Aas dem Inhalt Aussichten füc Cfiautwips Seite 2 De. Sack peatestieet Seite 3 Deutsche JCaufkcaft Seite 4 JUichskamlee gegen LBundeshantlee Seite 5 Jnseeatenteil Beachten! Deutsche Monarchie Sehnsucht und Hoflnung der Konservativen Ein Aufsatz des„Manchester Guardian" îaS große englische Blatt schreibt unter der Ueberschrift »Die Konservativen"; . Ungletfl j en Nazis waren die Konservativen die Tradi- nonalisten. Sie waren mehr den Gewerkschaften verwandt als den Nazis. In der Tat ist der Unterschied zwischen dem »« k? Preußen der Hohenzollern und dem Preußen der Re- s-k geringer als der Unterschied zwischen dem Preußen ?er Republik und dem heutigen Nazi-Preußen. Aber in wrem Kampf gegen die Linke verbündeten sich die deutschen konservativen mit den Nazis, ohne zu bedenken, daß der ^azistaat, einmal etabliert, Konservative, Liberale und «rzialisten gleichermaßen verschlucken würde. Sie waren so Ausübung der Macht gewöhnt— und sie waren macht- selbst in der Republik—, daß sie, ohne weiter nachzudenken, annahmen, sie würden, sei erst einmal Hitler der Z^ger, so die Oberhand bekommen, wie sie sie einst vor der Revolution besessen hatten. Eine Demokratie ist keine Demo- natie. wenn sie nicht eine konservative Bewegung umfaßt, Ate umgekehrt, eine Diktatur, sie mag faschistisch oder kom- munistjsch sein, weder liberal noch konservativ sein kann. Die deutschen Konservativen haben mit dem Dulden des Nieder- Herfens der Demokratie durch die Faschisten ihr eigenes Ende herbeigeführt. Einiges Einsehen kam ihnen in den letzte« Monaten vor «er Diktatur. Sie waren bereit, sich mit den Gewerkschaften gegen die Nazis zu verbünden. Aber da war es zu spät. Stahlhelmführer ,.WaS ist nun aus ihnen geworden? Was denken und 'Uhlen sie über die Zerstörung, die sie selbst mit herbei- geführt haben?(In der Tat wäre die Diktatur ohne ihre ^!>lfe nicht möglich gewesen.) Viele von ihnen akzeptieren ?lc Diktatur, nicht nur nach außen, sondern auch aus innerer Überzeugung. Nicht so diejenigen der deutschen Konscrva- nven, die den Traditionen des alten Preußentums treu gc- «lieben sind. WaS sie denken, offenbart sich in zwei neuer- Uchen Dokumenten, in welchen das feinste und ehrlichste senken und Fühlen einen tragischen Ausdruck findet. Diese Dokumente sind von größtem Interest?, nicht nur aus diesem ^rund, sondern auch weil sie die Diktatur und ihre Methoden nt lebhafter und eindringlicher Art und Weise beleuchten. der Tat zeigen die konservativen Autoren eine weit "efere Einficht in die Razibewegang als irgend einer der '»zialistischen oder kommunistischen Schreiber, die sie mit so »erständuisloser, wenn auch berechtigter Wut angreifen. Diese Dokumente sind Briefe zweier Führer des Stahl- gelms, der militanten Organisation der deutschen Konser- Dativen, die vergeblich versucht hat, die soldatische Tradition °eS alten Preußens zu erhalten. Viele der hochdenkenden Stahlhelmführrr sind erfüllt mit netem Pessimismus— sie vergleichen die internationale ^age Deutschlands von heute mit jener der Jahre, die dem großen Krieg unmittelbar vorangingen. Und was Krieg ist, °as wissen sie viel besser als die Braunhemden, von denen nur wenige je aktiven Dienst getan haben, während der Stahlhelm hauptsächlich auS ehemaligen Soldaten besteht. mer wegen Beleidigung deS Reichskanzlers und Störung des politischen Friedens zu sechs Monaten Gesang» ni s verurteilt. Dr. Klinkhammer war während der mehr» tägigen VerhandlungSbauer auf Antrag deS Staatsanwalts vorläufig in Hast genommen worden. Die Verurteilung Dr. Klinkhammers, der unter dem Namen„Ruhrkaplan" früher in der Hauptsache für die kirchlich soziale Arbeit tätig war, erfolgte wegen Acußerun» gen, die er in Predigten am 12. März und 20. April d. I. in einer Abendandacht zur Feier deS Geburtstages deS Reichskanzlers getan hat. Das Urteil lautete auf Vergehen gegen 8 IM a StGB,(sogenannter Kanzel- paragraph) in Tateinheit mit Vergehen gegen 8 3 der Not- Verordnung deS Reichspräsidenten vom 21. März 1S33. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr drei Monate Gefängnis be- antragt. Die Untersuchungshaft wird angerechnet, ein Haft- beseht abgelehnt, jedoch wird die S ch u tz h a s t, in der sich Dr. Slinkhammer seit Freitag voriger Woche wieder befindet, aufrechterhalten. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, baß nach der Beweisaufnahme der Angeklagte Angelegenheiten des Staates auf der Kanzel erörtert und den öffentlichen Frieden gestört haben. Auch habe die Beweisaufnahme ergeben, baß die Acußerungen auf die Zuhörenden in einer Form wirken mußten, wie es in der Anklage behauptet wurde, denn der Angeklagte habe nicht vor Gelehrten und Philosophen, sondern vor einfachen Arbeitern g e s p r o ch e n. Bei der Strafzumessung sei zu berücksichtigen, daß dem Angeklagten als Geistlichem und Seelsorger große Verantwortung auerlegt sei und seine Worte auf den Zu- hörerkreis besonders eindringlich hätten wirken müssen. CS könne keine Rede davon sein, daß der Angeklagte e'n Opfer seines geistlichen Standes geworden sei, denn er stehe nicht als Geistlicher unter Anklage, sondern weil er gegen das Gesetz verstoßen habe. In ähnlichem Sinne hatte sich euch der Staatsanwalt in Erwiderung von Ausführungen der Verteidiger dahin geäußert, baß er keineswegs die Staats- treue der Katholiken generell in Zweifel gezogen habe, daß überhaupt der Angeklagte nicht wegen seines geistlichen Stan» des, sondern lediglich wegen seines strafbaren Vergehens vor Gericht stehe. Die StaatSraison dulde keine unterschiedlich« Behandlung. » Soweit der gleichgeschaltete Bericht. Die katholischen Ar» better an der Ruhr werden baS Urteil anders empfinden: als die Rache des SnstemS gegen einen der wenigen aufrechten Priester und als Drohung, sich auch religiös der Gewalt des DiktaturstaateS zu fügen. Dollwerk Sdiwelz Schlag auf Schlag kommen die Meldungen über sozialistische Siege aus der Schweiz. Basel, Zürich, Neuenbürg, Lausaune und am letzten Sonntag Kens sind die großen Stationen des neuen sozialistischen Ausstiegs. Eine Reihe von Wahlen in kleineren Orten vervollständigt das Bild. Ueber die Hintergründe dieser Wahlersolge wird uns a«S Zürich geschrieben: Die Antwort der Schweiz auf das Erstarken der faschi- stischen Strömungen in der Umwelt, auf den Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland und auf die faschisti- schen Vorstöße in Oesterreich ist die Wendung zur Sozialdemokratie. In den bürgerlichen Parteien erstarken zugleich die G e g n e r der antimarxistischen Ein- heitsfrontpolitik mit den Faschisten. Hand in Hand mit dieser innenpolitischen Entwicklung zur demokratischen Selbstbehauptung geht die Erstarkung der kulturellen Selbstverteidigung. Sie äußerst sich vielleicht weniger stürmisch, aber deswegen nicht minder deutlich. Je stärker in Deutschland die völkische und R a s s e n i d e e betont wird, um so kräftiger erkennt die Schweiz ihre besondere Mission in der Vereinigung gleich- berechtigter völkischer Gruppen zu einer Nation beson- deren Gepräges. Ihre Grundlage ist nicht die Sprach- oder gar eine mystische Blutsgemeinschaft, aber dafür eine durch nichts wegzudeutelnde Charakteroerbundenhcit, die auf jahrhundertelanger Schichsalsgemeinschaft beruht. Die bäuerliche Selbstverwaltung, von der die Geschichte der Schweiz ausgeht, hat nicht nur die Politik des Landes geformt, sondern auch den Geist der Eidgenossenschaft. Die„heroischen" Ideale des„dritten Reiches" find dem Schweizer schlechthin fremd. Für die Schweiz gehört die Ablehnung zentrolistischer Ideen, wie sie dem Faschismus zu eigen sind, zu ihrem Wesen. Faßt der Faschismus alle Kräfte des Volkes straff zusammen, um es als nationale Einheit dem Feind entgegenzuwerfen. so ist die mit der Chefredakteur: M. B r a u n Die Aassiditcn iür Chautemps ..Klo»erortinangen" als llaapiirnmpf Paris, 28. Nov. Das Kabinett ChautempS wird heute be- schließen, mann es vor das Parlament treten will. Einige Blätter versichern, dies werde Donnerstag oder Freitag ge- schchen, andere sprachen von Montag kommender Woche. Die Aussichten der neuen Regierung gelten im allgemeinen als ziemlich prekär, obwohl die ersten Nachrichten über ihr Finanzprogramm den Willen des Kabinetts erkennen lassen, möglichst ohne Antastung der Beamtengehältcr mit einem Schlage das Budgetdeiizit von sechs Milliarden Franken ab- zudecken. Ein gewisser Trumpf im Spiele Chautemps' wird zweiselsohnc die Furcht weiter Kreise sein, durch eine neue Krise den Weg für die Auslösung der Kammer zu ebnen. Mau scheint sich, schreibt deshalb der„Matin", in den Wandel- gängen der Kammer klarzumachen, wie ernst der Einsatz ist. Der Mißerfolg einer neuen Regierung in der Finanzsrage würde die Acra der parlamentarischen Anarchie einleiten, die uns ficher schnell zum Regime der Notverordnungen und znr Auflösung führen könnte. Und diese von Tag zu Tag näherrückende Gefahr bildet den sichersten psychologischen Trumps des Kabiuetts. Aus dem gleichen Gedankengang heraus rührt auch Edouard Herriot die Werbetrommel für die Unterstützung der neuen Regie- rung durch alle republikanischen Elemente. Andererseits hält die Opposition ihren Sieg kür sicher und fordert ihre^Vertreter im Parlament aus. zum letzten cut- scheidende» Schlage auszuholen, um möglichst schnell das Kabinett Chautemps zu Fall zu bringen, damit die unter den heutigen Umständen einzig mögliche Lösung„nationale Union, Auflösung, Bersasiungsrevision" Wirklichkeit werden könne. Tie Rechtspresse sucht diese Forderung auch damit zu begründen, daß für die bevorstehenden Verhandlungen mit Deutschland, wenn sie schon aufgenommen werden müssen, nur eine starke Regierung in Frage komme, daß aber das Kabinett Chautemps nicht als Ausdruck des Volkswillens gelte und daß Paul-Boncour noch weniger der Mann sei. der einem Hitler gewachsen sein werde. Die Sozialisten stehen Gewehr bei Fuß und wollen die Finanzvorlage abwarten, die ihrer Ansicht nach darüber Auf- schluß geben wird, ob da? Kabinett mit Unterstützung der Rechten odci mit Unterstützung der Linken eine Mehrheit z> bilden beabsichtigt. * Das den sch franiOsssche Gespräch Die französische Prelle verhält sich zu der UnterrednüS Hitler—Francois Ponet sebr zurückhaltend. Bemerkenswert bleibt die Aeußerung von P e r t i n a r im„Echo de Paris. die genau lautet:..^ „lieber die Thesen, die in Berlin verhandelt wurden. N»- mir nicht unterrichtet. Immerhin meldet unier Berliner Korrespondent daß der Reichskanzler eine schnelle Regelung der Saarfrage lohne Plebiszit, das heiß' durch eine Aenderung des Frtedensv er- träges!»erlangt und in der Frage der A b r ü st u n g m" an die Forderungen gehalten hat. welche die deutschen Bw* schafter in London und Rom vorbraäneni Nämlich die Gl«»«' heit der HeereSftärken und der Waffen, sosern die noch»>«' abgerüsteten Mächte aui den Besitz des sogenannten oiten- siven Materials, das sie in Etappen in einem ganz bestimmte» Zeitraum vernichten müßten, nicht verzichteten. L a s l e» ivir die Saar einmal beiseite, obwohl die Frage schwierig genug ist. wenn unsere wirtschaftliche» Interekien gewahrt und da» Leben und Vermögen derjenigen, die mit der nationall oziali st ischen Ordnung nicht ei»' verstanden> i n d. w i r k s a m g e s ch ü tz t w e r à e n soll Aber die Abrüstung? Können wir tatsächlich die Organisation unseres Heeres zerstören, sie ihrer Ueberlegc»' heit. was das'Material angeht, berauben und vor allem aui unser freies Recht verzichten, ihre Macht zu vermehren? Alles dieses gegen einlache Versprechungen, die von einer Regie- rung kommen, deren Gewalttätigkeit mit der Wucht einer kosmischen Erscheinung verglichen wurde tel Rassenhy«reite Do9p«"(es Verbrechen gegen Sittlichkeit und Hasse vor 6erl«"n£ T. Gegen den bei einem Schuhkonzern angestellten jüdischen Inspektor Martin Fuchs aus Breslau war im September 1081 Anzeige erstattet worden, daß er sich am 20. Mai 1081 in cinetn Neißer Hotel an einer Ätsährigcn Verkäuferin der F.rma aus O weln vergangen habe. Die Verkäuserin hat nun am 81. I mr 1932 außerehelich einen Knaben geboren. Die gegen de» Beschuldigten vorliegende» Verdachtsmomente waren bisher nicht ausreichend, so daß das eingeleitete Verfahren mehrfach eingestellt