, weil er unseren Regierungen die Sorge abnimmt, sick weiterhin mit einer Sacke zu beschäftigen, die zugunsten Deutschlands geregelt worden ist. So scheint wirklich der Geisteszustand zu sein, den die offiziellen Komipentare ausdrücken. Er ist schrecklich, und erklärt alle» was vorgeht, und alles was sich vorbereitet. Das kann nicht dauern und wenn man nickt endgültig den Frieden kompromittieren will, den jeder Sieg des Pangermanismus unsicherer macht, muß so schnell wie möglich gehandelt werden. „L'Ordre" Da es noch Leute in Frankreich gibt, die Vertrauen zu Deutschland haben, die sich durch seine heuchlerischen Proteste hintergehen lassen, danken wir dem„Petit Parisien", daß er den Mut besessen hat, ein unwiderlegbares offizielles Dokument zu veröffentlichen, das geeignet ist, sie vollkommen aufzuklären. Keiner, der ehrlich ist, könnte sick jetzt noch täuschen. Diese Veröffentlichung— und das erhöht ihr Interesse— wird nicht nur unser Land aufrütteln, sondern alle unsere ehemaligen oder gegenwärtigen Verbündeten, vor allem auch die Polen, die unter dem Einfluß des Hauptmann Beck dazu bereit schienen, einen sehr bedenklichen Weg einzuschlagen. Deafsdie Deridifersfaifang Einige Säge, die Caillaux letzten Montag in Le Maus sagte: „Selbst wenn man dieses unglaubliche Dokument beiseite läßt, dessen Echtheit man meiner Ansicht nach vergeblich leugnet, selbst wenn man nur die offensichtlichen Tatsacken berücksichtigt: müssen wir uns nicht daran erinnern, daß ein englischer Journalist vor kurzem verhaftet wurde, weil er militärische Vorbereitungen enthüllt hatte, deren Zeuge er gewesen ist und die man verheimlichen wollte? Empfanden wir nicht ein Gefühl von Bestürzung und Zorn, als im September die Zeitungen der ganzen Welt Berichte von der Vorführung einer offiziellen deutschen Maskerade brachten, in der Statisten in graublauer Uniform, die französische Soldaten darstellten, eine beleidigende Rolle zugeteilt war?" Wie die„Saurbriicker Landes-Zeitung" den Inhalt dieser Satze„zusammenfaßt" ,,... Der Redner erklärte weiter, selbst wen» er diese Dokumente, die unwahrscheinlich seien, beiseite lasse, so würden dock andere Vorfälle zu denken Anlaß geben." Es ist nationale Freiheit, mit den Tatsacken willkürlich umzuspringen und den Leser zu täuschen; nationale Bindung, die Wahrheit nickt sagen zu dürfen. Dr. Richard Kernt Wezy wSkriDS" gut sind Schachts Banker ott man A wer— Das Geheimnis Ges deutschen Dumpings SC!8 Herr Schacht zum 1. Juli als deutschen Beitrag zur da- ntals tagenden Weltwirtschaftökonferenz das berüchtigte Transfer moratorium erließ, durch das die Zins- zahlung aus die Privatschuldcn an die ausländischen Glau- biger eingestellt wurden, da hatte er große Rosinen im Kopfe. Die Summe läßt sich nicht exakt angeben; es wnrden offiziell für September 1982 rund 29 Milliarde« Mark Auslandsschulden verzeichnet, dazu kamen noch un» gesähr 5 Milliarden ausländische Kapitalanlagen fGrund- und Boden, Häuser, Jndustriebeteiligungen usw.j. Für das Kalenderjahr 1983 wurde der Zinsendienst auf etwa 1 Milliarde wohl schon zu hoch angegeben. Denn die deutsche Schulden- und Zinsenlast hat durch die Entwertung von Pfund und Dollar eine àhebliche Erleichterung erfahren. Mehr als die Hälfte der Schuld entfällt mit 8 Milliarden auf die Vereinigten Staaten und mit 2,2 Milliarden auf England. Die Entwertung der beiden Valuten bedeutet, daß für Deutschland grob gerechnet ohnehin etwa 3 Milliarden seiner Schulden verschivunden sind. Die Milliarde Zinsen aber stach Herrn Schacht in die Augen. Statt stc an das böse Ausland fortzugeben, sollten die deutschen Schuldner die fälligen Zinsen mit Tilgungs- raten in eine Konverstonskasse einzahlen. Konversionskassen nennt man die Stellen, in die inländisches Geld eingezahlt wird, bis es zur Umwandlung jKonvertie- rung) in ausländische Währung bereit ist. Die Reichsbank sollte diese Gelder verwalten, die deutsche Zahlungsbilanz würde den Posten von 1 Milliarde ersparen und dadurch aktiv bleiben; die Mark, die in der Konverstonskasse stch ansam- melt, hätte von Herrn Schacht zur Finanzierung der Arbeits- beschaffung verwandt werden können: die Notenpreste wäre erst später und im geringeren Umfange in Gang gekommen. Der Plan war sehr schlau, aber er ist, wie wir es damals schon vorausgesagt haben, fast völlig gescheitert. Zuerst mutzte Schacht die volle Zinszahlung für die Da- weS» und Haaganleihe, also für 1 Milliarde Mark Kapital, zugestehen. Er mußte die Zahlungen an Belgien, wenn auch zum Teil in Sachleistungen, fortsetzen; er mußte für die Stillhalteforderungen, die sich gegenwärtig auf rund 3 Mil- Itarden belaufen, die Zinsen weiterzahlen. Schließlich aber mußte er auch auf die Konfiskation der Zinsen überhaupt verzichten. Denn die Gläubigerländer drohten sehr energisch mit Ber- geltungsmaßnahmen. Ihre Machtmittel waren nicht ge- ring: sie könnt« zur Beschlagnahme des deutschen Besitzes im Ausland schreiten? sie konnten vor allem die Zahlungen für die deutschen exportierten Maren zurückbehalten, sie aus ein Sperrkonto einzahlen lassen, aus diesen Summen die deutschen Gläubiger ihres Landes besriedigcn und nur den Rest nach Deutschland transferieren lassen. Da unter den Gläubigerstaaten auch solche waren, in die Deutschland wie zum Beispiel nach der Schweiz und Holland mehr Waren exportierte, als es aus ihnen einführte, es also einen Ueberschuß zu erhalten hatte, war die Drohung der Gläubiger sehr wirksam und Schacht muhte schließlich klein beigeben, wie ja die Nationalsozialisten stets klein beigeben, wenn sie entsprechend angefaßt werden. Aus der»Brechung ber Zinsknechtschaft" wurde also auch dem Ausland gegenüber nichts. Schacht machte ein neues Angebot. Die Gläubiger erhalten die Hälfte der Zinsen transseriert. Die andere Hälfte erhal- ten sie in sogenannten Skrips, d. h. Zinsgutscheinen, die später einmal, bei Bes» serung der deutschen Zahlungsbilanz zur Einlösung kam» meu sollen. Die Gläubiger waren noch nicht zufrieden. Jetzt machte Schacht daS weitere Zugeständnis, diese Skrips als Bezah- lung für»zusätzliche Exporte" anzunehmen. Die Äolddts- kontbank, das Tochterinstitut ber RcichSbank, erklärte sich zu- gleich bereit, die Skrips mit 50 Prozent, also zur Hälfte ihres Wertes anzukaufen. Die Gläubiger erhalten nach diesem Ab- kommen, das bis zum 31. Dezember d. I. gilt, die Hälfte ihrer Zinsen in ihrer Valuta und können weitere 2ö Prozent durch Berkauf der Skrips realisieren. Sie erhalten also im ganzen drei Viertel ihrer Forderungen. Nicht eine Milliarde, sondern höchstens 230 Millionen wären dadurch erspart wor- den. Aber damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Die Schweizer erklärten, aus der oollständigeu Befriedi- gnng zu bestehen oder sich sonst auS dem Uebersluß her deutschen Handelsbilanz bezahlt zu machen. Schacht rang die Hände: der deutsche Export und damit auch derUeberschuß der gesamten deutschen Handelsbilanz, aus dem allein die Devisen aufgebracht werden können, geht immer weiter zurück.„Woher nehmen, wenn nicht stehlen?" Schacht fragte es verzweifelt.„Unseretwegen stehlen Sie", antworte- ten dem Sinne nach die kaltblütigen Schweizer.»Ihrem Re- nommé? kann nichts mehr schaden. Aber wie kommen wir, die wir Deutschland viel mehr abkaufen, als es von unS be- zieht, dazu, unser gute» Geld Ihnen zn schenken? Wir wer- den davon so viel zurückbehalten, als unsere Gläubiger von Ihnen zu bekommen haben, alleS und nicht nur 75 Prozent" Stehlen? Schacht dachte nach und fand die Lösung. Die Schweizer erhalten ihre Skrips voll, zu Ivo Prozent, eingelöst.- Sie übernehmen dafür die Verpflichtung,»zusätzlichen Ex» port" auS Deutschland aufzunehmen. Sie können es oerhält- niSmäßig leicht, da sie namentlich Steinkohle und Koks, aber auch Malz und Zucker schon immer aus Deutschland bezogen und zum Beispiel den deutschen Kohlenbczug namentlich auf Kosten Englands und Polens ohne Schwierigkeiten steigern können. Daß sie dabei wohlseil einkaufen, werden wir noch sehen. Was aber den Schweizern recht, ist den Holländern billig: sie verfügen ja auch über dasselbe Druckmittel einer aktiven Handelsbilanz wie die Schweiz. Die Forderungen der Schweiz betragen etwa 2,7 Milliarden, die Hollands 8,4 Mil- liarden Mark; sie werden jetzt also voll befriedigt, während die anderen Gläubiger, insbesondere also die Vereinigten Staaten und England zu 75 Prozent bezahlt werden. Man kann sich denken, welche Stimmung in diesen Ländern über diese ungleiche Behandlung herrscht. Die Engländer haben sich um Wahrung ihrer Rechte an die Regierung gewandt, während die Amerikaner die Anwendung von Dumpingzöl» len gegen die deutsche Einfuhr fordern. Denn um eine neu« raffinierte Form von Dumpings handelt eS sich allerdings. Der Engländer oder der Amerikaner, der 2000 Mark Zinsen zu bekommen hat, erhält von Deutschland 1000 Mark t» Pfund ober Dollar und 100 Mark in SkripS. Wann diese Skrips eingelöst werden, steht dahin. Will der Engländer sie in barem Geld Hab««, s» bleibt ihm nichts übrig, als von dem Angebot der Golddiskont« dank Gebrauch zu machen und leine Skrips mit 59 Prozent Verlust zu 599 Mark abzugeben. Der englische Gläubiger hat weiter keinen Anspruch, die Golddiökontbank hat 500 Mark eingeheimst. Aber sie braucht Devisen, um die Gläubiger bezahlen zu können; und Devisen kann nur der Export bringen. Wie kann ber deutsche Ex» port gesteigert werden? Nur durch Unterbietung des Kon« kurrenten. Und das ist nicht ganz leicht, denn die Länder mit entsprechender Valuta haben ja eine Exportprämie, wenn sie an Golbwährungslänber verkaufen. Die Golddiskontbank hat aber einen englischen Gläubiger gerade 500 Mark abgenommen. Ein Deutscher will einem Schweizer eine Maschine für 2000 Mark verkaufen; aber der Schweizer macht ihm ein Angebot eines englischen Fabrikan- ten, der für dieselbe Maschine nur 1000 Mark fordert.»Gut", sagt der Deutsche,„mich kostet zwar die Maschine bei genaue- ster Kalkulation 2000 Mark, aber ich werd« mit ber Bank sprechen." Er erklärt nun der Bank die Situation: gehe im nicht mit meinem Angebot auf 1500 Mark herunter, so macht der Engländer das Geschäft, der Exportauftrag geht verloren. Die Golddiskontbank versteht, daß es sich um»zusätzlichen Export handelt; sie verkaust die 1000 Mark Skrips snach Ab- zug einer Gebühr) dem Exporteur, der sie bei einer andere» Abteilung der Bank in 1000 Mark einlöst. Der Schweizer erhält di« Maschine für 1599 Mark, ber Deutsch« erlöst di« 2999 Mark, di« Differenz hat d«r eng« lisch« Gläubiger gezahlt, der zudem noch seine» LandS« man« a»S dem Geschäft gedrängt hat.— Die deutsche Volkswirtschaft hat in diesem Falle weder Verlust noch Gewinn. Die Maschine war reichlich 2009 Mark wert und mußte um 1300 Mark verschleudert werden. Aber um die 500 Mark ist der englische Gläubiger geprellt? den Gewinn hat die Schweiz, die die Ware unter dem Wert erhält und deren Gläubiger voll befriedigt werden, so lang« Engländer und Amerikaner bereit sind, ihre SkripS mit Ver- lust zn verkausen. Natürlich ist diese»Neglung" auf die Dauer unmöglich, weil die benachteiligten Gläubiger sie stch nicht gefallen las- sen werben. Unterdessen geht aber die Warenschleuderung mittels der entwerteten Valuta und solcher Tchuldenreglungen voran. Zuerst zerstört die bürgerliche Politik den Weltmarkt durch WährungSchaoS, Antarkiebestrebungen und Kontingen- tierungen, um dann durch Verschleuderung der Waren Teile bei Weltmarkts zurückzuerobern— mit Methoden, die die Grundgesetze kapitalistischer Wirtschaft selbst immer hoff- nungsloser zerstören. Sinkende Steuereinnahmen Amtlldie Widerlegung der Erwerbslosenstfattsflk Wir veröffentlichen»achstehend eine amtlich« Zusammen- stellung der Steuerauskonimen im September 1933 im Ver- gleich zum September 1982, serner einen Vergleich zwischen dem Steueraufkommen in der ersten Hälfte des Haushalts- jahres 1933 und dem desselben Zeitabschnittes im Jahre 1932. Daraus ergibt sich, daß die Einkommensteuer- Einnahmen erheblich gesunken sind, obwohl angeblich hunderttausende Menschen in Arbeit gekommen sein sollen. Die amtliche Erklärung stammelt etwas von der inzwischen eingetretenen Steuerfreiheit der Hausgehilfinnen, dach ist damit der Rückgang um 33 Millionen Mark in einem halben Jahre nur zu einem kleinen Bruchteil zu erklären. Außer- dem müßte er ja durch die hunderttausende neueingestellten Arbeiter längst weit gemacht sein. Nein, aus diesen Zahlen ist unwiderleglich abzulesen, daß die Regierung Hitler das Volk anlügt Die Zahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter i st größer als im V o r j a h r e. Die Steuerstatistik zeigt es Auch der Rückgang der Tabak- steuer und der Bier st euer beweist das wettere Sinken der Kaufkraft. Die Zahlen lauten; Einnahmearten Sept. Sept. I» Millionen Mark 1988 1932 Einkommensteuer 139,7 140,2 Körperschaften-Steuer 47.4 14,1 Krisensteuer 0.2 7,5 Vermögensteile? 