r Sinzigs unabhängige Tageszeiiung Veuifchlands Nummer 139 1. Jahrgang| Saarbrücken, Samstag, den 2. Dezember 1933| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Jteichsfoscfiaf. und JluhckapCan Seite 2 !Bcief an das JleichsgecicfU Seite 3 Juecht occ dee J-euecung, Seite 4 Tlapoleen III.- JtaubtBonceuc Seite 5 Jcankceich- England Seite 5 Frankreichs Heer warnt Die Rede des Krieasministers Daladier Brenscheid in der Sorbonne Hlrdtenbampf In voller Schärfe! Kein„Mottendes Sdialsvolh" Paris» 1. Dez. Das„Journal des Débats" berichtet über k>ne Ansprache, die Kriegsministcr Daladier heute aus dem ^eeresbankett des Verbandes der„militärischen Presse" gc- halte» hat. Danach habe Daladier den scstcn Willen Frank- Geichs betont» sich nicht vor Drohungen anderer Länder zu Zeugen. Man müsse mit der Legende aufräumen, daß Frank- reich etwa imperialistische Ziele verfolge. Aber man müsse ?uch mit jener anderen Legende aufräumen, daß Frankreich im Falle unmittelbarer Gefahr etwa bereit wäre, in die Knie zu sinken. Die Franzosen seien nicht ein„blökendes S ch a s s v o l k", sondern bereit, ihre Grenzen zu verteidigen, be hätten einen unverletzbaren Grenzwall aufgerichtet, sie sollten ihre Grenze mit Mannschaften, Munition und Ab- wehrmitteln längs ihrer ganzen Grenzen von Nordosten bis «ach Nizza halten. DaS sranzösische Heer arbeite stillschweigend. Es bleibe den juristischen Auseinandersetzungen fern, aber seine Tätigkeit sei beharrlich und fruchtbar. Er, Data- bicr, habe die Pflicht, das Werkzeug in tadellosem Znstande 8u erhalten, das für die Erhaltung des Landes unerläßlich >ei. Frankreich wisse» was es koste, einen Einfall zu erdulden. &t, der Kriegsminister, setze alles ins Werk, damit eine solche Eventualität nicht eintrete und damit Frankreich in der gegenwärtigen Stunde der Unruhe stark bleibe, auf daß es der Gerechtigkeit Achtung verschaffen könne, denn es könne nicht die geringste Gerechtigkeit ohne die volle Macht geben. Ehankemns vor der Kommer Paris, 1. Dez. DaS Kabinett wird morgen nachmittag über bie am Samstag vor dem Parlament zu verlesende Regie- rungserklärung und die Finanzvorlage Beschluß fassen. Dem „M at in" zufolge wird die sehr kurz gehaltene Regierungs- erklärung die Notwendigkeit betonen, schleunigst die Finanzen zu sanieren und die„Beständigkeit der fran- Zösischen Außenpolitk im Rahmen des Friedens und der Sicherheit" betonen. Die Finanzvorlage scheint der Regierung noch einiges Kopfzerbrechen zu bereiten.„Echo de Paris" behauptet, daß bisher 4,8 Milliarden Franken durch Einsparungen und Sonderabgaben, zu denen die Beamtengehältcr mit rund 380 Millionen Franken herangezogen werden sollen, für die Abdeckung des Fehlbetrages bereitgestellt seien und daß die rcstlochen 1,2 Milliarden durch eine allgemeine Verkaufs- steuer in Form einer Erhöhung der V e r k a u s s st e m p e l- gebühren aufgebracht werden sollen. Eine französische Ente Im Zusammenhang mit dem starken Interesse, das die Saarfrage jetzt in der französischen Presse findet, bringt „Oeuvre" eine Notiz, nach der Otto Braun im Elsaß und im Saargcbiet Versammlungen abhalte, in denen er für den Anschluß der Saar an Frankreich Stimmung mache. Natürlich handelt es sich hier nicht um den früheren preußischen Ministerpräsidenten OttoBraun, sondern um den Führer der Sozialdemokratie an der Saar, Max Braun aus Saarbrücken. Selbstverständlich ist Max Braun nirgendwo für den Anschluß der Saar an Frank- reich eingetreten. Er spricht lediglich gegen die Unter- werfung des Saargebietes unter die Rechtlosigkeit uüd die Barbarei Hitler-Deutschlands. Vor einigen Tagen hat der Vorsitzende der früheren sozial- demokratischen Reichstagsfraktion Dr. B r e i t s ch e i d in der „Nouvelle Ecole de Paix" in der Sorbonne einen Vortrag über Hitler und Europa gehalten. Der Saal war dicht be- setzt. Es waren etwa 800 Personen anwesend. Das will um so mehr bedeuten, als die Eintrittskarten 8 bis IS Franken kosteten. Breitscheid sprach mit der bei ihm gewohnten Nhe- torik und wußte auch inhaltlich sein Thema glänzend zu gestalten. Er hat auch nicht unterlassen, mit allem Nachdruck auf die Versäumnisse hinzuweisen, deren sich Frankreich in den früheren Jahren gegenüber der deutschen Demnkratie schuldig gemalt hat. Er sagte u. a.. daß die Verhältnisse jetzt wohl anders lägen, wenn das demokratische Deutschland von Europa dieselben Ermutigungen erfahren hätte, die jetzt auf einzelnen Gebieten Deutschland zuteil werden. Der Bei- fall war sehr groß. Nach dem Vortrag wurde Vreitschcid von vielen umdrängt, die ihm dankten. Einige sagten ihm, sie freuten sich, Auslassungen gehört zu haben, die man leider in der französischen Presse nicht finde. Den Borsitz hatte Vandervelde. Als er in seinem Schlußwort vor der sehr überparteilich zusammengesetzten Versammlung den inter- nationalen Sozialismus und dessen Taten rühmte, machten einige Jünglinge der„action française" etwas Lärm. DaS hatte aber nichts zu bedeuten. nerriot und Tardieu Dos Rinden um die Modii Paris, 1. Dezember. A. Sch. Die Regierungskrise, aus der das Kabinett Chautemps hervorgegangen ist, hat eine persönliche und eine politische Seite. Diese Krise hat Herriot zum be- stimmenden Politiker emporgetragen, sie hat gleichzeitig durch die Verschärfung infolge der häufigen Regierungs- stürze eine Illustration dazu geliefert, was die vielbe- sprochene Krise des französischen Parlamentarismus eigentlich ist. Seit dem 26. November ist Eduard Herriot wiederum zum Gebieter über die Regierung geworden, diesmal ohne Regierungschef zu sein. Ihm ist sowohl die Ministerpräsi- dentenschaft als auch der Posten des Außenministers an- geboten worden. Er hat aus gesundheitlichen Gründen beides abgelehnt, aber auf seine Empfehlung ist Chautemps zum Ministerpräsidenten geworden und einen Posten hat er doch übernommene als Vertreter Frank- reichs im Völkerbund mit der gleichzeitigen Beauftragung. Frankreich auf den internationalen Konferenzen zu re- präsentieren. Somit ist die überragende Stellung Herriots in der Radikalen Partei deutlich zum Ausdruck ge- kommen: Chautemps und Paul-Boncour sind kaum viel mehr als seine Platzhalter, und er selbst ist gewissermaßen zum inoffiziellen Außenminister geworden. Das Angebot des Außenministeriums an Herriot war eine politische Tat- sache von außerordentlicher Bedeutung: es zeigte, daß Paul-Boncour nicht mehr fest im Sattel sitzt und nur so- lange im Amt bleiben darf, bis es Herriot für zeitgemäß und zweckmäßig erscheinen wird, die Führung der Außen- Politik zu übernehmen. Denn außenpolitisch ist Herriot noch mehr als innenpolitisch ein Programm. Er hat eine feste und kämpferische Orientierung. Seine außen- politische Parole hieß bisher: mit London. Washington und Moskau, aber ohne Rom und gegen Berlin. 1933 ist Herriot Frankreichs Sonderbevollmächtigter in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion gewesen, er ist der Vorkämpfer der französisch-amerikanischen Verständigung und der Organi- sator des französisch-rusfischen Bündnisses. Er war gegen den Viererpakt, weil er die französisch-italienische Entente ablehnt. Hier ist er in den Gegensatz zu Daladier und seinen Kreis geraten und,mußte im Juli 1933 vorläufig weichen Jetzt wird er wiederum zum maßgebenden Außenpolitiker des Landes, und es wird sich zeigen, ob er nunmehr eine Revanche nehmen wird und seinen eigenen außenpolitischen Kurs durchgesetzt. Jedenfalls sind mit seinem Aufstieg die Chancen Mussolinis, sich als Ver- mittler zwischen Paris und Berlin aufzuspielen, bedeutend geringer geworden. Politisch und psychosogisch ist Herriot jener führende Politiker der Radikalen Partei, der am wenigsten bereit ist, die Verständigung mit Hitler zu Berlin» 80. November. In drei großen Kundgebungen in Berlin, die von proie» stantischcn Pfarrern und Gemeindemitglicdern sehr stark be, sucht waren, kam eine überzeugte und deutliche Ablehnung der deutsch-christlichen Kirchenpolitik zum Ausdruck. Die Redner, bedeutende protestantische Pastoren, bezeichneten als die Ausgabe der evangelischen Kirche das unverfälschte Wort Gottes zu verkündigen. In diesem Bekenntnis dürfe man sich durch keine Zwangsmaßnahmen hindern lassen. Wenn man es in der Oesscntlichkeit nicht mehr tun könne, werde man in der Stille weiterarbeiten. Die Anwesenden wurde« znr Bildung solcher Gruppen aufgefordert. In einer ein, hellig angenommenen Entschließung wird den beschämenden Angriffen auf die Grundlagen des Glaubens harter Kampf angesagt. Die Lehre, daß Christus nur noch als heldischer Kämpfer zu werten sei, müsse im Namen Jesus verworfen werden. Zum Abschluß sprach die ganze Gemeinde das apostolische Glaubensbekenntnis und reichte sich zum Zeichen ihrer Gemeinschaft die. Hände. iSiehe auch Seite 2!) fördern. Herriots neuer Aufstieg ist kein günstiges Vor- zeichen für die Verhandlungen zwischen Paris und Berlin. Der Zufall hat es gewollt, daß gleichzeitig mit Herriots aktivem Auftreten auch sein alter Gegenspieler Tardieu von dem freiwilligen Urlaub von der aktiven Politik zu- rückkehrt, in den er, nach seiner Niederlage bei den Niai- wählen 1932, gegangen ist. Tardieu nimmt einen Konzen- trierten Kampf gegen das„System" auf, als Führer der Rechtsopposition will er zum Trommler der angreifenden Rechten werden. Aber man mißverstehe die französischen Verhältnisse nicht: Tardieu ist kein Hugenberg. In vier Wochen sind in Frankreich zwei Kabinette gefallen. Das gibt der Rechten den Anlaß, von der„Krise des Systems" zu sprechen. Das klingt beinahe deutsch, hat aber einen anderen Sinn. Tardieu verlangt die„nationale Union", das heißt den Bürgerblock nach dem Muster Poincares. Das ist nichts anderes als eine breite bürgerliche Koalition im Rahmen des„Systems", und wie die parlamentarischen Verhältnisse heute liegen, mit dem Uebergewicht der Radi- kalen. Denn diese unverwüstliche Partei ist und bleibt die Achse der französischen Politik. Sie bestellt ein Kabinett nach dem anderen, mit derselben Besetzung und mit dem auswechselbaren Ministerpräsidenten. Di» heutigen Kabinettswechsel gehören eben zum System des französischen Parlamentarismus. Nie waren sie häufiger als in den Iahren 1919—14-auch unter einem radikalen Regime wie jetzt, und jene Vorkriegsjahre waren dis Blütezeit der bürgerlichen Demokratie in Frankreich. Tis Kabinettswechsel der letzten Wochen bedeuten nichts anderes, als daß verschiedene Gesetzentwürfe geprüft und verworfen werden, was nach dem französischen parlamen- tarischen Brauch automatisch Kabinettsstürze nach sich zieht. Was die Lage schwieriger macht, ist der Umstand, daß es die f i n a n z p o l i t i s ch e n Lösungen waren, über die die Regierungen stolperten. Im Hintergrunde der Regierungskrise stand die Finanzkrise, und diese erzeugt allzu leicht panische Stimmungen. Hier liegt die wirkliche Gefahrenzone. Die Krise des parlamentarischen Systems beginnt erst dann, wenn der Kampf gegen die Regierung sich zum Kampf gegen die Einrichtungen steigert. Ansätze dafür sind bereits vorhanden, aber bisweilen geht dieser Kampf nicht von den parlamentarischen Führern der Rechten aus, sondern von den journalistischen Heißspornen der Reaktion. Tardieu ist in dieser Beziehung noch ziem- sich leisetretend, der eigentliche Inspirator dieser Kam- pagne ist der junge Innenpolitiker vom„Echo de Paris", de Kerillis, der in seinem Blatt jeden Tag Auflösung der Kammer und Verfassungsrevision verlangt. Diese Varolen- können nur dann gefährlich werden, wenn sich eine Massen- stimmung des bürgerlichen Besitzes für sie einsetzt. Tardieu ist zu vorsichtig, um eine reaktionäre Demagogie zu treiben, und das„Echo de Paris" ist alles andere als der französische„Völkische Beobachter". Es ist das Blatt der Militärkreise und des reaktionären Klerikalismus, ein Blatt der konservativen Exklusivität und nicht der plebejischen Demagogie. Zwar ist die unruhige Stimmung der letzten Woche dazu geführt, daß sich am vergangenen Sonntag bei den Nachwahlen in Paris und in der Provinz ein gewisser Ruck nach rechts erwiesen hat, aber d:e Radikale Partei ist sehr hellhörig, sie beherrscht nicht nur die parlamentarische Routine, sondern hat auch größere Schlagkraft als die bürgerliche Rechte. Es wird Tardieu kaum gelingen, Herriot von der Macht zurückzudrängen. Wie wurde flUlier Reidisbisdiof? Er bradife Blomberg zo lillier Der Sdiarfriditer arbeitet Ein Verspredien, das erfüllt wird Ja, es werde» Köpfe rollen." Adolf Hitler. Zu den 13 Todesurteilen, die in D e s s a u verhängt worden sind, wird uns noch berichtet, daß nach dem Urteil nur zwei der für den Henker bestimmten Kommunisten wirklich an der Tat beteiligt waren. Bon den anderen zum Tode Ber- urteilten sagt der Gerichtshof nur, daß sie sich an der Er- morbung beteiligen wollten. Die Hinrichtung von sechs jungen Kommunisten im Gc- fängniShof zn Köln hat einen solchen Abschen hervorgerufen, daß der amtliche preußische Pressedienst sich veranlaßt sieht, längere Erklärungen abzugeben. Selbstverständlkch wird die tanze Schuld auf die Kommunisten geschoben und wirb ver- hwiegen, daß in den WahlkLmpfen der letzten Jahre in Köln Wich Kommunisten von den Nationalsozialisten ermordet Worden sind. Im Schlußsatz ber amtlichen Meldung wird Iesagt: Der preußische Ministerpräsident G ö r i n g hat die Begnadigung der Verurteilten abgelehnt, da es sich um einen organisierten Ueberfall der kommunistischen Unterwelt auf harmlose Nationalsozialisten gehandelt hat. Der Ueberfall geschah auf ausdrücklichen schriftlichen Be- fehl der örtlichen Kommune, die— wie bereits ermähnt— angeordnet hatte, daß die von ihr ausgeschickten schwer be- wasfneten Patrouillen auf Nationalsozialisten fahnden, sie auf Waffen untersuchen und bei Weigerung der Durch- suchung„umlegen" sollten. Daß dieser Befehl nur zum Schein die Untersuchung anordnete, tatsächlich aber den so- sortigen Mord jedes begegnenden Nationalsozialisten ver- langte, hat seine Ausführung durch die verurteilten Täter bewiesen. Sie haben die ihnen auf der Straße entgegen- kommenden Nationalsozialisten, ohne daß ein Wortwechsel oder irgendein Streit vorherging, und ohne baß sie die Gestattung der Durchsuchung auf Waffen von ihnen ver- langten, ohne weiteres niedergeschossen und die Beschießung solange wiederholt, bis zwei Nationalsozialisten tot auf der Strecke blieben und einer schwer verwundet sich nur durch Flucht retten konnte. Sie haben sogar auf die hilflos am Boden liegenden Schwerverwundetcn noch weiter ge- schössen. Durch solche rohe, feige und hinter- listige Mordtaten haben sich die Verurteilten selbst aus der Volksgemeinschaft für immer ausgeschlossen. Wir haben erst vor einigen Tagen berichtet, daß in Köln ber frühere Kriminalbeamte Weide genau in derselben „rohen, feigen und hinterlistigen" Art ermordet worden ist, wie es hier ber amtliche Pressedienst von einer kommn- nistischen Untat behauptet. Wo bleibt da das Urteil? Wo auch nur die Untersuchung? Wo ist ein einziger SA.- oder SS.