wurde. Nunmehr hat der Direktor des Anthropologischen Instituts der Uni- versität Breslau in einem Gutachten festgestellt, daß das Kind der Berkänkerin. die selbst vorwiegend nordischer Rasse ist, mit größter Wabrscheinl'chlcit von väterlicher Seite einen jüdischen Einschlag besitzt. Der Angeschuldigte ist in Hait genommen worden. Der Oberstaatsanwalt in Ne ße bat aeaen ihn wegen Not- zucht öffentliche Anklaae erhoben. >» Hierzu erfahren wir ergänzend, daß sowohl dir Mutter des Kindes, wie die Eltern der Mutter eine ausgesprochene a Was ist hier geschehen? Ein jüdischer Angestellter suchte im September 1081 mit einer arischen Verkäuferin ein Hotel auf. Dem flüchtigen Liebesbund entsproß ein Knabe. Zunächst einmal wurde„Notzucht" daraus. Doch es reichte nicht zur Anklage, denn die junge Dame ist, was aus allen näheren Ilmständen gefolgert werden muß, freiwillig dem Freund ins Hotel gefolgt. Jetzt aber hat man den Weg gc- künden, um dem Juden den Prozeß zu machen. Die Art. wie man ein zehn Monate altes Kind au> den Teziertilch legte und von angeblichen Wissenschaftlern untersuchen ließ, ist das 'chändlichste Dokument der Judenverfolgungen, das uns bis her zu Gesicht gekommen ist. » Rassenschändliches Wenn der Jude mit dem Madel, das e>n Ehrist, deutsche Volkszugehörigkeit mit ficht l i O erkennbarem Einschlag der nordischen Rasse erkennen lasse». Demgegenüber verrät das Kind durch fetch- Nasenkorm, den Charakter des Haares und seiner Färbunö und durch die Beschaffenheit des Auges einen jüdische» Einschlag. Die verdickten Augenlider ergeben den tnpistb orien'alitchen Blick, so daß in Verbindung mit der Tatsache- daß ein Jude als Vater angegeben wird, wohl kein Zweifel darüber bestehen dürste, daß der jetzt in Hast genommene jüdische Beschuldigte als Bater des Kindes*» Anspruch genommen werden muß. Das von Proseffor D"> Freiherr« von Eickstcdt erstattete Gutachten kommt des« bald zu dem Ergcbn'S, daß mit größter Wahrfcheinlichke« die Vaterschaft des Bcschaldigtrn angenommen werde» muß. Wenn in der Natur auch die Möglichkeit paralleler Variante» nicht ausgeschlossen werden kann, so ist deren Austreten It- doch auk so geringe Fälle zu beschränken, daß ihre Bedeutung für die W.rklichkcit als gleich Null bezeichnet werden kann. und auch er sonst ganz kapabel, ja, sogar im Frontbund ist-• wenn er alio mit ,br anaebandelt oder nur mit ibr die Stadl durch wandelt, gellt eS stürmisch aus im Lande Dies ist eine Aisenrassenschande! Wenn Herr Graf von Adlerklau die Rebekka nimmt zur Frau und sie zart»nd ritterlich umboldei, me-' d-n ar-scb'n Stammbaum sie vergoldet reißt man beide— ha. ich wette!— ans dein Bette »nd schlevvi sie an einer Keile schmachbeladen vor ein Volksgericyl... Etwa nicht?! M. I. G r aut. Selbstverwaltung verbundene Abwehr des Zentralismus Voraussetzung der Existenz der Schweiz. Fand der deutsche Faschismus für seine Dynamik ideelle und politische Stützpunkte in vorkapitalistischen Kräften, gelang es ihm, die Massen für eine nationalistische Groß- raumpolitik zu gewinnen, so ist die Eidgenossenschaft zu tiefst an der Beharrung interessiert, jede störende Kraft m der europäischen Politik ist eine Gefahr für die Inter- essen der- Gesamtbevälkerung. Das hat nun keineswegs kulturelle Autarkie, Abschiie- hung gegen außen, zur Folge. Aber die seibstoerständ- liche Wirkung des nationalsozialistis-zen Sieges in Deutschland ist. daß die fortschrittliche Intelligenz des Landes diegeistigeBerbindungmitderfran- z ö s i s ch e n Demokratie in höherem Maße sucht als jemals seit der großen französischen Revolution. Die letzte Konsequenz aus diesem Willen zur Selbst- behauptung ist die neue Ro'.le, die' die militärische Landesverteidigung in den Augen weiter Kreise der Linken erhalten hat. Die schweizerische Sozialdemokratie hat im Weltkrieg unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Internatio- naie, die grundsätzliche Ablehnung der Landesverteidigung beschlossen. Dazu haben verschiedenartige, oft wider- spruchsvolle Ideologien beigetragen. Aber der entschei- dende Beweggrund war wohl der, daß die schweizerische Arbeiterschaft es im Krieg zwischen zwei imperialistischen Staatenblocks ablehnte, sich an die Seite einer dieser rivalisierenden imperialistischen Mäcktegruppen zu stellen. Entspricht eine solche Haltung heute noch den Interessen und den Idealen der schweizerischen Sozialdemokratie? Der wahrscheinlichste Fall eines Krieges, in den die Schweiz wider ihren Willen hineingezogen werden könnte, wäre der des faschistischen Staatenblocks gegen die fron- zösische Republik. Ein solcher Krieg mag nicht wahr- scheinlich sein, so lange das europäische Sturmzentrum im Osten liegt. Aber von den Kriegen, die die Schweiz be- rühren könnten, ist der des Faschismus deutscher und italienischer Form gegen Frankreich wohl der wahrschein- lichste. Wird Deutschland dann, wie in der französischen und englischen Presse behauptet wurde, seine Truppen durch die Schweiz gegen Genf führen, um die französischen Grenzbefestigungen zu umgehen und Frankreich von Lyon her anzugreifen? Die deutsche Regierung hat solche Pläne energisch dementiert. Es tut auch nichts Wesentliches zur Sache, ob solche Kombinationen ernst zu nehmen sind. Das eine steht fest, daß es in jedem ähnlichen Falle ein Lebensinteresse der schweize- rischen Arbeiterschaft wäre, zu verhindern, daß die Schweiz in den Krieg einbezogen, noch mehr aber, daß sie dem deutschen Ratio- nalfaschismus Untertan würde. Welche Folgerungen sich daraus für die Politik der schweizerischen Sozialdemokratie ergeben, ist gerade jetzt Gegenstand der inneren Parteidiskussion. Fest steht aber schon jetzt, daß Landesverteidigung für die Schweizer Ar- better auf jeden Fall nichts andres bedeuten könnte als Schutz der demokratischen Freiheitsrechte gegen faschi- stische Diktatur, und daß daher die Landesvertei» digung nur soweit reichen könnte, als diese Freiheitsrechte be st ehe n. Dann— aber nur dann— könnte die Landesverteidigung im Abwehrkampf der Schweizer Arbeiter gegen den Faschismus ihren Platz finden. Aal dem Balkan Das System der Freundschaftsverträge Berlin, 28. November. Der türkische Außenminister ist in der letzten Zeit eifrig um die Anbahnung freundichajtucher Beziehungen mit den Balkanländern bemüht gewesen. Dem griechisch-türkische« Frenudschastsvertrag. der eine enge außenpolitische Zusammenarbeit zwischen de» beiden ehe- maligen Gegnern organisiert, folgte im Oktober ein Freund- schafts- und Nichtangriffsvertrag mit Rumänien und ge- stern in Belgrad die Unterzeichnung eines entsprechenden Paktes mit Jugoslawien. ES ist ohne weiteres ver- ständlich, daß die Türkei durch derartige Verträge die Er- innerungen an die verschiedenen Balkankriege, zu denen auch der Weltkrieg gehört hat. auslöschen will. Ober unier den gegenwärtigen Umständen hätte eine neue Koalition der Bal- kanstaaten gegen die Türkei an und iür sich keine große Wahrscheinlichkeit. Man fragt sich deshalb, besonders aus dem Balkan selbst, nach der tieferen politischen Bedeutung dieser neuen Verträge. Mit starkem Unbehagen werden sie in Bul- garien empfunden, das von den genannten vier Staate» umgeben ist und eine politische Isolierung zu befürchten hat. In Sofia glaubt man. daß die Reise Ruschdi Beys nach Athen und Belgrad dem Abschluß eines sogenannten Balkanpaktes dienen sollte Man geht davon aus daß die Nachbarn Bulgariens die Revision der Verträge komme» sehen und sich deshalb beeilen, gegenüber Vulgartcn Ga- rantien zu schaffen und den Status mio auf dem Vulkan zu festigen. Bei der starken Revisionssiimmung. die sich in Bulgarien gerade in diesen Tagen anläßlich des 14 Jahres- tages der Unterzeichnung des Diktates von Neuilln zeigt, ist es ganz ausgeschlossen, daß Bulgarien ssch In ei» derer- tiges System, das die Fortsetzung der Kleinen Entente auf dem Balkan darstellen würde, einbeziehen läßt. Baldw'n spricht Enge französisch-britische Interessengemeinschaft London, 28. Nov. Im Unterhaus äußerte Baldwin gestern über die außenpolitische Lage, sie sei außerordentlich schwierig. Die zur Zeit lausenden Besprechungen könnten dreierlei Ergebnisse haben: 1. Die Entwaffnung aller Länder auf den Stand der gegenwärUaen Rüstnnaen? utschlauds: 2. Die Befchräninng der Rüstungen durch ein Verbot aller schweren Anariffswalfe». In diesem Falle würden die hoch gerüsteten Staaten bis zu einem gewissen Punkt abrüsten, während Deutschland bis zu diesem Punkt ausrüsten würde. 8. Ein unbeschränktes Wettrüsten. Diese dritte Möalichkeit dürfe unter keinen Umständen zugelassen werden. Großbritannien sei nicht der Auffassung, daß irgendein Land dauernd in einem Zustand der Untc-r- legenheit hinsichtlich der Bewaffnung gehalten werben könne. Man könne nicht erwarten, daß ein Land in einer solchen Lage verharren wnsse. Deutschland habe, so stihr Baldwin fort, große innere Probleme»n liss-n. ES brauche daber den Frieden, und man balse. sab es ihn auch wünfche Groß britannien, Fran'"e!ch»nd"Mafien müss-en all?>y direkte Berühruno mit D-n^cb^onb fnnw-ti»nd?)»--» W<-g onä- ftndio machen der einen ForUchrltt erhoffen lasie Baldwin spra-b die HoU»nn-> aus. daß die Abrüstnnaslraae später ein- mal wieder eine Angelegenheit deS Völkerbundes würde und in seinem Rabmen weitere RüfiungSverminderungen vorgenommen würden, so daß man sich aus diese Weise Schritt um Schritt dem Ideal der Abrüstung nähern könnte, das alle Menschen erstrebten, an dessen Verwirklichung in naher Zukunft aber nur e-niae weniae Enthusiasten glaubten. Baldwin sch'oß lai'-e An-'-'öb'-nnoen mit einem Hinweis aus die enge Jnteress-noemeio'-'oft und Freundschaft zwischen Großbritannien und Frankreich. Vom den sin ös'erre thisdien Grenrhr'eo München. 28 Nvv. Im Krankenbaus in WelS kOberöfter» reich! ist, wie der„Völkische Beobachter" meldet, der d4sährtae Bergmann Johann Watzinger, der am 18. September d. I. Wolisegg von Gendarmen durch einen Schuß schwer verlevl wurde, seinen Verletzungen erlegen. Damit bat der blutige Zusammenstoß in WolfSeog bei dem eine Gendarmerie- abteilung auf die in einem Gottbaus versammelten Wolis- cgger Nationalsozialiften e ne Gewebrsalve abfeuerte, ein viertes Todesopfer gefordert. * Die seit Monate» geführten französisch-rnssischcu Bjrttchottoverbonl'fnnoen fch-'nen auf dem toten Punkt avoelanat z»'cfn.Ere Nouvelle" kündigt bereits on. daß angesichts de, b-stehende» ,?ch» ioriof- t--„ die'? Verhandlungen nicht nur vertagt, sondern endgültig falle» ge, lassen werde» würdenPoriigal Revolutionäre Bewegung? Lissabon, Î8, November. In einer Mitteilung an die Presse begründet die Regierung eine Reihe militärischer n» 9 polizeilicher Sicherheitsmaßnahmen mit rcvolnt ouLr?» lim- trieben ausgesprochen kommunistischen Charakters, die z»m Teil vom Ausland box geschürt würden. Ein iür die Nao>« nom Montag zum Dienstag vergangener Woche geplanter A sstand fei dank der Wachsamkeit der Behörde» im Keim< e sticht morden. Bei dieser Gelegenheit habe man ein?« Flieger Sarmfento BeireS und andere Persönlichkeit,» feit' aenommen. Die Führer der Bewegung seien bekannt! ihr« Berhastnng sei angeordnet. ¥ Das Unterhaus hat einen Zusatzaatrag der Arbeiterpartei znr Antwortadresse aus d'e Thronrede, der an der Aoßr«' und Innenpolitik der Regierung Kritik übte, obaelchnt. Der deutsche Gesandte in Warschau, v. Moitié, wurde v»» Marschall Pilsudski empfangen. Räch einer Bersügnnq de«, Stellvertreters des„Führers" ist das Tragen des Dieustanzuges beim Erschei' n«n vor Gericht und anf den Arbeitsstätten untersagt. Eine Frau die ihre drei Linder ertränkt hatte, wurde 1" Essen zum Tode verurte-lt. I» g p na wo» d, aus der Insel Lt. Helena, wurde('* Napoleon-Museum eingeweiht Dr. sadf protestiert Gegen den poiiflsdien Propagandavortrag eines Hrlmlnotrots De warf neter Anisfond? Rerlin, 27. Nov. Im ReichStagbranbprozeß begann heute der letzte Teil der Beweisaufnahme, die Erörterung deS politischen Teilâ. Der Vorsitzende erklärte zu Beginn der Verhandlung, daß sich die Beweisausnahme jetzt der Frage îuwende. ob die Kommunistische Partei Deutschlands zur Veit der Brandstiftung einen bewaffneten Aus st and betrieben habe. Der Vorsitzende ersuchte Kriminalrat Heller, Berlin, der heute als einziger Zeuge geladen ist. »u zusammenhängenden Ausführungen das Wort zu nehmen. Kriminulrat Heller führt u. a. aus: Die Versuche der Kommunisten in den Jahren 1919. 