9,2 12,1 Aufbrauch-Umlagen 0,8 7,0 Erbschaftssteuer 5,9 4,0 Umsatzsteuer 149,1 106 ,1 Kapital-Verkauf-Steuer 2,1 2,0 Kraftfahrzeug-Steuer 33,3 15,8 Bcfördcrungssteuer 16,5 16,7 Reichsfluchtsteuer 2,9— Besitz» und Verkaufs-Steuern insgesamt Zölle Tabaksteuern Zuckersteuer Biersteuer Spiritusmonopol Fettsteuer 423,2 77,7 63.1 32.2 23,7 10,6 21,4 347,1 64.2 65.3 81,3 22,9 9,6 Sdiarle Töne Gegen Preiserhöhung und Lohndruck— Worte, die nichts helfen Berlin. 23. Nov. Das Organ der„deutschen Arbeits- front.„Der Deutsche", schreibt unter der Ueberschrift: „Degen Preiserhöhungen und Lohnherabsetzungen" u. a.: „In der letzten Zeit häufen sich die Klagen, daß verschieden« Einzelfirmew und Kartelle durchaus ungerechtscrtigte Preiserhöhungen vornehmen.?lnf der anderen Seite sind dieLöhne nicht gestiegen, sie können auch nur in den seltensten Fällen steigen, bis die Arbeitslosigkeit bei der nächsten Großosfensive entscheidend zurückgedrängt worden ist. Die Reichsregierung bemüht sich mit allen Mitteln, den heutigen Lebensstandard der Arbeitermassen solange zu halten, bis die Arbeitslosen zum größten Teil untergebracht sind. Nun sind da und dort sogar Löhne gesenkt worden. Diese Tarif unterschreit«» a auf der einen Seite und Preiserhöhung auf der anderen Seite sind verantwor- tungdlos, stören die Politik der Reichsregierung und ver- stoßen außerdem gegen das ungeschriebene Gesetz der Volksgemeinschaft, des k a m e r a d s ch a f t- lichen Einvernehmens aller Volksteile. Der tthrer der„deutschen Arbeitsfront" hat sich in den letzten agen verschiedene Male mit aller Schärfe gegen ungerecht- fertigte Preiserhöhungen gewandt. Es geht nicht an, daß egoistische Kreise jetzt wieder das mit Mühe und Schweiß her- gestellte Vertrauen des Volkes zur Führung indirekt schä- digen. Die„deutsche Arbeitsfront" wird für diese Elemente, die sich außerhalb der Volksgemeinschaft stellen, geeignete Erziehungsmittel zur Hand haben. Wenn diese Herren nicht bald Vernunft annehmen, so würden energische Exempel statuiert werden. Die Herren könnten dann im Konzentrationslager gemeinsam das Lied singen: „Die Preise hoch, Kartelle fest geschlossen." In diesem Zusammenhang gibt„Der Deutsche" eine AnordnungdesTreuhändersderArbeit fürWestfalen, Dr. Joseph Klein, bekannt, die folgendermaßen lautet: »Es lausen bei mir immer wieder Klagen darüber ein, daß einzelne Unternehmer die L o h n t a r i f e ihres Berufs- zweiges nicht unerheblich unterschreiten, ohne gc- nügcnde Gründe U eber arbeit verlangen, den festgelegten Urlaub nicht gewähren und sich auch sonst nicht an die be st eb enden Tarifverträge Hal- ten. Sie verschanzen sich vielfach dahinter, daß sie an die Tarife nicht gebunden seien, weil sie den beteiligten Organi- sattoncn nicht angehören. Ich muß eine solche Auffassung aufs schärfste verurteilen. Sie paßt nicht in den national- sozialistischen Siaat.' Es kann nicht geduldet werden, daß irgend ein Berufsgenosse sich auf Kosten seiner Mitarbeiter gegenüber seinen anderen Benissgenossen eigennützige Vorteile dadurch ergattert, daß er Preise und Tarife unter- schreitet. Besonders lebhaft sind die Klagen aus dem Fleischer- und Gast st ätlenge werbe Ich werde hier und überall Ordnung schaffen, wo ich Un- vrdnung antreffe. Auch der notleidende Betrieb darf nicht von sich aus Tari»« unterschreiten. Ob eine Unterschreitung in ganz besonders gelagerten Fällen angängig ist, habe nur ich zu entscheiden. Etwaige Anträge sind an mein« Sonder- beauftragt«» zu richten." Winterhilfe- tor die Unternehmer lJTF.I Der wahre Sinn der„Winterhilfe" ist, durch wohl- tätige Spenden die Regierung des„dritten Reiches" von der Verpflichtung zu entbinden, die Opfer des vom National- lozialismus gestürzten Wirtschaftssystems zu ernähren. Es läßt sich bereits feststellen, daß sich diese Winterhilfsaktion unter der Führung der„Nationalsozialistischen Äolkswohl- fahrt" zu einer Korruption riesigen Ausmaßes entwickelt. Trotz der fast lückenlosen Zeniur ist und aus Hamburg be- kannt geworden, daß die Lohnabzüge der Arbeiter für die Winterhilfe zur Subvention für die Unternehmer verwandt werden. Das geht hervor aus der Mitteilung der Hamburger Handelskammer, wonach im Aroß-Hamburger Wirtschaftsgebiet den Unternehmern ge- stattet wird, die Winterhilfsbciträge, um di« sie den Ar- beitern und Angestellten den Lohn kürzen, für Lohnzahlung bei Nencinstellung in ihrem Betriebe zu verwenden. Einzige Bedingung ist, daß die Lohnsumme der Neueinge- Auskam««» April i. Sept- 1981 1982 637,1 670,5 103,4 55,1 3.8 72,3 148,7 171,0 18.0 55,8 35.1 80,3 746.4 649,0 16.1 11.5 134,7 98,8 94.2 96.3 7.9 0,8 2031,8 9007,4 581,5 585,2 874,8 885,8 140,3 140,1 122,7 139,5 61,0 60,3 78,9— stellten so viel beträgt, als die Lohnkürzung zuzüglich d«5 Zwangöbeitragcs des Unternehmens an die Winterhilfe auSmachl. Tie Handelskammer rühmt dieses„gemeinsame Opfer von Arbeitgeber und Arbeitnehmer" Der Grund da- für liegt aus der Hand, denn bei dieser Regelung opfern die Unternehmer in ihre eigene Tasche, während Arbeiter und Arbeitslose das Nachsehen haben. Das „dritte Reich" läßt allmählich für die Unternehmer nichts mehr zu wünschen übrig! Immer nodi! Weitere Einengung jüdischer Aerate Eine soeben erlassene Verordnung des Reichs- arbeitsmintsters über die Zulassung von Aerzten, Zahnärzten und Zahntechnikern zur Tätigkeit bei den Krankenkassen trifft neue, für Krankenkassen und Aerzte b«' deutsame Bestimmungen Hiernach werden biS auf weiteres in Städten mit m e hr als 190000 Einwohnern Aerzte nichtarifcher Abstammung sowie Aerzte. deren Ehe- gatte» nichtarischer Abstammung sind, zur Tätigkeit bei de» reichsgesetzlichen Krankenkassen nicht zugelassen. Diese Reglung war notwendig geworden, weil gerade in den Großstädten noch ein großes Mißverständnis zwischen arische» und nichlartschen Kassenärzten besteht. M die denfsdien Dcrldifc rersdiwlegen Als Lübbe aospadife kne Ergänzung «r f U r îvar am Donnerstag im Reichstagsbrandprozeß pwtzlich aufgesprungen und fing dn, erregt und letdenschaft» zu reden. Quintessenz dieser Erregung war: Er will Schluß haben mit dem Reichstagsbrandprozeß, mit den Ver> Handlungen einmal in Leipzig, bann in Berlin, dann wieder n^ejpzjg, xx verurteilt sein. N u r e r habe den Reichs» mg angesteckt, von anderen weiß er nichts. Torgler und die angeklagten Bulgaren kennt er nicht. Die seien nicht be» .îuigt. Das sagt alleS Lübbe schnell und lebhaft aus hollän» oisch. Das Gericht ist verduzt, sein Uebersetzer hat Mühe ihm du lolgen Am Schluß seiner plötzlichen Rede aber ruft Lübbe aus:„Verurteilen Sie mich! Verurteilen Sie mich zum Tode a°ar zu 21) Jahren Zuchthaus, wie Sie wollen, aber machen ®«e Schluß." Dies alles und noch mehr führte Lübbe auS, was in dem auiziellen Bericht über den Reichstagsprozeß vom Donners- 'ag leider der deutschen Leserschaft nicht genügend mitgeteilt Horben ist. Einiges davon war jedoch Freitagabend von der Schallplatte des deutschen Rundfunks durch Radio zu hören. sehen uns daher veranlaßt, auch noch andere Momente aus der Donnerstagsitzung, die auch nicht ge> «ugend durch die offizielle Berichterstattung berücksichtigt wurden, hier festzuhalten. Auf eine Zwischenbemerkung DtmitroffS. ^ubbe habe nun schon hundertmal, aller Wahrscheinlichkeit zuwider, gesagt, er habe den Brand allein gelegt, wirft Lübbe aufgeregt dazwischen: »Hundertmal habe ich eS nicht gesagt, aber heute sage ich *8 mit aller Bestimmtheit, glauben Sie mir doch!" Der Vorsitzende meint zu Lübbe, er könne ihm jetzt schon verraten, daß keiner der Richter daran glaube, er habe den ^rand allein gelegt. Je länger der Vorsitzende seine Zweifel "Ußert, desto mehr beharrt Lübbe darauf, keine Kom» Alicen gehabt zu haben. Vergeblich versuchen der Vor» sitzende und der Oberreichsanwalt, indem sie zu Fragen Zu» nucht nehmen, die wahre Fallen sind, Lübbe zu wetteren Aussagen über die Mittäterschaft zu veranlassen. Lübbe er- sveist sich als der aufgeweckte junge Mann, als der er von leinen Bekannten geschildert wurde und dem der Lübbe der tr fien acht Verhandlungswochen nicht mehr gleicht. Dimitroff zu Lübbe:„Wenn Sie Ihre Mittäter nicht Kennen wollen, können Sie vielleicht sagen, warum Sie den Brand gelegt haben?" Lübbe:„Darüber habe ich mir nicht richtig Rechenschaft abgelegt: ich wußte nur, daß etwas geschehen sollte." Dimitroff:„Sie erklären sich also allein schuldig?" Lübbe:„Ja, die Schuldfrage, das ist etwas anderes!" Dimitroff stellt dann in einer längeren Ausführung in ttwas getarnter Form die folgende These auf: Lübbe sei das Werkzeug von Feinden der KPD. gewesen und von diesen vcdungen worden, den Brand, der von Leuten, die Lübbe "'cht unbedingt zu kennen brauchte, vorbereitet worden war, Anzuzünden. Trotz Protest des Vorsitzenden, stellt Dimitroff bann Lübbe zu seiner These die Frage: »Etwa so hat sich die Sache abgespielt, nicht wahr?" Lübbe:„Nciu. Ich hatte keine Verbindungen weder mit Kommunisten, noch mit Nationalsozialisten. Alles was hier» Über behauptet wurde, ist unwahr. Ich habe deu Brand allein belegt. Das Drum und Drau ist allerdings etwas kom- plazierter!"— Was er darunter verstand, konnte nicht recht zur Geltung kommen. Vorsitzender und Oberreichsanwalt griffen ein und versuchten Lübbe seine frühere Aussage vorzuhalten. Der Verteidiger Dr. Sack ersuchte aber, Lübbe frei veden zu lassen. Noch einmal wird alles besprochen, Aas dem Reichstagsbrand voranging. Als man bei der Naziversammlung in Eharlottenburg an- langte, sagte dann Lübbe, er sei nach Deutschland gekommen, ü>eil er gehört habe„Daß die Nationalsozialisten etwas p°r hatten".— Ein anderes Mal stellt Dimitroff Lübbe die Frage, ober vi e Anklageschrift gelesen habe. Und als Lübbe vies bejahte, ob er sie auch verstanden habe, woraus Lübbe Antwortet: »Nicht ganz. Ich habe nicht verstanden, warum der Brand als ein Signal ausgelegt wurde." Hier kommt es zu dem scharfen Zusammenstoß zwischen Dimitroff und dem Vorsitzenden, weil letzterer Lübbe dar- Über befragen wollte, ob er denn wisse, welche Hetze nach bem Brande gegen die KPD. losgelassen wurde. Ein anderes Mal: Punkt für Punkt widerlegt dann Lübbe die Behaup- 'Ungen der sichersten Zeugen der Anklage, der Hellmer, Grothe und Konsorten. Er be st rettet entschieden, je einmal im„Bayrischen Hof" gewesen zu sein, einmal in einer kommunistischen Funktionärversammlung in Düffel» bars gewesen zu sein, seine Mitangeklagten gekannt zu haben, vor dem Brande einmal im Reichstag gewesen zu sein oder e>ne Unterredung mit Torgler gehabt zu haben, oder gar e>ne Kiste mit Taness im Reichstag herumgetragen zu üaben, daß er sich als holländischer Kommunist ausgegeben habe. Das alles be st reitet Lübbe. Dann nimmt ihn Dimitroff wieder in die Zange und 'lagt:„Warum haben Sie aber nicht früher gesprochen, îvarum haben Sie nicht protestiert, als Ministerpräsident Döring uns hier der Brandstiftung bezichtigte(er zeigt seine Mitangeklagten kommunistischen Kollegen) und erklärte, wir Gehörten an den Galgen?" Diese Frage beantwortet Lübbe ausweichend und murmelt v»r etwas vor sich hin von einem„richtigen Prozeß", den îvan gewollt oder gewünscht habe. Also den„richtigen Prozeß" hat dieser Lübbe gewünscht. Er wollte als Held gelten, und nun hat man ihn. be» Anarchisten und Wirrkopf, um diese Glanzrolle a'bracht. Vicht nur der ganze Prozeßvorgang, nicht nur die Verschie- b«ng der Anklage ans die Kommunisten, durch deren Mit- Anklage er von der Prozeßsührung sich in den Hintergrund siodrängt siihlt, sind die Ursachen von Lübbes Hemmungen. Ganz am Schlüsse packt er aus: Er protestierte nämlich èage^en, baß man ihn überfüttere und zwinge, bis sechs ma' i ni Tage zu essen. Das sei doch nicht normal. Diit einem Saß hat Lübbe sein ganze» Verhalten iw ^elchA'aasbrandprvzcß klargestellt. Man zwingt Ihn ium Essen! Warum zwingt mau ihn zum Elsen? Stimmt es, daß ihm mit de« Esse« zugleich auch die Medikamente eingegeben wurden, die ihn tu de« ganzen Prozeß bisher behinderten und hemmten» die die Ursache waren, daß er den Kopf bis zwischen die Knie hängen ließ, daß er die Herrschast über seinen Körper verlor? Lübbe hat vielleicht unbewußt mit diesem letzten Satz in der Donnerstagverhandlung den Schleier gelüftet über sein ganzes bisheriges Verhalten. Aber, wie gesagt, im offiziellen Neichstagsbrandbericht war davon nicht» zu lesen. Wir mußten es daher heute nachtragen. Fortsetzung au« Nummer 133. Zeugen um die Bulgaren Dimitroff will die Anklage kaput schlagen— nicht den Oberreichsanwalt Der nächste Zeuge, der Elektromonteur Meyer, war kommunistischer Lileraturobmann in derselben Organisa- tionszelle wie Grothe. 