Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 135— 1. Jahrgang| Saarbrücken, Dienstag, den 28. November 1933| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Vecschäcfung dec Rcotestantenkcise Seite 2 Rettung dec deutschen J&auetn? Seite 4 5cick gegen SA. Volk im„Jlanducenkeilec" Seite 5 Jbciel aus Wlexika Seite 8 Chautemps und Hitler ble beginnenden Vorverhandlungen- Die Saar als europaisches Schicksal- Verantwortung des Völkerbundes und Frankreichs Zeiten politischer Krisen eine gewisse Stabilität ,u wahren. In meinem Kabinett herrscht das radikale Element vor. die Devise der neuen Regierung wird sein, den natio- nalen Notwendigkeiten Rechnung in traaen." üerrlof Paris, 27. November. Chautemps hatte Herriot um seine Mitarbeit in der Regierung gebeten. Herriot hat, wie es in einer Havaserklärung heißt, aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt, jedoch, um seine Solidarität mit der neuen Re° gierung zum Ausdruck zu bringen, sich berciterklärt, Dele- gterter Frankreichs beim Völkerbund zu sein und außerdem Frankreich bei seinen diplomatischen Missionen zu vertreten, die die neue Regierung ihm anvertrauen werde u Sozialisfensieg in Genf Absolute Mehrheit im Stadtrat Der Siegeszug der schweizerischen Sozialdemokratie geht weiter. Am Sonntag fanden in G e n f Stadtratswahlen s.att. Es gelang der Sozialdemokratie, die schon jüngst bei den Wahlen zum Großen Rat ihre Stimmenzahl auf etwa 48 Pro- zcnt steigern konnte, die absolute Mehrheit zu er- ringen. Bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent wurden alle vier von ihr aufgestellten Kandidaten, barunter auch der vor.inigen Monaten wegen Ausreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt verurteilte Nationalrat N i c o l e ge- wählt,' infolgedessen blieben für die vereinigte bürgerliche Liste nur mehr drei Sitze frei. »»» Chautemps Keine neoen nanner Paris, 27. Nov. Das Kabinett Chautemps ist um 2.50 Ar französische Zeit gebildet worden,»nd zwar». a. mit Panl-Bonconr jAuswärtigesj, Daladier lKriegj, Tarrant 'Kriegsmarine), Cot sLnstsahrt), Ronnet(Finanzen). Die Ernennungsdekrete der Mitglieder der neuen Re» Gerung erscheinen heute früh im„Journal Officiel". Die Liste der Unterstaatssckrctäre wird erst im Laufe deS Mutigen Tages aufgestellt werden. Um IN Uhr vormittags I..R bat Ministerpräsident Chautemps seine Mitarbeiter dem Prä- inlstfllCIISplCI i'benten der Republik vorgestellt. Chautemps hat nach der Bildung seines Kabinetts fol- î°«de Erklärung abgegeben:„Einige Kreise werden finden, °aß die neue Regierung keine neuen Persönlich- 'etten aufweist. Ich für meinen Teil erachte es für sehr Nützlich, durch Beibehaltung der gleichen Persönlichkeiten in Ncnsozf allsten:„Nodi nidil Eine Rede Renaudels Paris, 27. Nov. In Toulon hielten die Neusozialisten«ine Versammlung ab, bei der der Abg. Renaudel die Ablehnung seiner politischen Freunde, in die Regierung einzutreten, da- mit begründete, daß die Lage innerhalb des sozialistischen Lagers noch nicht hinreichend geklärt sei. Wenn dagegen ein Zusammenschluß der Linksgruppen erfolge, würde seine Par- tei bereit sein, die Regierung zu unterstützen, falls sie ein annehmbares Programm unterbreite. Den Eintritt in eine Regierungsmehrheit, der auch die Linksrcpublikaner an- gehörten, müßten dagegen seine politischen Freunde ab- lehnen. Mikrofon Amflidie Bekanntmachung betreffend den aufgelösten„Notring" der NSDAP, des Saargebietes Aufforderung Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 und in Erweiterung Aufforderung vom 7. 11. 1933 werden hiermit alle Personen, die als Vor- Holter. Geschäftsführer, Angestellte oder Beauftragte des ,,Notringes* 4 der NSDAP. $Mrgebietes tätig waren, insbesondere die früheren Kreis-, Ortsgruppen- und 'ütapuiildleiter sowie Kassenwarte des„Notrings'* aufgefordert, bia längstens 5. e.*ember 1933 dem unterzeichneten Verwalter abzuliefern(durch Einsendung oder Übergabe an seine Beauftragten im Regierungsgebäude, HindenburgstraBe in Saar- 'beben, Zimmer 133 bzw. durch Einzahlung auf das Postscheckkonto Nr. 7366 '••rbrüeken): ^ Bericht und Rechnungsabschluß«iber&e Verwendung der eingesogenen Mitgliedsbeiträge uwd der erhaltenen Beitragsmarken seit Gründung des„Not- «ng»"; *• den Erlös«us der Verwendung von Beitragsmarken nnd die auf andere ^Peise eingesogenen Mitgliedsbeiträge sowie alle sonstigen Einnahmen und Barbestände; den danach verbleibenden Bestand an Beitragsmarken; schriftliche Anmeldung aller dem„Notring" anstehenden Rechte, wie Forderungen, Ansprüche auf Herausgabe u. a.; ^ alle Gegenstände, die zum Vermögen des.Notrings 4* gehören, insbesondere Akten, Verzeichnisse und sonstige Schriftstücke, sowie Möbel und andere Ebroio werden alle anderen als die vorgenannten Personen, welche zum j* ft fmÖgeD des„Notrings" gehörende Gegenstände oder Barmittel in Besitz •ben, aufgefordert, diese in obenbezeichneter Heise abzuliefern. Nach Ablauf obiger Frist wird gegen alle, die vorstehender Aufforderung ^'«h, nachgekommen sind, auf Grund der Strafbestimmungen der genannten ^'Ordnung vorgegangen werden; diese sieht für solche Fälle Geldstrafe oder 'fangnis bis zu 6 Monaten vor. . In diesem Zusammenhange wird vor der irrigen, auch in der Presse geäußerten Auffassung gewarnt, die Bundesrats Verordnung vom 15. Februar 1917 sei eine * e ine Kriegsverordnung und gehöre daher zu den„mit Rüdksicht auf den y r' e gs*i.sland getroffenen Bestimmungen'*, die nach dem Friedensvertrag von ® r»ailles im Saargebiet nicht in Kraft sind. k» wird vielmehr daran» hingewiesen, daü nach einer Entscheidung des Reichs- ^richte, diese Verordnung auch für die Nachkriegszeit anzuwenden ist(Urteil T 0q» 15. 10. 1923) und der für das Saargebiet maßgehende Oberste Gerichtshof ^ Saarlouis* n B«i ner Entscheidung vom 28. April 1932 S 5/32 außerdem •°»drüdcli»h hervorhebt, daß die Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 1 10 Saargebiet noch zu Recht besteht. Saarbrüchen, den 25. November 1933 Der Verwalter des aufgelöste!;..Notrings** der NSDAP, des Saargehiete». gez. C. Kloppenburg, die Richtigkeit der Abschrift:,„ Der Direkter des Innere und de» Kabinetts» (Unterschrift.) Der neue Ministerpräsident CHautempS und sein Kabinett werden als Männer einer UebergangSregierung betrachtet. Solche Zwischenregierungen hat der radikalsoziale Chau- temps auch früher schon geführt. Man bemühte sich in den letzten Tagen um das Zustandekommen eines Linkskartells, Renaudel wohnte einer Fraktionssitzung der Radikal- sozialisten bei, nahm neben Herriot Platz und entwickelte seine Gedankengänge. Ein Ergebnis hatten diese Be- mtthungen nicht. Die Bemerkungen Renaudels in Toulon, daß die Klärung im sozialistischen Lager noch nicht weit genug vorgeschritten sei, klingen etwas resigniert. In der Tat ist auf der Linken nicht die Einigkeit, die Eni- schlutzkraft und der Wille zur Konzentration auf Notwendig- keiten zu finden, der für eine starke Linksregierung erforder- lich wäre. Inzwischen glaubt die Rechte, daß ihre Stunde herannaht. Der Abgeordnete Tardieu hat am Sonntag in zwei Reden heftig gegen den„marxistischen Materialismus" ge- sprachen, der auf die französische Politik Einfluß gewonnen habe. Es ist also dieselbe Phraseologie, mit der in Deutsch- land die Agitation der Rechten sich betätigt hat. Tardieu stärkt das Mißtrauen der Sparer gegen die bisherige zögernde Finanzpolitik, spielt mit der Gefahr einer Inflation und macht das Zusammenwirken der Radikalen mit den Sozialisten für die mangelnde Stabilität hes politischen und wirtschaftlichen Vertrauens verantwortlich. Die innere Krise Frankreichs bleibt jedenfalls auch unter dem Ministerium Chautemps ungelöst. Die Innen- und Außenpolitik Frankreichs erfordern bald eine Regierung auf breiter parlamentarischer Grundlage und mit starkem Rück- halt im Bolke. Vor einigen Tagen sind demagogische Flug- schritten gegen das parlamentarische Regime aus Flugzeugen über Paris abgeworfen worden. Der Eindruck war nicht stark. Mehr als eine spielerische Sensation waren diese Zettel nicht. Von einer Krise des parlamentarischen Systems, wie sie zerstörend Jahre hindurch in Deutschland sich ausge- wirkt hat. kann nicht die Rede fem. Die französischen Parteien und das französische Volk werden die Kräfte zur Ueberwin- dung der inneren Schwierigkeiten finden, aber die politischen Wegzeichen weisen nach rechts. Eine kommende Konzen- trationsregierung wird stark konservativ-kapitalistische Ein- flüsse enthalten, und es scheint, daß die Widerstände der Radikalsozialisten gegen ein solches Ministerium allmählich geringer werden. Der Präsident des amerikanische««rbeiterverbondeS Green gab bekannt, daß die Gesamtzahl der Erwerbslosen lü,ü?