1929, 1921 und 1923, auf Sewaltfamem Wege eine Aenberung der politischen BerhOlt- t»lsie in Deutschland herbeizuführen, endeten mit den Nieder- lagen des revolutionären Proletariats. Nach kommunistischer Auffassung scheiterten diese Unternehmungen, weil ste unabhängig von einer revolutionären Situation geführt wurden und sich nicht auf eine revolutionäre Waskenbe- wegung sowie auf eine aktive Beteiligung der breiten Massen der Arbeiterschaft stützten. Trotz dem Scheitern weser Versuche der KPD. hielt die KPD. weiter an ihren Bestrebungen fest, die Diktatur des Proletariats in Deutsch- land aufzurichten. Durch Verlautbarungen in Wort und «chrift. Parlamentsreden, Presseäußerungen. Rundschreiben. Beschlüsse der Kommunistischen Parteitage wurde der Be- weis erbracht, daß die KPD. diese Bestrebungen nie aufge- Leben hat. Alz wichtige Kampfmaßnahme, fuhr Krim.-Rat Heller fort, wlrd in der kommunistischen Literatur und in den Beschlüssen der Parteiinstanzen die E n t wassnung der Bourgeoisie l'nd die B e wassnung des Proletariats sowie die Organiste- rung der Massen festgestellt. Schließlich soll dann der Gene- raistreik entfacht werden, der einmündet in den bewaffneten Aufstand gegen die Staatsgewalt der Bourgeoisie. Das Ple- Num des Vollzugsausschusses der kommunistischen Inter- Nationale stellt ausdrücklich in seinen Beschlüssen fest, daß wit der deutschen Revolution das Schicksal der proletarischen Revolution in West- und Mitteleuropa entschieden wirb, und baß der Sieg der deutschen Revolution den wichtigsten Schritt zur Weltrevolution bedeutet. Als notwendige Maß- nähme zur Vorbereitung der revolutionären Auseinander- tetzung wird die proletarische Einheitsfront In der Weise be- zeichnet, daß der Verrat der sozialdemokratischen Führer entlarvt und ein Bündnis der kommunistischen Arbeiter her- fiefteHt wird mit den Arbeitern, Angestellten, Bauern und Kleinbürgern, die jetzt noch nicht im kommunistischen Lager stehen. Auf dem Bezirkstag in Hamburg wurde gesagt, der Kampf Legen die Httlerpartei müsse als ideologischer und wehrhaf- ter Massenkampf geführt werden. Auf dem Bezirkspartei- tag Mittelrhein in Köln waren nach dem Polizeibericht unter Führung des Reichstagsabgeordneten T o r g l e r Mehrere Vertreter deS Zentralkomitees der KPD. anwesend. Torgler sagte in einem Referat, die Arbeiter müßten sich auf ein Verbot der KPD. vorbereiten. Er erinnerte bann an die auf der Parteikonferenz gefaßten Beschlüsse. Die Mas- sen, die noch Unorganisierten oder in anderen Parteien Or- aanisierten müßten für den Kampf um den Sturz der faschi- .Nischen Diktatur und für den Kamps um eine deutsche Ar- weiter- und Bauernrepublik vorbereitet werden, n.Nach Torglers Referat mußten di« Gastdelegierten den Saal verlassen. Rur vor den eigentlichen Parteidelegicrten sprach ein auswärtiger Kommunist, dessen Name nicht ge» nanut wurde, über die Zersetzungsarbeit der Reichswehr, Schutzpolizei und Landjägerei. ^avei müßten auch jüngere Kommunistinnen eingesetzt wer- ben. die die Ausgabe haben, gegebenenfalls unter Preisgabe threr eigenen Person Soldaten oder Polizisten für ben Kom- wunismus zu gewinnen und sie zum Diebstahl von Waffen und zum Verrat von Geheimnissen zu verleiten. Krim.-Rat Heller fährt dann fort: In der kommunistischen Partei waren von jeher zwei Richtungen zu erkennen. Eine legale, die nach außen hin mit parlamentarischen Mitteln arbeitete sowie die illegale. Für die Kenner der Ver- bältnisse war eS feit langem klar, daß der Schwerpunkt der kommunistischen Vetätignng auf dem Gebiet der tllega- l*n Arbeit lag, deren zwangsläufige Auswirkung auch im Reichstagsbrand zu erkennen sein würbe. Seit Jahren ver- folgt die kommunistische Partei das Ziel der Vorbereitung °es bewaffneten Ausstandes, dessen Lehrmeister in der Haupt- fache Lenin gewesen ist. Unzählige Verfahren wegen der Bor- oereitung zum Hochverrat legen Zeugnis ab von der gerade- du fieberhaften Tätigkeit der KPD., ein Sowjetdeutschland, b'e Diktatur des Proletariats, nach bekanntem Muster zu errichten. ES wurden besondere Kurse abgehalten, in denen u a. auch der Straßcnkampf, bei dem der Bau von Rarri- laden, das Ueberrumpcln von Polizeiwachen eine besondere Rolle spielte, erörtert wurde. Die einzelnen Phasen des be« wafsneten Aufstandes wurden an Hand von Plänen und in praktischen Hebungen gelehrt, so daß die KPD. bereits feit längerer Zeit für den Bürgerkrieg wohl vorbereitete Kern- truvven besaß. Außerdem war die Umstellung aus Illegalität durch ge» schickte Tarnung schon soweit gediehen, daß die Ueber» wachung für die Behörden außerordentlich schwer gewor- den war. Nach der Novembcr-Wahl 1932, bei der die KPD. etwa sechs Millionen Stimmen gewinnen konnte, verschärfte die KPD. oie Vorbereitung des bewaffneten AusstandeS, indem sie nicht p»r die eigenen Wehrorganifationcn, sondern auch we Elemente des Roten Massenselbstschutzes mit Waffen ver- leben ließ. In Kurten wurde ben Teilnehmern klar gemacht, haß der Zeitpunkt der bewaffneten Auseinandersetzung l.mmer näher rücke. Im Januar 1933 wurde in Berlin ein oerartiger Kursus abgehalten, in dem der ehemalige Reichs- lagSabgeordnete Grasse sagte, die KPD. würde Ende Februar 1933 in die bewaffnete Auseinandersetzung eintre- len und das Zeichen des AusstandeS würde allen Beteiligten hurch ein weithin sichtbares Zeichen gegeben werden. Wenn die KPD., betonte der Zeuge, eine Zeitlang geglaubt hatte, mit dem von Heinz Neumann vertretenen Wort »Schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft", die nationale Welle Niederwersen zu können, so sab sie sich getäuscht. Abgesehen davon, daß die nationalen Borkämpfer sich durch keinerlei Terrorakte von ihrer vaterländischen Propaganda abbringen ließen, mußte die KPD. die b'ttere Erfahrung machen, daß sich grobe Teile der Bevölkerung von der kom. mnnistischen Idee abwendeten, blieb der KPD. nichts andere? übrig, als dem terrori- stilchen Tun Einhalt zu gebieten und von Neumann offiziell Abzurücken. Trotzdem ainaen die Terrorakte welter und for» Herten viele Opfer. Die KPD. hat stets versucht, die Verant- Nwrtung daiür abzuwälzen. Demgegenüber ist aber zu ver- weisen auf da?. waS Lanaer. hinter dem sich Kippender- ver verbirgt, in fe°n-r Brolchsire„DerWegzumSieg" lagt:„Richtig ist. daß e? aut den Massenkampf ankommt Und daß Versuche, dielen durch Einzelkamps zu ersetzen, auf? schärfste zu verurteilen sind. ES kann aber Gewaltakte geben, h>e von der breiten Masse verstanden werden und zum Er- folg deS MaffenkampfeS beitragen. Solche müssen gebilligt werden und in gewissen Fällen direkt organisiert werben. Im bewaffneten Aufstand selbst ist das Zusammenfallen deS individuellen mit dem Massenkampfe klar und untrennbar." Mit dieser Darlegung von prominenter Seite, erklär« der Zeuge Heller, ist die Behauptung der KVD., daß sie den individuellen Terror ablehne, gegenstandslos geworden. Der Zeuge zitierte dann noch zahlreiche Aeußerungen auS den Konterenzen der Unterbezirke, um schließlich auf eine Besprechung, die etwa Mitte Dezember im Karl-Liebknecht- Haus stattgefunden hat, zurückzukommen. Bei dieser habe Torgler ausgeführt, daß die Partei zunächst drei Kampfplätze habe: Berlin, das Ruhrgebiet und Mitteldeutschland. Hier müsse eingesetzt werden und hier müsse man die Massen zu- erst in den Kampf führen. Torgler erklärt dazu, daß er an dieser Versammlung im Karl-Liebknecht-Haus weder teilgenommen, noch gesprochen habe. Kriminalrat Heller stellte demgegenüber fest, daß es sich bei dem Bericht über die Versammlung um einen vertrau- lichen Bericht handle, der aus dem amtlichen Material stamme. Nach der Mittagspause verlaß Kriminalrat Heller auS dem Material des Geheimen Staatspolizeiamtes eine große Zahl von Mitteilungen, die schlagartig die Situation beleuch- ten, die zur Zeit des Reichstagsbrandes bestand. Diese An- gaben schildern namentlich die Entwicklung der von der KPD. getroffenen Vorbereitungen zur Auslösung der Ak- tion und„beweisen", daß in der Zeit von Ansang Januar bis Mitte März 1938 der Ausbruch der proletarischen Revo- lution unter Führung der Kommunisten auf des Messers Schneide stand. Am 1. Februar wurde ein illegale? Rundschreiben an alle Berliner Unterbezirke der Partei verbreitet, in dem es heißt: Verbot der Partei beißt Großalarm. Sosort seien durchzu- führen Alarmierung der Betriebe, Vorbereitung des polt- tischen Massenstreiks und von Demonstrationen. Sofort Be- legschaftsversammlungen, nicht protestieren, sondern handeln. Ein Rundschreiben der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg vom 9. 2. besagt: Wenn das Verbot kommt: proletarischer Massenstreik! Jeder muß wissen, wir treten dann in die Phase deS Bürgerkrieges ein. Für den 5. März gilt eS. den Marsch auf Berlin zu organisieren, um, wenn notwendig, das neue Parlament auseinanderzujagen. Vom 21. Februar liegen dem Berliner Polizeipräsidenten von pri- vater Seite Briefe vor, die äußerlich den Charakter von Geschäftsbriefen hatten, in Wirklichkeit aber getarnte Partei- anwetsungen waren. Es heißt darin: Für alle Angestellten der Fabrik und die gesamte Kund- schaft! Bürgerkrieg unvermeidlich, Sturz der Regierung nur auf revolutionärem Wege möglich. Alle großen Betriebe bearbeiten, bei Uebersällen von Ar- vettern sofort Großalarm und Massenaktionen gegen Nazi- kasernen und Ausräumung derselben. Von Anfang März liegt eine Schrift des illegalen Rotfrontkämpferbunoes vor, in der eS heißt: Jetzt ist es genug! Wir organisieren den wehrhasten antifaschistischen Massenkampf. Entwaffnet Hilfs- Polizei und Faschisten! Es gingen dann, fuhr Kriminalrat Heller fort, beim Berliner Polizeipräsidium verschiedene Meldungen ein über geplante Anschläge aus Elektrizitätswerke, Starkstromanla- gen, Umformer und andere lebenswichtige Betriebe. Die Geheime Staatspolizei hat bei de» Durchsuchung der Gepäckaufbewahrungsstelle am Görlitzer Bahnhof einen Koffer mit illegalem Material des kommunistischen Nach» richtendienstes gesunden. Daraus ging hervor, baß die Kommunisten über die Organi- fation der politischen Polizei vollkommen im Bilde waren und auch über jeden einzelnen Beamten, ja sogar über die politische Einstellung der Pförtner in den Wohnungen der Beamten genaue Aufzeichnungen hatten. Die Kommunisten hätten also im Falle einer Aktion mit leichter Mühe alle Machtmittel des Staates lahmlegen können. Aus Pommern gibt der Zeuge Meldungen wieder, wonach in der Nacht vom 5. zum 6. März in Stettin die GaS- anstatt, das Elektrizitätswerk, die eiserne Odcrbrückc und der Funksender durch Sprcngstoffanschläge beschädigt werden sollten. Infolge geeigneter Schutzmaßnahmen seien die An- schlüge nicht zur Ausführung gekommen. Am 16. August wur- den in Stettin bei Kommunisten 39 Büchsen mit einem äußerst erplosiven Sprengstoff beschlagnahmt, der geeignet gewesen wäre, sämtliche Verkehrseinrichtungen in Stettin zu sprengen. Aehnliche Berichte zitiert der Zeuge auS Ost- prcußen, Schlesien und auS anderen Teilen des Lande?. In den Anweisungen»ehrt immer die dringende Mahnung an die Ortsgrnpvenleiter wieder, sich Waffen und Spreng» körper z« beschassen und Terrorgruppen zu bilden. ES fanden sich auch Verzeichnisse über die in den einzelnen Orten führenden Nationalsozialisten, die unschädlich gemacht werden sollten. Es wurde auch die Anordnung getroffen, daß Amtsrichter. Pfarrer und andere angesehene Periönlichkei- ten in den einzelnen Orten beim Ausbruch des AusstandeS als Geiseln festgenommen werden sollten. Die Polizeibeam- ten sollten, wenn sie sich dem Aufstand entgegenstellten, rück- sichtslos niedergeschossen werden. Die Vernehmung deS KriminalrateS Heller wird auf Dienstag vertagt. ver alizneifrlge Pollzelmann Selbst Sack wird es m bunt Der Vortrag deS Zeugen zieht sich dermaßen in die Länge und Breite, daß der Verteidiger Torglers, Rechtsanwalt Dr. Sack, sich genötigt sieht, einzugreisen. RA. Sack: Der Zeuge soll hier über die Beobachtungen aussagen, die er persönlich gemacht hat. Wenn er hier im Einzelnen die Erklärungen dritter Personen anführt, so müßte der Gerichtshof deren Echtheit nachprüfen können. Aber dann steht zu befürchten, daß der Prozeß noch wochen- lang dauern wird. Der Oberreichsanwalt, dem die Aussagen des Zeugen anscheinend sehr willkommen sind, meint, man müsse den Dingen auf den Grund gehen, worauf Dr. Sack er- widert, Torgler b e h alt e sich das Recht vor, gegebenenfalls die Personen, auf die sich der Zeuge beruft, hier vernehmen zu lassen. In seinem Bestreben, möglichst ausführlich zu sein, zitiert K riminalrat Heller sogar Tagesbefehle an die Rote Armee, die mit dem Reichstagsbrand herzlich wenig zu tun haben. Der Präsident bittet darauf den Zeugen, sich an präzise T a t s a ch e« zu halten. Die weitere Ver- nehmung deS Zeugen wird schließlich auf Dienstag vertagt. Nach der heutigen Verhandlung hatte man allgemein den Eindruck, daß diese Zeugenaussage auf einen sorgfältig vorbereiteten Bericht ichließen läßt. Aber man ver- steht nicht, wie der Anklagevertreter ihn verwenden kann, um den Nachweis für die persönliche Schuld der An« geklagten zu erbringen. Präsident Dimitroff Am vergangenen Samstag gab eS als etwas versöhnlichen Abschluß der vielen Zeugenvernehmungen folgendes hübsche Zwischenspiel zwischen Bünger und Dimitroff: „In ausländischen Zeitungen wird bereits gesagt," so unterbricht der Präsident den Bulgaren,„Sie leiten etgent- lich die Verhandlungen."