1931 sei er aus der Partei au»ge- treten, iveil er das Zettelankleben und die Versammlung»- sprengungen nicht mehr mitmachen wollte. Zu der ihm vor- gehaltenen Aussage Grothes. daß Meyer in einem Lokal de» Roten Frontkämpserbundes im Februar d. I. fich im Alarm» zustand befunden habe, sagt der Zeuge: Wenn Grothe da» gesagt hat, dann hat er die Unwahrheit gesagt! Von eiue« Alarmzustand des Rotsrontkämpscrbundes will der Zeug« nichts gewußt haben. Er habe diesem Bund auch nicht an» gehört. Aus eine Frage des Oberreichsanwaltes bestätigt der Zeuge, daß ihm die Parole„Schlagt die Faschisten, wo tV" sie trefft" bekannt war. Dimitroff: Wie hat der Zeuge diese Parole ver» standen? Zeuge Meyer: Wir haben in unserer Zelle darüber diskutiert und haben gesagt, daß diese Parole sehr unglücklich gehalten sei. Wir haben darüber diskutiert, daß der Heraus- geber dieser Parole schließlich die Bearbeitung der Nationalsozialisten meine. Vorsitzender: Haben Sie sonst im Leben schon einmal gehört, daß man unter„schlagen" ein Bearbeiten durch über- zeugende Worte versteht? Der Zeuge schüttelt den Kopf, und der Vorsitzende erklärt: „Ich auch nicht!" Di m i t r o ff: Ich möchte z. V. die Anklage kaputtschlagen und das bedeutet für mich auch nicht, daß ich den Oberreichs» anwalt totschlagen will. jHeiterkeit.j Der Vorsitzende erwidert dem Angeklagten, daß er ja ein« so„eigentümliche Ausdrucksweise" haben möge. Aschinger-Kellner treten auf Es folgen dann die Zeugenvernehmungen über die von den Angeklagte» Taness und Poposf behauptete An- Wesenheit im AschingerLokal tn der Potsdamer Straße am Brandabend zwischen 7 und si Uhr. In den letzten Tagen hatte tn Berlin nochmals eine Gegenüberstellung Popofss und Taneffs mit den Kellnern stattgefunden. Darüber äußert sich heute Kriminalassistent K y n a st. Die beiden An- geklagten se'en insgesamt sieben Kellnern einzeln gegenübergestellt worden. Die Angaben der Angeklagten seien aber durchaus unsicher gewesen. Auch die heute vernommenen Kellner-Dombeck, Bor- chert und M a ch m a r können sich nicht erinnern, am Brand- tage Popofs und Taness im Lokal gesehen zu haben. Vor der Mittagspause wurde dann noch der Koch Krau» von der Aschinger-Filiale am Bahnhof Friedrichstraße ver- nommen.- Nach Aussage de» Zeugen kamen Torgler und Koenen am Brandabend zunächst allein, und zwar zwischen 8.15 und 8.80 Uhr Aus den Borhalt, daß eS nach anderen Zeugenaussagen später gewesen sein müsse, erklärt der Zeuge, er habe um halb si Uhr bereits Dienstschluß gehabt. Der OberreichSainvalt fragt den Zeugen, ob der verstorbene Kellner Stübling eines natürlichen Todes gestorben sei. In irgendeiner ausländischen Emigrantenzettung finde sich die Behauptung, Stübling wäre umgebracht worden, weil er ein lästiger Zeuge sei. Kraus erklärt dazu, er habe gehör«, baß Stübling wegen Familienstreitigkeiten Selbstmord begangen habe. Noch ein Zuchthausler als Zeuge der Anklage Nach der Pause wird der Zeuge Weinberger auS der Straf. Haft vorgeführt, der wegen Bestechung zu zwei Jahre« Ge- sanguis verurteilt worden ist. Der Zeuge hatte seine Zelle in Berlin neben der des Angeklagten Poposf. Während der Haft hat er wiederholt Gelegenheit gehabt, mit Poposf zu sprechen. Poposf habe ihm seine Unschuld beteuert und wie- derholt geäußert, daß er mit der Brandstiftung im Reichs- tage nichts zu tun habe Er habe aber die Befürchtung ge- äußert, daß er wegen Paßvcrgehens. wegen Devisenvcr- gehcns und vielleicht auch wegen Hochverrats bestraft werden könnte Auf die Frage des Zeugen, was er in Deutschland tue habe Popofs erklärt, er studiere hier die Wirtschaftslage. Im übrigen sei er mchtS weiter als Kommunist. Ueber das Dcvisenvergehen lall Popofs gesagt haben, daß er einige tau- send Dollard ins Ausland geschickt habe. Woher Poposf da» Geld hatte und wohin er eS schickte und zu welchem Zweck, danach habe der Zeuge nicht gefragt. Der Zeuge Weinberger bekundet weiter, er habe zu Popoff gesagt'daß er einen sehr schweren Stand haben werde, denn niemand werde ihm seine Angaben über seinen Berliner Aufenthalt glauben. Daraus habe Poposf erwidert: Aus- gerechnet mutz mich gerade jemand tn der Dorotheenstraße gesehen haben. Popoff habe dann noch so etwas von der Roten Hilfe. Rotfrontkämpserbund usw. geäußert. Die Frage be» Reichsanwaltes Parristu», ob der Zeuge die Mitteilung Popofs» so aufgefaßt habe, daß er tatsächlich in der Roten Hilfe gewesen sei. wird von dem Zeugen Weinberger bejaht. Aus eine weitere Frage des Retchsanwaltes gibt der Zeuge noch an Popofs habe ihn gebeten, die Adresse der Frau So- betzkt zu ermitteln, bei der er gewohnt habe. Er wisse nur noch die Telefonnummer, habe aber die Hausnummer ver- gessen. Der Zeug« sollte durch seine Frau Frau Sobctzki wissen lassen, die von Popofs in der Wohnung vorhandenen Auszeichnungen zu beseitigen. Er habe aber diese Bitte nicht erfüllen können. Der Vorsitzende hält dann dem Angeklagten Popofs die einzelnen Aussagen des Zeugen Weinberger vor. Zunächst wird die Frage des DeviscnvergehenS behandelt. Popoff erklärt, er habe nichts ähnliches zu Weinberger gesagt. Auch über die Dorotheenstraße will er mit keinem Wort zu Wein- berger gesprochen haben. Popofs wird dabei ziemlich erregt und erklärt, er sei empört darüber- Er habe bisher immer erklärt, daß er niemals in der Roten Hilfe geweien sei und ausgerechnet solle er nun dem Gefangenen das erzählt haben. — Bors.: Hot er den Zeugen gefragt, ob er dem Unter» suchungSrichter sein« Adresse angeben soll?— Poposf: Kein wahres Wort.— Vors.: Dann ist es wohl auch nicht wahr, daß er ihn gebeten hat, sein« Papiere und Notizen vernichten zu lassen?-*■ Poposf: Auch daß ist voll» ständig unwahr. Der Zeuge Weinberger wendet sich erregt zu Popoff und 5"'i..?"^ T>a» ist ja unerhört, daß Popofs mich jetzt Lügen straft! Ich weiß es ganz genau, daß er mir das gesagt hat, und zwar zwei Tage vor meinem Hauptvrüfungstermin. bei dem ich mein« Frau sehen sollte.— Als der Angeklagte Dimitroff halblaut wiederholt Bemerkungen macht, ver- bittet sich der Vorsitzende dies energisch und droht Dimitroff erneut schärfste Maßnahmen an. Die Nazi-Zeugin mit den„Ideenverbindungen" HI» nächste Zeugin wird Frau Kühner vernommen. Die Zeugin hat am 27. Februar abends einem Vortrag im Na- tionalen Klub gegenüber dem ReichstagSgebäude beige- wohnt. Der Vortrag begann um 8.4b Uhr- Die Zeugin ist etwa» verspätet eingetroffen und gegen S Uhr oben im Klub gewesen. Ich war ungefähr, so erklärt sie. vo Meter vom Portal 2 entfernt, als ich bemerkte, daß die Tür geöffnet wurde. An dem Portal war ein weißeS Schild angebracht, und ch konnte deutlich sehen, wie dieses Schild nach innen schwenkte, al» der eine Türflügel aufging. Mir fiel nun auf. daß ein Herr aus dem Reichstag herauskam, sehr schnell die «tufen heruntersprang und in schnellem Tempo in Richtung Krolloper ging. Er ging hastig mit groben Schritten. An die Figur des Mannes kann ich mich nicht genau erinnern. AIS ich nachher beobachten konnte, wie van der Lübbe abgeführt wurde, glaubte ich. das sei der Mann gewesen. Das war aber nur eine Jdeenverbtndung von mir. und die Bemerkung stützt« sich nicht auf genaue Beobachtung seiner Perlon Auf Aufforderung deS Borsitzenden steht der Angeklagte P o p o f f auf. die Zeugin steht ihn an und sagt, sie könne nicht unter ihrem Eid sagen, baß der von mir gesehene Mann die Figur Popofss gehabt habe. Nach einer kurzen Vernehmung der Stenotypistin Kirst, die in der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion tätig war, wirb die Verhandlung auf Samstag vertagt. Ein Uriel Bimllrofls Er erwartet seine Mutter Man stellt un» folgenden Brief Dimitroff» an den buk- garischen Rechtsanwalt Detschefs zur Verfügung: Name de» Briefichretber»: G Dimitroff Ges. B. Nr. 4005 iBet allen Sendungen anzugeben) Berlin NW., 40. de« 2. November 1083. Alt-Moabit 12a. Lieber Herr Detschefs! Ich habe da« Telegramm aus Prag, da» Telegramm au» Pari« und den Brief vom 25. Oktober dankend erhalten. . Here Dr. Teichert hat mir die in Ihrem Briefe erwähn- ten Dokumente noch nicht übergeben, aber ich hoffe, daß er das tun wird, sobald er sie bekommen hat. Ich konnte ihn gestern darüber nicht mehr sprechen, weil ich leider wieder einmal von der Sitzung„beurlaubt" war. Ich würde mich sehr freuen, wenn wirklich meine Mutter hierher kommen kann Ich habe sie genau 10 Jahre schon nicht mehr gesehen Befürchte aber sehr für ihr« Gesundheit bei einer so langen Reise bei dem herrschenden jetzt schlechten Wetter. Sie ist ja über 70 Jahre alt! Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie m'r auch eine gute deutsch-französische oder bulgarisch-französisch« Grammatik schicken können sowie einen guten französischen Roman, oder noch besser irgend welche Interessante französische Memoiren. Der Prozeß wird aller Wahrscheinlichkeit noch lange dauern und ich möchte gerne die Zeit auch für gewisses wittere Erlernen der französischen Sprache nach Möglichkeit ausnützen. Mit besten Grüßen G. Dimitroff. Dimitroff» Mutter dürfte tnzwischen tn Leipzig eingo troffen sein. Brauner AWag Aus Berlin wird dem„Neuen B» r w S r t»• ge- schrieben: In der letzten Zeit ist eS wieder mehrfach vorgekommen, daß bekannte frühere SPD.-Funktionäre, die nich: da» gl- rtngste mit illegaler Arbeit zu tun haben und dafür auch denkbar ungeeignet wären, verhaftet und verhört wurden. Teilweise sind bei diesen Verhaftungen wieder SA.-Leute in Funktion getreten. In einem besonders schlimmen Fall hat man einigen älteren Genossen zur Pflicht gemacht, tafür zu sorgen, baß in ihrem Bezirk alle illegale Arbeit aufhört. Für den Fall, daß die illegale Arbeit weitergeht, hat man chnen mit dem Konzentrationslager gedroht. Von Terror fällen sind neuerdings folgende bekannt geworden: Der frühere Oberpräsident Falk<50 Jahre alt Demokrat, alter Berufsbeamter) war 5 Wochen in Schutze hakt. Er ist von SS.-Leuten. in deren Haft er anfangs tn der Voßstraße war. furchtbar geschlagen worden.- Auch Wer- n e r H i r s ch. bekannt als früherer Mitarbeiter ThälmannS, ist im SS.-Lager in Brandenburg furchtbar zugerichtet worden. Ueber die Stimmungen tn der SA. unterrichten folgende Vorfälle aus der letzten Zeit: Der Motorsturm Danziger Straße sollte zu einer Hebung antreten. Etwa die Hälfte blieb weg. Ihren Lohn dafür erhielten die Weg- gebliebenen tn der General-Papestraße lder berüchtigien Marterhölle der SA.) ausgezahlt. Im Sturm Ehoriner Straße hat ein Führer Selbstmord verübt Den Mitglied.^» wurde untersagt, Trauerflor anzulegen. Bei der letzthin in KaulSdori veranstalteten Fahnenweihe de» Stahlhelms kam e? zu AnSeinnndersetznngen zwischen Stahlhelm und Kriegerverein einerseits und SA. anderer- seit». Die SA. wurde an die Luit gesetzt. Bei der Verpflichtung neuer Stahlhelm Mitglieder wurde diesen getagt:„Ihr habt für die Ausrechierhaltung der Orb- nnna zu sorgen. J>w müßt dabei auch zum Einsatz gegen Kräfte bereit sein, die sich in wachsendem Maße bolsche- wistischer Metbobcn bedienen." Im Anschluß an das allgemeine Verbot deS Liebe»„Tieg- reich wollen wir Frankreich schlagen", sind der SA. und SS. besondere BarschriLen zugegangen, nach denen überhaupt nur nock Lieder gesungen werden dürfen, die im Ausland« ketnen Anstoß erregen. Deutsche Stimmen• fôeilage sur„Deutsehen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten Rr 1"HtÊÊtÊÊÊ P|1M Sonntao. den 2 6. November 1933 BBBBMBMMMM—■BM— ililliluM illlli;:'«ilijulll^ââ!!li^MWltiMàli^it!. Y 1— liil#.-ldblMl.ur:!:«k'ltillt.ü^!ià»MWll!UWI!