- Mann für die nachweislich mindestens 800 Morde und tausendfachen Folterungen in Strafe genommen werben? Im Gegenteil: der Reichskanzler und ber preußische Ministerpräsident haben durch ihre Reben zur Ermordung von politischen Gegnern ermuntert. Der Reichskanzler hat die Mörder von Potempa, die„roh, feige und hinterlistig" leinen Kommunisten abschlachteten, durch ein Telegramm be- lobt und ihnen seine Treue versichert. Eine seiner ersten Taten war, diese„rohen, feigen und hinterlistigen" Mord- buben aus dem Zuchthaus zu befreien. So ist die Justiz und die Staatsräson dieses neuen Deutsch- land: Auf der einen Seite Massenhinrichtungen und auf der anderen Seite Duldung und Belobigung der Mordtaten, wenn sie im Interesse des herrschenden Regimes liegen. Das ist eine Saat voll Haß und Blni, die furchtbare Folgen haben muß. ..in Notwehr" Man schreibt uns: Sie haben sich ein Verdienst dadurch erworben, daß Sie die furchtbare Abschlachtuna des Privat- detekttvs Weide in Köln durch SA.- und SS.-Leute an die Oeffentlichkeit gezogen haben. Ein wichtiges Moment hat ihnen aber Ihr Gewährsmann nicht berichtet. Das national- sozialistische Organ, der„Westdeutsche Beobachter", brachte nämlich über die grausige Untat seiner Parteigenossen ledig- lich eine Notiz des Inhalts, daß Weide„in der Not- wehr" erschossen worden sei. Ans diese Art werben solche entsetzlichen Verbrechen straflos begangen. Viele Zeugen wissen freilich, daß von Notwehr keine Rede war. Weibe hat nicht einmal eine Waffe in seiner Wohnunng. Gegen- teilige Behauptungen sind erlogen. Nene Zeugen In Leipzig Leipzig, 1. Dez. Zu Beginn der Freitagverhandlung wer- den die Befchlüsse des Senats über die in der letzten Zeit von Dimitrosf gestellten Beweisanträge verkündet. Der Senat hat beschlossen, noch zwei Zügen aus Hennigsdorf zu vernehmen, und zwar die Frau Kraft geb. Schmidt und den damals im Obdachlosenasyl diensttuenden Beamten. A b g e- lehnt wirb die Vernehmung Thälmannb und die Ber- nehmung des früheren Reichskanzlers v. Schleicher und Dr. Brünings sowie des Vizekanzlers v. Papen und des früheren Reichsministers Dr. Hugenberg. Die Ber- nehmung einiger weiterer Personen mit dem Namen Dimi- troff wird ebenfalls abgelehnt, da als wahr unterstellt wer- den kann, daß der Angeklagte Dimitrosf mit dem wegen des Kathedralenattentats verurteilten Dimitrosf nicht identisch ist. ES folgt dann die von dem Angeklagten Torgler be- antragte Verlesung von Berichten von Polizeibehörden,>' wachsen die Proteste gegen Gleichschaltung und„Deutsw Christen". Advent für s..dritte Heidi" Die Liturgie wird im Hitler-Dienst umgestaltet Berlin, 80. Nov. Am ersten Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres, wird daS BolkSmissionarische Amt der Deutschen Evangelischen Kirche mit der Durchführung der volksmissionarischen Arbeit beginnen. Am ersten Advent»' sonntag wirb die Predigt in allen evangelischen Gottes- diensten über den gleichen Text gehalten werden. ES wir« e i n Lied, das Millionen evangelischer Deutscher zu der gleichen Stunde singen. Das große Wort Jesu vor seinem kaiserlichen Richter Pilatus: Ich bin dazu geboren und>» die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen son, wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme sJoh. 1?- 37s, und das kraftvolle Adventslied„Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit" werden dem deutschen Einheitssonntaa f cin inneres Gepräge geben. Zu den Gottesdiensten dieses Sonn- tags werden in erster Linie die christlichen Hausväter aui- gerufen. Darüber hinaus soll der ganze Dezemberm»-», dieser erste Dezember im Zeiche» des„dritten Reiches ä u einem vorweihnachtlichen deutschen Advent gestaltet werden- Deutsche Adventssitte, deutsche Adventsbräuche und deutsche Adventslieder sollen im Raum der Kirche lebendig werben- Am Nachmittag des zweiten Adventssonntags wird darum in allen Gemeinden der evangelischen Kirche eine liturgti« ausgestaltete Feier des deutschen Advents veranstaltet. Der Ruhrkaplan Warum er sechs Monate«ekSnsnls bekam Jeder, der das Ruhrgebiet kannte, wußte auch etwas von dem„Nuhrkaplan" Dr. K l i n k h a m m e r. Er war ein Pio- nier unter der jüngeren Generation katholischer Geistlicher, sozial, kämpferisch, Inhaber einer scharfen Kling? in Wort- und Schrift. Ihm war es gelungen, katholische Proletarier, die schon vom Glauben abgefallen waren, wieber zur Kirche zurückzuführen. Darum gab ihm die katholische Hierarchie einen ziemlich weiten Spielraum, obwohl die höhere Geist- lichkcit oft über das Auftreten des jungen Kaplans entsetzt war. In dreitägiger Verhandlung hat jetzt ein Nazi-Gericht in Essen dem Kaplan heimgezahlt für alle«, was er dem braunen Terror früher an Wahrheiten sagte. Ei wurde zu sechs Monate» Gefängnis verurteilt- Was soll er getan haben? Die Anklage wirft ihm vor, er habe in einem von TA. und SS. zum 41. Geburtstag Hitlers gewünschten Gottesdienst folgende Beußerungen getan: „Wenn es dem Herrn Reichskanzler Hitler nicht gelingt, in Kürze Arbeit und Brot für das Volk zu schasse», dann werde», so befürchte ich, die Braunhemde» i«r zeigte aus die anwesenden Nationalsozialisten! die Waffen, die ihnen jetzt von ihren Führern gegeben worden sind, einst gegen de« Führer richten nnd diese mit ihre» eigenen Pistolen totschießen würden." Dr. Kliukhammer erklärte dazu, er habe diese Sätze nicht in dem hier angedeuteten Sinne gepräpt, er habe„b e- fürchtet", daß so etwas geschehen könnte, wenn Hitler sein Regierungöprogramm nicht durchführen könne. Sechzig Zeugen, unter ihnen nur sieben Belastungs- zeugen, traten aus. Die allermeisten bestätigten die Bc- kundung Dr. Klinkhammcrs. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt 1 Jahr und 8 Monate Gefängnis. Der Staats- anmalt bezeichnete den Angeklagten n. a- als den„größten Hetzer des Ruhrgebietes". Das Gericht verurteilte, wie wir schon kurz meldeten, Dr. Klinkhammer zu 6 Monaten Gefängnis. wobei ihm die Untersuchungshaft angerechnet wurde. Der Erlaß eines Haftbefehls wurde abgelehnt, aber die von der Polizeibehörde verfügt« Schutzhaft bleibt bestehen. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß die Aus- führungen des Angeschuldigten geeignet gewesen seien, den öffentlichen Frieden erheblich z» stören. Dem Angeklagten sei als Seelsorger eine große Verantwortung auserlegt. Seine Worte müßten besonders in den Herzen einfacher Lente zünden... Von noch größerer Zündkraft dürste freilich die Gefängnis- strafe für Dr. Klinkhammer sein. Er hat nur ausgesprochen, was hunderttausende von Jndustrieproletariern dachten, was mutige Hände vieltausendsach an die Wände schrieben:„Gibt uns Hitler bis Weihnachten kein Brot— Dann schlagen wir ihn tot!" Ka'hoPsdie Blsdtfife atz»„Vo'hs- verräter" und„VolKsverderher" Der Gauleiter Florian sagt es. Der Glaube, daß es der bisherigen Zentrumspresse ge- fingen würde, sich wenigstens noch als„katholi che Presse" erhalten zu können, wird mehr und mehr zerstört. In jüngster Zeit waren die alten Zeitungen des Industrie- gebietS in eine lebhafte Werbeaktion eingetreten, wobei sie sich auf bischöflich« Kundgebungen stützten- Tie nationalsozia listischcn Zeitungen witterten Konkurrcnzgesahr fur die Alleinmacht ihrer Presse. Darum veranlasste sie ietzi de Gauleiter Florian in Düsseldorf zu einem scharfen Antr»' gegen diejenigen, die für Zeitungen nnter Hervorkehrung ihres konfessionellen Charakter« iverben. Man höre die Sprache dieses Herrn: „Bolksverderber"—„Verräter an der schwer erkämpfte« deutschen Einheit"—„Gewisse Elemente habe« es gewagt, für dir eine od«r andere Saal' in zersetzendem Geiste Stimmung 1« machen."„Ich werde jeden neuen Versuch dieser 3 er' setzung und Schürung der alten Zwietracht rücksichtslos Interesse der Bevölkerung, die sich jahrelang der nach dem 12. November hergestellte,, Einigkeit gesehnt hat. de« kämpfen."—„Ich werde es nicht dulden, daß künftig der Zwiespalt zwischen den beiden Konfessionen und damn zwischen dcutschen Menschen ausgerissen wird." Pg. Florian schreitet dann ehern zum Verbot. Wenn«r noch einmal feststellen würde, daß in die Kirchen politische Tendenz hineingetragen wird und die Stätten der Erbauung mißbraucht werden, dann werde er sich schützend vor die Reinheit der Gottesstätten stellen! Was aber sagen die katholischen Bischöse, die Garanten de« Konkordats im Hitlerreich, zu Herrn Florian in Düsseldorf Sie haben die Ausrufe zur Förderung der katholi'che» Presse erlassen. Aus ihre Weisungen stützt sich die katholische Presse bei ihrer Werbung. Sie haben den Klerus aufgefordert, ihr den Weg zu ebnen, um die katholische Ueberlieserung und GlaubenSkraft dem Volke zu erhalten. Jetzt bezeichnet sie Herr Florian in einein autoritative« Befehl als„Bolksverräier" und„Bolksverderber". KOlner Kardinal gegen Nazi-florlan „Wir verlangen Freiheit für die katholische Presse!" Eine Erklärung des Erzbischöslichen General- vikariatS Köln richtet sich ganz offensichtlich gegen die tolldreiste Verfügung Florians. ES heißt darin: „Gegenüber neuerlichen Versuchen, öffentlich die Existenz- bcrechtignng von Zeitungen zu bestreiten, die sich in allen Teilen ihres Inhalts nach der katholischen Glaubens» und Sittenlehre richten, sehe» wir uns genötigt, die Katholiken der Erzdiözese an solgende Sätze aus der letzten Psingstkund- gebung der deutschen Bischöfe zu erinnern:„Soll der neu« Staat ein christlicher sein und die katholische Kirche ibre Freiheit genießen, so wird sie auch berechtigt sein müssen, einekatholischePresse,«besitzen. Wir meinen damit jene, die mit den Tagesboischasten den katho« tischen Geist in die Seele ihrer Leser leitet und die Ereignisse des Menschenlebens und Weltgeschehens am Maßstab de« Christentums mißt und im Spiegel der Ewigkeit beschaut. Die Kirche kann auf dieses modernste Seelsorgcmittel aus keinen Fall verzichten und muß sttr sie jenes Maß von Freiheit verlangen, das ihre segensreiche Wirksam- reit ermöglicht, wenn sie nicht wahrnehmen will, daß sich die im gotteödienstlichen Leben gesammelten und in den katho- tischen Organen»ertieften Kenntnisse und Entschließungen in der Flut einer religiös unbestimmten Tagespresse ver« wässern." Das Industriegebiet gehört größtenteils zur Erzdiözese Köln. Die Haltung des Nazi-Gauleiters Florian steht also im schroffen Gegensatz zn den Anordnungen des katholischen Kirchenfürsten. Brief an das Reldisgeridit Falsdie Aussagen der Belastungszeugen Rechtsanwalt Dr. Detscheff. der Verteidiger der bulgari- ichen Angeklagten, der verhaftet und aus Deutschland aus- gewiesen wurde, übergibt dem Verteidigungskomitee fur Reichstagsbrandprozeß folgenden Brief zur Ver- °ffcntlicf)ung: „An den Herrn Vorsitzenden des 4. Strafsenats des Reichsgerichts Leipzig. Sehr geehrter Herr Präsident! Die Zeugen Polizeikommiflar Heisig, Hintze, Polizeispitzel, xaman, erklärter Nationalsozialist,«oedermann. gleichfalls Nationalsozialist, und andere haben van der Lübbe Er- klarungen und Geständnisse in den Mund gelegt, die er nie- ?'als gemacht hat. Sie haben außerdem ausgesagt, van der A-bbe habe Reden gehalten und dies alles m deutscher Sprache. Sie behaupten nämlich, van der Lübbe spreche voll- kommen deutsch. ..Aus Grund dieser Geständnisse und Erklärungen bringt die Anklageschrift van der Lübbes Tätigkeit mit jener der vler anderen Angeklagten Dimitroff. Torgler. Popoff und Taneff in Verbindung. Aus Grund dieser falschen Aussagen werden Sie morgen die Angeklagten verurteilen. ^ Alle diese Zeugen lügen in zynischer Weise. Nie hat van der Lübbe solche Geständnisse gemacht oder derlei Er- klärungen abgegeben oder Reden gehalten. Jan der^ ubbe Die Vorbereitung spricht nämlich nicht nur nicht deutsch, er versteht sogar nicht einmal deutsch. Im Laufe der Verhandlung hat van der Lübbe nur zwei- mal gesprochen, und zwar in holländischer Sprache. Auf Dlmitroffs Fragen,„ob er die Anklageschrist gelesen habe", serner,„ob er die Anklage verstanden habe", erwiderte van der Lübbe, daß er fast gar nichts verstanden habe. Ich und meine Kollegen, die ausländischen Anwälte, die von den Angeklagten als Verteidiger gewählt worden waren, hatten Dr. Teichcrt ersucht, einen Antrag auf Ladung der Frau Kroone als Zeugin zu stellen. Frau Kroone, beeidigte Dolmetscherin, hatte im Ansang als Dolmetscher van der Lübbes fungiert. Sie war von dem Untersuchungsrichter ver- abschiedet worden, weil sie sich geweigert hatte, ein Proto- koll zu unterschreiben, in dem Aussagen van der Lübbes ent- stellt wiedergegeben worden waren. Frau Kroone soll darüber aussagen, inwieweit van der Lübbe deutsch spricht, bzw. deutsch versteht.— Herr Teichert hat den von uns erbetenen Antrag nicht gestellt. Herr Präsident, Sie haben als Zeugen Dutzende von Poli- zeibeamten, Spitzeln. Dieben und Verbrechern geladen. Nach den von van der Lübbe am 23. November ab- gegebenen Erklärungen wiederholen wir öffentlich die For- derung auf Ladung von Frau Kroone, deren Adresse der Untersuchung bekannt ist. Sic wird einmal mehr beweisen, daß die eingangs erwähnten Zeugen, wie alle anderen Be- lastungozengen falsche Aussagen erstattet haben." Die Verhandlung Flordproicß und Torturen rollerungen enter Grammoionkiangen Hamburg. Aus verbürgter Quelle erfahren wir er- schütternde Einzelheiten über Folterungen politischer Ge- fangener in Hamburg. Die Grausamkeit derNazis m Hamburg sind dadurch verschärft, daß der Rückgang des deutschen Außenhandel eine katastrophale Krise der Hafen- stadt und mit ihr Zersetzungserscheinungen besonders schwerer Art innerhalb der Nazi-Anhängerschaft hervor- gerufen hat. Mitte November wurde durch baS K. z. b. V.(Kommando zur besonderen Verwendung) unter anderen der frühere kommunistische Landtagsabgeorbnete Mathis Thesen und der kommunistische Funktionär Karl Rathey ver- hastet. Thesen, der wegen seiner Verweigerung der Aussage Tag und Nacht in Ketten liegt, ist, ebenso wie Rathcy wieder- holt unmenschlich gefoltert worden. Die Torturen erreichten einen solchen Grad, daß beide Gefangene schließlich, um weiteren Folterungen zu entgehen, sich in der Esscnopause die Pulsader öffneten. Nach den letzten Meldungen liegen sie im Lazarett. Die Gefangenen werden mit Gummiknüppeln, Stahlruten, Peitschen, Ketten, lange» Lederriemcn und Ochsenziemern geschlagen. Als Leiter der Torturen fungieren Leute der Ge- Heimen Staatspolizei. Das„Berhör"-Zimmcr des Ham- burger Stadthauses ist mit Lenin-Bildern, Sowjetsahncn u. dergl. ausgestattet: bei der Vernehmung spielt ein Grammo- son revolutionäre Märsche und Rezitationen. Der kommunistische Funktionär Saefkom wurde so zu- gerichtet, daß er, weil er hinkte, kaum noch den täglichen Spaziergang auf dem Gekängnishos mitmachen konnte: gegenwärtig schwebt er in Lebensgefahr. Die Hamburger SA. erzählt, daß ein Monstre-Prozeß gegen IS« Funktionäre der KPD. Wasserkante tn Kürze auf- gezogen werden soll. Erschossen Wegen eines kleinen Disziplinarvergehens wurde der kommunistische Funktionär Härtung im Konzentrationslager Fuhlsbüttel von der SS.-Wachc erschossen. Gleichen Tages wurden zwei wettere Arbeiter in diesem Lager erschossen, deren Namen noch nicht bekannt sind. 3000 Tf rroriaue- 800 Florae Aus den Mitteilungen des Untersuchungsausschusses zur Ausklärung der Greuel wird bekannt, daß sich unter seinem Material über 3 0 0 0 beglaubigte Terrorfälle be- finden und über 800 von der deutschen Press--». gegebene Morde in Hitler-Deutschland. ilttlergrno oder hungern! Deutsches Recht und deutsche„Volksgemeinschaft" In einem großen industriellen Werk tn Köln-Dcutz ist eS üblich, daß die Belegschaft den„deutschen Gruß" anwendet. Nur ein etwa 24jährigcr Angestclter antwortete stets auf den „deutschen Grub" mit den jeweiligen Tageszeiten. Er wurde deswegen zur Rebe gestellt. Der Angestellte bemerkte, daß ihm das widerstrebe, er tue das nur, wenn er dazu gezwungen werbe. Hierauf erfolgte seine fristlose Entlassung. Der Entlassene erhob nun am Arbeitsgericht Klage aus Zah- lung einer Kttndigungsentschädigung. Hier vertrat er auch seinen obigen Standpunkt. Er sei der Ansicht, baß er nicht zum„deutschen Gruß" gezwungen werden könne. Die frist- lose Entlassung sei daher ungerechtfertigt. Der Vertreter der beklagten Firma wandte ein daß ein Zwang durchaus nicht ausgeübt werde, aber er sei der Ansicht, daß man der Firma nicht zumuten könne, einen Angestellten weiter zu beschäftigen, der sich bewußt außerhalb der bestehenden Arbeitsgemeinschaft stelle. Wer sich bewußt außerhalb der Volksgemeinschaft stelle, könne nicht verlangen von ihr ernährt zuwerden. Denn nicht der Arbeitgeber als solcher vergebe die Arbeit, sondern letzten Endes das ganze Volk- Der Vorsitzende schloß sich diesen Ausführungen an und empfahl dem Kläger im eigenen Interesse, die Klage zurückzuziehen, da er, wenn die Klage abgewiesen werde, auch noch die Gertchtskosten zu zahlen habe. Der Kläger folgte dem Rate. Rundfunkhörer verhaftet In Erlangen wurden sechs Arbeiter verhaftet, weil sie Moskauer Rundfunkübertragungen gehört hatten. Eint Zelle, ein Hol eine Flauer* Von Ernst Toller (Schluß.) Leise öffnet sich die Tttrklappe, ein junger Wärter in Mili- täruniform steckt seinen Kops in die Zelle: — Genosse... Ich laufe zur Tür, ich bin nicht allein. — Ich war Rotgardist, als die Weißen einzogen, haben wir unsere roten Binden abgerissen. Du bist in der Zelle von Levine. Tie.Klapptüre schlägt zu. Diese Zelle hat Eugen Leoine bewohnt, bevor er zur Mauer ging, drüben im Frauen- gckängnis lag in einer Zelle schreiend seine Frau, sie preßte die Hände an ihre Ohren, um nicht die Schüsse zu hören, die ihn töteten.' Lärm tost im Bau, zack, schlagen die Riegel zurück, zack, tas Kosttürchcn fliegt aus, der Hansel bringt mir das Mit- tagessen, ein Stück stinkenden amerikanischen Speck und Sauerkohl. — Wer liegt rechts neben mir? frage ich. — Ein Raubmörder, der auf seine Hinrichtung wartet. — Und links? — Ein Lebenslänglicher. — Wo sind die anderen politischen Gefangenen? — Drüben im andern Zellenbau. In der Nacht weckt mich das Knattern von Maschinen- gewchren. Was bedeutet das? Neue Kämpfe? Werden wir befreit? Das Knallen verstummt, beginnt von neuem, einzelne Schüsse rollen in die Nacht, Salven spritzen gegen die Backsteinmauern. Am Morgen erzählt mir der Wächter, es werde immer nachts geschossen, die Soldaten tätens zu ihrem Vergnügen, er habe sich daran gewöhnt, ich solle mich nur nicht am Fenster zeigen, gleich knallten die Gewehre. Die Erschießung Levineö hat die Menschen erregt, man fürchtet, daß mich das gleiche LoS treffen wird, in allen Ländern regen sich die Kräfte der Solidarität. Am zweiten Tag werde ich zum Spaziergang in den Hof geführt, allein gehe ich im Quadrat des kleinen gepflasterten Hofs, zwei Wächter bewachen mich, an den Fensterflügeln des Gefängnisses hängen Soldaten, sie schimpfen und johlen. Die Schatten der toten Kameraden begegnen mir. ich sehe die Mauer, an der sechSunbdreißig Menschen erschossen wurden, von zahllosen Kugcleinschlägen ist sie durchlöchert, vertrocknete Fleischteile. Gehirnfetzen. Haare kleben daran, die Erde davor narben eingetrocknete Blutlachen. Ich zähle an der Mauer die Einschläge, der Wärter erzählt, warum sie so tief sitzen, die betrunkenen württembcrgischen Soldaten Helten nach Bauch und Knien...Du darfscht nit gleich ver- recke. Du spartakischte Hund, a Bauchschußle muschte hawe". sagten sie.^ Ich siebe vor der Mauer und friere. Hier wurde der Knabe erschossen, der einem Rotgardisten Munition acbracktt batte. Hier starb die Frau. die. um ihren Liebsten zu retten, seine Handgranate auf ihrer Brust verbarg. •> AuS dem Buch ,,(J I it e Fugend in Deutschland-, da» im Berlag Querido, Amsterdam, erscheint. Hier war Levine mit dem Ruf„ES lebe die Weltrevolu- tionl" zusammengebrochen. Eine kleine Tür trennt nnS von dem Hos deS Frauen- gefängnisses, in dem Gustav Landauer erschlagen wurde. Ucber den Hos geht ein junger Mensch mit verbundenem pausbäckigen Kindcrgesicht,„Eisners Mörder, Graf Arco", sagt der Aufseher. Dieser lächelnde Knabe ist EiSners Mörder, der Tat dieses Kindes folgten die Schüsse aus Auer, die Wirren, die Räte- republik, die Niederlage, das Wüten der Weißen. Ich kann nachts nicht schlafen, ich höre eine Stimcke jammern:... — Ich bin unschuldig, ich bin unschuldig! Gegen Morgen wird es still. Während ich spazieren gehe, überqueren zwei Frauen den Hof, eine junge Faru, gestützt auf eine alte, die alte ist stumm, ihre Lippen pressen sich, die junge schreit unaufhörlich. — Mein Mann, mein Mann, ich will meinen Mann haben! Die Wärter führen die Frauen zu einem kleinen Schuppen im Winkel des Hoss. Sargkisten aus grobem Holz liegen dort, auf Vorrat, ich betrachte sie jeden Tag. Die junge Frau stürzt sich über einen Sarg lind bricht zusammen: — Meinen Mann will ich haben, jammert sie, gebt mir meinen Man», plötzlich schnellt sie auf.„Einen solch häßlichen Sarg habt Ihr ihn, gegeben!" Eines Tages ruft mich der Ausseher in ein Bürozimmer zur Vernehmung. Im Korridor des Erdgeschosses erblicke ich sechs Leute in Mannschastsuniform, Studenten und Offiziere, man sieht es Gesichtern und Gesten an. — Da ist er, ruft einer. Nach der Vernehmung führt mich der Aufseher wieder nach oben, die sechs Soldaten, die immer noch im Korridor stehen, folgen uns schimpfend auf den Fersen. — Tu roter Lump. Tu roter Hund, Du Spartakistenaas, warte nur. die Kuael ist schon für Dich gerichtet, jetzt hat Deine Stunde geschlagen! Der Ausscher schließt die Etscntür auf, die zum Zellen- gang führt, ich gehe hinein, die sechs bleiben vor der Tür stehen. Nach einer Stunde öffnet der junge Wärter das Kost- türchen.^rr voller, lassen Sic sich nicht auf den Tpazierhof führen, ich stand vor der Tür des Vernehmungszimmers und hörte, was die sechs Soldaten mit Ihnen vorhaben, sie sagten, jetzt sei eine gute Gelegenheit. Sie um die Ecke zu bringen. Als einer fragte, wie denn, schlug ein anderer vor, wenn er auf den Svazierhof geführt wird, gehen wir mit, einer tritt ihm auf die Fersen, daß er aufspringt, das wäre dann Fluchtversuch. Der Gangaufseher ruft„Spazierhos", ich folge iüm. Vor dem Eisengittcr deS Zellenganges lauern wirklich die sechs. Wir gehen die Treppe hinunter, die sechs folgen schweigend. Sekunden habe ich Angst, oft hatte ich von solchen „Erschießungen auf der Flucht" gelesen, dann fühle ich nichts mehr, ich sehe. Ich sehe, daß an einigen Stellen der Wand Mörtelkelle sich abgelöst haben ich sehe, daß der Kragen deS Aufsehers speckig ich, ich sehe, daß neben dem linken Ohr des Aufsehers ein großer roter eitriger Pustel schwört. Wir stehen vor dem Eisengitter des Zellengangs im Erb- gcschob durch das eine Seitentür in den Spazierkoi sükrt. Ter alte Aufseher Müller, der wie der junge den Plan der sechs kennen mußte, hatte nicht gewagt, mich zu warnen, er mußte mich auf den Spazierhos führen, die Vorschrift ver- langt es, am Eisentor aber handelt er nicht nach der Bor- schrift, er sperrt das Tor auf, gibt mir einen Stoß, folgt schnell, dann schließt er das Tor von innen zu. so rettet er mir das Leben. Ich melde mich beim Gesängnisdirektor und berichtete den Vorfall, eine Woche später läßt er mich rufen, meine Än- gaben hätten die Aufscher bestätigt, aber man habe nicht feststellen können, welche Truppe an jenem Tag in Stadel- heim Dienst getan, alle Nachforschungen nach den sechs Sol- date» seien vergeblich. Ich erkranke, eine Operation wird notwendig. In der chirurgischen Klinik liege ich in der Krankenstube der Ge». sungencn, das Fenster ist mit engen Stäben vergittert, selbst der Fiebernde ist fluchtverdächtig. Vor der Tür stehen zwei Soldaten mit Revolver» und Handgranaten, im Neben- zimmer wachen Kriminalbeamte. In der ersten schlaflosen Nacht nach der Operation klingele ich, ich möchte einen Schluck Wasser trinken, Durst quält mich, ich kann mich nicht rühren. Eine junge Nonne öffnet behutsam die Tür. am Ein- gang neben dem Weihwasscrgefäß bleibt sie stehen, taucht ihre Finger hinein und bekreuzigt sich. — Wasser bitte, sage ich. Sie eilt hinaus, nach einer Weile kehrt sie zurück, ein Glas Wasser in Händen. Ihre Hände zittern, ihr Gesicht ist bleich, ängstlich stolpern die Füße ein paar Schritte, äugst- lich verharrt sie, flackernden Schreck in den Augen. — Darf ich Sie bekreuzigen? flüstert sie. Ich sehe sie fragend an. — Alle Schwestern sagen, Sie sind der Teufel. Ich lache, das Lachen tut mir weh, sie wird rot, hastig stellt sie das GlaS hin. — Erlauben Sie eS, sagt sie bittend, sie schlägt das Kreuz über mein Bett, sie gibt mir zu trinken und läuft davon. In der nächsten Nacht sieht sie wieder nach mir, ohne daß ich geklingelt habe, und nun kommt sie jede Nacht, sie bat keine Angst mehr, sie letzt sich zu mir ans Bett, zutraulich spricht sie von ihrem Heimaidorf in Oberbancrn. von ihre», Bruder, der einen Bauernhof besitzt, wie ärmlich er lebt, wie er sich plagt und so schwer durchbringt, dabei mutz er noch für die alte Mutter soraen, die Kub gibt wenig Milch, und die Städter drücken den Preis, ein Pferd hätte er auch, ein Schimmel, früher hätte sie ihn aesüttert, wenn sie über den Hof zum Stall qing. hat er aewi-hert, nein, ietzt fährt sie nicht mehr nach?>ai»«. sie sei Jesu Braut und habe Abschied genommen von der Welt. Einmal fragt sie mich:„Glauben Sie an Gott?" Ehe ich noch antworten kann. Gricht sie schon, ihre Stimme verrät, daß sie sich vor meiner Antwort fürchtet: — Viele Menschen sagen, sie glauben nicht an Gott, und doch wohnt Gott in ihren Herzen. In der Nacht benor ick' entlassen werbe, beugt sie sich über mein Bttt und küßt mich. Am Moraen, draußen wartet schon der Getanaenenwagen, '»mint schüchtern eine Novize, heimlich gibt sie mir ein Päckchen: „Schwester Ottmar« schickt es Ihnen, ein kleines Kreuz. eS ist sehr beilig, eS ist ein Rcliquienkreuz, es soll Sie schützen, immer, Ihr ganzes Leben." Vic rurdil for der Teuerung Steigende Preise- Stabile oder sinkende löhne Verschlechterung des Lebensstandards Die»Neue Züricher Zeitung" schreibt: Trotz dem Banne, mit dem von samtlichen maßgebenden Stellen aus Preissteigerungen und Tarisunterbietungen be- legt werden, trotz geradezu drakonischen Strafmaßrcgcl» list doch kürzlich z. B. der Vorsitzende des rheinisch-westfälischen Ko hlen Handels abgesetzt und in Schutzhaft genommen wor- den, weil er in den ausgeschlossenen Berussvereinigungen Preissteigerungen„durchführte ober sie doch billigte und selbst noch vor Regierungsinstanzen in unmöglicher Weise zu begründen versucht..."!, erweisen sich eben die Verhält- nisse manchenorts stärker als die Programme|So ist beispielsweise soeben ein llprozentigcr Aufschlag auf Konser- vengläser bekanntgegeben worden, der scheinbar nicht als „Sabotage" der Regierungsparole verhindert werden konnte.! Die amtlich erfaßten Lebenslust en zeigen denn auch eine zähe Neigung zu weiterem Ausstieg: (1018=14=100) Okt. 1982 Aup. 1933 Sept. 1938 Okt. 1938 Lebenskosten 119 118 119 120 Nahrung 110 110 111 112 Die Ausschlüge bei Schweinefleisch, Speck, Schmalz und Butter sind besonders unangenehm empfunden worden: sie stehen aber in so engem Zusammenhang mit den Ergebnissen der Regicrungspolitik selbst iVerweiidungszwang für Schweinefett bei MargarineHerstellung: Buttereinsuhrbeschränkung usw.), daß man ihnen nicht durch bloße Verbote betkommen kann. ES ist denn auch Mitte November wenig- stenS auf dem Gebiete der Fettversorgung eine Entlastung aus anbcrm Wege versucht worden, nämlich durch bedeutende Erweiterung des Kreises jener, die zum Bezug von Verbilli- gungsscheinen berechtigt sind: außerdem wird die, bekanntlich zugunsten der Butterkvnkurrenz mit Erzeugungsrestiktion belegte Margarineindustrie mit Zusatzkontingcnten verleben und dadurch diese billigste Fettart der Bevölkerung wieder in größerem Maße zugänglich gemacht. Schwierig ist auch in der Praxis das Einschreiten gegen Unterschreitnngen der Lohntarise, wie sie ziemlich stark ver- breitet sein sollen. Verhältnismäßig einfach gestaltet sich die Bekämpfung da, wo der geltende Tarif offen mißachtet wird, aber weniger aussichtsreich überall dort, wo eine Umgehung durch Ueberzeitarbeit, Urlaubskürzung usw. betrieben wird, was besonders im Gast- und Metzgcrgcwerbc zu Klagen An- laß gibt. Im allgemeinen ist immerhin die Gefahr eines weiteren Reallohnabbauö von der Lohnseite her geringer, als jene von der Preisseite her. Es könnte sich höchstens ergeben, daß der starke moralische Druck zur Aufrechter- Haltung der Gesamtbelegschaft, unter dem die gesamte Volks- Wirtschaft nun auch in der ungünstigen Jahreszeit steht, eine Neuauslage des Vorganges im Frühsommer 1933 nach sich zieht, wo unzweifelhaft die Masseneinstellungen von Arbeits, losen mit weitreichender Arbeitsstreckung salso auch Einkom- menskürzung für die Beschäftigten! und auch mit sehr ver- breiteten direkten Gehaltskürzungen in den höheren Gehalcs- stufen erkauft worden waren. „Ständisches" als Vorwand Die von Dr. Silland herausgegebene Korrespondenz der NS.-Hago enthält eine bemerkenswerte Betrachtung deS Amtsleiters der bayrischen Ostmark, Dipl.-Kanfmann Lin- Hardt, zu den Preiserhöhungstcndenzen, deren Inhalt in die gleiche Richtung weist, wie die Ausführungen in unserem Greoor KuRtn s Leitartikel„Konjunkturankurbclung. Preispolitik und Wctt- bewerb" in Nummer 837. Dr. Linharbt wendet sich scharf gegen alle eigennützigen Elemente in der Unternehmerschaft und fährt dann fort: „Zu jenen Elementen rechne ich n i ch t jene Unternehmer, die auf Grund ihrer Stellung im Markte am Ende der Pro- duktion oder Verteilung stehend den ganzen überhöhten Kostcndruck mächtig spüren und automatisch aus Gründen der Selbstcrhaltung zu Preiserhöhungen gelangen müsien, son- dern vor allem jene Unternehmer, die irgendeinen Produk- tionözwcig monopolartig beherrschen oder sich dieses Monopol schaffen. Nicht jene Preiserhöhungen weiter sind zu bekämpfen, die aus Grund einer gesunden Konjunktur unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetzen gemäß in Erschei- nung treten, sondern jene, die entstehen, wenn monopolartige Gebilde sich konstituieren. Was aber nunmehr rücksichtslose Anprangerung erfordert, ist folgendes: Der ständische Aufbau der Wirtschaft ist nach dem Willen des Führers schon im August dieses Jahres zurückgestellt worden. Es hatte sich gezeigt, daß vielen Leuten in der Wirtschast die Er- reichung einflußreicher Stellungen in wirt- schastlichen Verbänden wichtiger war als die Bc- kämpfung des Arbcitölosenclends. Demgegenüber hat der Führer festgestellt, daß Arbeit für alle deutsche Volksgenossen zu schaffen die einzige grobe heilige Pflicht aller Deutschen selbst ist. Um diesen Befehl des Führers jedoch kümmern sich jene Schädlinge nicht. Sie bauen unentwegt„ständisch" auf, bilden„Fachgruppen" und führen damit eine unsaubere Mischung von— übrigens gar nicht gewünschtem— stän- dischen Ausbau und Preiskartell durch. „Preis-Egoisten" Die„Vossische Zeitung" lamentiert: Die benachteiligten Gewerbczweige geraten dann wo- möglich in eine Zwickmühle, eine bittere Erfahrung, die in der letzten Krise der Maschinenbau lange Zeit hindurch hat machen müssen. Die Vorprodukte einer solchen Industrie sind kartelliert, die Selbstkosten steigen also mit den Kartell- preisen. Die eigenen Erzeugnisse müssen aber zu sinkenden Preisen verkauft werden, und die Gewinn-undBerlustrechnung wird von beiden Seiten her eingeengt. So entsteht ein Krisenherd, und die Krise schlägt mit Gewißheit auch die Industrie der Vorprodukte zurück, die geglaubt hatte, sich durch ihre Kartell-Preispolitik aus dem Getriebe der Konjunktur herausziehen zu können. Ein Entsprechendes gilt von dem Einkommen der Arbeitnehmer, an dessen Steige- rung nicht zu denken ist, so lange die Arbeitslosigkeit nicht nennenswert eingedämmt ist und solange aus den Welt- Märkten Länder mit entwerteter Währung Dumping treiben. In ihrer Kaufkraft dürfen die Löhne und Gehälter, wenn sie schon nirfst erhöht werden können, nicht geschmälert wer- den. Dabei kommt eS nicht nur darauf an, das Realeinkom- men tatsächlich zu stützen, sondern es ist auch erforderlich, dem Arbeiter ein Gekühl der Sicherheit zu verleihen, das Ge- fühl, daß sich die Besserung der Geschäftslage nicht etwa auf seine Kosten vollziehe. Hinsichtlich der wirtschastspolitischen Methode bestätigt die Praxis der Kartelle während der letzten Monate die alte Erfahrung, daß mit bloßen Warnungen und Maßnahmen nichts erreicht wird... • Dazu ist nur zu sagen, baß bisher nur von Warnungen, Mahnungen und ähnlichen papiernen Einiprüchen die Rede mar. Hitler schafft Arbeit!" ES lohnt schon, die Hitlcrsche Arbeitsbeschaffung etwas näher zu betrachten. Zunächst ist festzustellen, daß cS sich— von anderen Beweggründen abgesehen— um eine Nachäffe- rei italienischer Methoden handelt. Das faschistische Italien hat seit der Machtübernahme zirka 20 Milliarden Lire für öffentliche Arbeitsbeschaffung eingesetzt. Berühmt sind die Straßenbauten Mussolinis. Das läßt Hitler nicht schlafen. Im Zug der Gedankengänge der„Hafraba", die in der ver- flofsenen Republik starke staatliche Förderung erfuhr, hat Hitler den ersten Spatenstich zu einer technisch hervorragend projektierten Autostraße geführt. Das Projekt hat nur den Nachteil, daß es in den Zeitraum der von dem Führer so sehr gehaßten„vierzehn Jahre" zurückreicht. Italien hat aber iehr zum Unterschied von den Methoden des„dritten Reichs" die Finanzierung seiner ausgedehnten Bauvorhaben durch Ausgabe von Anleihen durchgeführt und es dabei ver- standen, die Privatbanken so unter Druck zu setzen, daß die Beteiligung an den aufgelegten Anleihen zu einem Zwange wurde. Ganz im Gegensatz hierzu wird die Arbeitsbeschas- sung im„dritten Reich" und die Mobilisierung des für die öffentlichen Körperschaften benötigten Kredits in sehr aus- gedehnter Weise auf dem Rücken der öffentlichen und nicht der Privatbanken und zu Lasten der öffentlichen Spar- lassen vollzogen. Während es Mussolini»nd seine Finanz- minister Mosconi und Jung verstanden, die Herrschaft über die Privatbanken zu sichern, ist es in Hitler-Deutichland um- gekehrt: hier beherrschen die Privatbanken das Reich! Mussolini hat in seiner öffentlichen Arbeitsbeschaffung eine richtiggehende Planwirtschast entwickelt nnd in der Znrückdrängung des Privatunternehmertnms sozialistische Grundsätze verwirklicht. Anders Hitler! Dieser ncndentsche Gott gestattet dem Privatkapital, daß eS sich bei Durch- sübrnng der Sssentlichen Arbeite» gründlich die Hände wäscht. DaS Problem der öffentlichen Arbeitsbeschaffung hat in der ganze» Nachkriegszeit eine oft sehr bedeutende Rolle gc- spielt. Volkswirtschaftlich wertvolle, möglichst rentable Ar- beitSbeschasfungSmaßnahmen haben besonders in den Iah- rcn seit 1923 die Arbeitslosigkeit stark herabgemindert. DaS Streben der öffentlichen Verbände, der Sozialdemokratie in bleich, Ländern und Gemeinden und der freien Gewerkschaf- ten, tarifmäßig bezahlte Arbeit an die Stelle unproduktiver Unterstützung zu setzen, wurde jahrelang befehdet durch einen auch schon der Republik sehr mächtigen Mann: den früheren und jetzigen Rcichsbankprästdenten Dr. Schacht. Dr. Schacht war es, der dafür sorgte, daß zahlreiche Arbeits- beschafsungspläne linksstehender Kommune» zu einer Zeit unter den Tisch fielen, da die Wirtschaft in der Lage gewesen wäre, die entstehenden Kapitaldienstverpslichtungen zu tra- gen. Dr. Schacht war es, der günstige Änleihemöglichkeiten deutscher Großstädte und öffentlicher Banken zerschlug, der- selbe Dr. Schacht findet heute auch gegen die unsinnigen Ar- beitSbcschaffungsproickte nichts zu erinnern. Denn heute „schafft Hitler Arbeit!" Das ist etwas ganz anderes. Da ver- steht sich Herr Dr. Schacht noch zu weit mehr! Er fragt nicht nach der Sicherheit der für überflüssige Arbeitsbeschaffung?- maßnahmen ohne Rentabilität in Anspruch genommenen Spargelber der kleinen Sparer öffentlicher Sparkassen, er fragt nicht nach der hierdurch bewirkten weiteren Erschütte- rung der ohnehin nicht ausreichenden Liquidität dieser Kas- sen, er kümmert sich nicht um die neuerliche Gefährdung der Liquidität öffentlicher Banken, er erhebt auch keinen Ein- wand gegen die ungeheuerliche Vorbelastung der Steuerzahler, die jetzt schon zur Leistung deS gesamten Kapitaldienstes der Arbeitsbeschaffungsanleihen mit langjähriger Saufzeit verpflichtet werden. Die durch die Pflicht zur Unterstützungsleistung an das Millionenhcer der Erwerbslosen wirtschaftlich ausgeüunger- ien Gemeinden können effektiv ihren seitherigen Kapital- dienst nicht leisten. Sie bleiben Zinsen und Tilgung schuldig. Jetzt müssen sie auf höheren Befehl neue Schulden machen, ohne zu wissen, wie sie den neuen Verpflichtungen gerecht werden sollen. Sie nehmen Teil an der aroßen Ehre, dem Rufe des Führers folgend, Arbeit zu beschaffen. Das dicke Ende wird nicht ausbleiben. ES ist sicherer als die Herrschaft Hitlers. rarbwerke klagen Die Farbwerke Franz Rasquin AG.. Köln-Mülheim, teilen mit: Nach dem Bericht kür das am 30. Juni abgelaufene Ge- schästsjahr ist eine Besserung der Auftragseingänge nicht cinqetreten. Wenn auch ein mengenmäßiger Umiatzrückgang nicht zu verzeichnen ivar, so war doch der wertmäßige Um- satzrückgang beträchtlich, da infolge schärfster Konkurrenz- kämpfe die Prelle in der gesamten Bunt- und Erdsarben- industrie stark aedrttckt wurden. Zahlen werben nicht ge- nannt. Es Nnd Bestrebungen im Gange, die auk eine Wieder- berstelluna gerechter Preise ab»»elen.— Auk dem Erport-». markt sei e>ne weitere Absaverschwerung ein- WPpI)) getreten, da ZabfunaSb-schrä„e»naen. Zoll- und Devisen-«*»■■»• Vorschriften ein glattes Geschäft hemmte». Im Inland habe sich außerdem die Konkurrenz ausländischer, valutarisch be- günstigter Farbenfabriken in fühlbarer Weise bemerkbar gemacht. Um den durch den Preisausfall bedingten Berlntten i» etwa zu begegnen, babe die Verwaltung die Unkosten noch weiter,»nd zwar bis auf das eben noch erträgliche Maß abgebaut. Auf Grund deS ArbeitsbeschakkungS- proarammS der MeichSregieruna dürfte eine Geschäfts- belebung, insbesondere iür da« Frühiabr, einsetzen, so daß ein mengenmäßiger Umsqtzrückaang nicht erwartet wird. Eine durchgreifende Besserung des Umsätze» wird jedoch im wesentlichen von der restlosen Auf- Hebung der HauSzinS st euer abhängen. Ihr die..Denlsdie treiben Die Arbellsiosenklnder ?Im 18 November hielt die„Ocsterreichische Gesellschaft fü< Volksgesundheit" in Wien eine Taaung über Ernährung?' fragen ab Professor Durig. der bekannte Physiolog d-r Wiener Universität, erklärte in seinem Vortrag über die Einahrungsschwierigkciten der österreichischen Bevölke- rung u. a.: Die Unterernährung der Arbeitolosenkinder m»ß mit der Zeit die schweren gesundheitlichen Verfalls- crichcinungen der Nachkriegszeit, insbesondere auch e<" e neuerliche Verbreitung der Tuberkulose, wiedererstehen lassen. Es fehlt nicht nur an der erforderlichen Quantital, srndern auch an der richtigen Qualität der Nahrung. wird das tägliche Maß an Eiweißstossen von der Erna?» rungSwissenschast mit etwa 70 Gramm Eiweiß bemessen. W-r sindcn aber, erklärte Durig, daß Arbeitslose in ihrem «.agcskostmaß bereits bis zu 16 Gramm Eiweiß herunter- gekommen sind! Daß nur das halbe Normalmaß. nämlich 30 bis 33 Gramm Eiweiß, verzehrt wird, bezeichnet losen à Regel in der Ernährungsweise der Arbeits- Zuckerausfuhr stark gesunken Im Zuckerjahr 1932-33 erreichte die Ausfuhr nicht einmal wehr 130.100 dz. lRohzuckerwert, wogegen sie 1980-31 noch mit 4,3 Mill. dz. beziffert wurde, welche Menge allerdings nur unter großen finanziellen Opfern hatte ermöglicht wer- den können. Des Vergleichs halber sei bemerkt, daß Deutsch- »and vor dem Kriege(1918=14) bei allerdings wesentlich höhe- rer Jnlanbserzeugung nicht weniger als 11 Mill. dz. Ä u exportieren vermocht hatte. In bezug auf b'e Ausfuhr vtf t i. ,na, n l'ch icdoch in Fachkreisen ans lange Zeit nicht viel, obwohl vielleicht hin und wieder die Scrips dabei fördernd wirken könnten. Denlsehe verhungert... Aber für Wahlkorruption ist Geld da ©te diese schöne Devise gehandhabt wird, beweist folgender Fall: In San Nemo erlitt ein beutscher Ingenieur, namenS Sal- dern, einen Unfall, und lag drei Monate im Spital, wodurch feine Mittel aufgebraucht wurden. Mit Frau und drei Kindern im Alter von 9 und 12 Jahren und 6 Monaten auf die Straße gesetzt, wände er sich an den Konsul Geibel. der in einem fürstlichen Palaste haust. Der Herr Konsul gab der armen Familie als Unterstützung — die Adresse des deutschen Hilfsvereins in Rom! Zwei Mo- nate warteten die Mittellofen umsonst auf Antwort aus Rom. Der Deutsche hungerte mit Frau und Kindern oder aß von Ausländer» gespendetes, trockenes Brot. Am 13. November wandten sich die Unglücklichen wieder an den Konsul in seinem Palaste. Der hohe Herr fragte, warum Saldern und seine Frau nicht zur Abstimmung gekommen seien, als anständige Deutsche!!(Die Deutsche» der Gegend von Tan Nemo konten bei Tavona, auf hoher Tee stimmen. Die Reise und Schiff kosteten etwa 26 Lire.! Das Ehepaar antwortete, daß sie mit den Kinder» obdachlos seien, kein Gelb für Brot und folglich noch weniger zur Bestreitung der Abstimmungskosten hätten. Der Herr Konsul antwortete, für die Abstimmung sei ein Fond da, mit dem diese Kosten wären bezahlt worden. Ergo: Für hungernde Deutsch« hat der Konsul kein« Mit- tel, wohl aber für politische Zwecke! Schließlich hat die italienische Behörde die Aermsten nacn Deutschland abgeschoben, und der Herr Konsul, welcher i» der Spielhölle Taufende verpfeffert, spendete ein Reise- gcld vvn 26 L're, sage sechs Franken für die fünfköpfige Fa- milie! Ter begleitende Polizeibeamte war fo geröhrt von der Großmut des hohen Herr», daß er auS feiner eigenen Tasche 20 Lire beifügte. Unfallversicherung für Luftschutzübungen „Die Arbeiterversorgung" sHeft 83) veröffentlicht ein Rundschreiben des Reichsministers der Luftfahrt demzu- folge die„im Lustschutz tätigen Personen" dem„Schutze der Tozial-Unsall-Versichcruug" unterliegen. Der letzte Punkt dieses Rundschreibens lautet:„Als im Luftschutz tätig kön- neu grundsätzlich nnr diejenigen Personen angesehen werden, die durch eine Aufforderung der hierzu berechtigten Stellen zur Teilnahme an der LuftschuvauSbildung für einen bc- stimmton, genau festzusetzen«» Zeitpunkt herangezogen werben. Welche Stellen zu solcher Heranziehung berechtigt sind, ist von den obersten Laudesbehörden zu bestimmen." Woraus sich ergibt, daß Luftschutztruppen mit systematischer Ausbildung existieren. Brtel aus Schlesien Wie überall im Reich, wurde auch in Schlesien der schärfste Terror auf die Wähler ausgeübt. In Beut h en waren in den Wahllokalen keine Wahlzellen aufgestellt, die Ab- stimmenden mußten unter Aufsicht der Wahlkommission wählen. Unter den politischen Schutzhaftgefangenen wurde eine Auswahl derjenigen vorgenommen, die zur Abstimmung zugelassen wurden. Aus einem Gefängnis wird berichtet, daß der Wärter die so ausgezeichneten Genossen frug, ob»c zur Abstimmung gehen wollen.'Natürlich wurde die Frage bejaht. Dann bekam der„Wähler" den Rat mit aus den Weg, richtig abzustimmen. Die jetzige Regierung sei für Immer an der Macht, so daß irgend ein Protest gar nichts nütze. Tie Abgabe einer Nein- Stimme könne auch sonst für den Ge- kangenen üble Folgen haben. Da die Gefangenen nach dieser Vorbereitung annehmen muhten, daß ihre Stimm- zettel noch nachträglich zu kontrollieren sind, stimmten selbst- verständlich die meisten mit ja. Daß selbst in den kleinsten Orte» ausrechte Antifaschisten leben, beweisen die folgenden Ziffern aus ganz kleinen Bauerndörfern, die ist willkürlich aus dem groben Gebiet herausgreife. In Schepsdorf 9 Nein-Stimmen, in Oppau 19, in Kunzendvrs 13, in Blasdori 1. Im letztgenannten Ort ließ die TA. den Landiägermcister kommen und verlangte Feststellung der vier Neinsager. In allen größeren Orten waren kür Montag, den 18., die Vorbereitungen getroffen, die NichtWähler durch die SA. unter Vorantragnng von Schildern„Landesverräter" durch die Straßen zu führen. In Landeshut war mit der Verhol- tuna der NichtWähler schon begonnen. Die Regierung grikf in letzter Minute ein nnd verhinderte die Umzüge, weil sie das Echo, das diese Aktion im Ausland hervorgerufen hätte, fürchtete. Wie SA.-Lente erzählen, finden im Kreise Hirschberg in nächster Zeit große Manöver der SA. und deS Stahlhelms statt. Die Uebungcn sollen sich auch auf den Bau von Schützengräben, Feldstellungen usw. erstrecken. Audi ein Staatsgeheimnis Die„Kieler Zeitung" ist für 2 Tage verboten worden. Die Urjache dazu ist. daß das Blatt gelegentl'ch von Hitlers letz- tem Besuch die Nummer vom Automobil des„Führers" genannt bat. Es herrschten Befürchtungen wegen Attentaten, und die Behörde schritt sofort gegen das Blatt ein» Ton Napoleon III. zu Paul-Boncour , 3nt„Figaro" finden wir folgende» Aufsatz über das 'brach mit Berlin":„»- Dos deutsch-französische Tete-a-Tete. das man unS als «robe Neuigkeit und als letzte Garantie für den Frieden ^'"b iehl,. ist nichts anderes als ein alter Irrtum, der das J'utfo des Krieges in sich birgt, wenn wir ihn erneut Ari»»/ âllc Fehler Napoleons S.. des Vorlaufers von Ter Nachfolger nun Boncour zu werden droht. Sufami. m'.d" zum erstenmal begangen wurde bei der vem-r?/>îkuntt in Biarritz 18S5. wo Napoleon auf Grund «.^^kprechungen Bismarck das Feld überlassen hat. strc».?„«-abowa. als Napoleon die Einlösung der Vcr- »Wirtshaus ch^^êrt^- amüsterte sich Bismarck über diese $tstt!îl erc" eue Diplomatie zeichnet sich besonders durch zwei vollen«.'^'e ist weder neu noch diplomatisch, denn sie st abhängig von der Innenpolitik, also der parla- fors»?»* en Demokratie, die einen papierenen Fries n Mam«? incn Frieden ohne Kraft, der nichts wert ist. der ^rieg bedeut^0. und deshalb Frieden um jeden Preis, alio Etr-»r Batten ein zweites Biarritz in Thoiry mit Vriand und Nki^ins ann. Damals nahm Strescmann die Zusage der »Das«^àumung ohne Gegenleistung mit»ach Haue. w«..^crbrcchen gegen die Nation", wie eS Foch"annte. lîàt>-»-^dten auch den Besuch Lavals in Berlin, Heute „bcn,,,» w L, alê das Ergebnis unseres Entgegenkommens b ,s die îche DeuE-vland" Hitlers. Die Zusammenkunft. nu«>!s!?îî uns preist, ist nicht? anderes alS die weitere Avs- »dw<2? der öffentlichen Seichtgläubigkeit, die bisher Im Kult ».»^bnf, in den Verträgen von Thoiry, Locarno und dem bru* w ihren Ausdruck fanden. Nach dem Zusammen- dieser Unternehmungen wird daS System unter e m Firmenschild fortgesetzt. Alle diese Versuche sind nichts andere? als Seifenblasen, die vor der Wirklichkeit zerplatzen und die in ihrem kurzem Auischillern die Zukunft im Lichte der Vergangenheit spiegeln. Da? neue Vir rit, wird das von 186', noch übcrtrumpscn. Damals versprach der Verhandlungspartner Napoleon 8. neue Eroberungen, wenn Frankreich ihm die Freunde überließ, die nicht unsere Verbündete waren. Heute will der Reichs- kanzler uns unsere Rechte aus Elsaß und Lothringen zugestehen— während er es durch seine Propaganda aus- wühlen läßt— nit'** 5-r Nedinaun". daß mir uns von i.uferen Verbündeten lösen. Das bedeutete einen Jagdschein für Mitteleuropa, eine Blgnkovollniacht für die Gründung des„dritten Reiches", das zu einer Universalherrschast auS- wüchse, von der au^' Frankreich nicht ausgeschlossen bliebe. Teutschland will uns zu einem austergemöhnlich hohen Preis eine Sache verkaufen, die ihm nicht gehört, aus die es schon im Friedensvertrag verzichtet hat ebenso wie in Locarno. Das letztere war kein Diktat, es sei denn ein Diktat von Berlin, denn nach Locarno hatte es die Befreiung der Rhein- lande durchgesetzt. Ist schon der Gegenstand dieser Unterhaltung unangenehm, so sind es die Begleitumstände noch mehr. Selbst wenn es sich um eine andere Angelegenheit bandelte, so brauchten wir unsererseits ant>ere V-rKondlunasvartner. Nur eine starke Regierung, gestiiv» ans einen neuen Geist im Volke, könnte in diesem Tete-a-Tete gewinnen. Das Frankreich von heute ist schwach und seine Führer erstreben als Ideal ein bc- m eine? Leben. Demgegenüber steht ein fanatisiertc? Deutsch- land, dessen Ideal eS sei. gefährlich zu leben. Gefährlich für sich selbst, mcbr aber noch für die anderen. Endlich steht dem deutschen Reichskanzler. der sich auf die fanaeblichel Einig- keit seines Volkes stützt. Paul Vineour gegenüber, der durch ein Wahlmanöver am D.uai d'Orsay bestimmt wurde. Das ist gleichzusetzen mit einer nationalen Abdankung in Berlin. England und Franhrcidi Die Haltung England* t»Le Temps": . Oie Engländer erkennen heute, nach reiflicher Ueber- J e gung, daß der Völkerbund die einzige praktische Möglichkeit bietet, erfolgreich auf internationalem Gebiet zu handeln; aie wissen, daß es mit Schwierigkeiten und sogar Gefahren verbunden wäre, sich allein auf die Großmächte zu Erlassen, die den Viererpakt unterzeichnet haben. Daher kommt der Umsdiwung in der öffentlichen Meinung in Eng- * an d zugunsten der internationalen Einrichtung in Genf, v on dem in ihren letzten Artikeln Organe wie„News Chronicle",„Daily Herald" und„Manchester Guardian" zeugen, |he sonst für die deutschen Forderungen häufig Wohlwollen bewiesen. Oie gestrige Rede von Stanley Baldwin, des Lordpräsiden- îen des Geheimen Rats, im Unterhaus verstärkt diesen Ein- •frock. Jeder Umschwung der Engländer zugunsten des Völkerbundes führt notwendigerweise auch zu einem l'm- •diwung zugunsten einer vertrauenvolleren Zusammenarbeit J"'l Frankreich, deun die französische Politik bleibt dem Grundsatz der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen v°n Genf treu. Die jüngste Rede Sir John Simons war vor ®"em für Berlin bestimmt; die des Stanley Baldwin scheint •o erster Linie in der Absicht gehalten worden zu sein, in Paris Gehör zu finden. Es ist unnötig, die widersprechenden Aeußerungen eines konservativen Abgeordneten O'Connor 4,1 diskutieren, der gleichzeitig behauptet, Frankreich sei adion zu lange Zeit von„ militärischem" Geist beseelt— 'ine Lüge der deutschen Propaganda, die hundertmal widerlegt worden ist— und dennoch feststellt, daß die Macht französischen Armee das einzige Bollwerk gegen 'inen Krieg darstellt. O'Connor halt zudem die Ahrüstungs konferenz für vollkommen belanglos und setzt seine Hoffnungen auf diplomatische Verhandlungen, die, wenn man ihm glauben soll, eine Revision der Verträge begünstigen Verden, die„ allein geeignet sind, den europäischen Horizont ®u/zuhellen Diejenigen, welche die wahre Lage in Mittel- Und Osteuropa kennen, haben Gründe zu fürchten, daß die Revision der Verträge nur die Wirkung hätte, den Krieg zu beschleunigen, den man Verhinderer will. Die Erklärungen Stanley Baldwins sind in anderem Tone gehalten und haben einen anderen Inhalt. Mit Rücksicht ®uf die schwierige Lage, die durch Deutschlands Verlassen der Abrüstungskonferenz und des Völkerbunds geschaffen *'urde, hat der Lordpräsident des Geheimen Rates, welcher der Führer der konservativen Partei ist, anerkannt, daß Man theoretisch drei Lösungen ins Auge fassen kann; die Abrüstung aller Nationen auf das Niveau Deutschlands; die Rüstungsbeschränkung, welche die schweren, sogenannten Offensivwaffen verbietet, was einer Herabseffung der Rüstungen bestimmter Großmächte und einer Vermehrung der Rüstung des Reichs gleichkäme; und endlich der Wiederbeginn des Wettrüstens, eine Möglichkeit, die unbedingt verhütet werden müsse. Baldwin hat auf Frankreich,„der friedlichsten Nation der Welt", eine Lobrede gehalten, die uns nur zu Herzen gehen kann. Deutschland braucht den Frieden, aber man muß sich vergewissern, daß es ihn aufrichtig will. Frankreich. Großbritannien und Italien werden sich mit Deutschland direkt in Verbindung setzen, um zu sehen, wie man vorgehen kann; aber„was man auch erreicht", fügt Stanley Baldwin hinzu,„Ich sehe keinen Grund, warum nicht vor einer endgültigen Einigung die Verhandlungen wieder im Rahmen des Völkerbunds geführt werden sollen." Das entspricht durchaus unserer Auffassung von den wechselseitigen Verhandlungen, die wir für die Wiederaufnahme der Arbeiten in Genf vorbereiten wollen. Der Lordpräsident des Geheimen Rates schloß mit einer glänzenden Lobrede auf die französisch-englische Freundschaft und Zusammenarbeit. Er stellte Frankreich und England als die Erben einer großen und alten Kultur dar und erklärte, daß es sich nicht mehr verlohne zu leben, wenn das, was diese beiden Nationen der Welt gebracht und bewahrt hätten, verloren ginge.„Unsere Interessen sind eng miteinander verbunden," sagte Baldwin,„unsere Freundschaft ist erprobt und gefestigt; ich hoffe, daß Frankreich mit uns Seite an Seite stehen kann in diesem Kampf fiir den Frieden, den die Franzosen ebenso sehnlich erwünschen wie jeder Engländer." Das ist eine edle Sprache und der Ton geht zu Herzen. Man muß ihn nur in die Tat des Kabinetts Macdonald übertragen, damit die französisch-englische Zusammenarbeit zu einer dauernden und fruchtbaren Wirklichkeit werde. An uns läge es nicht, wenn es jemals an diesem Willen fehlte. Konservative Freundschaft für Frankreich „Le Temps": In einer langen Studie, die der„Erpressungspolitik" geverfolgt, erklärt die„National Review" das traditionstreueste Organ der konservativen Partei, daß nur eine enge Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich die Pläne der deutschen Politik vereiteln kann: Nicht das Aufdecken, sondern das Verschleiern der Wahrheit bedroht den Frieden. Hoffen wir, daß das Gutachten, das am 26. Februar 1927 von der internationalen Kontrollkommission abgegeben wurde, ohne Verzug veröffentlicht wird. Bei der unklaren und verworrenen Lage, in der xeir uns befinden, muß man mehr und mehr auf der Hut sein. Die„Nations' Review" schließt, nachdem sie sich über die schlappe Haltung der Regierungen und in erster Linie des englischen Auswärtigen Amtes beklagt hat, angesichts der „vollkommen eindeutigen Absichten, die Stresemann, Schleicher, Göring und Hitler seit dem Ende des Krieges mit verschiedenen Mitteln verfolgen": Auf der einen Seite gibt es Nationen, die den Frieden und die Achtung vor den Verträgen wollen, auf der anderen solche, die die Verträge zu zerstören wünschen, und sei es durch einen Krieg. Das ist die Wahrheit. Würden doch die Engländer— der Kräfte eingedenk, die in der Vergangenheit entfaltet wurden, um ihr großes Vaterland zu schaffen— die neue notwendige Anstrengung machen, um Frankreich zu helfen, den europäischen Frieden zu wahren! Es geht um das Wohl Englands. Auf der Abrüstungskonferenz Marianne; Die allgemeine Kommission, die bis zum 3. Dezember Vertagt worden war, ist jetzt nochmal bis zum 22. Januar zveitervertagt worden. Briand sagte seiner Zeit, im Völkerbund gäbe es drei Arten von Sitzungen: Oeffentliche Sitzung: Alle Welt wußte, was vorging. Geschlossene Sitzung: Man war zehn Minuten nach der Sitzung auf dem laufenden. Geheime Sitzung: Man war zehn Minuten vor der Sitzung if dem laufenden. Heute gibt es drei Arten von Tagungen des Völkerbundes: Stille Tagung: Die Komitees beraten. Bewegte Tagung: Man verliest eine Erklärung. Große Tagung: Man vertagt. Die Sowjet-Delegation hielt mit ihrer Ironie nicht zurück. „Mangels Abrüstung hat man wenigstens eine wesentliche, begrenzte und gleiche Vertagung für alte", sagte Herr Dowgalewski, Aus Neuyork: In einer Rede vor der Neuyorker Gruppe der amerikanischen Legion hat Henry Morgenthau, der ehemalige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, erklärt: Der Wunsch Deutschlands, seine frühere Macht wiederzugewinnen und die Furcht der Nachbarstaaten, daß das Reich dieses Ziel erreichen würde, könnten viel früher, als die Welt glaube, einen neuen europäischen Konflikt heraufbeschwören. Frankreich ist es bewußt, so sagte er, daß es von neuem bedroht ist, wenn es Deutschland gestattet, aufzurüsten. Frankreich weiß, daß sich die Welt möglicherweise nicht an seine Seite stellt, und es hat deshalb die Absicht, Deutschland keineswegs aufrüsten zu lassen. Deutschland stellt Munition aller Art her: aber es ist noch nicht gerüstet. Ein Verständigungsversuch zwischen Frankreich und Deutschland ist wünschenswert; aber es gibt genügend Menschen in Deutschland, die nicht den Frieden wollen. Sie wollen das zurückerhalten, was sie verloren haben. Die Laasanner Sozialisten untermauern ihren Sieg DaS ungerechte Majoritäts-WaHlsystem, da S von allen 24 Kantonen der Schweiz einzig noch der Kanton Waadtland bewahrt hat, macht für Kommunalwahle« zwei Wahlen mit je zwei Wahlgängen erforderlich. Die erste Wahl gilt den Gemeindeverordneten, die zweite denjenigen Kandidaten lgenanNt„K a r d i n ä l e"), die bei Demissionen oder Todes- fallen in daS Gemeindeparlament als Ersatzleute aufrücken. Scheidet etwa ein Gemeindeverordneter einer Partei aus, die keinen„Kardinal" durchbringen konnte, so wird der leere Platz mit dem gewählten Ersatzmann einer anderen Partei besetzt. Auf dieses unerhörte System hatten die Parteien de? Bürgerblocks von Lausanne ihre letzte Hoff- nung gesetzt, den Sozialisten ihre neu eroberte Mehrheit in Ttadtparlament und Stadtverwaltung doch wieder entreißen zu können. Erfahrungsgemäß ist das Interesse der Wähler bei der Wahl der lö Ersatzleute gering. So präsen- Herten die„Ordnungsparteien" trotz ihrer vernichtenden Niederlage eine komplette Liste von 15„Kardinälen", Wären diese am letzte» Sonntag auch nur mit einer Stimme Mehr- heit über die einzige Gegenliste von 10 Sozialisten gewählt worden, dann hätten die Sozialisten vier Jahre lang macht- los zusehen müssen, ivie jeder ihrer ausscheidenden Ge- meindeverordneten durch einen OrdnungSfaschisten ersetzt ivorden iväre. Mit der berüchtigten Erpatriierung von Arbeitern, Versetzung von Beamten, Bvykvttterung von kleinen Kaufleuten der sozialistischen Stadtverordneten- sraktion hätten die Bourgeois rasch genügend Lücken ge- schassen und mit deren Ausfüllung durch eigene Ersatzleute die verlorene Mehrheit wieder zurückgeholt. Durch diesen faschistischen Plan haben die Lansanner Wähler am Sonntag einen dicken Strich gemacht. Mit einer Rekordwahlbeteilignng für solche Ersatzwahl gaben sie den Sozialisten erneut die absolute Mehrheit und ließen alle ltl anfgestellten sozialistischen„Kardinäle" passiere». Damit haben die erfolgreichen Lausanner Ge- nossen sich ihre MehrheitSherrschast im Rathans ans vier Jahre unerschütterlich gesichert. Und zum zweiten Wahl- gang für die Ersatzleute müssen die Ganz- und Halb- saschiften des Bürgerblocks ganz„unter sich" antreten. Palast der Illusionen Im richtigen Augenblick... Eine gute Nachricht. Der Monumentalpalast des Völkerbundes ist fertig. Die„Illustration" veröffentlicht bei dieser Gelegenheit ein Bild dieses internationalen Gebäudes, in dein nur noch die Inneneinrichtung zu vollenden bleibt. Man beeile sich nicht! Der Palast hat seinen Daseinszweck verloren, bevor er ihm noch gedient hat. Von jetzt ab ist er eine leere Hülle. Wir kennen die diplomatischen Sitten zu gut, um an ein offizielles Aufgehen zu glauben. Es wird in diesem traumhaften Bau immer ein Generalstab mit ausgesuchten Bürodamen versorgt, gut untergebracht sein: Die einzige Realität, die je dort Schutz finden wird. Man könnte besseres tun, um diesen Tempel der Illusionen nutzbar' zu machen, indem man ihn in Trümmer fallen ließe. Der Palast von Minos wäre daneben nur ein Bahnwärterhäuschen. Man bedenke, was in einigen Jahren dieses Ganze, das noch ausgedehnter und viel geschickter angeordnet ist als das Versailler Schloß, ergeben würde! Man hört im Geiste schon die Erklärung des Führers. Welche unvorhergesehene Vision würden nicht 12 000 Kubikmeter Beton— ohne Eisen, wie es sich für ein Friedenswerk gehört!— heraufbeschwören. Man könnte einen lehrreichen Vergleich mit 46 000 cbm Eisenbeton, der ebenfalls, verwendet ist, anstellen. Was würde aus den 6000 Tonnen Stahl werden, die audi zum Material aufgezählt sind? Würde die Schweiz eine Batterie von„Dicken Berthas" daraus machen, um damit ihre Neutralität zu verteidigen? Ruinen haben ihren Reiz. Sie haben sogar noch mehr, wenn sie verschwunden sind: etiam periere retinae, sagt Virgel als höchstes Loh Trojas. In Delphi ist nichts vom Palast des Amphietyons, dem Völkerbund jener Zeit, übrig geblieben, das erlaubt uns ihn uns schöner vorzustellen als das Parthenon. Der Turm zu Babel ist nie fertig geworden, er ist deshalb nur noch berühmter. Die Erbauer, die aufgehört hatten sich zu verstehen, haben alles im Stich gelassen. Das war am einfachsten und sparsamsten; in jenen Zeiten war man no dt praktisch. Dieser Verwirrung der Sprache haben wir die Verwirrung der Geister hinzugefügt. Die gewandtesten Dolmetscher hoben nicht mehr versucht, die unklaren Gedanken derjenigen, die nichts zu sagen hatten, oder die widersnrechenden Gedanken der anderen, die nichts sagen wollten, in eine klare Sprache zu übersetzen. Das Stück ist gespielt; es wird vielleicht wiederholt werden, um die Eigenliebe der Truppe zu retten, aber was man auch immer versuchen mag. es wird keine Einnahmen mehr machen. Man wird das Lokal nicht offiziell seiner eigentlichen Bestimmung entziehen wollen, aber es wird immer mehr zu einem Invalidenhaus werden, ohne daß man einen einzigen alten Helden hätte, der unterzubringen wäre. Graß und Ruf Man weiß, daß die hutlose Mode in Deutschland noch verbreiteter ist als in Frankreich. Sie strebt sogar danach, sich auch im Winter durchzusetzen. Eine Berliner Zeitung bat soeben ihre Leser über dieses Thema befragt. Ein Doktor antwortet, daß es gefährlich sei, barhäuptig spazieren zu gehen, wegen des Staubes. den man in der Stadt auffängt und der den Haarboden schädigt. Eine Frau beurteilt Männer im Ueberzieher und ohne Hut als grotesk. Aber ist die entscheidende Antwort nicht die des Nationalsozialisten? Seiner Meinung nach dient der Hut niemals dazu. den Kopf zu schützen: Man friert nicht auf dem Kopfe, nur an den Ohren, die der Hut nicht wärmt. Der Hut ist nur zum Grüßen da: man trägt einen Hut, um ihn abnehmen zu können. Aber heute grüßen die Deutschen nicht mehr, indem sie den Hut ziehen, sondern durch Heben des Armes: folglich haben sie den Hut nicht mehr nötig. Die Begründung ist unwiderlegbar, wenn man die Vorbedingungen gelten läßt. Sie kann sich auch auf die Autorität des Führers stützen; nicht aber auf Göring, der sein Haupt mit herrlichen Mützen schmückt. Hitler sieht man fact immer barhäuptig auf der Straße und bei öffentlichen Kundgebungen: unbedeckten Kopfes, wenn er im Freien spricht und wenn er im Auto steht, um die Huldigungen der Menge entgegenzunehmen. Niemand kann mehr tun als er, um die Mode der Hutlosen zu begünstigen. Deutsche Stimmen•(Beilage zur„Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten —1 ilSliliiUllliLiillliil Samstag, den 2. Dezember 1933 Kttf nach dem Jccmaczt»o*du^ sich als ein die deutsche Sprache von dem folgendin Mitteilung zu Fast schämt man sprechender Mensch machen. Jede Scham muß aber beiseite stehen, wenn es gilt, ein Krankheitsbild zu erforschen. Nur mit aufrichtiger Bestürzung wird man die Schwere der über das arme Deutschland hereingebrochenen Geisteskrankheit erkennen. Im Verlag des Vereins für Kriegsschuldforschung in Tübingen ist ein Buch erschienen, das berufen ist, weit über Deutschlands Grenzen bekannt zu werden Es führt den umständlichen Titel:„ Die Hüllen fallen. Von Erich Maria Remarque sum Spion im großen Hauptquartier. Einführung in die Mysterien des Weltkrieges." Sein Verfasser ist Carl Herrmann, ehemaliger Abteilungsleiter im Geheimdienst am Oberkommando der 6. Armee. Sichtlich hatte der Verfasser sehr viel mit der Spionageabwehr zu tun, denn ihm wird alles zum Spion. Hinter jedem Wort, hinter jedem Buchstaben wittert er Verrat. So gibt er also nicht eher Ruhe, bis er nicht aus dem Namen des Schriftstellers Remarque entdeckt, daß es sich um einen Verräter handelt. Ehe die betreffende Zitierung erfolgt, wird es aber unerläßlich sein, die eidesstattliche Erklärung abzugeben, daß alle angeführten Stellen wahrheitsgetreu dem Buch entnommen sind: „Erich Maria Remarque Reich arm Ich Armer! Quare Marie? ist gleich: Quare mira!" Ist dies durch Umstellung der Buchstaben erreicht, kann man die weitere Verdrehung der Buchstaben so vornehmen: „Rache mir! Reique arma Merique ara Erich Maria Remark Reich arm? Amerika! R! (R ist gleich Romanus, ist gleich Pierpont Morgan, ist gleidi Jesuitenbank, ist gleich Reparationen.)" Audi der Titel des Remarqueschen Buches, das mit diesem wahrlich alttestamentarischen Haß verfolgt wird, ist entzifferbar. Diese Kostbarkeit lautet: „So sagt denn auch schon die eine sehr naheliegende Lösung von„Im Westen nichts Neues":„Wenn Mist sichte es neu'. Nun ist aber die Wortgruppe„Im Westen nichts Neues" als Titel für das Remarquesche Buch gesucht. Es lag schon eine Gemeinheit darin, diese Worte, die jedem Deutschen, der den letzten Krieg erlebt hat, so oft sie im amtlichen Heeresbericht erschienen, Gefühle der enttäuschten Erwartung(Gehts denn gar nicht vorwärts?) erweckten, als Titel zu einem solchen Buch zu verwenden. Wahrscheinlich sollte die Lektüre des Buches jene Enttäuschungsgefühle wieder auffrischen. Die Wortgruppe„Im Westen nichts Neues" ist— das kann man wohl sagen— ein geistiges Eigentum jener Abteilung iu der Obersten Heeresleitung, die während des letzten Weltkrieges den täglichen amtlichen Heeresbericht ausgegeben hat. Wir stehen vor der Tatsache, daß diese Wortgruppe eine anagrammatische Prägung darstellt, nach dem ganzen Schema entzifferbar, das wir so reichlich zeigen konnten. Und wir stehen, wie ja immer im Einzelfalle, vor der Wahl, das für einen Zufall zu halten oder zu sagen: der amtliche Heeresbericht der Obersten Heeresleitung der deutschen Armee hat dazu gedient, die Herren von der „verborgenen Hand" in Paris usw. täglich über die intimsten Geheimnisse der deutschen Armee zu unterrichten, und allenfalls Weisungen für jene auszugeben. Für die Annahme eines Zufalls spricht der Ekel, der einem aufsteigt bei dem Gedanken an die Möglichkeit eines solchen Verrats, eines Verrats von einem Ausmaß, wie ihn die Weltgeschichte nie gekannt hat." Wer sollte den Verrat begangen haben? Je nun, da Hin- denburg und Ludendorff den Krieg verloren haben, waren eben überall Verbrecher und Verräter. Dieser Verräter also war niemand anderes als der preußische Oberstleutnant Hentsch, der im Auftrag und als Bevollmächtigter der Obersten Heeresleitung die Schlacht an der Marne abbrechen lie," und den Rückzug der deutschen Armee anordnete; man muß das wörtlich nachlesen, was in dem Buch— der Verfasser getraut sich das scheinbar selbst nicht zu sagen und zitiert eine Schrift des dem Ludendorffkreis nahestehenden Schriftstellers Hasselbacher— steht: - Wer war Oberstleutnant Hentsch? Das erste Ergebnis unserer Ermittlung war ein Bild vom Grabdenkmal des Obersten Hentsch(er war bei seinem Tode Oberst geworden). Da Grabdenkmal steht in Bukarest. Seine Inschrift lautet: Oberst Richard Hentsch, 1869—1918. Also 1869 wurde Hentsch geboren! Aber wo? Die Antwort. die wir fanden, ist so ungeheuerlich, daß jeder Leser empört hochfahren wird, denn der Oberstleutnant Hentsch, <|cr uie deutschen Truppen angesichts des Sieges zurü.k- kommandierte, weil er die„Nerven verlor" war— ein Franzose! Richard Hentsch wurde im Jahre 1869 n Paris als Sohn des Bankiers Hentsch geboren. Richard Hentsch wurde„Deutscher", weil sein Vater 1888 oder 1889 nach Köln zog und hier die Reichsangehörigkeit erwarb und somit sein damals noch minderjähriger Sohn automatisch ebenfalls die Reichsangehörigkeit erwarb! Volksgenossen! Das Urgeh•"»c'iehe ist T»-sehe: Ein Franzose kommandierte zum Rückzug an die Marne! Und dieser Herr Hentsch starb— zufällig— 1918!r. Bukarest, wo im Kriege eine F e I d 1 o g e bestand. Die Herren Freimaurer verstehen mich! Für heute sei die Akte„Marneschlacht" geschlossen. Dich es wird nicht auf lange sein dürfen, denn noch zuviel ist zu zeigen, damit der deutsche Mensch erkennt, daß das Wunder an der Marne ein Freimaurerverrat war." Man rufe noch nicht nach dem Irrenarzt, sondern höre vorerst noch geduldig, wie und warum es zum Weltkrieg kam. Auch dies ist nur durch Umdrehung der Buchstaben eines Wortes zu erfahren, und diesmal durch das Wort SARAJEVO, welche Stadt vermutlich den Namen nur erhalten hat, damit er einmal zu den folgenden Deutungen herhalten kann: „Sarajevo A reo visa. O rea visa! (Man weiß, daß der ermordete Erzherzog Franz Ferdinand über seine Verurteilung zum Tod vorher unterrichtet worden ist. Vorstehendes Anagramm lautet auf Deutsch: Sarajevo! das du von dem Verurteilten vorausgesehen worden bist! O du verurteilte Frau, auf die man es abgesehen hatte! Wie man sieht, ist der ganze Doppelmord im Namen Sarajevo.) Sarajevo! 0 Asia. Ver. Vero Asia. O. A. I. versa! 0! Versailles! Ah!(phonetisch!) deutsch: Sarajevo! 0 Asien! Es wird Frühling. Sarajevo ist in Wahrheit Asien! 0! Alliance Israelite! stürze um! 0 Versailles! Sarajevo! ars Jehova! Ars ist römisch. Jehova ist jüdisch. Ars heißt: die Kunst. „Sarajevo" ist ein Geschöpf solcher Kunst. Wie„Versailles". Aber es steht auch in einem Verhältnis zum französischen Nachrichtendienst. Das zeigt: Sarajevo Jehova à S. R. S. R. à Jehova. Juda für den französischen Geheimdienst. Und dieser für Juda." Nur noch eine einzige Deutung, ehe wir von diesem Buch Abschied nehmen: „Maxim Gorki ist ein Anagramm, das mit einer lebhaften, sogar diabolischen Symbolik den Zweck seines Schaffens zum Ausdruck bringt. Denn eine Umstellung der Buchstaben des Decknamens ergibt Marx! Kim Goi! Ich bin Marx. Komm her, Goi!" Jetzt aber kann man getrost nach dem Irrenarzt rufen. In der Tat wäre für die ganze geplagte Menschheit nichts so wichtig, wie der richtige Arzt für Deutschland. Den kann aber die außerdeutsche Umwelt nicht hin entsenden. Nur aus Deutschland selbst kann der Arzt gegen diese Krankheit erwachsen. Dec John weht... Professor Passarge im Frühlingssturm In Nr. 39 der Geografischen Wochenschrift(20. November 1933), einer wissenschaftlichen Zeitschrift für das Gesamtgebiet der Geografie, Verlag Ferdinand Hirth in Breslau, findet sich ein Aufsatz von Passarge, einem der namhaftesten deutschen Gelehrten, Universitätsprofessor in Hamburg, über „Geografie und nationale Erziehung". Darin heißt es u. a.: „Wie wäre es, wenn nach einer Darstellung des Föhns, der Lehrer in folgender Weise schließt: Heutzutage durchbraust ein Föhnsturm unser deutsches Vaterland. Nervöse, schwächliche Menschen— ja denen ist nicht wohl zu Mut —, aber die gesunde, kräftige Jugend atmet förmlich auf. Es trocknen aus die marxistischen Sümpfe, es fliehen die giftbeladenen Sowjet-Mücken, eingestürzt ist der jüdische Augiasstall, der die deutsche Luft verpestet. Reinigend, erfrischend wirkt dieser deutsche Föhn! Und wem verdanken wir diese herrliche Bewegung? Unserem von Gott gesandten, genialen Führer! Binnen hundert Jahren drei Genies— Goethe, Bismarck, Hitler— hervorgebracht zu haben, welchem anderen Volk ist das beschert worden?! Ein solches Volk wird nicht untergehen, wenn Ihr Eure Pflicht tut!" Vielleicht empfiehlt es sieh auch, in den Schulen darauf hinzuweisen, daß dieser Föhnsturm auch die Gehirne in gefährlicher Weise austrocknet, wie dieses Beispiel zeigt. Für einen Witz ein Jahr Gefängnis, für'ne Erzählung dritthalb Jahr'— so trüb stand niemals Dem Verhängnis, so hoch flog, Deutschland, nie Dein Aar! Noch einen Grad mehr der Bedrängnis, so reicht man Dir Skorpionen dar. Ihr lieben, guten, braven Deutschen,, kommt alle im Strafkittel her, so lang sie nicht mit Schlangen peitschen- so billig wird der Ruhm nicht mehr! In Nürnberg, in der Folterkammer, saht ihr wohl manchen bösen Strick, mit Rädern ausgepreßter Jammer und abgehauenes Menschenstück, die Füße in der spanischen Klammer, der Eisen-Jungfrau starrer Blick— doch so arg war nie die Bedrängnis— Ihr Deutschen kommt zum Heldentum! für einen Witz ein Jahr Gefängnis! So billig wird nicht mehr der Ruhm. Auf den ägyptischen Pyramiden erblickt ihr Frondienst nie gekannt, oft Tier und Menschen ungeschieden an einem Wagen angespannt, und Peitschenknall und Henkerswüten im Königsdienst durchs ganze Land doch so arg war nie die Bedrängnis— die Stunde nützt, eh' sie entweicht.— Für einen Witf ein Jahr Gefängnis! So billig wird der Ruhm nicht leicht. Aus dem Buch„Parisiana" von Oskar Panizza, IS99. Datum also! Max von Grubers Gutachten über Hitler Geheimrat Professor Dr. Max von Gruber(t 1926), dessen Sohn soeben in Jena verhaftet wurde, hat folgende Kenn Zeichnung der„Rasse" des Osafs verfaßt:, „Zum erstenmal sah ich Hitler in der Nähe. Gesicht un Kopf schlechte Rasse. Mischling.".(Bekanntlich ist Hitler« Mutter eine Tschechin namens Maly gewesen.)„Niedere» fliehende Stirn, unschöne Nase, breite Backenknochen» kleine Augen, dunkles Haar. Eine kurze Bürste von Schnurrbart, nur so breit wie die Nase, gibt dem Gesieh etwas besonders Herausforderndes. Gesichtsausdruck nicht eines in voller Selbstbeherrschung Gebietenden, sondern der eines wahnwitzig Erregten. Wiederholtes Zucken tl e' Gesichtsmuskels. Am Schluß Ausdruck beglückten Selbstgefühls." Diesen Eindruck von einer Hitler-Rede veröffentlichte M** von Gruber kurz vor seinem Tod. Ueber die Richtigke' dieses Gutachtens kann einer von Grubers Freunden dem Osaf Auskunft geben, der eben„gewählte" Justizrat Clas/t der zu Grubers engstem Kreis in Kriegs- und Nachkriegszei gehörte. ^Bankhaus IDitiig, uectceiét Münzet Silber 6 Mark, Kupfer 3 Mark Durch die Presse geht ein Aufruf, der zum Kauf ein^ Hitler-Gedenkmünze auffordert, die von der bayrischen»r> preußischen Staatsmünze gemeinsam ausgeprägt wurde- Ueber das Kunstwerk selbst wird gesagt:„Dieses von Professor Oskar Glöckler, Obersturmbannführer und Sportreferent bei der Gruppe Berlin-Brandenburg, entworfen® Gedenkstück, welches erfreulicherweise eine deutsche B e" sehriftung aufweist, enthält auf der Vorderseite ein hervorragend gelungenes Bildnis..." Es wird bei alledem nicht ganz klar, ist hier ein Bildhauer Obersturmbannführer und Sportreferent geworden, oder ist hier ein Sportreferent un" Obersturmbannführer Bildhauer geworden. Das Monopol fn f den Vertrieb der Münze, die in Silber 6 RM. und in Kupfer 3 RM. kostet, hat ein Bankhaus Job. Witzig& Co., München- SchachspieCec und DU ausgeschlossenen Juden Der deutsche Schachverein hat beschlossen, nur noeh arische Mitglieder zu dulden, was diese Reihen allerdings vermutlich stark lichten dürfte. Denn wenn ich mich recht entsinne, klangen die Namen der deutschen Schachgrößen meist ziemlich verdächtig und jedenfalls durchaus nicht arisch, was schließlich kein Wunder ist, da dieses Spiel ja immerhin östlichen Ursprungs ist und seine Beherrschung ein besonderes Maß jenes als zersetzend verfemten Intellekts voraussetzt, dessen Monopolisierung man, wie es beinahe den Anschein hat, nicht ganz zu unrecht, den Juden vorwirft, ohne doch in mutiger Konsequenz den Mangel an Intellekt dementsprechend als eine rein arische Tugend zu verherrlichen. Es wäre näherliegend gewesen, zu denken, daß die reinen Arier hinfort überhaupt auf ein Spiel so verdächtigen Ursprungs, dessen Uebung außerdem noch das jüdische Laster intellektueller Denktätigkeit fördert, völlig verzichtet hätten, um sich statt dessen etwa ausschließlich dem zweifellos altgermanischen Kegelspiel zu widmen. Aber nein, man hat es vorgezogen, die jüdischen Schachspieler auszusehließen. Hoffentlieh hat man nicht vergessen, ihnen nun aber auch das Schachspielen für alle Zukunft zu verbieten, denn wenn so. etwa, auch ohne Verein, ein deutsch-jüdischer Schachmeister internationaler Weltmeister werden sollte, zu wie unlösbaren Konflikten könnte das führen! Es bliebe nichts übrig, als seine jüdischen Winkelzüge einfach für ungültig zu erklären oder bei einem etwaigen Wettspiel mit dem vermutlich kommissarisch eingesetzten deutschen Meister den Juden kurzerhand durch Verhaftung— mindestens seiner H.ptfiguren— mattzusetzen. Zugegeben, das ist schließlich noch ein ziemlich harmloses Pro. ,em. Aber es gibt einen Parallelfall, bei dem die Tragi groteske ins Üeberlebensgroße, Symbolhafte wächst. Auoh der deutsche Blindenverein nämlich hat beschlossen. seine nichtarischen Mitglieder auszuschließen. Dieser Vere»» von Blinden, von Menschen also, deren seelische Hellsieht maa sonst zu rühmen pflegt, hat zu der einzigen furchtbaren» aber naturgegebenen Aufnahmebedingung der Blindheit auf noch die andere naturwidrige hinzugefügt, daß diese Blind* hc't arisch sein müsse. Diese arischen Blinden sind tatsächlich blind genug, nicht zu sehen, daß jüdisch Blinde doch darum kaum weniger echte Blinde sind. Welche furchtbare Vorstellung, daß diese Art von seelischer und physischer Blindheit eine beklagenswerte Doppelerkrankung darstellt, die tatsächlich nur einzig und allein in Deutschland auftritt. "Türen die blinden Juden durch den Ausschluß aus ihrem Verein wenigstens sehend geworden, etwa durch eine dik- ta...Ische Verordnung, daß blinde Juden nicht mehr die Berechtigung besitzen, blind zu sein, und daß ihnen die Ausübung der Blindheit von einem bestimmten Datum an verboten sei,— wer würde nicht eine solche Blindenheilung des neuen Messias preisen! Aber statt dessen sind diese jüdischen Blinden durch den Ausschluß aus ihrem Verein, dessen Auge über den Interessen der Blinden zu wachen hat, nur noch blinder und hilfloser geworden. Oder hat der Beschluß ihrer arischen Leidensgenossen ihnen doch die Augen geöffnet— wenigstens für die schreckliche Einsicht, daß nicht einmal die sonst noch immer sicherste menschliche Gemeinschaft, die des Leidens, Bestand hat, wenn zu der Blindheit auch noch die Verblendung einer rein imaginären „Rassengemeinschaft" tritt, der alles rein Menschliche fremd ist. Wer wird das Wunder vollbringen, diesen Verein blinder Arier und darüber hinaus all ihre anderen mit Blindheit geschlagenen deutschen Leidensgenossen wieder sehend au machen?——— Vielleicht doch auch der neue Messia selbst?! 1. S. Franc. Pariser Berichte Pariser siraßenhilender s»iniai»» wem FiZm-ßarfo Die Première der..Fledermaus" von Ma* Reinhardt im atre Pigalle war ein»ehr großer Erfolg im Rahmen '■nés Gesellschaft«abends. Max Reinhardt erschien auf der Bühne. * Zwölf Kapitel des Manuskripts de« letzten Werke» der Erinnerungen von Poincaré: Au service de la France wur- zugunsten der Kinder- und Familienhilfe in Paris ver "eigen. * In der Cité Universitaire wurden drei neue Pavillons eröffnet! der der französischen Provinzen, der nieder- •ndische und das Collège espagnol. «- Die Nebenabteilung der Arbeitsbörse in der rue du °"loi in der Gegend der Hallen wird demnächst nach einem "todernen Gebäude 67, rue Turbigo verlegt. * Die neue Métro-Linie 9 ist bis zur Endstation Porte de "ontreuil(bisher nur Saint-Cloud—Richelieu-Dronot) vor- Betrieben. Die neue Station Porte de Montreuil wird am • Dezember in Betrieb genommen. » hirmin Gémier, der Mann des französischen Volks- 'heaters, wurde in Saint-Amour(Jura) beigesetzt. ch Der Generalrat der Seine ist zusammengetreten. Die Be **tung beschäftigt sich mit Budget und Arbeitslosigkeit. * Der wegen Frauenmordes in Lyon verhaftete ehemalige Pariser Anwalt Bonnet befolgt die„amerikanische V ertei- "■Sung"; er leugnet alles und ersucht den Untersuchungsrichter, ihm die Schuld zu beweisen. * Anton Kuh spricht Sonnabend, 2. Dezember, 21 Uhr. '"»ter dem Titel„Die Metaphysik als Hausknecht" über das Deutschland von heute im Deutschen Klub(64. Rue du Rocher). Gäste gegen Vorzeigung eines Ausweises zugelassen. Karten 12. 10. 8 und 5 Franken: für stellungslose politische Flüchtlinge 30 Karten zu 2 Franken reserviert. Pariser n'fler Brief Moral und Kinderkrankheit M. Clément Vautel, der täglich mit Saperlipopette und ähnlichen Kraftausdrücken die Kultur als flammender Ritter verteidigt, stellt in einem seiner letzten Gänge fest, daß die Juden aus Deutschland an dem schlimmen Turnier schuld •ind. Der Boykott der Waren des bei Adolphe ist seiner Ansicht nach nur eine deutsche Judenmache— das biCchr.il Kongresse in Genf und London, die Tätigkeit des Rabbiners l l; Wise in Amerika, die ausgestellten Schlangenköpfe in Haken- krenzform, die man in England, Frankreich, Holland, Skandinavien sieht, zählen nicht. Auch die Tätigkeit des Internationalen Gewerkschaftsbundes gilt nicht. Und die französischen Docker, die sich weigern, die Dampfer unter dem Hakenkreuz zu entladen, stammen aus der Grenadierstraße, Wie? Clement Vautel, der gute Stilist, vergißt auch nicht anzumerken, daß die Juden d'outre Rhin die Fabel vom Bären und vom Gärtner nicht kennen. Bitte Beweis anzutreten. Ach doch, sie kennen sie seit langem. In Deutschland nennt man so etwas nämlich: Bärendienste leisten. Aber auch die Gärt- ■ ner wissen Bescheid. Weder lassen sich die deutschen Emigranten. ob Jude, ob Radfahrer, in die französische Politik ein. noch braucht man sie da. Wenn aber doch schon mal ein Berufener— denn man kann natürlich nicht jedem Emigrantengeschwätz nachgehen ■— in Paris in den Aether funkt, so geschieht es in einer unserer von Saperlipopette zu unterscheidenden Weise. So Hat auf dem Bankett der von M. Vautel nicht geliebten französischen Liga gegen den Antisemitismus Hellmuth von Gerlarh erklärt, daß er in seiner Jugend Antisemit gewesen ich keine hervorragenden Juden kannte. Als ich die Juden kennenlernte und sie mit den Antisemiten verglich, war es ans mit dem Antisemitismus. Der Antisemitismus ist wie eine Kinderkrankheit, wie der Scharlach, und wer ihn einmal gehabt hat, ist immun dagegen." Glaubt M Clément Vautel, dessen Adjektive wir schätzen, daß solche Worte nicht auch ihre gute Moral ebenso wie die alten Fabeln haben? sei. Er war nämlich als Sohn eines schlesischen Großgrundbesitzers geboren und wuchs in seine Umgehung hinein. Dann ist er aber nach England gekommen, und die englischen Freunde haben zu ihm gesagt:„Sie sind doch ein Gentleman, wie können Sie Antisemit sein?" „Sehen Sie," sagt Gerlach,„ich war Antisemit, so lange In der Salle Pleyel hat es einen großen Shocking gegeben, einen Edelkrach um Curt Weill, den Mann der Dreigroschenoper. Der von Hitler hinausgeworfene Musikus hatte neue Kompostionen von den Pariser Symphonikern unter Madeleine Grey spielen lassen, als der Skandal losging. G OLD driliantan as ist SIMONC| 24 Pg ontmartra(l-te El. lit'IUIP.«»»6'in wlifl lÜDja iscties Besidurani ßodapes 5\ ru« tlu Damier BRÜSSEL hmtrr Kau haus Innovation Mittaq Dinar, Abend iouper«V| Suppe, Fleitchgang mit Beilage. Dessert I emschließ t-h Getränk, Bedienung. Brot nach Be l liehen. Schmacuha te nahrhafte Küche merksam? höfliche Redtenun® Wo speist man gut und billig i. Brüssel Restaurant à la Fourchette 11. rue Si. M.che 22. I. QuerstraBe te ht» vom Fiat, Örouckcre Mittagessen von 6,— bis 10,— Fr. 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Auch die ,Kleine Anzeige' m de „Dsuls:hen Frei- neu oi nm Ei'oin Man muß wissen, was die Salle Pleyel ist. Das ist die Philharmonie im feinen Westen, samt Gürzenich und Gewandhaus. samt Abendkleidern. Rosetten und Unsterblichkeit. Mitten in dieser Gala erlebte der Verfasser der Dreigrosclien- oper eine Erweiterung der Ballade Der bedeutende französische Komponist Florent Schmidt. Tondichter von„Quintette",„Tragödie de Salome",„Psaume", erhebt sich plötzlich Und ruft mitten im Stück„Heil Hitler!" Das rief er zwar nun. im Gegensatz zu manchem deutschen Schmidt, ironisch, aber irimeihin mit dem Hinzufügen:..Wir haben in Frankreich■ i genug schlechte Komponisten, wir brauchen nicht ni i du ganzen deutschen Juden", oder jLpe-V*;•')?'•!?■•'"'' iL'"Vf# so ähnlich Na. deç Saal stand auf. die Damen entsetzten sich, den Schreck können Sie sich denken. Es sollte nun zwar nicht eine Kundgebung gegen Juden, sondern bloß gegen die schlechte Musilt sein. Möglich, immerhin, es ist der Ton, der die Musik macht, und dieser Ton war nicht gut Die Musikgötter sagen, der neue Weill sei nicht so wunderbar wie die Dreigroschenoper. Ich weiß es nicht, aber die Moral der Dreigroschenoper ist mir ins Herz geschrieben, und darum schließe ich diese Epistel um Weill und Schmitt mit einer größeren, der Lessingsdien Grahschrift für Voltaire(gekürzt): Der Herr verzeih in Gnade, Ihm seine Henriade. Denn was er sonst ans Licht gebracht. Das hat er ziemlich gut gemacht. Die„Rote Roh e", das bekannte Schauspiel des Konflikts des Staatsanwalts um einen Mord, ist fast ohne Veränderung verfilmt worden. Die Regie führte der junge M de M a I g u e n a t. Der interessante englische Spionagefilni„J'étais une espionne" mit Madeleine Carroll und Conrad Veidt spielt in Belgien 1913 während der Kriegsbesatzung und behandelt die Schicksale eines jungen Mädchens. Maurice Chevalier spielt wieder einmal seine Kavafirrrolle in„Monsieur Behé". Little Giant ist ein amerikanischer Gangster-Film nach der Abschaffung der Prohibition. „L'Epervier" mit Charles Boyer. ein französischer Film nach Francis de Croisset. behandelt das Leben eines in« Ausland geflüchteten russischen Aristokraten, der als Deklassierter endet. Literaturpreis für Ausländer? Anläßlich der Debatte um den Concourt- und F e m i- n a- Preis machen„Les treize", die bekannten Literaturrichter. darauf aufmerksam, daß der Roman„Toutes les femmes compendront" von Mme Luc Valti von der Prüfung zurückgewiesen sei. Grund der Abweisung war. daß die Verfasserin ausländischer Herkunft ist. „Les treize" bemerken dazu:„Es gibt eine Reihe Schriftsteller ausländischer Abstammung, die sich der frin- zösischenSprache bedienen: besonders Schweizer und Russen. Muß man nicht für sie. die Treize haben das schon öfter gefragt, einen besonderen Preis gründen? (farfstw dheater Samedi,* Oé*«n»'« Concerts Pa sd ei ou p. Th. Ch. Elysée, 17 h. Chef d'Orchestre Pierre Coppola, sol. Marg. Chattenet(pian.). Roget Boardin(chant). Opera 8 h Faust. 0 p C o mi q ue. 8 h Tosca, Cav. Rusticana. Corn. Française. 8 h Primerose. Od eon. 2 h 30 Jeanne de Pantin, Le Joli rôle. 8 h 30 La Cagnotte. Troc a dem 8 h Le Trouvère. Gälte Lyrique. 8 h IS Le Pays de Sourire. St. Ch. Elysée s. 9 h Yvette et ses enfants, Lettre d'une Inconnue. Stioplc et Mania. T h Pf galle 8 h 30 Opérette„La Chauve Souris"(Max Reinhard) nimmcf»«, Iff 9 Oéwwiftre Concerts Poulet 17 h 30(Th. Sarah Bernhardt), Chef Gaston Poulet, sol Denise Levi(viel.). Concerts Pa s del ou p. 10 h SO(Th. Ch. Elysées). Chef d' Orchestre Coppola, sol. J Thibaud(viol.). Opera. 3 h Argentinia(danses). 0 p. C o m i q ue. 2 h 30 Barbier de Seville, 8 h Frasquitta. C o m. F r a n ç a I s e. 2 h 30 Im Belle Aventure. Sganarelle. 8 h Le Juif polonais l'Anglais tel qu'on le parle. 0 de o n 2 h 30 Jeanne de. Pantin, Le Joli rôle. 8 h 30 Le Marchand de Venise T r qc a d e r o. 2 h 1 ms Contes d'Hoffmann. Gälte Lyrique. 2 h Ci Im Pays du Sourire. 8 h 45 Le Pays du Sourire. S t. C h. Elysée s. 9 h Y cette et ses enfants, Lettre d'une inconnue, Stiopic et Mania T h P i g aile. 8 h 30 Opérette„ Im Chauve Souris"(Max Reinhard). Am Freitag abend. 21. November, spielte vor ausverkauftem Saale im„Palais des Beaux-Art«", Brüssel, die Wilna-Truppe unter der Regie von M. Mazo..Kidusch Bachem" Die Königin von Belgien wohnte der ganzen Aufführung bei und empfing in der Pause den Regisseur Mazo, dankte ihm für die buchkünstlerische Vorstellung. N 5 Dancing fteîlauranl itâino s des 100 000 Aeurs 2. Rue de l'Ecole de Médecine(6) Chinesische Spezialitäten, Dancing, Attraktionen, btste Pflege, das lust'aste von Quai tiei Latin. Contommations ab & Fr. Aui l-tei Etage Resta rant, BAR- AMERICAIN S TUDENTEN- PRE/SE ATTRAKTIONEN I. RUE KRI-S B ar-C ibare'«Datte nn MONTPARNASSE TELEPHON DANTON M-85 Die ganze Nach geö ine« Mit die*e? Annonce bekommen S!p 10'< Preisermïft»i?unR. Conrarîs Lamoureux Salle Gaveau. Unter Leitung von RhCnO Baton Sonnabend, 1. De«. 4 Uhr 45 Sonnfeg, Z Des. Z Uh S.Hng Mlle Do olMe Giennini Im Programm: Wo*k« von Corelli, B«»e hovan, Schuman.' R vu«»al, Rlmtky-Koriakof?, Mal. von ScSuharf und Wabar. Steuerfragen Gereüschaffsgründungen Wanden Sie vch an F. B&QUEU LICINUh FN DROIT ?hem.ilii?er Koivro'leur der direkten Steuerbehörden um vom offiziellen Standpunkt aua beraten zu werden f. IM."at ae.NnavaH.*«•>•«2t. la.' M vre 22.91 Frank. Firma rucht zur Hinrichtung voo Färberei DEUTSCHEN■HEM'KER der eich mt'X)00O Fr. beteiligen körnte. O fertrn nhtrr T G. an die K*pedll;on. Die KathoüKen und die Ililfcr-Reglerong Unmittelbar vor den Wahlen hatten die bayerischen Bischöfe, dem Beispiel des Kardinals Bertram. Erzbisrhof von Breslau, folgend, einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, den die Presse völlig mit Schweigen übergangen hat. In seiner Rede bei der Einweihung einer nationalsozialistischen Schule letzten Sonntag gab der bayerische Ministerpräsident Siebert seiner Meinung über die Haltung der Bischöfe klaren Ausdruck: Ich war erschüttert, als ich sah daß die Bischöie sich nur mit Vorbehalt dem Reichskanzler zur Seite stellten und in der zweiten Häfte ihres Aufrufs zurücknahmen, was sie in der ersten gesagt hatten. Die Tatsache, daß die Proklamation der Bischöfe die frohe Zustimmung, die der neue Staat fordert und von jedermann fordern kann, vermissen ließ, hat midi seht betrübt Ebenso bat mich der B.u-f eines hohen Geistlichen tief verletzt, der erklärt hat. er könne dem neuen Reich nicht mit aufrichtigen Gefühlen anhängen, weil er glaubt, daß viele der Handlungen, die in letzter Zeit unternommen worden sind, sich gegen den katholischen Bevölkerungsteil richteten Seit neun Monaten, schließt der bayrische Ministerpräsident. habe ich bewiesen, daß ich gerecht bin gegen alle, die guten Willens sind. Aber ich versichere heute, mit der gewünschten Klarheit, daß alle Parteien vernichtet worden sind Das neue Deutschland wird mit niemand mehr die politische Macht, die e» auf sein Volk ausübt, teilen. Die Zeit der politischen Parteien ist vorbei, aber die Zeit, da die Kirche sich mit Politik beschäftigte, ist auch endgültig vorbei. Or'Hidf Aer Sei", Ui-Ut Die nationalsozialistische Zeitung., Frankfurter Volksblatt" stellt einige der Gründe zu lammen. die in der letzten Zeit gewisse Internieruiigen in das Konzentrationslager Osthofen veranlaßt haben. Wir bringen liier die wichtigsten: Sech' Personen de- Kreises IGtrlrl wurden ins Konzen- tratinnslag-r g'"|>>eb> weil sie..eine antinationale Gesinnung" bewiesen haben; zwei andere, weil sie auf einer Reise erklärt hsben. sie wollten sich nach Rußland begeben, wo die ,^irbeitsbedingungen günstiger wären eU in Deutschland". andere, weil sie kommunistische Propaganda in der Gegend des Arbeitslagers Homberg gemacht und ihre Kameraden aufgefordert hatten, ihnen nach Rußland zu folgen, „um bessere Zeiten zu erleben": ein Universitätsprofessor ans Gießen, weil er in einem Brief an einen Kollegen die Reserve der S.A.. der er beigetreten war herabgesetzt hatte; ein jüdischer Rechtsanwalt, weil er sich..in unmoralischer Weise einem Christenmädchen genähert" hätte: zwei jüdische Kaufleute,„weil sie eine Haltung eigenommen hätten, die die Bevölkerung veranlaßte, gegen sie vorzugehen"... leituw r Klo Ii Aus dem Konzentrationslager wird dei Zeuge Bernstein vorgeführt, den der Major Weberstaedl vielleicht mit Taneff verwechselt hat. Auch Bernstein trug im Winter einen langen dunklen Mantel, der. wie Torgier meint, länger erschienen sei. weil Bernstein die Schultern hängen ließ. Der Präsident warf ein daß er von dieser Eigentümlichkeit nicht« bemerke Der Zeuge erwiderte,„leb war sechs Monate in Sonnenberg, und dort wird viel auf stramme Haltung gegeben." Aus der Pfalz Ter neueste Schlager der SA. ist jetzt das umgeformte Lied:„Siegreich wollen wir Krankreich schlagen", das an- geblich Göring verboten hat. Man singt jetzt ans Leibes- kräften:„Siegreich wollen wir, das dürfen wir nicht sagen." Sonst sind die Nachrichten von überall gleichlautend. Miese Stimmung, Lohnabbau, großer Erfindergeist für ständige Abzüge. Die öffentlichen Arbeiten werden mit Wechseln finanziert. DaS dabei beliebte Verfahren wurde ftüher als Wechselreiterei bestraft. Kurzarbeit ist zur Gcwohnheitserscheinung geworden, die dadurch bedingten Löhne sind sehr gering und haben den Lebensstandard stark herabgedrückt. Die fortgesetzten Abzüge und Preissteigerungen haben auch für die Geschäftsleute viel Stoff zur Kritik wegen ihrer erbärmlichen Lage geschaffen. Es ist eigentlich ein Glück, daß nicht auch die Unternehmer- bttros mit ihren Syndizis ausgehoben wurden wie die Ge- werkschaftsbüros. Manche Tarifverträge werden nämlich nur noch von dieser Stelle aus verteidigt und gehalten, weil aus Kvnkurrenzgriindcn ein tarifloser Zustand unerwünscht wäre. Die neuen unfähigen und desinteressierten Gcwerk- schastsbonzcn kümmern sich um gar nichts. Die Inflation in Gcwerkschaftsangestellten steht im umgekehrten Verhältnis zur Leistung. Die Umfrage hat ergeben, daß überall drei- bis viermal mehr Angestellte sind als früher. Während früher gearbeitet wurde, rennt jetzt einer den andern nm, wird die Zeit ver- trödelt mit Disputen oder Spazierfahrten mit den ge- stohlenen und neu hinzngekanstcn Autos. Der kulturelle Niedergang drückt sich immer schärfer aus. Die Kommissticfel-Anhänger wollen weder Theater noch andere geistige Veranstaltungen und die Bildungsinter- cssenten können den jetzt gebotenen Seicht nicht ertragen, weshalb das Theater leer ist und andere geistige Genüsse nicht geboten werden.' Aus einer Stadt, in der man die Mieter des Bolkshauses hinauswarf, hat man jetzt Klagen eingereicht wegen rück- ständiger Miete. Aber man zahlt den Gewerkschaftssekre- tären nicht das vertragsmäßige Gehalt mit der Begründung, der frühere Vertragspartner existiere durch die Bildung der Arbeitsfront nicht mehr. Zahlen will man also mit dieser Begründung nicht mehr, aber Gelder möchte man noch aus der Zeit der überwundenen Gewerkschaften eintreiben. Es dürste vielleicht noch interessieren, daß jetzt in Ludwigs- Hasen die SA. komplett mit Karabinern und leichten Maschinengewehren versehen ist. In allen Städten wird die FliegeranSbildung stark for- eiert. Es gibt überall besondere Schulen, die seit dem Vor- Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Métro: Chalelei RADIKALE HEILUNG von BLUT-, HALT- nod FRAUENKRANKHEITEN Heilang von Kramptedern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität, Imptungsvertahren Trypatle vine- Einspritzungen Blut, und Harn-Untersuchungen, Sper. makultur, Salvarsan. Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10— 12 und von 4—8 Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man epricht deutsch Têt Trinité 43.13 Métro: Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 62. Roe<*e U Rochefoucauld a) Allgemeine b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Konsultationen Zweistöckiges Sanato» Klinik riumsgebäude. 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In Kaiserslautern ist man besonders scharf auf Wirtschaften, tu denen angeblich Marxisten verkehren. So wurde kürzlich für ein Lokal die Konzcssion auf g Uhr abends beschränkt, während jetzt das Lokal Gaß geschlossen wurde mit der Begründung,„in dieser Wirtschaft sind hauptsächlich Personen verkehrt, die marxistisch eingestellt sind und dem Reichsbanner oder Rotfrontkämpferbnnd angehört haben. Ter„N a ch r i ch t e n st u r m" Kaiserslautern wurde kürzlich laut eingehendem Bericht in der„NSZ." feierlich„verpflichtet". Jetzt kann der von Hitler gelobte Frieden, an den kein Mensch glaubt, beginnen. Verhaftungen und Entlassungen von der Schutzhast gehen vor sich in täglichem Wechsel. Es regt sich fast niemand mehr aus. Alles wird zur Gewohnheit. Einzelheiten über den Wahlschwinbel brauchen nicht mehr gebracht zu werden, es waren überall dieselben Methoden. Aber auch die Meldungen hinsichtlich der Teil- nahmslosigkcit gegenüber dem Abstimmungsergebnis sind gleich. Aus einem Ort, in dem schon sebr früh der Hitler-Gruß üblich war, wird uns qemclbct, daß heute unsere Anhänger grüßen, sich dann aber schnell auS dem Staub machen müssen, weil die enttäuschten Bauern nichts mehr vom Hitler-Gruß wissen wollen. Doktor Wachtel Harns, Blnt- and Hautkrankheiten 123, Bd. Sébastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Unr; Sonntags vormittags Naae, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. ri- d. h. Empfangs- und Ordinaf.-Zimmer imLaborat. inet, schön ainger. Schlaf-Speisezimmer u. Küche in einer gufen Gegend. Ausfanrswegen geleg. zu kaufen. Näh. Angab, an Publ. Matzl, 51, rua Turbigo No 129. 18, rue Blanche téL Trinité 64• 99 Allgemeine Deutsche Poliklinik Métro: Trinité und St. Lizzre Chefarzt Professor WENSTEN I) SPEZIALXRZTLICHE ORDINATION lür sämtlich. Art Erkrankungen. 2) INNERE Klinik 3) CHIRURGISCHE Klinik 4) GEBURTSHILFLICHE Klinik ===== ORDINATION: täglich von 1 bis 8 Uhr. Sonn, und Feiertags von 10 his 12 Uhr== I Französisch in 15 Stunden ECOLE BENEDICT. 21, Bon evard des Italiens.(Métro Opéra)[ Kram in der Genier nillerkolonie Die Nazis verunchrcn Deutschland H. H. Genf, den 29. November. Da auch die romanische Schweiz von Hitler in das gcr- 'Manische Imperium einbezogen werden soll, residiert in Genf ein„Kreisleiter der NSDAP.". Es ist der deutsche Konsn- latsbeamte G ö h r i n g, der seit Hitlers Gloria in den Machtrausch des ewig stecken gebliebenen Subalternen ver- fallen ist. Die jämmerliche Feigheit der beflissen Gleich- geschalteten ermöglicht diesem Gernegroß mit dem ver-° drängten EhrLeizkomplex eine Herrschaft„nach dem Führer- Prinzip", die echt nationalsozialistisch mit schmutzigster per- söulichcr Ehrabschneiderei sich gegen Nichtgleichgeschattcte und Rivalen austobt. Nun sind aber in Guck weder SA. noch Konzentrationslager bei der Hand, und so legt der nicht weniger ehrgeizige Ortsgruppenvorsitzende Schneid er sei- ncm Mintaturstihrer Göhring heimlich Minen unter den Thron, worauf sich mit allem Raffinement unterirdischer Gemeinheit zwei Gruppen heftig bekämpfen. Schneider verdient nur die größere Hälfte seines Einkom- mens beim Völkerbundsblättchen des Auswärtigen Amtes, den beträchtlichen Rest zahlt ihm für regelmäßige Ueber- setzungen außerhalb des Hauses der Völkerbund, den er dafür als echter Nazi in seinen Ortsgruppenversamm- lungen und seinem in Deutschland verlegten Wochen- blttttchcn dauernd heftig beschimpft. Nm die Einigkeit voll zu machen, hat sich jetzt der Herr deut- sche Konsul Krauel selbst gegen Göhrings tolle Ueber- griffe in die Amtsführung in Berlin beschwert, doch ist nicht sicher, ob der„echte" Nazi-Göring dem gleichgeschalteten Nazi- Krauel trotz des dienstlichen Rangnnterschicdes nicht in Berlin über ist. Denn der Herr Kreisleitcr hat zum Ber- bündetcn den Vertreter des„Völkischen Beobachters", den rumänischen Staatsangehörigen Herbert, der im Krieg ungarischer Leutnant war und jetzt sich selbst auf An- schlügen in der Universität zum„Major a. D." befördert hat. Zwar radebrecht diese rumänische Säule des aufgenordeten Germanentums ein steinerweichendes Deutsch, über das bei seinen falsch abgelesenen Borträgen die Mitglieder Tränen lachen, zwar ist er bei den Journalisten des Völker- bundes als unter jeder Kritik unfähig bekannt, aber seine treu- deutsche Gesinnungstttchtigkeit macht ihn, der ebenfalls ver- geblich nach einer Rolle sucht, zum geeigneten Werkzeug Göhings. Wenn zwei„echte" Nazis verleumderische Spitzel- berichte nach Berlin schicken, setzen sich Säge und Bann- strahl sicherer in Bewegung. Unter denen, die wortlos kuschen, befindet sich der betriebsame Professor Bohnenblust. Er hat seine„Genfer Gesell- schast für d» tsche Kunst und Literatur" mit der Wendigkeit gewisser literarischer Norbilder im Reich fix ans Nazi, propaganda umgestellt nnd rechnet nun damit, daß er seinen Lohn dafür in Gestalt eines Lehrstuhles an der Berliner Universität erhakt». Als zweites Bcrnhigungspulver im„besseren" Teil ber Nazikolonie wirkt der mit heftig unarischen Großmüttern belastete Professor Askanazy. Beide sind nun in der größten Verlegenheit, zu welcher der verfeindeten Gruppen sie halten sollen, weil man doch nie wissen kann, wer ge- winnt. Denn es hat sich baS Furchtbare begeben, daß die rest- lichen zirka 79 Mitglieder erfahren haben, wie treu ihr Halb- gott Göhring das Beispiel der Bonzokratie im„dritten Reich" befolgt. Kleine Geister, die sie sind, können sie nicht verstehen, daß der Sinn des Führerprinzips doch eben der ist, die Fllhrer auf Kosten der Hammelherde zu bereichern. Also herrscht offener Krach weil der .Kreisletter Göring sich selbst und seine Frau Gemahlin be- scheiden in die niedrigste Beitrags- und Opferstuse eingesetzt hat, während selbst arme Proleten und Studenten bis zu 50 Prozent höher hergenommen werben. Beim Geld hört der Spaß auf— wenn man sich als Führer noch ohne Konzen- trationslager behaupten muß. Diese widerliche Katzbalgerei wäre nicht des Erzählens wert, wenn sie nicht im Spiegel der höhnenden Oeffentlichkeit Genfs wieder ein Musterbeispiel dafür wäre, wie die Eni- fesselung der niedrigsten Instinkte, die man Nationalsozia- lismus nennt, den deutschen Namen überall gründlich der Verachtung ausgeliefert hat. Frau Ilnlversl'aispro'essor Ter RegierungSrat des Kantons Bern hat die bisherige Privatbozentin für physikalisch-biologischc Chemie, Doktor Gertrud Woker zum außerordentlichen Professor an der Universität Bern ernannt. Doktor Gertrud Woker ist ein aktives Mitglied der Internationalen Frauenltga für Frieden und Freiheit und auch außerhalb der pazifistischen Kreise durch ihre verdienstvollen Arbeiten über den chemischen und den Gistgaskrieg rühmlichst bekannt. An- und Verkauf zentraleuropsischsr und sOdamerlkanl- scher Davisen Effekten und REICHSMARK durch das Bankhaus Georges Perles P. Michel 34 RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TAI T B 0 U T 08-40 BIS 45 BRIiPKASTEII Luxemburg. Verzeihen Tie, daß wir Tic enttäuichten, aber vet' (jenen ist Ihr Gedicht nicht, Sie werden es bald finden. Wir e widern Ihre Grüße. Die neueste Nnmmer des„Aufruf", Streitschrift für Menschen« rechte, Prag 2, Krakovska 13, enthält u. a. folgende Beiträge: Albe» Einstein und Siegmund Freud:„Wozu Krieg?"— Walter Fucy (ehemals Prosegor der Technischen Hochschule, Aachen):--îlebe Kompsstoff-Forschung"— Max Seydcwitz:„Was wird Polen be- ginnen?"— Walter Tschuppik:„Hitler und seine Mitverschworenen — Nachricht von Kurt Hitler, sowie zahlreiche Glossen und® c* merkungen. Preis des Einzclheftcs 2,50 Fr. Ilse R., Tel Aviv, Palästina. Wir freuen uns, daß Sie so aui- mcrksam unsere Zeitung lesen, indes versprechen wir uns nicht* davon. von hier auS gegen die„Palästina Post" zu polemisiere«. Es wäre zweckmäßig, wenn von dort unmittelbar gegen solche Schreibereien protestiert würde. M. R L. Schreiben Tic nach Saarbrücken, Schützenstraße 5. M. R., Luneville. Einem Brief von Ihnen entnehmen wir:„A>n Sonntagabend war ich in Nancy im Kino. Den Lärm und das Ge« sohle häten Sie hören sollen, als Hitler in der Wochenschau aus» tauchte. Direkt ein Genuß! Uebrigens habe ich in dem gKiät« geschalteten Saarbrücken in einem der größten Kinos dieselbe B" obachtung gemacht. Den Namen will ich schamvoll verschweigen, sonn könnten die Besitzer noch Unannehmlichkeiten haben. Da wars aber unser Kronprinz, der in der Wochenschau dem Kameramann huldvoll zulächelte. Als er die Hand zum„Salve" heben wollte, verrutschte ihm die neue Lentnantsmütze. Brausendes Gelächter, vrrn angefangen und hinten beendet, war die Folge. Daß auch Herr Göbbels sowas zuläßt!" Mehrere Beschwerdeführer. Sie haben sich die mangelnde Er« ledigung Fhrer Briese oder die Nichtaufnahme von Berichten selbst zuzuschreiben, wenn Sie an einzelne Redakteure adressieren, statt an die Redaktion. Apotheker Zürich. Besten Dank für die Uebersetzung aus„Poli» tikcn". Mit solcher Hilfe ist uns immer sehr gedient. R. SB., San Rem». Die Zeitungen gehen Ihnen zu. Unsere E?» pcditian wird dafür sorgen, daß das Blatt auch dort zu haben ist. Ihre Einsendung ist recht wichtig. Ansrager. Tie Karikatur„Im Dienst" ans der ersten Seit« unserer Nr. 137 ist uns freundlicherweise von dem in Prag er- scheinenden„Aufruf" belassen worden. Barcelona. Es ist uns unmöglich, weitere Freiabonnement« zu gewähren, so sehr wir die Notlage vieler Emigranten verstehen. Die „Deutsche Freiheit' ist ganz auf sich gestellt und muß sich durch» ringen. Sie ist eben auch eine„Emigrantin". Katholischer Leser. Sie machen nnS auf einen Aufsatz In der Nummer 27» der katholischen„Saarpfalz" aufmerksam. Dort philo- sophiert ein Dr. F. X. Eberl« über„Kirche und Wirtschaftssystem" und kommt zu dem Schlüsse, die Kirche habe„alle naturgegebenen Wirtschaftssysteme solange zu stützen, als sie nicht gegen die Ge» r c ch t i g k e i t und die Liebe verstoßen". Nun möchten Sie wiycn, was wir dazu sagen, da Sie in der kapitalistisch-faschistischen Wirtschaftsordnung weder Gerechtigkeit noch Liebe entdecken können und dennoch werde dieses System von der katholischen Kirche ge« stützt. Die Antwort steht schon im 34. Psalm, wo Sie lesen:„Ter Gerechte muß viel leiden." Locarno. Post, die nicht über Deutschland geht, erreicht uns stets. Briese werden stets, wenn auch manchmal mit einigen Tagen Ber» spätung, beantwortet. Briefmarken im Kampf gegen die Tuberkulose ■ m MiiiewfRi aaat H«l»l Eine Marke der neuen Wohlfahrtsserie, die von der bel- (tischen Post herausgebracht wird. Die Ausgabe solcher Serien erfolgt in Belgien alljährlich am 1. Dezember: der Rein- erlös fließt den Forschungsstellen zum Kamps gegen die Tuberkulose zu. Für den Gcsamttnhalt verantwortlich: Johann P i y In Dud- weiter: sür Fnferatc: Ctto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Beilag: Verlag der Bolksftimmc GmbH., Saarbrücken», Schützcnstraße 5. 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