—„Aber nein, Sie sind doch unbe- stritten der Präsident," beteuert Dimitroff.—„Das kommt nicht immer klar zum Ausbruck," erwidert Dr. Bünaer ae- lassen sHeiterkeits. Von der Wasserkante Die braune TscHeka wütet h. b. Altona, 19. Nov. Die Staatspolizei verhaftet« eine große Anzahl Personen, die sich in marxistischem Sinne betätigten. R a h l st e d t bei Hamburg, 11. Nov. Hier wur- den die Wahlplakate mit hitlerseindlichen Parolen beklebt. Eine Anzahl Verdächtiger wurde verhaftet. Flensburg, 11. Nov. Der Arbeiter Konrad wurde beim Flugblatt- verteilen„auf der Flucht erschossen". Königsberg, 12. Nov. Die Staatspolizei beschlagnahmte eine Sende- anlage des Reichsbanners. Lübeck. 12. Nov. Die TodcS- urteile gegen die Reichsbannerleute Fick und Kähding wur- den rechtskräftig. Kähding hat sich erhängt. G ö t t i n g e n. 13. Nov. In der Nachbargemcinde Bischhausen wurden zahlreiche Wohlfahrtserwerbslose verhaftet, weil sie schlechte Rodungsarbciten verrichtet haben sollen. Hameln, 14. Nov. Hier wurden neun Arbeiter wegen marxistischer Betätigung festgenommen und teils dem Unlersuchungs- richter, teils dem Konzentrationslager zugeführt. Wesselbeuren. Am Sonntag haben in einer Gastwirt- schaft sieben Gäste und der Wirt Klassenkampfliedcr ge- sungen. Sie wurden verhaftet. Heide. Zwei Einwohner machten vor einer Gastwirtschast abfällige Bemerkungen über die Führer des deutschen Volkes. Sie wurden fest- genommen. Vreitenberg, Kreis Steinburg, 15. Nom Der frühere Gemeindevorsteher Rover wurde wegen Ber- ächtlichmachung der nationalsozialistischen Bewegung in das Konzentrationslager Glückstadt gebracht. Bremen. Fünf Arbeiter erhielten fünf bis neun Monate Gefängnis, weil sie Flugblätter an SA.-Leute verteilt hatten. Rühle iWeser). Der Zimmermann Erich Hahlbrock hat auf die SA. geschimpft. Er erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Langelsheim lHarzj, 16. Nov. Der Hütten- arbeiter Schalles wurde wegen Vergehens gegen das Sprengstossgesetz zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Seesen. Der Dachdecker Liebschwager hatte Sprengkapseln in seinem Besitz und lieferte sie nach dem HttfeWîeg an die Behörden ab. Er wurde zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Lübeck, 17. Nov. Der Reichsbannermann Lühr war 1931 an einem politischen Raufhandel beteiligt, bei dem ein SA.-Mann ums Leben kam. Er erhielt 19 .Jahre Zuchthaus. Braunschweig. Der Lehrer Adolf Seiger hatte mehrere Hefte in seinem Besitz, in denen „Fragen deS sozialistischen Aufbaues der Sowjetunion" behandelt wurden. Das Oberlandesgericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Denfsdie Sorgen Fersen hebt! Aus dem Freistaat Hessen geht uns folgender allerhöchster Erlab zu: „Betreffend: Deutscher Gruß. Der Staatsminister an die staatlichen Behörden«nd an die Bürgermeistereien. 1. Die durch Bersügung des hessischen Ministerpräsiden» t«n vom 17. Juli 1933— I 7154 unter I, 2 für uniformierte Beamte getroffene Sonderreglung kommt in Fort» fall. Bon ihnen ist daher auch mit Kopfbedeckung der deutsche Gruß anzuwenden. 2. Ausführung des deutschen Grußes für Beamte in Uniform: Grundstellung— kurzes Heben des rechten gestreckten Armes nach vorn schräg auswärts— Finger, spitzen in Höhe des oberen Mützenrandes. Sodan» bal» diges Senken des Armes zur Grundstellung. 3. Ausnahme für Verkehrspostc« der Landes, Polizei, Landesgendarmeric und Gemeindepolizei: Ber- kehrsposten grüßen nur durch Einnehmen der Grund» stellung. falls die Ausübung ihres Dienstes überhaupt ein« Grnßerweisnng zuläßt. 4. Allen uniformierten Beamten ist diese neue Gruß- bestimmnng sofort zur Kenntnis zu bringen. gez.: Jung." Schutzhaft nicht angerechnet DaS Reichsgericht hat grundsätzlich entschieden, daß bei einer Verurteilung durch die Strafgerichte eine etwaige Schutzhaflzcit nicht aus die Strafzeit angerechnet werden darf. Die Schutzhast diene polizeilichen Zwecken und könne nicht mit der Untersuchungshast verglichen werben, deren Anrcch- nuug allein ans eine Strafzeit nach dem Gesetz in Frage kommen kann.— Das Reichsgericht scheint die„Schutzhaft" als ein Vergnügen zu betrachten. Reformiertes deutsches Kirchenlied Wir stehen in Dachau beim Prügeln habt acht, Wir kleben in Tegel Tüte um Tüte... Bis hierher hat uns Gott gebracht In seiner großen Güte. Halleluja! Wir trotten in Feldgrau, Schub um Schub Zum Arbeitsdienst, Werke des Friedens zu schaffen-.. Ein feste Burg ist unser Krupp, Ein gute Wehr und Waffen. Halleluja! Wir sprachen am Wahltag mit frohem Gesicht lDenn unsere Häscher standen daneben): Hitler meine Zuversicht Und mein Heiland ist im Leben. Halleluja! Wir stehen habt acht, wir gehen in Reih'» Am Henker vorüber, verzerrten Gesichtes, Zum Letzten entwürdigt, in Schmach und in Pein, Die Letzten werden die Ersten sein, Am Tage des Gerichtes. Amen Iura. Die Lauern mögen nicht fJnpreß.) Die„Pommersche Zeitung" veröffentlicht folgen« den Befehl des LanbeSbauernführers Blödern: „Leider ist das Ergebnis der Kartoffelfpenben für da? WinterhtlfSwerk weit hinter den Erwartungen zurückgeblie» ben: einige Kreise haben fast ganz veriagt... Ich fordere da- her. daß die Kartoffelsammlung in demselben Umfang w°e da? erstemal wiederholt wird, und ich wünsche, daß diese ein Er- gebniS aufweist, daS tatsächlich alS Spende anerkannt werden kann. Die zweite Sammlung ist innerhalb 19 Tagen restlos durchzuführen und zur Verladung zu bringen. Heil Hitler!" JAW SEVERINS Steigende Kaufkraft in Deutschland? Tatsachen gegen Fantasien Das Ergebnis der„Volksabstimmung" war für die Regierung des„dritten Reiches", wie in der ganzen Welt nicht anders erwartet wurde, erfolgreich. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat während der bisherigen Herrschaft der Hitlerregierung nach Angaben des Statistischen Retchsamtes ebenfalls einen„Erfolg" gezeitigt, und zwar eine Verminde- rung der Erwerbslosen um etwa zwei Millionen, die nach den amtlichen Angaben ohne Rucksicht auf die Saisoneinflüsse auch im Spätherbst noch andauern soll. Die Frage, in welcher Höhe den wirklichen„Ia"-Stimmen bei der Bolkswahl solche von eigentlichen Gegnern des Regimes gegenüber- standen, soll hier ebensowenig im einzelnen erörtert werden, wie die heikle Frage, ob denn dem behaupteten Rückgang der ErwerbSloien tatsächlich auch eine entsprechende Steigerung der Beschäftigtenzifser gegenüber steht. In diesen Tagen, in denen sich die Hitler-Regierung mit mehr oder minder Erfolg die Aufgabe setzen wird, ihren politischen„Sieg" außen- politisch zu verwerten, liegt die Frage nach dem eigentlichen Charakter des vom Statistischen Reichsamt behaupteten Sieges gegen die?lrbeitslosigkcit sehr nahe. Wäre ein solcher Sieg wirklich vorhanden, so müßte eine einigermaßen entsprechende Steigerung der Kaufkraft seine zwingende Folge darstellen. Um das Verhältnis von Arbeitsbeschaffung und Kauskraftsteigcrung einigermaßen präzise— und zwar nach Möglichkeit an der Hand der von der deutschen Statistik selbst verbreiteten, wenn auch nicht immer ganz einwand- freien Ziffern— nachzuprüfen, muß man sich zunächst darüber klar sein, daß eine wirkliche Steigerung der Kaufkraft als folge von Erhöhungen der Lohnsumme und Steigerung der ahl der Beschäftigten entsprechende erhebliche Umsatzsteige- rungen im Kleinhandel hervorrufen müßte, weil ja diese Lohnsummen-Erhöhungen in erster Reihe, ja nahezu aus- schließlich in die Läden wandern, wo Arbeiter und Ange- stellte ihren Bedarf decken. Umsatzveranderung September 19S3 gegen September 18»» «n Prozenten: Waren- Kauf- Fach- Warengruppe Häuser Häuser geschält» Lebensmittel— 24,3—+ 0,7 Textilien und Bekleidung— 15,4— 12,7+ 9,0 HauSrat und Möbel— 14,9— 0.3+ 13,0 Die von der deutschen Forschungsstelle für den Handel und vom Berliner Konjunkturforschungsinstitut immer wieder betonte Umsatzsteigerung der Fachgeschäfte wird also durch >en Umsatzrllckgang der Waren- und Kaufhäuser nicht nur »oll ausgeglichen, sondern so stark übertrosfen, daß sich eine erhebliche Umsatzverminderung im gesamten Detailhandel als Endergebnis feststellen läßt. Ihre ganze Bedeutung gewinnen diese Ziffern aber erst, wenn man beritcksicht,gt. daß das Statistische Reichsamt gleichzeitig eine erhebliche Erhöhung der Lohnsummen in- folge einer Verminderung der Arbeitslosigkeit usw. nach- zuweisen versucht. Das Konlunkturkorschungsinstitut stellt nämlich fest, baß in den ersten neun Monaten die Beschäftigtenzahl in Deutsch- land um nicht weniger als 23 Prozent gestiegen sein sott und dag gleichzeitig auch eine Erhöhung der Arbeitszeit im Tagesdurchschnitt von 6,7 auf 7,17 Stunden, also um mehr als 7 Prozent, festzustellen sei. Da gleichzeitig immer wieder betont wird, daß die Arbeitslöhne in Deutschland nicht zurückgegangen sind, so hätte sich also eine gemaltige Steige- rung der Lohnsumme, des gesamten deutschen Ärbeitsetn- kommens ergeben. Die oben wiedergegebenen— ebenfalls amtlichen— Ziffern für die Einzelhandelsumsätze stehen allerdings zu diesen Behauptungen in einem nicht auflösbaren Wider- spruch. Nach ihnen ist nämlich die gesamte Kaufkraft nicht um ein Drittel gestiegen, sondern um eine Quote zurückge- gangen, die von unverbesserlichen Optimisten wie der „Forschungsstelle für den deutschen Handel" mit 17 bis 20 Prozent, von Pessimisten sogar mit zirka 30 Prozent an- gesetzt wird. Rein theoretisch bliebe nun die Annahme übrig, daß die Arbeiter und Angestellten vielleicht die er- höhte Kaufkraft nicht zum Ankauf von Lebensmitteln und anderen Waren benutzt, sondern aufgesammelt, also ge- wissermaßen gespart hätten. Ganz abgesehen davon, daß weder die Statistik der Sparkassen ulw. in Deutschland noch der gesunde Menschenverstand, der bei der anß-nordentlichcn Verschlechterung der Lebenshaltung, der Auspowerung an jeder Substanz und der Skepsis hinsichtlich der Zukunft bei deutschen Geldwertes eine solche Ausfassung als groteSk an- sehen muß, hierfür irgendeinen Anhaltspunkt bietet, zeigen aber auch die eigenen Ermittlungen des Statistischen Reichs- amies über das Nettoeinkommen der deutschen Bevölkerung deutlich die UnHaltbarkeit der Behauptung einer wirklichen Besserung der Beschästigungslage in dem zu rein propa- gandistischen Zwecken veröffentlichten Umfange. Das deutsche Arbeitseinkommen stellte sich nach den Be- rechnungen des Instituts im ersten Quartal 1988 auf 6 Milliarden Mark. Eine Erhöhung um 82 Prozent, wie es den Angaben über die Erhöhung der Arbeitszeit bei uuver- minderten Löhnen und denjeuigen über die Steigerung der RefchLftigtenziffer entsprechen würde, müßte aber das Ar» beitseinkommen unbedingt von diesen sechs Milliarden Mark im ersten aus acht Milliarden Mark im dritten Quartal erhöht haben. Statt dessen begnügt sich das Konjunktursorschungsinstitut mit der schlichten Feststellung, daß sich daS deutsche Arbeits- einkommcn vom ersten biS zum dritten Quartal von S auf OL