^!IiM!liZ!l..it»j>tI'iiiii.!,!!.:.1,.,. ßcwiMi und dcaußw Yon KLAUS MANN Man wriß, daß der Nationalsozialismus dem Geiste grundsätzlich feindlich gegenübersteht; es ist oft genug festgestellt vorden, und es bleibt wahr. Die große Funktion des Geistes ist Klärung; die politische Bewegung aber, die ihn aus Deutschland vertrieben hat, konnte ihre hemmungslose Demagogie nur dadurch wirkungsvoll machen, daß sie alle Tendenzen— die übrigens zunächst nicht sie selbst, sondern der Geist erfunden hatte— mit einander vermengte. Sie wurde das Prinzip der Unklarheit— und das einzige, was schließlieh klar wurde an ihr, war: daß dieses unselige Gemenge von zusammengestohlenen Tendenzen in seiner Summe die Geistfeindlichkeit ergab. Die Unklarheit war gut genug, um zunächst einmal zu berauschen. Um dann aber den erkalteten Bausch als Dauerzustand zu erhalten, bedurfte man der Gewalt. Unklarheit und Gewalt ergänzen ginander. Sie passen zusammen. Es muß für einen intellektuell sauberen Menschen fürchterlich sein, in diesem Lande zu leben. Er hat den Launen der Unklarheit und der Gewalt zu gehorchen, und zwar immer wieder. Es genügt nicht, daß er ein für alle Mal erklärt hat: Ich mache mit—, er muß sich allen neuen Schwenkungen und Verstellungen anpassen, die Unklarheit und Gewalt für eben angebracht und ihren Zwecken nützlich halten. Da hilft ihm nichts mehr, kein Trotz, der zu spät kommt: er hat sich dem Teufel verkauft.— Wir finden kein Wort und keinen Gedanken der Entschuldigung für einen Typ wie den alten Gerbart Hauptmann; aber Neid können wir doch keinesfalls empfinden, wenn wir ihn uns vorstellen: 'diese wandelnde Parodie des„Dichterfürsten", die persongewordene Karrikatur des„unpolitischen deutschen Genies", die da mit dummen Augen unter den bedeutenden Stirnfalten bervorlugt. Sah es frohgemut in seinem pathetisch hohlen, denkfaulen und habgierigen Innern aus. als er sich, es war doch neben den Herreu Esser und Wagner, auf der Luhne eines Münchener Theaterhauses verneigte, nachdem man dort goldne Harfe musiziert hatte? Eine scheußliche Situation! Unklarheit und Gewalt bedienen sieh eines solchen genau so lange, wie es ihnen paßt; wenn sie ihn nicht mehr brauchen, lassen sie ihn geschwind fallen, besonders enthusiastisch haben sie ihn gleich nicht aufgenommen: nach der Münchener Uraufführung wurde der Dichter nicht einmal ins Braune Haus zum Abendessen eingeladen, er hatte bestimmt darauf gerechnet.— Es sind launische Götter, Unklarheit und Gewalt, mancher weiß ein Lied davon zu singen, z. B. Professor Banse. Eben denkt er noch, er sei der große Mann, da steht auch schon im„Völkischen Beobachter", er sei ein Narr und niemals habe ihn jemand ernst genommen. 'Auch Dr. Göbhels macht sich nun öffentlich über ihn lustig; Freilich glaubt man zu sehen, wie er ihm dabei zuzwinkert: »,Du verstehst doch, alter Freund! Es ist fürs böse Ausland, daß wir dich verleugnen!" Gewiß versteht Banse; trotzdem müssen diese plötzlichen kalten Dusehen verwirrend für den alten Herrn sein, denn er ist blutrünstig, aber zart besaitet; vielleicht nimmt er Schaden. Nicht nur er hat solche Abenteuer. Hanns Heinz Ewers, Satanist in Volksausgabe, weiß augenblicklich vielleicht selbst nicht genau, ob er in Gnade oder in Ungnade steht. Hitler hatte einen Zuhälterroman bei ihm bestellt, aber als der„Horst Wessel" dann verfilmt worden war, verbot Göbhels die Sache. Wer kennt sich da aus! Und wer kann da in Ruhe seinen verräterischen Geschäften nachgehen!— Ich kannte einen, der Schmidt-Pauli hieß, ein ordinär eleganter Herr, mit vorquellenden Augen. Er saß in Nachtlokalen und lud einen in seine Wohnung ein, worum man ihn nicht gebeten hatte; man ging auch nicht hin, denn dieser Herr war sehr übel beleumundet und man wußte, daß wahrscheinlich am nächsten Tag im„Kleinen Journal" stand, was man ihm vielleicht unter der Wirkung der Coctails anvertraut hatte. Der grauhaarige Gentleman war ein Erpresser. Das war nun einmal sein Gewerbe, sei es drum, jeder will leben. Wie es scheint, hat der alte Schlingel inzwischen eine Art von Karriere gemacht; Nazidichter lassen sich von ihm im Ausland vertreten. Doch—: genießt Schmidt-Pauli seinen neuen Ehrenstand? Ich fürchte: nein. So Gewissenlose wie er gibt es viele; plötzlich ist ein anderer an der Reihe und wird ausgezeichnet. Unser smarter Graukopf muß sich dann wieder aufs„kleine Journal" zurückziehen. Aber das ist doch kein Leben! Nicht einmal für Schurken kann es bekömmlich sein.— Der nationalistische Dramatiker, der das Stück über die„Marneschlacht" geschrieben hatte, galt für einen der Begabtesten— aus diesen Kieisen. Bei ihm bestellte das Propagandaroinisterium ein neues Stück, das zum Kriege gegen Frankreich hetzen sollte. Das bestellte Stück wurde geschrieben, unzählige deutsche Bühnen nahmen es an— was sonst blieb ihnen übrig?—; gerade aber, als es herauskommen sollte, fanden es die Gewalthaber für den Augenblick ratsamer, dem vernegerten, verjudeten Frankreich zu schmeicheln, um in größerer Muße den Krieg vorzubereiten. Das Stück des relativ begabten Dramatikers wurde verboten. Da sitzt er nun. er bekommt dasselbe tröstlich verschmitzte Lächeln und Zwinkern wie Banse; es muß trotzdem ärgerlich sein. Ganz unerträglich muß es sein— ernsthaft gesprochen. Sich verkaufen müssen, ist immer die Qual und die Schande des Geistes gewesen— und nun noch an so rohe und unzuverlässige Herren... Dabei muß sogar ein Zyniker verkommen— übrigens nicht nur moralisch, wenn auch moralisch zuerst. Es ist auffallend, daß alle Schriftsteller, die sich gleichschalten ließen, schlecht schreiben, seit es soweit mit ihnen kam; der Fall Benn ist hierfür ein schreckliches Beispiel. Auffallend ist weiterhin, daß die edleren unter den Konservativen gegen den Riesenschwindel, an dem sie sich nicht beschmutzen wollen, in einer spröden Zurückhaltung verharren, die ihnen Ehre macht; ich denke an Autoren wie Carossa, Ricarda fluch, Pannwitz oder— um den größten von ihnen zu nennen— Stefan George. Auf gleichgeschaltetes Pack schauen solche vielleicht mit nicht weniger Verachtung herab, als wir es tun. Wir haben vielerlei Gefühle für die, so bei diesen fauligen Fleischtöpfen blieben; aber nicht Neid. Ihre Einnahmen sind sicherer und sehr viel größer als unsere, und sie haben einen festen„Markt", auf den sie rechnen können. Sie haben den Rundfunk, viele Theater und große Zeitungen. Wir haben nicht viel. Wir sind arm. Unser Markt ist zerstreut über den Continent und über den ganzen Planeten. Was wir denken, wird ein wenig in Stockholm oder in Amsterdam, in Saarbrücken, Zürich, Straßburg, Basel, Madrid, Ascona, Prag, Ilelsingfors oder Neuyork mitgedacht, mitempfunden Wir erleben Enttäuschungen, audi in den eigenen Reihen. Manche von uns, die ein großer Ruhm belastet und vielseitig bindet, vermochten es noch nicht, sieb klar zu entscheiden; sie zögern; ihnen freilich erleichtert Dr. Göbhels durch sein neues Gesetz die Stellungnahme: von nun ah wird keiner mehr in Deutschland gedruckt werden, der nicht in einen der offiziellen Verbände eingetreten ist. Man verlangt die völlige Unterwerfung. Die Lager werden sauber geteilt.— Die Zukunft, in die wir sehen, dürfen wir uns keinesfalls ■ osiger vorstellen, als sie es wahrscheinlich sein wird. Es wird alles immer härter für uns werden. Aus dem Kampf wird der Alltag. Die Emigration ist kein amüsantes Abenteuer, uncj bitterer als alles, was wir erlebt haben, könnte verschiedenes sein, was uns noch bevorsteht. Ich sage mir aber, daß unsere Lage herrlich ist im Vergleich zu jener Erniedrigten drinnen. Es ist besser, die Wahrheit ins Ungewisse zu rufen, als einer kompakten unwissenden Masse bezahlte Lügen zu erzählen. Es ist besser, die Freiheit zu haben und sie zu nutzen, als das fragwürdige Vertrauen einer Regierung, deren Nichtswürdigkeit jeder Sehende durchschauen müßte. Es ist tausendmal besser, eine Zeitlang keine Heimat zu haben, als sich an der Schmach der Heimat mitschuldig zu machen, indem man über sie schweigt. Denkt dacau! Denkt dacan! Dat Friedenslied der SA. „Unsere Revolutionslieder sind keine Lieder gegen andere Völker, sondern Lieder für die Brüderlichkeit im Innern..." Hitler in einem Interview der „Daily Mail". Die Hitlerregierung will nichts als den Frieden. Alles, was aber materielle und moralische Aufrüstung behauptet wird, ist pure Verleumdung. Was insbesondere die SA. betrifft, so dient aie bekanntlich nur dem Kampf gegen die bolschewistische Gefahr. Offenbar, um diese nach außen friedliche Tendenz zu unterstreichen, wird jetzt in allen Kasernen ein neues Marschlied eingeübt, das man zweckmäßig als die Friedenshymne der SA. bezeichnen wird. Das geht so: Es klingt wie eine Sage aus längst vergangener Zeit von Deutschlands Heldengröße, von Deutschlands Herrlichkeit. Die Schwerter sind zerbrochen, vernichtet ist das Heer. Und unsere stolze Flotfe? Versenkt liegt sie im Meer. Denkt daran, denkt daran, was uns angetan der Feind. 'S kommt der Tag,'s kommt der Tag, wo die Freiheitssonne scheint. Dann ihr Kameraden greift zur Wehr, tretet ein für Deutschlands Ehr! Gedenket Oberschlesiens, Schleswigs, des deutschen Rheins, Westpreußen, Posen, Danzig laßt nicht vergessen sein! Das Memelland, die Kolonien, Pfalz, Saarland, Ruhrgebiet. Es reiht sich eins ans andere zur Kette, Glied an Glied. Denkt daran, denkt daran, was uns angetan der Feind usw. Wahrscheinlich wird dieses schöne Lied auch die dicke Berta auf ihrer Reise begleiten. Das Modell dieser Riesenkanone, die bis nach Paris schießen kann, soll jetzt, wie englische Blätter berichten, im Triumph durch alle Städte Deutschlands geführt werden. Da paßt das neue Lied der SA. ausgezeichnet dazu! gehen* L'Bade, ein SMadec „Den Juden überlassen" Wilfrid Bade, einer von des Göbhels Regierungsräten, hat ein Geschwätz über die„kulturpolitischen Aufgaben der deutschen Presse" drucken lassen. Darin zählt er 22 Autoren als wichtig und bedeutend auf; er kennt die Autoren so genau, daß er 9 von ihnen falsch schreibt und die Namen berichtigen muß. Mit richtiger Selbsterkenntnis sagt er: „Fast jeden neuerstandenen deutschen Dichter hat man den Juden zur Entdeckung und Förderung überlassen und sich in späteren Jahren gewundert, wieso dieser junge deutsche Dichter plötzlich jüdisch-liberalistische Züge in seinem Schaffen, in seinen Anschauungen und Problemstellungen aufweisen konnte. Mit den Malern, mit den Musikern und riastikern hat man es nicht anders gehalten." Womit die Verbrechen der Juden ausgesprochen sind. Auf dem Parnaß des Herrn Bade befinden sich aber etliche Leute, die in Oesterreich Antinazi und Dollfüßler sind, im Reich sich von Herrn Bade entdecken lassen, das sind die Herren Schrey• zog/, besonderes Protektionskind des augenblicklichen österreichischen Unterrichtsministers Schuschnigg, der katholische Job. Lindner und der Kärntner Zernatto. Eine weitere Entdeckung des Herrn Bade ist der schlechte Lyriker Hüchel, den der verhaßte Asphaltliterat Willy Haas von der„Literarischen Welt" nahezu in jeder Nummer seines Blattes gedruckt hat. Bade ist aber nicht nur Literaturkenner, er versteht auch was von Physik:„Wichtiger auf wissenschaftlichem Gebiet die Darstellung der Heisenbergschen„Un- genauigkeitstheorie" als die der pseudowissenschaftlichen, weil oberflächlichen, sogenannten Relativitätstheorie des Kommunisten Einstein". Das macht Kulturpolitik! Qaeeinç Et ton nom paraîtra, dans la race future, Aux plus cruels tyrans une cruelle injure. Racine über Nero. Çtiickliche Jugend! Wir sind erst zwanzig Jahre, doch noch nie jung g et®®*®"" Kennen das Leben nur aus Büchern, die wir lesen. Zum Leben, Jungsein gehört Geld, Aber leider kamen wir ohne Geld zur Welt. Wir haben kein Kabinet, Nicht einmal ein eigenes Bett, Können niemals richtig allein sein. Unsere Wünsche sind doch so klein. Oft sprechen wir vom Heiraten und einem besseren Lebens Von Kindern, welche wir haben möchten; 1Vir träumen von unserem kleinen großen Glüch, Ein kalter Wind ruft uns ins Leben zurück. Manchmal, wenn wir Hand in Hand Aneinandergcdriickt an einer Wand Im Finstern stehen, Dann fragen wir uns; Wie lange soll das so weiter Durch die dunklen Gassen fährt ein Auto an uns vorbei» Darin küssen sich gerade zwei, Und wir?