ö Millionen betrag«. D. F Die Aufmerksamkeit der Weltpresse für das unter Völkerbundsregierung stehende Saargebiet wächst, je mehr das Jahr 1935 herannaht, das die Wünsche der Bevölke- rung für die fernere staatliche Zugehörigkeit ihrer Heimat dem Völkerbund kundtun soll. Man ist auch außerhalb des Saargebietes davon unterrichtet, daß sich eine„Deutsche Front" gebildet hat, die alles zusammenfassen will, was nicht zu den Sozialdemokraten, Kommunisten und son- stigen landesverräterischen Untermenschen gehört. Schon der Name dieser Gründung ist irreführend, da niemand das Deutschtum der Menschen an der Saar bezweifelt und bisher niemand aufgetreten ist, der die Wahnidee verträte, dieses Gebiet zu entdeutschen. Es geht immer nur um die Frage, wie zu verhindern ist, daß dieses letzte Restgebiet des früheren deutschen Rechtsstaates einer Barbaren- und Banditendiktatur ausgeliefert werde, und dazu um die Vorfrage, wann und w i e eine wirklich freie Abstimmung sich ermöglichen lasse. Die„Deutsche Front" ist Trägerin und zugleich Opfer des nationalsoziali st ischen Parteiterrors. Die Gegenströmung, als deren Kern die sozialistische„Freiheitsfront" sich entwickelt, ist für die freie deutsche Selbstbestimmung. Daß diese unter nationalsozialistischer Parteidiktatur unmög- lich ist, kann nicht gut bestritten werden. Nur scheinbar ist die„Deutsche Front" geeint. Das trifft höchstens für ihren lärmenden und allen Widerstand nie- dertrampelnden nationalsozialistischen Anhang und die gedankenlosen Mitmarschierer zu. Die politisch Denkenden aus den äußerlich aufgelösten Parteien machen nur wider- willig und vielfach nur aus wirtschaftlicher Angst vor den vermeintlichen Herren des Saargebiets im Jahre 1935 mit. Gelänge es. diese Furcht:„Was wird aus meiner Existenz bei einem nationalsozialistischen Sieg im Jahre 1935?" von diesen besorgten Leuten zu nehmen, würden die berufs- mäßigen Heilhitlerschreier unverzüglich eine schwere Ent- täuschung erleben. Das wissen sie auch, und darum trauen sie insbesondere den Katholiken, soweit sie wirklich kirchentreu geblieben sind oder als charakterfeste Zentrumsleute oder christliche Gewerkschafter sich bewährt haben, nicht über ben Weg. Das sei nicht wahr? Nun, dienen wir mit einem Vorkomm- nis, für das wir uns verbürgen. In einem Orte des Saargebietes sollte eine Vorbe- sprechung zur Gründung der„Deutschen Front" statt- finden. Es fiel auf, daß die beiden eingeladenen Vertreter der NSDAP, sich entschuldigen ließen. Abgesandte anderer Parteien kamen zur festgesetzten Stunde in den Versamm- lungsraum. Entweder waren nun die Herren durch das Fernbleiben ihrer braunen Brüder mißtrauisch geworoen oder es war von dritter Seite eine Warnung erfolgt. Jedenfalls lugte einer der Versammelten vorsichtig hinter die Gardine und sah dort ein— Mikrofon, bereit, alles denunziatorisch aufzunehmen, was die angehenden Deutschfrontler in Abwesenheit der nationalsozialistischen Aufsicht aus übervollem, begeisterten Herzen sagen wür- den. Die Herren waren klug genug, ihre heiße Liebe zu Hitlerdeutschland nicht dem Mikrofon anzuvertrauen. Die beiden nationalsozialistischen Delegierten, angeblich am Erscheinen verhindert, konnten in einem anderen Zimmer de» Hause» nur abhören, daß sich die Zusammenkunst sofort vertagte, weil es nicht angängig sei, in Abwesen- heit der verehrten, hochgeschätzten und lieben National- sozialisiert zu verhandeln. Dieses Mikrofon ist Symbol. Furcht vor den Horchern und Denunzianten geht im Saargebiet um. Nur den Heil- ruf will man ihnen anvertrauen. Aus Angst vor dem Mikrofon jagt man Ja und immer nur Ja und entwür- digt sich, datz es dem vaterlandslosesten Gesellen jammern mutzte, wie hier dicht an der französischen Grenze und unter den Augen einer fremden Regierung deutsche Män- ner sich selbst zum Gespött machen. Herr der..Deutschen Front" und aller ihrer Mikrofone ist ein neunundzwanzigjähriger, bis vor kurzem ebenso unbekannter wie nirgendwo begehrter und daher stellen- loser Büroschreiber mit dem klangvollen germanischen Namen Spaniol. Nie hätte er durch irgendwelche Berufs- arbeit auch nur das Einkommen eines mittleren Beamten erreichen können. Jetzt ist er als unbeschäftigter Staats- rat mit 1000 Mark monatlich versorgt. Plus Freifahrt, plus allen Nebeneinkommen, plus der Verfügungsgewalt über die reichlich fliehenden Geldströme, plus Personenauto, ohne die Finanzquellen, deren undurchsichtige Bewen- dung wir aus den amtlichen Veröffentlichungen kennen. Fragt man irgendwen, auf welchen Gebieten er diesen so rasch und gründlich saturierten Herrn Spaniol sich hervor- ragend betätigen sah. so erfährt man bestenfalls, datz er brüllend und schwitzend und schimpfend, fürchterliche Reden hält. Mehr nicht. Aber wir wollten auch diesem Volksherzog im Saargebiet nicht Unrecht tun. Also forsch- ten wir vertraulich und ins Ohr bei diesem und jenem tüchtigen Bürger, ob er bereit sein würde, diesen jungen Herrn auf irgend einem noch so bescheidenen Posten in seiner Fabrik, in seinem Kontor, im Laden anzustellen? Entsetzt winkte jeder ab. Ob er gar geneigt sei. ihm die Verwaltung der Kasse anzuvertrauen? Keinerlei Geneigt- heit in fest verschlossenen Mienen. Ja, aber, wenn der junge Herr im Auftrage seines Ber- liner Oberbonzen diese Kaufleute und Handwerker, diese Bürgermeister und Pfarrer, diese Rechtsanwälte und Aerzte anbrüllt, nehmen sie die Hände an die Hosennaht. So macht der deutsche Bürger Politik. Nein, so wird mit ihm Politik gemacht. Nur wer das weitz und diese Gesell- schaft entsprechend einschätzt und behandelt, hat für ab- sehbare Zeit Aussicht, sie zu beherrschen. Auch an der Saar. Immerhin noch gibt es nicht wenige Deutsche Zwangs- frontler, die sich von der Diktatur der Mikrofone befreien möchten. Selbst die führenden christlichen Gewerkschafter, Herr Kiefer zum Beispiel, haben das Strammstehen gründ- lich satt. Ganz läßt sich die gewerkschaftliche Schulung und das politische Denken aus früheren Zentrumszeiten, so willensschwach es auch allmählich geworden war, doch nicht verleugnen. Im katholischen Klerus ist trotz aller Demen- tis die Besorgnis grotz, und in manchem der erfahrenen Herren ist in politicis die Verachtung erklärlicherweise grötzer als die christliche Nächstenliebe. Wenn man von Windthorst und Reichensperger herkommt, gehört schon mehr Selbstentwürdigung als Selbstüberwindung dazu, sich nun vor Spaniolen zu neigen, die unser Herrgott viel- leicht zu Schriftführern von Fuhballklubs, keineswegs aber zu Staatsmännern bestimmt hat. Nicht einmal in seiner großen Kinderstube Deutschland. Kinder, auch politische, fürchten sich vor mancherlei, was im Grunde gar nicht so furchterregend ist.'Auch die Mikrofone der Nazis an der Saar und alles, was mit dieser poli- tischen Bespitzelung und Terrortaktik zusammenhängt, sind nicht so gefährlich, wie sie tun. Wenn erst einmal kräftig zugepackt wird, werden sich die Mikrofone als wenig halt- bar erweisen, und dann wird sich offenbaren, datz weder diese Dinger, noch die vielen nationalsozialistischen Horch- Posten mit dem Deutschtum etwas zu tun haben. Nicht spaniolisch, sondern in freier deutscher Selbstbe- stimmung, will das Saargebiet regiert werden. Das wird sich zeigen, wenn die Angst vor den Mikrofonen gewichen sein wird. Vielleicht ist das schon bis zum Jahre 1035 der Fall. Wir hoffen es, und dafür kämpfen wir zuversichtlich. Llfwinow and Mussolini Bolschewiken und Faschisten Rom, 27. Nov. Mg. Meld.) Die Ankündigung des amt- lichen Besuchs Litwinows in Rom ist in den politischen Kreisen Italiens mit außerordentlicher Genugtuung aufgenommen worden. Man verspricht sich von dieser Reise um so größere Bedeutung, als sie in einem Zeitpunkt vor sich geht, wo Litwinow einen der stärksten