Milliarden, also um ganze 800 Millionen Mark erhöht Hobe. Es würde zu weit führen, wenn man in diesem Rahmen den präzisen Nachweis antreten wollte, daß auch eine solche konjunkturelle Erhöhung um selbst nur 800 Mil- l'.vnen nicht stattgefunden hat. Rein saisonmäßig bringt die wärmere Jahreszeit natürlich schon mit Rücksicht aus Bau- gewerbe und Landarbeit eine gewisse Erhöhung der Lohn- summen, von denen dann natürlich die während dieser Zeit nicht gezahlten Unterstützungsbeträge abgezogen werden müßten. Bei einer Verminderung der Arbeitslosigkeit um zwei Millionen Menschen, wie sie in Deutschland amtlich nach wie vor behauptet wird, müßte diese Ersparnis an Unter- stützungen und die hierdurch entstehende Kauskraftverminde- rung tatsächlich einen recht erheblichen Teil der 800 Mil- klonen um die das Arbeitseinkommen gestiegen sein soll, verschlingen. Man lasse aber diese Frage einmal völlig offen, obwohl eS genügend präzise Möglichkeiten gibt, um nachzu- weisen, daß auch nicht einmal diele Steigerung der Lohn- summe von 8 auf 6,8 Milliarden RM. eingetreten sein kann. Unterstellt man einmal dies« Behauptung der Ausbesserung des Einkommens der deutschen Arbeiterschaft während der Regierungszeit Hitlers um 880 Millionen als wahr, so be- beutet dies doch immer nur eine Lohnsummen- und Kauf- kraftsteigtrung von 13 bis 14 Prozent gegenüber den 82 Prozent, nm die daS Arbeitseinkommen nach den Angaben des Statistischen Reichsamtes gestiegen fein soll. Ist die Steigerung der Kauskrast in Teutschland, die Erhöhung der Umsatztätigkeit, die viel gerühmte„Ankurbe- lung der Wirtschaft" durch das Hitler-Regime also echt? Ein nüchterer Vergleich der zahlenmäßigen Tatsachen beweist, selbst wenn man mit einer gewissen Ueberwindung immer wieder nur die eigenen Angaben der Amtsstellen des„dritten Reiches" benutzt, daS Gegenteil. Und der große„Sic, an der Arbeitsfront", der in dem Rückgang der ErivcrbSlosig- keit um zwei Millionen Menschen zu dem— wenigstens In Deutschland ohne Lebensgesahr— nicht zu bezweifelnden Ausdruck gekommen ist? Daß ein sehr beträchtlicher Teil auf die Rüstungskonjunktur zurückzuführen ist, wird heute von Statistikern und Konjunkturpolttikcrn der ganzen Welt außerhalb der Grenzen des„dritten Reiche»" kaum mehr be- zweifelt. Was aber den immer noch recht erheblichen Rest dieser berühmten zwei Millionen„Neubeschäfttgter" angeht, ist es empfehlenswert, die Zahl der Z w a n g s a r b e t t e r in der nachfolgenden Aufstellung zu betrachten, die im letzten Monatsbericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, also ebenfalls einer hoch offiziellen Amtsstelle veröffentlicht wirb. Wir finden hier angegeben 257 257 Arbeitsdienst» lv i l l i g e, 186 551 N 0 t st a n b s a r b e i t e r, 70 000 N 0 t- standsarbeiter der Kommunen. 165 280„Land- Helfer". Zu diesen 679 000„Neubeschäftigten", die an- gegeben sind, kommen 70 000 Insassen der Konzen- t r a t i 0 n S l a g e r, die auch nicht mehr arbeitslos sind, ob- wohl die AmtSstelle sie in ihrer Statistik nicht ausnimmt. Bei 750 000 so gut wie unbezahlten ZwangSarbeitern und einem mindestens 20prozentigen Rückgange der Kleinhandels- Umsätze wird man im Zusammenhange mit den anderen von der deutschen gleichgeschalteten Statistik veröffentlichten Ziffern leicht ein Bild davon gewinnen, wie es um den Rückgang der Arbeitslosigkeit und die Steigerung der Kaut- kraft Deutschlands heute in Wirklichkeit steht. Industrialisierung Ostpreußens Mit Staalssnbvenlionen und auf Hos'en der Arbeiter Herr R. Kircher von der„Frankfurter Zeitung" ist nicht nur Stabstrompcter des Herrn Hitler. Neuerdings ist er auch Fanfarenbläser für den„Sieger" in der ostpreußischen Arbeitsschlacht, den Obcrpräsidenten Erich Koch. Der will Ostpreußen industrialisieren. Da die deutsche Jndustrickapa- zität jetzt schon nur zu einem Bruchteil ausgenutzt ist, gehen die Fantasien der Herren dahin, die Gebiete um die Ostsee für die werdende ostpreußischc Industrie zu gewinnen. Bor- bedingung ist natürlich die Rentabilität. Wie die hergestellt werden soll, verrät uns Herr R. K. in folgenden Sätzen: Ging man den nächsten gedanklichen Schritt, so war es dieser: wie müssen die wirtschaftlichen Be- dingungen aussehen, damit industrielle Unternehmer überhaupt den nötigen Anreiz linden, in der heutigen Zeit sich mit diesen östlichen Ausgaben praktisch zu beschäftigen? Die Antwort war: Ostpreußen muß gleichsam zu einer Oase iverdcn— die Vorteile kür den Unternehmer müssen in die Augen springen. Der kühne Vorschlag heißt: Hal- bterung der Steuern iReichS- und Gemeinde- steuern! und der Soziallasten, sowie eine generelle Fracht- Hilfe. Dazu Senkung der Zinsen und Beweglichkeit im Lohntarif, wöbet zu bedenken sei, daß einmal die an- grenzenden Slawen ungleich geringere Produktionskosten tragen, zweitens, daß die bittigeren Lebensverhältnisse Ostpreußens ein niedrigeres Lohnniveau im Vergleich zum allgemeinen reichSdeutfchen Niveau erlauben. Die f*'• ir'' alen har das„Katholische Kirchenblatt für Bock ngegenh" bis zum 18. Dezember verboten. Sogar der Papst? sJnpreß.j Die„Flcnsburger Nachrichten" teilen mit:„In Deutschland sind, wenn auch sehr vereinzelt, s?j mitunter An- griffe auf den gegenwärtigen Papst erhoben worden. In jüngster Zeit hat eine in Hamburg erscheinende Zeitschrift die Behauptung aufgestellt, daß der Papst jüdischer Abstain- mung sei und baß seine Mutter eine holländische Jüdin namens Lippmann wäre.." Im Polizeinräsidium erschlagen Im Düsseldorfer Polizeipräsidium wurde vergangen« Woche der kommunistische Arbeiter Janck aus Benrath zu Tode geprügelt Den Angehörigen meldete man„Selbst- mord". Bei Besichtigung der Leiche wurde festgestellt, daß der Körper vom Kopf bis zu den Füßen blaue und schwarze Striemen auswies. An der Grenze verhaftet sJnpreß.» Der sozialdemokratische ZcitungSkolpoteur Lcn- nerts wurde an der dcutsch-holländischen Grenze von zwei deutschen Grenzbeamten verhastet. Er hatte sich versehentlich nur wenige Meter auf deutsches Gebiet begeben, wurde über- fallen, niedergeschlagen nnd nach der deutschen Stadt Her- zogenralh verschleppt, lieber sein weiteres Schicksal verlautet nur, daß er vor Gericht gestellt werden soll, weil in seinem Besitz verbotene Zeitungen gefunden wurden. Deutsdke Stimmen• üleilage zur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Gesdhidkten Mittwoch, den 29. November 1333 Ixiedüdi Sie&utg tin tvançeCist des„dritten Reiches" Die„nationale Revolution" in Deutschland, der„nationale Aufbruch" des deutschen Volkes hat auf allen Gebieten sehr viel des Erbärmlichen im Menschen zur Schau gestellt. Angefangen bei der Unfähigkeit und teilweisen Feigheit der Führung von Massenorganisationen bis aur geistigen Verlumpung von Leuten, die sich als Demokraten, Liberale, als Anhänger und Verkünder der Humanität, der Menschenrechte betätigten und jetzt Künder,„Evangelisten" des„dritten Reiches" sind. Einer vom Schlage der sich freiwillig Gleichgeschalteten, einer der Redakteure der„Frankfurter Zeitung", sprach am Montagabend im Münstersaal in Basel. Studentenschaft und Quodlibet waren, so teilt die„Arbeiter-Zeitung" mit, die Einberufer der Veranstaltung, Friedrich Sieburg der Redner,„Geistige Autarkie in Deutschland" das Thema. Er nahm die ihm zuteil gewordene Bezeichnung, ein Evangelist des„dritten Reiches" zu sein, für sich auf, um in einer reichlichen Stunde über das Geheimnis, den Mythos des deutschen Volkes eine Vorlesung zu halten. Niemals sei es notwendiger gewesen, dieses Geheimnis zu erklären, aber auch niemals schwieriger. Die Welt verstehe Deutschland nicht. Was wir Deutsche suchen und wollen, ist mehr als der Mensch, es ist der „deutsche Mens ch", wir wollen nur deutsch sein. Seit einem Jahre wußte Sieburg, daß in Deutschland der Nationalismus siegt. Es mußte nur einer das Wort auf Entzauberung finden. Es lag auf der Straße, es hing im Sternenraum. Hitler fand das Wort. Das geheime Deutschland wuchs heran. Die Jugend glaubt nur an Deutschland. Alles, was es irgendwie an internationalen Beziehungen gibt, hat seinen Wert verloren. Die Gewalt hat beim Umbruch nicht gefehlt. Das ist zu bedauern, die Opfer sind zu beklagen. D o ch e• herrscht Ordnung, die„nationale Revolution" vollzogsich nach einem Plan. Und Goethe sagte schon:„Lieber ein Unrecht ertragen, als eine Unordnung."(Armer Goethe! Es fehlt bloß noch, daß Frick und Goethe gleichgesetzt werden, weil beide Polizeiminister in Thüringen waren.) Wir wollen den sittlichen Frieden. Alle menschlichen Normen, Vernunft, Gerechtigkeit, Menschlichkeit sind zerrüttet. Es gibt in der Welt keinen sittlichen Boden mehr, deshalb wollen und müssen wir Dentsihe ihn suchen und schaffen.(In Konzentrationslagern, Gefängnissen und Friedhöfen!) Wir sind in Deutschland für die Autarkie. Wirtschaftlich aus Not, politisch aus Aufrichtigkeit und geistig aus Schicksal.(Brrr!) Wir wollen erst Nation werden, dann wenden wir uns wieder der Welt zu. Bildung war das Schlagwort der Jahrhundertwende. Die geistige Autarkie ist wesenhaftes Deutschland. Gewiß, das „dritte Reich" hat noch keinen Genius. Doch bei richtiger V tinstem s \ Bec Rauh seines Vermögens Salander schreibt In der„Basler National-Zeitung": Die Konfiskation des Vermögens von Professor Albert Einstein zugunsten des preußischen Staates, die soeben im„Reichsanzeiger" verkündet worden ist, ruft gegenüber dem Werbe- feldzug, mit dem gegenwärtig das„dritte Reich" seine harmlose Menschenfreundlichkeit in aller Welt zu plakatieren be- atrebt ist, eindrücklich in E-innerung. daß es sich doch nach wie vor um eine Bewegung mit recht robusten Moralauffassungen handelt. Man braucht sich nur einmal versuchsweise vorzustellen, wie eine derartige Beraubung eines Gelehrten von internationalem Ansehen bloß wegen seiner mißliebigen politischen Meinung oder seiner Rasse etwa noch vor zehn Jahren gewirkt hätte, um sich klar zu werden, wie die Begriffe von Recht und Anstand ins Rutschen gekommen sind. Ich fühle mich persönlich frei von Vorurteil zugunsten wie zuungunsten des Gelehrten. Zu seinen Gunsten spricht neben der Anregung, die er offenbar durch seine Relativitätstheorie der Wissenschaft in aller Welt gebracht hat, sein mutiges Eintreten für alle Fälle, wo er Unterdrückung der Freiheit oder Menschlichkeit zu sehen glaubte in einer Zeit, da solche Haltung in Deutschland längst nur unbeliebt machte. Weniger erfreulich berührte dagegen sein öfters ungeschicktes Sichzurschaustellenlassen bei Kundgebungen gegen das jetzige Deutschland seit seiner fluchtartigen Abreise. Wenn ich ein gewisses Gefühl kühler Fremdheit dem berühmten Manne gegenüber persönlich nicht unterdrücken kann, so ist mir bewußt, daß meine gänzliche Hilflosigkeit seiner wissenschaftlichen Hauptleistung gegenüber, die Absolutheit meines Unverständnisses für seine Relativitätslehre daran nicht unbeteiligt ist. Ich gebe aber zu, daß das mehr mit Mängeln meinet Intellekts als seines Charakters zu tun hat. Der Raub seines Vermögens, ein Akt reiner Ranküne, eine wirtschaftlich für Deutschlands Ansehen weit schädlichere als fiskalisch ergiebige Konzession an die Racheinstinkte durch ihre eigene Geistesfeindschaft beschämter Menschen, ist eine so eindeutige Kundgebung einer kulturfremden Gesinnung. daß über dem Unrecht, das hier geschieht, jene privaten Vorbehalte verstummen. Es ist offenbar Einstein vom Schicksal beschieden, nach jeder Richtung der Erkenntnis der Relativität zum Durchbrach zu verhelfen, und so dient denn sein Vermögen schließlich zum Beweis der Relativität des Eigentumsbegriffs und Rechtsempfindens im„dritten Reich". Die Eingriffe eines Staates in privates Eigentum rächen sich aber immer am schwersten, und zerstören das Vertrauen in viel weiterem Umfange, als der einzelne Fall umfaßt. Die Beschlagnahme des feindl'-'-—- P• itwras im Kriege hat zu der Zerstörung c'—' in der Nachkriegszeit mehr 1_ Y>n allgemein anerkannt ist. Placierung des intellektuellen Lebens kann man den Weg für den Genius freimachen.(Welche Blasphemie!) Und nun noch eine Kostprobe Sieburgsehen Geschwafels: Die öffentlichen Meinungen sind immer idealistisch. Jedes Volk hat dafür seine besondere Norm. Der Krieg ist der Zusammenstoß der verschiedenen Normen. Deshalb sind die Völker alle„reinen Herzens" in den Krieg gegangen.