— gehen jeder allein nach Hause.. Das Leben ist ein schönes Theater,doch wir leben in der rtu Kurt* JCeCisehec unter sich Seit einiger Zeit haben in schweizer Städten, so in Z" r'* Demonstrationsvorträge von Hellsehern, die sich geger.s'' entlarven wollten, groteske Formen angenommen. Dio börer solcher Demonstrationen nahmen teilweise mit gnügen von den aus Geschäftsneid enthüllten Tricks KenN^ nis, teilweise aber nahmen sie auch derart lebhaft f» r' einen oder anderen Hellseher Partei, daß es zu schwer^ Schlägereien kam. Um solchen Vorgängen für clje Zuk>> vorzubeugen, hat die Fremdenpolizei angeordnet, daß.^ scher künftig keine Einreiseerlaubnis mehr erhalten, 1 besondere solche nicht, die von sich behaupten,„übersi»^ liehe Kräfte" zu besitzen. Lolche Vorstellungen seien.^ meint die Polizei, nur dazu bestimmt, den Leuten das aus der Tasche zu ziehen. Unter den Hellsehern, die Zürich einen so schlechten Eindruck zurückgelassen hau' befanden sich auch einige Deutsche. Die IDahcheit leauefit lange Zeit»• Der Historikerkongreß in Warschau t Bezeichnender Weise berichtet die„Historische Zeitschri^ erst jetzt über den„Internationalen Historikerkongreß, f im August zu Warschau und Krakau stattgefunden hat. Bericht ist— wie heute üblich— frisiert. Einer der führ 1"^ den Männer des Kongresses war Halvdan K o h t(Oslo);< f Professor Koht einer der Führer des norwegischen Mat* mus ist, wird im deutschen Bericht nicht erwähnt. Der"^ aus eindrucksvolle Protest des englischen Historikers G®°. f gegen das dritte Reich wird so berichtet:„Der Engl«» Gooch wurde, ohne es vielleicht zu wollen, sehr aktuell d ,,r'^ seine Charakteristik der Staatslehre von Hobbes, der*^ ebenso bezeichnend, den altliberalen Standpunkt des* die menschliche Güte vertrauenden Idealismus gegen" stellte." Die Wahrheit braucht lange Zeit, bis sie ins drt Reich kommt. cJCäcspiel mit JSzecht und Eistet in c Holland oec&oten... Der Arbeitersender Hilversum veranstaltet gegenwärtig eine Radiowoche für die Arbeiterfrau. Der Höhepunkt" Rahmen dieser Woche sollte eine Aufführung des Hörsp 1^ „D i e Mutter" nach dem berühmten Roman von Ma* 1 Gorki, verfaßt von Bert Brecht, mit Musik von H a E i s 1 e r, sein. Die Proben und die Vorbereitungen war' in vollem Gange, als am 13. 11., zwei Tage vor der Auff" rung, die Nachricht kam, daß die holländische Regierung Sendung verboten habe, da sie„staatsgefährlich" sei.^ Wirklichkeit scheint diese» Verbot auf Intervention der de"^ sehen Regierung erfolgt zu sein, da bekanntlich Brecht Eisler zu den„verbrannten" Schriftstellern und Komponist' gehören und die Sendung in deutscher Sprache erfolg', sollte. Der Arbeitersender Hilversum hat in Deutsch!» 11 Hunderttausende von Arbeiterhörern. Zeit=7l geplante Protestkundgebung ihm vorher bekanntgeworde war. G. W. Pabst geht nach Hollywood Der bekannte deutsche Regisseur G. W. Pabst wollte Paris eine eigene Produktion finanzieren. Er hat es ab'^ vorgezogen, nach Beendigung des ersten Films„D u h a" en bas" einen Antrag von Warner Brothers nach Holl? wood anzunehmen. Warners sind die erste Filmfirma, d>« den Roosevelt-Plan angenommen hat. il}as man sich zuflüstert Die Frau, von der man träumt t* Das ist, wie die französische Zeitschrift„Marianu« schreibt, in England ein Sportgirl, zwanzig Jahre alt, d<* Gesundheit selber. In Frankreich eine Dame von W'>" dreißig Jahre alt, elegant und verführerisch. In Deut»®' land eine arische Großmutter. Alter gleichgültig. îwisdicn fllzMri und Stahlhelm p" M* uertB Leselrndif znr Bioôraiic des deolsdien Volkskanzlers SoeBtn ist das Buch„Sprengstoff von Friedrich Wilhelm Hein» durch die Hitlerregierung verboten worden, schon im Jahre 1939 im Frundsberg-Verlag G. m. Hz Berlin, erschienen. Um»u»eigen, warum dièses Buch früheren Intimen aus Hitler» Umgebung verboten ist, stieren wir zwei Stellen über verunglückte Putichversuche °es militärischen Komödianten Hitler: 1- Mai 1923 Hitler hatte der Reichswehr ein„Ultimatum' gestellt, baß er mit Gewalt gegen die„Roten' vorgehen werde, wenn man diesen den Maizug gestatte,«u, der Theresienwiese hatte Hitler seine Truppen aufgestellt. WaS sich nun abspielte, wird von dem Augenzeugen so geschildert: »Am Samstagmorgen kamen wir in München an,'wurden eingekleidet in der Prinz-Arnulf-Kaserne. schliefen m Mann- ichastSstuben. erhielten Waffen. Alles im Schutz. Die Ofti- ^cre wiegelten auf. Ein Her» und e,ne scele. Abends sprach Adolf Hitler. Boller Leidenschaft. Schwur»um Schluß:„Der Weg der roten Maidemonstration geht nur über meine Leiche!' Er hätte den Mund iveniger voll nehmen sollen, der An- und Verkauf aentralsuropSiochor und«fldamarikanl- •char Daviian Elfakten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles 8 P. Michel 34. RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 48 Wesiiaiisdier Drlel »»Wahlfreiheit" F» der westfälischen Kleinstadt Gütersloh trug sich am Wahlsonntag(19. Nov. 1938) folgendes zu: Nach Wahlschluß volle« SA.-Leute eine ganze Anzahl Männer, die ihrer Wahlpflicht nicht nachgekommen ivaren, mit Gewalt aus 'vken Wohnungen. Tann wurde jedem im Parteilokal der ^t«DAP.«in großes Schild umgehangcn mit der Aufschrift: "Ich habe nicht gewähltl Ich bin ein Landesverräter!' Unter Gelächter und Gebrüll des fanatijierten Nazimob und unter Rufen:„Hängt sie aus!', wurden sie durch die Straßen geirrt. Zuvor mußten sie jedoch noch wählen. Sehr mele dieser Ntchtwähler gehörten der Religionssekte ernster Bibel- wrsch«r an.— Wie man Geld erpreßt Bekanntlich haben die NaziS eine eigene Geldlotterie auf- gemacht. Den Losvertrieb haben sie sehr einfach organisiert. Jede OrtSleitung bekommt eine bestimmte Anzahl zuge- wiese«, die sie unterbringen muß. An der Anschlagetafel de» GeorgschachteS bet Stadthagen sSchaumburg-Lippe) wurde vor etwa 14 Tagen u. a. der Belegschaft eröffnet, daß jeder bei der nächsten Löhnung ein LoS erhalten würde. D e r B e- îrag wurde vom Lohn abgehalten. Wer keinS haben wolle, müsse sich auf dem Kontor persönlich melden.— Die Löhne der Zigarrenarbeiter Bon den Lohnrückgängen im Hitlerdeutschland sind die der vjlgarrenarbeiter wohl als am katastrophalsten. Unter den vorhitlerischen Regierungen, also während der Zeit der so- benannten Mißwirtschaft, schwankten die Wochenlöhne »wische» und Sö RM., und heute zwischen 7 bis 9,50 RM. Heimarbeiter erhalten bei ISstündtgem Arbeitstag, wobei die Frau und Kinder noch mithelfen müssen, höchstens 18 RM. in d«r Woche.— ES ist also leicht erklärlich, daß in den Zi- llarrenarbeiterdörfern bei der letzten Wahl prozentual die weiften Siein« bzw. ungültigen Stimmen abgegbcn wurden, und zwar bis zu 80 Prozent jBez. Lübbecke, Wests.) Zum Wahnsinn öelollcrf Dem Wiener„Morgen' ist eS gelungen, Nachrichten aus dem Polizeigefängnis bei der Frauenkirche in München zu erlangen, die wieder einmal den ganzen Schrecken der deutschen Gefängnisse offenbaren. „Alle Gefangenen,' schreibt der„Morgen',„weisen zum Teil entsetzliche Verletzungen auf, die ihnen durch Prüge- leien der SA. zugefügt worden sind... Am ärgsten sind wohl die Verletzungen, die der BerlagSbuchhändler Hrutzkn aus Innsbruck davongetragen hat. Der Mann, der ein industrielles Handbuch vertreibt, war mit feinem Sohn nach München gekommen. Dort wurde er auf der Straße als angeblicher Freund des Sicherheitsdirektors von Tirol, Dr. Stetdle, erkannt und, obwohl er Steidle nur flüchtig kennt, von der österreichischen SA. in das Stand- «Markier dieser Truppen, dem„Hotel Römischer Kaiser", gc- bracht. Im Hotel mußte sich Hrutzky ausziehen und wurde von den SA.-Leuten mit Gummiknüppeln verprügelt. Man schlug ihn besonders auf die Handrücken und aus den Kopf, so daß er schwere Schwellungen und offene, blutende Wunden davontrug... Ein grauenhaftes Bild de« Jammer« bietet ein Tiroler, der schon seit dem 19. März in Einzelhaft im Polizeigesangenenhau« gehalten wird. Der Mann ist von auSgestandenen Qualen wahnsinnig geworden. Mit stierem Blick schaut er auf die Wände, struppig wachse« im Bart, und Kopfhaare... Obwohl man es setzt mit einem olsenstchtlich Geisteskranken zu tun bat. wird der Unglück» liehe nicht au» der Halt entlassen... Diese SA. Männer kennen in ihrer Grausamkeit keine Grenzen....' Räch einer Meldung des„Echo de Paris' an« Toulouse bauen die Lateroere-Werke gegenwärtig das Riese»- Wasserflugzeug„Laie 88«'. das mehr alz 7« Fahrgäste ausnehmen könne und mit dem modernsten Komsort ausgestattet werden solle. Die Maschine werbe vier Motoren zu je 1000 PS erhalten, sein Aktionsradius betrage 106S Kilometer. ES werde 889 860 Kilometer in der Stunde zurücklegen können Die Indienststellung sei für da« Früh- jähr 18*5 vorgesehen. Das„Echo de Paris' behauptet, daß der Bau dieses Flugzeuge« als eine Antwort auf die Tätig- keit der deutschen Flugindustrie und dem Bau des Do X zu gelte» habe. Gute. So etwas kann man einmal in seinem Leben sagen. Tann hat man die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, es zu halten. Tut man das nicht, ist man ein politischer HanS- wurst. Doch weiter: Um sieben Uhr morgens standen wir angstreten ans dem Exerzierplatz Oberwiesenseld. Min- bestens fünftausend Mann. Stahlhelm. Gewehr bei Fuß. Maschinengewehre aufgebaut, ein paar Batterien... Hitler fuhr an. Gummimantel, Filzhut. Auf der Theresienwiese versammelten sich die Roten. Warteten ab. Hitler, plötzlich im Stahlhelm, verkündete:„Wir marschieren!" Wir traten auch an. aber kein Marschbefehl kam. ReichSwehrossiziere kamen und putschten unS aus:„LoS doch!" Hitler hielt eine Bolksrede. Um zehn Uhr fing die Reichswehr an, ein lâcher» lich dünnes Drahtverhau um unS zu ziehen. Sie lachte unS aus. Die Roten zogen lo«. Fahnenschwenkrnd in die Stadt. Hitler hatte den Filzhut wieder ausgesetzt. Um zwölf Uhr wurde das Drahtverhau teilweise ausgerollt. AlleS lag herum, fluchte, schimpfte. Plötzlich wieder:„Heil Hitler! Adolf wieder im Stahlhelm. Rene BolkSrede. Um zwei Uhr gab eS Esten. Das Drahtverhau schloß sich. Hitler setzte den Filzhut auf. Um fünf Uhr kam er nochmals im Stahlhelm an. Brüllte heiser:„Die Roten sind in der Stadt!" Die Reichswehr hatte uns Helden inzwischen richtig erkannt und ihr Drahtverhau geschlossen. Hitlers viclgeplagter Schädel bekam endlich Ruhe. Das Filzhütchen aus, brauste er lo«, jeder Zoll ein Mussolinski... Wir ab wie die Sträflinge.' 9. November 1923 ...„Ist Hitler zu erreichen?' wollte Stein wissen. Fried- mann grinste:„Der hat sich als erster aus den Bauch ge- worsen, daß er sich die Beine verstaucht hat. Dann hat er sich in seinen roten Fiatwagen geschwungen und ist abgehauen." „Ist das wahr?" fragte Georg scharf. Friedmann nickte.„Da kann man eben nix dran machen!" spottete er. Ehrhardts Vertreter, Kapitänlcutnant Kautter, erschien und ergänzte Friedman»« Bericht:„Ohne jede Sicherung hat Hitler seine Leute inS Feuer geführt. Nichts war vorbereitet. Er wußte überhaupt nicht, was er wollte. Als es dann knallte, hat sich der größenwahnsinnige Adolf verkrümelt. Kein Mensch weiß, Ivo er steckt.— Seine Leute hat er einfach im Stich gelassen. Revolution mit dem Maul sSperrnng im Orginal)! Haben Sie jemals von ihm es anders erwartet?"... ReichStagSabgeordneter und Präsident der LandeSbanern» kämme» Bayern Artur Holzmann ist in das Landwirtschasts» Ministerium berufen morden.— Ein Ueberslüffiger mehr au der Futterkrippe! Der blutige Uebersall eines polnischen Straskommsndos aus deutsche Bürger in Graudeuz hat zwei weitere Todes» opser gefordert, so daß sich deren Zahl ans drei erhöht. Ans der Zeche Mont EeniS bei Herne, in der vor kurzem cin Grubenbrand ausgebrochen war, fand die Ablösung die beiden an der Brandstelle als Wach, ausgestellten Hauer tot vor, die beide trotz der Gasschntzgertte erstickt sein müssen. Im städtischen Gasmerk in Reustrelitz wurde beim Abbruch einer Anlage, die plötzlich zusammenbrach, ein Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt. In gutem Hause, schönster I.«ge c aaitnUckens möblierte 3«Zimmerwohnung mit allem Komfort ausgestattet, sofort oder spater zu vermieten. Adtessc zu erlr. in der Geschäfts- stelle der„Deutschen Fieiheit" unter Nr. 1318 Der Festsaal deS Kasinos in Nizza ist ein Raub der Flam- men geworden. Man vermutet Brandstiftung. Der schweizer Bundesrat hat Hellmut v. Ger lach, der am Freitag in einer Berjammlung der Iungsozialisten Iü- richs über den Reichstagsbrands«,iterprozeß hätte sprechen sollen, die Bewilligung zur Einreise nach der Schwerz nicht erteilt, nach dem Grundsatz, daß politischen Flüchtlinge» in der Schwei, politische Betätigung untersagt ist. Die Ber- sammlung findet deshalb nicht statt. Ans der Strecke Besancon-Belfort fuhr Freitag abend ein Arbeiterzog ans einen plötzlich abstoppende» andc- ren Arbeiter»,«« ans. Bei dem Iusammenprall wurde» mehrere Wagen zertrümmert. 8» Arbeiter sind verletzt war- den. Fürs wurden mit schwere« Berietzungen in»«ranken» haus von Montbeliard eingeliefert. Anßenkommiflar Lit w i now wird sich heute an Bord des Dampfers„Eonte di Savoia' einschiffe». Räch seiner elnknnst in Italien will er Mussolini einen Besud, abstatte,,. Librairie „PROGRES" 66, Lg. rue du Vanneau ANVERS- Tel. 276.98 Moderne deutsche Buchhandlung, Leih» bibliothek, Zeitschriften und Zeitungsvertrieb Vertrieb der„Deutschen Freiheit" für Antwerpen und Annahme von Inseraten „BRAUNBUCH" vorrätig Wegen der Aufnahme von Inseraten und der Annahme von Abonnements in Belgien wende man sich schriftlich an die Deutsche. Jteiheit" Ausgabestelle: BRUXELLES XL 38, Rue d'Edimbourg Deutsche Bücher werden schnellstens xn Originalpreisen geliefert! EL-BARDO- ANTWERPEN St. Jacobsmarkt 93 Wegen des großen Erfolges weitere 7 Vorffclluntfen des jüdischen Kunsttheaters der Anfang 8.30 Uhr Anfang 8.30Uhr WILNA-TRUPPE Leitung: AI. A1AZO >m EL-BARDO-THEATER Sonntag 2ß. November Dienstag 28. November Mittwoch 29. November Donnerstag 30. November Revolte im ictiehuuqsfiaus Freitag I. Dezember Samstag 2. Dezember Sonntag 3. Dezember Dtfluk TJlann, lüeiü und Revolution Revolte im tcziehunqshaus laq. und Höcht JCidusch dCa&chem TJlann, Weil und Revolution VORVtRK AUF: BUCHHANDLUNG„PROGR HS- Lange Kievltstraat 66— Tel. 276.98 und ander Abendkasse. Praise von Fre. S,— bis Frs. 2O,- Coupons, Devisen deutsche Effekten Waren-Termin- geschälte in allen Produkten sämtlicher Weltbörsen besorgt auch für Emigranten prima schweizer Ei,ma, Postfach 648, Zürich 2 Jm JCücze erscheint: »» Restaurant„HUNGARIA BRÜSSEL 31, Rue Croisades, 31, direkt am Gare du Nord Ungarische und Wiener Speziali- täten. Diner u. Souper, bestehend aus Suppe, garniertem Fleisch« gang, Salat u. Dessert oder Obst. FR* 7oOO einschließlich Brot, Bier oder Mi. ncralwasscr. SPEZIALGEDECK: '/» Ungarisches Paprikahuhn mit Suppe, Dessert und Getränk. Fr. 10,— Auch Essen ä la carte. Man spricht deutsch! Um gütigen Zuspruch bittet MAX 6RCINWALD WIK IN iKSIIiN DEUTSCHLAND» WIC INI CHAOS VON MAX KLINGER Dies Buch enthält auf ca. 120 Seiten eine historisch-kritische Darstellung des nationalsozialistischen Staatsstreichs in Deutschland, seiner Geschichte und seiner Technik. Es Ist In seiner sorgfältigen, objektiven Darstellung eine furchtbare Anklage gegen das System Hitler. Die offiziellen Lügen des Hitlerfaschismus werden schonungslos zerstört. Die Stimme der geschichtlichen Wahrheit erhebt sich gegen das national- sozialistische Verbrechertum, anklagend und erschütternd zugleich. «Volk in Ketten" wird in vier Ausgaben: deutsch, englisch, französisch und holländisch erscheinen Vorausbesiellungen an die Buchhandlung der Volks« timme, Saarbrücken, Bahnhofstraße 32 „Ewige Nenfralifât Ses Ssargedieles „Mandiester Guardian" hofii, daß England darauf bestehen wird Ein ßrief R. C. nawhlns Das bekannte große englische Blatt„Manchester Guardian" bringt am Dienstag, dem 21. November, einen Brief von R. 15. Hawkins, London, über die Saarfrage zur Ver» ösfentlichung. Der Brief zeigt, wie in weiten Kreisen der englischen Bevölkerung die Saarfrage allgemeines Interesse findet und wie man dort versucht, eine Lösung zu finden. Hawkins schreibt: 199.1 werden die Einwohner des Saargebiets über ihre künstige Regierung abstimmen. Nach dem Artikel 4» des Versaillcr Vertrages hat Deutschland zugunsten des Böller- bundes— als Treuhänder— aus die Regierung des Saar- gebiets verzichtet, und 1985 muß der Völkerbund darüber entscheiden, unter welcher Souveränität das Territorium in Zukunst stehen soll: unter Berücksichtigung der Wünsche der Bevölkerung, wie sie bei der Abstimmung 1985 zum Ausdruck kommen. Die Entscheidung liegt also ausschließlich beim Völkerbund. Nur solche Personen sFranen und Männerj über 29 Jahre alt, die im Saargebiet wohnten, als der Friedensvertrag abgeschlossen wurde, haben das Stimmrecht: aber vielleicht kann der Völkerbund andern Einwohnern das Recht der Abstimmung geben. Kein Ausländer, weder Deutsche noch Franzosen, haben das Recht aus Abstimmung oder in die Abstimmung einzugreisen, die frei und geheim sein muß und keine religiösen Unterschiede vorsehen dars. Die Abstimmung wird nach Gemeinden und Bezirken vor- genommen und das könnte ein Eingreisen des Völkerbundes rechtfertigen. Das Territorium ist seinerzeit an Deutschland gefallen, gemäß dem Frieden, der Frankreich nach Waterloo von England und Deutschland dik- tiert wurde. Trotzdem Herr Hitler gegen solche diktierte Ver« träge ist, dars man glanben, daß er sie billigt, wenn Deutsch- land aus der gewinnenden Seite ist: er wird zweifellos nicht- öffentlich die Saarländer ermutigen, für Vereinigung mit Deutschland zn stimmen. Solange Frankreich und Deutschland nur die Künste der Ueberrcdung anwenden, ist alles in Ord- n« n g. Der Bölkerbundsrat muß über Zeitpunkt und Methode der Abstimmung entscheide«: und die Saarländer können, wenn sie wollen, das Völkerbundsrcgime zu einem ständigen machen. In diesem Fall bekommt der Völkerbund die Souveränität des Gebietes und der Bölkerbundsrat wird durch Mehrheit Beschloß fassen: die Stimme Großbritanniens kann entscheidend sein. Es ist zu hossen, daß England dann aus der ewige» Neutralität des Saargebiets be- stehen wird, so wie die Schweiz nach Waterloo neu- tralifiert wurde. Der Haager Gerichtshof kann gebeten werben, die notwcn- digen Regeln der Neutralität zu entwerfen und zu desi- nieren, hauptsächlich im Hinblick aus Fragen des Verkehrs und der Luftfahrt. Die Saarländer haben von den Alliierten das Recht der Selbstbestimmung erhalten und sie haben die schwere Ver« antwortnng, die Verdienste des Hitler-Regimes abzuwägen, weil sie es annehmen oder verwerfen können. Sie Sozialisten erobern Lausanne Zum ersten Male absolute sozialistische Hehrheit Gens, 24. November. Bei den gestrigen Stichwahlen für die Stadtverordneten- Versammlung von Lausanne, der Hauptstadt des Kan- tons Waadtland, haben die Sozilistena zum ersten Male seit ihrem Bestehen die absolute Mehrheit erobert. Mit einem Stimmenzuwachs von 1189 gegenüber dem ersten Wahlgang am vorigen Sonntag haben sie bei 8799 Stimmen Gesamt» zahl den Bürgerblock um 299 Stimmen überflügelt und ihre sämtlichen 55 Kandidaten durchgebracht. Der Bttrgerblock erhielt nur 4S Sitze. Lausanne ist«ine weitere rote Stadt in der Schweiz geworden. In Montreux und Bevey wurden die bisher schon regie- renden Mehrheiten ans Sozialisten und Linksradikalen in der Stichwahl erneut bestätigt. „Jnsa" meldet über den Wahlausgang: Am Donnerstag- abend fand der zweite Wahlgang für die Bestellung des Stadtrates von Lausanne, bestehend aus IM Mitgliedern, statt. Im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag waren. Dni«k auf Dänemark Dänische Wirtschafft und deutsche Politik Die„Times" berichtet ausführlich über den deutschen Druck auf Dänemark, in der Absicht, durch wirtschaftliche Maß- nahmen die Anti-Hitler-Propaganda in Dänemark abzu- stoppen. Dänemark habe in den letzten Monaten vergebens versucht, mit Deutschland in Verhandlungen wegen eines Handelsvertages zu kommen Die deutsche Regierung habe Dänemark zu verstehen gegeben, daß der Ton der dä- Nischen sozialistischen Presse und verschie- dener Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei derart gewesen sei, den Eindruck in Berlin zu rechtfertigen, daß Dänemark eine antideutsche Politik beabsichtige und wenn dies der Fall sei, müsse Dänemark die wirt- s ch astlichen Konsequenzen tragen. Es dürfe angenommen werden, daß die deutsche Regierung nicht übersehen habe, daß eine wenn auch nur kleine Steige- rung des dänischen Viehexports aus Süd-Jütland nach Deutschland dazu beiträgt, dte schwere wirtschaftliche Krise zu mildern, die gerade in Jtttland besteht und die das schwere Problem darstellt, dem sich die dänische Regierung gegen- ttbergestellt sieht. Nach dem Kopenvagener„Times"«Korrespondcnte» ist dies auch der Grund für den plötzlichen Rückzug des dänischen Premierministers aus seiner robusten Haltung in der Frage der nationalen Verteidigung und des Mißtrauens gegen die Politik von Hitler-Deutschlanb, die ihn zur Fühlungnahme mit Oslo und Stockholm veranlasste. Es sei auch kein Zu- fall, dah dieser Rückzug zu verzeichnen war, wenige Tage nach der Rückkehr des Außenministers Dr. Munch, der längere Zeit ernstlich krank gewesen ist. Franz. Familie sucht Pensionäre Komf. Zimmer in nerrlich gelesener Villa. Sceaux. Elehtr. Bahn. 750 Fr. Schreiben an Puhl. Metzl, 51, rue Turbigo Nr. 101 Am besten u. billigsten •»sen Sie in der Taverne d'HautevIlie Paris, 5, rue d'Haufeville Ungarische, Wiener Küche• Abends Tan* bei Zigeunerkapelle Prix fixe oder& la Carfe Maisonnette des Comédiens Rosses Erstklassiges Restaurant.Cabaret Normale Preise RAPHAEL früher im„Monico")NASTIA POLIAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr). Soupers(bis 3 Uhr) 36, RUE VIVIENNE(BEI BOURSE) PARIS. nachdem man eine Serie Rechenfehler zugunsten der Bürger- lichen entdeckt hatte, 39 Bürgerliche gewählt worden. Es blieben noch 61 Stadtratsmitglieder zu wählen. Im zweiten Wahlgang ging nun die sozialistische Liste mit SS Kandi- baten durch, da nach Majorz gewählt wird, womit das Stadtparlament von Lausanne zum ersten Male eine rote Mehrheit aufweist. Bedeutungsvoll ist die Tatsache, daß der Gemeinderat, die Exekuttve, vom Stadtrat bestellt wird, so daß auch diese eine rote Mehrheit aufweisen wird. In den bürgerlichen Kreisen Lausannes ist man ob der Erobe- rung der ehemals freisiinnigen Hochburg Lausanne direkt bestürzt. Bis um 1 Uhr früh heute morgen wurde das Urnenergcbnis immer wieder nachgezählt und dann mußte doch angekündigt werben: 8747 sozialistische und 8621 ins- gesamt bürgerliche Stimmen! Lausanne sozialistisch! Eine weitere schweizerische Groß- und Kantonshauptstabt rot! Wir gratulieren unfern Lausanner Genossen zu dieser Eroberung. Dr. Munch sprach am Sonnabend in einer Versammlung von Zeeland-Bauern und erklärt dort, Dänemark habe der deutschen Minderheit ein Maß von Freiheit gegeben wie nirgendwo. Aus diesem Grund gäbe es also keinen Grund für Unruhe au der Grenze. Die trotzdem entstandene Unruhe>ei auf Zeitungsartikel, Reden und Demonstrationen zurückzuführen, obwohl die deutsche Regierung selbst keine Andeutungen gemacht habe, daß sie beabsichtige, die Grenz- frage aufzurollen. Man müsse hoffen, daß die Unruhe nach und nach verschwinden werde. Dänemark beabsichtige nicht, seine Mindcrheitenpolitik zu ändern, die ein typischer Aus- druck der dünischen Art sei. Noshan Ober Rosenberg (Jnpreß.) In MoSkauS politisch führenden Kreisen wird mit ausserordentlicher Verstimmung von einer Rede Kennt- niS genommen, die der Chef des außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Rosenberg, im Harnack-Haus, Berlin- Dahlen gehalten hat. Angesichts der Tatsache, daß in der deutschen Reichshauptstadt ein Drittel der Bevölkerung dem nackten Hunger und der Kälte preisgegeben sind— waS eben erst der Berliner Korrespondent deS„Manchester Guardian" erklärte—, wird die folgende Bemerkung Rosen- bcrgs als demagogischer Ablenkungsversuch bewertet:„In Russland löse man soziale Fragen auf nomadische Art, indem man die Bevölkerungsschichten, die nicht ernährt werden können, dem Hungertode überlasse." Aniruf Otto Strassers (Jnpreß.) Otto àrasser, der Führer der„Schwarzen Front', der sahrelang an der Seite HitlerS arbeitete, erlaßt aus der Prager Emigration einen Aufruf gegen das Hitter- regime, dem wir entnehmen:„Verlogenheit und Bonzen- Wirtschaft des Parteiensystems wurden gesteigert zur mono- polistischen Verlogenheit und Bonzenwirtschaft des Parteien- !r^? r NSDAP.! Nie war das werktätige Volk Deutschlands rechtloser, machtloser, nicht so unterdrückt, so vergewaltigt, wie seit den zehn Monaten Hitleregierung. Tyrannei, Brutalität, Gemeinheit feiern Triumphe und haben nicht nur eine völlige staatsbürgerliche Rechtlosigkeit der deutschen Menschen geschaffen, sondern das Hochkommen aller niedrigen, ehrlosen Instinkte gefördert. Denunzianten- .r^îgheit. Verrat sind zu Alltagserscheinungen de» öffentlichen und privaten Lebens geworden und zersetzen alle Bande menschlicher Gemeinschaften..." Propaganda Was Göbbels alles kann Aus dem Reiche schreibt uns ein Fabrikant: Bor kurzem hat mir mein Verband eine Denkschrift weiter- geleitet, die ihm zur Ucbersendung an die ihm angeschlossenen exportierenden Firmen vom Reichsverband der Industrie, fetzt„Reichsvcrband der deutschen Industrie", zugegangen war. Diese Denkschrift ist im Einvernehmen mit dem Reichs- Ministerium für Propaganda, in Wahrheit wohl auf desse« Veranlassung, abgefaßt. In der Denkschrift wurden die Exportfirmen ersucht, nicht mehr jüdische Vertreter im Ausland zu beschästigen. Die Exportindustrie habe ein Interesse daran, Vertreter im Aus- lande zu haben, die für das neue Deutschland Propaganda machen. Dazu seien jüdische Vertreter natur- 20|ahre Weltgeschichte in 700 Bildern! Einleitung von Fr. Sieburg Gelegenheit»» Angebot statt 29,30 Fr. letzt nur 8,55 Fr. Sofort zu beziehen durch: BUCHHANDLUNG der „Volksstimme" Surbrückea, B-kahol-tr. 12 VraktrcW, Hütte-b-rs-tr. 6. RUE TAYLOR. 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Unter den Ländern, für die Anstellung arischer Vertreter zur Besiegung der Boykottendenzen als dringend notwendig bezeichnet wurde, figurierte auch— Palästina! Bischof von Limburg erklärt (Jnpreß.) Der Bischof von Limburg veröffentlicht folgende Erklärung:„In einem Aufruf, der in diesen Tagen er- schienen ist. Heißt es: Heraus aus den konfessionellen Ver- bänden! Ich lege Verwahrung dagegen ein und rufe der katholischen Jugend zu: Bleibt den katholischen Jugendver- bänden unverbrüchlich treu." AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der Deutsche Freiheit" n für Elsass. Lothringen Annahme vnn Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2, rue Sédillet Strasbourg ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS. RHIN und HAUT.RH1N sofort gesucht. Umzüge und Stückgutverkehr Paris- Palästina verbilligte Frachtberechnung durch regelmäßige Wochen- Sammelladung Verpackung- Lagerung- Versicherung * Spezialer Dienst mit Abrufe ab DEUTSCHLAND f. 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James Macdonalb hat erklärt, daß er mit oem Vorschlag der Londoner Hilfskonferenz, in den ihm bei- gegebenen VerwaltungSrat des Hilfswerks acht Vertreter ber jüdischen Organisationen zu berufen, einverstanden sei. Er ist weiter bereit, mit allen von der Londoner Konferenz designierten Hilfsorganisationen zusammenzuarbe ten. Auch der Generalsekretär des Völkerbundes. Avenol, stimmte den Vorschlägen Dr. Wetzmanns zu. Nach seiner Unterredung mit Dr. Weizmann ist der Völkerbundskommisiar Macdonalb nach Paris und London abgereist, um die zur Borbereitung und Durchführung de» EmigrantenhilfswerkS notwendigen Besprechungen mit den maßgebenden Regierungsstellen abzuhalten. Sein Pro- gramm besteht, so viel bisher bekannt wurde, in großen Zügen darin, mit Hilfe bestimmter jüdischer und nicht- jüdischer Persönlichkeiten, aus die er rechnen zu können glaubt, und in Zusammenarbeit mit den jüdischen Organi- sationen, die an der Londoner Konferez teilgenommen haben, große Mittel für daS Emigranten-Hilfswerk aufzu- bringen. Mit diesen Mitteln soll die Eingliederung der auS Deutschland Geflüchteten in den Produktionsprozeß gelingen. Wetter besteht die Absicht, auf eine Reihe von Staaten in dem Sinne einzuwirken, daß sie eine bestimmte Zahl von Emigranten ausnehmen und ihnen ErwerbSmôglichkettèn geben. Demnächst soll in Genf oder Lausanne ein mit einem kleinen Stab von Mitarbeiter ausgestattetes ständiges Büro des EmigrantenkommtsiarS eröffnet werden. Pariser Berichte Pariser Straßenkalender Der Garten Dantons Das große Los der 2. Ziehung der Staatslotterie, die Nr. 78 463, fiel abermals in den„Midi". Der Holz- und Kohlen- handler Louis Ribière gewann die 5 Millionen. Den Haupt- Gewinn der 1. Ziehung errang bekanntlidi ein Friseur aus Tarascou, der jetzt in Paris eintraf, um ein Automobil zu kaufen. Eine pariser Portierfrau Madame Verbele in der Rue Doudeauville und ein Träger in den Markthallen namens Paulot gewannen jeder*/i Million Franca. ♦ In den pariser Wirtschaften und im Lande kommt es vielleicht zu einer Musikaussperrung. Ein Kongreß der Wirte Frankreichs hat beschlossen, von den Komponisten eine Ermäßigung der Tantiemen zu verlangen, widrigenfalls in Hotels. Cafés, Wirtschaften weder Orchesters noch Radio noch Platten gehört werden sollen. * An der französischen Riviera ist ein neuer Tanz„Croon" englischen Ursprungs aufgetaucht, der langsam getanzt wird und sechs Figuren hat. In Saint-Denis zerstörte ein Feuer Métairie eine Holzbaracke, die einer Ihren acht Kindern als Obdach diente. der in armen Rue de la Witwe und Die Seine wird zur Zeit gegenüber vom Louvre zwischen dem Pont du Caroussel und dem Pont Royal zum Schutze gegen Ueberschwemmungen von Paris verbreitert. Gold> Platin• Brillanten |£ f. II, RUB DB CHATEAUDUN ftäU II Tel. Trad. 59-40. Mitro Cadet ALEXANDRE WILLK Betten, Lit-Divans, Möbel aller Art liefert BILUOST audi In kleinen Mengen zu Fabrikpreisen Felix Sansoul, Hotelmßbelfabrik 157, Boullavard da Is Vlllatta, 157 METRO AUBERVILLIERS Vortugeprelee für deutsche Flüchtlinge Tailleur Eidiner 20, Rue Laplace, Paris(5) Métro Maubert- Mutualité. Tel. Odéon 83-75. Ausbesserungen. Umwendungen, nach Maß. Anzüge 350Fr. Einkauf, Verkauf u Beratung bei allen Juwelen und Goldwaren Wenden Sie sich an J. WILLK 4t, r. le Pelefler, Ecke 41, r. Lafayette Trud. 67-77. Métro: Le Peletfer Einkauf und Auslobung vom Vertatzamt BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. 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Der Vertreter der Anklage sagte u. a.:„Wenn eine solche Tat vorkommt, ist es gut, sich zu erinnern, daß Frankreich kein Land ist, wo man Bücher verbrennt und Statuen beschädig t." Nach Beendigung der Sitzung rief der Angeklagte:„Es lebe der Friede!" Das Publikum antwortete znm großen Teil:„Es lebe Frankreich!" Pariser Gemelndewahlen Bei der Wahl eines Stadtrats im Bezirk Saint-Denis, inmitten der Stadt, auf den großen Geschäftsboulevards, handelte es sich um eine Ersatzwahl für den ermordeten Palace-Besitzer Dufrenne. Dufrenne war Radikal-Sozialer. Die Wahl-Beteiligung war nicht allzu hoch. Von 5282 Wählern erschienen 3501 an der Urne. Das Ergebnis ist eine S t i ch w a h 1 zwischen Piel(Union républ.) mit 1651 und Satragne(Radikalsozial) mit 1131 Stimmen. Der sozialistische Kandidat erhielt 183, der Kommunist 176, der Kandidat der Sozialisten Frankreichs 64 Stimmen. Im Bezirk Aux Epinettes wählten von 14 650 Wählern 10 097. In diesem Arbeiterbezirk stand der Bewerber der Sozialisten Frankreichs, Copigneanx, mit 2633 Stimmen an erster Stelle; es findet S t i ch w a h I mit dem Kommunisten C o s t e s statt. An dritter Stelle stand mit nur einer Stimme weniger der Kandidat der republikanischen Union. Der offizielle Sozialist erhielt 405 Stimmen. Bei der Wahl zum Generalrat in Boulogne» Billancourt wählten von 10152 Wählern nur 6188 Das Ergebnis war ebenfalls S t i ch w a h 1 zwischen der republikanischen Union mit 2603 und dem offiziellen Sozialisten Fourhonmnit 1426 Stimmen. Der Kommunist hatte 924, ein Unabhängiger Sozialist 135 Stimmen. Pariser Dllderprelse Bei einer Kunstauktion von„Winter-Bildern"(übrigens eine merkwürdige Spezialität) wurde O 1 a m i n ck mit 6100 Francs für ein„Dorf unter Schnee" Meister. Ein Aquarell von Pissarro„Jäger im Winter" kam auf 2400, ein Aquarell von Marc Chagall„Dorf unter Schnee" auf 2100 Francs. Für„Reif" vonn G u i 11 a u m i n wurden 2900 bezahlt. Ferner wurden noch 21 000 Francs erlöst. Zugleich ging eine„Frühlingslandschaft" von Mo net mit 14 000 Francs ab. Eine„Meditation" von P u v i s de Chavanne brachte es anf 9500. M a n e t blieb Sieger mit einer Zeichnung zu einem Frauenporträt für 19 900 Francs. Rhein-Gold Man schreibt uns: Im Programm der Pasdelonp-Konzerte dieser WoAe(Sonnabend, 25. und Sonntag, 26. November) wird beide Male das ganze„R h e i n- G o 1 d" von Wagner vorgetragen, unter Mitwirkung von berühmten Sängern und Sängerinnen und unter der Leitung von François Ruhlmann. Darnenssflneider I. Mastchenko 7, Rue du Marché St. Honoré.» Tel. Opéra 72-79 Kloldor, Mintal, Polxo. Umarboitg., Reparierung Eingerichtet« ausländische Zahn-Praxis d. h. Empfangt- und Ordinat.-Zimmer im Laborat. inel. schön einger. Schlaf-Speisezimmer u. Küche In einer guten Gegend. Ausfahrswegen geleg. zu kaufen. Nühere Angebote an Publ. Metzl, 51, rue Turbigo No 79. 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Der Prozeß in B a s t i a auf Korsika hat sein Ende mit einem furchtbaren Geistesblitz des wilden Torre gefunden. Torre, gegen den der Staatsanwalt die Todesstrafe beantragte, gewann seine volle Fassung wieder und nahm das Todesurteil mit finsterer Verachtung auf. Der andere Neffe des großen einäugigen Banditen Cavi- glioli, der junge Toussaint Caviglioli, erhielt Zuchtbaus lebenslänglich. Nach dem Todesurteil gab ein Zeichner dem Torre eine Skizze, die er von ihm angefertigt hatte. Der zum Tode Verurteilte schrieb darauf:„Sie haben mich gut gefaßt, aber das Gericht hat mich noch besser gefaßt.".... GOLD Brlll.nt.n da. Ist SIMONO I 24, Fg Montmartre(l-te Et.)| dar am feuerst, bezahlen wird Möbliert M-ro Raspatl, 2 Zimmer, Küche, heißes Wasser, Pavillon, Garten. 425Fr. Concierge, 2-bts rue Cela Deutsch. Flüchtl., kath. Akad., beabstcht. In viel besucht, belgisch. 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Das ganze Dorf lief zusammen und veranstaltete eine Treibjagd hinter den Störern des Gottesfriedens, die allerdings wie vom Erdboden verschwunden waren. Nldf Carter Im Kanlnchenstall In dem Sensationsfall des früheren pariser Anwalts Bonnet, der wegen der Ermordung der Marktverkäuferin Marie Moulin in Südfrankreich verhaftet wurde, spielt ein Kaninchenstall eine besondere Verräterrolle. In der ViLa des Bonnet in Vinay entdeckte die Polizei Papierschnitzel. Unter diesen fand der Untersuchungsrichter das Testament der Ermordeten zugunsten des Bonnet. Aber wie war das Testament dorthin gekommen? Die jetzige Geliebte des einstigen Anwalts hatte bei der Haussuchung plötzlich das Verlangen gezeigt, die Kaninchen zu füttern. Sie streichelte die Tiere so zärtlich, daß der Gendarm gerührt wurde. Die Tierfreundin machte einen Brei von Kleie, Wasser und Obstschalen. Und was den braven Gendarmen am meisten erstaunte, war, daß sie nur ein Nest versorgte, die anderen leer ausgehen ließ. Am nächsten Tage hatten die Kaninchen die Kleie und die Obstschalen mit Eifer genagt, aber das Papier des Testaments lag noch da, fein abgeleckt und gesäubert, aber lesbar und unversehrt, jetzt erst entsann sich der Hüter der Ordnung, daß die Liebhaberin der Kaninchen vielleicht was aus ihrem Busen gezogen hatte, das sie den Nagetieren vorwarf. Die Untersuchunng des Körpers der Ermordeten hat übrigens ergeben, daß diese noch lebend unter die Räder eines Autos geworfen wurde. Studio Ch. Elys. (IS, Avenu» Montaigne) Dr etffe Briafi un«1 ifkre 3 Akte .Winder einer Un be Kan raten Stefan Zweig ifHopic und Hl a nia Evrelnoff iadan Tag um 9 Uhr Nachmiftagivorstallungan um 3 Uhr BRÜSSEL rue I, Enseignement l5-l7 Dr.jur. K. Goldnnnn, früh, deutsch. Rechtsanw' Forderungseinziehung in Deutschland. Handelsvertretung. Daselbst franz. Sprachkurse. Monatlich 20.— Franken Was heißt Pg.? Ein Fremder in Hitler-Deutschland fragt bei der Zeitungslektüre neugierig:„Sagen Sie, was heißt das eigentlich immer„Pg." Antwort:„Prima Großmutter". Sihvtiuriiilni sa«.Itisslsokti Wurstwirf npnchtfl Ksahfsbloksrfi, KeaSitsrsi, W.lss und Llktrs StaduUs J fcAmid TS, Issl.crsrd da Strssk.sr, I, ras St. ticnsl JUuiS, kii San d. I'M Tilifl» 4 Liniin nriislgt untir»OTT*RH 81-10 feinste jüdische Selchioaeetf und lOienu O&äckeceiQesdiäfte JUuis 58, AVENUE WAORAM, 1.1. Cam«,» 27-63 58. RUE DE PASSY, Toi. Autouil 33-61 Paris. Wegen sich hinziehender und unvorhergesehener Krankheit bin gezwungen, mein Geschält, Hautes coutures et modes, in blühendem Zustand abzutreten, Bezirk-Place Victor Hugo. Jährlichen Umsatz ab 400 OCX) bis 500 000 Fr. Abzutreten: Kontrakt, Einrichtung, Erfahrung, Ware, Sammlung und Aussenstünde. Das Geschäft selbst hat keine Schulden. Verkaufe für Spottpreis, für 150000 Fr. Bedingungen: 120000 Fr. Bargeld, die übrigen 30OD» Fr. im Laufe des labres. 