diplomatischen Erfolge für Rußland davongetragen hat. Die seit einem Jahrzehnt bestehende und im vergangenen Sommer durch Abschluß des Nichtanariffs- und Neutralitätsvertrages noch verstärkte ilalienisch-russische Freundschaft werde, wie die Turiner „Stampa" schreibt, eine weitere Bekräftigung erfahren. Diese Freundschaft diene ja nicht nur der Verbesserung der Beziehungen zwischen Italien und Rußland, sondern zugleich auch einer immer stärkeren Wiederannäherung Sowjet- rußlands an Westeuropa. Räuber überfallen Expreß Chardin, 27. Nov. Der Transsibirien-Expreß ist heute von einer Räuberbande etwa 40 Meilen östlich von Tsitsikar überfallen worden. Die Banditen hatten die Gleise auf- gerissen, und der Zng, der mit einer Stundengeschwindig- keit von 50 Meilen heranbrauste, entgleiste und stürzte den Bahndamm hinunter. Die überlebenden Reisenden, die sich aus den Trümmern befreien wollten, wurden von der Bande beschossen. Man befürchtet, daß ein großer Teil der 000 Fahr- gaste getötet worden ist. Mehrere der Uebcrlebcnden sind von den Banditen als Geiseln entführt worden. *** Die Ermittlungen d-S Geheimen Staatspolizeiamtes Lübeck führten zu der Verhaftung von 15 ehemaligen Reichöbannerleuten, die am St. August 1931 au einem Ueberiall ans 4 Nationalsozialiften beteiligt waren bzw. bei der Gerichtsverhandlung am S. t t. 1981„meineidige" Aussagen machten. Unter den damals Verletzten befand sich auch der jetzige Direktor der Lübecker Kriminalpolizei Bock. — Daher also! Der Reickssührer der SS„ H i m ml e r, ist»nm Slow mandante» der politischen Polizei Mecklenburgs und Lübecks sowie auch L>a>nbnrgs ernannt worden.— Kein Bonze will an d:r staatlichen Futterkrippe fehlen. * Am Montag und Mittwoch ist ein Generalstreik der Araber in ganz Palästina anbgernen Der Generalstreik ist deshalb avsgervsen worden, west an diesen Tagen die Gerichtsverhandlnna gegen de A,"ber stattfindet, die an de« Oktoberunruhen teilgenommen haben. vm beginnende öesprädi Die englisch-italienischen Bemühungen, die lange Pause der Abrüstungskonferenz zn einer deutsch-französischen Ent- spannung zu benutzen, haben einen ersten äußeren Erfolg erzielt. Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, dessen politischer Ehrgeiz seit langem auf eine deutsch-französische Verständigung hinzielt, ist vom Reichs- kanzler Hitler empfangen worden. Das Ereignis beschäftigt die öffentliche Meinung der ganzen Welt. Tie offiziösen Zeitungen in Paris und in Berlin melden vorsichtig, daß von direkten deutsch-französischen Besprechungen über einen bestimmten Gegenstand noch nicht die Rede gewesen ist. Es sei eine erste allgemeine Aussprache zustandegekommen. Der deutsche Botschafter in Paris, Köster, hatte übrigens am Samstag eine Unterredung mit dem Generalsekretär des Außcnministeriums Leger. Von Frankreich her kommt das Verlangen, Deutschland möge genaue und b e st i m m t e Vorschläge als Verhandlungsgrnndlagc machen. Der Berliner Bericht- erstatte! des„Echo de Paris" will wissen, daß der Reichs- tanzler dem französischen Botschafter erklärt habe, es sei notwendig, die Saarfrage ohne die im Jahre 1035 vor- gesehene Volksabstimmung so schnell wie möglich zu regeln. Da der Reichskanzler in jeder seiner letzten Reden und Interviews das Saarproblem in den Vordergrund gerückt hat, ist es wahrscheinlich, daß er dem französischen Bot- schafter weitgehende Angebote über die baldige Rttckglicde- rung der Saar zu machen wußte. Pertinax, der Außen- Politiker des„Echo de Paris" weist aus die Schwierigkeiten des Saarprobleins hin, meint aber, daß diese zu lösen seien, wenn die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs geregelt und das Leben und Hab und Gut der Gegner des neuen Deutschland geschützt werden. Schon einmal, nach dem berühmten Frühstück Stresemanns mit Brtand in Thotry, schien die Rückgliederung der Saar in das Reich nahe bevorstehend. Die Verhandlungen kamen aber sehr rasch ins Stocken, als sie aus der nebelhasten Atmo- sphäre allgemeinen Wohlwollens auf das steinige Gebiet wirtschaftlicher Interessen vorrückten. Hier handelt es sich keineswegs nur um Sorgen der französischen Wirt- schaft. Richtig ist vielmehr, baß auch die deutsche Wirt- schaft, zumal in ihrem jetzigen Zustande, nicht weiß, wie sie die berechtigten Ansprüche deS SaargebieteS auf Wirtschaft- liche Berücksichtigung mit der Aufnahmefähigkeit Deutschlands für die Produktion des Saarbergbaws und der sonstigen. Saarindustrie in Einklang bringen will. Diese nüchternen Neberlegungen sind mit Festreden und Falincnschwenken nicht zu erledigen. Die deutsche Presse macht sich verdächtig viel Torgen um das französische Prestige. Es ist rührend zu lesen, daß man befürchtet, Frankreich könne sich im Jahre 1035 durch eine überwältigende Saarabstimmung für vorbehaltlose Rück- gliedcrung nach Deutschland eine schwere Niederlage holen. Es ist nicht unsere Ausgabe, französische Presiigcpolitik zu vertreten, und wir glauben auch nicht, daß die Sorgen der übrigen deutschen Presse ehrlich gemeint sind. Die R e i ch s r e g i e r u n g fürchtet die S a a r a b st t m- m u n g, weil sie berechnet, daß bis zum Jahre 1035 eine starke Ernüchterung der jetzt unter gewaltigem propagan- distischem und terroristischem Drück deS Nationalsozialismus lebenden Saarbevölkerung eintreten muß. Frapl.xeich gnd der Völkerbund werde», wenn sie nicht ein.e beschämende Niederlage erleiden wollen, auch Garantien für Leib und Leben und Gut der großen Teile o Daarbevölkerung schassen müssen, die bei einer Rückgu rung der Schreckensherrschast des Nationalsozialismus a» geliefert sein würde. Es handelt sich nicht um» paar Emigranten, deren Zahl im Saargebiet w> lich nur gering ist und lediglich aus agitatorischen Gr»n von der Hitler-Presse übertrieben wird. Es geHi" hunderttausende Menschen, um Sozialdcm^ kraten, Kommunisten, Juden, Katholiken, Pazifisten, publikaner, Demokraten, um alle, die sich irgendwie Sinne des Regimes mißliebig gemacht haben. Welche Gara^ tien aber sind zu schaffen, die von der Rcichsregicrung u ihren zuchtlosen braunen Banden, gegen die StoatSorga sich immer wieder als machtlos erweisen, gehalten wer, müßten? Die schwer bedrohten V o l k s t e i> e^ der Saar müssen vom Völkerbund und v der französischen Nation klare«»j., friedigen de Auskünfte über diese« m> salsirage erwarten. Eine Lösung der Saarfrage, aus diese Sorgen nicht genügend Rücksicht nimmt, wuv einen dauernden Unruheherd unmittelbar an der st zösischen Grenze schaffen. Um es klar zu sagen:» Reich s regier n n g denkt nicht daran, ein Abkommen zum Schutze ihrer Geg» zu halten. Alle Welt weiß das. Es ist notwendig zeitig auf die Verantwortung derjenigen hinzuweisen, etwa geneigt sein sollten, diese politische Zentralfrage Saargebietes nicht ernst genug zu nehmen. Berlin über CK^nternos DaS halbamtliche Conti-Büro schreibt über das neue sraN' zösische Kabinett:. Frankreich hat innerhalb weniger Tage wieder ein Ka>' nett erhalten, aber niemand weiß, ob eS eine Regterun sein wird. Die Wahrscheinlichkeit spricht sogar dagegen,»»» der neue Ministerpräsident Cbautemps lange im Amte vw bcn wird, denn die parlamentarische Lage hat sich nicht fl klärt, und die Basis der neuen Kombinotion ist noch icho"?' als die der vorhergehenden. Die neue Ministerliste ro» wie eine Wiederholung deS Experimentes, das Ebautcinp im Januar 1030 mit einer rein radikalen Regierung verinai hat. Damals wurde er bei seinem ersten Auftreten vor m Kammer gestürzt. Seit den Wahlen vom vorigen J°Y n liegen die Verhältnisse etivas günstiger, aber immerhin- daß cntioedcr die Sozialisten oder die rechts von den tstao kalcn stehenden Gruppen zur Mchrheitsbildung notwenoi» sind. Chautemps hat aber weder von der einen noch von sc anderen Seite Zusagen erlangen können. Nichk einmal»> Nensozialisten sind gewonnen worden. Seine drei Vorgänge aus dem Posten des Ministerpräsidenten, Paul-Boncour. Dam dicr und Tarraut, hat Ehautemps in den Fachmintsterien, l" c sie bisher innchatten, beibehalten, so daß trotz der unsicheren parlamentarischen Lage und der Schwierigkeiten grundsä? sicher Entscheidungen eine gewisse Beständigkeit der Regie rungsvolitik gewahrt ist. Die wirkliche Entscheidung»vc Orientierung der französischen Politik innerhalb Europas>n mit Rücksicht aus die drängenden Finanzprobleme wie»» einmal vertagt worden. EhautempS bat die Absicht nach dem Vorbild Poincares vom Sommer 1020 ein Programm rite sichtsloser Einsparungen durchzuführen. ES fragt sich aber, ob er unter den gegenwärtigen Umständen über genug Z»i und Autorität verfügen wird., »er Chrisfenslurin tersiäiu sieh Der Daif'tiie Pro !*)ii Ismus von f den Gcgesisä zcn icrrlssffl Immer tiefer gehen die Auseinandersetzungen im protestantischen Lager. Man ist fast außerstande, all die Eni- schließungen und Erklärungen wiederzugeben, mit denen sich die verschiedenen Richtungen überschütten, um die er» sehnte Klarheit zn schassen. Die„Deutschen Christen" erweisen sich tägtich stärker als Störer des Kirche,«frieden». Links von ihnen toben die areligiösen Arier, die Christus am liebsten durch Hitler ersetzen möchten. Am anderen Flügel gewinnt der P s a r r e r- N o t b u n d mit seinen Thesen gegen die„Dentschen Christen" immer mehr an Anhängern. Niemand vermag zu sagen, wie die evangelische Kirche in Deutschland vorZerfall und Aus» lösung gerettet werden kann. D'e DlsdiWlKlrcii Wir verzeichnen die Ereignisse des sonntäglichen Kriegs- schauplatzes: Im Weimar versammelten sich die Führer der Glaubenbewegung Deutscher Christen und faßten eine Ent- schließnng, in der es heißt: 1. Die Glaubensbewegung Deutscher Christen steht als eine von alten Vorkämpfern der NSDAP, begründete Be- wegung aus dem Boden des Parteiprogramms. Es können auch Nationalsozialisten aufgenommen werden, die noch nicht der Partei mitgliedmäßtg angehören. Sämtliche Mit- glieder verpflichten sich zur kraftvollen Förderung der nationalen Weltanschauung im Sinne Adolf HitlerS. 2. Die Glaubensbewegung Deutscher Christen steht alS eine von Christen begründete Bewegung aus dem Boden des reinen Evangeliums. Die Bewegung steht nach wie vor auf dem Boden der Bekenntntsse der Kirche. 3. Die Glaubensbewegung Deutscher Christen baut sich auf dem Führerprinzip auf und stellt sich geschlossen hinter den Reichsletter Bischof Hossenfe l d e r. Die mtler-Chrlsicn Wie wenig hinter solchen Aufrufen steht, ergibt sich aus der Tatsache, daß sich die Thüringer„Deutschen Christen" von Bischof Hossenfeiber lossagen. Ihnen sind dle heutigen Thesen noch nicht radikal genug im Sinne deS Hitler-Bekenntntsse S. Die nationalsozialistische „Thüringer Staatszeitung" berichtet u. a. darüber folgendes: DaS Erleben unserer Tage, die geistige Durchdringung des Dritten Reiches bringt mit der alles umfassen- den Idee Adolf Hitlers eine neue Ausdeutung mit sich, die Notwendigkeit eines neuen Standpunktes, von dem aus gesehen die alten Wahrheiten neuen Sinn und neuen Inhalt bekommen Nichts ändert sich am positiven Be- kenntnis als eins: Wir sehen die Offenbarung Gottes nicht abgeschlossen in alten Zeiten, sondern wir sehen Gott lebendig unter uns uno in unserem Führer Adolf Hitler sei« Werkzeug für unsere Tage. T a S ist der Unterschied.„ Mit anderen Worten: Die Thüringer„Deutschen Christen sehen in Hitler das lebendige Werkzeug Gottes aus Erden. Sie beziehen den„Führer" unmittelbar ein in ihr Glaubens- reich. Nationalsozialismus ist ihnen Religion, und ü* leugnen ein? Distanz zwischen Kirche und Partei. Hier klaffen so breite Risse in den Anschauungen, daß eine Verständigung nicht mehr möglich i st. Die„neue Ausdeutung" nach Thüringer Muster wir» jedem wirklichen Christen als Blasphemie erscheinen. Württemberg. Bauern treten aus Aus der anderen Seite aber steht der„P s a r r e r- N o t- bund" mit seinen 300 0 christlichen Protest an- t e tt. Jetzt hat die Glaubensbewegung„Deutsche Christen in Württemberg, die sich von der Neichslettung getrennt hat, beschlossen, dem Psarrer-Notbund beizutreten, desgleichen die kirchlich-theologische Arbeitsgemeinschaft. Damit habe« rund 800 Pfarrer Württembergs und die hinter ihnen stehenden Gemeinden nach einer Mitteilung des dortigen Evangelische» Pressedien st eS mit der Glaubensbewegung Deutscher Ehrt st en gebrochen. Dte Landeslettung der Glaubensbewegung in Bayern übergibt der Oefsentlichkeit eine Erklärung, in der die Wei' marer Herbsttagung ber Glaubensbewegung und die dortige Behandlung ber Borgänge im Gau Berlin scharf kriti- s i e r t werden. Der bayerische Landesleiter hat für das Land Bayern den Austritt aus ber Glaubensbewegung„Deutsche Christen" ausgesprochen. Landesblsdiöte für Plarrer No'bnnd Der Evangelische Pressedienst für Westfalen und Lippe teilt mit: Die Landesbischöse für Bayern, Württemberg, Hessen« der Pfalz und Bade« hätten aus Grund eiuer Beratung am 24. November in Stuttgart die evangelisch««ircheuleitnng wissen lassen, baß sie dt« wertvolle« Mitglieder deS Pfarrer» Notbundes i« ihrem Kamps für die Bekenntnisgrundlage der Kirche nicht»m Stich lassen würden. Der Ktrchenminister D. S ch vessel, Lanbcsbtschos von Hamburg, hat heute den Reichsbtschof um seine Ent- l a s s u n g aus seinem Amte als Ktrchenminister gebeten. Der Reichsbtschof hat diesem Antrag entsprochen. D- Schoeslel gehörte dem Ktrchenm'nistertum als Lutheraner an. Sein Rücktritt ist aufzufassen als ein Protest gegen dt« jüngste» Borgänge bei de»„Deutschen Christen". Er bedeutet damit eine Unterstützung der Forderungen des Pfarrer-Rot- bundes. I Zusammenbruch der Anklage 'm Brieii der„Times*' ? er Korrespondent der.Times" schreibt: krit^n.^richstagdbrand-Prozeb. zurückverlegt nach Leipzig, weia»??^" in sein drittes und letztes Stadium. Die Be- den(ft,®„ me>r>îrd wahrscheinlich in der Hauptsache sich auf ftrcf«, i r und die Tätigkeit des Kommunismus er- tcoàh! 1' I em àie moralische Verantwortung für den Reichs- linfimï-»useschrieben wird. Das Meiste der Beweisaus- aefrü!f/ f°i üc'.l es sich auf die direkte Teilnahme der An- den.î bezieht, haben wir nun gehört und es ist gut, kurz gegenwärtigen Stand zusammenzufassen, aeru! ft fcin direkter Beweis für die Teilnahme der An- on»£ o 0n^er Brandlegung erbracht, mit Ausnahme von unis*?ubb«. der im brennenden Gebäude gefunden wurde tri-,. darauf besteht, baß er eS allein und aus eignem An- s. Angezündet habe. Die stärkste indirekte Belastungsaus- i.u die von fünf Nazi zeugen, die behaupten, Torgler, lieb« Lübbe, Popoff und Taneff tDimitrofs war erweis- am-!£ n oon Berlin! am Tage des Brandes oder einen oder ej„..^uge vorher im Reichstag gesehen zu haben, und die Mannes namens Boguhn, der behauptet, er habe Po- Ausbrach^^îchstag verlassen sehen zu der Zeit, als der Brand ^,?îe Aussagen dieser Zeugen haben ein auffallendes ge- .,5'"'awcs Merkmal: sie alle schwören positiv, ohne die Mög- zier- î ineê Irrtums zuzugeben, einen Mann zu identifi- ?»*' 05 n sie im Vorübergehen gesehen haben, manchmal ® er Dunkelheit oder im schlechten Licht, obwohl sie sich eri» Einzelheiten der Kleidung und ähnlichem nicht "uueru können. 'st der Nazi- Kellner des Restaurants Bayernhof r?*» c^lbwört, Lübbe mit Dimitroff oft zwischen Mai und snober 1932 dort gesehen zu haben. Alle anderen Kellner, »-anderer politischer Meinung sind, sagen ans, daß sie vu-'? gesehen haben Techs oder mehr Zeugen, alle azls, behaupten, Popoff im Sommer 1932 in Berlin gesehen zu haben, und verschiedene Zeugen behaupten. Dimitroff, zvpoff und Taneff im Berliner Büro der kommunistischen uivten Hilfe während der gleichen Zeit gesehen zu haben,- der Sekretär und zwei Angestellte der Roten Hilfe verneinen, daß sie die Bulgaren je gesehen hätten. Fünf Zeugen au» Rußland haben bezeugt, daß Popofs in Moskau war oder in der Krim und zwar von Mai bis Oktober 1932, und ein Zeuge aus Bulgarien hat bezeugt, daß Taneff zu dieser Zeit in Sofia war. Ter Staatsanwalt sucht aus diesen Aus- sagen zu entnehmen, daß die drei Bulgaren mit den deutschen Kommunisten und mit Van der Lübbe in Verbindung standen. Dann gibt es eine dritte Kategorie von Zeugen der Staatsanwaltschaft. Da ist der Landstreicher Organistka, der. gerade vor Prozeßbegtnn, die Polizei informierte, daß er den Van der Lübbe im Oktober 1982 auf der Landstraße getroffen hätte, wo der Holländer vom Anzünden des Reichs- tags gesprochen habe: es ist, so scheint es, erwiesen, daß der Ban der Lnbbe z« dieser Zeit persönlich seine Invaliden» rente zn Legden in Holland bezogen hat. Da ist