(Wie S.„reinen Herzens" zu Josef Göbbels.) Oel, Kohle, Landeroberung stehen bei einem Kriege erst in zweiter Linie. Das sagt Sieburg, einer der Redakteure der einst hochangesehenen„Frankfurter Zeitung", in deren Handesteil ab und zu auch heute noch das Gegenteil eines solchen Widersinns steht. Das deutsche Volk geht bis zur geistigen Selbstverstümmelung; wir haben den letzten Zipfel der Humanität fahren lassen.(Das kann man schon sagen.) Das Kommende ist noch nicht gesichert. Dann verlas Sieburg einen Schluß, der wie Brechreiz wirkte. Falsches Pathos, Superlativ an Superlativ, las vom klirrenden Winter in Deutschland, wünscht, daß bald Frühling werde, sagte dem welttrunkenen Deutschland Lebewohl usw. Gymnasianer haben für ihre„Schmalz"professoren die Bezeichnung: „Wonnebrunser." Der„Evangelist" des„dritten Reiches" würde von Gymnasianern bestimmt diesen Titel erhalten. • Die Veranstalter hatten in ihrer Einladung gesagt:„Wir legen übrigens besonderen Wert auf die Feststellung, daß den beiden Veranstaltern irgendeine propagandistische Absicht fern liegt. Was wir wollen, ist Information und Auseinandersetzung." Sieburg wollte aber nicht, was die Veranstalter in ihrer Naivität wollten. Siebarg wollte und mußte wollen die Propaganda für das„dritte R e i ch", wollte nicht und durfte nicht wojen: eine Auseinandersetzung. Er ist, das bestreitet er ja schon gar nicht mehr: Beauftragter des Göbbelsschen Propagandaministeriums. Seine Stellung als Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" in Paria war aus sachlichen und persönlichen Gründen unhaltbar geworden. Er geht jetzt nach Warschau. In wessen Auftrag? Unnötige Frage! In wessen Solde? Wir bekommen keine Antwort. Wir wissen ea auch so. Wenn die Absicht der deutschen Regierung gelingt, in Polen ein antisemitisches Feuer anzufachen, um der polnischen Regierung Schwierigkeiten zu machen, weil sich die polnische Regierung ihrer jüdischen Staatsangehörigen in Deutschland mit Nachdruck annimmt, werden wir an Friedrich Sieburg denken. Vom„Gott in Frankreich" über„Die rote A r k t i s", über„Ei werde Deutschland zum „Evangelisten" des„dritten Reiches". Welch ein Weg geistiger Verlotterung und Verlumpung! Es kommt der Tag der Morgenröte! Ein solcher Xït 3er Konfiskation bedeutet eine Zerstörung der Eigentumsidee und hat mehr zerstörerische Wirkung als ein kommunistisches Manifest,» s Dec Sudeliopl In der vom Rektor der Universität Frankfurt herausgegebenen Zeitschrift„Volk im Werden" befindet sich folgendes Geschimpfe auf Einstein:„Es war einst verwunderlich zu sehen, wie die jüdische Weltpresse die Einsteinsche Relativitätstheorie, von der doch niemand etwas verstand, zu einem gewaltigen und umstürzenden Weltanschauungsprinzip hochgelobt hat. bis im ganzen Abendland zumal die philosophischen und anderen Professoren an den Schwindel glaubten.., Das Gift hat gewirkt: der Wille zur Auflösung und Zersetzung, aus dem die Relativitätstheorie geboren war, wurde auf die Wirklichkeit übertragen und in alle Weltanschauung verflößt, bis nichts anderes mehr übrig blieb als die in der Glorie eines Weltprinzips erstrahlende Rechenformel des Herrn Einstein. Jüdischer Zerstörunshaä als Weltprinsip., ," Dec hatte fyxqtOM Studienreferendare werden nach einem Rust-Erlaß vom 30. September 1933 nur dann zum Vorbereitungsdienst zugelassen, wenn sie a) arischer Abstammung sind, b) wenn sie den Nachweis für eine„besondere Tätigkeit oder Opferwilligkeit für die nationale Bewegung(Nachweis der Gauleiter), ferner erfolgreiche Tätigkeit bei der SA., SS., beim Stahlhelm, bei Jugendbünden, besonders Hitlerjugend, beim Geländesport, beim freiwilligen Arbeitsdienst" usw. erbringen. Von vornherein sind alle Kandidaten darauf aufmerksam zu machen,„daß sie aus dem höheren Schuldienst entlassen werden, wenn sie mit einer Person nicht- arischerAbstammungdieEheeingehe n". Das Verhältnis in der Auswahl„zwischen männlichen und weiblichen Studienreferendaren wird auf 4:1 festgesetzt". tin JComma zuviel! Die„Germania" bringt ein Gedicht, das für die Winterhilfe werben soll. Das talentlose Machwerk schließt mit den Zeilen: Jugend ruft alle! Jugend ruft jeden! Schlage den Nagel hinein! Jugend will helfen! Jugend will schützen! Schlag nun, auf, schlag nun! Es gilt! Die Mittelständle, aus dem Hitler-Lager haben anscheinend bisher die letzte Zeile immer falsch gelesen, nämlich ohne das erste Komma: Schlag nun auf! Wie ist dach die Zeitung, sc intecessaut 1. Wie ist doch die Zeitung so interessant, So gleichgeschaltet im ganten Land! Was haben wir heute nicht alles vernommen! Viel Nazis sind in den Reichstag gekommen, Die SA. hat neue Hosen bekommen, Marxisten wurden in Schutzhaft genommen, Auf der Flucht sind welche umgekommen, Bald werden wir in's Reich heimkommen und in demselben dann verkommen. Wie interessant! Wie interessant! SIEG HEIL dem lieben Vaterland. 2. Wie ist doch die Zeitung so interessant, geführt von Göbbels am Gleichschaltungsband. Was ist uns nicht alles berichtet worden! Eine Spaniole ist Staatsrat geworden, Hitler trägt nur einen einsigen Orden, Das Land ist befreit von roten Horden, Vieles ist doch schon besser geworden, Für's Eintopfgericht ist gesammelt worden. Wie interessant! Wie interessant! SIEG HEIL dem lieben Vaterland. 3. Wie ist doch die Zeitung so interessant, in diesem braunen Vaterland. Sie führt uns herrlichen Zeiten entgegen. Schon wurden Autostraßen vergeben, Ohne Autos können die Nazis nicht leben. Der„Notring" mußt sich ja auch eins nehmen. Bald wird sich Deutschland neu erheben. Doch lebt es nur vom Opfer-Erheben, Das Volk verdirbt— die Bonzen leben. Wie interessant! Wie interessant! SIEG HEIL dem lieben Vaterland. Beinahe von: Hoffmann von Fallersleben* Ei»it AMitte In dem in der Tschechoslowakei erscheinenden„Graslitze? Volksblatt" lesen wir diese Notiz: ,J)ie Schüsse von Marienbad" Wir haben in unserer Ausgabe vom 2. September 1933, Nr. 101, einen Leitartikel unter obiger Ueberschrift und ferner einen weiteren Artikel unter der Ueberschrift„Der Fall Lessing und seine Folgen" in derselben Nummer unseres Blattes veröffentlicht, in welcher wir über die Ermordung des Herrn Prof. Dr. Lessing berichtet haben. In diesem Zusammenhange haben wir eine ganze Reihe schmähender und beleidigender Behauptungen über Herrn Prof. Dr. Lessing aufgestellt, insbesondere auch, daß Herr Prof. Dr. Lessing, der eigentlich Lazarus heißt, den Reichspräsidenten Hinden« bürg mit dem Massenmörder Haarmann verglichen habe. Wir erklären hiermit, daß sämtliche in unseren Artikeln enthaltenen, auf Herrn Prof. Dr. Lessing bezüglichen beleidigenden Behauptungen auf unrichtigen Informationen beruht haben, daß wir nicht die Absicht hatten, das Andenken des ermordeten Herrn Prof. Dr. Lessing durch diese wahrheitswidrigen Behauptungen zu schmähen. Wir bedauern es auf das Tiefste, daß die verleumderischen* 'das Andenken des Ermordeten verlebenden Behauptungen in die Spalten unseres Blattes Eingang gefunden haben und bitten für diese pietätlosen Beschimpfungen des Andenkens des Ermordeten um Entschuldigung. Aus diesem Grunde haben wir uns im Vergleichswege zum 'Abdrucke dieser Erklärung in unserem Blatte, sowie in den Zeitungen„Prager Tagblatt" und„Sozialdemokrat" verpflichtet und haben uns ferner verpflichtet, eine Geldstrafe von 200 Ke zu wohltätigen Zwecken zu erlegen und die Kosten der rechtsfreundlichen Vertretung der Klägerin, Frau Ada Lessing, an Herrn Dr. Egon Schwelb, Advokaten in Prag II, Närodni tr. 24, zu bezahlen. Die Schriftleitung des„Graslitzer Volksblatt"«, ZeU=7loti In Paris wurde mit herkömmlichen Freuden der St.-Katha- tna-Tag begangen. * Im großen Hörsaal der Akademie der Medizin tagte der 10- internationale Kongreß der Zahnärzte von Paris. Der Unterrichtsminister de Monzie sprach in einer Rede von den neuen Grundsätzen des zahnärztlichen Studiums und den ent- Rcgengesetjten Ansichten von Aerzten und Zahnärzten in der Spezialisten frage. * Ein altertümlicher Brauch in Frankreich, nach dem Vatermörder mit einem schwarzen Schleier vor der Hinrichtung bedeckt werden, kam in Bordeaux bei der Guillotinierung des Pierre Delafet zur Anwendung. Der sechsfache Mörder gestand freimütig seine Tat, auf einem Bette sitzend, trank dann ein Glas Rum, wies aber eine Zigarette ebnso wie den Pri- ■ter zurück und zeigte keine innere Bewegung. * Auf dem Plateau in Mittelfrankreich liegt der Schnee bis *u 700 Meter Höhe. In Paris zogen die Midinetten am Katbarina-Tage mit ihren Papiertauben unter einzelnen Sehne» flocken über die Boulevards. * Geübte Geldschrankknacker(vielleicht„Schüler" der„Mar- ■eiller Bande" die den großen Einbruch im Comptoir Lyon- Alemand verübte) suchten die Juwelenhandlung Gattin in der PARIS möbliert zu vermieten. Bad u. Küche— Warm- »asser. mod. Comfort, f. Avenue du Colonel Bannet-Passy Conctirge gibt Auskunft. In Saarbrücken anfragen Telefon 28951. Wir suchen per sofort für Adressen Im und außer Haus. S.F.C.B. 112. rue Rèaumur, Paris ScbSner Laden zu vermieten, groß, heller Keller, Wohnung, ohne Abslandsgeld, für allerlei Geschäfte. 19, rue Bd. Raspall. Telefon Uttri 18-76. Lskrsr(Staatsexamen) erteilt gründl. französ. Unterricht flir Anfänger und Fortge ehr. Mäßiger Preis. Offerten an Puhl. Metzl, 51, rue Turblgo Nr. 115, Paris. Auch dis„Kleina Anzeige" in dei „Deutschen Frei- helf'brtnoi Ertolo Rue des Petits-Champs heim, die sie ausplünderten. Die Beute War 750 000 Franken an Gold und Steinen. Der Juwelier Cat- tin war natürlich gegen Einbruch versichert. Aber die Versicherung gilt nur, wenn die Edelsteine im Stahlschrank verschlossen werden, was am Tage vor dem Einbrecher-Besuch unterlassen wurde. ...■ Im Eishockey schlugen die Francais Volants das Berliner Team mit 2:1. .* Das Programm des vom nächsten Monat an staatlichen Senders Radio-Paris steht unter der Leitung von M. Henri de Jouvenel. * Der Pariser Stadtrat ist zusammengetreten. Die Hauptarbeit der Stadtväter ist der Ausgleich des Defizits. Der städtische Budget-Ausschuß hat Ersparnisse von 60 Millionen Franken an der Verwaltung erörtert. Endgültiges wird sich erst festlegen lassen, wenn die Absichten der Kammer für die Stopfung des Lochs im Staatshaushalt feststehen. * Arn Freitag, 1. Dezember, 21 Uhr, singt im Deutschen Klub (64, Rue du Rocher) Frau Else Peppier— vom Züricher Opernhaus— Lieder von Heinrich Heine, von Schumann, Mendelssohn, Brahms, Schubert und Sauguet vertont. Am Flügel: Adolf Daus von der Breslauer Oper. Karten zu 3. 