Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Kummer 140 1. Jahrgang I Saarbrücken, Sonntag-Montag, den 3.'4. Dez.| Chefredakteur: M. Braun Ana den» Inhalt Cheistenqott qeqen nationale Qötzen Seite 2 Andel Jacdieu: Du Einsatz Seite 3 tnqlisdiu!Beief (Hitlecs JUessechef bestochen Seite 6 Du JiiicktlUtqs'JComnüssae Seite 8 Ende des(Kölschen Rtchlsslaalcs Die Proklamation der Parteldlktatnr Ober alles Deutschland ist von nun au auch staatsrechtlich nur noch ein fjeich der nationalsozialistischen Bonzokratie. Der Wille, die Totalität des Staates mit der Totalität der Nationalsozialistischen Partei zu vereinen, hat '"'"en reichsgesetzlichen Ausdruck gesunden. Die NSDAP, 'st durch em Reichsgesetz, dessen Wortlaut wir an anderer ^'elle verösfentlichen, zu einer Körperschaft össent« '' ch e n Rechts geworden. Damit find sfir immer, solange "Mes Parteiregime Deutschland beherrscht, alle politischen ^ruppenbildungen gesetzlich geächtet. Die NSDAP, steht in diel höherem öffentlichen Recht als ehedem die Landeskirchen ""er ähnliche Körperschaften öffentlichen Rechts. Die muhten i'ch alle noch den Wettbewerb und die Kritik freier Bcreini- Hungen gefallen lassen. Hier hört das auf. Die NSDAP. >t auf politischem Gebiete nicht nur die ''«»ige Körperschaft öffentlichen Rechts, sie 'si die einzige geduldete Körperschaft fiber- Haupt. Ffir die Mitglieder der Partei und der SA. hat daS neue ^letz ein doppeltes Geficht. Auf der einen Seite erhebt es »u bevorrechteten Staatsbürgern gegenüber den Rur- Datschen, die sich nicht rechtzeitig durch Parteiabzeichen und ^iraunhemd die Gunst der regierenden Parteibürokratie ge- ficher» haben, aus der anderen Seite unterstellt es sie einer Gerichtsbarkeit, deren Urteile reine Willkürakte sind, die aus [[Mehl der Bonzokratie gefällt werden. Nach dem Wortlaut h^s Gesetzes braucht sich diese neue Parteirechtsprechung keineswegs nur aus strafbare Handlungen zu beziehen. Bei der willkürlichen Auslegung, die im Reiche lediglich im Parteiinteresse geübt wird, ist durchaus damit zu rechnen, dah dach zivilrechtliche Entscheidungen mit der neuen Recht- sprechung vermengt werden. Das Gesetz hat einen doppelten Zweck: es soll den Schrecken "nd die Angst des deutschen Volkes vor dçr gewalttätigen Parteidiktatnr erhöhen und gleichzeitig jeden Versuch eigenen Denkens und eigenen Handelns in der NSDAP, durch die varcht vor einer barbarischen Gerichtsbarkeit über mißliebige ungehorsame Mitglieder erhöhen. Jeder Pg. und jeder îA.» oder SS.-Mann muh nun noch mehr als bisher die Denunziation des Nebenmannes fürchten, der ihn vor ein Parteigericht bringen kann, dessen Urteile nicht unter irgend- Welche» Rechtsgarautien, sondern nur noch nach reinen Parteiinteressen gefällt werden. Jedes dieser Urteile kann den als schuldig Befundenen so in die assentliche Acht bringen, dah er und seine Familie wirtschaftlich und physisch dem Untergang geweiht sind. Es ist nach allen bisherigen Erfahrungen nicht anzu- Pehmen, dah das Gesetz irgendwie und irgendwo nennens- tvert angewendet wird, wenn sich SA.- und SS.-Leute Ans- schreitungen gegen Marxisten, Juden und sonstige Deutsche "rinderen Rechts zuschulden kommen lassen. Da die„Ans- îottung" dieser Schichten nach den oft wiederholten Erklä- Zungen der Banditensührer, auch der in hohen Reichs- und «taatsämtern befindlichen, ein verdienstliches Werk ist, werden die Parteigerichte gegen solche Taten sehr milde sein. Schwerste Strusen werden aber allen denen "rohen, die sich nicht in blindestem Kadaverge- "orsam der Bonzenhierarchie unterwerfen. Diese„Mentere t" werden in einer Weise be- si raft werden, für die wohl die alte preußische Militärgerichtsbarkeit das Borbild ist. Im Zuge dieser Parteigesetzgebunr ist auch der partei- diktatorische Charakter des Reichskabinetts noch klarer herausgearbeitet und stabilisiert worden. Der Stellvertreter "nd langjährige Freund des Führers Rudolf H e h und "er General der braunen Miliz«nd Organisator des Re- "»nchekriegs Ernst Röhm sind zu Retchsministern ernannt worden. Was neben den nationalsozialistischen Oberbonzen "och im Reichskabinett geduldet wird, sind anher dem uu« wöglichen Seldte, der im Glänze seines Ministertitels den Untergang des„Stahlhelms" gern übersieht, einige Jach- wintster, die man nicht gut entbehren kann. Bleibt noch der Vizekanzler Fränzchcn von Pape«. Dieser traurige H^fd 'st ausgezogen, um die„Parteibfirokratie- zu vernichten. 3ede seiner Kanzlerreden enthielt diele Forderung, und die dauern und Bürger, vor denen er zu spreche« pflegte, sudelten dem Männchen zu, das sie sür einen Staatsmann hielten, während er nur ein strebender Ehrgeizling ist. Einer, der Minister sei« und bleiben will um jeden Preis. Nun ist "r Dekorations-Vizekanzler t« einem Kabinett reinster mm die Völker... Parteibürokratie und grübt mit erhobener Hand die regierenden Part e o nzeu. Es ist das wohl- verdiente Schicksal eines Menschen ohne politische« Charakter, der vielleicht nicht einmal fühlt, wie jammervoll er sich«nd seinesgleichen vor einer Partelbonzokratie, deren Korruption tausendfach zu erweise« ist, entwürdigen. Die alten bürgerlichen Rechtsbegrisse werden mehr«nd mehr zerstört. Ob diejenigen daS nicht merken, die das braune Heer finanzierten und begünstigten, um den bürger- lichen Staat«nd die bürgerliche Wirtschast gegen den Marxis- mus und den Bolschewismus zu schützen? Soviel ist gewih, dah der alte bürgerliche Staat nicht wiederkehren wird. Ein parteiischer Söldnerstaat ist an seine Stelle gerückt. Noch ist er Schutz und Schirm der kapitalistischen Wirtschast, aber deren Krise ist ungelöst und wahrscheinlich unlösbar gerade in den Bezirken, die breite Säulen jeder bürgerlichen Gesell- schastsordnung sind: dem Bauerntum und dem Mittel- stand. Nicht zuletzt eine Ahnung dieser riesenhafte« Ge- fahren dürste auch für das neueste Totalitätsgesetz maßgebend gewesen sein. Dah diese Schwierigkeiten durch drakonische Gesetze nicht gelöst werden können, ist für uns gewih, und alle Lehren der Geschichte geben uns darin recht. In jener kommenden kritischen Stunde, die andere, zur revolutionären Umgestal- tung der Wirtschast entschlossene Kräste an die Mach« bringen wird, kann es nnn die Problematik der Machtergreifung, die einst den deutschen Sozialismus zersetzte, nicht mehr geben. Der totale faschistische Staat kann nnr durch eine« totalen sozialistischen Machtwillen gestürzt werden, und diesen Tag werden wir erleben. Illegale Sozialdemokratie Die tapfere Jugend Dresden, 2. Dezember. Die politische Polizei meldet: Man ist einer außerordentlich umfangreichen Neuorganisation der SPD. aus die Spur gekommen. Die jenseits der Reichsgrenze sitzenden Führer der SPD. haben mit den hier zurückgebliebenen früheren kleinen Funktio- nären die Verbindung wieder ausgenommen und haben in Anlehnung an die früher sozialdemokratische Parteiorgans, sation zunächst eine ganz systematische Verbreitung des in Karlsbad gedruckten„Neuen Vorwärts in dir Wege zu leiten vermocht.. Zur Tarnung wurde aus Geldmitteln von jenseits der Grenze hier in Dresden eine Tabakgrobhandlung ein- gerichtet, in der die neue illegale Dresdner SPD^-Leitung untergebracht war. Die in der Tschechoslowakei gedruckten Zeitungen und sonstigen Schriften wurden, in Paketen ver- packt, bei Nacht in für die Fahrt in das Reichsgebiet auf den Grenzbahnhüsen bereitstehenden Eisenbahnwagen und auch auf Dampfschiffen auf tschechischem Gebiet auf die raffi- nierteste Weise so versteckt, daß die Pakete der Aufmerksam- feit der deutschen Grenz- und Eisenbahnbeamten zunächst entgehen konnten. Eines dieser Pakete, das ein Kurter hatte liegen lassen müssen, wurde dank der Aufmerksamkeit deS Bahnpersonals entdeckt.^ Die Ursachen de» kleinen..Unfall«- ssnd un» bekannt. Di« Arbeit wird fortgesetzt. Von Leon Blum Sir John Simon. Staatssekretär für Aeußere» Seiner Majestät, hat dem Haus der Gemeinen Erklärungen ab- gegeben, die man nicht mit Stillschweigen übergehen darf. Die englische Regierung verzweifelt nicht an Genf, nein, keineswegs! Sie bleibt treulich dazu entschlossen, die Abrüstungskonferenz bis zur allerglücklichsten Lösung zu führen Aber sie ist der Meinung, daß es, bevor die Unterhaltungen in Genf wieder aufgenommen werden, notwendig ist, die großen Schwierigkeiten zu mildern, die die Großmächte trennen. Und wie könnte, ich bitte sehr, diese Arbeit vorhergehender Verständigung ohne Deutsch- land versucht werden? Sir John Simon ist daher der Meinung, daß man mit Deutschland„reden" müsse, bevor die vertagte Konferenz neuerdings zusammentritt. Unter- Handlungen zu zweit, zu dritt, zu viert? Kleiner Pakt oder großer Pakt? Sir John Simon überläßt uns freundlich der Verlegenheit der Wahl. Niemand kann bezweifeln, daß sich darin bei der eng- tischen Regierung eine recht deutliche Meinungsänderung bemerkbar macht. Ich will im Augenblick nicht ihre Ur« fachen untersuchen, aber klar ihr Folgen darstellen. Sir John Simon erklärt im besten Glauben der Welt, daß eine Neuaufnahme des Kontakts'mit Deutschland not- wendig ist. wenn die Abrüstungskonferenz gelingen soll.! Das war seit langem die Auffassung Mussolinis: es scheint, daß sie nun die Auffassung d?r englischen Regie- rung geworden ist. Ich meinerseits erkläre im Gegenteil, daß. wenn man den Abschluß einer Konvention der Zu- stimmung, der Anwesenheit, der Unterschrift Deutschlands unterordnet, man die Abrüstungskonferenz endgültig zu Grabe trägt. Bei der gegenwärtigen Lage der Dinge bleibt ein ein, ziger Weg gangbar: derjenige, den Großbritannien, Amerika. Frankreich im September und im Oktober offenkundig vereinbart zu haben schienen. Die Arbeiten der Konferenz fortzusetzen, ohne die Sache preiszugeben, ohne auf den Abfall Deutschlands Rücksicht zu nehmen; trotz seiner Abwesenheit die Grundlinien des Abrüstungs- systems festzulegen: ihm die fertige und vollendete Ver- einbarung vorzulegen: es von der Welt, vor der Welt- öffentlichkeit, zu zwingen, die furchtbare Verantwortung der Ablehnung zu übernehmen: das war in Wirklichkeit und das ist vielleicht heute noch der einzige Weg, seine Zustimmung zu erzwingen Man konnte auf diese Weise—und man kann es viel- leicht noch?— die Abrüstung und die Kontrolle er- zwingen. Wenn man aber heute Hitler-Deutschland ge- Winnen, es anlocken, feine freiwillige Rückkehr mit einer ausreichenden„Prämie" bezahlen will, wird man Zwangs- läufig, ob man nun will oder nicht, bei der Wiederauf- rüstung Deutschlands enden. Wenn Hitler-Deutschland in weschem Maß auch immer aufrüstet, wie wird man dann von den anderen Völkern, ja von England selbst erlangen können, daß sie ihre Heeresbestände sofort herabsetzen, daß sie ihr Rüstungsmaterial sofort beschränken? Viel- leicht wird man Generalstabsvereinigungen erzielen, die dieser oder jener Macht eme gewisse„Ueberlegenheits- differenz" sichern. Aber die Abrüstungskonferenz, heute schon schwer krank, wäre damit endgültig tot. Die ita- lienische und englische Medizin hätten sie umgebracht. Ist noch Zeit, auf den richtigen Weg zurückzukehren? Werden die Männer, die an der Spitze der Großmächte stehen, sich noch von dem Netz sophistischer Theorien be- freien können, in das man sie einwickelt? Werden sie verstehen, daß am Ende der„direkten Unterhandlungen" das Wettrüsten steht? Werden sie verstehen, daß der Zu- sammenbruch der Konferenz sehr bald den Themen außer- ordentliche Kraft geben würde, die Herr Mandel dieser Tage darlegte und die zu den gefahrvollsten Aktionen führen können?(Mandel, Abgeordneter der französischen Kammer, verlangte das sofortige Einschreiten gegen Deutschland auf Grund des Artikel» 213 de» Versailler Vertrages, der den Völkerdundsrat ermächtigt, durch Mehrheitsbeschluß Untersuchungen in Deutschland, also auch über den Stand der deutschen Rüstungen, anzu- ordnen. Anm. der Red.) Mögen wenigstens die Völker es verstehen, mögen sie alles unternshme«, mn die letzten (Efcaacen che« Hsà§ Chrlsttflgoft tlcgcn nationale Götien Protestanten und Katholiken im Aufstände A. H. Es ist kein Zufall, das, die„nationale Erhebung" in den Bezirken der Kirche eine schwere Krise verursacht hat. à ihrer völkischen Ucberivcrttgkeit will sie selber an die stelle der Glaubenskräste treten und eine Wandlung in den überlieferten Beziehungen zwischen Kirche und Bolk eintreten lasse». Es zeigt sich jedoch immer deutlicher, da» die Widerstandskräfte gegen den Totalitätsanspruch des Volkes und einer Nasse im Wachs«!» find. Im Schone der Kirchen sind he n t c d i e einzigen geistigen Be- wegungcn lebendig, die sich gegen die All- gemalt d" r braunen Machthaber richten und nicht brutal st u m m g e m a ch t iv e r d e n können. Wir haben gestern kurz berichtet, da» die Führer des „Pfarrernotbundcs" ihr Bekenntnis, da» sie nicht mehr „stumme Hunde" sein wollten, wahrgemacht haben. Tie großen Kundgebungen in Berlin ivaren getragen von einem Luthertrotz, den man im Strome dèr allgemeinen Gleich- schaltung fast unmöglich gehalten hatte. Hier sprachen Män- »er im echten Gottvertrauen gegen die Uebermacht des Staates, der in die religiösen Bezirke eingreift Als man am Schlüsse gemeinschaftlich das apostolische Glaubens- bekcnntnis sprach und sich zum Zeichen der Gemeinschaft die Hände reichte, wurde von allen empfunden, da» der deutsche Protestantismus auf dem Felde unehrenhafter Anpassungen an die braune Gewalt noch nicht qeitorbei' ich. Ties alles geschah, während die Hakcnkreuzfahne in den Sälen wehte und man ein Treuebekenntnis zu Hilter ablegte. Alle Protest- Bewegungen haben so begonnen. Sie»ahmen das Kleid der äusseren Macht an. So boten sie zum„Einschreiten" kei- neu schnellen Anlaß. Tie Situation der katholischen Kirche ist grundlegend anders. Hier ist eine feste Organisation mit dem Vatikan als Hintergrund da. die Verträge ans dem Boden der Gleich- berechtig»«» schließen kann. Im Konkordat gab es keinen Aricrparagraphen und die deutschen Bischöfe können nach wie vor ihre Meinung zu bestimmten religiösen und well- anschaulichen Erscheinungen der Zeit bekunden. Immer ist der Katholizismus sehr empfindlich, wenn er sich in seiner Macht über Sachen und Seelen gefährdet sieht. Der Gegen- sah zwischen dem Vatikan und Hitler-Deutschland, der um die Sterilisicrung ausgebrochen ist, besteht nach wie vor in aller Schärfe. Freilich, wir haben heute hitlertrcuc Katho» liken, die die Einheit zwischen Kirche und Natioualsozialts- mus eifrig betonen ldas Schlimmste leistet auf diesem Ge- biete Popens„Germania"! und solchen, die mit tiefer Sorge die Eingliederung der Religion in die Iront des„natio- nalen Gedankens" beobachten. Zu diesen besorgten Wächtern gehört neuerdings die ^Saarbriicker LandeSzeitung", das frühere ZcntrnmSblatt, an dessen Spitze heute die Bezeichnung„Organ der deut- schen Iront" prangt. Ein Aufsah in Nummer 326 des Blattes übt Kritik an der heute üblichen Verdunkelung wesent- licher religiöser Begriffe mit kaum zu überbietender Schärfe. ES zeigt u. a.: Nationale Gottheiten als Produkte einer bestimmten, art-«nb rassenmäßig gebundenen Borstellungswelt sind immer das charakteristische Merkmal eines primitiven Heidentums gewesen, das in einem Sieg über ein sremdes Volk zugleich auch einen Sieg der eigenen Götter über die Gottheiten des besiegten Volkes erblickte... Es gilt zu- nächst klare Begriffe zu erhalten und sie scharf gegencin- ander abzugrenzen. Wie notwendig das ist, zeigt eine Entschließung der„deutschen Glaiibensbewcgung", die in der Nürnberger Rede des Reichskanzlers über die Not- wendigkeit einer arteigenen deutschen Kultur ein Zeichen dafür erblickt, daß auch„arteigener deutscher Glaube" freie Bahn erhalten soll... Unsere Sorge um die Jugend ist um so begründeter, als der Reichsjugcndsührer in der von ihm Heransgegebenen Zeitschrist„Ter deutsche Sturm- trupp" ausdrücklich sür die Ziele der„deutschen Glaubens- bewegnug" eintritt. Die genannte Zeitschrist bringt u. a. in ihrem Novemberhest neben einem Artikel, der zur Ab- wendung vom Christentum auffordert, auch ein Gedicht von Baldnr von Schirach, in dem es heißt:„Nicht in alten Bahnen ist Gott... Uns sind Altare die Stufen der I e l d h e r r n h a l l e." Wir fragen uns mit Sorge, in welchem Maße der Reichsjngendstihrer versuchen wird, sein persönliches Glaubensbekenntnis in die ihm anvertraute deutsche Jugend hineinzutragen. Tas sind unmißverständliche Worte. Sie lausen auf eine katbolisch-protcstantischc„Einheitsfront" aus. Die Katho- liken ivären an der Seite des gläubigen evangelischen Volks- teils, wo es gälte, gemeinsame christliche Bollwerke zu schuhen.