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In den dnrch den Evangelischen Presse- ttenst verbreiteten„Nachrichten aus der Glaubensbewegung Deutsche Christen" veröffentlicht der Landesbischof Hoffen- selber eine Erklärung, in der er das Handeln des Gauob- manns Krause als isoliert hinstellt und in der es u. a. heißt:„Wir sind stolz daraus, als Nationalsozialisten Deutsche Christen zu sein. Aus betont völkischer Kraft und Haltung sammeln wir das deutsche evangelische Christenvolk zu einer machtvollen religiösen Einheit. Zur Erfüllung dieser Auf» gäbe gehört in erster Linie Disziplin. Auf dem G e- horsam gegen das Bekenntnis erwächst auch die Disziplin für die äußere Haltung. Wie der Nationalsozia- lismus die Totalität des Staats in allen seinen Wirkungs- kreisen ergriffen hat, so soll die Glaubensbewe- gung über alle k i r ch e n p o li ti s ch e Gruppen- bilbung der Vergangenheit die Totalität einer am Evangelium entflammten großen Volkskirche bringen. Vor dieser erwachten heiligen Gläubigkeit gibt es kein« salsche Rückständigkeit. Der le- bendige Strom kirchlichen Lebens schafft selbst neue Gesetze. Deshalb habe ich aber auch verboten, daß in der Glaubensbewegung die umstrittene Frage des Alten Testaments zur Zeit wie mit einem Sezier- meffer nach allen Seiten zerspaltend erörtert wird. Ich ver- wahre mich dagegen, daß das neu ausbrechende jugendfrische Leben der Gemeinden in seiner Entwicklung dadurch ge- hemmt wird, daß man alten und zerschlagenen kirchen- des nächsten Monats zu geschehen habe. Sie sind sich ihres starken Einflusses in dieser Versammlung bewußt und werden zweifellos versuchen, die Annahme der Arier- Klausel durchzusetzen. Damit befindet sich der Reichs- bischof in einem unangenehmen Dilemma. Der oppositionelle Bund der Pastoren drückt weiter sehr hart auf ihn. Seine Vertreter übergaben ihm eine scharfe Note mit der Warnung, daß, wenn der Rest ihrer Forde- rungen nicht voll erfüllt würde, einschließlich der Aufgabe des Protektorats über die Deutschen Christen und die Eut- fernung derer extremen Führer, er damit rechnen müsse, daß alle 3000 Mitglieder a m nächsten Sonntag einen gemeinsamen Angriff auf das ganze gegenwärtige Kirchensystem unter- nehmen würben, selb st mit dem Risiko einer gewaltsamen Unterdrückung. Das ist die Antwort auf den Fall des Pastors Wilde in Stettin, der am letzten Sonntag weiter gegangen ist als die anderen. Er hat es ab- gelehnt, einen Gottesdienst zu halten und berief eine Ge- meindeversammlung ein, in welcher er den Reichsbischof, den Bischof Hossenfelder und die Deutschen Christen im allge- meinen angegriffen hat. weil sie Ketzerei und Ge- wissenszwang in die Kirche eingeführt hätten. Er wurde von seinem Amt von dem Sprengel- Bischof suspendiert und sein Pfarramt wurde von einer SA.-Abteilung„zur Kontrolle" besetzt. MUnchener Universität® Tlglld. von 5 bi, 7 Uhr IM, BOULEVARD SAINT-MICHEL (nsbsn Luxarabourg-Gartan) g BOSKSSH 3)r- fie^mund KitscA Allg.prakt.Arzt Frauen- und Kinderkrankheiten Sprechstunden: /eden Tag von 1-3 und 6-6 Uhr Sonntags 8-10 Uhr fforis(20) 92, Rue Pelleport (gegenüber JK-ro JeKeportJ Ménilmontant 55-96.(Nachtvisiten). 52»-'- Deutsches Zahnärztliches Institut 22, RUE DE DOUAI. Mitrot Bland.«, Rgalla Tal. Triait* 50.27. Sprechstunden: 9.12, 2-8 Uhr Zahn« u. Mundkrankh., Röntgen. Elektrotherapie, Protheten. Kronen, Brücken in Gold, Platin u. Porzellan NEUHEIT! PORZELLAN.KRONEN UND.BRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit Toller Garantie für guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE MISSIGE PREISE. UNTERSUCHUNG U. BERKUNG NOSTENLUS Deutsche Poliklinik Chefarzt Professor WENSTEN 1) SPEZIALXRZTLICHE ORDINATION für.amtlich* Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik ' ORDINATION: täglich von 1 bis 8 Uhr. Sonn, und Feiertag, von 10 bi, 12 Uhr: politischen Richtungen auch nur den geringsten Anhaltspunkt gibt, uns zum Vorspann ihrer Zesetzungs- Methoden zu machen. Das Untersangen einiger weniger in der Berliner Sport- palastversammlung hat mich veranlaßt, sofort mit fester Hand durchzugreifen. Diese wenigen, die sich selbst das Wort gaben, haben gegen die innere und äußere Disziplin grob ver- stoßen. Sfurm! Die über den Kirchenkonflikt sehr gut unterrichtete Lon- doner„Times" schreibt unter andern: „Der Konflikt tst keineswegs zu Ende. Die Führer der Deutschen Christen haben in Hamburg eine Kon- ferenz abgehalten(Hamburg ist eine Hochburg der Extre- misten), und die Einberufung der National-Synode durch den Reichsbischof verlangt, der ihr das allgemeine Kirchen- gesetz samt detaillierten Aussührungsbestimmungen vorlegen soll. Sie machen darauf aufmerksam, daß die National- Synode mindestens einmal jährlich einberufen werden müsse Und baß dies nach den geltenden Bestimmungen innerhalb Unterdessen werden die Vorbereitungen für die Weihe deS Reichsbischoss Müller am 3. Dezember fortgesetzt. ES soll eine sehr eindrucksvolle Zeremonie werden. Er wird an der Siegessäule abgeholt und durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden bis zum Dom wird ein Spalier von Mitgliedern kirchlicher und politischer Organisationen ge- bildet." „Sonderpolifih" Auflösung des„Studentenbundes Deutsche Christen" D.ie Deutsche Studentenschaft teilt mit: Der Führer der Deutschen Studentenschast, Dr. S t ä b e l, hat angeordnet, daß aus allen Hochschulen des Reiches der„Ttudentenkampf- bund Deutsche Christen" aufgelöst wirb, da er eine der einheitlichen Linie der Studentenschaft zu- widerlaufende Sonderpolitik getrieben hat. Das Vermögen des StudentenkampfbundeS fällt der Glaubensbewegung„Deutsche Christen" zu. Die fachliche theologische Arbeit der Studentenschaften wirb ausschließlich von den theologischen Fachschaften geleistet werden. Dis„Deutschs Freiheit" Einzig« unabhängig« Tageszeitung Deutschlands mufj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäfjige Zusendung der„Deutschen Freiheit" N. met».— BRIEFKASTEN Buchhändler. Strasburg. Sie wollen wissen, welchen Erfolg die mit vieler Reklame angekündigte englische Uebersetzung des Hitler- Buches„Mein Kampf"(sie ist übrigens stark vom Uebersetzer ge- kürzt und zugunsten des Autors zensiert worden) gehabt hat. Wir heben noch keine Nachricht darüber. Dafür eine andere ans Amerika, die Sie interessieren wird. Das große BerlagShauZ John Dan and Eo. kündigte den Bertrag, den sie für die amerikanische Ausgabe eine? Buche« von Adolf Hitler über das Thema:„Das neue Deutschland will den Frieden" abgeschlossen hatte. Das Buch ent- hält die Reden, die der Kanzler seit dem ersten Januar 1938 gehalten hat. DaS Berlagshaus stellt fest, daß der endgültige Text unvollständig sei und nur die Stellen enthalte, die Hitler in den U.S.A. veröffentlicht sehen möchte. Namentlich die Stellen über da» Schicksal der Juden seien ausgelassen worden.— So sind sie. Im Inland« brutal, vor dem Ausland manikürtert. DaS wird noch deutlicher werden, wenn sich erst die Göbbels-Pressepropaganda reicher entfalten wird. Beregis. Sie sind ein aufmerksamer Leser. Dank! Warum das siegreiche Duisburger Pferd„Strohfeuer" nicht ins Konzentrations- Lager kommt? Hier peitscht man nur Menschen. Pferd««erde« d,.nk des Befehls des Ehrenvorsitzenden aller deutschen Tierschutz- vereine, des Herrn Göring, pfleglicher behandelt. Und gar erst Rennpferde in ihrer Box! Wie raten Ihnen, sich einmal anzusehen, wie der erfolgreiche Rennstallbesitzer seinen flinken Gaul öffentlich abküßt. Abgeordneter Schmelzer Saarbrücken. AlS Führer der„Deutsche« Front" haben Sie am 23. November im Landesrat des SaargebietS über den früheren elsäijifchen Deputierten S. Grumbach u. a. ge- sagt: „Der Mann war zu der Zeit, als es nahrhaft war, Mitglied des Deutschen Reichstags durch die Gunst und die Dummheit der deutschen Sozialdemokratie. Er ist, als es aus der anderen Seite nahrhaft wurde, durch die Gunst und durch die Dummheit der französischen Sozialdemokratie Mitglied der französischen Kammer geworden und er ist jetzt, wie die„Volksstimme" schreibt,„ancien depute". Sie haben eine In Gesinnung und Form besonders niedrige Ver- leumdung vorgetragen, denn S. Grumbach ist niemals Mit- glieddesDeutschenReichstags oder eine« anderen deut« schen Parlaments gewesen. Sie wollten dem elsä,iischen Sozialdemo- traten die Ehre abschneiden, und nun sind Sie selbst ein Ehr- abschneider. Sie sind sicher nicht nur deutsch, sondern auch fromm, jedoch haben Sie das ehrwürdige Wort vergessen:„Ein Dieb ist ein schändlich Ding, aber ein Verleumder ist noch viel schändlicher." Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Métro: Chaielei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von K r a m p t a d e r n und offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektro zttät Impfungsvertahren Trypafle vine» Einspritzungen Blut, und Harn.Untersuchungen, S per, makultur, Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10-12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man sprich' deutsch IÜ" Paris-Chainnerre' 11. Place de U Port« Champerret(17) Telefon Galv. 68»67 10 Unterrichtsstunden 140,— Fr. Unterricht zu jeder Zeit. Auch W ohngelegenheit. Ankauf Verkauf Tausch Auch die„Kleine Anzeige" In der „Deutschen Frei- hejt'brinqt Erlolg R. V. Brüssel. Solche Briefe sind für uns immer wertvoll. Di« Veröffentlichung wird so erfolgen, daß der Urheber nicht zu erken- neu ist. Obwohl die guten Leute genau nach den ihnen von oben gegebenen Vorschriften gehandelt habe», könnten sie doch Weiterun- gen befürchten müssen. Schaphausen. Sie schreiben uns:„Ich glaube, eS würde viele gleich mir jetzt nicht mehr in Deutschland tätigen Schauspieler in- tereisieren, wo die ausgewanderten deutschen Künstler sich jetzt aufhalten oder wo sie jetzt beruflich tätig sind. Besonders die durch langjährige gemeinsame Tätigkeit in Berlin Verbundenen, sind auSeiandergesprengt, einer weiß vom andern nichts und ist aus zufällige Notizen und Gerüchte angewiesen. Es wird viel vom Frei- Doktor Wachtel Harm, Blut» und Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hais, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. Kaufmännisch. Teilhaber mit 30 000 Fr. von langi- Chef» Zuschneider erster süddeutscher Großflrmen zwecks Gründung eines Maßgeschäfts beat. Genres in Paris gesucht. Offenen an Puhl. Metzl, 51, rua Turbigo unter Nr. 69 Bail abzutreten bei Hotel deVllle, Schöne Läden, für allerhand Geschäfte. Vorteilhafte Preise. Schreiben an: PUBL. METZL, PARIS, 51, rue Turbigo, Nr. 98 Französisch. 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Wäre es nicht eine sehr dankenswerte Aufgabe für Ihr Blatt, das doch von den emigrierten Schauspielern in allen Ländern gelesen wird, wenn Sie eine Aufstellung der Schauspieler bringen würden, die nicht mehr im deutschen Reich tätig sein durften und welche« Schicksal sie haben, wo sie sich aus- halten, wo sie tätig sind. Es könnte einer dem andern helfen, es werden vielleicht manche, gleich mir, die untergebracht sind, in der Lage sein, diesen oder jenen weiterzuempfehlen. Ich denke mir, das so, daß Sie, soweit Sie dazu die Möglichkeit finden, den momen- tauen Aufenthalt der Betreffenden feststellen und in einer Tabelle In Ihrem Blatt erscheinen lassen." Wir geben diese Anregung gern weiter, obwohl wir ein wenig fürchten, daß ihre Verwirklichung den Rahmen der„Deutschen Freiheit" sprengen könnte. Was dem Schauspieler recht ist, das ist den Sängern, Musikern und bildenden Künstlern aller Grade und beider Geschlechter billig. Immerhin: wir wollen zunächst da? Echo Ihres Briefes abwarten und sind vor allem dankbar für Nach- richten über die Gerüchte vom Freitog von Künstlern, die Hitler- Deutschland vertrieb oder nicht mehr wirken ließ. Bestätigt ist bi» zur Stunde nur der Selbstmord von Max L a n d a, der an der dalmatinischen Küste Abschied von einem«inst so erfolgreichen und dann so zerstörten Leben nahm. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dub- weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volkssttmme GmbH„ Saarbrücken 8. Schlltzenstraße ö. Straf}«!...... Orfi- ■, de Unterschritt Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3» Schützenstraf}« 5» Postschließfach 776 Dr. med. Mlippe Lzaezkes SPRICHT DEUTSCH 5, Av. d'Eylau,(Trocadéro), Tel. Passy 47-57 Sprechstunden täglich von 1.30 bis 3.30 Uhr för innere« Frauen« and allgemeine Krankheiten DE» BEDSflllfE HEILER Chriilian empfängt 47, Rue de Berri Erfolg von ersten Seancen..*. Konsnlt. gratis ZAHNARZT der Paiiser med. 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