5 und 8 Franken nur am Saaleingang. Anti-Hitler-Kongreß in Paris Im Rathaus des 9. Pariser Arrondissements fand Sams- tag ein Kongreß der französischen Liga gegen den Antisemitismus statt, in dem Bericht über den Kampf gegen Hitler und den wirtschaftlichen Boykott des Hitlerreichs erstattet wurde. Ferner wurde Bericht über das Asylrecht erstattet. Am Schlußbankett führten der Unterrichtsminister M. de Monzie und der bekannte Schriftsteller André Maurois den Vorsitz. Von deutscher Seite war insbesondere Professor Georg Bernhard an den Arbeiten des Kongresses beteiligt. Die Hauptreden wurden durch Radio verbreitet. Der Brand im Mittelmeer-Schloß Schüler van der Lübbes in Nice? Der Brand in dem berühmten Palais de la Méditerranée in Nizza, der das erste Stockwerk des Luxushauses zerstörte, ist nach Auffassung der Behörden durch verbrecherische Brandstiftung entstanden. Nach einer Meldung des Pariser „Journal" glaubt man sogar, daß der Täter ein— Deutscher sei, der im Augenblick des Beginns des Brandes geflüchtet sei. Ob wirklich die Hakenkreuzler nach berühmtem Vorbild van der Lübbes nun auch noch Theater- und Croupier-Säle in Flammen setzen, nachdem sie gerade das Roulette ohne Arierparagrafen bei sich zu Hause in Baden-Baden usw. eingeführt haben? Die Bühne des Riviera-Palastes ist zerstört worden, sie ist ein wüster Trümmerhaufen von verbogenem Eisen und geborstenem Mauerwerk. Die Saaldecke ist herabgefallen. Mobilien und Fußboden sind verbrannt. Auf der Bühne wurden drei Feuerherde entdeckt, die gelegt waren. Ein vierter Brandherd wurde fünfzig Meter weiter am Gesims der Vorhalle ermittelt. Es scheint auch, daß die Türen, die nach dem Baccara-Saal führten, mit entzündbaren Flüssigkeiten Ubergossen wurden. Doch wurde dieser Saal von dem Feuer nicht verheert. Auch das gesamte Personal des Hauses ist von einer Brandstiftung überzeugt. Im Vordergrunde des Interesses steht in Pariser Bühnenkreisen zur Zeit das herannahende Regiedebut Max Reinhardts, der bis zur Stunde nur den älteren Theaterfreunden der französischen Hauptstadt durch ein Gastpiel mit der Pantomime„Sumurun" aus dem. Jahre 1912 in seiner Wirkensart bekannt ist. Alle späteren Versuche, den langjährigen Beherrscher des mitteleuropäischen Bühnenlebens nach Paris zu ziehen, waren an materiellen Fragen gescheitert, denn das Geld, das Staat und Privatleute in Frankreich für Dinge des Theaters zu riskieren bereit sind, entspricht, wie der durchschnittliche Gagenaufwand, in keiner Weise den Begriffen, die sich in den bessereu Nachkriegszeiten in Deutschland und Oesterreich herausgebildet hatten. Gewiß, es gibt in Frankreich noch Mäzene, zu deren edelsten André Rouché. zu rechnen ist, der aus eigenem Vermögensüberfluß die riesigen Unkosten der Großen Oper zu decken pflegt und die Ehre, Herr des Garnierbaus zu sein und ihm, unter Lifar, das entfaltungsfälligste Ballett der Erde geschenkt zu haben, bisher schon mit weit über zwanzig Millionen französischen Franken bezahlt hat. Auch Henry de Rothschild, der Erbauer des„Théâtre Pigalle", wird vielfach unter die Mäzene gerechnet. Ich kann nicht verhehlen, daß ich gegen diesen vielleicht sehr tüchtigen Arzt und sicherlich sehr reichen Mann, der gleichzeitig ein schlechter Dramatiker ist, fast unüberwindliche Bedenken hege, seit er den Dünkel ausschwitzenden ersten Band seiner„Denkwürdigkeiten" veröffentlicht hat, aus denen gegen die Welt der Bühne eine solche Ueherheblichkeit hervorgeht, daß es sich kaum verstehen läßt, wann Künstlererscheinungen von Weltruf, wie etwa Çolette oder André. Antoine, sich öffentlich zu ihrer Freundschaft für diesen sonderbaren Herrn bekennen. Befaßt man sich ferner des näheren mit der' Art, wie die Prinzessin von Polignac iq musikalische oder das junge Grafenpaar de Noailles in filmische Unternehmungen Geld stecken, so gewinnt man ebenfalls den schmerzlichen Eindruck, daß das Verhältnis von Begeisterung und Eitelkeit, dem solche Opfer entspringen, nicht immer dazu angetan erscheint, den Glauben an die Selbstlosigkeit derartigen Mäzenatentums zu befestigen. Vergleicht man andererseits die Gagen, die an rein künstlerisch orientierten Pariser Bühnenunternehmungcn, und selbst an den Staatsbühnen, für Darsteller und Spielleiter zur Verfügung stehen, mit denen, die prominente Interpreten und Regisseure in Wien und Berlin zu beziehen gewohnt waren, so begreift man, daß bei diesen die Vorstellung erweckt werden konnte, als sei das Pariser Theaterleben eink überlebte Angelegenheit, die mit dem eigenen Milieu den Vergleich nicht wagen könne Bedenkt man ferner, daß ein Werk Racines oder Raynals im„Hause Molieres" noch heute, ohne Nennung des Regisseurs, auf den Spielplan gesetzt wird, so gewinnen die Riesenlettern, mit denen Charell und Max Reinhardt als Regisseure des„Weißen Röss'ls" und der „Fledermaus" von den Pariser Litfaßsäulen herab- triumphieren, ihre ganz besondere Bedeutung.(Bei näherer Betrachtung derartiger Anschläge gewahrt man dann noch weiter, daß nur der Hans Müller als Autor des„Röss'ls" noch übrig geblieben ist, und daß der Herr Korngold, der ,.Bearbeiter" seiner Musik, weit fetter gedruckt worden ist als der Komponist Johann Strauß.) Noch niemals aber, und das ist ehrenvoll und hoch erfreulich, hat sich das geistige Frankreich für einen fremden Bühnenkünstler zu so grandioser Begrüßung hinreißen lassen, wie sie Max Reinhardt vor wenigeh Tagen an der Stätte Maisonnette des Comédiens Russes Erstklassiges Restaurant-Cabaret Normale Preise Raphael w.h«. ,M.N°S'--->na5tia poliakowa und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeil(von 8 IJhr). Soupers(bis 1 Uhr) 16, RUE VI VIENNE(BEI BOURSE) PARIS. seines künftigen Wirkens, im„Théâtre Pigalle", gefunden hat. War der greise Antoine, der im Kriege einen Sohn verloren hat, aus diesem persönlichen Grunde dem Ehrenausschuß für die Reinhardtfeier ferngeblieben, so umfaßte dieser dafür u. a. die klangvollen Namen Tristan Bernards, Gémiers, Bourdets, Lugné-Poes und vor allem Jacques Gopeaus. Es war in der Tat die Pariser Elite, in deren Namen berufene Wortführer an Reinhardt ihre Willkommensansprachen richteten,"und eine derartige Kundgebung konnte um so not- wendigei erscheinen, als sich begreiflicherweise in Frankreich die Stimmen gemehrt haben, die vor der Ueberflutung seiner Kunststätten durch deutsches Geschäftstheater nachdrücklich warnen. Und wirklich ist die Situation am französischen Bühnenarbeitsmarkt auch keine so rosige, daß vorbehaltlos jeder fremde Operettenfabrikant und jeder Interpret, vom Star bis zn den Boys und Girls, auf Verwendung Anspruch erheben dürfte. Daß solche Erwägungen vor Erscheinungen wie Max Reinhardt oder Victor Barnowsky nicht gelten An- und Verkauf zentralauropS sehet und südamerikanischer Devisen Effekten und REICHSMARK durch das Sankhaus Georges Perles 8 P. Michel 34 RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAITBOUT 98-40 BIS 45 dürfen, ist völlig selbstverständlich, und in diesem Sinne war die Reinhardtfeier von besonderer Wichtigkeit. Vom Standpunkt des Deutschtums jedoch, vom Standpunkt jenes Deutschtums, das außerhalb des Hitlerreiches heute seine Existenzberechtigung zu verteidigen und zu beweisen hat, wäre gegen Reinhardts Pariser Debut jedoch vielleicht ein Einwand zn erheben. Statt unter der Aegide eines amerikanischen Managers mit der„Fledermaus" zu beginnen, hätte er meiner Ansicht nach hesser getan, mit einem Werk wie dem„Egmont" hervorzutreten. Die„Fledermaus" verschmilzt die ihm teure Wiener Musik mit einem Pariser Libretto; in ihrer Wahl liegt, wenn man so will, eine Geste, die sieh rechtfertigen läßt. Der„Egmont" hätte dagegen die Namen Goethes, Beethovens und Reinhardts zu einer imponierenden Kundgebung des deutschen Freiheitssinnes vor Frankreich zusammengeschweißt und wäre gleichzeitig ein würdiger Dank des geistigen Deutschtums für Frankreichs begeisterte Anteilnahme am Goethegedenkjahr geworden. Man wende mir nicht ein, daß ich hier einem geschäftlich von vorneherein verurteiltes Unterfangen das Woyt rede, denn einmal kostet„Egmont" sicherlich nicht mehr als Reinhardts Pariser„Fledermaus"; das weiteren brandit man nur die allgemeine Begeisterung Frankreichs— von Léon Daudet bis zu Romain Rolland und Jean-Richard Bloch— für Goethe in Betracht zu ziehen, um einem seiner würdig aufgezogenen Bühnenwerke eine vertretbare Einnahme zu errechnen, und schließlich haben sich die Finanzleute uin Reinhardt doch wohl recht ernstlich zu fragen, ob die Verdreifachung des Pariser Operettenbetriebes, der noch im Dezember auf das mondäne„Théâtre des Champs-Elysées" seine Hand legen wird, für das wirtschaftliche Gelingen des Fledermausprojektes tatsächlich die todsichcren Voraussetzungen bietet. Die sensationellen Erfolge, die das„Land des Lächelns" und das„Weiße Röss'l" jüngst in Paris gefunden haben, setze ich nur ungern mit einer Inszenierung der„Fledermaus" durch Reinhardt in eine Parallele. Doch gerade sie sind für und gegen die Berechnungen der Reinhardtschen Geldleute ein brauchbares Argument. Allein genug; die nächsten Wochen und Monate werden uns ja lehren, oh die einzigartige Gelegenheit, der deutschen Bühnenkunst in Frankreich zu dienen, die das Geschick dem großen deutschen Regisseur Max Reinhardt im November 1933 geboten hat, durch ihn zu voller Auswertung gelangt ist, oder ob er und gleichwertige andere im Dienste an der deutschen Kunst sich neue Wege werden suchen müssen. Bei allen Erfolgswünschen für Reinhardts Pariser Debut, auf das die Augen der ganzen Welt gerichtet sind, vermöchte man jedoch im Hinblick auf die Bedeutung seines Rufes und seiner Sendung nicht kurzerhand über Einwände schweigen, deren Erhebung vor minder wichtigen Anlässen ein müßiges Beginnen wäre. Hans-Adalbert v. Maitzahn. iPariser Pfkeatev JJlercrcd). le 20 JTovemftre Opéra 8 h Lohenorin. Com Française, S h 30 La Pari senne, Le Jeu de l'A movr et du Hasard. O p Comique. 8 h 15 Carmen. 0 d eon 8 h 30 Le Rosaire, Tempête sur les Côtes. G àt te■ Lu r i q ue. 8 h 15 Le Pays du Sourire, St. Ch. E lu s é es. 9 h Yvette et ses enfants. Lettre d'une cinconnue. Stiopic et Mania. T h. d e P a r i s. 8 h i 5 Tovaritch. Die Affäre Dorothy Wright Der plötzliche Tod der jungen Engländerin Dorothy Wright, der Geliebten des jungen C o t y, macht wieder von sich reden. Die junge Engländerin soll sich in einem Hotel der Champs Elysées im August erschossen haben, nachdem ihr Freund lange in einem Nachtlokal herumtollte. Die Untersuchung lautete auf Selbstmord. Die Mutter des jungen Mädchens, die in London wohnt, beantragte eine neue Untersuchung, weil der Tod verdächtig sei. Das Gericht lehnte aber eine Verfolgung ab. Nunmehr erklärte sich die Mutter durch einen französischen Anwalt als Zivilpartei und beantragte unter Hinterlegung von 1500 Franken die Klage wegen Tötung ohne Uebcrlegung gegen X. à t inltjuf und AujIäsuhi; vom Vmiliamt 8 % BRILLANTEN. GOLD % SILBERWAREN. UHREN »•»flieh« G«lex»nber»vV«rkiu»» § BETTER,«». FAUBOURG MONTMARTRE„ ÏH»SBS»»a"AN iPRICHI OEUTSCH DER HINDU ALNA MIR f)er bciQN't' c«einreiche Hm ui. dessen Wrlfruh• bekenn! ist P opferet*enau huert Zukunft, und liest alle fc'urre Gedanken, mit einer un glaublichen Sicherheit. Fr wird Sie leiten, aus verschiedener Art Sc» wiriekelten u. IJ» glück erauent utw Fragen Sie Ihn um Rar noiwdnl-. o duch> e> 2(1, Avenu* Mac«Mab©», Paria, Métro tfarib 1 Monat„MIETEFREI" Büros an Champs Elysées (unmittelbar neben dem Cafe Cotisée) KUino nougobauto, abgeschlossen# Büros(1-7 Zimmer), don Wünschen dor deutschen Flüchtlinge an^opasst, und insbesondere auch entsprechend billig sofort bexiehbar ZU VERMIETEN Besichtigung täglich 10-1 Uhr und 3-5 Uhr Eingang 3, Rua de Cotisée Vermietung van Luxuswohnungen, Calés und Läden ebenda Fanatismus and Hrlcdicrcl üolländtsdie Stimmen Wir entnehmen aus öer«Post Scripta" der„Ha a g sch e n P o st": Zusammenbruch „Der Prozeß van der Lübbe hat nun seine Berliner Phase hinter sich. Dort hat man alle Zeugen vernommen. Viel klüger ist man dadurch nicht geworden. Sicher ist die Stich- halttgkett der Anklage nicht verstärkt worden. Diese macht mehr denn je den Eindruck, auf einer ganz lockeren Basis zu beruhen und auf einer Instruktion, die mit unglaublicher Voreingenommenheit und Leichtgläubigkeit gehandhabt wird. Den stärksten Schlag hat der ganze Geist des Prozestes noch am letzten Berhörtag in Berlin erlitten. Nachdem sich der Hauptzenge gegen die Bulgaren schon als vollkommen un- zuverlässig erwiesen hatte, erging es dem Hauptzcugcn gegen Torgler, wenn überhaupt noch möglich, noch schlechter. Auf die nüchternste Weise, nämlich durch die einfache Folge der Tatsachen, wurde dieser Zeuge, der gewesene Kommunist G r o t h e, zum Lügner gestempelt. Es ist bestürzcnd, daß sich dies erst vor dem Gericht zeigen mußte. Dieser Teil des Prozesses hat einen erschreckenden Beweis für die Lügen- haftigkeit geliefert, zu der heute in Deutschland viele Leute, sei es aus Fanatismus oder aus feiger Kriecherei, imstande sind. Der günstige Eindruck, den der Beginn des Prozesses in Leipzig machte, wurde in Berlin vollkommen verwischt." Line plumpe Methode Wir lesen u. a. in„Het Volk": „Biel ist über den heutigen Prozeßtag nicht zu sagen tFrcitag, den 24. November), was nicht in dem Pressebericht steht. Aber auf ein Ding möchten wir die Aufmerksamkeit doch noch lenken, und das ist die Erklärung des Gefängnis- schürten Weinberger. Dieser ist ein geborener Russe, und man hatte ihn neben Poposs, der allein bulgarisch und russisch spricht, in eine Zelle gesteckt. Dieser Russe hat nun getrachtet, Popoff zum Sprechen zu bringen. Es ist kein reiner Zufall, baß man ihm das Sprechen mit Popoff so leicht gemacht hat. Trotzdem ist es nicht geglückt, aus Poposs etwas herauszukriegen. Popoff wird diese plumpe Methobe wohl durchschaut haben. Der Zeuge mußte dann auch erklären, daß