„W cnn wir die Zeichen der Zeit richtig deuten, wird das in den kommenden Monaten noch mehr a l S einmal notwendig sein." So sin- dct die große Bewegung zur„Rettung" der evangelischen Kirche Beistand aus den katholischen Bezirken. Der Verfasser des katholischen Protcstantenartikcls an der Saar ist sich gewiß im klaren darüber, daß er im„dritten bleiche" bereits gestern ins Konzentrationslager eingeliefert worden wäre. Vielleicht regt ihn diese Tatsache zum Nachdenken an. T^e von ihm ersehnte„Befreiung" des SaargebietS würde ihm solche Artikel, die er heute unter dem Schuh einer fremden Regierung schreiben kann, für immer unmöglich mache n. Tic Sturmfahne weht! Ein protestantisches Pfarrer sagte jüngst, daß sich die gläubigen Protestanten bis zum äußersten dagegen wehren werden, wenn man an die Stelle des Gottes- dégriffés das sogenannte„Volkstum" zum Göhen erheben wolle. Hitler hat es fertiggebracht, daß Luthertreu? und Papsttrcue sich heute zum Schuh ihrer Religionen die Hände reichen. Hitter will sich. nicht ehim'scfieir Berlin, 1. Dez. Amtlich wird mitgeteilt: Innerhalb der deutschen evangelischen Kirche find zur Zeit Auseinander- setzungen im Gange, die auf eine Klärung der kirchlichen Gesamtlage hinzielen. Reichskanzler Adolf Hitler hat die ausdrückliche Entscheidung getroffen, daß, da es sich um«ine rein kirchliche Angelegenheit handelt, von außen her in diesen Meinungsstreit nicht eingegriffen werden soll. Ter Reichsminlster des Innern hat daher die Länderregie- rnngcn gebeten, die nachgeordneten Dienststellen unvcrzüg- lich mit entsprechender Weisung zu versehen. Herriet: Pazifismiis ohne Hirngespinste «.Unsere erste Some Oie Sicherheit Frankreichs** Am Donnerstagabend hielt Herrtot vor dem Vollzugs- ausschuß der radikalen und rabikalsozialistischen Partei eine mit lebhaftem Bettall aufgenommene Rede, in der er u. a. ausführte: Unsere erste Sorge gilt der Sicherheit Irankreichs unter Aufrechterhaltung dcö Friedens. Man wirst uns vor. da» wir auf unsere Garantien verzichtet und die Reparationen geopfert hätten. Lausanne ist der Mittelpunkt vieler An- srindungen. Es ist nicht der geeignete Zeitpunkt, über Tat- fachen und Zahlen zu diskutieren. Nur ein Beispiel: Wie war die Situation Frankreichs nach dem Hoover- Moratorium, nach der Erklärung der Sachverständigen in Basel, daß Deutschland nicht mehr zahlen könne und wo eine absolute Zahlungseinstellung drohte? Lausanne» Konferenz war keineswegs ein Verzicht auf ! lie C?I' h"t im Gegenteil ein genaues AuS- gleichsfvstem zwischen unseren Guthaben und unseren Schul- den festgelegt Unsere Forderungen Deutschland gegenüber und unsere Schulden an die Bereinigten Staaten und Eng- iand. Sie bat die Verminderung der französischen Schulden sur Folge gehabt und hat im Ialle des Scheiterns dieses Systems jeder Nation volle Handlungsfreiheit gewährleistet. Das mar c,n Akt kluger Berechnung und friedlicher Reg- lung, und man darf nur hosten, baß eines Taqcs auf diese Geiamtreglung wieder zurückgegriffen wird, die bei wettein »ühen?s! Aoung-Planes vorzu- ,„^°sîîfiSm«s ohne Hirngespinste" bleibt die radikale Parole. Die Regierungen der Linken haben sich alle anderen Regierungen dafür eingesetzt, die Schäden eines Vertrages auszumerzen, die Irankreichs Sicherhett bedrohten. Wir von der Linken provozieren nie- fordern aber, daß über- und außerhalb aller Parteien die Sicherheit Irankreichs steht. Man kann unsere Bemühungen und Anstrengungen anfeinden—: sie haben immer nur unserem Volk gegolten und dem Bestreben, ihm zu feinen alten Ireunden neue hinzuzugewinnen. Die Stunde ist gekommen, wo es»« handeln gilt statt zu schmeicheln, nicht klein beizugeben» sondern zu regieren. An M«t wird«s uns nicht sehlen. Das Volk erwartet Handlungen von uns. Es bat kein Verständnis für Schwäche und Halbheiten. Es will die Eni- Icheidung darüber, ob der Parlamentarismus stark genug nl, daß Werk zu führen, baß bie Diktaturen auf der anderen Seite begonnen haben. ES verlangt klare Entscheidungen. Der Vollzugsausschuß sprach daraufhin den bisherigen radikalen Ministerprästdenten Daladier und Warrant sein £ e ïl rfll?;l«»S und erklärte in einer Entschließung seine Solidarität mit dem Ministerprästdenten Cbautemps. IM* Kstz'cefl Chaufcmps Seine Aussichten Paris, 2. Dez. Die Aussichten des Kabinetts ChautemvS, das heute vor das Parlament tritt, werden günstiger beurteilt, alS noch vor wenigen Tagen. Man Nimmt im allgemeinen an, daß eS dem Ministerpräsidenten nicht schwer falle« dürft«, in der Kammer die Vertagung biS nach Be»-- Das span'sche Wahlergebnis Madrid, 2. Dez. Heute früh gab der Innenminister das Ergebnis des ersten Wahlganges der Eortes-Wahlen W* tannt. Danach sind gewählt worden: Abgeordnete Radikale 78 .Konservative Republikaner 14 Republikanische Aktion 5 Radikalsozialistcn 1 Unabhängige Radikalsozialisten 2 Sozialistische Union Kataloniens i Iöderalisten 1 Katalanische Linke 2-8 Katalanische Liga 27 Galicische Republikaner» Liberaldemokraten 0 Iortschrittler! Unabhängige Republikan-r 12 Sozialisten 2? Volksaktion 87 Agrarier>»• . Vaskische Nationalisten II Traditionalisten und Monarchisten l l Unabhängige 2 Insgesamt 878 Im zweiten Wahlgang am 3. Dezember bleiben demnach noch 85 Abgeordnete zu wählen.. «»> Derhi" mm Steh en Neue Vermögenseinziehungen Berlin, l. Dez. Im„Reichsanzetger" wird Heute eine Bt- kanntmachung des G e H e i m e n S t a a t s p o l i z e i a m t e s veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß durch Verfügungen des Geheimen Staatspolizeiamtes aus Grund der gesetz- lichen Bestimmungen über die Einziehung staats- und volks- feindlichen Vermögens eine Reihe Vermögens- und Saw' werte, und zivar von Einzelpersonen wie von ehemals polt- tischen Organisationen und Verbänden, zugunsten de» preußischen Staates eingezogen morden sind. Es handelt siw u. a. um die Guthaben und in einigen Iällcn auch um dl« Wohnungseinrichtungsgegenstände der Eheleute Dr. RudoN und Toni Brenscheid, des Schriftstellers Hclnn«ö Mann, des kommunistischen Zritnngsverlegcrs Wilhnar Münzen be rg. des Rechtsanwalts und Notars Dr. Johannes Werthauer, des Rechtsberaters der ebe- maligen kommunistischen Rcichstagssraktton Professor Ieltl Halle und des früheren Ministerialdirektors Hermann Badt. Von dem Schriftsteller Emil Ludwig und dem früheren Chefredakteur Leopold Schwarzschild wurde deren Iorderung aus Auszahlung des Rückkaufwertes ihrer Lebensversicherung eingezogen. Zeugen ans der Half abschied»»« der Iinanzoorlage und für diese das Dringlich- keitSverfahren durchzusetzen, so daß die Finanzdebatte am kommenden Donnerstag beginnen könnte. Em großer Teil der Presse ist der Auffassung, baß das Kabinett auch diese Probe bestehen wird, da die Abgeordneten sich der möglichen Folgen eine? nochmaligen RegierungSstnrzes klär zu werden beginnen. Auf die Opposttionsprcsse wirkt diese Möglichkeit wie ein Peitschenhieb. Tic billigt dem.«abinett nur eine Gnadenfrist zu und sucht es vor allem mit der Behauptung zu diskreditieren, daß es eine„Erpressung" ausübe, wenn es die Möglichkeit einer Auflösung der Kammer kolpor- tteren lasse. Der Ernst der Lage kommt jedenfalls in allen Betrach- tungen zum Ausdruck: U. a. schreibt die regierungstreue „République": Ueberall her kommen Stimmen, die der Be- unruhigung des Landes Ausdruck geben. In Stadt und Land wundert man sich über die letzten Vorgänge und fragt sich, ob das parlamentarische Regime plötzlich zur Ohnmacht ver- urteilt sein sollte und ob die heutigen Republikaner zu schwach geworden sind, um das Werk ihrer Vorgänger fortzuführen. Ehrlich gesagt: Es ist bereits vom Uebel, daß man derartige Fragen überhaupt stellt. Entweder werden die Republikaner sich zusammenschließen und zu regieren wissen, oder sie wer- den das Regime, das sie verteidigen sollten, bis ins Herz ge- troffen haben. Zur deutsch-französischen Aussprache Reservierte französische Pressestimmen Paris» 2. Dez. Die Betrachtungen über die Möglichkeit und Notwendigkeit einer direkten deutsch-franzöflschen Aus- spräche werden von der Pariser Presse fortgesetzt, wobei das Bestreben der französischen Regierung erkennbar wird, die in der Oeffentlichkett verbreiteten Bebenken zu cnt- k r ä f t e n. Von dem Außenpolttiker dcS„E ch o b e P a r i s" läßt sich die Regierung raten, unverzüglich die Aussprache mit Deutschland aufzunehmen, damit die RetchSregterung ge- zwungen werde, ihre Absichten zu präzisieren. Wenn Frank- reich noch länger hernmtaste, werde es seine letzten Allianzen verlieren. Am besten wäre eS, einen Fragebogen aufzustellen, auf dem die RetchSregterung zu antworten hätte '„Oeuvre" weist auf die Ansprache beS KrieasmtnisterS Daladier vor dem Syndikat der Militärpresse hin, worin Daladler erklärte, daß Frankreich gut gerüstet dastehe und kein Grund zur Beunruhigung vorliege. Daß Blatt stellt die Frage, warum unter diesen Umständen ein Teil der fran- Zöllschen Oeffentlichkett zu zittern beginne bei dem Ge- danken, in Verhandlungen mit Deutschland einzutreten. Wenn man zögere, die Aussprache, durch die jede Zweideutig- feit behoben werden solle, anzunehmen, könnte die für Frankreich heute noch günstige militärische Lage sich ver- schieben. „Le Jour' ist durchaus bereit, mit Deutschland zu ver- handeln, lehnt aber eine vorherig« Bereinigugn de« Saar- problems ab. weil seiner Ansicht nach Frankreich damit seine .£wnd zur Revision des Versailler Vertrages biete. .L'Ordre" verbreitet die Nachricht, daß in gemissen Kreisen das Gerücht von einer offenkundigen Annäherung zwischen Aavan und Deutschland verbrettet sei und daß auch die jrauzösische Regierung darüber beunruhigt wäre. Wertlose Aussagen Leipzig, 2. Dez. I» der Samstag-Sitzung des Reichstags- brandstiftcrprozeß werden weitere Zeugen aus der Unter- suchungshaft vorgeführt, gegen die kommunistische Umtriebe- verfahren schweben. Der Zeuge Zimmermann aus Wieia lErzgebirgei war Mitglied der Ortsgruppe des Kamp«' bundcs, deren Führer ein gewisser Lutz war. Der Zeuge Hal --in der Voruntersuchung Angaben über die Vorbereitungen > gemacht, die in inner Ortsgruppe für bewaffnete Aus- eiuaudersetzilugrn getroffen c wurden. Er macht h>'»«,»< seine Aussagen sehr zögernd, und der V o r- fitzende sieh! sich gezwungen, ihm seine früheren vor dem Unterfuchungsrichter gemachten Bekundungen vorzuhalten, die er dann auch zugibt. Daraus ergibt sich, daß Tchieß- Übungen und Geländeübungen veranstaltet werden. Lutz bave in einer Versammlung auch davon gesprochen, daß Mafien 6®* schasst werden müßten. DicParteileitung habe d t c Benassnung angeordnet, die Partei würde z» einem Ausstand ausrufen und zu diesem Zweck brauche man Massen. Die Verhandlung dauert fort. v« Jahre Kerker Die täglichen Schreckens- und Haßurteile Ein vor dem Kasseler Oberlandesgericht ver- handelt« Hochvcrratsprozeß gegen 47 Kommunisten auSFrankfurtä. M. wurde zu Ende geführt. 14 Ange- klagte, darunter zwei der beteiligten sechs Frauen, wurden teils ans subjektiven, teils aus objektiven Gründen f ret' gesprochen, Der gegen diese Angeklagten bestehende Hast- beseht wurde zivar ausgehoben, jedoch wurden die meisten Personen sofort in Schutzhaft übergeführt. Die am meisten belasteten acht Angeklagten wurden s* Zuchthausstrafen von einem Jahr Monaten bis zu zwei Jahren sechs Monat«» verurteilt. Außerdem wurden diesen Angeklagten, unter denen sich auch eine Frau befand, die bürgerlichen Ehren- rechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Gegen die übrigen 25 Angeklagten wurden Ge- fängnisst rasen inHöhe von einem Jahr d re» Monaten bis zu zwei Iahren verhängt, zu- fammen 42 Jahre 8 Monate Gefängnis. Mit den verhängten IS Jahren 6 Monaten Zuchthaus belaufen sich die gesamte» Freiheitsstrafen auf fast Sil Jahre. Vögier for dem siahiferein Generaldirektor Vögler führte in einer Versammlung des StahlvereinS u. a. auS: Durch den Zusammenschluß wollten die vier Gründer- gruppen des StahlvereinS damals dem Druck der KriC besser standhalten können? jetzt habe man aber eigentlich erst erlebt, was eine Krise set. Die Rohstahl- Produktion des Stahlvereins sank von 25 000 Tonnen arbeitstäglich in den Hochkonjunkturjahren 1928/29 auf rund 5400 Tonnen zur Zeit des Tiefstandes, die Tagesleistung der Berg- baubetriebc von 100 000 Tonnen auf kaum mehr als 40 01*» Tonnen. Trotz dieser außerordentlich schwankenden Produktionsverhältnisse habe die technische und verwaltungsmäßig- Rattonaltfierung des Konzerns, die von vornherein auf 5 bis 10 Jahre abgestellt war, gute Fortschritte gemacht- Von ursprünglich 4« Schachtanlagen sind nur noch 2 5 vol- Händen, von 145 Eiscnbetriebsstättcn n o ch 6V. Diese Konzen- tration auf wenige, aber technisch und wirtschaftlich besonders leistungsfähige Anlagen war möglich, weil das Produktiv»/' Srogramm der Gründerwerke weitgehend Übereins imintt- ton ursprünglich 24 Hochosenwerken, die sich auf 8 Firmen verteilten, sind 9 tn 5 Gruppen vorhanden. Die Siemens- Martin-Stahlwerke sind von ursprünglich 20 auf 8 konzen- inert, Stab- und Formetsenwalzwerke von 17 auf m- Röhreuwerke von 8 auf 3, Eisengießereien von 11 auf 6, und ähnlich tte übrigen Produktionssiätten. 1 André Tardîeu: Der Einsatz Den folgenden Aufsatz hat André Tardîeu als Abschluß einer längeren Aufsatzreihe in der Zeitschrift„L'Illustration" veröffentlicht. André Tardieu ist der bedeutendste Kopf und der aktivste Politiker der französischen Rechtsparteien. Es wird auch für unsere Leser interessant sein, die Gedankengänge des Gegenspielers der französischen Linken kennen zu lernen und kritisch zu überprüfen. Frankreich, das nicht klar begreifen kann, was es selbst betriff», ist noch viel weniger fähig, Erscheinungen, die über **>ne eigensten Angelegenheiten hinansreichen, tu erkennen. Nun ist das uns beschäftigende Problem nicht nur ein Problem seiner Politik und seiner Gesellschaft, sondern auch ein Problem seiner Zivilisation. Zivilisation ist für die Völker ein unklarer Begriff, in dem aber die wesentlichen Bedingungen ihres psychischen n»d geistigen Daseins enthalten sind. Das Fundament der französischen Zivilisation ist die Freiheit. Frei leben; frei denken; frei reden; auf keinen Fall ungeschützt Prügeln, dem Gefängnis oder dem Tode ausgesetzt sein, das ist das Wesen der französischen Ueberlieferung. Diese Ueberlieferung reicht weit zurück und stellt die Summe der Entwicklung dar, welche die denkende Menschheit durchlaufen hat. An ihrem Anfang steht Athen. Die Grundbegriffe der griechischen Kultur bilden unser moralisches Kapital. Das römische Reich, die katholische Kirche, der Humanismus, unsere Philosophien haben es uns in einer paradoxen Aufeinanderfolge von Jahrhundert ss Jahrhundert übermittelt. Verschiedene, oft entgegengesetzte Kräfte wirkten, selbst *n ihren Bruderkämpfen, unter dem Zeichen Griechenlands, des Plato und des Aristoteles. Sie machten den Menschen tum Maßstab aller Dinge und maßen den Fortschritt des Daseins mehr am Fortschritt der inneren Werte als an äußeren Tatsachen. Die moralische Entwicklung der Persönlichkeit hielten sie für die höchste Form menschlichen Wirkens. Die griechischen Moralisten, die Nachfolger des Augustus, die Apostel, die ersten Klöster haben dieser Sache, gedient vor den Männern der Renaissance, den Klassikern und den Rationalisten. Sokrates sagte:„Erkenne Dich selbst!" Das Evangelium:„Liebe den Nächsten wie Dich selbst." Michel de VHospital:„Das Schwert vermag wenig gegen den Geist." Etienne de la Boétie:„Alle Güter, selbst die Tugend, bedeuten nichts ohne die Freiheit." Aus diesen Maximen ist ■ns eine Lehre entstanden. Das ist die Idee der Freiheit. In ihr hat der Rechtsbegriff seinen Ursprung. Er bleibt in Frankreich, England, Belgien das Prinzip der gesellschaftlichen Beziehungen und verbündet sich mit der Achtung vor der Persönlichkeit. Das Richteramt begründete das Ansehen der ersten Capetinger, und wenn man zwei Jahrhunderte später vom König von Frankreich sagte, er sei Herrscher in seinem Königreich, so geschah es aus dem Girunde, weil er durch eine öffentliche Rechtsordnung die Persönlichkeit schützte und so die allgemeine Anerkennung gewonnen hatte... Die gleichen Züge kennzeichnen die Entwicklung der Ideen. Zunächst im Schöße der Pariser Universität, dann neben ihr, die das Vorbild der Universitäten in England und Deutschland wurde, stärkte sich der Wille sur Forschung, zur Kritik und zur Spekulation. In der Unabhängigkeit von den Schulbegriffen gewöhnte man sich, die Tatsachen au sehen... und das Recht der persönlichen Ueberxeugung *u fordern. Frankreich, das sich stets der Notwendigkeit der staatlichen Einheit bewußt war, ist stets Führer in diesem Freiheitskampf gewesen. Frankreich stand an erster Stelle, als das 16. Jahrhundert das politische, soziale, intellektuelle und religiöse Gebäude einstürzen sah, dessen Zerstörung die Neuzeit an die Stelle des Mittelalters setzte. Noch im 18. Jahrhundert führte Frankreich, und die Ereignisse haben gezeigt, mit welch weittragender Kraft. In Wahrheit ist es die französische Lehre der Freiheit, die den Sturz Napoleons verursachte, als die Besiegten sie begriffen und gegen Frankreich gewendet hatten. Der französische Gedanke führte den Zusammenbruch des mächtigsten und bestgefügten Reichs der Neuzeit herbei und sicherte den Sieg Englands, das von einem tollen König, einem verachteten Regenten mit einem verrufenen Ministerium regiert wurde. Nach einem weiteren Jahrhundert bleibt Frankreich denselben Ideen ergeben. Es steht noch immer zu der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und glaubt, daß die »Freiheit darin besteht, alles tun zu können, was einem andern nicht schadet". Es sagt mit Proudhon:.Freiheit, das ist mein ganzes System." Die Vernichtung dieser Freiheit würde diejenigen, die sich Reaktionäre nennen, genau so schwer treffen, wie diejenigen, die sich als Revolutionäre bezeichnen. Frankreich ist die Freiheit. Es will auch weiter die Freiheit sein. Seine Geschichte, seine Prüfungen, sein letzter Sieg haben os zur Verteidigung dieser Freiheit bestimmt. Es gibt ein Erbe, das nicht in Zweifel gezogen werden kann. Als Rom Mazedonien erobert hatte, fiel ihm an dessen Stelle die Aufgabe zu. den Kampf gegen die Barbaren des Nordens zu führen, ohne vorher daran gedacht zu haben. So geht es auch uns. Vom Rhein bis zum Stillen Ozean erblicken wir Völker, die sich gegen die wesentlichen Grundlagen des französischen Lebens wenden. An die Stelle der Achtung vor der freien Persönlichkeit haben sie die Diktatur von Menschen und Systemen Uber geknechteten Menschen errichtet. Die Systeme entbehren nicht einet düsteren Größe. Den Menschen fehlt es nicht an Gaben und sie werden allzu oft von uns unterschätzt. Aber die Menschen und Systeme haben vernichtet, was wir lieben. Trotz ihres verschiedenen Aussehens besitzen diese Menschen und Systeme eine gemeinsame Wurzel: den Marxismus. In Moskau verkündet der Bolschewismus, er sei die Ver- »irklichung jener Lehre. In Rom ist jed*. faschistische Maßnahme von diesem Geist erfüllt, ohne daß man sich auf ihn beruft. In Berlin wirft der Nationalsozialismus die Sozialisten ins Gefängnis; aber seine Methoden sind nicht weniger marxistisch als diejenigen Stalins und Mussolinis. Kurz, diese drei Regierungssysteme sind Kinder, wenn auch nicht derselben Ehe, so doch desselben Vaters. Sie haben eigenartige Epigonen von kürzerer Lebensdauer oder geringem Erfolg gehabt: Primo de Rivera, Venizelos, Wolde- maras, Pilsudski, Kemal Pascha, Franklin Roosevelt, die alle für eine mehr oder weniger lange Zeit in demselben Geiste der Diktatur geherrscht haben oder herrschen werden. Karl Marx, der eine merkwürdige Mischung von biblischem Orientalismus und deutscher Ueberlieferung ist, knüpft übrigens an Vorgänger an, die Fichte und Hegel hießen. Diese drei Männer haben die Formeln gefunden und zusammengestellt, durch welche die menschliche Persönlichkeit jetzt zerschmettert wird. Hört die Vorfahren, denen die Nachfolger nur sehr wenig hinzufügen konnten: „Der Staat ist die oberste, äußerste und legte, absolut unabhängige Gewalt."(Fichte.) „Der Staat allein hat Rechte, weil er am stärksten ist." (Hegel.) „Der Staat ist die Verwirklichung des göttlichen Gedankens auf Erden."(Hegel.) „Der Staat ist die Substanz, die Individuen sind nur Erscheinungsformen."(Hegel.) „Der Staat ist der Ausdruck der Herrschaft der Allgemeinheit über die individuelle Freiheit."(Hegel.) Fünfzig Jahre vergehen. Mau höre Karl Marx: „Unter allen Nationen sehe ich nur Rußland, das durch seine primitive Kultur, seine unentwickelte Wirtschaft, seine zahllosen Massen ungeschulter Bauern fähig wäre, eine wahre kommunistische Gesellschaft aufzubauen." Hören Sie noch Lenin: ist Unsinn, den Staat und die Freiheit versöhnen zu wollen... Die Diktatur ist eine Macht, die unmittelbar auf der Gewalt beruht und an kein Gesetz gebunden und keiner Regel unterworfen ist." Hören Sie außerdem Mussolini: „Alles beruht auf dem Staat und nichts hat Wert außerhalb des Staates... Der Staat schafft das Recht." Als letzten hören Sie Adolf Hitler. Dieser hat, das ist gewiß, nichts erfunden: „Der Staat beherrscht die Nation, weil er ollein sie repräsentiert." Wir finden in diesen Sätzen eine vollkommene Einheit der Lehre. Diese Lehre ist, mitten im zwanzigsten Jahrhundert, auf die Verachtung der menschlichen Persönlichkeit gegründet, auf die Rückentwicklung zum anonymen„Menschenmaterial", das der Staat absolut beherrscht... Zu allem bereite Pedanten, Professoren des Hegelianismus, haben seit hundert Jahren dieses Elend gepredigt. Unwandelbar in der gleichen Absicht, die Herrschaft der Masse über den Geist zu begründen. Je nach den Bedingungen des Landes wird die Diktatur für eine Klasse oder eine Partei, für einen Menschen oder das Proletariat, was im Grunde alles dasselbe ist, in Anspruch genommen. Bei uns ist dieses Prinzip nicht zu Hause, es ist nicht einmal europäisch. Es ist asiatisch, und schon seit Jahrhunderten bedroht es uns von dort. Wenn es versucht, sich verständlich zu machen, so scheitert es an der Dürftigkeit seiner Ideologien. Wenn es sich durchsetzt, so nur mit Stockschlägen... Ich bitte Stalin, Mussolini und Hitler um Verzeihung. Aber für die Organisation und die Beherrschung der Massen haben Attila, Mohamet, Dschingis Khan und Tamerlan mehr geleistet als sie... Damals kannte man weder die Zelle noch die Gewerkschaft, noch die Korporation. Die Horde genügte. Man suchte nicht, die Gewaltsamkeit zu maskieren. Man war die Macht und wollte nicht mehr sein. Das war schon der Dynamismus, der sich gegen die statischen Daseinsbedingungen der Völker richtete, welche an das Recht glaubten. Ohne Byzanz, das sich neunhundert Jahre länger als das Reich des Westens auf seinem Vorgebirge erhielt, wäre keine Spur mehr von der griechisch-lateinischen Kultur geblieben. Aber diese vom oströmischen Kaiserreich gerettete Kultur konnte sich nicht gegen den Verfall schützen. Und ich erinnere an diese Gefahr der Vergangenheit, weil sie noch eine Gefahr der Gegenwart geblieben ist. Die Erbschaft Alexanders hatte den griechischen Gedanken den Mittelmäßigkeiten der hellenistischen Reiche überliefert. Das römische Reich hatte von Asien das Steuersystem und den Wucher gelernt, an denen es zugrunde gegangen ist. Das Mittelalter wurde mit Gewalt durch die germanisch slawischen Gesetze und Gebräuche vergiftet, die aus dem Osten Europas kamen. Die Notwendigkeit, sich dieser Bedrohung zu widersetzen, wurde selbst von Regierungen mit primitiver Intellek- tualität erkannt. Unsere Merowinger erwarben sich ihr Ansehen, indem sie die Westslawen an der Elbe schlugen. Kaiser Otto wurde der erste Mann seiner Zeit, weil er die Barbaren auf dem Lechfelde vernichtet hatte..., So haben auch wir uns neun Jahrhunderte später am Tage des Waffenstillstandes im Jahre 1918 den Ruhm erworben, die Zivilisation gerettet zu haben Aber seitdem hat man in den Straßen Berlins Bücher verbrannt, wie Omar die Bibliothek Alexandrias verbrannt hatte. Seitdem hat man die Juden verjagt oder getötet, wie die Völker des alten Asiens die Fremden opferten. Seitdem ist die Barbarei wieder erwacht. Sie ist vor unseren T oren. Sie hat sieh stolz mit einer Lehre von der Ueberlegenheit der Rassen umkleidet, die es ihr erlaubt, in uns die richtigen Opfer zu sehen. Hitler beruft sich auf den mittelmäßigen. schriftstellernden Diplomaten Gobineau, den er übrigens keineswegs gelesen hat, und rrchtnet uns im Hinblick auf kommende Heldentaten, zu den minderwertigen Rassen Fichte hatte schon gesagt, daß wir dem Tode nahe wären. Bismarck meinte, wir wären eine Nation von Nullen, E. R. Curtius sieht die Wurzeln des französische» Lebens in den Ueberlieferungen der allerniedrigsten Latinität. Wie an den Grenzen des römischen Reiches sich die barbarischen Horden drängten, so befinden wir uns angesichts von Horden, die durch die Diktatur diszipliniert sind, aber in denen die atavistische Wildheit ihrer Vorfahren lebt. Wenn wir bleiben wollen, was wir während zehn Jahrhunderten waren, so gilt es aufzupassen. Wenigstens, wenn wir uns nicht damit abfinden, mit Friedrich Sieburg im heutigen Deutschland das erschreckende Antlitz der Zukunft zu sehen. Um den Geist zu verteidigen, den es verkörpert, wird Frankreich sich fähig zeigen müssen, drei Gefahren zu widerstehen: der Gefahr eines deutschen Angriffs, der Gefahr der sozialistischen Eroberung und der Gefahr, din ebenso groß ist wie die beiden anderen, nämlich der tief- wurzelnden Korruption, der das Land durch das Prinzip und den Geist seiner staatlichen Organisation verfallen ist. Den Ansturm von außerhalb scheint man abzuwarten, was die letzte Kammerdebatte über die Außenpolitik gezeigt hat. Ein Krieg kann ausbrechen, ohne daß ein Mensch ihn gewollt hat, durch eine plötzliche Verschiebung des labilen Gleichgewichts, das zwischen den Forderungen der „Gewalt"-Staaten und der Nachgiebigkeit der schwachen Staaten hergestellt ist. Würden wir diesen Krieg verlieren, so wäre das eine Tragödie ohne Beispiel. Das Deutschland Wilhelms II. h'.tte uns nur Provinzen genommen. Das Deutschland Hitlers würde uns den Lebenszweck nehmen. An dem, was sie ihren Mitbürgern antun, können die benachbarten Nationen das Schicksal ermessen, das sie ihren besiegten Gegnern bereiten würden: Die Sklaverei wäre noch das Beste; vielleicht, wie es im Buche des Kanzlers ausgesprochen ist, käme es zur Vernichtung. Neben der Gefahr von außen, die durch den Sieg b« schworen werden kann, besteht die Gefahr im Innern. Nicht die Gefahr der Rechten, die von den Predigern des Gewaltstreichs, in schlechter Nachahmung der Faschisten und Nazisten törichterweise angekündigt wird: sondern die Gefahr von links, die entstanden ist durch das Eindringen sozialistischer Ideen in unsere Gesetze und unser Leben und durch die Entartung des republikanischen Gedankens. Seit dem Kriege hat der Sozialismus mit seinen Verstaatlichungen, seinem Kollektivismus und seiner Kommißherrschaft das französische Leben vergiftet mit einem Gift, das nicht bei uns gebraut ist. Er hätte Proudhon folgen können: er hat Marx vorgezogen, d. h. den kollektiven Zwang, gegen den sich auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet im 16. und 18. Jahrhundert der Aufruhr des Gewissens und der individuellen Freiheit richtete. Es ist schon viele Jahre her, da schrieb Raymond Poincaré, der Zeuge dieses Eindringens war:„Der Sozialismus beginnt da, wo die Praxis des Monopols beginnt." Das Monopol ist in der Tat nur die Herrschaft des Staats als Produzenten, die dem Individuum aufgezwungen wird, und der Kommunismus ist. wie man sagt, nur ein gesteigerter Staatssozialismus. Unsere germanisierten Sozialisten haben den Staatssozialismus zum wirksamsten Mittel ihres Strebens nach Durchsetzung gemacht. Diesem Zweck hat alles gedient: die diktatorischen Syndikate, die zugunsten einer Minderheit von Führern die Korporationen des Mittelalters wieder auferstehen ließen, durch welche die italienischen Republiken zur Tyrannei gelangten und die unsere Revolution logischerweise unterdrückte; kooperative Organisationen, die, nach Albert Thomas, den Sozialismus von Jaurès verwirklichen und die man, wenn das Ziel erreicht ist, am Wege liegen lassen kann,„wie einen ermüdeten Ochsen"; verhetzte Bürokratien, die, nachdem sie der Nation nützliche Dienste geleistet haben, nun beginnen, sie in einen Erstarrungszustand zu überführen, so wie es bereits einmal zur Zeit des oströmischen Reiches geschehen ist. Dieser Staatssozialismus, der mitten in einer wirtschaftlichen Krise die Gewalt, die Bedürfnisse und den Fiskalismus steigert, hat zu einer Einigung der Sozialisten und der Radikalen geführt. Diese proklamierten auf ihren Kongressen, daß sie gegen eine Revolution und gegen den Kollektivismus sind. Aber sie sind wütende Staatssozialisten und so zerstören sie Stein für Stein die Herrschaft der Freiheit, die sie angeblich lieben... Hieraus sind die fünfundsiebzig Büros entstanden, die, ohne von ihren Kosten zu sprechen, als Werkzeuge der Planwirtschaft die Mörder der politischen wie der wirtschaftlichen Freiheit sind. Und dies ist die dritte Gefahr: die Verzerrung unserer Grundsätze durch Mißbräuche, die sie ihres wirklichen Wertes berauben. Unter den Wucherungen dieser Mißbräuche erkennt keiner mehr die echten Grundsätze, und weil sie unkenntlich geworden sind, verteidigt sie niemand mehr. Es gibt eine unerträgliche Hypertrophie der gesetzgeberischen Macht auf Kosten der Exekutive, eine Unterjochung der Regierung durch parlamentarische Gruppen, die das Interesse der Allgemeinheit in einem Netze von Sonderinteressen ersticken. So sieht die Wirklichkeit aus. Verfall der Kollektivkräfte und des nationalen Gefühls, die Aufgabe des gesunden Individualismus eines Descartes und eines Baeon zugunsten des krankhaften Egoismrs des „Entwurzelten" von Barrés, so sieht der Geist aus. Die scheußliche Karrikatur, die wir auf diese Weise von der Freiheit und der Demokratie bieten, macht es schwer, den Kampf zu führen, den die beiden Ideale fordern ... Weil wir diese große Wahrheit nicht erkannt haben, daß es ohne Autorität keine wahre Freiheit gibt; weil wir den schönen Grundsatz des Auguste Comte vergessen haben, daß da» am meisten geheiligte Recht des freien Menschen seine Pflichterfüllung ist. ist Frankreich ein Spirlball der Gewalt geworden. Es herrscht weder geistige noch moralische Disziplin: es gibt keine Gemeinschaft, die bei dieser Führung lange leben könnte * Se stellt sieh das Problem. Es ist schwer und voller Verantwortung Biegen oder biechcu! Das sind die beiden Mü jüchkeiten für nnsere Institutionen; es iet nicht wahrscheinitsh, daß Frankreich lange Zeit haben wird, zwischen beiden zu wählen. Wenn ei sich von den Ereignissen überrennen ließe, würde das Land, das mehr als jedes andere und länger als jedes andere die schönste Ueberlieferung der Würde und der Kultur vertrat, zu gleicher Zeit seine eigne Vergangenheit und die Zukunft der Menschheit verraten. Wenn wir so bleiben, wie wir sind, wird es eines Tages geschehen, daß wir in Paris unter dem gleichen Regiernngs- systetn stehen wie Berlin— mit der Prügelstrafe, den Konzentrationslagern, dem Antisemitismus, den Sterili- sationsgesefeen. Und wenn wir soweit gekommen sind, wird die Macht der Knechtschaft hereinbrechen und sich über gans Europa verbreiten. Man muß wählen: entweder für ans und für alle unser Prmaif) retten, indem wir es vom Schmutz befreien, oder unter dessen Last erliegen; entweder eine freiwillige Autorität wieder aufrichten oder uns unter eine aufgezwungene Autorität beugen. Was mich angeht, meine Wahl ist getroffen: man muß die Autorität wieder herstellen, um die Freiheit su retten. Herr tieeifreu D. Fraser schreibt»nS: Meine Aufmerksamkeit ist von verschiedenen Seiten dar- auf gelenkt worden, daß ein gewisser C. D. Fraser,„seines Zeichens Korrespondent einer groben Anzahl englischer Blätter" ssiehe„Deutsche Freiheit"/ Nr. 128), im„Berliner Tageblatt" Artikel losläßt, die das Hitlerregime oerherr- lichen. Ich lege Wert ans die Feststellung, daß ich mit diesem Herrn nichts gemein habe. Ich möchte hinzufügen, baß es mir trotz den größten An- strengnngen nicht gelangen ist, weder einen von diesem Herrn unterzeichneten Artikel in einem englischen Blatt, noch seinen Namen in der Mitgliederliste der beiden großen englischen journalistischen Berufsorganisationen zu finden. Ich kann Herrn Fraser nicht um seine Urteilskraft, noch um sein journalistisches Gewissen beneiden. Was mich anbelangt, um so mehr da ich die Ehre gehabt habe, als englischer Journalist unter Anklage deS Hoch- verrais wochenlang in Moabit z» sitzen, stehen nach wie vor meine leidenschaftlichen Sympathien ans satten der kämpfen- de« dentschen Arbeiterschaft. Geoffrey D. Fraser. Propaganda zo Sdiiff Die Yacht„Deutschland" Rotterdam, 30. Nov.(Jnpreß.) Die deutsche Zlacht„Deutsch- land" hat im Hafen von Rotterdam Anker geworfen. An Bord befinden sich Mitglieder der SA. Sie führen Propa- gandamiitel mit, unter anderm Filme über das„bitte Reich". Die holländisch« Polizei, die eine Untersuchung aus der Aackt vornahm, hat ftlewehre und Revolver beschlagnahmt. Die Ankunft der„Deutschland" rief in Rotterdam eine große Erregung hervor, die sich gegen die Faschisten richtet. Die holländische antifaschistische Liga hat eine Protest-Kund- gebung veranstaltet. Die?)acht wird von Polizei bewacht. Die Besatzung der Aachi hat die Absicht, in englischen, fran- zösischen sowie in den Häfen des MittelmeerS und Indiens anzulegen. Auf der weiteren Fahrt soll Amerika berührt werden. Die Reisezeit wird ans zwei und ein halbes Fahr geschätzt. ..©rend" am'lidi zugegeben! Dem Sächsichen Innenministerium wird es zu bunt DaS sächsische Innenministerium gibt folgendes bekannt: „In letzter Zeit ist beobachtet worden, baß von verschte- denen Stellen Anpraugernngen von Personen und Firmen auf Prangertafeln in Zeitungen oder an sogenannten Schandpfählen erfolgen. Es muß darauf hingewiesen wer- den, daß in einer derartigen Anprangerung eine öffentliche Beleidigung, eine versuchte Nötigung ober gar eine»er« suchte Erpressung gesehen werde» kann. Außerdem besteht die Gefahr, baß der Angeprangerte zivilrechtlich Unter- lassungsklage und unter Umstände» auch Schadenersatz- klage erheben kann. Derartige Anprangerunge» können nicht gebilligt werden und sind zu unterlassen. Desgleichen ist.das zwangsweise Herumführen einer Perfon auf Straßen und Plätzen zum Zwecke der Anprangerung strafbar und deshalb zu unterlassen." * In Wahrheit sind solche amtlichen Bekanntmachungen nur zur Täuschung des Anstandes bestimmt. Keiner der Schandbuben der SA. wird bestrast, und kein Richter würde ivagen, einer Schadenersatzklage zuzustimmen. Gegen TA.-Vcuie wird nur vorgegangen, wen» sie gegen ihre eigenen Bonzen meutern- Frauen von Betrunkenen gequält. (Jnpreß! Für die weiblichen Gefangenen, die aus polt- tischen Gründen verhastet wurden, habe» d'c Hamburger NaziS sich neuerdings eine besondere Methode körperlicher Strafen aubgesonnen. Man legt ihnen schwere Bücher auf die ausgestreckten Arme so lange, bis sie zusammenbrechen. Die Wachmannschaften, die mil der Exekutive dielet Mißhandlung betrau! sind, bef»de» sich, da sie außerorbeni- lich viel Alkohol erhalten, fast immer in angetrunkenem Zustand. vie NSDAP. 1st der Staat Das Desetz zor Sicherung der Einheit von Partei nnd Staat An- und Verkauf tenua< iui oisi sc»ai und sQdamer>kant- schar Oavsan E'taktan und REICHSMARK durch das lanähaus j23 ies fàt£s 5 P. Michel 34 RUE LAFFITTE. PARIS IX TELEFON TA TBOUT SS• 40 BIS 4S y-.-à«ÛflKJBG Die Reichsregterung hat das folgende Gesetz beschloffen, das hiermit verkündet wirb: 8 1 Räch dem Siege der nationalsozialistischen Revolution ist die NSDAP, die Trägerin des SiaatSgedan- kens und mit dem Staat unlöslich verbunden. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ihre Satzung be stimmt der Führer. § 2 Zur Gewährleistung engster Zusammenarbeit der Dienststellen der Partei und der SA. mit den öffentlichen Behörden werben der Stellvertreter des Führers und der Chef des Stabes der SA. Mitglied der Reichs- regierung. 8 3 Den Mitgliedern der NSDAP, und der SA. icinfchließlich der ihr unterstellten Gliederungen! als der führenden und bewegenden Kraft des nationalsozialistischen Staates ob- liegen erhöhte Pflichten gegenüber Volk und Staat- Sie unierstehen wegen Verletzung dieser Pflichten einer besonderen Partei- und SA.- Gerichts- barkeit. Der Führer kann diese Bestimmungen auf die Mitglieder anderer Organisationen erstrecken. § 4 Als Pflichtverletzung gilt jede Handlung oder Unter- laffung, die den Bestand, die Organisation, die Tätigkeit oder das Ansehen der NSDAP, angreift oder ge- sährdet. Bei Mitgliedern der SA.(einschließlich SS. und Stahlhelm! insbesondere jeder Verstoß gegen Zucht und Ordnung. 8 S Außer den lonst üblichen Dienststraien können auch Haft und Arrest verhängt werden. 8 6 Die öffentlichen Behörden haben im Rahmen ihrer Zu- ständigkeit den mit der Partei- und SA.-Gerichts- barkeit betrauten Dienststellen der Partei und sA. Amts- und Rechtshilfe zu gewähren. § 7 Das Gesetz betreffend die Dienststrafgewalt über die Mitglieder der SA. und SS. vom 28. April 1933(RGB- 1, I, S. 230) tritt außer Kraft. 8 8 Der Reichskanzler erläßt als Führer der NSDAP' und als oberster SA.-Führer die zur Durchführung und Er gänzung dieses Gesetzes erforderlichen Vorschriften, insvc sondere über Ausbau und Verfahren der Partei- und Gerichtsbarkeit. Er bestimmt den Zeitpunkt des o 1' krafttretens der Vorschriften über diese Gerichtsbarkeit Redits-..WissensdiaH" Im deutschen Parteistaat (Jnpreß.) Die vor Hitlers Machtergreifung b«i de» Juristen der ganzen Welt hoch angesehene„Juristii^ Wochenschrist" bringt tu ihrer neuesten Nummer einen Aul- satz, in dem aus Grund der jetzt geltenden deutschen„Ge,ctzr dargestellt wird, daß im„dritten Reich" Hochverrat vorliegt- wenn jemand„den Nationalsozialismus als Gruiidentschrs- dung der heutigen politischen Rechtswelt gewaltsam«ul- heben will," daß ferner derjenige wegen Beschimpfung der Verfassung(der Weimarer Reichsverfassung!> zu bestraft" ist. der den Nationalsozialismus bejchimpst, und daß der Nationalsozialismus„nur noch eine Seite des Volksstaaies ist", so daß eine besondere strafrechtliche Sicherung für de» Nationalsozialismus nicht nötig sei. In diesem Aufsatz wird weiter ausgeführt, daß keines bc- sonderen strafrechtlichen Schutzes bedürfen: die Hakenkreuz- sahne als Symbol der Bewegung, da sie schon als Flalssft deS Staates(der deutschen Republik! geschützt ist: da? Horst- Wessel-Lied, weil es unter den Begriff des vaterländisckft" Weihegesongs fällt: die ReichSIagsfraktion der NSDAP- nicht, da sie im Sinne deS Strafgesetzes„der Reichstag" ft>' Solche Darlegungen fallen heute in Deutschland unter de« Begriff der„Rechtswissenschaft". Dicht om Bolschewismus vorbei! Die Dothen im Bcldiseeridtl biegen sKh Widersprechende Polizeiberichte Die zur Verhandlung kommenden Berichte aus Mecklen- burg-Strelitz, Braunschweig, Kiel, Nürnberg und verschiede- nen anderen Stellen besagen, daß besondere Vorbereitungen zum bewaffneten Ausstand Ansang 1980 und vorher nicht beobachtet worden ieie». Daraus veranlaßt der Obcrreichs- anmalt die Verlesung der Polizeiberichtc von Stuttgart, Hon- novcr und Dortmund, in denen unter Anführung von Be, wetsmalerial ausgeführt wird, daß die Kommunisten in die- 8n Bezirken eifrige Borbereitungen für einen bewaffneten usftand getroffen hätten, der etwa Ende Februar oder An- iang März ausbrechen sollte. Dimitroff: Nicht ausweichen, Oberreichsanwalt Im Anschluß daran kommt eS wieder zu einem heftigen Zusammenstoß mit Dimitroff, der dem Obcrreichsan- walt zuruft, er folle nicht ausweichen. Der Vorsitzende ver- bittet sich erregt diese Bemerkung und droht Dimitroff mit Ausschluß aus dem Saal. Gefangene als Zeugen Der Senat geht nun zur Vernehmung von einzelnen Zeugen über, die darüber Bekundungen machen sollen, in- iviewcit im Februar von der kommunistischen Partes Bor- bereitungen für einen bewaffneten Ausstand getroffen wor- den sind. Ein großer Teil dieser Zeugen wird aus der Unter- suchungshaft vorgeführt. Es handelt sich namentlich um Zeugen über die Borgänge in Annaberg»nd anderen Orten, über die die vernommenen Kriminalbeamten und der Untersuchungsrichter dem Gericht schon Bericht erstattet hoben. Flitler hat den Sünder bekehrt Als Zeuge wird dann, znnächst unvereidigt, der aus der Untersuchungshast vorgeführte Arbeiter Kol den bach ver- nommcn, der im Bezirk Annaberg politischer Instrukteur und Bezirksleiter war. Er bekundet, daß gegen Mitte Februar die Anweisung von der Partei erging, die Bcrbin- dung herzustellen mit den sozialdemokratischen Arbeitern, um Streiks vorzubereiten. Durch diese Streiks sollte der Massenstreik entsacht werben. Ein Generalstreik sollte überleiten zum bewaffneten Ausstand, wenn die Voraussetzungen dakür gegeben wären. Er. der Zeuge, habe au> Anweisung von oben die Ortsgruppen angewiesen, sich nach Möglichkeit Waffen zu beschossen da in kurzer Zelt ent- scheidende Kämpfe zn erwarten seien. Ich glaubte.'ttfer Führer der Noten Wehr in Annaberg gewesen ist. Der Zeuge bekundet über die Stimmung im Frühjahr, daß in komm»- Nistischen Kreisen»n Februar von einem geplanten SA.- Marsch aus Berlin die Rebe war, der verhindert werden sollte. Im Hinblick auf diesen Marsch habe ihm der Funk- tionär vanzenbcrger gesagt, daß Waffen und Spreng- st o s s e beschafft werden müßten. Am 27. Februar habe er ecnen direkten Austrag bekommen. Der Zeuge gibt an, daß u am gleiche» Tage de» Sprengstofidiehstatzl darchgcjàhrt habe. Er bekundet weiter, daß Lanzenberger ihm gesagt Hab?- man stehe vor ernsten politischen Auseinandersetzungen. D'f KPD. müsse die Gelegenheit benutzen, da es vielleicht d>e letzte für sie sei. an die Macht zu komme». „Bomben aus Konservenbüchsen" Der nächste Zeuge, ein Arbeiter E l st e r auS Schletta» bei Annaberg, bekundet, es sei immer wieder betont worden, daß sich alle Kommunisten bewaffnen müßten, um den für den 4. oder 5. März erwarteten Vormarsch der SA. nach Bcr- lin zu verhindern. Dieser Kamps gegen die Nationalsozia' listen solle mit der Machtergreifung der Kommunisten enden Sollte der nationalsozialistische Marsch aber unterbleiben, dann würbe die kommunistische Aktion später unternom» men werden. Die öffentlichen Gebäude nnd die Unterkünfte der SA. sollten in die Puit gesprengt werden. Es wurde fl«® Anweisung gegeben, aus Konservenbüchsen Bomben herzu- stellen, die in die Autos der SA. geworfen werden sollte». Ganz offen wurde erklärt, daß die Kommunisten ihr Ziel der Machtergreifung nur im Bürgerkrieg»nd mit blutigen' Terror erreichen könnten. Nach der Reichstagsbrandstiftung ist auch von einigen Kommunisten die Frage aufgewor'en worden, ob daö vielleicht ein Sianal fein sollte. Wir aber, damit hätten die Kommunisten nichts z» tun gehabt. Seihst der Oberreichsanwalt hat genug Auf eine Frage deS OberreichsanivalteS erklärt der Zeuge noch, daß auch von Petroleumfäffern die Rede war. die auf den Straßen ausgegasten und angezündet werden sollten, uin Transporte zu unterbinden Nach der Vernehmung des Zeugen teilt der B o r f i tz e n d c mit, daß die Oberreichsanwaltschaft aui die Ver- nehmung einer Reihe weiterer Belastungszeugen verzichtet habe, so baß sich eine Abkürzung der Beweisaufnahme ergeben werde. Der Oberreichsanmalt kündig« noch weitere Verzichte an. Dann erhält der Angeklagte Dimitroii das Wort zu> Fragestellung. Dimitroff formuliert eine ganze Kette vd» Fragen, die der Oberreichsanwalt sämtlich als unerhebll® abzulehnen bittet. Lübbe:„Macht endlich Schluß!" Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß de> Senat nur die Frage zuläßt, welche Maßnahmen die KPD. zur Abwendung der Auflösung der KPD. getroffen habe Ten Zeugen wirb nun nacheinander einzeln die Frage vor gelegt. Der Zeuge Kolvenbach erklärt, mit einem Partei- verbot hatten die Kommunisten schon gerechnet, bevor die Frage deS Generalstreiks und der Revolution aus der Tage?- vrdnung stand. Für den Fall der Auflösung sollte die Partei unter illegaler Peilung iveilerarbeiten. Es sollten auch na® Möglichkeit Maiiendenionstrationen und politische Pro est streif? gegen ein Verbot unternommen werden. Es werden dann nacheinander die übrigen Zeugen ausgerufen, um ihnen die Fragen Dimitroff? vorzulegen. Dabei springt plötz!® unter allgemeiner Heiterkeit der Angeklagte van ft--» P u!< f> r au' und erklärte, er wolle fragen, wann endlich Schluß macht werde. Nachdem der Vorsitzende darauf bingcwu» dat. das, nur noch ein Zeuge zu hören sei, ist die Angeleg» heit erledigt. Weiterverhandlung am Samstag. Hßi»ndinnd cItcs ZrntkM Der Arbeitersuuktionär Hinricks, der Anfang Oktober aus dem Konzentrationslager Sonnenburg auf das Berl'iui Polizeipräsidium gebracht und dort in der Sache der Ret iagsbrandstistung vernommen wurde, ist hier auf das gr,: samste mißhandelt worden. Tagelang lag er in einem dunk len Keller des Präsidiums auf»acklcn Fliesen, ohne PrKffte. Er wurde so schwer mißhandelt, daß sein Gesicht mit Starben überdeckt ist. Hinrichs hat erklärt, baß er nicht glaub«, die Torturen, die auch weiter noch anhalten, labend zu über- ®eufsrfie Stimmen« Heil aie zur.9eu(»en Schriften nur noch nationalsozialistisch ip' n' totale Staat sorgt für die totale Gesinnung «|ner Untertanen schon von Kindesbeinen an. Man denkt "Schrecken daran, was aus unseren alten Märchen werden jrd! Gewiß haben wir bald ein„Braunkäppchen". Di« Großmutter wird befreit, weil sieh zu ihrem Glück«n '"«er Minute herausgestellt hat, daß sie arisch»st. ,,Hansel ?nd Gret.l" gehören fortan zur Hitlerjugend, die die H " e*e Marxismus in den Backofen schiebt. Der Prinz, der Dornröschen munter küßt, sieht aus wie Hitler und trägt *"> Bürstchen unter der Nase. Indessen: wir verkennen die ernste Seite dieser vollkomme* ® e n Einschnürung der gesamten deutschen Pädagogik im '"ange der nationalsozialistischen Weltanschauung nicht. Die "oralbegriffe, die der deutschen Jugend immer wieder in tau 'fnd Varianten und für alle Lebe'nsalter eingepaukt werden. ®ind die des heldisch-heroischen Wehr- und Kriegs willens A., SS. und die Soldaten werden immer wieder als Beispiel Jjnd Vorbild erscheinen, zur Brutalisierung einer Jugend, "fr die Ideen der menschlichen Solidarität und der Huma* «'tat als Schwäche und Verweichlichung dargestellt werden p n Autor, der Spuren dieser Anschauungen in der Jugend '«hendig erhalten wollte: er hat nicht die geringste Aussieht, »teinnem Sie sich?" tin SBciet an Çechact 2Cauptmann Herrn Dr. k. e. Gerhart Hauptmann Agnetendorf(Riesengeb.) Der Wiscenstein. Sehr geehrter Herr Hauptmann! Die Zeitungen melden, daß Sie bei der Eröffnung der jjReichskulturkammer" als vielbeachteter Gast in den Reihen p« Regierung neben dem Prinzen August Wilhelm von *reußen saßen. Die Zeitungen berichten ferner, daß Sie zum 'ruppführer(lies: Leutnant) der Breslauer SA.*Standarte **" das ist die Standarte, die im Plan der deutseben Reichs* J. e hr über den Aufhan der deutsehen Reservearmee die Traktion der Königsgrenadiere weiterführt— ernannt worden ?' n d. Diese Nachrichten sind so positiv gehalten, daß leider "«'ne Zweifel über ihre Richtigkeit möglich sind. Es ist zur •"«sache geworden: der Dichter der„Weber" hat sich dem Deutschland des Jahres 1933 zur Verfügung gestellt! Als Redakteur der durch die siegreiche Gegenrevolution * n' Erscheinen verhinderten sozialdemokratischen Tages- Jfitung..Der Proletarier aus dem Eulengebirge" in Langen- b'elau fühle ich mich verpflichtet, Ihnen, sehr geehrter Herr Hauptmann, etwas dazu zu sagen. Ich fühle mich ein so mehr ~**u verpflichtet, als die Weber von Langenbielau und "terswaldau. von Steinkunzendorf und Steinseifersdorf, von •jaschbach, Friedrichsgrund und Heinrichsau. von Peiskers- or/ und Leutmannsdorf, von Weigelsdorf und Tannenberg, «on Reichenbach und Faulbrück nicht zuletzt durch die Tra- "■tionsnachfolger der Königsgrenadiere im Augenblick daran Behindert sind, Ihnen zu sagen, wie sie über den National- Sozialisten Gerhart Hauptmann denken. Am 15. November 1930 feierte„Der Proletarier aus dem von den braunen Reichs und Priifatellen anerkannt an Werden und einen Verleger zu finden. Was sagen die Kirchen beider Konfessionen zu diesem nationalsozialistischen Monopolansprueh über das gesamte Schrifttum für die Jugend? Wie wollen sie das Gut der Religion in den Seelen junger Mensehen poch erhalten, die auf Drill, Krieg und Anbetung der braunen Halbgötter abgerichtet werden? Wir sehen nichts von Abwehr und Widerspruch- Die „Reichsstelle" befiehlt, der katholische oder dar protestantische Autor hat zu gehorchen. £üQ£HsSBtlUick Der Hamburger Hanns Friedrich Blunek betreut die Abteilung Schrifttum der.Jteiehskulturkammer". Er sehreibt mittelmäßige Verse— besser kann er der Wahrheit kommandieren, wenn es seiner neun Monate alten Gesinnung zum besten dient. In Berlin wurde in diesen Tagen eine„Buchmesse" eröffnet. Alle Verleger prangten mit ihren hakenkrenztreuen Neuerscheinungen. Man lud die Vertreter der aualändischen Presse ein, um aie davon zu überzeugen, wie gut es um die Freiheit des Schrifttums in Deutschland bestellt aei. Besagter Blunek trat vor aie hin und erklärte nach dem Bericht der gleichgeschalteten Presse: „Die kleinen billigen Reihen deutscher und ausländischer Dichter mit ihrem erstaunlich hohen Absatz hätten sich als das wirksamste Mittel im Kampf gegen Schmutz und Schund erwiesen. Blunek ging dann auf oft erhobene Einwände ausländischer Freunde ein und seigte, wie gerade durch die Einführung der Reichskulturkammer in Deutschland das Prinzip der Selbstverwaltung der Künste im Sinne härtester Selbstkontrolle gegenüber mcchtf nischen Eingriffen von außen gewährleistet sei. Zuletzt gab er dem Abwehrwillen gegenüber allem künstlerischen Dilettantismus und bloßem Mitläufertum starken Auadruck." Bluncke gibt Legitimationen der„Reiehskulturkammer" aus. Wer sie nicht besitzt, darf zwar dichten, aber es wird niemals gedruckt, wenn die braunen Zensoren nicht zustimmen Kein Verleger, kein Buchhändler ist ohne diesen Stempel für einen deutschen Schriftsteller zu haben. Tro(jdem wagte Blunek die Behauptung,„Selbstkontrolle" gewähre Schutz vor mechanischen Eingriffen. Nur die furchtbare Unwissenheit über die Wahrhvi:»der die an* geborene Höflichkeit von Europäern hat ihn vor einem Bombardement mit Büchern der„nationalen Erhebung" geschützt. bei ihnen mal wieder aufzutauchen."(Veröffentlicht„Proletarier" 15. 11. 1930, Nr. 268.) Soweit Ihr Brief. Der Mann, mit dem Sie Ihre Studienfahrt durch das Eulengebirge machten, war mein Vorgänger Mast Baginsky. Vielleicht erinnern aie sich, Herr Hauptmann. Sie kannten ihn aus dem sogenannten„Friedrirhhagener Zirkel", dem die Brüder Hart, Kampffmeyer u a„ dem auch Sie angehörten. Damals, Herr Hauptmann, als Sia„Die Weber" schrieben, als Sie im armseligen Peterswaldau den Stoff zu„Hanneies Himmelfahrt" fanden, damals verhalf Ihnen ein radikaler Sozialist«um Ruhm, während er selbst irgendwo in der Emigration zugrunde ging. Erinnern Sie zieh.bitte, Herr Hauptmann: Anne 1891 war es, als Sir Ihre Stimme erhohen gegen die Königsgrenadiere und gegen die„höllischen Kujone", die die armen Weher peinigten. Damals erheben Sie Ihre Stimme, weil in Ihnen— „unbewußt", wie Sie mir schrieben— das Weberblut Ihrer Vorfahren gegen die Unterdrückung und die Ungerechtigkeit proteitierte. Der Dichter der„Weber" ist tot, aber die Weber leben. Sie werden einst mit dabei sein, wenn die Bajonette und Gummiknüppel der Königsgrenadiere der Freiheit und dem Menschenrecht weichen müssen. Hochachtungsvoll! Carl Paeschke. THacnelied dec Qleichgeschalleten Heil, cam tarn! Wir stehen wieder stramm.' Die Hände an der Hosennaht Vom Steppke bis zum Studienrat. Heil, tarn tarn! Wir stehen wieder stramm! Colt verdamm.., J Wir stehen wieder stramm! Vom Sportklub bis zum Reichsgericht flält man den Rand und muckst sich nicht. Gott verdamm..../ Wie stehen wieder stramm! Bim bum bam! Wir stehen wieder stramm! Wie ist uns doch so wohl dabei. Bei dieser Knochenreißerei, Rim bum bam! Wie stehen wieder stramm! Dreck und Schlamm! Wir Stehen wieder stramm! Venn schneidig das Kommando knallt, 'es Arierblut im Busen wallt. Dreçlt und Sehlamm l Wir stehen wieder stramm! Stamm für Stamm! Wir stehen wieder stramm! Es rührt kein echter deutscher Mann Die un-artfremde Freiheit an. Stamm für Stamm! Wir stehen wieder stramm! Heil, tarn tarn! Wir stehen wieder stramm! Hält' uns der Adolf nicht dressiert. Wir wären an Kultur krepiert. Heil, tarn tarn! Wir stehen wieder stramm! Liberator. Stamlul holl sich deutsche Qelehrte Die Besten, die Hitler-Deutschland vertrieb Das„Jour-al d'Orient" veröffentlicht ein Verzeichnis der ausländischen Profestoren der neuen Universität in Istambul (Konatautiuopel), unter denen si. h auffallend viel deutsche Gelehrte befinden. Ein sehr bekannter Physiker ist Professor A. von Hippel von der Universität Göttingen, Sohn eine« Adligen, rein„arischer" Rasse. Er bat Deutschland freiwillig verlassen, da«r das Verbrechen beging, die Tochter dea jüdischen Nobelpreisträgers James Frank zu heiraten Weiter werden in dem Verzeichnis genannt: Frig Adrtfdl, bisher Professor der allgemeinen Chemie an der Universität Breslau; der Bakteriologe Professor Hugo Braun von der Universität Frankfurt; Professor Leo Brauner, Pflanzenphysiologe aus Jena; Finlay Freundlich, einer der bedeutendsten Astronomen der Welt, früher Direktor des Einstein-Turma in Potsdam; Professor Dember von der Technischen Hoch- schule Dresden; Prof. R. v- Misas. Mathematiker von der Universität Berlin, eine Weltautorität auf dem Gebiet dar Theorie der Flugzeuge; Prof. W. Prager; Hans Reichenbach, früher Professor für Naturphilosophie in Berlin, Verfasser zahlreicher.tiefgründiger Abhandlungen über die philo- aophische Grundlegung der Relativitätstheorie und der Statistik; Prof. A. Heilborn von der Universität Münster; der Gynäkologe Wilhplm Liepmann; der Professor für medizinische Chemie Werner Lipschitz; der Chirurg Rudolf Nisson von der Berliner Universität; Siegfried Obendorfer von der Frankfurter Universität,* Wilhelm Roepka, Nationalökonom von Marburg; Philipp Schwartz, Diagnostiker; Leo Spitzer an« Köln, Romanist; Karl Strupp, internationale« Recht: Hans Winterstein, Experimentalphysiologe; Dr. Herzog, industrielle Chemie; der Chemiker Prof. Schlcnk. i n tt Eu engehirge" seinen vierzigsten Geburtstag, Und Sie, sehr Beehrter Herr Hauptmann. Ihren 68. Damals schrieben Sie "t'r- folgenden Brief: „Der„Proletarier aus dem Eulengebirge" bittet mich um einen Beitrag. Nach dem einen, den ich vor vierzig Jahren geleistet habe, bleibt nicht mehr viel zu sagen. Meine . Studienfahrt nach den verschiedenen Weberorten ist wiederholt geschildert worden. Sie steht mir noch klar vor der Seele, hätte mir aber nichts einbringen könne«, wenn ich nicht selbst das Weberblut mitgebracht hätte. Meine Vorfahren, wie ich jetzt weiß, haben seit 1700 als kleine Haus- Weher in Hcrischdorf bei Warmbrunn gesessen. Diese merk» würdige Tatsache, von der ich nichts wußte, als ich„Die Weber" schrieb, ist der wahre Vater* und Mutterhoden des Werkes. Uebrigens aber ging ich als Kind jahrelang in den Weherhütten von Nieder-Salzhruon aus und ein, ohne mich von den anderen Dorfkindern zu unterscheiden. So kam e«. daß i«:h mich mit Herz und Sinnen in den Häusern und Seelen der Weherfzmilien heimisch machen konnte. Grüßen Sie die Weber des Eulengebirges und sagen Sie ihnen, daß ich hoffe, nach langer, langer Zeit nächstens Jedoch Die Verschleuderung des Geistesgutes Ludwig Elster, wirkl. Geh. Ober Regierungsrat in Jena, legt die Leitung der„Jahrbücher für Nationalökonomie und St.* tistik" die Bruno Hildebrand begründet und die nach ihm Johannes Conrad ediert hatte, nieder. Drei unbedeutende Leute* Hermann Bente, Jens Jessen und Andreas Predöhl werden Elster. Plata einnehmen. Ihr Programm:«Auch weiterhin soll die Zeitschrift der Pflege der Wirtschaft«- Wissenschaften gewidmet sein-Jedoch wird aie diese Aufgab, nicht erfüllen, um einen sich selbst genügenden Fonds an akademischem Wissen au vermehren, sondern um Kenntnisse und Erkenntnisse darzubieten, die für die Ordnung der deutschen Volkswirtschaft benötigt werden. Sie unterstellt «ich damit bewußt den verpflichtenden Anforderungen unserer geschichtlichen Wirklichkeit." So wird ein Stück deutscher Wissenschaft nach dem andern zertrampelt Zeit=lloti2£k An der Universität Bonn sind im Wintersemester 1933, 1934 5563 Studierende immatrikuliert gegenüber 6479 Studierenden im Wintersemester 1932 33 Am Rückgang dea Studiums sind alle Wissensgebiete in derselben Weise beteiligt—- mit Ausnahme der katholisch theologischen Fakultät. Jtiedenslaule(Killet Anders als die andern Das„Berliner Tageblatt", sur Zeit mitgeschaltet juif Friedeusbeteuerungen, benutzt die Gelegenheit zu einer Rundfrage, in der prominente Antipazifisten der Literatur und Kunst sich zum Frieden„bekennen" dürfen.„Es ist ein Anderes." beteuert Hanns Jobst, der zweifellos ein Talent ist, ein Talent an Ungeschicklichkeit,„wenn Strescmann oder Rathenau„Frieden" sagen, e|n Anderes, wenn Moskau dieses Wort benutzt, und es ist ein ganz neues, in seiner Schönheit von wenigen Untiefst verstandenes Wort, wenn Adolf Hitler sich zum Frieden bekennt." Gerade das, daß es„ein Änderet ist", wenn Hitler vom Frieden redet, das ist es ja, was die Welt so über alle Maßen beunruhigt. Bei Rathenau, als er in Rapallo seinen Friedensappell hielt, da wußte alle Welt, wie es gemeint war, vor allem, daß et wahrhaft und aufrichtig gemeint war. Das„Andere" ist eben, daß man bei Hitler das ganz und gar nicht so genau weiß. Siehe Hitler:„Mein Kampf". So ist es auch, wenn Jobst zum Schluß versichert:„Deutschland will den Frieden, das heißt: Deutschland kämpft für den Frieden!" Was die Welt befürchtet, ist doch, daß dieses Kämpfen für den Frieden mit den Waffen geschehen könnte, die man partout nicht kontrollieren lassen will. JtJiöuiiiec, Mond und lanqschädliq. Afrikanische arische Rasse Das frühere Göringblatt, die Essener„National-Zeitung", hat von der Geistesverfassung seines ehemaligen Protektors offensichtlich profitiert. Es berichtet über einen Vortrag de« Privat Dozenten Dr. Albert Herrmann, dem es gelungen sei, das sagenhafte Atlantis nirgends anders als in„Süd-Tunis in Nordafrlka" zu entdecken,„die typisch nordisch-steinzeitliche Grundform aufweist". Bekannt war da, schreibt da« Blatt weiter,„sehen lange der nordische Charakter dea dor. Ilgen Berbervolk««. Unbekannt war lediglieh die Herkunft der Phöniaier. Die Entdeckung der Atlantis würde neben anderem den vollgültigen Beweis dafür bedeuten, daß die Phöniaier der nordischem Welt angehört haben..." Engllsdier Brief Dr. O. G.£ 0 n b 0 n, Ende flowmbwr 1933. Fünf Nacnwahlen Von den sechs Nachtvahlen zum Unterhaus, die in kurzen Abständen vorgenommen werden muhten, weil die bisherigen Mandatsträger durch Tod oder Mandatsnieder- legung ausgeschieden sind, haben fünf inzwischen stattge- sunden. Man sprach gelegentlich in der Presse von einer kleinen Generalwahl, obgleich es sich ja nur uip die Er- Neuerung eines knappen Hundertstels der Unterhaussitze handelt«. Man konnte von einer kleinen Generalwahl aus dem Grunde mit einem gewissen Recht sprechen, weil diese Wahlkreise die verschiedenen Teile Grotzbritanniens und die verschiedenen Bevölkerungsklassen reoräsentj-r-n: neben Wohnvierteln von London und Manchester mit einer gemischt proletarisch- kleinbürgerlichen fanden die Wahlen in einem rein ländlichen Bezirk, in einem gemischt proletarisch-ländlichen Bezirk Mitteleng lands und in einem Arbeiterbezirk Schottlands statt. Und überall das gleiche Bild. Die Regierung, die bisher alle diese Mandate besessen Hatte, hat zwar nur eines davon verloren lEast-Fulham), aber überall ha l der Regierungskandidat— vier in al eil» Kon- fervativer, einmal ein Anhänger der M ac» d o n a l d- G r u p p e— gewaltige Stimmtet« luste gegenüber der letzter. Wahl erlitten, überall hat der Labourkandidat starke Stimmengewinne zu verzeichnen.(Tie auch in der„Deutschen Freiheit" wiedergegebene WTB.-Meldung, wonach bei der Wahl in Stamsord-Rutlanö der konservative Kandidat 3000 Stimmen gewonnen habe. ist. wir so viele WTB.-Mel- düngen, falsch, er hat fast ll VW Stimmen verloren.) In fast allen Wahlkreisen sind die konservativen Stimmen unter das Niveau mm. 1!)29 gefallen ein für die Konservativen sehr schlechtes Jahr—, während die Labour Party mehr Stimmen erhielt als 19-8) das für die Labour Parti) bisher beste Jahr. Ein deutliches Stim- mungsbarometer. das dem Konservativen großen Schrecken eingejagt hat. Schon denken sie daran, doe fossile Ober- Haus zu reformieren.und ihm zugleich mehr Macht zu geben, um eine cttva Kommende Labourmehrheit von vorneherein zu hemmen. Trotzdem darf man noch nicht mit einem baldige» Regie- trungswechsel rechnen. Dos jetzige Unterhaus mit seiner riesigen Regierungsmehrheit Hat nod) drei Jahre Lebensdauer. und es gibt noch keine Anzeichen für eine vorzeitige Auflösung. In drei Iahren aber kann, viel geschehen. Auch darf ein anderer Unsicherheitssaktor nicht übersehen werden. Bei den meisten der Nachwahlen stand kein libe- raler Kandidat im Feld, bei Grneralwahlen werden die Liberalen>n der großen Mehrzahl der Wahlkreise kandi- dieren. Wohin sind aber bei den jetzigen Nachwahlen die liberalen Stimmen, die unter Umständen den Ausschlag geben können, gegangen? Sind sie als bürgerliche Anti- sozialisiert zu den Konservativen gegangen oder als Gegner der Regierung zu der Labour Party? Hier liegt ein Unsicherheitssaktor, aber an dem Stiinmungsum- fchwung gegenüber 1tl31 ändert das nichts. Di« Liberalen Auch in England, wo der Liberalismus eine so stolze und ruhmreiche Tradition hat. ist die Liberale Partei kein aktiver Machtfaktor mehr. Die einzige Rolle, die sie noch sp'elen kann, ist es. eine klare Mehrheitsbildung zu ver- hindern. Der Liberalismus hat dem Volk nichts mehr zu sagen. Seine alten Menschheitsideale werden von den Konservativen und von der Labour Party ebenso oer treten, mit der reichlich sterilen Freihandelsparole lock! man heule keinen Hund vom Ofen. Die Rolle der Libe ralen ist daher auch in England eine recht traurige. Sie find in drei Teile gespalten Lloyd George mit Sohn und Tochter bilden das eine Grllppchen. er ist. seitdem er Land wirt ist, stark agrarisch eingestellt und hat sogar faschistische Sympathien er ist der lauteste Lobpreiser für Hitler für einen sogenannten Liberalen eine seltsame Rolle Außenminister Simon führt die zweite Gruppe, die sich in so gut wie nichts von den Konservativen unterscheidet. Diese Gruppe unterstützt die Regierung, sie bekennt sich auch zur Schutzzollpolitik Die Kcrntrnppe. über die die Immer noch beachtenswerte Parteiorganisation verfügt, wird von Sir Herberl Samuel geführt. Sie spielt eine klägliche Rolle. Im Notkadinelt von 1331 stellte sie den Innen- und Außenminister. Aber schon während der Wahlen wurde sie von den Koalitionspartnern schlecht be- handelt, gegen den Parteiführer und Innenminister Samuel wurde sogar trotz Burgfrieden ein konservativer Gegenkandidat aufgestellt. Die Liberalen liehen es sich gefallen. Nach der Wahl nahmen sich die Konservativen die Ndehrheit der Ministersitze, die Liberalen erduldeten es. Dann wurden die liberalen Minister im Kabinelt schonungslos überstimmt, sie blieben in der Regierung Dann kam der Uebergang zum Schutzzoll. Nun traten die Liberalen um Samuel zwar aus dem Kabinett aus, aber sie unterstützten nach wie vor die Regierung und blieben auf den Regierungsbänken sitzen. Erst jetzt, nach vielem Drängen aus der Mitgliedschaft und unter dem Eindruck der Oppositionserfolge bei den Wahlen, hat sich Herbert Samuel entschlossen, seine Gruppe in die offene Opposition zu führen. Er hat— eine in England übliche symbolische Handlung— den Gong, der die Regicrungsbänke von den Oppositionsplätzen trennt, überschritten, aber er hat zugleich jede Tuchfühlung mit der Labour Potty vermieden. Ob ihm diese Halbheit viel nützen wird, ist mehr als frag- lich Die Liberalen können heute nur noch eine negative Rolle spielen. Sir John Simons Stellung So kurios es klingt, der Uebergang der Samuel-Gruppe in die offizielle Opposition hat die Stellung des national- liberalen Außenministers Simon wesentlich gestärkt. Die Regierung legt Wert darauf, als„nationale", über- parteiliche Regierung zu gelten. Nach ihren Wahlmiß- erfolgen dann sie es trotz der konservativen Parlaments- Mehrheit deshalb nicht ertragen, daß die letzten Reste der Regierungsliberalen abschwimmen. Die Konservativen wünschen es nicht, weil sie dann ihre Herrschaft nicht mehr als überparteilich tarnen können: Macdonald wünscht es nicht, weil er dann noch mehr in konservativen Händen wäre als heute. Diese Position nutzt Simon aus. Er ist ein schlechter Außenminister, das ist ein offenes Geheimnis. Man hätte ihn gerne für das Scheitern der Abrüstung»- Konferenz verantwortlich gemacht, obwohl er dafür gewiß nicht allein verantwortlich ist. Man spielte mit dem Ge- danken, seinen konservativen Unterstaatssekretär Eden zum Kabinettsmitglied zu ernennen und ihm die ganze AbrustungspoNM» zu Überträgen,«cm wollte, wie» ê Ziel! hieß. Simon„entlasten". Aber Simon wehrte I'G> und da man seinen Rücktritt aus den obengenannte» Gründen nicht ertragen konnte, siegte er— wenigstens m der persönlichen Frage. Wohin? "Sachlich schwenkte Simon zusammen mit dem ö^nö^ Kabinett. Wenn England bisher mit Frankreich geme> sam operierte, so operiert es jetzt mit Mussolini zusamme^ Die englische Außenpolitik hat zugleich eine sich»*"? Wendung zu Deutschland hm vollzogen. Man ist nach n£ vor mißtrauisch. Man mißbilligt nach wie vor die deutsch« Innenpolitik— wenngleich auch hier die rafft«»«"® Propaganda nicht völlig wirkungslos geblieben ist—- 0 man will Hitler eine Chance geben, seine Friedensivor in die Tat umzusetzen. Simon sprach nicht mehr von«»«« allgemeinen Abrüstung, sondern von regulierter Rustuntz, d. h. man denkt offenbar an eine gewisse deutsch e.f, U; rüst ung. Man redet Frankreich gut zu, man fprie^t• sehr verschwommener Form von Revision des Berfa,u» Vertrages, vor allem aber ergeht man sich in einem W unrealistischen Pazifismus und hofft, die tatsächlich" Gegensätze durch schone Worte verkleistern zu können- D> Ladour Party hat diese Politik, die wegen ihrer Illusionen verhängnisvoll werden wird, eingeleitet: die Regierung m nicht zuletzt unter dem Eindruck der englischen Wählt -- eingeschwenkt. Selbst Blätter wie„Times" und„Do'G Telegraph", die die Wahrheit sehen, hoben sich mit sauer« süßer Miene eingefügt. Nur die rechtskonservatim „Morningpost" poltert, aber man merkt den Rüstung^ willen. Nur der bedeutendste politische Journalist Eng' lands, Garvin, bleibt Realist. Auch er hat resigniert,»r hält die deutsche Aufrüstung für unvermeidlich, aber« macht den Illusionspazifismus nicht mit. Seine I e" ernsten Artikel find von tiefem Pessimismus erfüllt, e glaubt nicht an die Friedensworte Hitlers. Er fWP Deutschland in wenigen Jahren als die stärkste Militär« macht,.und dann könne nur die. Entschlossenheit und W* Zusammenschluß aller friedlichen Mächte das Aeußerst« verhindern— wenn es dann nicht zu spät ist. Wir fürchten« Garvin hat recht. Nur die deutsche Revolution kann Ö ,e Welt vor einer neuen Katastrophe retten. Mit Friedens beschwörungen ist es heute nicht mehr getan. Faschi»wu» heißt Krieg. Wer den Frieden will, muß den Fajchisw»» zertrümmern. Hitlers Prcssedicf bestochen? Die Tätigkeit einer Spionin Paris, 1 Dezember lZmprrßf.„Wir besitzen unwiderleglich« Beweise>ür einen unglaublichen Korruptivnsskandal in der engsten Umgebung des.Führers," ichreibt der.Gegen- Angriff" in ieinrr neuesten Nummer und belegt leine Eni- hüllungen mU iolgenden Einzelheiten: „An einem der letzten Oktobertoge erschienen zwei Beamte der Geheime» Staatspolizei im Berliner EsplanadeHotel, nahmer, eine Haussuchung bei dem Berliner Korrespondenten des große» englischen Blattes„Manchester Guardian" vor und verhasteten seine Sekretärin Die Sekretärin wird i» die.'Zentrale der Geheimen Staatspolizei, Prinz-Albrecht- Straße 3 gebracht und bis 3 Uhr nachts verhört. Die Polizei verincht vor allem zn erfahren, wer der Verfasser einer Reibe von Artikeln im„Manchester Guardian" war, die »eben den Berichten des offiziellen Berliner Korrespondenten erschienen waren„der Schweinehund von Manchester Guar- dian, der Deutschland so mit Dreck beschmeistt". Man verincht. die Frau dadurch einzuschüchtern daß man ihr klar macht. 1ö Fahre Zuchthaus wären ihr dafür stcher, daß sie alâ die Sekretärin des jetzt noch in Berlin befindlichen Korrespondenten der englischen Zeitung gearbeitet hätte. Nicht» hilft. Um S Uhr nachts schicken stc ste nach.Hanse mit der Weisung, stch am nächsten Mittag wieder in der Prinz^ Albrechi-Straße zu melden. Und nun, bei der zweiten Vernehmung, traten zwei höher« Beamte der„Gestapo" in Aktion. Kriminalkommissar Dr. Tetzlafk und Oberkriminalrat Nußbaum. Die Herren Kri- minalräte aaben stch äußerst charmant, die Frau auf der an- deren Seite ließ aste ihre Reize spielen. Und nach einiger Zeil»mr das Gespräch lo weit gediehen, daß dir Hüter der geheimsten Staatsgeheimnisse. die schon lett lang«? 3? Knnlnis davon hatten, daß hohe Funktionäre der Verrat übten, ihrem Häftling das Angebot machten, reL die obersten Kreil« der Nationalsozialistische» Partei«•> Emissäre Spisteldienste zu leiste». Die Frau sagt« ja. stch zu allem bereit— sie will ja nur etnS: ihren Paß w«evv haben, um so schnell als möglich über die deutsche©«*5 zu kommen. Als Resultat der„Sptonage-Dättgkeit" Sekretärin veröffentlicht der„Gegenangriff" folgendes: Herr Dr. Ernst Hansftängl. der Pressechef Hitlers, kauft Nachrichten aus dem engsten KrctS um die ReichskandA und die Parteileitung. Ein Interview mit Adolf Hfv« kostet SM englische Psund, da» sind rund 4000 Preis ist so hoch, daß stch der Vertreter der„Daily M«' geweigert hat, ihn zn bezahlen. Herr von Wtegand ober, Botschafter der Hcarst-Presie in Berlin, hat den Betrag gewendet. Dabei war er aber so vorsichtig, stch diesen»? andere Beträge, die er zur Stützung der Privatkasse«jr Ernst Hansstängls abstihrte, quittieren zu laße». Die O#'. tnngen liegen wohlverwahrt bei seinen Akten im Adlon.^ Hanfstöngl ist einer der engsten persönlichen Adolf Hitlers. In der Villa HansstänglS fand der„Fäh«L nach dem Zusammenbruch seine» Putsche» vom 0. Roveinot 1923 Zuflucht. Am 27. Februar hielt sich Hansftängl brzeickr nenderweiie im ReichStagspräsidentenpalai» auf und»A dort die erste«elesonische Meldung an Hitler, der sich£ Göbbels Wohnung befand. I« den letzten Wochen»0*®: der Vetter Ernst HansstänglS, Dr. Edmund Hanfstängl, Direktor der Nattonalgalerie ernannt. Ose umsichtige Geschäftsmann inseriert mit Erfolg in der „Deutschen Freiheit" dem Weltblatt Inserieren in der„Deutschen Freiheit" verbürgt allerbeste Erfolge m 9*' h Er miml„volkslOmlidiheir Kronprinz Wilhelm bei seinem alten Freund, dem Dorfschmicd Jan Luyt, bei dem l er wah- rend seines ErilS das Schiniedehandwerk„erlernte. Der Kronprinz suchte jetzt den kleinen holländischen Ort auf. in dem er nach dem deutschen Zusammenbruch'einige'"ihre verbrachte. Fotografieren lieft er sich natürlich auch schnell dabei. Von Hitler hat er das schon gelernt. Bild links Leutnant Haber, der erst 22 Jahre alte Kommandant der französischen Polar- expedition, wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion auS- gezeichnet, Er ist der jüngste Inhaber dieses von alte» fran- zösischcn Patrioten so heißerschntcn OrbcnS. Bild rechts Pros. Fichera, Leiter des Mailänder Kreböinstitutes, hat ein Präparat ent- deckt, das hervorragend günstige Wirtungen bei der Krebs- bchandlnng haben soll. Es handelt sich um ein Drüsenabbau- Produkt, das in dem erkrankten Organismus Widersiaiids- fräste entwickelt. Stroßblirger WodKMdMW Ver 22. November -Der Tag, an dem vor IS Jahren die französischen Truppen* AA ßß A■ fi Jï^ll OllIIC LOllll ^l.Straßburg einzogen, wurde durch festliche Veranstaltungen 4UWWW„LUIIUllwiu vi« Gefeiert. Am Nachmittag des 22. November vollzog sich am Jeut Kleberplatz ein großes militärisches Dcftlee, zn «em General G o u r a u d aus Paris erschienen war. General Gouraud leitete vor lS Jahren den Einmarsch der franzö- vsichen Truppen ins Elsaß und zog als Erster in Straßburg Ein. Die Bevölkerung nahm an den Feiern regen Anteil ll»d überschüttete de» General verschiedentlich mit Hochrufen. Am Vormittag sand in Anwesenheit des Generals Gou- . îaud, des Präfekten und verschiedener offizieller Persönlich- 1 Aîten die Eröffnung der Vauban-Ausstellung im Palais du Rhin statt. Ein falscher Missionsgeneral festgenommen Die Polizei nahm vor einiger Zeit einen jungen Russen Samens Sund fest, der sich selbst zum„General des Arm e e b" befördert und sich eine goldstrotzende Fantasie- uniform zugelegt hatte. Er schickte zu allen größeren Firmen Und bestimmten Privatpersonen seine Werberinnen, meistens Ausländerinnen, die vom Schwindel ihres Generals nichts wußten, und ließ Beträge für wohltätige Zwecke sammeln. WO es notwendig war, erschien der„General" höchst persön- um oft recht ercklecklirhe Beträge einzuheimsen. Die Polizei hat sich nun seiner angenommen und ihn m das Ge- miignis im bei Fadengassie eingeliefert. Von dieser Gjftie heißt es im Bolksmuud, daß sie die l ä n g st e der Welt fti. weil so rasch keiner dort herauskomme, der hinein- begangen sei. Nene Brücke ^An» Weißtu r m rin g entstand im Zuge verschiedener Etraßenbauarbeiteu eine neue Eiscnbetvnbrücke, die sich recht geschmackvoll in das Straßcnbild einfügt und den Anforde- Hungen des modernen Verkehrs besser genügt, als die alte Brücke, die schon in den achtziger Jahren erstellt wurde. Christkindelmarkt ■: Vom 10 bis 20. Dezember findet auf den» Platz B r o g l i e großer Ehristkindclmarkt statt, auf dem aber nur Händler aus Straßburg und der näheren Umgebung ihre Zelte auf- schlagen und Weihnachtsartikel verkaufen dürfen. Konzert, Theater, Kinos Die winterliche Konzertsaison bringt beinahe jede Woche o,rei oder vier große gute Konzerte. Mit dem Violin- mrtuosen Mcnhuin, der am Montag, 4. Dezember im Palais des Fetes einen Galaabend gibt,-führt die Isentur S. Wolf, die vor einigen Tagen mit einein -sich lbaud-.Konzert den Straßburger» ein große Freude uereltcte. die Saison einem gewissen Höhepunkt entgegen. Am f- Dezember singt Richard Tauber, der damit seine französische Gastspielreise beendet : Das Theatre municipal bietet seinen Besuchern ein gut ausgewähltes Programm, in dem sowohl das klassische Schau- Ipicl, wie auch die große Oper mit den bekanntesten Werken Zertreten sind. Für leichtere Unterhaltung sorgt das Elsäfli- w>e Ensemble und ein Ensemble deutscher Schauspieler, die bew Hitlerreich aus verschiedenerlei Gründen den Rücke» «chreu mußten ' In den Kinos laufen deutsche und französische Sprech- Ulme, die letzteren meistens mit deutschen Texten. Zu nennen m" e» s ch c n im Hotel" mit Greta Garbo im »Broglie" und der erschütternde englische Antikriegsfjlm »u a u a I£a b c" im II. T. Beide Filme lausen schon Mehrere Tage vor ausverkauftem Haus. Eür Dimitroff, gegen die Leipziger Komödie Am Donnerstag führte die KPO.. die in Slraßburg den Maire stellt, eine Kundgebung gegen den Reichstagsbrand- nuter-Prozeß durch, in der mehrere Redner, dariinter der Maire Huber von Slraßburg, lebhaft gegen die Schande viefes Prozesses protestierten und unter dem Beifall der Per- sanimlungstcilnehmcr die HerauSaabe der unschuldig an- geklagten Dimitross. Torgler Poposf und Taneff forderten. C-lindes Urteil Bor dem Schwurgericht des Bas-Rhin in Straßburg wurde d r Arbeiter Schmitt aus der Pfalz, der tu eiueiw elsäsiisch«» Grenzori vor einem Vierteljahr den Arbeiter Brendel Niederschoß, nur zu s e ch s M o n a t e n G e i ä n g n i s ivege» unbefugten Waffenbesitzes verurteilt. Der Vorsitzende lehnte es ausdrücklich ab den politischen Hintergrund der Tat— Cchmili ist aktiver Nazi in der Pfalz, arbeitet aber im vlsaß— in der Verhandlung zu erörtern. Ob b'cse Noblesse des Vorsitzenden im„dritten Reich" verstanden wird? Großbrand im Metzgerhafen Vor nnfttcn Tagen brannte sin den frühen Atprgeustuudcn die Lagerhalle einer Speditionsfirma im Metzgerhafen ab. Der Schaden wird aus drei Millionen Franken ge- ichätzt. Unter anderem sind die Möbel verschiedener d eut- cher«tat-of verbraà, E-D. tJnprcß.j Wie der Parlamentsdienst der TU. mitteilt, gibt es tu allen Bezirken Deutschlands gegenwärtig rund 200 000„Landarbeiter". Es handelt sich um Erwerbslose, die durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung den Besitzern landwirtschaftlicher Betriebe zugeteilt worden sind. Lohn wird nicht gezahlt. Gewährt wird nur Nahrung und Untcx- kunft. Dagegen erhalten die Betriebsinhaber sür jeden be- schäftigten Erwerbslosen meist eine behördliche Unterstützung. Strasbourg CHEZ ARMAND Unter den Gewerbslauben 75 (I. Stock:: Telefon Nr. 44.16 Dauerwellen nach neuest.System 50.- 6 Monate Garantie Haarfärneu mit tmecto 30.- Blondmachen der Haare 15. 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Pape» wolle mit Hilfe französischer Bcrbin- düngen zur Regelung der Saarsragc einen Handel vor- schlagen in der Art, daß als Gegenleistung gegen Rcrz'cht auf die Volksabstimmung und Bezahlung der Kohlengrube» deutscherseits die Grenze von 1814, die Frankreich vorübergehend bis 1815 Saarbrücken und Saarlouis belassen hatte, zugestände,, würde. Gegenüber dieser neuen französischen Brunnenvergiftung, so schreibt MTB., bedarf es kaum des Hinweises, daß sür dc„ deutsche,, Bizekanzler nnd Saar- bevollmächtigten wie sür jeden andcrc» Deutsche,, keine an- der deutschen Souveränität über das gesamte deutsche Saar- der deutschen SuverLnität über das gesamte deutsche Saar- gebiet in Frage kommt. ES ist nie nnd mit niemand über irgendeine andere Lösung verhandelt worden. Die Behaup- tnng von Jacques Bainville stellt eine ihrem Ziel durch- stchtige Verleumdung dar! * Die„Action Française" beweist wieder einmal, wir die nationalistische Presse gewissenlos nnd gedankenlos hüben und drüben ihre Behauptungen in die Welt seht. Keine deutsche Regierung wird die Wiederherstellung der Grenze von 1814 anbieten, indes trauen wir der jetzige» Reichs-' regiernng durchaus zn daß sie, um irgend einen Prestige- erfolg zu erzielen, hinsichtlich mancher anderen Zugeständ- Nisse an Frankreich, auch im Saargebiet, sehr gut mit sich handeln läßt.• Bombe in Barcelona Sechs Personen verletzt Barcelona, 2. Dez. Der Streik der Angestellten»nd Ar- better der öffentlichen Verkehrsmittel dauert bereits vier- zehn Tage, Der Verkehr wird notdürftig durch Angehörige der Polizei aufrecht erhalte». Gestern sind viele Sabotage- akte vorgekommen. Abends explodierte auf dein Pradoplatz eine große Bombe, wöbet sechs Passanten schwer verletzt wurden. Feldzug in Marokko Paris, 2. Dez. Nach einer Meldung des„Matin" auS Rabat sollen zu Beginn des komnienden Jahres in Fran- zösisch-Marokko in der Nähe der spanische» Grenze militä- rische Operationen gegen eine Reihe von Nöinadenstämmc» beginnen. Das Blatt glaubt, daß mit der spanischen Regie rung wegen Beteiligung an diesen Operationen, die ans spanisches Gebiet hinübergreifen könnten, verhandelt werde. HCT Alltl-Faschist Hendersons neue Reise a s If "i I Das einzige deutschsprachige WITZBLATT ohne Zensur! Heulee srfke.int Wr H Verkauisprels: Einzelnummer 1,25 fFr. Bestellen Sie sofort beim Verlag Der ANTI-FASCHIST, STRASBOURG(Fiance) 31, Rue St. Goth rd-- Fernsprech-Anschlufi 737 Die direkten Verhandlungen Paris, 2. Dez. Die Blätter berichten aus Gens, daß der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, sich am Montag nach Paris begeben werde, wo er mit Außenminister Paul-Boncour, dem Vizepräsidenten der Generalkoinmission der Abrüstungskonferenz, Pvliti», dem russische» Botschafter Dowgaleivski»nd dem spanischen Botschafter Madartaga Fühlung nehme» werde. Henderson werde am Donnerstag nach London reisen. Der Genfer Berichterstatter des„Petit Parisien" hält es für wahrscheinlich, daß bei diesen Be sprechungeu auch die direkten Verhandlung e n zwischen den. Regierungen und die Arbeiten der künftigen Ab- rüstnngskonferenz zur Erörterung stehe» werden. AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der „Deutsche Freiheit" für Elsass-Lothringen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPUl AIRE, 2, rue Sédillot Strasbourg ABONNESITENWERBER In allen Orten des BAS. RHIN und HAUT RHIN sofort gesucht. n-\g Der italienische Komponist Mascagni 70 Jahre alt Er ist der Komponist der berühmte» Oper ^Cavalleria rusttcana" nochfllngshoniiiiissar Macdonald Sein Büro end seine Organisaiionsptöne HH. Genf, L Dezember.(Eig. Bericht.) Der Hohe Kommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, James Macdonald, hat den Vcrivaltungsrat des Flttchtlingswerks aus Dienstag, ö. Dezember, in die Aula der Hochschule von Lausanne zur konstituierenden Sitzung einberufen. Während dieser Tagung, die aus drei Tage vorgesehen ist, wird Macdonald den Vertretern der vom VölkcrbundSrat bezeichneten, inter- essierten Regierungen einen Bericht über seine bisherigen Arbeite» geben und einen Organisationsplan für das Hilfswerk vorlegen. Weiter werden die bisher schon bestehenden Hilfskomitees der einzelnen Länder, ihre Tätigkeitsberichte vortragen. Der Verwaltungsrat hat dann Beschluß zu fassen über die Vorschläge des Kom- missars und besonders darüber, in welcher Form die prt- vaten Organisationen weiter an dem Hilfswerk mitarbeiten sollen. Nach Abschluß dieser Tagung wird der Hohe Kom- missar nur noch bis Ende Dezember in Gens bleiben. Er wird an Weihnachten nach Amerika fahren, um die durch seinen eiligen Weggang aus dem Vorsitz der foreign policy association zurückgebliebenen Arbeiten abzuwickeln. Daher wird seine volle Tätigkeit für das Flüchtlingsmerk erst nach seiner Rückkehr Ende Januar beginnen. Wie wir erfahren, wird der Bericht Macdonalds an den Vcrmaltungsrat zunächst eine Schilderung seiner mehr- wöchigen Reise nach London, Paris, Amsterdam und Brüssel enthalten, wo er mit den interessierten Regierungen ein- gehend verhandelt hat. Der Bericht wird dann eine Doku- mentation über die gegenwärtige Lage der deutschen Flüchtlinge in den bereisten Ländern bringen, sowie über die besonderen Bedingungen ihrer Unterbringung, Ansiedlung und Arbeitsbeschaffung. Hierzu dienen als Vervollständigung die Berichte der privaten Hilss- organisationcn. Macdonalds Organisationsplan.den er dem Ver- waltungsrat vorschlagen wird, sieht vor, daß das Büro des Hohen Kommissars die Arbeit der bestehenden privaten Or- ganisationen zusammenfassen und in einer Art Clearing ausgleichen wird. Die privaten Organisationen werden also ihre Rolle wie bisher weiterspielen unter dieser Ausgleichszentrale, die sich daher selbst grundsätzlich nicht um Einzelfälle oder um die Besetzung erschlossener Arbeits- Möglichkeiten befassen wird. Zum ersten Male erfährt man auch, dast dem aus RegierungSvcrtretern gebildeten Vermal- tungsrat noch eine beratende Zentralstelle bei- gefügt werden wird. Sie wird voraussichtlich 16 Mitglieder der privaten Hilfsorganisationen umfassen, davon acht aus den südischen Organisationen, die von der Londoner Kon- sercnz festgesetzt wurden, und acht aus den paritätischen Hilss- komitees, in welcher Zahl die Vertreter der christlichen Kirchen eine groste Rolle spielen werden, Fünf Mitglieder dieser beratenden Zentralstelle ladvisony Codys werden in den Verwaltungsrat eingegliedert werden mit Stimmrecht. Das Büro des Flüchtlingskommissars wird geleitet von feinem ersten Sekretär, dem in Genf wohnhaften, 66jährigen Holländer Dr. Andre W u r f b a i n Sohn eines Bankiers, muhte er sich erst dem Banksach widmen, was ihn ein Jahr lang nach den Vereinigten Staaten brachte. Er wollte aber seine Arbeit einem mehr idealistischen Ziele widmen, weshalb er in Utrecht Jura studierte und in Genf Politik. Wurfbain war zwei Jahre Präsident einer Unter- kommission, dann zwei Jahre Präsident der Hauptkommission für den Austausch grtechisch-tttrkischcr Bevölkerungsteilc lSitz Konstantinopel). Am Genfer„Institut pour les hautes exudes internationales" fProk. Rapard» promovierte er mit einer Arbeit über den AuStaukch der Bevölkerung vom ethnologischen Standpunkt aus. Wie Macdonalb diesen Sekretär wegen seiner Erfahrung in Flüchtlingsfragcn wählte, so brachte er sich seine Sekretärin aus UTA. mit. da diese junge Juristin. Olive Sawyer, Kollegin aus der foreign policy association, lange Privatsckretärin war bei Howlanb, dem Kommissar für die klcinasiatischen Flüchtlinge lSitz Athen). „Umsonst gestorben r Ein anständiger Inde and ein edit hitlerisdier logenderzteher Der Schullehrer Hermann Heydorn in Duisburg-Reu- darf gibt einen Nachrichtendienst der NSDAP, heraus. Wir entnehmen diesem Nachrichtendienst folgendes Zeit- doßument: In Cannstatt in Württemberg wurde vor kurzem der Jude Fritz Rosenfelber aus dem dortigen deutschen Turnverein ausgeschlossen. Das ist eine Sache, io selbstverständlich, dast man darüber eigentlich gar kein Wort verlieren sollte. Juden sind Juden und haben deshalb i» deutschen Turnvereinen nichts zu luchcn. Sic haben darin ebensowenig etwas zu suchen, wie andererseits in dem jüdischen Turnverein Bar Kochba deutsche Turner etwas zu suchen haben. D'eser jüdische Turnverein wurde von Juden gegründet und nimmt nur Juden auf. Deutsche würden eS auch ohnehin aus Rein- lichkeitsgriinden ablehnen, ihm beizutreten. Wenn sich nun die Juden das Recht herausnehmen, in Deutschland rein jüdische Turnvereine zu bilden dann ist es schon eine bodenlose, echt jüdische Frechheit wenn sie sich darüber be- schweren, bast die Deutschen nunmehr auch ihrerseits Wert darauf legen, rein deutsche Turnvereine zu haben. Dabei ist ganz davon abgesehen, dast Deutschland das Vaterland der Deutschen und nicht der Inden ist. Und dast es deshalb dem Deutschen freisteht in seinem eigenen Lande das zu tun was er für richtig hält. Wenn eS wir Deutsche gestatten, daß sich die Juden in jüdische Turnvereine zusammenschließen, dann ist eS von uns schon ein großes Entgegenkommen und die Juden haben dafür dankbar zu sein. Dies hat der Jude Fritz Roscnselder aus Cannstatt nicht verstehen können. Er hat bisher als Jude den deutschen Turnverein in Cannstatt geleitet und es kam scheinbar in seinem Judcngehirn der Gedanke gar nicht ans, dast dies eine große Anmaßung und Unverschämtheit ist. Als er nun un- umgänglicherweise von den Cannstattern nach vollzogener Revolution ausgeschlossen wurde, war er so ties beleidigt, dast e> sich in Abrahams Schoß zurückzog. Wie er starb, wissen wir nicht, er wird sich wohl ausgehängt haben. In seiner jüdisch-„auserwählten" Naivität hinterließ er, um Eindruck zu schinden auch einen Abschicdsbrief. Er lautet: Ihr lieben Freunde I Hierdurch mein letztes Lebewohl! Ein deutscher Jude konnte es nicht über sich bringen, zt> leben in dem Bewußtsein, von der Bewegung, von der sich das nationale Deutschland die Rettung erhofft, als Vater- landsvcrräter betrachtet zu werden! Ich gehe ohne Hast und Groll! Ein inniger Wunsch beseelt mich: Möge in Bälde die Vernunft Einkehr halten! Da mir bis dahin überhaupt keine— meinem Emp- finde» entsprechende— Tätigkeit möglich ist, versuche ich durch ineinen Freitod meine christlichen Freunde aufzu- rütteln. Wie es in uns deutschen Juden aussieht, mögt ihr aus meinem Schritt ersehen. Wie viel lieber hätte ich mein Leben für mein Vaterland gegeben! Trauert nicht, sondern versucht aufzuklären und der Wahrheit zum Siege zu vcr- helfen. So erweist Ihr mir die größte Ebre. Euer Fritz. Wenn der Inde Fritz Roscnselder geglaubt hat. damit die Deutschen in ihrer Einstellung zur jüdischen Rasse anderen Sinnes werden zu lassen, dann ist er umsonst gestorben. Aber wir denken jetzt, nachdem er tot ist, unsererseits ebenfalls an ihn„ohne Haß und Groll" Im Gegenteil, wir freuen uns über ihn und wir haben nichts dagegen, wenn seine Rassen- Raffengenossen sich in der gleichen Weise empfehlen. Dann hat nämlich tatsächlich„die Vernunft in Deutschland Einkehr gehalten" und die Judcnfrage ist auf einfache und friedliche Weise gelöst. Wir sind dann auch bereit, den Tahingeschiedc- nen das letzte Mcleit zu geben und zu Ehren Jahwes drei donnernde Salven in die Luft zu schießen. Tollte es aber in Cannstatt und sonst noch in Deutschland rührselige Hanswürste geben, die das Ende des Juden Rosen- selber„erschütternd" und unsere Worte„herzlos" s'nden, so haben wir denen z» sagen: Der Jude ha! tum die nicht- jüdischen Throne zn stürzen und die nichtjttdtsche Welt unter seine Fsnanzherrlchgst bringen zu können! den Weltkrieg entfesselt Der Weltkrieg kostete den beteiligten Völkern 13 Millionen Tote. Der Jude hat außerdem mit Hilfe seiner marxistischen Knechte die Novcmberrevolte entsacht und durchge- führt. Dadurch wurde Teutschland seinen Feinden ausge- liefert und in eine tljähriqe Knechtschaft gestoßen. Die Folgen dieser Knechtschaft»" W ans'hr entstandenen Elends waren Jjuuüu Selbstmord«! Die„Deutsche Freiheit' Einzig* unabhängig* T*g*sz*itung Deutschland' mulj man regelmäßig l© 5® 0 Bestellschein Ich«rtuch* um regelmäßig* Zusendung der„Deutschen Freihei' N, amei Straße Orti den.......». n...... 13 Millionen Tote im Kriege und 220 OOO nach dem Kriege. Das ist de Schuld Alljudas! Da könnte die gesamte jüdische Rasse vom Erdboden verschwinden und das von ihr begangene Verbrechen wäre noch lange nicht gesühnt. listes Greoeimardicn' Ein Jude, der restlos wegen seines Judentums aus einem Sportverein ausgeschlossen worden ist. sendet uns die Nr. 273 der„V. Z. am Mittag". Dieses Blatt ist ties- traurig, daß die amerikanische Amateur-Nthletik-Union be- schlössen hat an den kommenden Olympischen Spielen in Berlin 1636 nicht teilzunehmen, wenn nicht der Boy- k o t t der jüdischen Sportler in Deutschland von der Regierung aufgehoben würde. Unschuldsvoll schreibt das Blatt dazu: Vor allem aber ist zu sagen, dast aus dem Wiener Kon- grcß ausdrücklich von autoritativer deutscher Seite aus er- klärt wurde dast alle olympischen Borschriften aus das genaueste beachtet werden würden und dast grund- sätzlich jüdische Tportsleute aus der deutschen Mannschaft nicht ausgeschlossen s.eiir würden. Der Reichssportführer hat auch niemals den Ausschluß von Juden aus deutschen Sportvereinen gefordert oder angordnet. Der Reichssportiührer höchstpersönlich hat natürlich die Juden nicht hinausgeworfen. Aber wo hat er je gegen die Diffamierung protestiert? Wenn das Pack doch wenigstens zu dem stände, was es fordert und tut. D e neilerei Auch die linke Hand ist erlaubt Der Reichsminister des Innern hat die obersten Reichs- behördcn und die Ländcrregterungen gebeten, für die Durch- ftthrung des deutschen Grußes folgendes anzuordnen: 1. Der deutsche Gruß für die Beamten, Angestellten und Arbeiter von Behördcn im Dienst und innerhalb der dienst- Verlag der„Deutschen Freiheit' 1 Saarbrücken 3• Schützenstraße 5• Posts chließlach 776 l'chen Gebäude und Anlagen besteht im Erheben deS rechten Armes.^... Es ist freigestellt, zu dieser Grustbezeugung die Worte „Heil Hitler" oder„Heil" ober gar nichts zu sagen Ande« Worte sind aber gleichzeitig mit dem deutschen Grub nicht z sagen. Wer den deutschen Grub mit dem rechten Arm wegen kör- pcrlicher Behinderung nicht ausführen kann, grübt mögnw' durch Erheben des linken Armes. 2. Beamte in Uniform wenden künftig abweichend von oc bisherigen Bestimmungen auch mit Kopfbedeckung i n u n außer Dien st den deutschen Gruß an., 3. Der Grub der uniformierten Beamten der Lande» polizei wird durch die zuständigen Länderministerien regelt.... Für die Reichswehr bleibt es b«i den Anordnungen de» ReichswehrministerS. ©es erre-tli en'srhn d'd» vrti Der Generalsekretär des Bundeskanzleramtes hat dem deutschen Gesandten in Wien die förmliche Entschuldigung der österreichischen Bundesregierung ausgesprochen und er- klärt, daß die an dem Grenzvorsall Beteiligten vor Gericht gestellt würden. Verdaten jJnpreß.) Das sächsische Ministerium des Innern hat den Reichsbund der Jnslationsopser des Freistaates Sachsen samt dessen Untcrverbänden ausgelöst, verboten u"d das Vermögen beschlagnahmt. Wer noch weiterhin für seine Verluste während der Inflation entschädigt werden will, wird bestrast. Ende der Arbeitoeberverttflnde Aufgehen in die deutsche Arbeitsfront Berlin, 1. Dez.(Wolfs.) Im Anschluß an den Aufruf der Reichsregierung und des Führers der Arbeitsfront an alle schaffenden Menschen haben die maßgebenden Vertreter der industriellen Arbeitgebcrverbände in einer am gestrige« Tage abgehaltenen Sitzung beschlossen, die industrielle« Arbeitgeberverbände aufzulösen und in ihr« Liquidation zu treten. SO000 Mark Drs*echnn0sde>d In einer Stockholmer Versammlung der nationalsozia- listischen Partei trat Dr. Wclin aus, der vor einigen Monaten zum Ehrendoktor der Berliner Universität ernannt wurde. Auf Grund des in der Versammlung vorgebrachten er- drückenden Materials gab Welin zu, dast er im letzte« Sommer von der deutschen Regierung 56 666 Mark sltr „autorisierte Propaganda" in Schwede« erhielt. 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Auch der Völkerbund war vertreten. Zum Schluß besieh- . l'Sten die Teilnehmer die Schlösser von Main tenon und Ezy- Anet, von deren Privatbesitzern sie empfangen wurden. $ ver König von Belgien führte den Vorsitz auf dem lite- farisch-politischen Diner der Revue des Deux-Mondes. Seine Rede und die von René Moumic(Sekretär der Aca- demie Française) und Paul Bourget wurden im Rundfunk verbreitet. * Im Generalrat der Seine, in dem u. a. Polizeipräsident Chlappe über die Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung sprach, wurde festgestellt, daß die Arbeitslosenkosten des Departements täglich ungefähr 1 Million Francs betragen. Mo-tabule Ok« d« la Porta w(17) "Ufa Gahr. 68.67 î?J^ n* err'chtsstunden — Fr. Unterricht A ieder Zeit. Auch Wohngelegenheit. A>ka«f VorkaafTavodi madeleine Bail abzutreten. Möblierte Wohnun*. Neu eingerichtet, f'iir Couture oder dergleichen Voo 2 bia 4 Uhr. 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Der Ingenieur erklärte, er sei der uneheliche Sohn vom Herzog von Clarence, dem älteren Bruder des späteren Königs Eduard VII., der 1892 achtundzwanzigjährig starb, Der Verhaftete setzte groß und breit auseinander, daß man tatsächlich als„königlicher Bastard" nicht leben könne. In Indien hätten die Kinder der Weißen mit Fingern auf ihn gezeigt. Aus allen Stellungen habe man ihn hinausgeworfen. Die Engländer wollen den Mann auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Während der Haft kam ein junges Mädchen und sagte, sie sei seine Braut, sie wolle ihn sehen;, die Bitte wurde ihr auch gewährt. In jedem Fall hat man es hier mit einem höchst seltsamen sozialen Milieu zu tun. In Deutschland würde man, wenn man etwa der uneheliche Sohn eines noch so nebenliegenden Prinzen 1st, mindestens Major, Millionär und Stamminsasse von feinsten Pensionen und die beste Partie für Mädchenpensionate. In dem demokratischen England ist das scheinbar anders. Ob daß nicht auch ein Unterricht gégen den Faschismus ist? Ernst-Busch-Film in Belgien Die Gruppe„Volksfilm" in Belgien hat den Film„Tyl VilensplegeT' nach de Coster begonnen. Die Eulenspiegel- Rolle spielt Ernst Busch, der durch seine Zusammenarbeit mit Hans Elster in Berliner Arbeiterkreisen einst besonders populäre politische Chansonnier und begabte Schauspieler, dessen einer Haupterfolg eine Rolle in der„Dreigroschen- oper" war. Maisonnette des Comédiens Russes Erstklassiges Restaurant»Cabaret. Normale Preise RAPHÀEL'früher im.Moni CO-) N ASTIA POLIAKOWA und die berühmten russischen Sänger Abendmahlzeit(von 8 Uhr). Soupers(bis 3 Uhr) 36, RUE VIVIENNE(BEI BOURSE) PARIS. DULBER 8, rne Chanez. Porte d'Antonil. Teleton Jasmin 39»8J Wein« und Dellkatessengeschäft Sämtliche deutsche Spezialitäten Restaarant»Bar TAGESPLATTE 4 FR« Sonntags t Geflügel• Lieferung frei Hanl und Provinz | PARIS-ETOIU I ö. 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Anschließend bringen sie eine Sehallplatte zum Vortrag, die auf ihren Ursprung hinweist, Paris P. T. T. zum Beispiel„C'est Paris", London Tipperary. Die Kontrolle der Stromfrequenz geschieht in Brüssel, Berlin, Prag, Nojinsk, Stockholm, Tatsfiels, Warschau und Bern. Eine der hauptsächlichsten europäischen Stationen sammelt telegrafisch und telefonisch die Resultate und gibt sie an alle Ecken weiter. Für die mittleren Wellen von 20« bis 600 Meter gibt es keine Schwierigkeiten. Aber über 1000 Meter liegt der Fall nicht so einfach. Von 1000 bis 1700 Meter ist man sich weder in Luzern. noch in Amsterdam einig geworden. Um Wirrwarr zu vermeiden, ist nach dem Luzerner Schlußprotokoll festgelegt, daß ein Land, dem eine Welle zugewiesen wurde, diese nur erhalten kann, wenn ein anderes Land sie aufgibt. Bis zur internationalen Entscheidung muß in der Mehrzahl der Fälle eine provisorische Lösung gesucht werden. Das heißt, wenn ein Land eine Welle erhält und der bis- CABINET E« M ARTELLIERE docteur eo droit(Gegründet 1910) MARC LINAH EMILE TRONQUIT licencié en droit diplômé notaire Conseils juridiques ERNST LANDAU früh. Rechtsanwalt beim Amts» u. Landgericht in Düsseldorf 2, Rue des Petits»Pères, I Gescllschaftsverträge PARIS 2° I Prozessführung x, c Gutenberg 79-42 I Einziehung von Forde» L Central 40-57| rangen im in- u. Ausland herige„Inhaber" diese nicht aufgibt, behält der„neue" Anwärter seine alte Welle so lange, bis Nummer 2 seine Hartnäckigkeit aufgegeben hat. Wahrscheinlich werden aber bis 15. Januar die meisten Streitigkeiten im Aether geschlichtet sein. Am 15. Januar soll weiter eine ganze Reihe von Sender verschwinden. Von kleinen französischen Sendern sind das Radio L. L., Radio-Vitus, Radio-Normandie, Radio- Béziers, denen die Luzerner Konferenz keine langen Wellen zuerkannt hak Aber werden sie sich beugen? Und der Eiffelturm, dessen Radio-Tod wiederholt vorausgesagt wurde? Wird er bleiben oder nicht? Alles das wird die„Stunde H" entscheiden, am 14. Januar, 23 Uhr. Brouckners„Rassen" in Zürich Im Züricher Schauspielhaus fand die mit Spannung erwartete Welturaufführung des neuen Schauspiels von Ferdinand Brouckner:„I)ie Rassen" unter der Regie von Gustav Härtung statt. Das Stück spielt In einer westdeutschen Universitätsstadt im März und April 1933 und ist eine Auseinandersetzung über die Rassenfrnge. Wir werden über die Aufführung berichten. Urninge unci StUckgutverkehr Paris- Palästina verbilligte Frachtberechnung durch regelmäßige Wochen* Sammelladung Verpackung- Lagerung- Versicherung Spezialer Dienst mit Abrufe ab DEUTSCHLAND f. FRANKREICH und PALÄSTINA Billigst und fachgemäß nur durch STERN-EXPRESS- PARIS 8 31, Rue de Pétrogr Telefon: Europe 60.10 id(Nfthe Place Clichy) Tailleur Eichner 20, Rue Laplace, Pans(5) Métro Maubert« Mutualité Tel. Odéon 83»75 Ausbesserun» gen, Umwendungen, nach Maß. Anzüge 350 Fr. i'cUt-'Ä OamenMflnelder J. Mastchenko / Ru. Su M«»*, S). Honoré.. to). Opéra 72.7« Kloidor, Mantel,, UatarbaHun«, Roparlorona ■'M fitmiM-iBitirnrmoi'iTfflntO'nitei'imro-mo I Ii):') 111)11'O'i'l.MMFWFIIÖ'Mi'iij Einkauf, Verkauf u. Beratung bei allen Juwelen und Goldwaren Wenden Sie sich an J. WILLK 41» r. le Peletier, Ecke 41» r. Lafayette Trod. 67-77. Métro: Le Peletier I GOLD s»Montan na« loi SIMONO I 24. Fg Montmartre(l-te Et.) j dor am touerot. bezahlen wird DER HINDU A6HA MIR Der berühmteste, geistreiche "••• Hindu, dessen Weltruhm be* kannt ist. prophezeit genau Euere Zukunft, und liest alle Euere Gedanken, mit riner un. glaublichen Sicherheit. Fr wirJ Sie leiten, aus veisthiedrner Art Schwiriskeiten u. Ui glück 'heraus m usw. Fragen Sie Ihn um Rat rersönl. o ciu'ch Knef 2ü, Avenue MaC'Hahou, Part», •Métro IrtoJc Die deutsche Schauspielgruppe in Straßburg Straßburg, Anfang Dezember. Neben den verschiedenen Gastspieltiuppen emigrierter deutscher Künstler hat sich seit Oktober d. J. eine ständige deutschsprachige Schauspielbühne außerhalb Deutschlands neu gebildet: die deutsche Schauspielgruppe am Straßburger Stadttheater. Dieses sieben Monate in Straßburg und einigen Ahstecherorten spielende Ensemble besteht zu etwa gleichen Teilen aus emigrierten deutschen, aus österreichischen und schweizerischen Künstlern; es steht unter der künstlerischen Leitung des ehemaligen Baden-Badener Intendanten K 1 u p p. Die erste Einstudierung Shakespeares „Wie. es Euch gefällt" war ein gleich starker Publikums- wie Presseerfolg. Ballett Weidt in Paris Im Pariser Saal Pleyel stellte sich das Ballett Weidt der Presse und einem geladenen Publikum vor. Weidt, aus Berlin als moderner Tänzer bekannt, hat zum Teil mit seinem Berliner, zum Teil mit neu hinzugekommenen Mitarbeitern in kürzester Zeit ein neues Programm aiisgear- beitet, mit dem er auf Tourneen gehen will. Der Eindruck der Probeaufführung war trotz der kurzen Vorbereitungs- zeit sehr sympathisch, Uneinbeitlichkeiten in der Technik, in der Gruppe und in der Idee wird die weitere Arbeit hoffentlich ausgleichen. Das internationale, am modernen Tanz interessierte Publikum wird die Arbeit auch dieser emigrierten Künstler begrüßen. Deutsche Gastspiele im Ausland lieber die Tournee einer Gruppe junger deutscher Schauspieler unter Leitung von Leopold Jeßner in Holland und England ist berichtet worden. Jetzt gastiert ein Ensemble erster deutscher Schauspieler— u. a. Tilla Durieux, Albert Bassermann. Ernst Deutsch, Alexander Molssi— mit Schillers„Don Carlos" und Ibsens„Wildente" in den holländischen Großstädten. Kurt Jooß, der Schöpfer des vor etwa einem Jahre in Paris preisgekrönten pazifistischen Tanzdramas„Der grüne Tisch" hat mit seiner Tanzgruppe in Rotterdam eine Welttournee begonnen, mit der er zur Zeit in Neuyork hält. Die Stadt Essen, deren Theater die Jooßsehe Tanzgruppe bis zum Ende der vorigen Saison angehörte, hat auf die Arbeit dieses einzigartigen Künstlerkollektivs verzichtet, da einige Mitglieder den Anforderungen der Rassenforsehungs- ! institute nicht gewachsen waren. Vom deutschen Tanz innerhalb der Reichs grenzen vernimmt man nur, daß der Ballettmeister der Berliner Staatsoper, Rudolph von lxiban, zum Herrn Reichskanzler höchstselbst befohlen wird, um Tanzunter rieht zu erteilen Z. W. Jjcô Qained da 83, Boulevard Malesherbes 177, Regent Street, London W. I Einkauf und Auslötung vom Versatzamt BRILLANTEN. GOLD SILBERWAREN. UHREN tägliche Gelegenheit««-Verkäu e BETTER, 49, FAUBOURG MONTMARTRE 8 MAN SPRICHT DEUTSCH Eisenbahn-Ausbildung in Frankreich Die französische Staatshahn hat auf Veranlassung ihres Generaldirektors Raoul Dautrg eine großzügige Organisation zur Ausbildung von Eisenbahn-Lehrlingen geschaffen. Zu diesem Zweck wurden fünf große Schulen gegründet, und zwar in La Folie-Batignolles, Rouen-Sotteville, Le Mans, Rennes und Saintes. In diesen Schulen können 600 Lehrlinge im Alter von 14 bis 16 Jahren eine dreijährige Lehrzeit durchmachen, die sie einer ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Spezialisierung zuführt. Bei Abschluß erhalten sie ein Diplom über ihre Berufsfälligkeit; sie bleiben .Jungarbeiter"(mineur-ouvrier) bis zum Antritt ihrer Milita rdienstzeit. Der Unterricht in diesen Lehrlingsschulen beruht auf dem Prinzip der Selhsterzlehung. Jeder Lehrling soll seihst den Wert seiner Arbeiten beurteilen. In das Werkheft, das vor ihm liegt, trägt er selbst die Arbeitsze>: ein, die er für ein bestimmtes Stück gebraucht hat; er gibt sich seihst seine „Note" und bestimmt Im Rahmen der gegebenen Sätze den Lohn hierfür. Das Gehalt, das er in drei Jahren seiner Lehrzeit bezieht, erreicht 10 000 Fr. Ein Teil der Lehrlinge, die gesundheitlich besonderer Pflege bedürfen, kann file Ferien in dem Ferienheim der französischen Staatsbahn La Motte- Vendée, in der Nähe des Ozeans, verbringen. iPariser& heater IMmarnfte. le 3 3>éxem6re Concerts Poulet. 17 h 30(Th. Sarah Bernhardt), Chef Oaston Poulet, sol. Denise Levi(viol.). Concerts Pasdelou p. 16 h 30(Th. Ch. Elgsées). Chef d' Orchestre Coppola, sol. J Thlbaud(viol). Opera. 3 h Argentinia(danses). Op. Comique. 2 h 30 Barbier de Seville, 8 h Frasqultta. Corn. Française. 2 h 30 La Belle Aventure, Sganarelle. 8 h Le Juif polonais F Anglais tel qu'on le parle. Ode on 2 h 30 Jeanne de Pantin, Le Joli rôle. 8 h 30 Le Marchand de Venise Tro coder o. 2 h Les Contes d'Hoffmann. O a 11 e L u r i q u e. 2 h 45 Le Pays du Sourire. 8 h M Le Pays du Sourire. S t. C h. E l y s é e s.!) h Yvette et ses enfants. Lettre d'une inconnue, Stiopio et Mania T h. P i g ail e. 8 h 30 Opérette„ Tai Chauve Souris"(Max Reinhard). Brief aas nogdebarg den 15. 11. SS. Lieber Bruder! Hoffentlich wirb dieser Brief nicht geöffnet, sonst wirst Du ihn bestimmt nicht erhalten. Der Absender auf dem Um- schlag hat nichts zu sagen. Sende mir Deine Antwort ruhig auf dem gewohnten Wege. Selbst hier in unserer„ruhigen" Gegend hat sich allerlei zugetragen. Du wirst vielleicht schon darüber gehört haben, dah im ganzen Ostharz große SA.-Revolten ausgebrochen waren. Die SA.-Leute merken nun langsam, wie sie bctro- gen wurden, nun mucken sie überall gegen den fürchterlichen Bonzenbetrteb auf. In Halbcrstadt, Neinstedt, Timmenrode, Blankenburg usw. mußten große Aktionen durchgeführt und zahlreiche Hitlerleute verurteilt werden. Neben den 108 Iah- ren Zuchthaus, die verhängt wurden, haben die aufrühreri- schen Nazis eine ganze Reihe von Toten und Schwcrvcrletz- ten zu beklagen. Die merken nun selber, was es heißt, ter- roristert zu werden... Ich selbst hatte großes Glück: ich habe eine Aufwartestelle gesunden. Denkt Euch nur, ich bekomme die Woche vier Mark und Esten, ist das nicht herrlich? Zwar muß ich rennen wie ein gehetztes Reh, aber andere haben ja noch viel weniger. Die meisten bieten sich jetzt für einen Stundenlohn von 20—25 Pfennig brutto an. Dabei werden sie nur genommen, wenn sie eine Gesinnungsprüfung auf Herz und Nieren bestanden haben. Meine Arbeitgeber betreiben einen kleinen Kolonialwaren- laden. Nun haben die Kunden schon geäußert, wenn ich nicht bald wieder entlassen würde, so müßten sie woanders kau- sen. Ja, das ist Volksgemeinschaft! Hier hat tatsächlich eine große Anzahl von Leuten Arbeit bekommen. Aber dafür arbeiten die Betriebe, die früher 5 oder 4 Tage beschäftigt waren, nur noch zwei oder höchstens drei Tage. So verdienen die Arbeiter etwas über 10 Mark in der Woche. Das ist immer noch ein wenig mehr als die k- obendrein sehr unsichere— Unterstützung. Man kann jetzt oft hören, ja früher! Unsere Bonzen haben Dr. Spécialiste 96, rue de Rivoli— Metro: chatelei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, umi FRAUENKRANKHEITEN Heil nag von Krampfadern ■ od offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität, Imptungsvertahren Trypafle vine« Einspritzungen Blut« und Harn«Untersuchungen, Sper« inakultur, Salvarsan. Wismut u>*. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man sprich' deutsch r«i. Trinité 43.13 Métro: Pigalle Deutsche Poliklinik Pari». 62. Rue d< la Rochefoucauld ») Allgemeine b) Chirurgie c) Geburtshilfliche d) Zahnärztliches Konsultationen ZweiitSckige» Sanato. Klinik Kabinett riumsgebäude. Die aller. Vierstöckiges Gebäude, mit 9 Spezialisten modernste Einrichtung Zimmer mit 1 bis 4 Betten Zahn- und Mundchirurgi« Ordination täglich von 9—12 und 2--8: Sonn, und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr SEROKLINIK VON PARIS 71, Boulevard de Olicnv- Metro Blanche Harnleiden, chronischer und frischer Tripper, Militärgicht, Cystitis, Prostata. FRAUENLEIDEN Blutkrankheiten, Venenentzündung, Hämorrhoiden Syphilis, Haut- und Kopfhauterkrankungen: Ausschlag, Psoriasis.— Neue Behandlungsmethode auf elektrischem Wege und durch ultraviolette Strahlen Serotherapie und Auto« Hemo• Therapie— Mässiges Honorar. Konsultationen von 9—12 und 14—2U Uhr. Sonntags von 9—12 Uhr. den Marxismus besiegen könne. Jeder Tag beiehrt ihn eines andern. Zum Schluß noch eine wichtige Frage: Ihr seid ja dort über viele Vorgänge viel besser unterrichtet als wir im „dritten Reich". Hast Du einmal etwas über Gerhard Seeger aus Dessau gehört? Er soll seit einiger Zeit spurlos ver- schwanden sein. Und hier hält sich hartnäckig das Gerücht, er sei erschossen. Solltet Ihr etwas darüber erfahren haben, so wäre ich für baldige Mitteilung sehr dankbar. Nun Schluß für heute. Ich bleibe in alter Treue Deine G... Nazi-Feme sJnpreß.j In Hochneukirch bei Gladbach-Rheydt wurde der 22jährige SA.-Mann Heinrich Ester erschossen und der Orts- gruppenleiter der NSDAP., Abels, durch einen Schuß an der Hand verletzt. An der Schießerei waren politische Gegner nicht beteiligt. Es handelt sich also um einen Rache- oder Fememord. &w. fie^mund Jiirstfi Allg.prakt.Arzt Frauen- und Kinderkrankheiten Sprechstunden: leden Tag von 1-3 und 6-6 Uhr Sonntags 6-10 Uhr Karls(20) 92, Rue Pelleport (gegenüber Jfl-ro 9eHepon!) Ménilmontant 55-96.(Nachtvisiten). End!; ch befreit von MI6RANE Kopfweh, Neuralgie und allen anderen Schmerzen dank OSA Cachets! Anerkannt aicherete u. achnellsteWirkung Unübertreffliche Schweiz. Spezifität (auch als Pulver) Fco. geg Einsendung v, 8.50 Fr. 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Sébastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Nase, Hals, Ohren: Sprechstunden täglich von 5— 7 Uhr. ZAHNKRZTIN LlC*T«=N STEICi U, Bd. Beaumarchais, Tel. Arch. 60-38, Métro Bastille Konsult. v. 2-7 u. auf Verabredung, Sonntags von 1-3 Uhr Keine„Wohlfahrt" mehr? sJnpreß.j Der Haushaltplan der Stadt Köln schließt mit einem Fehlbetrag von 30 Millionen ab. Die ß c' a I!\ Schuldenlast Kölns beträgt säst eine halbe Milliarde-^ Leiter der kommunalpolitischen Abteilung, Gerhard Ba haus, haï erklärt, daß. wenn in der bisherigen Weise wet^ Bewirtschaftet werde, mit Sicherheit der Tag komme, w keine Wohlfahrtsausgaben und keine®' bettslotenunterstützung mehr gezahlt we den können. B^EFKflSTIN Für Zeitungsausschnitte haben wir einer ganzen Anzahl Freunden und Freudinnen zu danken. ES wird alles gelesen,» auch nicht alles verwertet werden kann. Nicht vergcgen: aus I e Ausschnitt den Namen der Zeitung, Nummer und Datum schrew Mathilde B. Wien. Sie sind sicher eine gute Frau. An frtcbliA* Naturen wie Sie hat Friederike Kempner als Jdealmenschen dacht, als sie in etwas komischen Reimen mahnte: Zanket nicht, hetzet nicht, Friedlich scheint das Sonnenlicht, Latz« die Juden und die Christen, Ungekränkt ihr Leben fristen „Kommunistischer Leser". Nicht selten bekommen wir Zuschriften auch von Kommunisten. Kritische und zustimmende, jedenfalls«e höfliche und manchmal kameradschaftliche Briefe. Bor einigen Tage haben wir einem dieser Leser an dieser Stelle gedankt und eiu'»^ ablehnende Worte gegen einen neuen parteiamtlichen Erguß de KPD. und gegen die Unfehlbarkeit der„Partei' päpste" ganz allgemein angesägt. Diese Notiz hat un» W" genden Brief eingetragen: Marseille d. 29-"• Werte Genossen! Sie äußern sich im Briefkasten der„Deutsche« Freiheit" über„alte Gebetsmühlen" im Zusammenhang w" „Müllhausen". ES erübrigt sich auf die Richtigkeit der Zitate von DEUTSCHER ARZT (Emi rant) m angiährp Praziv tPhys Therap.,Alh gemein.»■ Ch rurgiel sucht ge I net. Be a igungsfeki. Kapital vo> banden. Angebote an: l J ubl Me'z Paris. 51 r.Tiirbigo V.Ô12 I »«»»»»MN»» Kosmetische Kurse „MACO" Vorbereitung kosmetischer Produkte Verteilung der Diplome 278 BOULEVARD KASfAJL Telefon Danton 73.99 öoch recht gehabt als sie unS warnten.„Lohn verloren, viel verloren, Freiheit verloren, alles verloren!—" Bor der Wahl haben die Arbeitslosen verbilligtes Fett be- kommen. Das Pfund für 88 Pfennig. Aber die Ration reicht nicht hin und nicht her. Und die billigste Margarine ist im regulären Handel mit 1,15 Mark zu kaufen. Paul fährt oft nach O. zu den Verwandten. Wenn er wie- der kommt, ist er immer sehr aufgeräumt. Er hat seine Freude daran, wie die Bauern schimpfen, weil ihnen nun die gebratenen Httlertauben immer noch nicht in den Mund flie- gen, und weil sie durch das Erbhofrecht praktisch genommen enteignet sind. Denn es findet sich nun niemand mehr, der ihnen Kredite geben will, weil ja ihre Höfe keine Sicherheit mehr darstellen. Unser Ernst ist nun seit dem 1. 10. Gehilfe. Er arbeitet in feinem Lehrgeschäst für das Lehrlingsgehalt weiter. Trotz stundenlanger Verhandlungen war auch nicht eine einzige Mark Erhöhung pro Monat herauszuholen. Das Geschäft kann es einfach nicht tragen. Diese mittleren, einst gut sun- dicrten Geschäfte, deren große Hoffnung die Zerschlagung der Warenhäuser und Konsumvereine gewesen ist, manifestieren sich alle nur noch kümmerlich durch und warten auf bessere Zeiten. An die Rettermtssion des großen Adolf glaubt keiner mehr. Der gute alte Genosse£., der damals von den Nazibestien in unserer Nachbarstadt so unmenschlich zugerichtet wurde, hat sich nicht wieder erholen können. Er wurde in der vorigen Woche in die Irrenanstalt überführt. Traurig, taurig. Auch unserem lieben Freunde S., der ein Menschenalter im Dienste der Arbeiterbewegung gestanden hat, geht es sehr schlecht. Seine eingezahlten Gelder der Unterstützungskasse haben sie ihm genommen. Als er seine Erwerbslosenunter- stützung vom Verbände kassieren wollte, haben sie ihn wegen staatsfeindlicher Gesinnung ausgeschlossen. Er hatte noch ein kleines Sparguthaben. Das haben sie ihm gesperrt. Er darf im Monat 10 Mark abheben. Ein Antrag aus Mietzuschuß wurde ihm abgelehnt. Jetzt geht er mit seiner Familie in den Wald. Sie sammeln Bucheckern und lassen sie auspressen. Zwar müssen sie 50 Pfennig Fettsteuer dafür entrichten, aber sie haben doch wenigstens etwas zu ihren Pellkartoffeln. Trotzdem hat der Alte noch immer guten Mut. Er ist eine.Kampfnatur und nicht unterzukriegen. Auch die allge- meine Stimmung bessert sich langsam. Man muß staunen, woher die Leute ihre unerschütterliche Zuversicht nehmen. Hier zeigt sich der Segen ihrer langen politischen und wirt- schastlichen Schulung. Sie wissen, daß diese Diktatur zusam- menbrechen muß. Allerdings ist sich auch ein jeder klar dar- über, daß vor dem Siege der Arbeiterklasse eine fürchterliche Arbeit verrichtet und manches Opfer getragen werden muß. Aber dieses Bewußtsein erhöht nur den Mut. die Tatkraft und die Umsicht. Es wird feste gearbeitet. Hitler hat geglaubt, daß er mit der Vernichtung unserer Organisationen und der Ausschaltung der alten Funktionär« vas Vermögen Theodor Wolfis beschlagnahmt sJnpreß.j Das gesamte in Deutschland verblieben« Ber- mögen Theodor Wolffs, des früheren Ches-Redakteurs des „Berliner Tageblattes", wurde beschlagnahmt. Als Grund wird Wolffs„antideutsche Auslandstätigkeit" angegeben. CANNES-RIVIERA PRIVATVILLA Réfugié nimmt einige « Gäste an), Uder Komfort. Gepfi. Küche. Monatlich 1000 Fr. Schreiben an: PUBL. METZL, PARIS. 51, res Turbigo, unter Hr. 74 BRÜSSEL rue I, Enseignement 1 5->7 Br. jap. K. Goldman früh, deutsch. Rechtsanw Forderungseinziehung in Deutschland Handeisver» tretung. Daselbst franz. Sprachkurse. Monatlich 20.— Franken kommunistischen Thesen über die Rolle Ihrer Internationale ei»- zugehen. Sie sind die Einzigen, die nicht glauben wollen, das Noske, Severing u s. w. den Faschismus begünstigt und ftt>Ile p Ii"> zur Macht verholsen haben(20. Juli, 30. Januari. Sie sind die Einzigen, die nichts vom 4. August 1014 wigen wollen. Sie reden von„Parteipäpsten". und vergegen, daß Individuen wie Wels noch jetzt als Vertreter der deutschen Sektion der 2. Intern die Schnauze ausreißen. Eines können wir Ihnen versprechen: die Rache des Prole- lariats wird sich nicht nur gegen die faschistische Henker richten, sondern auch gegen ihre sozialsaschistischen Helfershelfer! Wenn Sie noch 1 Funken Ehrgefühl und Anstand in sich haben, stellen Sie diesen Brief in der„Freiheit" zur Tiskugion! Rot Front! Wir sehen gar keinen Grund, diesen Brief, obwohl er anonnm ist. zu unterdrücken. Es ist immer gut zu wigen, was e» alles noch gibt, und wie schwer es für manchen ist, etwas zu lernen. Leiste» werden solche Leute allerdings nie etwas, ganz gleich, wo sie auch stehen, und auf wen sie auch schimpfen mögen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P t tz in Dud- weiler: für Fnserate: Ctto Kuhn in Saarbrüiken Rotationsdruck und Bei lag: Verlag der Volksstimme GmbH.. Saarbrücken 3. Sibüpenstraße 5. Librairie PROGRES u » 66, Lg. rue du Vanneau ANVERS- Tel. 276.98 Moderne deutsehe Buchhandlung, Leih« bibliothek, Zeitschriften und Zeitungsvertrieb Vertrieb der„Deutschen Freiheit" für Antwerpen und Annahme von Inseraten „BRAUNBUCH" vorrätig Wegen der Aufnahme von Inseraten und der Annahme von Abonnements in Belgien wende man sich schriftlich an die „Deutsche Txeiheit" Ausgabestelle: BRUXELLES XL 38, Rue d'Edimbourg Deutsche Bücher werden schnellstens zu Originalpreisen geliefert! Qcsuffti Gut etnge/. Reisende in Papier- und De- vol ionalten-Geschäften für Saargebiet gesucht. Neuer Artikel Erfolg gesichert. Librairie„PROGRÈS" für P. 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