der Straf- gefangene Lebermann, der behauptete. Torgler hätte ihn 1932 angestiftet, den Reichstag in Brand zu setzen: das Gericht zog es vor, zu erwägen, ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lasten. Da ist der frühere Kommunist G r 0 t h e, dessen Verhaftung wegen Verdachtes des Mein- eids die Verteidigung vergeblich beantragte. Er behauptete, es sei ihm von zwei anderen Kommunisten von einer Zu- sammenkunft der Brandstifter am Nachmittag des FeucrS erzählt worden und von einer Zusammenkunft einige Tage vor dem Feuer im kommunistischen Hauptquartier(leer und unter Polizeiaussicht seit zwei Wochen vor dem Brand!, um über den Brand zu beraten, und so weiter. Viele der in diesen verschiedenen Aussagen verwickelten Männer, die meisten von ihnen sind setzt in Konzentrationslagern, haben erklärt, daß sie von Anfang bis Ende Märchen sind. Torglcrs Alibi für die Zeit des Brandes ist unangreifbar, es ist nicht klar, ob die Staatsanwaltschaft versuchen wird, zu zeigen daß er seine Hand in der Vorbereitung deS Feuers hatte. Popoff und Taneff behaupten, sie waren zur Zeit des Feuers in einem Kino gewesen, aber sie haben offenbar Schwierigkeiten in der Herbeibringung von Zeugen, um das zu erweisen. Wer ist„Peter"? &ie letzten Zeugenvernehmungen zum Brandkomplex 'Fortsetzung aus Nummer 184 Die Vernehmung deS Zeugen des kommunistischen Schrift- 'tellers Hirsch wendet sich dann dem Hauptpunkt zu, näm- "ch dem Namen Peter, den der Zeuge einmal geführt hat. pirsch erklärt, daß er in der deutschen Partei nie -înen anderen Namen geführt habe. Er sei aber im Jahre ™24 und 1925 in Oe st erreich gewesen, um dort an der Parteiarbeit teilzunehmen. Dort habe er als Decknamen °en Namen Peter geführt. Als er nach Deutschland zurück- bekommen sei, habe es sich dann eingebürgert, daß er im Kreise seiner engeren Mitarbeiter und Freunde Peter ge- ^annt wurde. Das sei aber niemals sein Name gegenüber oen Behörden gewesen, denn ihnen gegenüber sei er immer unter dem richtigen Namen ausgetreten. Borsitzender: Sie haben aber die hier in Frage kom- senden Quittungen mit Peter unterschrieben. Bei den Quittungen handelt eS sich doch um einen wichtigen Rechtsakt, und die Unterschrift mit falschem Namen ist ver- boten. . Zeuge: Hirsch: Ich erkläre mir daS heute so, daß ich zu °er Zeit, alS ich die quittierten Beträge für meine Aus- arbeitungen erhielt, nicht mehr mit dem Parteiapparat in Verbindung geraten wollte, da ich meine eigentliche Tätig- ja schon aufgegeben hatte. Deswegen habe ich wohl die Quittungen nicht mit meinem richtigen Namen unterschrte- oen. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten Popoff, wie eS romme, baß diese Quittungen bei ihm gefunden wurden, vopoff erklärt ziemlich erregt: Das ist ganz ausgeschlossen, daß Hirsch die Quittungen ge» schrieben hat. Die Quittungen sind in meinem Beisein von meinem Bekannten Peter ausgeschrieben und unterschrte» be» worden. Die Beträge waren zur Deckung der Ausgaben, die er für brich zur Beschaffung von Druckschriften gemacht hat, be- UlMMt. Vorsitzender: Hat Popoff nicht gehört, baß der Zeuge »esagt hat. die Quittungen rühren von ihm her? Popoff: DaS ist ganz ausgeschlossen. Für mich ist daS ein Mysterium. Will der Zeuge mit Bestimmtheit behaupten, oiese Quittung ausgeschrieben zu haben? Zeuge Hirsch: Ich kann eS nicht mit Bestimmtheit sa-. ?/n. Ich kann nur sagen, daß die Handschrift täuschende Kebereinstimmnng mit meiner eigenen ausweist, und ich da- ber annehmen mußte, baß sie von mir geschrieben worden »Nd. Der Zeuge erklärt weiter, eS sei ausgeschlossen, daß kr mit dem Bekannten Peter de» Popoff identisch sei. Vorsitzender: Dann soll Popoff sagen, wer Peter ist. Er hat das bisher verheimlicht. Pop off erklärt mit lauter Stimme: Ich kenne seinen Familiennamen nicht, ich weiß nicht, wo er wohnt. Er ist ungefähr 28—39 Jahre alt, groß und blond. Der Zeuge pirsch, der hier steht, hat nichts gemein mit jenem Peter, von °em ich die Quittungen bekommen habe. Zeuge Hirsch: Nach meiner festen Ueberzeugung ist es vollkommen ausgeschlossen, daß die Zahlungen, die ich quit- tiert habe, irgendwie von Popoff gekommen sein sollten. Der Zeuge Hirsch wird dann veranlaßt, am Gerichts- l'fch den OuittungStext in deutscher und lateinischer Schrift abzuschreiben, damit das Gericht Schriftproben zur Vergleichung hat. R.-A. Dr. T e i ch e r t weist auf Grund der Schriftprobe darauf hin, daß das große A und F von dem Zeugen ganz anders geschrieben worden seien alS auf den Quittungen. »ng in die Wohnung de? Sönke geführt habe, ein ganz anderer Mensch gewesen sei. als der hier vernommene Zeuge Hirsch. Er habe auch nicht die mindeste Aehnlichkeit mit die- lern Zeugen gehabt. Der Angeklagte Dimitroff fragt dann den Zeugen, welche politische Linie die kommunistische Parteiführung Ende 1932 und Ankanq 1933 gehabt habe. Zeuge Hirsch: Die politische Linie war dur» Beschlüsse der Partei dabin festgelegt, daß die zentrale Aufgabe die Eroberung der MeKrHeit für die Ziele deS Kommunismus war. Dimitroff: Sollte eine bewaffneter Aufstand gemacht werden, wenn die Nationalsozialisten an die Macht kamen? Zeuge Hirsch: Solche Bestrebungen kamen nach der Ge- winnung der Parteiführung Ende 1932 und Anfang 1933 nicht in Frage. Nach der gesamten Theorie«nd Praris ber Kommunisten ist für einen solchen Ausstand notwendig eine revolutionäre Situation, in der die Kommunistit-be Partei bereits die Mehrheit der Arbeiterschaft hinter sich hat, und die übrigen Massen znm größten Teil neutralisiert werden konnten. Die Zeit nm die Jahreswende 1932 33 stellte geradezu das Gegenteil einer solchen Situation dar. Auf eine Einwendung des Oberreichsanwaltes erklärt der Zeuge Hirsch: Selbstverständlich war sich die Kommunistische Partei darüber klar, daß ihr Endziel, die Errichtung ber Räterepublik, nur aus dem Wege der Revo- lution durchgeführt werden konnte. Wenn aber ein ernsterer Funktionär ber Kommunistischen Partei um die Jahres- wende 1932/33 die Frage ber Machtergreifung durch die Ar- beiterbewegung als eine akute Aufgabe hingestellt hätte, so wäre er ohne weiteres fetner Funktion enthoben worden. Nun wird der Schriftsteller Bruno Peterson als Zeuge vernommen. Er gehört seit 1919 zur Kommunistischen Par- tei und erklärt, daß er auch heute noch ihren Zielen anhänge. In den Tagen vor dem Reichstagsbrand ist er oft bei Torg- ler im Reichstag gewesen. Der Zeuge war auch am Abend deS Brandes mit Torgler und Kocncn bei Aschinger, ist aber dort schon früher weggegangen und hat von dem Brande erst am nächsten Tage aus den Zeitungen erfahren, lieber die Quittungen des Zeuaen Hirsch erklärt er, daß er an diesen Zeugen keinerlei Zahlungen geleistet habe. Der Zeuge Hirsch wird noch einmal vorgerufen und ihm werden die Aussagen Petersons vorgehalten. Er erklärt aber immer wieder, daß er vielleicht nur geglaubt habe, Bruno Peterson vermittle die Sache mit dem Gelde, daß aber tatsächlich die Stenotypistin Stark das selbst er- ledigt habe. Der Vorsitzende erklärt, er müsse auf die srü- here Aussage von Hirsch verweisen, wo er klar und deutlich festgestellt habe, daß er die Gelder von Peterson erhielt. Der Vorbbenbe stellt noch fest, daß die Stenotypistin Stark flüch- tig ist: Zeuge Peterson: Die Sache erklärt sich vielleicht in folgender Weise: Hirsch wußte,^daß ich im Karl-Liebknccht- Haus zn tun hatte und daß die Stenotypistin Stark auch mit mir zu tun hatte. Wenn er nun von ihr Geld bekam, das er quittierte, so hat er dabei vielleicht in der Vorstellung gelebt, das Geld komme von mir. In Wirklichkeit kann es aber die Stark direkt vom Zentralkomitee geholt haben. Der Vor- sitzende erklärt die Aussagen beider Zeugen für unwahr- scheinlich. RA. Dr. T e i ch e r t fragt, ob angenommen werde, daß die bei Poposf gefundenen Bruno-Ouittungen von dem Zen- gen Peterson ausgestellt sein sollen. Der Zeuge Peterson erklärt dazu, daß von ihm diese Quit- tungen nicht seien und daß er nie an einen der Angeklagten Quittungen mit seinem Namen gegeben habe. Es folgt dann die letzte Zeugenvernehmung zum Tatkom- plex, die Vernehmung des Maurers Schmidt, in dessen Wohnung nach der Bekundung des Zeugen Grothe in der Nacht vom 2b. zum 27. Februar Mitglieder des Rotfront- kämpferbnndes im Alarmzustand gelegen haben sollen Der Zeuge nimmt auf seinen Eid, daß das nicht der Fall ge- wesen ist. Er kenne den Grothe gar nicht. Der Zeuge bezeich- net im übrigen die Aussagen Grothes als Fantasien. Die Weiterverhandlung wird dann auf Montag vertagt. Torglei: entkräftet! Wie wir erfahren, hat sich das körperliche Befinden Torglers in letzter Zeit erheblich verschlechtert. ileincide»nd nanöver Ossietzky und der Reichstagsbrandprozeß Prag, 25. Nov. sJnprcß! In der Verhandlung vor dem Reichsgericht am 39. Oktober bezeugte der Gastwirt Sta- witzki. daß der frühere Herausgeber der..Weltbühne". Carl v. Ossietzky, am Abends des Reichstagsbrandes, dem 27. Februar 1933, mit dem Sekretär der kommunistischen Reichs- tagssroktion Kühne. Karten spielend in seiner Kneipe ge sessen hätte. Stawitzki will die Beobachtung zwischen 18 und 19 Uhr gemacht haben. Die„Neue Weltbühnc" veröffentlicht zu dieser Aussage einen Brief der früheren Verlegerin der„Weltbtthne", Edith Jacobsohn, gerichtet an Hellmut v. Gerlach, der wie folgt lautet: »Ich erinnere mich selbstverständlich ganz genau, daß Sie und Herr v. Ossietzky am Montag, dem 27. Februar dieses Jahres, nachmittags bei mir waren. Ossietzky kam gegen sieben Uhr nnd blieb ungefähr bis halb zehn Uhr. Auf die Minute kann ich die Zeit natürlich nicht mehr angeben, aber diese ungefähre Zeit ist mir genau im Gedächtnis. Selbst» verständlich bin ich bereit, diese Aussage aus jede Art zu bekräftigen, und bitte Sie, sie so zu verwenden, wie Sie es sür richtig halten." Nimmt man noch dazu, daß Stawitzki und der Geschäfts- sührcr Kraschewski übereinstimmend nicht nur Ossietzky und Kühne, sondern auch noch„zwei Chauffeure" und schließlich noch die kommunistischen Abgeordneten Torgler und Kocnen, sowie den Journalisten Erich Birkenhauer während des Brandabenbs an dem„Verschwörertisch" gesehen haben wollen und daß die Zusammenkunft bis 1.39 Uhr nachts ge- dauert haben soll, so hat man zwei weitere„klassische Zeugen der klassischen Anklageschrift". Hellmut v. Gerlach bemerkt zu den Zeugenaussagen: „Ossietzky sitzt seit dem 28. Februar im Konzcntrations- lagcr. Diese Hincinzichung in den Reichstagsbrandprozeß dürfte nicht dazu angetan sein, seine Behandlung im Lager zu verbessern und seine Entlassung zu beschleunigen." Line Erklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutsch- lands übersendet dem Berteidigungskomitee folgende Er- klärung: Das Zentralkomitee der KPD. erklärt zu den Ausjagen des als Zeugen im Reichstagsbrandprozeß vernommenen Grothe, daß Grothe niemals irgendwelche Funktionen im zentralen Apparat der KPD. besessen hat und schon des- halb nicht in einer solchen Funktion an der von ihm be- haupteten Sitzung in der der Plan der Reichstagsbrand- stiftung besprochen worden sein soll teilgenommen haben kann. Diese Tatsache widerlegt zum Ueberfluß die den Stempel der Lüge an der Stirn tragenden Aussagen GrothcS, der nichts anderes als ein bezahlter Provokateur im Dienste der Hitler-Faschisten betrachtet werben kann. Prozeßmanöver des Reichsgerichts Das„Berliner Tageblatt" vom 22. 11. verrät, mit welchen Fragen sich eigentlich das Reichsgericht noch weitere Wochen und bis in das Jahr 1934 zu beschästigen gedenkt, nachdem doch die Zeugenvernehmung über die Brandstiftung selbst als abgeschlossen bezeichnet wird. „Es handelt sich darum festzustellen, von welchen Motiven die Angeklagten geleitet waren, sosern sie die Reichstags, brandstistung begangen haben. Die Frage, ob die Ange, klagten ans Grund des umfangreichen, in Berlin geführten Indizienbeweises als schuldig zu erachten seien, wird der 4. Strafsenat natürlich erst in der Beratung über das Urteil beantworten" Ein höchst eigenartiges und umständliches Versahren, vier Wochen zur„Untersuchung der Beweggründe" während noch — nach den Worten des„Berliner Tageblattes"— die Tat selbst zweifelhaft ist? So unlogisch ist selbst das faschistische Reichsgericht nicht! Mit dieser fadenscheinigen Begründung wird zugegeben, daß da? Urteil bereits festliegt und festlag ohne Rücksicht auf den Ausgang der Beweisaufnahme. An- dererseits hat die Hitlerregierung vier Wochen„Motiv- Untersuchungen" nötig, um das verbrecherische und skanda- löse Auftreten GöringS und Göbbels»nd die übrigen ge- stellten Zeugen aus dem Gedächtnis der Welt verschwin- den zu lassen und eine mit großem Geschrei aufgezogene Propaganda über die„internationale Gemeingefährlichkeit" der Weltanschauung der Angeklagten auszuziehen. Damit soll noch vor der Urteilsverkündung die öffentliche Welt- Meinung eingesangen und günstig gestimmt werden Die Hitlerregierung wird sich wieder einmal geirrt haben! Ihre Methoden sind zu plump, als daß sie nicht von der Oeffentlichkeit sofort durchschaut werden. Die Welt stellt nicht die Frage nach der Gesinnung der Angeklagten. lon- dern die deS Prozesses: Tie verlangt von der Regierung und dem Gericht den Nachweis, der nach dreimonatlicher Prozeßdauer nnd nach abgeschlossener Zeugenvernehmung kläglich gescheitert ist. nm Wortlaut folgen: Der RelchSminlster de? Innern l. A. 2000/29.9. Berlin. 6. Oktober 1938. Trotz der wiederholten Kundgebungen des Herrn Reichs- kanzlerS und trotz meiner zahlreichen Rundschreiben sind in den letzten Wochen immer wieder neue Uebergrifse Unterer Führer und Mttglicderder TA. ge- tucldet worden Insbesondere haben TA.-Führer und TA.- Männer selbständig polizeiliche Handlungen vorgenommen, du denen ihnen entweder überhaupt die BelugniS fehlte, oder die sie in einer Weise ausgeführt haben, die mit den bestehen- den Gesetzen und den Anordnungen der nationalsozialisti- schen Regirrung nicht vereinbar sind Aus diese Weise ist kürzlich sogar die Erterritbrialität de» Bot schal te rs eiue> auswärtigen Macht von eigenmächtig handelnden«A Man ucrn schwer verletzt und dadurch die Aunenpolitlk der Ne gierung in Mitleidenschaft gezogen worden. Diele Uebergrikle und Ausschreitungen müssen endgültig aufhören. Ich mache eS den Herren Reichsstatthaltern, den Landesregierungen und ästen nachgeordneten Behörden zur Pflicht, daß gegen solche Uebergrtne und gegen«eben«er- such«ine» unbefugten Eingriffe» mit aller Scharfe ringeschritten wird. Soweit Mitglieder der TA. von den zustän- digen Behörden nicht ausdrücklich als Hilföpolizeibeamte oder als HilfSbebienstete im Grenzdienst eingestellt sind, stehen ihnen irgendwelche polizeiliche Befugnisse überhaupt nicht zur Verfügung. Jedes polizeiliche Vorgehen der TA. hat daher in Zukunft unter allen Umständen zu unterbleiben. Wo es ausnahmsweise notwendig wird, bei einzelnen At« tionen Mitglieder der SA. zur Unterstützung der Polizei heranzuziehen, dürfen sie nie selbständig, sondern nur in Anwesenheit und nur unter Anssicht der Polizei und ledig- lich nach den Weisungen des polizeilichen Führers tätig werden. Für die Anwendung und die Handlungen solcher zur Unter- stützung zugezogenen SA.-Leute trägt der Führer des Poli- zeikommandvs die Verantwortung. Auch Hilföpolizeibeamte und Hilsszollgrenzbcamte dürfen ihren Dienst grundsätzlich nur zusammen mit einem Beamten versehen. Nur bei ge- nauer Beachtung dieser Anordnungen kann wirksam verhin- dert werden, daß getarnte Provokateure zum Schaden der TA. und des nationalsozialistischen Staates in Tätigkeit treten. Auch sonst darf der Dienst der nationalsozialistischen Ttaatsverwaltung und der volizcilichen Exekutiv, durch un- zulässig« Eingriffe der TA. in keiner. Weise mehr ge- stört werden. Derartigen Eingriffen dürfen sich die Bchör- den nicht beugen. Strafbare Handlungen von Mitgliedern der SA. sind nachdrücklich zu verfolgen. Die Beamten bürsen nicht das Gefühl haben, daß ihnen daraus irgendwelche Nachteile entstehen könnte,,. Es er- icheint mir notwendig, hieraus die Polizei- und Gerichts- «.-Hörden besonder» binzuweiseu. So darf nicht wieder»or- kommen, daß in Fällen, in denen Mitglieder de» SA. nn- »weiselhast strafbar- Handlungen begangen haben, die Täter angeblich nicht ermittelt werden können, oder auch, wenn-S sich«m gewöhnliche Straftaten handelt, die mit dem Kamps um die nationale Erhebung nicht» zu tun hat» ten, außer Verfolgung gesetzt wurde». Ein solches Vorgehen liegt ebenso im Interesse der SA. selbst, wie es zur Aufrechtcrhaltung der Autorität des»atio- nalsozialistischen Staate? geboten ist, die unter allen Um- ständen und gegenüber allen Angriffen von säuitlichen Bc- Hürden und Beamten gewährleistet werden muß. Im besonderen Austrag des Herrn Reichskanzler» ersuche ich die Herren Reichsstattbalter. um die Beobachtung dieser Grundsätze der nationalsozialistischen Staatspolitik unbe- dingt Sorge zu tragen und daraus zu achten, daß alle Be- Hörden der Länder genau nach ihnen verfahren und daß Be- amte, die ihnen nicht voll Rechnung tragen, ebenso wie die schuldigen Mitglieder der SA. rücksichtslos zur Verant- wortung gezogen werden. Der Herr Reichskanzler wird in seiner Eigenschaft als oberster SA.-Führer einen entsorgenden Erlaß an die SA. richten, der jeder SA.-Dienststelle und jedem einzelnen TA.- Mann bekanntgegeben wird. enttäuschter Liebe. Das haben die Schreyvogels up-' Hohlbaums nicht begriffen. Es dünkt uns. daß ihre Schmähung wider Alfred Kerr nicht diesen, sondern Gerhart Hauptmann trifft. Denn der hat diese Verteidiger verdient. 'Die internationale Tlatianafe Die Herrenreiter des deutschen Geistes in Aktion Der Vorstand und Ausschuß der deutschen Gruppe des PEN.-Clubs billigt n in der Vorstandssitzung die Haltung des deutschen Vertreters in der Londoner Exekutiv Komitee- Sitzung einstimmig und beschlossen, sofort eine Generalversammlung der deutschen Gruppe einzuberufen. Die Generalversammlung soll die Umgründung der deutschen Gruppe des PEN.-Clubs zu einem zwischenstaatlichen Weltverband nationaler Schriftsteller vornehmen und die nationalen Schriftsteller aller Länder einladen, sich für eine wirkliche Verständigung zwischen den Völkern und für gemeinsame geistige Zusammenarbeit in dem Weltverband zu sammeln. Eine Kommission, der Hermann Eris Busse, Hanns Martin Elster. Carl Hansel. Edgar von Schmidt-Pauli angehören, wurde zur Vorbereitung des Weltverbandes und der Generalversammlung eingesetzt. ban paar in der„Welt" unbekannte Nichtskönner wollen inr Rechtfertigung deutschen Geistes einen internationalen 3Dancing ATTRAKTIONEN MONTPARNASSE ». RUE BRÉA TÊIÉPHON DANTON 44-85 DC. fan» Nach, scölliw. Mil die.« Aanon« bekommen Sie lO^/o Preisermäßigung. | PARIS-ETOILE S, RUE D'ARM AILLE tmioimm Berühmt durch Km« vortieffl che Küche zulitäten. Stark besucht von deutschen I TcUphoüc Etoile 52 t '—I LOFF Gehe u seine 1 (sehen Gästen I kauft im schöne Diamr.nten, Perlen, Silber VERKADPi Paris, 43, rue Lafayette. Expertise Deufsdic Kunde ans Mexiko Zunehmende Isolierung der deutschen Kolonie Der Huror der wiedererwachten Teutonen macht selbst vor den grögten Meeren nicht balt. und er ist also auch im fernen Mexiko zu spüren. Ein Brief, in den wir dieser Tage durch einen Zufall Einblick nehmen konnten, gibt beredte Kunde davon. Der Briefschreiber, ein Mexiko-Ttadt lebender Deutscher, weih als erschütterndsten Beweis für die Aus- Wirkungen des neudeutschen Fanatismus die A n t i- S e m i- tisicrung der mexiko-deutschen Kolonie zu berichten. In den vom VDA. subventionierten deutschen Schul, klaffen fing eö an! Die systematische Verhetzung im anti- semitischen Sinn machte es schon bald nach der„nationalen Erhebung" in Deutschland den deutschen Kindern jüdischen Glaubens unmöglich, weiter die deutsche Schule zu besuchen. Sie sind jetzt gezwungen, sich in den bedeutend schlechteren mexikanischen Tüllen unterrichten zu lassen. Eine Tatsache, die nicht nur als Folge eines be- sonders gemeinen Terrors für die Betroffenen ansterordcnt- lich schmerzlich ist, sondern die auch— aus die Dauer gesehen — eine erhebliche Schädigung des Deutsch- t u m s i m A u s l a n d bedeutet: denn sie wird«ch als eine Schmälerung der deutschen Kulturbasis aus- wirken, da die gewaltsam aus dem deutschen Kulturkreis ver- triebenen jungen Menschen sich wohl oder übel anders orientieren müssen. Auch in anderer Hinsicht wirkt sich die künstlich erzeugte Iudenfeindschaft bedenklich ans. Die Verschlechterung des Arbeitsmarktes hat es neuerdings mit sich gebracht, dast nur noch mexikanische Staatsangehörige in einem Arbeits- oder Angestelltenverhältnis stehen dürfen. Um nun den nicht selbständig einem Erwerb nachgehenden Deutschen die Bei- beHaltung ihrer Stellung zu gestatten, hat man ihnen die Möglichkeit der Naturalisation durch die Zusage erleichtert, daß die Nückerwerbung der deutschen Staatsangehörigkeit jeder Zeit ohne Schwierigkeiten vor sich gehen könne. Diese Vergünstigung wurde jedoch n»r den sogenannten arischen Deutschen in Mexiko eingeräumt, während den jüdischen Deutschen nur die Wahl bleibt, ihre Stellung aufzugeben, um deutsch bleiben zu können, oder ihre Stellung zu halten und damit— wenigstens theoretisch— für immer der deutschen Staatsangehörigkeit verlustig zu gehen, da das „dritte Reich" ja bekanntlich eine Einbürgerung von Juden nicht mehr vornimmt. Dast der bisherige deutsche Gesandte in Mexiko— weil zu liberal— seinen Platz einem Vertreter der neudeutschcn Belange räumen muß, versteht sich am Rande. So haben wir ein betrübliches Bild des Unfriedens und der Spaltung in einer ausländischen Kolonie, die sich in der Vergangenheit stets in ihrer Gesamtheit dem Mutter- land in einer besonders engen und herzlichen Weise ver- bunden fühlte. Ausgerechnet den„Erneuerern" Deutsch- lands blieb es vorbehalten, diese Bindung zu schwächen. Man macht überall dieselbe Beobachtung, ob in Oesterreich, im Saargebiet oder in Mexiko, bleibt sich gleich: wo es vor dem 80. Januar nur eine deutsche ij ron i gab, da gibt es jetzt deren zwei—oder gar keine mehr! Uebrigens bleibt auch der Eindruck auf die Umwelt inter- estant. Nirgends wirkt eine„rassische" Differenzierung so grotesk und fremdartig wie in Mexiko, wo die Angehörigen der verschiedensten Rassen in friedlichem Nebeneinander leben. Die Mexikaner verstehen es nicht, dast plötzlich e i n R i st durch die deutsche Kolonie geht, dessen Ursache ihnen schon gar nicht eingehen will. Man erinnert sich sehr wohl auch noch jener Briefe von deutschen Geschäftsfreunden, die seiner Zeit auf Veranlassung des Propagandaministeriums von Deutschland aus in alle Welt versandt wurden, um den „Greuelmärchen" entgegenzutreten mit der Behauptung, dast den Juden in Deutschland kein Haar gekrümmt würde. Nun kann man die Diffamierung deutscher Juden durch die eigenen Volksgenossen in Mexiko selbst beobachten. Man steht vor einem Rätsel und wird als Folge dieses rätscl- haften Widerspruches von einem heftigen Misttrauen gegen- über allem, was deutsch ist, erfastt, was sich vorerst einmal in einer zunehmenden Isolierung der gesamte» deutschen Kolonie ausdrückt. F. L. Allgemeine Deutsche Poliklinik Chetarzt Profeisor WENSTEN 1) SPEZIALXRZTLICHE ORDINATION für«amtlich« Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFIICHE Klinik ORDINATION: täglich von I bu S Uhr, Sonn, und Feiertag« von lObii 12 Uhr■.— Deutsches Zahnärztliches Institut 12, RUE De DOUAI. Nitro i Blanche, Pigalle iol. Mol«$0.27, Speechen«!«», 9.12, 2.S Uhr Zahnru. Mundkrankh.. Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen. Kronen. Brücken in Gold, Platin u. Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND.DRUCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit votler Garantie iür guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVÖSE UND HERZKRANKE MISSIGE PREISE. UNTERSUCHUNG U. BERKUNG KOSTENLOS Damenstftnei«1er J. Mastchenko t, Run du Marché St. Honoré. ♦ Tal. Opéra 72-79 Kleldor, Mäntel, Pelze. Umarbaltg., Raparlarung Coupons, Dev sen deutsche Etfek.en Waren-Termin- geschähe In allen Produkten sämtlicher Weltbörsen besorgt auch für Emigranten prima schweizer Firma, Postfach 648. Zürich 2 Kardinal Testa, der während deS Ruhrkampfes als Sonderbeauftragter des Papstes im Nuhrgebiet weilte, ist jetzt mit denselben Aus- gaben in das Saargebiet entsandt worden, um während des Abstimmungskampfes die Jnteresten der Kirche wahrzunehmen. Kardinal Testa wird sich im Saargebiet überzeugen können, wie die katholische Presse, genau wie im„dritten Reich", von der NSDAP, gehandieapt ist. Er wird die Bevormundung der Kirche durch die nationalsozialistische Partei feststellen können. Wie praktisch der nationalsozialistische Terror zum Ausdruck kommen kann, das hat der Tag der katholischen Gesellen in München gezeigt, der geradezu unglaubliche Terror gegen die Kolpingsöhne. Um aber die Stellung Hitlers zur Kirche und zur Religion schlechthin zu klären, braucht niemand ins Taargebiet zu kommen. Das weist die ganze Welt. Der Skandal der sogenannten„Deutschen Christen" genügt. Ein Kanzler, der sowas duldet, hat sich selbst charakterisiert. NSDAP, in Holland neu gebildet sJnpretz.j Mit Billigung der holländischen Behörden ist die in den Niederlanden bisher verbotene NSDAP, unter dem Vorwand offiziell neu gebildet worden, eine Organisa- tion zur Unterstützung der„Deutschen Winterhilfe" zu sein. Japanisdie KP. aufgelöst Vor kurzer Zeit wurde die Oefsentlichkeit überrascht durch die bußfertige Erklärung des Vorsitzenden des Exekutiv- Komitees der japanischen kommunistischen Partei, Tauo, und von dem kouimunistischen Abgeordneten Nabeyama. In ihrer Erklärung beschuldigten sie die Komintern, ein Spiel- ball der russischen Regierung zu sein und weigerten sich die antimonarchistische und Anti-.ztriegskampagne, die von der Komintern diktiert worden war, zu führen. In Ueberein- stimmung mit ihrer neuen Ueberzeugung erklärten sie es die Pflicht jedes ehrlichen und revolutionären Kömmu- nisten, beizutragen zur Bildung einer sozialistischen Gesell- schaft auf nationalen Grundlagen, ausgehend von der Tat- sache der„unerreichten Tuperiorität der japanischen Nation". Sie nannten den Krieg, den Japan gegen die„Militär- Clique" Chinas führen würde und einen eventuellen Krieg gegen Amerika, um Asien wieder zu erobern,„fortschrittliche" Kriege und riefen die Arbeiterklasse aus, daran teilzunehmen, vorausgesetzt, dast die„administrative und militärische Maschinerie in die Hände der Arbeiter und armen Bauern übergeht". Dieser sonderbare antiinternationale Kommunismus fand ein lebhaftes Echo unter den Mitgliedern der Partei und etwa dreihundert bekannte Kommunisten erklärten ihr voll- ständiges Einverständnis mit dieser neuen Doktrin, wodurch eine vollkommene Auflösung der Partei verursacht ist. „Barrikaden-Uebungen"— in Dänemark sJnprest.j Das dänische Regierungsorgan„Social-Temo- kraten" veröffentlicht in einer Artikelserie aufsehenerregende Enthüllungen über Ausbildung und Waffenübung der dänischen Nazis, die von der deutschen Negierung finanziert werden. Die SA.-Lcute werden nach deutschem Muster aus- gebildet. Sie halten nächtliche Ucbungen in Barrikaden- kämpfen und Bombenwersen aus den Straßen der dänischen Hauptstadt ab. Sie sind auch in Massen als Mitglieder der vom Staat unterstützten Schtttzenvereine aufgenommen worden. Trotz des bestehenden Unisormverbots halten uni- formierte Formationen im Freien Ucbungen ab. Der Führer der Faschisten, Major Lemke, hat in einer dänischen Zeitung zugegeben, dast die Enthüllungen den Tat- fachen entsprechen.„Aber," erklärt der Herr Major,„es handelt sich um eine Selbstverteidigung unsererseits!" An- und Verkauf zentraleurop3' tungsrcporter sich betätigen, ist zu ertragen. „Eintopfgerichte-. Wir haben schon wiederholt nationalsozialistische Kochrezepte veröffentlicht, die beweisen, daß diese„Eintopfgerichte" Mahlzeiten sind, wie sie viele Millionen Deutsche jahraus, jahrein sich nicht leisten können. L. G. Lüitich. Es ist schön, dast wir durch Ihre Freundlichkeit notb einmal in den Besitz de»„Fridericus" kommen durften. Der 6 at uns schon immer geliebt, und das beruht ans Gegenseitigkeit. W. E. Barcelone. Ihre temperamentvolle Kritik war uns ein« Aufmunterung. Da Sic schon soviel Neuerung an uns festgestellt haben, geben wir die Hoffnung nicht auf, dast diese Entwicklung siw fortsetzt. Lesen Sie übrigens den Aufsatz noch einmal genau.«>e haben die betreffenden Wendungen, die doch sehr problematisch Schalten waren, überspitzt. M. H. Barcelona.„Als sehr begeisterter Leser" möchten Sie gerne eine Berechnung der Kosten des Rcichstagsbrandprvzenes haben. Wir glauben nicht, dast sich eine solche Rechnung einigermasten zu-° virlästig aufstellen lästt. Es mögen etliche hunderttausend Marl werden. Wo Milliardenwcrte vernichtet und Millionen Mensche» geschändet werden, ist solche Summe nicht sehr imponierend. Auster- dem ist es die einzige von den herrschenden Banditen für Prosto- gandazwcckc ausgeworfene Summe, die bestimmt mit Zins und Zinseszinscn gegen das Regime sich auswirkt. Was allein ist!>>« Entdeckung Timitrvffs wert? Dieser Kämpfer wäre im Dunkel geblieben, wenn ihn nicht Göring und Göbbels so vor her Welt erhöht hätten., „Kommunistischer Leser". Sic sind nicht der einzige Kommunist, der uns trotz mancher Meinungsverschiedenheiten Anerkennung spendet. Ihr Kompliment, daß wir uns sehr von den„senilen sozialistischen Führern" unterscheiden, haben wir etwas betreten hingenommen. Db Sic uns nicht Überschätzen?— Es wäre uns lieber, wenn Sic und andere kommunistische Freunde nicht nur an uns, sondern ab und zu auch an Ihre kommunistischen Führer schrieben. Da laufen die alten Gebctsmiihlen noch immer lustig weiter So- eben ist wieder ein Manifest mit einem Kapitel über die„vcr- ducherische Rolle der Sozialdemokratie" erschienen. Jetzt noch wird die Sozialdemokratie, deren Anhänger im Reiche ihre Pflicht tu«, als soziale Hauptstütze der Diktatur" beschimpft und die 2. Internationale ist schlechthin„Landsknecht der kriegslüsternen Bourgeoi- sie in allen Ländern der Welt". Das ist doch schon nicht mehr „senil". Das ist einfach Blödsinn. Niemand glaubt an solchen muffigen Zimt. Weder die Schreiber, noch die Leser. Wie lange will man sich die alten Phrasen irgendwo stehengebliebener unfehlbarer Par- tcipäpstc noch gefallen lauen? Wenn Ihr so jung seid, wie Ihr int, dann kehrt das tote Inventar aus den Müllhausen. Da 6 e' hört es hin. Die neue Weltbllhnc. Nummer 47 ist soeben erschienen nnd bringt sclgcnde Beiträge: Willi Schlamm:„Wo ist unser Einsatz?": Victor Hugo:„Das Plebiszit": Max Bcrgncr:„Eine Woche in Berlin, Konzentrationslager Brandenburg": Heinz Pol:„Saison im„drit- ten Reich"; Heinrich Fischer:„Der Hast".— Bemerkungen— Antworten. Frist. Sie schreiben unS:„In Nürnberg wurde in der vergange- ncn Woche das jüdische LogcnhauS beschlagnahmt und zwar vom „Kämpfbund für Deutsche Kultur".— Ihnen macht das Sorge. Nn? nicht im gleichen Mäste. ES handelt sich vielleicht»m eine Prt- vc-taktion des Herrn Streicher, der hier Juden beim Schächten von Ebristenknalien in flagranti erwischen wollte. Bei solchen Sachen must gewöhnlich die„Kultur" in der Vorhut marschieren. Pol». Sic schicken un« den Aussatz des Sitler-TchriftstellerS Karl Busch, der sich in der nationalsozialistischen Prege mit LcnS„Feier- abcnd-Werk" in einheitlicher Uniform beschäftigt. Es heistt wörtlich bei Busch:„Diese gewaltige Organisation steht zur Kritik, wenn sie fertig ist, keinen Moment früher. Wer den neuen Plan stört, der ist unser Feind und muß sich über die Folge« der allcroerschie- dciistcn Art von vornherein klar sein. Man wird ihn zu den zwei Millionen Schurken und Dummköpfen rechnen mügen, die sich am 12. November ansterhalb der Nation gestellt haben."— Da» wird also eine sröhliche Freude werden. Flli den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Ply in Dud- weiler: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der Bolkssttmme GmbH., Saarbrücken S, Schützcnstraste 5. Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Métro: Clsalelei RADIKALE HEILUNG von BLUT«, HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern nnd offenen Beinwunden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität lmpfungsvertahren Trypafle vine. Einsptitzungen Blut, und Hzrn.Untersuchungen, Sper. makuHur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr sonntags von 9—12 Uhi Konsultationen von 25 Fr. ab. Man nprlch' dentnch Tél. Trinité 43*13 Métro Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld ■) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie Zweistöckiges Sanato. riumsgebaude. Die aller, modernste Einrichtung Ordination tägHch von 9—12 nnd 2 3(H d) Zahnärztliches Kabinett Zahn- und Mundchirutgie 8; Sonn, nnd Feiertags von 10—12 nnd 2—4 Uhr c) Geburtshilfliche Klinik Vierstöckiges Gebäude. Zimmer mit 1 bis 4 Betten ■Französisch in 15 Stunden! ECOLE BENEDICT. 2% Bon evard des Italiens.(Métro Opéra)|