Popoff dauernd gesagt habe, er hätte mit dem Reichs- tagsbrand nichts zu schaffen. Dort endlich ist aus dieser monatelangen Spionage ein Satz gekommen, der eigentlich auch nichts bedeutet, doch den man als belastende Aussage auslegen könnt«. Man kann aber daraus auch, ohne dem Satz einige Gewalt anzutun das Gegenteil hören." Amtliche Greuelmärchen Wir zitieren aus der„Post Scripta" der ,H««g scheu P o st": „Die Berichte aus Berlin bleiben weiter konfus. Der Ju- stizminister kündigt eine Amnestie an, die aber noch aus- steht und scheinbar bis jetzt noch bei Hitler hängen bleibt. Hitler macht Frankreich weiter Liebeserklärungen, jetzt wieder in einem Interview im„Matin", aber in der politi- schen Praxis ist er wenig zugänglich. Ueber den Zustand im Lande gibt die folgende Verordnung von HitlerS Stellver- treter, Rudolf Heß, eine Borstellung. Man ersieht daraus, daß Parteigenossen, die kein Amt im Staate bekleiden und Parteiinstanzen kein Höchsteinkommen für die Bevölkerung oder für gewisse Schichten der Bevölkerung vorschreiben, daß sie kein« Maßregeln gegen Doppelverdiener treffen und daß sie das Volk nicht zwingen dürfen, außer den Steuern noch Geld aufzubringen. Diese Rechte stehen allein den befugten Regierungspersonen zu. Dergleichen bolschewistische Aktionen werden also demnach von Parteigenossen unternommen, wie man aus dem Verbot ersieht. Hätte eine ausländische Zei- tung darüber berichtet, so hätte man eS ohne Zweifel als „Greuelmärchen" ausgelegt. Schönes Land!" Göbbels oder Görin g? Wir lesen u. à. in„Het Algemeen HandelSblad" (Amsterdam): „GöbbelS und Göring fechten miteinander um das„dritte Reich". Göring ist der geschicktere von beiden und hat ent- scheidenden Einfluß auf Hitler. Göring hat das Militär und das Kapital zu Bundesgenossen. Früher oder später muß sich dieser Streit einmal entscheiden. Dabei spielen die Personen an der Front nur eine ganz zufällige Rolle. Die Mächte, die im Hintergrund stehen, sind zäh, und in diesem gewaltigen Streit wird jedes Plebiszit zu einem Regen von Papterschnipseln" Franz. Firma sucht zur Einrichtung von Färberei DEUTSCHEN CHEMIKER der sich mit 100000 Fr. beteiligen könnte. Offerten unter T. G. an die Expedition. Coupons, Devisen deutsche Effekten Waren-Termin- geschälte in allen Produkten sämtlicher Weltbörsen besorgt auch für Emigranten prima schweizer Firma, Postfach 648, Zürich 2 Wo speist man gut und billig in Brüssel Restaurant à la Fourchette 22. rue ht. Michel, 22. 1. Querstraße rechts vom Platz Brouckère Mittagessen von 6,— bis 10,— Fr. Abendessen von 18 bis 23 Uhr bestehend aus Suppe, Fleisch Gemüse und Bro». Preis nur 4,— Fr. Deutsche Poliklinik Chefarzt Professor WENSTEN I) SPEZIALXRZTL1CHE ORDINATION für tä«tlicbc Ah Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik ... 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Für die Reform sind drei Richtlinien maßgebend. 1. Instand- setzung der Armee derart, daß sie zur Verteidigung der Un- abhängigkeit imstande ist, 2. Rationelle Ausgestaltung. 3. Be- schränkung der finanziellen Belastung aus ein Minimum. Wie sieht das nun im einzelnen aus. Der Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht wird aufrecht- erhalten, ebenso das säiweizerische Milizsystem. Reu ist die Ausbildung vor der Dienstzeit durch den obligatorischen Turnunterricht bis zum 18. Lebensjahr und die obligato- rischen Leibesübungen bzw. Schießausbildung bis zum 20. Jahr. Hierfür werden herangezogen der Eidgenössische Turn- verein, der Schweizerische Schützcnvcrein und der Schweiz«- rtschc Unterossiztersvcrband. Die RekrutenauSbildung wird jetzt als zu kurz empfunden, da es sich jetzt mehr nur um eine Waffe, das Gewehr, handelt, sondern um sechs sauber dem Gewehr Handgranate Maschinengewehr, und zwar leichtes und schweres, Infanteriegeschütz und Minenwerser). Ferner soll der Soldat mehr zum Spezialisten ausgebildet werden. Bei den Kampftruppen wird daher die Rekrutenschule ver- längert, bei den Motorwagcntruppcn dagegen verkürzt, bei den übrigen Truppengattungen lTrain, Sanitäter) bleibt sie gleich. Zum Ausgleich wirb die Zahl der WiederholungS- kurse gesenkt, ihre Dauer aber auf IS statt bisher 18 Tage festgesetzt. Bet bei Infanterie kommen künftig mehr automatische und schwere Waffen zur Anwendung alS bisher. Neu geschossen wird der Begriff der leichten Truppen, Kavallerie. Rad« fahrer, Motortruppen Die Kavallerie wird dabei um ein Drittel reduziert. Ferner wird eine neue Truppenordnung geschaffen. Die bisherige Einteilung in sechs Divisionen zu 24 Bataillonen erscheint zu schwerfällig. ES sollen nenn leichte Divisionen geschassen werden, 6 Feld- und S Gebirgsdivisionen. Dazu kommt die Festungsbesatzung Tt. Maurice. Bestehende Verbände sollen nicht zerrissen, Sprache und Kantonszugehörigkeit berücksichtigt werden. Die Leitung soll vereinheitlicht, die Militärverwaltung vereinsacht werben. Nodi immer Banse Ein BuchhandelSgehilfe, Gerhart Köhler, beschreibt im „Buchhändlerbörsenblatt", wie er in England für die natio- nale Literatur gewirkt hat und sagt:„Ich darf mir wohl er- lauben, an dieser Stelle daraus hinzuweisen, daß hier in England ein Buch aus unsere Arbeit lähmend eingewirkt hat, und zwar handelt eS sich um Professor Ewald Banfes Buch: „Wehrwissenschaft". lAnmerkung deS„Börsenblatts":„Der vorliegende„englische Brief", der am 4. Oktober bei der Schristlcitung einging, kann leider erst jetzt veröffentlicht werben: inzwischen ist, wie wir schon mitteilten, das Buch aus außenpolitischen Gründen beschlagnahmt worden.") Was Professor Banse rein wehrwissenschaftlich schreibt, ist das, was jeder Deutsche wissen muß und waS ihm immer wieder eingeschärft werden soll. Die Vorwürfe von englischer Seite in dieser Richtung sind leicht abzuweisen mit dem Hinweis auf die in dieser Be- zichung in England selbst erschienenen Bücher. Aber einige Sätze, die im Borwort zur ersten Auflage dieses Buches Achtung, Eltern! Mein lugendheim. bedeut. vergrößert, befindet sich jetzt in MARNES.LA COQUETTE, 3- Grande Rae 20 Minuten Bahntahrt vom Bahnhot St Lazare, Paris Telefon G archet Nr. 429. Große Villa mit riesigem Park, fließendes Wasser in jedem Zimmer, Zentralheizung usw Uberleitung in die franz. Schulen. Gymnastik, Sport „ FRAU DR, BERG stehen, erschweren die Arbeit ungeheuer. Man vergleiche da mit Adolf Hitlers Reden, die in dem oben erwähnten Hei gesammelt sind und man wird den Schlag, den unser« Arve» hier auf vorgeschobenem Posten erlitt, begreifen können. Unsere Arbeit hat dabei nichts,u tun mir internationalen Berständigungsbestre- Hungen einer überwundenen Zeit, sondern lie gehört eher in den Abschnitt„Bölker Psychologie als Kampfmittel" von Professor Banfes Buch." Dieser Erguß ist am 18.(!) November erschienen. Man sieht, wie ja die„D. F." schon mitgeteilt hat' daß das Banse- Verbot eine Tarnung ist und daß die Nazi-Agenten im Ausland eifrig tätig sind. * Der frühere Chefredakteur des ZentrumSorganê ziger Landeszeitung", Dr. T e i p e l, ist wegen des Vorstoßes in Genf aus Danzig ausgewiesen word en. W ie alle Zentrumsleute, hat auch er sich vergebens gleichgescha«"' der Fußtritt kommt doch. * Der Reichsminister d«S Innern hat das Reichstt»' «issariat für Beamteusrageu«ufgelSft und«£«1 bisherigen Kommissar feinen Dank ausgesprochen.— 2>te Beamten verlieren eine Position nach der andern. BRIEFKASTEN „Meister und Schüler". Abdrucken wollen wir den Dialog nicht. Wir möchten und nicht so ausführlich mit taktischen Parteifragc« beschästigen. MoruS. Da« neue, von un» ausführlich besprochene Werk von Heinrich Mann 1st im Querido-Berlag zu Amsterdam erschienen SS ist eine Sammlung von Aufsätze» und kleinen Szenen Heinrich Mann« über dos„dritte Reich" unter dem Sammeltitel:„Der Hast, deutsche Zeitgelchichie". Kommentar Sberslstsfig." Sie schicke» un» ein Blatt au» irgend- einer hakenkreuzlerischen Zeitschrift, die nebeneinander die Bilder Aobel« und Hitler» mit folgendem Text bringt: „...und wiederum war e» ein einzelner, unser Volkskanzler Adolf Hitler, der den Nebel ewiger Abrüstungskonferenzen zerriß und ein ganzes Volk geschlagen der Welt in seinem Friedenswillen offenbarte. Wenn einer den Friedend- preis von Nobel im kommenden Jahr verdient, kann es nur Adolf Hitler sein!" Auch da« ist nicht unmöglich, wenn nicht ein europäischer Krieg vorher kommt. Vielleicht macht aber Hitler seinen Krieg erst nach der Verteilung de» Nobcl-PreiseS. Sampsbund deutscher Pazifisten. Der Ausruf ist für eine Tage»- zeitung von unmöglicher Länge. Auch ist eS eine starke Zumutung, einer Organisation, die anonym auftritt, vertrauen entgegen- zubringen. Schließlich ist der Aufruf und noch mehr da«„Pro? gramm" aber auch nur«in sehr matter Aufguß. Damit ist kein Staat zu machen. H. W. Amsterdam. Für solche Zeitungsausschnitte sind wir Immer denkbar.— Wir werten die dumme Lüge der„B. Z." im Zusam- wenhang mit einem besonder» tragischen Fall de» Ausschlusses eine« jüdischen Turner« bearbeiten. Dr. K. Basel. Im neuen Reichstag sitzen u. a.: î Prinzen. 8« Adelige, IM Agrarier, IS Jndustriemagnaten, BO Feudalherren. 125 Unisorntträger, aber nur 17 Arbeiter!— Volksvertretung! Emigrant SR. Tie haben im Jahre 1S2S al» Gewerkschaftler den Sturm auf eines der rheinischen Rathäuser geführt und die Sépara- tiften hinauSgehauen. Nun lesen Sie in der„Saarbrücker Zeitung": „Zwar wurde durch die Verweisung des Saargebietes unter da« Völkerbnndsregime die Entwicklung enders gelenkt, der essen« und aktive Separatismus wurde dem Saargebiet erspart febwnßl die Fäuste und Knüppel der saarländische» Bergleute und Industriearbeiter mit jenem Gesindel nicht schlechter fertig geworden wären al« die Bauer» und Industriearbeiter de» Rheinland«» und der Pfalz." Und dazu schreiben Tie un«:„Fällt Ihnen nicht auf, daß die Herren nur von Bauern, Bergleuten und Industriearbeitern schreiben, die mit den Separatisten aufgeräumt haben und nötigenfalls wieder aufräumen sollen? Wo waren und sind denn die hoben und««- pflegten Herren und ihre sonrnalistischen Diener, die un» setzt Landesverräter schimpfen und marxistische Untermenschen heißen? Seiner war zu sehen, und keiner von diesen ehrenwerten Patrioten wird zu sehen sein, wenn e» gilt, seine Haut gegen da«„Gesindel" zu Markte zu tragen. Dafür waren wir gut genug.' Jetzt lassen sich Minister, wie dieser GSbbcl», im Rheinlande feiern, und die Arbeiter stehen in der Gcke oder haben an der Stempelstelle oder im Konzentrationslager oder hier und dort in der emigration, derb gesagt, nicht» zu freuen. Lausesungen verprügeln setzt drüben Front- kämpserevon 1914 und 1018 und 1928, und nicht ein einziger gleich-- geschalteter Redakteur wagt gegen diese deutsch« Schande aufzu« treten. Man soll un« also mit solchen Erinnerungen in Ruhe lagen, und ich warne die Bergkumpel» und Jndustrieproleten, sich von den Phrasen solcher Leute besoffen machen zu lassen, die un« nur verschicken, damit sie uns später einen Fußtritt geben können." Tie sagen in kräftiger Spracht die Wahrheit. Wir können nur hinzufügen: So war e», und so ist e». F. H. Svnbrodt. Wegen Ihre« Deutsch brauchen Sie sich nicht zu entschuldigen. Tie schreiben recht gut. Für weitere Nachrichten und Zeitungsabschnitte sind wir dankbar. Da« Venn ist uns au» manchen Wanderungen bekannt. Ueber Ihre Mitteilung, daß unser Blatt dort viel gelesen wird, freuen wir un«. Für den Gesamtinhal» verantwortlich: Johann PI tz In Du»- weil«: für Jnlerate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verla«: Verlag der BolkSftimme GmbH.. Saarbrücke»», Echützenftraße ö. Steuerfragen Geseilschaffsgründungen Wenden Si* tick as F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden um vom offiziellen Standpunkt aua beraten zu«erden 21, Bd. Bem*e«Ne«veOe, Peeia(2), Tel. Umw 22*3 Tél. Triait« 43.13 Métro Pigalle Deutsche Poliklinik Paria. 52, Rue de la Rochefoucauld «I Allgemein. Konsultation«« mit 9 Spezialisten Ordination täglich von 9—12 und 2 «H st) Chirurg!» Zweistöckige« Senate. riumsgebäude. Die aller modernste Einrichtung a) Geburtshilflich« Klinik VimlMkig.« G«bäu4t. Zimmer mit I bit 4 Betten d) Zahnirrt Ii dt aa Kabinett Z.ha- und Mu.dehlnjvfie Sonn, und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr